Direktor Schwarz braucht dringend die Hilfe der Hackebarts: Der Schulinspektor Otto Säuerlich möchte in drei Tagen die berüchtigtste Klasse der Schule, die 7 z, überprüfen. Alle Lehrer bis auf den beliebten El Zorro haben sich krank gemeldet und die einzige Hoffnung des Direktors liegt in der schlauen Lulu. Aber auch die anderen Hackebarts sind begeistert von der Vorstellung, ihre eigenen Lieblingsfächer zu unterrichten – bis sie die Klasse 7 z tatsächlich kennenlernen …
Witzig geht es auch im fünften Band weiter, und zwar mit einer tollen Idee: Die Hackebarts, die die wohl katastrophalste Klasse der Welt für einen Tag unterrichten müssen. Bis zum eigentlichen Tag dauert es zwar ein wenig, weil zunächst die Grundsteine der Handlung gelegt werden und die Hackebarts die Klasse zunächst in einem Übungstag kennenlernen, doch bereits da bedient sich Markus Orths seinem fantastischen Humor. Ich mochte vor allem seine genialen Wortwitze!
Das eigentliche Highlight bleibt natürlich immer noch der Unterrichtstag selbst. Adrijana mit Sport und Musik (zumindest theoretisch), Mönkemeier mit einer kreativen Kunststunde, Zosch mit Informatik (beziehungsweise: Zocken und Hacken), Lulu mit einer sehr erheiternden Deutschstunde, Brooklyn mit einem sehr erinnerungswürdigen Chemie-Experiment und zum Schluss Opa Hackebart mit Geschichte (und ein paar Themen mehr). Jede einzelne dieser Stunden war ein Highlight für sich und zusammengenommen bilden sie den wohl besten Teil des Buches. Ich mochte aber auch die Autofahrt mit Opa Hackebart und Walter, die zwar nur eine kleine Rolle spielt, aber ebenfalls witzig zu lesen war.
Von den neu eingeführten Charakteren hätte ich gerne noch mehr von El Zorro gesehen – er hat zwar seine Auftritte und sorgte für einen guten Abschluss, aber mir hätte es nichts ausgemacht, ihn noch öfter zu sehen, weil er schlicht ergreifend cool war!
Insgesamt ein gelungener Crazy-Family-Band, der nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken einlädt!
- Geschichte
- zum Anfassen
- Sam Kean
- Penguin
- Archäologie
- Experimente
- Erzählungen
- Historie
- Antike
- Mittelalter
- Praxis
- Sachbuch
Wie haben die Menschen vergangener Zeiten tatsächlich gelebt? Archäologie stellt sich diese Frage in der Regel theoretisch, doch Sam Kean möchte mithilfe eigener Experimente zeigen, wie alltägliche Aufgaben in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern tatsächlich aussahen. Von der Zeit der Jäger und Sammler bis zum Untergang der Azteken beschreibt und testet er mithilfe von Experten so ziemlich alles: Das Werfen mit einer Speerschleuder, das Mumifizieren von Tieren, das Herstellen antiker Frisuren und Tätowierungen, sogar das Aufschneiden eines Gehirns. Gleichzeitig erzählt er von möglichen Erlebnissen, die ein Mensch damals gemacht haben könnte, mit all den Strapazen, die damit einhergingen …
Die Struktur dieses Sachbuchs ist das, was es besonders macht: In elf Kapiteln folgt nach einer kurzen Einleitung abwechselnd eine fiktive Erzählung, die sich auf wahre Fakten stützt, und Sam Keans Erläuterungen und Experimente, die in den jeweiligen Erzählungen beschrieben wurden. Das sorgte für eine angenehme Abwechslung, durch die ich sowohl in die Erzählung als auch in seine Experimente investiert war. Tatsächlich war ich überrascht, wie sehr ich darauf brannte, zu erfahren, wie verschiedene Geschichten und Versuche ausgehen, obwohl ich ja wusste, dass die Geschichten fiktiv und die Versuche sicher waren!
Zugegeben stellt sich Sam Kean bei den meisten Experimenten mehr schlecht als recht an, aber gerade das macht die Versuche erstaunlich charmant und demonstriert gleichzeitig, wie schwer sie wirklich sind. Allerdings braucht man stellenweise einen stabilen Magen für manche der Versuche – schon die Beschreibung des Mumifizierens war nicht leicht zu lesen, aber das Kapitel mit dem Aufschneiden des Gehirns war wirklich nichts für schwache Nerven.
Weil ich die halb-fiktiven Erzählungen so mochte, möchte ich ihnen allen einen kurzen Satz widmen:
- Kayate im prähistorischen Afrika investierte mich gleich von Anfang an, weil mit jedem Scheitern immer mehr für ihn auf den Spiel stand;
- die Jägerin Asana in Südamerika konnte mich ebenfalls fesseln, weil das Mysterium um eine Fremde zusammen mit einer gefährlichen Jagd für eine spannende Mischung sorgte;
- Darga in der Türkei hat sich mir nicht allzu eingebrannt, aber dafür war die Szenerie der Stadt Çatalhöyük mit Abstand die erinnerungswürdigste Ortschaft;
- Amon im antiken Ägypten hatte den Vorteil, dass ich das antike Ägypten allgemein mag, weshalb mir auch seine Geschichte sehr gut gefiel;
- Loa, Navigatorin in Polynesien, hatte einen besonders coolen Charakter, aber handlungstechnisch passierte leider nicht allzu viel;
- die Sklavin Zyrmina in Rom war wohl meine liebste Geschichte, weil ihr Charakter, die Handlung und die Ortschaft gleichermaßen großartig waren;
- bei Nadu in Kalifornien erinnere ich mich zugegeben nur noch an das überraschend zufriedenstellende Ende;
- auch von Ciaran bei den Wikingern habe ich nicht mehr viel in Erinnerung, weil das das Kapitel war, indem Sam Kean sich dem Aufschneiden eines Gehirns widmete;
- dafür konnte mich Amaruq in Nordalaska wieder fesseln, weil ihre Situation so drängend und risikoreich war;
- der Eunuch Jiaolong im alten China konnte durch eine einnehmende Liebesgeschichte überzeugen;
- und schließlich haben wir Huehmac in Mexiko, bei dem ich mich eher an Sam Keans Ullamaliztli-Spiel erinnere als an die erzählte Geschichte.
