Sparking Fire Out of Fate
401 Seiten

Endlich sind Tycho und Jax wiedervereint und werden sogar zusammen mit anderen Soldaten auf eine Mission geschickt, doch ihre lange Trennung hat eine Distanz zwischen ihnen geschaffen, die unüberbrückbar zu sein scheint. Auch Callyn und Alek sind nach der Enthüllung von Callyns Magie voneinander getrennt, werden aber zusammengeführt, um einen Auftrag für die Königin zu erfüllen. Auf dem Weg begegnen sie einer Scraver, die sie dazu anhält, Tycho zu finden, der einem anderen Scraver helfen soll. Gleichzeitig planen die Truthbringer, jeden auszulöschen, der Magie in sich trägt …

Mit diesem Band wird die Geschichte um Tycho, Jax, Callyn und Alek abgeschlossen und das glücklicherweise sehr zufriedenstellend. Beide Paare haben erst einmal ihr eigenes Abenteuer mit eigenen Problemen, bevor sie relativ spät aufeinandertreffen, um sich auf das Finale vorzubereiten. Was ihre eigenen Handlungsstränge angeht, war ich vor allem in Callyns und Aleks Storyline investiert, weil ihre Beziehung so faszinierend und komplex war, vor allem, weil der Konflikt zwischen ihnen so gut geschrieben war. Aber auch die Handlung allgemein war bei ihnen stets spannend, sodass es mir leichtfiel, mit ihnen mitzufiebern.

Bei Tycho und Jax dauert es dafür eine ganze Weile, bis ich in ihren Handlungsstrang reinfand, weil die Distanz zwischen den beiden so traurig zu lesen war und das Eifersuchtsdrama mich ganz schön frustriert hat. Hier hätte es mir gereicht, hätte Kemmerer auf das angedeutete Liebesdreieck verzichtet und sich ganz auf Tychos und Jax‘ Beziehung fokussiert, vor allem, weil diese tatsächlich sehr einnehmend zu lesen war, sobald sich die Wogen zwischen ihnen glätteten.

Obwohl die beiden Parteien wie gesagt recht spät aufeinandertreffen, bekommen die Charaktere größtenteils trotzdem genug Zeit, sich danach miteinander zu arrangieren; hier war es sehr erfrischend, dass ihre Antipathie zueinander (vor allem zwischen Alek und Tycho & Jax) nicht einfach verschwunden ist, sondern tatsächlich aufrechterhalten wurde, während die Charaktere gleichzeitig wussten, dass sie trotzdem zusammenarbeiten müssen, um etwas zu erreichen. Nur zwischen Jax und Callyn hätte ich mir eine ausführliche Szene gewünscht, in der sie sich aneinander anvertrauen, weil sie ebenfalls lange voneinander getrennt waren und schließlich Freunde sind.

Insgesamt empfand ich diesen Abschlussband als nicht so episch wie den ersten, aber aufgrund der Charakterbeziehungen besser als den zweiten, zumal er den Charakteren ein so zufriedenstellendes Ende gab. Die ganze Reihe war letztendlich eine gute Fantasytrilogie, die vor allem für diejenigen gut geeignet ist, die einen Fokus auf Charakterbeziehungen mögen!

Alexander
160 Seiten

Nachdem Kalistes tyrannischer König gestürzt wurde, sucht die Bevölkerung nach einem Weg, gerechte Gesetze zu etablieren. Die Bewohner kommen zu dem Schluss, dass nur ein Kind eine Lösung finden kann und wählen Alexander aus, nachdem dieser das Sphinx-Rätsel gelöst hat. Er macht sich auf eine Reise auf und begegnet dabei vielen verschiedenen Gestalten. Ob nun ein Modeschöpfer, ein Philosoph, ein Orakel oder eine Leserin: Sie alle haben ihre eigene Sichtweise, die Alexander zeigt, was wirklich wichtig ist …

Dieses schöne Kinderbuch erzählt ganz wunderbar davon, welche Werte in einer Demokratie vonnöten sind, um diese zu erhalten und das auf eine Art und Weise, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gut zu lesen ist. Für Erwachsene sind die Gesetze, die Alexander vorgeschlagen werden, natürlich offensichtlich, aber trotzdem wertvoll und für Kinder ohnehin wichtig. Zudem war es so oder so schön, sich selbst daran zu erinnern, welche Gesetze in einer Demokratie gelten sollten. Aber das, was mir wirklich gefiel, waren die viele subtilen Momente und Anmerkungen, die nur Erwachsene in ihrer Vollständigkeit verstehen (z.B. als Alexander auf den Philosophen Diogenes trifft).

Jeder Charakter hinterlässt hierbei einen starken Eindruck, was vor allem wegen ihrer begrenzten Screentime sehr beeindruckend ist. Mein persönlicher Liebling war das Orakel, aber sicher wird jeder seinen eigenen Lieblingscharakter finden können, weil sie alle nicht nur wichtige Lektionen mitgeben, sondern allgemein erinnerungswürdig geschrieben sind.

Den besten Vergleich, den ich bringen kann, ist „Der kleine Prinz“, weil speziell Alexanders Reise und sein Treffen auf verschiedene Charaktere mich ein wenig an die Reise des kleinen Prinzen erinnerte – mit dem Unterschied, dass Alexander tatsächlich wichtige Informationen erhält. Meine einzige Kritik besteht daraus, dass ich mir gerne noch mehr Diversität von den Charakteren gewünscht hätte, weil gerade Randgruppen die Vorzüge der Demokratie nicht so sehr genießen, wie sie es verdienen; hier finde ich, dass es noch effektiver gewesen wäre, ebenjene Randgruppen zu Alexander sprechen zu lassen (obwohl die Lektionen natürlich unabhängig von der Person, die sie vorträgt, wichtig sind).

Insgesamt eine schöne, kurzweilige Geschichte über Demokratie, die nicht nur für Kinder geeignet ist!

