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Murdoku Volume 2: Back in Time
224 Seiten

Im zweiten Murdoku besuchen wir verschiedene ikonische Zeiten: Das Mittelalter, den Wilden Westen, die goldene Zeit der Piraten, die Steinzeit und zuletzt das Antike Ägypten. Alle mit ihren eigenen Extra-Regeln, aber vor allem: Alle mit jede Menge Charme.

Denn das ist zunächst einmal die erste große Stärke dieses Rätselbuchs: Das Design. Jede Zeit hat ihr eigenes Graphic Design, einschließlich eigener Schriftart, passender Charaktersilhouetten (einschließlich der vereinfachten Figuren in der Lösung), einer Vielfalt verschiedener Orte und sogar Gegenständen, die in verschiedenen Zeiten vorkommen, aber passend zur Zeit gestaltet sind. Jede Epoche hat ihren eigenen Stil und das war absolut großartig! Die ganze Detailliebe zeigt, wie viel Mühe und Herzblut in diesem Rätselbuch steckt.

Und das ist noch nicht mal alles: Die mit Abstand beste Verbesserung waren die Notizzettel. Im ersten Band waren sie einfach eine leere Nachbildung der Räume, doch hier im zweiten Band werden alle speziellen Felder nochmal extra markiert: Felder, die nicht besetzt werden können, sind z.B. leicht dunkler; Felder mit Stühlen, Pferden, Teppichen usw. werden nochmal umrandet; und auch Extra-Felder, die es z.B. in der Steinzeit und im Antiken Ägypten gibt, bekommen ein kleines Symbol zur Differenzierung. All diese Verbesserungen waren unglaublich praktisch und haben es so viel angenehmer gemacht, die Felder auszufüllen! Am liebsten wünsche ich mir jetzt eine Neuauflage des ersten Bandes, die ebenfalls spezielle Felder im Notizzettel markiert, weil ich im Nachhinein nicht weiß, wie ich ohne diese Markierungen zurechtgekommen bin.

Aber reden wir über die Rätsel an sich!

Im Mittelalter sind die Charaktere in Adlige, Bürger und Ritterinnen eingeteilt, wobei Adlige nur in adligen Orten sein können, Bürgerinnen nicht in adligen Orten sein können und Ritter überall. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Charaktere dementsprechend in die Felder einzuordnen und ich mochte es, wie mein Gehirn die Logik hinter den Charakterplatzierungen verarbeitete. Gerade die späteren Rätsel waren hier sehr gut, wobei ich mir bei Rätsel 15 (Die Belagerung) sogar einen Lösungshinweis holen musste. (Nach dem ersten Murdoku war das Nachschauen eines Hinweises zum Glück nur selten notwendig, aber wenn doch, habe ich mich meistens dafür verflucht, nicht selbst auf die richtige Strategie gekommen zu sein – anstatt, wie beim ersten Murdoku, erleichtert darüber zu sein, weil ich eben nicht selbst darauf gekommen wäre.)

Der Wilde Westen war da schon unspektakulärer. Hier muss man neben der Mörderin auch die Gesetzlosen identifizieren, aber dadurch, dass das Opfer selbst nie ein Gesetzloser war, es nur diese eine Rolle gab und diese keinerlei Zusammenhang mit dem Mörder hatte, habe ich keinen richtigen Sinn hinter dieser Mechanik gesehen. Hier finde ich, dass die Rätsel davon profitiert hätten, eine engere Bindung zwischen den Gesetzlosen und dem Mörder und/oder Opfer einzubauen. Dafür hatte dieser Teil des Buchs mein absolutes Lieblingsrätsel: Rätsel 30 (Der Zugraub), das statt einem großen Gitter vier kleine hatte, was für ein spaßiges Umdenken der Platzierungslogik sorgte. Tatsächlich war das Lösen dieses Rätsels so spaßig, dass ich mir gerne noch mehr dieser Art gewünscht hätte!

Das goldene Zeitalter der Piraten war meine persönliche Lieblingszeit, weil hier meine liebste Rätselart verwendet wurde: Bei manchen der Rätsel muss man die Orte nämlich selbst benennen (z.B. bei Rätsel 41 (Schmugglerbucht), wo es drei verschiedene Höhlen gibt, deren Namen wir anhand der Charakterhinweise zuordnen sollen), was für mich nicht nur der größte Spaß war, sondern auch eine packende Art von neuer Logik bot. Das See/Land-Prinzip fand ich nicht allzu interessant, aber jedes Rätsel, das verlangte, die Namen der Orte zu deduzieren (plus das Geisterschiff-Rätsel, bei dem man seinen Ort selbst bestimmen muss sowie das Papagei-Rätsel, bei dem man den Hinweis, der doppelt vorkommt, finden muss) war ein Highlight für sich.

Die Steinzeit bot eine um einiges interessantere Variante des Wilden Westens: Hier gibt es verschiedene Rollen (Jägerin, Fischer, Werkzeugmacherin, Sammler, Wolfsbändigerin), die ein Teil der Charaktere erfüllen muss, wobei es bestimmte Felder für die Rollen gibt, in der Regel nur ein bis zwei Charaktere eine bestimmte Rolle haben können und das Opfer in diesem Fall dazu zählt; das machte die Rätsel noch interessanter! Obwohl es auch hier keine Verbindung zwischen Mördern, Opfer und deren Rolle gab, waren diese Rätsel allein schon wegen der verschiedenen Rollen genial. (Hier kamen auch die ersten Rätsel vor, bei denen ich ein bestimmtes Feld bereits als besetzt markierte und erst später deduzierte, welcher Charakter dorthin gehört. Das war ebenfalls eine interessante, neue Art von Logik.) Mein Lieblingsrätsel war Rätsel 58 (Flusskrokodile).

