Bücherregal lädt …
Einträge mit dem Tag mord.

Hannah, Meg und Carter leben in einer Zombie-Apokalypse, in der Whistler noch das geringste Problem sind, als sie sich alle in einer gefährlichen Situation wiederfinden. Hannah ist nach einem Busunglück mit den anderen Überlebenden in den Trümmern gefangen. Meg wacht in einer Gondel mit ein paar Fremden auf, mit einer Leiche an Bord. Und Carter lebt mit anderen Überlebenden im Retreat, bis der Strom zusammenbricht und die Gruppe zu einer Bedrohung für sich selbst wird. In jeder Gruppe befindet sich ein Mörder, doch wie soll man ihn finden, während man gleichzeitig ums Überleben kämpft?

Sowohl das Setting als auch die Erzählweise haben diesen Thriller sehr besonders gemacht – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Roman gelesen habe, der in einer Zombie-Apokalypse spielt, sodass es sehr erfrischend war, nicht nur einen, sondern gleich drei Thriller-Geschichten zu lesen. Das war ebenfalls etwas, was den Roman besonders machte, weil die drei Thriller-Geschichten zwar auf geniale Weise miteinander zusammenhängen, aber für den Großteil der Handlung voneinander unabhängig sind.

Doch es gab trotzdem ein paar sehr wichtige Aspekte, die mich gestört haben und es letztendlich schwer machen, eine umfassende Empfehlung auszusprechen. Zum einen gibt es definitiv zu viele Charaktere, als dass man den Überblick über sie behalten könnte. So konnte ich nicht so sehr mit ihnen mitfiebern, wie ich es gerne gewollt hätte. Selbst, nachdem die ersten Personen sterben und der Cast kleiner wird, gab es in jeder Geschichte meistens nur einen Charakter, dessen Wohlergehen mir am Herzen lag.

Das hing auch damit zusammen, dass so ziemlich alle Charaktere äußerst unsympathisch sind, mit nicht mal einer Handvoll Ausnahmen, was es zusätzlich erschwerte, sich um sie zu sorgen. An sich ist es vollkommen in Ordnung, wenn Charaktere und speziell Sichtcharaktere moralisch grau sind, aber zusammen mit der großen Menge an Figuren habe ich exakt zwei Lieblingscharaktere für mich gefunden: Lucas, der in Hannahs Story auftaucht, und Meg, die meine liebste Protagonistin war. Alle anderen waren mir – leider – mehr oder weniger egal, weil sie nicht genug Fokus und sympathische Charakterzüge bekamen, als dass ich mit ihnen mitgefiebert hätte. (Traurig fand ich auch, dass das negative Bild, das manche Protagonisten über dicke Charaktere hatten, in der Handlung nur bestätigt wurde, anstatt ihnen das Gegenteil zu beweisen.)

Zum anderen entsprach das Ende nicht unbedingt meinem Geschmack. Einerseits machte es durchaus Sinn, wenn man den Twist der Handlung bedenkt und die Tatsache, dass es in den beschriebenen Situationen nur selbstverständlich ist, dass Menschen umkommen. Doch andererseits verliere ich schlicht das Interesse, wenn Menschen wie die Fliegen sterben, bis man am Ende ein ganzes Massaker hat.

Von daher hatte dieser Thriller eine sehr kreative Ausgangssituation, drei packende Settings und eine hervorragende Art und Weise, alle drei Geschichten miteinander zu verbinden – doch die Charaktere waren dafür die große Schwäche des Thrillers, weshalb ich ihn nur den Leserinnen und Lesern empfehlen würde, denen es nichts ausmacht, einen besonders hohen Body Count zu haben.

↑ 2024
2023 ↓

Vor fünf Jahren ist Andie Bell ermordet worden und jeder geht davon aus, dass ihr Freund Sal Singh, der kurz darauf Selbstmord beging, ihr Mörder ist. Bis auf Pippa „Pip“ Fitz-Amobi, die sich als Schulprojekt vorgenommen hat, den Fall nochmal neu aufzurollen und zusammen mit Sals Bruder Ravi die damaligen Ereignisse und involvierten Personen zu untersuchen. Und spätestens, als Pip ihre erste Drohung bekommt, weiß sie, dass sie dem wahren Täter auf der Spur ist …

Dieser Jugendthriller ist eine Mischung aus interessanter Erzählweise und Twists, die teils vorhersehbar und teils überraschend sind, weshalb es mir schwer fällt, ihn richtig zu bewerten. Ich mochte die Protokolle, die Pip schrieb, weil sie sich wie richtige Untersuchungen anfühlten und es leicht war, mit ihr mitzufiebern. Doch was die eigentliche Handlung betrifft, bin ich ein wenig mehr zwiegespalten. Einerseits gab es sehr viel, was ich problemlos vorhergesehen habe und von dem ich mir gerne gewünscht hätte, dass die Autorin von den Klischees des Genres abgewichen hätte. aber andererseits gab es trotzdem ein, zwei Überraschungen, die den Roman von anderen Jugendthrillern abhoben und sehr erfrischend waren. An sich habe ich das Buch durchaus gemocht – aber letztendlich nicht so sehr, dass ich ein starkes Interesse daran hätte, die anderen Bände zu lesen. Könnte zwar sein, dass sich das noch ändert, aber im Moment bin ich vollauf damit zufrieden, den ersten Band zu kennen.

Das Beste waren für mich wie gesagt Pips Protokolle, weil sie so schön investigativ und dank verschiedener Textarten (Interviews, Zeichnungen, Pips eigene Gedanken) auch abwechslungsreich waren. Die eigentliche Handlung war zwar auch spannend (vor allem, weil es nur ein, zwei Längen gab), aber über die Protokolle habe ich mich immer am meisten gefreut.

Der Roman enthält auch eine subtil eingebaute Romanze, die gerade groß genug ist, dass man mit ihr mitfiebern kann, aber klein genug, dass sie nicht von der eigentlichen Handlung ablenkt. Andere Beziehungen kommen zwar auch vor, hinterließen aber nicht immer einen bleibenden Eindruck; viele Charaktere sind da, um ihre Rolle zu erfüllen, aber in der Regel nicht für mehr. Was nichts zwingend Schlechtes ist, aber etwas, das mir auffiel, weil ich nicht allzu stark mit ihnen mitfieberte, sondern mich lieber auf Pip und Ravi konzentrierte.

