Bücherregal lädt …
Statt aus dem Fenster zu schauen
320 Seiten

Statt aus dem Fenster zu schauen und darüber nachzudenken, wie ihr Leben sein könnte, kauft Sophie spontan ein billiges Haus in Günderode, in der Nähe von Berlin. Sie weiß selbst nicht, was in sie gefahren ist, aber mit ihrem derzeitigen Leben ist sie nicht zufrieden und braucht dringend die Freiheit, die ihr ein Leben auf dem Land gibt. Natürlich stellt sich das Haus als komplette Bruchbude heraus, doch ist Sophie entschlossen, hier neu anzufangen – und dabei herauszufinden, was sie eigentlich vom Leben möchte ...

Dieser Roman hat mich sehr fasziniert, denn obwohl ich so einige Kritikpunkte habe, konnte ich am Ende nicht anders, als ihn zu genießen.

Es ist natürlich von Anfang an klar, dass wir eine Geschichte lesen, die vom Survivorship Bias geprägt ist – schließlich würden wir sie gar nicht erst lesen, wenn Sophie es nicht schaffen würde, ihre Pläne umzusetzen. Hier wünschte ich, es wäre noch stärker hervorgehoben worden, wie sehr Sophies privilegierter Status es ihr erleichtert, ein neues Leben anzufangen, weil schließlich nicht jeder Mensch das Geld und die Möglichkeiten dazu hat – und selbst wenn doch, endet es vermutlich öfter im Scheitern als im Erfolg. Die Geschichte stellt Sophies neue Lebenssituation meiner Meinung nach etwas zu einfach dar, selbst, wenn man die Probleme bedenkt, mit denen sie konfrontiert wird.

Und dennoch fällt es unglaublich leicht, sich in ihr neues Leben fallen zu lassen und dabei zuzusehen, wie sie es metaphorisch und wortwörtlich restauriert. Ich hatte beim Lesen stellenweise das Gefühl, ein ASMR-Video zu schauen, weil der ganze Prozess, den Sophie durchläuft, so wohltuend war. Ein bisschen Drama gibt es schon, aber nicht zu viel und der Fokus liegt stärker auf den zwar teils anstrengenden, aber gerade deshalb erfüllenden Taten.

Wobei ich mir ein bisschen Drama durchaus gewünscht hätte. Einige der dramatischeren Handlungsstränge werden nämlich offen gelassen, was zwar manchmal durchaus willkommend war (bezüglich Heinz, der Sophie das Haus verkauft), bei anderen jedoch unzufriedenstellend.

Ein wichtiger Plot Point ist zum Beispiel Sophies Furcht, ihren Eltern zu gestehen, was sie getan hat, zumal sie in ein paar Monaten auf einen Familiengeburtstag eingeladen ist, der quasi als Deadline fungiert. Aber letztendlich erleben wir nicht, wie sie sich diesem Hindernis stellt, was mich sehr enttäuscht hat. Natürlich ist es an sich in Ordnung, einige Dinge offen zu lassen, aber gerade bei einem so wichtigen Punkt, auf den die ganze Geschichte hinauszulaufen schien, hätte ich mir einen zufriedenstellenden Abschluss gewünscht.

Andere Handlungsstränge wie die Freundschaft zu Pauline und Moritz finden da schon ein besseres Ende und beide Charaktere mochte ich sehr, weil sie sowohl kritisch als auch unterstützend mit Sophies Situation umgegangen sind. Es war einfach eine unglaublich gemütliche Lektüre, die trotz der Kritikpunkte das Herz erwärmt und gut tut.

Einziger Meta-Kritikpunkt: Es gibt keine Kapitel! Die Geschichte ist in vier Teile unterteilt, von denen drei 100-150 Seiten lang sind, doch diese vergleichsweise langen Teile werden nicht zusätzlich in kleinere Häppchen unterteilt, was es ein wenig schwerer machte, das Buch zu lesen. Natürlich hat der Kritikpunkt nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun, aber ich wollte ihn trotzdem erwähnt haben für die, die Bücher mit kurzen bis mittellangen Kapiteln bevorzugen.

Letztendlich hatte ich also ein paar Dinge zu kritisieren, doch trotzdem hat der Genuss letztendlich überwogen. Gerade jetzt, im Nachhinein, bleibt vor allem das Gefühl eines wunderschönen Romans zurück!

Vermisst - Der Fall Lucas
544 Seiten

Malou Löwenberg bekommt einen neuen Fall, der sich diesmal als ihr schwierigster erweisen könnte: Lana Boban, die im Sterben liegt, möchte vor ihrem Tod unbedingt ihren Bruder Lucas wiedersehen, der vor sechsundzwanzig Jahren verschwunden ist. Das Problem dabei: Damals hat er zwei Mädchen getötet und fingierte danach seinen eigenen Tod. Sollte Malou ihn finden, wird sie sich der Entscheidung stellen müssen, ihn entweder mit seiner Schwester zu vereinen oder ihn festzunehmen – eine Entscheidung, die immer schwerer wird, als sie noch mehr Fälle entdeckt, die Lucas‘ Modus Operandi aufweisen …

Malous dritter Fall hat nicht nur ein faszinierendes Setup, sondern ist im Allgemeinen sehr spannend geschrieben. Mit einem lockeren Schreibstil, konstanten Cliffhangern und stellenweise anderen Sichtweisen gelang es Christine Brand hervorragend, mich am Ball zu halten, und das, obwohl recht klar ist, dass die Ausgangssituation mit Lucas als Mörder nicht so einfach sein kann, wie sie sich darstellt. Aber gerade das war großartig: Obwohl ich ahnte, dass es nicht die ganze Wahrheit sein kann, wusste ich immer noch nicht, wie viel vielleicht doch stimmt, und bin tatsächlich komplett auf die falsche Fährte hereingefallen. Hier war ich sehr dankbar, dass die Auflösung ebenfalls nicht so offensichtlich war, wie sie schien!

Aber auch die Nebenhandlungen mochte ich gern, wie Malous Suche nach ihren leiblichen Eltern und ihre Suche nach einer verschwundenen Urne. Diese Handlungsstränge sind für die Haupthandlung zwar nicht relevant, zeigen aber mehr von Malous Charakter und waren schlicht interessant zu lesen. Übrigens ist es nicht notwendig, die anderen beiden Bände zu kennen; die Referenzen auf sie beschränken sich auf ein Minimum und alles, was man wissen muss, wird anfangs erläutert, ohne die vorherigen Fälle zu spoilern.