Dann haben wir das Antike Ägypten, bei dem es mir zugegeben schwer fiel, die Logik hinter den Glyphen zu begreifen, weshalb ich mir vergleichsweise oft einen Hinweis holen musste. Es gibt zwei verschiedene Gylphen: Eine, die bedeutet, dass der Charakter, der auf ihrem Feld steht, allein ist; und eine, die bedeutet, dass er nicht allein ist. Falls man feststellt, dass ein Charakter auf einem der Glyphen steht, half einem das theoretisch, die Platzierung anderer Charaktere besser einzuordnen, aber praktisch gesehen habe ich mich damit sehr schwergetan. Dafür gab es ein paar echt coole Rätsel: meine Lieblinge waren Rätsel 72 (Römischer Gesandter), das, ähnlich wie im Mittelalter, Charaktere in zwei Lager aufteilte, und Rätsel 77 (Die Pyramide), das durch seine kreative Gitterform hervorstach.

Die letzten zwei Rätsel waren ein großartiger Abschluss, den ich nicht vorwegnehmen will, deshalb möchte ich stattdessen die einzige Rätselart ansprechen, die mir etwas zu kurz kam: Die „Es gab keinen leeren Raum“-Rätsel. Es gibt durchaus ein paar (vor allem im Mittelalter) sowie Rätsel mit ähnlicher Logik (z.B. „fünf Menschen waren östlich des Flusses, fünf waren westlich davon“), aber im Vergleich zum ersten Band kamen sie recht selten vor. Da ich die Logik hinter diesen Rätseln so mochte, hätte ich sie gerne noch mehr gesehen.

Insgesamt ist dieses Rätselbuch allerdings immer noch eine starke Steigerung zum großartigen ersten Band, mit sehr viel Variation und sehr viel Charme!

Carl's Doomsday Scenario
448 Seiten

Carl und Prinzessin Donut sind in der dritten Ebene angelangt, wo eine neue Art von Herausforderung auf sie wartet: Quests. Mordecai, der zu ihrem Manager geworden ist, rät ihnen dringend, sie nicht anzunehmen, weil sie nur wenig Zeit haben, die Ebene zu schaffen, doch natürlich werden Carl und Donut trotzdem in zwei spektakuläre Quests hineingezogen …

In diesem Band wird die gesamte dritte Ebene des Spiels behandelt, was mich zugegeben überraschte – da im ersten Band die erste und zweite Ebene beschrieben wurden, hatte ich erwartet, zumindest ein paar Bände lang zwei Ebenen pro Buch zu lesen. Tatsächlich wäre mir die Reihe etwas zu lang, wenn jede der kommenden fünfzehn Ebenen ein Buch bekommt, denn schon hier im zweiten Band habe ich mir gewünscht, dass die zwei Quests, die Carl und Donut bearbeiten, in zwei Ebenen stattgefunden hätten.

Was die Quests selbst angeht, fand ich die erste mit dem verfluchten Zirkus durchaus interessant und das Finale der Quest gelungen, aber die wahre Stärke des Romans war definitiv die zweite Quest mit den ermordeten Prostituierten, die nicht nur überraschend spannend zu lesen war, sondern in einem wahrhaft epischen Ende gipfelte, das zu meinen absoluten Lieblingsszenen gehört.

Carl und Donut waren in diesem Band weiterhin genial und ich mochte ihre Schlagabtäusche sehr, sie sind und bleiben eine große Stärke des Romans. Was ich dagegen sehr vermisste, waren andere Crawler. Erst ab der zweiten Hälfte spielen sie überhaupt eine halbwegs wichtige Rolle (und ich mochte Katia, die zwar spät zu Carl und Donut stößt, aber einen sympathischen Eindruck machte), aber in der ersten Hälfte werden sie höchstens erwähnt und gaben eine große Schwäche des Quest-Prinzips preis:

Obwohl die NPCs des Spiels auf ihre Weise durchaus lebendig sind, fand ich es schwer, mich tatsächlich um sie zu sorgen. Viel mehr hätte ich mir gewünscht, mehr von den anderen Crawlern zu sehen. Carl und Donut zum Beispiel mit anderen Crawlern zusammenarbeiten zu lassen, um Quests abzuschließen, wäre meiner Meinung nach ein guter Weg gewesen, auch wirklich mit den Quests mitzufiebern und sie nicht als unwichtige Nebenquest zu empfinden. Die zweite Quest mochte ich zum Beispiel nicht zwingend, weil ich sie besser fand, sondern weil das Leben anderer Crawler auf dem Spiel stand; aber selbst, wenn dem nicht so gewesen wäre, fand ich sie allein durch das Auftauchen anderer Crawler interessanter (und relevanter für die Handlung) als die pure NPC-Zirkus-Quest.

Insgesamt immer noch ein guter Band, der vor allem durch Carls und Donuts Chemie brilliert, doch hoffe ich sehr, dass wir im nächsten Band noch mehr von den anderen Crawlern sehen werden!

Dungeon Crawler Carl
481 Seiten

Carl überlebt die Apokalypse nur zufällig, als er Donut, die Katze seiner Exfreundin, aus einem Baum rettet. Die Erde wurde von Außerirdischen eingenommen, die für die Millionen Überlebenden, die es noch gibt, etwas ganz Spezielles planen: Eine Spielshow, bei dem sie sich durch mehrere Ebenen kämpfen müssen, wie in einem Videospiel, mit Achievements, Leveln und vielem mehr. In Ermangelung besserer Möglichkeiten wird auch Carl zusammen mit Donut ein Dungeon Crawler – und gerät so in ein gefährliches, abgefahrenes Abenteuer …

Wie wohl viele andere hatte ich viel Gutes von dem Buch gehört, doch der Hauptgrund, aus dem ich es las, war letztendlich persönliches Interesse: Eine Spielshow, die sich an Videospielen orientiert und sowohl humorvoll als auch spannend ist, klang schlicht sehr nach meinem Geschmack. Und tatsächlich war es für mich als Videospielfan besonders spaßig zu lesen!

