Bücherregal lädt …
Die Schule des Meeres - Ruf aus der Tiefe
212 Seiten

Seit elf Jahren lebt Fynn im Waisenhaus, doch hat er sich nie zugehörig gefühlt und verbringt seine Zeit viel lieber am Meer. Trotzdem hätte er nicht erwartet, dass seine Verbindung zu ihm weitaus stärker ist, als er je ahnte – bis ein Kapitän ihn adoptiert und ihn kurzerhand nach Akademar, die Schule des Meeres, bringt. Hier hofft Fynn, das Zuhause zu finden, nach dem er sich schon so lange sehnte, doch als sein Seelentier sich ausgerechnet als Oktopus erweist, fürchtet Fynn, dass die Herausforderungen gerade erst angefangen haben …

Dieses Kinderbuch war eine positive Überraschung, denn obwohl es eine eigentlich familiäre Geschichte erzählt, hat es mir ungewöhnlich viel Spaß gemacht!

Das fängt schon mit Fynn an, der ein sehr sympathischer Protagonist war, in den ich mich sehr gut hineinversetzen konnte; für mich war er die große Stärke des Romans, weil es so leicht war, mit ihm mitzufiebern und seine Geschichte gespannt zu verfolgen. Auch seine Freundschaft mit Loki, seinem Oktopus, war gut umgesetzt und hat mir sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stachen dagegen nur zwei hervor: Einmal der Kapitän, der Fynn zu Anfang adoptiert hat und von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte, weil seine Rolle so undurchsichtig schien; und dann noch Atalante, eine Mitschülerin Fynns, die mich ebenfalls positiv überraschte, weil ich ihre Charakterentwicklung nicht kommen sah. Alle anderen Charaktere bleiben größtenteils eindimensional, erfüllen ihren Zweck allerdings gut – es gibt viele bekannte Archetypen.

Auch, was die Handlung angeht, gibt es keine großen Überraschungen, weshalb ich umso überraschter war, wie viel Spaß es mir dennoch machte, sie zu verfolgen. Trotz des limitierten Worldbuildings, trotz der Tatsache, dass die Handlung aufgrund der Altersklassifizierung nicht so ausführlich ist, wie sie es hätte sein können – trotz alldem habe ich sie vollauf genossen und plane, auch den zweiten Band zu lesen, in der Hoffnung, dass er einige der Punkte weiter ausbaut.

Insgesamt ein tolles Kinderbuch für die Altersgruppe, das ein wunderbares Abenteuer bietet!

Crazy Family (Band 5) - Die Hackebarts rocken die Schule
171 Seiten

Direktor Schwarz braucht dringend die Hilfe der Hackebarts: Der Schulinspektor Otto Säuerlich möchte in drei Tagen die berüchtigtste Klasse der Schule, die 7 z, überprüfen. Alle Lehrer bis auf den beliebten El Zorro haben sich krank gemeldet und die einzige Hoffnung des Direktors liegt in der schlauen Lulu. Aber auch die anderen Hackebarts sind begeistert von der Vorstellung, ihre eigenen Lieblingsfächer zu unterrichten – bis sie die Klasse 7 z tatsächlich kennenlernen …

Witzig geht es auch im fünften Band weiter, und zwar mit einer tollen Idee: Die Hackebarts, die die wohl katastrophalste Klasse der Welt für einen Tag unterrichten müssen. Bis zum eigentlichen Tag dauert es zwar ein wenig, weil zunächst die Grundsteine der Handlung gelegt werden und die Hackebarts die Klasse zunächst in einem Übungstag kennenlernen, doch bereits da bedient sich Markus Orths seinem fantastischen Humor. Ich mochte vor allem seine genialen Wortwitze!

Das eigentliche Highlight bleibt natürlich immer noch der Unterrichtstag selbst. Adrijana mit Sport und Musik (zumindest theoretisch), Mönkemeier mit einer kreativen Kunststunde, Zosch mit Informatik (beziehungsweise: Zocken und Hacken), Lulu mit einer sehr erheiternden Deutschstunde, Brooklyn mit einem sehr erinnerungswürdigen Chemie-Experiment und zum Schluss Opa Hackebart mit Geschichte (und ein paar Themen mehr). Jede einzelne dieser Stunden war ein Highlight für sich und zusammengenommen bilden sie den wohl besten Teil des Buches. Ich mochte aber auch die Autofahrt mit Opa Hackebart und Walter, die zwar nur eine kleine Rolle spielt, aber ebenfalls witzig zu lesen war.

Von den neu eingeführten Charakteren hätte ich gerne noch mehr von El Zorro gesehen – er hat zwar seine Auftritte und sorgte für einen guten Abschluss, aber mir hätte es nichts ausgemacht, ihn noch öfter zu sehen, weil er schlicht ergreifend cool war!

Insgesamt ein gelungener Crazy-Family-Band, der nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken einlädt!

72 Stunden mit dir
400 Seiten

Zweiundsiebzig Stunden bevor jemand stirbt, sieht Sydney einen Timer über dem Kopf der Person herunterzählen – ein Geheimnis, das sie bisher bewahrt hat, weil es ihr nur Probleme bereitete. Bis Peter in die Stadt zieht. Als neuer Schüler soll Sydney mit ihm an einem Schulprojekt arbeiten, aber stattdessen hilft er ihr, mit ihrer ungewöhnlichen Gabe umzugehen und den Personen mit Timer einen letzten schönen Moment zu schenken. Nach und nach verliebt Sydney sich in ihn, doch der wichtigste Timer ihres Lebens wird bald zu laufen beginnen …

Die Geschichte verwendet ein klassisches Prinzip, bei dem die Autorin schon von Anfang an klar macht, wie es enden wird, aber gerade das hat mir gefallen und die Umsetzung fand ich insgesamt gelungen.