Zusammengefasst haben wir hier also einen sehr soliden Jugendthriller, der zwar einige Schwächen hat, die mich persönlich davon abhielten, ihn uneingeschränkt zu mögen, der aber trotzdem spannend genug war, um ein angenehmes Leseerlebnis zu bieten. Nicht perfekt, aber auch nicht schlecht!

Coriolanus Snow gehört einer einst renommierten Familie des Kapitols an, doch obwohl seine Familie den Schein zu wahren versucht, befinden sie sich seit einigen Jahren auf dem absteigenden Ast. Das wird umso deutlicher, als ihm bei den zehnten Hungerspielen ausgerechnet das Mädchen aus Distrikt 12, Lucy Gray Baird, zugeteilt wird. In der Hoffnung, das Kapitol trotzdem beeindrucken zu können, gibt er sich in seiner Rolle als Mentor besondere Mühe – und verliebt sich dabei in Lucy Gray …

„Die Tribute von Panem“ gehören zu den Büchern, bei denen ich zugeben muss, dass ich die Verfilmungen bevorzuge – und das ist auch hier der Fall. Nicht, dass das Buch schlecht wäre, aber es hat einige Pacing-Probleme, die es schwer machen, es uneingeschränkt zu mögen. Im zweiten und besonders im dritten Teil der Handlung wird es stellenweise ganz schön langatmig; besonders überraschten mich hier die Hunger-Spiele, die ich im Buch ganz okay und im Film schlicht brillant fand.

Dafür fand ich Snows und Lucy Grays Romanze ein wenig nachvollziehbarer und mochte es auch, dass Snows Charakter hier sehr viel deutlicher als Manipulator zum Vorschein kommt. Aus der Sicht eines Antagonisten zu lesen, war sehr faszinierend, vor allem, weil er nicht einfach böse um des Bösen willen ist, sondern mehr oder weniger nachvollziehbare Gründe für sein Handeln hat. Es sind mehr seine Gedanken und Gefühle, die mich haben wünschen lassen, dass er scheitert. Von daher ein großes Lob an Suzanne Collins, weil sie es schaffte, einen Charakter zu erschaffen, den man liebt zu hassen!

Leider trifft das wie gesagt nicht auf die Handlung zu, die für mich ein wenig zu schleppend vorankam. Aber obwohl ich dem Film immer noch den Vorzug geben würde, fand ich es trotzdem ganz interessant, das Original zu lesen.

Vor dreiundzwanzig Jahren ist Hannahs Mutter Jen ermordet worden, ohne dass der Täter je gefasst wurde. Ihr Vater wurde zwar verdächtigt, aus Mangel an Beweisen jedoch nie verurteilt; Hannah selbst glaubt an seine Unschuld. Bis ihr inzwischen dementer Vater sie mit ihrer Mutter verwechselt und sie immer wieder um Verzeihung bittet. Hat er sie etwa doch getötet? Während Hannahs Bruder Reece an dieser Theorie festhält, entscheidet Hannah sich, weitere Untersuchungen anzustellen ...

Ich wünschte, ich hätte diesen Thriller mehr gemocht, als ich es letztendlich getan habe. Die Handlung war sehr solide, die Mysterien sehr gut aufgebaut und die Enthüllung am Ende sowohl überraschend als auch nachvollziehbar. Doch trotz dieser guten Elemente konnte ich den Thriller nicht genießen – und der Grund dafür ist Hannah selbst.

Über den ganzen Roman hinweg verurteilt sie andere Personen, egal ob sie sie kennt oder nicht, aufgrund oberflächlicher Tatsachen. Sie ist so negativ eingestellt, sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber, dass es mir schlicht keinen Spaß gemacht hat, aus ihrer Sichtweise zu lesen.

Auch die anderen Charaktere sind nicht besonders sympathisch sind und es gab nur zwei, die ich mochte (Reece, Hannahs Bruder, und Chris, der zuständige Polizeibeamte). Natürlich sind unsympathische Charaktere an sich nichts Schlechtes, aber es ist auch wichtig, ihre guten Seiten zu zeigen – und das ist imho nur bei Reece und Chris geschehen, während die anderen Charaktere recht flach blieben.

Erwähnen möchte ich auch, dass die Geschichte nicht zwingend von der Spannung, sondern eher vom Mystery-Anteil lebt. Der Reiz des Thrillers besteht darin, weitere Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken und eigene Vermutungen anzustellen, die Spannung selbst steht dabei an zweiter Stelle – was ich allerdings durchaus erfrischend fand.

Insgesamt würde ich also sagen, dass ich diesen Thriller ganz gut fand, die Protagonistin es mir jedoch leider unmöglich gemacht hat, ihn bedingungslos zu mögen.

Klytämnestra wächst als spartanische Prinzessin frei und ungebunden auf, bis sie gezwungen wird, König Agamemnon von Mykene zu heiraten. Entschlossen, sich nicht von ihm unterwerfen zu lassen, beginnt ein Spiel um Macht – und um die vielen Opfer, die sie bringen muss …

Ich habe schon zwei oder drei Romane gelesen, in denen die griechische Sagengestalt Klytämnestra eine tragende Rolle spielte, doch das hier ist der erste Roman, der sich ausschließlich ihr widmet. Zu meiner Freude ist Costanza Casati eine großartige Darstellung Klytämnestras gelungen: Man spürt während des Lesens regelrecht, wie ihre Verluste ihre Seele erhärten und sie Entscheidungen trifft, die man mitnichten bewilligt, aber dennoch versteht. Sie kann eine kaltherzige, grausame Königin sein – und noch so viel mehr.

Mir war Klytämnestra trotz mancher kontroverser Taten sehr sympathisch, weil die Autorin es leicht machte, sich in sie hineinzuversetzen. Hier hilft es auch, dass über zwei Drittel der Handlung vor der Opferung ihrer Tochter spielten, sodass man Klytämnestra als Charakter sehr gut kennenlernt und mit ihr mitfiebert. Für die einen oder anderen Leserinnen und Leser könnte das zwar ein zu langsames Tempo sein, doch aufgrund des angenehmen Schreibstils habe ich mich nie daran gestört.

