Bücherregal lädt …
Die vergessene Tochter
369 Seiten

Charlotte ist überrascht, als ihr eine kleine Schachtel überreicht wird, die eigentlich für die adoptierten Töchter des Hope‘s House gedacht ist – in diesem Fall ihre Großmutter, die allerdings definitiv nicht adoptiert wurde, da deren eigene Mutter Amalie noch am Leben ist. Verwirrt versuchen Charlotte und ihre Großmutter, Antworten zu finden und erfahren so von Amalie, wie sie damals ihre große Liebe Oskar kennenlernte. Charlotte ahnt, dass ihre Geschichte kein gutes Ende haben wird, doch während sie noch dabei ist, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren, lernt auch sie jemanden kennen, in den sie sich verliebt: Harrison, der allerdings ein Geheimnis zu haben scheint …

Nach sechs Bänden war ich gespannt, wie Soraya Lane die bereits familiäre Geschichte so gestalten würde, dass sie immer noch erfrischend wirkt – und zu meiner Überraschung ist ihr das mit der Ausgangssituation sehr gut gelungen. Endlich haben wir eine Protagonistin, deren Großmutter – und sogar deren Urgroßmutter! – noch am Leben ist, sodass letztere ihre Geschichte eigenhändig erzählen kann, anstatt dass die Charaktere die Hinweise selbst entschlüsseln müssen, ohne die eigentliche Geschichte je zu erfahren. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zu den vorigen Ausgangssituationen, bei denen es keine lebenden Vorfahren mehr gab.

Und nicht nur das: Charlottes schwierige Familienverhältnisse zu ihren Eltern, die sie im Buch tatsächlich aufarbeitet, sowie Harrisons Vergangenheit waren interessante Punkte, von denen ich froh war, dass sie nicht nur nebenbei vorkamen, sondern eine wichtige Rolle spielten. Zudem war es schön, wie Charlotte ihre Profession als Chef de Cuisine erfolgreich ausübt und damit mehrmals bewies, dass sie tatsächlich eine hervorragende Köchin ist.

Eine wichtige Kritik habe ich allerdings: Ich war nicht so investiert in die Romanzen, wie ich es gewollt hätte. Amalies Liebesbeziehung zu Oskar ist durchaus süß und realistisch genug, aber Charlottes Romanze mit Harrison ging mir zu schnell vonstatten, zumal die Charaktere am häufigsten das gute Aussehen ihres Partners hervorheben, was dem Realismus zusätzlich geschadet hat. Gleichzeitig bekamen die beiden Paare ein wenig ZU viel Zeit in der Geschichte. Beide erlebten mehrere gemütliche Momente, allerdings nicht immer welche, in denen sie sich tatsächlich kennenlernten; und selbst, wenn sie es taten, war mir dieser Teil der Handlung schlicht zu lang, was insofern ironisch ist, weil mir ihre Liebesbeziehungen zugleich nicht lang genug vorkamen. Insgesamt war ich eindeutig ein größerer Fan der dramatischeren Aspekte, die wiederum gut umgesetzt waren.

Am meisten mochte ich das Rätsel, das hinter Amalie und der seltsamen Nicht-Adoption steckt. Ich habe wirklich gerätselt, was wohl die Erklärung für die vielen Ungereimtheiten sein würde und war sehr zufrieden mit der Auflösung.

Insgesamt also eine gemütliche Familiengeschichte, die für mich zwar ein wenig ZU gemütlich war, aber immer noch ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet!

The House Witch 1
559 Seiten

Finlay Ashowan ist der neue Koch des Königs – und zudem eine Hexe, was aber niemand wissen darf. Mit seiner eigensinnigen Art macht er es sich bei der Dienerschaft nicht einfach, doch seine hervorragenden Kochkünste und seine Art und Weise, die Menschen um sich herum auf subtile Art zu beschützen, bringen ihm bald das Vertrauen der Adligen und der Dienerschaft ein. Doch die vielen Herausforderungen des Alltags machen es Fin nicht einfach, sein Geheimnis zu bewahren, das Chaos im Schloss zu bewältigen, Freundschaften zu schließen und seine wachsenden Gefühle zur Adligen Annika Jenoure zu realisieren …

Dieser Fantasyroman hat mich sehr an eine gemütliche Serie erinnert, weil er genau so aufgebaut ist: Als wäre die Handlung in mehrere Episoden unterteilt, in denen Fin und die anderen sich mit verschiedenen Vorfällen befassen. Und das war sowohl ein positiver als auch ein negativer Punkt: Die einzelnen Ereignisse mochte ich nämlich sehr und sie haben mich oft zum Schmunzeln, Lächeln und Lachen gebracht. Es gab so viele Szenen, die mich begeisterten, weil sie die gemütliche Atmosphäre des Romans so wunderbar einfingen.

