Bücherregal lädt …
Adressat unbekannt
80 Seiten

Der Deutsche Martin Schulse und der Jude Max Eisenstein besitzen in Amerika eine erfolgreiche Kunstgalerie, doch nun kehrt Martin im Jahr 1932 nach Deutschland zurück. Die beiden setzen ihre Freundschaft in Briefen fort, doch bald schon stellt Max fest, dass Martins Ansichten sich drastisch verändern. Verzweifelt versucht er, seinen ehemaligen Freund vom Richtigen zu überzeugen, doch begreift er schließlich, dass es dafür zu spät ist …

Dieser kurze Briefroman ist eine überraschend eindringliche Lektüre, die ich nicht erwartet habe. Beziehungsweise habe ich schon erwartet, dass sie gut sein wird, aber die Entwicklung, die sie nimmt, habe ich nicht kommen sehen! Als ich gegen Ende begriff, was genau vor sich geht, habe ich ganz schön gestarrt, weil es ein so genialer Weg war, die Geschichte auf zufriedenstellende Weise zu beenden.

Allgemein ist der Abbau der Freundschaft sehr gut erzählt und mit jedem Brief wird deutlicher, wie sie sich immer mehr abkühlt. Nur Martins Meinungswechsel kam mir zunächst zu plötzlich; in einem Brief schreibt er noch, dass seine Familie auf Max anstößt und gleich im nächsten Brief, den er nur dreieinhalb Monate danach schreibt, gibt er seine neue, von den Nazis eingeflößte Überzeugung bekannt. Was genau in diesen dreieinhalb Monaten geschehen ist, das dazu geführt hat, dass er seine Meinung ändert, erfahren wir nicht. Mir kam es zunächst so vor, als würden mindestens zwei oder drei Briefe fehlen, die Martins Wandlung verständlicher machen, bis ich begriff: Das ist genau der Punkt. Man soll ihn nicht nachvollziehen können. Sein plötzlicher Meinungswechsel illustriert gerade wegen seiner Plötzlichkeit den Einfluss, den die Nazis damals auf ganz Deutschland hatten. Von daher ist das ein Kritikpunkt, der im Lauf des Lesens zu einem Lob wurde.

Was mir zudem sehr gut gefallen hat, ist, wie viel zwischen den Zeilen erzählt wird. Die vielen Details machen die Geschichte lebendig, aber gerade das, was nicht gesagt wird, macht die Geschichte umso kraftvoller.

Von daher ist dieser kurze Briefroman eine Lektüre, die es schafft, mit vergleichsweise wenigen Seiten eine einnehmende Geschichte zu erzählen!

Cursebound
508 Seiten

Yeeran hat ihre Geliebte Furi in Mosima zurückgelassen, um einen potentiellen Krieg zwischen Elfen und Fae zu verhindern, auch, wenn das bedeutet, dass sie zu ihrer ehemaligen Geliebten Salawa zurückkehren muss. Lettle währenddessen möchte den Fluch der Fae brechen, indem sie Afas Grimoire findet. Dabei gerät sie nicht nur in Konflikt mit den Lichtlosen, sondern trifft auch auf den Nomaden Alder, der der Schlüssel zur Lösung sein könnte. Doch es gibt einen Verräter in ihren eigenen Reihen, der es auf Lettle abgesehen zu haben scheint …

Es ist schon eine kleine Weile her, dass ich „Faebound“ gelesen habe, aber zum Glück gibt es am Anfang eine in die Handlung eingebaute Zusammenfassung, in der Lettle die Ereignisse des ersten Bandes aus ihrer Sicht schildert. Das war nicht nur sehr geschmeidig gelöst, sondern eine sehr gute Auffrischung für den zweiten Band.