Sehr erfrischend fand ich es, dass Malou in diesem Band kompetenter war als in den vorherigen Fällen. In diesen machte sie nämlich ein paar offensichtliche Fehler und traf ein paar zweifelhafte Entscheidungen, aber in diesem Band kam sie professioneller rüber, ihre Fehler schienen verständlicher, ihre Entscheidungen ebenfalls. Ich hoffe, dass diese Entwicklung weiter fortschreitet!

Von den anderen Charakteren fand ich Bernard und Bettina sympathisch, ansonsten gab es bis auf Lucas und Lana (die beide trotz ihrer begrenzten Screentime großartig waren) keine herausstechenden Charaktere. Hier glänzt der Roman vor allem durch seinen Fall, bei dem ich stets darauf brannte, weiterzulesen und der sicher auch für andere ein spannendes Lesevergnügen bieten wird!

Little Hollywood
352 Seiten

Der letzte Sommer vor der Jahrtausendwende: Leo hat ihre letzte Prüfung geschrieben und freut sich auf ihre Freiheit, doch nichts läuft so, wie es soll. Ihr Crush lässt sie sitzen, sie streitet sich mit ihrer Mutter, ihr gewalttätiger Vater schreibt ihr einen Brief, ihr Bruder möchte nicht allein sein, und Leo will am liebsten ihre ganze Zeit in der Videothek Little Hollywood verbringen. Denn auch wenn Jo, der dort arbeitet, ihr bei jeder Ausleihe eine Wahrheit-oder-Pflicht-Frage stellt, bringen ihr die Filme den Komfort, der ihr im wahren Leben fehlt. Und sobald sie Jo besser kennenlernt, lernt sie auch sich selbst auf neue Weise kennen, und damit hoffentlich auch einen Weg, ihre Zukunft zu gestalten …

Am Anfang habe ich diese Geschichte als etwas zu langsam und ereignislos gefunden, was natürlich daran liegt, dass es tatsächlich eine gemächliche, aber auch wunderschöne Geschichte ist. Ich brauchte wohl nur ein kleines Weilchen, um mich daran zu gewöhnen, aber sobald ich es tat, konnte ich mich richtig in die Geschichte und in Leos letzten Sommer fallen lassen. Die Atmosphäre der 90er ist hervorragend gelungen, und auch der beschriebene Sommer trägt eine Nostalgie und Erwartungshaltung in sich, die zu dem letzten Sommer vor dem Erwachsenwerden passt.

Obwohl ich die 90er nur als Kind erlebt habe und ganz andere Erfahrungen gemacht habe als Leo, konnte ich mich auf gewisse Weise trotzdem in sie hineinversetzen; das hat mich überrascht, weil wir so wenige Gemeinsamkeiten haben, es aber trotzdem leicht war, ihr und ihren Gedanken zu folgen. Zugegeben finde ich, dass Menschen, die tatsächlich ein aktiver Teil der 90er waren, sich noch besser in die Geschichte einfinden können, und erst recht Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie Jo machten; doch gerade deshalb wollte ich als jemand, der mit keinem von beiden stark verbunden war, sagen, dass auch ich die Geschichte vollauf genossen habe.

Der Fokus der Geschichte liegt auf Leos süßer Romanze mit Jo, die wirklich sehr gut umgesetzt war; die beiden haben eine wunderbare Chemie miteinander und ihre gemeinsamen Szenen gehörten mühelos zu meinen liebsten. Zwar war auch der Handlungsstrang mit Leos Familie gut geschrieben und speziell Leos komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter mochte ich sehr, aber letztendlich fieberte ich am meisten mit Leos und Jos wachsender Liebe mit.

An sich passiert nicht allzu viel, es geht eben hauptsächlich um die letzten Gedanken, Zweifel und Abenteuer vor dem letzten Sommer, bevor man erwachsen wird; aber durch die wunderbare nostalgische Atmosphäre gefiel mir gerade das besonders gut: Man bekommt eine ruhigere Geschichte, die einen in früheren Zeiten schwelgen lässt, als alles noch einfacher schien, obwohl es das nicht immer war. Wer dieses Gefühl vermisst, wird es in „Little Hollywood“ finden!

Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Kleine Gefallen
619 Seiten

Mab, die Feenkönigin, bittet Harry Dresden um einen Gefallen und er weiß sofort, dass er in Schwierigkeiten ist. Sie möchte, dass er den entführten Mafiaboss Marcone rettet. Zudem haben es auch die Böcke Brausewind auf ihn abgesehen und Harry muss all seine Freunde um sich scharen, wenn er gegen die Vielzahl seiner Feinde eine Chance haben und aufdecken will, was sie eigentlich vorhaben …

In diesem Harry-Dresden-Band geht so einiges vor sich – und meiner Meinung nach etwas zu viel. Die einzelnen Handlungsstränge und Charakter- und Action-Szenen mochte ich sehr, hatte jedoch Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Ich habe immer noch nicht ganz begriffen, wie gewisse Handlungsaspekte ineinander greifen, z.B. die Art und Weise, wie Harrys Quest, Marcone zu retten, zu einer Quest wird, Ivy zu retten, wonach ersteres keine Rolle mehr zu spielen scheint. Die Wandlung an sich war sehr gut, weil ich sehr viel mehr in Ivy investiert war als in Marcone, aber insgesamt betrachtet hatte ich das Gefühl, dass man einen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne etwas Substanzielles dabei zu verlieren.

Das trifft auch auf die Anzahl der Charaktere zu: Wir sind längst bei einem Band gelangt, bei dem ich mir nur die Hauptcharaktere merken kann und Schwierigkeiten habe, mich an alle anderen zu erinnern, was dadurch erschwert wird, dass in diesem Band erstaunlich viele Charaktere auftauchen und es keinen Fokus auf eine bestimmte Beziehung gibt. Auch das hat etwas Gutes, denn so bekommt jeder Charakter Szenen mit Harry, die mir sehr gefielen (hervorzuheben sind Murphys Szenen im Allgemeinen, aber auch die Art und Weise, wie Michaels Freundschaft zu Harry zum ersten Mal getestet wird), aber es war etwas zu viel für mich.

