Seit einem Monat ist Rapunzel offiziell wieder mit ihren Eltern vereint, fühlt sich allerdings, als würde sie dem Titel als Prinzessin nicht gerecht werden. Deshalb bietet sie sich freiwillig an, einer Einladung nach Astera zu folgen, einem Land, von dem es so gut wie keine Informationen gibt. Eugene begleitet sie natürlich, zusammen mit dem strengen Minister Cressien, und schnell vermuten sie, dass irgendetwas nicht stimmt. Während Rapunzel nach dem Geheimnis von Astera sucht, vermutet Eugene, dass seine Eltern ursprünglich ebenfalls aus Astera stammen …
Als großer Fan der Disney-Verfilmung habe ich mich sehr darüber gefreut, einen Roman über Rapunzel und Eugene zu lesen, wobei ich hier zunächst klarstellen möchte, dass die Ereignisse und Enthüllungen des Romans in keiner Weise mit der animierten Serie zusammenhängen, die ebenfalls nach den Ereignissen des Films spielt, jedoch einen eigenen Handlungsstrang hat, der komplett unabhängig zu dieser Geschichte steht.
Das sage ich vor allem deshalb, weil hier eine eigene Antwort für Eugenes Herkunft gefunden wurde – und meiner Meinung nach sogar eine passendere! Natürlich möchte ich hier nicht mehr verraten, aber insgesamt war ich sehr zufrieden mit der Umsetzung,auch wenn ein Teil von mir sich durchaus gewünscht hätte, die Autorin wäre bei den Enthüllungen noch etwas mutiger gewesen.
Trotzdem waren Rapunzels und Eugenes individuelle Rollen großartig umgesetzt und ich mochte es vor allem, wie ihre Trauma, ihre Wünsche, Hoffnungen und Ängste in der Geschichte umgesetzt wurden – bei Rapunzel bezüglich Gothel und ihrer Furcht, ihrer Rolle nicht gerecht zu werden und bei Eugene bezüglich seiner Eltern und seiner Furcht, niemals gut genug für Rapunzel zu sein. Diese Umsetzung der beiden Charaktere hat mir so gut gefallen, dass ich gerne noch mehr davon gelesen hätte!
Leider verbringen die beiden nicht so viel Zeit miteinander, wie ich es mir gerne gewünscht hätte – beziehungsweise haben sie nicht so viele romantischen Szenen miteinander, wie ich mir erhofft hatte. Gerade, weil ich die beiden zusammen so sehr liebe, hätte ich gerne noch mehr von ihrer Chemie gesehen, aber das war leider nicht der Fall.
Was die anderen wichtigen Charaktere angeht, war König Enver in Ordnung, aber vorhersehbar, Verette und Hughes überraschend sympathische Charaktere und mein persönlicher Liebling ein sehr unerwarteter Charakter: Nämlich Cressien, der Minister, der anfangs nur ein störender Faktor für Rapunzel und Eugene ist, aber eine absolut hervorragende, unerwartete Charakterentwicklung durchmacht, die ihn mühelos zu meinem Lieblingscharakter machte! Ich hätte aufgrund seiner anfänglichen unsympathischen Szenen niemals erwartet, dass er überhaupt eine größere Rolle spielt, weshalb ich sehr glücklich darüber war, seine Entwicklung zu sehen.
Die Geschichte selbst ist in Ordnung und bietet keine großen Überraschungen, war aber immer noch ein gutes Abenteuer für Rapunzel und Eugene. Das Ende deutet zudem stark auf einen zweiten Band hin, über den ich mich sehr freuen würde – in der Hoffnung, dort ein wenig mehr Romantik zu sehen ;)
Lana wurde vom Boogeyman geschnappt – aber eigentlich ist es andersherum, denn sie kann sich problemlos gegen ihn wehren. Als ihr Geheimnis daraufhin unerwartet herauskommt, noch dazu gegenüber Hadley, die ihr bereits misstraute, fürchtet sie schon, alles zu verlieren – doch stattdessen stellt sich Hadley auf ihre Seite. Doch selbst mit einer Verbündeten wird es nicht leicht, ihre Liste weiter abzuarbeiten, während Logans Schlussfolgerungen immer akkurater werden …
Es bleibt weiterhin spannend für Lana und Logan, wobei mir speziell in diesem Band die Spannungselemente besonders gut gefielen. Das gilt besonders für Lana und den Szenen, in denen sie ihre Fähigkeiten auf hervorragende Weise zeigt. Zu meiner Freude spielt auch Hadley eine größere Rolle, was mir sehr gefiel, nachdem sie mir bereits im letzten Band positiv aufgefallen ist.
Auch Logans Intelligenz strahlt hier um einiges mehr: Seine Schlussfolgerungen werden immer konkreter und kommen immer näher an die Wahrheit. Auch das hat zur Spannung beigetragen, weil ich sowohl beeindruckt als auch besorgt davon war, wie gut er den wahren Täter einschätzen kann, ohne zu wissen, dass es sich bei ihm um seine Freundin handelt. Die Romanze zwischen den beiden ist im Übrigen immer noch gut, aber nicht so einnehmend wie die Handlung selbst.
Meine Lieblingsstellen waren tatsächlich Lanas Morde, aber ich mochte es auch, zum ersten Mal Delaney Grove zu sehen und ein wenig mehr über Lanas Vergangenheit zu erfahren. Es war zwar schon seit dem ersten Band klar, was passiert ist, aber zu sehen, wie die Menschen der Stadt tatsächlich damit umgehen, war noch mal etwas ganz Anderes.
Insgesamt wieder ein lockerer, spannender Roman und eine tolle Fortsetzung!
Es gibt viele Mythen über die Antike, doch welche sind letztendlich wahr? Wie haben sie wirklich gelebt, gegessen und gekämpft? Warum waren ihre Statuen nackt und wie schafften sie es, das Kolosseum in weniger als einem Jahrzehnt zu bauen? Diese und viele andere Fragen beantwortet Garrett Ryen in „Antike unzensiert“.
Wichtig dabei ist, dass das Sachbuch nicht für beständiges, sondern spontanes Lesen geschrieben ist. Ich habe zuerst versucht, es auf einmal gelesen, aber schnell gemerkt, dass zu viele Kapitel hintereinander auslaugend sind und es eher vorgesehen ist, immer mal wieder reinzuschauen. Selbst dann war nicht jedes Kapitel gleich interessant für mich, wahrscheinlich auch, weil der Schreibstil stärker ins Informative geht und nicht ins Humorvolle, wie ich es aufgrund des Titels annahm. Deshalb würde ich das Sachbuch nicht als eines für Zwischendurch beschreiben, sondern als eines, für das man die notwendige Konzentration braucht.
