– Lázár
 336 Seiten

Lajos von Lázár wird als blasses Kind mit blonden Haaren und wasserblauen Augen geboren. Sein Vater Sándor ahnt nur unbewusst, dass dieses Kind nicht sein Sohn ist, während seine Mutter Mária in Depressionen versinkt. Lajos‘ Schwester Ilona erlebt ein Trauma im Wald, Onkel Imre gilt als geisteskrank und später hat auch Lajos‘ Sohn Pista Probleme damit, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Die Familie, die einst als adlig galt, verliert im Lauf der Jahrzehnte an Glanz – denn während den Geschehnissen des zwanzigsten Jahrhunderts suchen sie vor allem eins: Freiheit …

Ich hatte mich durchaus auf diesen literarischen Roman gefreut und am Anfang war er auch äußerst vielversprechend, doch zu meinem Bedauern blieb es nicht dabei.

Das erste Drittel war wirklich gut: Ich mochte den wunderschönen Schreibstil, der eine faszinierende Atmosphäre schuf und den Glanz der Lázárs fantastisch einfing; die teils sehr langen Sätze verwirrten mich zunächst, doch gewöhnte ich mich bald an sie und nahm sie als Teil des Stils an. Hier hat Nelio Biedermann die Gefühle der Familienmitglieder mühelos eingefangen, ich fieberte überraschend stark mit ihnen mit und wollte wissen, wie es mit der Familie weitergeht.

Doch ab dem Tod des Vaters, der auch das Ende des Familienglanzes einleitet, fiel die Geschichte für mich stark ab. Obwohl natürlich gerade in der Nazizeit einige Dinge passieren, fühlte es sich größtenteils so an, als würde die Geschichte vor sich hinplätschern; sie las sich sehr langwierig und nur Pistas kurze Romanze mit Matilda konnte mich einnehmen. Zudem wurde ab diesem Zeitpunkt noch deutlicher, wie viele Sexszenen es gibt.

Sie tauchen bereits im ersten Drittel auf und obwohl sie meistens recht kurz sind, hat mich ihre pure Anzahl überrascht. Im ersten Drittel störten sie mich noch nicht, weil es genug andere Szenen gab, die mich packten, doch danach fand ich sie nur noch unnötig. Ich glaube, ich habe noch nie einen Roman mit so vielen Sexszenen gelesen (die auch Vergewaltigung mit einschließen), was mir persönlich nicht gefallen hat. So kurz sie größtenteils auch waren – sie haben mich viel zu oft von der eigentlichen Handlung abgelenkt.

Natürlich muss ich erwähnen, dass ich nicht unbedingt die Zielgruppe des Romans bin und er dafür umso mehr etwas für andere Leser:innen sein könnte, aber mich selbst hat er nur im ersten Drittel begeistert – und danach leider enttäuscht.

– Water Moon
 416 Seiten

Hana und ihr Vater leiten ein Pfandhaus, in dem sie die bereuten Entscheidungen ihrer Besucher gegen Seelenfrieden eintauschen. Doch an dem Tag, an dem Hana das Pfandhaus übernehmen soll, verschwindet ihr Vater und eine der Entscheidungen – und bald schon findet sie heraus, dass er nach ihrer scheinbar verstorbenen Mutter sucht. Zusammen mit Keishin, einem jungen Doktor der Physik, beginnen sie eine magische Reise, um ihren verschwundenen Vater zu finden – wobei alles, was Keishin bisher über die Welt zu wissen glaubte, auf den Kopf gestellt wird …

Entscheidungen, die man eintauschen kann, Zeit, die sich falten lässt, Erinnerungen, die als Perlen aus der Haut geschnitten werden, ein Dorf, das die Sterne für die Nacht vorbereitet: Dieser Roman lebt aus seinen Ideen. Es gibt so unglaublich viele kreative davon, die ich bisher noch nie in einem Roman las, dass ich geradezu Ehrfurcht vor der Kreativität der Autorin verspürte. Über den ganzen Roman hinweg besuchen Hana und Keishin verschiedene Orte, die alle auf ihre eigene Weise funktionieren und die Magie eines Ghibli-Films haben. Sie waren mit Abstand die größte Stärke des Romans, der leider auch nicht ganz so gut umgesetzte Aspekte hatte.

Zum einen ist da der Schreibstil, der sich recht langsam liest und der Geschichte einen ruhigen Erzählstil gibt, selbst an spannenden Stellen. Zum anderen sind es die Hauptcharaktere selbst: Sie waren ganz in Ordnung, aber nicht herausragend. Gegen Ende gibt es ein paar Twists, die die Charaktere in einem komplett anderen Licht darstellen. Die Twists allgemein waren absolut genial und eine weitere Stärke des Romans, aber während sie Keishin tatsächlich bei seiner Charakterisierung halfen, schadeten sie Hana, die durch sie um einiges unsympathischer wurde. Ihre Romanze selbst fand ich auch nicht allzu glaubwürdig; ich spürte zwischen ihnen keine Chemie, kein Knistern, kein Vertrauen, und könnte mir gut vorstellen, dass sie sich nach dem Ende sehr bald wieder voneinander trennen.

Das Ende selbst war bittersüß und das Finale ein wenig zu lange gestreckt, sodass ich am Ende nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis war. Die Gefahr, der Hana und Keishin sich stellten, schien viel zu groß, um sie realistisch zu besiegen, und die Botschaft am Ende war mir zu uneindeutig.

Die Geschichte habe ich vor allem wegen ihrer Ideen genossen, von denen ich es zudem mochte, dass sie nicht weiter ausgebaut wurden, sondern ein kleiner Teil des Romans blieben. Vermutlich könnte man fast aus jeder dieser Ideen einen eigenen Roman schreiben, aber mir gefiel es, sie als Teil einer großen, magischen Welt zu sehen. Die anderen Aspekte überzeugten mich nicht ganz so sehr, aber allein wegen der Ideen (und der Twists) lohnt sich eine Leseempfehlung für alle, die über die Schwächen hinwegsehen können.

