- Holmes & Moriarty
- Gareth Rubin
- HarperCollins
- Krimi
- Sherlock Holmes
- Fall
- Theater
- Berge
- Schweiz
- Spinnen
- Spannung
George Reynolds hat einen seltsamen Auftrag für Sherlock Holmes: Er ist angehender Schauspieler, der in einem geheimen Theater ein Shakespeare-Stück aufführt. Allerdings scheint er der einzige fähige Schauspieler zu sein, während seine Kolleg:innen bestenfalls beschämend sind. Zudem scheint die kleine Zuschauerschaft immer dieselbe zu sein, die sich regelmäßig abwechselt. Sherlock Holmes wittert einen komplizierten Fall und damit hat er auch recht – denn es ist ein Fall, der ihn zwingen wird, sich mit seinem größten Feind zu verbünden: James Moriarty …
Als Sherlock-Holmes-Fan war ich natürlich sofort interessiert an der Grundidee der Geschichte, fand aber, dass deren Umsetzung nur solide war. Das beste war definitiv der Schreibstil: Er hat mich in den Watson-Kapiteln sehr an Arthur Conan Doyle erinnert und selbst in den Moran-Kapiteln, die einen deutlich anderen Ton haben, war er immer noch gut zu lesen. Wobei mir die Watson-Kapitel trotzdem sehr viel besser gefallen haben als die Moran-Kapitel, weil Moran so ein unsympathischer Zeitgenosse war und es schlicht keinen Spaß machte, ihm zu folgen. Zum Glück hat Watson mehr Fokus, wobei ich es bei seinen Kapiteln zusätzlich mochte, seine Freundschaft mit Holmes und Holmes' Schlussfolgerungen zu sehen.
Der eigentliche Fall war wunderbar mysteriös und ging in eine Richtung, die für die damalige Zeit vielleicht nicht ganz realistisch ist, aber spannend umgesetzt war. Doch zu meiner Überraschung war die Zusammenarbeit zwischen Holmes und Moriarty dabei nicht der Fokus. Natürlich gibt es den Moment, in dem die beiden beschließen, sich zusammenzutun, sowie weitere Szenen, in denen sie sogar Schlussfolgerungen anstellen, aber dadurch, dass die Geschichte aus Watsons und Morans Perspektive geschrieben ist, bekommen wir nur wenig von dem emotionalen Aspekt dieser Zusammenarbeit mit.
Das Ende war sehr spannend, aber ich hätte mir gewünscht, dass wir statt Moran Holmes' Sichtweise bekommen hätten, um uns leichter in ihn hineinversetzen zu können und Moriarty mehr zu einem Mysterium zu machen. Es war trotzdem eine sehr solide Geschichte, mit einem großartigen Fall und einem guten Schreibstil, doch von Holmes' und Moriartys Zusammenarbeit bekommen wir leider nicht so viel mit, wie ich es mir gewünscht hätte.
- Faebound
- Saara El-Arifi
- Atlantik
- Fantasy
- Romantasy
- Romanze
- Liebe
- Fae
- Schwestern
- Twists
- Mythen
- Weissagungen
- Beziehungen
- LGBTQ+
Nachdem ihr erster Auftrag als Kommandantin in über dreihundert Toten endet, wird Yeeran ins Exil geschickt, wo sie nur eine sehr unwahrscheinliche Chance hat, es mit einem wertvollen Fund aufzuheben. Ihre Schwester Lettle und ihr Oberst Rayan, die sich beide eine Teilschuld an ihrem Schicksal geben, schließen sich zusammen, um sie zu finden. Doch kaum, dass sie tatsächlich auf Yeeran stoßen, werden von Fae gefangen genommen, die eigentlich als ausgestorben galten. Sie werden nach Mosima gebracht, einer unterirdischen Höhle, in die die Fae verbannt wurden. Am Anfang suchen sie verzweifelt nach einem Weg, zu entkommen, doch je besser sie die Fae kennenlernen, desto hin- und hergerissener werden sie, was ihre geplante Flucht angeht …
Dieser Fantasyroman war eine positive Überraschung für mich, denn nach so einigen Fae-Romantasys, die ich aufgrund störender Klischees abbrach, war dieser Roman die erste Fae-Fantasy, die mir sehr gut gefallen hat. Zunächst einmal ist der Schreibstil sehr angenehm: Nicht zu trivial, sondern schlicht schön zu lesen.
Doch die wahre Stärke des Romans liegt in seinen Charakteren und deren Beziehungen bzw. Romanzen. Yeeran, Lettle und Rayan waren allesamt sehr sympathische Charaktere, wobei mir vor allem gefallen hat, wie sie auf die Twists der Handlung reagierten. Diese erschütterten sie mindestens genauso wie mich als Leserin, denn obwohl sie gut angedeutet worden sind, habe ich sie nicht kommen sehen. Die Implikationen hinter manchen von ihnen waren gewaltig – was sich auch auf die Charaktere auswirkt, die realistisch auf sie reagieren.
Ebenfalls gut umgesetzt waren die Romanzen: Sowohl Yeeran und die Fae-Prinzessin Furi als auch Lettle und Rayan hatten eine süße Slowburn-Romanze, die durch die Weissagungen, die Lettle am Anfang macht, zusätzliche Spannung gewinnen. Sowohl Enemies-to-Lovers- als auch Friends-to-Lovers-Fans kommen hier auf ihre Kosten, vor allem weil beide Romanzen gleich viel Fokus erhalten.
Doch zwei wichtige Kritikpunkte habe ich auch. Die Geschichte ist in drei Teile geteilt, aber den mittleren Teil der Handlung fand ich ein wenig langatmig, weil nicht allzu viel passiert; dieser Teil lebt vor allem durch seine Charaktere und deren Dynamiken. Viel spannender fand ich den ersten und letzten Teil der Handlung, die etwa ein Drittel bzw. ein Fünftel der Gesamthandlung einnehmen, doch die Mitte schaffte es nicht immer, die Spannung zu halten. Dadurch, dass mir die Charaktere so viel Freude bereiteten, las ich zwar gerne weiter, hätte mir aber trotzdem mehr Nervenkitzel gewünscht. (Das Finale war dafür zu schnell vorbei, war für mich aber keine große Kritik.)
Der zweite Punkt, der mich störte, war die Tatsache, dass Yeeran am Anfang der Handlung mit dem Oberhaupt ihrer Armee, Salawa, zusammen ist, die aufgrund Yeerans Versagen gezwungen war, sie ins Exil zu schicken. So gut Yeerans Romanze mit Furi auch war, habe ich nie vergessen, dass sich Yeeran und Salawa nie offiziell voneinander trennten, was Yeerans Romanze mit Furi einen bitteren Beigeschmack gegeben hat. Zwar geht Yeeran davon aus, dass Salawa nicht auf sie warten wird und ihre Beziehung mit dem Exil endete, doch Salawas aktuelle Sichtweise darauf bekommen wir leider nie zu lesen. (Irritierend war auch, dass die Innenklappe eine romantische Szene zwischen Yeeran und Salawa zitierte, als wäre dies die Beziehung, um die es letztendlich geht.)
