Bücherregal lädt …
Carl's Doomsday Scenario
448 Seiten

Carl und Prinzessin Donut sind in der dritten Ebene angelangt, wo eine neue Art von Herausforderung auf sie wartet: Quests. Mordecai, der zu ihrem Manager geworden ist, rät ihnen dringend, sie nicht anzunehmen, weil sie nur wenig Zeit haben, die Ebene zu schaffen, doch natürlich werden Carl und Donut trotzdem in zwei spektakuläre Quests hineingezogen …

In diesem Band wird die gesamte dritte Ebene des Spiels behandelt, was mich zugegeben überraschte – da im ersten Band die erste und zweite Ebene beschrieben wurden, hatte ich erwartet, zumindest ein paar Bände lang zwei Ebenen pro Buch zu lesen. Tatsächlich wäre mir die Reihe etwas zu lang, wenn jede der kommenden fünfzehn Ebenen ein Buch bekommt, denn schon hier im zweiten Band habe ich mir gewünscht, dass die zwei Quests, die Carl und Donut bearbeiten, in zwei Ebenen stattgefunden hätten.

Was die Quests selbst angeht, fand ich die erste mit dem verfluchten Zirkus durchaus interessant und das Finale der Quest gelungen, aber die wahre Stärke des Romans war definitiv die zweite Quest mit den ermordeten Prostituierten, die nicht nur überraschend spannend zu lesen war, sondern in einem wahrhaft epischen Ende gipfelte, das zu meinen absoluten Lieblingsszenen gehört.

Carl und Donut waren in diesem Band weiterhin genial und ich mochte ihre Schlagabtäusche sehr, sie sind und bleiben eine große Stärke des Romans. Was ich dagegen sehr vermisste, waren andere Crawler. Erst ab der zweiten Hälfte spielen sie überhaupt eine halbwegs wichtige Rolle (und ich mochte Katia, die zwar spät zu Carl und Donut stößt, aber einen sympathischen Eindruck machte), aber in der ersten Hälfte werden sie höchstens erwähnt und gaben eine große Schwäche des Quest-Prinzips preis:

Obwohl die NPCs des Spiels auf ihre Weise durchaus lebendig sind, fand ich es schwer, mich tatsächlich um sie zu sorgen. Viel mehr hätte ich mir gewünscht, mehr von den anderen Crawlern zu sehen. Carl und Donut zum Beispiel mit anderen Crawlern zusammenarbeiten zu lassen, um Quests abzuschließen, wäre meiner Meinung nach ein guter Weg gewesen, auch wirklich mit den Quests mitzufiebern und sie nicht als unwichtige Nebenquest zu empfinden. Die zweite Quest mochte ich zum Beispiel nicht zwingend, weil ich sie besser fand, sondern weil das Leben anderer Crawler auf dem Spiel stand; aber selbst, wenn dem nicht so gewesen wäre, fand ich sie allein durch das Auftauchen anderer Crawler interessanter (und relevanter für die Handlung) als die pure NPC-Zirkus-Quest.

Insgesamt immer noch ein guter Band, der vor allem durch Carls und Donuts Chemie brilliert, doch hoffe ich sehr, dass wir im nächsten Band noch mehr von den anderen Crawlern sehen werden!

Kian und das Erbe des Lichts
304 Seiten

Seit zwölf Jahren gab es keinen Sommer und keine neuen Kinder, doch der zwölfjährige Kian hätte trotzdem nicht erwartet, dass ausgerechnet er, das jüngste Kind, die Macht haben soll, den Sommer zurückzuholen. Dafür muss er in die Unterwelt Annwn reisen und dort einen Weg finden, König Arawn zu besiegen, der über den Winter wacht und verschiedene Drachenarten kontrolliert. Seine Freunde Deryn, Finn und Eos helfen ihm dabei, doch letztendlich liegt es an ihm, die wichtigste Fähigkeit von allen zu Meistern: Das Heraufbeschwören eines Wasserpferds …

Dieses Kinderbuch bietet ein sehr cineastisches Abenteuer, das mir gut gefallen hat, doch bevor ich darauf eingehe, muss ich unbedingt auf eine verpasste Gelegenheit aufmerksam machen, an die ich über den ganzen Roman hinweg dachte: Wie schade ich es fand, dass Kian nicht von seinem besten Freund Jona begleitet wurde. Die wenigen Szenen, die sie im ersten Kapitel hatten, haben mich sehr beeindruckt und mich wünschen lassen, noch mehr von ihnen zu sehen, aber leider taucht Jona nur noch einmal kurz am Ende auf. Zwar denkt Kian natürlich regelmäßig an ihn und er dient auch als Motivation, seine Aufgabe gut zu erledigen und nach Hause zurückzukehren, aber ich kam nicht umhin, mir zu wünschen, z.B. Jona und den fröhlichen Finn zu ein und derselben Person zu machen, allein schon, damit diese einnehmende Freundschaft über das erste Kapitel hinaus bestehen kann. (Dasselbe gilt teils auch für Kians Eltern, von denen ich zwar durchaus erwartet habe, dass er sie verlassen muss, von denen ich mir aber auch gewünscht hätte, sie an seiner Seite zu sehen, weil ich sie so mochte.)

Gut, nachdem ich das losgeworden bin, kann ich auf den eigentlichen Roman eingehen, der meiner Meinung nach vor allem durch die bereits erwähnten cineastischen Szenen brilliert. Und das liegt nicht nur an den wunderschönen Innen-Illustrationen von Marina Vidal oder an dem wunderschönen Cover von Khadijah; Caryl Lewis‘ Schreibstil erlaubte es auch so, mir viele Szenen mühelos vorzustellen, von Kian, der sein Wasserpferd heraufbeschwört und reitet (was meine persönlichen Lieblingsszenen waren) bis zu ruhigeren Momenten mit seinen Freunden, spannenden Momenten mit den feindseligen Drachen und vielen Szenen mehr. Die Handlung lief fast schon wie ein Film vor mir ab und das gefiel mir sehr gut.

Deryn, Finn und Eos hätte ich gerne noch mehr kennengelernt; ich mochte sie durchaus (auch, wenn ich eine falsche Fährte bezüglich einem von ihnen etwas zu offensichtlich fand), aber ich wünschte, ich hätte in ihrer Freundschaft die Tiefe gesehen, die mich bei Kian und Jona trotz ihrer stark begrenzten Screentime so beeindruckt hat. Natürlich ist das hier ein Kinderbuch, bei dem man nicht unbedingt die Zeit hat, sich alles langsam entwickeln zu lassen, aber es mangelte mir trotzdem stark an mehr Informationen, Gesprächen und persönlichen Szenen mit den drei, die es mir erlaubt hätten, sie näher kennenzulernen.

