Bücherregal lädt …
– This Kingdom Will Not Kill Me (Maggie the Undying 1)
 654 Seiten

Eines Tages wacht Maggie plötzlich in Kair Toren auf, dem Schauplatz ihrer liebsten Fantasyreihe. Früh stellt sie fest, dass sie sich am Anfang der Geschichte befindet – und nicht sterben kann. Entschlossen, ihre liebsten Charaktere zu retten, beginnt sie, ihr Wissen um die Welt für sich zu nutzen und Verbündete um sich zu scharen, um die schrecklichen Ereignisse, die in der Zukunft warten, zu verhindern. Doch das ist leichter gesagt als getan: Maggies Wissen ist zwar groß, aber nicht unendlich, und obwohl sie große Veränderungen bewirkt, scheint die Handlung sich gegen ihr Eingreifen zu wehren …

Was für ein fantastischer Roman! Oder sollte ich eher sagen: Was für eine fantastische Protagonistin, denn die ist dafür definitiv der Hauptgrund. Maggie kennt sich nicht nur fantastisch mit der Welt und ihren Charakteren aus, sondern auch mit dem Genre, in dem sie sich befindet und den Erwartungen, die man als Protagonistin eines solchen Romans haben sollte. Das allein schon hat sie zu einer erfrischenden, grandiosen Protagonistin gemacht – und dann wurde sie nur noch besser!

Nicht nur war sie unglaublich sympathisch, sondern auch unglaublich intelligent: Ich liebte die zahlreichen Szenen, in denen sie das Wissen um die Charaktere einsetzt, um ihnen entweder zu helfen und eine bessere Zukunft für sie einzuleiten oder ihnen zu drohen und ihren Einfluss auf die Handlung einzuschränken. Das war so unglaublich zufriedenstellend zu lesen, weil es zwar auch Handlungsstränge gibt, die sie nicht kommen sieht, es aber insgesamt Maggie selbst ist, die die Handlung vorantreibt. Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal eine so aktive, intelligente und sympathische Protagonistin erlebt habe, die nicht nur als solche beschrieben wird, sondern zahlreiche Szenen bekommt, in denen sie ihre Stärken zeigen kann. All diese Szenen gehörten deshalb zu meinen liebsten – es war jedes Mal wieder großartig, wenn Maggie mit ihrem Wissen glänzte!

Und das ist immer noch nicht alles: Ich liebte es auch, wie sie ihr Wissen aus unserer Welt zu ihrem Vorteil nutzte und vor allem, dass sie ihre Freiheit einer Romanze vorzog und für sich selbst einstand, anstatt sich dem männlichen Protagonisten zu unterstellen. Ich hoffe stark, dass das so bleibt, denn ihre Eigenständigkeit gehörte definitiv zu ihren besten Qualitäten; gleichzeitig mochte ich es auch, dass sie nicht perfekt war, Fehler machte, Szenen voller Unsicherheit und Angst hatte und unerwartete Entwicklungen sie hart trafen. Ernsthaft: Sie ist eine der besten Protagonistinnen, über die ich je gelesen habe!

Im Vergleich zu ihr sind die anderen Charaktere zwar schwächer, aber immer noch sympathisch genug, dass man sie leicht ins Herz schließt. Während ich die Romanze vor allem deshalb mochte, weil Maggie ihretwegen ihre Selbständigkeit nicht aufgeben wollte, mochte ich ihre Freundschaften zu den anderen Charakteren (vor allem Aster und Kaiden) sehr. Aber tatsächlich war es Galiene, die ich von allen am meisten liebte: Sie ist eigentlich nur ein Nebencharakter, hinterließ aber einen starken Eindruck als die erste Person, deren Schicksal Maggie zum Besseren wandte.

Was die Geschichte in der Geschichte angeht – mit anderen Worten, die Geschichte, in die Maggie eingreift –, fühlten sie die Welt und die Charaktere sehr realistisch an, nur die Handlung dieser fiktiven Romanreihe blieb recht undurchsichtig. Maggie erwähnte Handlungsstränge zwar und griff aktiv in sie ein, aber dadurch, dass sie vor allem mit Nebenhandlungen zu tun hat, bekam ich keinen Eindruck davon, was eigentlich die Haupthandlung der Kair-Toren-Reihe ist. Mir kam sie ein wenig Game-of-Thrones-mäßig vor (verschiedene Handlungsstränge mit moralisch grauen Charakteren und zahlreichen Toten), aber viel mehr könnte ich nicht über sie sagen.

Doch da ohnehin Maggies Einfluss auf die Geschichte eine größere Rolle spielt als die In-Universe-Handlung, machte mir das nichts aus, weil sie wie gesagt ein fantastischer Charakter war, die die gesamte Handlung bereicherte. Insofern ist diese Geschichte vor allem für Fans von Dark Fantasy geeignet, die aktive Protagonisten lieben!

– Cleo, Chaos und Konfetti
 184 Seiten

Cleo freut sich nicht besonders darüber, ein Achtsamkeitstagebuch gewonnen zu haben, aber benutzen will sie es probehalber trotzdem. Außerdem steht bald Fasching an, was so einige Vorbereitungen und Probleme mit sich bringt: Als was nur soll Cleo an Fasching gehen? Mal ganz davon abgesehen, dass der Alltag auch ganz schön drüber und drunter geht, was für Cleos Gehirn manchmal eine Überforderung darstellt ...

Was für ein grandioses Kinderbuch! Unglaublich unterhaltsam und vor allem witzig zu lesen, sodass ich tatsächlich mehrmals laut auflachen musste, weil Cleos Humor so fantastisch war! Das beste daran war, dass Cleo selbst nicht bewusst zu sein schien, wie witzig sie ist, aber so oder so liebte ich ihren Humor unglaublich - allein schon, weil er für alle Altersgruppen geeignet ist!

Die Tatsache, dass Cleo ADHS hat, spielt im Roman durchaus eine Rolle, aber keine ausschließliche, sodass es meiner Meinung nach egal ist, ob man selbst neurotypisch oder neurodivers ist – so oder so erwartet einen eine großartige Geschichte.

