Bücherregal lädt …
Magic of Moon and Sea. Die Königin der Glasinsel
305 Seiten

Auf der Suche nach ihrem Vater gerät Ista auf die Glasinsel, wo auch der Spion Tamlin lebt. Hier findet sie heraus, dass ihr Vater bei den Lustbarkeiten ist – ein endloses Fest, das die neue Königin der Sumpfspinner benutzt, um Menschen zu ködern. Nur, wenn Ista, Nat und Ruby es ebenfalls riskieren, an den Lustbarkeiten teilzunehmen und die Spiele der Königin zu bestehen, können sie Istas Vater befreien – doch Tamlin macht deutlich, dass das nicht einfach sein wird …

Den ersten Teil habe ich damals mit viel Begeisterung gelesen, weil er so viele unerwartete Twists hatte, aber der zweite Teil ist um einiges schlichter aufgebaut. Es gibt immer noch ein, zwei Überraschungen, aber die Handlung insgesamt ist recht geradlinig und braucht zudem eine Weile, um in Gang zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert, wobei das teils auch ein positiver Punkt ist: So lernen wir nämlich speziell Tamlin besser kennen und diese Zeit war sehr gut investiert.

Denn obwohl Ista, Nat und Ruby das Haupttrio sind, war Tamlin mit Abstand der faszinierendste Charakter, sehr vielschichtig und undurchschaubar, was seine Ziele betrifft. Denn wir als Leser:innen merken schnell, dass er etwas vor uns verbirgt – aber was es ist und auf welcher Seite er letztendlich steht, bleibt lange ein Geheimnis und das hat mir sehr gefallen. So habe ich selbst dann mit der Handlung mitgefiebert, als sie selbst nicht allzu spannend war: Weil Tamlin und sein undurchsichtiger Charakter sie trotzdem spannend gemacht haben.

Bei dem Rest der Handlung fehlte mir dagegen manchmal die Relevanz zur Hauptstory, speziell am Anfang, als Nat und Ruby erst einmal nach Ista suchten, während Ista andere Bewohner der Glasinsel kennenlernte. Hier finde ich, dass man die Handlung hätte kürzen können, indem Nat und Ruby von Anfang an Teil der Partie gewesen wären, auch wenn es mir gefiel, auf diese Weise mehr von Alexo Rokis zu sehen.

Der beste Teil war definitiv das Ende, als die Charaktere alle bei den Lustbarkeiten sind, wo sie in konstanter Gefahr schweben; hier fieberte ich sehr stark mit, weil ich wissen wollte, wie die Charaktere der Königin ein Schnippchen schlagen wollen. Doch insgesamt empfand ich diesen Teil als schwächer, weil ihm die Komplexität und die vielen Twists des ersten Teils fehlten. Als Geschichte selbst war er allerdings immer noch in Ordnung.

Magicalia
336 Seiten

Bitsy ist schockiert, als ihr Vater von einer Frau mit einer seltsamen Kreatur entführt wird. Bei der Kreatur handelt es sich um einen Magicore – ein Wesen, das aus einem bestimmten Gefühl heraus entsteht. Die Entführerin, Melasina Spires, verlangt von Bitsy, ihr Arkwoods Kreiselrad zu besorgen, wenn sie ihren Vater retten will. Dafür müssen Bitsy und ihr bester Freund Kosh nicht nur lernen, wie man Magicores beschwört, sondern auch eine Schnitzeljagd durch verschiedene Städte bewältigen, um Arkwoods Kreiselrad zu finden …

Am Anfang hat mich dieses Kinderbuch erst mal ganz schön überfordert, denn es gibt wirklich sehr viel Infodump bezüglich der Magicores, den ich mir nicht einmal ansatzweise komplett merken konnte. Ich hatte sofort das Gefühl, dass diese Informationen flüssiger hätten eingebaut werden können (ähnlich wie die späteren Wesen, die nach und nach erscheinen), weil die Art und Weise, wie sie präsentiert sind, ein wenig zu viel auf einmal war.

Doch das, was sie beinhalten, war mit Abstand die größte Stärke des Romans: Die verschiedenen Magicores. Sie waren unglaublich kreativ, gut beschrieben, hatten coole Fähigkeiten und deren Bindung zu verschiedenen Emotionen war ebenfalls fantastisch umgesetzt. Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es eine kleine Zeichnung von einem bestimmtem Magicore (der in der Regel auf für das Kapitel relevant ist) und es hat mich sehr begeistert, sie in die Handlung eingebaut zu sehen. Das ganze System war um einiges tiefer, als ich es erwartet habe und das hat es so fantastisch gemacht.

