Bücherregal lädt …
Blaues Feuer
400 Seiten

Als ehemaliger Sättigungstaucher bekommt Yorick die Mission, die Naturwissenschaftlerin Kristina Sabo bei einer Arktis-Expedition auf der Suche nach leuchtenden Bakterien zu beschützen, die die Energieversorgung der Welt komplett auf den Kopf stellen könnten. Kurz zuvor hatten sie und ihr Kollege José einen Laborunfall, bei dem sie beide mit den Bakterien kontaminiert wurden – und obwohl ihnen versichert wurde, dass sie korrekt behandelt wurden und keine Gefahr droht, wird bald klar, dass dem nicht so ist …

Ich lese nicht allzu viele Wirtschaftsthriller, weil sie nicht ganz in meinem Interessengebiet sind, aber dieser hier war spaßig zu lesen und eine positive Überraschung. Zwar habe ich auch Kritikpunkte, aber insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten, weshalb es letztendlich trotzdem eine Empfehlung ist.

Wir folgen mehreren Sichtcharakteren, die zunächst voneinander abgeschnitten sind: Yorick auf der Arktis-Expedition, die sich natürlich nicht so entwickelt, wie sie es sollte; José mit den Folgen des Laborunfalls, der nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Gefahr bringt; und Skörle, die mit ihrem Ehemann eine private Schiffsart in die Arktis machen will, ohne zu ahnen, dass das Paar, das sie betreut, mehr plant, als sie ahnen. Es war spaßig, zu lesen, wie sich diese drei Geschichten entwickeln und auf welche Weise sie wohl zusammentreffen werden.

Besonders investiert war ich in Josés Geschichte, weil hier besonders viel auf dem Spiel stand; seine Krankheit und die Bedrohung von außen haben mich sehr gepackt, weil ich diese persönlichen Risiken interessanter fand als eine möglicherweise gescheiterte Expedition, bei der zwar technisch gesehen größere Dinge auf dem Spiel stehen, sich aber kleiner anfühlen als ein persönliches Schicksal.

Auch die unbekannten Gefahren, mit denen Skörle und ihr Ehemann Eric sich auseinandersetzen müssen, waren interessant, während ich bei Yoricks Geschichte vor allem Yorick selbst mochte: Er war praktisch veranlagt, äußerst fähig und stellte sein Können auch mehrmals unter Beweis. Es war erfrischend, neben den unsicheren und unvorbereiteten Charakteren auch jemanden zu haben, der weiß, was er tut. Zugleich lernten wir ihn von allen Charakteren am besten kennen und ich mochte zum Beispiel seine Gewohnheit, an Naturgewalten Briefe zu schreiben.

Überraschenderweise war Kristina letztendlich ein Nebencharakter. Nachdem die Kurzbeschreibung andeutete, dass sie zusammen mit Yorick ein Hauptcharakter wird, hätte ich nicht erwartet, dass sie letztendlich nur eine kleine Rolle spielt, aber das ist keine Kritik von meiner Seite aus, sondern nur eine Beobachtung.

Dafür hätte ich mir gerne mehr Gefühle gewünscht. Der Großteil der Handlung fokussiert sich (verständlicherweise) auf die Expedition und die relevanten Informationen, aber die meisten Charaktere blieben mir fern, weil nur José eine Geschichte bot, bei der ich nicht nur handlungstechnisch, sondern auch emotional investiert war.

Auch vom Ende hätte ich mir mehr erhofft, weil die Geschichte überraschend glatt und schnell gelöst wurde und ich ein wenig mehr Action erwartet hatte.

Insgesamt also ein Wirtschaftsthriller, der mich gut unterhalten hat!

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
352 Seiten

Gwin hat die Nase voll davon, dass jeder sie zu Hause kontrollieren will und sie nichts selbst entscheiden darf. Kurzerhand reißt sie aus und landet dank einer unhöflichen sprechenden Katze in Madame Manous geheimen Zauberladen. Hier bekommt sie eine Anstellung und serviert magischen Wesen ihr Essen. Bis sie im Keller auf eine Bilderrolle mit einem gezeichneten Drachen trifft. Obwohl ihr Flammenfreund Ignatius sie warnt, befreit sie den Drachen, der sich als Jun vorstellt und unbedingt das zurückbekommen möchte, was ihm gestohlen wurde: Sein Herz …

Dieses schöne Kinderbuch hat mich (auf positive Weise) sehr an Ghibli-Filme erinnert, speziell an „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Das Wandelnde Schloss“. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese auch als Inspiration gedient haben, allerdings meine ich das sehr positiv – ich liebte die Atmosphäre, die Welt und die Handlungsstränge, die Verena Maier in ihrem Roman zum Leben erweckt hat! Die Geschichte war die perfekte Mischung aus Cozy Fantasy und Spannung, weil wir gleichzeitig in der Welt versinken und wissen wollen, wohin es die Charaktere als nächstes verschlägt.

