Bücherregal lädt …
Die Mitternachtsreise
367 Seiten

Wilbur steht am Ende seines Lebens, doch statt nach seinem Tod gleich in die Ewigkeit zu gelangen, muss er davor in den Mitternachtszug steigen, der sein Leben Revue an ihm vorbeiziehen lässt. Erst, wenn er rückblickend den Sinn seines Lebens versteht, kann er mit seinen Liebsten in der Ewigkeit wiedervereint werden. Schnell merkt Wilbur jedoch, dass er sein vergangenes Ich beeinflussen kann – und damit seine Vergangenheit rückblickend ändern. Entschlossen, die vielen Reuen seines Lebens rückgängig zu machen, fängt er an, seinem vergangenen Ich Ratschläge zu geben. Jedoch wird er gewarnt: Sollte er damit fortfahren, wird sich zwar die Vergangenheit seines früheren Ichs ändern, aber dafür bleibt seinem gegenwärtigen Ich die Ewigkeit verwehrt …

Dieser Roman spielt zwar in der Welt der „Mitternachtsbibliothek“, kann aber unabhängig davon gelesen werden, weil es nur eine kleine Referenz gibt, die mich zwar sehr erfreute, für das allgemeine Lesevergnügen jedoch nicht notwendig ist.

Durch die vielen kurzen Kapitel liest sich das Buch flüssig durch, obwohl die Handlung eher ruhig ist und sich eher auf nachdenkliche statt auf spannende Aspekte fokussiert. Wir folgen Wilburs Leben von Anfang bis Ende, was zunächst recht ereignislos abläuft, bis schließlich der Aspekt der Veränderung eingeführt wird – und damit die Reuen in Wilburs Leben. Zwar gab es schon am Anfang ein paar Szenen, die ich interessant fand, aber am meisten hat es mich interessiert, was genau Wilbur falsch gemacht hat und wie es dazu kam.

Was mir ebenfalls sehr gut gefiel, war die Botschaft, die hinter dem Roman steckte. Ich möchte sie natürlich nicht vorwegnehmen, doch sie überraschte mich positiv und ließ mich den Roman am Ende mit einem zufriedenen Lächeln schließen.

Was mir dafür nicht so gut gefiel, war Wilburs Romanze mit Maggie. Ich fand sie leider recht schwach, weil Maggie als Charakter so blass war und erst gegen Ende ein wenig Dreidimensionalität bekam. Allgemein war die Romanze nicht so stark im Fokus, wie ich es erwartet hätte und die schlechten Zeiten wurden mehr hervorgehoben als die guten, was es zusätzlich schwer machte, an eine ewige, alles überwindende Liebe zu glauben.

Wer eine kurzweilige, zum Nachdenken anregende Lektüre lesen möchte, ist hier bestens bedient, nur diejenige, die sich eine schöne Romanze erhofft haben, könnten etwas enttäuscht werden.

Smash or Pass
257 Seiten

Um zu verbergen, dass sie autistisch ist, hat Ellie sieben Regeln aufgestellt, die ihr das Leben mit ihren Mitschülern vereinfachen sollen. Doch dann macht ihr Freund Daniel mit ihr Schluss, mit der Begründung, dass sie nett, aber langweilig wäre. Entschlossen, ihm das Gegenteil zu beweisen, meldet sie sich im Sommer-Volleyball-Camp SMASH! an, um dort endlich zu lernen, wieder sie selbst zu sein. Die Einzelgängerin Sierra wird zu ihrer Volleyball-Partnerin erklärt, was zunächst einmal wie ein Fehler wirkt – bis die beiden sich näher kennenlernen und Ellie Gefühle für sie zu entwickeln beginnt …

Dieses süße Buch war eine wirklich wunderbare Lektüre für Zwischendurch, bei dem mir interessanterweise besonders die Aspekte gefallen haben, die nichts mit der Romanze zu tun hatten.

So mochte ich es sehr, wie Ellies Autismus und ihre Charakterentwicklung dargestellt wurde, denn obschon vorhersehbar, war es so zufriedenstellend zu sehen, wie sie sich selbst mehr lieben lernt. Hilfe dabei bekommt sie einerseits von ihrem Bruder Noah, andererseits von ihren neuen Freunden im Camp. Beide Beziehungen waren einfach großartig: Noah war mein persönlicher Lieblingscharakter und ich war sehr investiert darin, zu erfahren, wie die geschwisterliche Beziehung sich weiterentwickelt, während die Freunde im Camp zwar keinen ganz so starken Eindruck hinterließen, aber Ellie alle gleichermaßen halfen, sich selbst zu akzeptieren.

Im Vergleich dazu war die Romanze mit Sierra zwar in Ordnung, aber kein Highlight; zwar teilen sie durchaus einige süße Szenen miteinander, aber mir fehlte das gewisse Etwas, das die beiden miteinander verbindet. Zudem war ich kein großer Fans der Tropes, die in der Romanze zum Einsatz kamen, wie die Tatsache, dass Ellie ihre Gefühle erst realisiert, als jemand Anderes sie darauf anspricht (ich hätte es stärker gefunden, wenn sie selbst darauf gekommen wäre) sowie das sehr vermeidbare Missverständnis, das die beiden mit ein wenig Kommunikation hätten klären können. Zugegeben sorgte dieses Missverständnis dafür, dass Ellie den Mut fand, eine ungesunde Freundschaft zu beenden, doch gestört hat mich seine Existenz trotzdem.

Insofern würde ich das Buch nicht unbedingt Romanzen-Fans empfehlen, sondern vor allem denjenigen, die eine hervorragende Charakterentwicklung, eine einnehmende Geschwisterbeziehung und gleich mehrere unterstützende Freundschaften lesen möchten – denn all diese Aspekte waren wirklich großartig umgesetzt!