Aber viele der Informationen, die es dann letztendlich bietet, waren tatsächlich interessant. Ich mochte speziell die Teile, die sich mit dem Alltagsleben, der Gesellschaft und den Hinterlassenschaften beschäftigen, während Glaubensinhalte, Sport und Freizeit sowie Krieg und Politik zwar ein paar interessante Kapitel hatten, aber auch so einige, die ich eher ermüdend fand. Am interessantesten fand ich die Erwähnungen von Alexander dem Großen, weil es stets unterhaltsam war, zu lesen, was er in seinem Leben tat und was nach seinem Tod geschah.
Letztendlich würde ich das Sachbuch vor allem denjenigen empfehlen, die sich stark für die Antike interessieren und immer mal wieder kleine Wissensschnipsel von ihr sammeln wollen.
Lana Myers ist eine Serienkillerin, die sich an den Männern rächt, die ihr damals Leid angetan haben. Doch als sie auf den FBI-Agenten Logan Bennett trifft, trifft sie zum ersten Mal auf einen Mann, der sie auf positive Weise fasziniert – allerdings auch ein Profiler ist, der ihre wahre Identität mühelos durchschauen könnte. Während die beiden sich langsam näherkommen, ist Logan zudem entschlossen, den Mörder der Männer zu finden, die Lana umgebracht hat …
Dieser locker zu lesende Thriller ist aufgrund seines flotten Schreibstils wunderbar zu lesen und bietet eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre, die mir viel Spaß gemacht hat.
Lana ist nicht nur eine fähige, sondern auch eine überraschend sympathische Protagonistin, in die ich mich erstaunlich gut hineinversetzen konnte, auch wenn ihre Aktionen sehr extrem sind. Tatsächlich mochte ich sie sogar mehr als Logan, weil es bei ihr mehr Szenen zum Mitfiebern gab, da sie schließlich ihre wahre Identität vor ihm geheim halten muss. Die Ironie in ihren Begegnungen war herrlich zu lesen, ihre Romanze jedoch noch nicht hundertprozentig überzeugend.
Die beiden haben zwar durchaus Chemie miteinander und ich mochte speziell ihre Textnachrichten sehr gerne, aber die Romanze entwickelt sich recht schnell, nahm viel Raum ein und war dabei eher auf das Körperliche fokussiert, weshalb ich den romantischen Anteil dieser Romanze nicht besonders stark spürte. Hier hoffe ich, dass spätere Bände die emotionalen Aspekte stärker hervorheben werden.
Lanas Mordpläne spielen im Gegensatz zur Romanze eine eher untergeordnete Rolle und sind vor allem am Anfang und am Ende relevant, dazwischen aber eher nicht; was vielleicht auch ganz gut so ist, denn die Brutalität, mit der Lana vorgeht, ist nicht zu unterschätzen. Wir erleben zwar nicht direkt die Momente, in denen sie die Männer foltert, doch die Beschreibungen danach reichen allemal aus, um es sich vorzustellen.
Inwiefern die Art und Weise, wie Lana und Logan in ihren jeweiligen Berufen vorgehen, realistisch ist, kann ich nicht beurteilen, aber sie ist auch nicht der Fokus der Geschichte, weshalb sie mir auch nicht allzu wichtig war. Etwas, von dem ich dagegen gerne noch mehr gesehen hätte, sind andere Charaktere – natürlich kommen welche vor, aber nur Lanas bester Freund Jake hinterlässt einen bleibenden Eindruck, weil der Fokus so stark auf Lana und Logan selbst liegt.
Einen mittelgroßen Twist gibt es am Ende, ansonsten besticht der Roman vor allem dadurch, dass er einen auch eine große Twists gut mitreißt, weil die Ausgangssituation so fesselnd ist. Deshalb würde ich ihn vor allem Freida-McFadden-Fans empfehlen, mit der einzigen Anmerkung, dass dieses Buch gewalttätiger ist – aber dafür genauso locker zu lesen und mit einer spannenden Romanze im Fokus.
Als Kind berühmter Eltern wurde Sophie-Marie stets behütet, doch dieses Mal will sie endlich eine eigene Entscheidung treffen und macht bei der Dating-Show Vibes & Hearts mit. Dort trifft sie auf Yannick, bei dem sie sofort ein Knistern verspürt und den sie gerne näher kennenlernen möchte. Doch auch ihr Kindheitsfreund Leander ist bei der Show dabei und möchte Sophie-Marie im Auge behalten. Doch wer von beiden ist der Richtige für sie? Fünf Entscheidungen über den Roman hinweg bestimmen, mit wem sie letztendlich zusammenkommt …
Da ich Entscheidungsgeschichten mag, freute ich mich darauf, hier eine besonders weitgespannte zu lesen, doch leider war das Leseerlebnis letztendlich sehr frustrierend, weil es trotz des Versprechens der Autorin, es würde keine falschen Entscheidungen geben, schmerzhaft offensichtlich war, dass das nicht stimmt. Klar, mit beiden Love Interests ist letztendlich ein Happy End möglich – aber es ist wirklich überaus deutlich, wer der Favorit ist.
Aufgrund ihrer anfänglichen Chemie entschied ich mich nämlich zunächst dafür, Leanders Pfad zu folgen, woraufhin sich mehrere Kapitel entspannten, in denen Sophie-Marie besonders viel Zeit mit Yannick verbringt, viele wichtige Konversationen mit ihm führt, die ihre Vergangenheiten und Unsicherheiten offenlegen, ständig genervt von Leander ist und sich, wenn sie doch mal eine Szene mit ihm hat, entweder mit ihm streitet oder belanglose Gespräche mit ihm führt. Wenn sie mit ihm gematcht wird, ist sie enttäuscht, bei Yannick dagegen freut sie sich stets und ist erleichtert. Schließlich gipfelt dieser Teil der Handlung in einem Kuss zwischen Sophie-Marie und Yannick, nach dem die Geschichte einen noch mal fragt, welchem Pfad man nun folgen möchte.