Ich bin mir zugegeben nicht sicher, ob Leser:innen, die nichts mit Videospielen anfangen können, ebenfalls Freude an dem Buch haben werden, weil es für mich schon sehr stark so wirkte wie ein Buch speziell für Gamer. Die Level, Monster, Achievements, Fähigkeiten usw. spielen eine große Rolle und waren hervorragend umgesetzt, aber gerade deshalb vielleicht irritierend für diejenigen, die keine Spiele spielen, obwohl durchaus alles erklärt wird. Das nur als Anmerkung, falls man diesbezüglich unsicher sein sollte.

Die eigentliche Handlung erstreckt sich über zwei der achtzehn Level, was mich zunächst überraschte, weil ich erwartete, dass mehrere Level in dem Buch vorkommen werden, doch letztendlich bin ich dankbar, dass den Leveln so viel Zeit gegeben wurde. So lernen wir nicht nur Carl und Donut sehr gut kennen (die beide fantastische Protagonisten sind), sondern auch das Spiel selbst und alles, was damit zu tun hat. Es ist sehr deutlich, dass sehr viel Liebe hinter dem Design steckt, denn die Welt ist so voller Details, dass es fast schon absurd ist. Der Autor hat wirklich an alles gedacht und vermutlich sogar noch an mehr!

Ich liebte nicht nur Carls Charakterentwicklung und Donuts Charme (sie hat nicht umsonst ein hohes Charisma!), sondern auch, auf welche kreative Weise sie sich der Monster entledigten. Es gibt viele Kampfszenen und ich war positiv überrascht darüber, wie abwechslungsreich und spannend sie gestaltet waren. Gerade die Bosskämpfe waren großartig, aber auch in anderen Gefechten bewies Carl immer wieder sein schnelles Denken und seine Kreativität. Das fand ich wirklich großartig!

Andere Charaktere stechen so halb hervor; ich mochte die Nebenstory mit Brandon, Agatha und mehreren Senioren, denen sie durch den Dungeon helfen wollen, aber um die Charaktere wirklich kennen- und lieben zu lernen, hätten sie noch etwas mehr Screentime gebraucht. Es gibt durchaus gute Ansätze (ich frage mich, was Carls und Donuts Mentor Mordecai wohl durchgemacht hat und was genau in Carls und Donuts Vergangenheiten geschah), aber spätere Bände werden den Nebencharakteren hoffentlich noch mehr Zeit schenken. (Zugegeben sind Carl und Donut wirklich das Highlight, aber ich hätte trotzdem gerne noch mehr von einigen Nebencharakteren gesehen.)

Das Pacing war trotz der Tatsache, dass wir nur zwei Ebenen erleben, überraschend gut; ich glaube, nur am Anfang der zweiten Ebene fühlte sich die Geschichte ein wenig langsam(er) an, aber auch hier nahm sie zügig Fahrt auf und triumphierte mit dem wohl besten Bosskampf des gesamten Buches. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr, über die anderen Ebenen zu lesen und hoffe, dass auch hier die Detailliebe gezeigt werden wird!

Insgesamt ein sehr spaßiges Buch, das vor allem für Videospielfans perfekt geeignet ist!

Murdoku
208 Seiten

Als jemand, der speziell Logicals liebt, klang das Prinzip eines Murdoku sehr faszinierend für mich, weshalb ich beschloss, mit dem ersten Band einen ersten Eindruck davon zu bekommen, ob es Logicals ähnlich genug ist, um auch für mich spaßig zu sein. Die Antwort ist: Ja, und ich fand sie überraschend herausfordernd!

Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, wie schwer die Rätsel letztendlich werden, denn die ersten zwanzig löste ich sehr schnell und ohne größere Probleme. Selbst das überaus praktische Hilfsgrid, das es ermöglicht, seine eigenen Überlegungen einzutragen und das sehr schnell absolut notwendig wird, hätte ich anfangs wohl nicht immer gebraucht. Aber nach dieser Aufwärmphase ging es richtig los und ich verbrachte eine immer längere Zeit mit jedem einzelnen Rätsel.

Das erste Problem hatte ich leider nicht aufgrund eines Denkfehlers, sondern aufgrund der deutschen Übersetzung: In meiner Auflage (5. Auflage 2026) lautet Gustavos Hinweis in Rätsel 23: „Er war in der zweiten Spalte“, obwohl es korrekt „Er war in der untersten Zeile“ lauten müsste. Die älteren Auflagen druckten den Hinweis korrekt ab, aber durch die Änderung in der neuesten Auflage ist das Lösen des Rätsels unmöglich geworden – was für mich sehr frustrierend war, weil ich buchstäblich Stunden (!) damit verbrachte und verwirrt von den Hinweisen der Lösung war, die den korrekten Hinweis referenzieren. Zu erfahren, dass all die Zeit im Grunde Zeitverschwendung war, war wirklich ärgerlich.

Da mochte ich Rätsel wie Rätsel 29 lieber, mit denen ich auch sehr viel Zeit verbrachte, weil mir die Logik, die dahintersteckte, zunächst nicht klar war. Hier wäre ich zugegeben dankbar für ein kleines Tutorial gewesen, um die verschiedenen Arten von Logik, die man anwenden muss, erst mal einzuführen, da sie zwar im Nachhinein natürlich klar sind, im Vorhinein aber natürlich nicht. Hinweise wie „Es gab keinen leeren Raum“ können z.B. nicht nur helfen, die Charaktere zu platzieren, wenn man dank den Charakterhinweisen weiß, dass manche von ihnen zusammen sind, sondern auch einschränken, in welchen Räumen nur eine begrenzte Anzahl von Charakteren gewesen sein kann, weil sonst andere Räume ausgeschlossen werden.

