Die Goldene Schreibmaschine
304 Seiten

Emily liebt es, ihre Zeit in der Bibliothek zu verbringen, wo auch ihre Großmutter arbeitet. Auch vor ihrem erbarmungslosen Lehrer Herr Dr. Dresskau ist sie dort in der Regel sicher. Bis er auf einmal in der Bibliothek auftaucht und dringend nach etwas zu suchen scheint. Emily, neugierig geworden, findet tatsächlich einen Füllfederhalter, dessen Spitze sich zu einem Schlüssel drehen kann. Damit öffnet Emily den Eingang zu einer magischen Bibliothek mit einer goldenen Schreibmaschine, die es erlaubt, Bücher umzuschreiben. Sofort stürzt sie sich darauf, um ihre Lieblingsbücher zu verändern – und noch sehr viel mehr. Doch führt das nicht nur zu unerwarteten Veränderungen, sondern auch dazu, dass Dresskau auf die magische Bibliothek aufmerksam wird …

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig hin- und hergerissen bin, was dieses Kinderbuch betrifft. Einerseits ist es eine wunderschöne Geschichte, die die Macht von Geschichten wunderbar illustriert, doch andererseits fand ich, dass ihre Botschaft definitiv stärker hätte diskutiert werden können.

Es fängt damit an, dass Dresskau ein sehr klischeehafter und übertriebener Bösewicht ist, der bereits ganz am Anfang zeigt, dass er niemals die Lizenz zum Lehrer hätte erhalten sollen. Das Überraschende dabei ist, dass ein frühes Kapitel seine Gründe und Motivationen etablierte, was mich zuerst hat glauben lassen, dass er sich zu einem dreidimensionalen Charakter entwickeln könnte … nur, um ihn noch klischeehafter und böser zu machen, und das bis zu einem Level, das so übertrieben war, dass es keinen Raum für Charaktertiefe ließ. Die Tatsache, dass das ein Kinderbuch und Dresskau Lehrer ist, ist dabei eine ungünstige Kombination. Meiner Meinung nach wäre es sehr viel hilfreicher für sowohl Lehrer als auch Kinder gewesen, das frühe Kapitel über seine Kindheit weiter auszubauen, um ihn dann zu einem stark fehlerbehafteten, aber nicht komplett bösen Charakter zu machen.

Dazu kommt, dass Emily ebenfalls kritische Veränderungen vornimmt, bis zur Manipulation ihrer Freunde und Klassenkameraden. Sie werden definitiv als negativ dargestellt und Emily begreift am Ende natürlich, dass sie die Schreibmaschine niemals auf diese Weise hätte benutzen sollen. Das war großartig, weil Carsten Henn nicht nur behauptet, dass Veränderungen schlecht sind, sondern tatsächlich umsetzt. Aber ich hätte mir sehr gerne gewünscht, dass Emily die Moral ihrer Handlungen sehr viel früher hinterfragt und sich bei ihren Freunden dafür entschuldigt hätte, ihre Lieblingsbücher benutzt zu haben, um ihre Leben zu verändern. Das ist leider nie geschehen und hat deshalb einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

Aber zum Glück gab es auch so einige Dinge mit süßem Geschmack: Obwohl mir wie gesagt eine Entschuldigung vonseiten Emilys (und etwas mehr Screentime für ihre Freunde) gefehlt hat, war die Freundschaft selbst immer noch großartig und ich mochte sowohl Charly als auch Frederick sehr. Emilys Großeltern Rose und Martin waren ebenfalls großartig und ich freute mich, dass sie über das ganze Buch hinweg Relevanz hatten. Sogar eher unwichtige Charaktere wie Lasse und Zoe haben einen guten Eindruck hinterlassen (und natürlich auch Wolke!).

Dann ist da natürlich die Rolle, die Bücher einnehmen. Zuerst dachte ich, dass manche der großen Veränderungen, die das Umschreiben durch die goldene Schreibmaschine bewirkt, zu unrealistisch sind, aber je mehr sie beschrieben wurden und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergaben sie. Natürlich würde sich die Gesellschaft verändern, wenn ein paar der wichtigsten Werke sich verändern würden. Hier gefiel mir auch, wie die Veränderung der Welt dargestellt wurde, weil man auf diese Weise hervorragend einen Eindruck davon bekam, wie wichtig der Inhalt der Bücher ist.

Das Ende war ein bisschen plötzlich, konnte aber den Hauptkonflikt auf elegante Weise lösen.

Zusammengefasst bin ich wie gesagt hin- und hergerissen, weil das Buch einerseits ein paar sehr schöne Dinge hatte, mich aber die Darstellung von Dresskau und Emilys Handlungen sehr stark störte. Hier muss ich natürlich betonen, dass ich das Buch aus der Sichtweise einer Erwachsenen beurteile und es für die eigentliche Zielgruppe ein wahres Lesevergnügen sein könnte; nur für mich war es leider nur ein halber Erfolg.

Hinter dem Zeitenspiegel
300 Seiten

Yuki ist unglücklich. Seit ihr Vater gestorben und sie mit ihrer Mutter und deren neuem Freund nach Santa Dolores umgezogen ist, scheint alles den Bach runterzugehen. Ihr bester Freund Julio schreibt ihr kaum noch und in der Schule läuft auch alles schlecht. Als sie wegen eines Aufsatzes ins Rising Sun Emporium gerät, zeigt ihr die Besitzerin einen besonderen Spiegel, der der Schriftstellerin Sei Shōnagon gehört haben soll. Alle hundert Jahre soll er einen Weg ins alte Japan öffnen. Als dies tatsächlich geschieht, kann Yuki nicht widerstehen und verschwindet im Spiegel. Dort trifft sie nicht nur Sei Shōnagon, sondern muss sich auch in einem Gedichtwettbewerb behaupten …

Dieses Buch erzählt ein unterhaltsames Abenteuer, das sich gut für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren eignet. Am besten gefielen mir dabei definitiv die Gedichtwettbewerbe; sie waren nicht nur ausgesprochen spannend beschrieben, sondern enthielten tatsächlich sehr schöne Gedichte. Zusätzlich gab es auch ein paar Rätsel und Witze, die mir überraschend gut gefallen haben und sich gut in die Handlung einfügten.

