Als Kind berühmter Eltern wurde Sophie-Marie stets behütet, doch dieses Mal will sie endlich eine eigene Entscheidung treffen und macht bei der Dating-Show Vibes & Hearts mit. Dort trifft sie auf Yannick, bei dem sie sofort ein Knistern verspürt und den sie gerne näher kennenlernen möchte. Doch auch ihr Kindheitsfreund Leander ist bei der Show dabei und möchte Sophie-Marie im Auge behalten. Doch wer von beiden ist der Richtige für sie? Fünf Entscheidungen über den Roman hinweg bestimmen, mit wem sie letztendlich zusammenkommt …
Da ich Entscheidungsgeschichten mag, freute ich mich darauf, hier eine besonders weitgespannte zu lesen, doch leider war das Leseerlebnis letztendlich sehr frustrierend, weil es trotz des Versprechens der Autorin, es würde keine falschen Entscheidungen geben, schmerzhaft offensichtlich war, dass das nicht stimmt. Klar, mit beiden Love Interests ist letztendlich ein Happy End möglich – aber es ist wirklich überaus deutlich, wer der Favorit ist.
Aufgrund ihrer anfänglichen Chemie entschied ich mich nämlich zunächst dafür, Leanders Pfad zu folgen, woraufhin sich mehrere Kapitel entspannten, in denen Sophie-Marie besonders viel Zeit mit Yannick verbringt, viele wichtige Konversationen mit ihm führt, die ihre Vergangenheiten und Unsicherheiten offenlegen, ständig genervt von Leander ist und sich, wenn sie doch mal eine Szene mit ihm hat, entweder mit ihm streitet oder belanglose Gespräche mit ihm führt. Wenn sie mit ihm gematcht wird, ist sie enttäuscht, bei Yannick dagegen freut sie sich stets und ist erleichtert. Schließlich gipfelt dieser Teil der Handlung in einem Kuss zwischen Sophie-Marie und Yannick, nach dem die Geschichte einen noch mal fragt, welchem Pfad man nun folgen möchte.
Das alles hatte ich natürlich nicht erwartet, als ich mich am Anfang für Leander entschied und war deshalb sehr frustriert, dass er in seinem eigenen Anfangspfad fast schon zu einem Nebencharakter degradiert wurde. Tatsächlich musste ich mich mehrmals vergewissern, dass ich auch ganz sicher beim richtigen Kapitel weitergelesen habe und nicht aus Versehen die Kapitel vertauscht wurden, weil es keinen Anlass gab, daran zu glauben, dass ich gerade die aufblühende Beziehung zwischen Sophie-Marie und Leander lese. Natürlich habe ich mich danach für Yannick entschieden, weil absolut nichts darauf hindeutete, dass Sophie-Marie in Leander mehr als einen Bruder/besten Freund sieht, mich aber immer noch verraten gefühlt, weil die Geschichte mir dadurch sehr stark verdeutlichte, dass es eben doch falsche Entscheidungen gibt, weil ja nicht mal die Handlung selbst sich die Mühe gab, Leander als gleichwertige Option darzustellen.
Nach dem Abschließen der restlichen Handlung mit Yannick habe ich noch mal zurückgeblättert und bei der ersten Entscheidung Yannick gewählt in der Hoffnung, dass hier Leander mehr Screentime und Relevanz bekommt. Aber auch hier hat Sophie-Marie die tiefgründigen Gespräche, die Intimität und den Kuss mit Yannick, betont, dass sie ihn mehr mag und ist fast permanent sauer auf Leander. Als die Geschichte dann wie beim „Leander“-Pfad fragte, wem ich nun folgen will, habe ich ernsthaft überlegt, ob ich Leanders Pfad, der nach dieser zweiten Entscheidung geöffnet wird, überhaupt lesen soll, mich aber letztendlich dazu durchgerungen.
Leider besteht die Strategie, durch die Sophie Leander Aufmerksamkeit schenkt, daraus, Yannick zu einem unsympathischen, antagonistischen Charakter zu machen, der sehr starke Out-of-Character-Entscheidungen trifft und so gar nichts mit dem echten Yannick zu tun hatte, dass er genauso gut ein völlig anderer Charakter hätte sein können. Und das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Wäre es nicht viel besser gewesen, die beiden als gleichwertig gute Optionen darzustellen, indem beide sympathisch bleiben und die Neugier darauf wecken, den jeweils anderen in seinem Pfad näher kennenzulernen – statt zu verdeutlichen, dass einer von beiden definitiv die falsche Entscheidung ist?
Wenigstens gab es in diesem Pfad tatsächlich ein paar schöne Szenen mit Sophie-Marie und Leander, sogar mit ein, zwei wichtigen Gesprächen, einem besseren Third-Act-Break-Up als dem in Yannicks Storyline und einem zufriedenstellenden Ende. Trotzdem war ich letzten Endes nicht zufrieden, weil der gesamte Handlungsstrang nur deshalb geschehen konnte, indem Yannicks Charakter und Grundprinzipien komplett umgepolt wurden und das sogar ohne eine Erklärung oder Entschuldigung.
Der Roman hatte zwar einen flüssigen, gut zu lesenden Schreibstil und eine wunderbare Charakterentwicklung für Sophie-Marie, aber da er seine Love Interests so ungleich behandelte, kann ich ihn als Entscheidungsgeschichte leider nicht empfehlen.
- Die Möglichkeit
- von Liebe
- Louise Pelt
- Lübbe
- Belletristik
- Selbstfindung
- Freundschaft
- Romanze
- Liebe
- Freiheit
- Sommer
Nachdem Lindas baldiger Ex-Mann sie für seine neue Freundin verlassen hat, braucht sie dringend ein wenig Zeit für sich alleine. In einem Sommerhaus, das die beiden vor Jahren gekauft haben und das inzwischen in Vergessenheit geraten ist, hofft sie, sich selbst zu finden – und definitiv nicht, dass ein mysteriöser Teenager mit raspelkurzen Haaren und blauem Pullover sie zu verjagen versucht. Zugleich folgen wir Sam, die auf die distanzierte Martha trifft und sich nach und nach mit ihr anfreundet. Doch wer ist Martha, warum trägt sie stets den gleichen Pullover und hält sich von allen anderen fern? Linda und Sam finden ihre eigenen Antworten darauf …
Die Kurzbeschreibung der Geschichte ist leider sehr irreführend, denn die Handlung, die sie beschreibt, passiert erst nach 180 Seiten und selbst dann gerät sie erst später richtig in den Fokus. Zugegeben: Die Szenen, die Linda und Martha dann miteinander teilen, fand ich tatsächlich großartig, aber bis dahin dauert es eben eine ganze Weile, die nur sehr langsam vergeht. Zudem war ich immer noch investierter in Sams und Marthas Freundschaft, obwohl Sams Kapitel immer um einiges kürzer waren als Lindas.