Mein Gehirn, das Denken und ich
292 Seiten

Wie funktioniert eigentlich unser Gehirn und wie können wir es am besten nutzen, um Entscheidungen zu treffen, Fehler zu vermeiden und uns allgemein besser zu verstehen? Diese Fragen beantwortet Dr. Jens Foell in seinem neuesten Sachbuch, das nicht nur wissenswert zu lesen ist, sondern auch humorvoll geschrieben.

Foell redet dabei über so ziemlich alles: Den Aufbau des Gehirns (ich bin übrigens definitiv für die Bezeichnung „Foell-Region“), wie es sich schützt und warum es das manchmal nicht tut (Stichwort Alkohol), inwiefern es sich von Künstlicher Intelligenz unterscheidet, und noch viel, viel mehr.

Dabei geht er auch auf Dinge ein, die mir bereits bekannt waren (z.B. die fehlerhafte Darstellung des Kitty-Genovese-Falls), Dinge, bei denen ich etwas Neues dazulernte (wie der Phineas-Gage-Fall, bei dem ich nicht wusste, wie sein Charakter sich im Lauf der Zeit entwickelte) und Dinge, die mir komplett neu waren (z.B. das Experiment über Hoffnungslosigkeit). Das war eine gute Mischung, die der Autor natürlich nicht vorhersehen konnte, die aber gut aufgezeigt hat, dass es selbst, wenn man bereits einige Bücher dieser Art gelesen hat, hier auch neue Informationen auf einen warten.

Nach Möglichkeit habe ich stichprobenartig recherchiert, ob gewisse Fakten stimmen, weil ich bei einigen sehr überrascht war, zuvor noch nichts von ihnen gehört zu haben (Stichwort halbes Hirn). Noch wertvoller fand ich aber die Tipps, die Jens Foell bezüglich Schlaf, Alkohol und Eingreifen mit uns teilte – obwohl die ersten beiden Themen nicht für mich relevant waren, war es trotzdem so hilfreich, tatsächliche Ratschläge zu lesen, die die Gehirn- und Handlungsleistung verbessern können.

Insgesamt also ein informatives Sachbuch mit wertvollem Wissen und genau der richtigen Prise Humor!

Statt aus dem Fenster zu schauen
320 Seiten

Statt aus dem Fenster zu schauen und darüber nachzudenken, wie ihr Leben sein könnte, kauft Sophie spontan ein billiges Haus in Günderode, in der Nähe von Berlin. Sie weiß selbst nicht, was in sie gefahren ist, aber mit ihrem derzeitigen Leben ist sie nicht zufrieden und braucht dringend die Freiheit, die ihr ein Leben auf dem Land gibt. Natürlich stellt sich das Haus als komplette Bruchbude heraus, doch ist Sophie entschlossen, hier neu anzufangen – und dabei herauszufinden, was sie eigentlich vom Leben möchte ...

Dieser Roman hat mich sehr fasziniert, denn obwohl ich so einige Kritikpunkte habe, konnte ich am Ende nicht anders, als ihn zu genießen.

Es ist natürlich von Anfang an klar, dass wir eine Geschichte lesen, die vom Survivorship Bias geprägt ist – schließlich würden wir sie gar nicht erst lesen, wenn Sophie es nicht schaffen würde, ihre Pläne umzusetzen. Hier wünschte ich, es wäre noch stärker hervorgehoben worden, wie sehr Sophies privilegierter Status es ihr erleichtert, ein neues Leben anzufangen, weil schließlich nicht jeder Mensch das Geld und die Möglichkeiten dazu hat – und selbst wenn doch, endet es vermutlich öfter im Scheitern als im Erfolg. Die Geschichte stellt Sophies neue Lebenssituation meiner Meinung nach etwas zu einfach dar, selbst, wenn man die Probleme bedenkt, mit denen sie konfrontiert wird.

Und dennoch fällt es unglaublich leicht, sich in ihr neues Leben fallen zu lassen und dabei zuzusehen, wie sie es metaphorisch und wortwörtlich restauriert. Ich hatte beim Lesen stellenweise das Gefühl, ein ASMR-Video zu schauen, weil der ganze Prozess, den Sophie durchläuft, so wohltuend war. Ein bisschen Drama gibt es schon, aber nicht zu viel und der Fokus liegt stärker auf den zwar teils anstrengenden, aber gerade deshalb erfüllenden Taten.

Wobei ich mir ein bisschen Drama durchaus gewünscht hätte. Einige der dramatischeren Handlungsstränge werden nämlich offen gelassen, was zwar manchmal durchaus willkommend war (bezüglich Heinz, der Sophie das Haus verkauft), bei anderen jedoch unzufriedenstellend.

Ein wichtiger Plot Point ist zum Beispiel Sophies Furcht, ihren Eltern zu gestehen, was sie getan hat, zumal sie in ein paar Monaten auf einen Familiengeburtstag eingeladen ist, der quasi als Deadline fungiert. Aber letztendlich erleben wir nicht, wie sie sich diesem Hindernis stellt, was mich sehr enttäuscht hat. Natürlich ist es an sich in Ordnung, einige Dinge offen zu lassen, aber gerade bei einem so wichtigen Punkt, auf den die ganze Geschichte hinauszulaufen schien, hätte ich mir einen zufriedenstellenden Abschluss gewünscht.

Andere Handlungsstränge wie die Freundschaft zu Pauline und Moritz finden da schon ein besseres Ende und beide Charaktere mochte ich sehr, weil sie sowohl kritisch als auch unterstützend mit Sophies Situation umgegangen sind. Es war einfach eine unglaublich gemütliche Lektüre, die trotz der Kritikpunkte das Herz erwärmt und gut tut.