Das Finale und das Ende waren dafür wie immer gut gelungen. Allgemein sind die Action-Szenen sehr gut geschrieben, was doppelt auf das spannende Finale zutrifft, bei dem ich sehr mit den Charakteren mitfieberte und das glücklicherweise ein zufriedenstellendes Ende findet. Zudem macht es mich gespannt, wie es im nächsten Band mit gewissen Charakteren weitergeht, weil das Ende Möglichkeiten für spannende Handlungslinien offen lässt.

Insgesamt ein sehr solider Harry-Dresden-Band, der mir zwar etwas zu überfüllt vorkam, aber ansonsten wie immer ein gutes Abenteuer bietet!

Geliebte Schwester
493 Seiten

Tasha und ihr Ehemann Aaron hatten seit einer Weile keine Zeit mehr für sich, weshalb Tashas Schwester Alice ihnen anbietet, für ein paar Tage Urlaub in Italien zu machen, während Alice mit ihrem Ehemann Kyle auf die Kinder aufpasst. Doch dann werden Alice und Kyle überfallen, Kyle wird getötet, Alice verletzt. Und Tasha, die sich bewusst ist, wie ähnlich sie und ihre Schwester sich sehen, befürchtet, dass sie das eigentliche Ziel war – eine Furcht, die durch eine anonyme Nachricht bestätigt wird: Das hättest du sein sollen

Claire Douglas‘ Thriller sind in der Regel ein lockeres Vergnügen, und das trifft auch auf diesen Thriller zu. Die Grundidee faszinierte mich sofort und ich mochte das Mysterium darüber, wer es auf Tasha abgesehen haben könnte und warum. Zunächst einmal waren die Familienbande zwischen den Charakteren sehr gut umgesetzt; ich mochte die schwesterliche Beziehung zwischen Tasha und Alice, Tashas sich entwickelnde Beziehung zu ihrem Ehemann Aaron, sowie Tashas und Alices Bund zu ihrer Mutter. Die Tatsache, dass die beiden noch eine dritte Schwester hatten, die als Baby entführt wurde, faszinierte mich ebenfalls und hier gefiel mir die Umsetzung ausgesprochen gut, weil sie nicht zu vorhersehbar, aber auch nicht zu unerwartet war.

Allerdings fand ich die Überraschungen und Twists allgemein gar nicht so überraschend und schockierend, wie ich es mir erhofft hatte. Viele kann man nämlich kommen sehen und selbst jene, die ich nicht erwartete, waren letztendlich nicht allzu überraschend und auf jeden Fall keine großen, alles verändernden Twists. Das hat mir tatsächlich gefehlt; vielleicht liegt es auch nur an meiner Thriller-Erfahrung, aber ich hatte am Ende das Gefühl, zwar einen sehr soliden, aber keinen sehr guten Thriller gelesen zu haben, da mir dazu noch ein wenig mehr „Oha!“-Momente gefehlt hätten.

Nichtsdestotrotz war der Thriller immer noch ein spaßiges Lesevergnügen, hat mich gut unterhalten und eignet sich hervorragend für Zwischendurch!

Fräulein Renée und das kartografische Komplott
360 Seiten

Der junge Caspar Schütze bewirbt sich als Chronist bei der Alleinerbin Renée Graf, hauptsächlich, weil sie keine Referenzen verlangt. Bei einem Spaziergang im Wald, bei dem Renée ihre Pläne, ein Abenteuer zu erleben, ausführt, finden die beiden im Forsthaus eine Leiche: Eine Frau, mit einer Pistole erschossen und mit zweihundert Mark in der Geldbörse, aber ohne eine Tatwaffe in der Nähe. Als die beiden kurz darauf in die Hütte zurückkehren, ist die Leiche verschwunden und damit Renées Verdacht, dass es sich um Mord handelt, bestätigt. Entschlossen, ihr geplantes Abenteuer zu erleben, macht sie sich auf, den Fall zu lösen – während Caspar ihre Erlebnisse treu aufschreibt, dabei aber auch verheimlicht, was ihn überhaupt zu Renée führte …

Dieser historische Jugendkrimi klang für mich sofort interessant, weshalb ich froh war, dass er es tatsächlich war! Wobei mich nicht der historische oder der kriminalistische Teil am meisten begeisterten, sondern die beiden Hauptcharaktere: Renée und Caspar waren beide großartige Protagonisten, die nicht nur ein wunderbares Beispiel für Repräsentation waren, sondern auch die Vielschichtigkeit ihrer Persönlichkeit gut zeigten: Ich mochte es, wie abenteuerlustig und leidenschaftlich Renée war, aber auch ihre verletzliche und herzliche Seite zeigen konnte, wann immer es um ihre große Liebe Lisbeth ging; und mir gefiel Caspars erfrischende Sicht auf die Welt, seine anfängliche Vorsicht und seine spätere Entschlossenheit, sowie die Art und Weise, wie seine Vergangenheit in die Geschichte eingebaut wurde. Ich hoffe, bei einem zweiten Teil wird das auch mit Renée geschehen, weil es in ihrer Vergangenheit so einige Geheimnisse gibt, die mich interessieren!

Die beiden waren also definitiv ein Highlight, denn andere Charaktere stachen leider nicht allzu stark hervor; ich mochte Miriam, Hector und Klara sehr gerne, fand aber, dass es insgesamt zu viele Nebencharaktere gab. Es gibt zwar ein Personenverzeichnis, aber dadurch, dass ohnehin nur wenige Charaktere tatsächlich relevant sind, hätte ich lieber die Anzahl an Charakteren gekürzt und diesen dafür mehr Screentime gegeben.

Die eigentliche Handlung ist sehr spannend: Um den Fall aufzuklären, müssen Renée und Caspar so einige Male selbst am Gesetz kratzen, in verschiedene Gebäude einbrechen und Informationen sammeln. Hier war der historische Aspekt übrigens sehr gut umgesetzt; Stuttgart spielt in dem Roman eine wichtige Rolle und es war schön, die Beschreibungen der historischen Gebäude zu erleben. Die Geographische Gesellschaft existiert zwar nicht wirklich, aber die Ortschaften, die Renée und Caspar besuchen, dafür schon.