Dabei konnte ich Sydneys und Peters Romanze für eine ganze Weile nur schwer spüren, weil Peter zwar der perfekte Book-Boyfriend ist (in diesem Fall sowohl eine Kritik als auch ein Lob, weil er zwar sehr sympathisch war, ich mir aber gerne mehr Schwächen gewünscht hätte), Sydney durch ihr Verhalten jedoch keinen Anlass dazu gibt, an irgendwelche Gefühle ihrerseits zu glauben. Erst später in der Handlung werden diese Gefühle dann doch deutlicher. Sydney wird zwar ihre Angewohnheit, in allem das Negative zu sehen, leider nicht los (was ich durchaus nachvollziehen konnte, was mich im Lauf der Handlung aber dann doch gestört hat, weil es sie unsympathisch machte), aber ihre Gefühle gegenüber Peter blühen später richtig auf und entwickeln sich auf realistische Weise.

Ich hatte gehofft, dass die beiden viel Zeit miteinander verbringen, bevor der Timer startet, um den unaufhaltsamen Verlust so noch schmerzhafter zu machen, aber meiner Meinung nach ging der Timer dann doch etwas ZU spät los. Ich war durchaus dankbar, dass die beiden eine Menge Szenen bekamen, in denen sie ihre Bindung zueinander aufbauen konnten, aber dadurch, dass die letzten zweiundsiebzig Stunden (nach denen immerhin das Buch benannt ist!) so spät starten, gab es nur wenig Zeit, diese richtig zu zeigen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Timer schon um einiges früher losgegangen wäre, einfach, damit man ihre letzten drei Tage miteinander richtig und ausführlich erlebt, anstatt dass sie ein wenig zu schnell abgewickelt werden.

Diesbezüglich fand ich das Foreshadowing sehr interessant. Leider gibt es ganz schön viel Miscommunication und Verschieben auf später, was auf Dauer frustrierend zu lesen war, aber das Foreshadowing selbst wurde gut gehandhabt. Ich dachte eine sehr, sehr lange Weile, dass es viel zu offensichtlich ist (im Sinne von: ein Wink mit dem Schlaghammer), doch am Ende hat es mich positiv überrascht, in welche Richtung es letztendlich führte, auch wenn ich mir doch gewünscht hätte, es wäre etwas subtiler gewesen.

Die Probleme, die Sydney und Peter mit sich herumschleppen, begeisterten mich dafür sehr; gerade Sydneys Vergangenheit fand ich besonders interessant und ich liebte es, dass sie so passend und unerwartet zugleich war. Ich hatte zwar meine Ideen bezüglich ihren schlechten Erfahrungen, aber was letztendlich dahintersteckte, habe ich nicht kommen sehen. Das fand ich großartig, weil die Autorin hier Klischees vermied und trotzdem für eine Vergangenheit sorgte, die gut zu Sydney passt.

Eine kleine Kritik, die ich habe, ist der Schreibstil, der zwar locker, mir aber zu modern war. Zugegeben spielt das Buch auch in der Moderne (sogar ChatGPT wird an einer Stelle erwähnt), aber dafür waren die Referenzen bunt durcheinander gewürfelt: Viele alte Filme und Bücher, die ich nicht kannte, manche, die mir durchaus bekannt waren und auch ein paar wenige, die ich erwartet habe. Es war ein bunter Mix, von dem ich mir nicht sicher bin, wie viele ihn verstehen werden, aber ich konnte eher wenig mit ihm anfangen.

Letztendlich war es immer noch eine schöne Geschichte mit Schwächen, aber auch mit Stärken.

All the things I didn't say
336 Seiten

Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …

Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!

Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.

Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.

Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.

Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.

Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!

Dreamslinger – Der Ruf des Drachen
352 Seiten

Aria ist eine Dreamslinger, die jahrelang gelernt hat, ihre gefährlichen Kräfte zu mäßigen, zu zügeln und zu bändigen. Vor zehn Jahren haben die Dreamslinger nämlich eine Masseneruption ihrer Kräfte ausgelöst, die zahlreiche Menschen, inklusive Arias Mutter, das Leben gekostet hat. Ihr Vater möchte dafür sorgen, dass Dreamslinger in der Gesellschaft akzeptiert werden, doch als während einer wichtigen Ansprache der Royale Bund auftaucht, der für die Masseneruption damals verantwortlich war, fürchten alle, dass sie wieder eine Masseneruption planen. Aria bietet an, als Spionin bei den Auswahlprüfungen der Dreamslinger teilzunehmen, um die nötigen Beweise dafür zu finden. Doch niemals hätte sie sich träumen lassen, dass sie sich nach und nach immer mehr mit ihnen identifiziert …

Ich bin ein wenig hin- und hergerissen, was dieses Kinderbuch angeht – und ich denke, das liegt teils daran, dass ich es gerne als Jugendbuch gelesen hätte. Es hat so viele gute Ideen, Szenen und Potential, dass ich mir wünschte, noch mehr Zeit mit den Charaktere verbringen zu können, um die guten Aspekte noch mehr zu genießen und die nicht ganz so guten durch mehr Tiefe auszumerzen.

