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Am Ende will doch einer sterben
764 Seiten

Nachdem er als Kind seinen Vater tötete, um seine Mutter zu retten, lebt Paz ein depressives Leben – so depressiv, dass er sich nach einem besonders schrecklichen Tag entschließt, es sich zu nehmen. Aufgehalten wird er von Alano Rosa, dem Erben des Todesboten-Imperiums, der ihm helfen will, das Leben wieder wertschätzen zu können. Schnell spüren die beiden eine Bindung zueinander, doch es ist nicht leicht, ihre Traumata zu überwinden, vor allem, wenn die Tiefen so viel stärker sind als die Höhen …

Ich habe das Buch bereits Mitte letzten Jahres auf Englisch gelesen, schob es jedoch vor mir her, es nochmal auf Deutsch zu tun, weil es mich zwar interessierte, wie die deutsche Übersetzung ist, viele Szenen des Romans aber zu deprimierend sind, um ihn einfach so zu lesen. Selbst jetzt, wo ich das nachgeholt habe, tat ich es mit einer Pause dazwischen – wobei das allerdings nicht nur an den schweren Themen lag, sondern auch daran, dass der Roman stellenweise sehr langgezogen ist.

Speziell die ersten zweihundert Seiten fühlten sich sehr, sehr lang an, weil in ihnen zwar durchaus wichtige Dinge passieren, ich aber das Gefühl hatte, dass sie um einiges hätten gekürzt werden können. Das trifft auch auf spätere Szenen zu, aber gerade am Anfang war es wirklich schwer, in den Roman zu finden, weil die Handlung so lange brauchte, um in die Gänge zu kommen.

Danach wurde es leichter, wenn ich auch immer noch eine Präferenz für Alanos Kapitel hatte, weil Paz‘ Sichtweise einen ganz schön runterzieht, während Alano mehr Varietät in die Handlung bringt. Die Bindung der beiden fand ich gut umgesetzt, aber wann immer sie allein oder mit jemand Anderem zusammen waren, bevorzugte ich Alanos Sichtweise.

Das Ende ist etwas überdramatisch und hatte meiner Meinung nach nicht genug Foreshadowing, was besonders seltsam ist, wenn man bedenkt, wie gut das Foreshadowing bezüglich gewisser Charaktertwists war. Und wie gesagt dauert es einfach zu lange, um zu diesem Ende zu kommen; Adam Silvera illustrierte hervorragend, dass Heilung keine gerade Straße, sondern eine verwinkelte Straßenkreuzung ist, aber das schadete auch dem Pacing der Geschichte.

Insgesamt habe ich diesen Band des Todesboten als den schwächsten empfunden: Immer noch ein Roman, die viele gute und bewegende Szenen hat, aber ein wenig zu lang und zu deprimierend für mich war.

Vesselless
515 Seiten

Dagen ist ein Deathwalker, der dem Tod Seelen bringen und selbst welche verzerren muss. Doch dann bietet der Tod ihm eine Vereinbarung an: Wenn Dagen es schafft, ihm die reine Seele von Nizzara, Tochter von Dagens Mörder, zu bringen, bekommt er für hundert Jahre seine Freiheit. Das Problem dabei: Nizzara muss sie ihm freiwillig geben. Sie selbst hat jedoch andere Pläne: Sie will unbedingt beim kommenden Königsduell gewinnen, um sich auf diese Weise von einer drohenden Verlobung zu lösen. Dagen bietet ihr seine Hilfe an, doch Nizzara weigert sich. Doch dagegen, ihn näher kennenzulernen, kann sie nicht viel tun …

Die Grundidee des Romans war großartig, aber die Umsetzung konnte mich trotz positiver Elemente nicht komplett überzeugen.

Die mit Abstand größte Schwäche war für mich die Romanze: Zwar haben Nizzara und Dagen durchaus ein paar Szenen, in denen sie Chemie zueinander zeigen, aber in den ersten zwei Dritteln haben sie nur recht wenige Szenen miteinander, die mitnichten ausreichten, um ihre Romanze glaubhaft zu machen. Auch das letzte Drittel änderte daran nicht viel, was vor allem an Dagens Verhalten liegt: Denn als Deathwalker sieht er quasi automatisch die Begierden und Erinnerungen anderer Menschen – ohne deren Einverständnis, wobei unklar ist, wie sehr er etwas dagegen tun kann –, sodass es ein wenig so wirkte, als wäre Nizzara mit einem Gedankenleser zusammen, ohne jemals etwas dagegen zu haben oder auch nur darüber zu diskutieren, dass Dagen nahezu kompletten Zugriff auf ihre Begierden und Erinnerungen hat. Tatsächlich fand ich Lekk, Nizzaras Verlobten, um einiges sympathischer, obwohl er recht spät vorkommt und nur wenige Szenen mit ihr hat.

Die meisten Charaktere sind recht eindimensional, tatsächlich stach vor allem Nizzara als Protagonistin hervor. Ich mochte es, dass sie zwar ihre kämpferischen Fähigkeiten ausbaute, aber stets entschlossen war, ihre Gegner nicht umzubringen. Ihre Freundschaft mit Yisabell war sehr süß und die zu Liha zum Glück nicht so schlicht, wie es zunächst den Anschein hatte. Ich hätte mir nur gewünscht, sie hätte ihre Fähigkeiten ein wenig öfter zeigen können, denn es kam mir vor, als hätte sie fast immer Hilfe gebraucht, während sie gleichzeitig behauptete, keine zu benötigen.

