Das Damengambit
413 Seiten

Beth Harmon ist acht Jahre alt, als sie in dem Waisenhaus, in dem sie lebt, zum ersten Mal Schach spielt. Sofort ist sie gefesselt von diesem Königsspiel und verbessert sich immer mehr. Als sie wenige Jahre später adoptiert wird, beginnt sie, Schach auch professionell zu spielen und erobert in Kürze die Schachwelt. Doch nicht nur werden die Spieler immer herausfordernder, Beth selbst muss sich ebenfalls mit ihren eigenen Problemen auseinandersetzen …

Nie hätte ich gedacht, dass ein Roman über Schach so spannend sein könnte, aber „Das Damengambit“ hat es problemlos geschafft, dieses Spiel so fesselnd und so packend zu beschreiben, dass es mich komplett für sich einnehmen konnte. Ich selbst befinde mich, wenn überhaupt, auf dem Anfängerlevel, aber das hat mich nicht davon abgehalten, mit Beth mitzufiebern, mitzuleiden und mitzuhoffen. Ihre Schachspiele hatten eine unglaubliche Sogwirkung – die Art und Weise, wie sie beschrieben wurden, war einfach phänomenal. Das waren nicht nur Schachspiele, das waren Spiele auf Leben und Tod. Oder zumindest fühlten sie sich während des Lesens so an. Ich war deshalb sehr froh, dass wir sehr viele Schachspiele verfolgten, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsszenen gehörten und ich gar nicht genug von ihnen kriegen konnte.

Tatsächlich würde ich am liebsten wieder mit Schach loslegen, weil der Roman ihn mir so schmackhaft gemacht hat! Jeder, der auch nur ansatzweise an diesem Spiel interessiert ist, wird mit „Das Damengambit“ sehr viel Spaß haben. Ich selbst wusste eigentlich nur noch, wie die verschiedenen Figuren sich bewegen, aber der Roman macht es einem zum Glück sehr leicht, sich so oder so in ihm zu verlieren. Von mir gibt es definitiv eine große Empfehlung – und das nicht nur für Schach-Fans, sondern auch die diejenigen, die mit dem Spiel nichts anfangen können, aber einen guten Eindruck davon bekommen wollen, warum es so beliebt ist. Dieses Buch sollte für beide Fraktionen ein wahrer Genuss sein!

Defy the Night
442 Seiten

Eine Krankheit grassiert in ganz Kandala, und nur die seltenen Mondblüten helfen dagegen. Tessa ist nur eine Apothekerin, doch nachts verkleidet sie sich und besucht zusammen mit ihrem besten Freund Weston die kranken Menschen der Stadt, um sie mit Mondblüten zu versorgen. Währenddessen jagt Prinz Corrick unter Anleitung seines Bruders König Harriston gewaltsam die Mondblüten-Schmuggler, doch beide würden am liebsten einen Weg finden, wieder Frieden in das Land zu bringen. Als Tessa sich nach einem schrecklichen Verlust in den Palast schleicht und dort auf Corrick trifft, ist sie gezwungen, ihre Sichtweise bezüglich der königlichen Brüder infrage zu stellen – und sogar mit ihnen zusammenzuarbeiten …

Bereits die Cursebreaker/Emberfall-Serie von Brigid Kemmerer hat mir unglaublich gut gefallen, weshalb ich erfreut war, dass der Start ihrer neuen Serie ebenfalls ein voller Erfolg für mich war. Was die Autorin wirklich hervorragend kann, ist es, Charaktere zu erschaffen: Gerade die beiden Hauptfiguren, Tessa und Corrick, waren wunderbar charakterisiert, waren sowohl sympathisch als auch tiefgründig; und auch die Nebenfiguren fand ich sehr gelungen, vor allem Harriston, Corricks Bruder, und Quint, Corricks bester Freund.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist, dass es in dem Roman kein „gut“ oder „böse“ gibt. Natürlich gibt es sympathische und weniger sympathische Charaktere, aber ihre Motive waren sehr verständlich und haben mich des Öfteren zum Nachdenken angeregt, weil ich mir überlegt habe, was ich anstelle der Charaktere in einer unmöglichen Situation getan hätte.

Die Handlung ist das einzige, wo ich leichte Kritik üben kann: Manchmal lief sie auf Kosten von Charakterentwicklung langsamer, als ich es gewollt hätte. Das ist natürlich nur sehr leichte Kritik, weil ich die Charakterentwicklung absolut geliebt habe, doch hatte ich das Gefühl, dass Brigid Kemmerers vorherige Bücher ein besseres Gleichgewicht zwischen Charakteren und Handlung fanden. Wobei genau das gerade den Lesern, die sich vor allem für gut ausgearbeitete Charaktere interessieren, sehr gut gefallen wird.