Insgesamt also eine Sammlung an vielen guten Geschichten, die, wie Sam Kean betont, zwar fiktiv sind, aber so oder so ähnlich durchaus hätten passiert sein können, weil sie sich auf überlieferte Fakten stützen, die auch während den Geschichten selbst eingestreut werden. Sollte ich das Buch noch einmal lesen, kann ich mir gut vorstellen, mich ganz auf die Erzählungen zu fokussieren!
Ein letztes kleines Lob, das nichts mit dem Inhalt selbst zu tun hat, ich aber unbedingt erwähnen möchte: die Erzählungen und Keans Erläuterungen werden durch verschiedene Symbole voneinander abgegrenzt, die nicht nur zur Geschichte passen, sondern stets unterschiedlich sind: So haben wir bei Zyrmina in Rom zum Beispiel vier Erzählungs- und drei Erklärungsabschnitte, die durch sechs verschiedene Symbole voneinander abgetrennt werden: Pflanzen, Tempel, Frisuren, Nadel und Faden, Vulkane und Halsbänder. Die Tatsache, dass nicht einfach dasselbe Symbol für jede Abgrenzung benutzt wird und die Symbole zudem immer zum jeweiligen Abschnitt passen, war bei jeder Geschichte ein kleines, aber unglaublich charmantes Detail. Großes Lob an die Person, die dafür verantwortlich ist, denn obwohl es nur ein visueller Aspekt war, trug er so einiges zur Lesefreude bei!
Insgesamt also ein Sachbuch, das vor allem durch seine Erzählkunst überzeugt und allein deshalb empfehlenswert ist, aber auch wegen der sehr anschaulichen Experimente, bei denen der Autor an seine Grenzen geht!
Soli ist ein Niemand – und damit genau die richtige Person, um die Kriegsgöttin Corvynne zu besiegen und deren Schwester Artemisen aus der Gefangenschaft zu befreien. Durch diese wörtliche Interpretation einer Prophezeiung wird Soli zur Trägerin des Amuletts, das ihr bei ihrer Quest helfen soll. Und sie ist nicht allein: Der Prinz Kaelen, die Magierin Elianna, der Dieb Trick, die Kriegerin Chitai, der Lord Andras, der Soldat Bern und der Sergeant Neville begleiten sie auf ihrer Reise. Doch letztendlich liegt es an Soli, die Bürde der Göttin zu tragen und sie ist sich nicht sicher, ob sie dafür wirklich die Richtige ist …
Diese Geschichte baut auf einem guten Prinzip auf und hat eine absolut großartige Protagonistin, aber leider überzeugten mich sowohl die Romanze als auch die Nebencharaktere nicht genug, um für eine insgesamt gute Lektüre zu sorgen.
Aber fangen wir mit Soli an. Sie war die wohl größte Stärke des Romans, weil sie zum einen mutig, klug und witzig war, aber auch eine gut umgesetzte Charakterentwicklung durchmachte, durch sie sie lernt, sich selbst wichtiger zu nehmen. Die Art und Weise, wie „das Grau“, unter dem sie leidet, beschrieben wurde, war emotional und realistisch – im Nachwort geht die Autorin auf die Depressionen ein, mit denen sie zeit ihres Lebens kämpfen musste und die Szene, in der Soli von einer überwältigt wird, gehörte zu den wohl besten im Roman. Und das ist noch nicht mal alles: Soli hat auch kleine Gewohnheiten, die sie mir sehr sympathisch machten, wie die Art und Weise, wie sie sich Wörter ins Haar flicht, die sie inspirieren sollen, oder wie sie ihre Heldin Wynona Wavedancer zitiert, wann immer sie sich Mut zusprechen will. Allgemein zitiert sie stets, wo sie ihre Informationen herhat, was wieder ein Charakterzug war, den ich schlicht sympathisch fand.
Leider überzeugten mich die anderen Aspekte des Romans dafür nicht besonders. Die Romanze mit Kaelen beispielsweise passiert viel zu plötzlich, die beiden haben keine Chemie miteinander und die einzige Anziehung, die sie verspüren, bezieht sich ausschließlich auf körperliche Attribute. Immer, wenn Soli sich auf ihn konzentrierte, schien sie zumal ihre ganzen positiven Eigenschaften zu verlieren, was nicht gerade dazu beitrug, die Romanze selbst zu mögen.
Die anderen Charaktere haben bis auf eine Ausnahme keinen starken Eindruck bei mir hinterlassen; tatsächlich finde ich sogar, dass die Kurzbeschreibung sie interessanter klingen lässt, als sie es tatsächlich sind. Denn die Kurzbeschreibung deutet an, dass die Nebencharaktere, auch wenn sie keine eigene Sichtweise erhalten, trotzdem eine eigene Quest mit sich bringen, aber letztendlich blieben fast alle blass und wir erfahren kaum etwas über sie.
Eine Ausnahme davon bildet die Magierin Elianna. Ich mochte sie wirklich gern, wir lernen ein wenig etwas aus ihrer persönlichen Geschichte kennen, sie war allgemein sympathisch und hatte eine tolle Chemie mit der Kriegerin Chitai (die zugegeben auch sehr cool war). Aber die anderen? Leider nicht. Andras und Neville hätten wohl auch weggelassen werden können und Trick und Bern hatten zwar Potential, aber leider wurde es nicht vollständig genutzt. Hier hätte ich mir wirklich gewünscht, dass Soli weniger Zeit mit Kaelen verbracht hätte und dafür mehr Zeit, die Motivationen der einzelnen Charaktere kennenzulernen.
Die eigentliche Handlung, die aus der Suche nach zwei Schlüsseln besteht, war durchaus gut, auch wenn das Ende ein wenig plötzlich war. Letztendlich werde ich leider nicht weiterlesen, weil Soli zwar eine großartige Protagonistin war, sie selbst aber nicht ausreichte, um mich zum Weiterlesen zu motivieren.
