Bücherregal lädt …
– Die Underwoods - Drowned in Shadows
 477 Seiten

Seit Emmas beste Freundin Blaire gestorben ist, ist Emma entschlossen, den Mord an ihr aufzuklären, denn die Umstände ihres Todes sind zutiefst verdächtig. Obwohl sie eigentlich nicht an Übernatürliches glaubt, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an Talia Underwood, das Medium ihrer Familie, in der Hoffnung, mehr herauszufinden. So lernt sie nicht nur die Underwoods allgemein kennen, sondern findet auch Dinge über ihre beste Freundin heraus, die sie niemals ahnte – und das, während Talia und Emma sich nach und nach ineinander verlieren, was die ganze Familie der Underwoods in Gefahr bringen könnte …

Als großer Fan von Alicia Zett und von Fantasy habe ich mich sehr darüber gefreut, Alicia Zetts ersten Fantasyroman zu lesen – und bin sehr begeistert von der Umsetzung!

Zunächst einmal ist es nicht nur ein Fantasyroman, sondern auch eine Romanze, die durch die Chemie zwischen Emma und Talia richtig aufblüht. Nicht nur waren sie als Charaktere bereits wunderbar (ich mochte vor allem Emma sehr, die ich als Hauptcharakter der Geschichte wahrgenommen habe), sondern auch, wie sich ihre Gefühle über viele Szenen hinweg entwickelten.

Auch die Underwoods sind allesamt charmant und großartig, wobei ich Talias Geschwister Romeo, Raphael und Betty besonders mochte und mich schon darauf freue, im zweiten Band noch mehr von ihnen zu sehen. Unbedingte Erwähnung verdient auch Talias Nebelkrähe Herkules, denn die Schlagabtäusche zwischen ihnen gehörten zu meinen persönlichen Highlights. Die Familie und deren Haus haben mich auf sehr positive Weise an Encanto erinnert!

Neben Talias Familie spielt auch Emmas Mutter eine überraschend große Rolle und ich war positiv überrascht von der Entwicklung, die die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Tochter im Lauf des Romans nahm. Gerade, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass Emmas Mutter überhaupt eine Rolle spielt, die über einen lästigen Nebencharakter hinausgeht, begrüßte ich die Tiefe, die sie bekam. Sogar Blaire, Emmas verstorbene Freundin, hinterlässt einen überraschend starken Eindruck, der es leicht machte, Emmas Trauer mitzufühlen.

In der ersten Hälfte geht es hauptsächlich um Blaires Tod und wie Emma die Underwoods kennenlernt, was ich sehr herzerwärmend fand – die gemütliche Atmosphäre bei den Underwoods war einfach perfekt! Die zweite Hälfte war da schon dramatischer, aber auch das mochte ich sehr, weil es so schön war, Talias und Emmas Liebesbeziehung aktiv zu sehen.

Gegen Ende gab es einen unerwarteten Twist, den ich grandios fand, sowie ein Ende, das mich sehr neugierig auf den zweiten Band macht. Insgesamt haben wir hier eine großartige Urban Romantasy, die mir sehr gefallen hat!

– Once, Again, Always (deutsche Ausgabe)
 376 Seiten

Als Molly nach einem Gehirnschlag im Krankenhaus erwacht, ist sie schockiert, zu erfahren, dass sie die letzten sechs Jahre ihres Lebens vergessen hat – und inzwischen mit ihrem Erzfeind Aster Bishop verheiratet ist. Sie versteht nicht, wie das passieren konnte, ist jedoch entschlossen, es herauszufinden. Allerdings sind sowohl Aster als auch ihre gemeinsamen Freunde seltsam verschlossen, was die vergessenen Jahre betrifft, sodass Molly selbst herausfinden muss, was sich in dieser Zeit verändert hat – und wie sie sich ausgerechnet in Aster verlieben konnte …

Die Kurzbeschreibung des Romans lässt ihn stark nach Romance Suspense klingen, doch in Wirklichkeit fokussiert er sich sehr viel stärker auf die Romanze – und meiner Meinung nach leider nicht erfolgreich. Das liegt vor allem daran, dass ich letztendlich nicht verstanden habe, wie Molly und Aster sich ineinander verlieben konnten, denn die Anziehung zwischen ihnen schien hauptsächlich körperlich zu sein, während das Ungleichgewicht, das durch Mollys verlorene Erinnerungen entsteht, besonders stark hervorstach.

Es gefiel mir vor allem nicht, wie er Molly mit der Begründung, sie zu „schützen“, sämtliche Entscheidungs- und Handlungsgewalt nahm, indem er für sie Entscheidungen traf, gegen die sie sich nicht stellen konnte. Er meinte zwar, er wolle sie mit der Menge an Informationen nicht überfordern, aber dass sie selbst einschätzen könnte, wann etwas zu viel ist, schien ihm nicht in den Sinn zu kommen. Währenddessen war Molly stets sehr erfolgreich damit, ihren Freunden gegenüber zu kommunizieren, wann etwas zu viel wurde, wodurch ich noch weniger verstand, warum Aster ihr das nicht zutraute. Selbst, nachdem ich wusste, was er vor ihr verbirgt, wäre es viel leichter gewesen, mit ihr darüber zu kommunizieren.

In diesem Sinne gefielen mir Mollys Freunde insgesamt besser, vor allem Eli, der einfach großartig war und Molly so viel mehr zutraute als alle anderen. Nur eins gefiel mir an den Freunden nicht: Anstatt Mollys Gesundheitszustand in den Fokus zu stellen, gaben sie ihr das Gefühl, Aster etwas schuldig zu sein. Die ganze Zeit redeten ihre Freunde darüber, wie schlimm es Aster mit der Situation geht und dass Molly ihm gegenüber doch bitte offener sein soll – während niemand Mollys Zustand zu beachten schien. Natürlich hat Aster es auch schwer, das möchte ich gar nicht dementieren, aber von Molly zu erwarten, dass sie sich in die Arme eines Mannes stürzt, den sie als arroganten Idioten in Erinnerung hat, hat mir überhaupt nicht gefallen.