Das Finale und Ende waren sehr zufriedenstellend und enthielten eine Botschaft, die ich gerne auch außerhalb von Kinderbüchern lesen möchte, wobei das Ende durchaus Raum für mehr Abenteuer lässt, die Geschichte aber so gut abschließt, dass ich sie auch als Einzelband mit Freuden akzeptiere. Sie bot schlicht ein spaßiges Abenteuer, das sich auch wirklich wie eines anfühlt!

Dungeon Crawler Carl
481 Seiten

Carl überlebt die Apokalypse nur zufällig, als er Donut, die Katze seiner Exfreundin, aus einem Baum rettet. Die Erde wurde von Außerirdischen eingenommen, die für die Millionen Überlebenden, die es noch gibt, etwas ganz Spezielles planen: Eine Spielshow, bei dem sie sich durch mehrere Ebenen kämpfen müssen, wie in einem Videospiel, mit Achievements, Leveln und vielem mehr. In Ermangelung besserer Möglichkeiten wird auch Carl zusammen mit Donut ein Dungeon Crawler – und gerät so in ein gefährliches, abgefahrenes Abenteuer …

Wie wohl viele andere hatte ich viel Gutes von dem Buch gehört, doch der Hauptgrund, aus dem ich es las, war letztendlich persönliches Interesse: Eine Spielshow, die sich an Videospielen orientiert und sowohl humorvoll als auch spannend ist, klang schlicht sehr nach meinem Geschmack. Und tatsächlich war es für mich als Videospielfan besonders spaßig zu lesen!

Ich bin mir zugegeben nicht sicher, ob Leser:innen, die nichts mit Videospielen anfangen können, ebenfalls Freude an dem Buch haben werden, weil es für mich schon sehr stark so wirkte wie ein Buch speziell für Gamer. Die Level, Monster, Achievements, Fähigkeiten usw. spielen eine große Rolle und waren hervorragend umgesetzt, aber gerade deshalb vielleicht irritierend für diejenigen, die keine Spiele spielen, obwohl durchaus alles erklärt wird. Das nur als Anmerkung, falls man diesbezüglich unsicher sein sollte.

Die eigentliche Handlung erstreckt sich über zwei der achtzehn Level, was mich zunächst überraschte, weil ich erwartete, dass mehrere Level in dem Buch vorkommen werden, doch letztendlich bin ich dankbar, dass den Leveln so viel Zeit gegeben wurde. So lernen wir nicht nur Carl und Donut sehr gut kennen (die beide fantastische Protagonisten sind), sondern auch das Spiel selbst und alles, was damit zu tun hat. Es ist sehr deutlich, dass sehr viel Liebe hinter dem Design steckt, denn die Welt ist so voller Details, dass es fast schon absurd ist. Der Autor hat wirklich an alles gedacht und vermutlich sogar noch an mehr!

Ich liebte nicht nur Carls Charakterentwicklung und Donuts Charme (sie hat nicht umsonst ein hohes Charisma!), sondern auch, auf welche kreative Weise sie sich der Monster entledigten. Es gibt viele Kampfszenen und ich war positiv überrascht darüber, wie abwechslungsreich und spannend sie gestaltet waren. Gerade die Bosskämpfe waren großartig, aber auch in anderen Gefechten bewies Carl immer wieder sein schnelles Denken und seine Kreativität. Das fand ich wirklich großartig!

Andere Charaktere stechen so halb hervor; ich mochte die Nebenstory mit Brandon, Agatha und mehreren Senioren, denen sie durch den Dungeon helfen wollen, aber um die Charaktere wirklich kennen- und lieben zu lernen, hätten sie noch etwas mehr Screentime gebraucht. Es gibt durchaus gute Ansätze (ich frage mich, was Carls und Donuts Mentor Mordecai wohl durchgemacht hat und was genau in Carls und Donuts Vergangenheiten geschah), aber spätere Bände werden den Nebencharakteren hoffentlich noch mehr Zeit schenken. (Zugegeben sind Carl und Donut wirklich das Highlight, aber ich hätte trotzdem gerne noch mehr von einigen Nebencharakteren gesehen.)

Das Pacing war trotz der Tatsache, dass wir nur zwei Ebenen erleben, überraschend gut; ich glaube, nur am Anfang der zweiten Ebene fühlte sich die Geschichte ein wenig langsam(er) an, aber auch hier nahm sie zügig Fahrt auf und triumphierte mit dem wohl besten Bosskampf des gesamten Buches. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr, über die anderen Ebenen zu lesen und hoffe, dass auch hier die Detailliebe gezeigt werden wird!

Insgesamt ein sehr spaßiges Buch, das vor allem für Videospielfans perfekt geeignet ist!

When Dealing With Dragons. Drachengold
426 Seiten

Als die Drachenpflegerin Farren dem Jockey James das Leben rettet, hätte sie nicht gedacht, dass er für seine Genesung an den Hort ihrer Eltern kommt. Die Tatsache, dass sie ihn nicht leiden kann, ist dabei eine geringfügige Sorge, denn größere Angst hat sie davor, dass das Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommen könnte. James währenddessen ist schon seit Ewigkeiten in Farren verliebt und leidet unter dem strengen Regime seines Vaters, der eine Zukunft für ihn geplant hat, der James nicht folgen will. Als er Farrens Geheimnis herausfindet, ist er entschlossen, ihr zu helfen, doch auf keinen Fall darf seine Familie davon erfahren – oder von seinen Gefühlen für sie …

Dieser Einzelband war eine sehr positive Überraschung, da ich zwar auf ein gutes Buch gehofft, aber kein so unglaublich gutes erwartet hatte! Allein schon das Worldbuilding ist Gold wert: Die Drachen in diesem Universum überziehen bei Angst ihre Schuppen mit einem bestimmten Metall (Eisen, Zinn, Kupfer, Bronze oder Silber), das auf magische Weise geschmiedet werden kann, weswegen die Drachen aber auch auf mehrere Arten ausgenutzt werden: Für die Rennen und wegen ihrer Schuppen. Das war eine sehr coole, kreative Idee, die zudem sehr gut umgesetzt wurde und natürlich auch für so einige emotionale Szenen sorgte. Deswegen ist dieser Fantasyroman eventuell auch nicht für jeden etwas, aber ich mochte die Art und Weise, wie das Worldbuilding mit der Handlung verwoben wurde.