Das alles hatte ich natürlich nicht erwartet, als ich mich am Anfang für Leander entschied und war deshalb sehr frustriert, dass er in seinem eigenen Anfangspfad fast schon zu einem Nebencharakter degradiert wurde. Tatsächlich musste ich mich mehrmals vergewissern, dass ich auch ganz sicher beim richtigen Kapitel weitergelesen habe und nicht aus Versehen die Kapitel vertauscht wurden, weil es keinen Anlass gab, daran zu glauben, dass ich gerade die aufblühende Beziehung zwischen Sophie-Marie und Leander lese. Natürlich habe ich mich danach für Yannick entschieden, weil absolut nichts darauf hindeutete, dass Sophie-Marie in Leander mehr als einen Bruder/besten Freund sieht, mich aber immer noch verraten gefühlt, weil die Geschichte mir dadurch sehr stark verdeutlichte, dass es eben doch falsche Entscheidungen gibt, weil ja nicht mal die Handlung selbst sich die Mühe gab, Leander als gleichwertige Option darzustellen.
Nach dem Abschließen der restlichen Handlung mit Yannick habe ich noch mal zurückgeblättert und bei der ersten Entscheidung Yannick gewählt in der Hoffnung, dass hier Leander mehr Screentime und Relevanz bekommt. Aber auch hier hat Sophie-Marie die tiefgründigen Gespräche, die Intimität und den Kuss mit Yannick, betont, dass sie ihn mehr mag und ist fast permanent sauer auf Leander. Als die Geschichte dann wie beim „Leander“-Pfad fragte, wem ich nun folgen will, habe ich ernsthaft überlegt, ob ich Leanders Pfad, der nach dieser zweiten Entscheidung geöffnet wird, überhaupt lesen soll, mich aber letztendlich dazu durchgerungen.
Leider besteht die Strategie, durch die Sophie Leander Aufmerksamkeit schenkt, daraus, Yannick zu einem unsympathischen, antagonistischen Charakter zu machen, der sehr starke Out-of-Character-Entscheidungen trifft und so gar nichts mit dem echten Yannick zu tun hatte, dass er genauso gut ein völlig anderer Charakter hätte sein können. Und das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Wäre es nicht viel besser gewesen, die beiden als gleichwertig gute Optionen darzustellen, indem beide sympathisch bleiben und die Neugier darauf wecken, den jeweils anderen in seinem Pfad näher kennenzulernen – statt zu verdeutlichen, dass einer von beiden definitiv die falsche Entscheidung ist?
Wenigstens gab es in diesem Pfad tatsächlich ein paar schöne Szenen mit Sophie-Marie und Leander, sogar mit ein, zwei wichtigen Gesprächen, einem besseren Third-Act-Break-Up als dem in Yannicks Storyline und einem zufriedenstellenden Ende. Trotzdem war ich letzten Endes nicht zufrieden, weil der gesamte Handlungsstrang nur deshalb geschehen konnte, indem Yannicks Charakter und Grundprinzipien komplett umgepolt wurden und das sogar ohne eine Erklärung oder Entschuldigung.
Der Roman hatte zwar einen flüssigen, gut zu lesenden Schreibstil und eine wunderbare Charakterentwicklung für Sophie-Marie, aber da er seine Love Interests so ungleich behandelte, kann ich ihn als Entscheidungsgeschichte leider nicht empfehlen.
- Canvas
- Ursula Poznanski
- Loewe
- Jugendbuch
- Science Fiction
- Virtuelle Welten
- Rätsel
- Mystery
- Falsche Identitäten
- Geheimnisse
Ein Jahr nach den Ereignissen des letzten Bandes erhält Jana zu ihrem Schrecken die Nachricht, dass Lauritz, der Hauptakteur hinter den damaligen Ereignissen, aus MinusNull geflohen ist. Der einzige Weg, ihn zu finden, scheint Janas neue Welt zu bieten: Canvas, eine Art Jobbörse, mit dessen Hilfe man sich als Ambient, eine Art Statist, in verschiedene Welten stationieren kann, ohne selbst erkannt zu werden. Doch schon bald merkt Jana, dass sie nicht die einzige ist, die diese praktische Welt für sich nutzt …
Ich bin sehr froh, dass ich direkt vor dem zweiten Teil den ersten noch einmal gelesen habe, denn es handelt sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung, die das Wissen des ersten Bandes voraussetzt und auf jeden Fall leichter zu lesen ist, wenn man noch alle Charaktere und ihre Rollen frisch im Kopf hat.
Dieser Band hat vor allem eine gute Mystery, was so weit ging, dass ich zwar wusste, was genau nicht stimmte, mir aber einfach nicht erklären konnte, wie das möglich sein sollte und ganz schön gestarrt habe, als das Geheimnis dahinter herauskam. Zugegeben gibt es auch sehr leichte Rätsel, die ich in dem Moment löste, in dem alle Puzzleteile mir zur Verfügung standen, doch dafür eben auch welche, bei denen ich wenig bis keine Ahnung hatte und deshalb gespannt war, wohin das Buch mich führen würde. Andere Leserinnen und Leser werden sicher ebenfalls etwas zu leichte und ein paar undurchschaubare Rätsel entdecken, aber die Mischung war zumindest für mich in Ordnung.
Die Ambientes spielen eine große Rolle und werden zu meiner Zufriedenheit sehr gut genutzt: Es machte Spaß, Jana dabei zuzuschauen, wie sie andere Rollen übernimmt und dabei versucht, nicht erwischt zu werden, aber auch, wie sie versucht, die wahren Identitäten hinter anderen Rollen zu durchschauen. Das Weltenhoppen war für mich wieder der beste Teil; wir lernen einige neue Welten kennen und auch ein paar bekannte, aber so oder so war es großartig, die vielen Facetten der virtuellen Realitäten zu sehen.
Zu meiner Überraschung mochte ich die Romanze zwischen Jana und Tivon, die ich im ersten Band nicht besonders realistisch fand, in diesem Band sehr. Die beiden verbringen tatsächlich viel Zeit miteinander, tauschen liebevolle Gesten aus und zeigen allgemein eine Chemie, die mich sehr investiert in ihre Beziehung machte. Leider sind andere Charaktere dafür schwächer vertreten; sie kommen natürlich vor, aber keiner hinterließ einen so starken Eindruck wie Jana und Tivon.
Das Ende geschah ein wenig zu plötzlich und wurde meiner Meinung nach etwas zu schnell und glatt gelöst, sodass ich erst einmal eine Weile brauchte, um überhaupt zu verstehen, warum die Ereignisse sich gerade überschlagen. Zudem sind durchaus noch Fragen offen, z.B., inwiefern die Menschen wieder in der realen Welt leben können werden; es gibt zwar Andeutungen auf eine Verbesserung, aber eine echte Lösung wurde leider noch nicht gefunden. Wer weiß also, ob wir noch einen dritten Teil bekommen.
