Malou Löwenberg bekommt einen neuen Fall, der sich diesmal als ihr schwierigster erweisen könnte: Lana Boban, die im Sterben liegt, möchte vor ihrem Tod unbedingt ihren Bruder Lucas wiedersehen, der vor sechsundzwanzig Jahren verschwunden ist. Das Problem dabei: Damals hat er zwei Mädchen getötet und fingierte danach seinen eigenen Tod. Sollte Malou ihn finden, wird sie sich der Entscheidung stellen müssen, ihn entweder mit seiner Schwester zu vereinen oder ihn festzunehmen – eine Entscheidung, die immer schwerer wird, als sie noch mehr Fälle entdeckt, die Lucas‘ Modus Operandi aufweisen …
Malous dritter Fall hat nicht nur ein faszinierendes Setup, sondern ist im Allgemeinen sehr spannend geschrieben. Mit einem lockeren Schreibstil, konstanten Cliffhangern und stellenweise anderen Sichtweisen gelang es Christine Brand hervorragend, mich am Ball zu halten, und das, obwohl recht klar ist, dass die Ausgangssituation mit Lucas als Mörder nicht so einfach sein kann, wie sie sich darstellt. Aber gerade das war großartig: Obwohl ich ahnte, dass es nicht die ganze Wahrheit sein kann, wusste ich immer noch nicht, wie viel vielleicht doch stimmt, und bin tatsächlich komplett auf die falsche Fährte hereingefallen. Hier war ich sehr dankbar, dass die Auflösung ebenfalls nicht so offensichtlich war, wie sie schien!
Aber auch die Nebenhandlungen mochte ich gern, wie Malous Suche nach ihren leiblichen Eltern und ihre Suche nach einer verschwundenen Urne. Diese Handlungsstränge sind für die Haupthandlung zwar nicht relevant, zeigen aber mehr von Malous Charakter und waren schlicht interessant zu lesen. Übrigens ist es nicht notwendig, die anderen beiden Bände zu kennen; die Referenzen auf sie beschränken sich auf ein Minimum und alles, was man wissen muss, wird anfangs erläutert, ohne die vorherigen Fälle zu spoilern.
Sehr erfrischend fand ich es, dass Malou in diesem Band kompetenter war als in den vorherigen Fällen. In diesen machte sie nämlich ein paar offensichtliche Fehler und traf ein paar zweifelhafte Entscheidungen, aber in diesem Band kam sie professioneller rüber, ihre Fehler schienen verständlicher, ihre Entscheidungen ebenfalls. Ich hoffe, dass diese Entwicklung weiter fortschreitet!
Von den anderen Charakteren fand ich Bernard und Bettina sympathisch, ansonsten gab es bis auf Lucas und Lana (die beide trotz ihrer begrenzten Screentime großartig waren) keine herausstechenden Charaktere. Hier glänzt der Roman vor allem durch seinen Fall, bei dem ich stets darauf brannte, weiterzulesen und der sicher auch für andere ein spannendes Lesevergnügen bieten wird!
- Little Hollywood
- Inga Hanka
- ecco
- Belletristik
- Cp
- Coming of Age
- 90er Jahre
- Nostalgie
- Sommer
- Liebe
- Romanze
- Familie
- Leben
- Lebensfindung
Der letzte Sommer vor der Jahrtausendwende: Leo hat ihre letzte Prüfung geschrieben und freut sich auf ihre Freiheit, doch nichts läuft so, wie es soll. Ihr Crush lässt sie sitzen, sie streitet sich mit ihrer Mutter, ihr gewalttätiger Vater schreibt ihr einen Brief, ihr Bruder möchte nicht allein sein, und Leo will am liebsten ihre ganze Zeit in der Videothek Little Hollywood verbringen. Denn auch wenn Jo, der dort arbeitet, ihr bei jeder Ausleihe eine Wahrheit-oder-Pflicht-Frage stellt, bringen ihr die Filme den Komfort, der ihr im wahren Leben fehlt. Und sobald sie Jo besser kennenlernt, lernt sie auch sich selbst auf neue Weise kennen, und damit hoffentlich auch einen Weg, ihre Zukunft zu gestalten …
Am Anfang habe ich diese Geschichte als etwas zu langsam und ereignislos gefunden, was natürlich daran liegt, dass es tatsächlich eine gemächliche, aber auch wunderschöne Geschichte ist. Ich brauchte wohl nur ein kleines Weilchen, um mich daran zu gewöhnen, aber sobald ich es tat, konnte ich mich richtig in die Geschichte und in Leos letzten Sommer fallen lassen. Die Atmosphäre der 90er ist hervorragend gelungen, und auch der beschriebene Sommer trägt eine Nostalgie und Erwartungshaltung in sich, die zu dem letzten Sommer vor dem Erwachsenwerden passt.
Obwohl ich die 90er nur als Kind erlebt habe und ganz andere Erfahrungen gemacht habe als Leo, konnte ich mich auf gewisse Weise trotzdem in sie hineinversetzen; das hat mich überrascht, weil wir so wenige Gemeinsamkeiten haben, es aber trotzdem leicht war, ihr und ihren Gedanken zu folgen. Zugegeben finde ich, dass Menschen, die tatsächlich ein aktiver Teil der 90er waren, sich noch besser in die Geschichte einfinden können, und erst recht Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie Jo machten; doch gerade deshalb wollte ich als jemand, der mit keinem von beiden stark verbunden war, sagen, dass auch ich die Geschichte vollauf genossen habe.
Der Fokus der Geschichte liegt auf Leos süßer Romanze mit Jo, die wirklich sehr gut umgesetzt war; die beiden haben eine wunderbare Chemie miteinander und ihre gemeinsamen Szenen gehörten mühelos zu meinen liebsten. Zwar war auch der Handlungsstrang mit Leos Familie gut geschrieben und speziell Leos komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter mochte ich sehr, aber letztendlich fieberte ich am meisten mit Leos und Jos wachsender Liebe mit.