Auch bei den Charakterhinweisen achtete ich zunächst nicht darauf, welche Charaktere überhaupt zusammen sein müssen, obwohl genau diese Art von Logik später sehr wichtig wird: Wenn es heißt: „In Arnolds Raum waren zwei Frauen“, weiß man nicht nur, dass er in einem Raum mit mindestens drei Zeilen oder Spalten gewesen sein muss, sondern auch, dass man die Charakterhinweise der Frauen damit verknüpfen soll. Das waren so Sachen, die im Nachhinein absolut logisch waren, die ich aber zunächst nicht beachtete, weil ich zu sehr fokussiert darauf war, in welchen Bereichen die Charaktere sein können.

Aber genau das war das Spaßige: Nach und nach die Logik zu begreifen. In der großen Mitte des Rätselbuchs musste ich oft zumindest den ersten Hinweis der Lösung lesen, um zu erfahren, wie ich überhaupt anfangen soll, aber nach und nach begriff ich die verschiedenen Möglichkeiten der Raum- und Charakterlogik, sodass sogar einige spätere Rätsel für mich einfacher waren als die mittleren, weil ich bis dahin ein größeres Verständnis der Murdoku-Logik hatte.

Ein paar meiner liebsten Rätsel waren Rätsel 25 (Der Friseursalon), weil es auch auf das Aussehen der Charaktere einging („Alle in ihrem Raum trugen eine Brille“), Rätsel 42 (Mitternachtszug), weil das Format des Grids zusammen mit den Hinweisen echt toll war, Rätsel 56 (Das Museum), weil viele Gegenstände in die Hinweise eingebunden waren, Rätsel 73 (Lawine), wieder wegen dem coolen Format des Grids, das wie ein Berg aussieht, und Rätsel 75 (Der Zirkus), weil ich es so kreativ fand, hier zusätzlich die fehlenden Rollen an die richtigen Charaktere zu verteilen.

Übrigens ein Kompliment an die Übersetzerin für die kreativen O-Namen der Opfer. Alle Charaktere sind nämlich alphabetisch benannt, wobei das Opfer im Englischen natürlich Namen mit V wie Victim trägt, mir aber bei weitem nicht so viele deutsche O-Namen eingefallen wären. Ich fand es toll, welche kreativen Namen hier im Deutschen verwendet wurden!

Zusammengefasst ein wirklich spaßiges, herausforderndes Rätselbuch, perfekt für Sudoku-Fans und Fans von Logicals!

When Shadows Darken the Sun
465 Seiten

In wenigen Monaten beginnen die Tag-und-Nacht-Spiele, in der die Prima des Taghofs, Di, und der Primus des Nachthofs, Nox, gegeneinander antreten müssen, um zu bestimmen, wer von beiden die nächsten dreißig Jahre über den Dritten Hof herrschen wird. Begleitet wird Di von ihrer Zofe Cass, die die unsichere Herrscherin unterstützt und Nox in seine Schranken weisen will. Gleichzeitig sind die beiden fasziniert voneinander, sich wohl bewusst, dass sie Feinde sind. Um Cass‘ besten Freund von einem Fluch zu retten, machen die beiden sich auf eine Reise auf, in der sie sich näher kennenlernen, während das Datum der Spiele immer näher rückt …

Dieser Fantasyroman hat einfach Spaß gemacht – vor allem wegen seinem cineastischen Schreibstil und der gut umgesetzten Romanze. Denn eigentlich sticht er davon abgesehen nicht zu stark hervor, er ist einfach eine klassische Fantasyromanze – und trotzdem ein sehr guter Genuss.

Mit „cineastisch“ meine ich hierbei einen Schreibstil, der er leicht macht, sich alle Szenen tatsächlich gut vorzustellen. Ich war positiv überrascht davon, wie viele denkwürdige Szenen es gab, die sich in mein Gedächtnis einbrannten, wobei mein liebster Teil der Handlung Cass‘ und Nox‘ Rettungsreise war. Hier gab es ein paar meiner absolut liebsten Szenen, weshalb mir dieser Handlungsabschnitt besonders positiv in Erinnerung geblieben ist.

Das liegt auch an den Protagonisten: Cass und Nox sind nicht nur sympathische Hauptcharaktere, sondern haben auch eine hervorragende Chemie miteinander. Zwar finde ich, dass ihre anfängliche Faszination etwas ZU schnell entstand und ich mir hier eine langsamere Entwicklung gewünscht hätte, aber ihre Chemie im Allgemeinen war immer noch großartig. Die Mischung aus schalkhaften Dialogen und genuinen Momenten war schlicht sehr gut dosiert und machte es leicht, mit den beiden mitzufiebern. Insgesamt eine sehr süße Romanze!

Von den anderen Charakteren mochte ich Cass‘ besten Freund Soley und ihre beste Freundin Di am meisten. Charaktere, die wie Soley die Handlung in Bewegung setzen, sind oft erstaunlich unwichtig für die Handlung selbst, aber obwohl ich mir durchaus mehr Screentime für Soley gewünscht hätte, hat er immer noch mehr Relevanz als viele andere vergleichbare Charaktere. Di währenddessen ist eine wunderbar unterstützende Freundin, obwohl sie und die anderen Charaktere zugegeben von mehr Screentime und Entwicklung profitiert hätten; sie haben genug, um mich an sie zu erinnern, aber nicht genug, um sie ins Herz zu schließen.

Die Spiele gehen erst nach dreihundert Seiten los, was mich zwar nicht störte, anderen Leser:innen aber bewusst sein sollte, falls diese sich vor allem auf die Spiele freuen.