Letztendlich ein gelungener zweiter Band, bei dem mir vor allem die verschiedenen Welten und Rätsel sehr gefielen!
- Cryptos
- Ursula Poznanski
- Loewe
- Jugendbuch
- Science Fiction
- Virtuelle Welten
- Verfolgungsjagd
- Klima
- Verschwörungen
Jana ist eine erfolgreiche Weltendesignerin, doch ausgerechnet in ihrer friedlichsten Welt Kerrybrook geschieht ein mysteriöser Mord – und zwar ein echter, was in den virtuellen Welten gar nicht möglich sein sollte. Um den Mord aufzuklären, sucht Jana in den verschiedenen Welten nach Hinweisen, worauf sie immer wieder auf das Motiv einer aufgespießten Taube stößt. Als sie die Welten verlassen will, stellt sie mit Schrecken fest, dass das nicht möglich ist, und erfährt zudem, dass ein Tod in einer der Welten für sie final wäre …
Ich habe Cryptos bereits vor sechs Jahren gelesen, doch zum Erscheinen des zweiten Bandes wollte ich mein Wissen auffrischen, weil ich zwar noch vieles in Erinnerung hatte, aber einiges nicht mehr und deshalb sicher gehen wollte. (Außerdem hatte ich ohnehin Lust, das Buch wieder zu lesen.) Es war wieder ein spaßiges Lesevergnügen, durchaus mit ein, zwei Kritikpunkten, aber sowohl unterhaltsam als auch zum Nachdenken anregend.
Damals liebte ich vor allem die verschiedenen Welten und tue es immer noch, weshalb mir vor allem die erste Hälfte des Romans sehr gut gefällt, in der Jana durch diese verschiedenen Welten reist. Was mir aber bei diesem Re-Read sehr positiv aufgefallen ist, sind die vielen subtilen Hinweise darauf, wie schlimm es in der realen Welt ist. All diese Hinweise habe ich beim ersten Mal definitiv überlesen, weshalb es umso interessanter war, sie bei diesem Re-Read zu entdecken. Vor allem die Art und Weise, wie sie nebenbei eingebaut wurden und Jana am liebsten auch ihre Zeit nur in virtuellen Welten verbringen würde, fand ich großartig, weil es leicht war, sich in sie hineinzuversetzen und die vielen kleinen Kommentare zur realen Welt zu ignorieren. Das machte die Geschichte auf erschreckende Weise noch realer.
Janas Romanze mit Tivon fand ich leider nicht besonders überzeugend, weil ich nur freundschaftliche Chemie zwischen ihnen spürte, weshalb ich ihren besten Freund Matisse und ihren Bruder Monty lieber mochte, obwohl sie nur wenig Screentime hatten. Tivon als Charakter war immer noch gut, aber die Romanze hätte meiner Meinung nach mehr Szenen gebraucht.
Zu den Dingen, die ich nicht mehr in Erinnerung hatte, gehörte das Ende – und das aus gutem Grund, weil es sehr offen und überhaupt nicht zufriedenstellend war. Umso froher bin ich, dass es eine Fortsetzung gibt, die die offenen Handlungsstränge hoffentlich auf gute Weise abschließen wird!
Liesel möchte die Geschichte ihrer Großmutter Emmi aufdecken, weshalb sie eine Reise nach Polen plant, um dort die Antworten zu finden, die ihre inzwischen demente Großmutter nicht mehr geben kann. Eigentlich plant sie nicht, jemanden mitzunehmen – doch durch eine Verkettung unglücklicher Entscheidungen begleitet sie nicht nur ihre Großmutter, sondern auch der Altenpfleger Jascha. Auf der Reise hofft Liesel zudem, sich selbst zu finden – und entdeckt letztendlich mehr, als sie jemals erwartet hätte …
Ich hatte die Geschichte auf Empfehlung gelesen (und weil sie interessant klang), doch letztendlich entsprach sie leider nicht meinem Geschmack.
Das fängt bereits mit Liesel an: Sie war eine leider recht unsympathische Protagonistin, die fast alles negativ sah, fast nur das Schlimmste von anderen annahm und mir, um ehrlich zu sein, ganz schön auf die auf die Nerven ging. Und dabei konnte ich ihren Unmut durchaus nachvollziehen, denn wenn ich in ihrer Situation gewesen wäre, wäre es mir wohl auch schwer gefallen, ständig positiv zu denken und immer freundlich zu meinen Mitmenschen zu sein – aber trotzdem sorgte es für ein nicht besonders angenehmes Leseerlebnis. Zwar wird Liesel gegen Ende etwas besser, aber ihre negative Art wird sie nie ganz los.
Jascha gefiel mir dafür schon besser, aber die Romanze zwischen den beiden kam mir nicht besonders realistisch vor; die beiden hatten fast keine Chemie miteinander, weil Liesel sich konstant über Jascha beschwerte und höchstens seine äußerlichen Attribute lobte. Zugegeben glaube ich auch nicht, dass ihre Romanze als eine ewig währende geschrieben wurde, aber trotzdem hätte ich gerne mit den beiden mitgefiebert.
Die eigentliche Reise war wohl das Highlight des Romans. Ich mochte es, wie Emmi hier eingebunden wurde und sogar Liesel etwas positiver eingestellt war; die Reise war überraschend friedlich und tatsächlich schön, auch wenn es bis zu ihrem Anfang eine Weile dauert und sie eher Fragen als Antworten bietet. Tatsächlich hatte ich mich schon halb darauf eingestellt, dass wir gar keine Antworten bekommen werden, weil es z.B. auch gar keine Rückblicke gab, die uns welche hätten geben können; und obwohl ich diese tatsächlich schmerzhaft vermisst habe (es war schwer, sich um Charaktere zu sorgen, die nur erwähnt werden, statt leibhaftig aufzutauchen), war ich froh, dass wir letztendlich die Antworten bekamen.
Davor allerdings gibt es eine überraschend schockierende Handlungsentwicklung, die ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mochte, weil sie so viele zufriedenstellende Antworten, Handlungsrichtungen und Charakterentwicklungen unmöglich machte. Gerade, weil ich stark darauf hoffte, dass eine bestimmte Beziehung zwischen zwei Charakteren sich auf positive Weise entwickeln würde, war ich umso deprimierter, dass die Handlung in eine ganz andere Richtung ging. Auch bei den Offenbarungen, die danach kamen, war eine dabei, die mich unter anderen Umständen dazu gebracht hätte, das Buch abzubrechen, weil sie so schrecklich war – aber dafür gab es auch zwei sehr zufriedenstellende Enthüllungen, die bereits vorher angedeutet wurden und die ich sehr mochte, weil sie so viele Fragen beantworteten.