Mein Liebling war definitiv Ignatius, der mit seinem Humor die Handlung aufgelockert hat und dessen Gezanke mit Jun außerordentlich amüsant zu lesen war. Für manche Leser:innen lässt sich eventuell schon vorher ahnen, wohin sich die Handlung entwickeln wird, aber tatsächlich machte gerade das Foreshadowing sie umso spannender zu lesen.

Die Art, wie Gwin ihre eigene Welt erschuf und auf verschiedene Wesen traf, hat mir gut gefallen, doch muss ich zugegeben, dass ich den Anfang zu langsam fand – erst nach hundert Seiten fängt die „eigentliche“ Handlung an und davor serviert Gwin im Zauberladen die Gäste. Hier finde ich, dass die Handlung an dieser Stelle hätte gekürzt werden können, um andere Aspekte dafür ausführlicher zu beschreiben.

Das Finale bzw. Ende war dafür umso großartiger – spannend, ungewöhnlich dramatisch, sehr zufriedenstellend und mit der Aussicht auf mehr Abenteuer im Zauberladen. Ich persönlich freue mich sehr darauf und kann dieses Kinderbuch sowohl allen Ghibli-Fans als auch allen Fans von Cozy Fantasy sehr empfehlen!

The Age of Darkness - Feuer über Nasira
576 Seiten

Eigentlich bin ich kein Hörbuch-Fan, aber da mir "The Age of Darkness - Feuer über Nasira" so gut gefiel, in Kürze der zweite Teil erscheint und mir die Hörproben sehr gefallen haben, habe ich mir den Hörbuch-Download einfach mal gegönnt und bin ein weiteres Mal in diese wundervolle Jugendfantasy-Geschichte eingetaucht.

Cornelia Dörr hat mir gezeigt, dass ich bei den bisherigen Hörbüchern, die ich ausprobierte, wohl einfach Pech hatte, denn dieses hier gefiel mir ausgesprochen gut. Sie liest die Geschichte je nach Anlass mal ruhiger und mal emotionaler vor und schafft es hervorragend, jedem Charakter die richtige Stimme und Stimmlage zu geben. Insgesamt habe ich pro Tag je einen der drei Akte gehört und musste mich zwingen, nicht einfach weiterzuhören, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sie kommende Kapitel spricht.

Ihre Stimme im Allgemeinen ist sehr angenehm, sodass ich auch die "Infodump"-Absätze, die es stellenweise gab, gerne gehört habe; am meisten haben mir jedoch die Dialoge und Actionszenen gefallen, weil sie immer den richtigen Tonfall fand und die Charaktere und die Handlung so allein durch ihre Stimme lebendig werden ließ.

Pluspunkte gibt es auch dafür, dass es sich um eine ungekürzte Lesung handelt, was bei einem Buch mit fast 600 Seiten nicht selbstverständlich ist. Schade insofern, dass es vom zweiten Teil anscheinend kein Hörbuch geben wird; diesem hätte ich nämlich auch sehr gerne gelauscht!

The Age of Darkness - Feuer über Nasira
576 Seiten

Die Grundlage dieses Romans ist etwas, das ich eigentlich nicht leiden kann: Prophezeiungen. Meiner Meinung nach sollten Autoren endlich aufhören, sich ihrer zu bedienen, weil sie eine Geschichte fast schon automatisch schlechter machen. Trotzdem beschloss ich, dem Buch eine Chance zu geben, weil ich las, dass es an Leigh Bardugos Krähen-Duologie erinnern soll. Was soll ich sagen? Ich bin absolut begeistert!

Obwohl mir der Prophezeiungs-Aspekt trotz guter Umsetzung nicht zusagen will, bietet dieser Roman so viel mehr an, was einen begeistert: Die Charaktere, die Story, die Twists. Unsere fünf Sichtcharaktere sind der Prinz Hassan, die Mörderin Ephyra, der Paladin Jude, der Spieler Anton und die Todgeweihte Beru. Und Katy Rose Pool gelingt es hervorragend, uns alle sympathisch zu machen und ihre guten und schlechten Seiten zu zeigen. Ich habe mit jedem Charakter mitgefiebert, mitgefühlt und mitgehofft. Gehofft, dass jeder sein Ziel erreicht, was gerade bei gegensätzlichen Zielen sehr spannend war. Vor allem, weil die Charaktere mindestens genauso oft scheitern, wie sie gewinnen - in diesem Roman kann man sich nie sicher sein, dass alles gut werden wird, weil die Charaktere hier tatsächlich versagen können und den Preis für falsche Entscheidungen zahlen müssen.

Zusätzlich fanden sich die Figuren in einem erstaunlich dichten Plot wieder - von Anfang bis Ende hing ich an den Buchseiten und habe mich nie gelangweilt, was bei ca. 570 Seiten eine Meisterleistung ist. Die Twists haben mir hierbei wohl am besten gefallen, weil sie überraschend waren, im Rückblick aber allesamt Sinn ergaben. Also genauso, wie Twists meiner Meinung nach sein sollten.

Dementsprechend freue ich mich sehr auf den zweiten und dritten Band, die im Verlauf des nächsten Jahres erscheinen werden. Katy Rose Pool ist hier ein wahrhaft fantastisches Debüt gelungen!