– Forging Silver into Stars
 541 Seiten

Jax und Callyn sind beste Freunde, die in dem kleinen Städtchen Briarlock leben. Jax arbeitet erfolgreich als Schmied, doch wegen seines fehlendes Fußes und seines gewalttätigen Vaters fühlt er sich trotzdem nutzlos. Callyn ist eine Bäckerin, die nach dem Tod ihrer Eltern alles tun will, um ihre kleine Schwester zu beschützen. Beide haben Geldsorgen, weshalb Jax die Möglichkeit, durch das Übergeben geheimer Nachrichten genug Silber für sich und Callyn zu verdienen, sofort annimmt. Bis der Königskurier Tycho nach Briarlock kommt, der ihre Leben gehörig auf den Kopf stellt. Nicht nur fürchten sie seine Verbindung zum König und seine Magie, sondern vor allem, dass er ihr Geheimnis entdecken könnte …

Bereits vor zweieinhalb Jahren habe ich „Forging Silver into Stars“ gelesen, doch zum Erscheinen des zweiten Bandes wollte ich meine Erinnerung nochmal auffrischen – und noch einmal in Brigid Kemmerers Welt eintauchen. Ich bin immer noch sehr begeistert von dieser Fantasygeschichte, weil deren Charaktere so fantastisch umgesetzt sind.

Das fängt natürlich mit den drei Hauptfiguren an: Tycho, Jax und Callyn. Sie alle waren sowohl sehr sympathisch als auch sehr gut charakterisiert, mit eigenen Problemen und eigener Zerrissenheit. Mir haben vor allem die romantischen Beziehungen zwischen Tycho und Jax sowie Callyn und Alek gefallen, als auch die Freundschaft zwischen Jax und Callyn. Die Chemie zwischen den Charakteren hat einfach gestimmt, sodass es leicht war, sich auf die verschiedenen Beziehungen einzulassen. Besonders hat mich hier die Geschwindigkeit beeindruckt, in der sie vorankamen: Sie war langsam genug, um glaubhaft zu sein, aber nicht so langsam, dass es frustrierend gewesen wäre. Tycho und Jax sind dabei natürlich das Highlight, aber auch bei Callyn und Alek, die weniger Screentime bekamen, war ich überrascht darüber, wie glaubwürdig mir ihre Beziehung vorkam.

Wo wir von Alek sprechen: Auch die Antagonisten des Bandes waren hervorragend geschrieben. Das ist, finde ich, Brigid Kemmerers große Stärke: Bei ihr gibt es kein einfaches Gut und Böse, sondern viele Seiten mit ihrer eigenen Agenda, ihren eigenen Gründen für ihre Taten und einer komplexer Charakterisierung. Das wusste ich sehr zu schätzen, weil die Antagonisten weder komplett sympathisch noch komplett böse dargestellt werden, sondern schlicht als Menschen mit ihren Fehlern und zuweilen schlechten Entscheidungen. Das weitet sich auch auf die Charaktere auf Tychos Seite aus, speziell auf Grey, deren Freundschaft in diesem Band ordentlich getestet wird. Ich liebte es, dass es auch hier Schwierigkeiten gab, weil das die Charaktere und noch tiefgründiger gemacht hat, als sie ohnehin schon waren.

Was die Handlung betrifft, bleibt sie stets spannend, doch definitiv fokussiert auf die Charaktere an sich – obwohl es natürlich viele spannende Szenen gibt, ist es nicht zwingend die Handlung, die die Geschichte trägt, sondern die Charaktere, von denen sie erzählt. Für mich persönlich ist das ein Pluspunkt, weil ich charaktergetriebene Geschichten sehr mag.

Trotzdem hätte ich gerne noch mehr von der Welt bzw. dem Worldbuilding gesehen. Wir bekommen zwar ein wenig mit, aber nicht genug, als dass sie sich von unserer Welt abgehoben hätte. Zugegeben ist das kein großer Kritikpunkt (wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich immer die Charaktere wählen, weil mir ihre Beziehungen so ausgesprochen gut gefallen haben), aber trotzdem etwas, von dem ich hoffe, dass der zweite Band es ein wenig vertieft. Das werde ich dann bald erfahren!

– Garden of the Cursed
 384 Seiten

Marlow ist die beste Fluchbrecherin von Caraza, doch als ihr Ex-Schwarm Adrius sie bittet, ihm bei einem Fluch zu helfen, weigert sie sich strikt, etwas mit ihm zu tun haben. Bis sie erfährt, dass der Fluch, mit dem Adrius belegt wurde, ein Nötigungsfluch ist, der ihn zwingt, alles zu tun, was man ihm befiehlt – und dass die Person, die ihn verflucht hat, sehr wahrscheinlich auch die Person ist, die für das Verschwinden ihrer Mutter verantwortlich ist. Entschlossen, herauszufinden, wer hinter allem steckt, arbeitet sie mit Adrius zusammen – doch um keinen Verdacht zu erwecken, müssen die beiden so tun, als wären sie ein Paar, was Marlow ganz und gar nicht behagt …

Ich habe die „Age of Darkness“-Reihe von Katy Rose Pool so sehr geliebt, dass sie damals sogar meine Schreibblockade beendete, weshalb ich natürlich gespannt darauf war, wie sehr mir „Garden of the Cursed“ gefallen würde. Und obwohl ich die „Age of Darkness“-Reihe etwas mehr mochte, hat mir „Garden of the Cursed“ sehr viel Spaß gemacht – tatsächlich freue ich mich jetzt schon darauf, im Sommer den Abschlussband zu lesen!

Am beeindruckendsten waren für mich das Worldbuildung und das damit verbundene Magiesystem. In vielen Fantasyromanen, die ich gelesen und geliebt habe, spielten die eigentlichen Details der Welt keine allzu große Rolle, doch die pure Lebendigkeit der Welt, die Katy Rose Pool erschaffen hat, zeigt, wie großartig es ist, sie mit liebevollen Details zu füllen. Ob es nun um ein berühmtes Theaterstück, ein beliebtes Kartenspiel unter den Adligen oder um den Einsatz der Magie geht: Alles fühlt sich so durchdacht und lebensecht an, dass es eine wahre Freude war, Caranza näher kennenzulernen. Das Magiesystem verdient dabei eine Extra-Erwähnug, denn die Hexkarten, durch die sie ausgelöst wird, waren nicht nur ein kreatives, sondern auch ein hervorragend umgesetztes Konzept. Ich hoffe, dass auch der zweite Teil damit fortfahren wird, die Welt und ihre Magie weiter vorzustellen.