Eine große Kritik habe ich allerdings: Die sehr vorhersehbaren Twists. Sogar schon vor dem Lesen ist es sehr leicht, sie zu erraten, sodass ich mir gewünscht hätte, sie wären sehr viel früher offenbart worden, als es der Fall ist. Tatsächlich war es ein wenig erschreckend, WIE vorhersehbar wichtige Handlungsaspekte waren!

Aber hat das meiner Lesefreude geschadet? Nein, nicht besonders. Ja, ich hätte mir eine frühere Offenbarung für die Dinge gewünscht, die mir sehr schnell klar waren, aber die Handlung war immer noch so spaßig geschrieben, dass mich das nicht störte. Wer eine Fantasyromanze lesen will, die sich leicht visualisieren lässt und es leicht macht, mit den beiden Hauptcharakteren mitzufiebern, findet hier eine, die mich sehr gut unterhalten hat!

Geister
864 Seiten

Samuel ist schockiert, als er hört, dass seine Mutter Faye, die er seit zwanzig Jahren nicht gesehen hat, einen Gouverneur mit Steinen beworfen hat und deshalb vors Gericht soll. Ihr Anwalt möchte, dass Samuel ihr bei der Verteidigung hilft, während gleichzeitig sein Lektor verlangt, dass er ein Buch schreibt, das sie schlecht darstellt. Samuel selbst ist tief verletzt, weil seine Mutter ihn als Kind im Stich gelassen hat, während damals gleichzeitig seine große Liebe wegzog. Als er jedoch mehr über Fayes Vergangenheit herausfindet, ahnt er, dass die ganze Situation um einiges komplexer ist, als er es vermutete …

Nathan Hills Roman „Wellness“ hat mir ausgesprochen gut gefallen, weshalb ich unbedingt seinen ersten Roman „Geister“ lesen wollte. Doch so ganz hat er meine Erwartungen leider nicht erfüllt und stellenweise sogar enttäuscht. Dabei war der Großteil der Handlung wirklich hervorragend umgesetzt; allerdings hat das Ende mir wirklich nicht gefallen, was der ganzen Geschichte einen sehr bitteren Beigeschmack gegeben hat.

Aber fangen wir am Anfang an: Diese Geschichte ist zwar einfacher als „Wellness“ gestrickt, schafft es aber fantastisch, Samuels und Fayes Gegenwart durch die Ausführungen ihrer Vergangenheit in einen anderen Kontext zu rücken. Gerade Samuels Freundschaft mit Bishop und seine Gefühle für Bethany waren fantastisch geschrieben, und auch Fayes Kindheit und Jugend (vor allem vor den Aufständen in Chicago) konnten mich mühelos packen. Besonders effektiv war die Art und Weise, wie der Kontext von Bishops Vergangenheit Samuels Gegenwart beeinflusste, weil ich das nicht kommen sah und mich dieser „Oha!“-Moment sehr beeindruckte. Das war definitiv der stärkste Teil der Geschichte, der es schaffte, die vergangenen Ereignisse packend zu beschreiben.

Die separaten Storylines von Pwnage und Laura sind ebenfalls großartig. Leider kommen sie eher seltener vor und haben keine allzu starke Verbindung zu der Haupthandlung (beziehungsweise haben sie natürlich schon eine, aber eine vergleichsweise schwache), aber die Nebengeschichten an sich haben mir trotzdem sehr gut gefallen.

Bei Fayes Vergangenheit war ich froh, dass hier gewisse Klischees glücklicherweise vermieden wurden, aber die letzten hundertfünfzig Seiten, die sich teils den Aufständen in Chicago und teils dem Ende widmen, waren recht verwirrend, stellenweise langatmig und hatten einen vergleichsweise enttäuschenden Twist. Und dann ist da das Ende selbst, was mich überhaupt nicht zufriedenstellte, weil verschiedene Handlungsstränge entweder offen gelassen oder unbefriedigend abgeschlossen werden. Es gibt auch viele offene Fragen, die teils sogar zentral für die Handlung sind und nicht beantwortet werden. Ich habe mich am Ende gefühlt, als hätte ich gerade einen ganzen Roman gelesen, dem das Ende fehlt. So viele zentrale Handlungselemente kriegen keinen oder keinen guten Abschluss, was meine Meinung über den Roman im Gesamten leider negativ beeinflusste.

Ich persönlich würde anderen Leser:innen eher empfehlen, „Wellness“ zu lesen, das es hervorragend schafft, eine komplexe Handlung zu entwerfen, großartige Twists einzubauen und ein zufriedenstellendes Ende zu bieten.

Die drei Leben der Cate Kay
409 Seiten

Unter dem Namen Cate Kay hat sie eine Romantrilogie veröffentlicht, die sie berühmt gemacht hat. Davor hat sie versucht, mit dem Namen Cass Ford ein neues Leben anzufangen, nachdem ihr altes auf unerwartete Weise endete. Und davor war sie Annie Callahan, ein Mädchen, das in ihre beste Freundin Amanda verliebt war, und die einen Teil von ihr in ihren Romanen bewahrt hat. Niemand weiß, wer Cate Kay wirklich ist, nicht einmal sie selbst – und erst durch ein unerwartetes Paket wagt sie es, sich der Vergangenheit zu stellen, die sie damals zurückgelassen hat ...

Dieser Roman ist wie ein Mosaik zusammengesetzt: Aus vielen bunten Teilen, die von nahem nichts Besonderes zu zeigen scheinen, bis ihr Gesamteindruck das eigentliche Bild offenbart. Annies Geschichte ist aus mehreren Sichtweisen erzählt, von Menschen, die nach den Ereignissen auf verschiedene Momente zurückblicken und ihre eigene Erfahrung berichten. Sehr interessant war es auch, in diesem Kontext Annies Nachbemerkungen als Cate Kay zu lesen, die zum Beispiel widersprüchliche Erinnerungen diskutieren, was die Geschichte nur noch realer gemacht hat.