- Ruinous Ends
- I.V. Marie
- Delacorte Press
- Jugendbuch
- Fantasy
- Romanze
- Liebe
- Tod
- Zwischenwelt
- Erinnerungen
- Suche
- Quest
- Twists
Die Dekadenfeier ist vorbei, die Siegerin gekürt: Irene, die zu einer Aufgestiegenen geworden ist und nun versuchen muss, die Schule von innen heraus zu zerstören. Im Gegensatz zu vorigen Dekadenfeiern sind die übrigen Teilnehmer allerdings nicht erloschen: Wren wurde von Augusts Schwester Edith gefangen genommen, die sie zwingt, ihren Tod immer und immer wieder zu erleben; August möchte Wren unbedingt retten, ist dafür jedoch gezwungen, seine Schattenmacht einzusetzen, die ihn selbst immer mehr zerstören wird; und Masika, Emilio und Olivier machen sich auf eine letzte Suche, um anhand von Hinweisen den Wahren Schuldirektor zu finden, wobei Olivier vor den anderen geheim hält, dass sein Vergessen immer weiter fortschreitet …
Weil mir der erste Band so gut gefallen hatte, habe ich den zweiten Band bereits jetzt auf Englisch gelesen und obwohl er, wie es bei mir so oft bei Dilogien vorkommt, nicht an den ersten heranreicht, bietet er immer noch einen guten Abschluss der Geschichte.
Für mich war die Haupthandlung dabei gar nicht Wrens und Augusts Sichtweise, obwohl sie das technisch gesehen wohl ist, sondern die Quest, auf die sich Masika, Emilio und Olivier aufmachen. Ihre Struktur wies eine größere Ähnlichkeit zum ersten Band auf, ich war unglaublich investiert in alle drei Charaktere und spürte den Fortschritt, den sie machten, mehr als bei den anderen Sichtcharakteren. So haben zwar auch Wren und August Risiken, die sie eingehen müssen und eine süße Romanze, die weiter zwischen ihnen blüht, aber bei ihnen schien die Handlung ab und an vor sich hinzuplätschern, weshalb mir die anderen drei in dieser Hinsicht besser gefielen.
Dann haben wir da noch Irene, die vor allem darunter leidet, dass sie von den anderen fünf abgeschnitten ist und leider auch allgemein keiner meiner Lieblingscharaktere war. Speziell im ersten Band und bei den anderen Sichtweisen dieses Bandes waren es die Charakterinteraktionen, die ich am meisten mochte, sodass Irene diesbezüglich nichts hatte, womit sie mich fesseln konnte. Zwar mochte ich die Entwicklung ihrer Handlung durchaus, aber ich war definitiv am wenigsten investiert in sie.
Apropos Charakterinteraktionen: Ich war überrascht davon, wie schnell die Romanzen zwischen den Charakteren gelöst wurden, weil ich erwartet habe, während des ganzen Romans auf eine Auflösung zu warten, doch bin ich letztendlich dankbar, dass I.V. Marie uns nicht allzu lange hinhielt, sondern die Gelegenheit nutzte, um stattdessen andere Handlungsaspekte zu beschreiben.
Andere Charaktere spielen nur eine sehr kleine Rolle; ich mochte Quinn und Arthur, die während Wrens Sichtweise auftauchten, überraschend gern, aber davon abgesehen waren die Nebencharaktere nicht allzu erinnerungswürdig. Das finde ich aber auch in Ordnung so, weil zu viel Fokus auf die Nebencharaktere zu sehr von den Hauptcharakteren abgelenkt hätte. Dafür hätte es mir gefallen, noch mehr Rückblicke auf ihr vorheriges Leben bzw. ihre Vergangenheit allgemein zu bekommen; Masika, August und Wren haben in dieser Hinsicht mindestens eine Szene, aber Irene, Emilio und Olivier dafür keine, obwohl es sich gerade bei Olivier angeboten hätte.
Die Twists, die in diesem Band gelüftet werden, waren wirklich genial und rückten viele Dinge in einen anderen Kontext; nur das Ende konnte mich nicht vollkommen zufriedenstellen, weil es einerseits zwar passend war, ich mir andererseits aber trotzdem gerne ein anderes gewünscht hätte.
Insgesamt hat der Band also Stärken und Schwächen, ist aber immer noch ein guter Abschluss der Dilogie!
- Die Psychiaterin
- Freida McFadden
- Heyne
- Thriller
- Spannung
- Twists
- Falsche Fährten
- Verschlossener Raum
- Eingesperrt
- Grusel
- Verschwinden
- Mord
- Geheimnisse
- Highlight
Tricia und ihr Ehemann Ethan scheinen für ihre neue gemeinsame Zeit ihr perfektes Traumhaus gefunden zu haben: Es gehörte der Psychiaterin Dr. Adrienne Hale, die vor wenigen Jahren spurlos verschwunden ist. Tricia hat kein gutes Gefühl, vor allem, als bei der geplanten Hausbesichtigung die Maklerin nicht auftaucht und die beiden eingeschneit werden. Gezwungen, die Nacht im Haus zu verbringen, forscht Tricia nach, in der Hoffnung, herauszufinden, was mit der Psychiaterin passiert ist – und entdeckt dabei einen Geheimraum mit mehreren Kassetten, auf denen Dr. Hale sämtliche Patientengespräche aufgezeichnet hat. Sie beginnt, sie durchzuhören – und entdeckt dabei mehr als nur ein Geheimnis …
Dieser Thriller hält einen wirklich auf Trab! Ich glaube, er könnte sogar mein bisher liebster Thriller aus McFaddens Feder sein, weil er einfach so spannend geschrieben war und ich ihn innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Das Pacing ist einfach großartig: Wir haben zum einen Tricia, die in der Gegenwart der gruseligen Geschichte des Hauses nachgeht, während sie Angst hat, dass außer ihrem Ehemann und ihr noch jemand im Haus sein könnte, und dann Adriennes Psychiatergespräche und ihre Probleme mit einem ganz speziellen Patienten. Die Mischung war wirklich gut gemacht und hat mich stets zum Weiterlesen angetrieben.
Die erste offensichtliche falsche Fährte habe ich sofort als solche erkannt und mich schnell auf die anderen Fährten fokussiert, die zu meiner Erleichterung sehr viel undurchsichtiger waren. So halb hatte ich durchaus die richtige Idee – aber eben nur halb, weil es so viele mögliche Erklärungen für die Geschehnisse gibt, dass ich zwar wusste, wer nicht dahintersteckt, aber nicht sagen konnte, wer stattdessen dafür verantwortlich ist. Das war wirklich großartig: Selbst, wenn man einen oder zwei Twists kommen sieht, hat McFadden immer noch welche auf Lager, mit denen man nicht gerechnet hat.