Trotz dieser Kritikpunkte habe ich den Roman sehr genossen, weil er davon abgesehen großartige Charaktere, Beziehungen und Twists zu bieten hatte, weshalb ich ihn allen Fae-Fans empfehlen kann!
- Wenn du es heimlich
- machen willst
- musst du die
- Schafe töten
- Anna Maschik
- Luchterhand
- Belletristik
- Sprache
- Stilmittel
- Familiengeschichte
- Interpretation
- Bilder
- Magischer Realismus
In Momentaufnahmen folgen wir der Geschichte von Almas Familie: Ihrer Urgroßmutter Henrike, die einen Bauernhof führte; ihrer Großmutter Hilde, die zunächst eigene Pläne hat, bevor sie ebenfalls eine Liebe für den Hof entwickelt; ihrer Mutter Miriam, die fast nicht existiert hätte; und alle Verwandten dazwischen, bis zu Alma selbst, die die Familiengeschichte in Fragmenten erzählt.
Der Schreibstil dieser Geschichte ist schlicht beeindruckend: Die Art und Weise, wie die Autorin Sprache verwendet, mir rhetorischen Stilmitteln arbeitet und mit wenigen Sätzen ganze Bilder erschafft, war phänomenal. Dadurch, dass die Geschichte aus mehreren einzelnen Szenen besteht und nicht strikt aus einer zusammenhängenden Handlung, ist es auch nicht die Handlung selbst, die so ergreifend ist, sondern die Art und Weise, wie sie erzählt ist.
Hervorheben möchte ich zum einen die Szenen, die schlicht gewisse Dinge aufzählten („Was Henrike sieht“, „Was Miriam isst“, „Was David spielt“ etc.), weil so durch wenige Worte Vorstellungen einer Handlung geweckt werden, die eigentlich nicht existiert, aber durch die Wörter und die Zusammenhänge, die man automatisch sucht, trotzdem entsteht. So entstand quasi mehr durch das, was nicht gesagt wurde, als durch das, was geschrieben ist.
Der magische Realismus ist ebenfalls etwas, das ich ansprechen möchte, denn es gibt einige Szenen, die, wenn man sie wörtlich nimmt, magisch anmuten, weil sie schlicht nicht in der Wirklichkeit geschehen können. Die eine Erklärung ist natürlich, dass hier tatsächlich magische Dinge vor sich gehen; doch ich mochte es, die Szenen nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne zu nehmen, weil das Interpretationsspielraum schuf, der die Geschichte weiterhin bereicherte. Tatsächlich habe ich Lust, den Roman noch mal zu lesen, nur, um die tiefere Bedeutung vieler Szenen besser zu verstehen!
Insgesamt also eine hervorragende Lektüre, die vor allem für diejenigen, die eine bildliche, gewaltige Sprache lieben, perfekt geeignet ist – aber auch für diejenigen, die in ihren Geschichten die Dinge zu schätzen wissen, die nicht explizit gesagt werden. Ich selbst war überrascht darüber, wie sehr ich die Lektüre mochte und hoffe, dass sie auch anderen gefallen wird!
- Vorsehung
- Liane Moriarty
- Droemer Knaur
- Belletristik
- Tod
- Leben
- Weissagung
- Schicksal
- Wahrscheinlichkeit
- Zufall
- Charaktere
- Probleme
Es scheint ein ganz gewöhnlicher Flug zu sein: Bauingenieur Leo ist in seine Arbeit vertieft, während er mehr Zeit für seine Familie brauchen könnte. Junggeselle Ethan kommt gerade frisch von der Beerdigung eines guten Freundes zurück. Paula sorgt mit ihren zwei kleinen Kindern für gehörigen Aufruhr, der sie selbst stresst. Eve ist frisch verheiratet und glücklich, aber nicht gut vorbereitet auf das Eheleben. Sue ist eine ältere Dame, die sich darauf freut, mit ihrem Mann auf mehr Reisen zu gehen. Und Allegra, die Flugbegleiterin, hat Geburtstag, aber trotzdem Spaß daran, den Flug zu leiten. Bis eine alte Frau aufsteht und anfängt, jedem Passagier seine Todesursache und Lebenserwartung zu nennen. Arbeitsunfall, Krebs, Ertrinken, tätlicher Angriff, Mord, Suizid – obwohl unsere Protagonistinnen und Protagonisten nicht wirklich daran glauben, schockiert es sie doch, zu hören, dass ihnen nur wenig Zeit bleibt. Doch erst, als die erste Person umkommt, muss sich jeder mit der Frage auseinandersetzen, was er oder sie mit seinem Leben anfangen will …
Die Kurzbeschreibung und die Grundidee der Handlung haben mich sofort eingenommen und die Umsetzung hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Besonders die einzelnen Charaktere und die Art und Weise, wie sie mit ihren Weissagungen umgingen, fand ich sehr realistisch und gleichzeitig spannend geschrieben. Ich habe mit allen mitgefiebert und fand, dass die Geschichte es leicht machte, allen Charakteren zu folgen, ohne durcheinanderzukommen.
Nur die Geschichte von Cherry, der Wahrsagerin, hat mich am Anfang überhaupt nicht interessiert – viel investierter war ich in die anderen Charaktere. Erst nach einer ganzen Weile begann ich langsam, auch in ihre Geschichte einzufinden und mochte sie bald so gerne wie die anderen, aber bis zu diesem Zeitpunkt dauerte es auf jeden Fall eine ganze Weile. Glücklicherweise waren die Kapitel recht kurz, sodass mich dieser Aspekt letztendlich nicht SO sehr gestört hat – und außerdem noch einen anderen positiven Punkt hatte, der mich sehr begeisterte: Der Umgang mit der Wahrsagerei.
Ich war nämlich sehr neugierig, wie die Grundidee der Handlung umgesetzt werden würde – ob tatsächlich alles wahr werden würde oder sich am Ende alles als Humbug erweist. Zu meiner Freude hat die Autorin einen sehr zufriedenstellenden Mittelweg gefunden, indem Cherry selbst die wahrscheinliche Verbindung aus Zufall, Erwartungen, Wahrscheinlichkeiten und Voreingenommenheit ansprach, aber auch zeigte, wie ihre Mutter die Wahrsagerei nutzte, um Frauen in toxischen Beziehungen zu helfen und Menschen allgemein den letzten Schubs zu geben, um ihr Leben zu ändern. Das fand ich sehr schön, weil auf diese Weise sowohl die Wichtigkeit der Rationalität betont wird als auch die Bedeutsamkeit fremder Ratschläge, was die Geschichte im Allgemeinen und das Ende im Speziellen sehr zufriedenstellend machte.
