Bücherregal lädt …
Alexander
160 Seiten

Nachdem Kalistes tyrannischer König gestürzt wurde, sucht die Bevölkerung nach einem Weg, gerechte Gesetze zu etablieren. Die Bewohner kommen zu dem Schluss, dass nur ein Kind eine Lösung finden kann und wählen Alexander aus, nachdem dieser das Sphinx-Rätsel gelöst hat. Er macht sich auf eine Reise auf und begegnet dabei vielen verschiedenen Gestalten. Ob nun ein Modeschöpfer, ein Philosoph, ein Orakel oder eine Leserin: Sie alle haben ihre eigene Sichtweise, die Alexander zeigt, was wirklich wichtig ist …

Dieses schöne Kinderbuch erzählt ganz wunderbar davon, welche Werte in einer Demokratie vonnöten sind, um diese zu erhalten und das auf eine Art und Weise, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gut zu lesen ist. Für Erwachsene sind die Gesetze, die Alexander vorgeschlagen werden, natürlich offensichtlich, aber trotzdem wertvoll und für Kinder ohnehin wichtig. Zudem war es so oder so schön, sich selbst daran zu erinnern, welche Gesetze in einer Demokratie gelten sollten. Aber das, was mir wirklich gefiel, waren die viele subtilen Momente und Anmerkungen, die nur Erwachsene in ihrer Vollständigkeit verstehen (z.B. als Alexander auf den Philosophen Diogenes trifft).

Jeder Charakter hinterlässt hierbei einen starken Eindruck, was vor allem wegen ihrer begrenzten Screentime sehr beeindruckend ist. Mein persönlicher Liebling war das Orakel, aber sicher wird jeder seinen eigenen Lieblingscharakter finden können, weil sie alle nicht nur wichtige Lektionen mitgeben, sondern allgemein erinnerungswürdig geschrieben sind.

Den besten Vergleich, den ich bringen kann, ist „Der kleine Prinz“, weil speziell Alexanders Reise und sein Treffen auf verschiedene Charaktere mich ein wenig an die Reise des kleinen Prinzen erinnerte – mit dem Unterschied, dass Alexander tatsächlich wichtige Informationen erhält. Meine einzige Kritik besteht daraus, dass ich mir gerne noch mehr Diversität von den Charakteren gewünscht hätte, weil gerade Randgruppen die Vorzüge der Demokratie nicht so sehr genießen, wie sie es verdienen; hier finde ich, dass es noch effektiver gewesen wäre, ebenjene Randgruppen zu Alexander sprechen zu lassen (obwohl die Lektionen natürlich unabhängig von der Person, die sie vorträgt, wichtig sind).

Insgesamt eine schöne, kurzweilige Geschichte über Demokratie, die nicht nur für Kinder geeignet ist!

Magic of Moon and Sea. Die Königin der Glasinsel
305 Seiten

Auf der Suche nach ihrem Vater gerät Ista auf die Glasinsel, wo auch der Spion Tamlin lebt. Hier findet sie heraus, dass ihr Vater bei den Lustbarkeiten ist – ein endloses Fest, das die neue Königin der Sumpfspinner benutzt, um Menschen zu ködern. Nur, wenn Ista, Nat und Ruby es ebenfalls riskieren, an den Lustbarkeiten teilzunehmen und die Spiele der Königin zu bestehen, können sie Istas Vater befreien – doch Tamlin macht deutlich, dass das nicht einfach sein wird …

Den ersten Teil habe ich damals mit viel Begeisterung gelesen, weil er so viele unerwartete Twists hatte, aber der zweite Teil ist um einiges schlichter aufgebaut. Es gibt immer noch ein, zwei Überraschungen, aber die Handlung insgesamt ist recht geradlinig und braucht zudem eine Weile, um in Gang zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert, wobei das teils auch ein positiver Punkt ist: So lernen wir nämlich speziell Tamlin besser kennen und diese Zeit war sehr gut investiert.

Denn obwohl Ista, Nat und Ruby das Haupttrio sind, war Tamlin mit Abstand der faszinierendste Charakter, sehr vielschichtig und undurchschaubar, was seine Ziele betrifft. Denn wir als Leser:innen merken schnell, dass er etwas vor uns verbirgt – aber was es ist und auf welcher Seite er letztendlich steht, bleibt lange ein Geheimnis und das hat mir sehr gefallen. So habe ich selbst dann mit der Handlung mitgefiebert, als sie selbst nicht allzu spannend war: Weil Tamlin und sein undurchsichtiger Charakter sie trotzdem spannend gemacht haben.

Bei dem Rest der Handlung fehlte mir dagegen manchmal die Relevanz zur Hauptstory, speziell am Anfang, als Nat und Ruby erst einmal nach Ista suchten, während Ista andere Bewohner der Glasinsel kennenlernte. Hier finde ich, dass man die Handlung hätte kürzen können, indem Nat und Ruby von Anfang an Teil der Partie gewesen wären, auch wenn es mir gefiel, auf diese Weise mehr von Alexo Rokis zu sehen.