Wie gesagt hält sie die Handlung auch stets spannend; ich mochte die unheimliche Atmosphäre im Haus und die immer drängendere Situation, in der sich Adrienne wiederfindet. Das klaustrophobische Gefühl, im Haus eingesperrt zu sein, die nahezu süchtig machenden Psychiatergespräche, die immer weiter eskalierende Vergangenheit und die Fragen, die währenddessen aufgeworfen werden – einfach großartig! Zusammen mit dem flotten Schreibstil entstand so wahrlich ein Thriller, der mich von Anfang bis zum Ende packte.
Wenn ich eine Kritik äußern müsste, wäre es wohl die erste falsche Fährte, weil wirklich schmerzhaft offensichtlich war, dass es eine falsche Fährte ist. Natürlich spielt McFadden bewusst mit unseren Erwartungen und auch mit den Dingen, die wir nicht erwarten, aber mir persönlich haben die undurchsichtigeren Fährten um einiges besser gefallen.
Zusammengefasst ein grandioser Thriller, der definitiv zu meinen Lieblingen unter McFaddens Thrillern zählt!
Harry Dresden ist ganz schön überrascht, als ihn ausgerechnet der Hüter Morgan, mit dem er bisher ein feindliches Verhältnis hatte, um Hilfe bittet. Der Rat hat scheinbar klare Beweise dafür, dass Morgan einen Mord begangen hat, während selbst Harry weiß, dass Morgan eher sterben würde, als seine überaus strengen Moralgrundsätze aufzugeben. Er muss herausfinden, wer der wahre Verräter im Rat ist, während er sich gleichzeitig mit persönlichen Problemen herumschlagen muss ...
Ich hatte es schon im ersten Band geahnt, aber dieser hier zeigte mir besonders stark, dass ich einfach nicht die Zielgruppe für diese Reihe bin.
Und das liegt nicht an der eigentlichen Story, die mit der Einführung von Skinwalkern einen tollen Schritt getan hat. Zwar war die Handlung manchmal vor sich hin tröpfelnd und ich hatte oft Schwierigkeiten, ihrer Entwicklung zu folgen, aber trotzdem gab es ein paar wirklich großartige und spannende Szenen, die mir sehr gefielen. Gerade der letzte Handlungsstrang auf der Insel war besonders gut und spannend.
Nein, es liegt an der Darstellung der weiblichen Charaktere. In den letzten Bänden schien ihre Darstellung langsam besser zu werden, doch in diesem hier kamen sie mir besonders stark sexualisiert vor, bis zu dem Punkt, an dem mir nur eine Frau einfällt, die davon ausgenommen wurde: Murphy. (Von der ich im Übrigen gerne mehr gesehen hätte.) Aber gerade in der ersten Hälfte war es geradezu bizarr, wie jede Frau eine sexualisierende Szene und davon abgesehen nur wenig Nutzen bekam. Es gibt zum Glück auch Ausnahmen (Molly war zum Beispiel immer noch großartig), aber gerade in diesem Band ist es mir stark aufgefallen und hat mich sehr gestört.
Was Harrys Beziehungen angeht, mochte ich es vor allem, wie die zu seinem Bruder Thomas gehandhabt wurde; die beiden hatten zwar nicht so viel Screentime zusammen, doch ihrer beider Entwicklung war sehr einnehmend.
Andere Charaktere stachen nicht besonders hervor und ich hätte zugegeben schon lange ein Personenverzeichnis gebraucht; es war mir geradezu peinlich, wie der Verräter entlarvt wurde und ich nur "Bitte wer?" denken konnte, weil es inzwischen zu viele Charaktere gibt, als dass ich den Überblick über alle behalten könnte.
Insgesamt werde ich die Reihe wohl mit diesem Band abbrechen, weil sie mir nicht mehr genug Spaß macht, ich die Handlung zu oft zu verwirrend finde und die Darstellung der weiblichen Charaktere sehr störend. Leider glaube ich, dass die Reihe zu sehr an ein männliches Publikum gerichtet ist, als dass ich sie vollauf genießen könnte.
- All die Farben
- All das Licht
- Cora Wucherer
- Klett-Cotta
- Belletristik
- Schwestern
- Familie
- Kunst
- Blindheit
- Roadtrip
- Sommer
- Erwachsenwerden
- Veränderung
- Kleines Highlight
Juna und Martha sind Schwestern, haben aber kein besonders enges Verhältnis zueinander. Juna, die Künstlerin ist und unter dem Usher-2-Syndrom leidet, muss sich mit der Diagnose, sehr bald vollständig zu erblinden, auseinandersetzen. Unbedingt möchte sie davor ihr Lieblingsbild der Künstlerin Lotte Laserstein sehen, das in Malmö ausgestellt ist. Martha, die Junas Ausweis gestohlen hat, um im Sommer in einem Kino arbeiten zu können, hat sich immer wie die vernachlässigte, schlechtere Schwester gefühlt und sucht ihre Freiheit da, wo Juna nicht ist. Erst eine spontane Reise nach Schweden zeigt den beiden Schwestern, dass sie füreinander da sein müssen …
Dieser wunderschöne Roman erzählt nicht nur die Geschichte von zwei Schwestern, sondern geht auch stark auf die persönlichen Probleme der beiden ein, die sich nicht immer lösen lassen, ihnen aber aufzeigen, welchen Weg sie gehen können.
Vor allem in Junas Sichtweise war ich sehr investiert, da sie als Künstlerin, die bald ihr Augenlicht verliert, bereits eine einnehmende Ausgangssituation hatte, aber auch, weil ich mich sehr gut in ihren Charakter hineinversetzen konnte. Bei Martha fiel es mir schon schwerer, das zu tun, da ich ihre Sichtweise zwar komplett verstehen konnte, wir aber schlicht zu verschiedene Persönlichkeiten haben. Dafür mochte ich die Nebencharaktere in ihrer Geschichte am meisten, speziell ihren besten Freund Alex und ihren Crush Sophie.
Zu meiner Überraschung spielte das Band der Schwestern zwar durchaus eine Rolle, aber keine so große wie ihre persönliche Weiterentwicklung. Tatsächlich hätte ich mir deshalb gerne noch mehr Szenen zwischen Juna und Martha gewünscht, weil ihre wachsende Bindung dadurch noch stärker gewesen wäre, aber ich mochte es zugegeben auch sehr, die beiden an sich selbst wachsen zu sehen.