Den Schreibstil fand ich zugegeben ein wenig gewöhnungsbedürftig, ohne, dass ich sagen könnte, woran es lag. Er schuf eine gewisse Distanz zu den Charakteren, beschrieb aber gleichzeitig ihre Probleme so gut, dass man sich leicht in alle hineinversetzen konnte. Ich selbst wurde zum Nachdenken angeregt, weil ich mich gefragt habe, wie ich wohl mit den verschiedenen Weissagungen umgegangen wäre. Trotzdem hob der Schreibstil sich nicht allzu hervor, weder im positiven noch im negativen Sinne.
Insgesamt also ein guter Roman für alle, die es mögen, Geschichten über mehrere miteinander verbundene Charaktere zu lesen – und gerne über ihr eigenes Leben nachdenken!
Nachdem Jules ihren Job, ihren Freund und damit auch ihre Wohnung verloren hat, ist sie umso dankbarer, eine Annonce für eine Wohnungssitterin zu finden, die für das berühmt-berüchtigte Hochhaus Bartholomew gesucht wird. Indem sie schlicht in einem der exklusiven Apartments wohnt und sich darum kümmert, bekommt sie pro Woche tausend Dollar bar auf die Hand. Ihre beste Freundin warnt sie zwar, dass dieses Angebot zu gut ist, um wahr zu sein, doch Jules hat keine andere Wahl, wenn sie sich ein neues Leben aufbauen will. Doch es gibt einige Regeln, an die sie sich halten muss und die ihr Misstrauen wecken: Sie muss jede Nacht in ihrem Apartment verbringen, darf niemanden reinlassen und nicht von sich aus Kontakt mit den Einwohnern aufnehmen. Als ob das nicht schon seltsam genug wäre, warnt eine andere Wohnungssitterin sie vor Geschehnissen im Haus – und verschwindet kurz darauf …
Ich wollte mal einen älteren Thriller von Riley Sager lesen, um zu schauen, wie er im Vergleich zu seinen aktuelleren Thrillern geschrieben ist – und muss zugeben, dass ich mich in Zukunft wohl nur auf seine neueren Thriller konzentrieren werde. Denn obwohl dieser Thriller durchaus Aspekte hatte, die ich mochte, hat er mich letztendlich nicht überzeugt.
Die Idee ist auf jeden Fall einnehmend: Ich wollte unbedingt herausfinden, was es mit dem Bartholomew auf sich hat, warum die Wohnungssitter verschwinden und was es mit den anderen Bewohnern auf sich hat. Was allerdings die Antwort auf diese Fragen betrifft, bin ich hin- und hergerissen. Einerseits kam sie definitiv unerwartet, war schockierend und sorgte für ein spannendes Finale, bei dem ich sogar emotional mit den Charakteren mitfieberte – andererseits war die Erkenntnis irgendwie enttäuschend und nicht die Richtung, die ich mir erhofft hatte. Gleichzeitig bin ich froh, dass die Richtung, die zuvor angedeutet wurde, sich als falsche Fährte herausgestellt hat, weil sie mir noch weniger gefallen hätte. Insgesamt fand ich die Erklärung für die Geschehnisse im Hotel also nicht zufriedenstellend, aber auch nicht schlecht.
Mir fiel es leider leicht, herauszufinden, wer genau der Drahtzieher ist – tatsächlich war es für mich so offensichtlich, dass ich mir gewünscht hätte, auf eine weitere falsche Fährte hereinzufallen, was leider nicht der Fall war. Zudem sind Jules’ Untersuchungen zwar gut umgesetzt, aber ein wenig langsam, was das Pacing der Geschichte negativ beeinflusst.
Doch zwei große Stärken hatte der Thriller meiner Meinung nach: Zunächst einmal ist Jules selbst ein hervorragender Charakter. Ich war sehr in ihre persönlichen Probleme und ihre traumatische Vergangenheit investiert, speziell mit ihrer verschwundenen Schwester Jane. Erfrischend war hier auch, dass ihre Vergangenheit nicht mit der Gegenwart zusammenhing – zwar hätte ich mir am liebsten einen ganzen Roman zu Jules’ Suche nach ihrer Schwester gewünscht, aber letztendlich fand ich es gut, dass die beiden Aspekte in der Handlung voneinander getrennt wurden.
Die zweite Stärke des Thrillers sind die anderen Charaktere. Wir lernen sie gut genug kennen, um auch mit ihnen mitzufiebern, was spezielle Schicksale gegen Ende besonders emotional machte. Das Drama, das dadurch entstand, war schlicht gut umgesetzt und hat mich zusammen mit Jules’ Geschichte durch den Roman getragen.
Letztendlich ändern die Stärken leider nichts daran, dass der Thriller mich insgesamt nicht allzu begeisterte, doch hoffe ich, dass zukünftige Thriller aus Riley Sagers Feder es dafür umso besser schaffen!
- Addie LaRue
- V. E. Schwab
- Chest of Fandoms
- Fantasy
- Geschichte
- Unsterblichkeit
- Vergessen
- Erinnern
- Liebe
- Kunst
- Leben
- Tod
- Highlight
Vor dreihundert Jahren hat Addie LaRue ihre Seele verkauft, weil sie nicht heiraten, sondern in Freiheit leben wollte. Doch der Preis dafür war hoch: Jeder, der sie zu lange aus den Augen verliert, vergisst sie augenblicklich, fast so, als würde sie nicht existieren. Niemand erinnert sich an sie und sie selbst kann keine Spuren hinterlassen. Bis zu dem Tag, an dem sich etwas ändert: Nach dreihundert Jahren trifft Addie auf Henry, einen jungen Buchhändler, der sie in Erinnerung behält – und in den sie sich verliebt …
Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden, um diese grandiose Geschichte zu beschreiben, denn sie war so wunderschön, so emotional und so gewaltig, dass ich sie am liebsten gleich nochmals lesen würde – und irgendwann sicher auch tun werde, denn diese Geschichte verdient es, mehr als einmal gelesen zu werden. Zu sagen, dass sie ein absolutes Highlight war, wäre eine Untertreibung.
Es fängt mit dem Schreibstil an, der tatsächlich ein großer und wichtiger Faktor ist. Er ist bildgewaltig, voller frischer Vergleiche, Metaphern und anderer rhetorischer Stilmittel, flüssig zu lesen und rundherum einfach wunderschön. Er zog mich sofort in die Geschichte hinein und ließ mich bis zum Ende nicht los. Die Geschichte und das Prinzip dahinter sind bereits faszinierend, doch ohne den Schreibstil, der die Gedanken und Gefühle der Charaktere so präzise und kreativ in Worte fasste, wäre ich sicher nicht so davon gepackt worden, wie es tatsächlich der Fall ist.