Die japanische Kultur wird recht akkurat porträtiert, auch wenn es aufgrund der Tatsache, dass es sich nicht um die Vergangenheit, sondern eine andere Welt handelt, ein paar Freiheiten bezüglich der auftretenden Personen gibt. Besonders möchte ich allerdings die Personen, die hier auftauchen, loben; Izumi und Nobu, die schnell zu Yukis Freunden werden, waren dabei meine persönlichen Lieblinge.

Dafür hätte ich mir gerne mehr Screentime für die Charaktere der Gegenwart gewünscht, weil sie zwar lange genug auftauchen, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber bei weitem nicht so lange wie die Charaktere der Vergangenheit. Als Protagonistin denkt Yuki leider nicht so oft wie gewünscht an die Menschen, die sie verlassen hat, unter der Annahme, dass sie sie nicht vermissen würden. Yuki selbst wuchs mir im Lauf der Handlung zwar ans Herz, aber ich fand es trotzdem traurig, dass sie ihre Welt so bereitwillig verlassen hat.

Was eher für ein Kinder- als für ein Jugendbuch spricht, ist die Tatsache, dass der Weltübergang überhaupt nicht infrage gestellt wird. Yuki akzeptiert bereitwillig die Magie dahinter und ihre neue Rolle im antiken Japan, ohne dass ihr Weltbild dabei erschüttert wird. Das hat mich persönlich zwar nicht gestört, aber wie gesagt spricht diese Tatsache eher für ein jüngeres Publikum.

Beim Ende bin ich ein wenig zwiegespalten: Einerseits fand ich das Ende für die Gegenwart wunderbar und sehr zufriedenstellend, andererseits hat mir dafür in der Vergangenheit ein finaler Abschluss gefehlt. Dadurch, dass Yuki am Ende wieder in der Gegenwart ist, bekommen wir nicht mit, was genau nach ihrer Abreise geschah, was ich sehr schade fand. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Yuki noch länger in der Vergangenheit geblieben wäre, um sie zu einem guten Ende zu führen, bevor sie wieder zurückgekehrt wäre.

Insgesamt also ein unterhaltsamer Abenteuerroman für Fantasy- und Japan-Fans, das zwar seine Schwächen hat – aber definitiv auch seine Stärken.

Frau Komachi empfiehlt ein Buch
304 Seiten

Eine Verkäuferin, die den Sinn ihrer Arbeit hinterfragt. Ein Buchhalter, der einen Antiquitätenladen eröffnen will. Eine ehemalige Zeitschriftenredakteurin, die ihren Job und ihre Familie unter einen Hut bringen möchte. Ein arbeitsloser Mann, der nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen will. Und ein Rentner, der nach einer neuen Beschäftigung sucht. Sie alle besuchen Frau Komachis Bibliothek, um ein Buch auszuleihen – und sie alle bekommen eins, das ihnen auf ganz persönliche Weise weiterhilft …

Dieser Roman besteht aus fünf Geschichten, die zwar durch Frau Komachi und ein paar grobe Referenzen verbunden sind, ansonsten aber für sich stehen. Beeindruckend fand ich es, dass sie sich trotz ihrer Länge (ca. 50-60 Seiten) vollständig anfühlten. Manchmal zwar etwas langsam, aber insgesamt lang genug, dass man in die jeweilige Geschichte investiert wird, aber auch kurz genug, um die Handlung nicht bzw. nicht zu sehr in die Länge zu ziehen.

Deshalb mochte ich jede Geschichte auf ihre Weise, aber die erste am meisten, weil sie eine Botschaft etablierte, die sich auch durch die anderen Geschichten zog: Dass man andere Menschen nicht vorschnell beurteilen soll, weil sie möglicherweise nicht so sind, wie man es erwartet. In der ersten Geschichte spürte ich dieses Thema am meisten, war aber froh, es auch bei den anderen Geschichten zu sehen.

Was ich mir dafür gewünscht hätte, wären mehr Verbindungen zwischen den Geschichten gewesen, sowie mehr zu Frau Komachi selbst. Wie gesagt gibt es ein paar (sehr grobe) Verbindungen, aber sie waren für mich viel zu wenig und ich hätte es begrüßt, wenn die fünf Geschichten sich ein wenig mehr wie eine angefühlt hätten – zum Beispiel, indem die Charaktere sich gekannt hätten oder aufeinander getroffen wären. Zwar treffen sie alle auf Frau Komachi, aber für mich war das leider nicht genug.

Zudem hätte ich mir gerne mehr von Frau Komachi selbst erhofft. Mit jeder Geschichte bekommt sie ein wenig mehr Screentime, aber sie bleibt die gesamte Geschichte über mysteriös und wir erfahren nicht allzu viel von ihr. Selbst die Bücher, die sie vorschlägt, tragen nur teilweise dazu bei, dass die Leben der Charaktere sich ändern, weil es auch andere Faktoren gibt, die sie beeinflussen. Deshalb hätte ich mir gerne gewünscht, auch ein Kapitel zu Frau Komachi zu bekommen, um sie besser kennenzulernen.

Letztendlich begeisterte mich „Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen“ zwar mehr, aber trotzdem gefiel mir, auf welche unterschiedliche Weisen Bücher das Leben der Charaktere positiv beeinflusst haben!

Akikos stilles Glück
384 Seiten

Als Akiko hört, dass ihre beste Freundin eine Solo-Hochzeit feiert, ist sie überrascht. Davor war ihr das Prinzip gänzlich unvertraut und nun überlegt sie, ob so etwas auch für sie in Frage kommen könnte. Doch als sie auf ihren ehemaligen Klassenkameraden Kento trifft, bekommt sie Zweifel, denn er stellt ihr zwei zentrale Fragen: Kennt sie sich? Mag sie sich? Diese Fragen sollten vor einer Solo-Hochzeit doch geklärt werden, meint Kento. Er selbst ist inzwischen ein Hikikomori geworden und lebt als solcher abseits der Gesellschaft, hat keinen Kontakt zu Menschen und geht nur nachts raus. Nur Akiko findet Zugang zu ihm und zwischen ihnen startet eine zögerliche Freundschaft. Diese hilft Akiko nicht nur, über den Tod ihrer Mutter hinwegzukommen und das Mysterium ihres Vaters zu lösen, sondern auch, sich selbst immer besser kennenzulernen: Kennt sie sich? Mag sie sich? Und was will sie mit ihrem Leben anfangen?

