Bücherregal lädt …
The Measure
368 Seiten

Eines Tages tauchen sie überall auf der Welt auf: Kleine braunrote Boxen, die den Lebensfaden jedes einzelnen Menschen enthalten. Plötzlich hat jeder die Möglichkeit, herauszufinden, wie lange sein oder ihr Leben sein wird, wie lange das der Partnerin oder des besten Freundes – sofern man es denn wissen will. Verschiedene Menschen müssen sich mit den Problemen, die die Boxen aufwerfen, beschäftigen.

So sind Nina und Maura entschlossen, trotz Ninas langem und Mauras kurzem Faden ein Paar zu bleiben. Ninas Schwester Amie will gar nicht erst in ihre Box sehen, beginnt aber eine unerwartete Brieffreundschaft mit Ben, der einen kurzen Faden hat. Genauso wie der Arzt Hank, der über die Länge seines Fadens lügt – ähnlich wie Jack und Javier, die beschließen, ihre verschieden langen Fäden miteinander zu tauschen, um dem jeweils anderen das Leben zu ermöglichen, das dieser sonst niemals haben könnte. Das wiederum ist kein Problem für Jacks Onkel Anthony, der mit seinem langen Faden zufrieden ist, weil dieser ihm die Präsidentschaft sichert. Das Schicksal aller acht ist miteinander verwoben und sie alle haben ihre eigene Art, mit ihrem kurzen oder langen Faden umzugehen ...

Ich habe "Die Vorhersage" bereits zweimal auf Deutsch gelesen, konnte jedoch nicht widerstehen, diese wunderschöne Geschichte auch auf Englisch zu erleben – obwohl ich zugeben muss, dass ich tatsächlich die deutsche Übersetzung bevorzuge! Nichtsdestotrotz war es erfrischend, diese Geschichte auf gleichzeitig neue und wohlbekannte Weise wieder kennenzulernen und dabei Dinge zu entdecken, die mir zuvor nicht auffielen.

Natürlich gibt es die wunderbaren Charaktere und die grandios umgesetzten Verzweigungen zwischen ihnen (die sich sogar auf Statisten auswirken), aber was mich bei diesem Re-Read besonders beeindruckt hat, war, wie realistisch das ganze Szenario dargestellt wurde. Ob es nun die Reaktion der Bevölkerung ist oder die anderer Länder: Es war alles so glaubwürdig geschrieben, als hätte Nikki Erlick tatsächlich einen Einblick in eine Welt mit Lebensfäden erhalten. Diese wunderbare Mischung aus persönlicher Geschichte und weltweiter Aufmerksamkeit war großartig umgesetzt!

Natürlich musste ich am Ende wieder mehrere Tränen vergießen, so wunderschön und emotional war es geschrieben. Das Buch lässt mich immer wieder voller Hoffnung zurück, denn so traurig manche Schicksale auch waren, waren sie gleichzeitig so zufriedenstellend geschrieben und mit einer schönen Botschaft verknüpft.

Eines meiner Herzensbücher, das ich jedem ans Herz lege – unabhängig von der Sprache, in der man es liest!

Die unendliche Geschichte
516 Seiten

Als Bastian in einer Buchhandlung ein Buch mit dem Titel „Die unendliche Geschichte“ entdeckt, ist es um ihn geschehen: So ein Buch wollte er schon immer lesen. Kurzerhand stiehlt er es und versteckt sich im Speicher der Schule, um dort Atréjus Abenteuer zu verfolgen – wobei er selbst immer tiefer in die Geschichte hineingezogen wird. Jetzt muss er den Weg der Wünsche gehen, um seinen Wahren Willen zu finden und damit sowohl Phantásien als auch die Menschenwelt zu retten. Doch der Weg ist schwer und steinig und Bastian muss aufpassen, dass er sich dabei nicht verliert …

Es ist schwer, in Worten auszudrücken, wie wichtig mir „Die unendliche Geschichte“ ist, denn obwohl ich einige Lieblings- und Herzensbücher habe, wird „Die unendliche Geschichte“ immer das Buch aller Bücher für mich bleiben. Ich hatte tatsächlich vergessen, wie wunderschön und inspirierend die Geschichte ist, sodass es umso schöner war, sich wieder daran zu erinnern. Es ist eine Geschichte, die ich hoffentlich noch einige Male lesen werde und die mich sicher jedes Mal wieder verzaubern wird.