Sehr gut ist, dass sich dieser erste Teil der Reihe sehr abgeschlossen liest. Man fragt sich natürlich, wie es nach dem Ende wohl weitergeht, aber es gibt keinen miesen Cliffhanger, der einen ungeduldig auf den zweiten Band warten lässt. Nachdem ich so viele Mehrteiler gelesen habe, die sich auf Cliffhanger verließen, war es erfrischend, mal einen ersten Band zu lesen, den man theoretisch auch als Einzelband lesen kann!

Ich freue mich jetzt schon auf die deutsche Übersetzung, die Mitte nächsten Jahres erscheinen wird. Und bis dahin werde ich sicher auch den nächsten Teil auf Englisch lesen!

Das Geheimnis der Spinnenhexe
366 Seiten

Jährlicher Re-Read :) Das Interessante hierbei ist, dass mir natürlich vollkommen bewusst ist, dass dieses Buch nicht perfekt ist - aber der Nostalgie-Faktor (und der flüssige Schreibstil) motivieren mich jedes Jahr dazu, das Buch wieder in die Hand zu nehmen!

Eine ausführlichere Rezension gibt es hier: https://lesetagebu.ch/eintrag/38789

Der Erste, der am Ende stirbt
523 Seiten

Nachdem ich bereits das englische Original mit Begeisterung gelesen habe, war ich sehr gespannt auf die deutsche Übersetzung, die ich nun ebenfalls abgeschlossen habe.

Insgesamt ist sie dem englischen Original gegenüber sehr gleichwertig. Ohne zu viel zu spoilern, gab es eine wichtige Szene im Deutschen, die ich im Englischen besser fand - und umgekehrt eine andere wichtige Szene, die in der Übersetzung brilliert hat. Und in beiden Sprachen gab es auch zwei, drei kleinere Szenen, die mir in der jeweils anderen Sprache besser gefallen haben.

Insgesamt lässt sich die deutsche Übersetzung also ebenso gut lesen wie das englische Original. Besonders bemerkenswert ist, dass ich die Handlung diesmal natürlich schon kannte, aber trotzdem mitgefiebert habe (vor allem beim Finale!). In der Zukunft werde ich die Todesboten-Bücher von Adam Silvera sicher noch öfters lesen, weil sie mit ihrer Detailliebe ein wahrer Genuss für aufmerksame Leser*innen sind!

Marianengraben
256 Seiten

Seit Paulas kleiner Bruder Tim verstorben ist, ist sie in eine tiefe Depression versunken. Als sie sich eines Tages dazu überwindet, sein Grab zu besuchen, wird ihr Leben allerdings ordentlich auf den Kopf gestellt - denn auf dem Friedhof trifft sie auf Helmut, einen älteren Herrn, der die Asche seiner Frau in ihr Heimatdorf bringen will. Durch einige Umstände kommt es dazu, dass Paula ihn dabei begleitet - und so nicht nur Helmuts Geschichte kennenlernt, sondern auch einen Weg findet, mit ihrer eigenen Trauer umzugehen ...

Diese Geschichte ist unglaublich berührend, unglaublich witzig und unglaublich lehrreich - alles gleichzeitig. Der Erzählstil war schlicht und unglaublich packend, weil die Art und Weise, wie Petra aus der Ich-Perspektive von ihrer Trauer und ihren Erinnerungen an Tim erzählt, mir sehr nahe gegangen ist. Ihre Dynamik mit Helmut hat mir ebenfalls sehr gefallen, weil sie sowohl humorvoll als auch herzerwärmend war; ich liebe es einfach, wie die beiden miteinander agierten und sich letztendlich gegenseitig halfen :)

Auch kann ich mir gut vorstellen, dass der Roman bei eigener Trauerbewältigung sehr hilft; als jemand, der sie noch nicht braucht, habe ich die Lektüre trotzdem als wertvoll empfunden. Sie bringt einen zum Weinen und zum Lachen, zum Nachdenken und zum Dankbarsein. Es war einfach unglaublich, wie gut dieser Roman es geschafft hat, nicht nur eine fesselnde Geschichte mit einem flüssigen Schreibstil zu erzählen, sondern gleichzeitig so viel Tiefe in seine Sätze bauen konnte.

Ein absolutes Highlight!