Einen Charakter, den ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist Arvid. Obwohl er nur wenig Screentime hat, hatte er einen bleibenden Effekt auf Juna, die er auf großartige Weise inspirierte. Junas und Marthas Vater bekommt im Lauf der Handlung auch eine immer wichtigere Rolle, doch hier hätte ich mir gewünscht, dass öfter gezeigt worden wäre, wie er aus seinem Verhalten gegenüber Juna und Martha lernt.
Die Einbindung der Künstlerin Lotte Laserstein, die es wirklich gab, gefiel mir außerordentlich gut, sodass ich sogar eigene Recherchen anstellte, um mehr über sie herauszufinden und ihre Bilder zu sehen.
Ich glaube, das einzige, was ich mir sonst gewünscht hätte, wäre, noch mehr von Junas und Marthas späteren Wochen, Monaten und Jahren zu zeigen. Als ich zu Beginn den Abschnitt „Davor“ las, nahm ich an, dass der „Danach“-Abschnitt sich um Junas Blindheit drehen würde, doch das war zu meiner Überraschung nicht der Fall. Was wohl auch auch der Sinn dahinter ist (der Fokus liegt bewusst auf etwas Anderem), aber ich hätte trotzdem gerne erlebt, wie ihr Leben sich daraufhin ändert.
Insgesamt ein sehr schönes Buch, bei dem mir vor allem die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren besonders gut gefiel!
Als Toshiko bei einer Erkundungsmission für ihre Wahlgeschwister Mei und Jun eine Drachenperle stiehlt, ahnt sie nur ansatzweise, was für eine Macht sie besitzt. Entschlossen, sich und anderen Bürgern am Rande der Gesellschaft endlich ein besseres Leben aufzubauen, planen die Geschwister, die Kaiserin zu stürzen. Diese plant neue, menschenähnliche Bots, von denen Toshiko fürchtet, dass sie die Hüterskinder auf grausame Weise ersetzen werden. Zu denen gehört Theo, der besondere Kräfte besitzt und einen gefährlichen Auftrag bekommt, der ihn ganz in die Nähe der Geschwister bringt. Auch der junge Haru, Sohn der Kaiserin, muss sich fragen, für wen genau er kämpfen will …
Dieser Fantasyroman bietet eine faszinierende Welt und solide Hauptcharaktere, aber leider eine zu langsame Handlung, um gänzlich zu überzeugen.
Die drei Geschwister Toshiko, Jun und Mei waren recht gute Protagonisten und ich mochte es vor allem, dass sie alle eine tragende Rolle bei den Ereignissen des Romans spielten, die ihnen auch erlebten, ihre verschiedenen Fähigkeiten zu zeigen. Es war jedes Mal so zufriedenstellend, wie ihr Können tatsächlich unter Beweis gestellt wurde, was auch für die Sichtcharaktere Theo und Haru gilt.
Diese beiden interessierten mich letztendlich noch mehr als die Geschwister, weil es mir bei ihnen möglich war, mich auch emotional mit ihnen zu verbinden, was mir bei den Geschwistern überraschend schwer fiel. Ich war vor allem investiert in Harus Geschichte, seine Freundschaft zu den Sonnengeistern und seine langsamen Zweifel an seiner Mutter; aber auch Theo und sein Auftrag gefielen mir, weil sie eine Spannung in die Geschichte brachten, die zwar nicht gänzlich bei den anderen fehlte, bei Theo aber definitiv am stärksten ausgeprägt war. Seine beste Szene war definitiv der Endkampf, nur das Ende konnte mich nicht zufriedenstellen.
Allgemein hat die Geschichte durchaus erinnerungswürdige und spannende Momente – mir kam es schlicht nicht wie genug vor, weil es mir so schwer fiel, auf emotionaler Ebene mit den Charakteren mitzufiebern und es zwischen diesen erinnerungswürdigen Momenten leider auch eine ganze Menge gab, die quälend langgezogen waren und die ich nur mit Mühe bewältigt habe.
Die Romanze in dem Roman spielt zum Glück nur eine sehr kleine und unwichtige Rolle, was insofern gut war, weil sie mir viel zu plötzlich kam; was mir dagegen gefiel, war das Worldbuilding. Es war faszinierend, einen Fantasyroman in einer halb modernen Welt zu lesen, die sowohl Bots als auch Drachen zu bieten hat und von denen beides (und alles dazwischen) hervorragend in die Handlung eingebaut wurde.
Eine richtige Empfehlung kann ich leider nicht aussprechen, weil mir die Handlung dazu zu langsam war und mir die emotionale Komponente fehlte, aber ein Lob bekommt von mir definitiv die Kreativität der Welt!
- When Dealing
- With Dragons
- Dana Swift
- dragonfly
- Fantasy
- Jugendbuch
- Romanze
- Liebe
- Freundschaft
- Drachen
- Metalle
- Spannung
- Geheimnisse
- Worldbuilding
- Twists
- Kleines Highlight
Als die Drachenpflegerin Farren dem Jockey James das Leben rettet, hätte sie nicht gedacht, dass er für seine Genesung an den Hort ihrer Eltern kommt. Die Tatsache, dass sie ihn nicht leiden kann, ist dabei eine geringfügige Sorge, denn größere Angst hat sie davor, dass das Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommen könnte. James währenddessen ist schon seit Ewigkeiten in Farren verliebt und leidet unter dem strengen Regime seines Vaters, der eine Zukunft für ihn geplant hat, der James nicht folgen will. Als er Farrens Geheimnis herausfindet, ist er entschlossen, ihr zu helfen, doch auf keinen Fall darf seine Familie davon erfahren – oder von seinen Gefühlen für sie …
Dieser Einzelband war eine sehr positive Überraschung, da ich zwar auf ein gutes Buch gehofft, aber kein so unglaublich gutes erwartet hatte! Allein schon das Worldbuilding ist Gold wert: Die Drachen in diesem Universum überziehen bei Angst ihre Schuppen mit einem bestimmten Metall (Eisen, Zinn, Kupfer, Bronze oder Silber), das auf magische Weise geschmiedet werden kann, weswegen die Drachen aber auch auf mehrere Arten ausgenutzt werden: Für die Rennen und wegen ihrer Schuppen. Das war eine sehr coole, kreative Idee, die zudem sehr gut umgesetzt wurde und natürlich auch für so einige emotionale Szenen sorgte. Deswegen ist dieser Fantasyroman eventuell auch nicht für jeden etwas, aber ich mochte die Art und Weise, wie das Worldbuilding mit der Handlung verwoben wurde.