In dieser Neuauflage der ersten Auflage gibt es zusätzlich eine kleine Entstehungsgeschichte, die mich sehr überraschte, weil ich gar nicht auf den Gedanken gekommen bin, dass dabei natürlich nicht alles komplett glatt ging. „Die unendliche Geschichte“ fühlt sich so vollkommen an – trotz oder gerade wegen der vielen Geschichten, die sie enthält –, dass es mir schwer fiel, mir eine Zeit vorzustellen, in der dies nicht der Fall war.

Natürlich darf nicht unerwähnt werden, dass diese Neuauflage wieder die großen, schönen Anfangsbuchstaben enthält, die einen kleinen Einblick in das Kapitel geben und tatsächlich ein Hauptgrund waren, mir diese Neuauflage zu kaufen. Diese Version der Geschichte ist, zumindest für mich, definitiv die beste Art, „Die unendliche Geschichte“ zu erleben!

Das Buch der tausend Türen
528 Seiten

Cassie arbeitet in einer New Yorker Buchhandlung, die regelmäßig von dem alten Mr. Webber besucht wird. Als dieser eines Tages stirbt, vererbt er ihr „Das Buch der tausend Türen“, womit Cassie zunächst nichts anfangen kann. Bis sie zusammen mit ihrer besten Freundin Izzy herausfindet, dass sie mithilfe des Buches zu jedem Ort reisen kann, den sie möchte – alles, was sie braucht, ist eine Tür. Doch andere Bücherjäger haben es auf das Buch abgesehen und bald erfährt Cassie von dem Bibliothekar Drummond auch, warum: Mit dem Buch kann man nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit reisen …

Dieses Buch gehört zu den bisher schönsten, die ich gelesen habe und es fällt mir schwer, meine Gefühle dafür in Worte zu fassen. Ich habe gelächelt und geweint, mitgefiebert und mitgelitten und musste am Ende erst einmal rekapitulieren, was ich da gerade gelesen habe. Cassies Reisen und Abenteuer, ihre Familie und Freunde, ihre Erlebnisse allgemein – sie allein fesselten mich unglaublich, zumal der Roman nicht scheut, die besten und schlimmsten Momente ihres Lebens miteinander zu verbinden. Aber auch die anderen Menschen, die Cassie auf ihrer Reise trifft – von Mr. Webber zu Izzy, Drummond und ein paar anderen – begeisterten mich sehr, weil der Fokus auf wenige Charaktere es leicht gemacht hat, ihre Sichtweisen genauso packend zu verfolgen wie Cassies.

Besondere Erwähnung verdient dabei die Antagonistin des Buches, die „die Frau“ genannt wird und sämtliche magische Bücher für sich haben will. Sie war eine der gefährlichsten und angsteinflößenden Antagonisten überhaupt und vor der finalen Konfrontation mit ihr habe ich mindestens genauso gezittert wie die Charaktere. Hier hilft es, dass wir auch die Sichtweise der Frau und ihre schrecklichen Taten zur Genüge erleben, sodass ich am Ende ernsthaft besorgt darum war, welche Opfer ihr Untergang wohl verlangen wird.

Doch so gut mir die Charaktere gefallen haben, sind nicht sie das Highlight des Romans, sondern die beschriebenen Zeitreisen. Bereits früh wird etabliert, dass geschehene Erlebnisse sich nicht mehr ändern lassen, doch das heißt mitnichten, dass man nicht mit ihnen mitfiebert. Zudem baut Gareth Brown hier so einige Twists ein, die das gesamte Erlebnis aus einer komplett anderen Perspektive zeigen und die offenen Fäden auf wunderschöne und brillante Weise miteinander verbinden. Ich war sehr beeindruckt davon, wie mühelos es ihm gelang, die verschiedenen Zeitlinien so zu verknüpfen, dass am Ende ein harmonisches Bild entstand.

Ebenfalls positiv zu erwähnen ist das Pacing der Geschichte. Gareth Brown hat ein gutes Gespür dafür, langsame und schnelle Szenen miteinander zu verweben; ich genoss die vergänglichen Augenblicke und spannenden Szenen gleichermaßen und war stets angetrieben, weiterzulesen. Dieser Roman enthält einige der schönsten und schrecklichsten Momente, die ich je las und ich bin sicher, dass mir viele davon lange in Erinnerung bleiben werden.