– Das Jahr voller Bücher und Wunder
 496 Seiten

Seit ihr Ehemann Joe gestorben ist, hat Tilly die Leidenschaft fürs Lesen verloren. Als sie am Anfang des Jahres einen Anruf vom Buchhändler Alfie bekommt, ist sie deshalb umso überraschter, als er ihr offenbart, dass Joe ihr ein Jahr voller Bücher vorbereitet hat – für jeden Monat eines. Zunächst möchte Tilly am liebsten nichts damit zu tun haben, zu sehr schmerzt der Verlust noch, doch als sie schließlich Joes erstes Buch liest, entdeckt sie tatsächlich die Liebe fürs Lesen wieder. Monat für Monat besucht sie Alfie, holt sich ihr Buch und kehrt immer mehr ins Leben zurück. Und vielleicht kann sie auch die Liebe wieder für sich entdecken …

Ich habe bereits eine ausführliche Leseprobe des Buchs gelesen, das die ersten sechs Monate enthielt und bin froh, dass auch das gesamte Buch eine wirklich schöne Lektüre war. Es ist wirklich unglaublich leicht, in die Geschichte einzutauchen, in Tillys Selbstfindung und in ihre wachsende Romanze mit Alfie. Natürlich machte es auch viel Spaß, die Diskussionen über Bücher zu verfolgen, aber tatsächlich liegt der Fokus nicht auf den Büchern selbst, sondern auf deren Wirkung. Die Bücher, die Tilly während des Jahres liest, werden in der Regel nicht ausführlich behandelt, sondern die Dinge, zu denen sie Tilly inspirierten, speziell Reisen in verschiedene Länder und das Ausprobieren neuer Hobbys.

Das fand ich besonders erfrischend: Zwar nimmt die Romanze mit Alfie selbstverständlich einen wichtigen Teil der Handlung ein, aber beide haben auch ihren individuellen Handlungsstrang. Ich liebte es, die süßen Momente zwischen den beiden zu lesen, aber auch die Art und Weise, wie sie mit ihren persönlichen Problemen umgingen. Gerade bei Tilly spielen auch die Beziehungen zu ihrer Schwester, besten Freundin und Schwiegermutter eine wichtige Rolle, wobei ich sehr froh war, dass es bei allen eine zufriedenstellende Aussprache gab.

Ich glaube, das einzige, was ich zunächst überraschend fand, ist die Tatsache, dass Joe Tilly vergleichsweise viele Sachbücher schenkt. Einerseits fand ich es gut, dass sehr viele verschiedene Genres zur Sprache kamen, von Kinderbüchern bis zu Reiseführern, aber andererseits habe ich etwas mehr Romane vermisst – zumal es zwischen den Monaten immer eine Empfehlungsliste von Alfies Buchhandlung mit verschiedenen Romanen gibt. Letztendlich mochte ich es allerdings, dass Tilly so auf verschiedene Weisen geholfen wurde.

Insgesamt also ein richtig schönes Wohlfühlbuch, das einfach gut tut – über das ganze Jahr hinweg!

– Krawall im Klassenzimmer - Hitzefrei für alle!
 135 Seiten

Nach einem verlorenen Fußballturnier ist Fritzi aus der 5d sauer auf Nils aus der 5a, dem sie die Schuld dafür gibt. Die Schülerzeitung „Das blaue Auge“ gibt ihr die perfekte Gelegenheit, es ihm heimzuzahlen: Sie verkündet eine Belohnung für die Klasse, die es bis zum Ende des Schuljahrs schafft, die Hammer-Aktion des Jahres durchzuführen – einen Streich, der so gut ist, dass er die Schule ordentlich aufrüttelt. Und sowohl Fritzi als auch Nils sind entschlossen, diesen Preis einzuheimsen …

Ich hatte mal wieder Lust auf ein Kinderbuch und dieses hier ist eine wahrlich amüsante Lektüre. Ich war positiv überrascht, wie viel Anja Janotta in wenigen Seiten erzählt hat; denn obwohl die Lektüre kurz ist, fühlt sie sich (auf gute Weise) länger an, als sie es eigentlich ist. Mir macht es sehr viel Spaß, sowohl Fritzi als auch Nils bei ihren Plänen zuzuschauen und ich musste mehrmals schmunzeln, wenn sie wieder einen neuen Streich ausheckten. Die beiden waren mir ausgesprochen sympathisch; zwar mochte ich auch ein paar der anderen Charaktere (zum Beispiel die Hausmeisterinnen Maren und Miriam sowie Nils‘ Freund Titus), doch bei Fritzi und Nils wusste ich es sehr zu schätzen, dass keiner von ihnen bevorzugt wurde und beide ihre sympathischen Seiten zeigen durften.

Ungewöhnlich fasziniert war ich von der Schülerzeitung, dem „blauen Auge“, deren Posts sich sehr gut lasen und mich gleichzeitig fragen ließen, wer wohl dahinter steckt. Ich habe durchaus ein paar Theorien, aber so oder so haben die Posts die Handlung bereichert.

Die Streiche waren natürlich ein Highlight, wobei ich vor allem die Kreativität der Kinder zu schätzen wusste. Mein Liebling war wohl der Streich mit den Klamotten an der Decke, aber auch die anderen waren lustig zu lesen, ohne je so extrem zu werden, dass es problematisch werde.

Insgesamt also ein humorvolles Kinderbuch – nicht nur für Kinder!

– Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
 352 Seiten

Gwin hat die Nase voll davon, dass jeder sie zu Hause kontrollieren will und sie nichts selbst entscheiden darf. Kurzerhand reißt sie aus und landet dank einer unhöflichen sprechenden Katze in Madame Manous geheimen Zauberladen. Hier bekommt sie eine Anstellung und serviert magischen Wesen ihr Essen. Bis sie im Keller auf eine Bilderrolle mit einem gezeichneten Drachen trifft. Obwohl ihr Flammenfreund Ignatius sie warnt, befreit sie den Drachen, der sich als Jun vorstellt und unbedingt das zurückbekommen möchte, was ihm gestohlen wurde: Sein Herz …

Dieses schöne Kinderbuch hat mich (auf positive Weise) sehr an Ghibli-Filme erinnert, speziell an „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Das Wandelnde Schloss“. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese auch als Inspiration gedient haben, allerdings meine ich das sehr positiv – ich liebte die Atmosphäre, die Welt und die Handlungsstränge, die Verena Maier in ihrem Roman zum Leben erweckt hat! Die Geschichte war die perfekte Mischung aus Cozy Fantasy und Spannung, weil wir gleichzeitig in der Welt versinken und wissen wollen, wohin es die Charaktere als nächstes verschlägt.