Aber nicht nur das Worldbuilding war genial, auch die beiden Hauptcharaktere und ihre Romanze war großartig umgesetzt. Farrens Kompetenz und James‘ Entschlossenheit gefielen mir sehr, aber auch die Tatsache, dass sie Fehler machten; es war süß, wie sie sich ineinander verliebten und sich stets gegenseitig halfen. Ihre Romanze war wundervoll, Farrens Hass verwandelte sich auf realistische Weise in Liebe und allgemein gehörten so ziemlich alle Szenen mit den beiden zu meinen Lieblingen.
Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, aber ich mochte James‘ Freundschaft zu Farrens Vater gern sowie Farrens Freundschaft zu Jeffrey und Shelly, die meiner Meinung nach ein eigenes Buch verdient hätten. Die besten Freundschaften waren jedoch die zu den Drachen: Ich liebte es, wie Farrens und James‘ Drachen tatsächlich eine wichtige Rolle spielten und sehr viele Szenen bekamen, in denen ihre Bindung zu den beiden gezeigt wurde.
Außerdem war das Buch sehr spannend: Die Angespanntheit, die durch Farrens und James‘ Geheimnisse entstand, sorgte für mehrere fesselnde Szenen, auch wenn ich zugegeben fand, dass das Ende ein wenig zu schnell abgewickelt wurde – es war immer noch ein zufriedenstellendes Ende, aber gerade nach den vielen spannenden Szenen war ich überrascht, wie schnell die Handlungsstränge letztendlich aufgelöst wurden.
Insgesamt also ein großartiger Einzelband mit einem wundervollen Worldbuilding, einer süßen Romanze und ein paar tollen Twists!
Prinzessin Tandy bemüht sich nach Kräften, ihre wenigen Pflichten zu aller Zufriedenheit zu erfüllen, doch als sie eines Tages eine Buchhandlung besucht, wird sie dazu verflucht, dort zu bleiben, bis sie ihren Herzenswunsch erfüllt hat. Als jemand, der Bücher über alles liebt, ist sie überglücklich über ihre neue Aufgabe, den Buchladen zu führen, doch ihre Eltern sehen das natürlich anders: In der Hoffnung, den Fluch durch den Kuss der wahren Liebe zu brechen, senden sie Tandy nach und nach die Prinzen der umliegenden Königreiche. Tandy verbringt ihre Zeit jedoch lieber mit ihrer Assistentin Sasha und dem verfluchten Piraten Bash, der ihr zwar mir seinen regelmäßigen Diebstählen auf die Nerven geht, aber außerordentlich charmant ist. Während Tandy sich ein neues Leben aufbaut und die Prinzen sie besuchen, muss sie sich der Frage stellen, was sie eigentlich will …
Diese gemütliche Fantasyromanze ist einfach herrlich zu lesen und bietet eine lustige, unterhaltsame Lektüre, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Die Romanze war dabei sogar nur ein verhältnismäßig kleiner Teil, denn obwohl Tandy und Bash eine gute Chemie miteinander haben, schien sie sich eher auf sein Äußeres als auf sein Inneres zu fokussieren (und errötete dabei wirklich, wirklich oft). Das war insofern überraschend, weil Bash über den Roman hinweg auch andere Qualitäten wie seinen Charme erfolgreich zeigt, seine Charaktereigenschaften aber nie als Grund erwähnt werden, aus dem Tandy sich in ihn verliebt. Die beiden hatten immer noch eine gute Chemie und waren einnehmende Charaktere, aber ich hätte mir definitiv mehr Szenen gewünscht, in denen Tandy seinen Charakter und nicht sein Aussehen hervorgehoben hätte.
Das wahre Highlight des Romans bestand für mich aus den sieben Prinzen, die Tandy einen Besuch abstatten. Obwohl jeder der Prinzen im Grunde nur eine wichtige Szene hat – die Szene, in der er (bzw. sie) Tandy von ihrem Fluch erlösen will –, waren sie extrem erinnerungswürdig und eine absolut herrliche Ergänzung zu der gemütlichen Geschichte. Ich fieberte jedem neuen Prinzen hinterher, weil ihre Auftritte jedes Mal wieder grandios waren und ich mir deshalb gerne noch mehr Fokus auf sie gewünscht hätte. Die einzige Kritik, die ich diesbezüglich habe, ist, dass fünf der sieben Prinzen Tandy vorher nicht um Erlaubnis fragen, ehe sie sie küssen – ein Verhalten, das meiner Meinung nach negativ hätte hervorgehoben werden sollen, anstatt dass Tandy es akzeptiert. Letzteres passt zwar gut zu ihrem Charakter, aber auch im Nachhinein wird dieses problematische Verhalten nie als solches dargestellt.
Was die anderen Charaktere angeht, hob sich Sasha, Tandys Assistentin, positiv hervor, weil sie Tandy so gut dabei half, ihren Buchladen aufzubauen. Dieser langsame Aufbau von einem Laden mit null Kunden bis zu einem Geschäft mit zahlreichen war sehr zufriedenstellend zu verfolgen und ebenfalls ein Highlight des Romans.
Zuletzt fand ich es großartig, wie Tandys Fluch gebrochen und Bash‘ Grund für seinen Fluch aufgelöst wurde. Ich hatte bezüglich beiden natürlich meine Theorien, die sich zu meiner Freude als falsch herausstellten; Amy Coombie gibt den beiden eine sehr viel bessere Auflösung, als ich es mir selbst überlegt hatte.
Insgesamt eine wunderbare cozy Romantasy, die zwar ihre Schwächen hat, aber letztendlich durch ihre Handlung brilliert!