Ironischerweise habe ich mir dafür gewünscht, noch ein bisschen mehr über Klytämnestras Geschwister zu erfahren, zu denen unter anderem die schöne Helena gehört. Zunächst bekommt man durchaus genug von ihnen mit, aber ab Iphigenies Opferung geraten sie in den Hintergrund, was ich ein wenig schade fand. Für mich ist das deshalb ironisch, weil ich mir bei anderen Romanen gerne wünschte, sie hätten nur von Klytämnestra gehandelt, jetzt aber bei einem Roman, der sich bis auf wenige Szenen ausschließlich auf ihre Sichtweise konzentriert, gerne noch mehr von anderen Charakteren mitbekommen hätte. Aber um ehrlich zu sein, ist das keine starke Kritik – ich mochte es viel zu sehr, an Klytämnestras Seite ihr Leiden und ihre Rache zu verfolgen, sodass ich die mangelnde Relevanz anderer Charaktere durchaus verschmerzen kann.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Roman fraglos um die beste Darstellung von Klytämnestra und ist deshalb zu einem meiner liebsten auf griechischen Mythen basierte Romane überhaupt geworden!

Unsere Welt ist voller kurioser Gesetze, Urteile und skurriler Rechtssituationen. Doch welche davon sind eigentlich rechtsgültig? Und warum? Diese und viele andere Fragen beantwortet Christian Solmecke in seinem humorvollen Buch „Welches Recht gilt bei Mord im Weltraum?“

Es handelt sich hierbei um eine kurzweilige Lektüre, die zahlreiche reale und einige hypothetische Situationen auf witzige Weise zusammenfasst und erklärt. Wie der eine Mann, der plötzlich feststellen musste, dass er offiziell als tot gilt und nicht mehr für lebendig erklärt werden kann. Oder auch der berühmte Fall hinter dem „Red Bull verleiht Flügel“-Slogan. Natürlich ist auch die Polizei sowohl als Opfer als auch als Täter dabei. Und noch viel, viel mehr Anekdoten: Zum Beispiel der Mann, der siebzig Jahre ohne Führerschein gefahren ist, oder die Frau, die ihr Grundschulzeugnis gefälscht hat. Oder auch die KI, die einen Anwalt wollte. Am amüsantesten fand ich wohl die „Hans im Glück“-Geschichte, aber auch viele andere konnten mir ein Schmunzeln entlocken.

Ernste Fälle gibt es hierbei natürlich auch. Neben dem berühmten McDonalds-Fall, der hier zum Glück korrekt dargestellt wurde, geht es auch um tote oder verkaufte Haustiere und um unglückliche Situationen. Am schreckenerregendsten finde ich wohl die ganzen Ehe-Gesetze und -Pflichten, von denen ich bisher nicht wusste, dass sie tatsächlich existieren. Insofern bietet dieses Buch nicht nur eine humorvolle Lektüre für Zwischendurch, sondern bringt einem auch definitiv etwas bei.

Gemerkt habe ich mir von den vielen beschrieben Fällen natürlich nicht alle, nur ein paar besonders beeindruckende haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Aber das ist bei der puren Anzahl natürlich zu erwarten, weshalb ich die kurzen Kapitel auch nicht als Kritik ansehe, sondern im Gegenteil perfekt dafür geeignet, einfach mal für Zwischendurch etwas zu lesen. Allgemein liebe ich den Mix aus Humor und Wissenswertem und Christian Solmecke hat ihn wirklich wunderbar hinbekommen!

Ángela Vicario soll mit Bayardo San Román verheiratet werden. Doch der Bräutigam bringt die Braut entsetzt zum Elternhaus zurück; sie sei keine Jungfrau mehr und eine Ehe deshalb nicht möglich. Als ihre Brüder Pablo und Pedro sie fragen, wer dafür verantwortlich ist, nennt sie einen Namen: Santiago Nasar. Woraufhin die Brüder ankündigen, ihn zu töten …

Am faszinierendsten an diesem kurzen Roman war für mich definitiv die Art und Weise, wie es den Brüdern trotz ihrer lauten Ankündigung gelungen ist, Santiago Nasar zu töten. Der Ich-Erzähler befragt verschiedene Personen, die in das Ereignis involviert waren, um nachvollziehen zu können, wie genau der Mord zustande kommen konnte. Und genau das fand ich unglaublich interessant, weil früher oder später alle wissen, was die Brüder vorhaben, doch jeder seinen eigenen Grund hat, sich nicht einzumischen.

Der Schreibstil war leider nicht immer flüssig zu lesen; manchmal war er so anstrengend, dass ich die Sätze zweimal lesen musste, um sie zu verstehen und manchmal war er leicht genug, dass ich die Ereignisse problemlos verfolgen konnte. Insofern brilliert dieser Roman definitiv nicht durch seinen Schreibstil, sondern durch die Art und Weise, in der er seine Geschichte erzählt.

Insgesamt ein intensives Leseerlebnis, das gut aufzeigt, wie leicht es ist, nicht hinschauen zu wollen – vor allem, wenn man es sollte.

Es ist die Nacht des 29. Oktober 2022, als Jen und Kelly sehen, wie ihr achtzehnjähriger Sohn Todd einen Fremden ermordet, sich bereitwillig festnehmen lässt und sagt, er hätte keine andere Wahl gehabt. Jen versteht nicht, ist entsetzt, geht schließlich unruhig ins Bett. Als sie aufwacht, ist es der 28. Oktober 2022 – ein Tag vor dem Mord. Und so geht sie immer weiter zurück in der Zeit – Tage, Wochen, Monate, Jahre. Mit jedem vergangenen Tag, den sie erlebt, sammelt sie einen weiteren Hinweis, der ihr helfen könnte, den Mord in der Zukunft zu verhindern. Und erfährt dabei Geheimnisse, die nicht nur ihren Sohn Todd betreffen, sondern auch ihren Ehemann Kelly …

Dieser Thriller hat eine sehr ungewöhnliche Erzählweise, die ihn von anderen Thrillern abhebt. Relativ zu Beginn ist klar, dass nichts, was Jen in den vergangenen Tagen tut, Bestand haben wird, sondern, dass es darum geht, Stück für Stück das Geheimnis hinter dem Mord aufzudecken und seinen Ursprung zu verhindern. Deshalb ist dieser Thriller nichts für diejenigen, die Konsequenzen von Handlungen gerne lesen, sondern eher für diejenigen, die gerne das Puzzle einer Handlung zusammenfügen.

