Bücherregal lädt …
All the things I didn't say
336 Seiten

Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …

Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!

Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.

Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.

Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.

Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.

Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!

Shadow Reaper
497 Seiten

Viri ist eine Jägerin, die sogenannte Reaper jagt – Menschen, die Kinder töten, um an deren mächtige Magie zu kommen. Als sie auf Dutzende vermisste Kinder aufmerksam wird, fürchtet sie, dass der Reaper-Priester etwas Großes plant, das über deren Tötung hinausgeht – und nur Reeve, ihr ehemaliger Kindheitsfreund, kann ihr Antworten darauf geben. Damals verließ er sie, um die rechte Hand des Reaper-Priesters zu werden, was Viri ihm nie verziehen hat – doch nun braucht sie seine Hilfe, um den Reaper-Priester endlich zu finden und seine Pläne zu stoppen. Und schon bald stellt sich heraus, das vieles, was Viri für selbstverständlich hielt, ganz anders ist, als sie ursprünglich annahm …

Als großer Fan der „Prison Healer“-Trilogie habe ich mich schon sehr auf Lynette Nonis neue Dilogie gefreut und bin froh, dass die Lektüre tatsächlich sehr spaßig und sehr spannend war!

Zunächst einmal ist die Welt, in der die Geschichte spielt, absolut faszinierend. Nonis Worldbuilding um die Obelisken, denen Magie gegeben wird, die Berge, in denen die Menschen leben und den Schwarznebel, der die gesamte Insel einhüllt, war großartig und ich war froh, dass all diese Aspekte tatsächlich eine wichtige Rolle spielten. Zusätzlich gibt es zwischen der Hauptgeschichte Tagebucheinträge des Magiers Kadmus Castro, der damals auf die Insel kam, was das Worldbuilding zusätzlich bereichert hat, vor allem, sobald klar wurde, wie die Tagebucheinträge mit der Hauptgeschichte zusammenhängen.

Dann haben wir natürlich noch die Romanze, die sehr einnehmend und einfach herrlich geschrieben war – Viris und Reeves Schlagabtäusche, aber auch ihre tiefen Gefühle füreinander machten sie zu einem sowohl unterhaltsamen als auch sehr süßen Paar. Ich war positiv überrascht davon, wie sich ihre Romanze entwickelte, denn gerade, weil Viri Reeve für einen kaltblütigen Mörder hält (wobei uns Leser:innen natürlich schnell klar ist, dass das unmöglich so einfach sein kann), war ich nicht sicher, wie realistisch ihre Romanze letztendlich sein würde – aber glücklicherweise ist das Lynette Noni ganz fantastisch gelungen!

Andere Charaktere gefielen mir ebenfalls sehr, vor allem Viris beste Freundin Wynter (die mein Lieblingscharakter war) und Jonas, einer aus Reeves Freundesgruppe. Allerdings muss ich zugeben, dass mir von anderen Charakteren etwas mehr Screentime gefehlt hat – speziell von Soren (Viris bestem Freund) und von Reeves anderen Freunden Sage und Ardin. Sie kamen zwar oft genug vor, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber nicht oft genug, um sie tatsächlich lieb zu gewinnen. Hier finde ich, dass sie Viri und Reeve länger hätten begleiten sollen, um genau wie Wynter und Jonas genug Zeit zu bekommen, unser Herz zu gewinnen.

In diesem Roman gibt es auch sehr viele Twists, wobei speziell der erste und der letzte (bzw. die letzten zwei) mich sehr schockierten, weil ich sie überhaupt nicht kommen sah – aber die mittleren fand ich um einiges offensichtlicher, sodass die größte Spannung eher dadurch entstand, wie Viri auf die Twists reagieren würde und nicht, wie überraschend sie für uns sein würden. Zugegeben habe ich manche auch erst relativ kurz vor ihrer Offenbarung kommen sehen, aber dennoch fiel es mir insgesamt leichter, gewisse Handlungsentwicklungen korrekt vorherzusehen.

Allerdings hat das meiner Lesefreude keinen Abbruch getan, weil die Geschichte stets spannend blieb und es großen Spaß machte, speziell mit Viris und Reeves Romanze mitzufiebern. Von daher würde ich den Roman allen empfehlen, die im Allgemeinen gerne Fantasyromanzen lesen!

Kein Sommer ohne August
405 Seiten

Zwölf Sommer haben Charlie und August miteinander verbracht, doch seitdem haben sie sich zehn Jahre nicht gesehen. Doch nun ist Augusts Großmutter Molly gestorben, in deren Buchhandlung sich Charlie immer zuhause fühlte – und ausgerechnet ihr hat sie die Buchhandlung vererbt. Jetzt ist Charlie gezwungen, August wiederzusehen, was in ihr einen Wirbelsturm der Gefühle auslöst – denn die Gefühle von damals sind noch da, doch sie sind nicht im Guten auseinander gegangen …

Dieser wunderschöne Liebesroman ist wirklich zum Dahinschmelzen und mir ist beim Lesen regelrecht das Herz aufgegangen, weil er so wohlgetan hat.

Zunächst einmal ist er sehr angenehm geschrieben und so bildlich, dass die Handlung wie ein Film vor meinem inneren Auge ablief. Lucy Astner versteht es, die Momente zwischen Charlie und August so zu beschreiben, dass man sie sich mühelos vorstellen kann, was es noch einfacher machte, mit ihrer Romanze mitzufiebern.