Einziger Meta-Kritikpunkt: Es gibt keine Kapitel! Die Geschichte ist in vier Teile unterteilt, von denen drei 100-150 Seiten lang sind, doch diese vergleichsweise langen Teile werden nicht zusätzlich in kleinere Häppchen unterteilt, was es ein wenig schwerer machte, das Buch zu lesen. Natürlich hat der Kritikpunkt nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun, aber ich wollte ihn trotzdem erwähnt haben für die, die Bücher mit kurzen bis mittellangen Kapiteln bevorzugen.

Letztendlich hatte ich also ein paar Dinge zu kritisieren, doch trotzdem hat der Genuss letztendlich überwogen. Gerade jetzt, im Nachhinein, bleibt vor allem das Gefühl eines wunderschönen Romans zurück!

Vermisst - Der Fall Lucas
544 Seiten

Malou Löwenberg bekommt einen neuen Fall, der sich diesmal als ihr schwierigster erweisen könnte: Lana Boban, die im Sterben liegt, möchte vor ihrem Tod unbedingt ihren Bruder Lucas wiedersehen, der vor sechsundzwanzig Jahren verschwunden ist. Das Problem dabei: Damals hat er zwei Mädchen getötet und fingierte danach seinen eigenen Tod. Sollte Malou ihn finden, wird sie sich der Entscheidung stellen müssen, ihn entweder mit seiner Schwester zu vereinen oder ihn festzunehmen – eine Entscheidung, die immer schwerer wird, als sie noch mehr Fälle entdeckt, die Lucas‘ Modus Operandi aufweisen …

Malous dritter Fall hat nicht nur ein faszinierendes Setup, sondern ist im Allgemeinen sehr spannend geschrieben. Mit einem lockeren Schreibstil, konstanten Cliffhangern und stellenweise anderen Sichtweisen gelang es Christine Brand hervorragend, mich am Ball zu halten, und das, obwohl recht klar ist, dass die Ausgangssituation mit Lucas als Mörder nicht so einfach sein kann, wie sie sich darstellt. Aber gerade das war großartig: Obwohl ich ahnte, dass es nicht die ganze Wahrheit sein kann, wusste ich immer noch nicht, wie viel vielleicht doch stimmt, und bin tatsächlich komplett auf die falsche Fährte hereingefallen. Hier war ich sehr dankbar, dass die Auflösung ebenfalls nicht so offensichtlich war, wie sie schien!

Aber auch die Nebenhandlungen mochte ich gern, wie Malous Suche nach ihren leiblichen Eltern und ihre Suche nach einer verschwundenen Urne. Diese Handlungsstränge sind für die Haupthandlung zwar nicht relevant, zeigen aber mehr von Malous Charakter und waren schlicht interessant zu lesen. Übrigens ist es nicht notwendig, die anderen beiden Bände zu kennen; die Referenzen auf sie beschränken sich auf ein Minimum und alles, was man wissen muss, wird anfangs erläutert, ohne die vorherigen Fälle zu spoilern.

Sehr erfrischend fand ich es, dass Malou in diesem Band kompetenter war als in den vorherigen Fällen. In diesen machte sie nämlich ein paar offensichtliche Fehler und traf ein paar zweifelhafte Entscheidungen, aber in diesem Band kam sie professioneller rüber, ihre Fehler schienen verständlicher, ihre Entscheidungen ebenfalls. Ich hoffe, dass diese Entwicklung weiter fortschreitet!

Von den anderen Charakteren fand ich Bernard und Bettina sympathisch, ansonsten gab es bis auf Lucas und Lana (die beide trotz ihrer begrenzten Screentime großartig waren) keine herausstechenden Charaktere. Hier glänzt der Roman vor allem durch seinen Fall, bei dem ich stets darauf brannte, weiterzulesen und der sicher auch für andere ein spannendes Lesevergnügen bieten wird!

Little Hollywood
352 Seiten

Der letzte Sommer vor der Jahrtausendwende: Leo hat ihre letzte Prüfung geschrieben und freut sich auf ihre Freiheit, doch nichts läuft so, wie es soll. Ihr Crush lässt sie sitzen, sie streitet sich mit ihrer Mutter, ihr gewalttätiger Vater schreibt ihr einen Brief, ihr Bruder möchte nicht allein sein, und Leo will am liebsten ihre ganze Zeit in der Videothek Little Hollywood verbringen. Denn auch wenn Jo, der dort arbeitet, ihr bei jeder Ausleihe eine Wahrheit-oder-Pflicht-Frage stellt, bringen ihr die Filme den Komfort, der ihr im wahren Leben fehlt. Und sobald sie Jo besser kennenlernt, lernt sie auch sich selbst auf neue Weise kennen, und damit hoffentlich auch einen Weg, ihre Zukunft zu gestalten …

Am Anfang habe ich diese Geschichte als etwas zu langsam und ereignislos gefunden, was natürlich daran liegt, dass es tatsächlich eine gemächliche, aber auch wunderschöne Geschichte ist. Ich brauchte wohl nur ein kleines Weilchen, um mich daran zu gewöhnen, aber sobald ich es tat, konnte ich mich richtig in die Geschichte und in Leos letzten Sommer fallen lassen. Die Atmosphäre der 90er ist hervorragend gelungen, und auch der beschriebene Sommer trägt eine Nostalgie und Erwartungshaltung in sich, die zu dem letzten Sommer vor dem Erwachsenwerden passt.

Obwohl ich die 90er nur als Kind erlebt habe und ganz andere Erfahrungen gemacht habe als Leo, konnte ich mich auf gewisse Weise trotzdem in sie hineinversetzen; das hat mich überrascht, weil wir so wenige Gemeinsamkeiten haben, es aber trotzdem leicht war, ihr und ihren Gedanken zu folgen. Zugegeben finde ich, dass Menschen, die tatsächlich ein aktiver Teil der 90er waren, sich noch besser in die Geschichte einfinden können, und erst recht Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie Jo machten; doch gerade deshalb wollte ich als jemand, der mit keinem von beiden stark verbunden war, sagen, dass auch ich die Geschichte vollauf genossen habe.