Der beste Teil war definitiv das Ende, als die Charaktere alle bei den Lustbarkeiten sind, wo sie in konstanter Gefahr schweben; hier fieberte ich sehr stark mit, weil ich wissen wollte, wie die Charaktere der Königin ein Schnippchen schlagen wollen. Doch insgesamt empfand ich diesen Teil als schwächer, weil ihm die Komplexität und die vielen Twists des ersten Teils fehlten. Als Geschichte selbst war er allerdings immer noch in Ordnung.

Magicalia
336 Seiten

Bitsy ist schockiert, als ihr Vater von einer Frau mit einer seltsamen Kreatur entführt wird. Bei der Kreatur handelt es sich um einen Magicore – ein Wesen, das aus einem bestimmten Gefühl heraus entsteht. Die Entführerin, Melasina Spires, verlangt von Bitsy, ihr Arkwoods Kreiselrad zu besorgen, wenn sie ihren Vater retten will. Dafür müssen Bitsy und ihr bester Freund Kosh nicht nur lernen, wie man Magicores beschwört, sondern auch eine Schnitzeljagd durch verschiedene Städte bewältigen, um Arkwoods Kreiselrad zu finden …

Am Anfang hat mich dieses Kinderbuch erst mal ganz schön überfordert, denn es gibt wirklich sehr viel Infodump bezüglich der Magicores, den ich mir nicht einmal ansatzweise komplett merken konnte. Ich hatte sofort das Gefühl, dass diese Informationen flüssiger hätten eingebaut werden können (ähnlich wie die späteren Wesen, die nach und nach erscheinen), weil die Art und Weise, wie sie präsentiert sind, ein wenig zu viel auf einmal war.

Doch das, was sie beinhalten, war mit Abstand die größte Stärke des Romans: Die verschiedenen Magicores. Sie waren unglaublich kreativ, gut beschrieben, hatten coole Fähigkeiten und deren Bindung zu verschiedenen Emotionen war ebenfalls fantastisch umgesetzt. Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es eine kleine Zeichnung von einem bestimmtem Magicore (der in der Regel auf für das Kapitel relevant ist) und es hat mich sehr begeistert, sie in die Handlung eingebaut zu sehen. Das ganze System war um einiges tiefer, als ich es erwartet habe und das hat es so fantastisch gemacht.

Die Schnitzeljagd gefiel mir ebenfalls gut, auch wenn sie durchaus Szenen hatte, die sich ein wenig zogen. Es war einfach spaßig, Bitsy und Kosh dabei zuzusehen, wie sie die verschiedenen Aufgaben zusammen bewältigen – auch, wenn ich zugegeben muss, dass sie als Charaktere nicht besonders hervorstachen. Ja, ich mochte ihre Freundschaft, aber im Vergleich zu den Wesen, die sie heraufbeschwören, blieben sie relativ blass. Das trifft auch auf die anderen Charaktere zu, von denen ich gerne mehr gesehen hätte, weil die Geschichte zu stark von der Handlung lebt.

Apropos: Natürlich gab es auch zwei, drei Twists, wobei ich ironischerweise den Endtwist bereits sehr früh erahnte, den Mitteltwist allerdings nicht kommen sah. Sie waren auf jeden Fall nett und haben die Handlung bereichert.

Insgesamt also ein Buch, das vor allem durch seine Kreativität hervorsticht!

Die Jagd nach den magischen Münzen
273 Seiten

Bo hört das Flüstern der Themse, bevor sie in deren Schlamm eine silberne Münze findet, die sie an den Mond erinnert. Sie spürt sofort, dass sie etwas Besonderes ist und weigert sich, sie zu verkaufen, als der zwielichtige Muncaster ihr viel Geld dafür anbietet. Zusammen mit Billy, Muncasters Diener, findet sie heraus, dass es auch eine Sonnenmünze gibt, sowie eine Ballade, die verrät, wie man die beiden Münzen zusammenführen muss, um einen geliebten Menschen wiederzubeleben. Billy, der hofft, so seine Mutter zurückzubekommen, möchte Bo helfen, die zweite Münze zu finden, muss sich jedoch auch vor Muncaster in Acht nehmen …

Dieses Kinderbuch war überraschend emotional, auf mehr als eine Weise! Es ist eine teils historische, teils magische Geschichte, die kein klassisches Abenteuer erzählt, sondern eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und Loslassen. Aus diesem Grund habe ich die Geschichte teils als langsam empfunden, weil es nicht immer spannend war, sondern der Fokus ganz klar auf den Charakteren und deren Beziehungen lag.

Natürlich stechen vor allem Bo und Billy positiv hervor, aber auch Miss Cressant und Eddie mochte ich ganz gern, obwohl sie teils nicht viel Screentime haben. Man könnte auch sagen, dass nicht zwingend die Charaktere interessant sind, sondern die Bindungen zwischen ihnen und das, was sie voneinander lernen.