Denn was die Handlung an sich angeht, hat sie mir recht gut gefallen – obwohl es natürlich von Anfang an offensichtlich ist, dass Aria sich irgendwann auf die Seite des Royalen Bundes stellen wird, war ich sehr investiert darin, ihr bei dieser Reise zuzuschauen: Wie sie zunächst gar keine Verbindungen eingehen wollte, dann aber ihre guten Freunde Tui und Lion fand, schließlich ihre Traumgefährtin Rio und die Erkenntnis, wie das schlichte Informieren über eine andere Gruppe ihre Vorurteile bezüglich dieser Gruppe komplett ausmerzte. Das war eine sehr schöne Botschaft, doch wird sie ein wenig dadurch vermindert, dass der Royale Bund selbst leider nicht so offen wie Aria ist.

Das ist teilweise ein Kritikpunkt von mir und teilweise ein Lob: Denn mir hat es überhaupt nicht gefallen, dass der Royale Bund jedes Kind, das bei einer Prüfung scheiterte – unabhängig von wichtigen Faktoren – sofort zurück in sein Heimatland schickte, selbst, wenn dieses Land Dreamslinger einsperrt und zutiefst verachtet. Für mich hatte das einen sehr unangenehmen Geschmack nach „Ausländer raus“, das zudem für den Großteil der Handlung nicht wirklich infrage gestellt wird – tatsächlich habe ich mich sogar gewundert, warum Aria sich immer mehr mit dem Royalen Bund identifiziert, der so intolerant gegenüber allen ist, die auch nur einen einzigen Fehler im falschen Moment machen. Doch hier kommt auch das Lob: Gegen Ende realisieren Aria und die anderen schließlich, wie unglaublich ungerecht der Royale Bund vorgeht, sehen aber ein, dass sie noch nichts tun können, um etwas daran zu ändern, allerdings für eine bessere Zukunft kämpfen wollen. Für ein Kinderbuch war das eine überraschend realistische Botschaft, die für mich als Erwachsene zwar ein wenig pessimistisch wirkte (denn realistisch gesehen müsste diese Zukunft locker zehn Jahre entfernt liegen, was kein besonders großer Trost für die Ausgestoßenen ist), Kindern aber trotzdem gut beibringt, dass man Ungerechtigkeiten nicht einfach als gegeben hinnehmen sollte, selbst, wenn man noch nichts an ihnen ändern kann.

Die Dreamslinger, deren Fähigkeiten und die Traumgefährten werden nicht allzu sehr vertieft, waren aber interessante Konzepte. Viel mehr als das Worldbuilding hat mich ohnehin die Handlung überzeugt – denn sie hatte viele gute, dramatische, spannende, herzerwärmende, lustige und allgemein großartige Szenen. Ob es nun um die Freundschaft der Charaktere geht oder über die Dinge, die sie herausfinden: Ich fand die Balance zwischen den verschiedenen Handlungselementen (Freundschaften, Ausbildung, Spionage etc.) sehr gelungen, vor allem die Twists, die die Geschichte noch mal ordentlich aufgewertet haben. Ein, zwei kann man gerade als erwachsener Leser vielleicht vorhersehen, aber davon abgesehen gibt es immer noch andere Twists, die mich sehr überraschten und den Kontext früherer Szenen auf grandiose Weise veränderten. Das Ende war unglaublich spannend und ein kleines Highlight für mich.

Was jedoch die Charaktere angeht, gab es meiner Meinung nach leider viel zu viele. Nur das Haupttrio, das aus Aria, Tui und Lion besteht, stach positiv heraus (wobei ich vor allem Lion mochte, weil sein geheimnisvolles Verhalten für großartige Theorien sorgte und zufriedenstellend aufgeklärt wurde), aber so ziemlich der gesamte Rest – mit nur sehr wenigen Ausnahmen – leidet sehr stark darunter, ein Teil einer großen Masse zu sein, deren Individuen man sich nicht notwendigerweise merkt. Ich habe es sehr begrüßt, dass Kinder verschiedener Nationalitäten vorkamen, aber dadurch, dass buchstäblich alle stets namentlich erwähnt werden, fühlte ich mich schnell überfordert und machte mir deshalb nicht die Mühe, mir mehr als zwei, drei zu merken. Hier war die Freundschaft zwischen Aria, Tui und Lion definitiv der stärkste Punkt, und ein weiteres kleines Highlight aufgrund der wunderbaren Umsetzung, während der Rest der Charaktere fast gar keinen Eindruck bei mir hinterließ.

Insgesamt also ein Kinderbuch, das eine spannende Handlung und gute Twists bietet, aber aufgrund seiner Charakteranzahl und möglicher Lesart der Botschaft auch verwirrend anmutet. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den zweiten Teil lesen werde, doch falls ich es tue, hoffe ich, dass speziell der Kampf gegen die kleingeistigen Ansichten des Royalen Bundes eine größere Rolle in der Handlung spielen wird.