Diese war die große Stärke des Romans: Die Romanze der beiden ist so gut umgesetzt, dass ich den Roman als Paradebeispiel für eine tatsächlich romantische Lektüre nennen würde. Die beiden hatten eine fantastische Chemie miteinander, ihre Freundschaft entwickelte sich auf realistische Weise zu einer Romanze und sie selbst waren großartige Charaktere. Ich war investiert in Charlies schwierige Familiensituation und der Beziehung zu ihrer depressiven Mutter, die sich zufriedenstellend entwickelte; aber ich liebte auch August (der sehr starke Golden-Retriever-Boyfriend-Qualitäten hatte) und seine wachsenden Probleme mit seinen scheinbar unerwiderten Gefühlen und den Geschichten, die er schreibt. Das war übrigens ebenfalls süß: Dass die beiden zusammen Geschichten schrieben, wobei August die Geschichten anfing und Charlie sie beendete. Das war nur einer von vielen Aspekten, der ihre Beziehung so stark machte.

Natürlich gibt es so einige „Will they, won‘t they“-Situationen, wo im scheinbar richtigen Moment etwas passiert, das die beiden davon abhält, zusammenzukommen, aber zu meiner Überraschung hat es mir tatsächlich gefallen, dass ihre Romanze auf diese Weise ein wenig länger brauchte. Nur mehr Kommunikation hätte ich mir gewünscht, gerade bezüglich ihrer jeweiligen Geheimnisse; zwar bin ich froh, dass August Charlie (zurecht!) darauf aufmerksam machte, wie wenig ihm ihr Umgang mit einem gewissen Geheimnis half, aber dass ihre Geheimnisse sie so lange voneinander trennen, kam mir nicht ganz realistisch vor. Ich hatte das Gefühl, dass es nur ein wenig mehr Kommunikation gebraucht hätte, um ihre lange Trennung zu verhindern oder zumindest abzukürzen.

Gleichzeitig kann ich meine sonst so ungewollte Miskommunikation nicht als harschen Kritikpunkt sehen, weil die Romanze dafür schlicht zu gut war. Ich konnte die Beweggründe der Charaktere sehr gut verstehen und habe nicht trotz, sondern durchaus auch wegen ihren ungesagten Worten mit den beiden mitgefiebert. Insofern ist das ein Kritikpunkt, über den ich in diesem Fall gerne hinwegsehe, weil er sonst wohl nicht für eine so unglaublich gute Romanze gesorgt hätte.

Was die anderen Charaktere betrifft, war ich gesagt sehr zufrieden damit, wie der Handlungsstrang um Charlies Mutter sich entwickelte, mochte am allermeisten jedoch die stetige Präsenz von Molly, Augusts Großmutter: Obwohl sie physisch gar nicht mal so oft auftaucht, spürt man sie über den ganzen Roman hinweg, weil sie einen so großen Einfluss auf Charlie und August hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen Charakter, der fast nur passiv auftaucht, so liebgewinnen könnte, aber Molly ist zu einem geworden.

Dieser Roman ist definitiv zu meinem Sommer-Highlight geworden und ich empfehle ihn allen, die etwas Wohltuendes, Romantisches und/oder Wunderschönes lesen möchten!

Fräulein Renée und das kartografische Komplott
360 Seiten

Der junge Caspar Schütze bewirbt sich als Chronist bei der Alleinerbin Renée Graf, hauptsächlich, weil sie keine Referenzen verlangt. Bei einem Spaziergang im Wald, bei dem Renée ihre Pläne, ein Abenteuer zu erleben, ausführt, finden die beiden im Forsthaus eine Leiche: Eine Frau, mit einer Pistole erschossen und mit zweihundert Mark in der Geldbörse, aber ohne eine Tatwaffe in der Nähe. Als die beiden kurz darauf in die Hütte zurückkehren, ist die Leiche verschwunden und damit Renées Verdacht, dass es sich um Mord handelt, bestätigt. Entschlossen, ihr geplantes Abenteuer zu erleben, macht sie sich auf, den Fall zu lösen – während Caspar ihre Erlebnisse treu aufschreibt, dabei aber auch verheimlicht, was ihn überhaupt zu Renée führte …

Dieser historische Jugendkrimi klang für mich sofort interessant, weshalb ich froh war, dass er es tatsächlich war! Wobei mich nicht der historische oder der kriminalistische Teil am meisten begeisterten, sondern die beiden Hauptcharaktere: Renée und Caspar waren beide großartige Protagonisten, die nicht nur ein wunderbares Beispiel für Repräsentation waren, sondern auch die Vielschichtigkeit ihrer Persönlichkeit gut zeigten: Ich mochte es, wie abenteuerlustig und leidenschaftlich Renée war, aber auch ihre verletzliche und herzliche Seite zeigen konnte, wann immer es um ihre große Liebe Lisbeth ging; und mir gefiel Caspars erfrischende Sicht auf die Welt, seine anfängliche Vorsicht und seine spätere Entschlossenheit, sowie die Art und Weise, wie seine Vergangenheit in die Geschichte eingebaut wurde. Ich hoffe, bei einem zweiten Teil wird das auch mit Renée geschehen, weil es in ihrer Vergangenheit so einige Geheimnisse gibt, die mich interessieren!

Die beiden waren also definitiv ein Highlight, denn andere Charaktere stachen leider nicht allzu stark hervor; ich mochte Miriam, Hector und Klara sehr gerne, fand aber, dass es insgesamt zu viele Nebencharaktere gab. Es gibt zwar ein Personenverzeichnis, aber dadurch, dass ohnehin nur wenige Charaktere tatsächlich relevant sind, hätte ich lieber die Anzahl an Charakteren gekürzt und diesen dafür mehr Screentime gegeben.

Die eigentliche Handlung ist sehr spannend: Um den Fall aufzuklären, müssen Renée und Caspar so einige Male selbst am Gesetz kratzen, in verschiedene Gebäude einbrechen und Informationen sammeln. Hier war der historische Aspekt übrigens sehr gut umgesetzt; Stuttgart spielt in dem Roman eine wichtige Rolle und es war schön, die Beschreibungen der historischen Gebäude zu erleben. Die Geographische Gesellschaft existiert zwar nicht wirklich, aber die Ortschaften, die Renée und Caspar besuchen, dafür schon.