Die Schnitzeljagd gefiel mir ebenfalls gut, auch wenn sie durchaus Szenen hatte, die sich ein wenig zogen. Es war einfach spaßig, Bitsy und Kosh dabei zuzusehen, wie sie die verschiedenen Aufgaben zusammen bewältigen – auch, wenn ich zugegeben muss, dass sie als Charaktere nicht besonders hervorstachen. Ja, ich mochte ihre Freundschaft, aber im Vergleich zu den Wesen, die sie heraufbeschwören, blieben sie relativ blass. Das trifft auch auf die anderen Charaktere zu, von denen ich gerne mehr gesehen hätte, weil die Geschichte zu stark von der Handlung lebt.

Apropos: Natürlich gab es auch zwei, drei Twists, wobei ich ironischerweise den Endtwist bereits sehr früh erahnte, den Mitteltwist allerdings nicht kommen sah. Sie waren auf jeden Fall nett und haben die Handlung bereichert.

Insgesamt also ein Buch, das vor allem durch seine Kreativität hervorsticht!

Die Jagd nach den magischen Münzen
273 Seiten

Bo hört das Flüstern der Themse, bevor sie in deren Schlamm eine silberne Münze findet, die sie an den Mond erinnert. Sie spürt sofort, dass sie etwas Besonderes ist und weigert sich, sie zu verkaufen, als der zwielichtige Muncaster ihr viel Geld dafür anbietet. Zusammen mit Billy, Muncasters Diener, findet sie heraus, dass es auch eine Sonnenmünze gibt, sowie eine Ballade, die verrät, wie man die beiden Münzen zusammenführen muss, um einen geliebten Menschen wiederzubeleben. Billy, der hofft, so seine Mutter zurückzubekommen, möchte Bo helfen, die zweite Münze zu finden, muss sich jedoch auch vor Muncaster in Acht nehmen …

Dieses Kinderbuch war überraschend emotional, auf mehr als eine Weise! Es ist eine teils historische, teils magische Geschichte, die kein klassisches Abenteuer erzählt, sondern eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und Loslassen. Aus diesem Grund habe ich die Geschichte teils als langsam empfunden, weil es nicht immer spannend war, sondern der Fokus ganz klar auf den Charakteren und deren Beziehungen lag.

Natürlich stechen vor allem Bo und Billy positiv hervor, aber auch Miss Cressant und Eddie mochte ich ganz gern, obwohl sie teils nicht viel Screentime haben. Man könnte auch sagen, dass nicht zwingend die Charaktere interessant sind, sondern die Bindungen zwischen ihnen und das, was sie voneinander lernen.

Auch der Schreibstil und die Atmosphäre, die sie einfängt, sind sehr schön, wobei ich hier auch lobend das Cover erwähnen möchte, dass das Ambiente des Buches fantastisch einfängt.

Gegen Ende gab es ein paar überraschende Twists, mit denen ich nicht gerechnet habe, obwohl sie im Nachhinein sehr logisch waren. Das emotionale Ende und das Lied der Themse, das uns danach gezeigt wird, haben mir sehr gefallen, doch gleichzeitig bin ich mir sicher, dass gerade die Zielgruppe eventuell nicht zufrieden damit sein wird. Diese Geschichte ist wie gesagt kein klassisches Fantasyabenteuer, sondern vor allem ein gefühlvoller Roman!

Dire Bound
832 Seiten

Als Meryns Schwester Saela vom Feindesland entführt wird, steht ihr Entschluss fest: Sie will an die Grenze, um ihre Schwester suchen und retten zu können. Doch wie alle neuen Rekruten muss sie die Bindungsprüfungen hinter sich bringen, die überprüfen sollen, ob sie eine Verbindung zu einem Wolf hat – und zu Meryns Entsetzen wird sie tatsächlich von einer Wölfin ausgewählt. Jetzt steckt sie nicht nur im Bezirk der Gebundenen fest, sondern muss auch mit der drohenden Gefahr leben, jederzeit ausgesiebt zu werden – eine Gefahr, die umso größer ist, da ihre Schattenwölfin Anassa sich weigert, mit ihr zu sprechen …

Dieser Roman hat mir leider gezeigt, dass ich selbst bei der besten Geschichte ein Liebesdreieck nicht ertragen kann. Zugegeben: Für etwa zwei Drittel der Handlung war es überraschend erträglich. Ich mochte es, wie es durch einen Twist eingeführt wurde, und dass es nicht ZU viel Zeit einnahm, weil der Fokus immer noch auf Meryns Ausbildung liegt, deren Umsetzung klasse war.

Aber irgendwann wurde es dann doch nervig, weil das Liebesdreieck wirklich schmerzhaft vorhersehbar war: Wir haben den einen Love Interest, der Meryn von Anfang an liebevoll behandelt, glücklich macht, alle Spice-Szenen bekommt und insgesamt sympathisch war – und den anderen Love Interest, der für lange Zeit sehr unsympathisch ist und erst gegen Ende ein wenig Wärme zeigt. Es war von Anfang an klar, dass der liebevolle Love Interest auf keinen Fall derjenige sein kann, mit dem sie zusammenkommt und dass ein Twist sein Verhalten in ein anderes Licht rücken wird. Tatsächlich wäre es für mich ein größerer Twist gewesen, hätte er sich tatsächlich als der liebevolle Love Interest dargestellt, als der er dargestellt wurde, aber leider konnte ich am Ende wirklich jeden Twist vorhersehen, weil der Aufbau des Liebesdreiecks so offensichtlich darauf hinauslief.