Auch Aster selbst vermittelte ihr meiner Meinung nach den Eindruck, Molly wäre ihm etwas schuldig – besonders problematisch fand ich hier die Szene, in der er sie darum bat, sie zu küssen, weil er bisher so „ungeheuer geduldig“ war. Zwar hatte Molly mitnichten etwas dagegen, aber für mich wirkte das stark so, als würde er sich vor allem nach körperlicher Intimität sehnen und nicht nach emotionaler Bindung.

Hier hat es auch nicht geholfen, dass die „Damals“-Schnipsel, die wir nach jedem Kapitel bekommen, fast ausschließlich seine negativen Seiten zeigen und nicht, wie ich zunächst hoffte, Mollys Erinnerungen. So zufrieden ich mit dem Ende letztendlich war, war es meiner Meinung nach eine verpasste Gelegenheit, uns nicht an ihnen teilhaben zu lassen, weil so Mollys Verlust uns noch deutlicher geworden wäre.

Insgesamt also leider eine Romanze, die zwar eine interessante Grundlage und sympathische Nebencharaktere hatte, mich aber leider nicht überzeugen konnte.

– This Kingdom Will Not Kill Me (Maggie the Undying 1)
 654 Seiten

Eines Tages wacht Maggie plötzlich in Kair Toren auf, dem Schauplatz ihrer liebsten Fantasyreihe. Früh stellt sie fest, dass sie sich am Anfang der Geschichte befindet – und nicht sterben kann. Entschlossen, ihre liebsten Charaktere zu retten, beginnt sie, ihr Wissen um die Welt für sich zu nutzen und Verbündete um sich zu scharen, um die schrecklichen Ereignisse, die in der Zukunft warten, zu verhindern. Doch das ist leichter gesagt als getan: Maggies Wissen ist zwar groß, aber nicht unendlich, und obwohl sie große Veränderungen bewirkt, scheint die Handlung sich gegen ihr Eingreifen zu wehren …

Was für ein fantastischer Roman! Oder sollte ich eher sagen: Was für eine fantastische Protagonistin, denn die ist dafür definitiv der Hauptgrund. Maggie kennt sich nicht nur fantastisch mit der Welt und ihren Charakteren aus, sondern auch mit dem Genre, in dem sie sich befindet und den Erwartungen, die man als Protagonistin eines solchen Romans haben sollte. Das allein schon hat sie zu einer erfrischenden, grandiosen Protagonistin gemacht – und dann wurde sie nur noch besser!

Nicht nur war sie unglaublich sympathisch, sondern auch unglaublich intelligent: Ich liebte die zahlreichen Szenen, in denen sie das Wissen um die Charaktere einsetzt, um ihnen entweder zu helfen und eine bessere Zukunft für sie einzuleiten oder ihnen zu drohen und ihren Einfluss auf die Handlung einzuschränken. Das war so unglaublich zufriedenstellend zu lesen, weil es zwar auch Handlungsstränge gibt, die sie nicht kommen sieht, es aber insgesamt Maggie selbst ist, die die Handlung vorantreibt. Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal eine so aktive, intelligente und sympathische Protagonistin erlebt habe, die nicht nur als solche beschrieben wird, sondern zahlreiche Szenen bekommt, in denen sie ihre Stärken zeigen kann. All diese Szenen gehörten deshalb zu meinen liebsten – es war jedes Mal wieder großartig, wenn Maggie mit ihrem Wissen glänzte!

Und das ist immer noch nicht alles: Ich liebte es auch, wie sie ihr Wissen aus unserer Welt zu ihrem Vorteil nutzte und vor allem, dass sie ihre Freiheit einer Romanze vorzog und für sich selbst einstand, anstatt sich dem männlichen Protagonisten zu unterstellen. Ich hoffe stark, dass das so bleibt, denn ihre Eigenständigkeit gehörte definitiv zu ihren besten Qualitäten; gleichzeitig mochte ich es auch, dass sie nicht perfekt war, Fehler machte, Szenen voller Unsicherheit und Angst hatte und unerwartete Entwicklungen sie hart trafen. Ernsthaft: Sie ist eine der besten Protagonistinnen, über die ich je gelesen habe!

Im Vergleich zu ihr sind die anderen Charaktere zwar schwächer, aber immer noch sympathisch genug, dass man sie leicht ins Herz schließt. Während ich die Romanze vor allem deshalb mochte, weil Maggie ihretwegen ihre Selbständigkeit nicht aufgeben wollte, mochte ich ihre Freundschaften zu den anderen Charakteren (vor allem Aster und Kaiden) sehr. Aber tatsächlich war es Galiene, die ich von allen am meisten liebte: Sie ist eigentlich nur ein Nebencharakter, hinterließ aber einen starken Eindruck als die erste Person, deren Schicksal Maggie zum Besseren wandte.

Was die Geschichte in der Geschichte angeht – mit anderen Worten, die Geschichte, in die Maggie eingreift –, fühlten sie die Welt und die Charaktere sehr realistisch an, nur die Handlung dieser fiktiven Romanreihe blieb recht undurchsichtig. Maggie erwähnte Handlungsstränge zwar und griff aktiv in sie ein, aber dadurch, dass sie vor allem mit Nebenhandlungen zu tun hat, bekam ich keinen Eindruck davon, was eigentlich die Haupthandlung der Kair-Toren-Reihe ist. Mir kam sie ein wenig Game-of-Thrones-mäßig vor (verschiedene Handlungsstränge mit moralisch grauen Charakteren und zahlreichen Toten), aber viel mehr könnte ich nicht über sie sagen.

Doch da ohnehin Maggies Einfluss auf die Geschichte eine größere Rolle spielt als die In-Universe-Handlung, machte mir das nichts aus, weil sie wie gesagt ein fantastischer Charakter war, die die gesamte Handlung bereicherte. Insofern ist diese Geschichte vor allem für Fans von Dark Fantasy geeignet, die aktive Protagonisten lieben!