Dieser war genauso wie der erste sehr angenehm zu lesen, hatte einen flüssigen, qualitativen Schreibstil und vor allem sehr einnehmende Charaktere. Besonders Lettle und Alder sind mir sehr ans Herz gewachsen; Lettle hatte die wohl wichtigste Rolle in der Handlung, weil sie sie aktiv vorantrieb, öfters in Gefahr schwebte, sich für die Lichtlosen einsetzte und zudem ihr Geheimnis vor Rayan hatte. Das alles hat ihre Geschichte besonders einnehmend gemacht, während ihre Schwester Yeeran im Vergleich dazu fast schon wie ein Nebencharakter wirkte. Ironischerweise fand ich deren Parts mit Salawa interessanter als ihre Parts mit Furi, wobei ich allerdings froh bin, dass hier unnötiges Drama vermieden wurde – kein Liebesdreieck, kein Betrügen, sondern schlicht die komplexe Wirklichkeit von zwei Menschen, die sich einmal liebten.

Mit dem Neuzugang Alder konnte ich zunächst nicht viel anfangen, weil mir seine Verbindung zum Rest der Handlung nicht klar war, aber er wuchs sehr schnell zu meinem Liebling! Nicht nur war er allgemein ein sympathischer Charakter, auch seine Chemie mit Golan hat mir sehr gefallen. Zugegeben ist ihre Romanze recht klassisch, mit vielen kleinen Momenten, die sie einander näher bringen und ohne zu viel Drama, aber gerade deshalb war es so süß, die beiden zusammen zu sehen. Tatsächlich kamen sie mir stellenweise wie das Hauptpaar vor, weil die Entwicklung ihrer Romanze einen Kontrast zu den bereits etablierten bildet und sie zudem sehr viel Zeit miteinander verbringen, während die anderen Paare (vor allem Yeeran und Furi) oft getrennt voneinander sind.

Was die eigentliche Handlung angeht, fand ich es gut, dass die Lichtlosen hier eine größere Rolle spielten, weil es sehr leicht ist, sich in sie hineinzuversetzen. Nur die Suche nach dem Verräter erschien mir zu leicht, denn dadurch, dass die Auswahl sehr begrenzt ist, war es nicht schwer, zu erraten, wer es sein würde. Dafür gibt es aber andere Twists, die mich angenehm überraschten und teils schockierten – vor allem der Twist am Ende, der den gesamten Kontext beider bisherigen Bände komplett ändert und mich sehr gespannt auf den finalen Band der Trilogie macht.

Insgesamt haben wir hier eine gute Fortsetzung, die den Fokus vor allem auf die Charakterbeziehungen und persönlichen Probleme legt. Natürlich gibt es auch spannende Szenen, aber am wichtigsten sind definitiv die Charaktere selbst. Das hat mir allerdings gut gefallen, weil ich dadurch leicht mit ihnen mitfiebern konnte, selbst wenn es nicht immer auf „klassische“ Weise spannend war. Von daher spreche ich eine Empfehlung für all diejenigen aus, die bereits „Faebound“ mochten!

Faebound
512 Seiten

Nachdem ihr erster Auftrag als Kommandantin in über dreihundert Toten endet, wird Yeeran ins Exil geschickt, wo sie nur eine sehr unwahrscheinliche Chance hat, es mit einem wertvollen Fund aufzuheben. Ihre Schwester Lettle und ihr Oberst Rayan, die sich beide eine Teilschuld an ihrem Schicksal geben, schließen sich zusammen, um sie zu finden. Doch kaum, dass sie tatsächlich auf Yeeran stoßen, werden von Fae gefangen genommen, die eigentlich als ausgestorben galten. Sie werden nach Mosima gebracht, einer unterirdischen Höhle, in die die Fae verbannt wurden. Am Anfang suchen sie verzweifelt nach einem Weg, zu entkommen, doch je besser sie die Fae kennenlernen, desto hin- und hergerissener werden sie, was ihre geplante Flucht angeht …

Dieser Fantasyroman war eine positive Überraschung für mich, denn nach so einigen Fae-Romantasys, die ich aufgrund störender Klischees abbrach, war dieser Roman die erste Fae-Fantasy, die mir sehr gut gefallen hat. Zunächst einmal ist der Schreibstil sehr angenehm: Nicht zu trivial, sondern schlicht schön zu lesen.