Happy New Year
464 Seiten

Es ist Silvester und es wird ordentlich gefeiert. So auch bei den befreundeten Ehepaaren Fredrik & Nina und Max & Lollo, die ihre befreundeten Töchter Smilla und Jennifer zum ersten Mal alleine feiern lassen. Doch am nächsten Tag wird Lollos schlimmster Albtraum war: Ihre Tochter Jennifer ist von der Party verschwunden und nirgendwo aufzufinden. Auch Fredrik und Nina werden in die Situation hineingezogen und befragt. Was Lollo und Nina dabei nicht ahnen: Fredrik weiß ganz genau, was mit Jennifer geschehen ist. Und er hat unglaubliche Angst davor, dass jemand erfährt, dass er der Täter ist, den sie suchen …

Dieser unglaublich packende Thriller aus Schweden hat zugegeben etwa fünfzig Seiten gebraucht, bis ich mich in ihn hineingelesen hatte; am Anfang war ich verwirrt von der (eigentlich überschaubaren) Menge an Charakteren, die eingeführt wurden. Glücklicherweise hat es letztendlich nicht lange gedauert, bis ich den Überblick gewonnen hatte und ich war sehr schnell gefangen zwischen den Seiten. Es war absolut genial, drei verschiedene Sichtweisen mit unterschiedlichem Wissen präsentiert zu bekommen: Nina, die gar nichts weiß und sich wegen Fredriks Verhalten sorgt; Fredrik, der alles weiß und auf keinen Fall will, dass es jemand herausfindet; und Lollo, die zuerst nichts weiß, dann aber Nachforschungen anstellt und ein wenig mehr über ihre Tochter erfährt, als sie jemals wissen wollte. Diese Kombination war sehr gelungen und hat dafür gesorgt, dass ich die Handlung gespannt verfolgte.

Ein paar Twists gibt es natürlich auch, die zusätzlich zur Spannung beitrugen, aber letztendlich sind es die Panik und die Ermittlungen der Charaktere, die mich am meisten fesselten. Ich habe sowohl mit Fredrik, als auch mit Lollo und Nina mitgefiebert, obwohl sie alle auf verschiedenen Seiten standen. Das fand ich unglaublich faszinierend; ich wollte nicht, dass Fredrik erwischt wird, habe mir aber gleichzeitig gewünscht, dass Lollo erfährt, was mit ihrer Tochter passiert ist und dass Nina das Verhalten ihres Mannes in Verbindung mit Jennifers Verschwinden bringt. Die Autorin hat ihre drei Sichtfiguren wirklich hervorragend charakterisiert, sodass es ein leichtes war, sich in alle drei hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen.

Dieser Thriller ist demnach für alle geeignet, die es nicht nur spannend mögen, sondern es auch lieben, zwischen verschiedenen Charakteren hin und her gerissen zu sein. Die ersten fünfzig Seiten sind eine kleine Hürde, doch sobald man die überwunden hat, wird man mit einem außerordentlich fesselnden Thriller belohnt!

The First to Die at the End
576 Seiten

Es ist der erste Tag, an dem der Todesbote eingeführt wird. Alle sind aufgeregt, unsicher, ob sie daran glauben sollen oder nicht. Trotzdem finden sich viele am Times Square, um dort live die Eröffnung des Todesboten zu verfolgen. Darunter sind auch Orion und Valentino - Orion, der aufgrund seiner Herzkrankheit geradezu erwartet, den Anruf zu erhalten und Valentino, der überhaupt nicht daran denkt, weil er in New York einem neuen Leben und einer neuen Zukunft entgegensieht. Doch dann bekommt ausgerechnet er den ersten Anruf des Todesboten ...

"They Both Die at the End"/"Am Ende sterben wir sowieso" ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, weshalb ich nicht widerstehen konnte, das Prequel bereits jetzt schon auf Englisch zu lesen. Ich hatte ein wenig Angst, dass es seinem Vorgänger nicht gerecht werden würde, doch zu meiner Freude hat es Adam Silvera geschafft, eine würdige Vorgeschichte zu seinem Bestseller zu schreiben! Alles, was ich an "They Both Die at the End" so mochte, findet sich auch hier, doch ist "The First to Die at the End" keine simple Kopie seines Vorgängers, sondern steht auf eigenen Beinen.

Wobei ich durchaus raten würde, "They Both Die at the End" zuerst zu lesen. Es gibt so viele Easter Eggs und Referenzen, dass man trotz der Tatsache, dass man den Vorgänger nicht gelesen haben muss, um diese Geschichte zu verstehen, trotzdem so einiges verpassen würde. Ich bin sicher, dass ich immer noch viele übersehen habe!