– Earthbound
 526 Seiten

Die Fae und Elfen bereiten sich auf einen Krieg vor. Yeeran und Furi sehnen sich nach der jeweils anderen, doch die kriegerischen Elfen lassen ihnen keine Zeit, sich ihrer Liebe zu widmen, weil ihre hinterhältigen Pläne Mosima ins Chaos stürzen. Lettle und Alder machen sich derweil auf den Weg nach Caperly, um dort Alders Erinnerungen zu wecken und damit hoffentlich eine Lösung für die Konflikte zwischen den Völkern zu finden, wobei Lettle allerdings nicht die Prophezeiung vergessen hat, laut der sie ihren Geliebten Rayan töten wird …

Mit „Earthbound“ endet die Faebound-Trilogie und zum Glück auf eine zufriedenstellende Weise. Doch nicht nur das Ende war insgesamt gelungen, sondern auch der Band an sich.

Wir folgen zum einen Yeeran und Furi, die versuchen, die Dinge in Mosima wieder in Ordnung zu bringen und zum anderen Lettles und Alders Reise, die das Geheimnis von Alders Vergangenheit lüften soll. Hier war ich zunächst besonders investiert in Lettles und speziell Alders Geschichte; ich fand es so faszinierend, seine Geschichte zu erfahren, denn obwohl ich den Twist dahinter halb ahnte, war die Umsetzung so gut, dass ich jedes Mal darauf hinfieberte, einen ihrer Sichtweisen zu lesen. Sobald dieses Geheimnis aufgelöst wurde, begann ich, mehr mit Yeerans und Furis Geschichte mitzufiebern, denn das Chaos, das in Mosima ausbrach, sorgte für sehr viele spannende und emotionale Momente, die mir sehr gefielen.

Die Romanzen treten eher in den Hintergrund. Am meisten Screentime bekommen hier Yeeran und Furi, die ihre Romanze nach dem Ende des letzten Bandes wieder aufblühen lassen, doch Lettle und Rayan sowie Alder und Golan bekommen dafür kaum Aufmerksamkeit, was ich schade fand, weil ich in beide Romanzen sehr investiert war und deshalb gerne noch mehr von ihnen gesehen hätte.

Am Ende bekommen tatsächlich nicht alle Charaktere das Ende, das ich ihnen gewünscht hätte, aber dafür passten die gewählten Enden so gut, dass ich trotzdem zufriedengestellt war. Zusammen mit dem angenehmen Schreibstil, der spannenden Handlung und den tollen Charakteren bot sich somit eine Leselektüre – und Trilogie –, die mir sehr gefallen hat!

– Kissed by the Gods – Die ewigen Kriege
 619 Seiten

Als Soldaten Leinas Eltern töten und ihre Brüder bedrohen, entwickelt sie übermenschliche Kräfte, mit denen sie sie tötet. Ryot, ein Altor-Krieger, soll sie daraufhin hinrichten – aber als er feststellt, dass sie Altor-Kräfte besitzt, als erste Frau in der Geschichte Aesgroths, bringt er sie stattdessen zu dem Sitz der Altor-Wächter, damit sie dort ihre Ausbildung anfangen kann. Leina, entschlossen, ihrer Familie zu helfen, stimmt zögernd zu, doch mit der Ausbildung beginnen erst die Schwierigkeiten, mit denen Leina sich herumschlagen muss – und zwar, als sie von einer Göttin geküsst wird …

Die Geschichte fängt gut an und entwickelt sich zunächst auch interessant, aber leider gelingt es ihr letztendlich nicht, dieses Interesse konstant zu halten. Das liegt vor allem daran, dass in der langen Mitte der Handlung nur wenig passiert. Es gibt zwar durchaus ein paar interessante Nebenhandlungen und Szenen, aber letzten Endes langweilte ich mich während dieser Durststrecke dann doch ein wenig zu sehr.

Auch, was die Charaktere angeht, konnten diese nicht vollständig überzeugen, auch wenn mir durchaus so einige gefielen. Am Anfang mochte ich Leina zum Beispiel unglaublich gerne, aber irgendwann war sie mir zu fokussiert auf ihre Wut und auch etwas zu übermächtig – nichts gegen wütende und mächtige Protagonistinnen, aber sie sollten auch andere Charakterzüge und Schwächen zeigen. Trotzdem mochte ich sie letztendlich immer noch sehr gern und wünschte, ihre Romanze mit Ryot hätte mir besser gefallen, denn ich empfand sie als sehr schwach, weil Ryot als Charakter so blass blieb und ich nicht verstand, was sie aneinander fanden.

Tatsächlich waren es die Nebencharaktere, die mich am meisten überzeugten: Die Heilerin Elowen war unglaublich sympathisch, Leif und Faelon beide sehr heitere und lebendige Charaktere, die Romanze zwischen Nyrica und Thalric für mich einnehmender als die Hauptromanze und der Älteste ein mysteriöser Charakter. Es gibt sogar noch mehr, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen, aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass ich die Nebencharaktere mehr mochte als die Hauptcharaktere, obwohl sie gar nicht mal so viel Tiefe bekamen. Dafür war ihr Eindruck stets erinnerungswürdig und ich hätte gerne noch mehr zu ihnen erfahren.

Auch die Twists gegen Ende gefielen mir sehr gut, weil sie die richtige Mischung aus überraschend und logisch waren, aber letztendlich reichten sie nicht aus, um den Gesamteindruck wesentlich zu verändern; ich fand die Geschichte mitnichten schlecht, aber leider auch nicht gut genug, um weiterlesen zu wollen.

