Nach dem Tod ihrer besten Freundin Maddy will Charlie einfach nur weg aus der Universität, die ihr ursprünglich eine wunderbare Zukunft versprach. Eine geeignete Gelegenheit ergibt sich, als ein Mann namens Josh ihr überraschenderweise anbietet, sie mitzunehmen. Obwohl Charlie zögert, stimmt sie letztendlich zu, gerät auf der Fahrt allerdings immer mehr in Zweifel. Könnte Josh der Campus-Killer sein, der Maddy und zwei weitere junge Frauen auf dem Gewissen hat? Nicht gerade erleichtert wird die Situation durch Charlies Trauma, durch das sie sich manchmal Dinge einbildet, die nie geschehen sind …
Eins möchte ich bei diesem unglaublich spannenden Thriller gleich vorwegnehmen: Nein, die Handlung stellt sich nicht als etwas heraus, das Charlie sich bloß eingebildet hat. Obwohl das ein enormes Klischee und ein enttäuschendes Ende gewesen wäre, habe ich es nicht vollkommen ausgeschlossen, weil die Handlung sehr mit Filmen und ihren Klischees spielt, weshalb ich mit Freuden verkünden kann, dass die Twists des Romans in sich stimmig und das Ende äußerst zufriedenstellend war.
Die Handlung an sich war, wie gesagt, unglaublich spannend und kommt sehr schnell voran. Zuweilen wundert man sich zwar, warum die Charaktere sich manchmal so verhalten, wie sie es tun, aber teils ist das natürlich dem Genre zuzuschreiben (wäre Charlie nicht in Joshs Auto gestiegen, hätten wir keine Geschichte), teils wurde eine halbwegs glaubwürdige, wenn nicht immer zufriedenstellende Erklärung gefunden (z.B., als Charlie einmal die Gelegenheit bekommt, Josh zurückzulassen, es aber nicht tut). Im Rückblick machen all diese Entscheidungen sehr viel Sinn, nur beim Lesen selbst kann es vorkommen, dass man über sie stolpert. Mich selbst hat das nicht besonders gestört, vor allem nicht nach dem fulminanten Ende, was vieles in einen neuen Kontext gesetzt hat, weshalb ich jedem, den es stört, dass ein Teil der Handlung nur durch fragwürdige Entscheidungen zustande kommt, dringendst rate, weiterzulesen.
Insgesamt also ein sehr fesselnder Thriller, der locker zu den besten Thrillern gehört, die ich dieses Jahr gelesen habe!
- Forging Silver
- Into Stars
- Brigid Kemmerer
- Bloomsbury
- Englisch
- Jugendbuch
- Fantasy
- Romanze
- Spannung
- Twists
- Magie
- LGBTQ+
- Highlight
Tycho ist der Königliche Kurier und bringt als solcher Nachrichten von Syhl Shallow nach Emberfall und zurück. In letzter Zeit gibt es Gerüchte, dass Rebellen einen Aufstand planen, um Grey, den der Magie fähigen König, zu töten, weshalb Tycho umso vorsichtiger bei seinen Reisen sein muss. Zwischen den beiden Ländern befindet sich das kleine Dorf Briarlock, in dem die beiden besten Freunde Jax und Callys mühevoll versuchen, genug Geld für die Steuereintreiber zusammenzusuchen. Notwendigerweise stimmt Jax zu, gegen gutes Geld Nachrichten der Rebellen weiterzugeben, während Callys selbt Kontakt zu einem potentiellen Verräter aufnimmt. Doch als Tycho eines Tages durch ihr Dorf reitet, gerät das Leben der beiden gehörig durcheinander - und sie alle müssen sich bald den Konsequenzen ihrer Handlungen stellen ...
"Forging Silver Into Stars" ist der Auftakt einer neuen Reihe, die im "Emberfall"-Universum spielt, dessen erste Trilogie bereits auf Deutsch übersetzt worden ist. Technisch gesehen ist es wohl nicht zwingend nötig, die "Emberfall"-Trilogie zu kennen, um "Forging Silver Into Stars" zu verstehen, allerdings würde ich trotzdem dazu raten - nicht nur, weil alte Charaktere mehr als genug Auftritte haben, sondern vor allem, weil diese neue Serie eine Fortsetzung der alten ist und man deshalb für das Ende der alten Serie gespoilert wird, sollte man das Buch ohne Vorwissen lesen.