Apropos Geographische Gesellschaft: Hier ging die Geschichte in eine andere Richtung, als ich es erwartete, weil ich aus irgendeinem Grund überzeugt davon war, es würde neben dem historischen und kriminalistischen Aspekt noch einen fantastischen geben; das ist allerdings nicht der Fall und im Nachhinein frage ich mich, warum ich so fest damit rechnete. Übrigens überwiegt der kriminalistische Aspekt meiner Meinung nach; die vielen Mysterien um die Leiche und die Geographische Gesellschaft sorgen für einen Krimi, der einem vermutlich auch dann gefallen wird, wenn man mit historischer Literatur nicht viel anfangen kann.

Insgesamt also ein spannender Krimi, der nicht nur für Jugendliche geeignet ist!

Palace of Ink & Illusions, Band 2: Die Nacht des Verrats (Knisternde Romantasy von SPIEGEL-Bestsellerautorin Sabine Schoder)
437 Seiten

Der Wettbewerb der Musen geht für Liv und Flame weiter, die noch mehr als sonst darauf achten müssen, dass niemand ihre Gefühle füreinander entdeckt. Die letzten Prüfungen werden ihnen alles abverlangen, was sie haben, und noch viel mehr – denn die Vorhersage ihrer Zukunft hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert. Und dann ist da noch Erato, der seine eigenen Pläne zu haben scheint …

Der zweite Teil der Dilogie war leider ein hervorragendes Beispiel dafür, dass eine Geschichte noch so spannend und einnehmend sein kann, wenn das Ende (speziell: das Finale) mich enttäuscht. Denn bis dahin war ich ausgesprochen begeistert vom Buch – ich mochte die Chemie zwischen Liv und Flame, war SEHR investiert in Shellys und Sawyers dramatische Storyline und habe wegen ihnen sogar mehrere Tränen vergossen und mochte die letzten Prüfungen der Musen ebenfalls ausgesprochen gern. Ein paar kleinere Kritikpunkte hatte ich bis dahin zwar auch (so war ich zwar dankbar für Eratos begrenzte Screentime, fand aber, dass seine Prüfung etwas zu lange ging und hätte mir gewünscht, Vics und Violets Erlebnisse währenddessen zu erfahren), aber es waren verzeihliche Kritikpunkte, weil sowohl die Haupthandlung mit Liv und Flame als auch die Nebenhandlung mit Shelly und Sawyer so unglaublich gut umgesetzt war.

Aber dann kam das Finale, das mich leider sehr enttäuschte. Flame begeht hier einen absolut unverzeihlichen Vertrauensbruch, in dem er Liv dazu manipuliert, etwas absolut Abscheuliches zu tun (natürlich nur, um sie zu beschützen), ohne ihre eigene Meinung zu respektieren oder das Trauma, das er damit auslöst. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass mich kein Ende zufriedenstellen wird, denn diesen Vertrauensbruch konnte ich ihm nicht verzeihen und hätte an Livs Stelle vermutlich bewusst dafür gesorgt, dass er umsonst ist.

Flames Verhalten ist auch deshalb so enttäuschend, weil die Geschichte ihre feministischen Aspekte ansonsten sehr gut einbaut, bis Liv dann doch jegliches Recht, selbst zu entscheiden, entzogen wird, um sie stattdessen zu einer Aktion zu zwingen, die sie nicht begehen wollte. Dabei hätte es eine so viel bessere Lösung gegeben, in denen beide den Schlupfwinkel in den Regeln nicht erst im Epilog, sondern schon vorher realisiert hätten, um daraufhin gemeinsam zu entscheiden, ihn zu nutzen, statt zufällig festzustellen, dass er existiert. Dadurch wären beide aktiv ein Teil des Plans gewesen, was ich eindeutig bevorzugt hätte.

Die Twists im Allgemeinen, auch die gegen Ende, sind um Übrigen echt gut und es gab mehrere Stellen, bei denen ich ungläubig auf die Seiten gestarrt habe. Ich wünschte nur, ich hätte es nicht auf eine Weise tun müssen, die mir letztendlich einen beträchtlichen Teil des Lesevergnügens nahm.

Eine gute Reise, sogar eine, bei der ich Tränen vergoss, aber das Ziel hätte man meiner Meinung nach anders umsetzen müssen!

Die gestohlene Zeit
320 Seiten

Isaac hilft seinem Vater, dem Uhrmacher, der für den Big Ben zuständig ist, gerade dabei, die Uhr umzustellen, als sein Vater kurz eine der kleineren Glocken kontrollieren will. Doch er kommt nicht zurück und Isaac befürchtet, er könnte entführt worden sein. Hattie, die gerne auf die Dächer der Stadt klettert, bestätigt seine Vermutung, denn zur selben Zeit hat sie einen verdächtigen Mann beim Big Ben gesehen. Hängt die Entführung vielleicht mit der Dezimalzeit zusammen, die bald in Großbritannien eingeführt werden soll? Zusammen machen die beiden sich daran, die Hinweise zu entschlüsseln, die Isaacs Vater ihm hinterlassen hat …

Dieser Krimi hat mich mit der Fülle an interessantem Wissen, das er zu bieten hat, positiv überrascht! Denn eigentlich hatte ich „nur“ ein paar spannende Ermittlungen erwartet (die wir auch bekommen), aber nicht die vielen interessanten Fakten rund um das Thema Zeit, den Big Ben im Speziellen, aber auch darüber, wie in London ein Gesetz verabschiedet wird. Natürlich hat der Autor sich bei einigen Bereichen ein paar Freiheiten genommen, die er in den Anmerkungen am Ende auch ausführt, aber größtenteils entsprechen diese Fakten tatsächlich der Wahrheit, was sie umso faszinierender machte.

Neben dem Krimi, bei dem Isaac und Hattie verschiedenen Hinweisen nachgehen, war ich zum Beispiel sehr fasziniert von der im Buch diskutierten Idee, einen Vierundzwanzig-Stunden-Tag stattdessen in zehn Stunden aufzuteilen, mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. So gab es tatsächlich Länder wie Frankreich und China, die für eine gewisse Zeitspanne die Dezimalzeit benutzten, was mir neu war und was ich deshalb besonders interessant fand. Zwar stehe ich wie Isaac und sein Vater ganz hinter der bewährten Zeit, doch allein die Idee, sie anders zu messen, fand ich faszinierend.