Was die Struktur der Geschichte angeht, ähnelt sie dem Vorgänger und ist doch anders. Denn es gibt nicht nur die "Orion und Valentino"-Storyline, die durch ein paar Nebencharakter-Sichten bereichert wird, sondern ganze Nebenstorys, die sich im Lauf des Romans entwickeln. In "They Both Die at the End" hingen die Nebengeschichten zwar auch mit der Hauptgeschichte und miteinander zusammen, waren aber größtenteils voneinander abgekapselt. Hier dagegen gibt es neben der Hauptgeschichte und Nebenkapiteln zwei rote Fäden, die sich durch den ganzen Roman ziehen: Die Geschichte von Joaquin Rosa, dem Gründer des Todesboten, der einen Fehler im System untersucht, und die Geschichte von Gloria Dario, die Probleme damit hat, ihrer missbräuchlichen Ehe zu entkommen. Speziell die letztere Nebengeschichte war unglaublich fesselnd und ich fand es genial, wie all diese Geschichten letztendlich mit der Haupthandlung zusammenhingen.

Damit kommen wir zu den Charakteren, die erfolgreich zeigen, wie viel Hintergrund - und Chemie - Adam Silvera ihnen mit wenigen Sätzen und Seiten verleihen kann. Orion und Valentino sind hierbei natürlich das Highlight. Obwohl ihre Romanze nicht einmal einen vollen Tag einnimmt, war sie trotzdem glaubwürdig geschrieben. Ich finde es schlichtweg beeindruckend, wie gut Adam Silvera ihre Chemie hinbekommen hat!

Insgesamt ein würdiges Prequel, auf dessen kommende deutsche Übersetzung ich mich jetzt schon freue - allein schon, weil sie mir die Entschuldigung gibt, dieses wundervolle Buch noch einmal zu lesen!

Dark Rise
535 Seiten

Seit seine Mutter umgebracht wurde, ist Will auf der Flucht, auf der Suche nach ihrem Mörder - Simon, der den Dunklen König wiederbeleben will. Doch als die Männer, die ihn suchen, Will finden und gefangennehmen, scheint sein Schicksal besiegelt. Bis Violet, deren Familie Simon dient, ihn befreit und Will selbst Fähigkeiten zeigt, von denen er bisher nie eine Ahnung hatte. Als Violet erfährt, wer Simon wirklich ist, schließt sie sich Will an, der zu den Stewards gebracht wird - einer Gruppe von Kämpfern, die im Verborgenen leben. Während Violet ihre Herkunft zu verbergen versucht, übt Will, seine magischen Kräfte vollständig zu wecken. Und da ist da noch James, der General des Dunklen Königs und Wills Gegenspieler, zu dem Will sich seltsam hingezogen fühlt ...

Die Geschichte von Will und Violet war unglaublich fesselnd zu lesen, vor allem dank des sehr angenehmen Schreibstils, aber auch wegen der Charaktere selbst. Bei Will war ich von Anfang an begeistert von seinem Charakter, aber auch Violet konnte mein Herz im Flug erobern. Ihre Freundschaft ist großartig beschrieben, wobei vor allem ihre jeweiligen Beziehungen zu James und Katherine (in Wills Fall) und zu Justice und Cyprian (in Violets Fall) faszinierten.

Die Handlung enthält auch so einige Twists. Den "Haupttwist" sah ich meilenweit kommen - nach weniger als hundert Seiten hatte ich zum ersten Mal die vage Theorie, die im Laufe des Romans immer offensichtlicher wurde, sodass ich am Ende ein zufriedenes "Ich wusste es!" von mir gab. Zum Glück enthält der Roman noch so einige andere Twists - und die waren so überraschend und so schockierend, dass es eine wahre Freude war, zu sehen, wie die Handlung sich danach entwickelt.

Anmerken möchte ich am Ende nur, dass man das Buch nicht ausschließlich wegen der LGBTQ+-Aspekte lesen sollte - Will und James haben nur eine Handvoll Szenen, die zwar sehr intensiv, aber nicht der Fokus der Handlung sind. Zum Glück war die Handlung an sich fesselnd genug, um mich stets begierig weiterlesen zu lassen ;)

Somit spreche ich eine sehr starke Empfehlung für das Buch aus, da es einen mühelos am Ball hält und eine spannende Lektüre bietet!