Zu meiner Überraschung ging es nicht nur um Jens Beziehung zu ihrem Sohn Todd, wie in der Kurzbeschreibung beschrieben wird, sondern auch um ihre Beziehung zu ihrem Ehemann Kelly, der seine ganz eigenen Geheimnisse mit sich herumträgt. Aus diesem Grund geht das rückwärts gelebte Leben auch sehr viel weiter zurück, als ich ursprünglich annahm – ich dachte, wir würden vielleicht ein Jahr oder so zurückgehen, doch wie oben angedeutet, springt Jen noch viel weiter in die Vergangenheit.

Insgesamt finde ich den Thriller speziell für die Menschen interessant, die gerne experimentelle Erzählungen und neben dem Spannungs-/Ermittlungsaspekt auch die Entwicklung persönlicher Beziehungen gerne lesen. Es handelt sich definitiv um keinen „klassischen“ Thriller, aber genau das hat ihn so interessant für mich gemacht; sicherlich nicht für jeden Geschmack, aber auf jeden Fall etwas, das man so noch nicht gelesen hat!

Als Kys Bruder Denny in einem vollbesetzten Restaurant ums Leben kommt, kann sie es gar nicht fassen. Sie selbst war es, die ihre Eltern dazu überredete, ihn dort seinen Schulabschluss feiern zu lassen – und jetzt ist er tot, ohne dass jemand etwas gesehen haben will. Was ist wirklich passiert? Wie ist ihr Bruder ums Leben gekommen? Und warum will niemand über die Ereignisse reden? Entschlossen, Antworten auf diese Fragen zu finden, sucht Ky die Augenzeugen auf, um die Wahrheit herauszufinden …

„All die ungesagten Dinge“ ist ein Roman, der sich mit Rassismus, Traumata, Nicht-hinsehen-wollen und der Suche nach dem „Warum?“ beschäftigt – alles Themen, die Tracey Lien auf emotionale Weise einbaut und diskutiert. Was mir am meisten gefiel, war, dass sie nicht nur Kys Perspektive beschrieb, sondern auch die Sichtweise der Personen, die sie befragt. Wir lernen nicht nur, wie die Augenzeugen den Abend von Dennys Tod erlebten, sondern erfahren auch etwas aus ihren Leben. Das hat es leicht gemacht, die verschiedenen Perspektiven zu verstehen und mit jedem Charakter mitzufühlen; es war das, was den Roman besonders gemacht hat, weil man einerseits will, dass Ky die Wahrheit herausfindet, aber auch versteht, warum keiner sie mit ihr teilen will.

Ein wenig überrascht war ich nur, dass Kys eigenes Verhalten sie selbst nicht stärker beeinflusst hat. Es gibt durchaus Szenen, an denen sie sich selbst die Schuld an Dennys Tod gibt, aber irgendwie dachte ich, sie würden eine größere Rolle spielen. Allerdings ist auch durchaus erfrischend, eine Protagonistin zu sehen, die sich bewusst ist, dass sie nicht die alleinige Schuld an den Ereignissen trägt.

Insgesamt also ein sehr emotionaler Roman, der mich sowohl berührt als auch zum Nachdenken angeregt hat. Eine Empfehlung für alle, die selbst gerne unterschiedliche Sichtweisen betrachten und einen Roman lesen wollen, der diese perfekt aufzeigt!

Eddie Flynn hat schon viele schwierige Fälle gelöst, doch als er den Fall David Child übernehmen soll, kommt selbst er an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Denn Eddie glaubt fest daran, dass sein Mandant unschuldig ist – nur sprechen die Beweise definitiv dagegen. Dazu kommt, dass das FBI ihn dazu zwingen will, David Child ein Schuldeingeständnis zu entlocken. Kooperiert er nicht, wird stattdessen seine Frau Christine, die unwissentlich ein brisantes Dokument unterzeichnet hat, lebenslang ins Gefängnis kommen …

Schon die vorher übersetzten Eddie-Flynn-Fälle mochte ich sehr, sodass es keine Überraschung für mich war, dass auch „Gegen alle Regeln“ mich begeistern konnte. Er ist sehr spannend geschrieben, sodass man aufgrund der kurzen Kapitel, die oft in einem Mini-Cliffhanger enden, angeregt ist, weiterzulesen. Zudem sorgt er aufgrund der Art und Weise, wie neue Beweise auftauchen und dem Fall eine andere Bedeutung verleihen, dafür, dass man stets mitfiebert, vor allem bei den Szenen im Gerichtssaal. Steve Cavanagh versteht es wirklich meisterhaft, die wichtigsten Informationen an den passenden Stellen zu offenbaren!

Nur Christines Rolle hätte ich gerne noch ausführlicher gesehen, denn im Grunde ist es für die Handlung selbst nicht SO relevant, dass ihre Freiheit ebenfalls auf dem Spiel steht. Eddie beschließt nämlich sehr schnell, sowohl für sie als auch für David Child zu kämpfen, was das Ultimatum deutlich abgeschwächt hat. Zwar sorgt dieser Handlungsaspekt durchaus für spannende Szenen, aber allzu notwendig fand ich ihn wie gesagt nicht.

Schön ist, dass Steve Cavanagh, der selbst Rechtsanwalt war, sein Wissen auch in diesem Roman einbaut. Ich finde es einfach faszinierend, all die großen und kleinen Details zu erfahren, die bei einem Prozess eine Rolle spielen könnten. Das war definitiv ein Bonuspunkt!

Insgesamt also ein unglaublich spannender Thriller, der einen in Atem hält und zum Weiterlesen anregt!