Aber nicht nur das Worldbuilding war genial, auch die beiden Hauptcharaktere und ihre Romanze war großartig umgesetzt. Farrens Kompetenz und James‘ Entschlossenheit gefielen mir sehr, aber auch die Tatsache, dass sie Fehler machten; es war süß, wie sie sich ineinander verliebten und sich stets gegenseitig halfen. Ihre Romanze war wundervoll, Farrens Hass verwandelte sich auf realistische Weise in Liebe und allgemein gehörten so ziemlich alle Szenen mit den beiden zu meinen Lieblingen.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, aber ich mochte James‘ Freundschaft zu Farrens Vater gern sowie Farrens Freundschaft zu Jeffrey und Shelly, die meiner Meinung nach ein eigenes Buch verdient hätten. Die besten Freundschaften waren jedoch die zu den Drachen: Ich liebte es, wie Farrens und James‘ Drachen tatsächlich eine wichtige Rolle spielten und sehr viele Szenen bekamen, in denen ihre Bindung zu den beiden gezeigt wurde.

Außerdem war das Buch sehr spannend: Die Angespanntheit, die durch Farrens und James‘ Geheimnisse entstand, sorgte für mehrere fesselnde Szenen, auch wenn ich zugegeben fand, dass das Ende ein wenig zu schnell abgewickelt wurde – es war immer noch ein zufriedenstellendes Ende, aber gerade nach den vielen spannenden Szenen war ich überrascht, wie schnell die Handlungsstränge letztendlich aufgelöst wurden.

Insgesamt also ein großartiger Einzelband mit einem wundervollen Worldbuilding, einer süßen Romanze und ein paar tollen Twists!

All the things I didn't say
336 Seiten

Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …

Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!

Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.

Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.

Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.

Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.

Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!

Shadow Reaper
497 Seiten

Viri ist eine Jägerin, die sogenannte Reaper jagt – Menschen, die Kinder töten, um an deren mächtige Magie zu kommen. Als sie auf Dutzende vermisste Kinder aufmerksam wird, fürchtet sie, dass der Reaper-Priester etwas Großes plant, das über deren Tötung hinausgeht – und nur Reeve, ihr ehemaliger Kindheitsfreund, kann ihr Antworten darauf geben. Damals verließ er sie, um die rechte Hand des Reaper-Priesters zu werden, was Viri ihm nie verziehen hat – doch nun braucht sie seine Hilfe, um den Reaper-Priester endlich zu finden und seine Pläne zu stoppen. Und schon bald stellt sich heraus, das vieles, was Viri für selbstverständlich hielt, ganz anders ist, als sie ursprünglich annahm …

Als großer Fan der „Prison Healer“-Trilogie habe ich mich schon sehr auf Lynette Nonis neue Dilogie gefreut und bin froh, dass die Lektüre tatsächlich sehr spaßig und sehr spannend war!

Zunächst einmal ist die Welt, in der die Geschichte spielt, absolut faszinierend. Nonis Worldbuilding um die Obelisken, denen Magie gegeben wird, die Berge, in denen die Menschen leben und den Schwarznebel, der die gesamte Insel einhüllt, war großartig und ich war froh, dass all diese Aspekte tatsächlich eine wichtige Rolle spielten. Zusätzlich gibt es zwischen der Hauptgeschichte Tagebucheinträge des Magiers Kadmus Castro, der damals auf die Insel kam, was das Worldbuilding zusätzlich bereichert hat, vor allem, sobald klar wurde, wie die Tagebucheinträge mit der Hauptgeschichte zusammenhängen.

Dann haben wir natürlich noch die Romanze, die sehr einnehmend und einfach herrlich geschrieben war – Viris und Reeves Schlagabtäusche, aber auch ihre tiefen Gefühle füreinander machten sie zu einem sowohl unterhaltsamen als auch sehr süßen Paar. Ich war positiv überrascht davon, wie sich ihre Romanze entwickelte, denn gerade, weil Viri Reeve für einen kaltblütigen Mörder hält (wobei uns Leser:innen natürlich schnell klar ist, dass das unmöglich so einfach sein kann), war ich nicht sicher, wie realistisch ihre Romanze letztendlich sein würde – aber glücklicherweise ist das Lynette Noni ganz fantastisch gelungen!

Andere Charaktere gefielen mir ebenfalls sehr, vor allem Viris beste Freundin Wynter (die mein Lieblingscharakter war) und Jonas, einer aus Reeves Freundesgruppe. Allerdings muss ich zugeben, dass mir von anderen Charakteren etwas mehr Screentime gefehlt hat – speziell von Soren (Viris bestem Freund) und von Reeves anderen Freunden Sage und Ardin. Sie kamen zwar oft genug vor, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber nicht oft genug, um sie tatsächlich lieb zu gewinnen. Hier finde ich, dass sie Viri und Reeve länger hätten begleiten sollen, um genau wie Wynter und Jonas genug Zeit zu bekommen, unser Herz zu gewinnen.

In diesem Roman gibt es auch sehr viele Twists, wobei speziell der erste und der letzte (bzw. die letzten zwei) mich sehr schockierten, weil ich sie überhaupt nicht kommen sah – aber die mittleren fand ich um einiges offensichtlicher, sodass die größte Spannung eher dadurch entstand, wie Viri auf die Twists reagieren würde und nicht, wie überraschend sie für uns sein würden. Zugegeben habe ich manche auch erst relativ kurz vor ihrer Offenbarung kommen sehen, aber dennoch fiel es mir insgesamt leichter, gewisse Handlungsentwicklungen korrekt vorherzusehen.

Allerdings hat das meiner Lesefreude keinen Abbruch getan, weil die Geschichte stets spannend blieb und es großen Spaß machte, speziell mit Viris und Reeves Romanze mitzufiebern. Von daher würde ich den Roman allen empfehlen, die im Allgemeinen gerne Fantasyromanzen lesen!

Kein Sommer ohne August
405 Seiten

Zwölf Sommer haben Charlie und August miteinander verbracht, doch seitdem haben sie sich zehn Jahre nicht gesehen. Doch nun ist Augusts Großmutter Molly gestorben, in deren Buchhandlung sich Charlie immer zuhause fühlte – und ausgerechnet ihr hat sie die Buchhandlung vererbt. Jetzt ist Charlie gezwungen, August wiederzusehen, was in ihr einen Wirbelsturm der Gefühle auslöst – denn die Gefühle von damals sind noch da, doch sie sind nicht im Guten auseinander gegangen …

Dieser wunderschöne Liebesroman ist wirklich zum Dahinschmelzen und mir ist beim Lesen regelrecht das Herz aufgegangen, weil er so wohlgetan hat.