Auch der Schreibstil und die Atmosphäre, die sie einfängt, sind sehr schön, wobei ich hier auch lobend das Cover erwähnen möchte, dass das Ambiente des Buches fantastisch einfängt.

Gegen Ende gab es ein paar überraschende Twists, mit denen ich nicht gerechnet habe, obwohl sie im Nachhinein sehr logisch waren. Das emotionale Ende und das Lied der Themse, das uns danach gezeigt wird, haben mir sehr gefallen, doch gleichzeitig bin ich mir sicher, dass gerade die Zielgruppe eventuell nicht zufrieden damit sein wird. Diese Geschichte ist wie gesagt kein klassisches Fantasyabenteuer, sondern vor allem ein gefühlvoller Roman!

Firewatch
451 Seiten

Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …

Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.

Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.

Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.

Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!

Ich rede, also bin ich
272 Seiten

Sprache gehört zu unseren wichtigsten Werkzeugen, doch nur selten nehmen wir uns Zeit, über ihre Merkwürdigkeiten nachzudenken. Wie lernen wir überhaupt sprechen? Wieso haben sich Dinge wie Witze, ironische Bemerkungen und Füllwörter im Lauf der Zeit etabliert? Wieso vergessen wir im Alter so vieles, was mit Sprache zusammenhängt? Diese und noch mehr Fragen zu Sprache beantwortet Julia Mailänder kurz und knackig in ihrem Sachbuch.

Was mich dabei besonders faszinierte, waren die Antworten zu den Fragen, die ich mir selbst nicht gestellt hatte. Warum sagen wir überhaupt so etwas wie „Du bist so süß, ich könnte dich auffressen!“? Warum führen wir Selbstgespräche? Gibt es eine Ursprache und wieso wurde ausgerechnet Englisch zu einer der weit verbreitetsten? Das alles waren Fragen, die ich mir nicht bewusst gestellt hatte, deren Antwort ich dann aber unbedingt wissen wollte, weil es so faszinierend war, über die Entstehungsgründe nachzudenken.

Die kurzen Kapitel machten es einfach, schnell ein Thema in sich aufzusaugen und gleich zum nächsten zu springen; zwar wünschte ich mir beizeiten durchaus, Mailänder wäre ausführlicher auf gewisse Fragen eingegangen, aber gleichzeitig machte es das Format einfach, kurze und prägnante Antworten auf sie zu finden, statt sich in Ausschweifungen zu verlieren.

Wer auch nur ein kleines Interesse an Sprache hat, wird mit diesem Sachbuch eine interessante Lektüre finden, die sowohl offensichtliche als auch nicht ganz so offensichtliche Fragen zur Sprache gut beantwortet!

Spiegelland
560 Seiten

Nachdem Elias Mist gebaut hat, flieht er zu seiner Oma Cato, die ihm durch ihre eigene Geschichte bewusst macht, dass Elias noch viel zu lernen hat. Sechsundzwanzig Jahre früher: Cato flieht zusammen mit Elias‘ damals noch zwölfjähriger Mutter Kira vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Im Moor hat sie eine Hütte geerbt, in der sie sich sicher fühlt – und wo die beiden eine ungewöhnliche Entdeckung machen: Ein Wandteppich mit merkwürdigen Symbolen, die eine lange vergangene Geschichte erzählen. Während Cato sich ein neues Leben aufzubauen versucht und hofft, dass ihr Ehemann sie nicht findet, forscht sie nach, was wirklich das Geheimnis des Moors ist …

Ich habe mich am Anfang unglaublich schwer damit getan, in das Buch reinzukommen, weil zum einen die Anfangssituation mit der gewalttätigen Ehe sehr deprimierend beschrieben war und zum anderen erst mal nicht allzu viel passierte. Gerade, wie realistisch der erste Punkt dargestellt wurde, hat mich ganz schön runtergezogen, obwohl er natürlich ein Pluspunkt für den Realismus der Handlung ist. Zusätzlich jedoch gab es neben Elias und Cato (wobei letztere definitiv die wichtigste Rolle hat) auch noch einen dritten Handlungsstrang mit Aletta, der Mitte der achtzehnten Jahrhunderts spielt und mich am Anfang so wenig interessierte, dass die Handlung sich immer so anfühlte, als würde sie zum Stillstand kommen, sobald es um ihre Sichtweise ging.

Erst, als beide Frauen in ihrer jeweiligen Zeitlinie eine Entdeckung im Moor machten (nach circa 200 Seiten), nahm die Geschichte Fahrt auf und ich wurde sehr investiert in alle drei Handlungsstränge. Der Spannungsfaktor, der durch den Fund und die etablierten Beziehungen entstand, trieb mich zum Weiterlesen an: Ich wollte wissen, wie Cato sich ein neues Leben aufbaut und wie es ihr gelingt, ihren Mann Sven hinter sich zu lassen, wie Elias aus seinen Fehlern und den Fehlern des Patriarchats lernt und wie Aletta ihre Dorfgemeinschaft, aber auch ihre wachsende Liebe zu Krischan schützen kann. Zwar hatte Aletta für mich immer noch am wenigsten Relevanz, aber natürlich werden alle drei Handlungsstränge letztendlich zufriedenstellend miteinander verwoben.