An einem heißen Sommertag ereignet sich bei der Familie Aosawa eine Tragödie: Während eines großen Festes sterben siebzehn Menschen an einem tödlichen Gift. Die einzige Überlebende ist die blinde Tochter des Hauses, Hisako Aosawa. Um herauszufinden, was wirklich passiert ist, braucht es mehr als eine Sichtweise, um die Wahrheit zu enthüllen ...

Dieser Roman ist sehr ungewöhnlich geschrieben, weil jedes Kapitel aus der Perspektive einer anderen Person erzählt ist, die auf die eine oder andere Weise mit dem Fall zu tun hatte. Das Prinzip selbst fand ich sehr faszinierend, weil so unterschiedliche Facetten der Wahrheit enthüllt werden, aber leicht zu lesen war der Roman dadurch nicht. Denn in der Regel erzählen alle Charaktere aus der Ich-Perspektive, ohne, dass sie ihren Namen verraten, sodass man oft ein Weilchen braucht, bis man sich in das jeweilige Kapitel eingelesen hat.

Die Struktur tut dem Mysterium des Geschehens jedoch keinen Abbruch: Ich war sehr interessiert daran, zu erfahren, wie alle Puzzlestücke zusammenhängen und war am Ende durchaus zufrieden mit der Aufklärung (wobei diese zugegeben eine kurze Google-Suche benötigte, um zu bestätigen, dass ich die Ereignisse richtig interpretiert habe).

Insofern ist dieser Krimi nichts für diejenigen, die einfach mal einen für zwischendurch lesen wollen, sondern am ehesten für Leser*innen, die qualitative Krimis bevorzugen, bei denen sie die Puzzleteile teils selbst zusammensetzen müssen. Mir war der Krimi für meinen Geschmack ein wenig zu wirr erzählt, aber gefallen hat er mir trotzdem!

Aki und Hiro sind endlich bereit, getrennte Wege zu gehen, nachdem bei einer Wanderung ihr Bergführer zu Tode kam. Ein letztes Mal treffen sie sich in ihrer gemeinsamen Wohnung, um sich zu verabschieden – und um herauszufinden, ob der/die jeweils Andere ihren Bergführer ermordet hat. Denn Aki verdächtigt Hiro und Hiro verdächtigt Aki. Doch um herauszufinden, was wirklich passiert ist, müssen die beiden sich nicht nur lange verdrängten Erinnerungen stellen, sondern die Wahrheit ihrer Beziehung hinterfragen …

Dieser Roman ist keine Liebesgeschichte, kein Krimi und kein Familienroman – und doch ist er alles davon. Zusammen mit Aki und Hiro die Geheimnisse ihrer Vergangenheit zu entdecken, war aufgrund der vielen Twists ebenso interessant wie über die Moral ihrer Beziehung nachzudenken. Es herrschte die ganze Zeit eine enorme Spannung, weil man sich nie sicher sein konnte, was die Charaktere als nächstes tun und welche Twists als nächstes aufgedeckt werden.

Obwohl der Roman recht kurz war, hat er es mühelos geschafft, mich zu fesseln. Dazu kommt, dass der Schreibstil sehr angenehm zu lesen war, sodass die einzige Kritik, die ich daran finde, die ist, dass es am Anfang eines Kapitels meistens ein paar Zeilen braucht, um sich an die Sichtweise zu gewöhnen (weil Hiro und Aki sich in jedem Kapitel abwechseln).

Von dieser sehr kleinlichen Kritik abgesehen fand ich den Roman jedoch großartig und sehr spannend!

↑ 2023
2022 ↓

Zehn Jahre ist es her, dass Hannahs beste Freundin April ermordet wurde. Damals ist es Hannah gewesen, die ihre Leiche gefunden und durch ihre Aussage dafür gesorgt hat, dass der einzige Verdächtige, John Neville, ins Gefängnis gekommen ist. Aber jetzt erfährt sie nicht nur, dass er dort kürzlich gestorben ist, sondern auch, dass er womöglich die ganze Zeit unschuldig war. Von Zweifeln geplagt, stellt Hannah selbst Nachforschungen an – und muss bald fürchten, dass der Mörder einer ihre ehemaligen Unifreunde ist ...

Ruth Ware war für mich bisher eine "Hit-und-Miss"-Autorin; von den vorigen fünf Büchern, die ich gelesen habe, haben mir drei sehr gut und zwei gar nicht gefallen, weshalb ich fast schon fürchtete, mit diesem Thriller wieder einen Fehlschlag zu landen. Doch glücklicherweise war dies nicht der Fall! Ich fand ihn sehr spannend zu lesen und habe sehr mit der Suche nach dem Mörder mitgefiebert.

Das Beste daran ist, dass es so lange unklar bleibt, um wen genau es sich handelt. Hannah besucht bei ihren Nachforschungen viele Freunde und Bekannte von früher, und während ich Person für Person ausschloss, wurde ich immer gespannter (und verwirrter, haha), wer es denn nun letztendlich sein würde. Das Ergebnis hat mir außerordentlich gut gefallen, weil es ein Fall von "überraschender Twist, der im Nachhinein total Sinn macht" war. Also imho der beste Twist, den Autoren schreiben können!

Etwa die erste Hälfte der Handlung wechselt zwischen der Vergangenheit und Gegenwart hin und her, was am Anfang ein wenig verwirrend war, letztendlich aber sehr zum Lesespaß beigetragen hat, weil die beiden Perspektiven es einfacher machten, gewisse Zusammenhänge zu verstehen.

Hannah war eine sehr sympathische Protagonistin, deren Ehrlichkeit und Hartnäckigkeit mir sehr gefallen hat. Sie lässt nicht zu, dass Geheimnisse und Missverständnisse die Beziehung zu ihrem Ehemann Will schmälern, sondern überwindet sich selbst bei unangenehmen Nachrichten, sie ihm anzuvertrauen. Das war eine echt schöne Charaktereigenschaft, die man selten bei Protagonisten sieht!