– Freunde fürs Leben
 544 Seiten

Nur ein einziges Mal will Louisa ihr Lieblingsgemälde in echt sehen, doch hätte sie niemals damit gerechnet, dass dieses Abenteuer damit endet, dass sie das Gemälde vom Maler vererbt bekommt. Komplett überfordert bittet sie Ted, den besten Freund des Malers, ihr dabei zu helfen, einen geeigneten Ort für das wertvolle Gemälde zu finden, woraufhin die beiden eine Reise beginnen, während der er ihr die Geschichte hinter dem Gemälde erzählt: Von dem letzten Sommer, den vier Jugendliche zusammen verbrachten, dem Sommer, der in dem Gemälde verewigt worden ist. Eine Geschichte über Freundschaft, aber vor allem über das Leben: Eine Geschichte, die Louisa hilft, ihren eigenen Platz in der Welt zu finden …

Ich habe das Buch bereits vor einigen Monaten gelesen, doch weil es mich einfach nicht losgelassen hat, musste ich es unbedingt ein zweites Mal erleben. Es fällt mir wirklich schwer, in Worte zu fassen, wie sehr mich die Geschichte von Ted, Joar, Ali und dem Maler berührt hat, denn die Emotionen, die diese vier Freunde in mir hervorrufen, lassen sich nicht leicht beschreiben.

Dabei gibt es bei weitem nicht nur dramatische und tragische Szenen, sondern speziell in der Gegenwart mit Louisa und Ted auch viele, die mich zum Schmunzeln und zum Lachen brachten; aber letztendlich waren es vor allem die traurigen und bittersüßen Momente, die mir am meisten in Erinnerung blieben und mich am meisten beeinflusst haben. Es gab so viele Sätze, die ich mir gerne angestrichen und so viele Szenen, die ich am liebsten in meinem Kopf gespeichert hätte, weil sie so bedeutungsvoll waren und mich zum Nachdenken anregten.

Gleichzeitig wusste ich den Humor in der Gegenwart zu schätzen, weil er einen angenehmen Gegenpol zu den vergangenen Ereignissen bildete. Allgemein gab es in beiden Zeitlinien viele schöne Momente, die ich in meinem Re-Read sogar noch mehr genießen konnte, weil ich nun wusste, was in der Zukunft passiert. Die Freundschaft zwischen dem Maler, Ted, Joar und Ali ist dabei natürlich ein Highlight, weil sie so realistisch und einnehmend beschrieben wurde, aber auch die beginnende Vater-Tochter-Beziehung zwischen Ted und Louisa wärmte mein Herz. Überhaupt sind alle Charaktere auf ihre Arten wunderbar; sogar welche, die in der Handlung gar nicht aktiv auftauchen (wie Fish, Louisas verstorbene Freundin), hinterlassen einen unglaublich starken Eindruck.

Insgesamt ist dieses Buch zu einem richtigen Herzensbuch geworden, weshalb ich es mit Freuden allen empfehle, die emotionale, ergreifende Geschichten lieben, die noch lange nach dem Lesen nachhallen!

– Die Möglichkeit von Liebe
 392 Seiten

Nachdem Lindas baldiger Ex-Mann sie für seine neue Freundin verlassen hat, braucht sie dringend ein wenig Zeit für sich alleine. In einem Sommerhaus, das die beiden vor Jahren gekauft haben und das inzwischen in Vergessenheit geraten ist, hofft sie, sich selbst zu finden – und definitiv nicht, dass ein mysteriöser Teenager mit raspelkurzen Haaren und blauem Pullover sie zu verjagen versucht. Zugleich folgen wir Sam, die auf die distanzierte Martha trifft und sich nach und nach mit ihr anfreundet. Doch wer ist Martha, warum trägt sie stets den gleichen Pullover und hält sich von allen anderen fern? Linda und Sam finden ihre eigenen Antworten darauf …

Die Kurzbeschreibung der Geschichte ist leider sehr irreführend, denn die Handlung, die sie beschreibt, passiert erst nach 180 Seiten und selbst dann gerät sie erst später richtig in den Fokus. Zugegeben: Die Szenen, die Linda und Martha dann miteinander teilen, fand ich tatsächlich großartig, aber bis dahin dauert es eben eine ganze Weile, die nur sehr langsam vergeht. Zudem war ich immer noch investierter in Sams und Marthas Freundschaft, obwohl Sams Kapitel immer um einiges kürzer waren als Lindas.

Außerdem ist Martha nicht mal der wichtigste Charakter in Lindas Geschichte (wenn auch definitiv ein wichtiger), sondern auch der Jurist Frederik, auf den Linda trifft. Ich wusste für eine ganze Weile nicht, was ich von ihm und ihrer wachsenden Beziehung halten sollte, denn ursprünglich machte Linda eine Auszeit, um herauszufinden, wer sie ohne die Beziehung zu einem Mann ist – und sie dann fast schon buchstäblich in den ersten verlieben zu lassen, auf den sie trifft, kam mir da nicht wie die richtige Strategie vor. Allerdings mochte ich letztendlich die Art und Weise, wie sich ihre Beziehung entwickelte, sehr – und außerdem war Frederik schlicht ein sehr sympathischer Charakter.

In Linda dagegen konnte ich mich leider so gut wie nicht hineinversetzen. Das liegt nicht nur an ihrer Ausgangssituation (Mutter von zwei Kindern, die ihre Scheidung plant), sondern vor allem an ihrer Charakterentwicklung, die dem klassischen Format „vernünftiger Charakter lernt, dass es viel besser ist, locker drauf zu sein“ folgt und aus diesem Grund nichts war, mit dem ich mich identifizieren konnte. Allgemein bin ich diese Art von Handlungssträngen langsam leid, selbst, wenn man davon absieht, dass zumindest zwei von Lindas spontanen Entscheidungen sie buchstäblich fast umgebracht hätten. Das ist allerdings keine Kritik am Roman, sondern schlicht die Beobachtung, dass ich mich als jemand, die zwar ab und an unvernünftig ist, ihr Glück aber letztendlich in der Vernunft gefunden hat, nicht viel mit diesen Handlungssträngen anfangen kann.

Sehr gut gefielen mir die Offenbarungen gegen Ende, mit denen ich überhaupt nicht rechnete und die mich ganz schön emotional zurückließen. Ich liebte es, wie die Geschichte endete – auch, wenn der Anfang ganz schön holprig war. Trotzdem ist es letztendlich nicht meine Art von Buch, weshalb ich es nur denjenigen empfehlen würde, die sich besser in Linda hineinversetzen können.