Auch in diesem Roman hat es Brigid Kemmerer geschafft, eine absolut packende Geschichte mit großartigen Charakteren zu erzählen. Tatsächlich hat es "Forging Silver Into Stars" meiner Meinung nach sogar geschafft, die "Emberfall"-Trilogie zu übertrumpfen (die zu meinen liebsten Fantasy-Trilogien überhaupt gehört!), weil von der spannenden Handlung bis zu den glaubwürdigen Charakteren einfach alles richtig gemacht wurde.
Die drei Hauptcharaktere Tycho, Jax and Callyn waren unglaublich sympathisch und ihre Beziehungen zueinander (vor allem die zwischen Tycho und Jax) wunderbar beschrieben. Von den Nebencharakteren hat mir besonders Alek gefallen, weil er das perfekte Beispiel dafür war, dass Gegenspieler nicht einfach böse sind, sondern absolut verständnisvolle Beweggründe für ihre Taten haben.
Was die Handlung betrifft, hat Brigid Kemmerer sehr realistische Konsequenzen für die Entscheidungen ihrer Charaktere und allgemein ein sehr gutes Pacing geschaffen. Ich wurde ständig zum Weiterlesen angetrieben, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Handlung und die Charakterbeziehungen sich weiterentwickeln. Hut ab für eine so gelungene Leistung!
Ich hoffe sehr, dass der Titel auch noch auf Deutsch übersetzt wird, aber im Original war er glücklicherweise sehr verständlich geschrieben, während er mir gleichzeitig ein paar neue Wörter beigebracht hat. Unglaublich empfehlenswert, aber bitte möglichst nur nach Genuss der "Emberfall"-Trilogie!
- Birthday
- Meredith Russo
- Loewe
- Jugendbuch
- Transgender
- Erwachsenwerden
- Emotionen
- Liebe
- Depression
- LGBTQ+
- Highlight
Morgan weiß, dass sie in Wirklichkeit ein Mädchen ist, doch im Körper eines Jungen geboren zu sein, macht ihre Teenagerzeit nicht gerade einfach. Über sechs Geburtstage hinweg erleben wir die Beziehung zwischen ihr und Eric, ihrem bestem Freund und Schwarm, aber auch die individuellen Probleme der beiden und die Schwierigkeit, sich und anderen einzugestehen, wer man wirklich ist.
Diese Geschichte ist sehr emotional und hat mich an mehr als einer Stelle zu Tränen gerührt. Morgan und Eric sind dabei definitiv das Zentrum; die Nostalgie der Kindheit und die Schwierigkeit des Erwachsenwerdens hat Meredith Russo dabei wunderbar eingefangen. Zwar spielen natürlich auch andere Charaktere eine mehr oder wenige große Rolle, aber letztendlich sind es diese beiden, die die Geschichte zu etwas Besonderem machen.
Ich glaube, das einzige, was ich vermisst habe, war eine Triggerwarnung, weil eines der Kapitel deutlich düsterer und depressiver als der Rest ist, speziell eine bestimmte Szene, die letztendlich einen (positiven) Wendepunkt einleitet, aber schwer zu verdauen ist.
Diese Geschichte eignet sich nicht nur für diejenigen, die mehr über transgender Personen lernen möchten, sondern auch für diejenigen, die emotionale Geschichten lieben und dabei gerne mit den Charakteren mitfühlen - etwas, das Meredith Russo meisterhaft beherrscht!
Ich war eigentlich nie ein großer Fan von Kurzgeschichten, doch auf Empfehlung probierte ich die besten Kurzgeschichten von O. Henry aus ... und verstand plötzlich, was Kurzgeschichten so lesenswert macht. Es war einfach unglaublich, wie es O. Henry innerhalb zehn, zwanzig Seiten geschafft hat, eine sich vollständig anfühlende Geschichte zu erzählen, die einem tatsächlich in Erinnerung bleibt.
Das liegt größtenteils an den teils vorhersehbaren, teils überraschenden, aber immer wundervollen Pointen. Dadurch gewann jede Geschichte noch mal einen anderen Kontext, der sie besonders bittersüß machte.
Von den fünfzehn Geschichten, die in dieser Sammlung enthalten sind, gab es vielleicht drei, die ich nicht besonders herausragend fand, während die anderen zwölf mir problemlos im Gedächtnis geblieben sind. Eine beeindruckende Leistung!