Der Fokus der Geschichte liegt auf Leos süßer Romanze mit Jo, die wirklich sehr gut umgesetzt war; die beiden haben eine wunderbare Chemie miteinander und ihre gemeinsamen Szenen gehörten mühelos zu meinen liebsten. Zwar war auch der Handlungsstrang mit Leos Familie gut geschrieben und speziell Leos komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter mochte ich sehr, aber letztendlich fieberte ich am meisten mit Leos und Jos wachsender Liebe mit.

An sich passiert nicht allzu viel, es geht eben hauptsächlich um die letzten Gedanken, Zweifel und Abenteuer vor dem letzten Sommer, bevor man erwachsen wird; aber durch die wunderbare nostalgische Atmosphäre gefiel mir gerade das besonders gut: Man bekommt eine ruhigere Geschichte, die einen in früheren Zeiten schwelgen lässt, als alles noch einfacher schien, obwohl es das nicht immer war. Wer dieses Gefühl vermisst, wird es in „Little Hollywood“ finden!

Annie Knows Everything
385 Seiten

Nachdem Annie ihren eigentlichen Job beim Tech-Unternehmen Taskio verliert, lässt sie sich in die Data Strategy versetzen, obwohl sie sich damit gar nicht auskennt. Ihr neuer Boss Connor, der das merkt, gibt ihr die Aufgabe, sich um ein Dashboard zu kümmern, das niemand in der Firma benutzt, ohne, dass sein Team es sich erklären könnte. Annie und Connor arbeiten zusammen – und genießen dabei einen stetigen Schlagabtausch. Allerdings verstößt es gegen die Firmenpolitik, eine Beziehung unter Kollegen anzufangen …

Diese romantische Komödie ist einfach herrlich zu lesen, locker und lustig geschrieben und die perfekte Lektüre für Zwischendurch. Sie ist natürlich sehr vorhersehbar, selbst die Überraschungen sind leicht zu erraten – man bekommt eben genau das, was man erwartet. Aber es war so spaßig und so unterhaltsam, dass mir das letztendlich nichts ausmachte.

Ein großer Grund dafür ist Annies und Connors großartige Chemie. Sie haben viele humorvolle Schlagabtäusche, die ihre Chemie wunderbar zeigen und sich absolut amüsant lesen. Immer, wenn die beiden miteinander sprachen oder schrieben, kam es mir wie ein Ping-Pong-Duell vor, weil die beiden sehr gut damit waren, sich die metaphorischen Bälle hin- und herzuwerfen. Zwar kommen auch so einige Missverständnisse zwischen ihnen vor, aber sie wurden glücklicherweise schnell geklärt, sodass ich im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Komödien nicht die Augen verdrehen musste, sondern mich über die verständnisvollen Gespräche freuen durfte.

Der eigentliche Job spielt letztendlich keine große Rolle (speziell das Dashboard, für das Annie zuständig ist, gerät gegen Ende in Vergessenheit, wenn auch aus gutem Grund), aber dafür umso mehr die Schwesternbeziehung zwischen Annie und Shannon. Die war wirklich gut umgesetzt, auch wenn ich hin- und hergerissen bin, was die Auflösung von Shannons romantischen Problemen angeht.

Andere Charaktere kommen in genau der richtigen Dosierung vor; sie blieben zwar letztendlich recht zweidimensional, hoben sich aber sehr gut voneinander ab und hinterließen bei mir einen bleibenden Eindruck.

Insgesamt also eine amüsante RomCom, die einfach Spaß macht!

Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Kleine Gefallen
619 Seiten

Mab, die Feenkönigin, bittet Harry Dresden um einen Gefallen und er weiß sofort, dass er in Schwierigkeiten ist. Sie möchte, dass er den entführten Mafiaboss Marcone rettet. Zudem haben es auch die Böcke Brausewind auf ihn abgesehen und Harry muss all seine Freunde um sich scharen, wenn er gegen die Vielzahl seiner Feinde eine Chance haben und aufdecken will, was sie eigentlich vorhaben …

In diesem Harry-Dresden-Band geht so einiges vor sich – und meiner Meinung nach etwas zu viel. Die einzelnen Handlungsstränge und Charakter- und Action-Szenen mochte ich sehr, hatte jedoch Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Ich habe immer noch nicht ganz begriffen, wie gewisse Handlungsaspekte ineinander greifen, z.B. die Art und Weise, wie Harrys Quest, Marcone zu retten, zu einer Quest wird, Ivy zu retten, wonach ersteres keine Rolle mehr zu spielen scheint. Die Wandlung an sich war sehr gut, weil ich sehr viel mehr in Ivy investiert war als in Marcone, aber insgesamt betrachtet hatte ich das Gefühl, dass man einen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne etwas Substanzielles dabei zu verlieren.

Das trifft auch auf die Anzahl der Charaktere zu: Wir sind längst bei einem Band gelangt, bei dem ich mir nur die Hauptcharaktere merken kann und Schwierigkeiten habe, mich an alle anderen zu erinnern, was dadurch erschwert wird, dass in diesem Band erstaunlich viele Charaktere auftauchen und es keinen Fokus auf eine bestimmte Beziehung gibt. Auch das hat etwas Gutes, denn so bekommt jeder Charakter Szenen mit Harry, die mir sehr gefielen (hervorzuheben sind Murphys Szenen im Allgemeinen, aber auch die Art und Weise, wie Michaels Freundschaft zu Harry zum ersten Mal getestet wird), aber es war etwas zu viel für mich.

Das Finale und das Ende waren dafür wie immer gut gelungen. Allgemein sind die Action-Szenen sehr gut geschrieben, was doppelt auf das spannende Finale zutrifft, bei dem ich sehr mit den Charakteren mitfieberte und das glücklicherweise ein zufriedenstellendes Ende findet. Zudem macht es mich gespannt, wie es im nächsten Band mit gewissen Charakteren weitergeht, weil das Ende Möglichkeiten für spannende Handlungslinien offen lässt.