Etwas zwiegespaltener bin ich bezüglich ihrer Einstellung zum Fall. Dass sie den wahren Mörder finden will, ist nur zu verständlich, aber kritisch wird es dadurch, dass sie am Anfang der Geschichte im fünften Monat schwanger ist – und sich durch ihre Untersuchungen Stress aussetzt, der ihrem Kind schaden könnte. Andere Charaktere raten ihr stets, sich auszuruhen und auf ihren Blutdruck zu achten, aber Hannah, die endlich die Wahrheit herausfinden will, widersetzt sich bewusst diesem Rat. Wie gesagt habe ich diesen Drang durchaus verstanden, aber dennoch wünschte ich, sie hätte öfter an ihr Kind gedacht, weil das realistische Risiko zu bestehen schien, dass ihm etwas hätte passieren können. (Letztendlich passiert natürlich nichts, was tatsächlich schädlich wäre, aber das weiß Hannah während ihrer Nachforschungen natürlich nicht.)

Doch wer es liebt, ein Mysterium zu lösen und Puzzlestücke zusammenzufügen, ohne, dass die Antwort offensichtlich ist, wird sich wohl dadurch nicht stören lassen. Mir ist es durchaus als kritischer Punkt aufgefallen, aber meinem Lesegenuss hat es letztendlich nicht geschadet. Insgesamt handelte es sich also um einen erfolgreichen Thriller!

„Le Sommet“ ist ein frisch renoviertes Hotel in der Schweiz, das ursprünglich als Sanatorium benutzt wurde. Hier will Erins Bruder Isaac seine Verlobung feiern und hat dazu sie und ihren Ehemann eingeladen. Erin ist jedoch nicht nur wegen der Verlobung da, sondern weil sie endlich eine Frage aus ihrer Vergangenheit klären will: Hat Isaac damals ihren jüngeren Bruder umgebracht? Doch bevor sie dieser Frage weiter nachgehen kann, verschwindet Isaacs Verlobte – und kurz danach geschieht ein grausamer Mord …

Insgesamt gefiel mir dieser Thriller recht gut, vor allem seine Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Mir gefiel es, wie die Autorin uns, was den Täter betrifft, geschickt hinters Licht führte und wie sie mit Erins Trauma umgegangen ist. Doch ein wenig muss ich sowohl am Ende als auch am Täter kritisieren. So ist das Ende des Falls an sich zwar sehr zufriedenstellend, doch dafür gibt es, was Erins Storyline betrifft, einen Cliffhanger, der mich unzufrieden zurückgelassen hat, weil ich davon ausging, einen Einzelband und keine potentielle Reihe zu lesen. Hier wäre es nett gewesen, irgendwo zu vermerken, dass es sich bei diesem Thriller technisch gesehen um einen Mehrteiler handelt, der zwar den Fall abschließt, aber nicht die persönliche Geschichte der Protagonistin.

Auch die Motive des Täters waren … zweifelhaft. Ich möchte hier natürlich nicht zu viel verraten, aber ich habe ganz schön die Stirn gerunzelt, als ich herausfand, warum genau all diese Morde verübt wurden. Die Motive kamen mir einfach viel zu … schwach vor. Sie erklären, wenn überhaupt, nur einen der Morde einigermaßen gut, können aber mitnichten als gute Begründung für die anderen herhalten.

Aufgrund des flüssigen Schreibstils und der steigenden Spannung hat mir dieser Thriller immer noch gut gefallen, doch aufgrund der genannten Kritikpunkte kann ich ihn nicht als „sehr gut“ bezeichnen. Für Zwischendurch ist er allerdings allemal gut geeignet!

Vor vier Jahren ist Brynns Lieblingslehrer Mr. Larkin unter geheimnisvollen Umständen gestorben. Damals war es ihr ehemaliger Freund Tripp, der vor der Polizei aussagte, die Leiche zusammen mit zwei anderen Schülern gefunden zu haben. Allerdings wurde nie aufgeklärt, was eigentlich passiert ist - und Tripps Aussage wurde auch nie in Zweifel gezogen. Während Brynn ein Praktikum bei einer True-Crime-Show zum Anlass nimmt, die damaligen Geschehnisse endlich aufzudecken, muss Tripp zusammen mit ihr einen Gedenkgarten für Mr. Larkin organisieren, wobei er nur eins fürchtet: Dass herauskommt, dass er damals gelogen hat ...

Ich habe keine Ahnung, wie Karen McManus es schafft, aber ihr ist es schon wieder gelungen, einen besonders spannenden Jugendthriller zu schreiben, den ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Der Schreibstil trägt hier einiges dazu bei, aber auch die beiden Hauptcharaktere, ihre Beziehung und die verschiedenen Nebenplots, die mit dem Mordfall zusammenhängen, haben mich unglaublich gefesselt und dazu angetrieben, selbst mitzuraten, wie die einzelnen Puzzleteile zusammenhängen. Natürlich lag ich ganz schön daneben, aber genau das machte auch den Reiz aus, als dann die Wahrheit ans Licht kam und jedes Puzzleteil an seinen Platz fiel.

Die Liebesgeschichte zwischen Brynn und Tripp hat mich ein wenig an die von Bronwyn und Nate aus "One of us is lying" erinnert, was jetzt aber weder Lob noch Kritik, sondern einfach eine Feststellung sein soll; so oder so habe ich mit beiden mitgefiebert. Auch die Nebencharaktere (vor allem Brynns Schwester Ellie) waren gut und menschlich ausgearbeitet, auch wenn der Fokus insgesamt auf den Hauptcharakteren liegt.

Insgesamt also ein sehr empfehlenswerter Thriller für alle Jugendbuchfans, die gerne Spannung und Romantik vereint haben wollen!