& Magisterium - Das 3. Jahr
288 Seiten

Für Callum, Aaron und Tamara bricht das dritte Jahr im Magisterium an. Bei einem Fest, das eigentlich ihren Erfolg aus dem letzten Band feiern soll, kommt jedoch eine Schülerin ums Leben und kurz darauf wird Callum von einer Kreatur angegriffen. Jemand hat es auf ihn abgesehen, was es nicht gerade leicht macht, sein drittes Schuljahr abzuschließen. Sie müssen dringend den Spion der Schule finden, ohne, dass herauskommt, wer Callum wirklich ist …

Spannend geht es im dritten Magisterium-Band weiter und ich bin immer noch beeindruckt davon, wie viel Holly Black und Cassandra Clare in vergleichsweise wenige Seiten packen. Vor allem in diesem Band fiel mir neben der Spannung auch der Humor auf – es gab zwischen den Stellen, bei denen ich mitfieberte, auch mehrere, bei denen ich laut auflachen musste. Die Balance zwischen Spannung, Humor und Freundschaft ist in diesem Band sehr gut gelungen!

Gerade die Freundschaft zwischen Callum und Aaron sticht besonders hervor. Tamara spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, die mir sehr gefallen hat, aber Callums und Aarons Dynamik war schlicht unschlagbar. Leider geschieht das auf Kosten der Nebencharaktere, denn nur ein paar wenige hinterlassen überhaupt einen bleibenden Eindruck (wie Jasper und Celia) und ich hatte teils Probleme, mir die Rolle jedes Nebencharakters zu merken, weil ich sehr viel investierter in die Hauptcharaktere war.

Die Spannung ist vor allem am Anfang und am Ende sehr hoch, während die Mitte der Handlung ein wenig ereignisloser ist, aber dafür durch die Charakterdynamiken und das Mysterium um den Spion glänzt. Mir gefiel auch, auf welche Weise die Charaktere hier ihre Pläne schmiedeten und umsetzten, und welche Gefahren ihnen dabei begegneten.

Das Ende fand ich dafür nicht ganz so stark, wie ich es mir erhofft hatte. Es war immer noch gut, aber ich hätte mir gewünscht, dass es ausführlicher und emotionaler gewesen wäre, als es letztendlich der Fall war. Dafür macht es mich umso gespannter auf den vierten Teil, auf den ich mich schon sehr freue!

& Magisterium - Das 2. Jahr
303 Seiten

Seit Call herausgefunden hat, dass seine Seele die von Constantine Madden ist, fürchtet er sich davor, was passieren könnte, wenn sein Vater Alastair und seine Freunde Aaron und Tamara das herausfinden. Als das Verhalten seines Vaters ihn befürchten lässt, dass dieser plant, den Alkahest zu stehlen und Call damit umzubringen, flieht er zu seinen Freunden, die er schließlich in seine Ängste einweiht. Das stellt sich jedoch als Fehler heraus – Alastair wird nun vom Magisterium gejagt und Callum muss ihn rechtzeitig finden, wenn er verhindern will, dass sein Vater umgebracht wird. Doch dabei wird es immer schwerer, sein Geheimnis vor seinen Freunden zu verbergen …

Spannend geht es im zweiten Band der Magisterium-Reihe weiter, der wie schon im ersten Band viele Twists, Freundschaften, Streitereien, Kämpfe und eine allgemein flotte Handlung bietet. Ich bin immer noch positiv erstaunt darüber, wie viel Inhalt in diesem vergleichsweise kurzen Buch steckt. Es wurde kein Wort zu viel erzählt, was ich persönlich sehr beeindruckend finde!

Besonders möchte ich die Charaktere hervorheben. Ich konnte mich sehr gut in Call hineinversetzen und mochte es, dass seine Freundschaft zu Aaron und Tamara einerseits großartig und loyal war, andererseits aber auch nicht ganz so harmonische Momente hatte, die die Charaktere dann überwinden mussten. Das hat sich schlicht sehr realistisch angefühlt, wobei das Trio in diesem Band zusätzlich durch Jasper bereichert wird. Er hat mir überraschend gut gefallen und ich bin gespannt, wie er die Handlung in späteren Bänden aufmischen wird!

Diejenigen, die schon den ersten Band mochten, werden auch im zweiten Band ein paar schockierende Erkenntnisse und Enthüllungen erleben. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den nächsten!

& Magisterium - Das 1. Jahr
332 Seiten

Callum, genannt Call, hat seit seiner Kindheit gelernt, Magie zu hassen und zu fürchten. Deshalb möchte er die Prüfungen, um am Magisterium aufgenommen zu werden, absichtlich vermasseln – was ihm auf ungewöhnliche Weise gelingt, aber auch die Aufmerksamkeit von Master Rufus, einem der Lehrer, weckt. Kurzerhand entschließt er sich, Call als Schüler anzunehmen, zusammen mit den zwei besten Prüflingen, Aaron und Tamara. Call hat so seine Probleme, in den Schulalltag zu finden, nicht nur aufgrund seines lahmen Beins, sondern vor allem aufgrund seines losen Mundwerks. Doch nach und nach beginnt er daran zu zweifeln, ob die Dinge, die er sein Leben lang glaubte, tatsächlich wahr sind …

Man merkt schnell, dass dieses Kinderbuch von zwei renommierten Autorinnen geschrieben wurde, denn es packt einen von Anfang an und zieht einen mühelos durch die Handlung. Bereits die Ausgangssituation, in der Call versucht, bei den Eingangsprüfungen zu scheitern, war ein hervorragendes Konzept, das im eigentlichen Schuljahr durch mehrere andere bereichert wird. Selbst die für Call, Aaron und Tamara frustrierende Aufgabe, einen Sandhaufen in Hell und Dunkel einzuteilen, las sich spannend, weil hier die Charaktere selbst scheinen durften. Und natürlich gibt es später noch mehr spannende Aufgaben, wo es mir vor allem gefiel, dass die Charaktere nicht immer alles richtig machten – das war nicht nur realistisch, sondern hat auch gut ihren Umgang mit Versagen und Verbessern gezeigt.

