& Magisterium - Das 3. Jahr
288 Seiten

Für Callum, Aaron und Tamara bricht das dritte Jahr im Magisterium an. Bei einem Fest, das eigentlich ihren Erfolg aus dem letzten Band feiern soll, kommt jedoch eine Schülerin ums Leben und kurz darauf wird Callum von einer Kreatur angegriffen. Jemand hat es auf ihn abgesehen, was es nicht gerade leicht macht, sein drittes Schuljahr abzuschließen. Sie müssen dringend den Spion der Schule finden, ohne, dass herauskommt, wer Callum wirklich ist …

Spannend geht es im dritten Magisterium-Band weiter und ich bin immer noch beeindruckt davon, wie viel Holly Black und Cassandra Clare in vergleichsweise wenige Seiten packen. Vor allem in diesem Band fiel mir neben der Spannung auch der Humor auf – es gab zwischen den Stellen, bei denen ich mitfieberte, auch mehrere, bei denen ich laut auflachen musste. Die Balance zwischen Spannung, Humor und Freundschaft ist in diesem Band sehr gut gelungen!

Gerade die Freundschaft zwischen Callum und Aaron sticht besonders hervor. Tamara spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, die mir sehr gefallen hat, aber Callums und Aarons Dynamik war schlicht unschlagbar. Leider geschieht das auf Kosten der Nebencharaktere, denn nur ein paar wenige hinterlassen überhaupt einen bleibenden Eindruck (wie Jasper und Celia) und ich hatte teils Probleme, mir die Rolle jedes Nebencharakters zu merken, weil ich sehr viel investierter in die Hauptcharaktere war.

Die Spannung ist vor allem am Anfang und am Ende sehr hoch, während die Mitte der Handlung ein wenig ereignisloser ist, aber dafür durch die Charakterdynamiken und das Mysterium um den Spion glänzt. Mir gefiel auch, auf welche Weise die Charaktere hier ihre Pläne schmiedeten und umsetzten, und welche Gefahren ihnen dabei begegneten.

Das Ende fand ich dafür nicht ganz so stark, wie ich es mir erhofft hatte. Es war immer noch gut, aber ich hätte mir gewünscht, dass es ausführlicher und emotionaler gewesen wäre, als es letztendlich der Fall war. Dafür macht es mich umso gespannter auf den vierten Teil, auf den ich mich schon sehr freue!

Four Ruined Realms
464 Seiten

Nachdem ein Verrat unter der Gruppe sie erschüttert hat, müssen Euyn, Mikail, Aeri, Royo und Sora trotzdem zusammenarbeiten, um der Königin von Khitan den Goldring des Drachenherrschers zu stehlen. In Wirklichkeit haben sie vor, sie gegen den König von Yusan aufzubringen, doch aufgrund eines kürzlichen Attentats darf sich ihr niemand nähern. Also müssen sie zuerst herausfinden, unter welchen Umständen man sich ihr doch nähern darf und dann, wie sie diese erfüllen sollen. Doch dafür müssen sie zusammenarbeiten – was so gut wie unmöglich ist, weil sie alle immer noch ihre Geheimnisse haben und sich nicht vertrauen können …

Den ersten Band der Trilogie fand ich sehr spaßig zu lesen und der unterhaltsame Faktor setzt sich auch hier im zweiten Band fort. Die größte Stärke sind dabei definitiv die Charaktere und ihre Dynamiken: Sie fühlen sich alle wie fehlerbehaftete Menschen an, denen man ein gutes Ende wünscht. Mein Lieblingscharakter war dabei Sora – nicht nur war sie die wohl sympathischste von allen, sondern zeigte immer noch ihren moralischen Zwiespalt und machte sogar eine kleine Charakterentwicklung durch. Das ist sogar noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass sie nicht durch eine starke Charakterdynamik profitieren konnte, da ihr Liebster Tiyung den Band über eingekerkert ist und deshalb leider nicht viel zu tun hat.

Die anderen glänzen dafür mehr mit der Dynamik, die sie mit ihren Geliebten haben, wobei hier Aeri und Royo die stärksten Anwärter sind. Ihrer Beziehung wird in diesem Band viel Raum gewidmet und es war leicht, in sie investiert zu werden. Dafür hätte ich mir gerne mehr zu Euyn und Mikail gewünscht, die zwar immer noch eine interessante Dynamik haben, aber deren Beziehung dafür in den Hintergrund rückt. Vor allem bei Euyn hätte es sicher ein paar Sympathiepunkte eingebracht, denn er war mir von allen am unsympathischsten und wäre ohne Mikail als notwendigen Gegenpol wohl unerträglich gewesen.

Interessanterweise ist es auch in diesem Band so, dass die Charaktere nicht unbedingt eine eigene Stimme haben, ich aber trotzdem nie durcheinander geriet, was den derzeitigen Charakter anging. Ich glaube, das lag größtenteils daran, dass die Dinge, über die die jeweiligen Charaktere nachdenken, sehr auf sie zugeschnitten sind; aber Tatsache ist, dass ich mich trotz der kurzen Kapitel und der verwobenen Handlung sehr gut zurechtfand. Nur den Schreibstil an sich fand ich verbesserungswürdig, weil er viele kurze Sätze enthält, die sich teils abgehackt lasen, wodurch er nicht immer erfolgreich damit war, die Emotionen der Charaktere an uns Leser:innen zu bringen. (Das gilt besonders für Charaktertode, die mich leider nicht allzu viel fühlen ließen.)

Was die Handlung betrifft, dauert es zwar ein bisschen, bevor die eigentliche Handlung losgeht und sich schließlich verzweigt, doch Mai Corland macht das wett, indem sie die Charaktere konstant in spannende Situationen bringt. Die Menge an Nahtoderfahrungen war mir persönlich zwar zu hoch, doch ich habe trotzdem mitgefiebert, weil die Charaktere in der Regel aus eigener Kraft gefährlichen Situationen entkommen und nur selten durch einen Deus ex Machina. Hier hat es Spaß gemacht, dabei zuzuschauen, wie sie wohl ein bestimmtes Problem bewältigen – und von denen gibt es in diesem Band so einige!