Allerdings hat die episodenhafte Erzählweise auch einen großen Nachteil: Durch sie fühlte sich die Geschichte an, als würde es keine übergreifende Handlung geben (obwohl sie durchaus existiert) und nur sehr wenig Spannung. Natürlich erwarte ich bei einer Cozy Fantasy nicht, dass sie mich ständig zum Weiterlesen antreibt, aber hier fiel es mir wirklich schwer, mitzufiebern, weil die Handlung sich trotz der stets wiederkehrenden Charaktere und zufriedenstellender Charakterentwicklung so abgeschnitten voneinander anfühlte.

Die einzelnen Freundschaften (vor allem die zu Fin und den Rittern, die sich zunächst nicht ausstehen können, bis sie sich langsam füreinander erwärmen) sowie die Romanze zwischen Fin und Annika waren sehr gut umgesetzt. Hier fiel es mir leicht, mit den Charakteren und den einzelnen Beziehungen mitzufiebern, weil sie sehr realistisch geschrieben waren und sich beständig weiterentwickelten.

Der Schreibstil war mir manchmal ein wenig zu nüchtern und es verwirrte mich oft, wann immer sich die Sichtweise abrupt änderte, aber trotzdem gelang es ihm, mir die schönen Szenen nahezubringen.

Insgesamt also kein absolutes Highlight, aber immer noch eine wunderbare Cozy Fantasy, die gerade für diejenigen perfekt geeignet ist, die eine episodenhafte Erzählweise mögen!

Eine Frage der Chemie
464 Seiten

Elizabeth Zott ist Wissenschaftlerin - was als Frau im Jahr 1961 nicht unbedingt einfach ist. Für ihre Zeit sehr fortgeschritten, stößt sie auf zahlreiche Menschen und Probleme - bis sie Moderatorin der Serie "Essen um sechs" wird, wo sie entschlossen ist, nicht nur zu kochen, sondern ihren Zuschauerinnen auch Chemie beizubringen - und ein selbstbestimmtes Leben ...

Ich muss zugeben, dass mich die Kurzbeschreibung erst mal abgeschreckt hat. Viel zu oft lese ich von "progressiven Frauen", die einfach wie Frauen des 21. Jahrhunderts wirken, die mit unserem heutigen Wissen in die Vergangenheit versetzt wurden. Sie wirken künstlich, nicht wie Teil der Jahrzehnte, in denen sie aufwuchsen. Zu meiner Freude traf das nicht auf Elizabeth Zott zu.

Natürlich ist auch sie im Gegensatz zu vielen anderen Frauen ihrer Zeit sehr viel fortschrittlicher, aber erstens ist es realistisch beschrieben und zweitens kommen auch die anderen Frauen zu Wort, statt nur unwichtige Nebenfiguren in Elizabeths Zott Geschichte zu sein. Also, Nebenfiguren sind sie schon - aber gute, weil auch sie dazulernen wollen und Elizabeth Zott ihnen bloß zeigt, wie.

Die Handlung hatte dabei einige dramatische Überraschungen, die ich so, wenn überhaupt, nur sehr selten gelesen habe. Dazu gehört auch das eigentliche Hauptthema, Chemie. Ich muss zugeben, dass es Bonnie Garmus nicht gelungen ist, es mir nahe zu bringen, weil viele Stellen bewusst nicht erklärt wurden und wohl nur für Kenner überhaupt verständlich sind. Deshalb war es gut, dass diese Stellen für die Handlung unerheblich waren und größtenteils dazu da sind, Elizabeth Zotts Wissen zu untermauern.

Der Schreibstil war trotz der eingeworfenen Fremdwörter äußerst angenehm zu lesen, sodass es Spaß machte, in die Geschichte einzutauchen und Elizabeth Zotts nächsten Schritt zu verfolgen. Mit ihr hat Bonnie Garmus einen Charakter erschaffen, der einem im Gedächtnis bleibt und mit dem man von Anfang bis Ende mitfiebert.

Dieses Buch zeigt hervorragend, warum es manchmal gut ist, aus seinen bekannten Genres herauszubrechen und mal etwas Neues auszuprobieren - denn unter Umständen gehört dazu ein wunderbarer Roman!

Der Meisterkoch
368 Seiten

Ein wunderschönes Buch über einen Küchenmeister, der entschlossen ist, die Liebe seines Lebens zu finden. Jede Speise bringt ihn näher an sein Ziel - doch seine Liebste, Kamer, ist Teil eines Harems und für ihn unerreichbar ...

Das Leben des Meisterkochs hat mich unglaublich fasziniert. Die Art und Weise, wie er seine Kochkünste immer weiter verbessert, hat mir sehr gefallen, weil man einen guten Eindruck davon bekommt, wie viel selbst mit natürlichem Talent noch zu lernen ist. Auch seine Beziehung zu Kamer, obschon die beiden gar nicht mal so viel Zeit miteinander verbringen, hat mich gepackt und ihre gemeinsamen Szenen gehören definitiv zu meinen liebsten.

Die Gerichte sind alle so gut beschrieben, dass ich sie regelrecht auf der Zunge schmecken konnte - und mehr als einmal Hunger bekam. ;) Der Detailreichtum, mit dem die ganze Kunst des Kochens bereichert wurde, war hierbei ein großes Plus.

Insgesamt ein wunderschöner und empfehlenswerter Roman!