Insgesamt ein sehr solider Harry-Dresden-Band, der mir zwar etwas zu überfüllt vorkam, aber ansonsten wie immer ein gutes Abenteuer bietet!

Geliebte Schwester
493 Seiten

Tasha und ihr Ehemann Aaron hatten seit einer Weile keine Zeit mehr für sich, weshalb Tashas Schwester Alice ihnen anbietet, für ein paar Tage Urlaub in Italien zu machen, während Alice mit ihrem Ehemann Kyle auf die Kinder aufpasst. Doch dann werden Alice und Kyle überfallen, Kyle wird getötet, Alice verletzt. Und Tasha, die sich bewusst ist, wie ähnlich sie und ihre Schwester sich sehen, befürchtet, dass sie das eigentliche Ziel war – eine Furcht, die durch eine anonyme Nachricht bestätigt wird: Das hättest du sein sollen

Claire Douglas‘ Thriller sind in der Regel ein lockeres Vergnügen, und das trifft auch auf diesen Thriller zu. Die Grundidee faszinierte mich sofort und ich mochte das Mysterium darüber, wer es auf Tasha abgesehen haben könnte und warum. Zunächst einmal waren die Familienbande zwischen den Charakteren sehr gut umgesetzt; ich mochte die schwesterliche Beziehung zwischen Tasha und Alice, Tashas sich entwickelnde Beziehung zu ihrem Ehemann Aaron, sowie Tashas und Alices Bund zu ihrer Mutter. Die Tatsache, dass die beiden noch eine dritte Schwester hatten, die als Baby entführt wurde, faszinierte mich ebenfalls und hier gefiel mir die Umsetzung ausgesprochen gut, weil sie nicht zu vorhersehbar, aber auch nicht zu unerwartet war.

Allerdings fand ich die Überraschungen und Twists allgemein gar nicht so überraschend und schockierend, wie ich es mir erhofft hatte. Viele kann man nämlich kommen sehen und selbst jene, die ich nicht erwartete, waren letztendlich nicht allzu überraschend und auf jeden Fall keine großen, alles verändernden Twists. Das hat mir tatsächlich gefehlt; vielleicht liegt es auch nur an meiner Thriller-Erfahrung, aber ich hatte am Ende das Gefühl, zwar einen sehr soliden, aber keinen sehr guten Thriller gelesen zu haben, da mir dazu noch ein wenig mehr „Oha!“-Momente gefehlt hätten.

Nichtsdestotrotz war der Thriller immer noch ein spaßiges Lesevergnügen, hat mich gut unterhalten und eignet sich hervorragend für Zwischendurch!

Fräulein Renée und das kartografische Komplott
360 Seiten

Der junge Caspar Schütze bewirbt sich als Chronist bei der Alleinerbin Renée Graf, hauptsächlich, weil sie keine Referenzen verlangt. Bei einem Spaziergang im Wald, bei dem Renée ihre Pläne, ein Abenteuer zu erleben, ausführt, finden die beiden im Forsthaus eine Leiche: Eine Frau, mit einer Pistole erschossen und mit zweihundert Mark in der Geldbörse, aber ohne eine Tatwaffe in der Nähe. Als die beiden kurz darauf in die Hütte zurückkehren, ist die Leiche verschwunden und damit Renées Verdacht, dass es sich um Mord handelt, bestätigt. Entschlossen, ihr geplantes Abenteuer zu erleben, macht sie sich auf, den Fall zu lösen – während Caspar ihre Erlebnisse treu aufschreibt, dabei aber auch verheimlicht, was ihn überhaupt zu Renée führte …

Dieser historische Jugendkrimi klang für mich sofort interessant, weshalb ich froh war, dass er es tatsächlich war! Wobei mich nicht der historische oder der kriminalistische Teil am meisten begeisterten, sondern die beiden Hauptcharaktere: Renée und Caspar waren beide großartige Protagonisten, die nicht nur ein wunderbares Beispiel für Repräsentation waren, sondern auch die Vielschichtigkeit ihrer Persönlichkeit gut zeigten: Ich mochte es, wie abenteuerlustig und leidenschaftlich Renée war, aber auch ihre verletzliche und herzliche Seite zeigen konnte, wann immer es um ihre große Liebe Lisbeth ging; und mir gefiel Caspars erfrischende Sicht auf die Welt, seine anfängliche Vorsicht und seine spätere Entschlossenheit, sowie die Art und Weise, wie seine Vergangenheit in die Geschichte eingebaut wurde. Ich hoffe, bei einem zweiten Teil wird das auch mit Renée geschehen, weil es in ihrer Vergangenheit so einige Geheimnisse gibt, die mich interessieren!

Die beiden waren also definitiv ein Highlight, denn andere Charaktere stachen leider nicht allzu stark hervor; ich mochte Miriam, Hector und Klara sehr gerne, fand aber, dass es insgesamt zu viele Nebencharaktere gab. Es gibt zwar ein Personenverzeichnis, aber dadurch, dass ohnehin nur wenige Charaktere tatsächlich relevant sind, hätte ich lieber die Anzahl an Charakteren gekürzt und diesen dafür mehr Screentime gegeben.

Die eigentliche Handlung ist sehr spannend: Um den Fall aufzuklären, müssen Renée und Caspar so einige Male selbst am Gesetz kratzen, in verschiedene Gebäude einbrechen und Informationen sammeln. Hier war der historische Aspekt übrigens sehr gut umgesetzt; Stuttgart spielt in dem Roman eine wichtige Rolle und es war schön, die Beschreibungen der historischen Gebäude zu erleben. Die Geographische Gesellschaft existiert zwar nicht wirklich, aber die Ortschaften, die Renée und Caspar besuchen, dafür schon.