Callum, Aaron und Tamara machen bereits im ersten Band einen guten Eindruck, sowohl als einzelne Charaktere als auch als Freunde. Von ihnen war Aaron mein persönlicher Liebling, aber Call und Tamara zeigten ebenfalls, dass sie fehlerbehaftete und trotzdem sympathische Charaktere sind. Interessanterweise entwickelte sich Aarons und Tamaras Freundschaft zu Call ungefähr so wie meine eigene Meinung zu ihm – am Anfang wusste ich nicht so recht, was ich von ihm halten sollte und verstand sogar, dass viele ihn nicht mochten, doch je mehr Zeit verging, desto sympathischer wurde er mir. Zwar macht Call immer noch viele vermeidbare Fehler, doch hoffe ich, dass er im nächsten Band aus ihnen lernen wird. So oder so war die Freundschaft der drei schön langsam und realistisch beschrieben und damit eins meiner Highlights.

Von den Nebencharakteren möchte ich gerne Jasper hervorheben, weil er mich positiv überrascht hat. Als Schulfiesling ist er nicht sonderlich sympathisch, doch ein paar seiner Taten machen klar, dass mehr hinter seinem Charakter steckt als zunächst angenommen. Insofern hoffe ich, dass er im nächsten Band mehr von sich und seiner Entwicklung zeigen wird.

Das Buch enthält natürlich ein paar Twists, von denen ich einen dadurch, dass er stark geforeshadowt wurde, bereits früh ahnte, aber dafür zwei weitere großartige Twists nicht vorhergesehen habe. Tatsächlich kann ich mich nicht entscheiden, welcher mir mehr gefällt, weil beide sehr überraschend kamen, im Nachhinein aber durchaus Sinn ergaben.

Ich glaube, meine einzige richtige Kritik – neben Calls zu risikofreudigem Verhalten – ist, dass das Magiesystem bisher noch nicht kreativ genutzt wurde. Aus den Elementen lassen sich nämlich durchaus einige Dinge anstellen, doch hier bleibt ihre Nutzung eher oberflächlich. Es bleibt abzuwarten, ob spätere Bände mehr auf die unendlichen Möglichkeiten der Magie eingehen.

Insgesamt war dieses Buch absolut großartig – und das nicht nur für Kinder, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene, die gerne Fantasyromane an einer Schule lesen. Mir hat die Lektüre auf jeden Fall großen Spaß gemacht und ich freue mich schon sehr auf die nächsten Bände!

Liga Lexis – Nachtschwarze Worte
400 Seiten

Annie kann nicht fassen, als sie erfährt, dass sie eine Migra ist – halb Mensch, halb Buchfigur. Von nun an soll sie auf Bookford Manor ihre Fähigkeiten ausbauen, denn als Migra braucht sie Bücher buchstäblich zum Überleben. In Bookford Manor findet sie in Fitz und Mac Freunde, doch auch einen Feind: Caspian, der auf sie aufpassen soll, weil ihre Magie anders als die der anderen ist. Trotzdem fühlt Annie sich zu ihm hingezogen und kommt ihm langsam näher. Als sie gemeinsam in ihr Lieblingsbuch „Silberkorn“ reisen, entspannt sich schnell ein Abenteuer, das viel mehr als nur eine Geschichte umfasst …

Dieses Jugendbuch ist hervorragend für Fans der Tintenwelt-Reihe geeignet und allgemein für alle, die gerne lesen. Das Worldbuilding, das Mo Enders aufbaut, ist – im doppeldeutigen Sinne – fantastisch. Sowohl die Welt der Migra, die sich mit tätowierten Zitaten Kraftspeicher geben als auch die Welt der Buchfiguren, die auf ganz eigene Weise funktioniert, haben mich unglaublich fasziniert. Das war für mich definitiv der beste Teil des Buches und jede Szene, die in der Buchwelt spielt, gehörte zu meinen Lieblingen – speziell die Szenen in „Silberkorn“, aber auch die Besuche in anderen Buchwelten.

Wobei man sagen muss, dass die Kurzbeschreibung in diesem Sinne spoilert, denn erst ab der Hälfte des Buches geht es überhaupt in die Buchwelten. Davor fokussiert sich der Roman auf Bookford Manor, auf Annies Ausbildung, ihre Freundschaften und ihre Beziehung zu Caspian. Was allesamt sehr gewünschte Themen waren, die ebenso im Fokus stehen wie die Reise durch die Buchwelten, aber eben wirklich genauso wichtig sind. Wer also erwartet, sofort in die Buchwelten zu reisen, wird enttäuscht werden – aber zum Glück gibt es so oder so zahlreiche Referenzen an verschiedene Werke, die sehr charmant zu lesen waren.

Was die Hauptcharaktere angeht, war Annie eine sehr sympathische Hauptfigur und Caspian letztendlich ein sehr faszinierender Charakter, doch muss ich zugeben, dass ich die Romanze zwischen ihnen nicht gefühlt und sogar als Schwäche des Buches empfunden habe. Sie haben durchaus ein paar schöne Szenen miteinander, aber insgesamt läuft die Romanze zu rasch ab, Caspian verwandelt sich zu schnell vom Mistkerl zum Traummann und allgemein macht Annie viele Annahmen über ihn und die Beziehung, ohne sie auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Deshalb hätte ich gerne noch mehr von ihren platonischen Freunden gesehen; Mac und Flix haben zwar genug Szenen, um ihren jeweiligen Charakter zu zeigen, aber noch nicht genug, um als dreidimensionaler Charakter wahrgenommen zu werden. Ich hoffe, im nächsten Band können beide etwas mehr scheinen.