Meine persönlichen Top 5 sind (in der Reihenfolge, in der sie in der Sammlung vorkommen): "Die Gaben der Weisen" (emotional), "Der Cop und der Choral" (humorvoll), "Nach zwanzig Jahren" (herzzerreißend), "Die dritte Zutat" (herzerwärmend) und "Hexenbrot" (tragisch). Aber letztendlich hatte jede Geschichte etwas, das sie erinnerungswürdig machte, selbst bei den zwei, drei Geschichten, die mir im Gesamten nicht so gut wie die anderen gefielen.
Wer gerne Kurzgeschichten liest und die O. Henrys noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt nachholen. Und wer sich wie ich immer gewundert hat, was der Reiz von Kurzgeschichten ist, wird ihn hier erfahren!
- Nothing Left for Us
- Radio Silence
- Alice Oseman
- Loewe
- Jugendbuch
- Freundschaft
- Kommunikation
- Podcast
- Social Media
- LGBTQ+
- Highlight
Frances ist Schülersprecherin und fest entschlossen, nach Cambridge zu kommen, weshalb sie fast ihre gesamte Zeit mit Lernen verbringt. In ihrer Freizeit hört sie gerne ihren Lieblingspodcast "Universe City", zu dem sie sogar Fan-Art zeichnet. Unerwartet findet sie heraus, dass der Creator hinter dem Podcast der schüchterne Aled ist, mit dem sie sich bald anfreundet. Nachdem die beiden allerdings eine gemeinsame Folge drehen, geht Aleds Podcast viral und die Freundschaft zwischen ihnen droht, zu zerbrechen ...
Alice Oseman schafft es, Geschichten zu schreiben, die so noch nie geschrieben wurden. Allein die Tatsache, dass Frances und Aled platonische Freunde sind, ist für mich ein Grund zum Feiern gewesen, doch bietet ihre Geschichte noch um einiges mehr, das sich frisch und unverbraucht anfühlt, selbst bei Tropen, die man durchaus schon kennt.
Am besten war wohl, dass das Buch unnötige Missverständnisse vermeidet. Am Anfang zögert Frances zum Beispiel, Aled anzuvertrauen, dass sie zu seinem Podcast Fan-Art zeichnet, weshalb ich automatisch davon ausging, dass sich dieser Konflikt durch das ganze Buch ziehen würde. Doch stattdessen wird er (und viele andere!) durch simple Kommunikation aufgelöst, was so erfrischend und ungewöhnlich war, dass ich nur voller Bewunderung für "Nothing Left for Us" den Kopf über all die Bücher schütteln konnte, die unnötige Missverständnisse als Kernpunkt in ihre Geschichte einbauen.
Ironischerweise fand ich übrigens Aleds Podcast, von dem wir ein paar Einblicke bekommen, nicht einmal so interessant - ich konnte einfach nicht verstehen, wie sich im Buch eine so große Fangemeinde darum aufbauen konnte. Das ist hier allerdings keine Kritik, sondern ehe die schlichte Feststellung, dass ich einen anderen Geschmack habe.
Etwas zu kritisieren gibt es allerdings durchaus: Aleds Mutter Carol. Sicher gibt es Menschen wie sie auch in der Wirklichkeit, aber trotzdem kam sie mir fast schon karikaturisch böse vor. Sie war auf jeden Fall der perfekte Charakter zum Hassen - was ich in diesem Fall nicht gut fand, weil jeder andere Charakter so wunderbar dreidimensional war und Carol deshalb auf mehrere Weisen negativ hervorstach.
Aber natürlich ist die Geschichte selbst immer noch absolut fantastisch - vor allem, weil hier so viele Dinge thematisiert werden, die man in Jugendbüchern so gut wie nie liest. Wer eine frische Perspektive haben will, wird sie hier finden!
Wallace Price ist Anwalt und nichts ist ihm wichtiger als seine Arbeit. Doch dann bekommt er unerwarteterweise einen Herzinfarkt und stirbt - nur, um als Geist wiederzukehren. Bald landet er in einem Teegeschäft, wo der Fährmann Hugo ihn zusammen mit der Sensenfrau Mei, Hugos totem Großvater Nelson und dem Geisterhund Apollo auf das Jenseits vorbereitet. Und so lernt Wallace nicht nur, ein besserer Mensch zu werden, sondern findet auch die große Liebe ...
Die Prämisse ist durchaus bekannt - tatsächlich war mein erster, nicht unbedingt akkurater Gedanke, dass die Geschichte eine Mischung aus Dickens "Weihnachtsgeschichte" und Pixars "Soul" ist -, aber selten habe ich sie so gut umgesetzt gesehen wie hier.