Prison Healer (Band 2) - Die Schattenrebellin
528 Seiten

Kiva wohnt inzwischen in Vallenia, zusammen mit Jaren, dem Kronprinzen, Naari, seiner Leibwächterin, und Tipp, der für sie einem kleinen Bruder nachkommt. Fest entschlossen, ihren Geschwistern Torell und Zuleeka dabei zu helfen, den Thron einzunehmen und Jarens Familie zu stürzen, nimmt sie ihre Arbeit als Spionin ein, um die Geheimnisse der Vallentis zu ergründen. Allerdings lernt sie die Familie dabei immer besser kennen, was es ihr mehr und mehr erschwert, ihren eigentlichen Plan zu verfolgen. Schon bald ist sie nicht nur hin und her gerissen zwischen ihrer und Jarens Familie, sondern muss auch beiden Seiten glaubhaft versichern, dass sie ihnen treu ist – wohl wissend, dass sie früher oder später eine Entscheidung treffen muss …

Der zweite Teil der „Prison Healer“-Trilogie konnte mich glücklicherweise ebenso begeistern wie der erste Teil, was hauptsächlich an Jarens und Kivas Beziehung, Kivas Freundschaft mit den anderen Familienmitgliedern (vor allem Caldon, der zu meinem Lieblingscharakter geworden ist) und ihren wachsenden Zweifeln liegt, die das Leseerlebnis sehr packend gestaltet haben. Ich war oft hin und her gerissen zwischen meinem Verlangen, weiterzulesen und meiner Angst, das Ende zu erreichen, so sehr habe ich mit den Charakteren mitgefiebert!

Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen und machte es leicht, die Handlung zu visualisieren. Der Fokus auf Charakterbeziehungen unterschiedlicher Art war ebenfalls sehr willkommen; schon im ersten Teil mochte ich es, dass Kivas Beziehung zu anderen Charakteren nicht durch ihre Beziehung zu Jaren gemindert wurde, auch wenn letztere natürlich immer noch die wichtigste Rolle einnimmt.

In diesem Zusammenhang möchte ich unbedingt erwähnen, wie cool ich es fand, dass Lynette Noni es schaffte, mit Kiva und Jaren auch zwei Tropen einzubringen, die ich normalerweise nicht mag, die hier aber fantastisch umgesetzt wurden. Bei Kiva war es „das schwache Mädchen“, bei Jaren der „Charakter ohne Schwächen“. Kiva hat in diesem Band nicht nur eine wichtige Charakterentwicklung durchgemacht, sondern gezeigt, dass man als Protagonistin nicht physisch stark sein muss, um etwas bewirken zu können; und Jaren mag wohl für die einen oder anderen Leser*innen zu perfekt anmuten, war aber so liebe- und rücksichtsvoll, dass ich ihm seine fehlenden Schwächen einfach nicht übel nehmen konnte. In dem Genre (sei es Romanze oder Romantasy) gibt es einfach nicht genug männliche Protagonisten, die so freundlich und liebenswert sind wie er. Wie gesagt, normalerweise stört es mich, wenn ein Hauptcharakter nicht viel bzw. zu viel ausrichten kann, aber Kiva und Jaren haben es trotzdem geschafft, zu zwei meiner absolut liebsten Protagonisten zu werden, weil sie beide auf ihre Weise wundervoll waren.

Auch zu den Nebencharakteren möchte ich gerne eine kleine Anmerkung machen, nämlich, wie toll ich sowohl die „guten“ als auch die „bösen“ Charaktere fand. (Anführungszeichen, weil die Grenze nicht ganz so leicht zu ziehen ist, was ich ebenfalls als Pluspunkt werte.) Vor allem Kivas Geschwister haben es mir hier angetan; ich war positiv überrascht davon, wie gut ich ihre Beweggründe nachvollziehen konnte, selbst bei Taten, von denen ich definitiv nicht begeistert war.

Insgesamt also eine würdige Fortsetzung des ersten Teils der Trilogie, die mich schon sehr gespannt auf das Finale macht!

Nothing more to tell
432 Seiten

Vor vier Jahren ist Brynns Lieblingslehrer Mr. Larkin unter geheimnisvollen Umständen gestorben. Damals war es ihr ehemaliger Freund Tripp, der vor der Polizei aussagte, die Leiche zusammen mit zwei anderen Schülern gefunden zu haben. Allerdings wurde nie aufgeklärt, was eigentlich passiert ist - und Tripps Aussage wurde auch nie in Zweifel gezogen. Während Brynn ein Praktikum bei einer True-Crime-Show zum Anlass nimmt, die damaligen Geschehnisse endlich aufzudecken, muss Tripp zusammen mit ihr einen Gedenkgarten für Mr. Larkin organisieren, wobei er nur eins fürchtet: Dass herauskommt, dass er damals gelogen hat ...