Neben Cleos Humor mochte ich auch ihre Infoblöcke, in denen sie Fun Facts über diverse Themem vorstellt, die sie gerade beschäftigen, sowie ihre witzigen (und gleichzeitig passenden) Antworten auf die Fragen in ihrem Achtsamkeitstagebuch.

Ansonsten wird hauptsächlich ihr regulärer (Schul-)Alltag beschrieben, aber das auf so herrliche und humorvolle Art, dass es mir unglaublich viel Spaß machte, Cleos Erlebnisse über den Monat hinweg, in dem das Buch spielt, zu verfolgen.

Für mich ist das Buch zu einem richtigen Highlight geworden, das nicht nur für Kinder geeignet ist!

– Kissed by the Gods – Die ewigen Kriege
 619 Seiten

Als Soldaten Leinas Eltern töten und ihre Brüder bedrohen, entwickelt sie übermenschliche Kräfte, mit denen sie sie tötet. Ryot, ein Altor-Krieger, soll sie daraufhin hinrichten – aber als er feststellt, dass sie Altor-Kräfte besitzt, als erste Frau in der Geschichte Aesgroths, bringt er sie stattdessen zu dem Sitz der Altor-Wächter, damit sie dort ihre Ausbildung anfangen kann. Leina, entschlossen, ihrer Familie zu helfen, stimmt zögernd zu, doch mit der Ausbildung beginnen erst die Schwierigkeiten, mit denen Leina sich herumschlagen muss – und zwar, als sie von einer Göttin geküsst wird …

Die Geschichte fängt gut an und entwickelt sich zunächst auch interessant, aber leider gelingt es ihr letztendlich nicht, dieses Interesse konstant zu halten. Das liegt vor allem daran, dass in der langen Mitte der Handlung nur wenig passiert. Es gibt zwar durchaus ein paar interessante Nebenhandlungen und Szenen, aber letzten Endes langweilte ich mich während dieser Durststrecke dann doch ein wenig zu sehr.

Auch, was die Charaktere angeht, konnten diese nicht vollständig überzeugen, auch wenn mir durchaus so einige gefielen. Am Anfang mochte ich Leina zum Beispiel unglaublich gerne, aber irgendwann war sie mir zu fokussiert auf ihre Wut und auch etwas zu übermächtig – nichts gegen wütende und mächtige Protagonistinnen, aber sie sollten auch andere Charakterzüge und Schwächen zeigen. Trotzdem mochte ich sie letztendlich immer noch sehr gern und wünschte, ihre Romanze mit Ryot hätte mir besser gefallen, denn ich empfand sie als sehr schwach, weil Ryot als Charakter so blass blieb und ich nicht verstand, was sie aneinander fanden.

Tatsächlich waren es die Nebencharaktere, die mich am meisten überzeugten: Die Heilerin Elowen war unglaublich sympathisch, Leif und Faelon beide sehr heitere und lebendige Charaktere, die Romanze zwischen Nyrica und Thalric für mich einnehmender als die Hauptromanze und der Älteste ein mysteriöser Charakter. Es gibt sogar noch mehr, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen, aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass ich die Nebencharaktere mehr mochte als die Hauptcharaktere, obwohl sie gar nicht mal so viel Tiefe bekamen. Dafür war ihr Eindruck stets erinnerungswürdig und ich hätte gerne noch mehr zu ihnen erfahren.

Auch die Twists gegen Ende gefielen mir sehr gut, weil sie die richtige Mischung aus überraschend und logisch waren, aber letztendlich reichten sie nicht aus, um den Gesamteindruck wesentlich zu verändern; ich fand die Geschichte mitnichten schlecht, aber leider auch nicht gut genug, um weiterlesen zu wollen.

– Secret – Du sollst mich fürchten
 224 Seiten

Lana Myers ist eine Serienkillerin, die sich an den Männern rächt, die ihr damals Leid angetan haben. Doch als sie auf den FBI-Agenten Logan Bennett trifft, trifft sie zum ersten Mal auf einen Mann, der sie auf positive Weise fasziniert – allerdings auch ein Profiler ist, der ihre wahre Identität mühelos durchschauen könnte. Während die beiden sich langsam näherkommen, ist Logan zudem entschlossen, den Mörder der Männer zu finden, die Lana umgebracht hat …

Dieser locker zu lesende Thriller ist aufgrund seines flotten Schreibstils wunderbar zu lesen und bietet eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre, die mir viel Spaß gemacht hat.

Lana ist nicht nur eine fähige, sondern auch eine überraschend sympathische Protagonistin, in die ich mich erstaunlich gut hineinversetzen konnte, auch wenn ihre Aktionen sehr extrem sind. Tatsächlich mochte ich sie sogar mehr als Logan, weil es bei ihr mehr Szenen zum Mitfiebern gab, da sie schließlich ihre wahre Identität vor ihm geheim halten muss. Die Ironie in ihren Begegnungen war herrlich zu lesen, ihre Romanze jedoch noch nicht hundertprozentig überzeugend.

Die beiden haben zwar durchaus Chemie miteinander und ich mochte speziell ihre Textnachrichten sehr gerne, aber die Romanze entwickelt sich recht schnell, nahm viel Raum ein und war dabei eher auf das Körperliche fokussiert, weshalb ich den romantischen Anteil dieser Romanze nicht besonders stark spürte. Hier hoffe ich, dass spätere Bände die emotionalen Aspekte stärker hervorheben werden.

Lanas Mordpläne spielen im Gegensatz zur Romanze eine eher untergeordnete Rolle und sind vor allem am Anfang und am Ende relevant, dazwischen aber eher nicht; was vielleicht auch ganz gut so ist, denn die Brutalität, mit der Lana vorgeht, ist nicht zu unterschätzen. Wir erleben zwar nicht direkt die Momente, in denen sie die Männer foltert, doch die Beschreibungen danach reichen allemal aus, um es sich vorzustellen.