Die Jagd nach den magischen Münzen
273 Seiten

Bo hört das Flüstern der Themse, bevor sie in deren Schlamm eine silberne Münze findet, die sie an den Mond erinnert. Sie spürt sofort, dass sie etwas Besonderes ist und weigert sich, sie zu verkaufen, als der zwielichtige Muncaster ihr viel Geld dafür anbietet. Zusammen mit Billy, Muncasters Diener, findet sie heraus, dass es auch eine Sonnenmünze gibt, sowie eine Ballade, die verrät, wie man die beiden Münzen zusammenführen muss, um einen geliebten Menschen wiederzubeleben. Billy, der hofft, so seine Mutter zurückzubekommen, möchte Bo helfen, die zweite Münze zu finden, muss sich jedoch auch vor Muncaster in Acht nehmen …

Dieses Kinderbuch war überraschend emotional, auf mehr als eine Weise! Es ist eine teils historische, teils magische Geschichte, die kein klassisches Abenteuer erzählt, sondern eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und Loslassen. Aus diesem Grund habe ich die Geschichte teils als langsam empfunden, weil es nicht immer spannend war, sondern der Fokus ganz klar auf den Charakteren und deren Beziehungen lag.

Natürlich stechen vor allem Bo und Billy positiv hervor, aber auch Miss Cressant und Eddie mochte ich ganz gern, obwohl sie teils nicht viel Screentime haben. Man könnte auch sagen, dass nicht zwingend die Charaktere interessant sind, sondern die Bindungen zwischen ihnen und das, was sie voneinander lernen.

Auch der Schreibstil und die Atmosphäre, die sie einfängt, sind sehr schön, wobei ich hier auch lobend das Cover erwähnen möchte, dass das Ambiente des Buches fantastisch einfängt.

Gegen Ende gab es ein paar überraschende Twists, mit denen ich nicht gerechnet habe, obwohl sie im Nachhinein sehr logisch waren. Das emotionale Ende und das Lied der Themse, das uns danach gezeigt wird, haben mir sehr gefallen, doch gleichzeitig bin ich mir sicher, dass gerade die Zielgruppe eventuell nicht zufrieden damit sein wird. Diese Geschichte ist wie gesagt kein klassisches Fantasyabenteuer, sondern vor allem ein gefühlvoller Roman!

Firewatch
451 Seiten

Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …

Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.

Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.

Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.

Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!

This Story Might Save Your Life. Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?
448 Seiten

Joy und Benny haben einen Podcast, in dem sie auf humorvolle Weise Überlebensstrategien für verschiedene Situationen diskutieren. Als Joy und ihr Ehemann Xander spurlos verschwinden, ist Benny fest entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen ist – und stellt fest, dass Joy so einige Geheimnisse vor ihm hatte, die sie nur in ihrem Buch verschriftlichte. Benny findet heraus, dass sie sich von Xander scheiden lassen wollte – was ihr Verschwinden in ein ganz anderes Licht rückt …

Zunächst einmal: Die Tagline dieses Romans ist vollkommen falsch. So falsch sogar, dass es so wirkt, als hätte irgendjemand aus Versehen die Tagline eines anderen Romans benutzt, denn die Geschichte, die sie suggeriert, wird man hier nicht finden. Tatsächlich fühlt sich selbst die Genrebezeichnung „Thriller“ für mich nicht ganz richtig an, weil das Buch für mich eher wie ein spannender Roman mit Thrillerelementen wirkte, der auf noch viel mehr Themen eingeht.

Gerade Joys Lebensweg, den sie in ihrem Buch beschreibt, spielt eine wichtige Rolle und ist der Teil der Handlung, der sich am ehesten wie ein dramatischer Roman und nicht wie ein Thriller liest. Bennys Story hat da schon mehr Thrillerelemente, aber trotzdem würde ich behaupten, dass das Hauptthema des Romans letztendlich die Beziehung der beiden ist. Die beiden haben wirklich eine hervorragende Chemie miteinander, ich liebte ihre Dynamik sehr und es war leicht, mit ihnen mitzufiebern. Hier war gerade die erste Hälfte der Handlung packend, weil so viele vergangene Szenen die beiden in den Fokus stellen.

Auch Xander, Joys Ehemann, spielt eine wichtige Rolle, war im Gegensatz zu Benny allerdings furchtbar und wurde im Lauf der Handlung nur unausstehlicher. Ernsthaft: Immer, wenn ich glaubte, dass er nicht mehr schlimmer werden könnte, bewies er ein weiteres Mal, dass er eine wirklich scheußliche Person ist. Aber gerade deshalb war es natürlich zufriedenstellend, zu sehen, wie all seine Lügen nach und nach ans Licht kamen.

Insgesamt würde ich diesen Roman nicht unbedingt Thrillerfans empfehlen, sondern auch Fans von Freundschaften, Romanzen, Drama, Humor, Mystery … also so ziemlich allen Genres. Mit anderen Worten: Wenn man einen großartigen Genremix lesen will, ist dieses Buch hervorragend dafür geeignet!

Am Ende will doch einer sterben
764 Seiten

Nachdem er als Kind seinen Vater tötete, um seine Mutter zu retten, lebt Paz ein depressives Leben – so depressiv, dass er sich nach einem besonders schrecklichen Tag entschließt, es sich zu nehmen. Aufgehalten wird er von Alano Rosa, dem Erben des Todesboten-Imperiums, der ihm helfen will, das Leben wieder wertschätzen zu können. Schnell spüren die beiden eine Bindung zueinander, doch es ist nicht leicht, ihre Traumata zu überwinden, vor allem, wenn die Tiefen so viel stärker sind als die Höhen …

Ich habe das Buch bereits Mitte letzten Jahres auf Englisch gelesen, schob es jedoch vor mir her, es nochmal auf Deutsch zu tun, weil es mich zwar interessierte, wie die deutsche Übersetzung ist, viele Szenen des Romans aber zu deprimierend sind, um ihn einfach so zu lesen. Selbst jetzt, wo ich das nachgeholt habe, tat ich es mit einer Pause dazwischen – wobei das allerdings nicht nur an den schweren Themen lag, sondern auch daran, dass der Roman stellenweise sehr langgezogen ist.

Speziell die ersten zweihundert Seiten fühlten sich sehr, sehr lang an, weil in ihnen zwar durchaus wichtige Dinge passieren, ich aber das Gefühl hatte, dass sie um einiges hätten gekürzt werden können. Das trifft auch auf spätere Szenen zu, aber gerade am Anfang war es wirklich schwer, in den Roman zu finden, weil die Handlung so lange brauchte, um in die Gänge zu kommen.