Apropos Geographische Gesellschaft: Hier ging die Geschichte in eine andere Richtung, als ich es erwartete, weil ich aus irgendeinem Grund überzeugt davon war, es würde neben dem historischen und kriminalistischen Aspekt noch einen fantastischen geben; das ist allerdings nicht der Fall und im Nachhinein frage ich mich, warum ich so fest damit rechnete. Übrigens überwiegt der kriminalistische Aspekt meiner Meinung nach; die vielen Mysterien um die Leiche und die Geographische Gesellschaft sorgen für einen Krimi, der einem vermutlich auch dann gefallen wird, wenn man mit historischer Literatur nicht viel anfangen kann.

Insgesamt also ein spannender Krimi, der nicht nur für Jugendliche geeignet ist!

Zerstöre den Tag
640 Seiten

Nach Corricks scheinbarem Tod trauert Tessa schwer um ihn und möchte unbedingt nach Hause zurückkehren, was sich allerdings als nicht so einfach herausstellt. Zusammen mit Erik, dem Leibwächter, ist sie zunächst gezwungen, auf einer Insel in Ostria zu bleiben. Corrick wurde ausgerechnet zusammen mit seinem Erzfeind Lochlan gefangen genommen, und noch dazu von Oren Krane. Nur, wenn sie zusammenarbeiten und so tun, als würden sie Oren helfen, bleibt ihnen eine Chance, mit ihren Liebsten wiedervereint zu werden. Und dann ist da noch Harristan, der zusammen mit dem Palastmeister Quint und einigen Wächtern wegen Verrat gesucht wird, weil Konsuln scheinbar Beweise dafür haben, dass Harristan sein Volk vergiftet hätte. Nun muss Harristan das Vertrauen seines Volkes wiedergewinnen, während er nicht weiß, wem er vertrauen soll …

Ich habe das Buch bereits auf Englisch gelesen, weil die deutsche Übersetzung leider ein wenig auf sich warten ließ, doch jetzt, wo sie endlich erschien, war ich unglaublich froh, dieses phänomenale Finale der Mondflor-Trilogie auch auf Deutsch zu lesen!

Tessas, Corricks und Harristans Handlungsstränge und persönliche Beziehungen sind in diesem Band besonders einnehmend beschrieben und es fiel mir so leicht, mich in alle drei Charaktere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern. Die Struktur des Romans ist zugegeben immer noch gewöhnungsbedürftig: Nachdem alle drei Charaktere ein Einstiegskapitel bekommen, folgen wir mehreren Kapiteln zunächst Corrick, dann Tessa, und dann Harristan, bis die Sichtweisen danach wieder durchgemischt werden. Ein Beispiel: Zwischen der ersten und der langen, zweiten Corrick-Sichtweise vergehen nur etwa vierzig Seiten, doch zwischen der zweiten und dritten vergehen über zweihundert, weil die zweiten Sichtweisen der drei Charaktere ordentlich Raum einnehmen. So konnte ich den Handlungssträngen der einzelnen Charaktere zwar besonders gut folgen, wünschte aber zugleich, die Sichtweisen wären schon von Anfang an gut durchgemischt gewesen.

Glücklicherweise sind die Handlungsstränge dafür alle drei hervorragend, sodass mir diese ungewöhnliche Struktur letztendlich nicht SO viel ausmachte. Ich war unglaublich investiert in Corricks und Lochlans schwierige Beziehung, die sich nach und nach in Freundschaft verwandelte, und liebte Corricks zufriedenstellende Charakterentwicklung; ich fand es großartig, wie auch zwischen Tessa und dem Leibwächter Erik eine Freundschaft entstand und wie sie sich entschloss, den Bewohnern der Insel zu helfen, während sie gleichzeitig darum kämpfte, eine Passage nach Hause zu bekommen; und zuletzt habe ich auch mit Harristan mitgefiebert, der an jeder Ecke Verrat fürchten muss, sich aber für sein Volk einsetzt und zudem eine süße Liebesgeschichte mit Quint erlebt. All diese Handlungsstränge waren so emotional und gipfelten in einem großartigen Ende, das mich selbst beim zweiten Lesen zu Tränen rührte, weil es einfach so wunderschön war.

Interessanterweise vergeht gehörige Zeit, bis Corrick und Tessa wieder zueinander finden. In meiner Erinnerung trafen sie sich nach zwei Dritteln der Handlung, aber tatsächlich vergehen ganze fünfhundert Seiten, ehe das geschieht. Etwas, das in anderen Romanen definitiv ein großer Kritikpunkt wäre, sind sie schließlich das Hauptpaar der Reihe; doch obwohl ich mir durchaus gewünscht hätte, sie wären früher wiedervereint worden, kann ich es einfach nicht als Kritik wahrnehmen, weil ihre einzelnen Handlungsstränge mich umso mehr fesselten. Es war so erfrischend, in diesem Band keinen Fokus auf Romanzen, sondern auf Freundschaften zu haben, zumal sie alle wunderbar umgesetzt waren. Erwähnen wollte ich es trotzdem für diejenigen, die lieber den Romanzen-Aspekt bevorzugen, aber mich selbst störte die lange Trennung nicht.

Insgesamt ein großartiger Abschluss der Trilogie, der vor allem durch seine Charakterbeziehungen brilliert!