Inwiefern die Art und Weise, wie Lana und Logan in ihren jeweiligen Berufen vorgehen, realistisch ist, kann ich nicht beurteilen, aber sie ist auch nicht der Fokus der Geschichte, weshalb sie mir auch nicht allzu wichtig war. Etwas, von dem ich dagegen gerne noch mehr gesehen hätte, sind andere Charaktere – natürlich kommen welche vor, aber nur Lanas bester Freund Jake hinterlässt einen bleibenden Eindruck, weil der Fokus so stark auf Lana und Logan selbst liegt.

Einen mittelgroßen Twist gibt es am Ende, ansonsten besticht der Roman vor allem dadurch, dass er einen auch eine große Twists gut mitreißt, weil die Ausgangssituation so fesselnd ist. Deshalb würde ich ihn vor allem Freida-McFadden-Fans empfehlen, mit der einzigen Anmerkung, dass dieses Buch gewalttätiger ist – aber dafür genauso locker zu lesen und mit einer spannenden Romanze im Fokus.

– Die Schule des Meeres - Ruf aus der Tiefe
 212 Seiten

Seit elf Jahren lebt Fynn im Waisenhaus, doch hat er sich nie zugehörig gefühlt und verbringt seine Zeit viel lieber am Meer. Trotzdem hätte er nicht erwartet, dass seine Verbindung zu ihm weitaus stärker ist, als er je ahnte – bis ein Kapitän ihn adoptiert und ihn kurzerhand nach Akademar, die Schule des Meeres, bringt. Hier hofft Fynn, das Zuhause zu finden, nach dem er sich schon so lange sehnte, doch als sein Seelentier sich ausgerechnet als Oktopus erweist, fürchtet Fynn, dass die Herausforderungen gerade erst angefangen haben …

Dieses Kinderbuch war eine positive Überraschung, denn obwohl es eine eigentlich familiäre Geschichte erzählt, hat es mir ungewöhnlich viel Spaß gemacht!

Das fängt schon mit Fynn an, der ein sehr sympathischer Protagonist war, in den ich mich sehr gut hineinversetzen konnte; für mich war er die große Stärke des Romans, weil es so leicht war, mit ihm mitzufiebern und seine Geschichte gespannt zu verfolgen. Auch seine Freundschaft mit Loki, seinem Oktopus, war gut umgesetzt und hat mir sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stachen dagegen nur zwei hervor: Einmal der Kapitän, der Fynn zu Anfang adoptiert hat und von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte, weil seine Rolle so undurchsichtig schien; und dann noch Atalante, eine Mitschülerin Fynns, die mich ebenfalls positiv überraschte, weil ich ihre Charakterentwicklung nicht kommen sah. Alle anderen Charaktere bleiben größtenteils eindimensional, erfüllen ihren Zweck allerdings gut – es gibt viele bekannte Archetypen.

Auch, was die Handlung angeht, gibt es keine großen Überraschungen, weshalb ich umso überraschter war, wie viel Spaß es mir dennoch machte, sie zu verfolgen. Trotz des limitierten Worldbuildings, trotz der Tatsache, dass die Handlung aufgrund der Altersklassifizierung nicht so ausführlich ist, wie sie es hätte sein können – trotz alldem habe ich sie vollauf genossen und plane, auch den zweiten Band zu lesen, in der Hoffnung, dass er einige der Punkte weiter ausbaut.

Insgesamt ein tolles Kinderbuch für die Altersgruppe, das ein wunderbares Abenteuer bietet!

– Canvas (Cryptos, Band 2)
 449 Seiten

Ein Jahr nach den Ereignissen des letzten Bandes erhält Jana zu ihrem Schrecken die Nachricht, dass Lauritz, der Hauptakteur hinter den damaligen Ereignissen, aus MinusNull geflohen ist. Der einzige Weg, ihn zu finden, scheint Janas neue Welt zu bieten: Canvas, eine Art Jobbörse, mit dessen Hilfe man sich als Ambient, eine Art Statist, in verschiedene Welten stationieren kann, ohne selbst erkannt zu werden. Doch schon bald merkt Jana, dass sie nicht die einzige ist, die diese praktische Welt für sich nutzt …

Ich bin sehr froh, dass ich direkt vor dem zweiten Teil den ersten noch einmal gelesen habe, denn es handelt sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung, die das Wissen des ersten Bandes voraussetzt und auf jeden Fall leichter zu lesen ist, wenn man noch alle Charaktere und ihre Rollen frisch im Kopf hat.

Dieser Band hat vor allem eine gute Mystery, was so weit ging, dass ich zwar wusste, was genau nicht stimmte, mir aber einfach nicht erklären konnte, wie das möglich sein sollte und ganz schön gestarrt habe, als das Geheimnis dahinter herauskam. Zugegeben gibt es auch sehr leichte Rätsel, die ich in dem Moment löste, in dem alle Puzzleteile mir zur Verfügung standen, doch dafür eben auch welche, bei denen ich wenig bis keine Ahnung hatte und deshalb gespannt war, wohin das Buch mich führen würde. Andere Leserinnen und Leser werden sicher ebenfalls etwas zu leichte und ein paar undurchschaubare Rätsel entdecken, aber die Mischung war zumindest für mich in Ordnung.

Die Ambientes spielen eine große Rolle und werden zu meiner Zufriedenheit sehr gut genutzt: Es machte Spaß, Jana dabei zuzuschauen, wie sie andere Rollen übernimmt und dabei versucht, nicht erwischt zu werden, aber auch, wie sie versucht, die wahren Identitäten hinter anderen Rollen zu durchschauen. Das Weltenhoppen war für mich wieder der beste Teil; wir lernen einige neue Welten kennen und auch ein paar bekannte, aber so oder so war es großartig, die vielen Facetten der virtuellen Realitäten zu sehen.