Die Beziehungen zwischen den Charakteren – sowohl die Romanzen als auch die familiären Bindungen – waren gut umgesetzt und kamen zusätzlich mit einer guten Botschaft daher, bei der ich sogar lange zweifelte, ob sie sich wirklich durchsetzen würde können. Der Teil der Handlung nach dem Fund war im äquivalenten Masse spannend (durch die Androhung von Svens Erscheinen) und ruhig (durch den Wiederaufbau eines neues Lebens für Cato und ihre Tochter). Dieser Handlungsstrang faszinierte mich definitiv am meisten und ich bin froh, dass er auch am meisten Aufmerksamkeit bekam.

Allzu große Überraschungen gibt es nicht, obwohl die Geschichte auch nicht SO vorhersehbar ist, wie es zunächst den Anschein hat. Letztendlich lohnte sich die Lektüre für mich, weil mir die Handlungs- und Charakterentwicklung so gefiel, aber alle anderen Leser:innen sollten bedenken, dass es dafür eine ganze Weile braucht!

Einatmen. Ausatmen.
256 Seiten

Marlene soll die nächste CEO ihrer Firma werden, doch davor muss sie ein Achtsamkeitsseminar hinter sich bringen, weil es ihr an empathischen Fähigkeiten mangelt. Die Achtsamkeitsanstalt wird von Alex geführt, der gerade eine schwierige Zeit in seinem Leben durchmacht, mit Marlene aber eine Gelegenheit bekommt, sein Unternehmen zu retten: Gelingt es ihm, ihr zu helfen, bekommt sein Unternehmen die Förderung, die es so dringend braucht. Marlene derweil hat keine Lust auf all diesen Unsinn, doch als sie eines Tages im Wald verloren geht und mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird, ändert sich ihre Sichtweise dramatisch …

Schon am Anfang weiß man, worauf man sich einlässt und es ist trotz ein, zwei überraschender Entwicklungen klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Wir folgen sowohl Marlene als auch Alex und wie sie mit ihrem jeweiligen Trauma umgehen, sich dabei viele psychologisch-philosophische Fragen stellen und ihren eigenen Weg zu finden versuchen. Wohin genau dieser geht, ist wie gesagt relativ klar – doch die Umsetzung und der Mangel einer Romanze hat die Geschichte trotzdem erfrischend gemacht.

Ich konnte mich überraschend gut in die kritische Marlene hineinversetzen, obwohl ich definitiv nicht mit ihren Sichtweisen übereinstimmte. Ihre Freundschaft zu Alex und vor allem die zu Mattissen, dem Hausmeister, haben mir sehr gefallen und ich fand es vor allem gut, dass hier eine vorhersehbare Romanze vermieden wurde. Allgemein ist ihre Entwicklung sehr zufriedenstellend zu verfolgen, selbst wenn man schon vorher weiß, wohin sie geht.

An Alex musste ich mich erst gewöhnen, weil ich mich nicht gut in seine anfänglichen Probleme hineinversetzen konnte (in seinem Fall eine romantische Beziehung zu einer Teilnehmerin), doch sobald die dreizehnjährige Connie die Bühne betritt, beginnt eine einnehmende Vater-/Tochter-Beziehung zwischen ihnen. Auf diese Weise wird Alex zudem mit anderen Problemen konfrontiert, derer er sich gar nicht bewusst war und die ihm dabei halfen, seine eigenen zu überwinden.

Marlene und Alex haben erstaunlich wenig Szenen miteinander, weil ihre eigenen Handlungsstränge sie stark beschäftigen, aber ich mochte ihre Chemie nichtsdestotrotz.

Am faszinierendsten war wohl, dass die Geschichte eigentlich nichts Besonderes und teils vorhersehbar ist, mich aber trotzdem gut unterhielt, weil sie schlicht schön zu lesen war. Meine einzige – durchaus wichtige – Kritik besteht daraus, dass an manchen Stellen nicht klar wird, ob die Charaktere (und, damit verbunden, der Autor) nun positiv oder negativ gegenüber LGBTQ+-Menschen eingestellt sind. Es gibt nämlich ab und an gewisse Kommentare bezüglich Minderheitsgruppen, die sich sehr kritisch lasen und einen bitteren Geschmack in meinem Mund hinterließen. Letztendlich waren es noch nicht einmal so viele Stellen, vielleicht zwei oder drei, aber sie fielen mir trotzdem negativ auf, weil die Charaktere nicht so akzeptierend wirken, wie ich es mir gewünscht hätte.

Nichtsdestotrotz ist das hier ein schönes, ruhiges Buch und gut für zwischendurch geeignet!