Die eigentliche Handlung plätschert manchmal vor sich hin. Nizzaras Storyline mit ihrem Vater mochte ich sehr, weil sie so große Risiken für Nizzara selbst brachte, aber Dagens Handlungsstrang mit den Rebellen interessierte mich nicht besonders, vor allem, weil er ihn davon abhielt, mehr Zeit mit Nizzara zu verbringen. Ihre Romanze hätte wirklich mehr Screentime gebraucht und hätte vielleicht auch dabei geholfen, Dagen sympathischer darzustellen.

Was dafür die große Stärke des Romans war, war das Worldbuilding. Die verschiedenen Welten, Wesen und die Magie waren allesamt faszinierend und ich hätte gerne noch mehr von ihnen gesehen, weil ich immer, wenn es um die Welt selbst ging, mehr von ihr wissen wollte, so sehr fesselte sie mich. Gerade Lekks Kultur fand ich besonders interessant!

Insgesamt hatte der Roman durchaus gute Elemente, aber insgesamt leider nicht genug, um die negativen Aspekte zu überdecken.

Kleopatra
465 Seiten

Mit achtzehn Jahren wird Kleopatra Pharaonin, doch fühlt sie sich unsicher, wie sie ihre Herrschaft sichern und führen soll. Ihre göttliche Gabe hat sich nie gezeigt und üble Gerüchte bedrohen ihren Posten zusätzlich. Doch ist Kleopatra entschlossen, Ägypten zu beschützen – was es sie auch kosten mag ...

Dieser Roman hat mich realisieren lassen, dass mein Wissen über Kleopatra nicht über die Oberfläche hinausreicht, aber obwohl Saara El-Arifi sich natürlich Freiheiten nimmt (speziell dadurch, dass die Geschichte einen Hauch von magischem Realismus hat), habe ich das Gefühl, Kleopatra mit diesem Roman tatsächlich kennengelernt zu haben.

Die Geschichte ist zunächst ungewöhnlich erzählt, denn Kleopatra als Erzählerin ist sich ihres eigenen Todes und ihren Darstellungen in der Moderne bewusst, wodurch es so wirkte, als würde sie die Geschichte aus dem Jenseits heraus erzählen. Das war zunächst gewöhnungsbedürftig, denn obwohl diese Referenzen an die Zukunft nicht übermäßig benutzt werden, verwirrten sie mich trotzdem.

Der eigentliche Schreibstil ist aber ausgesprochen angenehm zu lesen, sodass ich richtig durch die Seiten flog. Am meisten packte mich Kleopatras Entwicklung: Am Anfang ist sie eine unsichere junge Frau, die durch ihre Erlebnisse oft gezwungen ist, unmoralische Dinge zu tun, die sie aber auch selbstbewusster und entschlossener machen, bis sie zu einer würdevollen Pharaonin wird. Diese Entwicklung findet langsam und gemächlich statt, was sie sehr nachvollziehbar und realistisch machte – definitiv die größte Stärke des Romans!

Von den anderen Charakteren hoben sich Charmion (Kleopatras Vertraute) sowie Caesar und Marcus Antonius hervor. Charmion war ein unglaublich hilfsbereiter Charakter, die mir schnell ans Herz gewachsen ist; und auch Caesars und Marcus' Darstellung mochte ich sehr, obwohl sie im Vergleich nicht mal so viele Szenen haben (doch definitiv genug, um sich hervorzuheben). Ich verstand auf jeden Fall, warum Kleopatra alle drei so liebte.

Insgesamt ein schöner Roman, der Kleopatras Lebensgeschichte auf erfrischende Weise neu interpretiert!

Metal Slinger – Dunkle Verheißung
512 Seiten

Zusammen mit ihren Mitkämpfern lebt Brynn auf einem Schiff, doch endlich darf sie mit den anderen zum ersten Mal aufs Festland. Dort begegnet sie auf dem Markt einem geheimnisvollen jungen Mann, der sie sogleich in Schwierigkeiten bringt, bis zu dem Punkt, an dem sogar Krieg droht. Während ihre Kameraden überlegen, was nun mit Brynn geschehen soll, sucht der junge Mann, Acker, sie auf und behauptet, sie wäre in Wirklichkeit die verlorene Prinzessin Jovie. Brynn begreift, dass er die Wahrheit sagt und begleitet ihn in ihr eigentliches Zuhause, wo sie unbedingt herausfinden will, wer sie wirklich ist – während sie sich nach und nach in Acker verliebt …

Der Roman hat wirklich vielversprechend angefangen, aber leider nutzte er sein anfängliches Potential nicht. Ich mochte gleich zu Beginn das Setting und die Freundschaft zwischen Brynn, Kai und Messer, die als Trio gerne mal das Meer und das Land unsicher machen und mir sofort sympathisch waren. Dass sie alle ihr Leben auf einem Schiff lebten, fand ich ungemein faszinierend, und auch der erste Landbesuch – sowie die Konsequenzen, die daraus entstehen – war sehr gut und sehr spannend geschrieben.

Auch der Teil, als Brynn sich Acker anschließt und sie sich auf den Weg zu seinem Zuhause machen, hat mir sehr gefallen, weil die beiden eine gute Chemie zeigten, es hier aber mitten in der Handlung auch einen großartigen Twist gab, den ich wirklich sehr mochte … nur, um festzustellen, dass er sehr bald darauf zur Seite geschoben wird und Brynn noch nicht einmal mehr an ihn denkt. Dass ihre besten Freunde nach ihrem Weggang keine große Rolle mehr spielen, fand ich zwar schade, konnte es aber akzeptieren, aber dass diese Gelegenheit, die der Twist bot, nicht genutzt wurde, war sehr enttäuschend.