Apropos Geographische Gesellschaft: Hier ging die Geschichte in eine andere Richtung, als ich es erwartete, weil ich aus irgendeinem Grund überzeugt davon war, es würde neben dem historischen und kriminalistischen Aspekt noch einen fantastischen geben; das ist allerdings nicht der Fall und im Nachhinein frage ich mich, warum ich so fest damit rechnete. Übrigens überwiegt der kriminalistische Aspekt meiner Meinung nach; die vielen Mysterien um die Leiche und die Geographische Gesellschaft sorgen für einen Krimi, der einem vermutlich auch dann gefallen wird, wenn man mit historischer Literatur nicht viel anfangen kann.

Insgesamt also ein spannender Krimi, der nicht nur für Jugendliche geeignet ist!

Zerstöre den Tag
640 Seiten

Nach Corricks scheinbarem Tod trauert Tessa schwer um ihn und möchte unbedingt nach Hause zurückkehren, was sich allerdings als nicht so einfach herausstellt. Zusammen mit Erik, dem Leibwächter, ist sie zunächst gezwungen, auf einer Insel in Ostria zu bleiben. Corrick wurde ausgerechnet zusammen mit seinem Erzfeind Lochlan gefangen genommen, und noch dazu von Oren Krane. Nur, wenn sie zusammenarbeiten und so tun, als würden sie Oren helfen, bleibt ihnen eine Chance, mit ihren Liebsten wiedervereint zu werden. Und dann ist da noch Harristan, der zusammen mit dem Palastmeister Quint und einigen Wächtern wegen Verrat gesucht wird, weil Konsuln scheinbar Beweise dafür haben, dass Harristan sein Volk vergiftet hätte. Nun muss Harristan das Vertrauen seines Volkes wiedergewinnen, während er nicht weiß, wem er vertrauen soll …

Ich habe das Buch bereits auf Englisch gelesen, weil die deutsche Übersetzung leider ein wenig auf sich warten ließ, doch jetzt, wo sie endlich erschien, war ich unglaublich froh, dieses phänomenale Finale der Mondflor-Trilogie auch auf Deutsch zu lesen!

Tessas, Corricks und Harristans Handlungsstränge und persönliche Beziehungen sind in diesem Band besonders einnehmend beschrieben und es fiel mir so leicht, mich in alle drei Charaktere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern. Die Struktur des Romans ist zugegeben immer noch gewöhnungsbedürftig: Nachdem alle drei Charaktere ein Einstiegskapitel bekommen, folgen wir mehreren Kapiteln zunächst Corrick, dann Tessa, und dann Harristan, bis die Sichtweisen danach wieder durchgemischt werden. Ein Beispiel: Zwischen der ersten und der langen, zweiten Corrick-Sichtweise vergehen nur etwa vierzig Seiten, doch zwischen der zweiten und dritten vergehen über zweihundert, weil die zweiten Sichtweisen der drei Charaktere ordentlich Raum einnehmen. So konnte ich den Handlungssträngen der einzelnen Charaktere zwar besonders gut folgen, wünschte aber zugleich, die Sichtweisen wären schon von Anfang an gut durchgemischt gewesen.

Glücklicherweise sind die Handlungsstränge dafür alle drei hervorragend, sodass mir diese ungewöhnliche Struktur letztendlich nicht SO viel ausmachte. Ich war unglaublich investiert in Corricks und Lochlans schwierige Beziehung, die sich nach und nach in Freundschaft verwandelte, und liebte Corricks zufriedenstellende Charakterentwicklung; ich fand es großartig, wie auch zwischen Tessa und dem Leibwächter Erik eine Freundschaft entstand und wie sie sich entschloss, den Bewohnern der Insel zu helfen, während sie gleichzeitig darum kämpfte, eine Passage nach Hause zu bekommen; und zuletzt habe ich auch mit Harristan mitgefiebert, der an jeder Ecke Verrat fürchten muss, sich aber für sein Volk einsetzt und zudem eine süße Liebesgeschichte mit Quint erlebt. All diese Handlungsstränge waren so emotional und gipfelten in einem großartigen Ende, das mich selbst beim zweiten Lesen zu Tränen rührte, weil es einfach so wunderschön war.

Interessanterweise vergeht gehörige Zeit, bis Corrick und Tessa wieder zueinander finden. In meiner Erinnerung trafen sie sich nach zwei Dritteln der Handlung, aber tatsächlich vergehen ganze fünfhundert Seiten, ehe das geschieht. Etwas, das in anderen Romanen definitiv ein großer Kritikpunkt wäre, sind sie schließlich das Hauptpaar der Reihe; doch obwohl ich mir durchaus gewünscht hätte, sie wären früher wiedervereint worden, kann ich es einfach nicht als Kritik wahrnehmen, weil ihre einzelnen Handlungsstränge mich umso mehr fesselten. Es war so erfrischend, in diesem Band keinen Fokus auf Romanzen, sondern auf Freundschaften zu haben, zumal sie alle wunderbar umgesetzt waren. Erwähnen wollte ich es trotzdem für diejenigen, die lieber den Romanzen-Aspekt bevorzugen, aber mich selbst störte die lange Trennung nicht.

Insgesamt ein großartiger Abschluss der Trilogie, der vor allem durch seine Charakterbeziehungen brilliert!