Danach wurde es leichter, wenn ich auch immer noch eine Präferenz für Alanos Kapitel hatte, weil Paz‘ Sichtweise einen ganz schön runterzieht, während Alano mehr Varietät in die Handlung bringt. Die Bindung der beiden fand ich gut umgesetzt, aber wann immer sie allein oder mit jemand Anderem zusammen waren, bevorzugte ich Alanos Sichtweise.

Das Ende ist etwas überdramatisch und hatte meiner Meinung nach nicht genug Foreshadowing, was besonders seltsam ist, wenn man bedenkt, wie gut das Foreshadowing bezüglich gewisser Charaktertwists war. Und wie gesagt dauert es einfach zu lange, um zu diesem Ende zu kommen; Adam Silvera illustrierte hervorragend, dass Heilung keine gerade Straße, sondern eine verwinkelte Straßenkreuzung ist, aber das schadete auch dem Pacing der Geschichte.

Insgesamt habe ich diesen Band des Todesboten als den schwächsten empfunden: Immer noch ein Roman, die viele gute und bewegende Szenen hat, aber ein wenig zu lang und zu deprimierend für mich war.

Secrets of Black Manor (1). Die Gabe der Träumer
352 Seiten

Luca ist erstaunt, als an seinem dreizehnten Geburtstag ein seltsames Zeichen auf seinem Handgelenk und ein noch seltsameres Wesen auf seinem Bett auftaucht. Zunächst hält er es für einen Streich von seinem Zwillingsbruder Jannis, bis der zwielichtige William Gray mit ihm Kontakt aufnimmt und ihn darüber unterrichtet, dass Luca in seinen Träumen magische Wesen erschaffen kann. Doch erst, als Luca tatsächlich eins erschafft, begreift er, dass er Wills Hilfe braucht, wenn er herausfinden will, was mit ihm los ist. Doch kann er Will wirklich vertrauen? Und was ist mit Blake, Wills Zwillingsbruder, der seine eigenen Pläne mit Luca zu haben scheint? Luca ist bereit, es herauszufinden …

Dieses Kinderbuch liefert ein spannendes und kreatives Abenteuer, das mich gleich auf mehrere Weisen positiv überrascht hat! Vor allem, was die Handlung angeht, gab es viele unerwartete und klischeefreie Entwicklungen, die ich nicht kommen gesehen habe. Allein schon beim grundsätzlichen Charakteraufbau (dass sowohl der Protagonist als auch sein Mentor Zwillingsbrüder haben) hatte ich sofort ein paar Vermutungen, was die Handlung betrifft, aber zu meiner Erleichterung vermied Marisa Hart hier sämtliche Klischees. Selbst bei dem offensichtlichen Twist bezüglich eines Nebencharakters (bei dem ich mir durchaus gewünscht hätte, dass er ein wenig früher offenbart worden wäre) fand die Autorin einen Weg, ihn erfrischend zu machen, was ich ebenfalls nicht erwartet habe. Hier ein wirklich großes Lob dafür, dass die Handlung so kreativ war!

Auch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander überraschten mich positiv, sodass es mir schwer fällt, hier einen Liebling zu wählen. Lucas Beziehung zu Jannis, seinem Zwillingsbruder, Ben, seinem Klassenkameraden und Will, seinem Mentor waren allesamt großartig umgesetzt. Es war so wunderbar, dass Luca und Jannis tatsächlich über ihre Probleme geredet haben, was zu einer unglaublich zufriedenstellenden Entwicklung führte. Auch Lucas und Bens etwas-mehr-als-freundschaftliche Beziehung hat mich gefesselt und ich hoffe sehr, dass der zweite Band sie weiter vertiefen wird. Und zuletzt fand ich auch Luca und Will und die Art und Weise, wie sie beide aus ihren Fehlern lernten, sehr schön. Dadurch, dass Luca Will zunächst nicht vertraut und sich leicht von Blake beeinflussen lässt, macht er leider ein paar vermeidbare Fehler, aber sowohl er als auch Will lernen aus ihrem Verhalten und bessern sich im Lauf der Handlung.

Kritik habe ich höchstens an den Nebencharakteren, die relativ flach bleiben; die Fieslinge aus der Schule bekommen keinerlei Tiefe, sondern sind einfach gemein, und ich hätte mir auch mehr Action von den weiblichen Charakteren gewünscht, die zwar wichtige Momente bekommen, aber insgesamt nicht allzu relevant für die Handlung sind. Allerdings bin ich ziemlich optimistisch, dass Marisa Hart diesen Aspekt im zweiten Band verbessern kann, da ihre Charaktere insgesamt sehr gut gezeichnet sind.

Die verschiedenen Traumwesen haben mich sehr begeistert. Von ihren Welten hätte ich gerne noch mehr gesehen, aber die Traumwesen selbst waren sehr kreativ und wurden vor allem sehr gut in der Handlung eingesetzt. Ein wenig deus-ex-machina-mäßig waren sie teilweise schon, aber immer noch im logischen Rahmen, sodass mir das nichts ausmachte. Und wie gesagt sind die Wesen selbst einfach großartig!

Das Ende lässt einige Handlungsentwicklungen offen, sodass ich mich schon sehr auf den zweiten Band freue! Am Ende habe ich nur noch zu sagen, dass ich die Karte und die anderen Illustrationen im Buch sehr mochte, weil die Karte zu den wenigen gehört, die tatsächlich hilfreich sind und die Illustrationen es vereinfachten, mir speziell die verschiedenen Wesen besser vorzustellen.

Insgesamt also ein wunderbares Fantasyabenteuer, das sicher nicht nur Kindern gefallen wird!

Eine Liebe ohne Sommer
485 Seiten

Sie begegnen sich im Treppenhaus: Rosa und Nikolas, die sich schnell sympathisch sind und bald schon anfangen, miteinander auszugehen. Nikolas scheint jedoch nicht zu wollen, dass Rosa seinen Freundeskreis kennenlernt, was sie merkwürdig findet. Und dann passiert es: Nikolas hat einen tödlichen Unfall und Rosa weiß nicht, wie sie sich fühlen soll. So lange zusammen waren sie schließlich nicht, und wer war Nikolas überhaupt? Hätte ihre Liebe gehalten? Rosa beginnt, Nachforschungen nachzustellen, um sich nicht nur über Nikolas‘ Charakter klarzuwerden, sondern auch über ihre eigenen Gefühle …

Dieser Roman ist in zwei Hälften geteilt: Die Romanze zwischen Rosa und Nikolas, und die Ereignisse, die nach seinem Tod passieren. Zwar haben wir auch in der ersten Hälfte Kapitel, die in der Gegenwart spielen und uns gleich von Anfang an über Nikolas‘ Tod informieren, doch hat Timothy Paul Spaß daran, davor einige Fake-Outs einzubauen, bevor er dann tatsächlich stirbt. Diese Fake-Outs kamen zum Glück nicht ZU oft vor und Nikolas‘ Tod kam sogar etwas schneller als erwartet, aber insgesamt kann man die Geschichte trotzdem gut in diese zwei Hälften einteilen.