Auch am Ende gibt es einen Twist, aber obwohl er mir auf dem Papier ausgesprochen gut gefallen hat, gab es auf ihn keinerlei Foreshadowing, sodass er sehr unlogisch wirkte – als wäre er nur ein Twist um eines Twists willen. Hier hätte der Roman schon vorher Hinweise auf ihn einbauen sollen, damit er nicht ganz so sinnbefreit wirkt.

Und dann wäre da noch die Romanze, die stark anfing, mit langsam wachsenden Gefühlen, aber auch der Frage, ob die Bindung, die zwischen Brynn und Acker besteht, ihr überhaupt eine Wahl lässt. Nur wurde dieser wichtige Punkt irgendwann nicht mehr angesprochen und sobald die Romanze richtig losging, verwandelte sich Acker vom geduldigen, gewitzten Love Interest in einen, der mir sehr unsympathisch wurde, weil er Brynn keinerlei Respekt und Entscheidungsfreiheit entgegenbrachte und den Eindruck machte, er hätte ein Anrecht auf sie, ohne dass sie diesbezüglich Mitspracherecht hätte. Das wird ihm zwar durchaus negativ angekreidet, wofür ich dankbar war, aber irgendwann dann nicht mehr erwähnt, obwohl sein Verhalten eher schlimmer als besser wurde.

Insgesamt finde ich, dass dieser Roman sehr davon profitiert hätte, mehr Worldbuilding einzubauen, den Nebencharakteren mehr Screentime zu geben, die Twists besser anzudeuten und die Romanze liebevoller zu gestalten. Denn all diese Aspekte sind gerade in der ersten Hälfte des Romans sehr stark und trieben mich begeistert zum Weiterlesen an, aber die zweite Hälfte hat all das Potential der ersten Hälfte leider nicht genutzt. Von daher kann ich leider keine Empfehlung aussprechen, weil die positiven Punkte nach und nach ins Gegenteil verkehrt wurden.

Die berühmtesten Mythen der Wissenschaft. Von Archimedes bis Marie Curie
250 Seiten

Ob es nun um den Apfel geht, der Newton auf den Kopf fällt oder um die Erde, die im Mittelalter als flach angesehen worden sein soll: Die Wissenschaft ist voll von Mythen, die immer und immer wieder verbreitet werden, obwohl zumindest teilweise klar ist, dass sie nicht stimmen. Doch woher kommen sie überhaupt? Was ist die Wahrheit und wie wurde sie zu einer Geschichte, die die eigentlichen Ereignisse verfälscht?

Als Fan von Mythen und als Fan von Wissenschaft war ich sofort interessiert an diesem Sachbuch, wobei ich vor allem fasziniert davon war, die Quellen verschiedener Mythen zu erfahren. Einen Teil der Mythen kannte ich bereits als solchen, aber vom anderen hatte ich zuvor noch nicht gehört, was es umso faszinierender machte, zuerst den Mythos zu erfahren und danach, wie er entstand. Das Schöne ist also, dass man nicht nur bekannte Informationen, sondern eben auch neue erhält.

Besonders wusste ich es zu schätzen, dass tatsächlich Recherche hinter den einzelnen Kapiteln steckt, mit einem guten Quellenverzeichnis, dessen Inhalte kurz und knackig zusammengefasst wurden. Das war so erfrischend: Wir hatten informative Kapitel, die uns Wahrheit und Legende präsentierten und gleichzeitig ein Leseerlebnis, das interessant und gut zu lesen war. Eine wunderbare Kombination!

Für alle, die sich ebenfalls für die Mythen der Wissenschaft interessieren, findet sich hier ein großartiges Sachbuch – und vor allem eine wichtige Erinnerung daran, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht zu überhöhen, weil sie auch nur Menschen sind. Etwas, das durch das Wiedererzählen der Mythen leider gern vergessen wird!

& Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
256 Seiten

Mortimer ist ein Kater, der auf einen kleinen Bücherschrank aufpasst. Eines Tages kommt der Schüler Evan vorbei und nimmt sich spontan die beiden schmalsten Bücher. Zu seiner Verwunderung stellt er fest, dass fast alle Bücher des Bücherwagens offizielle Bücher aus der damals niedergebrannten Stadtbibliothek sind, die alle am selben Tag zurückgegeben wurden. Mehrere Bücher wurden damals von Evans Vater ausgeliehen, eines sogar vom berühmten Autor H. G. Higgins, in dem ein mysteriöses Polaroid-Foto steckt. Was hat es damit auf sich? Was geschah damals in der Bibliothek? Und was hat der Kater Mortimer mit all dem zu tun? Zusammen mit seinem besten Freund Rafi macht sich Evan an die Detektivarbeit …

Dieser wunderschöne Kinderroman ist unglaublich angenehm zu lesen und erzählt eine relativ schlichte, aber dafür sehr einnehmende Geschichte. Verschiedene Sichtweisen puzzeln ein Mysterium zusammen, das mir als Erwachsene zwar teilweise klar war, aber definitiv nicht ganz: Es gab ein, zwei Überraschungen, die ich nicht kommen gesehen habe und die mir deshalb umso mehr gefielen. Tatsächlich wünschte ich mir, dass auch der Haupttwist der Handlung – Mortimers Geheimnis – etwas weniger offensichtlich gewesen wäre, denn schließlich haben die beiden Autorinnen bereits hervorragend gezeigt, dass sie gute, unvorhersehbare und gleichzeitig logische Twists schreiben können!

