Bücherregal lädt …
Annie Knows Everything
385 Seiten

Nachdem Annie ihren eigentlichen Job beim Tech-Unternehmen Taskio verliert, lässt sie sich in die Data Strategy versetzen, obwohl sie sich damit gar nicht auskennt. Ihr neuer Boss Connor, der das merkt, gibt ihr die Aufgabe, sich um ein Dashboard zu kümmern, das niemand in der Firma benutzt, ohne, dass sein Team es sich erklären könnte. Annie und Connor arbeiten zusammen – und genießen dabei einen stetigen Schlagabtausch. Allerdings verstößt es gegen die Firmenpolitik, eine Beziehung unter Kollegen anzufangen …

Diese romantische Komödie ist einfach herrlich zu lesen, locker und lustig geschrieben und die perfekte Lektüre für Zwischendurch. Sie ist natürlich sehr vorhersehbar, selbst die Überraschungen sind leicht zu erraten – man bekommt eben genau das, was man erwartet. Aber es war so spaßig und so unterhaltsam, dass mir das letztendlich nichts ausmachte.

Ein großer Grund dafür ist Annies und Connors großartige Chemie. Sie haben viele humorvolle Schlagabtäusche, die ihre Chemie wunderbar zeigen und sich absolut amüsant lesen. Immer, wenn die beiden miteinander sprachen oder schrieben, kam es mir wie ein Ping-Pong-Duell vor, weil die beiden sehr gut damit waren, sich die metaphorischen Bälle hin- und herzuwerfen. Zwar kommen auch so einige Missverständnisse zwischen ihnen vor, aber sie wurden glücklicherweise schnell geklärt, sodass ich im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Komödien nicht die Augen verdrehen musste, sondern mich über die verständnisvollen Gespräche freuen durfte.

Der eigentliche Job spielt letztendlich keine große Rolle (speziell das Dashboard, für das Annie zuständig ist, gerät gegen Ende in Vergessenheit, wenn auch aus gutem Grund), aber dafür umso mehr die Schwesternbeziehung zwischen Annie und Shannon. Die war wirklich gut umgesetzt, auch wenn ich hin- und hergerissen bin, was die Auflösung von Shannons romantischen Problemen angeht.

Andere Charaktere kommen in genau der richtigen Dosierung vor; sie blieben zwar letztendlich recht zweidimensional, hoben sich aber sehr gut voneinander ab und hinterließen bei mir einen bleibenden Eindruck.

Insgesamt also eine amüsante RomCom, die einfach Spaß macht!

Totenbraut
348 Seiten

Jasna wird von ihrem Vater an den reichen Gutsherrn Jovan Vuković verkauft, um dessen Sohn Danilo zu heiraten. Voller Angst betritt sie ihr neues Heim – und merkt bald, dass die Vukovićs ein Geheimnis haben. Die Dorfbewohner verachten sie, und die gespenstischen Geschichten über einen Vampir, der im Dorf umgehen soll, schüren ihre Ängste. Jasna ist entschlossen, das Geheimnis der Familie herauszufinden – ohne zu ahnen, wie groß es tatsächlich ist ...

Ich hatte dieses Buch bereits vor gut fünfzehn Jahren gelesen und damals sehr genossen, weshalb ich mich sehr über die Neuauflage gefreut habe. Viele wichtige Handlungsaspekte hatte ich noch gut in Erinnerung, aber es gibt mindestens genauso viel, das ich bereits wieder vergessen hatte, weshalb es erfrischend war, nach so vielen Jahren wieder in die Geschichte einzutauchen.

Neben dem wunderschönen Schreibstil ist gerade der Mystery-Aspekt hervorragend gelungen: Die Frage, was genau auf dem Hof der Vukovićs vor sich geht und ob die Geschichte sich eher in eine realistische oder in eine fantastische Richtung entwickeln wird, war sehr spannend umgesetzt und hat mich auch bei diesem Lesedurchgang ordentlich auf Trab gehalten. Die vielen Überraschungen sorgten für eine gute Spannung!

Jasna, Danilo und Dušan waren mühelos die stärksten Charaktere – sowohl die vorsichtige Freundschaft zwischen Jasna und Danilo als auch die langsame Romanze zwischen Jasna und Dušan waren großartig. Die anderen Charaktere (speziell die Dorfbewohner) bleiben dafür sehr blass, weshalb es schwierig war, mit ihrer Angst vor einer Bestie mitzufiebern. Allgemein waren die Szenen, die sich mit Jasnas Eingliederung in das Dorf beschäftigen, langsamer erzählt und ich fieberte viel mehr mit den Ereignissen auf dem Gut mit.

Davon abgesehen haben wir hier aber einen wunderschön geschriebenen, spannenden Roman, der mir auch nach all den Jahren immer noch wunderbar gefällt!

Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers
386 Seiten

Seit einiger Zeit fühlt Alex sich, als würde etwas nicht stimmen. Ihre kontrollierende Mutter versucht, ihr keine Gelegenheit zum Nachdenken zu geben, während Menschen von Drachensichtungen berichten. Erst, als der Fremde Oliphos eintrifft, erfährt Alex die Wahrheit: Sie ist ein Drache und muss lernen, ihre Kräfte zu beherrschen, wenn kein Chaos ausbrechen soll. So fängt Alex ihre Ausbildung an, doch schafft sie es einfach nicht, sich zu verwandeln. Und ihre Zeit läuft ab, denn Drak Midna, der größte und gefährlichste Drache von allen, droht, zurückzukehren …

Wow, das war mal ein Kinderbuch! Ich hatte schlicht eine unterhaltsame Lektüre erwartet (und zugegeben WAR sie auch sehr unterhaltsam), aber die pure Spannung, die aus der Handlung und den Twists entstand, war unbeschreiblich. Schon Alex‘ Ausbildung und die Freundschaften, die sie währenddessen schließt, haben mir sehr gut gefallen, weil ich gespannt war, wie sie es schaffen würde, sich trotz ihrer mangelnden Verwandlungskünste zu behaupten.