Etwas, das in beiden Hälften brilliert, sind die Dialoge: Sie sind sehr gut geschrieben, überraschend realistisch und tatsächlichen Dialogen sehr nahe, sodass sie mühelos zum stärksten Punkt des Romans wurden. Denn obwohl ich realitätsnahe Dialoge eigentlich nicht mag, haben sie mir hier so gut gefallen, dass ich sie unbedingt als Pluspunkt erwähnen musste.

Die erste Hälfte fokussiert sich auf die Liebesgeschichte und ist ganz in Ordnung. Ich weiß nicht, ob es Absicht war, aber obwohl Rosa und Nikolas durchaus Chemie miteinander haben, kamen sie mir nie so vor, als wären sie die eine große Liebe zueinander. Rosa betonte mir zum Beispiel etwas zu oft, wie gut Nikolas aussieht. Aber in der zweiten Hälfte lernt sie jemand Neuen kennen, dessen große Stärke seine Persönlichkeit ist, und ich realisierte, dass Rosas vergleichsweise kurze Beziehung mit Nikolas absolut valide war – schließlich muss nicht jede Beziehung gleich eine für das ganze Leben sein.

Überhaupt spielt die Frage nach der „großen Liebe“ eine große Rolle, so ziemlich alle Charaktere geben ihre eigene Meinung dazu ab und alle Meinungen werden als gleichwertig behandelt. Das hat mir sehr gefallen, weil es erfrischend war, so viele verschiedene Perspektive zu bekommen, ohne dass uns gesagt wird, dass eine die „richtige“ ist.

Die zweite Hälfte der Handlung, in der Rosa Nachforschungen anstellt und Nikolas‘ Freunde trifft, war absolut großartig! Ich mochte ihre zwiegespaltenen Gefühle, Nikolas‘ Charakterisierung, die zu meiner Freude überraschend positiv war, die Twists, die die Handlung auf gute Weise bereicherten, ohne zu schockierend oder zu klischeehaft zu sein, und: Dickeskind. Dickeskind war mühelos mein Lieblingscharakter und keine Sorge, der Name macht im Kontext Sinn ;)

Doch eine wichtige Kritik habe ich: Das Ende. Gerade, weil der Rest der Handlung ein paar erfrischende Twists und Handlungsentwicklungen hatte, war ich enttäuscht davon, wie vorhersehbar und klischeehaft das Ende war. Das hat zwar meinem Lesevergnügen keinen Abbruch getan, weil die Geschichte insgesamt betrachtet immer besser wurde, doch hätte ich mir trotzdem gewünscht, das Ende hätte auf andere Elemente zurückgegriffen als die, die letztendlich gewählt wurden.

Insgesamt haben wir hier aber immer noch einen lockeren, sehr unterhaltsamen Roman, der mir sehr gefallen hat!

Weihnachten mit Familie Winz
160 Seiten

Merkwürdige Dinge gehen in Maras Wohnung vor. Am ersten Dezember findet sie ihre Socke, die zu einem Ball zusammengeknüllt ist, und ein Kreidekreuz unter ihrem Bett, sowie fehlende Schokolade im Adventskalender. Was geht da nur vor sich? Zusammen mit ihrem Bruder Flo, ihrer Freundin Aylin und dem frisch eingezogenen Helgi versuchen die Kinder, herauszufinden, wer in der Wohnung Chaos veranstaltet. Und stellen bald fest: In ihrer Wohnung wohnt noch eine Familie, die alle so groß sind wie ein Daumen!

„Weihnachten mit Familie Winz“ war die erste Adventskalendergeschichte, die ich tatsächlich entsprechend den einzelnen Tagen gelesen habe, allerdings ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Geschichte eindeutig fürs Vorlesen geschrieben worden ist. Und das noch nicht einmal aufgrund der Handlung, die mir sehr gefallen hat, sondern aufgrund der kurzen Kapitel, die fast immer sehr abrupt enden, als wäre mitten im Kapitel ein Cut gemacht worden und nicht an der Stelle, an der er eigentlich geeignet gewesen wäre. Das ist für mich tatsächlich ein wichtiger Kritikpunkt: Obwohl es sich um eine Adventskalendergeschichte handelt, hatte ich das Gefühl, ich hätte mehr Spaß gehabt, wenn es einfach eine normale Vorlesegeschichte gewesen wäre.

Denn wie gesagt ist die eigentliche Handlung mit Mara, die zusammen mit ihren Freunden auf Lina und die anderen Winzens trifft, sehr süß aufgemacht und mir gefiel es vor allem, wie hier sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf wunderbare Weise hervorgehoben wurden, während die Kinder gleichzeitig mit Problemen konfrontiert waren, die sich nicht immer leicht lösen ließen. Letztendlich geht die Geschichte natürlich für alle gut aus, aber ich mochte es sehr, dass realistische Hindernisse und einfühlsame Gedankengänge stark hervorgehoben wurden.

Nur das Format wollte nicht so wirklich zu der Geschichte passen. Zugegeben kann ich das nicht vollkommen beurteilen, weil ich die Geschichte für mich selbst gelesen habe, aber es hat mich dennoch verwirrt, wie abrupt fast alle Kapitel endeten. Die Länge selbst war nicht störend, auch wenn sie für leicht ältere Kinder zu schnell vorbei sein könnte, aber die scheinbar willkürlich gesetzten Kapitelenden waren dann doch seltsam. Fast bin ich gewillt, die Geschichte noch mal als Ganzes zu lesen, weil ich das Gefühl habe, dass sie als solche ihre Stärken noch viel besser zeigen könnte!