Aber um ehrlich zu sein, ist das letztendlich eine kleine Kritik, denn die eigentliche Handlung hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir die teils offensichtlichen Zusammenhänge nichts ausmachten. Gerade der Mystery-Aspekt war unglaublich gut gelungen, denn ich habe mich durchaus gefragt, wie die verschiedenen Handlungselemente miteinander verwoben sind und auf welche Weise sie aufeinandertreffen würden. So gibt es zum Beispiel auch einen wichtigen Handlungsstrang mit tatsächlichen Geistern, der ebenfalls eine Rolle spielt und für mich lange ein Mysterium war. Allgemein gibt es viele Details, die noch für später relevant und nicht immer offensichtlich sind.

Gleichzeitig ist das Buch nicht nur eine Detektivgeschichte, sondern auch eine emotionale, die speziell das Thema der Schuld in den Vordergrund rückt. Zwar habe ich die Mystery-Elemente am meisten genossen, mochte aber auch die Szenen, in denen wir den Charakteren bei alltäglicheren Geschehnissen folgten.

Ich glaube, das einzige, was mich verwunderte, war, dass das Leben von Evans bestem Freund Rafi gar nicht richtig kommentiert wird. Seine Eltern haben unzählige Regeln für ihn, die das, was er tun darf, stark einschränken, ohne, dass die Geschichte das beurteilt (weder positiv noch negativ). Evan und Rafi machen zwar ein paar Kommentare diesbezüglich, aber alle anderen Charaktere scheinen das Verhalten der Eltern komplett normal zu finden, ohne dass ich mir erklären konnte, ob das zum Humor der Geschichte gehört (was wahrscheinlich ist) oder eine Logiklücke ist (was ich nicht für wahrscheinlich halte, mir aber so vorkam). Ist eigentlich ein verhältnismäßig unwichtiger Teil der Handlung, aber einer, der mir aufgefallen ist.

Doch zusammengefasst haben wir trotz der kleinen Kritikpunkte eine absolut wunderbare Geschichte, die sich gerade für Mystery- und Spannungsfans sehr gut eignet – und nicht nur für Kinder ist!

Atlas der Kunstverbrechen
224 Seiten

Diebe, Vandalen, Fälscher: Sie haben die Kunstwelt massiv beeinflusst, manchmal Werke sogar erst berühmt gemacht, wie die inzwischen allbekannte Mona Lisa. Doch auch andere Gemälde mussten leiden, manchmal zwar für einen guten Zweck, aber oft aus selbstsüchtigen Gründen. Mehrere dieser Kunstwerke und Ereignisse hat Laura Evens in diesem Buch vorgestellt, was es zu einer interessanten, kurzweiligen Lektüre gemacht hat!

Besonders schockiert war ich von den Diebstählen, denn der Großteil, den Laura Evens vorstellte, konnte nur deshalb gestohlen werden, weil die Sicherheitsvorkehrungen der entsprechenden Museen so gut wie nicht vorhanden waren. Solche vermeidbaren Diebstähle haben mich traurig gemacht, weil so viele Werke hätten bewahrt werden können, wenn die Museen sich nur genug Mühe mit ihrem Schutz gegeben hätten. Zugegeben gehörten viele der vorgestellten Werke zu denen, die wiedergefunden wurden, aber natürlich gab es auch mehrere Fälle von Kunstwerken, die bis heute verloren sind, manchmal wegen der mangelnden Vorsichtsmaßnahmen, manchmal wegen genuin intelligenter Diebe.

Vor dem Vandalismus-Kapitel hatte ich ein wenig Angst, aber überraschenderweise gefiel es mir sogar am meisten. Denn entweder konnte ich die Vandalen durchaus nachvollziehen oder konnte die Restauratoren dafür bewundern, die Werke so gut wiederherzustellen. Selbst bei den wenigen Fällen, die zu permanentem Schaden führten, war der Umgang damit sehr gut, sodass ich letztendlich nicht so bestürzt war, wie ich es erwartet hatte. Von daher ein großes Lob an die Selektion!

Das Fälschungs-Kapitel war dafür ein wenig enttäuschend, weil ich mir gerne Vergleichswerke zu originalen Werken gewünscht hätte, um als Laie sehen zu können, wie ähnlich sie einander sind. Zudem empfand ich Fälschungen am Ende nicht einmal als richtiges Verbrechen, sondern fühlte mit den gescheiterten Künstlern mit, die ihre Werke nur durch eine Namensänderung teuer verkaufen konnten. Natürlich sind Fälschungen immer noch ein Verbrechen, aber die vorgestellten Beispiele schienen eher zu zeigen, wie leicht Experten daran scheitern, sie als solche einzuschätzen.

Zusammengefasst eine gute Lektüre, die uns eine gute Vorstellung zahlreicher Kunstverbrechen gibt!