Das kommt allerdings mit einem Meta-Kritikpunkt, und zwar dem Cover. Das Cover selbst ist hervorragend, doch gleichzeitig dämpft es einen beträchtlichen Teil der Spannung, die während Alex‘ Ausbildung aufgebaut wird. Denn das ganze Buch dreht sich darum, wie Alex sich letztendlich verwandeln und wie sie wohl als Drache aussehen wird – eine Überraschung, die erst gegen Ende gelüftet, durch das Cover aber sogar schon vor dem Lesen verraten wird. Es ist ein massiver Spoiler, der damit vergleichbar ist, auf dem Cover eines Mystery-Thrillers den Täter abzubilden.

Glücklicherweise gibt es davon abgesehen noch andere Twists, die ich allesamt nicht kommen gesehen habe und die mich massiv schockierten. Sie waren für mich das beste am Roman, weil sie viele frühere Szenen in ein anderes Licht rückten und absolute „Holy Shit!“-Momente waren. Gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse auf eine Weise, die mich immer noch atemlos zurücklässt, wenn ich daran zurückdenke. Besonders cool war hier auch, dass ich am Anfang natürlich meine eigenen Ideen bezüglich möglicher Twists hatte – und sie sich allesamt als falsch erwiesen.

Was die Charaktere angeht, mochte ich vor allem Erik (Alex‘ besten Freund), Oliphos (ihren Mentor) und Puppin (den Drachenforscher). Die anderen Nebencharaktere stechen nicht ganz so stark hervor wie diese drei, aber dafür zeigten Erik, Oliphos und Puppin umso besser die wichtigsten Werte des Romans, jeder auf seine eigene Weise.

Wer Drachen liebt und eine spannende Handlung mit besonders dramatischen Twists lesen möchte, findet hier ein persönliches Highlight!

Kill for Me
512 Seiten

Seit Amanda ihre kleine Tochter und ihren Ehemann verloren hat, denkt sie nur daran, wie sie deren Mörder möglichst unauffällig umbringen kann. Nach einem gescheiterten Versuch wird sie in eine Gruppentherapie gesteckt, wo sie Wendy kennenlernt, die ebenfalls einen schweren Verlust erlitten hat und den Wunsch nach Rache verspürt. Wendy schlägt ihr gemäß "Zwei Fremde im Zug" vor, ihre Mörder zu tauschen. Doch der Plan geht schief und Wendy verschwindet spurlos, woraufhin Amanda alles in ihrer Macht Stehende tun muss, um sie wiederzufinden und gleichzeitig der Polizei zu entkommen ...

Steve Cavanagh gehört fraglos zu meinen Lieblingsautoren und in diesem Thriller hat er wieder einmal gezeigt, warum: Er schreibt so unglaublich spannend, dass es fast unmöglich ist, sich seinem Sog zu entziehen. Ich war am Anfang erst mal emotional an Amanda gebunden, weil ihr Verlust auf sehr gefühlvolle Weise beschrieben wird, bevor die eigentliche Handlung Überhand nimmt und für ein rasantes Leseerlebnis sorgt. Es war so leicht, mit ihr mitzufiebern, weil sie eine sympathische Heldin in einer sehr schwierigen Situation ist.

Das gleiche gilt auch für die zweite Protagonistin Ruth, die am Anfang eine Messerattacke überlebt und seitdem panische Angst hat, dass der Mörder zurückkommen könnte, um ihr den Rest zu geben. Auch ihre Geschichte fängt emotional an, bevor sie, ähnlich wie Amanda, in Situationen gezwungen wird, die sie heillos überfordern.

Twists gibt es natürlich so einige und sie waren ausgesprochen zufriedenstellend, weil sie die perfekte Mischung aus überraschend und logisch waren. Manche sah ich vage kommen, aber andere haben mich ganz schön unerwartet getroffen, obwohl sie im Nachhinein perfekt ins Puzzle passten. Ein besonders großen Lob für das Ende, das alle Handlungsstränge zufriedenstellend abschließt und mich regelrecht atemlos an den Seiten hielt.

Wer Steve Cavanagh, aber auch allgemein packende Thriller mag, die ihre Spannung tatsächlich über das ganze Buch hinweg halten, wird hier einen besonders großartigen finden!

(Tatsächlich habe ich mir nun "Zwei Fremde im Zug" gekauft, weil ich so gespannt bin, wie die Originalidee wohl umgesetzt wurde!)

Ich rede, also bin ich
272 Seiten

Sprache gehört zu unseren wichtigsten Werkzeugen, doch nur selten nehmen wir uns Zeit, über ihre Merkwürdigkeiten nachzudenken. Wie lernen wir überhaupt sprechen? Wieso haben sich Dinge wie Witze, ironische Bemerkungen und Füllwörter im Lauf der Zeit etabliert? Wieso vergessen wir im Alter so vieles, was mit Sprache zusammenhängt? Diese und noch mehr Fragen zu Sprache beantwortet Julia Mailänder kurz und knackig in ihrem Sachbuch.

Was mich dabei besonders faszinierte, waren die Antworten zu den Fragen, die ich mir selbst nicht gestellt hatte. Warum sagen wir überhaupt so etwas wie „Du bist so süß, ich könnte dich auffressen!“? Warum führen wir Selbstgespräche? Gibt es eine Ursprache und wieso wurde ausgerechnet Englisch zu einer der weit verbreitetsten? Das alles waren Fragen, die ich mir nicht bewusst gestellt hatte, deren Antwort ich dann aber unbedingt wissen wollte, weil es so faszinierend war, über die Entstehungsgründe nachzudenken.

Die kurzen Kapitel machten es einfach, schnell ein Thema in sich aufzusaugen und gleich zum nächsten zu springen; zwar wünschte ich mir beizeiten durchaus, Mailänder wäre ausführlicher auf gewisse Fragen eingegangen, aber gleichzeitig machte es das Format einfach, kurze und prägnante Antworten auf sie zu finden, statt sich in Ausschweifungen zu verlieren.