Auch den klassischen Anfang habe ich als Kritikpunkt wahrgenommen, wenn auch als recht kleinen, weil er von so vielen anderen Fantasyromanen geteilt wird: Eine Protagonistin, die die Handlung wegen einem Charakter in Bewegung setzt, den wir als Leser:innen kaum kennenlernen und in deren Rettung wir deshalb nicht investiert sind. Ich finde, die Handlung wäre um einiges stärker gewesen, hätte Meryn aus eigenem Wunsch an den Bindungsprüfungen teilgenommen, weil es leichter war, mit ihrer Ausbildung mitzufiebern als mit der Suche nach Saela.

Und hier kommen wir zu den positiven Punkten: Die Haupthandlung war absolut fantastisch. Ich liebte es, Meryns Entwicklung zu verfolgen, die gefährlichen Prüfungen, ihre Freundschaften mit den anderen Auszubildenden (vor allem Izabel) und vor allem ihre Bindung zu Anassa. Sie war sehr langsam und sehr realistisch aufgebaut, die beiden brauchen lange Zeit, um miteinander zurechtzukommen und es war so spannend und zufriedenstellend, den beiden dabei zuzusehen, wie sie ihre schwierige Beziehung nach und nach kitten. Von allen Beziehungen war diese mit Abstand die stärkste, weil sie glücklicherweise viel Screentime bekam und sich so realistisch entwickelt hat.

Ich mochte auch Meryn selbst und wie sie alles in Frage stellte, anstatt es einfach zu akzeptieren. Es war leicht, mich in sie hineinzuversetzen, weil ich genau dieselben Punkte in Gedanken ansprach wie sie. Sogar die grausamen Szenen, die ihre Veränderung einleiten, waren nachvollziehbar und ein wichtiger Teil ihrer Charakterentwicklung.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman gut für Fourth-Wing-Fans geeignet, allerdings nur für diejenigen, die Liebesdreiecke mögen!

Kill for Me
512 Seiten

Seit Amanda ihre kleine Tochter und ihren Ehemann verloren hat, denkt sie nur daran, wie sie deren Mörder möglichst unauffällig umbringen kann. Nach einem gescheiterten Versuch wird sie in eine Gruppentherapie gesteckt, wo sie Wendy kennenlernt, die ebenfalls einen schweren Verlust erlitten hat und den Wunsch nach Rache verspürt. Wendy schlägt ihr gemäß "Zwei Fremde im Zug" vor, ihre Mörder zu tauschen. Doch der Plan geht schief und Wendy verschwindet spurlos, woraufhin Amanda alles in ihrer Macht Stehende tun muss, um sie wiederzufinden und gleichzeitig der Polizei zu entkommen ...

Steve Cavanagh gehört fraglos zu meinen Lieblingsautoren und in diesem Thriller hat er wieder einmal gezeigt, warum: Er schreibt so unglaublich spannend, dass es fast unmöglich ist, sich seinem Sog zu entziehen. Ich war am Anfang erst mal emotional an Amanda gebunden, weil ihr Verlust auf sehr gefühlvolle Weise beschrieben wird, bevor die eigentliche Handlung Überhand nimmt und für ein rasantes Leseerlebnis sorgt. Es war so leicht, mit ihr mitzufiebern, weil sie eine sympathische Heldin in einer sehr schwierigen Situation ist.

Das gleiche gilt auch für die zweite Protagonistin Ruth, die am Anfang eine Messerattacke überlebt und seitdem panische Angst hat, dass der Mörder zurückkommen könnte, um ihr den Rest zu geben. Auch ihre Geschichte fängt emotional an, bevor sie, ähnlich wie Amanda, in Situationen gezwungen wird, die sie heillos überfordern.

Twists gibt es natürlich so einige und sie waren ausgesprochen zufriedenstellend, weil sie die perfekte Mischung aus überraschend und logisch waren. Manche sah ich vage kommen, aber andere haben mich ganz schön unerwartet getroffen, obwohl sie im Nachhinein perfekt ins Puzzle passten. Ein besonders großen Lob für das Ende, das alle Handlungsstränge zufriedenstellend abschließt und mich regelrecht atemlos an den Seiten hielt.

Wer Steve Cavanagh, aber auch allgemein packende Thriller mag, die ihre Spannung tatsächlich über das ganze Buch hinweg halten, wird hier einen besonders großartigen finden!