All diese Informationsschnipsel fand ich sogar ein wenig interessanter als den Krimiaspekt, weil ich bei dem leider nicht so gut mitraten konnte. Das spannende Ende hat mir dafür sehr gefallen, nur der Weg dahin war für mich recht undurchsichtig.

Was die Charaktere angeht, bleiben die meisten recht eindimensional; nur die Hauptcharaktere und der Antagonist haben sich mir richtig eingebrannt, aber der Rest konnte bei mir keinen starken Eindruck hinterlassen. Insofern sind sie wohl eine Schwäche des Romans, aber zumindest eine, die mir zwar auffiel, mir aber nicht so viel ausmachte, weil die Handlung dafür gut umgesetzt war.

Was die äußerlichen Aspekte angeht, mochte ich lobend die Uhr erwähnen, die über jedem Kapitel eingezeichnet ist und mit jedem Kapitel von 11:01 bis 12:00 eine Minute vorrückt – ein cooles Konzept, das ich am liebsten in noch mehr Büchern lesen würde! Kritisch fand ich dafür die Diskrepanz zwischen dem Cover und den Illustrationen im Inneren; speziell Isaac sieht auf dem Cover überhaupt nicht so aus, wie er beschrieben und in den Illustrationen dargestellt wurde, was ich ein wenig irritierend fand.

Doch sind diese äußerlichen Aspekte letztendlich kein eigentlicher Teil der Geschichte – und diese ist speziell für wissbegierige Krimileser perfekt geeignet!

Three Shattered Souls
416 Seiten

Nach dem Ende des letzten Bandes fällt es den anderen schwer, ihren ursprünglichen Plan, Yusans Herrscher zu stürzen, in die Tat umzusetzen. Mikail muss sich damit auseinandersetzen, der wahre Herrscher Gayas zu sein. Aeri, die schon mit zwei Artefakten verschmolzen ist, muss sich langsam mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Royo hat Angst um sie, weil er fürchtet, dass Aeris neue Magie sie umbringen wird. Sora trauert um ihre Schwester und hat Angst, dass auch Tiyung in Gefangenschaft gestorben ist. Tiyung währenddessen hat sich mit Hana verbündet, um Sora wiederzufinden. Und alle bereiten sich darauf vor, die Könige Yusans zu stürzen …

Mit diesem Band kommt die „Five Broken Blades“-Trilogie zu einem insgesamt zufriedenstellenden Abschluss, auch wenn ich zugegeben muss, dass mir die Trilogie insgesamt „nur“ gut gefallen hat. Denn meiner Meinung hat sie sowohl eine große Stärke als auch eine große Schwäche: Die große Stärke sind meiner Meinung nach die Charakterbeziehungen. Auch in diesem Band haben mir sowohl die Romanzen als auch die Freundschaften sehr gefallen. Royo und Aeri sind in diesem Band die Hauptromanze und ihre Chemie ist wirklich großartig, während zwischen Sora und Mikael eine überraschende Freundschaft beginnt, die ich nicht kommen gesehen habe und die sich wunderbar entwickelte. Nur zwischen Tiyung und Sora hätte ich gerne mehr gesehen, weil sie für eine lange Zeit voneinander getrennt sind, aber auch nach ihrem Zusammentreffen erstaunlich wenig Zeit miteinander verbringen; so gut ich dafür Tiyungs beginnende Freundschaft zu Hana, einem anderen Giftmädchen, fand, habe ich mehr Szenen zwischen Sora und Tiyung vermisst. Davon abgesehen haben mir die Charakterbeziehungen allerdings sehr gut gefallen und sie sind meiner Meinung nach wie gesagt eine große Stärke des Romans.

Die große Schwäche währenddessen ist für mich der Schreibstil, der sehr schlicht ist und es sehr schwer macht, die Gefühle der Charaktere zu spüren. Allgemein hat der Schreibstil sie nicht klar voneinander abgegrenzt, sodass ich des Öfteren kurz zurückblättern musste, um mich daran zu erinnern, wer gerade erzählt. Aber selbst, wenn ich es wusste, schien es immer eine gewisse Distanz zwischen mir und den Charakteren zu geben; ich fieberte sehr mit den einzelnen Beziehungen mit, aber die Charaktere selbst blieben mir erstaunlich fern. Ein größerer Fokus auf ihr Innenleben wäre mir hier sehr willkommen gewesen.

Obwohl die Handlung manchmal vor sich hinplätscherte, machte mir das nichts aus, weil die Charaktere die Handlung auch so gut trugen; und dann haben wir natürlich das Ende, das leider nicht für alle gut endet, aber für mich trotzdem ein guter Abschluss war. Tatsächlich fand ich es gerade deshalb gut, weil es kein glückliches Ende für alle Charaktere und Paare gibt, sondern ein realistisches, das gut zu den Charakteren und den Entwicklungen der Handlung passt.

Insgesamt also eine Reihe, bei der mir vor allem die Charakterbeziehungen sehr gefallen haben, die aufgrund ihres schlichten Schreibstils aber vermutlich nicht für alle Leser:innen ansprechend sein wird.

Missing Page - Tödliche Worte
464 Seiten

Toni bekommt einen Platz in einem exklusiven Workshop, den der weltberühmte Autor Richard Erwin Giffard leitet. Dort behauptet sie, sich qualifiziertes Feedback zu wünschen, obwohl sie in Wirklichkeit ein Verbrechen plant. Zu aller Überraschung verkündet Giffard allerdings, dass mehr hinter dem Workshop steckt: Er ist ein Wettbewerb, bei dem der Gewinner nicht nur einen Buchvertrag und ein Preisgeld bekommt, sondern in Giffards Testament als alleiniger Erbe eingesetzt wird. Doch bald darauf wird Giffard tot aufgefunden und ein Sturm kapselt Toni, die Teilnehmenden und die Bediensteten von der Außenwelt ab. Toni und die Teilnehmenden nutzen die Gelegenheit, um Giffards Tod näher zu untersuchen – doch mit jedem Indiz verhärtet sich Tonis Angst, dass sie selbst es war, die Giffard während ihres Schlafwandelns umgebracht hat …

„Hotel Ambrosia“ gehörte zu meinen absoluten Lieblingsthrillern im letzten Jahr, weil er so voller überraschender Twists war, und obwohl „Missing Page“ nicht dieselbe Art an Was-zur-Hölle-Twists hatte, hatte es immer noch eine spannende Geschichte, die durch viele, viele Details zusammengefügt wurde.