Wer auch nur ein kleines Interesse an Sprache hat, wird mit diesem Sachbuch eine interessante Lektüre finden, die sowohl offensichtliche als auch nicht ganz so offensichtliche Fragen zur Sprache gut beantwortet!

Metal Slinger – Dunkle Verheißung
512 Seiten

Zusammen mit ihren Mitkämpfern lebt Brynn auf einem Schiff, doch endlich darf sie mit den anderen zum ersten Mal aufs Festland. Dort begegnet sie auf dem Markt einem geheimnisvollen jungen Mann, der sie sogleich in Schwierigkeiten bringt, bis zu dem Punkt, an dem sogar Krieg droht. Während ihre Kameraden überlegen, was nun mit Brynn geschehen soll, sucht der junge Mann, Acker, sie auf und behauptet, sie wäre in Wirklichkeit die verlorene Prinzessin Jovie. Brynn begreift, dass er die Wahrheit sagt und begleitet ihn in ihr eigentliches Zuhause, wo sie unbedingt herausfinden will, wer sie wirklich ist – während sie sich nach und nach in Acker verliebt …

Der Roman hat wirklich vielversprechend angefangen, aber leider nutzte er sein anfängliches Potential nicht. Ich mochte gleich zu Beginn das Setting und die Freundschaft zwischen Brynn, Kai und Messer, die als Trio gerne mal das Meer und das Land unsicher machen und mir sofort sympathisch waren. Dass sie alle ihr Leben auf einem Schiff lebten, fand ich ungemein faszinierend, und auch der erste Landbesuch – sowie die Konsequenzen, die daraus entstehen – war sehr gut und sehr spannend geschrieben.

Auch der Teil, als Brynn sich Acker anschließt und sie sich auf den Weg zu seinem Zuhause machen, hat mir sehr gefallen, weil die beiden eine gute Chemie zeigten, es hier aber mitten in der Handlung auch einen großartigen Twist gab, den ich wirklich sehr mochte … nur, um festzustellen, dass er sehr bald darauf zur Seite geschoben wird und Brynn noch nicht einmal mehr an ihn denkt. Dass ihre besten Freunde nach ihrem Weggang keine große Rolle mehr spielen, fand ich zwar schade, konnte es aber akzeptieren, aber dass diese Gelegenheit, die der Twist bot, nicht genutzt wurde, war sehr enttäuschend.

Auch am Ende gibt es einen Twist, aber obwohl er mir auf dem Papier ausgesprochen gut gefallen hat, gab es auf ihn keinerlei Foreshadowing, sodass er sehr unlogisch wirkte – als wäre er nur ein Twist um eines Twists willen. Hier hätte der Roman schon vorher Hinweise auf ihn einbauen sollen, damit er nicht ganz so sinnbefreit wirkt.

Und dann wäre da noch die Romanze, die stark anfing, mit langsam wachsenden Gefühlen, aber auch der Frage, ob die Bindung, die zwischen Brynn und Acker besteht, ihr überhaupt eine Wahl lässt. Nur wurde dieser wichtige Punkt irgendwann nicht mehr angesprochen und sobald die Romanze richtig losging, verwandelte sich Acker vom geduldigen, gewitzten Love Interest in einen, der mir sehr unsympathisch wurde, weil er Brynn keinerlei Respekt und Entscheidungsfreiheit entgegenbrachte und den Eindruck machte, er hätte ein Anrecht auf sie, ohne dass sie diesbezüglich Mitspracherecht hätte. Das wird ihm zwar durchaus negativ angekreidet, wofür ich dankbar war, aber irgendwann dann nicht mehr erwähnt, obwohl sein Verhalten eher schlimmer als besser wurde.

Insgesamt finde ich, dass dieser Roman sehr davon profitiert hätte, mehr Worldbuilding einzubauen, den Nebencharakteren mehr Screentime zu geben, die Twists besser anzudeuten und die Romanze liebevoller zu gestalten. Denn all diese Aspekte sind gerade in der ersten Hälfte des Romans sehr stark und trieben mich begeistert zum Weiterlesen an, aber die zweite Hälfte hat all das Potential der ersten Hälfte leider nicht genutzt. Von daher kann ich leider keine Empfehlung aussprechen, weil die positiven Punkte nach und nach ins Gegenteil verkehrt wurden.

The Knight and the Moth
496 Seiten

Zusammen mit fünf anderen jungen Frauen gehört Sybil, genannt Sechs, zu den Weissagerinnen der Aisling-Kathedrale. Als sie für den jungen König Benji die Zukunft weissagt, sieht sie ihm fünf schlechte Omen voraus, was den fröhlichen König nicht allzu beunruhigt, zumal sein treuer Ritter Rodrick „Rory“ Myndacious nicht an Sybils Vorhersagen glaubt. Nach einer verlorenen Herausforderung sagt Sybil auch ihm die Zukunft voraus – und sieht das sechste Omen, die Motte, das sie nicht zu deuten vermag. Kurz danach verschwinden ihre Mitschwestern eine nach der anderen, und Sybil verbündet sich mit Benji, Rory, der Ritterin Maude und einem Gargoyle, um ihre Schwestern zu finden – und dabei das Geheimnis der Omen herauszufinden …

Ich mochte bereits die Shepherd-King-Dilogie der Autorin und war deshalb gespannt, wie „The Knight and the Moth“ im Vergleich sein würde, weshalb ich froh bin, zu berichten, dass es mir sogar noch besser gefallen hat! Tatsächlich ist es schwierig, alles Wichtige zu erwähnen, weil es so viel gibt, das mir positiv aufgefallen ist:

Zunächst einmal haben wir den schönen, angenehm zu lesenden Schreibstil, der die Atmosphäre dieser Welt wundervoll einfängt. Der Anfang der Geschichte ist zugegeben langsam, weil es eine ganze Weile dauert, bis die „eigentliche“ Handlung losgeht, aber der Schreibstil trug mich gut durch den Anfang und noch besser durch die folgende Quest. Der Teil der Handlung, in der die Charaktere von Ort zu Ort reisten und Aufgaben erledigten, machte schlichtweg Spaß, war sehr spannend und gab den Charakteren genug Zeit, zu scheinen.