Außerdem ist Martha nicht mal der wichtigste Charakter in Lindas Geschichte (wenn auch definitiv ein wichtiger), sondern auch der Jurist Frederik, auf den Linda trifft. Ich wusste für eine ganze Weile nicht, was ich von ihm und ihrer wachsenden Beziehung halten sollte, denn ursprünglich machte Linda eine Auszeit, um herauszufinden, wer sie ohne die Beziehung zu einem Mann ist – und sie dann fast schon buchstäblich in den ersten verlieben zu lassen, auf den sie trifft, kam mir da nicht wie die richtige Strategie vor. Allerdings mochte ich letztendlich die Art und Weise, wie sich ihre Beziehung entwickelte, sehr – und außerdem war Frederik schlicht ein sehr sympathischer Charakter.
In Linda dagegen konnte ich mich leider so gut wie nicht hineinversetzen. Das liegt nicht nur an ihrer Ausgangssituation (Mutter von zwei Kindern, die ihre Scheidung plant), sondern vor allem an ihrer Charakterentwicklung, die dem klassischen Format „vernünftiger Charakter lernt, dass es viel besser ist, locker drauf zu sein“ folgt und aus diesem Grund nichts war, mit dem ich mich identifizieren konnte. Allgemein bin ich diese Art von Handlungssträngen langsam leid, selbst, wenn man davon absieht, dass zumindest zwei von Lindas spontanen Entscheidungen sie buchstäblich fast umgebracht hätten. Das ist allerdings keine Kritik am Roman, sondern schlicht die Beobachtung, dass ich mich als jemand, die zwar ab und an unvernünftig ist, ihr Glück aber letztendlich in der Vernunft gefunden hat, nicht viel mit diesen Handlungssträngen anfangen kann.
Sehr gut gefielen mir die Offenbarungen gegen Ende, mit denen ich überhaupt nicht rechnete und die mich ganz schön emotional zurückließen. Ich liebte es, wie die Geschichte endete – auch, wenn der Anfang ganz schön holprig war. Trotzdem ist es letztendlich nicht meine Art von Buch, weshalb ich es nur denjenigen empfehlen würde, die sich besser in Linda hineinversetzen können.
Wren, August, Olivier, Emilio, Masika und Irene haben die Blackwood Trials überstanden, doch vorbei ist der Kampf gegen Direktor Silas noch lange nicht. Wren ist eine Gefangene von Augusts Schwester Edith und muss ihren Tod immer und immer wieder erleben. August muss Edith gegenüber so tun, als würde er sich ganz den Schatten verschreiben. Olivier leidet am Vergessen und muss zusammen mit Emilio und Masika nach drei Schlüsseln suchen, die der letzte Ausweg zu sein scheinen. Und Irene, die sich den Aufgestiegenen angeschlossen hat, versucht, die Schule von innen zu zerstören, während sie gleichzeitig Treue vorgeben muss …
Ich habe das Buch bereits auf Englisch gelesen, wollte aber auch unbedingt wissen, wie die deutsche Übersetzung ist – und tatsächlich hat sie mir sogar besser gefallen als das Original! Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich sie schlicht besser verstehe oder daran, dass ich die Handlung bereits kannte, aber dieser Re-Read auf Deutsch war eine positive Überraschung.
Zugegeben war ich ausgerechnet ins Hauptpaar am wenigsten investiert: Mir war Augusts Hingabe zu übertrieben und Wrens Geschichte entwickelte sich nach vielen vor sich hin plätscherten Kapiteln auf eine Weise, die mir nicht gefiel (wobei das auch für andere Romane gilt, die diese Art von Handlung enthalten). Ich mochte Arthur und Quinn, die in diesem Handlungsstrang auftauchen, aber die anderen Stränge gefielen mir trotzdem mehr.
Wie schon beim ersten Mal war ich besonders begeistert von Emilio und vor allem Olivier; die beiden setzten ihre schöne Liebesgeschichte aus dem ersten Band fort, waren aber auch als Charaktere sehr sympathisch. Masika hatte zwar keine eigene Geschichte (dafür gibt es leider zu wenig Szenen mit ihr und Catherine, die sich perfekt dafür geeignet hätten, eine zu erschaffen), war aber ebenfalls sympathisch und ihre gemeinsame Reise, um die drei Schlüssel zu finden und dabei drei Rätsel zu lösen, war mein persönliches Highlight des Romans.
Doch die positivste Überraschung war definitiv Irene. Beim ersten Mal war ich definitiv am wenigsten investiert in ihre Handlung, aber hier beim Re-Read war ich überrascht darüber, wie sehr ich auf einmal mit ihr mitfieberte! Ich habe ihren Charakter richtig zu schätzen gewusst und das fand ich wunderbar. Nur mehr Szenen zwischen allen sechs haben mir schmerzlich gefehlt, weil sie für so lange Zeit voneinander abgeschnitten sind.
Zusammengefasst haben mir also die Handlungsstränge von Olivier, Emilio, Masika und Irene sehr gut gefallen und Wrens und Augusts Geschichte leider nicht ganz so stark, aber mein Gesamteindruck war immer noch sehr positiv. Doch eine wichtige Ausnahme gibt es: Die Enden, die für die verschiedenen Paare gewählt wurden.
Es gibt insgesamt vier: die beiden Hauptpaare Wren/August und Emilio/Olivier sowie die Nebenpaare Arthur/Quinn und Masika/Catherine. Und leider fand ich, das kein Paar das Ende bekommen hat, das es meiner Meinung nach verdient hätte, im Guten wie im Schlechten. Das hat bei mir einen bittersüßen Nachgeschmack hinterlassen, weil ich die ganze Zeit daran dachte, wie viel passender ich es gefunden hätte, wenn alle Paare ein anderes (manchmal besseres, manchmal schlechteres) Ende bekommen hätten. Aber so, wie es war, war ich mit dem Ende leider nicht ganz zufrieden, obwohl mir das Buch allgemein sehr gut gefallen hat.
Ist dieser Roman also ein guter Abschluss der Dilogie? Durchaus ja. Die gewählten Enden waren zwar nicht die, die ich mir gewünscht hätte, aber die Poetik hinter ihnen ist mir nicht entgangen – und andere Leserinnen und Leser werden sie sicher noch mehr zu schätzen wissen!
Ganymedes ist einer von zwölf Gesegneten – oder zumindest sollte er es sein. Doch im Gegensatz zu den anderen hat er keine Gabe, was er auf der Schiffsreise zum Berg der Göttin unbedingt verbergen muss. Als allerdings bereits in der ersten Nacht die Erbin des Herrschers umgebracht wird, weiß er, dass es größere Probleme zu lösen gilt. Ganymedes macht sich auf, den Mörder zu finden, doch während die Leichen immer mehr werden, scheinen die Hinweise immer mehr zu schrumpfen …
Ich bin bei diesem Buch ein wenig hin- und hergerissen, weil es für etwa die ersten 85% eine unglaublich spannende, spaßige Story bietet, in die ich sehr investiert war, die letzten 15% bei mir allerdings einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen haben, weil die Handlungsentwicklung mir leider überhaupt nicht gefiel.