Insgesamt hat mir der erste Band ein wenig besser gefallen, aber ich freue mich dennoch sehr auf den dritten, abschließenden Band der Reihe – und darauf, wohin er die Charaktere führen wird …

, & Frieren - Nach dem Ende der Reise: Präludium
192 Seiten

Kurz, bevor die eigentliche Handlung losgeht, leben Fern, Stark, Lawine, Kanne, Aura und Frieren ein beschauliches Leben. Fern kümmert sich um den kranken Heiter, Stark findet in einem von einem Drachen bedrohten Dorf einen Platz, Lawine und Kanne bereiten sich auf eine Prüfung vor, Aura nimmt zum ersten Mal Kontakt mit einem Menschenjungen auf und Frieren erinnert sich an die Zeit mit ihrer Meisterin Flamme. Doch auch in diesen Zwischenstationen des Lebens lernen sie eine wertvolle Lektion, die ihnen helfen wird, ihre Zukunft zu meistern.

Das Grundkonzept der Geschichte hat mir sehr gefallen, weil ich sehr interessiert daran bin, wie Hauptcharaktere ihr Leben vor der eigentlichen Handlung bestritten, doch die Lektüre selbst war nicht ganz so berauschend. Jedes Kapitel hatte zwar etwas, das mir sehr gefiel, weil es mir die Charaktere näher brachte, aber mein Gesamteindruck war, dass es sich um einen schlicht geschriebenen Light Novel handelt, den man zwar gelesen haben kann, aber nicht gelesen haben muss.

Die größte Stärke waren für mich die Dynamik der Charaktere mit anderen (Fern und Heiter, Stark und die Dorfbewohner, Lawine und Kanne, Aura und Will, Frieren und Flamme), doch selbst diese Stärke ist auf die Länge der Kurzgeschichte beschränkt, in denen es um die Charaktere geht. Insofern hätte ich es besser gefunden, sich lieber auf einen Charakter zu konzentrieren und einen vollen Light Novel über sein oder ihr „Leben davor“ zu schreiben, wobei sich vor allem Frieren selbst dafür anbietet, die lange genug gelebt hat, um jedes mögliche Abenteuer zu erzählen. Die fünf Kurzgeschichten ließen einfach nicht genug Raum, als dass sich die Charaktere selbst hätten entfalten können.

Wer ein wirklich großer Fan des „Frieren“-Mangas bzw. -Animes ist, könnte hier trotzdem eine interessante Lektüre finden, aber ich selbst hätte mir lieber den Fokus auf einen Charakter gewünscht.

Wandering Wild
384 Seiten

Nach einem Skandal ist das Image des jungen Schauspielers Zander Rune ruiniert und er braucht dringend etwas, das die Meinung der Fans wieder ändert, damit er seine angestrebte Traumrolle behalten kann. Die Lösung seines Teams: Ein viertägiger Survival-Trip mit einem Fan in der australischen Wildnis, der die Öffentlichkeit davon überzeugen soll, dass er nicht der Bad Boy ist, für den ihn alle halten. Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen ist es ausgerechnet Charlie Hart, die zusammen mit Zander diesen Trip machen soll. Charlie, die Zander nach dem Skandal verabscheut und für die Kameras jetzt gute Miene zum bösen Spiel macht. Doch als sich ihr Survival-Führer nach der Hälfte des Trips verletzt und die beiden gezwungen sind, alleine die Wildnis und ihre Gefahren zu überstehen, um rechtzeitig Hilfe zu holen, merkt Charlie, dass tatsächlich mehr hinter Zander steckt, als sie vermutete …

Nach der fantastischen Prison-Healer-Trilogie habe ich mich sehr darauf gefreut, wieder einen neuen Roman aus Lynette Nonis Feder zu lesen – und kann zufriedenstellend berichten, dass auch ihr Young-Adult-Einzelband hervorragend gelungen ist!

Zunächst einmal ist er unglaublich spannend geschrieben. Selbst der „offizielle“ Survival-Trip, der fast genauso viel Raum einnahm wie der, den nur Charlie und Zander miteinander verbringen, hatte so einige packende und emotionale Momente, die mir sehr gefallen haben. Besonders spannend wird es natürlich, sobald die beiden auf sich allein gestellt sind, wobei ich es beeindruckend fand, wie viel Inhalt Lynette Noni in verhältnismäßig wenige Seiten gepackt hat. So sind die beiden nur etwa hundert Seiten mit ihrem Survival-Führer und hundert Seiten ganz allein in der Wildnis, wodurch der gesamte Roman zu eine richtigen Achterbahnfahrt wurde, die sowohl den Gefahren als auch den Gefühlen der Charaktere genug Zeit gibt, um sich zu entfalten.

Was die Gefahren angeht, gibt es alles, was man sich nur wünschen kann: Ein Fallschirmsprung und ein Sprung an einem Wasserfall, ein Canyon mit engen Gängen, eine überflutete Höhle, eine halb kaputte Brücke … teils natürlich klassische Gefahren, aber so gut umgesetzt, dass sie in der Kombination sehr viel Spaß machten. Doch nicht nur sie waren es, die mich während des Lesens antrieben, sondern vor allem Charlie und Zander selbst.

Sie haben nicht nur eine gute Chemie, sondern sind vor allem großartige Charaktere. Beide tragen ihr eigenes emotionales Gepäck und die Art und Weise, wie Lynette Noni ihre Vergangenheiten andeute, war schlicht großartig. Ich war sofort in die beiden investiert, wollte unbedingt wissen, was genau geschehen ist und war froh, dass die Antwort darauf überraschender und teils auch schockierender war, als ich es ahnte. Für mich ist das wohl die größte Stärke der Autorin: Mit kleinen Info-Häppchen Geschmack auf immer mehr zu machen.

Obwohl die Liebesgeschichte sich nur innerhalb weniger Tage abspielt, schafft es Lynette Noni durch die vielen persönlichen Gespräche und die vielen Gefahren mühelos, eine Romanze zu schaffen, die sich trotzdem natürlich anfühlt. Hier auch ein großes Lob für die Botschaft, dass man seine Träume nicht für die Liebe aufgeben soll, was etwas ist, das ich tatsächlich nicht so oft lese, wie ich es mir wünschen würde.

Ebenfalls beeindruckend fand ich die Nebencharaktere. Eigentlich hat nur der Survival-Führer Rykon Hawke genug Screentime (und war im Übrigen auch ein wunderbarer Charakter), doch trotzdem wuchsen mir Ember (Charlies beste Freundin) und Maddox und Summer (Zanders beste Freunde) unglaublich ans Herz. Aufgrund der Handlung kommen sie nur am Anfang und Ende vor, hinterließen aber einen dermaßen starken Eindruck, dass ich sie trotzdem lieb gewann. Das liegt auch sicher daran, dass sie während Charlies und Zanders Gesprächen eine wichtige Rolle spielen.

Insgesamt also ein abenteuerlicher, dramatischer und romantischer Jugendroman, der zu meinen persönlichen Highlights gehört!