Und diese Details waren für mich das Beste an der Geschichte. Die vielen Mysteryelemente waren so wundervoll miteinander verwoben, dass ich das Buch am liebsten noch einmal lesen würde, um dieses Mal noch mehr auf die vielen Details zu achten, die ich beim ersten Lesen übersah. Ich bin immer noch ganz begeistert davon, wie viele Dinge miteinander zusammenhingen, die mir nicht auffielen, obwohl sie im Nachhinein ein so passendes Puzzle ergaben. (Spezielle Erwähnung verdient die Art und Weise, wie Toni den Fall auf äußerst ungewöhnliche und sehr zufriedenstellende Weise gelöst hat.)

Die anderen Teilnehmenden – George, Parker, Nessa, Milo und Susmita – sowie die Bediensteten bleiben mehr oder weniger zweidimensional, mit festen Charaktereigenschaften, die es leicht gemacht haben, sich die einzelnen Charaktere zu merken, was sowohl ein Plus- als auch ein Minuspunkt war: Mir gefiel es sehr, wie mühelos ich den Überblick über alle Charaktere behalten konnte, weil mir das oft schwer fällt, aber gleichzeitig hätte ich mir gerne noch mehr Tiefe von allen gewünscht. Beziehungsweise bekommen die Charaktere durchaus Tiefe, aber diese ist größtenteils mit Twists verbunden – und ich hätte mir gerne abgesehen von den Twists noch mehr Tiefe gewünscht. (Davon abgesehen waren die Charaktere allerdings sehr sympathisch.)

Die Entwicklung der Handlung war großartig, zunächst mit einer klassischen Mystery, die dann immer mehr Schichten bekommt, bis sie am Ende äußerst zufriedenstellend aufgelöst wird. Es gibt so einige dramatische Momente und ich liebte es, wie sehr Tonis Bindung zu ihrer Mutter, die Probleme mit ihrer Geschichte, ihr Schlafwandeln, ihre Ermittlungen und ihre süße Romanze mit George gehandhabt wurden. Es war leicht, mit ihr mitzufiebern, weil sie so eine großartige Protagonistin war.

Insgesamt ein sehr guter Thriller, der seine losen Fäden unglaublich gut miteinander verknüpft und mir sehr viel Spaß gemacht hat!

Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Weiße Nächte
606 Seiten

Mehrere Selbstmorde wecken Harry Dresdens Aufmerksamkeit, denn so offensichtlich sie zunächst scheinen, verrät ihm eine geheime Nachricht an den Tatorten, dass es sich um Morde handelt: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ Zusammen mit Murphy, die zum Sergeant degradiert wurde, und Molly, seinem sich überall einmischenden Lehrling, ist Harry entschlossen, die Morde aufzulösen, bevor noch mehr begangen werden – doch ausgerechnet Thomas, sein Bruder, wird schnell zum Hauptverdächtigen. Was genau plant er und was genau planen die Vampire? Harry ahnt, dass weitaus mehr dahinter steckt, als es zunächst den Anschein hat …

Die Harry-Dresden-Bände werden mit jedem weiteren Band immer spaßiger zu lesen und das trifft auch auf diesen hier zu. Jim Butchers Humor ist zugegeben nicht für jeden geeignet (mich persönlich störten die drei, vier Szenen, in denen auf Kosten bestimmter Personengruppen ein Witz gemacht wurde), aber ich persönlich mochte ihn insgesamt sehr, weil er Harry zu einem so sympathischen und coolen Charakter machte. Der Spaßfaktor ist schlicht sehr hoch und das macht den Band so gut zu lesen.

Aber es ist nicht nur der Humor, der überzeugt: Ich war besonders investiert in den Fall, weil er sich dramatischer und persönlicher anfühlte als die vorherigen – nicht nur aufgrund der scheinbaren Selbstmorde, die mit dem richtigen Drama erzählt werden, sondern auch aufgrund Harrys persönlichem Bezug zum Fall, bei dem ich gespannt war, inwiefern Thomas involviert ist.

Davon abgesehen bleibt der Roman stets spannend: Harrys Nachforschungen, seine Lehrer/Schüler-Beziehung zu Molly, Elaines Rückkehr, die dämonische Lasciel und die vielen falschen Fährten hielten mich ordentlich auf Trab, zumal es auch oft Action-Szenen gibt, die sehr gut beschrieben wurden. Das Finale muss ich dabei hervorheben, denn dieses war einfach episch gestaltet!

Ein wenig mehr hätte ich mir von Thomas gewünscht, aber ansonsten war ich zufrieden damit, wie die Charaktere in diesem Band balanciert wurden. Ein Charakter, der mich dabei positiv überraschte, war Ramirez, weil er bei mir bisher keinen Eindruck hinterließ, in diesem Band aber ordentlich scheinen konnte.

Was kann ich sagen, wie immer ein sehr spannender Harry-Dresden-Band, der mir sehr gut gefallen hat!

Murdle Mystery
240 Seiten

Logico ist erfreut, das Deduction College zu besuchen, doch womit er nicht gerechnet hat, sind die vielen Mysterien, die die Schule betreffen. Wer ist der mysteriöse Boy, der auf dem Campus herumschleicht? Plant Dame Obsidian wieder einen Mord? Wer gewinnt das Schachboxturnier? Inwiefern ist die Intuitive Inquisition Teil des Komplotts? Und wie wurde das Deduction College überhaupt gegründet? Diese und viele weitere Fragen muss Logico beantworten, während er zahlreiche Mörder überführen muss …

Ich habe dieses Rätselbuch bereits auf Englisch gelöst, doch weil mir die Murdle-Reihe im Allgemeinen und dieser Band im Besonderen so viel Spaß machte, freute ich mich, ihn noch mal auf Deutsch zu machen. Vieles hatte ich auch noch in Erinnerung, aber einiges nicht mehr, weshalb es erfrischend war, die Puzzleteile wieder zusammenzufügen.