Mehl, Magie und Machenschaften
332 Seiten

Mona ist vierzehn Jahre alt und hilft bei der Bäckerei ihrer Tante aus. Mit ihrer Magie kann sie Brot verzaubern, allerdings nicht viel mehr, weshalb sie sich auch nicht für eine besonders starke oder wichtige Magikerin hält. Doch dann findet sie in der Bäckerei die Leiche eines Mädchens und wird vor dem Frühlingsgrünen Mann gewarnt, der es auf die Magiker der Stadt abgesehen hat. Und es liegt an Mona, die bald die einzige übrig gebliebene Magikerin ist, die Herzogin zu warnen und einen Krieg zu verhindern – und zwar nur mit ihrer Backkunst …

Ich habe das Buch letztes Jahr bereits auf Englisch gelesen und fand es gut, doch jetzt auf Deutsch sogar noch besser! Das liegt möglicherweise daran, dass es mir immer noch leichter fällt, auf Deutsch als auf Englisch zu lesen, aber so oder so habe ich das Lesen sehr genossen und es machte mir Spaß, Mona und ihren kreativen Ideen zuzuschauen. Diese Geschichte hatte Szenen und magische Anwendungen, die ich bisher noch nirgendwo gelesen habe und die ich vermutlich auch nie wieder lesen werde; so kreativ, spaßig und dramatisch war die Art und Weise, wie Mona ihre magische Kraft anwandte!

Die eigentliche Handlung ist grob in drei Teile aufgeteilt: Das Finden der Leiche und die Anklage gegenüber Mona, der Frühlingsgrüne Mann und Monas Entschluss, die Herzogin zu warnen sowie der Krieg am Ende, bei dem Mona zeigen muss, was in ihr steckt. Diese Teile gehen fließend ineinander über, kamen mir aber wie separate Handlungsstränge vor – und zum Glück sehr gute! Am liebsten hat mir das spannende Ende gefallen, das Monas Möglichkeiten so gut aufzeigt, wobei mir aber auch sehr gefiel, dass über den ganzen Roman hinweg betont wurde, dass ein vierzehnjähriges Mädchen nicht gezwungen sein sollte, zur Heldin zu werden. Das mangelnde Handeln der Erwachsenen wird tatsächlich infrage gestellt, was ich wunderbar fand.

Von den Charakteren mochte ich die Herzogin, Spindle und den Lebkuchenmann am liebsten – die Herzogin, weil ich ihre vernünftige Art mochte, Spindle, weil er allgemein ein großartiger Freund war und der Lebkuchenmann, weil er von allen Kreationen Monas schlicht die beste ist. Alle drei spielen zudem eine wichtige Rolle in der Handlung, auch wenn ihre Charaktere an sich zugegeben nicht allzu komplex sind.

Insgesamt ist das eine wunderbare Cozy Fantasy, die vor allem durch ihre Kreativität besticht und ein wunderbares Abenteuer bietet!

The sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte
624 Seiten

Der vierzehnjährige Mamoru ist der Erstgeborene der Matsuda-Familie und hat als solcher die Verantwortung, das Erbe seiner Vorfahren anzutreten. Seine Glaubenssätze sind stark – bis ein neuer Schüler an seine Schule kommt: der Nordländer Kwang Chul-hee, der bald schon anfängt, kritische Dinge von sich zu geben. Zunächst glaubt Mamoru ihm nicht – bis er mit bestürzenden Beweisen konfrontiert wird. Diese sind zumindest für Mamorus Mutter Misaki nichts Neues, denn bevor sie vor fünfzehn Jahren ihr Schwert unter den Dielen des Hauses versteckte, war sie eine Kriegerin, die auf ihre eigene Weise mit den Wahrheiten des Kaiserreichs konfrontiert wurde. Während Mamoru alles mehr und mehr in Frage zu stellen beginnt, ahnt Misaki, dass ein Sturm auf sie zukommt – und sie ihr Schwert bald wieder ziehen muss, um ihre Familie zu beschützen …

M. L. Wang schafft es, in nur einem Buch eine ganze Welt zu erschaffen und genau das ist ihr auch mit „The sword of Kaigen“ gelungen. Ich bin immer noch ganz sprachlos nach dieser Lektüre, weil sie so mit Leben und Details gefüllt war – und mit einer Welt, die sich so real und so gewaltig anfühlt, wie ich es selten erlebt habe. Hier ein wirklich großes Lob für das Worldbuilding, das mich auf noch mehr Geschichten aus dieser Welt hoffen lässt.

Denn das ist fast schon eine Kritik von mir: Ich hätte gerne noch mehr von der Welt und speziell Misakis Vergangenheit gesehen. Sie bekommt einen großen und einen kleinen Rückblick und glücklicherweise auch ein Ende, das ihre Vergangenheit und Gegenwart auf zufriedenstellende Weise zusammenführt, aber ich hätte gerne noch so viel mehr von ihr und ihrer alten Freundesgruppe gesehen, weil das Potential dafür so stark war.

Ihre Gegenwart ist zugegeben dafür sehr gut erzählt. Die Art und Weise, wie sie gezwungen ist, sich ständig zurückzustellen, bis sie schließlich ausbricht und sogar eine neue Bindung zu ihrem Ehemann Takeru aufbaut, war so zufriedenstellend und teils auch unerwartet; Takeru war nämlich für mich lange Zeit sehr unsympathisch, weil seine patriarchischen Sichten so frustrierend waren, aber tatsächlich entwickelt er sich weiter, was eindeutig Misaki zu verdanken ist.

Auch Mamorus Entwicklung war großartig: Als Erbe mit einer großen Last auf seinen Schultern, der damit konfrontiert wird, dass das, woran er glaubte, falsch ist, war er ein einnehmender Charakter mit einer Handlung, die mich von Anfang bis Ende fesselte. Allgemein ist der Aufbau der Geschichte ausgezeichnet und ließ mich besonders in der ersten Hälfte mitfiebern, aber auch die ruhigere zweite Hälfte hat mir aufgrund der gezeigten Charakterentwicklung sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stechen vor allem Setsuko, Misakis beste Freundin, und Dai, der Schwertmeister der Schule, hervor. Beide waren unglaublich sympathisch und haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen, wobei aber auch die anderen Charaktere sehr erinnerungswürdig waren; hinten im Buch gibt es ein Personenverzeichnis und ein Glossar und während ich letzteres ab und an nutzte, bereitete es mir kein Problem, die stark gezeichneten Charaktere der Handlung in Erinnerung zu behalten.