Obwohl das Buch gute Momente hatte, ließ es mich letztendlich mit dem Wunsch zurück, eine andere Geschichte zu lesen – nämlich die von Emmi, die wir zwar erfahren, die aber noch einnehmender gewesen wäre, hätten wir sie wirklich erlebt.
- Geschichte
- zum Anfassen
- Sam Kean
- Penguin
- Archäologie
- Experimente
- Erzählungen
- Historie
- Antike
- Mittelalter
- Praxis
- Sachbuch
Wie haben die Menschen vergangener Zeiten tatsächlich gelebt? Archäologie stellt sich diese Frage in der Regel theoretisch, doch Sam Kean möchte mithilfe eigener Experimente zeigen, wie alltägliche Aufgaben in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern tatsächlich aussahen. Von der Zeit der Jäger und Sammler bis zum Untergang der Azteken beschreibt und testet er mithilfe von Experten so ziemlich alles: Das Werfen mit einer Speerschleuder, das Mumifizieren von Tieren, das Herstellen antiker Frisuren und Tätowierungen, sogar das Aufschneiden eines Gehirns. Gleichzeitig erzählt er von möglichen Erlebnissen, die ein Mensch damals gemacht haben könnte, mit all den Strapazen, die damit einhergingen …
Die Struktur dieses Sachbuchs ist das, was es besonders macht: In elf Kapiteln folgt nach einer kurzen Einleitung abwechselnd eine fiktive Erzählung, die sich auf wahre Fakten stützt, und Sam Keans Erläuterungen und Experimente, die in den jeweiligen Erzählungen beschrieben wurden. Das sorgte für eine angenehme Abwechslung, durch die ich sowohl in die Erzählung als auch in seine Experimente investiert war. Tatsächlich war ich überrascht, wie sehr ich darauf brannte, zu erfahren, wie verschiedene Geschichten und Versuche ausgehen, obwohl ich ja wusste, dass die Geschichten fiktiv und die Versuche sicher waren!
Zugegeben stellt sich Sam Kean bei den meisten Experimenten mehr schlecht als recht an, aber gerade das macht die Versuche erstaunlich charmant und demonstriert gleichzeitig, wie schwer sie wirklich sind. Allerdings braucht man stellenweise einen stabilen Magen für manche der Versuche – schon die Beschreibung des Mumifizierens war nicht leicht zu lesen, aber das Kapitel mit dem Aufschneiden des Gehirns war wirklich nichts für schwache Nerven.
Weil ich die halb-fiktiven Erzählungen so mochte, möchte ich ihnen allen einen kurzen Satz widmen:
- Kayate im prähistorischen Afrika investierte mich gleich von Anfang an, weil mit jedem Scheitern immer mehr für ihn auf den Spiel stand;
- die Jägerin Asana in Südamerika konnte mich ebenfalls fesseln, weil das Mysterium um eine Fremde zusammen mit einer gefährlichen Jagd für eine spannende Mischung sorgte;
- Darga in der Türkei hat sich mir nicht allzu eingebrannt, aber dafür war die Szenerie der Stadt Çatalhöyük mit Abstand die erinnerungswürdigste Ortschaft;
- Amon im antiken Ägypten hatte den Vorteil, dass ich das antike Ägypten allgemein mag, weshalb mir auch seine Geschichte sehr gut gefiel;
- Loa, Navigatorin in Polynesien, hatte einen besonders coolen Charakter, aber handlungstechnisch passierte leider nicht allzu viel;
- die Sklavin Zyrmina in Rom war wohl meine liebste Geschichte, weil ihr Charakter, die Handlung und die Ortschaft gleichermaßen großartig waren;
- bei Nadu in Kalifornien erinnere ich mich zugegeben nur noch an das überraschend zufriedenstellende Ende;
- auch von Ciaran bei den Wikingern habe ich nicht mehr viel in Erinnerung, weil das das Kapitel war, indem Sam Kean sich dem Aufschneiden eines Gehirns widmete;
- dafür konnte mich Amaruq in Nordalaska wieder fesseln, weil ihre Situation so drängend und risikoreich war;
- der Eunuch Jiaolong im alten China konnte durch eine einnehmende Liebesgeschichte überzeugen;
- und schließlich haben wir Huehmac in Mexiko, bei dem ich mich eher an Sam Keans Ullamaliztli-Spiel erinnere als an die erzählte Geschichte.
Insgesamt also eine Sammlung an vielen guten Geschichten, die, wie Sam Kean betont, zwar fiktiv sind, aber so oder so ähnlich durchaus hätten passiert sein können, weil sie sich auf überlieferte Fakten stützen, die auch während den Geschichten selbst eingestreut werden. Sollte ich das Buch noch einmal lesen, kann ich mir gut vorstellen, mich ganz auf die Erzählungen zu fokussieren!
Ein letztes kleines Lob, das nichts mit dem Inhalt selbst zu tun hat, ich aber unbedingt erwähnen möchte: die Erzählungen und Keans Erläuterungen werden durch verschiedene Symbole voneinander abgegrenzt, die nicht nur zur Geschichte passen, sondern stets unterschiedlich sind: So haben wir bei Zyrmina in Rom zum Beispiel vier Erzählungs- und drei Erklärungsabschnitte, die durch sechs verschiedene Symbole voneinander abgetrennt werden: Pflanzen, Tempel, Frisuren, Nadel und Faden, Vulkane und Halsbänder. Die Tatsache, dass nicht einfach dasselbe Symbol für jede Abgrenzung benutzt wird und die Symbole zudem immer zum jeweiligen Abschnitt passen, war bei jeder Geschichte ein kleines, aber unglaublich charmantes Detail. Großes Lob an die Person, die dafür verantwortlich ist, denn obwohl es nur ein visueller Aspekt war, trug er so einiges zur Lesefreude bei!
Insgesamt also ein Sachbuch, das vor allem durch seine Erzählkunst überzeugt und allein deshalb empfehlenswert ist, aber auch wegen der sehr anschaulichen Experimente, bei denen der Autor an seine Grenzen geht!