An sich passiert nicht allzu viel, es geht eben hauptsächlich um die letzten Gedanken, Zweifel und Abenteuer vor dem letzten Sommer, bevor man erwachsen wird; aber durch die wunderbare nostalgische Atmosphäre gefiel mir gerade das besonders gut: Man bekommt eine ruhigere Geschichte, die einen in früheren Zeiten schwelgen lässt, als alles noch einfacher schien, obwohl es das nicht immer war. Wer dieses Gefühl vermisst, wird es in „Little Hollywood“ finden!
- Annie Knows
- Everything
- Rachel Wood
- Lübbe
- Belletristik
- Romanze
- Humor
- Komödie
- RomCom
- Missverständnisse
- Schlagabtäusche
- Familie
- Lockere Lektüre
Nachdem Annie ihren eigentlichen Job beim Tech-Unternehmen Taskio verliert, lässt sie sich in die Data Strategy versetzen, obwohl sie sich damit gar nicht auskennt. Ihr neuer Boss Connor, der das merkt, gibt ihr die Aufgabe, sich um ein Dashboard zu kümmern, das niemand in der Firma benutzt, ohne, dass sein Team es sich erklären könnte. Annie und Connor arbeiten zusammen – und genießen dabei einen stetigen Schlagabtausch. Allerdings verstößt es gegen die Firmenpolitik, eine Beziehung unter Kollegen anzufangen …
Diese romantische Komödie ist einfach herrlich zu lesen, locker und lustig geschrieben und die perfekte Lektüre für Zwischendurch. Sie ist natürlich sehr vorhersehbar, selbst die Überraschungen sind leicht zu erraten – man bekommt eben genau das, was man erwartet. Aber es war so spaßig und so unterhaltsam, dass mir das letztendlich nichts ausmachte.
Ein großer Grund dafür ist Annies und Connors großartige Chemie. Sie haben viele humorvolle Schlagabtäusche, die ihre Chemie wunderbar zeigen und sich absolut amüsant lesen. Immer, wenn die beiden miteinander sprachen oder schrieben, kam es mir wie ein Ping-Pong-Duell vor, weil die beiden sehr gut damit waren, sich die metaphorischen Bälle hin- und herzuwerfen. Zwar kommen auch so einige Missverständnisse zwischen ihnen vor, aber sie wurden glücklicherweise schnell geklärt, sodass ich im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Komödien nicht die Augen verdrehen musste, sondern mich über die verständnisvollen Gespräche freuen durfte.
Der eigentliche Job spielt letztendlich keine große Rolle (speziell das Dashboard, für das Annie zuständig ist, gerät gegen Ende in Vergessenheit, wenn auch aus gutem Grund), aber dafür umso mehr die Schwesternbeziehung zwischen Annie und Shannon. Die war wirklich gut umgesetzt, auch wenn ich hin- und hergerissen bin, was die Auflösung von Shannons romantischen Problemen angeht.
Andere Charaktere kommen in genau der richtigen Dosierung vor; sie blieben zwar letztendlich recht zweidimensional, hoben sich aber sehr gut voneinander ab und hinterließen bei mir einen bleibenden Eindruck.
Insgesamt also eine amüsante RomCom, die einfach Spaß macht!
Mab, die Feenkönigin, bittet Harry Dresden um einen Gefallen und er weiß sofort, dass er in Schwierigkeiten ist. Sie möchte, dass er den entführten Mafiaboss Marcone rettet. Zudem haben es auch die Böcke Brausewind auf ihn abgesehen und Harry muss all seine Freunde um sich scharen, wenn er gegen die Vielzahl seiner Feinde eine Chance haben und aufdecken will, was sie eigentlich vorhaben …
In diesem Harry-Dresden-Band geht so einiges vor sich – und meiner Meinung nach etwas zu viel. Die einzelnen Handlungsstränge und Charakter- und Action-Szenen mochte ich sehr, hatte jedoch Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Ich habe immer noch nicht ganz begriffen, wie gewisse Handlungsaspekte ineinander greifen, z.B. die Art und Weise, wie Harrys Quest, Marcone zu retten, zu einer Quest wird, Ivy zu retten, wonach ersteres keine Rolle mehr zu spielen scheint. Die Wandlung an sich war sehr gut, weil ich sehr viel mehr in Ivy investiert war als in Marcone, aber insgesamt betrachtet hatte ich das Gefühl, dass man einen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne etwas Substanzielles dabei zu verlieren.
Das trifft auch auf die Anzahl der Charaktere zu: Wir sind längst bei einem Band gelangt, bei dem ich mir nur die Hauptcharaktere merken kann und Schwierigkeiten habe, mich an alle anderen zu erinnern, was dadurch erschwert wird, dass in diesem Band erstaunlich viele Charaktere auftauchen und es keinen Fokus auf eine bestimmte Beziehung gibt. Auch das hat etwas Gutes, denn so bekommt jeder Charakter Szenen mit Harry, die mir sehr gefielen (hervorzuheben sind Murphys Szenen im Allgemeinen, aber auch die Art und Weise, wie Michaels Freundschaft zu Harry zum ersten Mal getestet wird), aber es war etwas zu viel für mich.
Das Finale und das Ende waren dafür wie immer gut gelungen. Allgemein sind die Action-Szenen sehr gut geschrieben, was doppelt auf das spannende Finale zutrifft, bei dem ich sehr mit den Charakteren mitfieberte und das glücklicherweise ein zufriedenstellendes Ende findet. Zudem macht es mich gespannt, wie es im nächsten Band mit gewissen Charakteren weitergeht, weil das Ende Möglichkeiten für spannende Handlungslinien offen lässt.