Witches, Bitches, It-Girls
464 Seiten

Witches, Bitches, It-Girls: Frauenbilder, die wegen des Patriarchats schon so lange herrschen, dass es selbst als cis Frau manchmal schwierig ist, sie als misogyn zu erkennen. Überall dort, wo Frauen zentrale Stellen einnehmen, ist es für Männer besonders leicht, sie zu diskreditieren. Ob nun die „Normalität wiederhergestellt“ werden soll, in dem auf eine Vergangenheit verwiesen wird, die es so nicht gab, oder ob eine Gegenwart kreiert wird, die bestenfalls unvollständig ist – Frauen haben es überall schwer, weil ihre Aktionen von Männern negativ bewertet werden, außer, wenn sie passiv zulassen, dass Männer über sie entscheiden.

Wie genau das geschieht, führt Rebekka Endler in ihrem Sachbuch aus. Im Gegensatz zu „Das Patriarchat der Dinge“ ist diese Lektüre ernster, denn auch, wenn sie ihren lockeren Schreibstil behält, erzählt sie von Dingen, die auf erschütternde Weise zeigen, wie problematisch das Patriarchat wirklich ist. Demnach ist diese Lektüre auch nicht gerade angenehm zu lesen, weil uns Leser.innen Dinge bewusst gemacht werden, von denen ich in der Regel noch nie gehört hatte, aber gerade deshalb ich es natürlich auch eine sehr wichtige Lektüre.

Insgesamt ist dieses Sachbuch ein Weckruf – und eine schmerzliche Erinnerung daran, dass in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten zwar Fortschritte gemacht wurden, wir aber niemals aufhören dürfen, für sie zu kämpfen. Ich fand speziell das Kapitel zur Heroisierung interessant; wie problematisch es ist, Held:innenfiguren zu erschaffen, statt die Komplexität jedes Menschen zu akzeptieren, war speziell für mich eine wichtige Botschaft. Ich bin sicher, dass auch andere Leser:innen hier so einiges finden werden, dessen sie sich noch nicht bewusst waren, sich aber dringend bewusst machen sollten.

Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Bluthunger
512 Seiten

Harry Dresdens neuester Fall bringt ihn ausgerechnet an ein Pornoset, weil der Produzent Arturo Genosa fürchtet, dass der Dreh verflucht ist. Schon zwei Frauen sind unter kuriosen Umständen gestorben und Harry soll herausfinden, was es damit auf sich hat. Als es ihm gelingt, knapp einen dritten Tod zu verhindern, weiß er, dass tatsächlich etwas nicht stimmt und die Morde weitergehen werden, wenn er nicht herausfindet, was los ist. Außerdem muss er die Hilfe eines Auftragskillers annehmen, um den Schwarzen Hof ein wenig zu dezimieren, und seinem neuesten Mitstreiter Thomas, einem Vampir des Weißen Hofs, bei seinen persönlichen Problemen helfen. Wie immer ist also ganz schön viel los – und Harrys eigene Vergangenheit bleibt davon nicht unangetastet …

Spannend geht es mit Harrys Abenteuern weiter, wobei es vor allem die Variation an Problemen war, die mir besonders gut gefiel. Es gibt so viele Dinge, um die Harry sich kümmern muss und die natürlich alle fast gleichzeitig ablaufen, sodass ich konstant am Ball gehalten wurde und unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Dass Jim Butcher die Harry-Dresden-Romane so abwechslungsreich gestaltet und dabei die verschiedenen Probleme ineinander greifen, ist, finde ich, eine seiner größten Stärken, weil sie das Pacing des Romans besonders angenehm gestalten und für konstante Spannung sorgen.

Was diesen Band zudem noch stärker von den anderen abgehoben hat, waren Offenbarungen bezüglich Harry selbst, die in diesem Band gelüftet wurden und der ganzen Geschichte einen noch persönlicheren Anstrich haben. Sie haben auch das Finale sehr spannend gemacht, weil der Einsatz für Harry selbst so hoch war.

Der eigentliche Fall ist überraschend einfach und letztendlich gar nicht der wichtigste Aspekt des Romans, aber immer noch ein guter Rahmen mit eigenem Spannungsfaktor. Was dafür besonders gut herauskam, war der Humor – es gab mehrere Stellen, bei denen ich laut auflachen musste, weil Harrys Sarkasmus so großartig war.

Doch eine wichtige Kritik habe ich für den Roman, von der ich hoffe, dass sie in späteren Bänden behoben worden ist: Ein problematisches Frauenbild, das sogar von Harry selbst ausging. Frauen werden entweder sexualisiert und/oder als hilflos dargestellt, es gibt kaum Stellen, bei denen sie positiv hervorkommen – und selbst, wenn sie es tun (wie im Fall von Murphy oder der Vampirin Lara), gibt es sowohl von Harry als auch von anderen Männern anzügliche Kommentare, die sie auf ihren Körper beschränken, anstatt ihre anderen Qualitäten hervorzuheben. Ich hoffe wirklich, dass das in späteren Bänden besser wird, weil es bisher das einzige an dieser Romanreihe ist, was ich wirklich nicht mag. Nun, der siebte Band wird mir hoffentlich eine Verbesserung zeigen!

Die verschwundene Tochter
368 Seiten

Die Zeitschrift, bei der Blake arbeitet, sucht dringend nach einer Geschichte, die die Leserinnen über mehrere Wochen antreibt. Blake, die vor einer Weile eine mysteriöse Schachtel, die für ihre verstorbene Großmutter gedacht war, bekommen hat, schlägt vor, ihre eigene Familiengeschichte und die Suche nach ihrer Urgroßmutter zu einem Thema zu machen. Eine Aufgabe, die sich zunächst als schwierig gestaltet, weil es keine Hinweise zu geben scheint – bis Blake auf den charmanten Kurator Henri Toussaint verwiesen wird, der ihr bei ihrer Suche weiterhilft. Sie finden heraus, dass ihre Urgroßmutter Evelina Lavigne war, die in den Dreißigern erfolgreich Kleider entwarf – doch aus irgendeinem Grund damit aufhörte, sodass sie nie die Bekanntheit erreichte, die sie anstrebte …

Auch der fünfte Band der „Töchter“-Reihe ist ein locker zu lesender Sommerroman, der zwei Romanzen in einer bietet und uns Leser:innen dabei Paris näher bringt. Wie schon die Romanzen aus vorherigen Bänden ähnelt dabei die Romanze zwischen Blake und Henri eher einer Disney-Romanze, die realistisch gesehen vermutlich nicht halten würde, im Roman aber so süß geschrieben worden ist, dass es als Leser:in trotzdem leicht ist, an sie zu glauben.