- Ruinous Ends
- I.V. Marie
- Delacorte Press
- Jugendbuch
- Fantasy
- Romanze
- Liebe
- Tod
- Zwischenwelt
- Erinnerungen
- Suche
- Quest
- Twists
Die Dekadenfeier ist vorbei, die Siegerin gekürt: Irene, die zu einer Aufgestiegenen geworden ist und nun versuchen muss, die Schule von innen heraus zu zerstören. Im Gegensatz zu vorigen Dekadenfeiern sind die übrigen Teilnehmer allerdings nicht erloschen: Wren wurde von Augusts Schwester Edith gefangen genommen, die sie zwingt, ihren Tod immer und immer wieder zu erleben; August möchte Wren unbedingt retten, ist dafür jedoch gezwungen, seine Schattenmacht einzusetzen, die ihn selbst immer mehr zerstören wird; und Masika, Emilio und Olivier machen sich auf eine letzte Suche, um anhand von Hinweisen den Wahren Schuldirektor zu finden, wobei Olivier vor den anderen geheim hält, dass sein Vergessen immer weiter fortschreitet …
Weil mir der erste Band so gut gefallen hatte, habe ich den zweiten Band bereits jetzt auf Englisch gelesen und obwohl er, wie es bei mir so oft bei Dilogien vorkommt, nicht an den ersten heranreicht, bietet er immer noch einen guten Abschluss der Geschichte.
Für mich war die Haupthandlung dabei gar nicht Wrens und Augusts Sichtweise, obwohl sie das technisch gesehen wohl ist, sondern die Quest, auf die sich Masika, Emilio und Olivier aufmachen. Ihre Struktur wies eine größere Ähnlichkeit zum ersten Band auf, ich war unglaublich investiert in alle drei Charaktere und spürte den Fortschritt, den sie machten, mehr als bei den anderen Sichtcharakteren. So haben zwar auch Wren und August Risiken, die sie eingehen müssen und eine süße Romanze, die weiter zwischen ihnen blüht, aber bei ihnen schien die Handlung ab und an vor sich hinzuplätschern, weshalb mir die anderen drei in dieser Hinsicht besser gefielen.
Dann haben wir da noch Irene, die vor allem darunter leidet, dass sie von den anderen fünf abgeschnitten ist und leider auch allgemein keiner meiner Lieblingscharaktere war. Speziell im ersten Band und bei den anderen Sichtweisen dieses Bandes waren es die Charakterinteraktionen, die ich am meisten mochte, sodass Irene diesbezüglich nichts hatte, womit sie mich fesseln konnte. Zwar mochte ich die Entwicklung ihrer Handlung durchaus, aber ich war definitiv am wenigsten investiert in sie.
Apropos Charakterinteraktionen: Ich war überrascht davon, wie schnell die Romanzen zwischen den Charakteren gelöst wurden, weil ich erwartet habe, während des ganzen Romans auf eine Auflösung zu warten, doch bin ich letztendlich dankbar, dass I.V. Marie uns nicht allzu lange hinhielt, sondern die Gelegenheit nutzte, um stattdessen andere Handlungsaspekte zu beschreiben.
Andere Charaktere spielen nur eine sehr kleine Rolle; ich mochte Quinn und Arthur, die während Wrens Sichtweise auftauchten, überraschend gern, aber davon abgesehen waren die Nebencharaktere nicht allzu erinnerungswürdig. Das finde ich aber auch in Ordnung so, weil zu viel Fokus auf die Nebencharaktere zu sehr von den Hauptcharakteren abgelenkt hätte. Dafür hätte es mir gefallen, noch mehr Rückblicke auf ihr vorheriges Leben bzw. ihre Vergangenheit allgemein zu bekommen; Masika, August und Wren haben in dieser Hinsicht mindestens eine Szene, aber Irene, Emilio und Olivier dafür keine, obwohl es sich gerade bei Olivier angeboten hätte.
Die Twists, die in diesem Band gelüftet werden, waren wirklich genial und rückten viele Dinge in einen anderen Kontext; nur das Ende konnte mich nicht vollkommen zufriedenstellen, weil es einerseits zwar passend war, ich mir andererseits aber trotzdem gerne ein anderes gewünscht hätte.
Insgesamt hat der Band also Stärken und Schwächen, ist aber immer noch ein guter Abschluss der Dilogie!
- When Dealing
- With Dragons
- Dana Swift
- dragonfly
- Fantasy
- Jugendbuch
- Romanze
- Liebe
- Freundschaft
- Drachen
- Metalle
- Spannung
- Geheimnisse
- Worldbuilding
- Twists
- Kleines Highlight
Als die Drachenpflegerin Farren dem Jockey James das Leben rettet, hätte sie nicht gedacht, dass er für seine Genesung an den Hort ihrer Eltern kommt. Die Tatsache, dass sie ihn nicht leiden kann, ist dabei eine geringfügige Sorge, denn größere Angst hat sie davor, dass das Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommen könnte. James währenddessen ist schon seit Ewigkeiten in Farren verliebt und leidet unter dem strengen Regime seines Vaters, der eine Zukunft für ihn geplant hat, der James nicht folgen will. Als er Farrens Geheimnis herausfindet, ist er entschlossen, ihr zu helfen, doch auf keinen Fall darf seine Familie davon erfahren – oder von seinen Gefühlen für sie …
Dieser Einzelband war eine sehr positive Überraschung, da ich zwar auf ein gutes Buch gehofft, aber kein so unglaublich gutes erwartet hatte! Allein schon das Worldbuilding ist Gold wert: Die Drachen in diesem Universum überziehen bei Angst ihre Schuppen mit einem bestimmten Metall (Eisen, Zinn, Kupfer, Bronze oder Silber), das auf magische Weise geschmiedet werden kann, weswegen die Drachen aber auch auf mehrere Arten ausgenutzt werden: Für die Rennen und wegen ihrer Schuppen. Das war eine sehr coole, kreative Idee, die zudem sehr gut umgesetzt wurde und natürlich auch für so einige emotionale Szenen sorgte. Deswegen ist dieser Fantasyroman eventuell auch nicht für jeden etwas, aber ich mochte die Art und Weise, wie das Worldbuilding mit der Handlung verwoben wurde.
Aber nicht nur das Worldbuilding war genial, auch die beiden Hauptcharaktere und ihre Romanze war großartig umgesetzt. Farrens Kompetenz und James‘ Entschlossenheit gefielen mir sehr, aber auch die Tatsache, dass sie Fehler machten; es war süß, wie sie sich ineinander verliebten und sich stets gegenseitig halfen. Ihre Romanze war wundervoll, Farrens Hass verwandelte sich auf realistische Weise in Liebe und allgemein gehörten so ziemlich alle Szenen mit den beiden zu meinen Lieblingen.
Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, aber ich mochte James‘ Freundschaft zu Farrens Vater gern sowie Farrens Freundschaft zu Jeffrey und Shelly, die meiner Meinung nach ein eigenes Buch verdient hätten. Die besten Freundschaften waren jedoch die zu den Drachen: Ich liebte es, wie Farrens und James‘ Drachen tatsächlich eine wichtige Rolle spielten und sehr viele Szenen bekamen, in denen ihre Bindung zu den beiden gezeigt wurde.
Außerdem war das Buch sehr spannend: Die Angespanntheit, die durch Farrens und James‘ Geheimnisse entstand, sorgte für mehrere fesselnde Szenen, auch wenn ich zugegeben fand, dass das Ende ein wenig zu schnell abgewickelt wurde – es war immer noch ein zufriedenstellendes Ende, aber gerade nach den vielen spannenden Szenen war ich überrascht, wie schnell die Handlungsstränge letztendlich aufgelöst wurden.
Insgesamt also ein großartiger Einzelband mit einem wundervollen Worldbuilding, einer süßen Romanze und ein paar tollen Twists!
Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem Schüler wird Vidar, ein Lehrer in seinen Vierzigern, von der Schule suspendiert. Als er kurz darauf im Keller seines Hauses aufräumt, findet er ein altes Telefonbuch, in dem er die Nummer des Sommerhauses findet, in dem er als Kind seine Ferien verbrachte. Aus Spaß wählt er die Nummer – und sein verstorbener Vater hebt ab. Schockiert legt Vidar auf, doch nach ein paar Experimenten stellt er das Unglaubliche fest: Jedes Mal, wenn er seine alte Nummer wählt, nimmt er Kontakt zum 17. Juni 1986 auf. Brennend darauf, zu erfahren, was an diesem Tag geschah, spricht er mit seinem achtjährigen Ich und notiert sämtliche Geschehnisse des Tages. Doch eine große Lücke am Abend bleibt, in der etwas Schreckliches geschehen sein muss – etwas, woran Vidar sich nicht mehr erinnert und worüber sein früheres Ich nicht reden will …
Das Prinzip der Handlung fand ich unglaublich interessant und zum Glück auch sehr gut umgesetzt. Allein die Idee, durch ein Telefon Kontakt mit einem speziellen Tag aus der Vergangenheit aufnehmen zu können, der sich murmeltiermäßig wiederholt, war einzigartig und die Art und Weise, wie Vidar Wissen sammelte und nutzte, einfach wunderbar. In der Regel redet er mit seinem früheren Ich und schafft es auf schlaue Weise, die richtigen Fragen zu stellen und den Tag Minute für Minute zu rekonstruieren. Und nicht nur das: Er nutzt sein Wissen um die Geschehnisse auf geniale Weise, um die Charaktere zu beeinflussen.
Eine Kritik gibt es diesbezüglich allerdings: Dadurch, dass Vidar nur einen Anruf pro Tag machen kann und der sich stets wiederholende 17. Juni beweist, dass er langfristig nichts verändern kann, sahen wir leider nicht die Konsequenzen seiner Anrufe für die vergangenen Charaktere, sodass ich das Gefühl hatte, dass seine Taten letztendlich nichts bewirkten. Hier finde ich, dass mehrere Anrufe pro Tag sehr geholfen hätten, um zu zeigen, wie sein Eingreifen die vergangenen Ereignisse verändert, selbst, wenn der Tag selbst sich wiederholt.
Die Frage dahinter, was genau am Abend des Tages passiert ist, war allerdings eine sehr gute Art und Weise, meine Neugier anzufachen, denn genau wie Vidar wollte ich unbedingt wissen, welches Ereignis er damals vergessen hat. Ähnlich geht es mir mit der gegenwärtigen Handlung: Die gewalttätige Auseinandersetzung mit dem Schüler entstand nämlich, nachdem dieser Vidar etwas zugeflüstert hatte, woraufhin Vidar einen Blackout bekam – und was genau diese Worte waren, war ebenfalls ein starker Punkt, der mich neugierig machte.
Allerdings mochte ich die Anrufe mit der Vergangenheit immer noch lieber als Vidars Probleme in der Gegenwart, denn bei denen störte es mich extrem, dass sie aus Eigenverschulden entstanden. Vidar trifft bewusst so viele unkluge Entscheidungen, dass es frustrierend mitanzusehen war. Zumal wird dieser Handlungsstrang nicht komplett aufgelöst, was ich schade fand – zwar erfahren wir die Worte des Schülers und noch etwas mehr, aber welche Konsequenzen Vidars Handlungen haben, bleibt leider offen.
Das letzte Kapitel, das die Geschehnisse des 17. Juni 1986 von Anfang bis Ende erzählt, war dafür ausgesprochen zufriedenstellend. Ich wusste nicht genau, was ich als Erklärung für Vidars Trauma erwartete, aber die, die wir bekamen, fand ich sehr gut und verständlich.
Insgesamt also ein gutes Buch mit einer genialen Idee und einer tollen Umsetzung!
- All the things
- I didn't say
- Ann Liang
- EMF
- Jugendbuch
- Romanze
- Liebe
- Freundschaft
- Identität
- Ehrgeiz
- Rivalität
- Schuld
- Mobbing
- Aufgaben
- E-Mails
- Schule
- Kleines Highlight
Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …
Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!
Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.
Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.
Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.
Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.
Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!
Charlotte ist überrascht, als ihr eine kleine Schachtel überreicht wird, die eigentlich für die adoptierten Töchter des Hope‘s House gedacht ist – in diesem Fall ihre Großmutter, die allerdings definitiv nicht adoptiert wurde, da deren eigene Mutter Amalie noch am Leben ist. Verwirrt versuchen Charlotte und ihre Großmutter, Antworten zu finden und erfahren so von Amalie, wie sie damals ihre große Liebe Oskar kennenlernte. Charlotte ahnt, dass ihre Geschichte kein gutes Ende haben wird, doch während sie noch dabei ist, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren, lernt auch sie jemanden kennen, in den sie sich verliebt: Harrison, der allerdings ein Geheimnis zu haben scheint …
Nach sechs Bänden war ich gespannt, wie Soraya Lane die bereits familiäre Geschichte so gestalten würde, dass sie immer noch erfrischend wirkt – und zu meiner Überraschung ist ihr das mit der Ausgangssituation sehr gut gelungen. Endlich haben wir eine Protagonistin, deren Großmutter – und sogar deren Urgroßmutter! – noch am Leben ist, sodass letztere ihre Geschichte eigenhändig erzählen kann, anstatt dass die Charaktere die Hinweise selbst entschlüsseln müssen, ohne die eigentliche Geschichte je zu erfahren. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zu den vorigen Ausgangssituationen, bei denen es keine lebenden Vorfahren mehr gab.