Insgesamt ein sehr solider Harry-Dresden-Band, der mir zwar etwas zu überfüllt vorkam, aber ansonsten wie immer ein gutes Abenteuer bietet!
Tasha und ihr Ehemann Aaron hatten seit einer Weile keine Zeit mehr für sich, weshalb Tashas Schwester Alice ihnen anbietet, für ein paar Tage Urlaub in Italien zu machen, während Alice mit ihrem Ehemann Kyle auf die Kinder aufpasst. Doch dann werden Alice und Kyle überfallen, Kyle wird getötet, Alice verletzt. Und Tasha, die sich bewusst ist, wie ähnlich sie und ihre Schwester sich sehen, befürchtet, dass sie das eigentliche Ziel war – eine Furcht, die durch eine anonyme Nachricht bestätigt wird: Das hättest du sein sollen …
Claire Douglas‘ Thriller sind in der Regel ein lockeres Vergnügen, und das trifft auch auf diesen Thriller zu. Die Grundidee faszinierte mich sofort und ich mochte das Mysterium darüber, wer es auf Tasha abgesehen haben könnte und warum. Zunächst einmal waren die Familienbande zwischen den Charakteren sehr gut umgesetzt; ich mochte die schwesterliche Beziehung zwischen Tasha und Alice, Tashas sich entwickelnde Beziehung zu ihrem Ehemann Aaron, sowie Tashas und Alices Bund zu ihrer Mutter. Die Tatsache, dass die beiden noch eine dritte Schwester hatten, die als Baby entführt wurde, faszinierte mich ebenfalls und hier gefiel mir die Umsetzung ausgesprochen gut, weil sie nicht zu vorhersehbar, aber auch nicht zu unerwartet war.
Allerdings fand ich die Überraschungen und Twists allgemein gar nicht so überraschend und schockierend, wie ich es mir erhofft hatte. Viele kann man nämlich kommen sehen und selbst jene, die ich nicht erwartete, waren letztendlich nicht allzu überraschend und auf jeden Fall keine großen, alles verändernden Twists. Das hat mir tatsächlich gefehlt; vielleicht liegt es auch nur an meiner Thriller-Erfahrung, aber ich hatte am Ende das Gefühl, zwar einen sehr soliden, aber keinen sehr guten Thriller gelesen zu haben, da mir dazu noch ein wenig mehr „Oha!“-Momente gefehlt hätten.
Nichtsdestotrotz war der Thriller immer noch ein spaßiges Lesevergnügen, hat mich gut unterhalten und eignet sich hervorragend für Zwischendurch!
- Missing Page
- Katie Kento
- one
- Thriller
- Jugendbuch
- Spannung
- Geheimnisse
- Foreshadowing
- Details
- Ermittlungen
- Charaktere
Toni bekommt einen Platz in einem exklusiven Workshop, den der weltberühmte Autor Richard Erwin Giffard leitet. Dort behauptet sie, sich qualifiziertes Feedback zu wünschen, obwohl sie in Wirklichkeit ein Verbrechen plant. Zu aller Überraschung verkündet Giffard allerdings, dass mehr hinter dem Workshop steckt: Er ist ein Wettbewerb, bei dem der Gewinner nicht nur einen Buchvertrag und ein Preisgeld bekommt, sondern in Giffards Testament als alleiniger Erbe eingesetzt wird. Doch bald darauf wird Giffard tot aufgefunden und ein Sturm kapselt Toni, die Teilnehmenden und die Bediensteten von der Außenwelt ab. Toni und die Teilnehmenden nutzen die Gelegenheit, um Giffards Tod näher zu untersuchen – doch mit jedem Indiz verhärtet sich Tonis Angst, dass sie selbst es war, die Giffard während ihres Schlafwandelns umgebracht hat …
„Hotel Ambrosia“ gehörte zu meinen absoluten Lieblingsthrillern im letzten Jahr, weil er so voller überraschender Twists war, und obwohl „Missing Page“ nicht dieselbe Art an Was-zur-Hölle-Twists hatte, hatte es immer noch eine spannende Geschichte, die durch viele, viele Details zusammengefügt wurde.
Und diese Details waren für mich das Beste an der Geschichte. Die vielen Mysteryelemente waren so wundervoll miteinander verwoben, dass ich das Buch am liebsten noch einmal lesen würde, um dieses Mal noch mehr auf die vielen Details zu achten, die ich beim ersten Lesen übersah. Ich bin immer noch ganz begeistert davon, wie viele Dinge miteinander zusammenhingen, die mir nicht auffielen, obwohl sie im Nachhinein ein so passendes Puzzle ergaben. (Spezielle Erwähnung verdient die Art und Weise, wie Toni den Fall auf äußerst ungewöhnliche und sehr zufriedenstellende Weise gelöst hat.)
Die anderen Teilnehmenden – George, Parker, Nessa, Milo und Susmita – sowie die Bediensteten bleiben mehr oder weniger zweidimensional, mit festen Charaktereigenschaften, die es leicht gemacht haben, sich die einzelnen Charaktere zu merken, was sowohl ein Plus- als auch ein Minuspunkt war: Mir gefiel es sehr, wie mühelos ich den Überblick über alle Charaktere behalten konnte, weil mir das oft schwer fällt, aber gleichzeitig hätte ich mir gerne noch mehr Tiefe von allen gewünscht. Beziehungsweise bekommen die Charaktere durchaus Tiefe, aber diese ist größtenteils mit Twists verbunden – und ich hätte mir gerne abgesehen von den Twists noch mehr Tiefe gewünscht. (Davon abgesehen waren die Charaktere allerdings sehr sympathisch.)