Mein Liebling war definitiv Ignatius, der mit seinem Humor die Handlung aufgelockert hat und dessen Gezanke mit Jun außerordentlich amüsant zu lesen war. Für manche Leser:innen lässt sich eventuell schon vorher ahnen, wohin sich die Handlung entwickeln wird, aber tatsächlich machte gerade das Foreshadowing sie umso spannender zu lesen.

Die Art, wie Gwin ihre eigene Welt erschuf und auf verschiedene Wesen traf, hat mir gut gefallen, doch muss ich zugegeben, dass ich den Anfang zu langsam fand – erst nach hundert Seiten fängt die „eigentliche“ Handlung an und davor serviert Gwin im Zauberladen die Gäste. Hier finde ich, dass die Handlung an dieser Stelle hätte gekürzt werden können, um andere Aspekte dafür ausführlicher zu beschreiben.

Das Finale bzw. Ende war dafür umso großartiger – spannend, ungewöhnlich dramatisch, sehr zufriedenstellend und mit der Aussicht auf mehr Abenteuer im Zauberladen. Ich persönlich freue mich sehr darauf und kann dieses Kinderbuch sowohl allen Ghibli-Fans als auch allen Fans von Cozy Fantasy sehr empfehlen!

– Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
 544 Seiten

Hardy und Margret sind inzwischen Urgroßeltern, doch nie haben sie mit ihrer Familie über ihre gemeinsame Vergangenheit gesprochen. Im Jahr 1945 wurde der damals dreijährige Hardy gefunden und in ein Kinderheim gebracht, wo er aufgrund der Tatsache, dass er scheinbar nicht sprechen konnte, als schwachsinnig abgestempelt wurde. Dort hat er Margret kennenlernt, die ihm durch diese schwere Zeit geholfen hat. Doch dann verlieren sie sich aus den Augen und erleben beide ihre eigenen Traumas, die auch in nachfolgenden Generationen noch widerhallen werden …

Nach „Stay away from Gretchen“ ist es Susanne Abel tatsächlich wieder gelungen, eine emotionale und ergreifende Geschichte zu schreiben, die mich genauso sehr berührte. Die Art und Weise, wie sie Hardys und Margrets Leben und vor allem ihre Traumas (sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart) erzählt, war absolut meisterhaft und hat mich richtig mit beiden mitfühlen lassen. Die Tatsache, dass beide Schicksale auf wahren Ereignissen basieren, machte sie noch trauriger, wobei ich jedoch froh bin, dass sie thematisiert wurden. Es fällt mir schwer, mit Worten zu beschreiben, wie viel Eindruck sie auf mich machten, bis zu dem Punkt, an dem ich die Charaktere als reale Menschen empfand – und auf gewisse Weise sind sie es wohl auch. Hier ein sehr großes Lob an Susanne Abel an ihre Erzählkunst!

Gut fand ich es auch, dass beide ungefähr gleichwertig behandelt wurden. Hardy hat durch die Art und Weise, wie sich die Handlung entwickelt, einen leicht stärkeren Fokus, aber das bedeutet keineswegs, dass Margret ignoriert wird; im Gegenteil erleben wir viele Seiten ausschließlich aus ihrer Sicht, die ihr Trauma berührend behandeln, aber auch die Wichtigkeit, die sie für Hardy und den Rest der Familie hatte. Ich glaube, meine einzige Kritik ist, dass ihre Geschichte keinen so perfekten Abschluss bekommt wie Hardys; am Ende von Hardys Geschichte lösen sich viele offene Fäden auf, während Margret dieses Privileg leider nicht bekommt. Auf gewisse Weise mochte ich diese Tragik durchaus, doch ein Teil von mir wünschte sich, dass wir auch zu ihr einen geschlossenen Abschluss bekommen hätten.

Was mir dafür wieder fantastisch gefiel, war die Art und Weise, wie ihre Urenkelin Emily in die Geschichte eingebracht wurde. Wir erleben ihre Entwicklung über mehrere Jahre hinweg, von einem Kind zu einer Jugendlichen, erleben ihre Gefühle und Gedanken hautnah, sodass sie sich trotz ihrer geringeren Screentime zu einem Charakter entwickelte, mit dem ich sehr mitfühlte. Gerade, dass ihre Probleme mit Margret und Hardys kontrastiert wurden und ich trotzdem mit ihr mitfieberte, zeigt fantastisch, wie viel Sorgfalt Susanne Abel in ihre Hauptcharaktere gelegt hat.

Ihre Mutter Julia und ihre Großmutter Sabine bekommen zumindest in diesem Band keine eigene Geschichte, aber das war meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, weil so der Fokus nicht unnötig von Hardy und Margret genommen wurde und ihre Geschichte in der Vergangenheit an einem zufriedenstellenden Punkt endete. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass im möglichen zweiten Band auch Julia und Sabine ihre Geschichte erzählen dürfen.

Insgesamt also ein absolut gelungener historischer Roman, der einen starken Eindruck hinterlässt und die Geschichte der damaligen Kinder emotional erzählt!

– Crazy Family (Band 4) - Die Hackebarts drehen durch
 176 Seiten

Die Hackebarts wurden in das Schloss von Graf Sauberbart eingeladen, um dort die berühmte Klobürste von Chlothilde an ihn zu verkaufen. Insgeheim plant Herr Hackebart jedoch, die Bürste versteigern zu lassen und damit den Preis so weit zu erhöhen, damit er genug Geld für seine Familie hat. Doch zunächst einmal müssen die Hackebarts das größte Problem bewältigen: Graf Sauberbart und sein Diener Jean-Claude de la Trine setzen einen hohen Wert auf Benimmregeln, was bei den vier Kindern der Hackebarts nur in Chaos enden kann ...

Witzig geht es bei den Hackebarts weiter: Diesmal geht es um den Sinn von Benimmregeln, der in diesem Band ganz großartig gelöst wurde. Ich war neugierig, wie genau die Moral der Geschichte umgesetzt werden wird und war positiv überrascht von dem Ergebnis.