– Die Schule des Meeres - Ruf aus der Tiefe
 212 Seiten

Seit elf Jahren lebt Fynn im Waisenhaus, doch hat er sich nie zugehörig gefühlt und verbringt seine Zeit viel lieber am Meer. Trotzdem hätte er nicht erwartet, dass seine Verbindung zu ihm weitaus stärker ist, als er je ahnte – bis ein Kapitän ihn adoptiert und ihn kurzerhand nach Akademar, die Schule des Meeres, bringt. Hier hofft Fynn, das Zuhause zu finden, nach dem er sich schon so lange sehnte, doch als sein Seelentier sich ausgerechnet als Oktopus erweist, fürchtet Fynn, dass die Herausforderungen gerade erst angefangen haben …

Dieses Kinderbuch war eine positive Überraschung, denn obwohl es eine eigentlich familiäre Geschichte erzählt, hat es mir ungewöhnlich viel Spaß gemacht!

Das fängt schon mit Fynn an, der ein sehr sympathischer Protagonist war, in den ich mich sehr gut hineinversetzen konnte; für mich war er die große Stärke des Romans, weil es so leicht war, mit ihm mitzufiebern und seine Geschichte gespannt zu verfolgen. Auch seine Freundschaft mit Loki, seinem Oktopus, war gut umgesetzt und hat mir sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stachen dagegen nur zwei hervor: Einmal der Kapitän, der Fynn zu Anfang adoptiert hat und von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte, weil seine Rolle so undurchsichtig schien; und dann noch Atalante, eine Mitschülerin Fynns, die mich ebenfalls positiv überraschte, weil ich ihre Charakterentwicklung nicht kommen sah. Alle anderen Charaktere bleiben größtenteils eindimensional, erfüllen ihren Zweck allerdings gut – es gibt viele bekannte Archetypen.

Auch, was die Handlung angeht, gibt es keine großen Überraschungen, weshalb ich umso überraschter war, wie viel Spaß es mir dennoch machte, sie zu verfolgen. Trotz des limitierten Worldbuildings, trotz der Tatsache, dass die Handlung aufgrund der Altersklassifizierung nicht so ausführlich ist, wie sie es hätte sein können – trotz alldem habe ich sie vollauf genossen und plane, auch den zweiten Band zu lesen, in der Hoffnung, dass er einige der Punkte weiter ausbaut.

Insgesamt ein tolles Kinderbuch für die Altersgruppe, das ein wunderbares Abenteuer bietet!

– Carl's Doomsday Scenario
 448 Seiten

Carl und Prinzessin Donut sind in der dritten Ebene angelangt, wo eine neue Art von Herausforderung auf sie wartet: Quests. Mordecai, der zu ihrem Manager geworden ist, rät ihnen dringend, sie nicht anzunehmen, weil sie nur wenig Zeit haben, die Ebene zu schaffen, doch natürlich werden Carl und Donut trotzdem in zwei spektakuläre Quests hineingezogen …

In diesem Band wird die gesamte dritte Ebene des Spiels behandelt, was mich zugegeben überraschte – da im ersten Band die erste und zweite Ebene beschrieben wurden, hatte ich erwartet, zumindest ein paar Bände lang zwei Ebenen pro Buch zu lesen. Tatsächlich wäre mir die Reihe etwas zu lang, wenn jede der kommenden fünfzehn Ebenen ein Buch bekommt, denn schon hier im zweiten Band habe ich mir gewünscht, dass die zwei Quests, die Carl und Donut bearbeiten, in zwei Ebenen stattgefunden hätten.

Was die Quests selbst angeht, fand ich die erste mit dem verfluchten Zirkus durchaus interessant und das Finale der Quest gelungen, aber die wahre Stärke des Romans war definitiv die zweite Quest mit den ermordeten Prostituierten, die nicht nur überraschend spannend zu lesen war, sondern in einem wahrhaft epischen Ende gipfelte, das zu meinen absoluten Lieblingsszenen gehört.

Carl und Donut waren in diesem Band weiterhin genial und ich mochte ihre Schlagabtäusche sehr, sie sind und bleiben eine große Stärke des Romans. Was ich dagegen sehr vermisste, waren andere Crawler. Erst ab der zweiten Hälfte spielen sie überhaupt eine halbwegs wichtige Rolle (und ich mochte Katia, die zwar spät zu Carl und Donut stößt, aber einen sympathischen Eindruck machte), aber in der ersten Hälfte werden sie höchstens erwähnt und gaben eine große Schwäche des Quest-Prinzips preis:

Obwohl die NPCs des Spiels auf ihre Weise durchaus lebendig sind, fand ich es schwer, mich tatsächlich um sie zu sorgen. Viel mehr hätte ich mir gewünscht, mehr von den anderen Crawlern zu sehen. Carl und Donut zum Beispiel mit anderen Crawlern zusammenarbeiten zu lassen, um Quests abzuschließen, wäre meiner Meinung nach ein guter Weg gewesen, auch wirklich mit den Quests mitzufiebern und sie nicht als unwichtige Nebenquest zu empfinden. Die zweite Quest mochte ich zum Beispiel nicht zwingend, weil ich sie besser fand, sondern weil das Leben anderer Crawler auf dem Spiel stand; aber selbst, wenn dem nicht so gewesen wäre, fand ich sie allein durch das Auftauchen anderer Crawler interessanter (und relevanter für die Handlung) als die pure NPC-Zirkus-Quest.

Insgesamt immer noch ein guter Band, der vor allem durch Carls und Donuts Chemie brilliert, doch hoffe ich sehr, dass wir im nächsten Band noch mehr von den anderen Crawlern sehen werden!