Adressat unbekannt
80 Seiten

Der Deutsche Martin Schulse und der Jude Max Eisenstein besitzen in Amerika eine erfolgreiche Kunstgalerie, doch nun kehrt Martin im Jahr 1932 nach Deutschland zurück. Die beiden setzen ihre Freundschaft in Briefen fort, doch bald schon stellt Max fest, dass Martins Ansichten sich drastisch verändern. Verzweifelt versucht er, seinen ehemaligen Freund vom Richtigen zu überzeugen, doch begreift er schließlich, dass es dafür zu spät ist …

Dieser kurze Briefroman ist eine überraschend eindringliche Lektüre, die ich nicht erwartet habe. Beziehungsweise habe ich schon erwartet, dass sie gut sein wird, aber die Entwicklung, die sie nimmt, habe ich nicht kommen sehen! Als ich gegen Ende begriff, was genau vor sich geht, habe ich ganz schön gestarrt, weil es ein so genialer Weg war, die Geschichte auf zufriedenstellende Weise zu beenden.

Allgemein ist der Abbau der Freundschaft sehr gut erzählt und mit jedem Brief wird deutlicher, wie sie sich immer mehr abkühlt. Nur Martins Meinungswechsel kam mir zunächst zu plötzlich; in einem Brief schreibt er noch, dass seine Familie auf Max anstößt und gleich im nächsten Brief, den er nur dreieinhalb Monate danach schreibt, gibt er seine neue, von den Nazis eingeflößte Überzeugung bekannt. Was genau in diesen dreieinhalb Monaten geschehen ist, das dazu geführt hat, dass er seine Meinung ändert, erfahren wir nicht. Mir kam es zunächst so vor, als würden mindestens zwei oder drei Briefe fehlen, die Martins Wandlung verständlicher machen, bis ich begriff: Das ist genau der Punkt. Man soll ihn nicht nachvollziehen können. Sein plötzlicher Meinungswechsel illustriert gerade wegen seiner Plötzlichkeit den Einfluss, den die Nazis damals auf ganz Deutschland hatten. Von daher ist das ein Kritikpunkt, der im Lauf des Lesens zu einem Lob wurde.

Was mir zudem sehr gut gefallen hat, ist, wie viel zwischen den Zeilen erzählt wird. Die vielen Details machen die Geschichte lebendig, aber gerade das, was nicht gesagt wird, macht die Geschichte umso kraftvoller.

Von daher ist dieser kurze Briefroman eine Lektüre, die es schafft, mit vergleichsweise wenigen Seiten eine einnehmende Geschichte zu erzählen!

Das Gold der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Seit Inejs Entführung versuchen die Krähen alles, um sie aus den Klauen Van Ecks zu befreien, einschließlich Inej selbst. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem – Kaz will sich immer noch an Pekka Rollins rächen, Jesper möchte seinen Vater beschützen und Wylan seinen aufhalten, Nina muss ihre Sucht überwinden und Matthias will ihr dabei helfen, und Inej sehnt sich nach der Erfüllung ihres größten Traums. Und am Ende hängt es von ihnen allen ab, ob sie alle am Ende in Freiheit leben können …

Auch der zweite Teil der Krähen ist eine großartige Lektüre, die ihren Fokus vor allem auf die einzelnen Charakterbeziehungen legt, aber auch auf ihre individuellen Ziele, die sich seit dem ersten Band verändert und entwickelt haben. Es war so zufriedenstellend, nicht nur Kaz‘ Planung zu erleben, sondern auch, wie er und die anderen ein engeres Band zueinander knüpften. Sowohl den Romanzen als auch den Freundschaften wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die Handlung immer noch vorankommt, was eine großartige Kombination war. Obwohl ich die eigentliche Handlung als leicht schwächer empfunden habe als die des ersten Bandes, macht sie es durch die Charakterentwicklungen wieder wett!

Was mir außerdem sehr positiv aufgefallen ist, waren die kurzen Rückblicke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit verschiedener Charaktere gegeben haben. Diese Rückblicke gab es zwar schon im ersten Band, doch waren diese dort quasi eigene Nebenhandlungen, die viel Raum einnahmen, während wir hier im zweiten Band mehrere kürzere Rückblicke bekamen. Bis auf Wylan (dessen Vergangenheit locker als wichtige Nebenhandlung gelten kann) zeigen uns alle Charaktere kleinere Momente, die sie geprägt haben und diese waren überraschend effektiv. So sehr ich auch im ersten Band mit den größeren Flashbacks mitfieberte: Ich fand es unglaublich bereichernd, viele kleinere Augenblicke mitzuerleben, die die Charaktere zusätzlich vermenschlichten.

Interessanterweise hatte ich viele Dinge nicht mehr richtig in Erinnerung, zum Beispiel die Reihenfolge und den Abstand wichtiger Ereignisse, sowie viele Charakterinformationen und andere Details. Das hat es umso interessanter gemacht, sich beim Lesen wieder alles in Erinnerung zu rufen, während die bekannten Szenen noch mehr Spaß machten als zuvor. Das Finale muss ich dabei extra erwähnen; ich liebe es, wie es jedem Charakter ein passendes Ende gab und mich gleichzeitig an mehr als einer Stelle zu Tränen rührte. Leigh Bardugo hat mit dieser Dilogie wahrlich ein Meisterwerk geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich es noch einige Male lesen werde!

Das Lied der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Sechs Außenseiter auf einer scheinbar unmöglichen Mission: Kaz, der Ränkeschmied; Inej, das Phantom; Nina, die Entherzerin; Matthias, der Hexenjäger; Jesper, der Glücksspieler; und Wylan, der Demo-Experte. Alle mit ihren eigenen Zielen, ihren eigenen Plänen und ihren eigenen Geheimnissen. Denn die größte Schwierigkeit ist nicht die Heist selbst, sondern ihre komplexen Beziehungen zueinander ...