Dabei hat der Part mit den Regeln mir noch nicht einmal am besten gefallen, sondern die Auktion gegen Ende! Sie war ausgesprochen lustig und ungewöhnlich spannend, während ich den Teil mit den Regeln stellenweise ZU übertrieben fand. (Natürlich ist genau das der Sinn und es gibt ein paar witzige Stellen diesbezüglich, aber mir gefiel die Spannung der Auktion mehr.)

In diesem Band liegt der Fokus vor allem auf Herr und auf Opa Hackebart, während die Kinder und Frau Hackebart kleinere, aber wichtige Rollen einnehmen. Obwohl ich speziell zu den Kindern gerne noch mehr gelesen hätte, hat es mir gefallen, wie Herr Hackebart von einer Bredouille in die andere geriet.

Insgesamt also wieder ein gutes Hackebart-Abenteuer mit einer guten Botschaft!

– Silvercloak - Unter Feinden
 624 Seiten

Saffron ist kurz davor, ihren Abschluss in der Silvercloak-Akademie zu machen, nur noch eine letzte Prüfung trennt sie davor. Doch ausgerechnet bei dieser letzten Prüfung kommt ihr größtes Geheimnis heraus – sie ist immun gegen Magie. Zunächst fürchtet sie, von der Akademie geworfen zu werden, doch stattdessen wird sie für eine Undercover-Mission ausgewählt, bei der sie sich bei den gefürchteten Bloodmoons einschleichen soll, um die Gruppe ein für alle Mal auszumerzen. Doch nicht nur entwickelt sich diese Undercover-Mission sehr viel gefährlicher, als Saff erwartet hat, sie wird noch dazu mit dem Sohn des Kingpins, Levan Celadon, zusammengeworfen – von dem sie in einer Vision gesehen hat, dass sie ihn küssen und danach töten wird …

Wow, was für ein Fantasyroman! Er war düster, stellenweise grausam, SEHR spannend und für alle Fans von Dark Fantasy perfekt geeignet. Ich war so gefesselt von der Geschichte, dass ich sie am liebsten gar nicht aus der Hand legen wollte, so fasziniert war ich von der Handlung, den Charakteren und der Welt.

Das, was die Handlung so unglaublich spannend macht, sind die hohen Einsätze. Für Saff steht sehr viel auf dem Spiel – und obwohl ihre Intelligenz und ihr schnelles Lösungsfinden hervorragend illustriert werden und oft genug zum Einsatz kommen, gibt es auch viele Situationen, aus denen sie keinen Ausweg findet – und dafür bezahlen muss. In diesem Roman sind Charaktere vor dem Tod und schweren Verletzungen nicht gefeit. Manchmal schafft Saffron es, Schadensbegrenzung zu betreiben, aber manchmal eben nicht – und der Preis dafür ist immer hoch. Ich war teils sehr schockiert davon, welche Dinge sie zu tun gezwungen war, entweder aus eigenem Antrieb oder als Befehl. Meine Lieblingsszenen waren hier die mit Lyrian, Levans Vater, weil seine Macht und Grausamkeit so hoch waren, dass ich nie garantieren konnte, dass Saffron sich aus ihnen herauswinden kann.

Womit wir bei den Charakteren wären. Saff war großartig und ihre Entwicklung über den Roman hinweg packte mich mindestens so sehr wie die Handlung. Bei Levan wusste ich lange Zeit nicht, was ich von ihm denken soll, weil er sowohl grausame als auch einfühlsame Seiten zeigte (wobei ich froh war, dass beide Seiten von Saffron zur Kenntnis genommen werden). Selbst am Ende bin ich mir nicht komplett sicher, ob ich ihn nun mag oder nicht, weil er mir insgesamt zu grausam war, ich ihn aber trotzdem verstehen konnte. Was Nebencharaktere angeht, haben sich vor allem Nissa, Tiernan und Auria hervorgehoben – sogar so sehr, dass ich am liebsten einen ganzen Roman über die Anfangsgruppe gelesen hätte, von dem sie und Saff ein Teil sind. Sie haben leider verhältnismäßig wenig Screentime, aber genug, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Die Romanze von Saffron und Levan konnte mich dagegen nicht ganz überzeugen. Sie haben durchaus eine gewisse Chemie, die allerdings sehr viel komplexer als eine Romanze ist – ihre Gefühle zueinander waren sehr faszinierend, doch wünschte ich, dass ihre Romanze sich in diesem Band noch nicht entwickelt hätte, weil keiner von beiden sich in einer Lebenssituation befand, in der sie offen für eine (neue) Romanze schienen. Ihre Beziehung war immer noch einnehmend, aber nicht auf eine Weise, bei der ich mir wünschte, sie würden zusammenkommen. Gerade das grandiose Ende lässt mich jedoch wundern, wie sich ihre Beziehung im nächsten Teil wohl entwickeln wird.

Zuletzt möchte ich unbedingt das Worldbuilding ansprechen, weil es einfach fantastisch war. Das Magiesystem, bei dem die Charaktere durch Lust oder durch Schmerz Magie wirken können, war großartig umgesetzt und die Welt selbst hat sich lebendig angefühlt: Nicht nur gibt es Details wie eigene Monate und Wochentage, sondern auch größere Dinge wie fiktive Geschichten und reale Sagen innerhalb der Welt, die sie sehr viel reicher gemacht haben, als sie ohnehin schon war. Die ganze Welt wirkt verbunden und durchdacht und ich kann es nicht erwarten, im nächsten Teil noch mehr von ihr zu sehen.

Insgesamt also eine sehr spannende und empfehlenswerte Fantasygeschichte – ich will nur noch einmal betonen, dass sie stellenweise echt heftig ist und deshalb nicht für alle Fantasyleser:innen geeignet, sondern speziell für Fans von Dark Fantasy. Mir selbst hat sie ausgesprochen gut gefallen und ich freue mich schon auf den zweiten Teil!

– Im Leben nebenan
 270 Seiten

Antonia scheitert wieder und wieder daran, zusammen mit ihrem Partner Jakob ein Kind zu bekommen. Eines Tages wacht sie in einem Parallelleben auf, in dem sie mit ihrer ersten Liebe Adam verheiratet ist und ein kleines Baby namens Hanna hat. Beide Leben werden uns vor Augen geführt – und beide Leben zeigen, dass es im Leben nebenan weder besser noch schlechter ist als in dem Leben, das wir leben.