Ich habe keine Ahnung, wie Karen McManus es schafft, aber ihr ist es schon wieder gelungen, einen besonders spannenden Jugendthriller zu schreiben, den ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Der Schreibstil trägt hier einiges dazu bei, aber auch die beiden Hauptcharaktere, ihre Beziehung und die verschiedenen Nebenplots, die mit dem Mordfall zusammenhängen, haben mich unglaublich gefesselt und dazu angetrieben, selbst mitzuraten, wie die einzelnen Puzzleteile zusammenhängen. Natürlich lag ich ganz schön daneben, aber genau das machte auch den Reiz aus, als dann die Wahrheit ans Licht kam und jedes Puzzleteil an seinen Platz fiel.

Die Liebesgeschichte zwischen Brynn und Tripp hat mich ein wenig an die von Bronwyn und Nate aus "One of us is lying" erinnert, was jetzt aber weder Lob noch Kritik, sondern einfach eine Feststellung sein soll; so oder so habe ich mit beiden mitgefiebert. Auch die Nebencharaktere (vor allem Brynns Schwester Ellie) waren gut und menschlich ausgearbeitet, auch wenn der Fokus insgesamt auf den Hauptcharakteren liegt.

Insgesamt also ein sehr empfehlenswerter Thriller für alle Jugendbuchfans, die gerne Spannung und Romantik vereint haben wollen!

Spring Storm 1: Blühender Verrat
464 Seiten

Cora hat in (lebens-)gefährlichen Situationen immer erstaunlich viel Glück. Sie kann durch ganze Krisengebiete laufen, ohne, dass ihr etwas passiert. Offiziell hat man bei ihr allerdings nie eine Cosmic Power feststellen können - bis sie an der Schule für Cosmics aufgenommen wird und sich einem ganz neuen Alltag stellen muss. Vor allem ihre Mentorin King ist ihr ein Rätsel. Sie scheint Cora zu verachten, beschützt sie jedoch gleichzeitig vor Gefahren. Und bald muss Cora die Grenzen ihres Glücks auf ganz neue Weise austesten ...

Bei der Kurzbeschreibung kamen mir zugegeben zunächst Zweifel, weil sie sich so nichtssagend anhörte, doch das eigentliche Buch konnte meine Erwartungen zum Glück haushoch übertreffen. Tolle Charaktere, eine spannende Handlung, kreative Superkräfte - es war einfach eine wunderbare Mischung aus allem, was ich an einem guten (Fantasy-)Buch zu schätzen weiß. Vor allem die Protagonistin Cora hat mein Herz im Sturm erobert, weil sie einfach ein fantastischer, dreidimensionaler Charakter war, in den man sich sehr gut hineinversetzen konnte. Aber auch die Nebencharaktere (speziell King, Fedir und Himari) konnten ihre Qualitäten zeigen und ich hoffe, im zweiten und letzten Band, der im Frühjahr 2023 erscheint, noch mehr von ihnen zu lesen.

Der Umgang mit Superkräften war sehr erfrischend, sodass sogar bekannte Superkräfte unter Marie Graßhoffs Feder in einem neuen Licht schimmerten. Auch hier muss ich die Glücks-Fähigkeit der Protagonistin positiv hervorheben, weil mir ihre Umsetzung so gut gefallen hat.

Das einzige, was man eventuell kritisieren könnte, ist, dass die in der Kurzbeschreibung angedeutete Romanze eine starke Nebenrolle hat; diejenigen, die das Buch allein deswegen lesen, werden deshalb eher enttäuscht werden, doch diejenigen, die allgemein eine hervorragende Geschichte lesen möchten, werden umso begeisterter sein!

Shadow Thieves – Der Schatz des Magiers
432 Seiten

Callan ist trotz seines jungen Alters ein begabter Trickbetrüger, möchte aber gerne ein neues Leben anfangen, wozu ihm nur das nötige Geld fehlt. Dieses präsentiert sich ihm in Form eines verführerischen Angebots, das wohl aus der gefährlichsten Aufgabe besteht, die ihm je gestellt wurde: Er muss zusammen mit vier anderen Kindern das sogenannte Auge des Drachen vom mächtigsten Magier der Welt stehlen. Und sie haben nur drei Tage Zeit, um den perfekten Plan auszuarbeiten ...