Die Riesinnen
416 Seiten

Nach der Geburt ihrer Tochter Cora und dem unerwartet frühen Tod ihres Ehemanns übernimmt Liese dessen Metzgerei, auch wenn sie selbst nicht ganz sicher ist, worauf sie sich einlässt. In ihrem kleinen Dorf im Schwarzwald schlägt sie Wurzeln, findet eine Heimat. Ihre Tochter Cora ist da schon stürmischer, sehnt sich nach Freiheit, nach Reisen, nach Genuss. Erst, als sie selbst schwanger wird, kehrt sie zu ihrer Mutter zurück, nicht sicher, wie sie mit ihrer Tochter Eva umgehen soll. Liese unterstützt sie, hilft Cora, auch ihre Wurzeln zu finden. Und Eva, das Waldkind, weiß insgeheim schon die ganze Zeit, dass auch sie hierher gehört, auch wenn sie eine Weile braucht, um es wirklich zu begreifen. Drei Frauen, drei Generationen – doch alle mit derselben Heimat: dem Schwarzwald.

Mit einem schlichten und wunderschönen Schreibstil erzählt Hannah Häffner die Geschichte von Liese, Cora und Eva, deren Leben und deren Beziehung zueinander. Was mich dabei besonders beeindruckt hat, war die Kreativität ihrer Stilmittel verbunden mit der Schlichtheit des eigentlichen Schreibstils; das sorgte für ein sehr angenehmes Leseerlebnis, weil ich mich richtig in der Nostalgie früherer Zeiten verlieren konnte und gleichzeitig beeindruckt davon war, wie poetisch Hannah Häffner davon erzählte.

Von den drei Frauen war mir Liese am sympathischsten, weil sie sich so entschlossen für ihre Ziele einsetzte, aber das Leben aller drei Frauen war ausführlich genug erzählt, dass ich mich in sie hineinfühlen konnte. Neben Liese mochte ich auch Eva besonders gerne, nur in Cora konnte ich mich nicht ganz so gut hineinversetzen, auch wenn ich immer noch interessiert war, von ihr zu lesen.

Von den Nebengeschichten hätte ich gerne noch mehr gehabt, denn sie waren so interessant, dass ich es schade fand, wie wenig Screentime die entsprechenden Charaktere bekamen: Das Babettchen, der einsame Franz, der Koch Fischel und sogar jemand wie der Träumer David, der besonders wenige Szenen hat. Natürlich liegt der Fokus logischerweise auf Liese, Cora und Eva, aber ich hätte gerne noch mehr Charaktere gehabt, die mir ans Herz gewachsen wären.

An sich passiert nicht viel, man folgt den drei Frauen und ihrem Versuch, ihren Platz zu finden, aber der Schreibstil hat die Geschichte so besonders gemacht, dass ich trotzdem die ganze Zeit gefesselt von ihr war. Interessanterweise spielen der Schwarzwald selbst und der Fakt, dass die drei Frauen als Riesinnen bekannt sind, so gut wie keine Rolle; der Wald wird zwar regelmäßig erwähnt und trägt zur schönen Atmosphäre bei, aber dass es ausgerechnet der Schwarzwald ist, ist letztendlich nicht so wichtig. Auch die Größe der Frauen wird nur am Anfang erwähnt, weil ihre Persönlichkeit (glücklicherweise) im Zentrum steht.

Insgesamt eine ruhige, absolut wunderschöne Geschichte, die vor allem durch ihren Schreibstil überzeugt!

This Story Might Save Your Life. Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?
448 Seiten

Joy und Benny haben einen Podcast, in dem sie auf humorvolle Weise Überlebensstrategien für verschiedene Situationen diskutieren. Als Joy und ihr Ehemann Xander spurlos verschwinden, ist Benny fest entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen ist – und stellt fest, dass Joy so einige Geheimnisse vor ihm hatte, die sie nur in ihrem Buch verschriftlichte. Benny findet heraus, dass sie sich von Xander scheiden lassen wollte – was ihr Verschwinden in ein ganz anderes Licht rückt …

Zunächst einmal: Die Tagline dieses Romans ist vollkommen falsch. So falsch sogar, dass es so wirkt, als hätte irgendjemand aus Versehen die Tagline eines anderen Romans benutzt, denn die Geschichte, die sie suggeriert, wird man hier nicht finden. Tatsächlich fühlt sich selbst die Genrebezeichnung „Thriller“ für mich nicht ganz richtig an, weil das Buch für mich eher wie ein spannender Roman mit Thrillerelementen wirkte, der auf noch viel mehr Themen eingeht.

Gerade Joys Lebensweg, den sie in ihrem Buch beschreibt, spielt eine wichtige Rolle und ist der Teil der Handlung, der sich am ehesten wie ein dramatischer Roman und nicht wie ein Thriller liest. Bennys Story hat da schon mehr Thrillerelemente, aber trotzdem würde ich behaupten, dass das Hauptthema des Romans letztendlich die Beziehung der beiden ist. Die beiden haben wirklich eine hervorragende Chemie miteinander, ich liebte ihre Dynamik sehr und es war leicht, mit ihnen mitzufiebern. Hier war gerade die erste Hälfte der Handlung packend, weil so viele vergangene Szenen die beiden in den Fokus stellen.