Auch die beiden Hauptcharaktere haben mir sehr gefallen. Marlow und Adrius waren nicht nur sympathische und gleichzeitig dreidimensionale Charaktere, sondern hatten auch eine komplexe Romanze, die mich sehr eingenommen hat. Der Befehlsfluch, der dabei auf Adrius liegt, hat ihre ohnehin schon schwierige Beziehung noch interessanter gemacht, wobei der Fluch zwar überraschend selten, dafür aber immer sehr gut genutzt wurde. Besonders gut ist hier, dass ihre Romanze die Handlung bereichert, statt sie zu ersetzen – das sorgte für ein sehr angenehmes Ratio zwischen spannender Handlung und süßer Romanze.

Von den Nebencharakteren stach nur Swift, Marlows bester Freund, positiv hervor, während die anderen vergleichsweise blass blieben. Sie erfüllten zwar ihren Zweck, aber nicht viel mehr, weil der Fokus eher auf Marlow, Adrius und der spannenden Handlung lag. Diese hat mich mit ihren Geheimnissen und Twists ordentlich auf Trab gehalten, auch wenn ich letztendlich fand, dass es etwas ZU viele falsche Fährten gab. Schließlich ist es recht klar, dass die ersten paar Personen, die Marlow verdächtig erscheinen, vermutlich nicht ihre Zielperson sein werden, auch wenn sie dafür andere Geheimnisse haben.

Insgesamt also eine sehr spaßige Lektüre mit hervorragendem Worldbuilding und einer Romanze, die weder zu viel noch zu wenig Platz einnimmt. Empfehlenswert für alle, die beides schätzen!

– Geister, die ihre Rezepte teilen
 224 Seiten

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist manchmal sehr dünn, was Dan Schreiber in seiner humorvollen Sammlung „Geister, die ihre Rezepte teilen“ gut zeigt. Ob es nun um Medien geht, die im Namen toter Autoren deren Romane schreiben, Verschwörungstheorien um den Untergang der Titanic, Gedanken über das Leben im Universum oder Nostradamus’ Prophezeiungen: Zu allen Zeiten haben verschiedene Menschen an verschiedene, heutzutage absurde Theorien geglaubt, die ihnen manchmal sogar dabei halfen, wissenschaftliche Tatsachen aufzudecken.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass diese absurden Theorien genau das sind: Absurd. Was Dan Schreiber in seiner Einleitung betont, ist, dass er über keine Tatsachen berichtet, sondern über die (für uns offensichtlich falschen) Vorstellungen früherer Zeiten. Was dabei faszinierend war, ist, wie wahrscheinlich gewisse Erklärungen aus der Perspektive von jemanden, der es nicht besser wusste, klangen. Natürlich klangen bei weitem nicht alle Ideen logisch, aber teilweise konnte ich schon verstehen, warum man an manche geglaubt hat.

Das Sachbuch bietet eine lockere Lektüre für zwischendurch, die kurz und bündig über alle möglichen Kuriositäten berichtet. Für mich war sie zusätzlich eine Inspiration für Geschichtsideen, weil es überraschend viel Spaß macht, sich zu überlegen, wie eine Welt aussehen würde, in der unmögliche Sachen möglich sind.

Dennoch möchte ich betonen, dass man wissen sollte, worauf man sich einlässt. Das ist kein Sachbuch, das die Vorstellungen über die Jahrhunderte und Jahrzehnte hinweg ausführlich beleuchtet, sondern sich spezielle aussucht, kurz vorstellt und gleich zum nächsten Punkt übergeht. Sehr gut für kurzweilige Lektüren, worauf ich gerade große Lust hatte, aber nicht unbedingt für alles andere. Trotzdem habe ich Interesse daran, das andere Buch des Autors über seltsame Glaubensvorstellungen zu lesen, einfach, weil die Lektüre Spaß gemacht hat!

– Vergissmeinnicht - Was die Welt zusammenhält
 528 Seiten

Quinn und Matilda sind glücklich zusammen, doch um die Welt zu retten, braucht es mehr als ihre Liebe. Als Auserwählter muss Quinn bald das Sternentor-Ritual durchführen, das über das Schicksal der Welt entscheiden wird, während Matilda sich Sorgen darüber macht, dass die Schwarzalben den Schulball nutzen werden, um anzugreifen. Als sie versucht, das Göttliche Orakel, das in die Hände der Feinde gelangt ist, zu befreien, gerät sie dabei selbst in Gefahr – und muss ihre eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen, wenn sie daraus entkommen will …

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich den ersten und zweiten Band der Vergissmeinnicht-Reihe gelesen habe, weshalb ich sehr dankbar war, dass es vorne ein „Was bisher geschah“ und hinten ein Personenverzeichnis gibt. Sicher werden das nicht alle Leser:innen brauchen, aber allein dadurch, dass beides aus Bax’ Perspektive geschrieben ist, lohnt sich das Lesen trotzdem.

Danach hatte ich zugegeben Probleme, in die Geschichte hineinzufinden, denn der Anfang ist sehr langsam und es passiert recht wenig, sodass ich nicht einmal zusammenfassen könnte, was genau geschehen ist. Erst nach ungefähr zweihundert Seiten nimmt die Geschichte Fahrt auf, als Matilda Madame Mirabelle befreien will, gefolgt vom Schulball, den spannenden Ritual-Prüfungen, einer abenteuerlichen Reise nach Südengland und einem sehr zufriedenstellenden Ende. Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Handlung war, zumindest für mich, recht eintönig – aber mehr als die restliche Hälfte war so spannend und gut geschrieben, dass ich mühelos mitfiebern konnte.

Natürlich gibt es noch ein paar andere erwähnenswerte Punkte, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne (so fand ich, dass Dev und Cassian großartige Charaktere waren, die die gesamte Geschichte aufwerteten, aber die Menge an Charakteren allgemein war mir zu hoch), aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass mir die (wichtigere) Hälfte sehr gut gefiel, man aber zuvor die erste Hälfte hinter sich bringen muss, um zu den großartigen Parts zu kommen. Aus diesem Grund fällt es mir schwer, diese Geschichte vernünftig zu bewerten, weil ich mir vorstellen kann, dass einige Leser:innen es nicht bis zur zweiten Hälfte schaffen, während andere sich überhaupt nicht an der ersten Hälfte stören.

Aus diesem Grund komme ich zu dem Schluss, dass ich den Abschlussband der Trilogie gut fand – aber nur die zweite Hälfte sehr gut. Doch hoffe ich, dass andere Leser:innen umso begeisterter vom dritten Band sind!