Erstens sind die Charaktere absolut wunderbar. Dabei hilft sehr, dass die oben genannten Charaktere mit einigem Abstand die wichtigsten sind und man sie durch die verbrachte Zeit am besten kennenlernt. Natürlich gibt es noch einige wichtige Nebenfiguren, aber dadurch, dass der Roman sich auf ein paar wenige beschränkt, konnte T. J. Klune ihnen eine Tiefe verleihen, die mich tief beeindruckt hat.
Besondere Erwähnung verdienen Wallace und Hugo. Nicht nur waren die Charaktere an sich absolut fantastisch, ihre Beziehung war das Highlight des Buches. Sie verlief so natürlich und flüssig, wie ich es selten gelesen habe - ich liebe es, wenn Beziehungen sich langsam entwickeln, aber die zwischen Wallace und Hugo ist etwas Besonderes. Sie haben sehr viele schöne Momente zusammen und die Chemie zwischen ihnen war schlicht perfekt.
Ein weiterer Pluspunkt ist der Schreibstil, der es leicht machte, sich alles, was passierte, vorzustellen. Zwar habe ich allgemein eine starke Fantasie, aber bei T. J. Klunes Schreibstil war es besonders leicht, sich in die Geschichte fallen zu lassen.
Womit wir bei dem einzigen möglichen Kritikpunkt wären: Das Pacing der Geschichte. Es ist sehr langsam, weil man die Charaktere und ihre Lebenssituation sehr ausführlich kennenlernt und ihre Erlebnisse fast schon wie Episoden einer Serie wirken. Mir persönlich machte es nichts aus, weil es mir sehr viel Spaß machte, Zeit mit den Charakteren zu verbringen, aber ich kann mir vorstellen, dass das Pacing manchen ZU langsam ist, weshalb ich es erwähnt haben wollte.
Doch für mich war diese Geschichte ein prägendes Erlebnis, das ich so bald nicht wieder vergessen werde!
Elizabeth Zott ist Wissenschaftlerin - was als Frau im Jahr 1961 nicht unbedingt einfach ist. Für ihre Zeit sehr fortgeschritten, stößt sie auf zahlreiche Menschen und Probleme - bis sie Moderatorin der Serie "Essen um sechs" wird, wo sie entschlossen ist, nicht nur zu kochen, sondern ihren Zuschauerinnen auch Chemie beizubringen - und ein selbstbestimmtes Leben ...
Ich muss zugeben, dass mich die Kurzbeschreibung erst mal abgeschreckt hat. Viel zu oft lese ich von "progressiven Frauen", die einfach wie Frauen des 21. Jahrhunderts wirken, die mit unserem heutigen Wissen in die Vergangenheit versetzt wurden. Sie wirken künstlich, nicht wie Teil der Jahrzehnte, in denen sie aufwuchsen. Zu meiner Freude traf das nicht auf Elizabeth Zott zu.
Natürlich ist auch sie im Gegensatz zu vielen anderen Frauen ihrer Zeit sehr viel fortschrittlicher, aber erstens ist es realistisch beschrieben und zweitens kommen auch die anderen Frauen zu Wort, statt nur unwichtige Nebenfiguren in Elizabeths Zott Geschichte zu sein. Also, Nebenfiguren sind sie schon - aber gute, weil auch sie dazulernen wollen und Elizabeth Zott ihnen bloß zeigt, wie.
Die Handlung hatte dabei einige dramatische Überraschungen, die ich so, wenn überhaupt, nur sehr selten gelesen habe. Dazu gehört auch das eigentliche Hauptthema, Chemie. Ich muss zugeben, dass es Bonnie Garmus nicht gelungen ist, es mir nahe zu bringen, weil viele Stellen bewusst nicht erklärt wurden und wohl nur für Kenner überhaupt verständlich sind. Deshalb war es gut, dass diese Stellen für die Handlung unerheblich waren und größtenteils dazu da sind, Elizabeth Zotts Wissen zu untermauern.
Der Schreibstil war trotz der eingeworfenen Fremdwörter äußerst angenehm zu lesen, sodass es Spaß machte, in die Geschichte einzutauchen und Elizabeth Zotts nächsten Schritt zu verfolgen. Mit ihr hat Bonnie Garmus einen Charakter erschaffen, der einem im Gedächtnis bleibt und mit dem man von Anfang bis Ende mitfiebert.
Dieses Buch zeigt hervorragend, warum es manchmal gut ist, aus seinen bekannten Genres herauszubrechen und mal etwas Neues auszuprobieren - denn unter Umständen gehört dazu ein wunderbarer Roman!