Insgesamt ein grandioses Fantasybuch, das speziell durch seine Welt und seine Charaktere überzeugt – und hoffentlich noch mehr Geschichten aus dieser Welt bietet!

Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers
386 Seiten

Seit einiger Zeit fühlt Alex sich, als würde etwas nicht stimmen. Ihre kontrollierende Mutter versucht, ihr keine Gelegenheit zum Nachdenken zu geben, während Menschen von Drachensichtungen berichten. Erst, als der Fremde Oliphos eintrifft, erfährt Alex die Wahrheit: Sie ist ein Drache und muss lernen, ihre Kräfte zu beherrschen, wenn kein Chaos ausbrechen soll. So fängt Alex ihre Ausbildung an, doch schafft sie es einfach nicht, sich zu verwandeln. Und ihre Zeit läuft ab, denn Drak Midna, der größte und gefährlichste Drache von allen, droht, zurückzukehren …

Wow, das war mal ein Kinderbuch! Ich hatte schlicht eine unterhaltsame Lektüre erwartet (und zugegeben WAR sie auch sehr unterhaltsam), aber die pure Spannung, die aus der Handlung und den Twists entstand, war unbeschreiblich. Schon Alex‘ Ausbildung und die Freundschaften, die sie währenddessen schließt, haben mir sehr gut gefallen, weil ich gespannt war, wie sie es schaffen würde, sich trotz ihrer mangelnden Verwandlungskünste zu behaupten.

Das kommt allerdings mit einem Meta-Kritikpunkt, und zwar dem Cover. Das Cover selbst ist hervorragend, doch gleichzeitig dämpft es einen beträchtlichen Teil der Spannung, die während Alex‘ Ausbildung aufgebaut wird. Denn das ganze Buch dreht sich darum, wie Alex sich letztendlich verwandeln und wie sie wohl als Drache aussehen wird – eine Überraschung, die erst gegen Ende gelüftet, durch das Cover aber sogar schon vor dem Lesen verraten wird. Es ist ein massiver Spoiler, der damit vergleichbar ist, auf dem Cover eines Mystery-Thrillers den Täter abzubilden.

Glücklicherweise gibt es davon abgesehen noch andere Twists, die ich allesamt nicht kommen gesehen habe und die mich massiv schockierten. Sie waren für mich das beste am Roman, weil sie viele frühere Szenen in ein anderes Licht rückten und absolute „Holy Shit!“-Momente waren. Gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse auf eine Weise, die mich immer noch atemlos zurücklässt, wenn ich daran zurückdenke. Besonders cool war hier auch, dass ich am Anfang natürlich meine eigenen Ideen bezüglich möglicher Twists hatte – und sie sich allesamt als falsch erwiesen.

Was die Charaktere angeht, mochte ich vor allem Erik (Alex‘ besten Freund), Oliphos (ihren Mentor) und Puppin (den Drachenforscher). Die anderen Nebencharaktere stechen nicht ganz so stark hervor wie diese drei, aber dafür zeigten Erik, Oliphos und Puppin umso besser die wichtigsten Werte des Romans, jeder auf seine eigene Weise.

Wer Drachen liebt und eine spannende Handlung mit besonders dramatischen Twists lesen möchte, findet hier ein persönliches Highlight!

Kill for Me
512 Seiten

Seit Amanda ihre kleine Tochter und ihren Ehemann verloren hat, denkt sie nur daran, wie sie deren Mörder möglichst unauffällig umbringen kann. Nach einem gescheiterten Versuch wird sie in eine Gruppentherapie gesteckt, wo sie Wendy kennenlernt, die ebenfalls einen schweren Verlust erlitten hat und den Wunsch nach Rache verspürt. Wendy schlägt ihr gemäß "Zwei Fremde im Zug" vor, ihre Mörder zu tauschen. Doch der Plan geht schief und Wendy verschwindet spurlos, woraufhin Amanda alles in ihrer Macht Stehende tun muss, um sie wiederzufinden und gleichzeitig der Polizei zu entkommen ...

Steve Cavanagh gehört fraglos zu meinen Lieblingsautoren und in diesem Thriller hat er wieder einmal gezeigt, warum: Er schreibt so unglaublich spannend, dass es fast unmöglich ist, sich seinem Sog zu entziehen. Ich war am Anfang erst mal emotional an Amanda gebunden, weil ihr Verlust auf sehr gefühlvolle Weise beschrieben wird, bevor die eigentliche Handlung Überhand nimmt und für ein rasantes Leseerlebnis sorgt. Es war so leicht, mit ihr mitzufiebern, weil sie eine sympathische Heldin in einer sehr schwierigen Situation ist.

Das gleiche gilt auch für die zweite Protagonistin Ruth, die am Anfang eine Messerattacke überlebt und seitdem panische Angst hat, dass der Mörder zurückkommen könnte, um ihr den Rest zu geben. Auch ihre Geschichte fängt emotional an, bevor sie, ähnlich wie Amanda, in Situationen gezwungen wird, die sie heillos überfordern.

Twists gibt es natürlich so einige und sie waren ausgesprochen zufriedenstellend, weil sie die perfekte Mischung aus überraschend und logisch waren. Manche sah ich vage kommen, aber andere haben mich ganz schön unerwartet getroffen, obwohl sie im Nachhinein perfekt ins Puzzle passten. Ein besonders großen Lob für das Ende, das alle Handlungsstränge zufriedenstellend abschließt und mich regelrecht atemlos an den Seiten hielt.

Wer Steve Cavanagh, aber auch allgemein packende Thriller mag, die ihre Spannung tatsächlich über das ganze Buch hinweg halten, wird hier einen besonders großartigen finden!