– The Prison Healer
 416 Seiten

Seit zehn Jahren lebt die siebzehnjährige Kiva im berüchtigtem Gefängnis Zalindov und ist fast so lange die Gefängnisheilerin. Seit Jahren verspricht ihre Familie ihr, sie zu befreien, doch erst, als die Rebellin Tilda Corentine gefangen genommen wird, besteht zum ersten Mal die Möglichkeit auf Freiheit. Doch nur, wenn Kiva dafür sorgt, dass sie am Leben bleibt, wozu sie deren Strafe auf sich nehmen muss: Vier Elementarprüfungen, die bisher noch niemand überlebt hat. Doch sie ist nicht allein: Jared, ein Gefangener, Naari, eine Gefängniswärterin, und Tipp, ihr junger Helfer, helfen ihr dabei, sowohl die Prüfungen als auch den Ausbruch einer neuen Krankheit zu überstehen …

Ich habe die Prison-Healer-Trilogie bereits auf Deutsch gelesen, wollte jedoch unbedingt auch das Original erleben – und bin immer noch begeistert davon! Gerade beim zweiten Lesen war es faszinierend, mit dem bereits bekannten Wissen eine neue Perspektive auf viele Szenen und Details zu bekommen, die ich beim ersten Lesen logischerweise nicht hatte. Das Foreshadowing ist einfach meisterhaft, einerseits subtil eingebaut und andererseits so logisch im Nachhinein.

Doch das ist noch nicht mal das Beste: Die Beziehungen, die Kiva zu Jaren, Naari und Tipp hat, waren mein persönliches Highlight. Alle Charaktere waren unglaublich sympathisch und ich mochte es, wie sie Kiva immer mehr und mehr ans Herz wuchsen. Ihre aufblühende Romanze mit Jaren ist süß und liebevoll, ihre Freundschaft mit Naari sogar die Beziehung, in die ich am meisten investiert war und ihre schwesterliche Beziehung zu Tipp ebenfalls sehr süß. Andere Charaktere wie Cresta, Mirryn und Caldon, die erst in späteren Teilen eine größere Rolle spielen, haben hier nur wenig Screentime, machen aber einen guten ersten Eindruck.

Ich glaube, die einzige Kritik, die bei meinem Re-Read deutlicher wurde, war die langsame Geschwindigkeit, in der sich die Handlung am Anfang bewegt; dadurch, dass der Roman sich so stark auf Charakterbeziehungen konzentriert, dauert es eine ganze Weile, bis die eigentlichen Prüfungen losgehen, was mich zwar nicht störte, aber möglicherweise für andere Leser:innen als zu langsam empfunden werden könnte.

Nichtsdestotrotz liebe ich diese Geschichte immer noch sehr und werde auch die anderen beiden Teile auf Englisch lesen!

– Five Broken Blades
 496 Seiten

Als Gottkönig gilt der Herrscher Joon als unsterblich, doch um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen, tun sich sechs Menschen zusammen, um ein Attentat auf ihn zu planen. Sie alle gelten von nun an als Verräter: Euyn, der verstoßene Bruder des Königs; Mikail, dessen Liebhaber und Spion für den König; Sora, eine ausgebildete Giftmörderin; Tiyung, der sie als Prinz unterstützen mochte; Aeri, eine begnadete Diebin; und Royo, ihr unfreiwilliger Leibwächter. Doch ihnen ist klar, dass sie sich gegenseitig nicht vertrauen dürfen, denn beim Erreichen ihrer persönlichen Ziele werden sie gezwungen sein, sich gegenseitig zu verraten …

Dieser Fantasyroman überzeugt vor allem durch seine Charaktere und Charakterdynamiken, die für mich definitiv das Highlight waren. Euyn und Mikail, Sora und Tiyung, Royo und Aeri: es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Interaktionen zu verfolgen, weil die Duos eine so hervorragende Chemie miteinander hatten. Besonders ist hierbei auch, dass ich tatsächlich alle drei Duos gleichermaßen ansprechend fand. Normalerweise entwickle ich schnell eine Präferenz für ein oder zwei Paare und nehme die anderen Charaktere eher als Nebenfiguren wahr, doch hier mochte ich tatsächlich alle drei Duos und alle sechs Charaktere.

Am besten an den Charakteren selbst waren ihre Hintergrundgeschichten, die sehr einnehmend beschrieben waren und genau die richtige Balance zwischen Informationen und Geheimnissen hatten. Ich glaube, das einzig Negative daran war, dass es diese Informationshäppchen relativ leicht machten, den Verräter der Gruppe zu erraten – aber allzu gestört hat mich das nicht, weil es dafür andere, kleinere Twists gibt.

Natürlich kommt der große Fokus auf die Charaktere und einzelnen Duos mit Opfern einher: Die Dynamiken außerhalb der Duos kommen definitiv zu kurz, wir bekommen nur wenig von der Welt mit und eine Charakterentwicklung habe ich nur bei Royo bemerkt. Das sind Punkte, von denen ich hoffe, dass sie im zweiten Band besser balanciert werden – speziell bei Euyn, der in einem misogynen Staat aufgewachsen ist, hätte es sich angeboten, seine Ansichten gegenüber Frauen zum Positiven zu verändern.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman gut für Fans charakterbasierter Handlung geeignet, die schon Bücher wie „Das Lied der Krähen“ mochten. Allerdings möchte ich betonen, dass der Schreibstil im Gegensatz zu der Krähen-Dilogie um einiges moderner ist; schlicht, direkt und spannend, was mir durchaus gefiel, aber nicht so klassisch, wie ich es gerne gehabt hätte. Nicht unbedingt eine Kritik, sondern eher eine Anmerkung für diejenigen, die Interesse an der Geschichte haben und sich nicht sicher sind, ob ihnen der Schreibstil gefällt.

Mir jedoch hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon darauf, den zweiten Band zu lesen!

– The Measure
 368 Seiten

Eines Tages tauchen sie überall auf der Welt auf: Kleine braunrote Boxen, die den Lebensfaden jedes einzelnen Menschen enthalten. Plötzlich hat jeder die Möglichkeit, herauszufinden, wie lange sein oder ihr Leben sein wird, wie lange das der Partnerin oder des besten Freundes – sofern man es denn wissen will. Verschiedene Menschen müssen sich mit den Problemen, die die Boxen aufwerfen, beschäftigen.

So sind Nina und Maura entschlossen, trotz Ninas langem und Mauras kurzem Faden ein Paar zu bleiben. Ninas Schwester Amie will gar nicht erst in ihre Box sehen, beginnt aber eine unerwartete Brieffreundschaft mit Ben, der einen kurzen Faden hat. Genauso wie der Arzt Hank, der über die Länge seines Fadens lügt – ähnlich wie Jack und Javier, die beschließen, ihre verschieden langen Fäden miteinander zu tauschen, um dem jeweils anderen das Leben zu ermöglichen, das dieser sonst niemals haben könnte. Das wiederum ist kein Problem für Jacks Onkel Anthony, der mit seinem langen Faden zufrieden ist, weil dieser ihm die Präsidentschaft sichert. Das Schicksal aller acht ist miteinander verwoben und sie alle haben ihre eigene Art, mit ihrem kurzen oder langen Faden umzugehen ...