Insgesamt also eine süße Vorlesegeschichte, die ich persönlich als Ganzes lesen würde :)

Rewitched
430 Seiten

An ihrem dreißigsten Geburtstag soll Belle sich der ÄquiHexen-Anhörung stellen, um zu überprüfen, ob sie ihre magischen Kräfte gut genutzt hat. Sie befürchtet sofort, dass sie durchfallen wird, weil sie ihre Magie bereits seit einige Jahren unterdrückte – und tatsächlich stellt das Gericht nach einem vielversprechenden Anfang fest, dass Belle ihrer Kräfte nicht mehr würdig ist. Doch bekommt sie eine letzte Chance, um sich zu beweisen: Wenn sie innerhalb von dreißig Tagen sechs bestimmte Hexenprüfungen besteht, darf sie ihre Magie behalten. Doch das ist um einiges schwieriger, als Belle erwartet hat …

Die definitiv größte Kritik an diesem Roman ist, dass die „eigentliche“ Handlung buchstäblich erst ab der Hälfte startet. Aufgrund der Kurzbeschreibung und speziell dem Untertitel erwartete ich, dass das Üben der Hexenkräfte um einiges früher beginnen würde, aber bis dahin vergeht wie gesagt die Hälfte der Geschichte. Zugegeben: Während dieser ersten Hälfte passieren immer noch wichtige Dinge – Belle bekommt die Einladung, geht zur Anhörung, wird evaluiert, fällt durch, sucht und findet einen anderen Weg, entscheidet sich dann für einen Mentor und lernt ihn schließlich auch kennen, und währenddessen verbringt sie zudem Zeit mit den anderen Charakteren. Doch dadurch, dass ich die ganze Zeit darauf wartete, über die Übungstage zu lesen, kam es mir so vor, als würde in der ersten Hälfte so gut wie nichts passieren.

Die zweite Hälfte fand ich um einiges besser, weil ich dort endlich investiert in die Handlung wurde. Ich mochte Belle und die Magieübungen, ihre Zweifel und Wünsche bezüglich ihrer Buchhandlung, ihre Beziehungen zu meinen Lieblingscharakteren (ihren Mentor, den ich auf keinen Fall vorwegnehmen möchte, sowie ihren Love Interest Rune und ihre beste Freundin Ariadne) und die Handlung im Allgemeinen. Es war zwar nicht perfekt, weil viele Nebencharaktere leider nicht genug Zeit bekamen, um einen starken Eindruck zu hinterlassen (die Ausnahme ist Belles Mentor, der mühelos mein Lieblingscharakter war), aber ich fand die zweite Hälfte um einiges interessanter als die erste Hälfte.

Die größte Stärke war wohl Belle selbst, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Die Art und Weise, wie sie sich entwickelt, war sehr zufriedenstellend, sodass selbst Phasen, die nicht spannend waren, mich nicht allzu störten. Zugegeben hätte ich mir trotzdem gewünscht, es hätte mehr Risiken und allgemein mehr Spannung gegeben, aber da es sich um eine Cozy Fantasy handelt, habe ich das auch nicht erwartet.

Allerdings gibt es trotzdem ein Finale, das nach zwei wichtigen Offenbarungen stattfindet, von denen mir eine sehr gut gefallen hat und eine leider nicht. Sie tappt nämlich in die Falle, die Persönlichkeit eines Charakters um 180 Grad zu drehen, ohne Hinweise auf den wahren Charakter zu hinterlassen, sodass dieser Twist zu plötzlich und unrealistisch erschien. Der andere Twist war dafür sehr gut – und zwar, weil es keinen Twist im traditionellen Sinne gab. Mehr möchte ich hier nicht verraten, doch bin ich froh, dass meine größte Befürchtung sich nicht bewahrheitete.

Insgesamt also ein durchwachsener Roman, der etwas zu lange braucht, um zu starten, sich aber danach in eine schöne Fantasygeschichte verwandelt.

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
384 Seiten

Als Jugendliche hat die Hexe Sera Swan ihre Großtante wiederbelebt und dabei fast ihre gesamte Magie verloren. Jetzt, fünfzehn Jahre später, leitet sie eine Pension, in die sich nur die Gäste verirren, die sie auch wirklich brauchen. Zusammen mit ihrer Großtante Jasmine, der in einen Fuchs verwandelte Hexe Clemmie, ihrem jungen Cousin Theo, der meist vernünftigen älteren Hexe Matila, dem enthusiastischen Ritter Nicholas und einem wiederbelebten Hahnskelett bildet sie eine ungewöhnliche, aber charmante Familie. Als diese einen Weg gefunden zu haben scheint, ihre verlorene Magie wieder zurückzuholen, kommt es ihnen gerade recht, dass der Magier Luke mit seiner kleinen Schwester Posy zur Pension geführt wird, da er ihnen bei der Suche nach den ungewöhnlichen Zutaten helfen kann. Und so beginnt ein witziges Abenteuer, bei dem Sera nicht nur ihre Magie sucht, sondern auch den Wert einer Familie findet …

Ich werde immer mehr ein Fan von Cozy Fantasy, da sie mich an die klassischen Fantasyabenteuer aus meiner Kindheit und Jugend erinnert, aber auch allgemein einfach schön zu lesen ist. Besonders der Found-Family-Trope, der zu meinen Lieblingen gehört, wird in diesem Roman hervorragend umgesetzt – am Anfang kam ich noch durcheinander mit den verschiedenen Charakteren, aber nach und nach konnte ich sie nicht nur problemlos voneinander unterscheiden, sondern gewann sie auch unglaublich lieb. Die Charaktere selbst sind dabei nicht allzu komplex, aber dafür umso charmanter.

Gerade die Chemie zwischen ihnen ist einfach großartig: Clemmie, die Theo gerne zu Untaten überredet und selbst welche ausführt; Theo, der sich mit Posy anfreundet und der einzige zu sein scheint, der sie wirklich versteht; Jasmine und Matilda, deren Romanze ein wenig plötzlich startet, sich aber wunderbar entwickelt; Nicholas, der mit seiner übertriebenen Ritterlichkeit der wohl witzigste Charakter ist; und natürlich Sera und Luke, deren Romanze mich besonders fesselte, weil sie sich in genau der richtigen Geschwindigkeit entwickelte und beiden Charakteren genug Szenen miteinander gab, um Gefühle füreinander zu entwickeln.