(Tatsächlich habe ich mir nun "Zwei Fremde im Zug" gekauft, weil ich so gespannt bin, wie die Originalidee wohl umgesetzt wurde!)

Firewatch
451 Seiten

Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …

Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.

Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.

Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.

Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!

Ich rede, also bin ich
272 Seiten

Sprache gehört zu unseren wichtigsten Werkzeugen, doch nur selten nehmen wir uns Zeit, über ihre Merkwürdigkeiten nachzudenken. Wie lernen wir überhaupt sprechen? Wieso haben sich Dinge wie Witze, ironische Bemerkungen und Füllwörter im Lauf der Zeit etabliert? Wieso vergessen wir im Alter so vieles, was mit Sprache zusammenhängt? Diese und noch mehr Fragen zu Sprache beantwortet Julia Mailänder kurz und knackig in ihrem Sachbuch.

Was mich dabei besonders faszinierte, waren die Antworten zu den Fragen, die ich mir selbst nicht gestellt hatte. Warum sagen wir überhaupt so etwas wie „Du bist so süß, ich könnte dich auffressen!“? Warum führen wir Selbstgespräche? Gibt es eine Ursprache und wieso wurde ausgerechnet Englisch zu einer der weit verbreitetsten? Das alles waren Fragen, die ich mir nicht bewusst gestellt hatte, deren Antwort ich dann aber unbedingt wissen wollte, weil es so faszinierend war, über die Entstehungsgründe nachzudenken.

Die kurzen Kapitel machten es einfach, schnell ein Thema in sich aufzusaugen und gleich zum nächsten zu springen; zwar wünschte ich mir beizeiten durchaus, Mailänder wäre ausführlicher auf gewisse Fragen eingegangen, aber gleichzeitig machte es das Format einfach, kurze und prägnante Antworten auf sie zu finden, statt sich in Ausschweifungen zu verlieren.

Wer auch nur ein kleines Interesse an Sprache hat, wird mit diesem Sachbuch eine interessante Lektüre finden, die sowohl offensichtliche als auch nicht ganz so offensichtliche Fragen zur Sprache gut beantwortet!

Spiegelland
560 Seiten

Nachdem Elias Mist gebaut hat, flieht er zu seiner Oma Cato, die ihm durch ihre eigene Geschichte bewusst macht, dass Elias noch viel zu lernen hat. Sechsundzwanzig Jahre früher: Cato flieht zusammen mit Elias‘ damals noch zwölfjähriger Mutter Kira vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Im Moor hat sie eine Hütte geerbt, in der sie sich sicher fühlt – und wo die beiden eine ungewöhnliche Entdeckung machen: Ein Wandteppich mit merkwürdigen Symbolen, die eine lange vergangene Geschichte erzählen. Während Cato sich ein neues Leben aufzubauen versucht und hofft, dass ihr Ehemann sie nicht findet, forscht sie nach, was wirklich das Geheimnis des Moors ist …

Ich habe mich am Anfang unglaublich schwer damit getan, in das Buch reinzukommen, weil zum einen die Anfangssituation mit der gewalttätigen Ehe sehr deprimierend beschrieben war und zum anderen erst mal nicht allzu viel passierte. Gerade, wie realistisch der erste Punkt dargestellt wurde, hat mich ganz schön runtergezogen, obwohl er natürlich ein Pluspunkt für den Realismus der Handlung ist. Zusätzlich jedoch gab es neben Elias und Cato (wobei letztere definitiv die wichtigste Rolle hat) auch noch einen dritten Handlungsstrang mit Aletta, der Mitte der achtzehnten Jahrhunderts spielt und mich am Anfang so wenig interessierte, dass die Handlung sich immer so anfühlte, als würde sie zum Stillstand kommen, sobald es um ihre Sichtweise ging.

Erst, als beide Frauen in ihrer jeweiligen Zeitlinie eine Entdeckung im Moor machten (nach circa 200 Seiten), nahm die Geschichte Fahrt auf und ich wurde sehr investiert in alle drei Handlungsstränge. Der Spannungsfaktor, der durch den Fund und die etablierten Beziehungen entstand, trieb mich zum Weiterlesen an: Ich wollte wissen, wie Cato sich ein neues Leben aufbaut und wie es ihr gelingt, ihren Mann Sven hinter sich zu lassen, wie Elias aus seinen Fehlern und den Fehlern des Patriarchats lernt und wie Aletta ihre Dorfgemeinschaft, aber auch ihre wachsende Liebe zu Krischan schützen kann. Zwar hatte Aletta für mich immer noch am wenigsten Relevanz, aber natürlich werden alle drei Handlungsstränge letztendlich zufriedenstellend miteinander verwoben.