Diese Geschichte ist ruhig erzählt und ich brauchte zunächst ein paar Kapitel, bis ich begriff, das die Links- bzw. Rechtsplatzierung der Kapitelzahl anzeigt, welches Leben gerade beschrieben wird (links: Adam, rechts: Jakob). Zwar begriff ich durchaus, welches Leben ich gerade lese, aber dadurch, dass die Kapitelanzahl nicht parallel verläuft, geriet ich am Anfang durcheinander, als auf ein rechtsbündiges Kapitel 3 ein linksbündiges Kapitel 5 folgte. Selbst den zusätzlichen Unterschied zwischen den Leben, bei dem Antonia in Adams Kapitel mit ihrem vollen Namen genannt wird, während sie in Jakobs Leben schlicht Toni gerufen wird, begriff ich erst nach der verwirrenden Anfangsphase.

Dadurch, dass nicht viel passiert, lebt die Geschichte vor allem von Antonias Konflikten und Zweifeln bezüglich des Baby-Habens und Baby-Wollens. Diese waren sehr gut beschrieben, sodass ich mich leicht in Antonia hineinversetzen konnte, obwohl ich selbst mit diesen Problemen nichts anfangen kann. Ob das auch anderen so geht, kann ich schwer beurteilen, aber ich selbst war beeindruckt davon, wie nah wie Antonias Innenleben erleben.

Die größte Stärke des Romans ist es jedoch, dass beide Leben gleichwertig beschrieben werden, keines wird als besser oder schlechter dargestellt. Während Toni sich nach einem Baby sehnt und sich vorstellt, wie vollständig ihr Leben danach wäre, hat Antonia sowohl mit Hanna als auch mit dem Muttersein an sich Schwierigkeiten, weil es so viele neue Probleme gibt, die es zu bewältigen gilt. Zwar wünschte ich, dass auch die Vorzüge von beiden Leben stärker herausgearbeitet worden wären, aber zumindest habe ich am Ende keines der Leben als bevorzugt empfunden.

Das Ende kommt ein wenig abrupt und ich wünschte, es wäre noch weiter ausgebaut worden, weil es so wirkte, als hätte Anne Sauer mittendrin zu schreiben aufgehört. Die letzte Szene mochte ich sehr und sie impliziert, dass das Leben so oder so schlicht weitergeht, aber mir hätte ein runder Abschluss noch besser gefallen.

Insgesamt eine Lektüre, die zum Nachdenken anregt und klar macht, dass das Leben nie perfekt ist.

– Tinte, Staub und Schatten: Das Herz des Labyrinths. Das große Finale der Bücherlabyrinth-Dilogie. Fantasy-Abenteuergeschichte
 384 Seiten

Minna ist am Boden zerstört, nachdem ihre Mutter sie verraten hat. Zusammen mit Gulliver, Jasper und Parzival muss sie nun einen Weg finden, ihre Mutter aufzuhalten, bevor diese ihre Pläne umsetzen kann. Im Herz des Bücherlabyrinths liegt die Antwort, da ist Minna sich sicher – doch dazu müssen sie Tinte und Schatten aufsuchen, die beiden anderen Patrone des Labyrinths. Eine Aufgabe, die inmitten all der Fallen, die in ihm lauern, alles andere als leicht ist …

Der zweite Band der „Tinte, Staub und Schatten“-Dilogie lässt zwar noch Raum für mehr offen, gibt der Geschichte allerdings immer noch einen guten Abschluss. Besonders positiv stach die Spannung hervor – denn es gibt in diesem Band so viele Rätsel, Gefahren, dramatische Szenen und spannende Situationen, dass ich von Anfang bis Ende mitgefiebert habe. Gerade dadurch, dass die Lösungen nicht immer einfach waren und Opfer von den Charakteren erforderten, machte es umso spannender, ihre Abenteuer zu verfolgen. Hier ein großes Lob an die Autorin, dass sie die Charaktere mit tatsächlich schwierigen und emotional aufgeladenen Situationen konfrontierte!

Apropos Emotionen: Auch die Charakterbeziehungen spielen in diesem Band eine wichtige Rolle, wobei sie teilweise sehr gut und teilweise ausbaufähig beschrieben waren. Besonders möchte ich die romantischen und elterlichen Beziehungen hervorheben, denen besonders viel Zeit gewidmet wird. Eine, die ich zu meiner eigenen Überraschung verbesserungswürdig fand, war die zwischen Jasper und Parzival – zumindest von Jaspers Seite aus. Denn während bei Parzival kein Missverständnis darüber besteht, wie er für Jasper empfindet, verstand ich Jaspers konstante Antipathie ihm gegenüber nicht unbedingt als Zeichen großer Gefühle – im Gegenteil war ich davon ausgegangen, dass er keine hatte und wollte, dass Parzival das akzeptiert.

Natürlich GAB es Stellen, in denen angedeutet wurde, dass er Parzival nicht ganz so sehr hasst, doch waren diese Szenen sowohl von ihrer Anzahl als auch von ihrer Länge her so stark limitiert, dass ich mir gerne mehr gewünscht hätte, die Jaspers wachsende Gefühle zeigen. So ungefähr wie bei Minna und Gulliver, die weniger Szenen miteinander hatten, sich aber gegenseitig mit Blicken, Worten und Gesten mühelos demonstrierten, dass sie ineinander verliebt sind. Bei ihnen war es sehr viel glaubhafter und verständlicher, dass sie ein Paar wurden, weil die Andeutungen offensichtlich genug waren, während es bei Jasper und Parzival etwas zu plötzlich geschah. (Wie gesagt besteht über Parzivals Gefühle kein Zweifel, aber bei Jasper wäre ich allein aufgrund seines Verhaltens niemals darauf gekommen.)