– Kian und das Erbe des Lichts
 304 Seiten

Seit zwölf Jahren gab es keinen Sommer und keine neuen Kinder, doch der zwölfjährige Kian hätte trotzdem nicht erwartet, dass ausgerechnet er, das jüngste Kind, die Macht haben soll, den Sommer zurückzuholen. Dafür muss er in die Unterwelt Annwn reisen und dort einen Weg finden, König Arawn zu besiegen, der über den Winter wacht und verschiedene Drachenarten kontrolliert. Seine Freunde Deryn, Finn und Eos helfen ihm dabei, doch letztendlich liegt es an ihm, die wichtigste Fähigkeit von allen zu Meistern: Das Heraufbeschwören eines Wasserpferds …

Dieses Kinderbuch bietet ein sehr cineastisches Abenteuer, das mir gut gefallen hat, doch bevor ich darauf eingehe, muss ich unbedingt auf eine verpasste Gelegenheit aufmerksam machen, an die ich über den ganzen Roman hinweg dachte: Wie schade ich es fand, dass Kian nicht von seinem besten Freund Jona begleitet wurde. Die wenigen Szenen, die sie im ersten Kapitel hatten, haben mich sehr beeindruckt und mich wünschen lassen, noch mehr von ihnen zu sehen, aber leider taucht Jona nur noch einmal kurz am Ende auf. Zwar denkt Kian natürlich regelmäßig an ihn und er dient auch als Motivation, seine Aufgabe gut zu erledigen und nach Hause zurückzukehren, aber ich kam nicht umhin, mir zu wünschen, z.B. Jona und den fröhlichen Finn zu ein und derselben Person zu machen, allein schon, damit diese einnehmende Freundschaft über das erste Kapitel hinaus bestehen kann. (Dasselbe gilt teils auch für Kians Eltern, von denen ich zwar durchaus erwartet habe, dass er sie verlassen muss, von denen ich mir aber auch gewünscht hätte, sie an seiner Seite zu sehen, weil ich sie so mochte.)

Gut, nachdem ich das losgeworden bin, kann ich auf den eigentlichen Roman eingehen, der meiner Meinung nach vor allem durch die bereits erwähnten cineastischen Szenen brilliert. Und das liegt nicht nur an den wunderschönen Innen-Illustrationen von Marina Vidal oder an dem wunderschönen Cover von Khadijah; Caryl Lewis‘ Schreibstil erlaubte es auch so, mir viele Szenen mühelos vorzustellen, von Kian, der sein Wasserpferd heraufbeschwört und reitet (was meine persönlichen Lieblingsszenen waren) bis zu ruhigeren Momenten mit seinen Freunden, spannenden Momenten mit den feindseligen Drachen und vielen Szenen mehr. Die Handlung lief fast schon wie ein Film vor mir ab und das gefiel mir sehr gut.

Deryn, Finn und Eos hätte ich gerne noch mehr kennengelernt; ich mochte sie durchaus (auch, wenn ich eine falsche Fährte bezüglich einem von ihnen etwas zu offensichtlich fand), aber ich wünschte, ich hätte in ihrer Freundschaft die Tiefe gesehen, die mich bei Kian und Jona trotz ihrer stark begrenzten Screentime so beeindruckt hat. Natürlich ist das hier ein Kinderbuch, bei dem man nicht unbedingt die Zeit hat, sich alles langsam entwickeln zu lassen, aber es mangelte mir trotzdem stark an mehr Informationen, Gesprächen und persönlichen Szenen mit den drei, die es mir erlaubt hätten, sie näher kennenzulernen.

Das Finale und Ende waren sehr zufriedenstellend und enthielten eine Botschaft, die ich gerne auch außerhalb von Kinderbüchern lesen möchte, wobei das Ende durchaus Raum für mehr Abenteuer lässt, die Geschichte aber so gut abschließt, dass ich sie auch als Einzelband mit Freuden akzeptiere. Sie bot schlicht ein spaßiges Abenteuer, das sich auch wirklich wie eines anfühlt!

– Dungeon Crawler Carl
 481 Seiten

Carl überlebt die Apokalypse nur zufällig, als er Donut, die Katze seiner Exfreundin, aus einem Baum rettet. Die Erde wurde von Außerirdischen eingenommen, die für die Millionen Überlebenden, die es noch gibt, etwas ganz Spezielles planen: Eine Spielshow, bei dem sie sich durch mehrere Ebenen kämpfen müssen, wie in einem Videospiel, mit Achievements, Leveln und vielem mehr. In Ermangelung besserer Möglichkeiten wird auch Carl zusammen mit Donut ein Dungeon Crawler – und gerät so in ein gefährliches, abgefahrenes Abenteuer …

Wie wohl viele andere hatte ich viel Gutes von dem Buch gehört, doch der Hauptgrund, aus dem ich es las, war letztendlich persönliches Interesse: Eine Spielshow, die sich an Videospielen orientiert und sowohl humorvoll als auch spannend ist, klang schlicht sehr nach meinem Geschmack. Und tatsächlich war es für mich als Videospielfan besonders spaßig zu lesen!

Ich bin mir zugegeben nicht sicher, ob Leser:innen, die nichts mit Videospielen anfangen können, ebenfalls Freude an dem Buch haben werden, weil es für mich schon sehr stark so wirkte wie ein Buch speziell für Gamer. Die Level, Monster, Achievements, Fähigkeiten usw. spielen eine große Rolle und waren hervorragend umgesetzt, aber gerade deshalb vielleicht irritierend für diejenigen, die keine Spiele spielen, obwohl durchaus alles erklärt wird. Das nur als Anmerkung, falls man diesbezüglich unsicher sein sollte.

Die eigentliche Handlung erstreckt sich über zwei der achtzehn Level, was mich zunächst überraschte, weil ich erwartete, dass mehrere Level in dem Buch vorkommen werden, doch letztendlich bin ich dankbar, dass den Leveln so viel Zeit gegeben wurde. So lernen wir nicht nur Carl und Donut sehr gut kennen (die beide fantastische Protagonisten sind), sondern auch das Spiel selbst und alles, was damit zu tun hat. Es ist sehr deutlich, dass sehr viel Liebe hinter dem Design steckt, denn die Welt ist so voller Details, dass es fast schon absurd ist. Der Autor hat wirklich an alles gedacht und vermutlich sogar noch an mehr!