Bei Evelina waren ihre Romanzen schon realistischer, weil sie mehr Konflikte boten und, damit zusammenhängend, tragischer waren. Doch das wahre Highlight war Evelina selbst: Ich liebte es, wie sie stets für ihr eigenes Leben kämpfte und die dafür notwendigen Schritte selbständig einleitete. Sie ließ sich nicht von den Männern in ihrem Leben kontrollieren, sondern fand stets Wege zu einer Lösung, selbst, wenn es nicht immer leicht war, sie zu treffen. Sie war schlicht eine großartige Protagonistin, mit der ich leicht mitfiebern konnte. Das einzige, was ich schade fand, war, dass wir nicht SO viel von ihren Kleidern mitbekommen – es wird zwar beschrieben, wie sie sie herstellt und was sie für einen Eindruck machen, aber eine tatsächliche Beschreibung der Kleider bleibt in der Regel aus.

Schön war ebenfalls, dass das Drama in der Geschichte (das natürlich hauptsächlich in der Vergangenheit stattfand) realistisch war – nicht zu überzogen, nicht zu harmlos, sondern genau richtig. Der Rest der Handlung (hauptsächlich die Gegenwart) ist sehr schön, fast schon unrealistisch schön, aber gerade deshalb perfekt für eine lockere Sommerlektüre geeignet. Was mir übrigens sehr gefallen hat, ist, dass Blaze nicht sämtliche Geheimnisse Evelinas herausfindet, sondern dass es Informationen gibt, die nur wir Leser:innen haben. Das war nicht nur ebenfalls realistisch, sondern gab der Geschichte einen zusätzlichen Reiz, weil nur wir die ganze Wahrheit kennen.

Doch eine wichtige Kritik habe ich trotzdem: Allzu viel Neues bietet der Roman nicht. Wenn man die anderen schon gelesen hat, bekommt man hier nicht SO viel, was den Roman (stark) von den anderen hervorhebt. Dadurch, dass das Grundkonzept immer ähnlich ist, gibt es natürlich nur so viel, das man ändern kann (und zugegeben gefiel mir die Idee, Blake zu einer Journalistin zu machen, die ihre Geschichte live berichtet), aber allein, dass wir z.B. nie eine lebende Großmutter hatten, die tatsächlich aktiv an der Suche mitwirkt, oder einen Großvater, der dasselbe tut, wären Ideen, die ich gerne in diesen Romanen lesen würde. Doch natürlich erfüllt der Roman letztendlich immer noch seinen Zweck: Er ist ein schöner, erholsamer Sommerroman, bei dem man sich schlicht gut fühlt!

Die Mondschwester
714 Seiten

Tiggy hat kein großes Interesse daran, ihre Familiengeschichte aufzudecken, sondern möchte lieber im Kinnaird-Anwesen arbeiten, um dort bedrohten Tierarten zu helfen. Doch dann kommt sie mit Chilly in Kontakt, einem alten gitano, der in ihr die Enkelin der berühmten Flamenco-Tänzerin Lucía Albaycín erkennt. Sie eroberte damals Spanien, Argentinien und noch mehr Länder mit ihrem Tanz, und obwohl Tiggy selbst fast keine Gemeinsamkeiten mit ihr hat, hilft ihr Lucías Geschichte, ihre eigene zu finden …

Auch der fünfte Band der Sieben-Schwestern-Reihe ist angenehm geschrieben und erzählt zwei packende Geschichten in einer. Tiggy ist die „esoterische“ der Schwestern und das schlägt sich definitiv in der Handlung nieder – denn obwohl ärztliche Heilmittel zum Glück positiv dargestellt werden, gibt es einen starken Fokus auf alternative Heilmittel und vor allem auf Wahrsagerei, die im Buch stets wahr wird. Mir persönlich war der übernatürliche Aspekt ein wenig zu viel, weil er sich zwar trotzdem flüssig in die Handlung einfügte, jedoch nicht zu dem realistischen Setting passte, in dem die Geschichte spielt.

Tiggy war eine sehr sympathische Protagonistin, doch die wahre Stärke des Romans war Lucía, deren Leben wir ausführlich erleben. Sie war mit Abstand mein Lieblingscharakter, weil sie so vielschichtig und komplex geschrieben war: Sie war stur, entschlossen, leidenschaftlich, wusste sich durchzusetzen, kämpfte für ein eigenes Leben für sich und half ihrer Familie so gut sie konnte – doch sie war auch egoistisch, achtete nicht immer auf ihre Liebsten und ließ sie teilweise sogar im Stich, war niemals zufrieden mit ihrem Erfolg und hatte auch keinen Problem damit, in unangemessenen Lebenssituationen zu rauchen und zu trinken. Mit anderen Worten: Lucía war mindestens so leuchtend und brennend, wie sie tatsächlich dargestellt wird, was einfach großartig zu lesen war. Mir kam sie tatsächlich wie eine reale Person vor, mit Stärken und Schwächen und einer Lebensgeschichte, die mindestens so einnehmend wie ihr Charakter war.

Neben Lucía bekommen wir auch viel von ihrer Mutter María und ein bisschen etwas von ihrer Tochter Isadora mit, wobei María sich in die Reihe sympathischer Charaktere einreihte und Isadora zu denen, von denen ich gerne noch mehr gelesen hätte. Denn obwohl sie Tiggys Mutter ist, wird ihre Lebensgeschichte größtenteils zusammengefasst, anstatt sie aktiv zu erzählen. Das fand ich schade, weil sie es aufgrund ihrer engen Verbindung zu Tiggy verdient hätte, wenigstens ein Kapitel über ihr Erwachsenenleben zu bekommen. Selbst María bekam mehr Screentime als sie, obwohl sie nicht so relevant für die Geschichte war. Trotzdem waren die Vergangenheitskapitel so einnehmend geschrieben, dass sie die Gegenwartskapitel komplett in den Schatten stellten.

Was mir an denen zunächst nicht gefiel, lässt sich mit einem Charakter zusammenfassen: Zed. Er wird glücklicherweise so grässlich dargestellt, wie er tatsächlich ist, aber die Szenen mit ihm waren mir trotzdem so unangenehm, dass ich Tiggys Geschichte erst dann neugierig weiter las, sobald er keine Rolle mehr in ihr spielte. Ein großes Lob an Lucinda Riley dafür, sein problematisches Verhalten als solches angesprochen zu haben, aber der Preis dafür war eine erste Hälfte, in der ich Tiggys Kapitel am liebsten gar nicht lesen wollte, weil Zed mich so aufregte! Ich schätze, dass das letztendlich ein Kompliment ist, weil er genauso rüberkommen sollte.