Insgesamt waren die Beziehungen an sich – und vor allem die Freundschaft der vier Hauptcharaktere – jedoch großartig und herzerwärmend. Die vielen Gefahren haben hier sehr dabei geholfen, (noch) tiefere Beziehungen zu bauen und gleichzeitig die Qualitäten der Charaktere zu zeigen, die alle Szenen haben, in denen sie mit ihren Stärken und Schwächen konfrontiert werden. Auch das Worldbuilding wird hier großartig gezeigt, weil die Wesen, auf die die Charaktere im Labyrinth treffen, auch tatsächlich gut zu der Welt des Labyrinths (und seiner Hintergrundgeschichte) passen.

Die Elternfiguren (Minnas Vater und Gullivers Vater) fand ich ganz schön diabolisch, bis zu dem Punkt, an denen ich ihnen nicht für ihre Taten verzeihen konnte und fast gewünscht hätte, Minna und Gulliver hätten es auch nicht getan. Natürlich habe ich verstanden, warum sie es letztendlich doch taten und sie sehr dafür respektiert, aber ich hätte diese Stärke vermutlich nicht gehabt.

Insgesamt ein guter Abschluss der Dilogie, doch tatsächlich hätte ich nichts dagegen, noch mehr von den Charakteren zu lesen, weil sie mir alle so gefallen haben!

– Das Buch der verlorenen Stunden
 480 Seiten

Lisavet Levy ist elf Jahre alt, als ihr Vater sie zum Schutz vor den Nazis in den Zeitraum wirft – einem Ort, der außerhalb der Zeit liegt und der Zeithütern erlaubt, die Erinnerungen der Menschen zu besuchen. Hier verbringt Lisavet die nächsten Jahre und bewahrt dabei die Erinnerungen, die von anderen Zeithütern verbrannt werden sollen, in ihrem Buch auf. Als sie auf den Zeithüter Ernest trifft, der für die Gegenseite arbeitet, überzeugt sie ihn davon, mit ihr zusammen die Erinnerungen der Menschheit zu beschützen. Doch als sie sich ineinander verlieben, drohen sie, von Ernests Vorgesetzten Jack erwischt zu werden, was das gesamte Zeitgefüge auseinanderbrechen könnte …

Ich liebe Zeitreise-Romane und die, die ich besonders liebe, schaffen es, wunderschöne Verbindungen zwischen den Zeiten und Charakteren zu schaffen, die das gesamte Leseerlebnis bereichern. Und obwohl diese Verbindungen in diesem Roman vielleicht etwas zu offensichtlich sind – besonders für diejenigen, die bereits schon einige Romane in dieser Richtung gelesen haben –, hat mir die Lektüre immer noch sehr gut gefallen! Es war einfach ein wunderschönes Erlebnis, Lisavet und Ernest bei ihren Abenteuern und ihrer Romanze zuzusehen, weil beides so gut umgesetzt war – spannend, dramatisch und voller moralischer Fragen. Speziell die Art und Weise, wie sich ihre Leben und ihre Liebe im Lauf der Jahre änderten, war einfach fantastisch.

Teils liegt das definitiv an Lisavet, die eine vielschichtige Protagonistin mit ihren eigenen Fehlern und reuevollen Entscheidungen war. Ich habe definitiv nicht jeder Tat, die sie durchführte, zugestimmt – manche von ihnen waren wirklich furchtbar –, doch ich habe die Motivation hinter ihnen immer noch verstanden und ihr gewünscht, dass sie ein gutes Ende findet, obwohl sie es für andere verhindert hat.

Neben Lisavet bekommen wir auch Amelias Sichtweise zu lesen, die als Ernests Nichte ebenfalls in die Geschehnisse hineingezogen wird. Zwar liegt der Fokus definitiv auf Lisavet, doch es war erhellend, auch Amelias Sichtweise zu lesen zu bekommen, weil sie den Kontext von Lisavets Geschichte veränderte. Die Verbindung zwischen den beiden Geschichten war hervorragend und hat zu einem äußerst zufriedenstellenden Ende geführt, das genauso war, wie ich es mir erhofft hatte.

Was den Zeitreise-Aspekt angeht, hat mir vor allem das Besuchen der verschiedenen Zeiten gefallen, doch davon abgesehen spielen eher Erinnerungen – und deren Verlust – die größere Rolle. Der Zeitraum, in dem Lisavet sich für einen beträchtlichen Teil des Romans aufhält, wird nicht allzu sehr ausgeführt und bleibt im Grunde ein mysteriöser Ort ohne tiefere Erklärung; doch um ehrlich zu sein, habe ich die auch nicht gebraucht, weil es gerade bei diesem Ort leicht war, seine Existenz zu akzeptieren.

Die einzige größere Kritik, die ich habe, betrifft die eigentlich unwichtige Nebenhandlung zwischen Lisavet und ihrem Vorsitzenden Jack. Ich fand Jacks romantisches Interesse an ihr sehr unnötig und die Art und Weise, wie es sich entwickelte, so störend, dass ich es als einen großen Wermutstropfen in einer ansonsten wunderschönen Geschichte empfand. Dabei spielt dieser Teil der Handlung wie gesagt keine größere Rolle, man hätte ihn ebenso gut weglassen bzw. umschreiben können, was meiner Meinung nach der Geschichte sehr gedient hätte. Selbst jetzt nach dem Lesen des großartigen Endes muss ich an diesen kleinen Teil der Handlung denken, von dem ich mir wünschte, er würde schlicht nicht existieren.

Glücklicherweise nimmt er nicht zu viel Raum ein und bewirkte auch nicht, dass mir die Freude an der Geschichte verging. Im Gegenteil kann ich die Lektüre jedem Zeitreise-Fan und auch jedem Fan von magischem Realismus herzlich empfehlen, weil sie neben diesem einem Kritikpunkt so viele herrliche Sachen zu bieten hat, dass das Lesen eine wahre Freude ist!

& – Magisterium - Das 3. Jahr
 288 Seiten

Für Callum, Aaron und Tamara bricht das dritte Jahr im Magisterium an. Bei einem Fest, das eigentlich ihren Erfolg aus dem letzten Band feiern soll, kommt jedoch eine Schülerin ums Leben und kurz darauf wird Callum von einer Kreatur angegriffen. Jemand hat es auf ihn abgesehen, was es nicht gerade leicht macht, sein drittes Schuljahr abzuschließen. Sie müssen dringend den Spion der Schule finden, ohne, dass herauskommt, wer Callum wirklich ist …

Spannend geht es im dritten Magisterium-Band weiter und ich bin immer noch beeindruckt davon, wie viel Holly Black und Cassandra Clare in vergleichsweise wenige Seiten packen. Vor allem in diesem Band fiel mir neben der Spannung auch der Humor auf – es gab zwischen den Stellen, bei denen ich mitfieberte, auch mehrere, bei denen ich laut auflachen musste. Die Balance zwischen Spannung, Humor und Freundschaft ist in diesem Band sehr gut gelungen!