Trotz limitierter Screentime steht vor allem die Freundschaft zwischen Annie und Amanda im Fokus, die sie teils in ihren Romanen verarbeitete. Wir bekommen sogar mehrere Auszüge aus ihrem Roman The Very Last zu lesen, die mich persönlich zwar weder vom Schreibstil noch von der Handlung beeindruckten, sondern vor allem durch die Art und Weise, wie viele kleine Referenzen an Amanda es gab. So viele liebevolle Details, die man nur versteht, wenn man wie wir Leser:innen ihre Vergangenheit und ihre Dialoge mit Amanda kennt.

Im Gegensatz zu der Freundschaft mit Amanda kam mir Annies/Cass'/Cates Romanze mit der Schauspielerin Ryan verhältnismäßig schwach vor, auch wenn es mir gefiel, Rys Sichtweise auf diese Beziehung zu lesen. Das ist definitiv eine Stärke des Romans: Es gibt mehrere Figuren, die ihre eigenen Momente bekommen und uns dadurch nahe gebracht werden.

Was Annies verschiedene Pseudonyme angeht, stachen vor allem Annie und Cate Kay hervor; obwohl sie als Cass so einige Sichtweisen hat, erschien sie mir wie eine Erweiterung von Cate Kay und nicht wie ein eigenständiger Lebensabschnitt.

Die zweite Hälfte war etwas langsamer als die erste, weil die Charaktere hier keine hohen Risiken mehr eingingen und erst gegen Ende wieder Bewegung in die Handlung kam. Die Szene, auf die ich insgeheim die ganze Zeit gewartet hatte, war dafür umso zufriedenstellender zu lesen und sorgte für ein abgerundetes Ende, das mir persönlich sehr gefallen hat. Hier kann ich sogar eine Kritik verschmerzen, die ich sonst hätte: Und zwar, dass der Großteil des Romans leicht hätte vermieden werden können. Ich möchte hier auf keine Details eingehen, aber es war definitiv etwas, das mir zunächst negativ aufgefallen ist, bevor das Ende es in etwas Positives verwandelte.

Zusammengefasst haben wir einen Roman, dessen Handlung eigentlich nicht allzu besonders ist, der es aber schafft, sie durch seine Erzählweise besonders zu machen. Definitiv kein perfekter Roman, aber einer, der mich sehr gut unterhalten hat!

Erebos 3
448 Seiten

Schon zweimal ist Nick in die Fänge von Erebos geraten, doch ein drittes Mal verlangt das Spiel seine Aufmerksamkeit. Dieses Mal soll er eine Truppe zusammenstellen, ohne genau zu wissen, wofür. Das Spiel fordert ihn stattdessen dazu auf, nach Zeichen Ausschau zu halten, weil es buchstäblich um Leben und Tod geht. Nick vermutet bald, dass es um die verschwundene Schülerin Riley Bloom geht, doch was genau hinter Erebos‘ Andeutungen steckt, bleibt ihm ein Rätsel – das er so schnell wie möglich lösen muss, wenn er eine Katastrophe verhindern will …

Die ersten beiden Erebos-Teile haben mir gut gefallen und auch der dritte war sehr spannend zu lesen. Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie Ursula Poznanski ihr Mysterium aufgebaut hat: Ich habe hier sehr mitgefiebert und mir ganz schön den Kopf darüber zerbrochen, was wohl hinter den Rätseln steckt. Das Beste daran war wohl, dass sie im Nachhinein so logisch waren, dass ich mich gewundert habe, wieso ich sie nicht vorher gelöst habe – meine eigene Theorie erwies sich zwar als falsch, aber Ursula Poznanski gibt uns Leser:innen genug Anhaltspunkte, um zumindest theoretisch auf die Lösung zu kommen. Das mochte ich am liebsten: Mit den Aufgaben, Rätseln und dem Spielgeschehen mitzufiebern, während ich mir selbst überlegte, was wohl dahinter steckt.

Nick hat mir als Hauptcharakter wieder sehr gut gefallen und auch seinen besten Freund Victor mochte ich gerne; leider lernen wir die anderen Charaktere dafür fast nicht kennen. Die Stellen, an denen die anderen Mitglieder von Nicks Gruppe rekrutiert werden, waren beispielsweise sehr gut und spannend geschrieben, aber die Mitglieder selbst bekommen nur sehr wenig Screentime und sind allein aufgrund ihrer Anzahl nicht besonders leicht zu merken. Am stärksten haben sich Emoomo und Hashtag hervorgehoben, aber auch das nur auf eingeschränkte Weise. Hier wünschte ich, wir hätten mehr charakterfokussierte Szenen gehabt, von denen es eher wenige gibt. Gerade bei Derek hätte sich das sehr angeboten.

Obwohl es so viele Rätsel, Aufgaben und Ereignisse im Spiel gibt, empfand ich das Pacing als sehr angenehm, weil mich dieser Mix aus verschiedenen Mysterien mühelos durch die Geschichte trieb. Nur den Anfang und das Ende fand ich etwas zu schnell; Nick wirkt nicht allzu schockiert, als Erebos wieder auf einem Computer auftaucht und schafft es ein wenig zu mühelos, das packende Finale aufzulösen. Zwar mochte ich es, wie am Ende die verschiedenen Hinweise zusammengeführt wurden, aber nachdem ich mit größter Spannung das Finale verfolgt habe, kam mir die Auflösung zu schnell.

Insgesamt immer noch ein spannendes Erebos-Abenteuer, das mir sehr gefallen hat – allerdings hoffe ich trotzdem, dass Nicks Geschichte damit vorbei ist, weil sie meiner Meinung nach genug ausgereizt wurde. Ja, mir machte es großen Spaß, wieder über ihn zu lesen – aber gerade deshalb hoffe ich, dass Ursula Poznanski aufhört, wenn es am schönsten ist. Der arme Nick hat jetzt wirklich genug durchgemacht!