Die Beziehungen zwischen den Charakteren – sowohl die Romanzen als auch die familiären Bindungen – waren gut umgesetzt und kamen zusätzlich mit einer guten Botschaft daher, bei der ich sogar lange zweifelte, ob sie sich wirklich durchsetzen würde können. Der Teil der Handlung nach dem Fund war im äquivalenten Masse spannend (durch die Androhung von Svens Erscheinen) und ruhig (durch den Wiederaufbau eines neues Lebens für Cato und ihre Tochter). Dieser Handlungsstrang faszinierte mich definitiv am meisten und ich bin froh, dass er auch am meisten Aufmerksamkeit bekam.

Allzu große Überraschungen gibt es nicht, obwohl die Geschichte auch nicht SO vorhersehbar ist, wie es zunächst den Anschein hat. Letztendlich lohnte sich die Lektüre für mich, weil mir die Handlungs- und Charakterentwicklung so gefiel, aber alle anderen Leser:innen sollten bedenken, dass es dafür eine ganze Weile braucht!

Finde den Mörder
400 Seiten

Harry Kennedy wurde tot aufgefunden. Der Geschäftsmann ist vom Balkon gefallen, erstochen mit einer Gartengabel und mit einer Rose im Mund. Detective Chief Inspector und Sergeant McAdam werden gerufen, um den Fall zu lösen, Verdächtige zu befragen und Beweise zu sammeln. Dabei gibt es verschiedene Pfade, die sie einschlagen können, doch nicht alle führen zur Auflösung …

Ich liebe Entscheidungsgeschichten schon seit meiner Kindheit und Jugend, weshalb ich mich immer darüber freue, wieder eine zu entdecken. Diese hier ist besonders ausführlich und hätte ebenso gut als Roman geschrieben werden können, doch bin ich froh, dass er das Entscheidungselement hatte, das ihn hervorstechen ließ. Ich selbst habe mich dabei ganz okay angestellt, habe mich allerdings von einigen falschen Fährten verführen lassen und mich bei der finalen Mörderentscheidung gleich mehrmals geirrt.

Danach habe ich die Geschichte natürlich analysiert, um herauszufinden, wie viele Pfade es letztendlich gab und war insgesamt zufrieden; natürlich liest man immer noch den Großteil der Geschichte, aber die Art und Weise, wie verschiedene Beweise für verschiedene Verdächtige gesammelt werden, hat mir sehr gefallen. (Großes Lob für das Easter Egg in Absatz 111, ich musste schmunzeln!)

Es war für mich wirklich unklar, wer denn der Schuldige sein könnte und tatsächlich hoffte ich bald, dass er von meinen gesammelten Beweisen abhängen würde. Denn nach der Mörderentscheidung wird man gefragt, welche Beweise man gesammelt hat, doch diese spielen letztendlich keine Rolle, weil es tatsächlich nur einen Mörder gibt und alle anderen Pfade zum falschen Ende führen. Hier hätte es mir sehr gefallen, hätte die Kombination aus gesammelten Beweisen und der Schuldzuschreibung zu verschiedenen möglichen Mördern geführt.

Auch ist der Rätselkrimi zu lang, um ihn für zwischendurch zu lesen. Andere Entscheidungsgeschichten las ich immer und immer wieder, doch hier bin ich mit einem Lesedurchgang und meiner Analyse recht zufrieden, auch wenn ich natürlich immer noch neugierig bin, wie viele andere Beweise ich mir hätte verschaffen können. Letztendlich ist das Lesen aber gerade für Fans von Entscheidungsgeschichten sehr empfehlenswert – aber auch für Fans klassischer Krimis!

Dienstags bei Morrie
224 Seiten

Mitch Albom hatte lange keinen Kontakt mit seinem Lieblingslehrer Morrie, bis er durch Zufall erfährt, dass dieser schwer krank ist und bald sterben wird. Er besucht ihn und es etabliert sich, dass sie sich immer dienstags treffen, um über verschiedene Themen des Lebens zu reden. Morrie wird währenddessen immer schwächer, doch für Mitch hat er noch ein paar letzte Lektionen für ein gutes Leben …

Ich hatte schon viel von diesem Buch gehört und war deshalb gespannt, was mich erwarten würde, weil ich bis auf seine Beliebtheit nichts von ihm wusste. Nicht einmal, dass es sich um die wahre Freundschaft zwischen dem Autor und seinem Lehrer handelt und die letzten Wochen, die sie miteinander verbrachten. Es war besonders traurig, zu sehen, wie Morrie immer schwächer und schwächer wurde, trotz seiner beruhigenden Worte bezüglich Scham und Akzeptanz. Obwohl es gleichzeitig erleichternd war, seinen Lehren zu lauschen, konnte ich nie die Traurigkeit ablegen, die ich bezüglich seinen Zustands empfand.