Was für ein spannendes Kinderbuch! Wobei "Kinderbuch" fast schon eine falsche Bezeichnung ist, da es zwar offiziell für zehn- bis zwölfjährige Kinder geschrieben ist, ich das Buch aber eher leicht älteren Leser*innen ans Herz legen würde, weil es drei, vier Szenen enthielt, die ein wenig heftiger waren und bei denen selbst ich zusammengezuckt bin.

Die Hauptcharaktere waren allesamt sympathisch. Callan lernen wir natürlich am besten kennen, aber auch seine vier neuen Freunde bekommen ihre Zeit zu scheinen: Meriel, eine geschickte und selbstbewusste Akrobatin; Lachlan, ein fröhlicher Junge und ehemaliger Läufer; Gareth, schüchtern und gut darin, Informationen zu finden; und Foxtail, eine stumme Fassadenkletterin mit einer Maske über ihrem Gesicht. Hier im ersten Band zeigen die meisten erst einmal nur ihre Oberfläche, allerdings mit sehr interessanten Hinweisen darauf, was darunter ruht. Ich freue mich jetzt schon darauf, das im zweiten Band herauszufinden!

Die Handlung war wie gesagt sehr spannend und gut strukturiert; insofern ist dieser Roman vor allem denjenigen zu empfehlen, die nach einem fesselnden Abenteuerroman suchen, der sie stets zum Weiterlesen anregt!

The Midnight Library
288 Seiten

Noras Leben ist schwierig geworden – so schwierig, dass sie sich das Leben nehmen will. Doch stattdessen kommt sie in die Mitternachtsbibliothek, einem Ort, an dem sie die Leben ausprobieren kann, die sie nie geführt hat. Was wäre, wenn sie ihren Freund geheiratet hätte? Wenn sie mit ihrer Freundin nach Australien gezogen wäre? Wenn sie Schwimmerin geworden wäre, oder Polarforscherin, oder ein Rockstar? Welches Leben ist das Leben, das sie führen will? Genau das will Nora herausfinden.

Ich habe das Buch bereits vor anderthalb Jahren gelesen, als es auf Deutsch herauskam, doch weil ich es so mochte, nahm ich mir vor, es auch auf Englisch zu lesen – was ich nun endlich nachgeholt habe. Es ist einfach ein so schönes Buch, das einen sehr zum Nachdenken anregt, was das eigene Leben betrifft. Die Leben, die Nora führt, sind sehr verschieden, sodass ich als Leser gerne noch viel mehr Details über sie erfahren hätte, doch hat die Zeit, die sie in den verschiedenen Leben verbringt, trotzdem ausgereicht, um zu zeigen, wie wichtig die kleinste Entscheidung sowohl für einen selbst als auch für andere sein kann.

Insofern bin ich dankbar, dass ich das Buch noch mal in der Originalsprache gelesen habe, weil es gut tut, sich daran zu erinnern, wie viele Leben man jetzt in diesem Moment leben kann. Der Roman ist und bleibt etwas Besonderes für mich – und hoffentlich für viele Andere auch.

NIGHT - Nacht der Angst
368 Seiten

Nach dem Tod ihrer besten Freundin Maddy will Charlie einfach nur weg aus der Universität, die ihr ursprünglich eine wunderbare Zukunft versprach. Eine geeignete Gelegenheit ergibt sich, als ein Mann namens Josh ihr überraschenderweise anbietet, sie mitzunehmen. Obwohl Charlie zögert, stimmt sie letztendlich zu, gerät auf der Fahrt allerdings immer mehr in Zweifel. Könnte Josh der Campus-Killer sein, der Maddy und zwei weitere junge Frauen auf dem Gewissen hat? Nicht gerade erleichtert wird die Situation durch Charlies Trauma, durch das sie sich manchmal Dinge einbildet, die nie geschehen sind …

Eins möchte ich bei diesem unglaublich spannenden Thriller gleich vorwegnehmen: Nein, die Handlung stellt sich nicht als etwas heraus, das Charlie sich bloß eingebildet hat. Obwohl das ein enormes Klischee und ein enttäuschendes Ende gewesen wäre, habe ich es nicht vollkommen ausgeschlossen, weil die Handlung sehr mit Filmen und ihren Klischees spielt, weshalb ich mit Freuden verkünden kann, dass die Twists des Romans in sich stimmig und das Ende äußerst zufriedenstellend war.