Der locker-witzige Schreibstil fängt die vielen lustigen Szenen perfekt ein, aber nicht nur diese: Es gibt auch einige ruhige und ernste Momente, in denen wir die Atmosphäre der Pension genießen können und die zu meinen persönlichen Highlights zählten. Die Balance zwischen dem Humor, den Charaktermomenten und den nachdenklichen Szenen war sehr gut, außer, dass die Spannung dann doch ein wenig zu kurz kommt; manchmal ist es ein wenig ZU ruhig, gerade, weil ich mit der Haupthandlung sehr mitfieberte und diese so einige Pausen bekam. Dafür wurde sie sehr zufriedenstellend gelöst: Während ich mir zwar für das endgültige Ende eine andere Lösung gewünscht hätte, waren die drei Zutaten und die Art und Weise, wie Sera sie findet, perfekt in die Handlung und die Charaktere integriert.

Ich glaube, das einzige, das mich dann doch manchmal irritierte, war die Mischung aus Magie und Moderne. Die Geschichte spielt nämlich in der modernen Gegenwart, mit Handys und Autos und TV-Serien, was nicht ganz zu einer magischen Pension passte und mich mehr als einmal kurz stutzen ließ. Ich vergaß immer wieder, dass die Geschichte in der Gegenwart spielt, weil es so leicht war, es zwischendurch zu vergessen, nur, um durch einen modernen Gegenstand wieder daran erinnert zu werden.

Insgesamt bietet der Roman aber ein schönes, gemütliches Leseerlebnis, das ich sehr genossen habe!

Die verlassene Tochter
359 Seiten

Rose hat kürzlich ihre Mutter verloren und ist noch in der Trauerphase, als sie einen Brief erhält, der sie darüber unterrichtet, dass sie die alleinige Erbin der kürzlich verstorbenen Valentina Santiago ist. Valentina wuchs damals auf der Poloranch ihres Vaters auf, der sie bereits darauf vorbereitete, eines Tages seinen Posten zu übernehmen. Doch eine tragische Liebe und unerwartete Schwierigkeiten erschweren ihr das Leben, das sie sich so lange gewünscht hat – und auch Rose muss herausfinden, welches Leben sie anstreben will …

Vor dem Lesen hatte ich durchaus Bedenken, weil die letzten zwei Bände der Töchter-Reihe dann doch sehr schematisch waren, wenn auch immer noch gut zu lesen. Glücklicherweise probiert dieser Band tatsächlich etwas Neues aus und hat dabei weiterhin einen sehr angenehmen Schreibstil, der für ein schönes Leseerlebnis sorgte!

Gerade in Valentinas Geschichte war ich aus mehreren Gründen sehr investiert. In der Gegenwart erfahren wir, dass sie sehr geliebt worden ist, aber in der Vergangenheit ist es zunächst nur ihr Vater, der sich für sie einsetzt. Sie verliebt sich in den Stallburschen Felipe, doch nach dem Tod ihres Vaters muss sie sich mehreren Schwierigkeiten stellen, weil ihre Mutter eigene Pläne für sie hat. Und dieser Teil der Handlung, den ich überhaupt nicht erwartet hatte und der Valentinas Leben um einiges dramatischer gemacht hat, war so unglaublich einnehmend und gut geschrieben, dass diese Geschichte allein gereicht hätte, um mich zu fesseln.

Denn im Vergleich war Roses Geschichte durchaus schwächer: Ihre Romanze mit Benjamin las sich nicht so natürlich wie Valentinas Romanze mit Felipe, sondern eher wie ein Sommerflirt, der ganz schön schnell ganz schön ernst wurde. Hier habe ich Roses Freundschaft mit Jessica schon realistischer gefunden; diese war wirklich eine großartige Freundin und war in der Gegenwart mein Lieblingscharakter.

Valentinas Romanze mit Felipe hat schlicht den Vorteil, sich über mehrere Jahre und Hindernisse aufzubauen, sodass es leicht für mich war, mit ihnen mitzufiebern. Sie kommt jedoch mit einer Kritik, von der ich sehr überrascht war, dass sie in der Handlung selbst nicht aufgegriffen wurde: An einer wichtigen Stelle macht Felipe Valentina ein zeitlich unbegrenztes Versprechen – nur, um es weniger als ein Jahr danach zu brechen. Das hat mich stark irritiert, weil es so uncharakteristisch war und ich mir wenigstens gewünscht hätte, mehr Zeit wären zwischen dem Versprechen und dem Bruch vergangen. So, wie es geschrieben war, wirkte es wie ein künstlich erschaffenes Problem, auch wenn es zugegeben zu der einnehmenden Vergangenheit beigetragen hat.

Deshalb ist das eine für mich verzeihliche Kritik: Ja, mich hat das schnell gebrochene Versprechen gestört, aber dafür hat es die Handlung bereichert. Dass Valentina viel gewinnt, aber auch so unglaublich viel verliert, hat mich emotional so eingenommen, dass ich an zwei, drei Stellen sogar ein paar Tränen verdrücken musste. Gerade, weil ich nicht mit dem unerwarteten Drama rechnete, hat es mich so gefesselt. Mehr möchte ich hier natürlich nicht verraten, aber gerade im Vergleich zu den vorigen Bänden fand ich diesen hier wegen der emotionalen Aspekte besonders stark.

Ich glaube, meine einzige „richtige“ Kritik ist die Eindimensionalität von Valentinas Mutter. Anscheinend ist es allein das Geld, das sie dazu bringt, Valentina so abscheulich zu behandeln, nicht mehr und nicht weniger. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, weil mir ihre Mutter ein wenig ZU eindimensional erschien und die Geschichte meiner Meinung nach davon profitiert hätte, eine komplexere Beziehung zwischen den beiden einzubauen.

Insgesamt jedoch war ich ungewohnt begeistert von diesem Tochter-Band, weil er sich traute, Risiken einzugehen und deshalb sowohl schön als auch emotional zu lesen war!