Die Lehren selbst sind eigentlich nichts Besonderes, teils sogar sehr offensichtlich, und nur die Hauptlehre – „geben heißt leben“ – hat sich mir eingebrannt, weil die anderen dann doch etwas zu kurz abgehandelt wurden, um sich an sie zu erinnern. Viel investierter war ich tatsächlich in die Freundschaft selbst und der Art und Weise, wie es Morrie gelang, trotz seinem Abbau Hoffnung zu bewahren, was ich beneidenswert fand.

Überhaupt ist es so faszinierend, dass dieses Buch nicht nur eine Geschichte ist, sondern über ein wahres Erlebnis berichtet. Das war meiner Meinung nach die große Stärke: Hätten wir allein die Lehren gehabt und sonst nichts, hätte ich das Buch nur in Ordnung gefunden, aber dadurch, dass wir über etwas Wahres lesen, konnte ich trotzdem etwas finden, das mich beeindruckte: Morries letzte Wochen und die Botschaft, dass man auch diese auf seine ganz eigene Art nutzen kann.

Die Riesinnen
416 Seiten

Nach der Geburt ihrer Tochter Cora und dem unerwartet frühen Tod ihres Ehemanns übernimmt Liese dessen Metzgerei, auch wenn sie selbst nicht ganz sicher ist, worauf sie sich einlässt. In ihrem kleinen Dorf im Schwarzwald schlägt sie Wurzeln, findet eine Heimat. Ihre Tochter Cora ist da schon stürmischer, sehnt sich nach Freiheit, nach Reisen, nach Genuss. Erst, als sie selbst schwanger wird, kehrt sie zu ihrer Mutter zurück, nicht sicher, wie sie mit ihrer Tochter Eva umgehen soll. Liese unterstützt sie, hilft Cora, auch ihre Wurzeln zu finden. Und Eva, das Waldkind, weiß insgeheim schon die ganze Zeit, dass auch sie hierher gehört, auch wenn sie eine Weile braucht, um es wirklich zu begreifen. Drei Frauen, drei Generationen – doch alle mit derselben Heimat: dem Schwarzwald.

Mit einem schlichten und wunderschönen Schreibstil erzählt Hannah Häffner die Geschichte von Liese, Cora und Eva, deren Leben und deren Beziehung zueinander. Was mich dabei besonders beeindruckt hat, war die Kreativität ihrer Stilmittel verbunden mit der Schlichtheit des eigentlichen Schreibstils; das sorgte für ein sehr angenehmes Leseerlebnis, weil ich mich richtig in der Nostalgie früherer Zeiten verlieren konnte und gleichzeitig beeindruckt davon war, wie poetisch Hannah Häffner davon erzählte.

Von den drei Frauen war mir Liese am sympathischsten, weil sie sich so entschlossen für ihre Ziele einsetzte, aber das Leben aller drei Frauen war ausführlich genug erzählt, dass ich mich in sie hineinfühlen konnte. Neben Liese mochte ich auch Eva besonders gerne, nur in Cora konnte ich mich nicht ganz so gut hineinversetzen, auch wenn ich immer noch interessiert war, von ihr zu lesen.

Von den Nebengeschichten hätte ich gerne noch mehr gehabt, denn sie waren so interessant, dass ich es schade fand, wie wenig Screentime die entsprechenden Charaktere bekamen: Das Babettchen, der einsame Franz, der Koch Fischel und sogar jemand wie der Träumer David, der besonders wenige Szenen hat. Natürlich liegt der Fokus logischerweise auf Liese, Cora und Eva, aber ich hätte gerne noch mehr Charaktere gehabt, die mir ans Herz gewachsen wären.

An sich passiert nicht viel, man folgt den drei Frauen und ihrem Versuch, ihren Platz zu finden, aber der Schreibstil hat die Geschichte so besonders gemacht, dass ich trotzdem die ganze Zeit gefesselt von ihr war. Interessanterweise spielen der Schwarzwald selbst und der Fakt, dass die drei Frauen als Riesinnen bekannt sind, so gut wie keine Rolle; der Wald wird zwar regelmäßig erwähnt und trägt zur schönen Atmosphäre bei, aber dass es ausgerechnet der Schwarzwald ist, ist letztendlich nicht so wichtig. Auch die Größe der Frauen wird nur am Anfang erwähnt, weil ihre Persönlichkeit (glücklicherweise) im Zentrum steht.

Insgesamt eine ruhige, absolut wunderschöne Geschichte, die vor allem durch ihren Schreibstil überzeugt!