Die Entwicklung der Handlung war großartig, zunächst mit einer klassischen Mystery, die dann immer mehr Schichten bekommt, bis sie am Ende äußerst zufriedenstellend aufgelöst wird. Es gibt so einige dramatische Momente und ich liebte es, wie sehr Tonis Bindung zu ihrer Mutter, die Probleme mit ihrer Geschichte, ihr Schlafwandeln, ihre Ermittlungen und ihre süße Romanze mit George gehandhabt wurden. Es war leicht, mit ihr mitzufiebern, weil sie so eine großartige Protagonistin war.
Insgesamt ein sehr guter Thriller, der seine losen Fäden unglaublich gut miteinander verknüpft und mir sehr viel Spaß gemacht hat!
- Die Ehefrau
- Freida McFadden
- Heyne
- Thriller
- Spannung
- Tagebuch
- Drama
- Ehe
- Lügen
- Geheimnisse
- Falsche Fährten
- Pflegealltag
- Tragödie
Auf Jobsuche trifft Sylvia zufällig auf Adam Barnett, der dringend jemanden braucht, der sich um seine Frau Victoria kümmert. Diese ist nach einem Unfall zu einem Pflegefall geworden, spricht so gut wie nicht und ist auch kaum ansprechbar. Sylvia zögert, doch weil sie die gute Bezahlung dringend braucht und der Job nicht allzu kompliziert scheint, nimmt sie ihn an. Victorias Situation bestürzt Sylvia zutiefst – vor allem, als ihr bewusst wird, dass Victoria nicht ganz so abwesend ist, wie es scheint, denn sie macht Sylvia auf ihr Tagebuch aufmerksam, in dem sie und Adams Geschichte verschriftlicht hat. Und Sylvia ahnt, dass in diesem Tagebuch entweder die Wahrheit über das steht, was Victoria passiert ist – oder eine einzige große Lüge …
Freida McFadden steht für mich für lockere, spannende Thriller mit guten Twists, die zugegeben mal besser und mal schlechter sind, aber zu meiner Freude war „Die Ehefrau“ einer, der mir sehr viel Spaß gemacht hat!
Das Ausgangsszenario ist bereits sehr spannend und hat mich sofort fragen lassen, inwiefern Victorias Tagebuch wohl zu trauen ist – im Grunde, ob die Geschichte in die Gone-Girl-Richtung mit dem falschen Tagebuch gehen würde oder die Länge der Einträge eher dafür spricht, dass sie wahr sind. Hier ist es McFadden wirklich hervorragend gelungen, Hinweise in beide Richtungen zu streuen und die Diskrepanz zwischen der Vergangenheit und Gegenwart so groß zu halten, dass ich bis zum Ende wirklich nicht sicher war, welche Sichtweise am Ende stimmen würde.
Einen kleinen Teil der Handlung konnte ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrung mit McFadden-Thrillern sogar vorhersehen, aber wie gesagt betrifft das nur einen kleinen Teil und nicht die Haupthandlung, die wunderbar undurchsichtig war.
Victorias Tagebucheinträge fand ich interessanter als Sylvias Gegenwart, denn obwohl es in beiden Teilen der Handlung spannende Elemente gibt, fand ich, dass Sylvias Alltag ein wenig zu langgezogen wurde. Ich habe zwar immer noch mitgefiebert, weil das Mysterium um Victoria mich so fesselte, aber das lag eher an den Tagebucheinträgen und nicht an Sylvias Erkundungen. Hier finde ich, dass man die Handlung etwas hätte straffen können, um die Spannung noch höher zu machen.
Gut fand ich, dass Sylvia eine eigene Vergangenheit mit ihrem Exfreund Freddy hatte, der sie unbedingt zurückgewinnen will. Ich habe lange überlegt, wie Freddy wohl in die Haupthandlung eingebaut werden würde und war insgesamt zufrieden mit seiner Rolle.
Das Ende ist etwas plötzlich, aber trotzdem spannend und passend für die Geschichte. Für manche Charaktere hätte ich mir gerne ein anderes Ende gewünscht, aber gleichzeitig war es (leider) realistisch, dass nicht jeder ein gutes Ende findet. Insgesamt betrachtet war dieser Thriller auf jeden Fall gut zu lesen, hatte eine gute Mystery und war schlicht ein sehr guter McFadden-Thriller!
Seit Amanda ihre kleine Tochter und ihren Ehemann verloren hat, denkt sie nur daran, wie sie deren Mörder möglichst unauffällig umbringen kann. Nach einem gescheiterten Versuch wird sie in eine Gruppentherapie gesteckt, wo sie Wendy kennenlernt, die ebenfalls einen schweren Verlust erlitten hat und den Wunsch nach Rache verspürt. Wendy schlägt ihr gemäß "Zwei Fremde im Zug" vor, ihre Mörder zu tauschen. Doch der Plan geht schief und Wendy verschwindet spurlos, woraufhin Amanda alles in ihrer Macht Stehende tun muss, um sie wiederzufinden und gleichzeitig der Polizei zu entkommen ...
Steve Cavanagh gehört fraglos zu meinen Lieblingsautoren und in diesem Thriller hat er wieder einmal gezeigt, warum: Er schreibt so unglaublich spannend, dass es fast unmöglich ist, sich seinem Sog zu entziehen. Ich war am Anfang erst mal emotional an Amanda gebunden, weil ihr Verlust auf sehr gefühlvolle Weise beschrieben wird, bevor die eigentliche Handlung Überhand nimmt und für ein rasantes Leseerlebnis sorgt. Es war so leicht, mit ihr mitzufiebern, weil sie eine sympathische Heldin in einer sehr schwierigen Situation ist.