Die Manufaktur der magischen Worte
512 Seiten

Als Monicas Großmutter Yun beiläufig ihre Cousine Meng erwähnt, die sie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, ist Monica entschlossen, wieder Kontakt zwischen den beiden zu knüpfen. Sie nimmt Verbindung zu einer Bekannten Mengs auf, der Studentin Louise. Diese übergibt ihr eine Nachricht von Meng an Yun: Ein einzelner Bleistift. Monica ist zunächst enttäuscht, bis sie schließlich ihr Familiengeheimnis herausfindet: Damals besaßen Yuns und Mengs Mütter die Phoenix Pencil Company in Shanghai, mit ganz besonderen Bleistiften, aus denen sie das Geschriebene wieder hervorlocken konnten. Bisher schwieg Yun über diese düstere Vergangenheit, denn damals war sie wie auch ihre Mutter dazu gezwungen, mit ihren Kräften unzählige Landsleute zu verraten …

Diese Geschichte ist recht gemächlich, erzählt aber eine einnehmende Familiengeschichte. Dabei ist der magische Realismus zwar ein wichtige Teil davon, aber auf eine Art und Weise geschrieben, die auch für Nicht-Fantasyleser:innen gut zu lesen sein sollte.

Zum einen geht es um Yun und Meng, die als Jugendliche in das Familiengeschäft der Bleistifte eingeführt werden, sich aber auch bemühen müssen, miteinander zurechtzukommen. Und dann geht es um Monica, die sich um ihre Großmutter Yun und ihren Großvater Torou kümmert, aber auch durch ihre wachsenden Gefühle zu Louise verunsichert wird.

Gerade diese Familienbindungen waren großartig umgesetzt: Ich liebte die langsame Romanze zwischen Monica und Louise, die viel Zeit miteinander verbringen und eine absolut großartige Chemie miteinander haben. Monicas Großeltern waren beide sehr sympathisch und auch ihre Liebe zu ihnen hat man deutlich gespürt. Die Bindung zwischen Yun und Meng war da schon komplexer, denn obwohl sie sich definitiv mögen, spielen auch viele Neid- und Schuldgefühle mit hinein.

Kommunikation spielt eine wichtige Rolle: Während Monica ein Programm benutzt, um ihren Teil der Geschichte aufzuschreiben, tut Yun es mit einem Bleistift. Mir machte es vor allem Spaß, die Magie der Bleistifte zu lesen und Monicas Nachrichten mit Louise zu lesen, denn beide Aspekte waren kreativ umgesetzt und bereicherten die Geschichte.

Was ich jedoch als Kritik empfunden habe, war die fehlende Spannung. Obwohl durchaus etwas passiert und Personen in Gefahr geraten, bekommen wir so wenig von letzterem mit und fokussieren und so sehr auf die persönlichen Beziehungen, dass die Handlung stellenweise auf der Strecke bleibt. Ich hatte das Gefühl, es würde nur wenig passieren und habe hauptsächlich wegen den Charakteren weitergelesen und nicht wegen der Handlung, in der sie sich befinden.

Aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte quasi in Tagebucheinträgen erzählt ist, die Charaktere also rückblickend auf die Geschehnisse zurückblicken, fehlten ab und an tiefe emotionale Momente, aber dafür kamen umso mehr die vielen kleinen Szenen hervor, in denen sowohl die Familienbindungen als auch die Romanze glänzen konnte.

Letztendlich würde ich den Roman denjenigen empfehlen, die charakterfokussierte Geschichten mögen und nichts gegen eine langsame Handlung haben – denn so sehr mit die Charakterinteraktionen gefielen, hat mir ein Funken Spannung durchaus gefehlt!

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
445 Seiten

Eigentlich meldet sich Liv nur deshalb bei einem berühmten Autorenwettbewerb an, um Werbung für ihren Webtoon zu machen. Was sie dagegen nicht erwartet hat, ist, dass der Wettbewerb von tatsächlichen Musen geleitet wird, die ihr und den anderen Teilnehmern verschiedene Prüfungen stellen – und dabei nur ein Verbot haben: Romantische Liebe. Das ist nicht nur für Livs neue Freunde Shelly und Sawyer problematisch, die seit Jahren ein Paar sind, sondern auch für Liv selbst – denn sie hat schnell eine besondere Verbindung zum Teilnehmer Flame aufgebaut, die immer stärker wird …

Etwas, das Sabine Schoder einfach gut kann, ist es, eine sehr unterhaltsame Geschichte zu schreiben und dabei eine süße Liebesgeschichte zu schreiben. Obwohl die Handlung natürlich schon zahlreiche Male von anderen Autorinnen und Autoren umgesetzt wurde, hat Sabine Schoder etwas an sich, das ihre Geschichte trotzdem besonders macht – wahrscheinlich die perfekte Mischung aus Romanze, Humor, Spannung, Magie, Drama und noch einigem mehr. Tatsächlich kenne ich nicht viele Autor:innen, deren Geschichten mir so viel Spaß machen!

Ein gehöriger Anteil bildet der Humor, der genau meinem Geschmack entspricht und Liv zu einer sehr sympathischen Protagonistin gemacht hat. Sie war schlagfertig, freundlich, allgemein witzig und ist mir schnell ans Herz gewachsen. Wie jeder der Teilnehmer bekommt sie am Anfang ein sprechendes Buch, das ihr dabei helfen soll, die Prüfungen zu bestehen – und in ihrem Fall ist das ein Erotikmanga, der für noch mehr witzige Szenen gesorgt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Charakter so gut gefällt, aber er war einfach herrlich!

Mein Lieblingscharakter war er aber nicht, denn diese Ehre gebührt gleich drei Charakteren: Flame, in den ich mich zusammen mit Liv verliebte, sowie die beiden Teilnehmer Shelly und Sawyer. Zunächst einmal war die Chemie zwischen Liv und Flame großartig; nicht nur ist ihre Dynamik sehr spaßig zu lesen, sie verbringen auch viele wichtige und ernste Momente miteinander, die sie einander näherbringen. Es war der perfekte Mix, der ihre schnelle Romanze überraschend realistisch gemacht hat – ein wenig wie eine Disney-Romanze, die trotz ihrer kurzen Zeitspanne genau die richtige Chemie zwischen den Charakteren vermittelt, um an ihre Liebe zu glauben. Auch Sabine Schoder ist das gelungen, mit nur einem zugegeben wichtigen Kritikpunkt: Ich fand, dass ihre Romanze zu weit ging. Denn tatsächlich gibt es auch ein paar spicy Szenen, die mir sehr unnötig und unrealistisch vorkamen, weil sie die ursprünglich süße, unschuldige Romanze zu einer kurzen Affäre machten. Hier wünschte ich, die beiden hätten sich schon länger gekannt, bevor sie so schnell zum nächsten Schritt springen.