Ich liebte nicht nur Carls Charakterentwicklung und Donuts Charme (sie hat nicht umsonst ein hohes Charisma!), sondern auch, auf welche kreative Weise sie sich der Monster entledigten. Es gibt viele Kampfszenen und ich war positiv überrascht darüber, wie abwechslungsreich und spannend sie gestaltet waren. Gerade die Bosskämpfe waren großartig, aber auch in anderen Gefechten bewies Carl immer wieder sein schnelles Denken und seine Kreativität. Das fand ich wirklich großartig!

Andere Charaktere stechen so halb hervor; ich mochte die Nebenstory mit Brandon, Agatha und mehreren Senioren, denen sie durch den Dungeon helfen wollen, aber um die Charaktere wirklich kennen- und lieben zu lernen, hätten sie noch etwas mehr Screentime gebraucht. Es gibt durchaus gute Ansätze (ich frage mich, was Carls und Donuts Mentor Mordecai wohl durchgemacht hat und was genau in Carls und Donuts Vergangenheiten geschah), aber spätere Bände werden den Nebencharakteren hoffentlich noch mehr Zeit schenken. (Zugegeben sind Carl und Donut wirklich das Highlight, aber ich hätte trotzdem gerne noch mehr von einigen Nebencharakteren gesehen.)

Das Pacing war trotz der Tatsache, dass wir nur zwei Ebenen erleben, überraschend gut; ich glaube, nur am Anfang der zweiten Ebene fühlte sich die Geschichte ein wenig langsam(er) an, aber auch hier nahm sie zügig Fahrt auf und triumphierte mit dem wohl besten Bosskampf des gesamten Buches. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr, über die anderen Ebenen zu lesen und hoffe, dass auch hier die Detailliebe gezeigt werden wird!

Insgesamt ein sehr spaßiges Buch, das vor allem für Videospielfans perfekt geeignet ist!

– When Dealing With Dragons. Drachengold
 426 Seiten

Als die Drachenpflegerin Farren dem Jockey James das Leben rettet, hätte sie nicht gedacht, dass er für seine Genesung an den Hort ihrer Eltern kommt. Die Tatsache, dass sie ihn nicht leiden kann, ist dabei eine geringfügige Sorge, denn größere Angst hat sie davor, dass das Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommen könnte. James währenddessen ist schon seit Ewigkeiten in Farren verliebt und leidet unter dem strengen Regime seines Vaters, der eine Zukunft für ihn geplant hat, der James nicht folgen will. Als er Farrens Geheimnis herausfindet, ist er entschlossen, ihr zu helfen, doch auf keinen Fall darf seine Familie davon erfahren – oder von seinen Gefühlen für sie …

Dieser Einzelband war eine sehr positive Überraschung, da ich zwar auf ein gutes Buch gehofft, aber kein so unglaublich gutes erwartet hatte! Allein schon das Worldbuilding ist Gold wert: Die Drachen in diesem Universum überziehen bei Angst ihre Schuppen mit einem bestimmten Metall (Eisen, Zinn, Kupfer, Bronze oder Silber), das auf magische Weise geschmiedet werden kann, weswegen die Drachen aber auch auf mehrere Arten ausgenutzt werden: Für die Rennen und wegen ihrer Schuppen. Das war eine sehr coole, kreative Idee, die zudem sehr gut umgesetzt wurde und natürlich auch für so einige emotionale Szenen sorgte. Deswegen ist dieser Fantasyroman eventuell auch nicht für jeden etwas, aber ich mochte die Art und Weise, wie das Worldbuilding mit der Handlung verwoben wurde.

Aber nicht nur das Worldbuilding war genial, auch die beiden Hauptcharaktere und ihre Romanze war großartig umgesetzt. Farrens Kompetenz und James‘ Entschlossenheit gefielen mir sehr, aber auch die Tatsache, dass sie Fehler machten; es war süß, wie sie sich ineinander verliebten und sich stets gegenseitig halfen. Ihre Romanze war wundervoll, Farrens Hass verwandelte sich auf realistische Weise in Liebe und allgemein gehörten so ziemlich alle Szenen mit den beiden zu meinen Lieblingen.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, aber ich mochte James‘ Freundschaft zu Farrens Vater gern sowie Farrens Freundschaft zu Jeffrey und Shelly, die meiner Meinung nach ein eigenes Buch verdient hätten. Die besten Freundschaften waren jedoch die zu den Drachen: Ich liebte es, wie Farrens und James‘ Drachen tatsächlich eine wichtige Rolle spielten und sehr viele Szenen bekamen, in denen ihre Bindung zu den beiden gezeigt wurde.

Außerdem war das Buch sehr spannend: Die Angespanntheit, die durch Farrens und James‘ Geheimnisse entstand, sorgte für mehrere fesselnde Szenen, auch wenn ich zugegeben fand, dass das Ende ein wenig zu schnell abgewickelt wurde – es war immer noch ein zufriedenstellendes Ende, aber gerade nach den vielen spannenden Szenen war ich überrascht, wie schnell die Handlungsstränge letztendlich aufgelöst wurden.

Insgesamt also ein großartiger Einzelband mit einem wundervollen Worldbuilding, einer süßen Romanze und ein paar tollen Twists!

– Die Ballade von Ronan McCoy
 415 Seiten

Brendan und Ronan sind beste Freunde, doch als Ronan am ersten Tag des letzten Schuljahres im Rollstuhl zur Schule kommt, ist Brendan komplett überfordert mit der Situation. Ronan hat einen schweren Unfall erlitten, kann sich kaum artikulieren und ist nicht mehr die Person, die er mal war. Brendan möchte herausfinden, was passiert ist und bemüht sich, seinem besten Freund zu helfen, doch wie soll er ihre Freundschaft fortführen, wenn alles, was Ronan zu Ronan machte, verschwunden zu sein scheint?

Colin Morgan kannte ich bisher nur als „Merlin“-Schauspieler und war deshalb positiv überrascht, einen Roman von ihm zu lesen, doch muss ich leider sagen, dass er mir leider nicht so gut gefallen hat, wie ich es mir gewünscht hätte.