Ich habe "Die Vorhersage" bereits zweimal auf Deutsch gelesen, konnte jedoch nicht widerstehen, diese wunderschöne Geschichte auch auf Englisch zu erleben – obwohl ich zugeben muss, dass ich tatsächlich die deutsche Übersetzung bevorzuge! Nichtsdestotrotz war es erfrischend, diese Geschichte auf gleichzeitig neue und wohlbekannte Weise wieder kennenzulernen und dabei Dinge zu entdecken, die mir zuvor nicht auffielen.

Natürlich gibt es die wunderbaren Charaktere und die grandios umgesetzten Verzweigungen zwischen ihnen (die sich sogar auf Statisten auswirken), aber was mich bei diesem Re-Read besonders beeindruckt hat, war, wie realistisch das ganze Szenario dargestellt wurde. Ob es nun die Reaktion der Bevölkerung ist oder die anderer Länder: Es war alles so glaubwürdig geschrieben, als hätte Nikki Erlick tatsächlich einen Einblick in eine Welt mit Lebensfäden erhalten. Diese wunderbare Mischung aus persönlicher Geschichte und weltweiter Aufmerksamkeit war großartig umgesetzt!

Natürlich musste ich am Ende wieder mehrere Tränen vergießen, so wunderschön und emotional war es geschrieben. Das Buch lässt mich immer wieder voller Hoffnung zurück, denn so traurig manche Schicksale auch waren, waren sie gleichzeitig so zufriedenstellend geschrieben und mit einer schönen Botschaft verknüpft.

Eines meiner Herzensbücher, das ich jedem ans Herz lege – unabhängig von der Sprache, in der man es liest!

– Der dunkle Kuss der Sterne
 528 Seiten

Als Canda am Tag vor ihrer Hochzeit erwacht, erkennt sie sich selbst nicht mehr wieder: Ihr einzigartiger Glanz, ihre Schönheit, ist verschwunden – und mit ihr Tian, ihr Verlobter. Während die Herrscher Ghans daran glauben, dass Tian sie verlassen hat, glaubt Canda fest an eine Entführung. Zusammen mit Amad, Sklave und Jäger der obersten Herrscherin, soll sie Tian finden – und, sofern er schuldig ist, töten. Und zum ersten Mal lernt Canda die Welt außerhalb ihrer glänzenden Stadt kennen und zweifelt an dem, was sie bisher zu wissen glaubte …

Vor zehn Jahren kam „Der dunkle Kuss der Sterne“ erstmalig raus und obwohl ich die Geschichte zwischen 2014 und 2024 mehr als einmal gelesen habe, ist es die exklusive Drachenmond-Schmuckausgabe, die mich nach längerer Zeit in die Welt zurückführte. Obwohl ich zugegeben muss, dass Nostalgie meine Meinung sicher stark beeinflusst, ist die Geschichte immer noch so schön wie in meiner Erinnerung.

Nicht nur ist der Schreibstil flüssig und wunderschön, auch die Charaktere und die Welt können immer noch überzeugen: Candas Charakterentwicklung ist so zufriedenstellend und ihre Romanze mit Amad sehr gut umgesetzt. Beide Charaktere sind nicht nur für sich überzeugend, sondern auch in ihren Interaktionen miteinander.

Von den anderen Charakteren sticht vor allem Juniper hervor, aber ich war positiv überrascht darüber, wie wenige Sätze Nina Blazon brauchte, um selbst unwichtige Charaktere auf eine Weise zu beschreiben, die sie real machte. Das gilt auch für die Welt an sich: Wir lernen einen vergleichsweise kleinen Teil von ihr kennen, aber die Details, mit der Nina Blazon sie füllt, machten sie mindestens so lebendig wie die Hauptcharaktere. Das war in meinem Re-Read das, was mir wohl am stärksten aufgefallen ist: Wie groß und gewaltig sich die Welt anfühlt, in der die Geschichte spielt.

Wegen den Charakteren und der Welt machte es mir nichts aus, dass der Anfang der Geschichte recht langsam ist, zumal ich langsame Anfänge ohnehin mag, aber zugegeben ist es etwas, das andere Leser:innen kritischer aufnehmen könnten. Es dauert eine Weile, bis die Reise startet und noch länger, bis der große Twist sie in eine andere Richtung führt. Natürlich passieren währenddessen viele relevante Dinge, aber ja, der Anfang bleibt trotzdem relativ langsam.

Damit wären wir beim letzten Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte: Den großartigen Twist, der alles, was davor geschah, in eine andere Perspektive rückt. In einem Re-Read ist es sehr viel leichter, das Foreshadowing zu bemerken, aber dennoch bleibt es ein Twist, der die gesamte Handlung noch viel besser macht, als sie ohnehin schon ist. Nicht nur macht es Spaß, die vielen frühen Hinweise zu entdecken, sondern auch, sich nach und nach an die kleineren Twists und Details zu erinnern, die ich fast vergessen hatte.

Insgesamt also ein großartiger Fantasyroman für alle, die Quests und Romanzen lieben!

– Red Umbrella Society – Der Biss der Schlange
 320 Seiten

Nach Davids Verrat schließt Skadi sich ihrem Meister Ikaris an, um etwas gegen Priscilla zu unternehmen. Dadurch lernt sie Ikaris besser kennen und begreift, dass mehr in ihm steckt, als es zunächst den Anschein hatte. Doch sie vermisst David immer noch, obwohl sie nicht weiß, ob sie ihm je wieder vertrauen könnte. Um gegen Priscilla vorzugehen, braucht Skadi jedoch die Hilfe von beiden …

Wie schon der erste Teil ist auch der Abschlussband der Red Umbrella Society locker, humorvoll und spannend geschrieben, sodass es ein leichtes war, in der Geschichte zu versinken – doch muss ich zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, wie sehr er mir letztendlich gefallen hat.

Das Beste am Band war definitiv Ikaris, der bereits im ersten Band ein faszinierender Charakter war und im zweiten zu meinem absoluten Liebling wurde. Seine Art ist sehr einnehmend, doch am fesselndsten war seine Hintergrundgeschichte, die in diesem Band ausführlich beleuchtet wird. Überhaupt liegt der Großteil des Fokus auf ihm, wobei ich übrigens nicht sagen würde, dass er tatsächlich Teil eines Liebesdreiecks ist – trotz seiner Masse an Screentime war ziemlich klar, dass er und Skadi nicht wirklich zueinander gehören. Hier hätte ich es erfrischend gefunden, wenn seine Rolle als platonischer Freund stärker betont worden wäre, aber gestört hat mich seine Rolle als potentieller Love Interest trotzdem nicht, weil er als Charakter so großartig war.