Womit wir bei einer der größten Stärke des Romans wären: Die Charaktere waren fantastisch. Am Anfang kam nur Sybil stark hervor, weil sie innerhalb ihrer Gruppe von Weissagerinnen eine wichtige Rolle einnahm und mir schnell sympathisch wurde. Aber im Verlauf des Romans schienen auch die anderen Charaktere immer mehr – Rory, Benji, Maude und vor allem der Gargoyle, der mein persönlicher Lieblingscharakter war. Durch ihn kam auch ordentlicher Humor in die Geschichte, weil seine Eigenheiten (Sprichwörter durcheinander zu bringen und jeden Bartholomew zu nennen) sehr charmant waren, er aber auch Tiefe hatte, die ihn zu einem noch interessanteren Charakter machte. Auch die anderen Charaktere zeigten ihre Eigenschaften gut, vor allem Benji, aber der Gargoyle stach besonders positiv hervor.

Die Romanze zwischen Sybil und Rory war zugegeben nicht allzu besonders, denn obwohl sie so einige witzige Szenen miteinander hatten, die mir ausgesprochen gut gefielen, war eher ihre Beziehung im Allgemeinen interessant und nicht unbedingt die Romanze an sich. Das Beste an ihnen waren für mich die Szenen, in denen sie wichtige Phrasen aus einem früheren Teil der Handlung noch mal in einer anderen Situation wiederholten – es gibt recht viele von ihnen, nicht nur die Romanze betreffend, und jede einzelne davon war unglaublich zufriedenstellend und brachte mich zum Lächeln. Aus diesem Grund war zumindest die Freundschaft und angehende Verliebtheit zwischen Sybil und Rory sehr gut umgesetzt – ich hätte mir nur gerne noch mehr gewünscht.

Zusammenhängend mit den Situationen, die später ein wichtiges Echo bekommen, war auch das Foreshadowing bezüglich der Twists hervorragend. Teilweise kann man einige der Twists dadurch vorher schon erahnen, aber erstens hat das die Twists eher bereichert statt ihnen geschadet und zweitens gab es auch unerwartete Wendungen, die mich teils sehr schockierten. Die ganzen Mysterien haben mich ebenfalls durch den Roman getragen – ich wollte wissen, was sich hinter Sybils Schleier verbirgt, was es mit den Omen auf sich hat und wie die Charaktere mit ihnen umgehen werden. Die Geschichte ist nicht auf „klassische“ Weise spannend (wie durch Cliffhanger), aber die Mysterien waren ein hervorragender Aufhänger, die stark durch den ganzen Roman pulsierten und so wunderbar aufgelöst wurden, dass ich am Ende gar nicht mehr aus meiner Begeisterung herauskam!

Das Ende war wirklich sehr gemein – bevor ich die letzten zehn Seiten las, überlegte ich, ob der Roman ein Einzelband ist und der zweite Teil eine andere Geschichte mit einem anderen Charakter erzählt, denn die Geschichte dieses Bandes wirkte nahtlos abgeschlossen. Aber der Cliffhanger am Ende bestätigte, dass Sybils Geschichte im zweiten Band weitergeht – und ich kann es kaum erwarten, bis es so weit ist!

Hervorragende Charaktere, eine spannende Quest, guter Humor und eine mysteriöse Atmosphäre sorgen für einen wunderbaren Fantasyroman, den ich nur weiterempfehlen kann – vor allem, wenn man die Romanze selbst nicht im Fokus haben will, sondern alles andere, was eine Geschichte besonders macht!

In uns der Ozean
384 Seiten

Rachel Carson ist leidenschaftliche Biologin, die den Menschen zeigen will, wie wertvoll und wunderschön das Meer im Speziellen und die Natur im Allgemeinen ist. Als Frau im zwanzigsten Jahrhundert fällt es ihr nicht leicht, sich gegen die Männer in der Domäne durchzusetzen, doch sie kämpft unermüdlich für ihre Leidenschaft. Als ein Pestizid namens DDT auf den Markt kommt, das als Wundermittel gegen Insekten angepriesen wird, wird Rachel hellhörig – denn sie fürchtet, dass DDT der Natur langfristig schadet und damit nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen …

Dieser Roman basiert auf dem wahren Leben von Rachel Carson, die sich im zwanzigsten Jahrhundert für den Naturschutz einsetzte und damit die ganze Welt nachhaltig geprägt hat. Die Art und Weise, wie Theresia Graw ihren Charakter und ihr Leben beschrieben hat, war schlicht meisterhaft. Wie wohl jede Person erlebte Rachel in ihrem Leben viele Höhen und Tiefen, doch glücklicherweise fokussiert sich Theresia Graw nicht nur auf die Tiefen, sondern schafft es, eine wunderbare Balance aufrechtzuerhalten, die sowohl die guten als auch die schlechten Zeiten angemessen beschreibt. Die Tiefen werden nicht unnötig dramatisiert und die Höhen haben mehrmals ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert. Tatsächlich fühlte ich mich während des Lesens schlicht wohl; es ist eine sehr angenehme Lektüre über das Leben einer tatsächlich existierenden Frau, die gleichzeitig sehr inspirierend ist.

Apropos: Ich mochte die Darstellung von Rachel Carson sehr. Ihre Begeisterung, ihr Staunen, ihre Entschlossenheit, ihr Kampfgeist – es war sehr leicht, mit ihr mitzufiebern und das Ende war, obwohl es eigentlich „nur“ eine Debatte war, so spannend, dass ich mich gar nicht davon losreißen konnte. Ich mochte Rachel wirklich sehr und war froh, das Theresia Graw sie so sympathisch, entschlossen und leidenschaftlich dargestellt hat. Von den Nebencharakteren haben sich vor allem ihre Liebsten Mary und Dorothy hervorgehoben, aber ich mochte auch die Rollen, die ihr Freund Dan und ihr Neffe/Ziehsohn Roger in der Handlung einnahmen.