Zunächst aber die große Stärke des Romans: Brendans und Ronans Freundschaft. Auch, wenn ich mir mehr Szenen mit Ronan gewünscht hätte, weil es sich teils so anfühlte, als wäre er ein Nebencharakter in seinem eigenen Buch, mochte ich die Szenen zwischen Brendan und Ronan sehr und freute mich, ihre Freundschaft auf andere Weise wieder aufblühen zu sehen. Auch andere Beziehungen wie die zu Brendans Crush Jennifer oder seinem Arbeitgeber Mr. Feeney haben mir gut gefallen.

Doch die Emotionen hinter der Geschichte waren leider hinter dem Schreibstil verborgen. Der schuf eine gewisse Distanz zu den Charakteren, sodass ich nur am Ende Brendans Emotionen spürte und selbst da immer noch hinter dem Filter eines schlichten, nüchternen Schreibstils. Allgemein gibt es viele Szenen und vor allem Dialoge, die vor sich hinplätscherten und keinen Sinn zu haben schienen, sodass selbst die Momente, die mir gefielen, nicht so stark leuchten konnten, wie ich es gehofft hätte.

Außerdem störte es mich, dass viele Fragen, die Brendan sich am Anfang stellt, offen gelassen wurden. Ich war wirklich gespannt darauf, zu hören, was genau mit Ronan passiert ist und welche Botschaft er für Brendan möglicherweise hinterlassen hat, aber keine dieser Fragen wird beantwortet, sodass mich das Ende eher frustriert als emotional zurückließ.

Ronans Darstellung als Mensch im Rollstuhl bzw. als Mensch mit Behinderung kann ich leider nicht beurteilen, weil sie mir zwar problematisch vorkam, ich mich aber nicht versiert genug mit dem Thema fühle, um eine endgültige Aussage zu treffen.

Insgesamt also ein Buch, dessen dargestellte Beziehungen mir zwar gefielen, mit dem ich mich emotional jedoch nicht verbinden konnte.

– All the things I didn't say
 336 Seiten

Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …

Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!

Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.

Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.

Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.

Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.

Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!

– Shadow Reaper
 497 Seiten

Viri ist eine Jägerin, die sogenannte Reaper jagt – Menschen, die Kinder töten, um an deren mächtige Magie zu kommen. Als sie auf Dutzende vermisste Kinder aufmerksam wird, fürchtet sie, dass der Reaper-Priester etwas Großes plant, das über deren Tötung hinausgeht – und nur Reeve, ihr ehemaliger Kindheitsfreund, kann ihr Antworten darauf geben. Damals verließ er sie, um die rechte Hand des Reaper-Priesters zu werden, was Viri ihm nie verziehen hat – doch nun braucht sie seine Hilfe, um den Reaper-Priester endlich zu finden und seine Pläne zu stoppen. Und schon bald stellt sich heraus, das vieles, was Viri für selbstverständlich hielt, ganz anders ist, als sie ursprünglich annahm …

Als großer Fan der „Prison Healer“-Trilogie habe ich mich schon sehr auf Lynette Nonis neue Dilogie gefreut und bin froh, dass die Lektüre tatsächlich sehr spaßig und sehr spannend war!

Zunächst einmal ist die Welt, in der die Geschichte spielt, absolut faszinierend. Nonis Worldbuilding um die Obelisken, denen Magie gegeben wird, die Berge, in denen die Menschen leben und den Schwarznebel, der die gesamte Insel einhüllt, war großartig und ich war froh, dass all diese Aspekte tatsächlich eine wichtige Rolle spielten. Zusätzlich gibt es zwischen der Hauptgeschichte Tagebucheinträge des Magiers Kadmus Castro, der damals auf die Insel kam, was das Worldbuilding zusätzlich bereichert hat, vor allem, sobald klar wurde, wie die Tagebucheinträge mit der Hauptgeschichte zusammenhängen.

Dann haben wir natürlich noch die Romanze, die sehr einnehmend und einfach herrlich geschrieben war – Viris und Reeves Schlagabtäusche, aber auch ihre tiefen Gefühle füreinander machten sie zu einem sowohl unterhaltsamen als auch sehr süßen Paar. Ich war positiv überrascht davon, wie sich ihre Romanze entwickelte, denn gerade, weil Viri Reeve für einen kaltblütigen Mörder hält (wobei uns Leser:innen natürlich schnell klar ist, dass das unmöglich so einfach sein kann), war ich nicht sicher, wie realistisch ihre Romanze letztendlich sein würde – aber glücklicherweise ist das Lynette Noni ganz fantastisch gelungen!

Andere Charaktere gefielen mir ebenfalls sehr, vor allem Viris beste Freundin Wynter (die mein Lieblingscharakter war) und Jonas, einer aus Reeves Freundesgruppe. Allerdings muss ich zugeben, dass mir von anderen Charakteren etwas mehr Screentime gefehlt hat – speziell von Soren (Viris bestem Freund) und von Reeves anderen Freunden Sage und Ardin. Sie kamen zwar oft genug vor, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber nicht oft genug, um sie tatsächlich lieb zu gewinnen. Hier finde ich, dass sie Viri und Reeve länger hätten begleiten sollen, um genau wie Wynter und Jonas genug Zeit zu bekommen, unser Herz zu gewinnen.

In diesem Roman gibt es auch sehr viele Twists, wobei speziell der erste und der letzte (bzw. die letzten zwei) mich sehr schockierten, weil ich sie überhaupt nicht kommen sah – aber die mittleren fand ich um einiges offensichtlicher, sodass die größte Spannung eher dadurch entstand, wie Viri auf die Twists reagieren würde und nicht, wie überraschend sie für uns sein würden. Zugegeben habe ich manche auch erst relativ kurz vor ihrer Offenbarung kommen sehen, aber dennoch fiel es mir insgesamt leichter, gewisse Handlungsentwicklungen korrekt vorherzusehen.

Allerdings hat das meiner Lesefreude keinen Abbruch getan, weil die Geschichte stets spannend blieb und es großen Spaß machte, speziell mit Viris und Reeves Romanze mitzufiebern. Von daher würde ich den Roman allen empfehlen, die im Allgemeinen gerne Fantasyromanzen lesen!