Auch Xander, Joys Ehemann, spielt eine wichtige Rolle, war im Gegensatz zu Benny allerdings furchtbar und wurde im Lauf der Handlung nur unausstehlicher. Ernsthaft: Immer, wenn ich glaubte, dass er nicht mehr schlimmer werden könnte, bewies er ein weiteres Mal, dass er eine wirklich scheußliche Person ist. Aber gerade deshalb war es natürlich zufriedenstellend, zu sehen, wie all seine Lügen nach und nach ans Licht kamen.

Insgesamt würde ich diesen Roman nicht unbedingt Thrillerfans empfehlen, sondern auch Fans von Freundschaften, Romanzen, Drama, Humor, Mystery … also so ziemlich allen Genres. Mit anderen Worten: Wenn man einen großartigen Genremix lesen will, ist dieses Buch hervorragend dafür geeignet!

Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen
347 Seiten

Mika ist eine Hexe, die ihre wahre Identität nur in Social Media lebt, wo sie keine Angst haben muss, dass ihr irgendjemand auf die Schliche kommt. Bis es dann doch jemand tut und ihr ein Angebot unterbreitet: Sie soll drei jungen Hexen beibringen, ihre Magie zu kontrollieren, bevor sie entdeckt und auseinandergebracht werden. Sie ist zunächst zögerlich, lässt sich dann aber überreden. Und findet dort eine Familie, wo sie sie nie erwartet hätte …

Nachdem mir „Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste“ sehr gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt auch „Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen“ lesen – und auch dieser Fantasyroman war wunderbar gemütlich und einfach wunderschön!

Teilweise fand ich es zwar ein wenig ZU ruhig, aber insgesamt gelingt es der Autorin gut, die Handlung interessant zu gestalten. Und das liegt vor allem an den Charakteren: Mika und ihr Love Interest Jamie, die Mädchen Rosetta, Terracotta und Altamira, die Großväter Ian und Ken sowie Lucie, die eine tantenähnliche Rolle einnimmt, waren mir alle sehr sympathisch und es machte Spaß, ihnen bei ihren Abenteuern zuzuschauen. Speziell die Romanze zwischen Mika und Jamie nimmt viel Platz ein, was mir einerseits gefiel, weil sie so realistischer wirkt, was ich aber andererseits schade fand, weil ich gerne noch mehr von den Kindern gesehen hätte. Gerade die erste Hälfte gibt den dreien viel Screentime; ich mochte vor allem Terracotta gern und die Art und Weise, wie ihre zunächst frostige Beziehung zu Mika sich erwärmt. Aber danach wird die Romanze immer wichtiger und die Kinder geraten ein wenig in den Hintergrund, auch wenn sie natürlich immer noch eine wichtige Rolle in der Handlung spielen.

Apropos Handlung: Die Twists gegen Ende waren wirklich hervorragend und haben so einige Zusammenhänge enthüllt, die ich nicht kommen gesehen habe. Die Vergangenheit vieler Charaktere spielt für die Haupthandlung keine Rolle (was ich nur bei Jamies Vergangenheit schade fand, weil sie ein wenig zu schnell abgearbeitet wurde), aber am Ende kommen so einige Punkte zusammen, die eine schöne Zukunft garantieren. Das war insofern erfrischend, dass wir dieses Mal Charaktere bekamen, die auf erwachsene Weise mit ihrer Vergangenheit umgehen und entschlossen sind, ihre Zukunft besser zu gestalten.

Insgesamt also ein gemütlicher Fantasyroman für Zwischendurch!

Am Ende will doch einer sterben
764 Seiten

Nachdem er als Kind seinen Vater tötete, um seine Mutter zu retten, lebt Paz ein depressives Leben – so depressiv, dass er sich nach einem besonders schrecklichen Tag entschließt, es sich zu nehmen. Aufgehalten wird er von Alano Rosa, dem Erben des Todesboten-Imperiums, der ihm helfen will, das Leben wieder wertschätzen zu können. Schnell spüren die beiden eine Bindung zueinander, doch es ist nicht leicht, ihre Traumata zu überwinden, vor allem, wenn die Tiefen so viel stärker sind als die Höhen …

Ich habe das Buch bereits Mitte letzten Jahres auf Englisch gelesen, schob es jedoch vor mir her, es nochmal auf Deutsch zu tun, weil es mich zwar interessierte, wie die deutsche Übersetzung ist, viele Szenen des Romans aber zu deprimierend sind, um ihn einfach so zu lesen. Selbst jetzt, wo ich das nachgeholt habe, tat ich es mit einer Pause dazwischen – wobei das allerdings nicht nur an den schweren Themen lag, sondern auch daran, dass der Roman stellenweise sehr langgezogen ist.