Morgen kommt ein neuer Himmel
368 Seiten

Nach dem Tod ihrer Mutter rechnet Brett am wenigsten damit, dass sie ihr Erbe erst bekommt, wenn sie zehn Lebensziele, die sie als Jugendliche aufschrieb, erfüllt – darunter sind Dinge wie „sich in den Richtigen verlieben“, „ein Kind bekommen“ und „ein Pferd kaufen“: Ziele, die für die vierunddreißigjährige Brett bereits unerreichbar erscheinen oder schlicht lächerlich sind. Und das Schlimmste dabei: Sie hat nur ein Jahr Zeit, diese Ziele zu erfüllen, wenn sie das letzte Erbe ihrer Mutter erhalten will …

Das Prinzip der Handlung fand ich sehr interessant und die Umsetzung war bei manchen der Ziele ebenfalls sehr gut umgesetzt, doch letztendlich ist es die Romanze, die es mir schwer machte, den Roman zu genießen. Ich mag es schlichtweg nicht, wenn der oder die Protagonistin zwischen mehreren Kandidaten hin- und hergerissen ist und deshalb unnötiges Liebesdrama entsteht, das mich zudem an der Richtigkeit ihrer Endwahl zweifeln lässt. Damit zusammenhängend mag ich es nicht, wenn mich ein Roman bezüglich des richtigen Love Interests zunächst in die Irre führt, indem es mich für den ersten Kandidaten mitfiebern lässt, nur, um dann doch einen anderen als den richtigen zu offenbaren. (Ich habe danach das Filmende recherchiert, was mir um einiges besser gefällt.)

Alles, was nichts mit den Romanzen zu tun hatte, war dafür fantastisch umgesetzt, speziell Bretts Beziehung zu ihrem Vater und die Art und Weise, wie ihr Wunsch nach einem Kind umgesetzt wurde. Hier war ich sehr investiert in die Handlung und mochte es, dass die Dinge nie leicht waren, sich aber letztendlich zum Guten entwickeln.

Wobei ich diesbezüglich ja sagen muss, dass es sehr leicht zu glauben ist, dass Bretts Mutter das Leben ihrer Tochter ruinieren wollte. Realistisch betrachtet ist es so gut wie unmöglich, die Ziele, die sie von Brett verlangt, innerhalb eines Jahres zu erfüllen – oder es auf eine Art und Weise zu tun, die Brett unglücklicher zurücklässt. Ohne sehr viel Glück und Zufall, das Bretts Mutter unmöglich hätte vorhersehen können, wäre es Brett niemals gelungen, alle Ziele zu erfüllen. Aus diesem Grund mochte ich ihre Mutter nicht besonders, weil ihre aktiven Handlungen Bretts Leben verschlechterten und die Verbesserungen nichts mit ihrer Mutter zu tun hatten. Doch ja, ich war sehr investiert in das Leben, aus dem Brett entkam und dem, was sie für sich aufbaute – so sehr, dass es mein Hauptgrund war, das Buch zu Ende zu lesen.

Zusammengefasst also ein Buch, bei dem ich die Romanzen zwar nicht mochte, aber dafür alles andere.

& Road 96 - About A Girl
274 Seiten

Zwischen den Ereignissen von Mile 0 und Road 96 befindet sich Zoe auf der Flucht und muss herausfinden, was sie mit den Informationen, die sie gewonnen hat, anfangen will. Vor allem sucht sie nach Kaito, der gefangen genommen wurde. Auf ihrer Reise begegnet sie so einigen bekannten Charakteren, die ihr dabei helfen, ihren Weg zu finden …

Als großer Fan des Videospiels Road 96 war ich sehr interessiert darin, zu erfahren, was davor mit den Charakteren geschah. Im Stil eines Choose-your-own-Adventure-Buchs erleben wir die Ereignisse, die dazu führten, dass Zoe im Campingplatz landete, aber auch die Szenen zwischen ihren Begegnungen im Spiel, die ihren Charakter weiter ausbauen.

Dabei begegnen wir auch den anderen Haupt- und Nebencharakteren des Spiels, wobei manche Begegnungen (wie die mit John) optional sind, in der Regel aber alle Charaktere ein kleines Cameo bekommen, das mich zum Schmunzeln gebracht hat. Zu sehen, wie Zoe mit ihnen umspringt, war einfach großartig zu lesen.

Größtenteils ist die Geschichte linear, hat jedoch wie erwähnt ein paar optionale Szenen und Charaktere, die je nach Entscheidungen (öfter) auftauchen oder auch nicht. Das war besonders faszinierend für mich: Hintergrundinformationen zu bekommen, die den Charakteren mehr Tiefe verliehen.

Ansonsten war dieses Spielbuch eine unterhaltsame Lektüre, die für alle Fans des Videospiels perfekt geeignet ist!