Zu meiner Überraschung mochte ich die Romanze zwischen Jana und Tivon, die ich im ersten Band nicht besonders realistisch fand, in diesem Band sehr. Die beiden verbringen tatsächlich viel Zeit miteinander, tauschen liebevolle Gesten aus und zeigen allgemein eine Chemie, die mich sehr investiert in ihre Beziehung machte. Leider sind andere Charaktere dafür schwächer vertreten; sie kommen natürlich vor, aber keiner hinterließ einen so starken Eindruck wie Jana und Tivon.

Das Ende geschah ein wenig zu plötzlich und wurde meiner Meinung nach etwas zu schnell und glatt gelöst, sodass ich erst einmal eine Weile brauchte, um überhaupt zu verstehen, warum die Ereignisse sich gerade überschlagen. Zudem sind durchaus noch Fragen offen, z.B., inwiefern die Menschen wieder in der realen Welt leben können werden; es gibt zwar Andeutungen auf eine Verbesserung, aber eine echte Lösung wurde leider noch nicht gefunden. Wer weiß also, ob wir noch einen dritten Teil bekommen.

Letztendlich ein gelungener zweiter Band, bei dem mir vor allem die verschiedenen Welten und Rätsel sehr gefielen!

– Cryptos
 443 Seiten

Jana ist eine erfolgreiche Weltendesignerin, doch ausgerechnet in ihrer friedlichsten Welt Kerrybrook geschieht ein mysteriöser Mord – und zwar ein echter, was in den virtuellen Welten gar nicht möglich sein sollte. Um den Mord aufzuklären, sucht Jana in den verschiedenen Welten nach Hinweisen, worauf sie immer wieder auf das Motiv einer aufgespießten Taube stößt. Als sie die Welten verlassen will, stellt sie mit Schrecken fest, dass das nicht möglich ist, und erfährt zudem, dass ein Tod in einer der Welten für sie final wäre …

Ich habe Cryptos bereits vor sechs Jahren gelesen, doch zum Erscheinen des zweiten Bandes wollte ich mein Wissen auffrischen, weil ich zwar noch vieles in Erinnerung hatte, aber einiges nicht mehr und deshalb sicher gehen wollte. (Außerdem hatte ich ohnehin Lust, das Buch wieder zu lesen.) Es war wieder ein spaßiges Lesevergnügen, durchaus mit ein, zwei Kritikpunkten, aber sowohl unterhaltsam als auch zum Nachdenken anregend.

Damals liebte ich vor allem die verschiedenen Welten und tue es immer noch, weshalb mir vor allem die erste Hälfte des Romans sehr gut gefällt, in der Jana durch diese verschiedenen Welten reist. Was mir aber bei diesem Re-Read sehr positiv aufgefallen ist, sind die vielen subtilen Hinweise darauf, wie schlimm es in der realen Welt ist. All diese Hinweise habe ich beim ersten Mal definitiv überlesen, weshalb es umso interessanter war, sie bei diesem Re-Read zu entdecken. Vor allem die Art und Weise, wie sie nebenbei eingebaut wurden und Jana am liebsten auch ihre Zeit nur in virtuellen Welten verbringen würde, fand ich großartig, weil es leicht war, sich in sie hineinzuversetzen und die vielen kleinen Kommentare zur realen Welt zu ignorieren. Das machte die Geschichte auf erschreckende Weise noch realer.

Janas Romanze mit Tivon fand ich leider nicht besonders überzeugend, weil ich nur freundschaftliche Chemie zwischen ihnen spürte, weshalb ich ihren besten Freund Matisse und ihren Bruder Monty lieber mochte, obwohl sie nur wenig Screentime hatten. Tivon als Charakter war immer noch gut, aber die Romanze hätte meiner Meinung nach mehr Szenen gebraucht.

Zu den Dingen, die ich nicht mehr in Erinnerung hatte, gehörte das Ende – und das aus gutem Grund, weil es sehr offen und überhaupt nicht zufriedenstellend war. Umso froher bin ich, dass es eine Fortsetzung gibt, die die offenen Handlungsstränge hoffentlich auf gute Weise abschließen wird!

– Kian und das Erbe des Lichts
 304 Seiten

Seit zwölf Jahren gab es keinen Sommer und keine neuen Kinder, doch der zwölfjährige Kian hätte trotzdem nicht erwartet, dass ausgerechnet er, das jüngste Kind, die Macht haben soll, den Sommer zurückzuholen. Dafür muss er in die Unterwelt Annwn reisen und dort einen Weg finden, König Arawn zu besiegen, der über den Winter wacht und verschiedene Drachenarten kontrolliert. Seine Freunde Deryn, Finn und Eos helfen ihm dabei, doch letztendlich liegt es an ihm, die wichtigste Fähigkeit von allen zu Meistern: Das Heraufbeschwören eines Wasserpferds …

Dieses Kinderbuch bietet ein sehr cineastisches Abenteuer, das mir gut gefallen hat, doch bevor ich darauf eingehe, muss ich unbedingt auf eine verpasste Gelegenheit aufmerksam machen, an die ich über den ganzen Roman hinweg dachte: Wie schade ich es fand, dass Kian nicht von seinem besten Freund Jona begleitet wurde. Die wenigen Szenen, die sie im ersten Kapitel hatten, haben mich sehr beeindruckt und mich wünschen lassen, noch mehr von ihnen zu sehen, aber leider taucht Jona nur noch einmal kurz am Ende auf. Zwar denkt Kian natürlich regelmäßig an ihn und er dient auch als Motivation, seine Aufgabe gut zu erledigen und nach Hause zurückzukehren, aber ich kam nicht umhin, mir zu wünschen, z.B. Jona und den fröhlichen Finn zu ein und derselben Person zu machen, allein schon, damit diese einnehmende Freundschaft über das erste Kapitel hinaus bestehen kann. (Dasselbe gilt teils auch für Kians Eltern, von denen ich zwar durchaus erwartet habe, dass er sie verlassen muss, von denen ich mir aber auch gewünscht hätte, sie an seiner Seite zu sehen, weil ich sie so mochte.)