Letztendlich ist dieses Jugendbuch immer noch eine wunderbare Lektüre für alle, die gerne lesen. Die Liebe zu Büchern spürt man auf jeder Seite und die Referenzen an viele Werke der Weltliteratur haben mir außerordentlich gut gefallen!

Nachtfahrt
400 Seiten

Als Katha hört, dass ihr Vater, ein talentierter Fahrlehrer, von der Straße abgekommen sein soll, will sie es nicht richtig glauben. Von ihrer Familie ist jetzt nur noch ihre Nichte Ronja übrig – doch möglicherweise nicht für lange. Denn jemand hat Ronja entführt, und verlangt, dass Katha innerhalb von 48 Stunden "die Wahrheit" finden soll. Während sie zusammen mit dem Fahrlehrer Delf panisch nach einem Grund sucht, warum es jemand auf ihre Familie abgesehen haben könnte, läuft nicht nur ihre Zeit, sondern auch die der Entführten immer weiter ab ...

Dieser Thriller ist spannend und durch seine kurzen Kapitel sehr flüssig zu lesen, vor allem, weil er uns Leser:innen ordentlich auf Trab hält. Neben Kathas Geschichte, die durch das Zeitlimit bereits spannend genug ist, folgen wir auch Corinna, einer weiteren Entführten, die sich mehreren "Prüfungen" stellen soll. Die Abwechslung war hier sehr gut, weil sie mich zusätzlich hat fragen lassen, wie genau die beiden Geschichten zusammenhängen – wobei ich allerdings Kathas Geschichte deutlich mehr mochte.

Denn zwar sind beide Geschichten gleichermaßen spannend und beide Protagonistinnen sympathisch, doch Corinnas Geschichte enthielt leider auch eine große Schwäche: Nämlich, dass ihr Entführer lächerlich böse war. Ich konnte ihn während des gesamten Romans nicht ernst nehmen, weil er so klischeehaft und kindlich war; selbst, wenn solche Menschen tatsächlich existieren, lesen sie sich in der Fiktion eher bedauernswert als bedrohlich. Zwar hatte auch dieser Handlungsstrang Szenen, die ich sehr mochte, aber die ganze Zeit habe ich mir einen ernstzunehmenderen Antagonisten gewünscht.

Dafür war ich umso begeisterter von Kathas Geschichte. Zwar habe ich den Twist relativ früh vorhergesehen, was ich schade fand, aber dennoch gab es ein paar gute falsche Fährten, in die ich vorher tappte. Und vor allem: Die ganze Zeit fieberte ich mit ihr mit und war neugierig, was als nächstes passieren und was sie als nächstes planen würde. Schön war auch, dass ihre persönliche Geschichte beleuchtet wird, sodass wir sie noch näher kennenlernen.

Beide Handlungsstränge münden in ein fantastisches, atemloses Finale, das ich trotz der oben genannten Schwächen als Highlight empfand. Der Thriller selbst war ja schon spannend geschrieben, doch das Finale setzt noch mal eine ordentliche Schippe obendrauf. Zusammen mit dem zufriedenstellenden Ende ging ich letztendlich positiv aus dem Buch hervor.

Wer also nichts gegen Klischee-Bösewichte hat und einen kurzweiligen, packenden Thriller sucht, ist hier an der richtigen Adresse!

Lonely Castle in the Mirror
452 Seiten

Nach einem traumatischen Vorfall will Kokoro nicht mehr zur Schule gehen. Ohne zu wissen, wie es weitergehen soll, verbringt sie zu Hause ihre Zeit – bis ihr Spiegel plötzlich zu leuchten beginnt und sie in das Schloss der sogenannten Wolfskönigin gezogen wird. Zusammen mit sechs anderen Schülerinnen und Schülern bekommt sie eine einmalige Gelegenheit: Demjenigen, dem es gelingt, einen verborgenen Schlüssel im Schloss zu finden, wird ein Wunsch erfüllt. Solange können sie für gewisse Stunden im Schloss bleiben, während denen sie sich immer besser kennenlernen. Doch als sie erfahren, welches Opfer sie für ihren Wunsch bringen müssen, müssen sie sich fragen: Wollen sie den Schlüssel überhaupt finden?

Nachdem ich bereits die fünfbändige Manga-Reihe zum Roman gelesen hatte, war ich neugierig, wie der Roman selbst sein würde – und kann zu meiner Freude sagen, dass er mich ebenfalls sehr begeistert hat!

Nicht nur war er sehr gut zu lesen und hat es mühelos geschafft, mich in die Geschichte hineinzuziehen, sondern war auch von der Geschichte im Allgemeinen sehr einnehmend. Er hat viele wichtige Themen besprochen und mich sogar zwei, drei Mal zu Tränen gerührt. Die Charaktere, obschon wir nicht alle gleichwertig kennenlernen (was durchaus eine Kritik ist, weil ich mir gerne noch mehr Backstory zu jedem gewünscht hätte), waren alle auf ihre Weise sehr sympathisch und glaubwürdig. Unter den sieben Kindern mochte ich Masamune am liebsten, während mich unter den Nebencharakteren Kokoros Mutter am meisten begeistern konnte.