Doch neben Zed gibt es noch Cal und Charlie, die zwar um einiges besser waren als er, mir aber nie ganz sympathisch wurden. So machte Cal speziell in der ersten Hälfte viele abfällige Bemerkungen über Tiggy, die ihn für mich unsympathisch machten, obwohl er in der zweiten Hälfte etwas besser wurde; und Charlie, der mit Abstand der beste der drei war, zeigte immer noch ein beschützendes und kontrollierendes Verhalten gegenüber Tiggy, das aufgrund des Kontexts zwar teils verständlich war, mir aber immer noch zu viel war. Tatsächlich hätte ich mir gewünscht, dass Tiggy gar keine Romanze eingeht und stattdessen ihrem Traum folgt, statt am Ende festzustellen, dass er in Wirklichkeit daraus besteht, bei ihrem Love Interest und den Tieren des Anwesens zu bleiben.

Wie man feststellen kann, habe ich also durchaus ein paar wichtige Kritikpunkte an den Roman – doch ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass er meine Freunde am Lesen vermindert hat. Ja, die Zed-Szenen waren tatsächlich unangenehm zu lesen, aber weil der ganze Rest (speziell die Vergangenheitskapitel) so grandios geschrieben waren, hatte ich immer noch meinen Spaß mit dem Roman – und hoffe, dass auch der sechste mir eine packende Geschichte bieten wird!

Masquerade of the Heart - Ein Garden of the Cursed-Roman
384 Seiten

Nachdem Marlow die Schuld für den Anschlag auf Aurelius auf sich genommen hat, damit Adrius frei davon ist, muss sie sich nicht nur mit einer kommenden Gerichtsverhandlung auseinandersetzen, sondern auch mit Adrius‘ Fluch, den sie nach wie vor brechen will, ihrem Vater Vale, den sie dafür einspannen muss, und ihrem Freund Swift, der spurlos verschwunden ist. Am gefährlichsten ist dabei definitiv Vale, der seine ganz eigenen Pläne für Caraza hat …

Zufriedenstellend wird die Garden-of-the-Cursed-Dilogie mit „Masquerade of the Heart“ abgeschlossen, wobei ich persönlich ja hoffe, dass Katy Rose Pool noch mal in diese faszinierende Welt zurückkehren wird. Denn obwohl wir dieses Mal nicht mehr SO viel von der Magie mitbekamen wie im ersten Band, war Caraza an sich immer noch so großartig aufgebaut, dass ich gerne noch mehr davon lesen würde.

Aber um zur eigentlichen Geschichte zurückzukommen: Sie hob sich für allem durch hervorragendes Pacing und eine angenehme Balance ab: Marlow wird mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert, die sie auf kleinere und größere Quests schicken, die sie wiederum mit verschiedenen Charakteren zusammenbringen. Ich fand es so großartig, wie dadurch sowohl ihre Romanze mit Adrius, ihre Freundschaft mit Swift und speziell ihre komplizierte Beziehung zu ihrem Vater Vale stets eine Rolle spielt. Ich war sowohl von der Handlung als auch von den Charakterinteraktionen angetrieben, weil die Balance zwischen beiden so gut umgesetzt war.

Die Romanze mit Adrius ist süß und die Nebenhandlung mit Swift und Silvan ebenso, doch für mich war die wahre Stärke Marlows Beziehung zu ihrem Vater. Vale ist ein überraschend komplexer Charakter, dessen Pläne ich zwar nicht befürwortete, aber tatsächlich verstand. Er war nicht einfach nur ein böser Antagonist, sondern jemand, dessen Motivation man nachvollziehen kann, selbst, wenn seine Mittel zu drastisch sind. Die Tatsache, dass er seine uneheliche Tochter Marlow tatsächlich liebt, hat ihm eine überraschende Tiefe gegeben, die ich sehr willkommen geheißen habe.

Die anderen Nebencharaktere kommen nicht ganz so stark hervor, aber stark genug, um einen Eindruck zu hinterlassen. Das einzige, was ich schade fand, war, dass manche Nebenstränge (wie Gemmas Gefühle für Amara) hier im zweiten Band zwar erwähnt, aber nicht abgeschlossen werden, sodass ich am Ende das Gefühl hatte, es würde etwas fehlen. Nicht allzu viel – die Haupthandlungen bekommen immer noch ein zufriedenstellendes Ende –, aber genug, um es hier zu erwähnen.

Während das Ende der eigentlichen Handlung sehr gut war und mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, bin ich dem Finale gegenüber zwiegespaltener. Dort ist Marlow nämlich gezwungen, auf die Methoden des Antagonisten zuzugreifen – was ich einerseits gut fand, weil es zeigte, dass nicht alles Schwarz und Weiß ist, andererseits scharf an protagonisten-zentrierter Moral vorbeischlitterte, weil etwas Problematisches als gut angesehen wird, weil es die Protagonistin tut. Zugegeben war die Situation sehr verheerend, doch ich wünschte, es wäre stärker darauf eingegangen worden, dass Marlow im Grunde gegen ihre moralischen Grundsätze verstieß – denn wie an Vale demonstriert wurde, heiligt der Zweck nicht die Mittel, weshalb ich finde, dass auch Marlows Mittel hätten kritisiert werden sollen.

Das ist aber auch meine einzige größere Kritik an diesen packenden Fantasyroman, denn sonst hat er mir wirklich wunderbar gefallen und ich hoffe, dass Katy Rose Pool noch weitere Geschichten schreiben wird – ob in Caraza oder woanders!

The Pairing
448 Seiten

Vier Jahre ist es her, seit Theo und Kit sich voneinander getrennt haben. Damals hatten sie eine kulinarische Reise durch drei verschiedene Länder geplant, aber nie umsetzen können. Jetzt will Theo die Reise nachholen – und stellt zu allem Entsetzen fest, dass Kit dieselbe Idee hatte. Drei Wochen werden sie nun in unmittelbarer Nähe verbringen, während immer noch Gedanken und Gefühle in ihnen lauern, die sie nicht auszusprechen wagen. In der Hoffnung, über die Trennung hinwegzukommen, schlagen sie eine Wette vor: Wem es gelingt, während der Reise mit den meisten Menschen zu schlafen, gewinnt. Doch wie sich herausstellt, ist es nicht ganz so einfach, ihre Gefühle füreinander zu vergessen …

Bei Casey McQuiston bekommt man genau das, was man erwartet: Eine queere romantische Komödie mit zwei Hauptcharakteren, die man schnell lieb gewinnt und von denen man sich wünscht, sie mögen wieder zueinander finden. Sowohl Theo als auch Kit waren mir sehr sympathisch, wobei ich vor allem Theos Selbstzweifel und Selbstfindungsphase mochte. Aber auch Kit, der einsah, wie er Theo unwillentlich mit seinen Plänen einsperrte, war ein großartiger Charakter. Die Beziehung der beiden mochte ich sehr; zwar war ich definitiv interessierter an ihren emotionalen Gesprächen als an ihren Körperlichkeiten, doch so oder so war ich sehr investiert daran, dass sie wieder ein Paar werden.