Doch die wahre Stärke des Romans liegt in seinen Charakteren und deren Beziehungen bzw. Romanzen. Yeeran, Lettle und Rayan waren allesamt sehr sympathische Charaktere, wobei mir vor allem gefallen hat, wie sie auf die Twists der Handlung reagierten. Diese erschütterten sie mindestens genauso wie mich als Leserin, denn obwohl sie gut angedeutet worden sind, habe ich sie nicht kommen sehen. Die Implikationen hinter manchen von ihnen waren gewaltig – was sich auch auf die Charaktere auswirkt, die realistisch auf sie reagieren.

Ebenfalls gut umgesetzt waren die Romanzen: Sowohl Yeeran und die Fae-Prinzessin Furi als auch Lettle und Rayan hatten eine süße Slowburn-Romanze, die durch die Weissagungen, die Lettle am Anfang macht, zusätzliche Spannung gewinnen. Sowohl Enemies-to-Lovers- als auch Friends-to-Lovers-Fans kommen hier auf ihre Kosten, vor allem weil beide Romanzen gleich viel Fokus erhalten.

Doch zwei wichtige Kritikpunkte habe ich auch. Die Geschichte ist in drei Teile geteilt, aber den mittleren Teil der Handlung fand ich ein wenig langatmig, weil nicht allzu viel passiert; dieser Teil lebt vor allem durch seine Charaktere und deren Dynamiken. Viel spannender fand ich den ersten und letzten Teil der Handlung, die etwa ein Drittel bzw. ein Fünftel der Gesamthandlung einnehmen, doch die Mitte schaffte es nicht immer, die Spannung zu halten. Dadurch, dass mir die Charaktere so viel Freude bereiteten, las ich zwar gerne weiter, hätte mir aber trotzdem mehr Nervenkitzel gewünscht. (Das Finale war dafür zu schnell vorbei, war für mich aber keine große Kritik.)

Der zweite Punkt, der mich störte, war die Tatsache, dass Yeeran am Anfang der Handlung mit dem Oberhaupt ihrer Armee, Salawa, zusammen ist, die aufgrund Yeerans Versagen gezwungen war, sie ins Exil zu schicken. So gut Yeerans Romanze mit Furi auch war, habe ich nie vergessen, dass sich Yeeran und Salawa nie offiziell voneinander trennten, was Yeerans Romanze mit Furi einen bitteren Beigeschmack gegeben hat. Zwar geht Yeeran davon aus, dass Salawa nicht auf sie warten wird und ihre Beziehung mit dem Exil endete, doch Salawas aktuelle Sichtweise darauf bekommen wir leider nie zu lesen. (Irritierend war auch, dass die Innenklappe eine romantische Szene zwischen Yeeran und Salawa zitierte, als wäre dies die Beziehung, um die es letztendlich geht.)

Trotz dieser Kritikpunkte habe ich den Roman sehr genossen, weil er davon abgesehen großartige Charaktere, Beziehungen und Twists zu bieten hatte, weshalb ich ihn allen Fae-Fans empfehlen kann!

Am Ende ist es ein Anfang
464 Seiten

Andy liebt Jen, doch Jen hat die Beziehung zwischen ihnen beendet. Während Andy versucht, über sie hinwegzukommen, eine neue Wohnung zu finden und seine Karriere als Comedian weiterzutreiben, muss er nach und nach lernen, warum Jen mit ihm Schluss gemacht hat – und wie es in Zukunft weitergehen soll.

Dieser Roman hatte einige interessante Ansätze, konnte mich letztendlich aber nicht hundertprozentig überzeugen. Und das liegt größtenteils daran, dass wir Jens Sichtweise erst am Ende in einem zugegeben langen Kapitel zu sehen bekommen. Dieses Kapitel fand ich ungemein faszinierend und hätte mir gerne gewünscht, dass wenigstens die Hälfte des Romans aus ihrer Sicht erzählt worden wäre, um beide gleichwertig darzustellen.

Zwar verstehen wir als Leser:innen gut, warum Jen Andy verlassen hat, doch er selbst braucht dafür ein Weilchen. Die Ereignisse, die er währenddessen erlebt, fand ich dabei teils interessant (vor allem Morris, seinen Mitbewohner, fand ich sehr sympathisch) und habe mich gefreut, dass er auf seiner Suche nach Verständnis viele anderen Arten der Beziehung kennengelernt hat, während er seine eigene hinterfragte.