Das gleiche gilt auch für die zweite Protagonistin Ruth, die am Anfang eine Messerattacke überlebt und seitdem panische Angst hat, dass der Mörder zurückkommen könnte, um ihr den Rest zu geben. Auch ihre Geschichte fängt emotional an, bevor sie, ähnlich wie Amanda, in Situationen gezwungen wird, die sie heillos überfordern.
Twists gibt es natürlich so einige und sie waren ausgesprochen zufriedenstellend, weil sie die perfekte Mischung aus überraschend und logisch waren. Manche sah ich vage kommen, aber andere haben mich ganz schön unerwartet getroffen, obwohl sie im Nachhinein perfekt ins Puzzle passten. Ein besonders großen Lob für das Ende, das alle Handlungsstränge zufriedenstellend abschließt und mich regelrecht atemlos an den Seiten hielt.
Wer Steve Cavanagh, aber auch allgemein packende Thriller mag, die ihre Spannung tatsächlich über das ganze Buch hinweg halten, wird hier einen besonders großartigen finden!
(Tatsächlich habe ich mir nun "Zwei Fremde im Zug" gekauft, weil ich so gespannt bin, wie die Originalidee wohl umgesetzt wurde!)
- Firewatch
- Colin Hadler
- dtv
- Thriller
- Romanze
- Spannung
- LGBTQ+
- Hinterlist
- Geheimnisse
- Twists
- Süchtigmachend
- Highlight
Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …
Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.
Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.
Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.
Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.
Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!
- Spiegelland
- Rebekka Frank
- Fischer
- Belletristik
- Familiengeschichte
- Jahrhundertwende
- Moor
- Drama
- Missbrauch
- Leben
- Familie
- Liebe
- Feminismus
Nachdem Elias Mist gebaut hat, flieht er zu seiner Oma Cato, die ihm durch ihre eigene Geschichte bewusst macht, dass Elias noch viel zu lernen hat. Sechsundzwanzig Jahre früher: Cato flieht zusammen mit Elias‘ damals noch zwölfjähriger Mutter Kira vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Im Moor hat sie eine Hütte geerbt, in der sie sich sicher fühlt – und wo die beiden eine ungewöhnliche Entdeckung machen: Ein Wandteppich mit merkwürdigen Symbolen, die eine lange vergangene Geschichte erzählen. Während Cato sich ein neues Leben aufzubauen versucht und hofft, dass ihr Ehemann sie nicht findet, forscht sie nach, was wirklich das Geheimnis des Moors ist …
Ich habe mich am Anfang unglaublich schwer damit getan, in das Buch reinzukommen, weil zum einen die Anfangssituation mit der gewalttätigen Ehe sehr deprimierend beschrieben war und zum anderen erst mal nicht allzu viel passierte. Gerade, wie realistisch der erste Punkt dargestellt wurde, hat mich ganz schön runtergezogen, obwohl er natürlich ein Pluspunkt für den Realismus der Handlung ist. Zusätzlich jedoch gab es neben Elias und Cato (wobei letztere definitiv die wichtigste Rolle hat) auch noch einen dritten Handlungsstrang mit Aletta, der Mitte der achtzehnten Jahrhunderts spielt und mich am Anfang so wenig interessierte, dass die Handlung sich immer so anfühlte, als würde sie zum Stillstand kommen, sobald es um ihre Sichtweise ging.
Erst, als beide Frauen in ihrer jeweiligen Zeitlinie eine Entdeckung im Moor machten (nach circa 200 Seiten), nahm die Geschichte Fahrt auf und ich wurde sehr investiert in alle drei Handlungsstränge. Der Spannungsfaktor, der durch den Fund und die etablierten Beziehungen entstand, trieb mich zum Weiterlesen an: Ich wollte wissen, wie Cato sich ein neues Leben aufbaut und wie es ihr gelingt, ihren Mann Sven hinter sich zu lassen, wie Elias aus seinen Fehlern und den Fehlern des Patriarchats lernt und wie Aletta ihre Dorfgemeinschaft, aber auch ihre wachsende Liebe zu Krischan schützen kann. Zwar hatte Aletta für mich immer noch am wenigsten Relevanz, aber natürlich werden alle drei Handlungsstränge letztendlich zufriedenstellend miteinander verwoben.
Die Beziehungen zwischen den Charakteren – sowohl die Romanzen als auch die familiären Bindungen – waren gut umgesetzt und kamen zusätzlich mit einer guten Botschaft daher, bei der ich sogar lange zweifelte, ob sie sich wirklich durchsetzen würde können. Der Teil der Handlung nach dem Fund war im äquivalenten Masse spannend (durch die Androhung von Svens Erscheinen) und ruhig (durch den Wiederaufbau eines neues Lebens für Cato und ihre Tochter). Dieser Handlungsstrang faszinierte mich definitiv am meisten und ich bin froh, dass er auch am meisten Aufmerksamkeit bekam.
Allzu große Überraschungen gibt es nicht, obwohl die Geschichte auch nicht SO vorhersehbar ist, wie es zunächst den Anschein hat. Letztendlich lohnte sich die Lektüre für mich, weil mir die Handlungs- und Charakterentwicklung so gefiel, aber alle anderen Leser:innen sollten bedenken, dass es dafür eine ganze Weile braucht!