Dieser ruhige Roman hat viele inspirierende und emotionale Szenen, die sowohl Akikos als auch Kentos Leben und die Schwierigkeiten, denen sie sich stellen müssen, sehr gut beschreiben. Am liebsten gefielen mir die Erzählungen aus ihrer jeweiligen Vergangenheit, weil diese so gut erklärten, warum sie zu den Personen wurden, die sie in der Gegenwart waren. Zusätzlich liebte ich Akikos Geschichtsideen und Kentos vorgelesene Haikus, weil beides so inspirierend war. Allgemein lernt man die beiden Charaktere überraschend gut kennen, obwohl speziell Kento sehr verschlossen ist. Eine Charakterentwicklung findet zwar eher bei Akiko als bei Kento statt, aber auch so mochte ich beide.

Doch neben den schönen Szenen, philosophischen Gedankengängen und sympathischen Hauptcharakteren hat der Roman trotzdem eine Schwäche: Das Pacing. An sich genieße ich es durchaus, ab und an langsamere Geschichten zu lesen, doch in diesem Fall war sie mir ein wenig ZU langsam. Ich habe mich zwar nicht unbedingt gelangweilt, mich aber doch gefragt, wann es wieder richtig weitergeht. Vor allem, weil es Handlungsstränge gibt, die letztendlich offen gelassen werden – darunter die Solo-Hochzeit, die Akiko irgendwann wieder verwarf, ohne dass ich es als Leserin bewusst mitbekommen hätte. Im Nachhinein waren die verworfenen Handlungsstränge wahrscheinlich Akikos Ideen für ihre Zukunft, bevor sie schließlich die fand, die sie glücklich machte, aber zumindest während des Lesens ist es verwirrend, wenn wichtige Plotpunkte später nicht mehr erwähnt werden.

Von daher empfehle ich den Roman denjenigen, die ruhige Geschichten mit offenen Fragen mögen, während andere den Roman als zu langsam empfinden könnten.

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
185 Seiten

Jeden Donnerstag kommt eine junge Dame ins Café Marble, bestellt sich einen Kakao und schreibt dort in englischer Sprache Briefe. Wataru ist fasziniert von der Frau, die er Kakao-san nennt und fragt sich, was wohl ihre Geschichte ist. Doch sie ist nicht die einzige Besucherin des Cafés: Es zieht auch eine verzweifelte Mutter, eine Kindergärtnerin, eine frisch Verheiratete, eine Künstlerin und noch viele mehr an: Menschen, deren Schicksale miteinander verwoben sind, oft ohne, dass sie es wissen. Doch neben dem Café Marble haben sie alle eine Gemeinsamkeit: Sie suchen nach ihrem Weg zum Glück …

Dieser wunderschöne Roman zeigt, dass man keine hunderten von Seiten braucht, um ein erinnerungswürdiges Leseerlebnis zu erschaffen. In weniger als zweihundert Seiten erschafft Michiko Aoyama eine Geschichte, die mich sehr berührte und mich am Ende mit einem Lächeln entließ. Die Art und Weise, wie die einzelnen Geschichten erzählt und miteinander verbunden waren, war schlicht ergreifend schön. Der Stil sticht hier besonders hervor: Er ist einfach, aber bildlich und schafft es so, einen leicht in die Geschichte hineinzuziehen. Besonders beeindruckend fand ich, wie gut Michiko Aoyama beschriebene und gezeigte Szenen balanciert hat, sodass beide Arten von Szenen mich gleichermaßen packten!

Dadurch, dass jedes Kapitel aus einer anderen Perspektive erzählt wird, haben die einzelnen Charaktere nur wenig Zeit, hervorzustechen, doch wird diese Zeit sehr gut genutzt: Man bekommt trotzdem einen guten Einblick in sie, und wann immer sie in anderen Kapiteln auftauchten, musste ich lächeln. Die Verbindungen zwischen den Charakteren waren letztendlich der beste Teil des Romans, weil sie zeigten, wie nahe selbst Fremde zueinander stehen können.

Wenn ich mir allerdings etwas wünschen würde, wäre es ein stärkerer Fokus auf das Café Marble gewesen. Mit jeder Sichtweise entfernen wir uns immer weiter davon, was ich schade fand. Es wird zwar oft genug referenziert und wir kehren am Ende auf wundervolle Weise dahin zurück, aber dazwischen liegt der Fokus auf Australien. Das hat zwar einen wichtigen Grund, der mir sehr gefiel, aber dennoch hätte ich gerne noch mehr vom Café selbst gesehen.

Letztendlich ist dieser Roman wunderschön und wohltuend, der sich für alle eignet, die mal wieder einen Roman fürs Herz brauchen!

Klippo
272 Seiten

Klippo wird mitten in der Nacht von seinen Eltern geweckt. Sie müssen fliehen, weil Schiefbart, Anführer der Salpeter, sie für den Tod seiner Tochter verantwortlich macht und sich an ihnen rächen will. Nach einer stürmischen Bootsfahrt landen sie auf der Insel Narom Rok, wo sie sich weiter bedeckt halten müssen. Dort trifft Klippo auf Nessi, mit der er sich schnell anfreundet. Doch nicht alles ist so, wie es scheint, und Klippo muss das Geheimnis der Insel und seiner Identität herausfinden, wenn er Schiefbart aufhalten will …

Dieses Kinderbuch hatte ein paar schöne Szenen – und ein paar absolut gigantische Twists. Im ersten Kapitel fiel es mir schwer, reinzukommen, weil so viel auf einmal passiert und ich erst mal nicht wusste, was überhaupt vor sich geht. Sobald sie auf der Insel ankamen, wurde es besser und ich mochte die Szenen zwischen Klippo und Nessi sehr. Sehr bald darauf passiert der erste Twist – und meine Güte, hab ich ungläubig auf die Seiten gestarrt! Speziell in einem Kinderbuch, das als Abenteuergeschichte beworben wird, hätte ich so einen Twist nicht erwartet und mochte ihn deshalb sehr. Danach passiert der zweite Twist, der hat mich mindestens genauso sehr starren ließ, weil ich ihn ebenfalls nicht erwartete. Ich glaube, den ersten Twist mochte ich immer noch mehr, aber beide Twists waren großartig. Definitiv keine, die man in einem Abenteuerkinderbuch erwarten würde, aber genau deshalb umso cooler.