Aber starten wir am Anfang: Ganymedes ist ein absolut großartiger Protagonist, dessen Humor nicht nur die dramatische Handlung auf gute Weise auflockert, sondern dessen vergangenes Drama auch einen überraschend angenehmen Kontrast zum Humor bietet. Die Balance zwischen den beiden war genau richtig und machte es leicht, so richtig mit der Geschichte mitzufiebern, mit Anspannung zu erwarten, was als nächstes passiert und gleichzeitig die Charaktere liebzugewinnen.
Diese haben teils wegen der Morde, teils wegen ihrer Anzahl natürlich eine limitierte Screentime, aber sie alle haben es schafft, einen Eindruck zu hinterlassen – mein Liebling war natürlich die kleine Grashüpfer, wobei ich von den Nebencharakteren vor allem Nergüi und Shinjiro faszinierend fand. Letztendlich erfahren wir aber von überraschend vielen Charakteren ihre Vergangenheit und ihre Mühen, sodass es mir schwer fiel, in irgendeinem von ihnen einen Mörder zu sehen. Ich hatte sogar eine halb richtige Theorie, aber es gab definitiv Twists, die ich nicht kommen sah. Allein schon die Anzahl der Morde überraschte mich – tatsächlich kam sie mir zu hoch vor.
Das wahre Highlight bleiben aber immer noch Ganymedes mit seinem perfekten Mix aus Drama und Humor, Grashüpfer als die bezauberndste unter ihnen allen, und auch Ravi und Wyatt, deren Rollen mich sehr überraschten. Hier hilft es auch, dass das Worldbuilding so gut war – ich habe jede Information zu den Provinzen begierig in mich eingesaugt und fand es großartig, wie ihre Besonderheiten in die Handlung eingebaut wurden.
Doch leider gibt es nach diesen großartigen 85% einen Twist, der zwar durchaus geforeshadowt wurde, sich aber trotzdem wie Verrat am Leser anfühlte und es mir sehr viel schwerer machte, weiter investiert in die Handlung zu sein, weil ich mir die ganze Zeit eine andere herbeisehnte. Der Twist machte gewisse Aspekte des Romans – Charaktere, Romanzen, das Finale und Ende – geradezu unerträglich, weil die Botschaft hinter ihnen sich auf eine Weise veränderte, die ich nicht befürworten konnte. Hier wünschte ich wirklich, es hätte einen anderen Twist gegeben, der die zuvor etablierten Botschaften auch tatsächlich umsetzt.
Aus diesem Grund fällt es mir wie gesagt schwer, den Roman zu bewerten, weil ich ihn für einen Großteil so sehr genoss, der letzte kleine Teil allerdings einen großen Schatten warf, den ich bis zuletzt nicht abschütteln konnte. Deshalb kann ich den Roman leider nicht vollen Herzens empfehlen, so gut er auch in sehr vielen Aspekten war.
- Murdoku
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- Kleines Highlight
Im zweiten Murdoku besuchen wir verschiedene ikonische Zeiten: Das Mittelalter, den Wilden Westen, die goldene Zeit der Piraten, die Steinzeit und zuletzt das Antike Ägypten. Alle mit ihren eigenen Extra-Regeln, aber vor allem: Alle mit jede Menge Charme.
Denn das ist zunächst einmal die erste große Stärke dieses Rätselbuchs: Das Design. Jede Zeit hat ihr eigenes Graphic Design, einschließlich eigener Schriftart, passender Charaktersilhouetten (einschließlich der vereinfachten Figuren in der Lösung), einer Vielfalt verschiedener Orte und sogar Gegenständen, die in verschiedenen Zeiten vorkommen, aber passend zur Zeit gestaltet sind. Jede Epoche hat ihren eigenen Stil und das war absolut großartig! Die ganze Detailliebe zeigt, wie viel Mühe und Herzblut in diesem Rätselbuch steckt.
Und das ist noch nicht mal alles: Die mit Abstand beste Verbesserung waren die Notizzettel. Im ersten Band waren sie einfach eine leere Nachbildung der Räume, doch hier im zweiten Band werden alle speziellen Felder nochmal extra markiert: Felder, die nicht besetzt werden können, sind z.B. leicht dunkler; Felder mit Stühlen, Pferden, Teppichen usw. werden nochmal umrandet; und auch Extra-Felder, die es z.B. in der Steinzeit und im Antiken Ägypten gibt, bekommen ein kleines Symbol zur Differenzierung. All diese Verbesserungen waren unglaublich praktisch und haben es so viel angenehmer gemacht, die Felder auszufüllen! Am liebsten wünsche ich mir jetzt eine Neuauflage des ersten Bandes, die ebenfalls spezielle Felder im Notizzettel markiert, weil ich im Nachhinein nicht weiß, wie ich ohne diese Markierungen zurechtgekommen bin.
Aber reden wir über die Rätsel an sich!
Im Mittelalter sind die Charaktere in Adlige, Bürger und Ritterinnen eingeteilt, wobei Adlige nur in adligen Orten sein können, Bürgerinnen nicht in adligen Orten sein können und Ritter überall. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Charaktere dementsprechend in die Felder einzuordnen und ich mochte es, wie mein Gehirn die Logik hinter den Charakterplatzierungen verarbeitete. Gerade die späteren Rätsel waren hier sehr gut, wobei ich mir bei Rätsel 15 (Die Belagerung) sogar einen Lösungshinweis holen musste. (Nach dem ersten Murdoku war das Nachschauen eines Hinweises zum Glück nur selten notwendig, aber wenn doch, habe ich mich meistens dafür verflucht, nicht selbst auf die richtige Strategie gekommen zu sein – anstatt, wie beim ersten Murdoku, erleichtert darüber zu sein, weil ich eben nicht selbst darauf gekommen wäre.)
Der Wilde Westen war da schon unspektakulärer. Hier muss man neben der Mörderin auch die Gesetzlosen identifizieren, aber dadurch, dass das Opfer selbst nie ein Gesetzloser war, es nur diese eine Rolle gab und diese keinerlei Zusammenhang mit dem Mörder hatte, habe ich keinen richtigen Sinn hinter dieser Mechanik gesehen. Hier finde ich, dass die Rätsel davon profitiert hätten, eine engere Bindung zwischen den Gesetzlosen und dem Mörder und/oder Opfer einzubauen. Dafür hatte dieser Teil des Buchs mein absolutes Lieblingsrätsel: Rätsel 30 (Der Zugraub), das statt einem großen Gitter vier kleine hatte, was für ein spaßiges Umdenken der Platzierungslogik sorgte. Tatsächlich war das Lösen dieses Rätsels so spaßig, dass ich mir gerne noch mehr dieser Art gewünscht hätte!