Dadurch, dass Ikaris so eine wichtige Rolle in diesem Band einnimmt, kommt David dafür leider viel zu kurz. Erst nach hundertfünfzig Seiten taucht er überhaupt zum ersten Mal auf und danach nur in vereinzelten, kurzen Szenen. Das fand ich sehr enttäuschend, zumal er und Ikaris im ersten Band sehr viel gleichberechtigter behandelt wurden, was ihre Screentime angeht. Zwar habe ich nichts dagegen, wenn der Love Interest eines Protagonisten weniger Screentime als die anderen Charaktere bekommt, aber hier war das Ungleichgewicht so stark, dass es mir negativ auffiel.

Auch K, die im ersten Band für viele witzige Szenen sorgte, habe ich hier schmerzlich vermisst. Fast scheint es, als wäre die Screentime aller übrigen Charaktere drastisch reduziert worden, um Ikaris zum zweiten Hauptcharakter zu machen, was ihm sehr gut getan hat, allen anderen Charakteren aber schadete. Eine bessere Balance wäre mir hier sehr willkommen gewesen.

Das Ende ist recht plötzlich und wird sehr schnell abgewickelt, aber insgesamt hat es mir gut gefallen. Den Band selbst würde ich aber nur den Ikaris-Fans empfehlen, weil er mit Abstand das Highlight war und andere Charaktere leider zu kurz kommen.

– Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
 479 Seiten

Robyn ist leidenschaftlicher True-Crime-Fan und entschlossen, das Geheimnis des Hotel Ambrosia, dem sie gegenüber wohnt, zu lüften. Mehrere Gerüchte ranken sich um das Hotel, von der Einmauerung der Söhne des Erbauers vor einem Jahrhundert bis zu einer versuchten Tötung einer Studentin vor wenigen Jahren. Begeistert nimmt sie deshalb das Angebot der Podcasterin Ivy, mehr Nachforschungen zum Hotel anzustellen, an. Da gibt es nur ein Problem: Robyn wurde mit ME/CFS diagnostiziert und kann deshalb ihre Wohnung nicht verlassen. Nur von ihrem Zimmer aus kann sie die meisten Stockwerke des Hotels beobachten. Zu ihrem Schrecken sieht sie kurz darauf, wie eine Online-Freundin von ihr vor dem Hotel auftaucht und in einem der Zimmer von einer Person betäubt und weggerissen wird. Mithilfe von A.J., der nach einem geplatzten Einbruch unfreiwillig in Robyns Ermittlungen hineingezogen wird, macht sie sich daran, das Geheimnis von Hotel Ambrosia zu lüften – und ihre Freundin zu finden, bevor es zu spät ist …

Dieses Jugendbuch hat mich sehr überrascht, denn es entwickelte sich in eine vollkommen andere Richtung, als ich zunächst annahm! In den ersten paar Kapiteln ist es dank gewisser Hinweise leicht, eine erste Theorie aufzustellen, in die ich mich schnell so verrannt habe, dass ich sämtliche anderen Hinweise übersah. Umso überraschter war ich, als die wahren Zusammenhänge gelüftet, verdreht und dann endgültig bestätigt wurden, denn trotz leichter Vermutungen hatte ich nicht damit gerechnet! Hier ein großes Lob an die Autorin für die falschen Fährten, die sie erfolgreich setzte, und die Art und Weise, wie das, was die Wahrheit ist, stetig neue Form annahm. Die ganzen Twists waren wirklich grandios eingebaut!

Zu dem großartigen Mystery-Element, das mich den ganzen Roman über antrieb, kam noch ein unerwartetes Horrorelement dazu, das mich sehr beeindruckt hat, weil die Beschreibungen und die Implikationen dazu wirklich furchterregend waren. Dazu kommt noch die Darstellung von Robyns Symptomen, die hervorragend illustrierten, wie sehr sie unter ihrer Krankheit leidet – aber auch, wie viel sie schaffen kann, obwohl sie so sehr darunter leidet. A.J. ist ihr zwar eine notwendige Hilfe in ihrem Fall, um das Geschehen aktiv beeinflussen zu können, aber sie beide haben gleichermaßen viel Entscheidungsgewalt, was die nächsten Schritte angeht. Das hat mir sehr gefallen: Dass Robyn nicht komplett hilflos war, sondern A.J. anleitete, aber auch, dass A.J. ab und an eigene Entscheidungen traf, um den Fall voranzubringen.

Ihre Chemie war übrigens großartig, speziell, weil sie sich nicht auf die Romanze zwischen ihnen fokussiert hat, sondern auf die Freundschaft. Die Dialoge, die sie miteinander austauschten, waren humorvoll und zeigten schnell ihre unterhaltsame Dynamik, sodass im Grunde alle Szenen, in denen die beiden miteinander agierten, zu meinen Lieblingen gehörten. Egal, ob man ihre Beziehung als Freundschaft oder Romanze sieht – so oder so war sie einfach großartig zu lesen.

Neben dem Lob habe ich aber durchaus ein wenig Kritik. So fand ich den Teil der Handlung, als Robyn und A.J. verschiedene Verdächtige beobachten, ein wenig ZU langatmig; irgendwann war mir schon am Anfang ihrer Personen-Untersuchung klar, dass sich der bzw. die Verdächtige als unschuldig erweisen würde. Zwar habe ich immer noch mitgefiebert, weil ich wissen wollte, wie die Puzzleteile sich zusammensetzen, aber etwas zu lang war mir die Untersuchung trotzdem.

Zudem war ich ein wenig enttäuscht davon, dass wir am Ende gar nicht zu allen Dingen, die im Ambrosia passierten, eine Antwort erhielten. Es gibt bei den Fällen nämlich einen, der relativ großen Fokus bekommt, aber nie aufgeklärt wird, obwohl alle anderen Fälle eine Auflösung bekommen. Diese kleine Lücke ist zugegeben leicht zu verschmerzen, weil alles andere an seinen Platz fällt, aber erwähnen wollte ich es trotzdem.

Zusammengefasst ein sehr spannender Roman mit einigen unerwarteten, schockierenden Entwicklungen, einer großartigen Duo-Dynamik und etwas zu vielen Verdächtigen, was ihn insgesamt betrachtet zu einer fesselnden Lektüre machte!