Wobei ich diesbezüglich trotzdem eine Kritik habe: Nämlich, dass das wunderschöne Cover einen falschen Eindruck hinterlässt, was den Inhalt angeht. Die Abenteuergeschichte, die es verspricht, ist zwar durchaus vorhanden, aber auf sehr andere Weise, als man vermutlich erwarten würde. Mir haben die Twists zwar sehr gefallen, weil sie so ungewöhnlich waren, aber sie sind sicher nicht für jeden etwas.

Außerdem fand ich sowohl das Finale als auch das Ende zu abrupt und ich hätte mir gerne gewünscht, noch mehr schöne Szenen zwischen Klippo und Nessi zu sehen. So fand ich die Szene, in der die beiden die Hängebrücke auf dem Cover zu besuchen, die wohl schönste Szene im Buch, aber zu meinem Bedauern gab es nur wenige andere Szenen, die ähnlich schön waren. Hier hätte ich gerne noch mehr Szenen gehabt, in denen sie die Insel erkunden und ihre Freundschaft vertiefen.

Insgesamt also ein ungewöhnliches Kinderbuch mit fantastischen Twists, das zwar nicht die Abenteuergeschichte ist, die ich erwartet habe, aber dafür eine, die mir trotzdem sehr gefiel!

Das Leben und das Schreiben
384 Seiten

Das Leben beeinflusst das Schreiben, und beides hat Stephen King in seinem Sachbuch beleuchtet. Ich habe von ihm tatsächlich nur ein einziges Buch gelesen und das ist schon so lange her, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann. Doch weil Benedict Wells in seinem Buch „Die Geschichten in uns“ positiv über dieses Buch gesprochen hat, war ich interessiert daran, was Stephen King zu diesem Thema zu sagen hat.

Überraschenderweise war ich letztendlich mehr interessiert an seinem Leben als an seinem Schreibprozess. Die Art und Weise, wie Stephen King erinnerungswürdige Erlebnisse beschrieben hat, hat mich sehr gefesselt und sein Werdegang war ebenfalls interessant zu verfolgen. Zudem ist es sehr fasziniert, woher er seine Inspiration nimmt und wie genau er seine Geschichten schreibt.

Allerdings waren einige Tipps, die er diesbezüglich gab, nichts für mich. Hilfreich war der Hinweis zu Füllwörtern und Adverbien, weil Stephen King erfolgreich illustrierte, warum man diese sparsam einsetzen sollte. Auch seine Ausführungen zu aktiven vs. passiven Sätzen half mir sehr, wobei beide Themen zugegeben Dinge sind, an denen ich noch arbeiten muss.

Andere Tipps waren jedoch nichts für mich. So spricht Stephen King sich gegen das Planen aus und auch dagegen, das Ende seiner Geschichte bereits zu kennen. Was mich hier störte, waren dabei nicht die Tipps an sich, weil ich Stephen Kings eigene Methode sehr faszinierend fand, sondern, dass sie so formuliert waren, als wären sie objektive Wahrheiten statt subjektive Meinungen. Schließlich hat jeder Autor und jede Autorin seine und ihre eigenen Methoden und nicht alles, was für den einen funktioniert, wird für die andere funktionieren. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Stephen King gegenüber anderen Methoden offener gewesen wäre, selbst wenn er sie nicht benutzt.

Zum Schluss verbessert Stephen King einen seiner eigenen Texte, was noch mehr verdeutlichte, wie sehr es helfen kann, seinen Text zu kürzen. Deshalb hatte ich sogar Probleme, diese Rezension hier zu schreiben, weil mir bewusst ist, wie viele Füllwörter sie enthält und ich mich trotzdem nicht dazu überwinden konnte, sie zu streichen. Insofern hilft dieses Sachbuch durchaus dabei, sich seines eigenes Schreibstils und dem anderer Autoren bewusster zu sein – selbst, wenn man nicht immer Stephen Kings Meinung teilt!

Scandor
448 Seiten

Es ist eine einmalige Chance: Fünf Millionen Euro winken demjenigen, der es schafft, im Battle Royale um Scandor, einem einmaligen Lügendetektor, am längsten die Wahrheit zu sagen. Doch jeder, der verliert, muss einen Einsatz zahlen – etwas tun, was er auf gar keinen Fall tun möchte, damit die zusätzliche Motivation, zu gewinnen, gegeben ist. Insgesamt hundert Kandidaten treten an, darunter Philipp und Tessa, die unter etwas anderen Umständen im Wettbewerb gelandet sind. Sehr bald merken beide, wie schwierig es ist, im Alltag ständig die Wahrheit zu sagen, vor allem während andere Kandidaten ihnen auf der Spur sind und Scandor den Spielern zusätzliche Aufgaben gibt. Zudem finden beide bald heraus, dass noch etwas Anderes hinter dem Wettbewerb steckt als ein simpler Lügendetektortest – nämlich das Aufdecken einer Wahrheit, die niemals ans Licht kommen sollte …

In ihrem neuesten Jugendthriller setzt Ursula Poznanski ein wahrhaft faszinierendes Konzept um: Was wäre, wenn man gezwungen wäre, für mehrere Tage die Wahrheit zu sagen – ohne Ausflüchte, ohne Versehen, ohne Schlupflöcher? Wenn man dabei seinem alltäglichen Leben nachgehen, aber sich auch vor Konkurrenten in acht nehmen muss? Dieses Konzept hat sie wirklich großartig umgesetzt, weil man durch Tessa und Philipp ein hervorragendes Gefühl dafür bekommt, wie schwer ein von Wahrheit bestimmtes Leben wirklich ist. Vor allem bei Tessa war ich sehr investiert, weil sie durch ihre Jobs in einem Lokal und in einem Callcenter in viele brenzlige Situationen gerät und das offensive Verhalten anderer Spieler sie zusätzlich in Bedrängnis bringt. Tatsächlich fieberte ich so sehr mit ihren Szenen mit, dass Philipp manchmal in den Hintergrund geriet, weil seine Szenen in der Regel nicht so spannend wie Tessas waren.