- Alice im Land
- der Ideen
- Roger Pol Droit
- Ullstein
- Belletristik
- Philosophie
- Sophies Welt
- Informationen
- Wissen
- Skepsis
- Antike
- Moderne
- Geschichte
Alice möchte sich unbedingt einen Satz tätowieren lassen, der sie ihr Leben lang begleiten und leiten soll. Allerdings weiß sie nicht, welcher Satz am besten dafür geeignet wäre. Als sie eines Tages in ein Kaninchenloch fällt, landet sie im Land der Ideen – einem Land, in dem sie die Geschichte der Philosophie von der Antike bis zur Moderne hautnah miterleben kann. Und sie ist nicht alleine: Zwei Mäuse, ein Känguru und eine Fee helfen ihr dabei, die Philosophen früherer Zeiten zu verstehen. So lernt Alice zahlreiche mögliche Sätze kennen, die ihr fürs Leben helfen können – doch welcher Satz eignet sich am besten für ihr Tattoo?
Dieser Roman hat mich gleich von Anfang an an eine Mischung aus „Alice im Wunderland“ und „Sophies Welt“ erinnert und auch nach dem Lesen finde ich, dass dieser Eindruck sehr gut passt, wobei die Verbindung zu „Sophies Welt“ besonders stark ist. Das liegt natürlich an Alices Reise, in der sie die wichtigsten philosophischen Lehren kennenlernt, was definitiv der Fokus des Romans ist: Die verschiedenen Philosophien mit ihren Vor- und Nachteilen. Die eigentliche Geschichte spielt sich eher im Hintergrund ab, weil die Analyse der Philosophien so stark im Fokus steht.
Das mochte ich zugegeben nicht so sehr, weil die ganzen Informationen sich ganz schön trocken lasen und mich nicht alle gleichermaßen interessierten. Dabei waren die Informationen selbst sehr gut umgesetzt, denn zu jeder Philosophie und jedem Philosophen werden Pro- und Kontra-Argumente aufgeführt, wodurch keine Philosophie bevorzugt oder benachteiligt wird, sondern alle gleichwertig behandelt werden. Hier muss ich unbedingt Alices Sidekicks erwähnen: Die Mäuse waren witzig und das Känguru informativ, doch am liebsten mochte ich die Fee der Widerrede, weil sie es war, die stets für Gegenargumente sorgte. Von Sokrates bis zu Freud bekommen wir so die Möglichkeit, uns eigene Gedanken zu machen.
Zu meiner eigenen Überraschung musste ich feststellen, dass die antiken Philosophien, die ich früher mochte, nicht mehr ganz so ansprechend für mich waren, während viele der moderneren Philosophien mich um einiges mehr interessierten. Trotzdem gab es keine einzige Philosophie, die mir perfekt erschien, und genau das war großartig. Diejenigen, die auf eine neutrale Weise die verschiedenen Philosophien kennenlernen möchten, sind hier goldrichtig – man sollte sich jedoch bewusst sein, dass das Wissen und die Informationen tatsächlich zentral sind und deshalb nicht gut für diejenigen geeignet, die einfach eine schöne Geschichte brauchen.
Zuletzt war das Ende äußerst zufriedenstellend und ich mochte es, wie Alices Geschichte abgeschlossen wurde. Alle, die „Sophies Welt“ mochten, werden sich bei „Alice im Land der Ideen“ sicher zu Hause fühlen!
In „Die Postkarte“ hat Anne Berest die Familie ihrer Mutter beleuchtet, in „Vatertage“ geht es nun um die Familie ihres Vaters. Vom Urgroßvater Eugène, zum Großvater desselben Namens, bis zu ihrem Vater Pierre: Drei Generationen, die Teil ihrer eigenen Revolutionen waren, sich für ihre Rechte einsetzten und doch nicht immer wussten, was sie vom Leben wollten. Anne Berest möchte gerne mehr zu ihrer aller Leben erfahren, doch als ihr Vater krank wird, wird ihr bewusst, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Geschichte ihrer väterlichen Familie aufzuschreiben …
„Vatertage“ ist definitiv anders geschrieben als „Die Postkarte“, denn während letzteres eine mehr oder weniger lange, lineare Geschichte erzählte, besteht dieser Roman aus vielen sehr kurzen Kapiteln, die eher Momentaufnahmen festhalten: Teile einer größeren Geschichte, die man letztendlich nicht vollständig liest, aber sehr gut erspüren kann. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie mir dieser Erzählstil gefällt; einerseits liebte ich es, wie schnell der Roman sich auf diese Weise las, wie gut man von Kapitel zu Kapitel sprang und wie viele der Momente geschrieben waren. Andererseits war es sehr kurzweilig, ich habe mehr Momente vergessen, als ich im Kopf behielt und ich war nie emotional investiert, weil nie genug Zeit blieb, um tiefgreifende Gefühle zu entwickeln.
Es war trotzdem interessant, die Geschichte von Großvater Eugène und noch interessanter, die Geschichte von Vater Pierre zu erfahren, weil beide so einiges erlebten und ich mir nur gewünscht hätte, ihre Erlebnisse wären ausführlicher erzählt worden; so gut es mir gefiel, das Buch aufgrund der kurzen Kapitel so schnell lesen zu können, hätte es meiner Meinung nach mehr davon profitiert, sich auf die wichtigsten Erlebnisse zu konzentrieren. Statt die volle Geschichte der drei Generationen in so vielen kurzen Kapiteln zu erzählen, wäre es, finde ich, besser gewesen, lieber detailliert auf einige wenige Momente einzugehen, um sich wirklich in diese fallen lassen zu können.
Diejenigen, die einen Roman aus Momentaufnahmen und kurze Kapitel lieben, werden „Vatertage“ sicher mögen, doch für mich bot die Geschichte leider nicht genug, um in sie investiert zu werden.
- All the things
- I didn't say
- Ann Liang
- EMF
- Jugendbuch
- Romanze
- Liebe
- Freundschaft
- Identität
- Ehrgeiz
- Rivalität
- Schuld
- Mobbing
- Aufgaben
- E-Mails
- Schule
- Kleines Highlight
Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …
Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!
Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.
Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.
Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.
Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.
Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!