Cecily bekommt endlich die Gelegenheit, den berühmten Bergsteiger Charles McVeigh zu interviewen, der kurz davor ist, seine Mission, alle vierzehn Achttausender zu besteigen, abzuschließen. Doch um das Interview zu bekommen, hat Charles eine Bedingung: Cecily muss mit ihm und einer Gruppe anderer Bergsteiger den letzten fehlenden Achttausender, den Manaslu, besteigen. Cecily stimmt zu, obwohl sie nicht allzu erfahren ist. Und merkt bald schon, dass das nicht ihr einziges Problem ist, denn ein Mörder ist auch mit auf dem Berg …

Insgesamt war das ein recht spannender Thriller, der tatsächlich ein wenig wie ein Aufstieg verlief: Die Spannung stieg, die Charaktere machten eine Ruhepause, die Spannung stieg und so weiter. Fokus war dabei vor allem Cecilys Charakterentwicklung und die verschiedenen Gefahren, denen sie sich stellte. Doch leider endete das Buch nicht auf einem Höhepunkt, sondern in einem Fall. Das Ende war meiner Meinung nach viel zu offen und ich hätte gerne gewusst, wie es danach weitergeht, weil zu viele Fragen unbeantwortet bleiben und ich sehr skeptisch war, ob Cecilys Plan am Ende klappen würde. Und weil das Ende so unbefriedigend war, fühlte sich auch der Rest der Geschichte danach nicht mehr zufriedenstellend an. Dabei habe ich Cecilys Reise, auch wenn sie sich für einige Leser*innen sicher ein wenig zu lang las, durchaus genossen und fand es traurig, dass das Ende so enttäuschend für mich war.

Denn es war wirklich hervorragend und realistisch beschrieben, wie Cecily den Manaslu zusammen mit den anderen Charakteren meistert, welche Probleme sich auftürmen, wie sie gelöst werden, welche Effekte die Höhe und Kälte auf sie hat usw. Jemand, der ein Interesse an Bergsteigen hat, wird den Thriller deshalb sicher trotzdem mögen, weil die Autorin hier ihre eigenen Erfahren mit eingebaut hat und man das anhand der realistischen Beschreibungen auch merkt.

Was für mich ebenfalls ein Kritikpunkt war, war der plötzliche Anstieg an unnatürlichen Toden gegen Ende der Geschichte. Bis zum Finale sind gerade einmal zwei Charaktere gestorben, doch am Ende kamen noch ein paar mehr Charaktere dazu, was für mich hauptsächlich deshalb ein Problem war, weil die Tode relativ unnötig waren und man getrost auf sie hätte verzichten können, ohne dass es einen allzu großen Unterschied gemacht hätte.

Insgesamt also ein guter Roman, wenn man an Bergsteigen interessiert ist oder einfach nur sehen möchte, wie eine Protagonistin ein Abenteuer erlebt, das ihren Charakter festigt. Aber als Thriller könnte der Roman für manche Leser*innen zu langatmig sein und endet zudem sehr plötzlich und ohne, dass alle Fragen hundertprozentig geklärt wären. Deshalb kann ich insgesamt leider nur eine Empfehlung für diejenigen aussprechen, die nach einem guten Roman über einen Bergaufstieg suchen, aber nicht unbedingt für alle anderen.

Erin betreibt zusammen mit ihrem Kollegen Danny ein Chalet in den Alpen, das von mehreren Mitarbeitern des Social-Media-Unternehmens „Snoop“ besucht wird, darunter auch Ex-Mitglied Liz, die dem Unternehmen damals half, an den Start zu kommen und jetzt zusammen mit den anderen Mitgliedern über die Zukunft von Snoop entscheiden soll. Doch als nach und nach die einzelnen Mitglieder verschwinden bzw. ermordet werden, müssen Erin und Liz sich anderen Problemen stellen: Wie sollen sie es schaffen, im Schneesturm Hilfe zu holen und gleichzeitig herauszufinden, wer von den Anwesenden der Mörder ist?

Ruth Wares Thriller waren bisher ein starkes Hit-and-Miss für mich, weshalb ich zögerlich war, „Das Chalet“ auszuprobieren. Zu meiner Freude hat sich dieser Thriller jedoch als Hit herausgestellt!

Das Setting und die Art und Weise, wie die Handlung vorankommt (die Gruppe ist komplett von der Außenwelt abgeschnitten ein Mitglied nach dem anderen verschwindet oder wird ermordet) ist natürlich bekannt, war aber deshalb nicht weniger spannend zu verfolgen. Es hat mir richtig Spaß gemacht, die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen, wobei die korrekte Zusammensetzung zwar eine etwas einfachere Lösung bot, als ich erwartet hatte, aber dafür eine, die stimmig war und durchaus selbst geschlussfolgert werden kann. Das Finale war dafür umso epischer, ich habe hier richtig mit den Charakteren mitgefiebert!

Eine kleine Kritik besteht darin, dass Snoop selbst im Grunde keine Rolle spielt. Vor jedem Kapitel, die abwechselnd aus Erins und Liz' Sicht erzählt werden, wird deren Snoop-ID, ihr gerade gehörter Song, ihre gerade zuhörenden Snooper und die Anzahl ihrer Snoopscriber genannt. Doch da ziemlich bald das Netz zusammenbricht, ändern sich diese Informationen bald nicht mehr und spielen im Allgemeinen eine so untergeordnete Rolle, dass man sie genauso gut hätte weglassen können, ohne, dass der Geschichte etwas gefehlt hätte.

Das ist zum Glück nur ein kleiner Kritikpunkt, auch wenn ich durchaus wünschte, Snoop hätte eine größere Rolle in der Handlung selbst eingenommen. Denn die Handlung selbst war sehr zufriedenstellend und hat mir sehr viel Spaß gemacht!

Es ist eine Stellenausschreibung, die ein bisschen zu schön ist, um wahr zu sein: Elspeth McKenzie sucht eine Gesellschafterin, die sich um sie kümmert, wobei sie diesen Job außerordentlich gut bezahlt. Una stimmt dem Stellenangebot zu, doch es dauert nicht lange, bis sich die ersten Probleme anhäufen: Elspeths Tochter Kathryn ist ihr feindselig gesinnt und zudem erfährt Una, dass die letzten zwei Gesellschafterinnen, die im Haus beschäftigt waren, tot aufgefunden wurden …

Schon seit einer Weile wollte ich mal einen Thriller von Claire Douglas lesen, weil ihre Plots stets so interessant klangen, ich aber immer wieder die Gelegenheit verpasste, tatsächlich einen in die Hand zu nehmen. Mit „Schönes Mädchen“ habe ich dieses Versäumnis nun nachgeholt und muss sagen … ja, durchaus lesenswert!