Ab und an bekommen wir einen kleinen Einblick in andere Spielerinnen und Spieler und den Moment, in dem sie die Challenge verlieren. Oft durch eine automatische, unabsichtliche Lüge, die sie in einem Moment der Unachtsamkeit ihren Platz im Wettbewerb kostet. Hier hätte ich gerne einen tieferen Einblick in ihren Einsatz bekommen. Wir bekommen zwar hier und da eine Erwähnung, aber nur selten das Gefühl, wie wichtig ihnen ihr Einsatz wirklich ist. Zwar wird dafür Philipps und Tessas Widerwillen umso mehr betont, aber wie gesagt hätte ich auch gerne mehr zu den anderen Teilnehmern erfahren.

Neben den genialen Szenen, in denen Philipp und speziell Tessa sich gegen ihre Gegenspieler behaupten, gibt es auch einige unerwartete Twists, die mich positiv überrascht haben. Ich hatte nämlich so einige Ideen, was Scandor betrifft, doch zu meiner Freude steckte letztendlich etwas Anderes dahinter. Im Nachhinein zwar nichts, das ZU besonders ist, aber im Kontext der Handlung definitiv etwas, das ich nicht erwartet habe. Großes Lob also an die Autorin, ihre Twists nicht zu offensichtlich gestaltet zu haben!

Dadurch, dass das Spiel aus insgesamt hundert Kandidaten besteht, entstehen notwendigerweise ein paar kleinere Längen. Weil Ursula Poznanski ihre Charaktere regelmäßig in gefährliche Situationen bringt, habe ich mich nie gelangweilt, aber trotzdem gemerkt, dass die Anzahl der Charaktere eher kontinuierlich als rapide abnahm. Hier hätte die Anzahl sicher noch schneller abnehmen können, doch ich persönlich fand die Geschwindigkeit trotzdem angenehm.

Was mir besonders gefallen hat (neben der Offenbarung am Ende), war das Ende selbst. Es war wirklich sehr zufriedenstellend, hat offene Fäden miteinander verbunden und mir ein Lächeln entlockt. Nach all den Strapazen, die die Hauptcharaktere auf sich nehmen mussten, war es genau das Ende, das ich mir gewünscht habe.

Insgesamt also wieder ein spannender Thriller aus Ursula Poznanskis Feder, der es hervorragend schafft, die Wahrheit in all ihrer Schönheit, Grausamkeit und Undurchsichtigkeit darzustellen!

Kings & Thieves (Band 2) - Der Schrei der Schwarzkraniche
592 Seiten

Nachdem sie verwandelt aus der Unterwelt zurückgekehrt ist, ist Lina entschlossen, sich an den Schwarzkranichen, die ihre Gang ermordet haben, zu rächen. Jeden einzelnen Schwarzkranich will sie umbringen, um ihre Rache zu vollziehen. Eine neue Stimme in ihrem Kopf motiviert sie zusätzlich dazu, weiterzumachen – und zwar so weit, dass Lina selbst bald nicht mehr weiß, wann sie und wann die Stimme die Kontrolle über ihre Handlungen hat …

Ich will ganz ehrlich sein: Mir hat dieser zweite Teil von Kings & Thieves leider überhaupt nicht gefallen. Tatsächlich habe ich ihn nur zu Ende gelesen, weil ich hoffte, dass das Ende mit einem überraschenden Twist aufwarten wird, der die vorigen Ereignisse leichter zu ertragen macht. Leider ist das nicht geschehen und hat die Lektüre letztendlich frustrierend gemacht.

Das größte Problem für mich war dabei Lina selbst und die Art und Weise, wie ihre Taten dargestellt werden. Nach dem Mord an ihrer Gang und einem Jahr der Sklaverei will sie sich an den Schwarzkranichen rächen, was durchaus berechtigt ist – aber die Tatsache, dass sie alle Schwarzkraniche dafür umbringen will anstatt diejenigen, die direkt an ihrem Leid beteiligt waren, war für mich zu viel. Für die vier Menschen, die Lina verloren hat, bringt sie ungefähr hundert andere Menschen um, die das Pech hatten, zu den Schwarzkranichen zu gehören, obwohl sie nicht direkt mit den damaligen Ereignissen in Zusammenhang standen. Für Lina reicht es, dass sie Schwarzkraniche sind, was für sie automatisch bedeutet, dass sie den Tod verdient haben. Nicht ein einziges Mal zieht sie (oder das Narrativ) in Betracht, dass diese Menschen unschuldig sein könnten, oder Menschen mit ihren eigenen Problemen und Schwierigkeiten, oder überhaupt etwas anderes als böse. Im Grunde sollen wir Leser:innen davon ausgehen, dass all diese Menschen kaltblütige Killer sind und von niemandem vermisst werden, weshalb es in Ordnung ist, dass Lina sie alle umbringt (obwohl sie selbst weiß, wie es sich anfühlt, ihre Familie zu verlieren).

Und das konnte ich der Handlung einfach nicht abkaufen. Für mich war Lina eine heuchlerische Mörderin, die sehr viel mehr Leid gebracht hat als die Schwarzkraniche zusammengenommen. Ein gutes Beispiel dafür ist eine von Linas Taten, die ganz am Anfang beschrieben wird: Nachdem sie eine unschuldige Frau umbrachte, behauptet sie gegenüber deren Mann, den wahren Mörder zu kennen, damit er sich mit ihr gegen die Schwarzkraniche verbündet. Das war für mich absolut unverzeihliches Verhalten, das zwar auch eine große Konsequenz nach sich zieht, aber Lina trotzdem zu einem äußerst unsympathischen Charakter machte.