Neben den beiden gibt es aber noch ein Beta-Paar, nämlich Shelly und Sawyer, in die ich unglaublich investiert war. Ihre Liebesbeziehung war ungewöhnlich dramatisch und gerade deshalb umso spannender zu lesen, weil so viel für sie auf dem Spiel stand. Ihre Gefühle füreinander kommen fantastisch rüber und ich hätte gerne sogar noch mehr von ihnen gelesen, aber so oder so gehörten sie mühelos zu meinen Lieblingscharakteren.

Die anderen Charaktere spielen zwar auch wichtige Rollen (vor allem die Muse der Liebe, Erato), aber diese vier stachen am meisten heraus. Übrigens gibt es entgegen der Andeutung in der Kurzbeschreibung kein Liebesdreieck im Buch, was mich sehr erleichterte, weil das das einzige war, das mich bei Sabine Schoders vorheriger Reihe störte. Tatsächlich shippt Erato Liv und Flame sogar, und kann als Muse der Liebe ohnehin keine genuine Liebesbeziehung mit einem von ihnen eingehen, weshalb ich hoffe, dass auch der zweite Band sich auf das Hauptpaar konzentrieren wird.

Wie zu erwarten, reagieren die Charaktere zwar zunächst schockiert auf die Existenz der Musen, nehmen sie aber sehr schnell an. Da ich nicht erwartet habe, dass die Charaktere tatsächlich realistisch auf die Existenz von Magie reagieren, machte mir das nichts aus, aber es könnte für andere Leser:innen störend sein.

Ein richtiges Highlight waren die Prüfungen, die überraschend kreativ waren und sehr gut umgesetzt wurden, mit einer guten Mischung aus der nötigen Spannung und auch ein wenig Liebe und Humor. Die Twists, die mit den Prüfungen zusammenhängen, sieht man wahrscheinlich kommen, aber die Twists, die die Charaktere betreffen, haben mich dafür umso mehr überrascht. So war Flames Vergangenheit um einiges dramatischer, als ich es erwartet habe, und die der anderen Charaktere auch. Gute Arbeit hier!

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, waren die Themen, die Sabine Schoder ansprach. Von Sexismus bis zu den Quellen von Inspiration spricht sie so einige Dinge an, die man in unserer Welt hinterfragen sollte, sowie andere, die gut zeigen, wie leicht und gleichzeitig schwer es sein kann, eine Geschichte zu schreiben. Dadurch, dass ihr Schreibstil so locker ist, liest sich ihre gesellschaftliche Kritik allerdings nicht fingerzeigend, sondern schlicht wie ein Teil der Geschichte.

Das Ende war nicht so gemein, wie ich es erwartet habe, aber ich freue mich trotzdem sehr auf den zweiten Band, der hoffentlich mit dem ersten mithalten kann!

How To Find A Fallen Star
359 Seiten

Arlyn ist im Gefängnis und versucht verzweifelt, von dort zu entkommen, doch das ist sehr viel leichter gesagt als getan. Special Agent Marlon möchte ihr nicht glauben, dass sein Boss Moore hinter allem stecken soll, doch nachdem Arlyn von einem scheinbaren Gefängniswärter angegriffen wird, sind die beiden gezwungen, zusammenzuarbeiten, um Moores Plan aufzudecken – doch ihre Gefühle füreinander machen das schwierig …

Der erste Teil „How To Catch A Magical Light“ hat mir sehr gut gefallen, weil er schlicht spaßig zu lesen war, doch der zweite Teil war für mich insgesamt schwächer. Er hatte zwar durchaus Dinge, die mir sehr gut gefallen haben, ließ mich letztendlich aber nicht so zufriedenstellend zurück, wie ich es gerne gehabt hätte.

Aber zunächst einmal die positiven Aspekte: Ich mochte die Charaktere sehr (sowohl Arlyn und Marlon als auch Bo, Rose und die Bibliothek Libby), gerade Arlyn fand ich sehr sympathisch. Das liegt vor allem daran, dass sie tatsächlich Fehler macht, viele ihrer Pläne schief gehen und sie auch erwischt wird. Zugegeben: Teils hat das ihrer Kompetenz geschadet, sie dafür aber sehr liebenswert gemacht. Es war leicht, sich in sie hineinzuversetzen und mit der Handlung mitzufiebern, weil man nie sichergehen konnte, dass sie sich in die Richtung entwickelt, die angedeutet wird. Das hat das Lesen spannend gemacht und ich mochte es, dass die Autorin nicht davor zurückschreckte, ihre Charaktere ab und an scheitern zu lassen.

Doch wie angedeutet, haben die vielen Fehler die Charaktere nicht so kompetent aussehen lassen, wie sie sein sollen, was speziell bei Arlyn dann doch ein Problem wurde. Ja, ich mochte es, dass sie Fehler machte, aber letztendlich erinnere ich mich nur an diese Fehler und nicht an die Dinge, die ihr erfolgreich gelangen. Da sie eine berühmt-berüchtigte Diebin sein soll, hätte ich ihr durchaus mehr Erfolge gewünscht.

Zudem war ihre Liebesgeschichte mit Marlon in diesem Band leider nicht allzu einnehmend. Die beiden haben durchaus eine gewisse Chemie miteinander, aber dafür fehlendes Vertrauen. Das hat es schwer gemacht, investiert in ihre Romanze zu sein, weil ich einfach nicht das Gefühl hatte, dass sie realistisch gesehen zusammenbleiben würden. Hier finde ich, dass die beiden ein stärkeres Vertrauen zueinander hätten aufbauen sollen, um ihre Romanze zu festigen.

Zuletzt war das Ende für mich zu plötzlich und wurde zu schnell abgewickelt. Gerade, weil die Handlung allgemein so spannend war, war es überraschend, wie abrupt das Ende war. Hier hätte ich mir definitiv mehr gewünscht, weil ich dann doch recht enttäuscht vom Finale war.

Insgesamt also eine Fantasyromanze, die durchaus ihre Stärken hatte, aber mich nicht hundertprozentig überzeugen konnte.