Zunächst einmal ist er sehr angenehm geschrieben und so bildlich, dass die Handlung wie ein Film vor meinem inneren Auge ablief. Lucy Astner versteht es, die Momente zwischen Charlie und August so zu beschreiben, dass man sie sich mühelos vorstellen kann, was es noch einfacher machte, mit ihrer Romanze mitzufiebern.

Diese war die große Stärke des Romans: Die Romanze der beiden ist so gut umgesetzt, dass ich den Roman als Paradebeispiel für eine tatsächlich romantische Lektüre nennen würde. Die beiden hatten eine fantastische Chemie miteinander, ihre Freundschaft entwickelte sich auf realistische Weise zu einer Romanze und sie selbst waren großartige Charaktere. Ich war investiert in Charlies schwierige Familiensituation und der Beziehung zu ihrer depressiven Mutter, die sich zufriedenstellend entwickelte; aber ich liebte auch August (der sehr starke Golden-Retriever-Boyfriend-Qualitäten hatte) und seine wachsenden Probleme mit seinen scheinbar unerwiderten Gefühlen und den Geschichten, die er schreibt. Das war übrigens ebenfalls süß: Dass die beiden zusammen Geschichten schrieben, wobei August die Geschichten anfing und Charlie sie beendete. Das war nur einer von vielen Aspekten, der ihre Beziehung so stark machte.

Natürlich gibt es so einige „Will they, won‘t they“-Situationen, wo im scheinbar richtigen Moment etwas passiert, das die beiden davon abhält, zusammenzukommen, aber zu meiner Überraschung hat es mir tatsächlich gefallen, dass ihre Romanze auf diese Weise ein wenig länger brauchte. Nur mehr Kommunikation hätte ich mir gewünscht, gerade bezüglich ihrer jeweiligen Geheimnisse; zwar bin ich froh, dass August Charlie (zurecht!) darauf aufmerksam machte, wie wenig ihm ihr Umgang mit einem gewissen Geheimnis half, aber dass ihre Geheimnisse sie so lange voneinander trennen, kam mir nicht ganz realistisch vor. Ich hatte das Gefühl, dass es nur ein wenig mehr Kommunikation gebraucht hätte, um ihre lange Trennung zu verhindern oder zumindest abzukürzen.

Gleichzeitig kann ich meine sonst so ungewollte Miskommunikation nicht als harschen Kritikpunkt sehen, weil die Romanze dafür schlicht zu gut war. Ich konnte die Beweggründe der Charaktere sehr gut verstehen und habe nicht trotz, sondern durchaus auch wegen ihren ungesagten Worten mit den beiden mitgefiebert. Insofern ist das ein Kritikpunkt, über den ich in diesem Fall gerne hinwegsehe, weil er sonst wohl nicht für eine so unglaublich gute Romanze gesorgt hätte.

Was die anderen Charaktere betrifft, war ich gesagt sehr zufrieden damit, wie der Handlungsstrang um Charlies Mutter sich entwickelte, mochte am allermeisten jedoch die stetige Präsenz von Molly, Augusts Großmutter: Obwohl sie physisch gar nicht mal so oft auftaucht, spürt man sie über den ganzen Roman hinweg, weil sie einen so großen Einfluss auf Charlie und August hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen Charakter, der fast nur passiv auftaucht, so liebgewinnen könnte, aber Molly ist zu einem geworden.

Dieser Roman ist definitiv zu meinem Sommer-Highlight geworden und ich empfehle ihn allen, die etwas Wohltuendes, Romantisches und/oder Wunderschönes lesen möchten!

Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht
426 Seiten

Agnes hat Probleme, für ihre Katzenzuflucht ein neues Gebäude zu finden, nachdem das alte zerstört wurde. Als sie von einem verdächtig günstigen Haus hört, dessen vorige Bewohner bereits nach kurzer Zeit ausgezogen sind, würde sie am liebsten ablehnen, ist jedoch zu verzweifelt und zieht zusammen mit ihren aufgesammelten Katzen ein. Wie zu erwarten, lebt im Keller des Hauses der Hexenkönig Havelock Renard, der vor wenigen Jahren beinahe die Welt untergehen ließ. Als jedoch Havelocks Schwester Valérie auftaucht, ahnt Agnes, dass die Sache um einiges komplizierter ist, als es den Anschein hat …

Diese gemütliche Katzen-Fantasy ist genauso herrlich zu lesen, wie ich es mir erhofft hatte und weckt in mir das Verlangen, auch Heather Fawcetts andere Fantasyromane zu lesen, weil mir dieser hier so gut gefallen hat.

Obwohl an sich gar nicht so viel passiert, hat es einfach Spaß gemacht, Agnes bei ihrem Alltag mit den Katzen zuzuschauen, wobei es mir speziell gefiel, wie viele alltägliche Katzen-Begebenheiten beschrieben wurden und wie ihre Vermittlung an andere Familien ablief. Ein paar Katzen (wie Seine Majestät, Banshee und Ambulance) bekommen gute Screentime, aber die allermeisten sind eher dazu da, den chaotischen Alltag in der Katzenzuflucht darzustellen. Das hat mich jedoch nicht gestört, weil der Alltag selbst so spaßig geschrieben war.

Aber nicht nur Katzen spielen eine Rolle: Auch die Beziehung zwischen Agnes und Havelock nimmt viel Raum ein und war hervorragend umgesetzt, weil sie genau die richtige Prise Humor und Chemie hatte. Die Romanze zwischen ihnen ist zwar eher zweitrangig (wenn nicht sogar drittrangig), aber die Charaktere selbst waren wundervoll. Speziell bei Havelock gefiel es mir sehr, dass er ein wenig komplexer war, als ich es erwartete – als grauen Charakter würde ich ihn zwar nicht beschrieben, weil er dafür dann doch zu sympathisch ist, aber die Gerüchte über ihn sind definitiv nicht alle übertrieben.

Mit seiner Hilfe will Agnes die Katzenzuflucht beliebter machen, muss jedoch gleichzeitig aufpassen, dass die Polizei nicht auf die Magie aufmerksam wird. Gleichzeitig sucht sie nach einem magischen Buch, auf das es Havelocks Schwester Valérie abgesehen hat. Dieser ganze Handlungsstrang hat mir sehr gut gefallen, weil er der Geschichte die richtige Prise Spannung gab, während gleichzeitig der Cozy-Anteil der Cozy Fantasy ebenfalls sehr gut umgesetzt wurde. Die Geschichte findet hier eine sehr gute Balance!