Ich hatte mal wieder Lust, einen phänomenalen Roman zu lesen und was eignet sich da besser als einer, von dem man bereits weiß, dass er einer ist? Beziehungsweise: Eine neue Edition, die nicht nur Charakterporträts beinhaltet, sondern auch die aktuelle deutsche Übersetzung, die in meiner alten Variante noch von "Grischa" spricht und die ich hier zum ersten Mal als "Grisha" lesen durfte. Ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber dennoch erfrischend! Denn so ikonisch das englische Original ist, bevorzuge ich gerade bei Fantasy eine gute deutsche Übersetzung, die wir hier geliefert bekamen.

Die Handlung und die Charaktere sind so einnehmend wie zuvor, wobei mir in diesem Reread vor allem die Dialoge positiv aufgefallen sind – sie sind pointiert, humorvoll und hauchen den Charakteren (und deren Beziehungen zueinander) Leben ein. Ich habe mich oft gefragt, was die Krähen zu so fesselnden Charakteren macht und ein Teil davon entsteht definitiv durch die Dialoge.

Bei der Handlung habe ich mich diesmal auf die kleinen Details konzentriert, die weitaus mehr Bedeutung haben, als es zunächst den Anschein hat. Leigh Bardugo setzt Foreshadowing großartig ein, was es so zufriedenstellend macht, das Buch noch mal zu lesen und dabei etwas zu entdecken, das mir bisher nicht auffiel. Davon abgesehen ist das Pacing sehr angenehm und ließ mich geradezu durch die Seiten fliegen.

Insgesamt bin ich immer noch begeistert und beeindruckt davon, wie Leigh Bardugo eine so fantastische Welt erschaffen hat! Die Krähen-Dilogie gehört immer noch zu meinen absolut liebsten Fantasybüchern und speziell diese Collector's Edition war ein wunderbarer Weg, sie wieder zu erleben!

Wild Reverence
751 Seiten

Matilda wird als Heroldin der Götter geboren, doch bevor sie ihre Magie entdeckt, liebt sie es vor allem, die Träume anzuschauen, die ihre beste Freundin Alva ihr vorbeibringt. Vor allem ein Träumender hat es ihr angetan: Vincent, der jede Nacht vom Ertrinken träumt, und schließlich davon, dass Matilda ihn rettet. Nach ihrem ersten wichtigen Auftrag als Heroldin zwingt ein Schicksalsschlag sie dazu, unterzutauchen. Mehrere Jahre später bekommt sie einen weiteren Auftrag als Heroldin – und diesmal betrifft er den inzwischen erwachsenen Vincent, dessen Tod Matilda verhindern muss. Sie schlägt ihm vor, seine Gemahlin zu spielen, um seinen menschlichen Gegner einzuschüchtern – doch hat sie dabei nicht an die Pläne der anderen Götter gedacht …

Ich liebe Rebecca Ross‘ Schreibstil, der auch in diesem Band wunderschön ist, aber in diesem Fall leider nur einer von wenigen Stärken. Die Handlung ist in fünf Teile geteilt, wobei vor allem der erste und der letzte Teil großartig sind, der zweite und vierte Teil immer noch gut, und der mittlere leider besonders langatmig – was etwas ist, was sich letztendlich über den ganzen Roman zieht. Bis die eigentliche Handlung beginnt, die in meiner und der offiziellen Kurzbeschreibung erwähnt wird, vergehen zweihundertfünfzig Seiten, die sich zwar sehr gut lasen, aber immer noch zweihundertfünfzig Seiten waren, in denen wir nur wenig von Matilda und Vincent mitbekamen.

Zudem setzte sich das in den anderen Teilen fort. Die beiden haben zwar eine gute Chemie, verbringen aber nur wenige Szenen miteinander, was es schwer gemacht hat, mit ihrer Liebesbeziehung mitzufiebern. Matilda hat sehr viel mehr Szenen mit anderen Göttern, speziell Bade (ihrer Vaterfigur) und Warin (ihrem Feind). Bade war dabei mühelos mein Lieblingscharakter – nicht nur hat er seine eigene Nebengeschichte, sie sehr einnehmend war, auch er als Charakter war ausgesprochen sympathisch. Tatsächlich fand ich seine Beziehung zu Matilda faszinierender als deren Liebesbeziehung zu Vincent!

Auch Warin, Matildas Feind, hat eine gute Chemie mit ihr – keine romantische, aber eine sehr faszinierende, die ein anderer Roman sicher zu einer romantischen gemacht hätte (wobei ich sehr dankbar war, dass Matilda keinerlei Gefühle für ihn hegte und das auch deutlich machte). Sogar andere kleine Nebengeschichten, wie die Nathaniels, Vincents jüngerem Bruder, waren überraschend fesselnd, obwohl sie nur einen sehr kleinen Teil der Handlung einnahmen. Aber gerade, weil mir die Nebengeschichten so sehr gefielen, während die Hauptgeschichte mich nicht ganz überzeugen konnte, bin ich so hin- und hergerissen, was die Beurteilung der Handlung eingeht.