Andere Charaktere bleiben vergleichsweise blass, aber sehr sympathisch; hier möchte ich die Diversität loben, die Casey McQuiston natürlich in all ihren Romanen einbaut und die auch hier wunderbar zu lesen war. Doch fast besser als die Nebencharaktere gefielen mir die Orte, die Casey McQuiston beschrieb und die sie so gut auf Papier setzte, dass ich quasi mit Theo und Kit auf dieser Reise war.

Doch eine wichtige Kritik habe ich an den Roman: Obwohl ich von einer romantischen Komödie vermutlich nicht allzu viel Tiefe verlangen sollte, war sie mir doch ein wenig ZU locker und ein wenig ZU sehr auf Körperlichkeiten konzentriert. Der Sex an sich ist dabei gar nicht das Problem, sondern der Eindruck, als wäre er ein wichtiger Hauptgrund, aus dem Theo und Kit überhaupt zusammen waren. Gerade, weil ihre Chemie miteinander so gut war, war ich überrascht, dass ich mich am Ende fragte, ob sie jetzt wegen dem Charakter der jeweils anderen Person zusammen sind oder wegen den Vorzügen, die ein Zusammensein bietet. Hier war die romantische Komödie nicht ganz erfolgreich darin, mich von ihren romantischen Gefühlen zu überzeugen, weil ich sie stärker spürte, als sie noch nicht wieder zusammen waren.

Insgesamt also eine lockere Lektüre für diejenigen, die gerade eine brauchen, aber leider nicht viel mehr.

Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen
480 Seiten

Benjamiah ist ein vernünftiger Junge, der gerne Sachbücher liest und nicht an Magie glaubt. Bis er eine Seelenpuppe zugeschickt bekommt, die sich in verschiedene Tiere verwandeln kann und ihn nach Winkelwald führt, einer labyrinthischen Stadt ohne Entkommen. Dort findet er bei Hansel und dessen Tochter Elizabella Zuflucht. Elizabella sucht nach ihrem entführten Zwillingsbruder Edwid, der in vier Flüsterflammen eine geheime Nachricht an sie hinterlassen hat. Jedoch sind diese Flüsterflammen an den gefährlichsten Orten in Winkelwald versteckt, sodass Benjamiah und Elizabella nur zusammen eine Chance haben, sie zu finden – während sie gleichzeitig über die ganze Stadt hinweg gejagt werden …

Dieser Fantasyroman ist zwar offiziell für Kinder, glücklicherweise aber für alle Alltagsgruppen geeignet. Als Erwachsene hat mich vor allem seine Kreativität beeindruckt – denn an sich ist das Abenteuer, das er erzählt, recht klassisch, mit einer Quest und Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, doch die Welt, die Jordan Lees erschafft, strotzt nur so vor den Möglichkeiten, die nur das Fantasy-Genre bietet. Gerade die Art und Weise, wie Gegenstände aus unserer Welt, wie Münzen oder Spielkarten, in Winkelwald ganz anders genutzt werden, war unglaublich inspirierend und sehr gut umgesetzt.

Auch die Atmosphäre Winkelwalds hat der Autor großartig eingefangen: Sie ist mysteriös und fantastisch und pompös, was durch die Bilder der Illustratorin Vivienne To nur noch verstärkt wird. Obwohl wir uns technisch gesehen in einer (gewaltigen) Stadt befinden, hatte ich das Gefühl, eine ganze Welt kennenzulernen, weil die Orte, die Benjamiah und Elizabella besuchen, sehr viel Variation und Abenteuer bringen.

Apropos: Während ich Benjamiah sehr sympathisch fand, mochte ich Elizabella aufgrund ihrer konstanten Unfreundlichkeit nicht. Gegen Ende ändert sich ihr Verhalten zwar, doch für mich war das Verschwinden ihres Bruders kein Anlass, so grob mit Benjamiah umzugehen. Hier wünschte ich, wir hätten ihren weichen Kern sowohl früher als auch öfter gesehen, denn zumindest für mich kam ihre Verhaltensänderung ein wenig zu spät.

Natürlich gibt es in diesem Roman auch ein paar Twists, wobei ich mit manchen rechnete und mit manchen nicht, und mir manche gefielen und manche nicht. So fand ich den Antagonisten sehr einseitig und langweilig, doch die Twists, die sich um die Hauptcharaktere selbst drehten, waren dafür umso unerwarteter und haben der Geschichte eine emotionale Tiefe verliehen, die das ganze Leseerlebnis bereichert hat.

Zusammengefasst eignet sich dieses Fantasyabenteuer perfekt für Fans von „Land of Stories“ und ähnlichen Geschichten, bei dem auch Erwachsene beherzt zugreifen dürfen!

Stadt der Magier und Diebe
416 Seiten

Nachdem er zum zweiten Mal beim Stehlen erwischt wird, wird der junge Taschendieb Cor als Arbeitssklave verkauft. Zu seinem Glück ist sein Käufer der Magier Jonathan Barnaby Fossell, der sich ihm gegenüber freundlich verhält und Cor ein Leben zeigt, von dem dieser zuvor nur träumen konnte. Doch er hat auch eine Aufgabe für ihn: Als ehemaliger Dieb kann Cor am besten herausfinden, warum überall in der Stadt nach und nach Diebe ermordet werden. Dazu muss Cor seine magischen Kräfte üben, was nicht so leicht ist, weil niemand erfahren darf, dass er mehr als nur ein Sklave ist …

Dieses spannende Kinderbuch ist eher für junge Jugendliche geeignet, denn aufgrund der beschriebenen Grausamkeit und den Morden würde ich es nur denjenigen empfehlen, die bereits Reihen wie „Harry Potter“ oder „Magisterium“ lesen. Fans von beiden Reihen werden hier eine Geschichte finden, die ebenfalls spannend zu lesen ist und das Erlernen von Magie in den Fokus rückt.