Charlotte ist überrascht, als ihr eine kleine Schachtel überreicht wird, die eigentlich für die adoptierten Töchter des Hope‘s House gedacht ist – in diesem Fall ihre Großmutter, die allerdings definitiv nicht adoptiert wurde, da deren eigene Mutter Amalie noch am Leben ist. Verwirrt versuchen Charlotte und ihre Großmutter, Antworten zu finden und erfahren so von Amalie, wie sie damals ihre große Liebe Oskar kennenlernte. Charlotte ahnt, dass ihre Geschichte kein gutes Ende haben wird, doch während sie noch dabei ist, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren, lernt auch sie jemanden kennen, in den sie sich verliebt: Harrison, der allerdings ein Geheimnis zu haben scheint …
Nach sechs Bänden war ich gespannt, wie Soraya Lane die bereits familiäre Geschichte so gestalten würde, dass sie immer noch erfrischend wirkt – und zu meiner Überraschung ist ihr das mit der Ausgangssituation sehr gut gelungen. Endlich haben wir eine Protagonistin, deren Großmutter – und sogar deren Urgroßmutter! – noch am Leben ist, sodass letztere ihre Geschichte eigenhändig erzählen kann, anstatt dass die Charaktere die Hinweise selbst entschlüsseln müssen, ohne die eigentliche Geschichte je zu erfahren. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zu den vorigen Ausgangssituationen, bei denen es keine lebenden Vorfahren mehr gab.
Und nicht nur das: Charlottes schwierige Familienverhältnisse zu ihren Eltern, die sie im Buch tatsächlich aufarbeitet, sowie Harrisons Vergangenheit waren interessante Punkte, von denen ich froh war, dass sie nicht nur nebenbei vorkamen, sondern eine wichtige Rolle spielten. Zudem war es schön, wie Charlotte ihre Profession als Chef de Cuisine erfolgreich ausübt und damit mehrmals bewies, dass sie tatsächlich eine hervorragende Köchin ist.
Eine wichtige Kritik habe ich allerdings: Ich war nicht so investiert in die Romanzen, wie ich es gewollt hätte. Amalies Liebesbeziehung zu Oskar ist durchaus süß und realistisch genug, aber Charlottes Romanze mit Harrison ging mir zu schnell vonstatten, zumal die Charaktere am häufigsten das gute Aussehen ihres Partners hervorheben, was dem Realismus zusätzlich geschadet hat. Gleichzeitig bekamen die beiden Paare ein wenig ZU viel Zeit in der Geschichte. Beide erlebten mehrere gemütliche Momente, allerdings nicht immer welche, in denen sie sich tatsächlich kennenlernten; und selbst, wenn sie es taten, war mir dieser Teil der Handlung schlicht zu lang, was insofern ironisch ist, weil mir ihre Liebesbeziehungen zugleich nicht lang genug vorkamen. Insgesamt war ich eindeutig ein größerer Fan der dramatischeren Aspekte, die wiederum gut umgesetzt waren.
Am meisten mochte ich das Rätsel, das hinter Amalie und der seltsamen Nicht-Adoption steckt. Ich habe wirklich gerätselt, was wohl die Erklärung für die vielen Ungereimtheiten sein würde und war sehr zufrieden mit der Auflösung.
Insgesamt also eine gemütliche Familiengeschichte, die für mich zwar ein wenig ZU gemütlich war, aber immer noch ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet!
Als ehemaliger Sättigungstaucher bekommt Yorick die Mission, die Naturwissenschaftlerin Kristina Sabo bei einer Arktis-Expedition auf der Suche nach leuchtenden Bakterien zu beschützen, die die Energieversorgung der Welt komplett auf den Kopf stellen könnten. Kurz zuvor hatten sie und ihr Kollege José einen Laborunfall, bei dem sie beide mit den Bakterien kontaminiert wurden – und obwohl ihnen versichert wurde, dass sie korrekt behandelt wurden und keine Gefahr droht, wird bald klar, dass dem nicht so ist …
Ich lese nicht allzu viele Wirtschaftsthriller, weil sie nicht ganz in meinem Interessengebiet sind, aber dieser hier war spaßig zu lesen und eine positive Überraschung. Zwar habe ich auch Kritikpunkte, aber insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten, weshalb es letztendlich trotzdem eine Empfehlung ist.
Wir folgen mehreren Sichtcharakteren, die zunächst voneinander abgeschnitten sind: Yorick auf der Arktis-Expedition, die sich natürlich nicht so entwickelt, wie sie es sollte; José mit den Folgen des Laborunfalls, der nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Gefahr bringt; und Skörle, die mit ihrem Ehemann eine private Schiffsart in die Arktis machen will, ohne zu ahnen, dass das Paar, das sie betreut, mehr plant, als sie ahnen. Es war spaßig, zu lesen, wie sich diese drei Geschichten entwickeln und auf welche Weise sie wohl zusammentreffen werden.
Besonders investiert war ich in Josés Geschichte, weil hier besonders viel auf dem Spiel stand; seine Krankheit und die Bedrohung von außen haben mich sehr gepackt, weil ich diese persönlichen Risiken interessanter fand als eine möglicherweise gescheiterte Expedition, bei der zwar technisch gesehen größere Dinge auf dem Spiel stehen, sich aber kleiner anfühlen als ein persönliches Schicksal.
Auch die unbekannten Gefahren, mit denen Skörle und ihr Ehemann Eric sich auseinandersetzen müssen, waren interessant, während ich bei Yoricks Geschichte vor allem Yorick selbst mochte: Er war praktisch veranlagt, äußerst fähig und stellte sein Können auch mehrmals unter Beweis. Es war erfrischend, neben den unsicheren und unvorbereiteten Charakteren auch jemanden zu haben, der weiß, was er tut. Zugleich lernten wir ihn von allen Charakteren am besten kennen und ich mochte zum Beispiel seine Gewohnheit, an Naturgewalten Briefe zu schreiben.
Überraschenderweise war Kristina letztendlich ein Nebencharakter. Nachdem die Kurzbeschreibung andeutete, dass sie zusammen mit Yorick ein Hauptcharakter wird, hätte ich nicht erwartet, dass sie letztendlich nur eine kleine Rolle spielt, aber das ist keine Kritik von meiner Seite aus, sondern nur eine Beobachtung.
Dafür hätte ich mir gerne mehr Gefühle gewünscht. Der Großteil der Handlung fokussiert sich (verständlicherweise) auf die Expedition und die relevanten Informationen, aber die meisten Charaktere blieben mir fern, weil nur José eine Geschichte bot, bei der ich nicht nur handlungstechnisch, sondern auch emotional investiert war.
Auch vom Ende hätte ich mir mehr erhofft, weil die Geschichte überraschend glatt und schnell gelöst wurde und ich ein wenig mehr Action erwartet hatte.
Insgesamt also ein Wirtschaftsthriller, der mich gut unterhalten hat!