Gerade die Freundschaft zwischen Callum und Aaron sticht besonders hervor. Tamara spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, die mir sehr gefallen hat, aber Callums und Aarons Dynamik war schlicht unschlagbar. Leider geschieht das auf Kosten der Nebencharaktere, denn nur ein paar wenige hinterlassen überhaupt einen bleibenden Eindruck (wie Jasper und Celia) und ich hatte teils Probleme, mir die Rolle jedes Nebencharakters zu merken, weil ich sehr viel investierter in die Hauptcharaktere war.

Die Spannung ist vor allem am Anfang und am Ende sehr hoch, während die Mitte der Handlung ein wenig ereignisloser ist, aber dafür durch die Charakterdynamiken und das Mysterium um den Spion glänzt. Mir gefiel auch, auf welche Weise die Charaktere hier ihre Pläne schmiedeten und umsetzten, und welche Gefahren ihnen dabei begegneten.

Das Ende fand ich dafür nicht ganz so stark, wie ich es mir erhofft hatte. Es war immer noch gut, aber ich hätte mir gewünscht, dass es ausführlicher und emotionaler gewesen wäre, als es letztendlich der Fall war. Dafür macht es mich umso gespannter auf den vierten Teil, auf den ich mich schon sehr freue!

– Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen
 480 Seiten

Benjamiah ist ein vernünftiger Junge, der gerne Sachbücher liest und nicht an Magie glaubt. Bis er eine Seelenpuppe zugeschickt bekommt, die sich in verschiedene Tiere verwandeln kann und ihn nach Winkelwald führt, einer labyrinthischen Stadt ohne Entkommen. Dort findet er bei Hansel und dessen Tochter Elizabella Zuflucht. Elizabella sucht nach ihrem entführten Zwillingsbruder Edwid, der in vier Flüsterflammen eine geheime Nachricht an sie hinterlassen hat. Jedoch sind diese Flüsterflammen an den gefährlichsten Orten in Winkelwald versteckt, sodass Benjamiah und Elizabella nur zusammen eine Chance haben, sie zu finden – während sie gleichzeitig über die ganze Stadt hinweg gejagt werden …

Dieser Fantasyroman ist zwar offiziell für Kinder, glücklicherweise aber für alle Alltagsgruppen geeignet. Als Erwachsene hat mich vor allem seine Kreativität beeindruckt – denn an sich ist das Abenteuer, das er erzählt, recht klassisch, mit einer Quest und Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, doch die Welt, die Jordan Lees erschafft, strotzt nur so vor den Möglichkeiten, die nur das Fantasy-Genre bietet. Gerade die Art und Weise, wie Gegenstände aus unserer Welt, wie Münzen oder Spielkarten, in Winkelwald ganz anders genutzt werden, war unglaublich inspirierend und sehr gut umgesetzt.

Auch die Atmosphäre Winkelwalds hat der Autor großartig eingefangen: Sie ist mysteriös und fantastisch und pompös, was durch die Bilder der Illustratorin Vivienne To nur noch verstärkt wird. Obwohl wir uns technisch gesehen in einer (gewaltigen) Stadt befinden, hatte ich das Gefühl, eine ganze Welt kennenzulernen, weil die Orte, die Benjamiah und Elizabella besuchen, sehr viel Variation und Abenteuer bringen.

Apropos: Während ich Benjamiah sehr sympathisch fand, mochte ich Elizabella aufgrund ihrer konstanten Unfreundlichkeit nicht. Gegen Ende ändert sich ihr Verhalten zwar, doch für mich war das Verschwinden ihres Bruders kein Anlass, so grob mit Benjamiah umzugehen. Hier wünschte ich, wir hätten ihren weichen Kern sowohl früher als auch öfter gesehen, denn zumindest für mich kam ihre Verhaltensänderung ein wenig zu spät.

Natürlich gibt es in diesem Roman auch ein paar Twists, wobei ich mit manchen rechnete und mit manchen nicht, und mir manche gefielen und manche nicht. So fand ich den Antagonisten sehr einseitig und langweilig, doch die Twists, die sich um die Hauptcharaktere selbst drehten, waren dafür umso unerwarteter und haben der Geschichte eine emotionale Tiefe verliehen, die das ganze Leseerlebnis bereichert hat.

Zusammengefasst eignet sich dieses Fantasyabenteuer perfekt für Fans von „Land of Stories“ und ähnlichen Geschichten, bei dem auch Erwachsene beherzt zugreifen dürfen!

– Stadt der Magier und Diebe
 416 Seiten

Nachdem er zum zweiten Mal beim Stehlen erwischt wird, wird der junge Taschendieb Cor als Arbeitssklave verkauft. Zu seinem Glück ist sein Käufer der Magier Jonathan Barnaby Fossell, der sich ihm gegenüber freundlich verhält und Cor ein Leben zeigt, von dem dieser zuvor nur träumen konnte. Doch er hat auch eine Aufgabe für ihn: Als ehemaliger Dieb kann Cor am besten herausfinden, warum überall in der Stadt nach und nach Diebe ermordet werden. Dazu muss Cor seine magischen Kräfte üben, was nicht so leicht ist, weil niemand erfahren darf, dass er mehr als nur ein Sklave ist …

Dieses spannende Kinderbuch ist eher für junge Jugendliche geeignet, denn aufgrund der beschriebenen Grausamkeit und den Morden würde ich es nur denjenigen empfehlen, die bereits Reihen wie „Harry Potter“ oder „Magisterium“ lesen. Fans von beiden Reihen werden hier eine Geschichte finden, die ebenfalls spannend zu lesen ist und das Erlernen von Magie in den Fokus rückt.