Ähnlich sieht es auch mit Matildas Aufgaben als Heroldin aus, die allesamt spannend geschrieben waren (mir gefielen vor allem die allererste mit Adria, die zentrale mit Vincent und die emotionale mit Nathaniel), von denen es aber insgesamt zu wenige gab. Ich war so fasziniert davon, auf welche Weise Matilda ihre Aufgaben durchführen würde und welche Opfer dabei von ihr verlangt würden … aber letztendlich bleibt die Anzahl ihrer Aufgaben recht übersichtlich.

Insgesamt zieht sich das Buch ein wenig zu sehr in die Länge. Es hat ein paar großartige Nebengeschichten, die mich durch den Roman trugen, aber Matildas und Vincents Liebesgeschichte war leider um einiges schwächer, als ich es mir gewünscht hätte.

Weihnachten mit Familie Winz
160 Seiten

Merkwürdige Dinge gehen in Maras Wohnung vor. Am ersten Dezember findet sie ihre Socke, die zu einem Ball zusammengeknüllt ist, und ein Kreidekreuz unter ihrem Bett, sowie fehlende Schokolade im Adventskalender. Was geht da nur vor sich? Zusammen mit ihrem Bruder Flo, ihrer Freundin Aylin und dem frisch eingezogenen Helgi versuchen die Kinder, herauszufinden, wer in der Wohnung Chaos veranstaltet. Und stellen bald fest: In ihrer Wohnung wohnt noch eine Familie, die alle so groß sind wie ein Daumen!

„Weihnachten mit Familie Winz“ war die erste Adventskalendergeschichte, die ich tatsächlich entsprechend den einzelnen Tagen gelesen habe, allerdings ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Geschichte eindeutig fürs Vorlesen geschrieben worden ist. Und das noch nicht einmal aufgrund der Handlung, die mir sehr gefallen hat, sondern aufgrund der kurzen Kapitel, die fast immer sehr abrupt enden, als wäre mitten im Kapitel ein Cut gemacht worden und nicht an der Stelle, an der er eigentlich geeignet gewesen wäre. Das ist für mich tatsächlich ein wichtiger Kritikpunkt: Obwohl es sich um eine Adventskalendergeschichte handelt, hatte ich das Gefühl, ich hätte mehr Spaß gehabt, wenn es einfach eine normale Vorlesegeschichte gewesen wäre.

Denn wie gesagt ist die eigentliche Handlung mit Mara, die zusammen mit ihren Freunden auf Lina und die anderen Winzens trifft, sehr süß aufgemacht und mir gefiel es vor allem, wie hier sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf wunderbare Weise hervorgehoben wurden, während die Kinder gleichzeitig mit Problemen konfrontiert waren, die sich nicht immer leicht lösen ließen. Letztendlich geht die Geschichte natürlich für alle gut aus, aber ich mochte es sehr, dass realistische Hindernisse und einfühlsame Gedankengänge stark hervorgehoben wurden.

Nur das Format wollte nicht so wirklich zu der Geschichte passen. Zugegeben kann ich das nicht vollkommen beurteilen, weil ich die Geschichte für mich selbst gelesen habe, aber es hat mich dennoch verwirrt, wie abrupt fast alle Kapitel endeten. Die Länge selbst war nicht störend, auch wenn sie für leicht ältere Kinder zu schnell vorbei sein könnte, aber die scheinbar willkürlich gesetzten Kapitelenden waren dann doch seltsam. Fast bin ich gewillt, die Geschichte noch mal als Ganzes zu lesen, weil ich das Gefühl habe, dass sie als solche ihre Stärken noch viel besser zeigen könnte!

Insgesamt also eine süße Vorlesegeschichte, die ich persönlich als Ganzes lesen würde :)

Cursebound
508 Seiten

Yeeran hat ihre Geliebte Furi in Mosima zurückgelassen, um einen potentiellen Krieg zwischen Elfen und Fae zu verhindern, auch, wenn das bedeutet, dass sie zu ihrer ehemaligen Geliebten Salawa zurückkehren muss. Lettle währenddessen möchte den Fluch der Fae brechen, indem sie Afas Grimoire findet. Dabei gerät sie nicht nur in Konflikt mit den Lichtlosen, sondern trifft auch auf den Nomaden Alder, der der Schlüssel zur Lösung sein könnte. Doch es gibt einen Verräter in ihren eigenen Reihen, der es auf Lettle abgesehen zu haben scheint …

Es ist schon eine kleine Weile her, dass ich „Faebound“ gelesen habe, aber zum Glück gibt es am Anfang eine in die Handlung eingebaute Zusammenfassung, in der Lettle die Ereignisse des ersten Bandes aus ihrer Sicht schildert. Das war nicht nur sehr geschmeidig gelöst, sondern eine sehr gute Auffrischung für den zweiten Band.

Dieser war genauso wie der erste sehr angenehm zu lesen, hatte einen flüssigen, qualitativen Schreibstil und vor allem sehr einnehmende Charaktere. Besonders Lettle und Alder sind mir sehr ans Herz gewachsen; Lettle hatte die wohl wichtigste Rolle in der Handlung, weil sie sie aktiv vorantrieb, öfters in Gefahr schwebte, sich für die Lichtlosen einsetzte und zudem ihr Geheimnis vor Rayan hatte. Das alles hat ihre Geschichte besonders einnehmend gemacht, während ihre Schwester Yeeran im Vergleich dazu fast schon wie ein Nebencharakter wirkte. Ironischerweise fand ich deren Parts mit Salawa interessanter als ihre Parts mit Furi, wobei ich allerdings froh bin, dass hier unnötiges Drama vermieden wurde – kein Liebesdreieck, kein Betrügen, sondern schlicht die komplexe Wirklichkeit von zwei Menschen, die sich einmal liebten.