– Dunkle Momente
 336 Seiten

Als Strafverteidigerin weiß Eva Herbergen, dass es im Gericht kein Schwarz und Weiß gibt, sondern dass hinter jeder Tat ein oft verständliches Motiv steckt, das die Grenzen verschwimmen lässt. Nicht immer ist es leicht, zu sagen, wer das Opfer und wer der Täter ist und selbst wenn diese Positionen sich mit Leichtigkeit bestimmen lassen, steckt oft noch mehr hinter den Fällen, als man zunächst vermutet. Während ihrer Karriere hat Eva viele Fälle betreut, von scheinbarer Notwehr über Kindstötung bis zu Vergewaltigung. Doch es gibt einen Fall, dessen Auflösung sie mehr als jeden anderen bereut – und mit jedem Fall, den sie Revue passieren lässt, nähert sie sich dem eigentlichen Grund, der sie so handeln lässt, wie sie es während aller anderen Fälle tut …

Dieser Roman basiert laut der Autorin auf wahren Fällen, was die beschriebenen Ereignisse noch schrecklicher macht, als sie es ohnehin schon sind. Neun Fälle, die größtenteils voneinander unabhängig erzählt sind, fordern uns Leser:innen heraus, unsere eigene Moral in Frage zu stellen. Was ist richtig, was ist falsch? Gibt es das überhaupt? Wann kann man sich unwillkürlich in die Täter hineinversetzen und wann ist das unmöglich? Wie soll man urteilen, wenn der Sachverhalt sich als einiges komplexer herausstellt, als man erwartet hat? Diese und viele andere Fragen kommen bei der Lektüre unwillkürlich auf.

Wie man der Kurzbeschreibung entnehmen kann, behandelt der Roman so einige Themen, die nicht leicht zu verdauen sind. Tatsächlich wage ich zu behaupten, dass fast jede Person mindestens ein Kapitel finden wird, dass schwer zu lesen sein wird, weil das angesprochene Thema einen besonders hart trifft; zumindest bei mir traf das sogar auf so einige Kapitel zu, obwohl die Taten an sich recht nüchtern beschrieben werden. Aus diesem Grund fällt es mir schwer, diesen Roman zu empfehlen, weil ich ihn einerseits sehr beeindruckend fand und andererseits nicht sagen könnte, wem er gefallen könnte.

Dazu kommt auch eine Kritik, nämlich den vorhersehbaren Aufbau vieler Kapitel. Nicht alle sind davon betroffen, aber die meisten stellen einen Sachverhalt dar, offenbaren dann eine Information, die es in einem anderen Licht präsentiert und haben gegen Ende dann noch einen letzten Twist, der die Handlung ein weiteres Mal verdreht. Das wurde mir bereits nach den ersten drei Fällen zu offensichtlich, auch wenn es danach Fälle gab, die sich nicht auf diesen Aufbau stützten. Ich weiß hierbei natürlich nicht, ob das den tatsächlichen Fällen geschuldet ist, die als Inspiration dienten, oder einer Entscheidung der Autorin; Tatsache ist aber, dass viele Fälle so ähnlich aufgebaut sind, dass es mich irgendwann störte.

Die Fälle an sich sind dabei aber nicht störend, im Gegenteil: Ich fand es ungewöhnlich faszinierend, den Charakteren zu folgen, die ins Zentrum eines Mordes gerieten. Scheinbare Notwehr, Kannibalismus, falsche Geständnisse … die Fälle waren einnehmend beschrieben und ich war gespannt darauf, wie sie sich entwickeln würden. Zwar war es überraschend oft tatsächlich möglich für mich, mich für eine Seite zu entscheiden, aber eine klare Trennung in Gut und Böse gibt es trotzdem nicht.

Ich schätze, Fans von Krimis und Gedankenexperimenten könnte die Lektüre deshalb gut gefallen – solange sie bereit sind, ein paar schwerwiegende Themen zu behandeln. Keine Lektüre für jeden, aber definitiv eine, die zum Nachdenken anregt!

– Destroy the Day
 448 Seiten

Nach den Ereignissen des letzten Bandes befinden sich Corrick, Tessa und Harristan in schlimmerer Verfassung als je zuvor. Corrick wurden von Oren Crane gefangen genommen und ist gezwungen, ein Bündnis mit ihm einzugehen, wobei er ausgerechnet mit Lochlan zusammenarbeiten muss. Tessa hält Corrick für tot und versucht, zusammen mit dessen Leibwächter Erik etwas Gutes für die Menschen zu tun, obwohl sie deren König, Rian, über alles hasst und die Trauer um Corrick sie begleitet. Und Harristan versteckt sich zusammen mit seinen Leibwächtern und Palastmeister Quint in der Wildnis vor den Konsuln, die behaupten, er hätte sein Volk vergiftet. Getrennt voneinander versuchen die drei, einen Weg zurück nach Hause zu finden – und dabei selbst am Leben zu bleiben …

Mit „Destroy the Day“ findet die Trilogie um Corrick, Tessa und Harristan ihren würdigen Abschluss, der mit emotionalen, spannenden und auch schönen Momenten gefüllt ist. Trotz der Tatsache, dass die drei Charaktere den Großteil der Handlung getrennt voneinander verbringen und wir so drei sehr unterschiedlichen Handlungssträngen folgen, war ich in jeden von ihnen investiert. Der Hauptgrund dafür liegt definitiv an den neuen Dynamiken, mit denen Brigid Kemmerer hervorragend zeigt, dass nicht nur Liebesbeziehungen für großartige Chemie sorgen.

So haben wir Corrick und Lochlan, die sich nicht ausstehen können, bis sie durch ihre unglücklichen Umstände gezwungen sind, ihre Vorurteile zu überwinden. Das gipfelt in einer sich natürlich aufbauenden Freundschaft, die sich sehr zufriedenstellend und gleichzeitig unterhaltsam las – denn die Dynamik zwischen den beiden war mit ein wenig Abstand meine liebste und hat mich daran erinnert, wie unglaublich großartig werdende Freundschaften beschrieben werden können (vor allem, wenn sie wie hier als Feinde starten).

Dann haben wir Tessa und Erik, die eine hervorragende Bruder/Schwester-Dynamik präsentieren, die durch das Auftauchen von Olive und deren Sohn Ellmo zusätzlich gewürzt wird. Das war wohl der schönste Teil der Geschichte, weil es zwar auch dramatische Momente gibt, der Fokus aber definitiv auf den positiven Erlebnissen liegt. Neben dem Drama, das in Corricks und Harristans Geschichten vor sich geht, war Tessas Sichtweise eine angenehme Abwechslung, die mir sehr gefallen hat.

Harristan währenddessen entdeckt nicht nur die Liebe, sondern auch die Last der Entscheidungen, die Corrick bisher für ihn traf. Zum ersten Mal spürt er, wie wertvoll die Treue seiner Leibwächter ist – und wie schwierig, mit potentiellem Verrat umzugehen. Tatsächlich mochte ich die Szenen mit seinen Leibwächtern genauso sehr wie die mit Quint, was weiterhin betont, wie gut dieser Band die platonischen Beziehungen umsetzt. Insgesamt betrachtet sind die Dialoge in allen drei Handlungssträngen großartig und heben die Qualität der Dynamiken hervor.