Palace of Ink & Illusions, Band 2: Die Nacht des Verrats (Knisternde Romantasy von SPIEGEL-Bestsellerautorin Sabine Schoder)
437 Seiten

Der Wettbewerb der Musen geht für Liv und Flame weiter, die noch mehr als sonst darauf achten müssen, dass niemand ihre Gefühle füreinander entdeckt. Die letzten Prüfungen werden ihnen alles abverlangen, was sie haben, und noch viel mehr – denn die Vorhersage ihrer Zukunft hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert. Und dann ist da noch Erato, der seine eigenen Pläne zu haben scheint …

Der zweite Teil der Dilogie war leider ein hervorragendes Beispiel dafür, dass eine Geschichte noch so spannend und einnehmend sein kann, wenn das Ende (speziell: das Finale) mich enttäuscht. Denn bis dahin war ich ausgesprochen begeistert vom Buch – ich mochte die Chemie zwischen Liv und Flame, war SEHR investiert in Shellys und Sawyers dramatische Storyline und habe wegen ihnen sogar mehrere Tränen vergossen und mochte die letzten Prüfungen der Musen ebenfalls ausgesprochen gern. Ein paar kleinere Kritikpunkte hatte ich bis dahin zwar auch (so war ich zwar dankbar für Eratos begrenzte Screentime, fand aber, dass seine Prüfung etwas zu lange ging und hätte mir gewünscht, Vics und Violets Erlebnisse währenddessen zu erfahren), aber es waren verzeihliche Kritikpunkte, weil sowohl die Haupthandlung mit Liv und Flame als auch die Nebenhandlung mit Shelly und Sawyer so unglaublich gut umgesetzt war.

Aber dann kam das Finale, das mich leider sehr enttäuschte. Flame begeht hier einen absolut unverzeihlichen Vertrauensbruch, in dem er Liv dazu manipuliert, etwas absolut Abscheuliches zu tun (natürlich nur, um sie zu beschützen), ohne ihre eigene Meinung zu respektieren oder das Trauma, das er damit auslöst. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass mich kein Ende zufriedenstellen wird, denn diesen Vertrauensbruch konnte ich ihm nicht verzeihen und hätte an Livs Stelle vermutlich bewusst dafür gesorgt, dass er umsonst ist.

Flames Verhalten ist auch deshalb so enttäuschend, weil die Geschichte ihre feministischen Aspekte ansonsten sehr gut einbaut, bis Liv dann doch jegliches Recht, selbst zu entscheiden, entzogen wird, um sie stattdessen zu einer Aktion zu zwingen, die sie nicht begehen wollte. Dabei hätte es eine so viel bessere Lösung gegeben, in denen beide den Schlupfwinkel in den Regeln nicht erst im Epilog, sondern schon vorher realisiert hätten, um daraufhin gemeinsam zu entscheiden, ihn zu nutzen, statt zufällig festzustellen, dass er existiert. Dadurch wären beide aktiv ein Teil des Plans gewesen, was ich eindeutig bevorzugt hätte.

Die Twists im Allgemeinen, auch die gegen Ende, sind um Übrigen echt gut und es gab mehrere Stellen, bei denen ich ungläubig auf die Seiten gestarrt habe. Ich wünschte nur, ich hätte es nicht auf eine Weise tun müssen, die mir letztendlich einen beträchtlichen Teil des Lesevergnügens nahm.

Eine gute Reise, sogar eine, bei der ich Tränen vergoss, aber das Ziel hätte man meiner Meinung nach anders umsetzen müssen!

Totenbraut
348 Seiten

Jasna wird von ihrem Vater an den reichen Gutsherrn Jovan Vuković verkauft, um dessen Sohn Danilo zu heiraten. Voller Angst betritt sie ihr neues Heim – und merkt bald, dass die Vukovićs ein Geheimnis haben. Die Dorfbewohner verachten sie, und die gespenstischen Geschichten über einen Vampir, der im Dorf umgehen soll, schüren ihre Ängste. Jasna ist entschlossen, das Geheimnis der Familie herauszufinden – ohne zu ahnen, wie groß es tatsächlich ist ...

Ich hatte dieses Buch bereits vor gut fünfzehn Jahren gelesen und damals sehr genossen, weshalb ich mich sehr über die Neuauflage gefreut habe. Viele wichtige Handlungsaspekte hatte ich noch gut in Erinnerung, aber es gibt mindestens genauso viel, das ich bereits wieder vergessen hatte, weshalb es erfrischend war, nach so vielen Jahren wieder in die Geschichte einzutauchen.

Neben dem wunderschönen Schreibstil ist gerade der Mystery-Aspekt hervorragend gelungen: Die Frage, was genau auf dem Hof der Vukovićs vor sich geht und ob die Geschichte sich eher in eine realistische oder in eine fantastische Richtung entwickeln wird, war sehr spannend umgesetzt und hat mich auch bei diesem Lesedurchgang ordentlich auf Trab gehalten. Die vielen Überraschungen sorgten für eine gute Spannung!

Jasna, Danilo und Dušan waren mühelos die stärksten Charaktere – sowohl die vorsichtige Freundschaft zwischen Jasna und Danilo als auch die langsame Romanze zwischen Jasna und Dušan waren großartig. Die anderen Charaktere (speziell die Dorfbewohner) bleiben dafür sehr blass, weshalb es schwierig war, mit ihrer Angst vor einer Bestie mitzufiebern. Allgemein waren die Szenen, die sich mit Jasnas Eingliederung in das Dorf beschäftigen, langsamer erzählt und ich fieberte viel mehr mit den Ereignissen auf dem Gut mit.

Davon abgesehen haben wir hier aber einen wunderschön geschriebenen, spannenden Roman, der mir auch nach all den Jahren immer noch wunderbar gefällt!