Der Hauptgrund, warum ich trotzdem weiter las, war natürlich die Stimme, die Lina zumindest zu einem Teil dieser Taten anspornt. Ich hatte die Hoffnung, dass am Ende herauskommen würde, dass nicht wirklich Lina all diese schrecklichen Dinge tat, sondern ausschließlich die Stimme. Dadurch, dass bei weitem nicht immer klar war, wann Lina und wann die Stimme die Kontrolle hat, hatte ich wirklich die Hoffnung, dass das Ende die gesamte Geschichte positiver darstellen könnte. Allerdings ist das nicht geschehen und selbst, wenn der dritte Band diesen Twist doch noch bringen wird, werde ich es leider nicht mehr herausfinden. Wahrscheinlich hat es auch mit Erwartungen zu tun: Ich habe nicht erwartet, dass Lina sich zur Antagonistin entwickeln wird und es machte mir keinen Spaß, sie als solche zu erleben. Andere Leser:innen, die bereits wissen, worauf sie sich einlassen, könnten deshalb eine andere Leseerfahrung haben.

Denn etwas, das ich trotz der Kritik betonen möchte, ist, dass der Roman durchaus seine guten Momente hatte. Rui, Linas Love Interest, macht zwar Fehler und verrät ihr zuerst nicht, was hinter seinen Taten steckt, aber sein gutes Herz kommt trotzdem zum Vorschein und ich mochte ihn sehr. Auch die beiden Freunde, die Lina in diesem Buch findet (Seojin und Iseul), fand ich sehr sympathisch und hätte mir gerne noch mehr Szenen mit ihnen gewünscht. Auch gibt es zwei Rache-Szenen, die gut umgesetzt waren, weil hier tatsächlich Menschen, die Lina Leid zufügten, ihre Bestrafung bekamen. Aber ja, diese positiven Aspekte reichten leider nicht aus, um die negativen zu überdecken.

Insgesamt war dieser Band leider nichts für mich, doch hoffe ich, dass vielleicht andere Leser:innen ihm etwas abgewinnen können.

The Ashes and the Star-Cursed King
665 Seiten

Oraya ist eine Gefangene in ihrem eigenen Königreich, das nun von Raihn regiert wird – dem Vampir, den sie liebte und der sie jetzt verraten hat. Verzweifelt versucht sie, zu entkommen, muss jedoch bald feststellen, dass das nicht möglich ist. Zudem hat auch Raihn mit Problemen zu kämpfen, weil nicht alle ihn als ihren König akzeptieren wollen. Als die beiden erfahren, dass Vincent, Orayas Vater, das Blut eines Gottes versteckt haben soll, das ihnen beiden die Möglichkeit geben könnte, den Krieg zu gewinnen, gehen sie ein zögerliches Bündnis miteinander ein, um danach zu suchen. Doch währenddessen flammen auch ihre Gefühle füreinander auf – und weitere Geheimnisse, die Vincent vor Oraya gehütet hat …

Hier im zweiten Band der Saga wird Orayas und Raihns Geschichte abgeschlossen und das auf sehr zufriedenstellende Weise. Speziell ihre Beziehung war großartig umgesetzt – zumindest im Rahmen der Geschichte. Ob sie realistisch gesehen auch danach funktionieren würde, liegt wie wohl bei jeder fiktiven Liebesgeschichte im Auge des Betrachters, doch mir persönlich hat sie sehr gefallen. All die Konflikte, Gefühle und die Anziehungskraft bekamen ihre Zeit, sich zu entfalten, wodurch sich Orayas und Raihns Liebe zueinander sehr glaubwürdig angefühlt hat.

Allerdings muss ich zugegeben, dass andere Charaktere mehr Fokus hätten vertragen können, weil sie größtenteils nicht so groß herauskommen, wie sie es verdient hätten. So hat mich von den Nebencharakteren nur Mische begeistert (die schon im ersten Band mein Lieblingscharakter war), während die anderen verhältnismäßig blass blieben.

Die Handlung kann sich dafür sehen lassen. Wie schon im ersten Teil ist sie in die verschiedenen Mondphasen eingeteilt, wobei jede Mondphase für einen wichtigen Teil der Handlung steht: Orayas Gefangenschaft, ihre Fluchtversuche und Annäherung an Raihn, der Besuch in Lahor, die Ruhe vor dem Sturm, eine vertiefende Romanze und Kriegsvorbereitungen und schließlich das Finale, gefolgt vom Ende. Hier hat mich das Pacing angenehm überrascht; ich hatte fast schon erwartet, auf Längen zu treffen, aber insgesamt las sich alles so angenehm, dass mir jeder Teil Spaß machte.

Insgesamt habe ich also nur die Nebencharaktere zu kritisieren, die aufgrund des starken Fokus auf Oraya und Raihn nicht so sehr wie die beiden überzeugen konnten. Aber davon abgesehen haben wir hier ein zufriedenstellendes Ende für Orayas und Raihns Geschichte und ich freue mich schon darauf, danach Misches Sichtweise zu verfolgen!

Crazy Family (Band 2) - Die Hackebarts schnappen zu!
176 Seiten

Nach dem ertragreichen Ende des ersten Bandes dauert es nicht lange, bis die Hackebarts sich in einer neuen Bredouille wiederfinden. Walter Hackebart, Vater des Hauses, hat eine verdächtig günstige Doppelhaushälfte gekauft, in die die Familie einziehen soll. Zum Schock der Familie stellt sich die Doppelhaushälfte als Bruchbude heraus, die sie renovieren müssen. Doch warum sind ihre beiden Nachbarinnen so interessiert daran, Zugang zu der Hälfte der Hackebarts zu bekommen?

Schon der erste Band war eine humorvolle Lektüre für jedes Alter und der zweite Band setzt diese Tradition fort. Markus Orths’ Wortwitze und allgemein lustige Situationen begeisterten mich sehr und mir gefiel es, dass er dafür alle Mitglieder der Hackebarts benutzte. Am Anfang fragte ich mich nämlich, wie sehr die Familie im Ganzen in die Handlung eingebunden werden würde und war positiv überrascht darüber, dass tatsächlich alle eine wichtige Rolle spielen. Mein persönlicher Liebling war Lulu, aber alle Hackebarts haben etwas, womit man sich identifizieren kann. Das liegt natürlich daran, dass sie alle an Stereotypen angelehnt sind, was in diesem Fall allerdings sehr gut funktioniert hat.