Das Pacing ist anfangs gewöhnungsbedürftig: Ruhige Lernmomente wechseln sich mit spannenden Mordmomenten ab, was mich zuerst verwirrt hat, weil die Morde zunächst überhaupt nicht näher untersucht werden und Cor sich lieber darauf konzentriert, seine Magie zu üben. Später werden die beiden Handlungsstränge allerdings fantastisch miteinander verbunden und sorgen für ein spannendes Leseerlebnis.

Cors Magiestunden waren hervorragend umgesetzt und ich mochte es, wie kreativ er (und die Autorin Judith Mohr) dabei wurde, sie einzusetzen. Als Protagonist war er ebenfalls sympathisch, wobei mein Lieblingscharakter allerdings sein Meister Jonathan ist. Aufgrund seiner Freundlichkeit habe ich den ganzen Roman hinweg damit gerechnet, dass Jonathan sich entweder als Twist Villain herausstellt oder tragisch stirbt, doch so oder so wurde er mühelos mein Lieblingscharakter, weil er sich so gut um Cor kümmerte. Tatsächlich war ihre familiäre Beziehung zueinander ein absolutes Highlight für mich!

Andere Charaktere stechen dafür nicht stark hervor. Am ehesten haben Clem (Cors ehemaliger Diebesanführer) und Ro (Diebin und Cors beste Freundin), einen Eindruck hinterlassen, wobei ich vor allem von Clem positiv überrascht war. Die anderen Charaktere hoben sich nicht besonders hervor, sodass ich bei einem Twist bezüglich einem der Charaktere für einen Moment überlegen musste, wer er noch mal war. Schade fand ich es, dass es fast keine signifikanten Frauenfiguren gab; Frauen und Mädchen selbst existieren natürlich schon, sogar in halbwegs wichtigen Rollen, aber im Vergleich zu den männlichen Figuren bekommen sie nur wenig zu tun. Das ist zum Teil sicher der historischen Zeit geschuldet, während der die Geschichte spielt, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass speziell Ro noch stärker in die Handlung einbezogen worden wäre.

Zuletzt ein wichtiger Pluspunkt: Obwohl es sich bei der „Stadt der Magier und Diebe“ um eine Reihe handelt, wird anscheinend jeder Band einzeln lesbar sein. Tatsächlich wird die Geschichte, die in diesem Band begonnen wird, auch beendet, wobei lediglich ein halbwegs offenes Ende für die Protagonisten auf einen möglichen zweiten Band deutet. Doch auch als Einzelband liest sich dieser Roman sehr gut und wird deswegen sicher nicht nur Kindern und Jugendlichen gefallen!

– Das Jahr voller Bücher und Wunder (Ausführliche Leseprobe)
 224 Seiten

Es ist Monate her, seit Tillys Ehemann Joe gestorben ist. Aus diesem Grund trifft es sie umso unerwarteter, als der Buchhändler Alfie sie an ihrem Geburtstag anruft und ihr verkündet, dass Joe ihr für jeden Monat ein Buch hinterlassen hat, das ihr helfen soll, ihre Trauer zu überwinden. Zunächst will Tilly sich nicht darauf einlassen, zu sehr schmerzt immer noch Joes Verlust. Doch schließlich siegt ihre Neugier und Monat für Monat besucht sie die Buchhandlung, um Joes nächstes Buch abzuholen. Dabei lernt sie nicht nur Alfie besser kennen, sondern findet endlich ein neues Leben für sich …

Ich lese XXL-Leseproben eher ungern, weil ich es bevorzuge, lieber das vollständige Buch in der Hand zu halten, doch hier habe ich mich ausnahmsweise dafür entschieden, weil der Aufbau der Geschichte es leicht macht, erst mal die ersten sechs Monate zu lesen, bevor die gesamte Geschichte herauskommt. Und insgesamt bin ich nach dieser ausführlichen Leseprobe sehr gewillt, das vollständige Buch zu lesen!

Der Schreibstil ist angenehm und macht es leicht, sowohl mit Tilly als auch mit Alfie mitzufühlen. Sowohl die Trauer, die sie empfinden, als auch die Hoffnung, die sie schöpfen, war wunderschön beschrieben, wobei ich nur ihre beginnenden romantischen Gefühle füreinander unrealistisch fand – denn dadurch, dass sie sich zunächst nur einmal im Monat sehen und erst später ein wenig mehr Zeit miteinander verbringen, kam es mir seltsam vor, dass sie sich trotzdem zueinander hingezogen fühlten. Hier hoffe ich, dass die zweite Hälfte der Handlung diesen Aspekt weiter vertieft und es ihnen erlaubt, noch mehr private Momente auszutauschen, damit ihre Romanze dadurch natürlicher wird.

Bisher war ich besonders in Tillys Selbstfindung investiert, weil ich es mochte, wie sie begann, eigene Entscheidungen für ihr Leben zu treffen und sogar kleine Abenteuer zu erleben. Sie befindet sich durchaus in einer privilegierten Situation, weil es nicht jeder Person in ihrer Situation möglich wäre, die Dinge zu tun, die sie tut, weshalb das Buch in diesem Aspekt eher einer Wunscherfüllung gleicht und nicht der Realität – aber gerade deshalb war es so schön zu lesen. Ich bin zuversichtlich, dass der vollständige Roman den Eindruck eines Wohlfühlbuchs verstärken wird.

Von den Nebencharakteren kommt leider niemand stark hervor, nur zu Joe erfahren wir durch Tillys Erinnerungen und die geschenkten Bücher mehr. Apropos: Natürlich werden hier viele Bücher erwähnt, von denen mir leider nur wenige bekannt vorkamen, doch gerade deshalb war es inspirierend, über sie zu lesen. Tatsächlich bin ich bei ein, zwei erwähnten Büchern gewillt, sie selbst zu lesen, weil sie sich so interessant anhörten! Doch insgesamt gibt es ein wenig ZU viele Lesetipps, die nicht immer relevant für die Handlung sind.

Ansonsten gibt es natürlich einige Handlungsstränge, die eingeführt wurden und von denen ich gespannt bin, wie sie sich im vollständigen Roman auflösen. Diesen werden ich auf jeden Fall lesen und freue mich schon darauf, das Ende von Tillys und Alfies Geschichte zu erfahren!