Aber eine offensichtliche Kritik hat der Fokus auf platonische Beziehungen natürlich: Dadurch, dass die Charaktere so lange voneinander getrennt sind, verbringen Corrick und Tessa nur wenige Szenen miteinander. Selbst die Szenen zwischen Harristan und Quint, die mehr Zeit zusammen haben, ist durch das Drama der restlichen Handlung eingeschränkt. Einerseits wurden die romantischen Szenen, die es gab, dafür umso schöner, andererseits habe ich trotzdem mehr gewünscht. Letztendlich gefiel mir die Umsetzung der platonischen Beziehungen jedoch so sehr, dass es mir nicht viel ausmachte, dafür weniger von den romantischen zu sehen.

Andere Dinge setzte der Roman ebenfalls hervorragend um: Der schlichte Schreibstil hebt die Gedanken und Gefühle der Charaktere hervor, im Finale werden die Antagonisten auf überraschend plötzliche, aber äußerst zufriedenstellende Weise besiegt und das Ende war einfach wunderschön. Ich glaube, nur an den Anfang musste ich mich etwas gewöhnen; nach den ersten drei Kapiteln, die jeweils die Sichtweise eines der Charaktere zeigen, folgt jeweils eine längere Portion, in der wir Corrick, dann Tessa und dann Harristan folgen, bevor die Sichtweisen wieder mehr miteinander vermischt werden. Doch bleibt der Roman unabhängig von der Sichtweise konstant spannend und ließ mich mit allen drei Charakteren mühelos mitfiebern.

Insgesamt also ein wunderbarer Abschluss der Defy-the-Night-Trilogie, der mich jetzt schon auf Brigid Kemmerers zukünftige Romane gespannt macht!

– Royal Gambit
 352 Seiten

Sechs Monate sind vergangen, seit Devroe Ross beim Thieves’ Gambit verraten hat, doch trotzdem hört er nicht auf, mit ihr zu flirten. Als wäre das noch nicht genug, soll ein neuer Wettbewerb entscheiden, wer der Anführer ihrer Organisation werden soll – die akribische Count oder der entschlossene Baron. Drei Aufträge sollen entscheiden, wer das bessere Team hat, wobei Ross und Devroe auf verschiedenen Seiten stehen. Und für beide steht das Leben ihrer Familie auf dem Spiel …

Spannend endet die Dilogie mit „Royal Gambit“, wobei die drei Aufträge, die Ross und Devroe gegenüberstellen, definitiv das Highlight waren. Der Anfang, der dieses Gambit einleitet, ist nämlich recht langsam und ich war sehr viel investierter, als es mit den Aufgaben losging. Diese waren so spannend und gut geschrieben, dass ich sie mit Begeisterung verfolgte. Meine Lieblingsaufgabe war dabei das Casino, das viele meiner Lieblingsszenen enthielt, aber auch die anderen zwei Aufgaben waren wunderbar.

Die einzige Kritik, die ich für die Aufgaben selbst habe, ist tatsächlich Ross selbst – denn meiner Meinung nach war sie in ihrem Team das schwächste Glied. Sie machte viele Fehler, teils verständliche, teils unnötige, aber insgesamt zu viele. Ab einem bestimmten Punkt habe ich nicht verstanden, warum man sie engagieren sollte, weil es den Anschein hatte, als würden ihre Missionen fast immer scheitern. Am Ende haben sie und Devroe zum Glück gezeigt, was wirklich in ihnen steckt (und beide Szenen, in denen sie ihren Plan bzw. ihren Wunsch offenbaren, gehörten ebenfalls zu meinen Lieblingen), aber ich wünschte, Ross wäre auch zwischendrin ein wenig fähiger gewesen, statt sich fast ausschließlich auf die Hilfe ihrer Freund:innen zu stützen.

Apropos: Mir hat es sehr gefallen, dass Ross viel Zeit mit ihren Freund:innen verbrachte. Leider geschieht das auf Kosten der Romanze, weil sie und Devroe leider nicht so viele Szenen miteinander verbringen, aber dennoch fand ich es erfrischend, dass Ross’ Freundschaften dafür in den Fokus gerückt wurden. Logischerweise ist es aber immer noch ein Kritikpunkt, dass die eigentliche Romanze etwas zu kurz kommt.

Doch trotz dieser Kritikpunkte hat mit „Royal Gambit“ sehr gefallen und war für mich ein zufriedenstellender Abschluss der Dilogie!

– Immortal Consequences - Die Blackwood-Academy-Trials
 528 Seiten

Wren, August, Emilio, Olivier, Irene und Masika gehören zu den Jugendlichen, die nach ihrem Tod in der Blackwood Academy gelandet sind. Hier lernen sie, wie man verlorene Seelen auf die andere Seite bringt und im Äther überlebt. Doch ihr eigentliches Ziel ist es, als beste Studierende nominiert zu werden, weil ihnen das ermöglicht, entweder zur Elite aufzusteigen oder auf die Andere Seite hinüberzuwechseln. Dieses Mal findet ein Wettkampf statt, um zu entscheiden, wer von ihnen diese begehrte Entscheidung treffen darf. Doch ihre Beziehungen zueinander, ihre unterschiedlichen Ziele und die Schwierigkeit der Trials zeigen ihnen bald, dass sie weitaus mehr verlieren könnten, wenn sie sie gewinnen ...

Ich habe schon einige Bücher gelesen, in denen Jugendliche in einem Wettkampf gegeneinander antreten, aber "Immortal Consequences" gehört mit einigem Abstand zu den besten von ihnen! Denn allein dadurch, dass wir die Sichtweisen mehrerer Charaktere verfolgen, die sich gegenseitig kennen (und teils lieben), erhöht sich die Spannung darum, wer gewinnen soll, um ein Vielfaches. Ich selbst war hin- und hergerissen, wem ich den Sieg gönne, weil ich so viele Charaktere mochte!

Die Charaktere selbst sind an bekannte Charaktertypen angelehnt, die man bereits aus anderen YA-Romanen kennt, aber die Umsetzung hat mir dafür umso mehr gefallen. Es machte einfach Spaß, den Charakteren und Beziehungen bei ihrer Entwicklung zuzuschauen, weil ihre Chemie zueinander einfach großartig war. Die Autorin setzt also durchaus Klischees und Stereotypen ein, tatsächlich sogar sehr stark – aber sie tut es auf eine Weise, die sie trotzdem wunderbar zu lesen machte.

Besonders August & Wren und Emilio & Olivier möchte ich hervorheben, weil man deren Chemie in jedem Dialog und jeder Berührung spürte. Sowohl ihre Geheimnisse als auch ihre offenen Ziele trugen dazu bei, dass ich mit beiden Paaren mitfieberte und mich gar nicht zwischen ihnen entscheiden wollte. Im Gegensatz zu ihnen fühlte sich Irenes und Marikas Freundschaft schwächer an und ich wünschte, sie wäre Wrens Freundschaft zu Louise ähnlicher gewesen – denn obwohl diese sehr viel weniger Screentime miteinander hatten, wirkte ihre Freundschaft echter.