Schön fand ich auch, dass Markus Orths es geschafft hat, „Wer wird Millionär?“ auf natürliche Weise wieder einzubauen, wobei ich aber trotzdem hoffe, dass der dritte Band ein anderes Wissensspiel bereitstellen wird, um die Familie zu unterhalten.

Ansonsten gibt es nicht allzu viel zu sagen, außer, dass mir die Lektüre sehr großen Spaß gemacht hat und sicher auch andere Kinder und Erwachsene unterhalten wird!

The Parents – Dein Kind ist weg. Dein schlimmster Albtraum beginnt.
512 Seiten

Ein ungutes Gefühl lässt Andy mitten in der Nacht aufwachen. Voller Panik schaut er nach, ob sein Sohn Connor schon heimgekommen ist. Erleichtert legt er sich wieder schlafen, als er ihn in seinem Bett liegen sieht. Doch er irrt sich. In Wirklichkeit hat Connors Cousin Zac dessen Platz eingenommen und als Connor endlich wieder auftaucht, weigern sich die beiden, zu sagen, wo sie gewesen sind. Doch es dauert nicht lange, bis Andy herausfindet, dass Connor zusammen mit vier anderen Schülern für mehrere Stunden im Wald verschwunden ist – und eine Schülerin namens Emily nicht daraus zurückgekehrt ist …

Dieser spannende Thriller ist leicht zu lesen, zieht einen hervorragend mit der Handlung mit und findet zu einem äußerst zufriedenstellenden Ende, das mich positiv überrascht hat. Ich bin mir zwar trotzdem nicht sicher, ob das Buch auch für Eltern geeignet ist, weil die Angst vor dem Verschwinden bzw. Tod der Kinder stark thematisiert wird, aber andererseits schafft T. M. Logan es hervorragend, diese Angst nicht bis ins Extreme zu ziehen.

So hat speziell Andy so einige Paranoia, was Connors Verhalten betrifft, doch ist es für uns Leserinnen und Leser recht schnell klar, dass dahinter kein mörderischer, sondern ein anderer Grund steckt. Dieses Geheimnis aufzuklären hat zusammen mit der verzweifelten Suche nach Emily für einen Thriller gesorgt, den man sehr schnell wegliest.

Von allen Charakteren war mir Andys zwölfjährige Tochter Harriet am sympathischsten, weil sie der ruhige, rationale Kontrast zu den panischen Erwachsenen war und ihre eigenen Ermittlungen angestellt hat, um hinter Connors Geheimnis zu kommen.

Was mögliche Kritik angeht, fand ich es schade, dass es keine überraschenden Twists gab und auch der Antagonist relativ leicht vorherzusehen war. Der Thriller lebt vor allem durch seinen leicht zu lesenden Schreibstil und seine konstante Spannung, und eher weniger von schockierenden Twists.

Zudem fand ich den deutschen Untertitel und die Kurzbeschreibung sehr irreführend, weil beides impliziert, dass Connor das verschwundene Kind sein wird – aber dem ist gar nicht der Fall. Er taucht recht früh wieder auf und die Handlung konzentriert sich ab da auf die verschwundene Emily und seine potenzielle Beteiligung daran.

Letztendlich hat der Thriller mir aber immer noch sehr gut gefallen, weshalb ich ihn allen Leserinnen und Lesern, denen die Thematik nichts ausmacht, empfehlen kann!

Love Letters to a Serial Killer
352 Seiten

Als Hannah auf eine beginnende Mordserie aufmerksam wird, ist sie sofort fasziniert. In einem Internetforum tauscht sie sich mit anderen Menschen über mögliche Theorien aus. Nach der vierten ermordeten Frau wird der Anwalt William, der mit allen vier Frauen zu tun hatte, festgenommen. Spontan schreibt Hannah ihm, lässt all ihre Gefühle und Gedanken raus, ist jedoch überrascht, als William ihr tatsächlich zurückschreibt. Immer mehr vertieft sich die Beziehung zwischen ihnen – und für Hannah ist der Reiz, in einen mutmaßlichen Serienkiller verliebt zu sein, so groß, dass sie sich immer tiefer in ihrer Obsession verliert ...

Dieser Thriller ist wirklich wahnsinnig spannend geschrieben – es fiel mir sehr leicht, ähnlich wie Hannah immer tiefer in ihm zu versinken, weil er sich so flott las und es sehr faszinierend war, Hannahs obsessives Verhalten zu beobachten. Die Autorin lässt uns ungefiltert an ihren Gedanken teilhaben und beschreibt dabei Hannahs Psychologie so gut, dass ich mich auf eine sehr verquere Weise sogar in sie hineinversetzen konnte.

Durch den locker zu lesenden Schreibstil zieht die Geschichte einen von Anfang bis Ende mit, es gibt keine langsamen Stellen und allgemein ein schnelles Pacing. Darunter leidet zwar durchaus die Romanze, aber weil ich sie kaum als solche betiteln würde, machte mir das nichts aus. Hannahs und Williams Beziehung soll schließlich gar nicht realistisch sein; im Vordergrund steht definitiv Hannahs Obsession und nicht die Romantik.

Eine große Kritik habe ich aber leider: Ich fand das Finale und Ende wirklich SEHR vorhersehbar. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich mir eine klare Vorstellung davon machte, war aber am Ende ganz schön enttäuscht, weil es genau die Twists und sonstigen Enthüllungen enthielt, die ich erwartete. Der Thriller hielt für mich keine Überraschungen bereit, sodass ich letztendlich nicht zufrieden mit seinem Ausgang war.

Wer speziell einen Psychothriller lesen will, der sich auf das mentale Leben der Hauptfigur fokussiert, wird hier eine faszinierende Lektüre finden. Doch diejenigen, die unerwartete Twists und zufriedenstellende Enden lieben, wird dieser Thriller eher nicht gefallen.