Gegen Ende gab es dann noch eine kleine Überraschung, die sich perfekt in die Geschichte einfügte, wobei ich mir vom eigentlichen Ende allerdings mehr von der Romanze erhofft hätte – ich fand es gut, dass sie nicht überbordend vorkam, aber gerade am Ende hätte ich mir dann doch etwas mehr gewünscht.

Insgesamt perfekt geeignet für Cozy-Fantasy-Leser:innen und Katzenfans!

Smash or Pass
257 Seiten

Um zu verbergen, dass sie autistisch ist, hat Ellie sieben Regeln aufgestellt, die ihr das Leben mit ihren Mitschülern vereinfachen sollen. Doch dann macht ihr Freund Daniel mit ihr Schluss, mit der Begründung, dass sie nett, aber langweilig wäre. Entschlossen, ihm das Gegenteil zu beweisen, meldet sie sich im Sommer-Volleyball-Camp SMASH! an, um dort endlich zu lernen, wieder sie selbst zu sein. Die Einzelgängerin Sierra wird zu ihrer Volleyball-Partnerin erklärt, was zunächst einmal wie ein Fehler wirkt – bis die beiden sich näher kennenlernen und Ellie Gefühle für sie zu entwickeln beginnt …

Dieses süße Buch war eine wirklich wunderbare Lektüre für Zwischendurch, bei dem mir interessanterweise besonders die Aspekte gefallen haben, die nichts mit der Romanze zu tun hatten.

So mochte ich es sehr, wie Ellies Autismus und ihre Charakterentwicklung dargestellt wurde, denn obschon vorhersehbar, war es so zufriedenstellend zu sehen, wie sie sich selbst mehr lieben lernt. Hilfe dabei bekommt sie einerseits von ihrem Bruder Noah, andererseits von ihren neuen Freunden im Camp. Beide Beziehungen waren einfach großartig: Noah war mein persönlicher Lieblingscharakter und ich war sehr investiert darin, zu erfahren, wie die geschwisterliche Beziehung sich weiterentwickelt, während die Freunde im Camp zwar keinen ganz so starken Eindruck hinterließen, aber Ellie alle gleichermaßen halfen, sich selbst zu akzeptieren.

Im Vergleich dazu war die Romanze mit Sierra zwar in Ordnung, aber kein Highlight; zwar teilen sie durchaus einige süße Szenen miteinander, aber mir fehlte das gewisse Etwas, das die beiden miteinander verbindet. Zudem war ich kein großer Fans der Tropes, die in der Romanze zum Einsatz kamen, wie die Tatsache, dass Ellie ihre Gefühle erst realisiert, als jemand Anderes sie darauf anspricht (ich hätte es stärker gefunden, wenn sie selbst darauf gekommen wäre) sowie das sehr vermeidbare Missverständnis, das die beiden mit ein wenig Kommunikation hätten klären können. Zugegeben sorgte dieses Missverständnis dafür, dass Ellie den Mut fand, eine ungesunde Freundschaft zu beenden, doch gestört hat mich seine Existenz trotzdem.

Insofern würde ich das Buch nicht unbedingt Romanzen-Fans empfehlen, sondern vor allem denjenigen, die eine hervorragende Charakterentwicklung, eine einnehmende Geschwisterbeziehung und gleich mehrere unterstützende Freundschaften lesen möchten – denn all diese Aspekte waren wirklich großartig umgesetzt!

Freunde fürs Leben
544 Seiten

Schon immer hatte Louisa den Traum, das Gemälde „Das vom Meer“ mit eigenen Augen zu sehen – und nicht nur gelingt ihr das auch, sie begegnet sogar dem Maler und die beiden teilen einen besonderen Moment. In derselben Nacht verstirbt er – und vermacht ausgerechnet Louisa sein wertvollstes Gemälde. Komplett überfordert, bittet sie den besten Freund des Malers, Ted, ihr dabei zu helfen, das Bild weiterzuverkaufen, woraufhin die beiden sich auf eine Reise aufmachen, in der Ted Louisa die Geschichte des Gemäldes erzählt, und wie damals vier Freunde einen unvergesslichen Sommer erlebten …

Ich glaube, dieser Roman könnte mein Jahreshighlight werden, denn obwohl bis dahin noch so einige Monate und Bücher ausstehen, dürfte es schwer für einen anderen Roman sein, mich so viele Dinge auf einmal fühlen zu lassen. Ich habe gelacht, geweint, mitgefiebert und mitgefühlt – und dachte am Ende einfach nur: „Wow.“

Dabei könnte ich es eigentlich belassen, doch möchte ich dann doch versuchen, meine Gefühle für diesen Roman ausführlicher zu beschreiben. Sein Fokus liegt auf der Freundschaft zwischen dem Maler, Ted, Joar und Ali, die im Sommer, in dem sie fünfzehn werden, dem Maler dabei helfen wollen, für einen Wettbewerb ein Gemälde zu malen. Gleichzeitig hat jeder von ihnen sein eigenes Päckchen zu tragen, und die Vergangenheit von allen Charakteren spielt dabei eine genauso große Rolle wie der Sommer, den sie erleben. Jeder hat tragische Erlebnisse hinter sich, die ausführlich und emotional erzählt werden, sodass es leicht war, alle Charaktere ins Herz zu schließen und mit ihrer damaligen Gegenwart mitzufiebern. Die Freundschaft zwischen ihnen war großartig umgesetzt, sehr realistisch und gleichzeitig sehr herzerwärmend.

Aber auch Louisa und Teds Erlebnisse nach dem Sommer werden nicht ignoriert; sowohl Louisas Freundschaft mit ihrer verstorbenen Freundin Fish als auch ihre beginnende Freundschaft mit Ted spielt eine große Rolle und sorgte für viele dramatische, aber, im letzteren Fall, auch für viele witzige Szenen. Louisa hat nämlich einen sehr speziellen Charakter, mit dem sie Ted gehörig auf die Nerven geht und die Leserherzen erfreut. Ich musste bei den witzigen Dialogen zwischen den beiden und Louisas Mangel an einem Gesprächsfilter mehr als einmal herzhaft lachen, was für einen angenehmen Kontrast zu den sonst dramatischen Ereignissen sorgte. Die Balance zwischen den beiden ist hervorragend gelungen und machte den Roman nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig. Es gab viele Sätze, die ich mir am liebsten angestrichen hätte, weil sie eine so wichtige Botschaft enthielten, aber auch viele Sätze, die allein wegen ihrem Humor positiv hervorstachen. Wie gesagt: Ich musste mehrmals weinen, aber auch mehrmals lachen.