Der Schreibstil war wunderschön zu lesen und hat Rachels Liebe für das Meer und die Natur hervorragend auf uns Leser:innen übertragen. Tatsächlich bin ich nach dieser Lektüre als jemand, der sich sonst nicht groß mit diesem Thema beschäftigt hat, sehr interessiert daran, Rachel Carsons Sachbücher (speziell „Der stumme Frühling“) zu lesen! Das ist mitnichten etwas, das jedem Autor und jeder Autorin gelingt, deshalb hier noch mal ein großes Lob an Theresia Graw, das Interesse an der Natur, das Rachel damals in der Bevölkerung weckte, so erfolgreich in ihrem Roman gesät zu haben!

Nach der Lektüre habe ich selbst noch mal zu Rachel Carson recherchiert (ebenfalls etwas, zu dem mich nicht jeder Roman inspiriert) und war fasziniert davon, wie viel sie wirklich für den Umweltschutz beitrug. Die Tatsache, dass ich in diesem Roman zum ersten Mal von ihrer Existenz erfuhr, finde ich schockierend – denn sie gehört definitiv zu den Personen, die zum Allgemeinwissen gehören sollten.

Selbst, wenn man kein großes Interesse an der Biologie oder Natur hat, kann ich diesen Roman aus vollem Herzen empfehlen. Er ist nicht nur eine wunderschöne Lektüre, sondern auch ein sehr packender und lehrreicher Roman!

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
352 Seiten

Gwin hat die Nase voll davon, dass jeder sie zu Hause kontrollieren will und sie nichts selbst entscheiden darf. Kurzerhand reißt sie aus und landet dank einer unhöflichen sprechenden Katze in Madame Manous geheimen Zauberladen. Hier bekommt sie eine Anstellung und serviert magischen Wesen ihr Essen. Bis sie im Keller auf eine Bilderrolle mit einem gezeichneten Drachen trifft. Obwohl ihr Flammenfreund Ignatius sie warnt, befreit sie den Drachen, der sich als Jun vorstellt und unbedingt das zurückbekommen möchte, was ihm gestohlen wurde: Sein Herz …

Dieses schöne Kinderbuch hat mich (auf positive Weise) sehr an Ghibli-Filme erinnert, speziell an „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Das Wandelnde Schloss“. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese auch als Inspiration gedient haben, allerdings meine ich das sehr positiv – ich liebte die Atmosphäre, die Welt und die Handlungsstränge, die Verena Maier in ihrem Roman zum Leben erweckt hat! Die Geschichte war die perfekte Mischung aus Cozy Fantasy und Spannung, weil wir gleichzeitig in der Welt versinken und wissen wollen, wohin es die Charaktere als nächstes verschlägt.

Mein Liebling war definitiv Ignatius, der mit seinem Humor die Handlung aufgelockert hat und dessen Gezanke mit Jun außerordentlich amüsant zu lesen war. Für manche Leser:innen lässt sich eventuell schon vorher ahnen, wohin sich die Handlung entwickeln wird, aber tatsächlich machte gerade das Foreshadowing sie umso spannender zu lesen.

Die Art, wie Gwin ihre eigene Welt erschuf und auf verschiedene Wesen traf, hat mir gut gefallen, doch muss ich zugegeben, dass ich den Anfang zu langsam fand – erst nach hundert Seiten fängt die „eigentliche“ Handlung an und davor serviert Gwin im Zauberladen die Gäste. Hier finde ich, dass die Handlung an dieser Stelle hätte gekürzt werden können, um andere Aspekte dafür ausführlicher zu beschreiben.

Das Finale bzw. Ende war dafür umso großartiger – spannend, ungewöhnlich dramatisch, sehr zufriedenstellend und mit der Aussicht auf mehr Abenteuer im Zauberladen. Ich persönlich freue mich sehr darauf und kann dieses Kinderbuch sowohl allen Ghibli-Fans als auch allen Fans von Cozy Fantasy sehr empfehlen!

These Ancient Flames - Awake
560 Seiten

In Valtherra gelten Drachen schon seit langem ausgestorben, doch der Glaube an ihre göttliche Präsenz ist bei Mei ungebrochen. Umso weniger hätte sie erwartet, dass sie noch existieren – doch genau das bestätigt der Fürstensohn Raven, der mit ihr und ihren jeweils besten Freunden auf eine Suche gehen will, um sie zu finden. Zuvor hatte er Mei vor einem Angriff seines Vaters gewarnt, weil dessen Machtgier einen Krieg auslösen könnte, solange die Gruppe die friedfertigen Drachen nicht findet. Mei stimmt zu, ihn zu begleiten – und versucht dabei vergeblich, ihm nicht zu verfallen. Raven dagegen will unbedingt vor ihr geheim halten, dass er sie angelogen hat …

Wie bei überraschend vielen Fantasyromanzen ist ausgerechnet die Romanze der Aspekt, den ich am schwächsten empfand – aber alle anderen Aspekte des Romans haben mir dafür ziemlich gut gefallen. Fangen wir also mit dieser Schwäche an, bevor wir zu den Stärken übergehen.

Das, was mich an Meis und Ravens Romanze am meisten gestört hat, war, dass sie sehr auf Körperlichkeiten bezogen ist und ich ihre Gefühle zueinander kaum spüren konnte. Zwar führen sie ein paar wichtige Gespräche, aber der Fokus auf ihre äußeren Vorzüge ist so stark, dass sie, wenn sie aneinander denken, stets an diese Vorzüge denken und nur seltener an ihre Persönlichkeit. Ihre intimen Szenen finden zudem fast immer in sehr unpassenden Momenten statt, während sie eigentlich an andere Dinge denken sollten.

Dabei sind die beiden als Charaktere durchaus gut umgesetzt – ich war in beide investiert, wollte ihre Geheimnisse wissen und erfahren, wie sie sich weiter entwickeln. Aber ihre Romanze konnte mich leider nicht einnehmen.