- Pina fällt aus
- Vera Zischke
- Ullstein
- Belletristik
- Familie
- Freundschaft
- Autismus
- Empathie
- Leben
- Probleme
- Kleines Highlight
Pina kümmert sich hingebungsvoll um ihren zwanzigjährigen Sohn Leo, der in seiner eigenen Welt lebt und nur sie als Stütze hat. Doch als sie beim Einkaufen zusammenbricht und in die Intensivstation eingeliefert wird, bleibt Leo ohne sie zurück und es liegt an den Nachbarn, ihn zu unterstützen: Inge, die Seniorin, die seit anderthalb Jahren ihre Wohnung nicht verlassen hat und immer noch um ihren verstorbenen Ehemann trauert; Zola, die Zockerin, die von ihrer Familie rausgeworfen wurde und einen Hang zum Stehlen hat; und Wojtek, der Einsiedler, der Kristallfiguren sammelt, weil er in die Verkäuferin verliebt ist. Sie schließen sich zusammen, um Leo zu helfen und schließen ihn schon bald ins Herz …
Dieser schöne Roman hat einen autistischen Charakter im Fokus, der mit viel Empathie erzählt wird, obwohl er selbst keine Sichtweise bekommt: Leo, den ich am Anfang als sehr schwierig empfand, der mir aber im Lauf der Handlung immer sympathischer wurde, sodass ich die Sichtweise der anderen Charaktere umso besser nachvollziehen konnte. Denn am Anfang fühlen sich alle verständlicherweise überfordert von ihm, doch je mehr Zeit sie mit ihm verbringen, desto mehr beginnen sie, ihn lieb zu gewinnen, sich wohl bewusst, dass sie ihn nie ganz verstehen werden.
Zudem haben alle drei Charaktere – Inge, Zola und Wojtek – ihren eigenen Handlungsstrang, denn alle haben Probleme, denen sie sich zwar bewusst sind, gegen die sie aber nichts tun. Ich war überraschend investiert in alle Handlungsstränge und wollte wissen, in welche Richtung sie sich entwickeln würden; zwar finden nicht alle Charaktere ein geschlossenes Ende, aber trotzdem eines, das mir gefiel.
Leo hat mir sehr leidgetan, weshalb es sehr schön war, den Charakteren dabei zuzusehen, wie sie sich für ihn erwärmten und ihn in ihren Alltag integrierten. Es war einfach so zufriedenstellend, die Entwicklung von allen Charakteren mitzuverfolgen!
Auch Pinas Sichtweise im Krankenhaus fand ich interessant zu lesen und ich konnte ihren Drang, nach Hause zurückzukehren, sehr gut nachvollziehen. Allgemein gab es so viele wunderbare Momente, die mich berührten und für ein großes Lesevergnügen sorgen.
Insgesamt ein sehr schöner Roman, der mit viel Liebe geschrieben ist!
- Einatmen Ausatmen
- Maxim Leo
- Kiepenheuer & Witsch
- Belletristik
- Achtsamkeit
- Charakterentwicklung
- Ruhiger Roman
- Leben
- Lebensfindung
- Traumabewältigung
- Tod
- Freundschaft
Marlene soll die nächste CEO ihrer Firma werden, doch davor muss sie ein Achtsamkeitsseminar hinter sich bringen, weil es ihr an empathischen Fähigkeiten mangelt. Die Achtsamkeitsanstalt wird von Alex geführt, der gerade eine schwierige Zeit in seinem Leben durchmacht, mit Marlene aber eine Gelegenheit bekommt, sein Unternehmen zu retten: Gelingt es ihm, ihr zu helfen, bekommt sein Unternehmen die Förderung, die es so dringend braucht. Marlene derweil hat keine Lust auf all diesen Unsinn, doch als sie eines Tages im Wald verloren geht und mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird, ändert sich ihre Sichtweise dramatisch …
Schon am Anfang weiß man, worauf man sich einlässt und es ist trotz ein, zwei überraschender Entwicklungen klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Wir folgen sowohl Marlene als auch Alex und wie sie mit ihrem jeweiligen Trauma umgehen, sich dabei viele psychologisch-philosophische Fragen stellen und ihren eigenen Weg zu finden versuchen. Wohin genau dieser geht, ist wie gesagt relativ klar – doch die Umsetzung und der Mangel einer Romanze hat die Geschichte trotzdem erfrischend gemacht.
Ich konnte mich überraschend gut in die kritische Marlene hineinversetzen, obwohl ich definitiv nicht mit ihren Sichtweisen übereinstimmte. Ihre Freundschaft zu Alex und vor allem die zu Mattissen, dem Hausmeister, haben mir sehr gefallen und ich fand es vor allem gut, dass hier eine vorhersehbare Romanze vermieden wurde. Allgemein ist ihre Entwicklung sehr zufriedenstellend zu verfolgen, selbst wenn man schon vorher weiß, wohin sie geht.
An Alex musste ich mich erst gewöhnen, weil ich mich nicht gut in seine anfänglichen Probleme hineinversetzen konnte (in seinem Fall eine romantische Beziehung zu einer Teilnehmerin), doch sobald die dreizehnjährige Connie die Bühne betritt, beginnt eine einnehmende Vater-/Tochter-Beziehung zwischen ihnen. Auf diese Weise wird Alex zudem mit anderen Problemen konfrontiert, derer er sich gar nicht bewusst war und die ihm dabei halfen, seine eigenen zu überwinden.
Marlene und Alex haben erstaunlich wenig Szenen miteinander, weil ihre eigenen Handlungsstränge sie stark beschäftigen, aber ich mochte ihre Chemie nichtsdestotrotz.
Am faszinierendsten war wohl, dass die Geschichte eigentlich nichts Besonderes und teils vorhersehbar ist, mich aber trotzdem gut unterhielt, weil sie schlicht schön zu lesen war. Meine einzige – durchaus wichtige – Kritik besteht daraus, dass an manchen Stellen nicht klar wird, ob die Charaktere (und, damit verbunden, der Autor) nun positiv oder negativ gegenüber LGBTQ+-Menschen eingestellt sind. Es gibt nämlich ab und an gewisse Kommentare bezüglich Minderheitsgruppen, die sich sehr kritisch lasen und einen bitteren Geschmack in meinem Mund hinterließen. Letztendlich waren es noch nicht einmal so viele Stellen, vielleicht zwei oder drei, aber sie fielen mir trotzdem negativ auf, weil die Charaktere nicht so akzeptierend wirken, wie ich es mir gewünscht hätte.