Aaron ist sechzehn Jahre alt und relativ glücklich - er hat eine liebevolle Mutter, seine Freundin Genevieve und seinen neuen Kumpel Thomas. Zwar sind auch einige schlimme Sachen in seinem Leben passiert, aber nichts, was rechtfertigen würde, seine Erinnerungen vom Leteo-Institut löschen zu lassen. Bis er Gefühle für Thomas entwickelt, dieser sie jedoch nicht erwidert. Aaron fällt in ein Loch und beschließt, den Eingriff machen zu lassen - ohne zu ahnen, dass es Sachen gibt, die man nicht vergessen kann ...
"More Happy Than Not" war Adam Silveras erstes Buch und erscheint erstmals in deutscher Übersetzung mit einem Zusatzkapitel, das er ein paar Jahre später schrieb. Nachdem mir von seinen anderen Büchern nur "Am Ende sterben wir sowieso" außerordentlich gut gefiel, während ich die anderen eher okay fand, war ich froh, mit "More Happy Than Not" wieder einen Adam-Silvera-Roman gelesen zu haben, der mich sehr begeistert hat.
Die erste Hälfte der Handlung war dabei sogar "nur" gut, doch sobald der geniale Twist enthüllt wird, wird sie in ein ganz neues Licht gerückt, bei dem ich dem Autor wirklich Lob dafür aussprechen muss, wie gut er die Hinweise vorher eingestreut hat. Nach der Enthüllung des Twists wird die Handlung sogar noch besser, vor allem, als sie gegen Ende in eine ganz andere Richtung geht, als ich es erwartet habe - im sehr, sehr positiven Sinne. Das "offizielle" Ende hat mein Herz zerbrochen, das Zusatz-Ende hat es wieder geheilt.
Insgesamt also ein sehr empfehlenswertes Buch, das zeigt, wie wertvoll unsere Erinnerungen sind - und das mir auch in sehr positiver Erinnerung bleiben wird!
- Dangerous Secrets
- Iduna und Agnarr
- Die wahre Geschichte
- Die Eiskönigin
- Disney
- Mari Mancusi
- Carlsen
- Romanze
- Liebe
- Magie
- Geheimnisse
- Highlight
Iduna ist eine Northuldra, die gerne strickt und mit dem Windgeist Gale spielt. Als ihr Volk eines Tages angegriffen wird und sie den verletzten Prinz Agnarr sieht, rettet sie ihm das Leben und wird zusammen mit ihm nach Arendelle gebracht. Dort muss sie verbergen, wer sie wirklich ist, während ihre Gefühle für Agnarr immer stärker werden ...
Die Geschichte von Elsas und Annas Eltern wurde auf unvergleichlich schöne Weise von Mari Mancusi beschrieben. Dabei orientiert sie sich zwar an den Fakten, die die Filme und Kurzfilme uns geben, gibt uns davon abgesehen aber viele weitere wundervolle Momente, die Idunas und Agnarrs Liebesgeschichte ausschmücken. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, zu verfolgen, wie die beiden sich ineinander verlieben und die Schwierigkeiten, die ihnen in den Weg gestellt werden, überwinden.
Ebenfalls beispiellos war die Art und Weise, wie die Autorin Dinge aus dem eigentlichen Canon aufgegriffen und erklärt hat - darunter Agnarrs "Verbergen, nicht fühlen" ("Conceal, not feel", eins der Leitmotive in "Die Eiskönigin"), das er später an Elsa weitergegeben hat, Idunas und Agnarrs Begegnung mit den Trollen (sowie der Erkenntnis, dass sie Gedächtnisse verändern können), Sir JörgenBjörgen (einer Puppe, die nur in einem Kurzfilm vorkommt) und sogar Details wie gewisse Nebencharaktere, die auch hier vorkommen, zusammen mit einigen neuen, die sich wunderbar in die Handlung einfügen.
Der Schreibstil ist ebenfalls sehr angenehm. Wir lesen vor allem aus Idunas und manchmal aus Agnarrs Perspektive, wobei die Ich-Form es leicht gemacht hat, sich beiden Charakteren nahe zu fühlen.
Die einzige Kritik sehe ich eventuell in der kleinen Storyline, in der Iduna von einem anderen Mann beworben wird; bei Agnarr macht es durchaus Sinn, dass er eine Prinzessin kennenlernen muss, aber bei Iduna kam mir das reichlich unnötig vor - vor allem, weil die Prinzessin um einiges wichtiger für die Haupthandlung ist.