Wenn ich überhaupt etwas kritisieren müsste, wäre es eventuell die schwache Charakterisierung von Drummonds Freundesgruppe, die vor Jahren ums Leben kam und deren Dynamik wir in ein paar Kapiteln erleben. Allerdings hinterlassen sie keinen so starken Eindruck wie die Hauptcharaktere, weshalb ich ihren Tod zwar schrecklich fand, aber nicht so emotional wie viele Gefahren, denen die Hauptcharaktere sich stellen mussten.

Selbstverständlich ist diese Kritik im Vergleich zum Rest des Buches kaum der Rede wert, denn all das, Gareth Brown mich fühlen ließ, gehört mit Abstand zu den besten Leseerlebnissen, die ich je hatte. Eine ganz klare Empfehlung für alle, die Bücher, Zeitreisen und emotional-spannende Geschichten lieben!

Das Geheimnis der Spinnenhexe
366 Seiten

Jährlicher Re-Read :)

Fast immer, wenn ich dieses Buch meiner Jugend lese, fällt mir etwas Anderes auf, das ich bisher nicht zu schätzen gewusst habe. Dieses Mal ist es der bildgewaltige, fast schon cineastische Schreibstil – die Handlung spielt sich wie ein Film in meinem Kopf ab, weil die Autorin es sehr einfach macht, sich alles vorzustellen. Auch die Stimmen der Charaktere höre ich recht gut beim Lesen, was nicht bei jedem Roman der Fall ist.

Zugegeben könnte das zumindest teilweise daran liegen, dass ich das Buch so unverhältnismäßig oft gelesen habe, aber das ändert trotzdem nichts daran, dass Henny Fortuins Schreibstil einfach schön zu lesen ist.

Ich freue mich jetzt schon darauf, welche alten oder neuen Erkenntnisse mir dieses Buch nächstes Jahr bescheren wird!

Das Geheimnis der Spinnenhexe
366 Seiten

Jährlicher Re-Read :) Das Interessante hierbei ist, dass mir natürlich vollkommen bewusst ist, dass dieses Buch nicht perfekt ist - aber der Nostalgie-Faktor (und der flüssige Schreibstil) motivieren mich jedes Jahr dazu, das Buch wieder in die Hand zu nehmen!

Eine ausführlichere Rezension gibt es hier: https://lesetagebu.ch/eintrag/38789

Das Geheimnis der Spinnenhexe
366 Seiten

Es gibt Bücher, die einen ein Leben lang begleiten, die man für immer in seinem Herzen behält und nie vergisst.

"Das Geheimnis der Spinnenhexe" ist für mich eines dieser Bücher. Inzwischen ist es für mich eine Tradition geworden, es jedes Jahr kurz nach meinem Geburtstag zu lesen. Und jedes Jahr beeindruckt es mich aufs Neue.

Dabei ist die Handlung recht klassisch: Eine Prophezeiung sagt einen Königssohn voraus, der nach zwei Töchtern geboren werden und das ganze Land beherrschen soll. Die Mutter, die fürchtet, ihr Kind könne in Gefahr geraten, geht einen Handel mit einer Nebelhexe ein: Das Kind kommt als Mädchen ohne Stimme zur Welt und seine ganze Zukunft, die bisher festgeschrieben zu sein schien, wird über den Haufen geworfen. Nun muss das Mädchen, Mirda, gegen den bösen Zauberer Croch vorgehen, der die Königswürde für sich beanspruchen will.

Am schönsten ist definitiv der Schreibstil des Buches; es hat eine ganz eigene Satzmelodie, die sich flüssig liest und dem Buch seinen besonderen Charme gibt. Die Charaktere sind nicht allzu tiefgründig, aber sympathisch und man wünscht sich, dass sie ihr Ziel erreichen. Und zuletzt ist die Handlung trotz der klischeehaft klingenden Prämisse sehr einnehmend und fügt die Charaktere perfekt ineinander. Keiner ist entbehrlich, sie alle erfüllen ihre Rolle in der Geschichte.

Leider ist das Buch schon lange vergriffen, sodass es nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Meines Erachtens lohnt sich der Kauf natürlich. Das Buch hat mich auf eine Weise geprägt, wie es nicht vielen Büchern gelungen ist. Ich hoffe, meine Tradition, es einmal jährlich zu lesen, noch lange aufrecht erhalten zu können!