Mehl, Magie und Machenschaften
332 Seiten

Mona ist vierzehn Jahre alt und hilft bei der Bäckerei ihrer Tante aus. Mit ihrer Magie kann sie Brot verzaubern, allerdings nicht viel mehr, weshalb sie sich auch nicht für eine besonders starke oder wichtige Magikerin hält. Doch dann findet sie in der Bäckerei die Leiche eines Mädchens und wird vor dem Frühlingsgrünen Mann gewarnt, der es auf die Magiker der Stadt abgesehen hat. Und es liegt an Mona, die bald die einzige übrig gebliebene Magikerin ist, die Herzogin zu warnen und einen Krieg zu verhindern – und zwar nur mit ihrer Backkunst …

Ich habe das Buch letztes Jahr bereits auf Englisch gelesen und fand es gut, doch jetzt auf Deutsch sogar noch besser! Das liegt möglicherweise daran, dass es mir immer noch leichter fällt, auf Deutsch als auf Englisch zu lesen, aber so oder so habe ich das Lesen sehr genossen und es machte mir Spaß, Mona und ihren kreativen Ideen zuzuschauen. Diese Geschichte hatte Szenen und magische Anwendungen, die ich bisher noch nirgendwo gelesen habe und die ich vermutlich auch nie wieder lesen werde; so kreativ, spaßig und dramatisch war die Art und Weise, wie Mona ihre magische Kraft anwandte!

Die eigentliche Handlung ist grob in drei Teile aufgeteilt: Das Finden der Leiche und die Anklage gegenüber Mona, der Frühlingsgrüne Mann und Monas Entschluss, die Herzogin zu warnen sowie der Krieg am Ende, bei dem Mona zeigen muss, was in ihr steckt. Diese Teile gehen fließend ineinander über, kamen mir aber wie separate Handlungsstränge vor – und zum Glück sehr gute! Am liebsten hat mir das spannende Ende gefallen, das Monas Möglichkeiten so gut aufzeigt, wobei mir aber auch sehr gefiel, dass über den ganzen Roman hinweg betont wurde, dass ein vierzehnjähriges Mädchen nicht gezwungen sein sollte, zur Heldin zu werden. Das mangelnde Handeln der Erwachsenen wird tatsächlich infrage gestellt, was ich wunderbar fand.

Von den Charakteren mochte ich die Herzogin, Spindle und den Lebkuchenmann am liebsten – die Herzogin, weil ich ihre vernünftige Art mochte, Spindle, weil er allgemein ein großartiger Freund war und der Lebkuchenmann, weil er von allen Kreationen Monas schlicht die beste ist. Alle drei spielen zudem eine wichtige Rolle in der Handlung, auch wenn ihre Charaktere an sich zugegeben nicht allzu komplex sind.

Insgesamt ist das eine wunderbare Cozy Fantasy, die vor allem durch ihre Kreativität besticht und ein wunderbares Abenteuer bietet!

Die gestohlene Zeit
320 Seiten

Isaac hilft seinem Vater, dem Uhrmacher, der für den Big Ben zuständig ist, gerade dabei, die Uhr umzustellen, als sein Vater kurz eine der kleineren Glocken kontrollieren will. Doch er kommt nicht zurück und Isaac befürchtet, er könnte entführt worden sein. Hattie, die gerne auf die Dächer der Stadt klettert, bestätigt seine Vermutung, denn zur selben Zeit hat sie einen verdächtigen Mann beim Big Ben gesehen. Hängt die Entführung vielleicht mit der Dezimalzeit zusammen, die bald in Großbritannien eingeführt werden soll? Zusammen machen die beiden sich daran, die Hinweise zu entschlüsseln, die Isaacs Vater ihm hinterlassen hat …

Dieser Krimi hat mich mit der Fülle an interessantem Wissen, das er zu bieten hat, positiv überrascht! Denn eigentlich hatte ich „nur“ ein paar spannende Ermittlungen erwartet (die wir auch bekommen), aber nicht die vielen interessanten Fakten rund um das Thema Zeit, den Big Ben im Speziellen, aber auch darüber, wie in London ein Gesetz verabschiedet wird. Natürlich hat der Autor sich bei einigen Bereichen ein paar Freiheiten genommen, die er in den Anmerkungen am Ende auch ausführt, aber größtenteils entsprechen diese Fakten tatsächlich der Wahrheit, was sie umso faszinierender machte.

Neben dem Krimi, bei dem Isaac und Hattie verschiedenen Hinweisen nachgehen, war ich zum Beispiel sehr fasziniert von der im Buch diskutierten Idee, einen Vierundzwanzig-Stunden-Tag stattdessen in zehn Stunden aufzuteilen, mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. So gab es tatsächlich Länder wie Frankreich und China, die für eine gewisse Zeitspanne die Dezimalzeit benutzten, was mir neu war und was ich deshalb besonders interessant fand. Zwar stehe ich wie Isaac und sein Vater ganz hinter der bewährten Zeit, doch allein die Idee, sie anders zu messen, fand ich faszinierend.

All diese Informationsschnipsel fand ich sogar ein wenig interessanter als den Krimiaspekt, weil ich bei dem leider nicht so gut mitraten konnte. Das spannende Ende hat mir dafür sehr gefallen, nur der Weg dahin war für mich recht undurchsichtig.

Was die Charaktere angeht, bleiben die meisten recht eindimensional; nur die Hauptcharaktere und der Antagonist haben sich mir richtig eingebrannt, aber der Rest konnte bei mir keinen starken Eindruck hinterlassen. Insofern sind sie wohl eine Schwäche des Romans, aber zumindest eine, die mir zwar auffiel, mir aber nicht so viel ausmachte, weil die Handlung dafür gut umgesetzt war.

Was die äußerlichen Aspekte angeht, mochte ich lobend die Uhr erwähnen, die über jedem Kapitel eingezeichnet ist und mit jedem Kapitel von 11:01 bis 12:00 eine Minute vorrückt – ein cooles Konzept, das ich am liebsten in noch mehr Büchern lesen würde! Kritisch fand ich dafür die Diskrepanz zwischen dem Cover und den Illustrationen im Inneren; speziell Isaac sieht auf dem Cover überhaupt nicht so aus, wie er beschrieben und in den Illustrationen dargestellt wurde, was ich ein wenig irritierend fand.

Doch sind diese äußerlichen Aspekte letztendlich kein eigentlicher Teil der Geschichte – und diese ist speziell für wissbegierige Krimileser perfekt geeignet!