Teilweise folgen wir der Gegenwart, Addies Begegnung und Zeit mit Henry, der ebenfalls eine dramatische Geschichte hat, teils Addies Vergangenheit mit großem Fokus auf das achtzehnte Jahrhundert, in dem sie ihren Pakt geschlossen hat. Letzteres hat mich am Anfang zunächst verwundert, weil ich erwartete, dass wir recht gleichwertig über die verschiedenen Jahrhunderte lesen werden, doch letztendlich war es genau diese Zeit in Addies Leben, die mich am meisten faszinierte: Die ersten hundert Jahre ihres Fluchs.
Obwohl es einige wichtige Nebencharaktere gibt (speziell Henrys beste Freunde Bea und Robbie), liegt der Fokus ganz eindeutig auf Addie, Henry und Luc (demjenigen, dem sie ihre Seele verkauft hat), wobei sowohl ihre Beziehung zu Henry als auch ihr komplexes Verhältnis zu Luc sehr einnehmend beschrieben war. Das Ende hat die Lust nach mehr geweckt, doch bin ich froh, dass die Geschichte als Einzelband geschrieben ist, weil sie sonst nicht dieselbe Wirkung hätte.
Das Prinzip der Geschichte, das sich ums Vergessen und Erinnern dreht, war fantastisch umgesetzt und wurde sehr gut ausgereizt. Es fiel mir leicht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen, weil ihre Probleme so zutiefst menschlichen Ursprungs waren, sodass sicher jeder Leser und jede Leserin sich in ihnen wiederfinden wird. Diese Geschichte regt zum Nachdenken an und ich bedauere es höchstens, sie nicht schon früher gelesen zu haben.
Zusammengefasst ein absolutes Highlight, das nicht nur für Fantasy-Fans geeignet ist, sondern für alle, die einen packenden, wunderschönen und gleichzeitig tiefschürfenden Roman suchen!
- Die Spiele
- der Unsterblichen
- Annaliese Avery
- Loewe
- Jugendbuch
- Spiele
- Wettkampf
- Götter
- Aufgaben
- Spannung
- Abenteuer
- Liebe
- Romanze
- Freundschaft
- Fantasy
- Griech. Mythologie
Seit Ara ihre Schwester vor fünf Jahren an das Spiel der Unsterblichen verlor, ist sie entschlossen, sich an Zeus, der sie damals auswählte, zu rächen. Als sie unerwartet zu Hades’ ausgewählter Spielerin wird, bietet sich ihr endlich die Gelegenheit, denn sollte sie die Spiele gewinnen, wird ihr ein Wunsch erfüllt werden. Allerdings möchte Hades ihr als friedliebender Herrscher keine Waffen zur Verfügung stellen, weshalb Ara allein mit einem Seil und einer Tasche einen Weg finden muss, die zahlreichen Aufgaben zu bestehen – in Zusammenarbeit mit den anderen Spielenden, von denen allerdings nur einer gewinnen kann …
Diese Geschichte hat mich ganz schön überrascht, sowohl auf gute als auch auf nicht ganz so gute Weise. Denn zunächst einmal hat sie mir erstaunlich gut gefallen – ich fand den Schreibstil wunderschön zu lesen, die beiden Protagonisten außerordentlich sympathisch und die vielen Aufgaben absolut grandios. Es hat mir schlicht sehr viel Spaß gemacht, die Spiele und die Art und Weise, wie die Charaktere sie lösten, zu verfolgen. Letztere sind wohl die größte Stärke des Romans: Sämtliche Aufgaben waren fantastisch beschrieben, ihre Lösung sehr gut nachvollziehbar und die Szenen mit ihnen spannend erzählt. Hier mochte ich es auch, dass die Teilnehmenden zusammenarbeiten und ihre von Göttern geschenkten Gegenstände auf intelligente Weise einsetzen mussten. Wer diese Art von Geschichte speziell wegen der Aufgaben mag, wird hier also voll auf seine Kosten kommen.
Doch es gab auch einige kritische Punkte, die es mir trotz der starken Positive schwer machten, die Geschichte vollkommen zu genießen. Es fängt damit an, dass Ara und Hades zwar beides grandiose Charaktere sind, die Romanze zwischen ihnen aber recht plötzlich kommt und nicht unbedingt glaubwürdig war. Dabei waren die Szenen zwischen ihnen durchaus süß, aber ich habe einfach nicht verstanden, warum sie sich überhaupt lieben. Das liegt teils sicher an ihrer begrenzten Screentime; gefühlt verbringt Ara mehr Zeit mit ihrem anfänglichen Love Interest Theron, wodurch ich am Anfang sogar eher die beiden als Paar sah.
Betonung ist dabei „am Anfang“. Denn leider ist mit Theron genau das passiert, was ich befürchtet hatte: Er wurde schließlich zu einem Schurken degradiert, wodurch sämtliche Komplexität ihrer Beziehung verloren ging. Das war nicht nur sehr vorhersehbar, sondern auch schade, weil ich gerne das Potential eines emotionalen Konflikts gesehen hätte. Vor allem auch deshalb, weil wir die anderen Spielenden nicht allzu gut kennenlernen; diese hätten mehr Zeit gebraucht, um als richtige Charaktere wahrgenommen zu werden, denn bereits jetzt habe ich sie vergessen.
Das Ende der Geschichte war dafür sehr schön und hat ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert, auch wenn es natürlich die Kritikpunkte nicht wettmachte. Trotzdem habe ich die Geschichte sehr genossen – und hoffe, dass auch andere Leserinnen und Leser ihre Stärken zu schätzen wissen werden!
Sophies Eltern besitzen einen Buchladen, in dem man auch Träume kaufen kann. Sophie selbst kann zwar nicht träumen, dafür aber Dinge aus Träumen holen, was sie allerdings bisher nur einmal als Kind getan hat, um sich ihr Haustier Monster zu holen. Ansonsten stellt sie Traumfänger für zwei Mädchen her, die besonders schlimme Träume haben und gibt auch Ethan, dem Neuen, einen. Doch nachdem ihre Eltern entführt werden und jemand alle Albträume des Ladens stiehlt, liegt es an ihr und Ethan, herauszufinden, was mit ihnen passiert ist …
Ich mag Bücher, in denen die Charaktere selbst in Geschichten tauchen, doch muss ich zugeben, dass mich diese Geschichte nicht allzu begeistert hat. Das fängt damit an, dass sie ziemlich eindeutig für Kinder geschrieben ist – was natürlich in Ordnung ist, schließlich handelt es sich um ein Kinderbuch, aber als jemand, der gerne die Kinderbücher mag, die für jedes Alter gut zu lesen sind, hat mich das ein wenig enttäuscht.