Das Pacing ist anfangs gewöhnungsbedürftig: Ruhige Lernmomente wechseln sich mit spannenden Mordmomenten ab, was mich zuerst verwirrt hat, weil die Morde zunächst überhaupt nicht näher untersucht werden und Cor sich lieber darauf konzentriert, seine Magie zu üben. Später werden die beiden Handlungsstränge allerdings fantastisch miteinander verbunden und sorgen für ein spannendes Leseerlebnis.

Cors Magiestunden waren hervorragend umgesetzt und ich mochte es, wie kreativ er (und die Autorin Judith Mohr) dabei wurde, sie einzusetzen. Als Protagonist war er ebenfalls sympathisch, wobei mein Lieblingscharakter allerdings sein Meister Jonathan ist. Aufgrund seiner Freundlichkeit habe ich den ganzen Roman hinweg damit gerechnet, dass Jonathan sich entweder als Twist Villain herausstellt oder tragisch stirbt, doch so oder so wurde er mühelos mein Lieblingscharakter, weil er sich so gut um Cor kümmerte. Tatsächlich war ihre familiäre Beziehung zueinander ein absolutes Highlight für mich!

Andere Charaktere stechen dafür nicht stark hervor. Am ehesten haben Clem (Cors ehemaliger Diebesanführer) und Ro (Diebin und Cors beste Freundin), einen Eindruck hinterlassen, wobei ich vor allem von Clem positiv überrascht war. Die anderen Charaktere hoben sich nicht besonders hervor, sodass ich bei einem Twist bezüglich einem der Charaktere für einen Moment überlegen musste, wer er noch mal war. Schade fand ich es, dass es fast keine signifikanten Frauenfiguren gab; Frauen und Mädchen selbst existieren natürlich schon, sogar in halbwegs wichtigen Rollen, aber im Vergleich zu den männlichen Figuren bekommen sie nur wenig zu tun. Das ist zum Teil sicher der historischen Zeit geschuldet, während der die Geschichte spielt, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass speziell Ro noch stärker in die Handlung einbezogen worden wäre.

Zuletzt ein wichtiger Pluspunkt: Obwohl es sich bei der „Stadt der Magier und Diebe“ um eine Reihe handelt, wird anscheinend jeder Band einzeln lesbar sein. Tatsächlich wird die Geschichte, die in diesem Band begonnen wird, auch beendet, wobei lediglich ein halbwegs offenes Ende für die Protagonisten auf einen möglichen zweiten Band deutet. Doch auch als Einzelband liest sich dieser Roman sehr gut und wird deswegen sicher nicht nur Kindern und Jugendlichen gefallen!

Das Jahr voller Bücher und Wunder (Ausführliche Leseprobe)
224 Seiten

Es ist Monate her, seit Tillys Ehemann Joe gestorben ist. Aus diesem Grund trifft es sie umso unerwarteter, als der Buchhändler Alfie sie an ihrem Geburtstag anruft und ihr verkündet, dass Joe ihr für jeden Monat ein Buch hinterlassen hat, das ihr helfen soll, ihre Trauer zu überwinden. Zunächst will Tilly sich nicht darauf einlassen, zu sehr schmerzt immer noch Joes Verlust. Doch schließlich siegt ihre Neugier und Monat für Monat besucht sie die Buchhandlung, um Joes nächstes Buch abzuholen. Dabei lernt sie nicht nur Alfie besser kennen, sondern findet endlich ein neues Leben für sich …

Ich lese XXL-Leseproben eher ungern, weil ich es bevorzuge, lieber das vollständige Buch in der Hand zu halten, doch hier habe ich mich ausnahmsweise dafür entschieden, weil der Aufbau der Geschichte es leicht macht, erst mal die ersten sechs Monate zu lesen, bevor die gesamte Geschichte herauskommt. Und insgesamt bin ich nach dieser ausführlichen Leseprobe sehr gewillt, das vollständige Buch zu lesen!

Der Schreibstil ist angenehm und macht es leicht, sowohl mit Tilly als auch mit Alfie mitzufühlen. Sowohl die Trauer, die sie empfinden, als auch die Hoffnung, die sie schöpfen, war wunderschön beschrieben, wobei ich nur ihre beginnenden romantischen Gefühle füreinander unrealistisch fand – denn dadurch, dass sie sich zunächst nur einmal im Monat sehen und erst später ein wenig mehr Zeit miteinander verbringen, kam es mir seltsam vor, dass sie sich trotzdem zueinander hingezogen fühlten. Hier hoffe ich, dass die zweite Hälfte der Handlung diesen Aspekt weiter vertieft und es ihnen erlaubt, noch mehr private Momente auszutauschen, damit ihre Romanze dadurch natürlicher wird.

Bisher war ich besonders in Tillys Selbstfindung investiert, weil ich es mochte, wie sie begann, eigene Entscheidungen für ihr Leben zu treffen und sogar kleine Abenteuer zu erleben. Sie befindet sich durchaus in einer privilegierten Situation, weil es nicht jeder Person in ihrer Situation möglich wäre, die Dinge zu tun, die sie tut, weshalb das Buch in diesem Aspekt eher einer Wunscherfüllung gleicht und nicht der Realität – aber gerade deshalb war es so schön zu lesen. Ich bin zuversichtlich, dass der vollständige Roman den Eindruck eines Wohlfühlbuchs verstärken wird.

Von den Nebencharakteren kommt leider niemand stark hervor, nur zu Joe erfahren wir durch Tillys Erinnerungen und die geschenkten Bücher mehr. Apropos: Natürlich werden hier viele Bücher erwähnt, von denen mir leider nur wenige bekannt vorkamen, doch gerade deshalb war es inspirierend, über sie zu lesen. Tatsächlich bin ich bei ein, zwei erwähnten Büchern gewillt, sie selbst zu lesen, weil sie sich so interessant anhörten! Doch insgesamt gibt es ein wenig ZU viele Lesetipps, die nicht immer relevant für die Handlung sind.

Ansonsten gibt es natürlich einige Handlungsstränge, die eingeführt wurden und von denen ich gespannt bin, wie sie sich im vollständigen Roman auflösen. Diesen werden ich auf jeden Fall lesen und freue mich schon darauf, das Ende von Tillys und Alfies Geschichte zu erfahren!