This Book Kills
443 Seiten

Als Stipendiatin eines Elite-Internats hat Jess es nicht leicht. Ihr Talent ist Kreatives Schreiben und ihre neueste Geschichte handelt von einem Mord, bei dem das Opfer mit einem Pokal im Wald erschlagen wurde und der Mörder mit Zweigen das Wort „Hilfe“ auf den Boden schrieb. Kurz darauf wird Hugh Henry Van Boren, eines der reichsten Kinder der Schule, auf genau diese Art und Weise getötet – und Jess bekommt eine anonyme Nachricht, in der der Mörder ihr für die Inspiration dankt und meint, es ohne ihre Hilfe niemals geschafft zu haben. Entschlossen, herauszufinden, wer dahintersteckt, startet Jess ihre eigenen Ermittlungen – im vollen Bewusstsein, dass sie sich dadurch in Gefahr begibt …

Dieser Jugendthriller schafft es wirklich hervorragend, sein Mysterium aufzubauen. Es gibt so viele offene Fragen, falsche Fährten und mögliche Mörder, dass ich über den ganzen Roman hinweg investiert darin war, die Antworten auf die Fragen zu finden und selbst Vermutungen anzustellen. Hier hilft es auch, dass so ziemlich jede Theorie, die ich während des Lesens hatte, in der Handlung selbst erwähnt wurde, sodass es schwer war, zu entscheiden, welche sich letztendlich als richtig herausstellen würde.

Doch hier muss ich zugegeben, dass ich die Identität des Mörders etwas zu offensichtlich fand – im Sinne von „es ist immer die Person, von der man es am wenigsten erwartet“. Ich selbst hatte zwar bis zur Enthüllung ganz andere Theorien, aber nur, weil mir die Wahrheit viel zu offensichtlich erschien. Das ist für mich also eine Kritik, weil ich mir mehr überraschende Plot-Twists erhoffte.

Das heißt nicht, dass es keine gibt – tatsächlich gibt es dank der falschen Fährten so einige Überraschungen –, aber gerade deshalb war ich ein wenig enttäuscht davon, ausgerechnet bei der Identität des Mörders keine solche Überraschung bekommen zu haben.

Weil sich der Thriller immer noch sehr gut liest und mich hervorragend unterhalten hat, würde ich ihn trotzdem weiterempfehlen, aber mit der Anmerkung, dass fleißige Leser:innen von Thrillern ihn wahrscheinlich leichter durchschauen werden.

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente
336 Seiten

Arthur ist kurz davor, die Schule hinzuschmeißen, um stattdessen für seine Familie zu sorgen, als er eine Einladung nach Baskerville Hall bekommt: Ein magisches Internat, das ihm endlich die Möglichkeit bieten könnte, seine Familie zu unterstützen. Vor allem ein Platz im Geheimklub Kleeblatt könnte ihm sehr dabei helfen. Doch dazu muss er drei Prüfungen bestehen, während gleichzeitig merkwürdige Vorkommnisse in der Schule ihn auf Trab halten. Zum Glück hat er seine Freunde Jimmy und Irene, die ihn dabei unterstützen – und natürlich seinen detektivischen Spürsinn!

Als Sherlock-Holmes-Fan konnte ich natürlich nicht widerstehen, diese buchstäblich fantastische Erzählung der kindlichen Abenteuer von Arthur Conan Doyle zu lesen, die es wunderbar schafft, sowohl die Krimi- als auch die Fantasyelemente hervorragend miteinander zu verbinden. Obwohl es sich hierbei offiziell um ein Kinderbuch handelt, hatte ich auch als Erwachsene sehr viel Spaß damit – was teils sicherlich an meinem Faible für Sherlock Holmes liegt, meines Erachtens aber nicht nur. Ali Standish hat es auch so geschafft, ein wunderbares Abenteuer zu schreiben!

Es fängt mit Arthur an, der schlichtweg ein großartiger Protagonist ist. Nicht nur hat er tatsächlich eine sehr gute Kombinationsgabe, die im Verlauf der Geschichte regelmäßig unter Beweis gestellt wird, sondern ist im Allgemeinen ein sehr sympathischer Held, mit dem man sich gerne identifiziert. Er macht nicht immer alles richtig, ist aber entschlossen, letztendlich das Richtige zu tun. Seine Qualitäten haben ihn wirklich zu einem hervorragenden Protagonisten gemacht!

Seine Freunde helfen ihm natürlich, wobei es Ali Standish sehr gut geschafft hat, mit meinen Erwartungen zu spielen. Sobald ich erfuhr, dass Arthurs beste Freunde Jimmy Moriarty und Irene Eagle heißen, hab ich erst mal ganz schön gestarrt, gespannt darauf, wie die Freundschaft der drei sich wohl entwickeln würde … und war äußerst zufrieden mit der Umsetzung! Dazu kommt, dass die Handlung allgemein ein paar unerwartete Twists hat, die aufmerksame Leserinnen und Leser belohnt. (Ich gehörte nicht dazu und war aufrichtig überrascht über die Enthüllungen, was ich aber umso besser fand. ;))

Es gibt noch weitere Referenzen an den echten Sir Arthur Conan Doyle und seine Romane, die teils im Anhang erklärt werden, so oder so aber gut in die eigentliche Handlung eingebunden waren. Bestimmt können andere Sherlock-Holmes-Fans hier noch viel mehr als ich selbst finden!

Neben all dem Lob habe ich nur eine einzige Kritik: Nämlich, dass ein paar der wichtigeren Nebencharaktere (speziell Arthurs andere Freunde Pocket und Grover, aber auch der Fiesling Sebastian) sehr eindimensional wirkten. Es schien, es hätten sie buchstäblich ein einziges Interessengebiet, was sie nicht zu besonders interessanten Charakteren machte. Hier würde ich mir wünschen, dass der zweite Band ihnen mehr Fokus gibt, um sich als dreidimensionale Charaktere zu etablieren.

Letztendlich war das aber auch meine einzige Kritik, denn der Rest dieses abenteuerlichen Kinderbuchs konnte mich problemlos überzeugen!