Verglichen mit den ganzen Pluspunkten ist das zum Glück ein sehr kleiner Kritikpunkt, weil es der Autorin ansonsten fabelhaft gelungen ist, Idunas und Agnarrs Geschichte in Worte zu fassen und eines der besten Disney-Bücher zu schreiben, die ich bisher gelesen habe!
- Prison Healer
- Die Schattenheilerin
- Lynette Noni
- Loewe
- Fantasy
- Jugendbuch
- Romanze
- Charaktere
- Beziehungen
- Gefängnis
- Krankheiten
- Prüfung
- Highlight
Kiva lebt als Gefängnisheilerin in Zalindov, dem berüchtigsten Gefängnis in Wenderall, wo sie sich nach Kräften bemüht, den Insassen zu helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Ab und an bekommt sie Nachrichten von ihrer Familie, die verspricht, sie zu befreien. Doch eines Tages wird die Rebellenkönigin Tilda eingeliefert, die unter einer unbekannten Krankheit leidet und trotz dessen verurteilt wird, die Elementarprüfung abzulegen, um ihre Unschuld zu beweisen. Als ihre Familie Kiva schreibt, dass sie Tilda auf keinen Fall sterben lassen soll, bietet sie sich gezwungenermaßen als Ersatz an und muss mithilfe des Gefangenen Jaren, der Wärterin Naari und dem Gehilfen Tipp eine Möglichkeit finden, alle vier Prüfungen zu überleben ...
Vor dem Lesen stand das Buch unter keinem guten Stern, weil es mit Büchern verglichen wurde, die mir persönlich nicht gefielen. Jetzt, nach dem Lesen, bin ich unglaublich froh, dass ich dem Buch trotzdem eine Chance gegeben habe, weil es mich sehr begeistert hat!
Das fängt schon mit den unglaublich sympathischen Charakteren an. Kiva ist eine wundervolle Protagonistin, die alles daran setzt, anderen zu helfen und trotz der schlechten Bedingungen ihr Bestes zu tun. Jaren ist einer der verständnisvollsten und fürsorglichsten Love Interests, die mir bisher begegnet sind und seine wachsende Beziehung zu Kiva hat sich sehr natürlich entwickelt. Naari ist eine Wärterin, mit der sich Kiva anfreundet und die sich dafür einsetzt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Und Tipp ist trotz seines jungen Alters entschlossen, Kiva zu helfen und zusammen mit ihr herauszufinden, was es mit einer mysteriösen Krankheit auf sich hat, die sich plötzlich im Gefängnis ausbreitet.
Aufgrund des kleinen Casts an (wichtigen) Charakteren gibt uns Lynette Noni Gelegenheit, alle vier und ihre Beziehungen zueinander ausführlich kennenzulernen, was eindeutig das Highlight des Romans war. Neben Kivas Romanze mit Jaren gefiel mir ihre Freundschaft mit Naari sehr gut, aber auch allgemein die Beziehungen untereinander. Jeder, der charakterbasierte Fantasy liest, wird hier mit Freuden feststellen, dass sie hier wunderbar umgesetzt wurde.
Auch die Handlung war lobenswert, vor allem, als am Ende ein paar wichtige Geheimnisse ans Tageslicht kommen und sie in ein neues Licht rücken. Gerade die Erklärung, wie Kiva die Elementarprüfungen besteht, war hervorragend gelöst, weil es leicht gewesen wäre, sie einfach mit magischen Kräften auszustatten, der eigentliche Grund aber sehr viel besser (und herzerwärmender) ist. Manche Twists lassen sich durchaus vorausahnen, aber da sie letztendlich alle Sinn ergeben, hat mich das nicht gestört, zumal weil es auch den einen oder anderen unvorgesehenen Twist gab.
Damit haben wir ein wunderbares Fantasybuch, das vor allem durch seine Charaktere glänzt und für jeden empfehlenswert ist, der mal wieder eine richtig gute Jugendfantasy lesen möchte!
- Offene See
- Benjamin Myers
- Dumont
- Belletristik
- Meer
- Reise
- Gedichte
- Atmosphäre
- Schreibstil
- Melancholie
- Highlight
Nachdem seine Eltern ihm verkünden, den Familienbetrieb des Bergbaus weiterzuführen, möchte der naturliebende Robert noch ein letztes Mal die Freiheit seines Lebens genießen und die offene See sehen. Auf dem Weg dorthin begegnet er Dulcie, einer älteren, unkonventionellen Frau, die Roberts Weltbild auf den Kopf stellt. Zuerst will er nur einen Tag bei ihr bleiben, doch ist er so verzaubert von ihr und der Gegend, dass er immer länger und länger bleibt. Und schließlich in Dulcies Geschichte hineingezogen wird ...