Die Rätsel selbst sind für mich inzwischen zu einfach, weshalb ich die Extra-Aufgaben wie z.B. die zu lösenden Codes umso mehr mochte. Was mich dafür sehr gut gefallen hat, waren die kleinen Mini-Storylines, in die ich erstaunlich investiert war und bei denen es Spaß machte, in den Kurzbeschreibungen der einzelnen Orte und Gegenstände nach Hinweisen zu suchen. Sie sind immer noch mein liebster Teil der Murdle-Reihe, weil sie nicht nur für großartige „Oha!“-Momente sorgen, sondern die Rätsel zu so viel mehr machen als schlichten Logikpuzzles. Neben dem ersten Band mochte ich diesen hier am meisten, einfach, weil die einzelnen Geschichten so gut waren.

Was ich jedoch erwähnen möchte, ist, dass dieser Band nicht unbedingt für Einsteiger geeignet ist, weil er zeigt, wie viele bekannte Charaktere aus den anderen Teilen sich bis zu dem Punkt entwickelten, an dem wir sie in den originalen Teilen kennenlernen. Dieser Aspekt hat das Buch auf jeden Fall bereichert, sollte deswegen aber auch erst nach mindestens einem Murdle-Teil gelöst werden, damit man die ganzen Referenzen versteht.

Davon abgesehen haben wir aber einen unterhaltsamen Rätselband, der speziell für Murdle-Fans geeignet ist!

Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
465 Seiten

Auf Jobsuche trifft Sylvia zufällig auf Adam Barnett, der dringend jemanden braucht, der sich um seine Frau Victoria kümmert. Diese ist nach einem Unfall zu einem Pflegefall geworden, spricht so gut wie nicht und ist auch kaum ansprechbar. Sylvia zögert, doch weil sie die gute Bezahlung dringend braucht und der Job nicht allzu kompliziert scheint, nimmt sie ihn an. Victorias Situation bestürzt Sylvia zutiefst – vor allem, als ihr bewusst wird, dass Victoria nicht ganz so abwesend ist, wie es scheint, denn sie macht Sylvia auf ihr Tagebuch aufmerksam, in dem sie und Adams Geschichte verschriftlicht hat. Und Sylvia ahnt, dass in diesem Tagebuch entweder die Wahrheit über das steht, was Victoria passiert ist – oder eine einzige große Lüge …

Freida McFadden steht für mich für lockere, spannende Thriller mit guten Twists, die zugegeben mal besser und mal schlechter sind, aber zu meiner Freude war „Die Ehefrau“ einer, der mir sehr viel Spaß gemacht hat!

Das Ausgangsszenario ist bereits sehr spannend und hat mich sofort fragen lassen, inwiefern Victorias Tagebuch wohl zu trauen ist – im Grunde, ob die Geschichte in die Gone-Girl-Richtung mit dem falschen Tagebuch gehen würde oder die Länge der Einträge eher dafür spricht, dass sie wahr sind. Hier ist es McFadden wirklich hervorragend gelungen, Hinweise in beide Richtungen zu streuen und die Diskrepanz zwischen der Vergangenheit und Gegenwart so groß zu halten, dass ich bis zum Ende wirklich nicht sicher war, welche Sichtweise am Ende stimmen würde.

Einen kleinen Teil der Handlung konnte ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrung mit McFadden-Thrillern sogar vorhersehen, aber wie gesagt betrifft das nur einen kleinen Teil und nicht die Haupthandlung, die wunderbar undurchsichtig war.

Victorias Tagebucheinträge fand ich interessanter als Sylvias Gegenwart, denn obwohl es in beiden Teilen der Handlung spannende Elemente gibt, fand ich, dass Sylvias Alltag ein wenig zu langgezogen wurde. Ich habe zwar immer noch mitgefiebert, weil das Mysterium um Victoria mich so fesselte, aber das lag eher an den Tagebucheinträgen und nicht an Sylvias Erkundungen. Hier finde ich, dass man die Handlung etwas hätte straffen können, um die Spannung noch höher zu machen.

Gut fand ich, dass Sylvia eine eigene Vergangenheit mit ihrem Exfreund Freddy hatte, der sie unbedingt zurückgewinnen will. Ich habe lange überlegt, wie Freddy wohl in die Haupthandlung eingebaut werden würde und war insgesamt zufrieden mit seiner Rolle.

Das Ende ist etwas plötzlich, aber trotzdem spannend und passend für die Geschichte. Für manche Charaktere hätte ich mir gerne ein anderes Ende gewünscht, aber gleichzeitig war es (leider) realistisch, dass nicht jeder ein gutes Ende findet. Insgesamt betrachtet war dieser Thriller auf jeden Fall gut zu lesen, hatte eine gute Mystery und war schlicht ein sehr guter McFadden-Thriller!

Sparking Fire Out of Fate
401 Seiten

Endlich sind Tycho und Jax wiedervereint und werden sogar zusammen mit anderen Soldaten auf eine Mission geschickt, doch ihre lange Trennung hat eine Distanz zwischen ihnen geschaffen, die unüberbrückbar zu sein scheint. Auch Callyn und Alek sind nach der Enthüllung von Callyns Magie voneinander getrennt, werden aber zusammengeführt, um einen Auftrag für die Königin zu erfüllen. Auf dem Weg begegnen sie einer Scraver, die sie dazu anhält, Tycho zu finden, der einem anderen Scraver helfen soll. Gleichzeitig planen die Truthbringer, jeden auszulöschen, der Magie in sich trägt …

Mit diesem Band wird die Geschichte um Tycho, Jax, Callyn und Alek abgeschlossen und das glücklicherweise sehr zufriedenstellend. Beide Paare haben erst einmal ihr eigenes Abenteuer mit eigenen Problemen, bevor sie relativ spät aufeinandertreffen, um sich auf das Finale vorzubereiten. Was ihre eigenen Handlungsstränge angeht, war ich vor allem in Callyns und Aleks Storyline investiert, weil ihre Beziehung so faszinierend und komplex war, vor allem, weil der Konflikt zwischen ihnen so gut geschrieben war. Aber auch die Handlung allgemein war bei ihnen stets spannend, sodass es mir leichtfiel, mit ihnen mitzufiebern.