Nichtsdestotrotz ist das hier ein schönes, ruhiges Buch und gut für zwischendurch geeignet!
- Die Riesinnen
- Hannah Häffner
- Penguin
- Belletristik
- Familiengeschichte
- Frauen
- Schwarzwald
- 20. Jahrhundert
- Nostalgie
- Schreibstil
- Leben
- Heimat
Nach der Geburt ihrer Tochter Cora und dem unerwartet frühen Tod ihres Ehemanns übernimmt Liese dessen Metzgerei, auch wenn sie selbst nicht ganz sicher ist, worauf sie sich einlässt. In ihrem kleinen Dorf im Schwarzwald schlägt sie Wurzeln, findet eine Heimat. Ihre Tochter Cora ist da schon stürmischer, sehnt sich nach Freiheit, nach Reisen, nach Genuss. Erst, als sie selbst schwanger wird, kehrt sie zu ihrer Mutter zurück, nicht sicher, wie sie mit ihrer Tochter Eva umgehen soll. Liese unterstützt sie, hilft Cora, auch ihre Wurzeln zu finden. Und Eva, das Waldkind, weiß insgeheim schon die ganze Zeit, dass auch sie hierher gehört, auch wenn sie eine Weile braucht, um es wirklich zu begreifen. Drei Frauen, drei Generationen – doch alle mit derselben Heimat: dem Schwarzwald.
Mit einem schlichten und wunderschönen Schreibstil erzählt Hannah Häffner die Geschichte von Liese, Cora und Eva, deren Leben und deren Beziehung zueinander. Was mich dabei besonders beeindruckt hat, war die Kreativität ihrer Stilmittel verbunden mit der Schlichtheit des eigentlichen Schreibstils; das sorgte für ein sehr angenehmes Leseerlebnis, weil ich mich richtig in der Nostalgie früherer Zeiten verlieren konnte und gleichzeitig beeindruckt davon war, wie poetisch Hannah Häffner davon erzählte.
Von den drei Frauen war mir Liese am sympathischsten, weil sie sich so entschlossen für ihre Ziele einsetzte, aber das Leben aller drei Frauen war ausführlich genug erzählt, dass ich mich in sie hineinfühlen konnte. Neben Liese mochte ich auch Eva besonders gerne, nur in Cora konnte ich mich nicht ganz so gut hineinversetzen, auch wenn ich immer noch interessiert war, von ihr zu lesen.
Von den Nebengeschichten hätte ich gerne noch mehr gehabt, denn sie waren so interessant, dass ich es schade fand, wie wenig Screentime die entsprechenden Charaktere bekamen: Das Babettchen, der einsame Franz, der Koch Fischel und sogar jemand wie der Träumer David, der besonders wenige Szenen hat. Natürlich liegt der Fokus logischerweise auf Liese, Cora und Eva, aber ich hätte gerne noch mehr Charaktere gehabt, die mir ans Herz gewachsen wären.
An sich passiert nicht viel, man folgt den drei Frauen und ihrem Versuch, ihren Platz zu finden, aber der Schreibstil hat die Geschichte so besonders gemacht, dass ich trotzdem die ganze Zeit gefesselt von ihr war. Interessanterweise spielen der Schwarzwald selbst und der Fakt, dass die drei Frauen als Riesinnen bekannt sind, so gut wie keine Rolle; der Wald wird zwar regelmäßig erwähnt und trägt zur schönen Atmosphäre bei, aber dass es ausgerechnet der Schwarzwald ist, ist letztendlich nicht so wichtig. Auch die Größe der Frauen wird nur am Anfang erwähnt, weil ihre Persönlichkeit (glücklicherweise) im Zentrum steht.
Insgesamt eine ruhige, absolut wunderschöne Geschichte, die vor allem durch ihren Schreibstil überzeugt!
- Twice
- Mitch Albom
- Little Brown
- Belletristik
- Magischer Realismus
- Leben
- Fehler
- Zurückspulen
- Liebe
- Romanze
- Drama
- Kleines Highlight
Mit acht Jahren entdeckt Alfie seine besondere Fähigkeit: Er kann jeden Moment seines Lebens wiederholen – allerdings nur einmal, und er ist gezwungen, mit den Konsequenzen seines zweiten Versuchs zu leben. Zwar hat seine Fähigkeit durchaus Grenzen, doch schafft Alfie es insgesamt hervorragend, sich durch sein Leben zu schleichen. Bis er sich in Gianna verliebt. Denn was er bereits feststellen konnte: Sollte er es vermasseln, wird Gianna sich kein weiteres Mal in ihn verlieben …
Das Konzept der Handlung faszinierte mich sofort und es war glücklicherweise auch sehr gut umgesetzt. Alfie benutzt seine Fähigkeiten oft und in der Regel während Szenen, die ich ebenfalls rückgängig gemacht hätte, was es leicht gemacht hat, sich in ihn zu hineinzuversetzen. Es gibt auch ein paar kreative Nutzungen, gerade bei denen, die längere Zeitspannen erfordern, weil Alfie zwar zu jedem Moment zurück kann, die Zeit bis zur Gegenwart aber tatsächlich leben muss.
Allerdings hätte ich mir gerne noch mehr negative Konsequenzen bei seinen Wiederholungen gewünscht. Am Anfang wird betont, dass das zweite Mal nicht immer besser als das erste Mal ist, aber es gibt erstaunlich wenige Momente, bei dem das tatsächlich umgesetzt wurde. In der Regel gelingt es Alfie problemlos, seinen zweiten Versuch perfekt hinzukriegen, weshalb ich mir gerne noch mehr Szenen gewünscht hätte, in denen gezeigt worden wäre, wie Alfie scheitert.
