Bücherregal lädt …
Wie Risse in der Erde
400 Seiten

Jahre ist es her, seit Beth ihre erste Liebe Gabriel getroffen hat. Seitdem ist viel passiert – sie hat ihre zweite Liebe Frank geheiratet, ihren Sohn Bobby verloren und Gabriel inzwischen einen bekommen. Beths Ehemann Frank warnt sie, lieber keinen Kontakt mehr zu Gabriel und dessen Sohn Leo aufzunehmen, doch als Gabriel anbietet, dass sie gegen gute Bezahlung auf Leo aufpasst, stimmt sie zu. Doch natürlich wallen alte Gefühle wieder auf und bald fühlt Beth sich zwischen zwei Männern hin und her gerissen – wobei einer von beiden sich in der Zukunft wegen Mord auf der Anklagebank finden wird …

Ich persönlich mag ja Bücher, die mich an „Der Gesang der Flusskrebse“ erinnern, weil der wunderschöne Schreibstil, den sie in der Regel haben, es so leicht macht, sich in die Geschichte fallen zu lassen. Sehr begrüßt habe ich auch die kurzen Kapitel und die vergleichsweise große Schrift, die es noch leichter machten, den Roman in einem Rutsch zu lesen.

Trotzdem fiel es mir am Anfang ein wenig schwer, hineinzukommen, weil ich mit den drei verschiedenen Zeitlinien etwas durcheinanderkam. Obwohl an sich klar ist, welche Geschichte zu welcher Zeitlinie gehört, verwechselte ich sie am Anfang oft, bis ich mich schließlich an die Struktur gewöhnte. Dafür hatten beide Haupt-Zeitlinien Dinge, die sie gleichermaßen ansprechend machten: In der Vergangenheit folgen wir Beths Beziehung mit Gabriel und ihrer Zeit mit ihrem Sohn Bobby, während wir in der Gegenwart ihre Wiederbegegnung erleben, die zusätzlich durch Beths Ehemann Frank und Gabriels Sohn Leo verkompliziert wird. Beide Zeitlinien hatten emotionale Momente, die mich sehr berührten; vor allem Bobbys Leben und Tod stechen hier hervor.

Allerdings gab es auch Dinge, die mich störten. So war das Liebesdreieck um Beth, Gabriel und Frank sehr enervierend zu lesen, denn obwohl ich dem Roman zugute halten muss, dass beide Männer sehr sympathisch dargestellt wurden, hat mich Beths Hin- und Hergerissenheit sehr gestört. Ich bin zugegeben kein Fan von Liebesdreiecken, weil sie entweder zu offensichtlich sind oder – wie in diesem Fall – zu sehr von den interessanten Aspekten des Romans ablenken. Auch hier gab es eine Phase, in der das Liebesdrama meiner Meinung nach zu viel Platz einnahm.

Was das Ende angeht, gab es zwei sehr angenehme Überraschungen, die ich nicht kommen gesehen habe, auch wenn das eigentliche Ende etwas zu kitschig ist. Natürlich nur nach meinem Geschmack, aber ich persönlich hätte die Epilogszene nicht gebraucht.

Trotz den Kritikpunkten spreche ich dem Roman jedoch eine Empfehlung aus, weil er sich einfach so wunderschön und emotional las. Der flüssige Schreibstil und der Umgang mit einem verlorenen Familienmitglied waren großartig umgesetzt und sind ein Leseerlebnis wert!