(Tatsächlich habe ich mir nun "Zwei Fremde im Zug" gekauft, weil ich so gespannt bin, wie die Originalidee wohl umgesetzt wurde!)

Firewatch
451 Seiten

Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …

Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.

Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.

Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.

Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!

Pina fällt aus
270 Seiten

Pina kümmert sich hingebungsvoll um ihren zwanzigjährigen Sohn Leo, der in seiner eigenen Welt lebt und nur sie als Stütze hat. Doch als sie beim Einkaufen zusammenbricht und in die Intensivstation eingeliefert wird, bleibt Leo ohne sie zurück und es liegt an den Nachbarn, ihn zu unterstützen: Inge, die Seniorin, die seit anderthalb Jahren ihre Wohnung nicht verlassen hat und immer noch um ihren verstorbenen Ehemann trauert; Zola, die Zockerin, die von ihrer Familie rausgeworfen wurde und einen Hang zum Stehlen hat; und Wojtek, der Einsiedler, der Kristallfiguren sammelt, weil er in die Verkäuferin verliebt ist. Sie schließen sich zusammen, um Leo zu helfen und schließen ihn schon bald ins Herz …

Dieser schöne Roman hat einen autistischen Charakter im Fokus, der mit viel Empathie erzählt wird, obwohl er selbst keine Sichtweise bekommt: Leo, den ich am Anfang als sehr schwierig empfand, der mir aber im Lauf der Handlung immer sympathischer wurde, sodass ich die Sichtweise der anderen Charaktere umso besser nachvollziehen konnte. Denn am Anfang fühlen sich alle verständlicherweise überfordert von ihm, doch je mehr Zeit sie mit ihm verbringen, desto mehr beginnen sie, ihn lieb zu gewinnen, sich wohl bewusst, dass sie ihn nie ganz verstehen werden.

Zudem haben alle drei Charaktere – Inge, Zola und Wojtek – ihren eigenen Handlungsstrang, denn alle haben Probleme, denen sie sich zwar bewusst sind, gegen die sie aber nichts tun. Ich war überraschend investiert in alle Handlungsstränge und wollte wissen, in welche Richtung sie sich entwickeln würden; zwar finden nicht alle Charaktere ein geschlossenes Ende, aber trotzdem eines, das mir gefiel.

Leo hat mir sehr leidgetan, weshalb es sehr schön war, den Charakteren dabei zuzusehen, wie sie sich für ihn erwärmten und ihn in ihren Alltag integrierten. Es war einfach so zufriedenstellend, die Entwicklung von allen Charakteren mitzuverfolgen!

Auch Pinas Sichtweise im Krankenhaus fand ich interessant zu lesen und ich konnte ihren Drang, nach Hause zurückzukehren, sehr gut nachvollziehen. Allgemein gab es so viele wunderbare Momente, die mich berührten und für ein großes Lesevergnügen sorgen.

Insgesamt ein sehr schöner Roman, der mit viel Liebe geschrieben ist!

Blood over bright haven
480 Seiten

Sciona ist fest entschlossen, als erste Frau die Magierprüfung zu bestehen, ein Ziel, auf das sie ihr ganzes bisheriges Leben hingearbeitet hat. Doch nie hätte sie geahnt, dass mit dem Status der Hochmagierin die Probleme nur größer werden: Nicht nur wird sie immer noch nicht ernst genommen, sondern bekommt für die Aufgabe, den Schutzschild um die Stadt zu erweitern, den Hausmeister Thomil als Assistenten. Sciona, die gegenüber ihm und seinem Volk Vorurteile hat, stellt bald fest, dass mehr hinter Thomil steckt, als es zunächst den Anschein hatte. Und dann macht Sciona eine furchtbare Entdeckung, die ihr ganzes Weltbild auf den Kopf stellt und sie dazu zwingt, ihrer eigenen Ignoranz ins Gesicht zu sehen …

Dieser Fantasy-Einzelband ist eine so großartige Empfehlung, dass ich es mit jedem Kapitel mehr bereut habe, ihn nicht schon vorher gelesen zu haben. Zugegeben hatte ich bei der Kurzbeschreibung die Befürchtung, dass er wie so viele andere Fantasyromane mit Misogynie als Thema in klischeehafte Bahnen abrutschen wird, aber zu meiner Freude war Sciona tatsächlich die geniale Magierin, als die sie dargestellt wird, ohne beim Anblick des ersten gutaussehenden Mannes ihre Prinzipien zu verraten. Gleichzeitig ist sie vorurteilsbehaftet und ignorant in ihrem Optimismus, lernt aber auch aus ihren Fehlern und büßt nie die Kompetenz ein, die ihr ihre Stellung einbrachte. Ihre Stärken und Schwächen haben sie zu einem einnehmenden Charakter gemacht, mit dem ich sehr mitgefiebert habe.

Auch Thomil war wunderbar und stellte Scionas Weltbild mit seinen scharfen Argumenten infrage. Ihre Dynamik hat mir sehr gefallen, weil sie nicht nur allgemein eine gute Chemie miteinander haben, sondern so erfolgreich zeigten, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der einen herausfordert, statt in allem zuzustimmen. Wichtig ist es für Leser:innen nur zu wissen, dass die beiden zwar Anflüge einer Romanze haben, es im Roman aber um so viel mehr geht. Ihre Szenen waren stets wunderbar zu lesen, aber erfrischenderweise nicht das Zentrum des Romans.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, ihre Ansichten dafür umso stärker. Nicht nur, was die Misogynie betrifft, sondern allgemein die Art und Weise, wie man sich so sehr an ein Weltbild klammern kann, dass man für logische Argumente nicht mehr offen ist – etwas, an dem wir vermutlich alle mitschuldig sind. Tatsächlich hat der Roman in einem bestimmten Aspekt mein eigenes Weltbild verändert, so erfolgreich zeigte M. L. Wang diejenigen in ihrem Roman. Besonders gut fand ich auch, dass für uns Leser:innen die Ungerechtigkeit und fehlende Logik gewisser Sichtweisen offensichtlich ist, ohne dass das extra angesprochen werden musste.