Speziell die ersten zweihundert Seiten fühlten sich sehr, sehr lang an, weil in ihnen zwar durchaus wichtige Dinge passieren, ich aber das Gefühl hatte, dass sie um einiges hätten gekürzt werden können. Das trifft auch auf spätere Szenen zu, aber gerade am Anfang war es wirklich schwer, in den Roman zu finden, weil die Handlung so lange brauchte, um in die Gänge zu kommen.

Danach wurde es leichter, wenn ich auch immer noch eine Präferenz für Alanos Kapitel hatte, weil Paz‘ Sichtweise einen ganz schön runterzieht, während Alano mehr Varietät in die Handlung bringt. Die Bindung der beiden fand ich gut umgesetzt, aber wann immer sie allein oder mit jemand Anderem zusammen waren, bevorzugte ich Alanos Sichtweise.

Das Ende ist etwas überdramatisch und hatte meiner Meinung nach nicht genug Foreshadowing, was besonders seltsam ist, wenn man bedenkt, wie gut das Foreshadowing bezüglich gewisser Charaktertwists war. Und wie gesagt dauert es einfach zu lange, um zu diesem Ende zu kommen; Adam Silvera illustrierte hervorragend, dass Heilung keine gerade Straße, sondern eine verwinkelte Straßenkreuzung ist, aber das schadete auch dem Pacing der Geschichte.

Insgesamt habe ich diesen Band des Todesboten als den schwächsten empfunden: Immer noch ein Roman, die viele gute und bewegende Szenen hat, aber ein wenig zu lang und zu deprimierend für mich war.

Kleopatra
465 Seiten

Mit achtzehn Jahren wird Kleopatra Pharaonin, doch fühlt sie sich unsicher, wie sie ihre Herrschaft sichern und führen soll. Ihre göttliche Gabe hat sich nie gezeigt und üble Gerüchte bedrohen ihren Posten zusätzlich. Doch ist Kleopatra entschlossen, Ägypten zu beschützen – was es sie auch kosten mag ...

Dieser Roman hat mich realisieren lassen, dass mein Wissen über Kleopatra nicht über die Oberfläche hinausreicht, aber obwohl Saara El-Arifi sich natürlich Freiheiten nimmt (speziell dadurch, dass die Geschichte einen Hauch von magischem Realismus hat), habe ich das Gefühl, Kleopatra mit diesem Roman tatsächlich kennengelernt zu haben.

Die Geschichte ist zunächst ungewöhnlich erzählt, denn Kleopatra als Erzählerin ist sich ihres eigenen Todes und ihren Darstellungen in der Moderne bewusst, wodurch es so wirkte, als würde sie die Geschichte aus dem Jenseits heraus erzählen. Das war zunächst gewöhnungsbedürftig, denn obwohl diese Referenzen an die Zukunft nicht übermäßig benutzt werden, verwirrten sie mich trotzdem.

Der eigentliche Schreibstil ist aber ausgesprochen angenehm zu lesen, sodass ich richtig durch die Seiten flog. Am meisten packte mich Kleopatras Entwicklung: Am Anfang ist sie eine unsichere junge Frau, die durch ihre Erlebnisse oft gezwungen ist, unmoralische Dinge zu tun, die sie aber auch selbstbewusster und entschlossener machen, bis sie zu einer würdevollen Pharaonin wird. Diese Entwicklung findet langsam und gemächlich statt, was sie sehr nachvollziehbar und realistisch machte – definitiv die größte Stärke des Romans!

Von den anderen Charakteren hoben sich Charmion (Kleopatras Vertraute) sowie Caesar und Marcus Antonius hervor. Charmion war ein unglaublich hilfsbereiter Charakter, die mir schnell ans Herz gewachsen ist; und auch Caesars und Marcus' Darstellung mochte ich sehr, obwohl sie im Vergleich nicht mal so viele Szenen haben (doch definitiv genug, um sich hervorzuheben). Ich verstand auf jeden Fall, warum Kleopatra alle drei so liebte.

Insgesamt ein schöner Roman, der Kleopatras Lebensgeschichte auf erfrischende Weise neu interpretiert!

Metal Slinger – Dunkle Verheißung
512 Seiten

Zusammen mit ihren Mitkämpfern lebt Brynn auf einem Schiff, doch endlich darf sie mit den anderen zum ersten Mal aufs Festland. Dort begegnet sie auf dem Markt einem geheimnisvollen jungen Mann, der sie sogleich in Schwierigkeiten bringt, bis zu dem Punkt, an dem sogar Krieg droht. Während ihre Kameraden überlegen, was nun mit Brynn geschehen soll, sucht der junge Mann, Acker, sie auf und behauptet, sie wäre in Wirklichkeit die verlorene Prinzessin Jovie. Brynn begreift, dass er die Wahrheit sagt und begleitet ihn in ihr eigentliches Zuhause, wo sie unbedingt herausfinden will, wer sie wirklich ist – während sie sich nach und nach in Acker verliebt …

Der Roman hat wirklich vielversprechend angefangen, aber leider nutzte er sein anfängliches Potential nicht. Ich mochte gleich zu Beginn das Setting und die Freundschaft zwischen Brynn, Kai und Messer, die als Trio gerne mal das Meer und das Land unsicher machen und mir sofort sympathisch waren. Dass sie alle ihr Leben auf einem Schiff lebten, fand ich ungemein faszinierend, und auch der erste Landbesuch – sowie die Konsequenzen, die daraus entstehen – war sehr gut und sehr spannend geschrieben.