My Italian Lovestory
184 Seiten

Nachdem Emilias Vater sich das Bein gebrochen hat, kehrt sie nach Sizilien zurück, um dort nach den Weinbergen zu sehen, von denen ein Teil zudem nur kümmerlich wächst. Zusammen mit ihrem besten Freund Angelo und ihrem Rivalen Paolo untersucht sie die Gründe dafür – und muss feststellen, dass sie weitaus mehr für sie empfindet, als sie annahm. Doch mit wem soll sie ihre Zeit verbringen? Und mit wem zusammenkommen? Die Entscheidung liegt bei uns Leser:innen …

Als jemand, die Entscheidungsgeschichten mag und Lust auf eine lockere Liebesgeschichte hatte, war „My Italian Lovestory“ ziemlich perfekt dafür. Der Entscheidungspart der Geschichte ist dabei nicht allzu komplex aufgebaut – fünf der fünfundzwanzig Kapitel sind Hauptkapitel, die eine Entscheidung zwischen Angelo und Paolo beinhalten, während jeweils zehn Kapitel je einem Love Interest gewidmet sind. Auf diese Weise bekommen alle Leser:innen immer fünfzehn Kapitel zu lesen, egal, wie sie sich entscheiden, was der Geschichte eine angenehme Länge gegeben hat.

Beim ersten Lesen passierte es mir, dass ich abwechselnd Angelo- und Paolo-Kapitel zu lesen bekam, was zwar erklärte, warum Emilia Gefühle für sie beide entwickelte, dafür aber beiden Handlungssträngen wichtigen Kontext nahm, den ich erst begriff, als ich die Geschichte ein zweites Mal mit gegenteiligen Entscheidungen las. Aus diesem Grund würde ich anderen Leser:innen empfehlen, bei einem Love Interest zu bleiben (und notfalls nachzuschauen, welcher Pfad zu welchem Charakter führt), weil dadurch zwar die Gefühle für den anderen Love Interest nicht ganz so verständlich sind, man dafür aber eine gesamte, süße Liebesgeschichte zu lesen bekommt. Ich habe die Geschichte dafür sogar noch zweimal überflogen, einmal für Angelo und einmal für Paolo, um zu bestätigen, dass sich eine Geschichte, die sich nur auf einen der beiden konzentriert, tatsächlich natürlicher und verständlicher liest.

Das liegt auch daran, dass eine der Entscheidungen unerwarteterweise dazu führt, dass Emilia einen der Love Interests küsst – man sich aber immer noch für den anderen entscheiden kann, ohne, dass der Kuss mit dem ersten Love Interest nochmal angesprochen wird. Deshalb finde ich es besser, nur einem Pfad zu folgen, weil auch so die Logik der Geschichte erhalten bleibt. Meiner Meinung nach lassen sich die beiden Liebesgeschichten nicht gut mischen, doch folgt man nur einem Pfad, bekommt man dafür ein besonders schönes Leseerlebnis, das sich (auf positive Weise) länger anfühlt, als es eigentlich ist. Ich war tatsächlich beeindruckt davon, wie gut es Nina Bilinszki gelang, die beiden Romanzen natürlich zu entwickeln und sich dabei trotzdem kurz zu fassen!

Insgesamt also ein sehr schönes Geschenkbuch für alle, die ein kurzweiliges Leseerlebnis und gleich zwei Liebesgeschichten in einer suchen!

The Beasts We Bury (Band 1)
429 Seiten

Mancella ist die zukünftige Thronfolgerin ihres Reiches, doch ihr Leben könnte nicht qualvoller für sie sein. Denn ihre Magie ermöglicht ihr, die Seelen von Tieren heraufzubeschwören, die für sie kämpfen – aber nur, wenn sie sie davor mit bloßen Händen tötet. Etwas, das Mancella nicht will, aber wozu ihr Vater sie zwingt. Erst, als sie auf den Dieb Silver trifft, bekommt sie Hoffnung auf ihre Freiheit und Frieden für ihr Reich. Doch Silver hat seine eigenen Aufträge bekommen, die verlangen, Mancella auszunutzen – und sie letztendlich zu verraten …

Dieser Fantasyroman hatte ein faszinierendes Konzept, das zudem sehr gut umgesetzt war, doch natürlich ist es auch ein sehr grausames, das nicht für alle Leser:innen geeignet ist. Es gibt zwar glücklicherweise nur wenige Stellen, in denen der Tod eines Tieres beschrieben wird und tatsächlich auch vergleichsweise wenige, in denen die Tiere für Mancella kämpfen, aber existieren tun sie durchaus, was zumindest an ein, zwei Stellen hart zu lesen war.

Doch mochte ich es, wie Mancella mit ihrer Kraft umgegangen ist. Sie ist strikt gegen die Pläne ihres Vaters und gegen das Töten von Tieren, liebt ihre Tiere tatsächlich sehr und möchte nicht, dass sie und ihre Fähigkeit ausgenutzt werden. Obwohl viele sie als ein Monster sehen, erleben wir Leser:innen, wie sie sich wirklich fühlt und wie sehr sie gegen ihren grausamen Vater rebellieren möchte. Dieser war natürlich ein sehr unsympathischer Charakter – tatsächlich habe ich mir an mehreren Stellen seinen Tod gewünscht, weil seine Grenzen einfach alles überschreiten, wozu jemand bereit sein sollte.

Silver ist ebenfalls ein sympathischer Protagonist, dessen Zwiespalt gut herüberkommt, doch hätte ich mir gewünscht, dass seine Geschichte nicht verlangen würde, dass er seine Aufträge aus einem Grund erledigt, den er nicht einmal kennt, und darauf vertrauen muss, dass sein Auftraggeber ihm die Wahrheit sagt. Hier wäre eine bessere Kommunikation mit seinen Freunden und Mancella wünschenswert gewesen, weil ich das Gefühl hatte, dass Silvers Zwiespalt sich so sehr viel leichter aufgelöst hätte. Zudem hätte das seine Verbindung zu Mancella verstärkt; denn diese war zwar stark genug, um eine Freundschaft glaubhaft zu machen, aber nicht stark genug für die Romanze, die sie sein soll.

Vom Rest der Charaktere bekommen wir genug mit, um uns an sie zu erinnern, aber leider nicht genug, um uns um sie zu sorgen. So spielen Mancellas Familie und Silvers Freunde ebenfalls eine Rolle in der Handlung, aber weil wir ihre Charaktere nie richtig kennenlernen, fiel es mir schwer, mich tatsächlich um sie zu kümmern. Tatsächlich interessierten mich viel mehr die Fähigkeiten der Charaktere als die Charaktere selbst, weil diese – vor allem im magischen Bereich – so kreativ waren, dass ich gerne mehr von ihnen gelesen hätte.

Insgesamt muss ich zugeben, dass der Roman zwar nichts Besonderes bietet, aber immer noch eine gute Geschichte mit sympathischen Hauptcharakteren erzählt, die andere Leser:innen umso mehr ansprechen könnte!