Die Freundschaften fand ich dafür absolut hervorragend. Sowohl Meis Freundschaft zu Tao, ihrem Prinzen, als auch Ravens Freundschaft zu Cole, seiner Leibwache, sowie die Freundschaft zwischen Tao und Cole waren alle großartig umgesetzt. Die Freundschaften waren realistisch, einnehmend, humorvoll, spannend und allgemein so gut, dass sie es waren, die mich durch den Roman trugen. Hier hilft es natürlich auch, dass sowohl Tao als auch Cole sehr sympathische Charaktere waren, die ich schnell lieb gewann.

Die Welt ist eine seltene Kombination aus moderner Welt und Drachenfantasy, was mich zunächst irritierte, weil es seltsam war, über Handys und Hochhäuser zu lesen, während die Charaktere nach Drachen suchen. Letztendlich war die moderne Welt gut eingebaut, doch vermutlich hätte man sie auch weglassen und die modernen Gegenstände durch magische ersetzen können. Das hätte mir zumindest insofern gefallen, weil dadurch diverse moderne Ausdrücke nicht hätten verwendet werden können – denn diese haben mich dann doch ab und zu gestört. Der Schreibstil ist sehr locker und deshalb leicht zu lesen, aber manchmal eben ZU locker.

Die eigentliche Handlung – also, die Quest nach den Drachen – war am Anfang erst mal langsam, aber ich mochte den Aspekt der Schnitzeljagd und die Art und Weise, wie die Geheimnisse der Charaktere für Spannung sorgten. Die Twists waren ebenfalls gut, nicht ZU schockierend, aber sie trieben mich gut voran.

Insgesamt also ein lockerer Roman für Fourth-Wing-Fans!

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
240 Seiten

In Momentaufnahmen folgen wir der Geschichte von Almas Familie: Ihrer Urgroßmutter Henrike, die einen Bauernhof führte; ihrer Großmutter Hilde, die zunächst eigene Pläne hat, bevor sie ebenfalls eine Liebe für den Hof entwickelt; ihrer Mutter Miriam, die fast nicht existiert hätte; und alle Verwandten dazwischen, bis zu Alma selbst, die die Familiengeschichte in Fragmenten erzählt.

Der Schreibstil dieser Geschichte ist schlicht beeindruckend: Die Art und Weise, wie die Autorin Sprache verwendet, mir rhetorischen Stilmitteln arbeitet und mit wenigen Sätzen ganze Bilder erschafft, war phänomenal. Dadurch, dass die Geschichte aus mehreren einzelnen Szenen besteht und nicht strikt aus einer zusammenhängenden Handlung, ist es auch nicht die Handlung selbst, die so ergreifend ist, sondern die Art und Weise, wie sie erzählt ist.

Hervorheben möchte ich zum einen die Szenen, die schlicht gewisse Dinge aufzählten („Was Henrike sieht“, „Was Miriam isst“, „Was David spielt“ etc.), weil so durch wenige Worte Vorstellungen einer Handlung geweckt werden, die eigentlich nicht existiert, aber durch die Wörter und die Zusammenhänge, die man automatisch sucht, trotzdem entsteht. So entstand quasi mehr durch das, was nicht gesagt wurde, als durch das, was geschrieben ist.

Der magische Realismus ist ebenfalls etwas, das ich ansprechen möchte, denn es gibt einige Szenen, die, wenn man sie wörtlich nimmt, magisch anmuten, weil sie schlicht nicht in der Wirklichkeit geschehen können. Die eine Erklärung ist natürlich, dass hier tatsächlich magische Dinge vor sich gehen; doch ich mochte es, die Szenen nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne zu nehmen, weil das Interpretationsspielraum schuf, der die Geschichte weiterhin bereicherte. Tatsächlich habe ich Lust, den Roman noch mal zu lesen, nur, um die tiefere Bedeutung vieler Szenen besser zu verstehen!

Insgesamt also eine hervorragende Lektüre, die vor allem für diejenigen, die eine bildliche, gewaltige Sprache lieben, perfekt geeignet ist – aber auch für diejenigen, die in ihren Geschichten die Dinge zu schätzen wissen, die nicht explizit gesagt werden. Ich selbst war überrascht darüber, wie sehr ich die Lektüre mochte und hoffe, dass sie auch anderen gefallen wird!

Onyx Storm – Flammengeküsst
928 Seiten

Nach Xadens Eröffnung, dass er ein Veneni werden wird, ist Violet entschlossen, ein Heilmittel für ihn zu finden. Doch nicht nur gestaltet sich das genau so schwierig, wie sie erwartet hat, es ist auch nicht die einzige Aufgabe, die sie zu erfüllen hat: Der Schutzzauber des Landes wird immer schwächer und sie muss zusammen mit ihrer Staffel die Länder außerhalb besuchen, um Andarnas Drachenart zu finden und eine Armee aufzubauen. Doch natürlich verlangen alle Länder, dass Violet und ihre Freunde sich ihnen beweisen …

Im dritten Band der „Flammengeküsst“-Reihe erwarten uns wieder so einige überraschende Wendungen und spannende Ereignisse, die mich sehr positiv überrascht haben! Denn obwohl der Band über 900 Seiten umfasst, ist es Rebecca Yarros gelungen, sie so intensiv und fesselnd zu beschreiben, dass ich mich niemals gelangweilt fühlte. Im Gegenteil war ich stets zum Weiterlesen angeregt, teils, weil manche Kapitel mit einem Cliffhanger endeten und teils, weil ich allgemein wissen wollte, wie es weitergeht. Hier muss ich wirklich ein großes Lob aussprechen, weil nicht viele Autorinnen es schaffen, ein so langes Buch konstant packend zu gestalten.