Vor allem während der Traumreisen merkte ich, dass mir einige Szenen zu absurd und lächerlich vorkamen, sodass ich die Geschichte nicht immer ernst nehmen konnte. Zwar gab es auch ein paar witzige Szenen, für die vor allem Monster verantwortlich war, aber letztendlich haben mich die Träume eher aus der Geschichte raus gerissen, anstatt dass ich tiefer in sie sank. Monster selbst war dafür großartig und war mit Abstand der beste Teil der Geschichte, weshalb ich es ein wenig traurig fand, dass er noch nicht einmal einen richtigen Namen bekam.
Die anderen Charakteren waren nämlich nicht allzu besonders. Bei manchen, wie Ethan, wird angedeutet, dass sie tiefere Probleme haben, aber diese werden nie ausführlicher angesprochen; und der Rest bleibt ebenfalls recht flach. Nicht einmal die Freundschaften zwischen den Charakteren konnten mich allzu überzeugen – wie gesagt war es für mich vor allem Monster, der die Geschichte trug. Hier hat mir bei den anderen Charakteren mehr Tiefe gefehlt.
Vieles passiert genau so, wie man es erwartet, doch ein, zwei unerwartete Enthüllungen gab es dann doch. Diese haben mir sehr gefallen, auch wenn der Rest der Geschichte recht vorhersehbar ist.
Insgesamt also eine Geschichte, die für Kinder der Altersgruppe sicher spaßig zu lesen ist, mich allerdings nicht ganz überzeugen konnte.
Nach einem missglückten Diebstahl wird Reito gerade noch rechtzeitig vor dem Gefängnis bewahrt, als seine ihm unbekannte Tante Chifune ihn rettet - gegen eine Gegenleistung: Er soll der zukünftige Wächter des Kampferbaums werden. Der Baum soll angeblich Wünsche erfüllen, weshalb Besucher speziell zu Neumond und Vollmond Andachten in seinem Inneren halten. Was genau vor sich geht, bleibt Reito verborgen, doch er ist entschlossen, den Menschen, die ihn besuchen, zu helfen: Sôki Ôba, der einfach keinen Erfolg mit seiner Andacht zu haben scheint, und Yumi, dessen Vater seltsame summende Geräusche von sich gibt, wenn er seine Andacht hält. Was genau dahintersteckt, muss Reito herausfinden ...
Vor wenigen Jahren hatte ich "Kleine Wunder um Mitternacht" gelesen, was mir damals sehr gefallen hat. In seinem neuesten Roman erzählt Keigo Higashino ebenfalls eine mystische Geschichte, die über die Grenzen des Realen hinausgeht, insgesamt aber gut zu lesen ist.
Die größte Stärke – und Schwäche – des Romans ist das aufbauende Mysterium des Kampferbaums. Reito wird mehrmals gesagt, dass er das Geheimnis selbst herausfinden soll und andere ihm nicht verraten dürfen, was es mit den Andachten auf sich hat. Im Normalfall ein starker Aufhänger, der dazu anleitet, sich selbst Gedanken zu machen.
Doch das große Problem dabei ist, dass dieses große Geheimnis bereits im Titel UND in der Kurzbeschreibung des Romans verraten wird. In der Geschichte selbst werden die Fähigkeiten des Baums erst nach über 330 Seiten (!) gelüftet (das sind fast 70% des Buches!), sodass das ganze Mysterium für alle, die die Kurzbeschreibung lesen, ruiniert ist. Dabei war der Aufbau selbst so schön, zusammen mit den Theorien, die Reito erstellt hat – doch man kann nicht mitfiebern, weil man das Geheimnis von Anfang an wusste. Zwar gibt es auch ein paar andere Mysterien, aber das ausgerechnet das wichtigste vorweggenommen wurde, fand ich unverzeihlich.
In der Geschichte selbst gibt es ein paar Längen und Reitos Tante Chifune kam mir nicht unbedingt sympathisch vor; zudem hatte ich nie den Eindruck, dass das Wächtersein Reitos Bestimmung ist, obwohl es als solche gehandhabt wird.
Doch eine große Stärke hat der Roman noch: Die Familiengeschichten. Speziell die Andachten und die Geschichten, die hinter ihnen stecken, waren fantastisch umgesetzt und die emotionalsten Szenen des Romans; aber auch außerhalb der Andachten mochte ich es, mehr zum Leben der Charaktere zu erfahren. Zwar werden die meisten Geschichten natürlich erst nach dem großen Geheimnis gelüftet, doch gerade deshalb gewannen sie an Stärke.
Insgesamt also ein guter Roman, dessen einzige große Schwäche nicht mit dessen Inhalt zusammenhängt, sondern mit der Entscheidung, seinen Twist bereits vorher zu verraten.
- Happiness Falls
- Angie Kim
- Hanser
- Belletristik
- Spannung
- Verschwinden
- Mysterien
- Twists
- Vorurteile
- Krimi
- Glück
- Autismus
- Angelman-Syndrom
Als ihr jüngerer Bruder Eugene aufgeregt von einem Besuch im Park zurückkehrt, wundert Mia sich, wo ihr Vater bleibt, weil er Eugene niemals allein lassen würde. Ihr Bruder leidet nämlich an Autimus und dem Angelman-Syndrom, wodurch er nicht sprechen kann und seine Handlungsfähigkeit im Allgemeinen stark eingeschränkt ist. Als ihr Vater nicht zurückkehrt, weiß sie, dass etwas passiert sein muss – etwas, das Eugene beobachtet hat, ohne es seiner Familie sagen zu können. Mia möchte unbedingt herausfinden, was passiert ist und in welche Dinge ihr Vater involviert war, doch je mehr sie nachforscht, desto mehr zweifelt sie an dem, was sie findet …
Vor Jahren habe ich den ersten Roman der Autorin, „Miracle Creek“, gelesen, der mir unglaublich gut gefiel – und auch mit „Happiness Falls“ liefert Angie Kim eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig spannend zu lesen ist. Das Mysterium um Mias verschwundenen Vater ist hervorragend umgesetzt und die möglichen Erklärungen und Twists sorgen für konstante Spannung. Ich selbst hatte viel Spaß dabei, mir zu überlegen, wie die verschiedenen Fäden wohl zusammenführen, nur, um mehr als einmal überrascht zu werden.
Woran ich mich jedoch gewöhnen musste, war Mias Erzählstimme. Sie hat die Angewohnheit, sehr oft abzuschweifen, in der Regel, um eine Szene der Vergangenheit zu erzählen, die den Kontext für die Gegenwart bildet. Das passiert sehr oft und die Abschweifungen sind zwar relevant, aber auch sehr lang, sodass ich das Gefühl hatte, als würde Mia einfach nicht zum Punkt kommen. Zwar gewöhnte ich mich bald daran und wusste die Abschweifungen sogar zu schätzen, aber ich finde immer noch, dass sie zu oft vorkamen und für andere Leser*innen wie unerwünschte Unterbrechungen der Haupthandlung wirken könnten (obwohl sie, wie gesagt, sehr relevant für die Handlung sind). Sobald man sich jedoch darauf einlässt, erwartet einen eine Geschichte, die einen ordentlich am Ball hält und es wundervoll schafft, den Kontext vieler Szenen komplett zu verändern.