Die Handlung an sich war, wie gesagt, unglaublich spannend und kommt sehr schnell voran. Zuweilen wundert man sich zwar, warum die Charaktere sich manchmal so verhalten, wie sie es tun, aber teils ist das natürlich dem Genre zuzuschreiben (wäre Charlie nicht in Joshs Auto gestiegen, hätten wir keine Geschichte), teils wurde eine halbwegs glaubwürdige, wenn nicht immer zufriedenstellende Erklärung gefunden (z.B., als Charlie einmal die Gelegenheit bekommt, Josh zurückzulassen, es aber nicht tut). Im Rückblick machen all diese Entscheidungen sehr viel Sinn, nur beim Lesen selbst kann es vorkommen, dass man über sie stolpert. Mich selbst hat das nicht besonders gestört, vor allem nicht nach dem fulminanten Ende, was vieles in einen neuen Kontext gesetzt hat, weshalb ich jedem, den es stört, dass ein Teil der Handlung nur durch fragwürdige Entscheidungen zustande kommt, dringendst rate, weiterzulesen.

Insgesamt also ein sehr fesselnder Thriller, der locker zu den besten Thrillern gehört, die ich dieses Jahr gelesen habe!

Forging Silver into Stars
541 Seiten

Tycho ist der Königliche Kurier und bringt als solcher Nachrichten von Syhl Shallow nach Emberfall und zurück. In letzter Zeit gibt es Gerüchte, dass Rebellen einen Aufstand planen, um Grey, den der Magie fähigen König, zu töten, weshalb Tycho umso vorsichtiger bei seinen Reisen sein muss. Zwischen den beiden Ländern befindet sich das kleine Dorf Briarlock, in dem die beiden besten Freunde Jax und Callys mühevoll versuchen, genug Geld für die Steuereintreiber zusammenzusuchen. Notwendigerweise stimmt Jax zu, gegen gutes Geld Nachrichten der Rebellen weiterzugeben, während Callys selbt Kontakt zu einem potentiellen Verräter aufnimmt. Doch als Tycho eines Tages durch ihr Dorf reitet, gerät das Leben der beiden gehörig durcheinander - und sie alle müssen sich bald den Konsequenzen ihrer Handlungen stellen ...

"Forging Silver Into Stars" ist der Auftakt einer neuen Reihe, die im "Emberfall"-Universum spielt, dessen erste Trilogie bereits auf Deutsch übersetzt worden ist. Technisch gesehen ist es wohl nicht zwingend nötig, die "Emberfall"-Trilogie zu kennen, um "Forging Silver Into Stars" zu verstehen, allerdings würde ich trotzdem dazu raten - nicht nur, weil alte Charaktere mehr als genug Auftritte haben, sondern vor allem, weil diese neue Serie eine Fortsetzung der alten ist und man deshalb für das Ende der alten Serie gespoilert wird, sollte man das Buch ohne Vorwissen lesen.

Auch in diesem Roman hat es Brigid Kemmerer geschafft, eine absolut packende Geschichte mit großartigen Charakteren zu erzählen. Tatsächlich hat es "Forging Silver Into Stars" meiner Meinung nach sogar geschafft, die "Emberfall"-Trilogie zu übertrumpfen (die zu meinen liebsten Fantasy-Trilogien überhaupt gehört!), weil von der spannenden Handlung bis zu den glaubwürdigen Charakteren einfach alles richtig gemacht wurde.

Die drei Hauptcharaktere Tycho, Jax and Callyn waren unglaublich sympathisch und ihre Beziehungen zueinander (vor allem die zwischen Tycho und Jax) wunderbar beschrieben. Von den Nebencharakteren hat mir besonders Alek gefallen, weil er das perfekte Beispiel dafür war, dass Gegenspieler nicht einfach böse sind, sondern absolut verständnisvolle Beweggründe für ihre Taten haben.

Was die Handlung betrifft, hat Brigid Kemmerer sehr realistische Konsequenzen für die Entscheidungen ihrer Charaktere und allgemein ein sehr gutes Pacing geschaffen. Ich wurde ständig zum Weiterlesen angetrieben, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Handlung und die Charakterbeziehungen sich weiterentwickeln. Hut ab für eine so gelungene Leistung!

Ich hoffe sehr, dass der Titel auch noch auf Deutsch übersetzt wird, aber im Original war er glücklicherweise sehr verständlich geschrieben, während er mir gleichzeitig ein paar neue Wörter beigebracht hat. Unglaublich empfehlenswert, aber bitte möglichst nur nach Genuss der "Emberfall"-Trilogie!