Was Kritik angeht, fand ich das Pacing im ersten Akt ein wenig zu langsam; zwar erfüllt er die wichtige Aufgabe, eine Freundschaft zwischen den Charakteren zu etablieren, doch trotzdem fand ich, dass es ein wenig zu lange dauerte, bis die interessanteren Teile der Geschichte stattfanden. Diese waren dafür zwar umso besser, aber erwähnen wollte ich es trotzdem.

Zudem sind die Twists durchaus vorhersehbar. Natürlich kannte ich sie dank des Mangas schon (was es sehr interessant gemacht hat, das Foreshadowing im Roman zu erleben), doch selbst diejenigen, die ihn nicht kennen, werden sie sicherlich vor der eigentlichen Offenbarung erraten. Mich hat das zwar nicht besonders gestört, weil ich die Geschichte selbst so gut fand, doch anderen Leserinnen und Leser könnte es durchaus missfallen.

Zuletzt ein kurzes Wort zur Manga-Umsetzung, die ich persönlich fantastisch fand. Sie ist überrascht akkurat und hat sogar an einer Stelle einen Plot Point eingebaut, den der Roman aufgrund seines Erscheinungsjahrs nicht vorhersehen konnte. Insgesamt sind sowohl der Roman als auch der Manga trotz meiner Kritikpunkte auf jeden Fall lesenswert!

Traumtänzerin
400 Seiten

Charlie ist in ihre beste Freundin Mia verliebt, die jedoch nur Augen für ihren Mitschüler Milan hat. Nicht mal ihr bester Freund Luke weiß darüber Bescheid, ganz zu schweigen von ihrer Familie. Während Charlie Mia hinterher schmachtet, entgeht ihr, dass es ein anderes Mädchen gibt, das ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen versucht …

„Traumtänzerin“ ist der erste Roman von Alicia Zett, deren andere Romane ich bereits mit Freude gelesen und genossen habe. Und obwohl man natürlich merkt, dass es sich hierbei um ihr erstes Werk handelt, habe ich auch diesen Roman ebenfalls sehr gemocht!

Der Schreibstil ist recht schlicht gehalten, was es einfach macht, Charlies Gedanken zu folgen. Tatsächlich hat es mir sehr gefallen, wie gut wir ihre Gedanken nachvollziehen konnten, auch wenn der Übergang zwischen ihren Gefühlen für Mia und ihren Gefühlen für Viky für mich ein wenig zu fließend war; es war schwer, zu bestimmen, wann genau die einen Gefühle aufhörten und wann die anderen aufblühten. Wobei das jetzt keine richtige Kritik ist, sondern schlicht ein Punkt, der mich beim Lesen etwas verwirrte.

Denn die Beziehung zwischen Charlie und Viky an sich war sehr wunderschön beschrieben und ich habe es geliebt, ihre wachsende Romanze zu verfolgen. Zu Mia hätte ich mir ein endgültigeres Ende gewünscht, weil der Status ihrer Freundschaft am Ende überraschend unklar ist. Umso schöner war dafür Charlies Freundschaft mit Luke umgesetzt; nicht nur war er selbst ein wunderbarer Charakter (der später seinen eigenen wohlverdienten Roman bekommen hat), sondern allgemein ein großartiger Freund!

Schön fand ich auch, dass Alicia Zett Familienmitgliedern ebenfalls ihren wichtigen Moment gegeben hat, auch wenn letztendlich nur Charlies Vater für die Handlung relevant ist. Sonst werden allgemein viele für junge Erwachsene relevante Themen angesprochen, was zusätzlich dazu beitrug, dass man sich gut in Charlies Probleme hineinversetzen konnte.

Insgesamt also ein schönes Debüt, das gut zeigt, wie sich Alicia Zett im Lauf ihrer Romane entwickelte!

Wie Farben im Regen
496 Seiten

Caro beginnt ihr letztes Schuljahr auf Schloss Mare und hat Angst, was sie danach erwartet. Vor allem, als Samuel, den sie bisher für ihre Partnerin Sam hielt, sich bei ihr als trans outet, was viele Fragen aufwirft. Darf er noch im Fußballteam mitspielen? Wie soll er sich vor Freund*innen und Familie outen? Und was bedeutet das für ihre Beziehung, nachdem Caro noch nie Interesse an Jungs zeigte? Dieser und vielen weiteren Fragen müssen sich die beiden in Lauf der nächsten Monate stellen ...

Mit Lou und Mika hat die "Liebe ist"-Trilogie ihren Anfang genommen, wurde mit Toni und Lukas weitergeführt und findet jetzt mit Caro und Samuel ihr zufriedenstellendes Ende. Obwohl der Band theoretisch auch einzeln gelesen werden kann, empfehle ich persönlich, die vorigen Bände ebenfalls zu lesen. Dadurch ist es nicht nur sehr viel leichter, den Überblick über die Charaktere zu behalten, sondern umso schöner, zu sehen, wie die Paare aus den vorigen Bänden sich weiterentwickelt haben.

Natürlich liegt der Fokus trotzdem auf Caro und Samuel, deren Geschichte mich wirklich sehr berührt hat. Caros Angst vor Veränderungen konnte ich sehr gut nachvollziehen, genauso wie ihre Ängste bezüglich Samuels Transition. Auch Samuel bekommt genug Gelegenheit, seine Gefühle zu zeigen, wodurch es ebenfalls leicht war, seine Höhen und Tiefen mitzufühlen.