Auch der Teil, als Brynn sich Acker anschließt und sie sich auf den Weg zu seinem Zuhause machen, hat mir sehr gefallen, weil die beiden eine gute Chemie zeigten, es hier aber mitten in der Handlung auch einen großartigen Twist gab, den ich wirklich sehr mochte … nur, um festzustellen, dass er sehr bald darauf zur Seite geschoben wird und Brynn noch nicht einmal mehr an ihn denkt. Dass ihre besten Freunde nach ihrem Weggang keine große Rolle mehr spielen, fand ich zwar schade, konnte es aber akzeptieren, aber dass diese Gelegenheit, die der Twist bot, nicht genutzt wurde, war sehr enttäuschend.

Auch am Ende gibt es einen Twist, aber obwohl er mir auf dem Papier ausgesprochen gut gefallen hat, gab es auf ihn keinerlei Foreshadowing, sodass er sehr unlogisch wirkte – als wäre er nur ein Twist um eines Twists willen. Hier hätte der Roman schon vorher Hinweise auf ihn einbauen sollen, damit er nicht ganz so sinnbefreit wirkt.

Und dann wäre da noch die Romanze, die stark anfing, mit langsam wachsenden Gefühlen, aber auch der Frage, ob die Bindung, die zwischen Brynn und Acker besteht, ihr überhaupt eine Wahl lässt. Nur wurde dieser wichtige Punkt irgendwann nicht mehr angesprochen und sobald die Romanze richtig losging, verwandelte sich Acker vom geduldigen, gewitzten Love Interest in einen, der mir sehr unsympathisch wurde, weil er Brynn keinerlei Respekt und Entscheidungsfreiheit entgegenbrachte und den Eindruck machte, er hätte ein Anrecht auf sie, ohne dass sie diesbezüglich Mitspracherecht hätte. Das wird ihm zwar durchaus negativ angekreidet, wofür ich dankbar war, aber irgendwann dann nicht mehr erwähnt, obwohl sein Verhalten eher schlimmer als besser wurde.

Insgesamt finde ich, dass dieser Roman sehr davon profitiert hätte, mehr Worldbuilding einzubauen, den Nebencharakteren mehr Screentime zu geben, die Twists besser anzudeuten und die Romanze liebevoller zu gestalten. Denn all diese Aspekte sind gerade in der ersten Hälfte des Romans sehr stark und trieben mich begeistert zum Weiterlesen an, aber die zweite Hälfte hat all das Potential der ersten Hälfte leider nicht genutzt. Von daher kann ich leider keine Empfehlung aussprechen, weil die positiven Punkte nach und nach ins Gegenteil verkehrt wurden.

Die berühmtesten Mythen der Wissenschaft. Von Archimedes bis Marie Curie
250 Seiten

Ob es nun um den Apfel geht, der Newton auf den Kopf fällt oder um die Erde, die im Mittelalter als flach angesehen worden sein soll: Die Wissenschaft ist voll von Mythen, die immer und immer wieder verbreitet werden, obwohl zumindest teilweise klar ist, dass sie nicht stimmen. Doch woher kommen sie überhaupt? Was ist die Wahrheit und wie wurde sie zu einer Geschichte, die die eigentlichen Ereignisse verfälscht?

Als Fan von Mythen und als Fan von Wissenschaft war ich sofort interessiert an diesem Sachbuch, wobei ich vor allem fasziniert davon war, die Quellen verschiedener Mythen zu erfahren. Einen Teil der Mythen kannte ich bereits als solchen, aber vom anderen hatte ich zuvor noch nicht gehört, was es umso faszinierender machte, zuerst den Mythos zu erfahren und danach, wie er entstand. Das Schöne ist also, dass man nicht nur bekannte Informationen, sondern eben auch neue erhält.

Besonders wusste ich es zu schätzen, dass tatsächlich Recherche hinter den einzelnen Kapiteln steckt, mit einem guten Quellenverzeichnis, dessen Inhalte kurz und knackig zusammengefasst wurden. Das war so erfrischend: Wir hatten informative Kapitel, die uns Wahrheit und Legende präsentierten und gleichzeitig ein Leseerlebnis, das interessant und gut zu lesen war. Eine wunderbare Kombination!

Für alle, die sich ebenfalls für die Mythen der Wissenschaft interessieren, findet sich hier ein großartiges Sachbuch – und vor allem eine wichtige Erinnerung daran, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht zu überhöhen, weil sie auch nur Menschen sind. Etwas, das durch das Wiedererzählen der Mythen leider gern vergessen wird!