Allerdings waren Irene und Marika als Charaktere immer noch nachvollziehbar. Marika war sehr sympathisch, während Irene zunächst wie die übliche Kämpferin wirkt, aber schnell zeigt, dass sie wohl die Vernünftigste von allen ist. Zugegeben machten sie immer noch keinen so starken Eindruck wie die anderen vier Charaktere, aber eben auch keinen schwachen.

Gut ist hierbei, dass die Charaktere nicht nur mit ihrem Duo-Partner Szenen teilen, sondern auch mit den anderen. Zwar bekommt die Bindung zu ihrem Partner eindeutig am meisten Fokus, doch war es gerade deshalb erfrischend, ein paar der anderen Dynamiken zu sehen zu bekommen.

Dadurch, dass der Roman einen großen Fokus auf die Charaktere und ihre Beziehungen legt, ist der Anfang recht langsam – so dauert es fast hundertfünfzig Seiten, bis der eigentliche Wettkampf losgeht. Mir persönlich machte das nichts aus, weil ich langsame Anfänge ohnehin mag und es mir so große Freude bereitete, dafür mehr Einblicke in die Charaktere zu bekommen, aber wer es bevorzugt, wenn Romane schnell zur Sache kommen, könnte den Einstieg als zu lang empfinden.

Die Trials selbst sind sehr spannend gestaltet und die einzelnen Aufgaben haben mir sehr gefallen, weil sie die perfekte Mischung aus Gefahr und Charakterbildung waren. So erfahren wir nicht nur, wie die Charaktere sich im Angesicht einer bedrohlichen Situation verhalten, sondern auch immer etwas zu den Charakteren selbst. Ich glaube, das einzige, das ich mehr in den Fokus gerückt hätte, wäre die menschliche Vergangenheit der Charaktere, denn das ist ein Thema, das im Roman nur angerissen wurde.

Natürlich gibt es auch ein paar Twists, von denen die meisten zugegeben nicht allzu überraschend sind ... bis auf eine Ausnahme, die mich dann doch unerwartet traf. So oder so freue ich mich darauf, wie die Charaktere im nächsten Band mit den neuen Erkenntnissen umgehen werden.

Zusammenfassend war "Immortal Consequences" eine so unglaublich spaßige und spannende Lektüre, dass ich sie jedem ans Herz lege, der gute Charakterdynamiken und eine packende Handlung liebt!

– Middletide
 384 Seiten

Im Januar 1994 wird die Leiche der Ärztin Erin Landry erhängt an einem Baum aufgefunden. Hauptverdächtiger ist Elijah Leith, auf den gleich mehrere Indizien hinweisen, aber vor allem die Tatsache, dass er vor fast fünfzehn Jahren einen Roman schrieb, der die genauen Umstände des Mordes detailreich schildert. Damals entschied er sich dafür, Point Orchards und seine große Liebe Nakita zu verlassen, um dem Schriftstellerberuf zu verfolgen, was sich jedoch als erfolglos erwies. Jahre darauf kehrte er nach Point Orchards zurück, um Nakita zurückzugewinnen – und lernte dabei Erin kennen. Doch die genauen Hintergründe ihres Mordes bleiben unklar …

Dieser wunderschöne Roman hebt sich vor allem durch seinen bildgewaltigen Schreibstil ab, der die gesamte Handlung wie einen Film vor meinem inneren Auge abspielte. Ich konnte mir alles so mühelos vorstellen, als würde ich es beobachten und nicht lesen, so fantastisch ist der Schreibstil gelungen. Dabei legte sich zusätzlich eine Art Nostalgie-Filter über die beschriebenen Ereignisse der Vergangenheit, sodass mir die Farben alle wärmer und strahlender vorkamen als in der Wirklichkeit. Es ist wirklich schwer zu beschreiben, wie gut der Schreibstil es schafft, seine Figuren zum Leben zu erwecken!

Wir folgen einerseits Elijahs Rückkehr nach Point Orchards und den Jahren, die danach folgten, andererseits den polizeilichen Ermittlungen der erzählerischen Gegenwart. In beiden Erzählsträngen erhalten wir Informationen, die die jeweils andere Zeitlinie in einem anderen Licht erscheinen lassen. Besonders gut hat mir gefallen, dass der Fokus dabei nicht nur auf den Ermittlungen und Elijahs Beziehung zu Erin lag, sondern auch auf seiner Rückkehr, dem Aufbau eines eigenen Lebens, seine Freundschaft mit dem sympathischen Chitto und sein Wiedersehen mit Nakita. Kurzum: Wir erleben die wichtigsten Ereignisse seines Lebens statt nur diejenigen, die strikt für den Fall relevant wären, was seinem Charakter und seinen Beziehungen die nötige Tiefe gegeben hat. Dadurch, dass Vergangenheit und Gegenwart aus zwei Sichtweisen erzählt werden (Elijah und Sheriff Jim), kam ich auch nie durcheinander, welche von beiden Zeitlinien ich las.

Besonders Elijahs Romanze mit Nakita möchte ich hervorheben, weil die Autorin sie gleichzeitig wunderschön und überraschend realistisch darstellte. Es gab hier ein, zwei Szenen, die mich zu Tränen gerührt haben, weil ich sie so schön fand, sodass es mir leicht fiel, mit ihrer Romanze mitzufiebern.

Meine einzige – zugegeben gewichtige – Kritik besteht darin, dass ich das Mysterium um Erins Mord sehr vorhersehbar fand. Vielleicht liegt das daran, dass ich bereits so viele Thriller gelesen habe, aber von meinen zwei Haupttheorien erwies sich tatsächlich eine als richtig, weshalb ich regelrecht damit rechnete, dass wir noch einen letzten Twist bekommen. Das geschah jedoch nicht. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Handlung noch vielschichtiger gestaltet wäre, z.B. indem sie noch mehr auf die falschen Fährten eingeht, die durchaus existieren, für mich aber zu deutlich als solche erkennbar waren. So war das Mysterium hinter dem Mord für mich persönlich enttäuschend, während der gesamte Rest der Handlung mich dafür umso mehr begeisterte.

Sehr gut eignet sich die Geschichte für Fans von „Der Gesang der Flusskrebse“, aber auch allgemein für Fans atmosphärischer Geschichten, die eher von den Charakteren als von der Spannung leben. Nicht der Mord-Aspekt ist hier das wichtigste, sondern Elijahs Leben – und seine Liebe. Insgesamt empfehlenswert!