Gut, nachdem ich das losgeworden bin, kann ich auf den eigentlichen Roman eingehen, der meiner Meinung nach vor allem durch die bereits erwähnten cineastischen Szenen brilliert. Und das liegt nicht nur an den wunderschönen Innen-Illustrationen von Marina Vidal oder an dem wunderschönen Cover von Khadijah; Caryl Lewis‘ Schreibstil erlaubte es auch so, mir viele Szenen mühelos vorzustellen, von Kian, der sein Wasserpferd heraufbeschwört und reitet (was meine persönlichen Lieblingsszenen waren) bis zu ruhigeren Momenten mit seinen Freunden, spannenden Momenten mit den feindseligen Drachen und vielen Szenen mehr. Die Handlung lief fast schon wie ein Film vor mir ab und das gefiel mir sehr gut.

Deryn, Finn und Eos hätte ich gerne noch mehr kennengelernt; ich mochte sie durchaus (auch, wenn ich eine falsche Fährte bezüglich einem von ihnen etwas zu offensichtlich fand), aber ich wünschte, ich hätte in ihrer Freundschaft die Tiefe gesehen, die mich bei Kian und Jona trotz ihrer stark begrenzten Screentime so beeindruckt hat. Natürlich ist das hier ein Kinderbuch, bei dem man nicht unbedingt die Zeit hat, sich alles langsam entwickeln zu lassen, aber es mangelte mir trotzdem stark an mehr Informationen, Gesprächen und persönlichen Szenen mit den drei, die es mir erlaubt hätten, sie näher kennenzulernen.

Das Finale und Ende waren sehr zufriedenstellend und enthielten eine Botschaft, die ich gerne auch außerhalb von Kinderbüchern lesen möchte, wobei das Ende durchaus Raum für mehr Abenteuer lässt, die Geschichte aber so gut abschließt, dass ich sie auch als Einzelband mit Freuden akzeptiere. Sie bot schlicht ein spaßiges Abenteuer, das sich auch wirklich wie eines anfühlt!

– Ist doch schön hier
 429 Seiten

Liesel möchte die Geschichte ihrer Großmutter Emmi aufdecken, weshalb sie eine Reise nach Polen plant, um dort die Antworten zu finden, die ihre inzwischen demente Großmutter nicht mehr geben kann. Eigentlich plant sie nicht, jemanden mitzunehmen – doch durch eine Verkettung unglücklicher Entscheidungen begleitet sie nicht nur ihre Großmutter, sondern auch der Altenpfleger Jascha. Auf der Reise hofft Liesel zudem, sich selbst zu finden – und entdeckt letztendlich mehr, als sie jemals erwartet hätte …

Ich hatte die Geschichte auf Empfehlung gelesen (und weil sie interessant klang), doch letztendlich entsprach sie leider nicht meinem Geschmack.

Das fängt bereits mit Liesel an: Sie war eine leider recht unsympathische Protagonistin, die fast alles negativ sah, fast nur das Schlimmste von anderen annahm und mir, um ehrlich zu sein, ganz schön auf die auf die Nerven ging. Und dabei konnte ich ihren Unmut durchaus nachvollziehen, denn wenn ich in ihrer Situation gewesen wäre, wäre es mir wohl auch schwer gefallen, ständig positiv zu denken und immer freundlich zu meinen Mitmenschen zu sein – aber trotzdem sorgte es für ein nicht besonders angenehmes Leseerlebnis. Zwar wird Liesel gegen Ende etwas besser, aber ihre negative Art wird sie nie ganz los.

Jascha gefiel mir dafür schon besser, aber die Romanze zwischen den beiden kam mir nicht besonders realistisch vor; die beiden hatten fast keine Chemie miteinander, weil Liesel sich konstant über Jascha beschwerte und höchstens seine äußerlichen Attribute lobte. Zugegeben glaube ich auch nicht, dass ihre Romanze als eine ewig währende geschrieben wurde, aber trotzdem hätte ich gerne mit den beiden mitgefiebert.

Die eigentliche Reise war wohl das Highlight des Romans. Ich mochte es, wie Emmi hier eingebunden wurde und sogar Liesel etwas positiver eingestellt war; die Reise war überraschend friedlich und tatsächlich schön, auch wenn es bis zu ihrem Anfang eine Weile dauert und sie eher Fragen als Antworten bietet. Tatsächlich hatte ich mich schon halb darauf eingestellt, dass wir gar keine Antworten bekommen werden, weil es z.B. auch gar keine Rückblicke gab, die uns welche hätten geben können; und obwohl ich diese tatsächlich schmerzhaft vermisst habe (es war schwer, sich um Charaktere zu sorgen, die nur erwähnt werden, statt leibhaftig aufzutauchen), war ich froh, dass wir letztendlich die Antworten bekamen.

Davor allerdings gibt es eine überraschend schockierende Handlungsentwicklung, die ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mochte, weil sie so viele zufriedenstellende Antworten, Handlungsrichtungen und Charakterentwicklungen unmöglich machte. Gerade, weil ich stark darauf hoffte, dass eine bestimmte Beziehung zwischen zwei Charakteren sich auf positive Weise entwickeln würde, war ich umso deprimierter, dass die Handlung in eine ganz andere Richtung ging. Auch bei den Offenbarungen, die danach kamen, war eine dabei, die mich unter anderen Umständen dazu gebracht hätte, das Buch abzubrechen, weil sie so schrecklich war – aber dafür gab es auch zwei sehr zufriedenstellende Enthüllungen, die bereits vorher angedeutet wurden und die ich sehr mochte, weil sie so viele Fragen beantworteten.

Obwohl das Buch gute Momente hatte, ließ es mich letztendlich mit dem Wunsch zurück, eine andere Geschichte zu lesen – nämlich die von Emmi, die wir zwar erfahren, die aber noch einnehmender gewesen wäre, hätten wir sie wirklich erlebt.