Dankbar war ich dafür, dass sowohl Caros als auch Samuels Problemen genug Platz eingeräumt wird, sodass beide im Verlauf der Handlung gleich wichtig bleiben. Auch ihre schönen Momente miteinander und mit anderen nehmen viel Raum ein und sind fantastisch geschrieben – ich war mehrmals zu Tränen gerührt, weil Alicia Zett ihre Geschichte so wunderschön erzählt hat!

Als Kritik kann ich höchstens das etwas langsame Pacing einbringen; der Großteil des Romans erzählt von der ersten Hälfte des Schuljahrs, während die zweite Hälfte regelrecht an einem vorüberfliegt. Es war zwar imho die richtige Entscheidung, die ersten paar Monate mit all der Ungewissheit, die sie bringen, ausführlich zu beschreiben, doch trotzdem hätte ich gerne mehr von den Ereignissen der zweiten Hälfte und speziell den Veränderungen, denen Caro und Samuel sich stellen, mitbekommen.

Im Anbetracht der Tatsache, wie gut mir dieses Buch gefallen hat, ist das jedoch verschmerzbar – und ich kann das Buch allen Leser*innen empfehlen, die eine wunderbare Liebes-, Freundschafts-, Familien- und LGBTQIA+-Geschichte lesen möchten!

Spring Storm 1: Blühender Verrat
464 Seiten

Cora hat in (lebens-)gefährlichen Situationen immer erstaunlich viel Glück. Sie kann durch ganze Krisengebiete laufen, ohne, dass ihr etwas passiert. Offiziell hat man bei ihr allerdings nie eine Cosmic Power feststellen können - bis sie an der Schule für Cosmics aufgenommen wird und sich einem ganz neuen Alltag stellen muss. Vor allem ihre Mentorin King ist ihr ein Rätsel. Sie scheint Cora zu verachten, beschützt sie jedoch gleichzeitig vor Gefahren. Und bald muss Cora die Grenzen ihres Glücks auf ganz neue Weise austesten ...

Bei der Kurzbeschreibung kamen mir zugegeben zunächst Zweifel, weil sie sich so nichtssagend anhörte, doch das eigentliche Buch konnte meine Erwartungen zum Glück haushoch übertreffen. Tolle Charaktere, eine spannende Handlung, kreative Superkräfte - es war einfach eine wunderbare Mischung aus allem, was ich an einem guten (Fantasy-)Buch zu schätzen weiß. Vor allem die Protagonistin Cora hat mein Herz im Sturm erobert, weil sie einfach ein fantastischer, dreidimensionaler Charakter war, in den man sich sehr gut hineinversetzen konnte. Aber auch die Nebencharaktere (speziell King, Fedir und Himari) konnten ihre Qualitäten zeigen und ich hoffe, im zweiten und letzten Band, der im Frühjahr 2023 erscheint, noch mehr von ihnen zu lesen.

Der Umgang mit Superkräften war sehr erfrischend, sodass sogar bekannte Superkräfte unter Marie Graßhoffs Feder in einem neuen Licht schimmerten. Auch hier muss ich die Glücks-Fähigkeit der Protagonistin positiv hervorheben, weil mir ihre Umsetzung so gut gefallen hat.

Das einzige, was man eventuell kritisieren könnte, ist, dass die in der Kurzbeschreibung angedeutete Romanze eine starke Nebenrolle hat; diejenigen, die das Buch allein deswegen lesen, werden deshalb eher enttäuscht werden, doch diejenigen, die allgemein eine hervorragende Geschichte lesen möchten, werden umso begeisterter sein!

Zeichnen beginnt im Kopf - Die ultimative Zeichenschule von YouTube-Zeichnerin LinaFleer
128 Seiten

Ich bin ganz und gar keine Zeichnerin und habe auch kein Interesse daran, eine zu werden, aber da ich die Youtuberin Lina Fleer sehr mag und wissen wollte, wie sie eine Zeichenschule gestaltet, kaufte ich mir ihr Buch - und war positiv überrascht darüber, wie viel ich gelernt habe!

Ein paar der Übungen habe ich spaßeshalber sogar mitgemacht (mit gemischtem Erfolg, aber großer Freude), was mir gezeigt hat, dass sogar in mir eine Künstlerin stecken könnte, die sich schlicht entschied, einen anderen Weg einzuschlagen. Das ist insofern beeindruckend, dass ich zuvor vollkommen überzeugt davon war, null Talent zu besitzen.

Die Lektionen selbst sind für pure Anfänger zugegeben nicht immer geeignet, denn auch, wenn Lina Fleer Schritt für Schritt aufzeigt, was zu tun ist, sollte man, wenn man Zeichnen ernsthaft anstrebt, jede Lektion am besten sehr oft wiederholen. Das ist zwar selbstverständlich, aber selbst dann ist es ein steiler Weg vom Amateur zum Künstler.

Am interessantesten fand ich das Kapitel zu Proportionen, weil es einiges Wissen enthielt, das mir bisher unbekannt war. Allgemein mochte ich es, wie Lina stets an ihren eigenen Zeichnungen illustriert hat, wie genau sie arbeitet. Selber machen ist natürlich immer etwas Anderes, doch gibt Lina nichtsdestotrotz ein paar wichtige Tipps.

Wer an Zeichnen interessiert ist, gerne einen Einblick in Linas Arbeitsprozess bekommen und/oder ein paar interessante Dinge über das Zeichnen lernen möchte, ist hier gut bedient!