Sehr erleichtert war ich darüber, wie Angie Kim mit Eugene umgegangen ist. Am Anfang habe ich befürchtet, dass Mias eigene negative Einstellung die der Autorin widerspiegeln könnte, doch im Gegenteil muss sie sich schließlich ihren eigenen Vorurteilen und Doppelmoralen stellen, die sie bisher davon abgehalten haben, in Eugene mehr als ihren „behinderten Bruder“ zu sehen. Letztendlich wird Eugene sehr sensibel behandelt, was mir sehr gefallen hat.
Und nicht nur Mia muss sich ihren falschen Sichtweisen stellen, sondern auch wir selbst: Ich selbst habe mein eigenes Benehmen und meine eigenen Vorstellungen hinterfragt, während ich dabei zuschaute, wie auch Mia mit ihren kämpfte. Es ist schwer, zuzugeben, dass man unbewusst dieselben Ansichten in sich getragen hat wie Mia und einige andere Charaktere. Das hat der Handlung eine Tiefe gegeben, die den Roman für mich noch besser gemacht hat.
Allgemein ist die ganze Familiengeschichte, die zu einem Teil auf Angie Kims eigenen Erfahrungen basiert, sehr emotional und einnehmend, man fühlt richtig mit ihr mit und wünscht sich für sie ein gutes Ende. Dieses ist insgesamt zufriedenstellend, auch wenn nicht alle Mysterien, die eingeführt werden, eine Auflösung bekommen. Allerdings können wir uns leicht eigene Antworten zusammenreimen, weshalb mir die halbe Offenheit nichts ausmachte.
Insgesamt also ein Roman, der sehr spannend zu lesen ist und zum Nachdenken anregt, solange man bereit ist, sich auf Mias Erzählstimme einzulassen!
- Maybe In
- Another Life
- Taylor Jenkins Reid
- Ullstein
- Belletristik
- Liebe
- Freundschaft
- Romanze
- Drama
- Schwangerschaft
- Unfall
- Alternatives Leben
Hannah weiß nicht so recht, wohin mit ihrem Leben, als sie in einer Bar ihrer ersten Liebe Ethan wieder begegnet. Als sie sich entscheiden muss, ob sie die Nacht mit ihm verbringen oder lieber mit ihrer besten Freundin Gabby früher nach Hause will, fällt die Entscheidung nicht leicht – ist es besser, ihrer Vergangenheit noch eine Chance zu geben oder lieber in die Zukunft zu blicken? Und so tut sie schlicht ergreifend beides: In einem Universum entscheidet sie sich dafür, Ethan noch eine Chance zu geben, wobei sie sich allerdings Problemen stellen müssen, mit denen sie nicht gerechnet haben und die ihre Liebe ernsthaft auf die Probe stellen; und in einem anderen Universum verbringt sie lieber Zeit mit ihrer besten Freundin, erleidet jedoch einen schlimmen Unfall, der sie für längere Zeit ins Krankenhaus befördert. Dort lernt sie ihren Nachtpfleger Henry näher kennen, doch natürlich darf dieser keine persönliche Beziehung zu ihr haben …
Taylor Jenkins Reid, die einen Roman schreibt, der zwei alternative Lebenslinien auf einmal erzählt? Definitiv ein Roman, der sofort mein Interesse geweckt hat, weil ich beides sehr liebe! Doch muss ich zugeben, dass das Konzept nicht ganz zufriedenstellend umgesetzt wurde. Das liegt vor allem daran, dass eine Zeitlinie mir SEHR viel besser vorkam als die andere, bis zu dem Punkt, an dem sich die andere fast schon falsch angefühlt hat. Es war meiner Meinung nach sehr offensichtlich, mit wem Hannah „eigentlich“ zusammenkommen soll, weil ihre Liebesgeschichte mit Ethan so süß und gleichzeitig so realistisch war, dass ich gar nicht anders konnte, als mit ihnen mitzufiebern.
Natürlich hat die Zeitlinie mit Henry auch seine Vorteile – so war ich am Anfang besonders investiert in Hannahs Unfall und den Konsequenzen, die sich daraus ergaben, weil ich so mit ihr mitgelitten habe. Henry selbst ist zudem sehr sympathisch, wenn ich auch die Liebesbeziehung zwischen ihm und Hannah nicht so emotional ergreifend fand wie die Beziehung zwischen Hannah und Ethan. Aber die größte Schwäche der Henry-Storyline ist es, dass es sich so anfühlt, als würde für den Großteil der Handlung nichts passieren, während gleichzeitig die Ethan-Story konstant gutes Drama liefert. Das hat die beiden Handlungsstränge disproportional gemacht, weshalb ich wünschte, der Henry-Teil hätte noch mehr geboten, um die beiden Liebesgeschichten äquivalent(er) zu gestalten.
Was dafür in beiden Geschichten fantastisch umgesetzt wurde, war Hannahs Freundschaft mit Gabby. Sie war für mich sogar das Beste am Roman, weil die beiden Freundinnen sich gut genug kennen, um ehrlich zueinander zu sein, sich aber auch zu unterstützen, wenn es der anderen nicht gut geht. Das war so herzerwärmend zu lesen und hat beide Geschichten ordentlich bereichert.
Auch gefällt mir, wie die Nebenplots in beiden Handlungssträngen entwickelt wurden. Gerade, weil man die Geschichten parallel liest, bekommt man ein besonders interessantes Leseerlebnis, wenn man die Entwicklungen beider Geschichten miteinander vergleicht. Besonders das Ende möchte ich positiv hervorheben, weil es trotz der Tatsache, dass es sich um zwei unterschiedliche Geschichten handelt, für alle Charaktere ein zufriedenstellendes Ende gefunden hat.
Insgesamt ist das Buch trotzdem eine Empfehlung wert, wenn man bereit dazu ist, die disproportionale Gewichtung beider Handlungsstränge zu akzeptieren!
Gab es El Dorado wirklich? War Kaspar Hauser ein Prinz oder ein Schwindler? Was geschah mit Flug MH370? Und was hat es mit dem Zodiac-Killer auf sich?
Diesen und mehr Mysterien geht Melina „Miss History“ Hoischen auf den Grund, wobei sie den Schreibstil locker und humorvoll hält. Das fand ich zugegeben nicht immer angemessen, gerade, wenn es um die schlimmen Tragödien ging, weshalb ich mehr ein Fan der Mysterien war, in denen keine Todesopfer im Fokus standen.