– Iggy und das T-Shirt des Schreckens
 272 Seiten

Iggy möchte einfach nur ein normaler Junge sein, was mit seinem Tic nicht ganz einfach ist. Um möglichst unauffällig zu sein, hat er für die morgige Monatsfeier in seiner Schule bereits sein strahlend weißes T-Shirt vorbereitet. Doch dann taucht Yumiko, ein Katzenmädchen aus Japan, urplötzlich vor ihm auf und bringt alles durcheinander, einschließlich seines T-Shirts. Im Versuch, das T-Shirt zu säubern und Yumiko nach Hause zu helfen, starten die beiden ein Abenteuer, das sie so schnell nicht wieder vergessen werden …

Das charmante Cover und die Zeichnungen im Buch regten mich dazu an, die Geschichte zu lesen, weil sie nach einem spaßigen Abenteuer aussah, das eventuell auch Erwachsenen Freude bereitet. Doch leider muss ich sagen, dass ich es letztendlich nicht genießen konnte, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: Yumiko.

Für mich war sie leider die große Schwäche des Romans, weil sie mir sehr unsympathisch war und ihre zahlreichen Missgeschicke mir immer mehr auf die Nerven gingen. Was ganz am Anfang noch lustig war, verwandelte sich sehr schnell in ein sehr frustrierendes Leseerlebnis: Etwa 95% der im Roman vorhandenen Probleme werden durch Yumiko ausgelöst, speziell durch ihre Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit. Es waren so viele vermeidbare Szenen, dass ich irgendwann einfach nur mit den Augen rollte, wenn Yumiko schon wieder ein Missgeschick geschah.

Doch das Frustrierende war nicht Yumikos Unvorsichtigkeit an sich, sondern die Tatsache, dass sie nie aus ihr lernte. Statt irgendwann zu realisieren, dass sie achtsamer und behutsamer mit ihren (und anderen) Gegenständen umgehen sollte, macht sie ihr Pech bzw. ihr Schicksal dafür verantwortlich, wenn wieder etwas schief geht. Anstatt zu begreifen, dass sie selbst der Auslöser für die meisten Probleme ist, was ihr erlaubt hätte, eine Charakterentwicklung durchzumachen, bleibt sie die ganze Zeit so ungeschickt, ruft nur „oh Gott, oh Gott, oh Gott“ und lamentiert über ihr Pech, das sie zu verfolgen scheint. Dabei ist es nie Pech, sondern schlicht Yumikos mangelndes Bewusstsein für ihre Umgebung. Ich las das Buch zu Ende in der Hoffnung, dass Yumiko am Ende eine wichtige Lektion für ihr eigenes Leben lernt und war sehr enttäuscht, als dem nicht der Fall war.

Iggy mochte ich dafür sehr gerne, konnte mich gut in ihn hineinversetzen, war investiert in seinen Charakter und die Beziehung zu seinem Vater Andy (von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte) und war äußerst zufrieden mit der Art und Weise, wie die Geschichte mit dem T-Shirt endete. Nach all dem Frust durch Yumikos Verhalten war ich positiv überrascht darüber, wie sehr mir der Abschluss von Iggys Geschichte gefallen hat.

Dadurch, dass Yumiko aus Japan stammt, kommen übrigens so einige japanische Ausdrücke vor, die zwar in der Regel erklärt werden, mich ab und an aber doch verwirrten. Ich bin mir nicht sicher, ob Kinder der Altersgruppe noch verwirrter als ich sein werden oder im Gegenteil begeistert von der Inkorporation japanischer Begriffe und Denkweisen, aber ich wollte es auf jeden Fall erwähnt haben.

Letztendlich war das Buch leider nichts für mich, weil ich kein Fan der typisch ungeschickten Manga-Heldin bin, doch hoffe ich trotzdem, dass die eigentliche Zielgruppe mehr Freude an der Geschichte haben wird.

– Crazy Family (Band 5) - Die Hackebarts rocken die Schule
 171 Seiten

Direktor Schwarz braucht dringend die Hilfe der Hackebarts: Der Schulinspektor Otto Säuerlich möchte in drei Tagen die berüchtigtste Klasse der Schule, die 7 z, überprüfen. Alle Lehrer bis auf den beliebten El Zorro haben sich krank gemeldet und die einzige Hoffnung des Direktors liegt in der schlauen Lulu. Aber auch die anderen Hackebarts sind begeistert von der Vorstellung, ihre eigenen Lieblingsfächer zu unterrichten – bis sie die Klasse 7 z tatsächlich kennenlernen …

Witzig geht es auch im fünften Band weiter, und zwar mit einer tollen Idee: Die Hackebarts, die die wohl katastrophalste Klasse der Welt für einen Tag unterrichten müssen. Bis zum eigentlichen Tag dauert es zwar ein wenig, weil zunächst die Grundsteine der Handlung gelegt werden und die Hackebarts die Klasse zunächst in einem Übungstag kennenlernen, doch bereits da bedient sich Markus Orths seinem fantastischen Humor. Ich mochte vor allem seine genialen Wortwitze!

Das eigentliche Highlight bleibt natürlich immer noch der Unterrichtstag selbst. Adrijana mit Sport und Musik (zumindest theoretisch), Mönkemeier mit einer kreativen Kunststunde, Zosch mit Informatik (beziehungsweise: Zocken und Hacken), Lulu mit einer sehr erheiternden Deutschstunde, Brooklyn mit einem sehr erinnerungswürdigen Chemie-Experiment und zum Schluss Opa Hackebart mit Geschichte (und ein paar Themen mehr). Jede einzelne dieser Stunden war ein Highlight für sich und zusammengenommen bilden sie den wohl besten Teil des Buches. Ich mochte aber auch die Autofahrt mit Opa Hackebart und Walter, die zwar nur eine kleine Rolle spielt, aber ebenfalls witzig zu lesen war.

Von den neu eingeführten Charakteren hätte ich gerne noch mehr von El Zorro gesehen – er hat zwar seine Auftritte und sorgte für einen guten Abschluss, aber mir hätte es nichts ausgemacht, ihn noch öfter zu sehen, weil er schlicht ergreifend cool war!