In dieser traumhaft schönen Geschichte sticht vor allem der Schreibstil hervor, der einem mühelos Bilder in den Kopf pflanzt und eine ganz besondere Atmosphäre heraufbeschwört. Die Geschichte fing die Ruhe und Melancholie von Roberts Situation fantastisch ein; sie ist recht ruhig erzählt, aber gerade das macht ihre Magie aus.
Dulcies Geschichte ging mir sehr ans Herz und auch ihr Charakter an sich war mir sehr sympathisch. Sie ist der einzige Charakter, der den wunderschönen Stil ab und an durch vulgäre Ausdrucksweisen unterbricht, was wunderbar unterstrichen hat, wie sehr sie sich von anderen Charakteren abhebt. Obwohl auch Robert letztendlich seinen Weg fand, ist das hier definitiv Dulcies Geschichte, eine atemberaubende Erzählung, die an einen wunderschönen Traum erinnert.
Die einzige Kritik, die ich habe, ist, dass die Geschichte für die eine oder andere Person ZU ruhig erzählt sein könnte - weil Beschreibungen eine so wichtige Rolle spielen, ist die Geschichte für niemanden, dem eine packende Handlung wichtiger ist, weil hier vor allem die Atmosphäre ins Zentrum rückt. Wer dagegen eine ruhige Geschichte lesen will, die voller Emotionen ist, wird hier sehr zufrieden sein!
Jährlicher Re-Read. Ich liebe dieses Buch einfach :) Rezension findet sich auf https://lesetagebu.ch/eintrag/38789.
- Libellenschwestern
- Lisa Wingate
- Blanvalet
- Belletristik
- Realität
- Vergangenheit
- Kindesentführung
- Waisenhaus
- Highlight
Auf einer Geburtstagsparty trifft die junge Avery Stafford auf die alte May Crandall. Diese erkennt das Libellenarmband, das Avery trägt, wieder. Neugierig zu erfahren, was es mit der alten Dame auf sich hat, forscht Avery in der Vergangenheit nach - damals, als May Crandall noch Rill Foss hieß und zusammen mit ihren Geschwistern in ein Waisenhaus entführt wurde ...
Diese Geschichte ist ein unglaublich schönes, berührendes Erlebnis - eine Familiengeschichte, die in Gegenwart und Vergangenheit gespaltet ist und am Ende schließlich beides zusammenführt. Speziell Mays Kapitel haben mir sehr gefallen, weil man sehr mit ihr und ihren Geschwistern mitfiebert, darauf hoffend, dass sie es schaffen, dem Waisenhaus zu entkommen und nach Hause zurückzukehren.
Aber auch die Gegenwartskapitel mit Avery gefielen mir sehr, speziell ihre Beziehung zu Trent, die herzerwärmend beschrieben ist. Zwar wünschte ich, Avery wäre nicht so wie viele andere Protagonistinnen in einer Beziehung gewesen, die sie deshalb auflösen muss, aber letzten Endes hat dieses kleine Manko meinem Genuss keinen Abbruch getan.
Sehr gefallen hat mir auch, dass nur manche Fragen eine Antwort finden - speziell was Mays Geschwister Camellia, Lark, Fern und Gabion angeht. Nicht alle ihre Schicksale werden aufgelöst, was ich sehr realistisch fand, weil es mir zwar gefallen hätte, mit Sicherheit zu wissen, was mit ihnen geschehen ist, die Andeutungen jedoch ausreichend waren, um sich ein eigenes Bild zu bilden. Selten las ich eine Geschichte, die solche wichtigen Fragen offen lässt und trotzdem zufriedenstellend endet!
Hervorzuheben ist, wie gut reale Ereignisse mit der Fiktion verbunden wurden. Die Tennessee Children's Home Society, die May und ihre Geschwister entführt, hat wirklich existiert und zahlreiche Kinder misshandelt. Es war schockierend, zu sehen, wie schlimm dort die Verhältnisse waren, die Lisa Wingate einfühlsam beschreibt.
Zusammengefasst ist dieses Buch einfach schön. Man fiebert mit und hat Angst um die Kinder; man ist gespannt, welche Schritte Avery als nächstes unternehmen wird; und am Ende schlägt man das Buch mit einem Lächeln zu, froh darüber, dass inmitten all des Verlusts ein Hoffnungsschimmer bleibt. Sehr empfehlenswert!
