Bücherregal lädt …
Magic of Moon and Sea. Die Königin der Glasinsel
305 Seiten

Auf der Suche nach ihrem Vater gerät Ista auf die Glasinsel, wo auch der Spion Tamlin lebt. Hier findet sie heraus, dass ihr Vater bei den Lustbarkeiten ist – ein endloses Fest, das die neue Königin der Sumpfspinner benutzt, um Menschen zu ködern. Nur, wenn Ista, Nat und Ruby es ebenfalls riskieren, an den Lustbarkeiten teilzunehmen und die Spiele der Königin zu bestehen, können sie Istas Vater befreien – doch Tamlin macht deutlich, dass das nicht einfach sein wird …

Den ersten Teil habe ich damals mit viel Begeisterung gelesen, weil er so viele unerwartete Twists hatte, aber der zweite Teil ist um einiges schlichter aufgebaut. Es gibt immer noch ein, zwei Überraschungen, aber die Handlung insgesamt ist recht geradlinig und braucht zudem eine Weile, um in Gang zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert, wobei das teils auch ein positiver Punkt ist: So lernen wir nämlich speziell Tamlin besser kennen und diese Zeit war sehr gut investiert.

Denn obwohl Ista, Nat und Ruby das Haupttrio sind, war Tamlin mit Abstand der faszinierendste Charakter, sehr vielschichtig und undurchschaubar, was seine Ziele betrifft. Denn wir als Leser:innen merken schnell, dass er etwas vor uns verbirgt – aber was es ist und auf welcher Seite er letztendlich steht, bleibt lange ein Geheimnis und das hat mir sehr gefallen. So habe ich selbst dann mit der Handlung mitgefiebert, als sie selbst nicht allzu spannend war: Weil Tamlin und sein undurchsichtiger Charakter sie trotzdem spannend gemacht haben.

Bei dem Rest der Handlung fehlte mir dagegen manchmal die Relevanz zur Hauptstory, speziell am Anfang, als Nat und Ruby erst einmal nach Ista suchten, während Ista andere Bewohner der Glasinsel kennenlernte. Hier finde ich, dass man die Handlung hätte kürzen können, indem Nat und Ruby von Anfang an Teil der Partie gewesen wären, auch wenn es mir gefiel, auf diese Weise mehr von Alexo Rokis zu sehen.

Der beste Teil war definitiv das Ende, als die Charaktere alle bei den Lustbarkeiten sind, wo sie in konstanter Gefahr schweben; hier fieberte ich sehr stark mit, weil ich wissen wollte, wie die Charaktere der Königin ein Schnippchen schlagen wollen. Doch insgesamt empfand ich diesen Teil als schwächer, weil ihm die Komplexität und die vielen Twists des ersten Teils fehlten. Als Geschichte selbst war er allerdings immer noch in Ordnung.

Magic of Moon and Sea. Die Diebin der vielen Gesichter
288 Seiten

In Shelwich bestimmen die Gezeiten, wie stark die Magie der einzelnen Bewohner gerade ist. Ista hat dabei eine ganz besondere Gabe: Sie kann sich in andere Menschen verwandeln. Das nutzt sie auch, um für ihren Auftraggeber Gegenstände zu stehlen. Gleichzeitig möchte sie das Geheimnis der verschwundenen Menschen lüften, die von Grilks entführt werden. Könnte auch ihr Vater dabei sein? Zusammen mit Nat, einem Jungen ohne Gabe, ist sie entschlossen, das Geheimnis der Grilks zu lüften und die verschwundenen Menschen zu finden ...

Dieses Kinderbuch hat wohl die beste und verzwickteste Handlung, die ich bisher (auch außerhalb des Genres) gelesen habe, denn hier spielen so viele Puzzleteile, falsche Fährten und unerwartete Twists mit rein, dass es selbst für mich als Erwachsene nicht zu durchschauen war. Immer, wenn ich dachte, jetzt die Lösung gefunden zu haben, kam etwas ans Licht, mit dem ich nicht gerechnet hatte, das sich aber trotzdem nahtlos in die Handlung einfügte. Ich bin immer noch beeindruckt davon, wie die einzelnen Handlungspunkte miteinander verwoben wurden, sodass ein komplexes und dennoch stimmiges Gesamtbild entstand!

Die Charaktere spielen dabei fast schon eine untergeordnete Rolle: Denn obwohl ich Ista, Nat, Ruby und ein paar andere sehr sympathisch fand (und es mir speziell bei Nat sehr gefiel, wie seine Intelligenz und Beobachtungsgabe tatsächlich gezeigt wurden), sind sie nicht so vielschichtig wie die Handlung, in der sie sich befinden. Das ist aber ein vergleichsweise kleiner Kritikpunkt, weil die Charaktere ihren Zweck immer noch erfüllen und es in dieser Hinsicht durchaus ein paar Überraschungen gibt.

Auch das Magiesystem, das die Fähigkeiten der Menschen mit den Gezeiten verbindet, war super umgesetzt und dazu noch sehr kreativ. Die Fähigkeiten an sich sind in der Regel zwar bekannte (Fliegen, Stärke etc.), aber speziell bei den kleineren Fähigkeiten gibt es auch ein paar ungewöhnlichere.

Die Karte von Shelwich war großartig! In der Regel mag ich Karten in Fantasyromanen nicht besonders, weil sie fast nie nützlich sind, aber hier konnte ich sie mehrmals nutzen, um zu schauen, wo die Charaktere gerade sind.

Aufgrund der Komplexität der Handlung eignet sich das Buch nicht nur für Kinder der Altersgruppe (10-12 Jahre), sondern auch für ältere Kinder und Erwachsene. Speziell diejenigen, die es mögen, wenn die gesamte Handlung sich wie ein Puzzle vor ihnen ausbreitet, werden hier begeistert sein!