Sehr gut war das Foreshadowing umgesetzt. Es bereitet uns Leser:innen im genau richtigen Maße Sorgen, aber gleichzeitig entwickeln sich viele Handlungsstränge anders, als ich zunächst erwartet hatte. Das hat mir sehr gefallen, weil es das Leseerlebnis frisch hielt und meine Erwartungen untergrub. Das beste Beispiel dafür ist definitiv das Ende, das ich natürlich nicht vorwegnehmen will, das mich aber sehr positiv überraschte, weil es einen so zufriedenstellenden Abschluss für die Charaktere bot.

Insgesamt also ein fantastischer Roman, der mich zu Tränen rührte und alle Emotionen von Trauer bis zu Hoffnung fühlen ließ!

Zerstöre den Tag
640 Seiten

Nach Corricks scheinbarem Tod trauert Tessa schwer um ihn und möchte unbedingt nach Hause zurückkehren, was sich allerdings als nicht so einfach herausstellt. Zusammen mit Erik, dem Leibwächter, ist sie zunächst gezwungen, auf einer Insel in Ostria zu bleiben. Corrick wurde ausgerechnet zusammen mit seinem Erzfeind Lochlan gefangen genommen, und noch dazu von Oren Krane. Nur, wenn sie zusammenarbeiten und so tun, als würden sie Oren helfen, bleibt ihnen eine Chance, mit ihren Liebsten wiedervereint zu werden. Und dann ist da noch Harristan, der zusammen mit dem Palastmeister Quint und einigen Wächtern wegen Verrat gesucht wird, weil Konsuln scheinbar Beweise dafür haben, dass Harristan sein Volk vergiftet hätte. Nun muss Harristan das Vertrauen seines Volkes wiedergewinnen, während er nicht weiß, wem er vertrauen soll …

Ich habe das Buch bereits auf Englisch gelesen, weil die deutsche Übersetzung leider ein wenig auf sich warten ließ, doch jetzt, wo sie endlich erschien, war ich unglaublich froh, dieses phänomenale Finale der Mondflor-Trilogie auch auf Deutsch zu lesen!

Tessas, Corricks und Harristans Handlungsstränge und persönliche Beziehungen sind in diesem Band besonders einnehmend beschrieben und es fiel mir so leicht, mich in alle drei Charaktere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern. Die Struktur des Romans ist zugegeben immer noch gewöhnungsbedürftig: Nachdem alle drei Charaktere ein Einstiegskapitel bekommen, folgen wir mehreren Kapiteln zunächst Corrick, dann Tessa, und dann Harristan, bis die Sichtweisen danach wieder durchgemischt werden. Ein Beispiel: Zwischen der ersten und der langen, zweiten Corrick-Sichtweise vergehen nur etwa vierzig Seiten, doch zwischen der zweiten und dritten vergehen über zweihundert, weil die zweiten Sichtweisen der drei Charaktere ordentlich Raum einnehmen. So konnte ich den Handlungssträngen der einzelnen Charaktere zwar besonders gut folgen, wünschte aber zugleich, die Sichtweisen wären schon von Anfang an gut durchgemischt gewesen.

Glücklicherweise sind die Handlungsstränge dafür alle drei hervorragend, sodass mir diese ungewöhnliche Struktur letztendlich nicht SO viel ausmachte. Ich war unglaublich investiert in Corricks und Lochlans schwierige Beziehung, die sich nach und nach in Freundschaft verwandelte, und liebte Corricks zufriedenstellende Charakterentwicklung; ich fand es großartig, wie auch zwischen Tessa und dem Leibwächter Erik eine Freundschaft entstand und wie sie sich entschloss, den Bewohnern der Insel zu helfen, während sie gleichzeitig darum kämpfte, eine Passage nach Hause zu bekommen; und zuletzt habe ich auch mit Harristan mitgefiebert, der an jeder Ecke Verrat fürchten muss, sich aber für sein Volk einsetzt und zudem eine süße Liebesgeschichte mit Quint erlebt. All diese Handlungsstränge waren so emotional und gipfelten in einem großartigen Ende, das mich selbst beim zweiten Lesen zu Tränen rührte, weil es einfach so wunderschön war.

Interessanterweise vergeht gehörige Zeit, bis Corrick und Tessa wieder zueinander finden. In meiner Erinnerung trafen sie sich nach zwei Dritteln der Handlung, aber tatsächlich vergehen ganze fünfhundert Seiten, ehe das geschieht. Etwas, das in anderen Romanen definitiv ein großer Kritikpunkt wäre, sind sie schließlich das Hauptpaar der Reihe; doch obwohl ich mir durchaus gewünscht hätte, sie wären früher wiedervereint worden, kann ich es einfach nicht als Kritik wahrnehmen, weil ihre einzelnen Handlungsstränge mich umso mehr fesselten. Es war so erfrischend, in diesem Band keinen Fokus auf Romanzen, sondern auf Freundschaften zu haben, zumal sie alle wunderbar umgesetzt waren. Erwähnen wollte ich es trotzdem für diejenigen, die lieber den Romanzen-Aspekt bevorzugen, aber mich selbst störte die lange Trennung nicht.

Insgesamt ein großartiger Abschluss der Trilogie, der vor allem durch seine Charakterbeziehungen brilliert!

Three Shattered Souls
416 Seiten

Nach dem Ende des letzten Bandes fällt es den anderen schwer, ihren ursprünglichen Plan, Yusans Herrscher zu stürzen, in die Tat umzusetzen. Mikail muss sich damit auseinandersetzen, der wahre Herrscher Gayas zu sein. Aeri, die schon mit zwei Artefakten verschmolzen ist, muss sich langsam mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Royo hat Angst um sie, weil er fürchtet, dass Aeris neue Magie sie umbringen wird. Sora trauert um ihre Schwester und hat Angst, dass auch Tiyung in Gefangenschaft gestorben ist. Tiyung währenddessen hat sich mit Hana verbündet, um Sora wiederzufinden. Und alle bereiten sich darauf vor, die Könige Yusans zu stürzen …

Mit diesem Band kommt die „Five Broken Blades“-Trilogie zu einem insgesamt zufriedenstellenden Abschluss, auch wenn ich zugegeben muss, dass mir die Trilogie insgesamt „nur“ gut gefallen hat. Denn meiner Meinung hat sie sowohl eine große Stärke als auch eine große Schwäche: Die große Stärke sind meiner Meinung nach die Charakterbeziehungen. Auch in diesem Band haben mir sowohl die Romanzen als auch die Freundschaften sehr gefallen. Royo und Aeri sind in diesem Band die Hauptromanze und ihre Chemie ist wirklich großartig, während zwischen Sora und Mikael eine überraschende Freundschaft beginnt, die ich nicht kommen gesehen habe und die sich wunderbar entwickelte. Nur zwischen Tiyung und Sora hätte ich gerne mehr gesehen, weil sie für eine lange Zeit voneinander getrennt sind, aber auch nach ihrem Zusammentreffen erstaunlich wenig Zeit miteinander verbringen; so gut ich dafür Tiyungs beginnende Freundschaft zu Hana, einem anderen Giftmädchen, fand, habe ich mehr Szenen zwischen Sora und Tiyung vermisst. Davon abgesehen haben mir die Charakterbeziehungen allerdings sehr gut gefallen und sie sind meiner Meinung nach wie gesagt eine große Stärke des Romans.