Mit dem Neuzugang Alder konnte ich zunächst nicht viel anfangen, weil mir seine Verbindung zum Rest der Handlung nicht klar war, aber er wuchs sehr schnell zu meinem Liebling! Nicht nur war er allgemein ein sympathischer Charakter, auch seine Chemie mit Golan hat mir sehr gefallen. Zugegeben ist ihre Romanze recht klassisch, mit vielen kleinen Momenten, die sie einander näher bringen und ohne zu viel Drama, aber gerade deshalb war es so süß, die beiden zusammen zu sehen. Tatsächlich kamen sie mir stellenweise wie das Hauptpaar vor, weil die Entwicklung ihrer Romanze einen Kontrast zu den bereits etablierten bildet und sie zudem sehr viel Zeit miteinander verbringen, während die anderen Paare (vor allem Yeeran und Furi) oft getrennt voneinander sind.

Was die eigentliche Handlung angeht, fand ich es gut, dass die Lichtlosen hier eine größere Rolle spielten, weil es sehr leicht ist, sich in sie hineinzuversetzen. Nur die Suche nach dem Verräter erschien mir zu leicht, denn dadurch, dass die Auswahl sehr begrenzt ist, war es nicht schwer, zu erraten, wer es sein würde. Dafür gibt es aber andere Twists, die mich angenehm überraschten und teils schockierten – vor allem der Twist am Ende, der den gesamten Kontext beider bisherigen Bände komplett ändert und mich sehr gespannt auf den finalen Band der Trilogie macht.

Insgesamt haben wir hier eine gute Fortsetzung, die den Fokus vor allem auf die Charakterbeziehungen und persönlichen Probleme legt. Natürlich gibt es auch spannende Szenen, aber am wichtigsten sind definitiv die Charaktere selbst. Das hat mir allerdings gut gefallen, weil ich dadurch leicht mit ihnen mitfiebern konnte, selbst wenn es nicht immer auf „klassische“ Weise spannend war. Von daher spreche ich eine Empfehlung für all diejenigen aus, die bereits „Faebound“ mochten!

The Woman in Suite 11
416 Seiten

Zehn Jahre sind vergangen, seit Lo Blacklock auf der Aurora ein Trauma erlebte. Jetzt ist sie verheiratet und hat zwei Kinder, möchte aber gerne wieder arbeiten. Glücklicherweise bekommt sie eine Einladung zu einer Presseeröffnung, bei der sie hofft, den CEO Marcus Leidmann interviewen zu können. Zu ihrem Unbehagen trifft sie auf der Schweiz nicht nur bekannte Passagiere aus der Aurora, sondern auch auf Carrie, die ihr damals das Leben zur Hölle machte und es gleichzeitig rettete. Und Carrie, die seit Jahren von Marcus Leidmann erpresst wird, bittet Lo, ihr bei der Flucht zu helfen …

„The Woman in Cabin 10“ habe ich damals gerne gelesen, es aber zugegeben nicht mehr gut in Erinnerung. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, hätte ich die Handlung von damals noch mal aufgefrischt, denn die ganzen Referenzen und wiederkehrenden Charaktere, die in diesem Band vorkamen, sagten mir so gut wie nichts mehr. Das Lesen selbst machte immer noch Spaß, weil der Roman angenehm geschrieben war und es Spaß machte, Los Sichtweise zu folgen, aber für mich schien dieser Nachfolger wirklich als solcher geschrieben zu sein, und nicht als separate, unabhängige Geschichte, wie es bei anderen Kriminalromanen oft der Fall ist. Das sollte man bedenken, wenn man „The Woman in Suite 11“ lesen will.

Die größte Spannung entsteht hauptsächlich durch Carrie, denn aufgrund der Tatsache, dass Lo ihr helfen will, ihr Wiederauftauchen jedoch geheim halten muss, ergeben sich viele Situationen, in denen sie aufpassen muss, was sie sagt und tut. Es wäre für sie sehr viel leichter gewesen, Carrie zu verraten, doch gerade, weil sie es nicht tut, war sie mir umso sympathischer.

Jedoch hat die Geschichte leider einen sehr großen Kritikpunkt: Die Handlung ist sehr geradlinig. Alles ist genau so, wie ich es mir als Leserin gedacht habe, es gab keine Überraschungen und keine (großen) Twists, und während Lo stellenweise durchaus in Gefahr schwebt, war ich enttäuscht davon, dass die Haupthandlung so einfach gehalten war. Ich war zwar nicht unbedingt gelangweilt, hätte mir aber doch gewünscht, dass die Handlung etwas komplexer gewesen wäre, als sie es letztendlich ist.

Zwiegespalten bin ich außerdem gegenüber den kurzen Sequenzen zwischen den einzelnen Teilen der Handlung, die gewisse Handlungselemente vorwegnehmen. Das wurde teils natürlich aus Spannungsgründen getan, doch mir kam es so vor, als wären sie nur deshalb eingebaut worden, weil die Handlung ohne sie nicht spannend genug gewesen wäre. Gleichzeitig haben sie durchaus funktioniert und mich gespannt auf die nächsten Kapitel gemacht, von daher bin ich wie gesagt zwiegespalten, was ihren Einbau angeht.

Insgesamt also ein gut zu lesender Thriller, der mir zwar Spaß gemacht hat, aber ein wenig zu geradlinig war.