Das Highlight der Geschichte war dabei definitiv die Reise durch die verschiedenen Länder, weil nicht nur die Länder selbst, sondern auch die Ereignisse, die in ihnen geschahen, der spannendste Teil der Handlung für mich waren. Ich habe es auch zu schätzen bewusst, dass man im Buch allgemein Violets Freunde noch besser kennenlernt – zugegeben musste ich mich erst mal in die Geschichte einlesen, bis ich mich wieder an alle erinnert habe, aber sobald das der Fall war, wuchsen sie mir so sehr ans Herz, dass ich ganz schöne Angst um ihr Überleben bekam. Meine Lieblingscharaktere waren dabei Aaric und Sawyer, deren persönliche Probleme in diesem Band mehr Fokus bekamen. Ich glaube, nur der Mangel an sympathischen weiblichen Nebencharakteren ist mir diesmal stärker aufgefallen; obwohl der Männeranteil der Reihe natürlich schon immer stärker war, würde ich mir trotzdem mehr weibliche Charaktere in wichtigen und sympathischen Rollen wünschen.

Wobei es natürlich eine wichtige Ausnahme gibt: Violet selbst. Sie ist einfach großartig und ich habe sie in diesem Band besonders gemocht, weil sie so sehr für Xaden gekämpft hat. Auch er war insgesamt ein guter Charakter … aber meiner Meinung nach kein guter Love Interest. Zwar habe ich es zu schätzen gewusst, dass es in diesem Band weniger Spice-Szenen gab, sodass sich Violet und Xaden eher auf die anderen Bereiche ihrer Beziehung konzentrieren konnten, aber einige süße Szenen haben nichts daran geändert, dass Xaden zu kontrollierend war und ihre Beziehung insgesamt ungesund ist. Tatsächlich gibt es sogar eine Szene, in der sie als „toxisch romantisch“ beschrieben wird und eine andere, in der Violet meint, dass das zu ihrer Beziehung gehört. Das fand ich schlicht unvernünftig und tatsächlich würde ich mir sogar wünschen, dass die beiden sich voneinander trennen.

Zusammengefasst also ein spannender Band, der sehr gut zu lesen ist und sowohl Violet als auch ihre Freunde gut charakterisiert, mich dafür aber an der Romanzen-Front nicht überzeugen konnte.

Two Twisted Crowns - Die Magie zwischen uns
496 Seiten

Der Nachtmahr hat die Kontrolle über Elspeths Körper übernommen, was Ravyn verzweifelt zurücklässt. Er hofft, mit der Zwei-Erlen-Karte einen Weg zu finden, Elspeth wieder zurückzuholen, während er gleichzeitig mit dem Nachtmahr zusammenarbeiten muss. Gleichzeitig sucht sein Cousin Elm zusammen mit Ione nach deren Jungfrauen-Karte, mit der sie gegen ihren Willen verflucht wurde. Dadurch kommen sich die beiden näher, doch ist Ione Elms Bruder Hauth versprochen, dem Thronerben …

Der erste Band „One Dark Window“ hat mir recht gut gefallen, weshalb ich gespannt war, wie der zweite Band die Geschichte fortsetzen würde. Zu meiner Überraschung ist hier nicht mehr Elspeth die Hauptfigur – tatsächlich hat sie nur wenige Szenen, in denen sie die Vergangenheit des Nachtmahrs ergründet –, sondern eher Elm und Ione, deren Liebesgeschichte ich sehr süß fand. Auch Ravyn und der Nachtmahr haben eine wichtige Rolle, weil die Suche nach der Zwei-Erlen-Karte sie beide antreibt, doch muss ich zugeben, dass ich mir hier eine interessantere Dynamik gewünscht hätte – verständlicherweise können die beiden sich nicht leiden, aber irgendwie wird mit diesen Gefühlen nicht viel gemacht. Sehr viel interessanter fand ich es, Elm und Ione zu folgen.

Diese sind, wie gesagt, sehr süß zusammen und ihre Romanze entwickelt sich natürlich über den Roman hinweg. Gut hat mir auch gefallen, wie die beiden nach der Jungfrauen-Karte gesucht haben und wie deren Kräfte (und Nachwirkungen) bis zum Äußersten ausgereizt wurden. Leider werden die anderen Karten dafür nicht mehr behandelt, was ich schade fand, denn sie waren mit Abstand mein Lieblingsgimmick des ersten Teils. Wahrscheinlich könnte man zu jeder Karte einen Roman schreiben, der die verschiedenen Vor- und Nachteile ausführlich beschreibt!

Das Pacing der Geschichte ist recht langsam, wobei auch hier vor allem Elms Geschichte positiv hervorsticht und Ravyns Reise nur ab und an mein Interesse weckte. Ich glaube, mir haben vor allem seine Szenen mit Elspeth gefehlt; zwar gibt es welche, aber dadurch, dass Elspeth in ihrem eigenen Körper gefangen ist, kommt die Romanze zwischen ihnen nicht weit. Eine interessante Dynamik mit dem Nachtmahr hätte diese fehlende Romanze für mich wettgemacht, aber so richtig entstand diese nicht.

Insgesamt also ein solider zweiter Teil, der zwar nicht ganz die Magie des ersten erreicht, die Geschichte aber zufriedenstellend abschließt.