Das goldene Zeitalter der Piraten war meine persönliche Lieblingszeit, weil hier meine liebste Rätselart verwendet wurde: Bei manchen der Rätsel muss man die Orte nämlich selbst benennen (z.B. bei Rätsel 41 (Schmugglerbucht), wo es drei verschiedene Höhlen gibt, deren Namen wir anhand der Charakterhinweise zuordnen sollen), was für mich nicht nur der größte Spaß war, sondern auch eine packende Art von neuer Logik bot. Das See/Land-Prinzip fand ich nicht allzu interessant, aber jedes Rätsel, das verlangte, die Namen der Orte zu deduzieren (plus das Geisterschiff-Rätsel, bei dem man seinen Ort selbst bestimmen muss sowie das Papagei-Rätsel, bei dem man den Hinweis, der doppelt vorkommt, finden muss) war ein Highlight für sich.
Die Steinzeit bot eine um einiges interessantere Variante des Wilden Westens: Hier gibt es verschiedene Rollen (Jägerin, Fischer, Werkzeugmacherin, Sammler, Wolfsbändigerin), die ein Teil der Charaktere erfüllen muss, wobei es bestimmte Felder für die Rollen gibt, in der Regel nur ein bis zwei Charaktere eine bestimmte Rolle haben können und das Opfer in diesem Fall dazu zählt; das machte die Rätsel noch interessanter! Obwohl es auch hier keine Verbindung zwischen Mördern, Opfer und deren Rolle gab, waren diese Rätsel allein schon wegen der verschiedenen Rollen genial. (Hier kamen auch die ersten Rätsel vor, bei denen ich ein bestimmtes Feld bereits als besetzt markierte und erst später deduzierte, welcher Charakter dorthin gehört. Das war ebenfalls eine interessante, neue Art von Logik.) Mein Lieblingsrätsel war Rätsel 58 (Flusskrokodile).
Dann haben wir das Antike Ägypten, bei dem es mir zugegeben schwer fiel, die Logik hinter den Glyphen zu begreifen, weshalb ich mir vergleichsweise oft einen Hinweis holen musste. Es gibt zwei verschiedene Gylphen: Eine, die bedeutet, dass der Charakter, der auf ihrem Feld steht, allein ist; und eine, die bedeutet, dass er nicht allein ist. Falls man feststellt, dass ein Charakter auf einem der Glyphen steht, half einem das theoretisch, die Platzierung anderer Charaktere besser einzuordnen, aber praktisch gesehen habe ich mich damit sehr schwergetan. Dafür gab es ein paar echt coole Rätsel: meine Lieblinge waren Rätsel 72 (Römischer Gesandter), das, ähnlich wie im Mittelalter, Charaktere in zwei Lager aufteilte, und Rätsel 77 (Die Pyramide), das durch seine kreative Gitterform hervorstach.
Die letzten zwei Rätsel waren ein großartiger Abschluss, den ich nicht vorwegnehmen will, deshalb möchte ich stattdessen die einzige Rätselart ansprechen, die mir etwas zu kurz kam: Die „Es gab keinen leeren Raum“-Rätsel. Es gibt durchaus ein paar (vor allem im Mittelalter) sowie Rätsel mit ähnlicher Logik (z.B. „fünf Menschen waren östlich des Flusses, fünf waren westlich davon“), aber im Vergleich zum ersten Band kamen sie recht selten vor. Da ich die Logik hinter diesen Rätseln so mochte, hätte ich sie gerne noch mehr gesehen.
Insgesamt ist dieses Rätselbuch allerdings immer noch eine starke Steigerung zum großartigen ersten Band, mit sehr viel Variation und sehr viel Charme!
Seit elf Jahren lebt Fynn im Waisenhaus, doch hat er sich nie zugehörig gefühlt und verbringt seine Zeit viel lieber am Meer. Trotzdem hätte er nicht erwartet, dass seine Verbindung zu ihm weitaus stärker ist, als er je ahnte – bis ein Kapitän ihn adoptiert und ihn kurzerhand nach Akademar, die Schule des Meeres, bringt. Hier hofft Fynn, das Zuhause zu finden, nach dem er sich schon so lange sehnte, doch als sein Seelentier sich ausgerechnet als Oktopus erweist, fürchtet Fynn, dass die Herausforderungen gerade erst angefangen haben …
Dieses Kinderbuch war eine positive Überraschung, denn obwohl es eine eigentlich familiäre Geschichte erzählt, hat es mir ungewöhnlich viel Spaß gemacht!
Das fängt schon mit Fynn an, der ein sehr sympathischer Protagonist war, in den ich mich sehr gut hineinversetzen konnte; für mich war er die große Stärke des Romans, weil es so leicht war, mit ihm mitzufiebern und seine Geschichte gespannt zu verfolgen. Auch seine Freundschaft mit Loki, seinem Oktopus, war gut umgesetzt und hat mir sehr gefallen.
Von den anderen Charakteren stachen dagegen nur zwei hervor: Einmal der Kapitän, der Fynn zu Anfang adoptiert hat und von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte, weil seine Rolle so undurchsichtig schien; und dann noch Atalante, eine Mitschülerin Fynns, die mich ebenfalls positiv überraschte, weil ich ihre Charakterentwicklung nicht kommen sah. Alle anderen Charaktere bleiben größtenteils eindimensional, erfüllen ihren Zweck allerdings gut – es gibt viele bekannte Archetypen.
Auch, was die Handlung angeht, gibt es keine großen Überraschungen, weshalb ich umso überraschter war, wie viel Spaß es mir dennoch machte, sie zu verfolgen. Trotz des limitierten Worldbuildings, trotz der Tatsache, dass die Handlung aufgrund der Altersklassifizierung nicht so ausführlich ist, wie sie es hätte sein können – trotz alldem habe ich sie vollauf genossen und plane, auch den zweiten Band zu lesen, in der Hoffnung, dass er einige der Punkte weiter ausbaut.
Insgesamt ein tolles Kinderbuch für die Altersgruppe, das ein wunderbares Abenteuer bietet!
- Canvas
- Ursula Poznanski
- Loewe
- Jugendbuch
- Science Fiction
- Virtuelle Welten
- Rätsel
- Mystery
- Falsche Identitäten
- Geheimnisse
Ein Jahr nach den Ereignissen des letzten Bandes erhält Jana zu ihrem Schrecken die Nachricht, dass Lauritz, der Hauptakteur hinter den damaligen Ereignissen, aus MinusNull geflohen ist. Der einzige Weg, ihn zu finden, scheint Janas neue Welt zu bieten: Canvas, eine Art Jobbörse, mit dessen Hilfe man sich als Ambient, eine Art Statist, in verschiedene Welten stationieren kann, ohne selbst erkannt zu werden. Doch schon bald merkt Jana, dass sie nicht die einzige ist, die diese praktische Welt für sich nutzt …
Ich bin sehr froh, dass ich direkt vor dem zweiten Teil den ersten noch einmal gelesen habe, denn es handelt sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung, die das Wissen des ersten Bandes voraussetzt und auf jeden Fall leichter zu lesen ist, wenn man noch alle Charaktere und ihre Rollen frisch im Kopf hat.