Die große Schwäche währenddessen ist für mich der Schreibstil, der sehr schlicht ist und es sehr schwer macht, die Gefühle der Charaktere zu spüren. Allgemein hat der Schreibstil sie nicht klar voneinander abgegrenzt, sodass ich des Öfteren kurz zurückblättern musste, um mich daran zu erinnern, wer gerade erzählt. Aber selbst, wenn ich es wusste, schien es immer eine gewisse Distanz zwischen mir und den Charakteren zu geben; ich fieberte sehr mit den einzelnen Beziehungen mit, aber die Charaktere selbst blieben mir erstaunlich fern. Ein größerer Fokus auf ihr Innenleben wäre mir hier sehr willkommen gewesen.

Obwohl die Handlung manchmal vor sich hinplätscherte, machte mir das nichts aus, weil die Charaktere die Handlung auch so gut trugen; und dann haben wir natürlich das Ende, das leider nicht für alle gut endet, aber für mich trotzdem ein guter Abschluss war. Tatsächlich fand ich es gerade deshalb gut, weil es kein glückliches Ende für alle Charaktere und Paare gibt, sondern ein realistisches, das gut zu den Charakteren und den Entwicklungen der Handlung passt.

Insgesamt also eine Reihe, bei der mir vor allem die Charakterbeziehungen sehr gefallen haben, die aufgrund ihres schlichten Schreibstils aber vermutlich nicht für alle Leser:innen ansprechend sein wird.

Stadt der Sänger und Verschwörer (Stadt der Magier 2)
449 Seiten

Cor soll von der Magierin Maestra Carmen Ascendi ausgebildet werden. Ro, seine beste Freundin, begleitet ihn, obwohl sie selbst keine magischen Kräfte hat. Zunächst hat sie Schwierigkeiten, sich in der Familie einzugliedern, weil sie nicht von allen Familienmitgliedern akzeptiert wird, aber als Maestro Ascendi ihre Begabung für Gerüche entdeckt und Ro selbst die Kommunikation mit den Familienmitgliedern sucht, verbessert sich ihre Situation. Zusammen mit Cor will sie die „graue Krankheit“ untersuchen, die in der Stadt ausgebrochen ist und deren Ursprung niemand bestimmen kann. Im Geheimen helfen sie der Bevölkerung, während sie ihre Nachforschungen anstellen …

Obwohl ich es persönlich besser fände, den zweiten Band mit dem Wissen des ersten Bandes zu lesen, ist es nicht zwingend notwendig, weil Ros und Cors Abenteuer hier recht abgeschnitten von ihrem ersten ist. Leider ist es auch ein schwächeres Abenteuer, bei dem mich einige Aspekte gestört haben.

Zunächst einmal ist die Handlung zu langgezogen. Teils folgen wir Ros Ausbildung und ihrer wachsenden Bindung zu der Ascendi-Familie, teils ihren Untersuchungen mit Cor bezüglich der grauen Krankheit. Beide Aspekte an sich waren gut umgesetzt; ich mochte es, wie Ro speziell mit Livia eine langsame Freundschaft aufbaute, gerade, weil ich das nicht erwartete und es Ros Freundlichkeit hervorhob. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeit entdeckt und einsetzt, war ebenfalls hervorragend und sehr zufriedenstellend zu verfolgen, nachdem sie sich so lange danach sehnte, sich zu beweisen. Der Krimi-Aspekt war ebenfalls interessant, weil ich neugierig mitriet, wie genau die Krankheit wohl ausgebrochen ist und es liebte, Ro und Cor dabei zu verfolgen, wie sie verschiedenen Familien helfen. Doch obwohl all diese Handlungselemente einzeln betrachtet sehr gut umgesetzt waren, waren die einzelnen Handlungsstränge wie gesagt zu lang, zu langsam erzählt und mit vielen Wiederholungen, was die einzelnen Aspekte angeht. Hier finde ich, dass man einen beträchtlichen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne den Charakteren und ihrer Entwicklung zu schaden.

Apropos: Ro und Cor waren mir sympathisch, aber es fiel mir ein wenig schwer, mich in Ro hineinzuversetzen. Sie kam mir seltsam distanziert vor; ihre Handlungen machten sie liebenswürdig, aber ihre Gefühle kamen für mich nicht richtig rüber. (Mit einigen wichtigen Ausnahmen wie ihrem Trauma, das die Altersempfehlung aus gutem Grund für Kinder ab 12 Jahren ansetzt.) Was mich sehr überraschte, war im Übrigen ihre Beziehung zu Cor – für den Großteil des Romans wird hervorgehoben, dass sie ihn wie einen Bruder sieht, weshalb es für mich sehr plötzlich kam, als sich diese Gefühle auf einmal in romantische verwandelten. Allerdings war ihre Beziehung trotzdem sehr einnehmend und eindeutig eine Stärke des Romans.

Die anderen Charaktere machten größtenteils einen guten Eindruck, mit einer wichtigen Ausnahme: Maestra Ascendi, die leider sehr viel unsympathischer als Jonathan Fossell aus dem ersten Band war. Sie hatte zwar ihre positiven Momente, aber für mich reichte das nicht, um sie zu einem sympathischen Charakter zu machen; tatsächlich fand ich sogar, dass die Charaktere ihrem Verhalten gegenüber nicht kritisch genug waren. Denn Maestra Ascendi war nicht nur übermäßig streng, sondern sogar gewalttätig gegenüber ihren Lehrlingen, was von ihnen aber nie so negativ wahrgenommen wurde, wie ich es empfand. Das steht im starken Kontrast zu Jonathan Fossell, dessen väterliche Rolle im ersten Band mir sehr viel besser gefiel.