Die beschriebenen Mythen bilden ein kurzweiliges Leseerlebnis, von denen mir viele zwar schon bekannt waren, aber eher im Sinne von, dass ich schon mal von ihnen gehört hatte, und nicht im Sinne von, dass mir alle Details bekannt waren. Deshalb lernte ich auch bei den bekannten Mythen oft etwas Interessantes.
Was mich ein wenig überraschte, war, dass viele Kapitel offen enden, wenn es darum ging, den Wahrheitsstatus eines Mythos zu bewerten. Denn zumindest bei einigen fand ich die Antwort darauf offensichtlich, aber es wird fast immer die Möglichkeit offen gelassen, dass es doch anders sein könnte. Das fand ich deshalb überraschend, weil das selbst bei den Themen gemacht wurde, bei denen es sehr viel mehr Hinweise für eine Erklärung zu geben schien als für die andere. Einerseits war das natürlich gut, weil die vorgestellten Mythen nun mal keine eindeutige Erklärung haben, aber andererseits hätte ich mir trotzdem gewünscht, dass die Wahrscheinlichkeit bestimmter Theorien stärker hervorgehoben worden wäre.
Zusammengefasst hat mir sehr gefallen, mehr von verschiedenen Mythen zu hören, doch wurden manche etwas zu humorvoll behandelt und andere etwas zu offen. Wenn man nichts dagegen hat, bietet das Sachbuch ein spaßiges Leseerlebnis, für mich war es aber tatsächlich ein wenig ZU humorvoll und offen. Trotzdem hoffe ich, dass der Schreibstil dafür anderen Leserinnen und Lesern gefällt!
- Tribute von Panem
- Hunger Games
- Suzanne Collins
- Oetinger
- Jugendbuch
- Dystopie
- Todesspiele
- Prequel
- Tod
- Mord
- Charaktere
Haymitch Abernathy sollte eigentlich gar nicht an den fünfzigsten Hungerspielen teilnehmen, doch aufgrund eines Zwischenfalls wird er trotzdem eins der vier Distrikt-12-Tribute, zusammen mit Maysilee Donner, Louella McCoy und Wyatt Callow. Seine große Liebe Lenore Dove muss er zurücklassen und erwartet auch nicht, sie jemals wiederzusehen. Denn mit insgesamt achtundvierzig Tributen werden die diesjährigen Hungerspiele ein wahres Gemetzel, bei dem Haymitch zeigen muss, was wirklich in ihm steckt …
Ich bin nicht unbedingt der größte Hunger-Games-Fan, aber Haymitch war in der Original-Trilogie mein Lieblingscharakter, weshalb ich mich sehr darauf freute, seine Spiele hautnah zu erleben. Und obwohl ich durchaus Kritikpunkte habe, hat mir das Leseerlebnis insgesamt sehr gut gefallen!
Ein sehr großer Grund dafür waren die Charaktere. Haymitch ist natürlich wunderbar und ich liebte es, seine Entwicklung und sein Heldentum zu verfolgen. Sein Mittribut Maysilee wurde sehr bald zu meinem Lieblingscharakter, wobei ich es hier beeindruckend fand, dass sie zunächst unsympathisch dargestellt wurde und schließlich zu einem großartigen Charakter wuchs. Für mich war sie auf jeden Fall ein Highlight! Haymitchs große Liebe Lenore bekommt dafür nicht allzu viel Screentime, doch man spürt ihre Präsenz über den ganzen Roman hinweg. Seine anderen Mittribute bekommen vor allem in der ersten Hälfte viel Aufmerksamkeit, doch fand ich, dass viele von ihnen in den Spielen zu früh gestorben sind.
Das ist einer meiner Kritikpunkte: Dadurch, dass die Vorbereitung auf die Spiele sich so auf die Bündnisse zwischen den Distrikten und Freundschaften zwischen den Tributen konzentrierte, erwartete ich, dass ebenjene Bündnisse und Freundschaften in den eigentlichen Spielen eine gewisse Rolle spielen würden – und das tun sie durchaus auch, aber um einiges weniger, als ich es mir gewünscht hätte. Das liegt vor allem daran, dass viele von Haymitchs Freunden relativ früh sterben, was mich insofern enttäuschte, weil ich gerne noch mehr von ihren Freundschaften gelesen hätte. Die Tode selbst waren zwar sehr gut und schockierend umgesetzt, aber ihre Plötzlichkeit verbunden mit den potentiellen Szenen, die wir durch sie verloren, hat mich wünschen lassen, dass den Spielen genug Zeit gewidmet worden wäre, um die Freundschaften auszubauen.
Die Spiele selbst beginnen nämlich erst nach ca. 250 Seiten, also erst nach über der Hälfte des Buches. In dieser ersten Hälfte wird den Charakteren zwar viel Zeit gewidmet, aber insgesamt fand ich diesen Teil der Handlung trotzdem ein wenig zu lang gezogen. Zudem habe ich mich gewundert, warum die viele Vorbereitung nicht noch mehr genutzt wurde, indem man die wichtigen Charaktere im Spiel länger leben lässt. Trotzdem mochte ich die Vorbereitungsphase sehr, weil sie signifikant dazu beitrug, die Charaktere näher kennenzulernen. Es gibt sogar ein paar wiederkehrende Charaktere aus der Panem-Trilogie, die eine schöne Überraschung waren.
Das Ende fand ich sehr emotional, es hat mich sogar zu Tränen gerührt. Selbst, wenn man es kommen sieht – die Art und Weise, wie es erzählt ist, war so gut, dass ich trotzdem investiert war. Insofern kann ich den Roman jedem Haymitch-Fan problemlos empfehlen!
Fizzy ist erfolgreiche Liebesroman-Autorin, doch als sie eines Tages feststellt, dass sie selbst noch nie richtig verliebt war, gerät sie in eine Schreibblockade, die sie an ihrem bisherigen Liebesleben zweifeln lässt. Connor ist eigentlich Dokumentarfilmer, soll jetzt aber eine Dating Show mit Fizzy als Star produzieren. Zunächst ist Fizzy skeptisch, aber in den Wochen vor Drehbeginn lernt sie Connor immer besser kennen und er auch sie. Doch der Drehbeginn rückt immer näher und beide wissen, dass ihre wachsenden Gefühle dabei keinen Platz haben ...