Die Welt, die Magie, die Handlung und die Charaktere haben wunderbar miteinander harmoniert. Gerade das Worldbuilding hat mir sehr gefallen, weil die Welt sich so real anfühlt, die Handlung sich realistisch entwickelt und die Magie so ausgearbeitet ist, und das alles in einem einzigen Band! Der Twist, der alles noch einmal in eine andere Perspektive rückt, war schockierend und gleichzeitig logisch, das Ende sowohl tragisch als auch hoffnungsfroh und gerade deshalb perfekt. Rundherum ein Roman, der mich mit jedem Kapitel mehr beeindruckt hat!

Meine einzige kleine Kritik betrifft die deutsche Übersetzung, denn ich fand ungewöhnliche viele kleine Rechtschreibfehler. Kleine Tippfehler an sich sind durchaus verständlich, aber die Anzahl hier war dann doch hoch genug, dass ich sie hier ansprechen wollte. Meiner Freude an der Handlung hat das glücklicherweise keinen Abbruch getan, aber bei einer Wiederauflage hoffe ich, dass diese vielen kleinen Fehler verbessert werden.

Ein eindeutiges Highlight, von dem ich wirklich wünschte, ich hätte es schon früher entdeckt!

Twice
320 Seiten

Mit acht Jahren entdeckt Alfie seine besondere Fähigkeit: Er kann jeden Moment seines Lebens wiederholen – allerdings nur einmal, und er ist gezwungen, mit den Konsequenzen seines zweiten Versuchs zu leben. Zwar hat seine Fähigkeit durchaus Grenzen, doch schafft Alfie es insgesamt hervorragend, sich durch sein Leben zu schleichen. Bis er sich in Gianna verliebt. Denn was er bereits feststellen konnte: Sollte er es vermasseln, wird Gianna sich kein weiteres Mal in ihn verlieben …

Das Konzept der Handlung faszinierte mich sofort und es war glücklicherweise auch sehr gut umgesetzt. Alfie benutzt seine Fähigkeiten oft und in der Regel während Szenen, die ich ebenfalls rückgängig gemacht hätte, was es leicht gemacht hat, sich in ihn zu hineinzuversetzen. Es gibt auch ein paar kreative Nutzungen, gerade bei denen, die längere Zeitspannen erfordern, weil Alfie zwar zu jedem Moment zurück kann, die Zeit bis zur Gegenwart aber tatsächlich leben muss.

Allerdings hätte ich mir gerne noch mehr negative Konsequenzen bei seinen Wiederholungen gewünscht. Am Anfang wird betont, dass das zweite Mal nicht immer besser als das erste Mal ist, aber es gibt erstaunlich wenige Momente, bei dem das tatsächlich umgesetzt wurde. In der Regel gelingt es Alfie problemlos, seinen zweiten Versuch perfekt hinzukriegen, weshalb ich mir gerne noch mehr Szenen gewünscht hätte, in denen gezeigt worden wäre, wie Alfie scheitert.

Das Framing der Geschichte ist großartig: Alfie, der in der Gegenwart wegen einem Casino-Betrug festgenommen wird und daraufhin seine Geschichte erzählt bzw. aus seinem Buch vorliest. Die Art und Weise, wie die Handlungsstränge zueinander finden, war wirklich sehr zufriedenstellend!

Interessanterweise kamen mir Alfie und Gianna nicht wie ein Traumpaar vor, sondern wie eines, dem es bestimmt war, einander zu verlieren. Die zweite Hälfte der Handlung, die sich mehr auf ihre Romanze und die Dramen in ihrer Beziehung fokussiert, war mir etwas zu klischeehaft, aber gleichzeitig war es faszinierend zu sehen, wie Alfie trotz seiner zweiten Chancen Schwierigkeiten hatte, sie gut zu nutzen.

Einen Charakter, den ich unbedingt erwähnen muss, ist Wesley. Er ist Alfies bester Freund aus der Schule und hat nur wenig Screentime, war aber ein so großartiger Charakter, dass er sich mir nichtsdestotrotz eingebrannt hat. Gerne hätte ich noch mehr von anderen Charakteren gesehen, aber es hat mir gefallen, was für einen starken Eindruck Wesley hinterließ!

Insgesamt ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt, seine Idee gut umgesetzt und nur bei der Liebesgeschichte ein wenig schwächelt. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich möchte nun unbedingt frühere Bücher von Mitch Albom lesen!

Kleopatra
465 Seiten

Mit achtzehn Jahren wird Kleopatra Pharaonin, doch fühlt sie sich unsicher, wie sie ihre Herrschaft sichern und führen soll. Ihre göttliche Gabe hat sich nie gezeigt und üble Gerüchte bedrohen ihren Posten zusätzlich. Doch ist Kleopatra entschlossen, Ägypten zu beschützen – was es sie auch kosten mag ...

Dieser Roman hat mich realisieren lassen, dass mein Wissen über Kleopatra nicht über die Oberfläche hinausreicht, aber obwohl Saara El-Arifi sich natürlich Freiheiten nimmt (speziell dadurch, dass die Geschichte einen Hauch von magischem Realismus hat), habe ich das Gefühl, Kleopatra mit diesem Roman tatsächlich kennengelernt zu haben.

Die Geschichte ist zunächst ungewöhnlich erzählt, denn Kleopatra als Erzählerin ist sich ihres eigenen Todes und ihren Darstellungen in der Moderne bewusst, wodurch es so wirkte, als würde sie die Geschichte aus dem Jenseits heraus erzählen. Das war zunächst gewöhnungsbedürftig, denn obwohl diese Referenzen an die Zukunft nicht übermäßig benutzt werden, verwirrten sie mich trotzdem.