Doch insgesamt passiert in dem Roman nicht allzu viel; der interessanteste Teil ist wie gesagt am Ende, der sogar vorherige Teile des Romans in einem anderen Licht darstellt, was mir sehr gefiel. Und genau dieser Teil hätte meiner Meinung nach ausgebaut werden sollen, um aus dem Roman ein wahrhaft faszinierendes Erlebnis statt ein Erlebnis mit einem faszinierenden Ende zu machen.

Dear Dolly. Die besten Antworten auf die wichtigsten Fragen im Leben
256 Seiten

Dolly Alderton arbeitet bei der Sunday Times als Kolumnistin, in der sie Menschen Ratschläge erteilt und ihnen bei ihren Problemen hilft. Einige der denkwürdigsten Anfragen sind in diesem Buch zusammengetragen, zusammen natürlich mit Dollys Antworten.

Was mich hierbei positiv überrascht hat, war die Neutralität, die die Autorin hierbei bewahrt hat. Sie hat möglichst alle Sichtweisen bedacht und auch Wahrheiten ausgesprochen, die vielleicht nicht leicht, jedoch notwendig zu hören sind. Trotzdem war klar, dass sie den Personen, die ihr geschrieben haben, wirklich helfen wollte, auch wenn wir als Leser leider nicht erfahren, wie erfolgreich ihre Hilfe letztendlich war.

Dafür können wir uns die Antwort auf diese Frage leicht dadurch herleiten, indem wir Dollys Ratschläge analysieren: Denn obwohl ich mich mitnichten mit allen Anfragen identifizieren konnte, haben mir Dollys Antworten auf ihre eigene Weise geholfen. Eigentlich spricht sie oft nur das Offensichtliche aus (miteinander kommunizieren, sich nicht über die Meinung anderer definieren lassen, usw.), aber diese Worte in Zusammenhang mit der empathischen Sichtweise Dollys zu lesen, war so erfrischend und schön, dass nahezu jedes Kapitel eine Bereicherung war. Natürlich hilft es auch, dass Dollys Stil sehr locker zu lesen ist und sie stets eine Prise Humor hinzugibt.

Es gibt eigentlich nur eine Kritik, die ich für sie habe: Und zwar, dass sie an zwei, drei Stellen Personengruppen (in der Regel Männer) über einen Kamm schert. Zwar betont sie dabei auch, dass man keine allgemeingültigen Aussagen über sie oder andere Gruppen (Frauen, Singles usw.) treffen kann, aber ich habe in zwei, drei ihrer Antworten eben doch das Gefühl bekommen, dass sie genau das tut. Wobei ich jedoch auch betonen möchte, dass ihre verständnisvolle Art, die sie für buchstäblich jedes andere Thema hat, es schwer macht, ihr diese eine Schwäche übel zu nehmen.

Insgesamt also ein kurzweiliges, doch trotzdem bemerkenswertes Buch, weil es eine angenehme Lektüre bietet und gleichzeitig ein paar wichtige Ratschläge beinhaltet!

Der Meisterkoch
368 Seiten

Ein wunderschönes Buch über einen Küchenmeister, der entschlossen ist, die Liebe seines Lebens zu finden. Jede Speise bringt ihn näher an sein Ziel - doch seine Liebste, Kamer, ist Teil eines Harems und für ihn unerreichbar ...

Das Leben des Meisterkochs hat mich unglaublich fasziniert. Die Art und Weise, wie er seine Kochkünste immer weiter verbessert, hat mir sehr gefallen, weil man einen guten Eindruck davon bekommt, wie viel selbst mit natürlichem Talent noch zu lernen ist. Auch seine Beziehung zu Kamer, obschon die beiden gar nicht mal so viel Zeit miteinander verbringen, hat mich gepackt und ihre gemeinsamen Szenen gehören definitiv zu meinen liebsten.

Die Gerichte sind alle so gut beschrieben, dass ich sie regelrecht auf der Zunge schmecken konnte - und mehr als einmal Hunger bekam. ;) Der Detailreichtum, mit dem die ganze Kunst des Kochens bereichert wurde, war hierbei ein großes Plus.

Insgesamt ein wunderschöner und empfehlenswerter Roman!