Ich gebe dem deutschen Untertitel die Schuld daran, mir einen falschen Eindruck von der Handlung vermittelt zu haben, denn die eigentliche Handlung besteht gar nicht daraus, dass Fizzy in der Show nach dem Richtigen sucht. Tatsächlich kommen sie und Connor sich bereits in der Kennenlernphase nah genug, dass ein frühzeitiger Abbruch der Serie ihnen vermutlich schon ihr Happy End beschert hätte. Das hat mir insofern nicht gefallen, weil ich das Konzept des Untertitels persönlich besser fand – die Vorstellung, dass Fizzy tatsächlich nach ihrer großen Liebe sucht und während der Serie feststellt, dass er hinter der Kamera steht, fand ich sehr prickelnd! Deshalb war ich ein wenig enttäuscht, dass die beiden bereits vor Serienstart ihre ersten Gefühle füreinander entdecken und ihnen bereits kurz danach frönen. Im Roman geht es nicht darum, dass sie nach dem Richtigen sucht, sondern verbergen muss, dass sie ihn bereits gefunden hat.
Dafür war die Kennenlernphase allgemein sehr süß und romantisch. Tatsächlich mochte ich sie mehr als Serienphase danach, weil sie sich im ersten Teil vor allem seelisch näher kommen, während der zweite Teil sich sehr auf das Körperliche fokussiert. Fizzy und Connor bleiben zwar in beiden Teilen sympathische Protagonisten, aber den Funken zwischen ihnen spürte ich vor allem in der ersten Hälfte.
Die eigentliche Dating Show gefiel mir übrigens ausgesprochen gut und ich fand es schade, dass sie erst nach zweihundert Seiten begann und allgemein nicht so viel Platz einnahm, wie ich mir gewünscht hätte. Es war überraschend spaßig, Fizzy mit den verschiedenen Männern Zeit verbringen zu sehen, während sie sich nach Connor umsieht. Hier übrigens ein großes Lob für die Darstellung der verschiedenen Männer (unter denen auch ein Verflossener Fizzys dabei ist) sowie der Darstellung von Connors Exfrau Nat. Es wäre so leicht gewesen, diese ehemaligen bzw. potentiellen Liebhaber negativ darzustellen, aber im Gegenteil erleben wir dafür erfrischende Charakterdynamiken, die auf Freundschaft bauen. Im realen Leben natürlich eher ungewöhnlich, aber hier in Romanform eine wahre Freude, weil niemand dämonisiert wird.
Das Ende gefiel mir zugegeben nicht so gut. Meine Idee war es, Connor und Fizzy Screentime in der Serie zu geben, woraufhin die Zuschauer ihne Chemie sehen und ihnen ihre Stimme geben – und tatsächlich geschieht so etwas Ähnliches auch. Doch dass Zuschauer ganz verrückt nach den beiden waren, obwohl sie in der eigentlichen Serie nur selten zusammen waren, hat es mir schwer gemacht, zu glauben, dass sie glaubwürdig für Connor stimmen würden. Deshalb zeigte Connor ihnen wohl, was "off camera" vor sich ging, doch die Art und Weise, wie seine und Fizzys Beziehung so vor einem Millionenpublikum enthüllt wurde, hat bei mir einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Ich bin kein großer Fan von solchen Gesten, weshalb ich so gehofft hatte, dass sie gar nicht notwendig sein wird, weil sie auch vor der Kamera genug Chemie zeigen. Schade, dass das nicht geschah.
Zusammengefasst finde ich die Geschichte trotzdem gut und unterhaltsam, doch die Story, dir ich mir dank des Untertitels erhofft hatte, bekam ich leider nicht.
Nachdem er zum zweiten Mal beim Stehlen erwischt wird, wird der junge Taschendieb Cor als Arbeitssklave verkauft. Zu seinem Glück ist sein Käufer der Magier Jonathan Barnaby Fossell, der sich ihm gegenüber freundlich verhält und Cor ein Leben zeigt, von dem dieser zuvor nur träumen konnte. Doch er hat auch eine Aufgabe für ihn: Als ehemaliger Dieb kann Cor am besten herausfinden, warum überall in der Stadt nach und nach Diebe ermordet werden. Dazu muss Cor seine magischen Kräfte üben, was nicht so leicht ist, weil niemand erfahren darf, dass er mehr als nur ein Sklave ist …
Dieses spannende Kinderbuch ist eher für junge Jugendliche geeignet, denn aufgrund der beschriebenen Grausamkeit und den Morden würde ich es nur denjenigen empfehlen, die bereits Reihen wie „Harry Potter“ oder „Magisterium“ lesen. Fans von beiden Reihen werden hier eine Geschichte finden, die ebenfalls spannend zu lesen ist und das Erlernen von Magie in den Fokus rückt.
Das Pacing ist anfangs gewöhnungsbedürftig: Ruhige Lernmomente wechseln sich mit spannenden Mordmomenten ab, was mich zuerst verwirrt hat, weil die Morde zunächst überhaupt nicht näher untersucht werden und Cor sich lieber darauf konzentriert, seine Magie zu üben. Später werden die beiden Handlungsstränge allerdings fantastisch miteinander verbunden und sorgen für ein spannendes Leseerlebnis.
Cors Magiestunden waren hervorragend umgesetzt und ich mochte es, wie kreativ er (und die Autorin Judith Mohr) dabei wurde, sie einzusetzen. Als Protagonist war er ebenfalls sympathisch, wobei mein Lieblingscharakter allerdings sein Meister Jonathan ist. Aufgrund seiner Freundlichkeit habe ich den ganzen Roman hinweg damit gerechnet, dass Jonathan sich entweder als Twist Villain herausstellt oder tragisch stirbt, doch so oder so wurde er mühelos mein Lieblingscharakter, weil er sich so gut um Cor kümmerte. Tatsächlich war ihre familiäre Beziehung zueinander ein absolutes Highlight für mich!
Andere Charaktere stechen dafür nicht stark hervor. Am ehesten haben Clem (Cors ehemaliger Diebesanführer) und Ro (Diebin und Cors beste Freundin), einen Eindruck hinterlassen, wobei ich vor allem von Clem positiv überrascht war. Die anderen Charaktere hoben sich nicht besonders hervor, sodass ich bei einem Twist bezüglich einem der Charaktere für einen Moment überlegen musste, wer er noch mal war. Schade fand ich es, dass es fast keine signifikanten Frauenfiguren gab; Frauen und Mädchen selbst existieren natürlich schon, sogar in halbwegs wichtigen Rollen, aber im Vergleich zu den männlichen Figuren bekommen sie nur wenig zu tun. Das ist zum Teil sicher der historischen Zeit geschuldet, während der die Geschichte spielt, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass speziell Ro noch stärker in die Handlung einbezogen worden wäre.
Zuletzt ein wichtiger Pluspunkt: Obwohl es sich bei der „Stadt der Magier und Diebe“ um eine Reihe handelt, wird anscheinend jeder Band einzeln lesbar sein. Tatsächlich wird die Geschichte, die in diesem Band begonnen wird, auch beendet, wobei lediglich ein halbwegs offenes Ende für die Protagonisten auf einen möglichen zweiten Band deutet. Doch auch als Einzelband liest sich dieser Roman sehr gut und wird deswegen sicher nicht nur Kindern und Jugendlichen gefallen!