Der eigentliche Schreibstil ist aber ausgesprochen angenehm zu lesen, sodass ich richtig durch die Seiten flog. Am meisten packte mich Kleopatras Entwicklung: Am Anfang ist sie eine unsichere junge Frau, die durch ihre Erlebnisse oft gezwungen ist, unmoralische Dinge zu tun, die sie aber auch selbstbewusster und entschlossener machen, bis sie zu einer würdevollen Pharaonin wird. Diese Entwicklung findet langsam und gemächlich statt, was sie sehr nachvollziehbar und realistisch machte – definitiv die größte Stärke des Romans!

Von den anderen Charakteren hoben sich Charmion (Kleopatras Vertraute) sowie Caesar und Marcus Antonius hervor. Charmion war ein unglaublich hilfsbereiter Charakter, die mir schnell ans Herz gewachsen ist; und auch Caesars und Marcus' Darstellung mochte ich sehr, obwohl sie im Vergleich nicht mal so viele Szenen haben (doch definitiv genug, um sich hervorzuheben). Ich verstand auf jeden Fall, warum Kleopatra alle drei so liebte.

Insgesamt ein schöner Roman, der Kleopatras Lebensgeschichte auf erfrischende Weise neu interpretiert!

Secrets of Black Manor (1). Die Gabe der Träumer
352 Seiten

Luca ist erstaunt, als an seinem dreizehnten Geburtstag ein seltsames Zeichen auf seinem Handgelenk und ein noch seltsameres Wesen auf seinem Bett auftaucht. Zunächst hält er es für einen Streich von seinem Zwillingsbruder Jannis, bis der zwielichtige William Gray mit ihm Kontakt aufnimmt und ihn darüber unterrichtet, dass Luca in seinen Träumen magische Wesen erschaffen kann. Doch erst, als Luca tatsächlich eins erschafft, begreift er, dass er Wills Hilfe braucht, wenn er herausfinden will, was mit ihm los ist. Doch kann er Will wirklich vertrauen? Und was ist mit Blake, Wills Zwillingsbruder, der seine eigenen Pläne mit Luca zu haben scheint? Luca ist bereit, es herauszufinden …

Dieses Kinderbuch liefert ein spannendes und kreatives Abenteuer, das mich gleich auf mehrere Weisen positiv überrascht hat! Vor allem, was die Handlung angeht, gab es viele unerwartete und klischeefreie Entwicklungen, die ich nicht kommen gesehen habe. Allein schon beim grundsätzlichen Charakteraufbau (dass sowohl der Protagonist als auch sein Mentor Zwillingsbrüder haben) hatte ich sofort ein paar Vermutungen, was die Handlung betrifft, aber zu meiner Erleichterung vermied Marisa Hart hier sämtliche Klischees. Selbst bei dem offensichtlichen Twist bezüglich eines Nebencharakters (bei dem ich mir durchaus gewünscht hätte, dass er ein wenig früher offenbart worden wäre) fand die Autorin einen Weg, ihn erfrischend zu machen, was ich ebenfalls nicht erwartet habe. Hier ein wirklich großes Lob dafür, dass die Handlung so kreativ war!

Auch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander überraschten mich positiv, sodass es mir schwer fällt, hier einen Liebling zu wählen. Lucas Beziehung zu Jannis, seinem Zwillingsbruder, Ben, seinem Klassenkameraden und Will, seinem Mentor waren allesamt großartig umgesetzt. Es war so wunderbar, dass Luca und Jannis tatsächlich über ihre Probleme geredet haben, was zu einer unglaublich zufriedenstellenden Entwicklung führte. Auch Lucas und Bens etwas-mehr-als-freundschaftliche Beziehung hat mich gefesselt und ich hoffe sehr, dass der zweite Band sie weiter vertiefen wird. Und zuletzt fand ich auch Luca und Will und die Art und Weise, wie sie beide aus ihren Fehlern lernten, sehr schön. Dadurch, dass Luca Will zunächst nicht vertraut und sich leicht von Blake beeinflussen lässt, macht er leider ein paar vermeidbare Fehler, aber sowohl er als auch Will lernen aus ihrem Verhalten und bessern sich im Lauf der Handlung.

Kritik habe ich höchstens an den Nebencharakteren, die relativ flach bleiben; die Fieslinge aus der Schule bekommen keinerlei Tiefe, sondern sind einfach gemein, und ich hätte mir auch mehr Action von den weiblichen Charakteren gewünscht, die zwar wichtige Momente bekommen, aber insgesamt nicht allzu relevant für die Handlung sind. Allerdings bin ich ziemlich optimistisch, dass Marisa Hart diesen Aspekt im zweiten Band verbessern kann, da ihre Charaktere insgesamt sehr gut gezeichnet sind.

Die verschiedenen Traumwesen haben mich sehr begeistert. Von ihren Welten hätte ich gerne noch mehr gesehen, aber die Traumwesen selbst waren sehr kreativ und wurden vor allem sehr gut in der Handlung eingesetzt. Ein wenig deus-ex-machina-mäßig waren sie teilweise schon, aber immer noch im logischen Rahmen, sodass mir das nichts ausmachte. Und wie gesagt sind die Wesen selbst einfach großartig!

Das Ende lässt einige Handlungsentwicklungen offen, sodass ich mich schon sehr auf den zweiten Band freue! Am Ende habe ich nur noch zu sagen, dass ich die Karte und die anderen Illustrationen im Buch sehr mochte, weil die Karte zu den wenigen gehört, die tatsächlich hilfreich sind und die Illustrationen es vereinfachten, mir speziell die verschiedenen Wesen besser vorzustellen.

Insgesamt also ein wunderbares Fantasyabenteuer, das sicher nicht nur Kindern gefallen wird!