Und nicht nur das: Charlottes schwierige Familienverhältnisse zu ihren Eltern, die sie im Buch tatsächlich aufarbeitet, sowie Harrisons Vergangenheit waren interessante Punkte, von denen ich froh war, dass sie nicht nur nebenbei vorkamen, sondern eine wichtige Rolle spielten. Zudem war es schön, wie Charlotte ihre Profession als Chef de Cuisine erfolgreich ausübt und damit mehrmals bewies, dass sie tatsächlich eine hervorragende Köchin ist.
Eine wichtige Kritik habe ich allerdings: Ich war nicht so investiert in die Romanzen, wie ich es gewollt hätte. Amalies Liebesbeziehung zu Oskar ist durchaus süß und realistisch genug, aber Charlottes Romanze mit Harrison ging mir zu schnell vonstatten, zumal die Charaktere am häufigsten das gute Aussehen ihres Partners hervorheben, was dem Realismus zusätzlich geschadet hat. Gleichzeitig bekamen die beiden Paare ein wenig ZU viel Zeit in der Geschichte. Beide erlebten mehrere gemütliche Momente, allerdings nicht immer welche, in denen sie sich tatsächlich kennenlernten; und selbst, wenn sie es taten, war mir dieser Teil der Handlung schlicht zu lang, was insofern ironisch ist, weil mir ihre Liebesbeziehungen zugleich nicht lang genug vorkamen. Insgesamt war ich eindeutig ein größerer Fan der dramatischeren Aspekte, die wiederum gut umgesetzt waren.
Am meisten mochte ich das Rätsel, das hinter Amalie und der seltsamen Nicht-Adoption steckt. Ich habe wirklich gerätselt, was wohl die Erklärung für die vielen Ungereimtheiten sein würde und war sehr zufrieden mit der Auflösung.
Insgesamt also eine gemütliche Familiengeschichte, die für mich zwar ein wenig ZU gemütlich war, aber immer noch ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet!
Als Molly nach einem Gehirnschlag im Krankenhaus erwacht, ist sie schockiert, zu erfahren, dass sie die letzten sechs Jahre ihres Lebens vergessen hat – und inzwischen mit ihrem Erzfeind Aster Bishop verheiratet ist. Sie versteht nicht, wie das passieren konnte, ist jedoch entschlossen, es herauszufinden. Allerdings sind sowohl Aster als auch ihre gemeinsamen Freunde seltsam verschlossen, was die vergessenen Jahre betrifft, sodass Molly selbst herausfinden muss, was sich in dieser Zeit verändert hat – und wie sie sich ausgerechnet in Aster verlieben konnte …
Die Kurzbeschreibung des Romans lässt ihn stark nach Romance Suspense klingen, doch in Wirklichkeit fokussiert er sich sehr viel stärker auf die Romanze – und meiner Meinung nach leider nicht erfolgreich. Das liegt vor allem daran, dass ich letztendlich nicht verstanden habe, wie Molly und Aster sich ineinander verlieben konnten, denn die Anziehung zwischen ihnen schien hauptsächlich körperlich zu sein, während das Ungleichgewicht, das durch Mollys verlorene Erinnerungen entsteht, besonders stark hervorstach.
Es gefiel mir vor allem nicht, wie er Molly mit der Begründung, sie zu „schützen“, sämtliche Entscheidungs- und Handlungsgewalt nahm, indem er für sie Entscheidungen traf, gegen die sie sich nicht stellen konnte. Er meinte zwar, er wolle sie mit der Menge an Informationen nicht überfordern, aber dass sie selbst einschätzen könnte, wann etwas zu viel ist, schien ihm nicht in den Sinn zu kommen. Währenddessen war Molly stets sehr erfolgreich damit, ihren Freunden gegenüber zu kommunizieren, wann etwas zu viel wurde, wodurch ich noch weniger verstand, warum Aster ihr das nicht zutraute. Selbst, nachdem ich wusste, was er vor ihr verbirgt, wäre es viel leichter gewesen, mit ihr darüber zu kommunizieren.
In diesem Sinne gefielen mir Mollys Freunde insgesamt besser, vor allem Eli, der einfach großartig war und Molly so viel mehr zutraute als alle anderen. Nur eins gefiel mir an den Freunden nicht: Anstatt Mollys Gesundheitszustand in den Fokus zu stellen, gaben sie ihr das Gefühl, Aster etwas schuldig zu sein. Die ganze Zeit redeten ihre Freunde darüber, wie schlimm es Aster mit der Situation geht und dass Molly ihm gegenüber doch bitte offener sein soll – während niemand Mollys Zustand zu beachten schien. Natürlich hat Aster es auch schwer, das möchte ich gar nicht dementieren, aber von Molly zu erwarten, dass sie sich in die Arme eines Mannes stürzt, den sie als arroganten Idioten in Erinnerung hat, hat mir überhaupt nicht gefallen.
Auch Aster selbst vermittelte ihr meiner Meinung nach den Eindruck, Molly wäre ihm etwas schuldig – besonders problematisch fand ich hier die Szene, in der er sie darum bat, sie zu küssen, weil er bisher so „ungeheuer geduldig“ war. Zwar hatte Molly mitnichten etwas dagegen, aber für mich wirkte das stark so, als würde er sich vor allem nach körperlicher Intimität sehnen und nicht nach emotionaler Bindung.
Hier hat es auch nicht geholfen, dass die „Damals“-Schnipsel, die wir nach jedem Kapitel bekommen, fast ausschließlich seine negativen Seiten zeigen und nicht, wie ich zunächst hoffte, Mollys Erinnerungen. So zufrieden ich mit dem Ende letztendlich war, war es meiner Meinung nach eine verpasste Gelegenheit, uns nicht an ihnen teilhaben zu lassen, weil so Mollys Verlust uns noch deutlicher geworden wäre.
Insgesamt also leider eine Romanze, die zwar eine interessante Grundlage und sympathische Nebencharaktere hatte, mich aber leider nicht überzeugen konnte.