Blood over bright haven
480 Seiten

Sciona ist fest entschlossen, als erste Frau die Magierprüfung zu bestehen, ein Ziel, auf das sie ihr ganzes bisheriges Leben hingearbeitet hat. Doch nie hätte sie geahnt, dass mit dem Status der Hochmagierin die Probleme nur größer werden: Nicht nur wird sie immer noch nicht ernst genommen, sondern bekommt für die Aufgabe, den Schutzschild um die Stadt zu erweitern, den Hausmeister Thomil als Assistenten. Sciona, die gegenüber ihm und seinem Volk Vorurteile hat, stellt bald fest, dass mehr hinter Thomil steckt, als es zunächst den Anschein hatte. Und dann macht Sciona eine furchtbare Entdeckung, die ihr ganzes Weltbild auf den Kopf stellt und sie dazu zwingt, ihrer eigenen Ignoranz ins Gesicht zu sehen …

Dieser Fantasy-Einzelband ist eine so großartige Empfehlung, dass ich es mit jedem Kapitel mehr bereut habe, ihn nicht schon vorher gelesen zu haben. Zugegeben hatte ich bei der Kurzbeschreibung die Befürchtung, dass er wie so viele andere Fantasyromane mit Misogynie als Thema in klischeehafte Bahnen abrutschen wird, aber zu meiner Freude war Sciona tatsächlich die geniale Magierin, als die sie dargestellt wird, ohne beim Anblick des ersten gutaussehenden Mannes ihre Prinzipien zu verraten. Gleichzeitig ist sie vorurteilsbehaftet und ignorant in ihrem Optimismus, lernt aber auch aus ihren Fehlern und büßt nie die Kompetenz ein, die ihr ihre Stellung einbrachte. Ihre Stärken und Schwächen haben sie zu einem einnehmenden Charakter gemacht, mit dem ich sehr mitgefiebert habe.

Auch Thomil war wunderbar und stellte Scionas Weltbild mit seinen scharfen Argumenten infrage. Ihre Dynamik hat mir sehr gefallen, weil sie nicht nur allgemein eine gute Chemie miteinander haben, sondern so erfolgreich zeigten, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der einen herausfordert, statt in allem zuzustimmen. Wichtig ist es für Leser:innen nur zu wissen, dass die beiden zwar Anflüge einer Romanze haben, es im Roman aber um so viel mehr geht. Ihre Szenen waren stets wunderbar zu lesen, aber erfrischenderweise nicht das Zentrum des Romans.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, ihre Ansichten dafür umso stärker. Nicht nur, was die Misogynie betrifft, sondern allgemein die Art und Weise, wie man sich so sehr an ein Weltbild klammern kann, dass man für logische Argumente nicht mehr offen ist – etwas, an dem wir vermutlich alle mitschuldig sind. Tatsächlich hat der Roman in einem bestimmten Aspekt mein eigenes Weltbild verändert, so erfolgreich zeigte M. L. Wang diejenigen in ihrem Roman. Besonders gut fand ich auch, dass für uns Leser:innen die Ungerechtigkeit und fehlende Logik gewisser Sichtweisen offensichtlich ist, ohne dass das extra angesprochen werden musste.

Die Welt, die Magie, die Handlung und die Charaktere haben wunderbar miteinander harmoniert. Gerade das Worldbuilding hat mir sehr gefallen, weil die Welt sich so real anfühlt, die Handlung sich realistisch entwickelt und die Magie so ausgearbeitet ist, und das alles in einem einzigen Band! Der Twist, der alles noch einmal in eine andere Perspektive rückt, war schockierend und gleichzeitig logisch, das Ende sowohl tragisch als auch hoffnungsfroh und gerade deshalb perfekt. Rundherum ein Roman, der mich mit jedem Kapitel mehr beeindruckt hat!

Meine einzige kleine Kritik betrifft die deutsche Übersetzung, denn ich fand ungewöhnliche viele kleine Rechtschreibfehler. Kleine Tippfehler an sich sind durchaus verständlich, aber die Anzahl hier war dann doch hoch genug, dass ich sie hier ansprechen wollte. Meiner Freude an der Handlung hat das glücklicherweise keinen Abbruch getan, aber bei einer Wiederauflage hoffe ich, dass diese vielen kleinen Fehler verbessert werden.

Ein eindeutiges Highlight, von dem ich wirklich wünschte, ich hätte es schon früher entdeckt!

Twice
320 Seiten

Mit acht Jahren entdeckt Alfie seine besondere Fähigkeit: Er kann jeden Moment seines Lebens wiederholen – allerdings nur einmal, und er ist gezwungen, mit den Konsequenzen seines zweiten Versuchs zu leben. Zwar hat seine Fähigkeit durchaus Grenzen, doch schafft Alfie es insgesamt hervorragend, sich durch sein Leben zu schleichen. Bis er sich in Gianna verliebt. Denn was er bereits feststellen konnte: Sollte er es vermasseln, wird Gianna sich kein weiteres Mal in ihn verlieben …

Das Konzept der Handlung faszinierte mich sofort und es war glücklicherweise auch sehr gut umgesetzt. Alfie benutzt seine Fähigkeiten oft und in der Regel während Szenen, die ich ebenfalls rückgängig gemacht hätte, was es leicht gemacht hat, sich in ihn zu hineinzuversetzen. Es gibt auch ein paar kreative Nutzungen, gerade bei denen, die längere Zeitspannen erfordern, weil Alfie zwar zu jedem Moment zurück kann, die Zeit bis zur Gegenwart aber tatsächlich leben muss.