Dieser Band hat vor allem eine gute Mystery, was so weit ging, dass ich zwar wusste, was genau nicht stimmte, mir aber einfach nicht erklären konnte, wie das möglich sein sollte und ganz schön gestarrt habe, als das Geheimnis dahinter herauskam. Zugegeben gibt es auch sehr leichte Rätsel, die ich in dem Moment löste, in dem alle Puzzleteile mir zur Verfügung standen, doch dafür eben auch welche, bei denen ich wenig bis keine Ahnung hatte und deshalb gespannt war, wohin das Buch mich führen würde. Andere Leserinnen und Leser werden sicher ebenfalls etwas zu leichte und ein paar undurchschaubare Rätsel entdecken, aber die Mischung war zumindest für mich in Ordnung.
Die Ambientes spielen eine große Rolle und werden zu meiner Zufriedenheit sehr gut genutzt: Es machte Spaß, Jana dabei zuzuschauen, wie sie andere Rollen übernimmt und dabei versucht, nicht erwischt zu werden, aber auch, wie sie versucht, die wahren Identitäten hinter anderen Rollen zu durchschauen. Das Weltenhoppen war für mich wieder der beste Teil; wir lernen einige neue Welten kennen und auch ein paar bekannte, aber so oder so war es großartig, die vielen Facetten der virtuellen Realitäten zu sehen.
Zu meiner Überraschung mochte ich die Romanze zwischen Jana und Tivon, die ich im ersten Band nicht besonders realistisch fand, in diesem Band sehr. Die beiden verbringen tatsächlich viel Zeit miteinander, tauschen liebevolle Gesten aus und zeigen allgemein eine Chemie, die mich sehr investiert in ihre Beziehung machte. Leider sind andere Charaktere dafür schwächer vertreten; sie kommen natürlich vor, aber keiner hinterließ einen so starken Eindruck wie Jana und Tivon.
Das Ende geschah ein wenig zu plötzlich und wurde meiner Meinung nach etwas zu schnell und glatt gelöst, sodass ich erst einmal eine Weile brauchte, um überhaupt zu verstehen, warum die Ereignisse sich gerade überschlagen. Zudem sind durchaus noch Fragen offen, z.B., inwiefern die Menschen wieder in der realen Welt leben können werden; es gibt zwar Andeutungen auf eine Verbesserung, aber eine echte Lösung wurde leider noch nicht gefunden. Wer weiß also, ob wir noch einen dritten Teil bekommen.
Letztendlich ein gelungener zweiter Band, bei dem mir vor allem die verschiedenen Welten und Rätsel sehr gefielen!
- Cryptos
- Ursula Poznanski
- Loewe
- Jugendbuch
- Science Fiction
- Virtuelle Welten
- Verfolgungsjagd
- Klima
- Verschwörungen
Jana ist eine erfolgreiche Weltendesignerin, doch ausgerechnet in ihrer friedlichsten Welt Kerrybrook geschieht ein mysteriöser Mord – und zwar ein echter, was in den virtuellen Welten gar nicht möglich sein sollte. Um den Mord aufzuklären, sucht Jana in den verschiedenen Welten nach Hinweisen, worauf sie immer wieder auf das Motiv einer aufgespießten Taube stößt. Als sie die Welten verlassen will, stellt sie mit Schrecken fest, dass das nicht möglich ist, und erfährt zudem, dass ein Tod in einer der Welten für sie final wäre …
Ich habe Cryptos bereits vor sechs Jahren gelesen, doch zum Erscheinen des zweiten Bandes wollte ich mein Wissen auffrischen, weil ich zwar noch vieles in Erinnerung hatte, aber einiges nicht mehr und deshalb sicher gehen wollte. (Außerdem hatte ich ohnehin Lust, das Buch wieder zu lesen.) Es war wieder ein spaßiges Lesevergnügen, durchaus mit ein, zwei Kritikpunkten, aber sowohl unterhaltsam als auch zum Nachdenken anregend.
Damals liebte ich vor allem die verschiedenen Welten und tue es immer noch, weshalb mir vor allem die erste Hälfte des Romans sehr gut gefällt, in der Jana durch diese verschiedenen Welten reist. Was mir aber bei diesem Re-Read sehr positiv aufgefallen ist, sind die vielen subtilen Hinweise darauf, wie schlimm es in der realen Welt ist. All diese Hinweise habe ich beim ersten Mal definitiv überlesen, weshalb es umso interessanter war, sie bei diesem Re-Read zu entdecken. Vor allem die Art und Weise, wie sie nebenbei eingebaut wurden und Jana am liebsten auch ihre Zeit nur in virtuellen Welten verbringen würde, fand ich großartig, weil es leicht war, sich in sie hineinzuversetzen und die vielen kleinen Kommentare zur realen Welt zu ignorieren. Das machte die Geschichte auf erschreckende Weise noch realer.
Janas Romanze mit Tivon fand ich leider nicht besonders überzeugend, weil ich nur freundschaftliche Chemie zwischen ihnen spürte, weshalb ich ihren besten Freund Matisse und ihren Bruder Monty lieber mochte, obwohl sie nur wenig Screentime hatten. Tivon als Charakter war immer noch gut, aber die Romanze hätte meiner Meinung nach mehr Szenen gebraucht.
Zu den Dingen, die ich nicht mehr in Erinnerung hatte, gehörte das Ende – und das aus gutem Grund, weil es sehr offen und überhaupt nicht zufriedenstellend war. Umso froher bin ich, dass es eine Fortsetzung gibt, die die offenen Handlungsstränge hoffentlich auf gute Weise abschließen wird!
- Carl's Doomsday
- Scenario
- Matt Dinniman
- Fischer
- Spielshow
- Spannung
- Fantasy
- Science Fiction
- Freundschaft
- Gefahren
- Quests
- Humor
Carl und Prinzessin Donut sind in der dritten Ebene angelangt, wo eine neue Art von Herausforderung auf sie wartet: Quests. Mordecai, der zu ihrem Manager geworden ist, rät ihnen dringend, sie nicht anzunehmen, weil sie nur wenig Zeit haben, die Ebene zu schaffen, doch natürlich werden Carl und Donut trotzdem in zwei spektakuläre Quests hineingezogen …
In diesem Band wird die gesamte dritte Ebene des Spiels behandelt, was mich zugegeben überraschte – da im ersten Band die erste und zweite Ebene beschrieben wurden, hatte ich erwartet, zumindest ein paar Bände lang zwei Ebenen pro Buch zu lesen. Tatsächlich wäre mir die Reihe etwas zu lang, wenn jede der kommenden fünfzehn Ebenen ein Buch bekommt, denn schon hier im zweiten Band habe ich mir gewünscht, dass die zwei Quests, die Carl und Donut bearbeiten, in zwei Ebenen stattgefunden hätten.