Insgesamt ein gelungener Crazy-Family-Band, der nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken einlädt!

– Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Verrat
 667 Seiten

Harry Dresden ist ganz schön überrascht, als ihn ausgerechnet der Hüter Morgan, mit dem er bisher ein feindliches Verhältnis hatte, um Hilfe bittet. Der Rat hat scheinbar klare Beweise dafür, dass Morgan einen Mord begangen hat, während selbst Harry weiß, dass Morgan eher sterben würde, als seine überaus strengen Moralgrundsätze aufzugeben. Er muss herausfinden, wer der wahre Verräter im Rat ist, während er sich gleichzeitig mit persönlichen Problemen herumschlagen muss ...

Ich hatte es schon im ersten Band geahnt, aber dieser hier zeigte mir besonders stark, dass ich einfach nicht die Zielgruppe für diese Reihe bin.

Und das liegt nicht an der eigentlichen Story, die mit der Einführung von Skinwalkern einen tollen Schritt getan hat. Zwar war die Handlung manchmal vor sich hin tröpfelnd und ich hatte oft Schwierigkeiten, ihrer Entwicklung zu folgen, aber trotzdem gab es ein paar wirklich großartige und spannende Szenen, die mir sehr gefielen. Gerade der letzte Handlungsstrang auf der Insel war besonders gut und spannend.

Nein, es liegt an der Darstellung der weiblichen Charaktere. In den letzten Bänden schien ihre Darstellung langsam besser zu werden, doch in diesem hier kamen sie mir besonders stark sexualisiert vor, bis zu dem Punkt, an dem mir nur eine Frau einfällt, die davon ausgenommen wurde: Murphy. (Von der ich im Übrigen gerne mehr gesehen hätte.) Aber gerade in der ersten Hälfte war es geradezu bizarr, wie jede Frau eine sexualisierende Szene und davon abgesehen nur wenig Nutzen bekam. Es gibt zum Glück auch Ausnahmen (Molly war zum Beispiel immer noch großartig), aber gerade in diesem Band ist es mir stark aufgefallen und hat mich sehr gestört.

Was Harrys Beziehungen angeht, mochte ich es vor allem, wie die zu seinem Bruder Thomas gehandhabt wurde; die beiden hatten zwar nicht so viel Screentime zusammen, doch ihrer beider Entwicklung war sehr einnehmend.

Andere Charaktere stachen nicht besonders hervor und ich hätte zugegeben schon lange ein Personenverzeichnis gebraucht; es war mir geradezu peinlich, wie der Verräter entlarvt wurde und ich nur "Bitte wer?" denken konnte, weil es inzwischen zu viele Charaktere gibt, als dass ich den Überblick über alle behalten könnte.

Insgesamt werde ich die Reihe wohl mit diesem Band abbrechen, weil sie mir nicht mehr genug Spaß macht, ich die Handlung zu oft zu verwirrend finde und die Darstellung der weiblichen Charaktere sehr störend. Leider glaube ich, dass die Reihe zu sehr an ein männliches Publikum gerichtet ist, als dass ich sie vollauf genießen könnte.

– Summer of Mexican Mystery
 184 Seiten

Nachdem ihr Freund Max sie sitzen gelassen hat, braucht Aurora erst mal eine Auszeit in El Caracol, in dem sie früher regelmäßig mit ihren Eltern Urlaub gemacht hat. Bei einem Spaziergang zur Wetterstation begegnet sie Rafael, der zunächst einen unsympathischen Eindruck auf sie macht, bis sie erfährt, dass vor einem Jahr seine Freundin Valentina spurlos verschwunden ist. Aurora, die als Journalistin arbeitet, ist entschlossen, eigene Recherchen anzustellen – und kommt dabei Rafael immer näher ...

Diese kurzweilige Romanze war locker-flockig und gut für Zwischendurch geeignet, aber für mich tatsächlich nicht der am besten umgesetzte Teil dieses Rätselbuches. Denn mir kam sie trotz meiner Erwartung, dass sie vermutlich nicht allzu sehr ausgebaut sein würde, dann doch etwas zu schnell vor – vor allem, weil Aurora und Rafael nicht so viel Zeit und Momente miteinander verbringen, wie ich es mir gewünscht hätte. Außerdem nimmt ihr Exfreund Max meiner Meinung nach etwas zu viel Raum ein, was ebenfalls den Realismus der Romanze schwächte.

Doch das Geheimnis um Valentinas Verschwinden und Auroras Nachforschungen haben mich dafür sehr gepackt, auch, wenn ich mir wünschte, Aurora und Rafael hätten einen aktiveren Part in der Untersuchung eingenommen. Ihr Handlungsspielraum war leider recht klein, aber trotzdem war ich am investiersten, wann immer es um den Fall ging.

Dann gibt es da noch die Rätsel. Ich fand es sehr süß, wie sie sogar in die Handlung eingebaut wurden und mochte auch die Rätsel selbst. Am Anfang waren sie mir definitiv zu einfach und gegen Mitte/Ende gab es eines, das ich zu verwirrend fand, aber der gesamte Rest hatte eine sehr angenehme Schwierigkeitsstufe, die das Rätseln sehr spaßig gemacht hat. Außerdem gab es auch eine gewisse Variation, die dafür sorgte, dass mir nicht langweilig wurde.

Wer ein gutes Rätselbuch mit einer interessanten Mystery lesen will, ist hier gut bedient, nur die Romanzen-Fans werden sich vermutlich mehr wünschen.