Während die eigentliche Story durchaus Phasen hatte, in denen sie nicht sooo spannend war, habe ich sie dennoch gern gelesen, weil ich es schlicht mochte, mehr über Una und ihre Nachforschungen bei den McKenzies zu erfahren. Insofern war die erste Hälfte des Romans nicht herausragend, aber definitiv nicht schlecht, weil Claire Douglas mich trotzdem zum Weiterlesen angespornt hat.

Danach hebt der Thriller sich von anderen ab, weil ein unerwarteter Twist die Story auf den Kopf stellt – was habe ich geschaut, als ich realisierte, was ich da gerade las! Ähnlich ging es mir bei dem Twist, was den eigentlichen Täter betrifft, weil es ein perfektes Beispiel für einen Twist ist, der überraschend kommt, im Nachhinein aber Sinn ergibt (also meine liebste Art von Twist). Zwar hatte auch die zweite Hälfte des Thrillers diese Phasen, in denen er nicht sooo spannend war, aber am Ende hat es sich auf jeden Fall gelohnt, ihn gelesen zu haben!

Insgesamt also ein sehr solider Thriller, der vor allem durch seine Twists positiv hervorsticht, es aber auch schafft, die Leser selbst dann am Ball zu halten, wenn mal nicht so viel passiert. Aus Zeitgründen werde ich die vorigen Thriller von Claire Douglas wohl nicht lesen können, aber ganz sicher ihre nächsten genießen!

Jack Carter ist unsterblich. Was für ihn ein Problem ist, weil er nichts sehnlicher will, als endlich sterben zu dürfen. In 48 Therapie-Sitzungen werden wir mit seinem Leben, seinen Problemen und seinem Sarkasmus konfrontiert – wobei Jack es meisterhaft versteht, nicht nur seine Therapeutin, sondern auch uns zu amüsieren.

Ursprünglich wurde die Geschichte auf Wattpad hochgeladen und ich muss zugeben, dass ich bei dieser Information gehörige Zweifel daran hatte, dass sie gut sein würde – obwohl ich selbst bereits mehrere Fanfiktions las, die ich besser als so einige veröffentlichte Bücher fand. Zu meiner Erleichterung machte es mir unheimlichen Spaß, diesen Roman zu lesen und ich bin sehr froh, diese 48 Sitzungen zusammen mit Jack Carter erlebt zu haben.

Besonders sein Sarkasmus hat mir außerordentlich gut gefallen; mit Jack Carter hat Rebekka Derksen einen Charakter erschaffen, mit dem sich sicher viele identifizieren können, und der eindeutig seine Schwächen hat, dem Leser aber aber gerade deshalb ans Herz wächst.

Die Geschichte konzentriert sich einerseits auf die Gespräche zwischen Jack Carter und seiner Therapeutin, und andererseits auf die derzeitigen Ereignisse in seinem Leben, die er während der Sitzungen reflektiert. Gerade, weil er seiner Therapeutin natürlich nicht alles sagt, ergab sich ein schöner Kontrast zwischen Gedachtem und Gesagtem.

Die Geschichte ist trotz ihrer Thematik locker zu lesen, was hauptsächlich an Jacks Erzählweise liegt. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um keine hochtreibende Literatur, aber das sollte sie auch nie sein; letztendlich hielt das Buch genau das, was es versprach: Sie bot eine schöne Ablenkung vom stressigen Alltag, die mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat!

↑ 2022
2021 ↓

Nach dem Tod von Blake Nelson werden seine drei Ehefrauen Rachel, Tina und Emily verdächtigt, ihn ermordet zu haben. Rachel stammt wie Blake aus einer Mormonenfamilie und nimmt deren Praktiken sehr ernst; Tina ist eine Ex-Prostituierte, die die Regeln etwas freier interpretiert; und die schüchterne Emily wurde komplett von Blake abhängig, nachdem ihre eigene Familie sie verstoßen hat.

Rachel agiert hierbei als eine Art Hauptfigur, weil es ihre Vergangenheit ist, mit der sie sich im Lauf des Thrillers konfrontieren muss. Ihre Geschichte hat mich am meisten interessiert und gerne habe ich die Flashback-Häppchen aufgesogen.

Tina ist dafür die sympathischste. Ich mochte ihre rebellische Ader und ihre Freundschaft zu Rachel und Emily war ebenfalls gut umgesetzt - speziell erstere Beziehung habe ich sehr gemocht!

Emily wirkte im Vergleich zu den beiden etwas blass, obwohl man ebenfalls sehr viel zu ihrer Vergangenheit, speziell ihrer Beziehung zu Blake, erfährt, sie in der Gegenwart jedoch nicht ganz so heraussticht wie die anderen beiden.

Bezüglich des Mörders formte ich recht schnell eine Theorie, wobei meine Erwartungen am Ende nicht erfüllt wurden - und das meine ich auf positive Weise. Ich war sehr, sehr zufrieden mit dem Ende, gerade weil es nicht auf das hinauslief, was ich unumgänglich fand.

Natürlich müssen auch die Themen Polygamie und die Mormonen-Kultur angesprochen werden. Ersteres wurde zu meiner Freude insgesamt positiv dargestellt, was ich erfrischend fand; letzteres hingegen war, so weit ich es beurteilen kann, realistisch beschrieben, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass Mormonen von der letztendlich kritischen Darstellung begeistert wären.

Ein weiterer Pluspunkt ist Catherine Quinns flüssiger Schreibstil, der sich locker wegliest. So überwindet man selbst Passagen, in denen eventuell gerade nicht viel passiert, mühelos, ganz zu schweigen von den spannenden Stellen.

Nur eine nicht ganz so kleine Kritik zum Cover: Die drei Ehefrauen wurden imho nicht gut repräsentiert. Rachel und Emily haben im Buch lange respektive kurze blonde Haare, Tina dagegen dunkle Haare und dunkle Haut. Die drei Damen auf dem Cover haben allerdings allesamt helle Haut und braune Haare in verschiedenen Schattierungen. Hier hätte man sich deutlich mehr Mühe bei der Auswahl geben können; nur der Hintergrund passt gut zum Buch.

Insgesamt haben wir hier einen sehr schönen Thriller, der vor allem die drei Hauptcharaktere in den Vordergrund rückt und die manchmal spannende, manchmal gemächliche Handlung vor allem durch den flüssigen Schreibstil leicht lesbar macht.