Was die Quests selbst angeht, fand ich die erste mit dem verfluchten Zirkus durchaus interessant und das Finale der Quest gelungen, aber die wahre Stärke des Romans war definitiv die zweite Quest mit den ermordeten Prostituierten, die nicht nur überraschend spannend zu lesen war, sondern in einem wahrhaft epischen Ende gipfelte, das zu meinen absoluten Lieblingsszenen gehört.
Carl und Donut waren in diesem Band weiterhin genial und ich mochte ihre Schlagabtäusche sehr, sie sind und bleiben eine große Stärke des Romans. Was ich dagegen sehr vermisste, waren andere Crawler. Erst ab der zweiten Hälfte spielen sie überhaupt eine halbwegs wichtige Rolle (und ich mochte Katia, die zwar spät zu Carl und Donut stößt, aber einen sympathischen Eindruck machte), aber in der ersten Hälfte werden sie höchstens erwähnt und gaben eine große Schwäche des Quest-Prinzips preis:
Obwohl die NPCs des Spiels auf ihre Weise durchaus lebendig sind, fand ich es schwer, mich tatsächlich um sie zu sorgen. Viel mehr hätte ich mir gewünscht, mehr von den anderen Crawlern zu sehen. Carl und Donut zum Beispiel mit anderen Crawlern zusammenarbeiten zu lassen, um Quests abzuschließen, wäre meiner Meinung nach ein guter Weg gewesen, auch wirklich mit den Quests mitzufiebern und sie nicht als unwichtige Nebenquest zu empfinden. Die zweite Quest mochte ich zum Beispiel nicht zwingend, weil ich sie besser fand, sondern weil das Leben anderer Crawler auf dem Spiel stand; aber selbst, wenn dem nicht so gewesen wäre, fand ich sie allein durch das Auftauchen anderer Crawler interessanter (und relevanter für die Handlung) als die pure NPC-Zirkus-Quest.
Insgesamt immer noch ein guter Band, der vor allem durch Carls und Donuts Chemie brilliert, doch hoffe ich sehr, dass wir im nächsten Band noch mehr von den anderen Crawlern sehen werden!
- Kian und das
- Erbe des Lichts
- Caryl Lewis
- Karibu
- Kinderbuch
- Fantasy
- Gestaltwandler
- Drachen
- Freundschaft
- Keltische Mythen
- Abenteuer
Seit zwölf Jahren gab es keinen Sommer und keine neuen Kinder, doch der zwölfjährige Kian hätte trotzdem nicht erwartet, dass ausgerechnet er, das jüngste Kind, die Macht haben soll, den Sommer zurückzuholen. Dafür muss er in die Unterwelt Annwn reisen und dort einen Weg finden, König Arawn zu besiegen, der über den Winter wacht und verschiedene Drachenarten kontrolliert. Seine Freunde Deryn, Finn und Eos helfen ihm dabei, doch letztendlich liegt es an ihm, die wichtigste Fähigkeit von allen zu Meistern: Das Heraufbeschwören eines Wasserpferds …
Dieses Kinderbuch bietet ein sehr cineastisches Abenteuer, das mir gut gefallen hat, doch bevor ich darauf eingehe, muss ich unbedingt auf eine verpasste Gelegenheit aufmerksam machen, an die ich über den ganzen Roman hinweg dachte: Wie schade ich es fand, dass Kian nicht von seinem besten Freund Jona begleitet wurde. Die wenigen Szenen, die sie im ersten Kapitel hatten, haben mich sehr beeindruckt und mich wünschen lassen, noch mehr von ihnen zu sehen, aber leider taucht Jona nur noch einmal kurz am Ende auf. Zwar denkt Kian natürlich regelmäßig an ihn und er dient auch als Motivation, seine Aufgabe gut zu erledigen und nach Hause zurückzukehren, aber ich kam nicht umhin, mir zu wünschen, z.B. Jona und den fröhlichen Finn zu ein und derselben Person zu machen, allein schon, damit diese einnehmende Freundschaft über das erste Kapitel hinaus bestehen kann. (Dasselbe gilt teils auch für Kians Eltern, von denen ich zwar durchaus erwartet habe, dass er sie verlassen muss, von denen ich mir aber auch gewünscht hätte, sie an seiner Seite zu sehen, weil ich sie so mochte.)
Gut, nachdem ich das losgeworden bin, kann ich auf den eigentlichen Roman eingehen, der meiner Meinung nach vor allem durch die bereits erwähnten cineastischen Szenen brilliert. Und das liegt nicht nur an den wunderschönen Innen-Illustrationen von Marina Vidal oder an dem wunderschönen Cover von Khadijah; Caryl Lewis‘ Schreibstil erlaubte es auch so, mir viele Szenen mühelos vorzustellen, von Kian, der sein Wasserpferd heraufbeschwört und reitet (was meine persönlichen Lieblingsszenen waren) bis zu ruhigeren Momenten mit seinen Freunden, spannenden Momenten mit den feindseligen Drachen und vielen Szenen mehr. Die Handlung lief fast schon wie ein Film vor mir ab und das gefiel mir sehr gut.
Deryn, Finn und Eos hätte ich gerne noch mehr kennengelernt; ich mochte sie durchaus (auch, wenn ich eine falsche Fährte bezüglich einem von ihnen etwas zu offensichtlich fand), aber ich wünschte, ich hätte in ihrer Freundschaft die Tiefe gesehen, die mich bei Kian und Jona trotz ihrer stark begrenzten Screentime so beeindruckt hat. Natürlich ist das hier ein Kinderbuch, bei dem man nicht unbedingt die Zeit hat, sich alles langsam entwickeln zu lassen, aber es mangelte mir trotzdem stark an mehr Informationen, Gesprächen und persönlichen Szenen mit den drei, die es mir erlaubt hätten, sie näher kennenzulernen.
Das Finale und Ende waren sehr zufriedenstellend und enthielten eine Botschaft, die ich gerne auch außerhalb von Kinderbüchern lesen möchte, wobei das Ende durchaus Raum für mehr Abenteuer lässt, die Geschichte aber so gut abschließt, dass ich sie auch als Einzelband mit Freuden akzeptiere. Sie bot schlicht ein spaßiges Abenteuer, das sich auch wirklich wie eines anfühlt!