Das Framing der Geschichte ist großartig: Alfie, der in der Gegenwart wegen einem Casino-Betrug festgenommen wird und daraufhin seine Geschichte erzählt bzw. aus seinem Buch vorliest. Die Art und Weise, wie die Handlungsstränge zueinander finden, war wirklich sehr zufriedenstellend!
Interessanterweise kamen mir Alfie und Gianna nicht wie ein Traumpaar vor, sondern wie eines, dem es bestimmt war, einander zu verlieren. Die zweite Hälfte der Handlung, die sich mehr auf ihre Romanze und die Dramen in ihrer Beziehung fokussiert, war mir etwas zu klischeehaft, aber gleichzeitig war es faszinierend zu sehen, wie Alfie trotz seiner zweiten Chancen Schwierigkeiten hatte, sie gut zu nutzen.
Einen Charakter, den ich unbedingt erwähnen muss, ist Wesley. Er ist Alfies bester Freund aus der Schule und hat nur wenig Screentime, war aber ein so großartiger Charakter, dass er sich mir nichtsdestotrotz eingebrannt hat. Gerne hätte ich noch mehr von anderen Charakteren gesehen, aber es hat mir gefallen, was für einen starken Eindruck Wesley hinterließ!
Insgesamt ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt, seine Idee gut umgesetzt und nur bei der Liebesgeschichte ein wenig schwächelt. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich möchte nun unbedingt frühere Bücher von Mitch Albom lesen!
Statt aus dem Fenster zu schauen und darüber nachzudenken, wie ihr Leben sein könnte, kauft Sophie spontan ein billiges Haus in Günderode, in der Nähe von Berlin. Sie weiß selbst nicht, was in sie gefahren ist, aber mit ihrem derzeitigen Leben ist sie nicht zufrieden und braucht dringend die Freiheit, die ihr ein Leben auf dem Land gibt. Natürlich stellt sich das Haus als komplette Bruchbude heraus, doch ist Sophie entschlossen, hier neu anzufangen – und dabei herauszufinden, was sie eigentlich vom Leben möchte ...
Dieser Roman hat mich sehr fasziniert, denn obwohl ich so einige Kritikpunkte habe, konnte ich am Ende nicht anders, als ihn zu genießen.
Es ist natürlich von Anfang an klar, dass wir eine Geschichte lesen, die vom Survivorship Bias geprägt ist – schließlich würden wir sie gar nicht erst lesen, wenn Sophie es nicht schaffen würde, ihre Pläne umzusetzen. Hier wünschte ich, es wäre noch stärker hervorgehoben worden, wie sehr Sophies privilegierter Status es ihr erleichtert, ein neues Leben anzufangen, weil schließlich nicht jeder Mensch das Geld und die Möglichkeiten dazu hat – und selbst wenn doch, endet es vermutlich öfter im Scheitern als im Erfolg. Die Geschichte stellt Sophies neue Lebenssituation meiner Meinung nach etwas zu einfach dar, selbst, wenn man die Probleme bedenkt, mit denen sie konfrontiert wird.
Und dennoch fällt es unglaublich leicht, sich in ihr neues Leben fallen zu lassen und dabei zuzusehen, wie sie es metaphorisch und wortwörtlich restauriert. Ich hatte beim Lesen stellenweise das Gefühl, ein ASMR-Video zu schauen, weil der ganze Prozess, den Sophie durchläuft, so wohltuend war. Ein bisschen Drama gibt es schon, aber nicht zu viel und der Fokus liegt stärker auf den zwar teils anstrengenden, aber gerade deshalb erfüllenden Taten.
Wobei ich mir ein bisschen Drama durchaus gewünscht hätte. Einige der dramatischeren Handlungsstränge werden nämlich offen gelassen, was zwar manchmal durchaus willkommend war (bezüglich Heinz, der Sophie das Haus verkauft), bei anderen jedoch unzufriedenstellend.
Ein wichtiger Plot Point ist zum Beispiel Sophies Furcht, ihren Eltern zu gestehen, was sie getan hat, zumal sie in ein paar Monaten auf einen Familiengeburtstag eingeladen ist, der quasi als Deadline fungiert. Aber letztendlich erleben wir nicht, wie sie sich diesem Hindernis stellt, was mich sehr enttäuscht hat. Natürlich ist es an sich in Ordnung, einige Dinge offen zu lassen, aber gerade bei einem so wichtigen Punkt, auf den die ganze Geschichte hinauszulaufen schien, hätte ich mir einen zufriedenstellenden Abschluss gewünscht.
Andere Handlungsstränge wie die Freundschaft zu Pauline und Moritz finden da schon ein besseres Ende und beide Charaktere mochte ich sehr, weil sie sowohl kritisch als auch unterstützend mit Sophies Situation umgegangen sind. Es war einfach eine unglaublich gemütliche Lektüre, die trotz der Kritikpunkte das Herz erwärmt und gut tut.
Einziger Meta-Kritikpunkt: Es gibt keine Kapitel! Die Geschichte ist in vier Teile unterteilt, von denen drei 100-150 Seiten lang sind, doch diese vergleichsweise langen Teile werden nicht zusätzlich in kleinere Häppchen unterteilt, was es ein wenig schwerer machte, das Buch zu lesen. Natürlich hat der Kritikpunkt nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun, aber ich wollte ihn trotzdem erwähnt haben für die, die Bücher mit kurzen bis mittellangen Kapiteln bevorzugen.
Letztendlich hatte ich also ein paar Dinge zu kritisieren, doch trotzdem hat der Genuss letztendlich überwogen. Gerade jetzt, im Nachhinein, bleibt vor allem das Gefühl eines wunderschönen Romans zurück!