Allerdings hätte ich mir gerne noch mehr negative Konsequenzen bei seinen Wiederholungen gewünscht. Am Anfang wird betont, dass das zweite Mal nicht immer besser als das erste Mal ist, aber es gibt erstaunlich wenige Momente, bei dem das tatsächlich umgesetzt wurde. In der Regel gelingt es Alfie problemlos, seinen zweiten Versuch perfekt hinzukriegen, weshalb ich mir gerne noch mehr Szenen gewünscht hätte, in denen gezeigt worden wäre, wie Alfie scheitert.

Das Framing der Geschichte ist großartig: Alfie, der in der Gegenwart wegen einem Casino-Betrug festgenommen wird und daraufhin seine Geschichte erzählt bzw. aus seinem Buch vorliest. Die Art und Weise, wie die Handlungsstränge zueinander finden, war wirklich sehr zufriedenstellend!

Interessanterweise kamen mir Alfie und Gianna nicht wie ein Traumpaar vor, sondern wie eines, dem es bestimmt war, einander zu verlieren. Die zweite Hälfte der Handlung, die sich mehr auf ihre Romanze und die Dramen in ihrer Beziehung fokussiert, war mir etwas zu klischeehaft, aber gleichzeitig war es faszinierend zu sehen, wie Alfie trotz seiner zweiten Chancen Schwierigkeiten hatte, sie gut zu nutzen.

Einen Charakter, den ich unbedingt erwähnen muss, ist Wesley. Er ist Alfies bester Freund aus der Schule und hat nur wenig Screentime, war aber ein so großartiger Charakter, dass er sich mir nichtsdestotrotz eingebrannt hat. Gerne hätte ich noch mehr von anderen Charakteren gesehen, aber es hat mir gefallen, was für einen starken Eindruck Wesley hinterließ!

Insgesamt ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt, seine Idee gut umgesetzt und nur bei der Liebesgeschichte ein wenig schwächelt. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich möchte nun unbedingt frühere Bücher von Mitch Albom lesen!

This Story Might Save Your Life. Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?
448 Seiten

Joy und Benny haben einen Podcast, in dem sie auf humorvolle Weise Überlebensstrategien für verschiedene Situationen diskutieren. Als Joy und ihr Ehemann Xander spurlos verschwinden, ist Benny fest entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen ist – und stellt fest, dass Joy so einige Geheimnisse vor ihm hatte, die sie nur in ihrem Buch verschriftlichte. Benny findet heraus, dass sie sich von Xander scheiden lassen wollte – was ihr Verschwinden in ein ganz anderes Licht rückt …

Zunächst einmal: Die Tagline dieses Romans ist vollkommen falsch. So falsch sogar, dass es so wirkt, als hätte irgendjemand aus Versehen die Tagline eines anderen Romans benutzt, denn die Geschichte, die sie suggeriert, wird man hier nicht finden. Tatsächlich fühlt sich selbst die Genrebezeichnung „Thriller“ für mich nicht ganz richtig an, weil das Buch für mich eher wie ein spannender Roman mit Thrillerelementen wirkte, der auf noch viel mehr Themen eingeht.

Gerade Joys Lebensweg, den sie in ihrem Buch beschreibt, spielt eine wichtige Rolle und ist der Teil der Handlung, der sich am ehesten wie ein dramatischer Roman und nicht wie ein Thriller liest. Bennys Story hat da schon mehr Thrillerelemente, aber trotzdem würde ich behaupten, dass das Hauptthema des Romans letztendlich die Beziehung der beiden ist. Die beiden haben wirklich eine hervorragende Chemie miteinander, ich liebte ihre Dynamik sehr und es war leicht, mit ihnen mitzufiebern. Hier war gerade die erste Hälfte der Handlung packend, weil so viele vergangene Szenen die beiden in den Fokus stellen.

Auch Xander, Joys Ehemann, spielt eine wichtige Rolle, war im Gegensatz zu Benny allerdings furchtbar und wurde im Lauf der Handlung nur unausstehlicher. Ernsthaft: Immer, wenn ich glaubte, dass er nicht mehr schlimmer werden könnte, bewies er ein weiteres Mal, dass er eine wirklich scheußliche Person ist. Aber gerade deshalb war es natürlich zufriedenstellend, zu sehen, wie all seine Lügen nach und nach ans Licht kamen.

Insgesamt würde ich diesen Roman nicht unbedingt Thrillerfans empfehlen, sondern auch Fans von Freundschaften, Romanzen, Drama, Humor, Mystery … also so ziemlich allen Genres. Mit anderen Worten: Wenn man einen großartigen Genremix lesen will, ist dieses Buch hervorragend dafür geeignet!