Liesel möchte die Geschichte ihrer Großmutter Emmi aufdecken, weshalb sie eine Reise nach Polen plant, um dort die Antworten zu finden, die ihre inzwischen demente Großmutter nicht mehr geben kann. Eigentlich plant sie nicht, jemanden mitzunehmen – doch durch eine Verkettung unglücklicher Entscheidungen begleitet sie nicht nur ihre Großmutter, sondern auch der Altenpfleger Jascha. Auf der Reise hofft Liesel zudem, sich selbst zu finden – und entdeckt letztendlich mehr, als sie jemals erwartet hätte …
Ich hatte die Geschichte auf Empfehlung gelesen (und weil sie interessant klang), doch letztendlich entsprach sie leider nicht meinem Geschmack.
Das fängt bereits mit Liesel an: Sie war eine leider recht unsympathische Protagonistin, die fast alles negativ sah, fast nur das Schlimmste von anderen annahm und mir, um ehrlich zu sein, ganz schön auf die auf die Nerven ging. Und dabei konnte ich ihren Unmut durchaus nachvollziehen, denn wenn ich in ihrer Situation gewesen wäre, wäre es mir wohl auch schwer gefallen, ständig positiv zu denken und immer freundlich zu meinen Mitmenschen zu sein – aber trotzdem sorgte es für ein nicht besonders angenehmes Leseerlebnis. Zwar wird Liesel gegen Ende etwas besser, aber ihre negative Art wird sie nie ganz los.
Jascha gefiel mir dafür schon besser, aber die Romanze zwischen den beiden kam mir nicht besonders realistisch vor; die beiden hatten fast keine Chemie miteinander, weil Liesel sich konstant über Jascha beschwerte und höchstens seine äußerlichen Attribute lobte. Zugegeben glaube ich auch nicht, dass ihre Romanze als eine ewig währende geschrieben wurde, aber trotzdem hätte ich gerne mit den beiden mitgefiebert.
Die eigentliche Reise war wohl das Highlight des Romans. Ich mochte es, wie Emmi hier eingebunden wurde und sogar Liesel etwas positiver eingestellt war; die Reise war überraschend friedlich und tatsächlich schön, auch wenn es bis zu ihrem Anfang eine Weile dauert und sie eher Fragen als Antworten bietet. Tatsächlich hatte ich mich schon halb darauf eingestellt, dass wir gar keine Antworten bekommen werden, weil es z.B. auch gar keine Rückblicke gab, die uns welche hätten geben können; und obwohl ich diese tatsächlich schmerzhaft vermisst habe (es war schwer, sich um Charaktere zu sorgen, die nur erwähnt werden, statt leibhaftig aufzutauchen), war ich froh, dass wir letztendlich die Antworten bekamen.
Davor allerdings gibt es eine überraschend schockierende Handlungsentwicklung, die ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mochte, weil sie so viele zufriedenstellende Antworten, Handlungsrichtungen und Charakterentwicklungen unmöglich machte. Gerade, weil ich stark darauf hoffte, dass eine bestimmte Beziehung zwischen zwei Charakteren sich auf positive Weise entwickeln würde, war ich umso deprimierter, dass die Handlung in eine ganz andere Richtung ging. Auch bei den Offenbarungen, die danach kamen, war eine dabei, die mich unter anderen Umständen dazu gebracht hätte, das Buch abzubrechen, weil sie so schrecklich war – aber dafür gab es auch zwei sehr zufriedenstellende Enthüllungen, die bereits vorher angedeutet wurden und die ich sehr mochte, weil sie so viele Fragen beantworteten.
Obwohl das Buch gute Momente hatte, ließ es mich letztendlich mit dem Wunsch zurück, eine andere Geschichte zu lesen – nämlich die von Emmi, die wir zwar erfahren, die aber noch einnehmender gewesen wäre, hätten wir sie wirklich erlebt.
- Im Park der
- aufgehenden Sonne
- Michiko Aoyama
- Belletristik
- Rowohlt
- Japan
- Wohlfühlbuch
- Heilung
- Ratschläge
- Begegnungen
In der Nähe der Wäscherei Sunshine Cleaning gibt es einen Spielplatz mit einem Nilpferd, dem nachgesagt wird, das es einen heilt, wenn man ihn dort berührt, wo es einen selbst schmerzt. Einige Menschen finden beim Nilpferd, dem sogenannten Rikabari Kabahiko Unterstützung: Kanato, der nach dem Wechsel in die Highschool plötzlich sehr viel schlechtere Noten als sonst bekommt; Sawa, die sich unter anderen jungen Müttern eines Kindergartens nicht willkommen fühlt; Chiharu, die vom Arbeitsstress und Eifersucht schlimme Ohrenschmerzen bekommt; Yuya, der vor einem Rennen behauptet, sein Bein würde schmerzen, bis es dann wirklich wehzutun beginnt; und Kazuhiko, der im Alter nicht nur unter schlechteren Augen leidet, sondern auch unter der angespannten Beziehung zu seiner Mutter.
Am stärksten ist Michiko Aoyama, wenn sie sich auf wenige Charaktere konzentriert, statt besonders viele auf einmal zu beschreiben, weshalb ich froh war, dass sie in diesem Roman genau das getan hat. So konnten wir alle Charaktere genug kennenlernen, wobei ich die kleinen Verbindungen zwischen ihnen zu schätzen wusste, aber auch die Geschichten an sich.
Der Roman startet mit einer starken Geschichte: Ich war sehr investiert in Kanato, der unter seinen Leistungen leidet und sich aufgrund seiner Noten dumm fühlt; er hatte auch die wohl engste Verbindung zum Nilpferd, dem er sogar hilft. In Sawa konnte ich mich dafür nicht ganz so gut hineinversetzen, weil ihre Probleme so ganz anders als meine waren, aber dafür war sie sehr sympathisch. Chiharu wirkte zunächst unsympathisch, aber ihre Charakterentwicklung war sehr zufriedenstellend. Auch mit Yuya konnte ich zunächst nicht warm werden, aber tatsächlich entwickelte er sich bald zu einem Liebling und ich mochte seine Freundschaft zu Suguru sehr. Zuletzt haben wir Kazuhiko, bei dem mir vor allem die sich entwickelnde Beziehung zu seiner Mutter gefiel. Letztendlich waren aber alle Charaktere auf ihre Weise sympathisch, gerade weil jeder von ihnen etwas für sein eigenes Leben lernte.
Obwohl das Nilpferd natürlich eine wichtige Rolle spielt, war ich sogar noch investierter in die Wäscherei Sunshine Cleaning, die alle Charaktere besuchen und nach der auch das Buch benannt ist. Die Besitzerin ist es, die die Sage über das heilende Nilpferd überhaupt erzählt und die Art und Weise, die die verschiedenen Charaktere mit ihr interagieren, obwohl sie selbst stets ein Nebencharakter bleibt, war äußerst faszinierend. Oft war sie sogar der eigentliche Ratschlag, den die Charaktere brauchten, was ich einfach schön fand.
Insgesamt also ein schöner Roman mit fünf wundervollen Geschichten!