One Dark Window – Die Schatten zwischen uns
490 Seiten

Mit neun Jahren hat Elspeth die Nachtmahr-Karte, eine der zwölf Vorsehungskarten, berührt und dadurch den Nachtmahr in ihren Geist gelassen. Elf Jahre später wird Ravyn Yew, Hauptmann der Streiter, auf sie aufmerksam, weil die Magie des Nachtmahrs es ihr ermöglicht, die anderen Vorsehungskarten zu sehen. Ravyn und seine Gruppe möchten alle zwölf Karten versammeln, um den Fluch der Infektion, unter dem auch Elspeth leidet, zu brechen. Nur noch drei Karten fehlen ihnen, doch aufgrund der Tatsache, dass es unterschiedlich viele Exemplare der Karten gibt – zwölf Exemplare der ersten Karte, elf der zweiten, zehn der dritten, bis zum einzigen Exemplar der zwölften Karte, die vor langen Zeit verloren ging –, gestaltet sich die Suche trotz Elspeths Fähigkeit schwierig. Zudem muss sie verbergen, dass der Nachtmahr in ihr wohnt, was noch schwieriger als die Suche nach den Karten ist, weil er mit jedem Mal, mit dem sie ihn um Hilfe bittet, mächtiger wird …

Dieser düstere und atmosphärische Fantasyroman entführt uns leicht in die Welt von Blunder und seiner faszinierenden Magie, die für mich mit einigem Abstand das Beste am Roman war. Speziell die Magie der Karten war fantastisch ausgebaut, wobei jede der zwölf Karten ausführlich beleuchtet wird und fast jede Karte ihren Moment bekommt. Das ganze Worldbuilding um die Karten war schlicht großartig und ich bin froh, dass es die Aufmerksamkeit bekam, die es verdiente.

Extra erwähnen muss ich natürlich den Nachtmahr, der ein überraschend cooler Charakter war und für einige unerwartete Twists sorgte. Das waren zwei weitere Stärken des Romans: Der sarkastische, mysteriöse Nachtmahr, der ein wunderbar grauer Charakter war und die vielen Twists in der Handlung, die mir zusätzlich Spaß bereiteten. Das schließt auch das Ende mit ein, das ich definitiv nicht kommen gesehen habe, aber gerade deshalb sehr gut fand.

Was die anderen Charaktere angeht, gewann ich den Prinzen Elm überraschend lieb. Am Anfang schenkte ich ihm keine besondere Aufmerksamkeit, aber im Lauf des Romans wurde er zu einem Charakter, den ich sehr mochte. Auch Elspeth und Ravyn, die beiden Hauptcharaktere, fand ich wunderbar, wobei ich ihre Romanze zugegeben „nur“ in Ordnung fand – sie war ganz süß, aber nicht mein Highlight.

Neben all dem Lob habe ich jedoch eine Kritik: Nämlich, dass die Geschichte sich sehr langsam voranbewegt. Das Pacing war selbst mir, die gemächliches Pacing mag, eindeutig ZU langsam. Es gab sogar Stellen, bei denen ich darum kämpfte, weiterzulesen, weil ich mich fragte, wann es wieder spannender wird. Aus diesem Grund würde ich den Roman nur Fans empfehlen, die sich gerne von der Welt verzaubern lassen, während Fans, die eine spannende Lektüre bevorzugen, hier wahrscheinlich enttäuscht werden.

Insgesamt betrachtet hat mir die Lektüre jedoch sehr gefallen und ich plane, auch den zweiten Teil zu lesen!

Der dunkle Kuss der Sterne
528 Seiten

Als Canda am Tag vor ihrer Hochzeit erwacht, erkennt sie sich selbst nicht mehr wieder: Ihr einzigartiger Glanz, ihre Schönheit, ist verschwunden – und mit ihr Tian, ihr Verlobter. Während die Herrscher Ghans daran glauben, dass Tian sie verlassen hat, glaubt Canda fest an eine Entführung. Zusammen mit Amad, Sklave und Jäger der obersten Herrscherin, soll sie Tian finden – und, sofern er schuldig ist, töten. Und zum ersten Mal lernt Canda die Welt außerhalb ihrer glänzenden Stadt kennen und zweifelt an dem, was sie bisher zu wissen glaubte …

Vor zehn Jahren kam „Der dunkle Kuss der Sterne“ erstmalig raus und obwohl ich die Geschichte zwischen 2014 und 2024 mehr als einmal gelesen habe, ist es die exklusive Drachenmond-Schmuckausgabe, die mich nach längerer Zeit in die Welt zurückführte. Obwohl ich zugegeben muss, dass Nostalgie meine Meinung sicher stark beeinflusst, ist die Geschichte immer noch so schön wie in meiner Erinnerung.

Nicht nur ist der Schreibstil flüssig und wunderschön, auch die Charaktere und die Welt können immer noch überzeugen: Candas Charakterentwicklung ist so zufriedenstellend und ihre Romanze mit Amad sehr gut umgesetzt. Beide Charaktere sind nicht nur für sich überzeugend, sondern auch in ihren Interaktionen miteinander.

Von den anderen Charakteren sticht vor allem Juniper hervor, aber ich war positiv überrascht darüber, wie wenige Sätze Nina Blazon brauchte, um selbst unwichtige Charaktere auf eine Weise zu beschreiben, die sie real machte. Das gilt auch für die Welt an sich: Wir lernen einen vergleichsweise kleinen Teil von ihr kennen, aber die Details, mit der Nina Blazon sie füllt, machten sie mindestens so lebendig wie die Hauptcharaktere. Das war in meinem Re-Read das, was mir wohl am stärksten aufgefallen ist: Wie groß und gewaltig sich die Welt anfühlt, in der die Geschichte spielt.

Wegen den Charakteren und der Welt machte es mir nichts aus, dass der Anfang der Geschichte recht langsam ist, zumal ich langsame Anfänge ohnehin mag, aber zugegeben ist es etwas, das andere Leser:innen kritischer aufnehmen könnten. Es dauert eine Weile, bis die Reise startet und noch länger, bis der große Twist sie in eine andere Richtung führt. Natürlich passieren währenddessen viele relevante Dinge, aber ja, der Anfang bleibt trotzdem relativ langsam.

Damit wären wir beim letzten Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte: Den großartigen Twist, der alles, was davor geschah, in eine andere Perspektive rückt. In einem Re-Read ist es sehr viel leichter, das Foreshadowing zu bemerken, aber dennoch bleibt es ein Twist, der die gesamte Handlung noch viel besser macht, als sie ohnehin schon ist. Nicht nur macht es Spaß, die vielen frühen Hinweise zu entdecken, sondern auch, sich nach und nach an die kleineren Twists und Details zu erinnern, die ich fast vergessen hatte.

Insgesamt also ein großartiger Fantasyroman für alle, die Quests und Romanzen lieben!