– Mehl, Magie und Machenschaften
 332 Seiten

Mona ist vierzehn Jahre alt und hilft bei der Bäckerei ihrer Tante aus. Mit ihrer Magie kann sie Brot verzaubern, allerdings nicht viel mehr, weshalb sie sich auch nicht für eine besonders starke oder wichtige Magikerin hält. Doch dann findet sie in der Bäckerei die Leiche eines Mädchens und wird vor dem Frühlingsgrünen Mann gewarnt, der es auf die Magiker der Stadt abgesehen hat. Und es liegt an Mona, die bald die einzige übrig gebliebene Magikerin ist, die Herzogin zu warnen und einen Krieg zu verhindern – und zwar nur mit ihrer Backkunst …

Ich habe das Buch letztes Jahr bereits auf Englisch gelesen und fand es gut, doch jetzt auf Deutsch sogar noch besser! Das liegt möglicherweise daran, dass es mir immer noch leichter fällt, auf Deutsch als auf Englisch zu lesen, aber so oder so habe ich das Lesen sehr genossen und es machte mir Spaß, Mona und ihren kreativen Ideen zuzuschauen. Diese Geschichte hatte Szenen und magische Anwendungen, die ich bisher noch nirgendwo gelesen habe und die ich vermutlich auch nie wieder lesen werde; so kreativ, spaßig und dramatisch war die Art und Weise, wie Mona ihre magische Kraft anwandte!

Die eigentliche Handlung ist grob in drei Teile aufgeteilt: Das Finden der Leiche und die Anklage gegenüber Mona, der Frühlingsgrüne Mann und Monas Entschluss, die Herzogin zu warnen sowie der Krieg am Ende, bei dem Mona zeigen muss, was in ihr steckt. Diese Teile gehen fließend ineinander über, kamen mir aber wie separate Handlungsstränge vor – und zum Glück sehr gute! Am liebsten hat mir das spannende Ende gefallen, das Monas Möglichkeiten so gut aufzeigt, wobei mir aber auch sehr gefiel, dass über den ganzen Roman hinweg betont wurde, dass ein vierzehnjähriges Mädchen nicht gezwungen sein sollte, zur Heldin zu werden. Das mangelnde Handeln der Erwachsenen wird tatsächlich infrage gestellt, was ich wunderbar fand.

Von den Charakteren mochte ich die Herzogin, Spindle und den Lebkuchenmann am liebsten – die Herzogin, weil ich ihre vernünftige Art mochte, Spindle, weil er allgemein ein großartiger Freund war und der Lebkuchenmann, weil er von allen Kreationen Monas schlicht die beste ist. Alle drei spielen zudem eine wichtige Rolle in der Handlung, auch wenn ihre Charaktere an sich zugegeben nicht allzu komplex sind.

Insgesamt ist das eine wunderbare Cozy Fantasy, die vor allem durch ihre Kreativität besticht und ein wunderbares Abenteuer bietet!

– Die gestohlene Zeit
 320 Seiten

Isaac hilft seinem Vater, dem Uhrmacher, der für den Big Ben zuständig ist, gerade dabei, die Uhr umzustellen, als sein Vater kurz eine der kleineren Glocken kontrollieren will. Doch er kommt nicht zurück und Isaac befürchtet, er könnte entführt worden sein. Hattie, die gerne auf die Dächer der Stadt klettert, bestätigt seine Vermutung, denn zur selben Zeit hat sie einen verdächtigen Mann beim Big Ben gesehen. Hängt die Entführung vielleicht mit der Dezimalzeit zusammen, die bald in Großbritannien eingeführt werden soll? Zusammen machen die beiden sich daran, die Hinweise zu entschlüsseln, die Isaacs Vater ihm hinterlassen hat …

Dieser Krimi hat mich mit der Fülle an interessantem Wissen, das er zu bieten hat, positiv überrascht! Denn eigentlich hatte ich „nur“ ein paar spannende Ermittlungen erwartet (die wir auch bekommen), aber nicht die vielen interessanten Fakten rund um das Thema Zeit, den Big Ben im Speziellen, aber auch darüber, wie in London ein Gesetz verabschiedet wird. Natürlich hat der Autor sich bei einigen Bereichen ein paar Freiheiten genommen, die er in den Anmerkungen am Ende auch ausführt, aber größtenteils entsprechen diese Fakten tatsächlich der Wahrheit, was sie umso faszinierender machte.

Neben dem Krimi, bei dem Isaac und Hattie verschiedenen Hinweisen nachgehen, war ich zum Beispiel sehr fasziniert von der im Buch diskutierten Idee, einen Vierundzwanzig-Stunden-Tag stattdessen in zehn Stunden aufzuteilen, mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. So gab es tatsächlich Länder wie Frankreich und China, die für eine gewisse Zeitspanne die Dezimalzeit benutzten, was mir neu war und was ich deshalb besonders interessant fand. Zwar stehe ich wie Isaac und sein Vater ganz hinter der bewährten Zeit, doch allein die Idee, sie anders zu messen, fand ich faszinierend.

All diese Informationsschnipsel fand ich sogar ein wenig interessanter als den Krimiaspekt, weil ich bei dem leider nicht so gut mitraten konnte. Das spannende Ende hat mir dafür sehr gefallen, nur der Weg dahin war für mich recht undurchsichtig.

Was die Charaktere angeht, bleiben die meisten recht eindimensional; nur die Hauptcharaktere und der Antagonist haben sich mir richtig eingebrannt, aber der Rest konnte bei mir keinen starken Eindruck hinterlassen. Insofern sind sie wohl eine Schwäche des Romans, aber zumindest eine, die mir zwar auffiel, mir aber nicht so viel ausmachte, weil die Handlung dafür gut umgesetzt war.

Was die äußerlichen Aspekte angeht, mochte ich lobend die Uhr erwähnen, die über jedem Kapitel eingezeichnet ist und mit jedem Kapitel von 11:01 bis 12:00 eine Minute vorrückt – ein cooles Konzept, das ich am liebsten in noch mehr Büchern lesen würde! Kritisch fand ich dafür die Diskrepanz zwischen dem Cover und den Illustrationen im Inneren; speziell Isaac sieht auf dem Cover überhaupt nicht so aus, wie er beschrieben und in den Illustrationen dargestellt wurde, was ich ein wenig irritierend fand.

Doch sind diese äußerlichen Aspekte letztendlich kein eigentlicher Teil der Geschichte – und diese ist speziell für wissbegierige Krimileser perfekt geeignet!