Bei Tycho und Jax dauert es dafür eine ganze Weile, bis ich in ihren Handlungsstrang reinfand, weil die Distanz zwischen den beiden so traurig zu lesen war und das Eifersuchtsdrama mich ganz schön frustriert hat. Hier hätte es mir gereicht, hätte Kemmerer auf das angedeutete Liebesdreieck verzichtet und sich ganz auf Tychos und Jax‘ Beziehung fokussiert, vor allem, weil diese tatsächlich sehr einnehmend zu lesen war, sobald sich die Wogen zwischen ihnen glätteten.

Obwohl die beiden Parteien wie gesagt recht spät aufeinandertreffen, bekommen die Charaktere größtenteils trotzdem genug Zeit, sich danach miteinander zu arrangieren; hier war es sehr erfrischend, dass ihre Antipathie zueinander (vor allem zwischen Alek und Tycho & Jax) nicht einfach verschwunden ist, sondern tatsächlich aufrechterhalten wurde, während die Charaktere gleichzeitig wussten, dass sie trotzdem zusammenarbeiten müssen, um etwas zu erreichen. Nur zwischen Jax und Callyn hätte ich mir eine ausführliche Szene gewünscht, in der sie sich aneinander anvertrauen, weil sie ebenfalls lange voneinander getrennt waren und schließlich Freunde sind.

Insgesamt empfand ich diesen Abschlussband als nicht so episch wie den ersten, aber aufgrund der Charakterbeziehungen besser als den zweiten, zumal er den Charakteren ein so zufriedenstellendes Ende gab. Die ganze Reihe war letztendlich eine gute Fantasytrilogie, die vor allem für diejenigen gut geeignet ist, die einen Fokus auf Charakterbeziehungen mögen!

Stadt der Sänger und Verschwörer (Stadt der Magier 2)
449 Seiten

Cor soll von der Magierin Maestra Carmen Ascendi ausgebildet werden. Ro, seine beste Freundin, begleitet ihn, obwohl sie selbst keine magischen Kräfte hat. Zunächst hat sie Schwierigkeiten, sich in der Familie einzugliedern, weil sie nicht von allen Familienmitgliedern akzeptiert wird, aber als Maestro Ascendi ihre Begabung für Gerüche entdeckt und Ro selbst die Kommunikation mit den Familienmitgliedern sucht, verbessert sich ihre Situation. Zusammen mit Cor will sie die „graue Krankheit“ untersuchen, die in der Stadt ausgebrochen ist und deren Ursprung niemand bestimmen kann. Im Geheimen helfen sie der Bevölkerung, während sie ihre Nachforschungen anstellen …

Obwohl ich es persönlich besser fände, den zweiten Band mit dem Wissen des ersten Bandes zu lesen, ist es nicht zwingend notwendig, weil Ros und Cors Abenteuer hier recht abgeschnitten von ihrem ersten ist. Leider ist es auch ein schwächeres Abenteuer, bei dem mich einige Aspekte gestört haben.

Zunächst einmal ist die Handlung zu langgezogen. Teils folgen wir Ros Ausbildung und ihrer wachsenden Bindung zu der Ascendi-Familie, teils ihren Untersuchungen mit Cor bezüglich der grauen Krankheit. Beide Aspekte an sich waren gut umgesetzt; ich mochte es, wie Ro speziell mit Livia eine langsame Freundschaft aufbaute, gerade, weil ich das nicht erwartete und es Ros Freundlichkeit hervorhob. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeit entdeckt und einsetzt, war ebenfalls hervorragend und sehr zufriedenstellend zu verfolgen, nachdem sie sich so lange danach sehnte, sich zu beweisen. Der Krimi-Aspekt war ebenfalls interessant, weil ich neugierig mitriet, wie genau die Krankheit wohl ausgebrochen ist und es liebte, Ro und Cor dabei zu verfolgen, wie sie verschiedenen Familien helfen. Doch obwohl all diese Handlungselemente einzeln betrachtet sehr gut umgesetzt waren, waren die einzelnen Handlungsstränge wie gesagt zu lang, zu langsam erzählt und mit vielen Wiederholungen, was die einzelnen Aspekte angeht. Hier finde ich, dass man einen beträchtlichen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne den Charakteren und ihrer Entwicklung zu schaden.

Apropos: Ro und Cor waren mir sympathisch, aber es fiel mir ein wenig schwer, mich in Ro hineinzuversetzen. Sie kam mir seltsam distanziert vor; ihre Handlungen machten sie liebenswürdig, aber ihre Gefühle kamen für mich nicht richtig rüber. (Mit einigen wichtigen Ausnahmen wie ihrem Trauma, das die Altersempfehlung aus gutem Grund für Kinder ab 12 Jahren ansetzt.) Was mich sehr überraschte, war im Übrigen ihre Beziehung zu Cor – für den Großteil des Romans wird hervorgehoben, dass sie ihn wie einen Bruder sieht, weshalb es für mich sehr plötzlich kam, als sich diese Gefühle auf einmal in romantische verwandelten. Allerdings war ihre Beziehung trotzdem sehr einnehmend und eindeutig eine Stärke des Romans.

Die anderen Charaktere machten größtenteils einen guten Eindruck, mit einer wichtigen Ausnahme: Maestra Ascendi, die leider sehr viel unsympathischer als Jonathan Fossell aus dem ersten Band war. Sie hatte zwar ihre positiven Momente, aber für mich reichte das nicht, um sie zu einem sympathischen Charakter zu machen; tatsächlich fand ich sogar, dass die Charaktere ihrem Verhalten gegenüber nicht kritisch genug waren. Denn Maestra Ascendi war nicht nur übermäßig streng, sondern sogar gewalttätig gegenüber ihren Lehrlingen, was von ihnen aber nie so negativ wahrgenommen wurde, wie ich es empfand. Das steht im starken Kontrast zu Jonathan Fossell, dessen väterliche Rolle im ersten Band mir sehr viel besser gefiel.

Insgesamt also ein zweiter Band, der zwar seine Stärken hatte, aber auch wichtige Schwächen, die leider nicht ausgeglichen wurden.