Iggy möchte einfach nur ein normaler Junge sein, was mit seinem Tic nicht ganz einfach ist. Um möglichst unauffällig zu sein, hat er für die morgige Monatsfeier in seiner Schule bereits sein strahlend weißes T-Shirt vorbereitet. Doch dann taucht Yumiko, ein Katzenmädchen aus Japan, urplötzlich vor ihm auf und bringt alles durcheinander, einschließlich seines T-Shirts. Im Versuch, das T-Shirt zu säubern und Yumiko nach Hause zu helfen, starten die beiden ein Abenteuer, das sie so schnell nicht wieder vergessen werden …
Das charmante Cover und die Zeichnungen im Buch regten mich dazu an, die Geschichte zu lesen, weil sie nach einem spaßigen Abenteuer aussah, das eventuell auch Erwachsenen Freude bereitet. Doch leider muss ich sagen, dass ich es letztendlich nicht genießen konnte, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: Yumiko.
Für mich war sie leider die große Schwäche des Romans, weil sie mir sehr unsympathisch war und ihre zahlreichen Missgeschicke mir immer mehr auf die Nerven gingen. Was ganz am Anfang noch lustig war, verwandelte sich sehr schnell in ein sehr frustrierendes Leseerlebnis: Etwa 95% der im Roman vorhandenen Probleme werden durch Yumiko ausgelöst, speziell durch ihre Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit. Es waren so viele vermeidbare Szenen, dass ich irgendwann einfach nur mit den Augen rollte, wenn Yumiko schon wieder ein Missgeschick geschah.
Doch das Frustrierende war nicht Yumikos Unvorsichtigkeit an sich, sondern die Tatsache, dass sie nie aus ihr lernte. Statt irgendwann zu realisieren, dass sie achtsamer und behutsamer mit ihren (und anderen) Gegenständen umgehen sollte, macht sie ihr Pech bzw. ihr Schicksal dafür verantwortlich, wenn wieder etwas schief geht. Anstatt zu begreifen, dass sie selbst der Auslöser für die meisten Probleme ist, was ihr erlaubt hätte, eine Charakterentwicklung durchzumachen, bleibt sie die ganze Zeit so ungeschickt, ruft nur „oh Gott, oh Gott, oh Gott“ und lamentiert über ihr Pech, das sie zu verfolgen scheint. Dabei ist es nie Pech, sondern schlicht Yumikos mangelndes Bewusstsein für ihre Umgebung. Ich las das Buch zu Ende in der Hoffnung, dass Yumiko am Ende eine wichtige Lektion für ihr eigenes Leben lernt und war sehr enttäuscht, als dem nicht der Fall war.
Iggy mochte ich dafür sehr gerne, konnte mich gut in ihn hineinversetzen, war investiert in seinen Charakter und die Beziehung zu seinem Vater Andy (von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte) und war äußerst zufrieden mit der Art und Weise, wie die Geschichte mit dem T-Shirt endete. Nach all dem Frust durch Yumikos Verhalten war ich positiv überrascht darüber, wie sehr mir der Abschluss von Iggys Geschichte gefallen hat.
Dadurch, dass Yumiko aus Japan stammt, kommen übrigens so einige japanische Ausdrücke vor, die zwar in der Regel erklärt werden, mich ab und an aber doch verwirrten. Ich bin mir nicht sicher, ob Kinder der Altersgruppe noch verwirrter als ich sein werden oder im Gegenteil begeistert von der Inkorporation japanischer Begriffe und Denkweisen, aber ich wollte es auf jeden Fall erwähnt haben.
Letztendlich war das Buch leider nichts für mich, weil ich kein Fan der typisch ungeschickten Manga-Heldin bin, doch hoffe ich trotzdem, dass die eigentliche Zielgruppe mehr Freude an der Geschichte haben wird.
Lana Myers ist eine Serienkillerin, die sich an den Männern rächt, die ihr damals Leid angetan haben. Doch als sie auf den FBI-Agenten Logan Bennett trifft, trifft sie zum ersten Mal auf einen Mann, der sie auf positive Weise fasziniert – allerdings auch ein Profiler ist, der ihre wahre Identität mühelos durchschauen könnte. Während die beiden sich langsam näherkommen, ist Logan zudem entschlossen, den Mörder der Männer zu finden, die Lana umgebracht hat …
Dieser locker zu lesende Thriller ist aufgrund seines flotten Schreibstils wunderbar zu lesen und bietet eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre, die mir viel Spaß gemacht hat.
Lana ist nicht nur eine fähige, sondern auch eine überraschend sympathische Protagonistin, in die ich mich erstaunlich gut hineinversetzen konnte, auch wenn ihre Aktionen sehr extrem sind. Tatsächlich mochte ich sie sogar mehr als Logan, weil es bei ihr mehr Szenen zum Mitfiebern gab, da sie schließlich ihre wahre Identität vor ihm geheim halten muss. Die Ironie in ihren Begegnungen war herrlich zu lesen, ihre Romanze jedoch noch nicht hundertprozentig überzeugend.
Die beiden haben zwar durchaus Chemie miteinander und ich mochte speziell ihre Textnachrichten sehr gerne, aber die Romanze entwickelt sich recht schnell, nahm viel Raum ein und war dabei eher auf das Körperliche fokussiert, weshalb ich den romantischen Anteil dieser Romanze nicht besonders stark spürte. Hier hoffe ich, dass spätere Bände die emotionalen Aspekte stärker hervorheben werden.
Lanas Mordpläne spielen im Gegensatz zur Romanze eine eher untergeordnete Rolle und sind vor allem am Anfang und am Ende relevant, dazwischen aber eher nicht; was vielleicht auch ganz gut so ist, denn die Brutalität, mit der Lana vorgeht, ist nicht zu unterschätzen. Wir erleben zwar nicht direkt die Momente, in denen sie die Männer foltert, doch die Beschreibungen danach reichen allemal aus, um es sich vorzustellen.
Inwiefern die Art und Weise, wie Lana und Logan in ihren jeweiligen Berufen vorgehen, realistisch ist, kann ich nicht beurteilen, aber sie ist auch nicht der Fokus der Geschichte, weshalb sie mir auch nicht allzu wichtig war. Etwas, von dem ich dagegen gerne noch mehr gesehen hätte, sind andere Charaktere – natürlich kommen welche vor, aber nur Lanas bester Freund Jake hinterlässt einen bleibenden Eindruck, weil der Fokus so stark auf Lana und Logan selbst liegt.
Einen mittelgroßen Twist gibt es am Ende, ansonsten besticht der Roman vor allem dadurch, dass er einen auch eine große Twists gut mitreißt, weil die Ausgangssituation so fesselnd ist. Deshalb würde ich ihn vor allem Freida-McFadden-Fans empfehlen, mit der einzigen Anmerkung, dass dieses Buch gewalttätiger ist – aber dafür genauso locker zu lesen und mit einer spannenden Romanze im Fokus.