- Der Circle
- Dave Eggers
- Kiepenheuer & Witsch
- Belletristik
- Internet
- Social Media
- Kontrolle
- Transparenz
- Privatsphäre
- Highlight
Der Circle ist ein Unternehmen, das nahezu die ganze Welt beherrscht: Social Media, Produkte, Unternehmen, Menschen. Durch ihre beste Freundin Annie, die ein hohes Tier im Circle ist, wird Hauptfigur Mae Angestellte, zunächst im Customer Service, bei dem sie Kundenfragen beantworten soll. Doch nach und nach wird Mae immer tiefer in den Circle hineingezogen, einem Teufelskreis, dem sie nicht entkommen kann - und vielleicht auch gar nicht will ...
Sehr fesselnd stellt Dave Eggers uns eine Welt des transparenten Internets vor, mit allen Konsequenzen, die daraus entstehen. Faszinierend war hierbei, dass es im Buch zwar zwei, drei wichtige Figuren gibt, die sich gegen den Circle aussprechen, es letztendlich aber den Lesern überlassen wird, eine Entscheidung über ihn zu fällen. Wie weit darf man gehen, um Sicherheit zu gewährleisten? Wie viele Informationen sollten für alle offen einsehbar sein? Wie viel Einfluss sollten die Social Media haben?
Detailliert stellt Eggers uns diese hypothetische Zukunft vor, wobei er bei seiner Detailliebe nicht spart: Wir bekommen nicht nur die Zahlen von Maes Followern, Kommentaren und Zuschauern, sondern auch den Inhalt der zahlreichen Beiträge und Anfragen, mit denen Mae sich beschäftigt. In jedem anderen Roman wären solche Informationen nutzloser Filler gewesen, aber hier stellen sie die Besessenheit, die Mae bald entwickelt, perfekt dar. Mehrmals ertappte ich mich, Maes Umgang mit ihren Social Media mit meinem eigenen zu vergleichen, im positiven und negativen Sinne.
Je weiter der Roman fortschritt, desto unangenehmer wurde das Gefühl, das die Geschichte in mir weckte: Wie eine Clickbait-Nachricht, die man gierig aufsaugt, obwohl man sich nach ihrem Konsum nicht besser fühlt. Wie dieser endlose Drang, eigene und fremde Erwartungen zu befriedigen, obwohl man sich überfordert fühlt. Eggers hat dieses Gefühl - man sollte aufhören, kann es aber einfach nicht - perfekt eingefangen und es geschafft, auf diese Weise einen wahren Pageturner zu schreiben, den man nicht aus der Hand legen möchte. Es ist, als würde man einem Zug beim Entgleisen zusehen: Man ist schockiert über die Macht des Circle, aber gerade deshalb will man unbedingt wissen, wie weit sie wirklich geht.
Insgesamt ein weltveränderndes Leseerlebnis!
Noras Leben ist schwierig geworden – so schwierig, dass sie sich das Leben nehmen will. Doch stattdessen kommt sie in die Mitternachtsbibliothek, einem Ort, an dem sie die Leben ausprobieren kann, die sie nie geführt hat. Was wäre, wenn sie ihren Freund geheiratet hätte? Wenn sie mit ihrer Freundin nach Australien gezogen wäre? Wenn sie Schwimmerin geworden wäre, oder Polarforscherin, oder ein Rockstar? Welches Leben ist das Leben, das sie führen will? Genau das will Nora herausfinden.
Ich habe das Buch bereits vor anderthalb Jahren gelesen, als es auf Deutsch herauskam, doch weil ich es so mochte, nahm ich mir vor, es auch auf Englisch zu lesen – was ich nun endlich nachgeholt habe. Es ist einfach ein so schönes Buch, das einen sehr zum Nachdenken anregt, was das eigene Leben betrifft. Die Leben, die Nora führt, sind sehr verschieden, sodass ich als Leser gerne noch viel mehr Details über sie erfahren hätte, doch hat die Zeit, die sie in den verschiedenen Leben verbringt, trotzdem ausgereicht, um zu zeigen, wie wichtig die kleinste Entscheidung sowohl für einen selbst als auch für andere sein kann.
Insofern bin ich dankbar, dass ich das Buch noch mal in der Originalsprache gelesen habe, weil es gut tut, sich daran zu erinnern, wie viele Leben man jetzt in diesem Moment leben kann. Der Roman ist und bleibt etwas Besonderes für mich – und hoffentlich für viele Andere auch.