Insgesamt also ein zweiter Band, der zwar seine Stärken hatte, aber auch wichtige Schwächen, die leider nicht ausgeglichen wurden.

When Shadows Darken the Sun
465 Seiten

In wenigen Monaten beginnen die Tag-und-Nacht-Spiele, in der die Prima des Taghofs, Di, und der Primus des Nachthofs, Nox, gegeneinander antreten müssen, um zu bestimmen, wer von beiden die nächsten dreißig Jahre über den Dritten Hof herrschen wird. Begleitet wird Di von ihrer Zofe Cass, die die unsichere Herrscherin unterstützt und Nox in seine Schranken weisen will. Gleichzeitig sind die beiden fasziniert voneinander, sich wohl bewusst, dass sie Feinde sind. Um Cass‘ besten Freund von einem Fluch zu retten, machen die beiden sich auf eine Reise auf, in der sie sich näher kennenlernen, während das Datum der Spiele immer näher rückt …

Dieser Fantasyroman hat einfach Spaß gemacht – vor allem wegen seinem cineastischen Schreibstil und der gut umgesetzten Romanze. Denn eigentlich sticht er davon abgesehen nicht zu stark hervor, er ist einfach eine klassische Fantasyromanze – und trotzdem ein sehr guter Genuss.

Mit „cineastisch“ meine ich hierbei einen Schreibstil, der er leicht macht, sich alle Szenen tatsächlich gut vorzustellen. Ich war positiv überrascht davon, wie viele denkwürdige Szenen es gab, die sich in mein Gedächtnis einbrannten, wobei mein liebster Teil der Handlung Cass‘ und Nox‘ Rettungsreise war. Hier gab es ein paar meiner absolut liebsten Szenen, weshalb mir dieser Handlungsabschnitt besonders positiv in Erinnerung geblieben ist.

Das liegt auch an den Protagonisten: Cass und Nox sind nicht nur sympathische Hauptcharaktere, sondern haben auch eine hervorragende Chemie miteinander. Zwar finde ich, dass ihre anfängliche Faszination etwas ZU schnell entstand und ich mir hier eine langsamere Entwicklung gewünscht hätte, aber ihre Chemie im Allgemeinen war immer noch großartig. Die Mischung aus schalkhaften Dialogen und genuinen Momenten war schlicht sehr gut dosiert und machte es leicht, mit den beiden mitzufiebern. Insgesamt eine sehr süße Romanze!

Von den anderen Charakteren mochte ich Cass‘ besten Freund Soley und ihre beste Freundin Di am meisten. Charaktere, die wie Soley die Handlung in Bewegung setzen, sind oft erstaunlich unwichtig für die Handlung selbst, aber obwohl ich mir durchaus mehr Screentime für Soley gewünscht hätte, hat er immer noch mehr Relevanz als viele andere vergleichbare Charaktere. Di währenddessen ist eine wunderbar unterstützende Freundin, obwohl sie und die anderen Charaktere zugegeben von mehr Screentime und Entwicklung profitiert hätten; sie haben genug, um mich an sie zu erinnern, aber nicht genug, um sie ins Herz zu schließen.

Die Spiele gehen erst nach dreihundert Seiten los, was mich zwar nicht störte, anderen Leser:innen aber bewusst sein sollte, falls diese sich vor allem auf die Spiele freuen.

Eine große Kritik habe ich allerdings: Die sehr vorhersehbaren Twists. Sogar schon vor dem Lesen ist es sehr leicht, sie zu erraten, sodass ich mir gewünscht hätte, sie wären sehr viel früher offenbart worden, als es der Fall ist. Tatsächlich war es ein wenig erschreckend, WIE vorhersehbar wichtige Handlungsaspekte waren!

Aber hat das meiner Lesefreude geschadet? Nein, nicht besonders. Ja, ich hätte mir eine frühere Offenbarung für die Dinge gewünscht, die mir sehr schnell klar waren, aber die Handlung war immer noch so spaßig geschrieben, dass mich das nicht störte. Wer eine Fantasyromanze lesen will, die sich leicht visualisieren lässt und es leicht macht, mit den beiden Hauptcharakteren mitzufiebern, findet hier eine, die mich sehr gut unterhalten hat!

Die magische Villa – Eine Freundschaft voller Zauber
268 Seiten

Als kleine Kinder haben Lucy und Maya viel Zeit in einer alten Villa verbracht, die inzwischen einer Dame namens Frau Schmitt gehört. Eines Nachts sieht Lucy, wie ebenjene Frau Schmitt inmitten von Nebel auf dem Gelände steht und wie ein unheimliches Wesen aus der Straße ausbricht und entkommt. Zusammen wollen die beiden herausfinden, was es damit auf sich hat. Hilfe bekommen sie von Tim, der ein paar seltsame Aufnahmen gemacht hat, die er untersuchen will. Schließlich finden die drei heraus, dass die Villa in Wirklichkeit ein Refugium für magische Wesen ist – und Frau Schmitt, die eigentlich Sue Rubyred heißt, braucht ihre Unterstützung, um den Wesen zu helfen …

Dieses schöne Kinderabenteuer war angenehm zu lesen, hatte eine tolle Atmosphäre und vor allem einen sehr guten Fokus auf die Freundschaft zwischen den drei Hauptcharakteren. Gerade Lucy und Maya waren großartig, weil sie sich stets unterstützen und ihre wunderbare Freundschaft dadurch hervorragend zeigen, aber auch als Charaktere allgemein mochte ich sie sehr.

Mein Lieblingscharakter war dabei Maya, die mir unglaublich sympathisch war. Sie nimmt einen sehr aktiven Teil in der Handlung ein, ist sehr hilfsbereit und mutig, und mir kam sie stellenweise sogar mehr wie ein Hauptcharakter vor als Lucy. Natürlich bekommt auch Lucy einiges zu tun, aber ich möchte positiv erwähnen, dass ihre beste Freundin nicht einfach nur ein Extra ist, sondern tatsächlich ein gleichwertiger Hauptcharakter mit sehr viel Eigeninitiative.

Die magischen Wesen gefielen mir ebenfalls, wobei ich speziell das Nixenabenteuer mochte. Leider dauert es eine Weile, bis die Charaktere offiziell in die Welt der magischen Wesen eingeführt werden, aber ihre Integrierung in unserer Welt war dafür sehr gelungen.

Insgesamt also ein schönes Kinderabenteuer für Fans von Freundschafts- und Fantasygeschichten!