Die Spiele der Unsterblichen
384 Seiten

Seit Ara ihre Schwester vor fünf Jahren an das Spiel der Unsterblichen verlor, ist sie entschlossen, sich an Zeus, der sie damals auswählte, zu rächen. Als sie unerwartet zu Hades’ ausgewählter Spielerin wird, bietet sich ihr endlich die Gelegenheit, denn sollte sie die Spiele gewinnen, wird ihr ein Wunsch erfüllt werden. Allerdings möchte Hades ihr als friedliebender Herrscher keine Waffen zur Verfügung stellen, weshalb Ara allein mit einem Seil und einer Tasche einen Weg finden muss, die zahlreichen Aufgaben zu bestehen – in Zusammenarbeit mit den anderen Spielenden, von denen allerdings nur einer gewinnen kann …

Diese Geschichte hat mich ganz schön überrascht, sowohl auf gute als auch auf nicht ganz so gute Weise. Denn zunächst einmal hat sie mir erstaunlich gut gefallen – ich fand den Schreibstil wunderschön zu lesen, die beiden Protagonisten außerordentlich sympathisch und die vielen Aufgaben absolut grandios. Es hat mir schlicht sehr viel Spaß gemacht, die Spiele und die Art und Weise, wie die Charaktere sie lösten, zu verfolgen. Letztere sind wohl die größte Stärke des Romans: Sämtliche Aufgaben waren fantastisch beschrieben, ihre Lösung sehr gut nachvollziehbar und die Szenen mit ihnen spannend erzählt. Hier mochte ich es auch, dass die Teilnehmenden zusammenarbeiten und ihre von Göttern geschenkten Gegenstände auf intelligente Weise einsetzen mussten. Wer diese Art von Geschichte speziell wegen der Aufgaben mag, wird hier also voll auf seine Kosten kommen.

Doch es gab auch einige kritische Punkte, die es mir trotz der starken Positive schwer machten, die Geschichte vollkommen zu genießen. Es fängt damit an, dass Ara und Hades zwar beides grandiose Charaktere sind, die Romanze zwischen ihnen aber recht plötzlich kommt und nicht unbedingt glaubwürdig war. Dabei waren die Szenen zwischen ihnen durchaus süß, aber ich habe einfach nicht verstanden, warum sie sich überhaupt lieben. Das liegt teils sicher an ihrer begrenzten Screentime; gefühlt verbringt Ara mehr Zeit mit ihrem anfänglichen Love Interest Theron, wodurch ich am Anfang sogar eher die beiden als Paar sah.

Betonung ist dabei „am Anfang“. Denn leider ist mit Theron genau das passiert, was ich befürchtet hatte: Er wurde schließlich zu einem Schurken degradiert, wodurch sämtliche Komplexität ihrer Beziehung verloren ging. Das war nicht nur sehr vorhersehbar, sondern auch schade, weil ich gerne das Potential eines emotionalen Konflikts gesehen hätte. Vor allem auch deshalb, weil wir die anderen Spielenden nicht allzu gut kennenlernen; diese hätten mehr Zeit gebraucht, um als richtige Charaktere wahrgenommen zu werden, denn bereits jetzt habe ich sie vergessen.

Das Ende der Geschichte war dafür sehr schön und hat ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert, auch wenn es natürlich die Kritikpunkte nicht wettmachte. Trotzdem habe ich die Geschichte sehr genossen – und hoffe, dass auch andere Leserinnen und Leser ihre Stärken zu schätzen wissen werden!

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an
460 Seiten

Haymitch Abernathy sollte eigentlich gar nicht an den fünfzigsten Hungerspielen teilnehmen, doch aufgrund eines Zwischenfalls wird er trotzdem eins der vier Distrikt-12-Tribute, zusammen mit Maysilee Donner, Louella McCoy und Wyatt Callow. Seine große Liebe Lenore Dove muss er zurücklassen und erwartet auch nicht, sie jemals wiederzusehen. Denn mit insgesamt achtundvierzig Tributen werden die diesjährigen Hungerspiele ein wahres Gemetzel, bei dem Haymitch zeigen muss, was wirklich in ihm steckt …

Ich bin nicht unbedingt der größte Hunger-Games-Fan, aber Haymitch war in der Original-Trilogie mein Lieblingscharakter, weshalb ich mich sehr darauf freute, seine Spiele hautnah zu erleben. Und obwohl ich durchaus Kritikpunkte habe, hat mir das Leseerlebnis insgesamt sehr gut gefallen!

Ein sehr großer Grund dafür waren die Charaktere. Haymitch ist natürlich wunderbar und ich liebte es, seine Entwicklung und sein Heldentum zu verfolgen. Sein Mittribut Maysilee wurde sehr bald zu meinem Lieblingscharakter, wobei ich es hier beeindruckend fand, dass sie zunächst unsympathisch dargestellt wurde und schließlich zu einem großartigen Charakter wuchs. Für mich war sie auf jeden Fall ein Highlight! Haymitchs große Liebe Lenore bekommt dafür nicht allzu viel Screentime, doch man spürt ihre Präsenz über den ganzen Roman hinweg. Seine anderen Mittribute bekommen vor allem in der ersten Hälfte viel Aufmerksamkeit, doch fand ich, dass viele von ihnen in den Spielen zu früh gestorben sind.

Das ist einer meiner Kritikpunkte: Dadurch, dass die Vorbereitung auf die Spiele sich so auf die Bündnisse zwischen den Distrikten und Freundschaften zwischen den Tributen konzentrierte, erwartete ich, dass ebenjene Bündnisse und Freundschaften in den eigentlichen Spielen eine gewisse Rolle spielen würden – und das tun sie durchaus auch, aber um einiges weniger, als ich es mir gewünscht hätte. Das liegt vor allem daran, dass viele von Haymitchs Freunden relativ früh sterben, was mich insofern enttäuschte, weil ich gerne noch mehr von ihren Freundschaften gelesen hätte. Die Tode selbst waren zwar sehr gut und schockierend umgesetzt, aber ihre Plötzlichkeit verbunden mit den potentiellen Szenen, die wir durch sie verloren, hat mich wünschen lassen, dass den Spielen genug Zeit gewidmet worden wäre, um die Freundschaften auszubauen.

Die Spiele selbst beginnen nämlich erst nach ca. 250 Seiten, also erst nach über der Hälfte des Buches. In dieser ersten Hälfte wird den Charakteren zwar viel Zeit gewidmet, aber insgesamt fand ich diesen Teil der Handlung trotzdem ein wenig zu lang gezogen. Zudem habe ich mich gewundert, warum die viele Vorbereitung nicht noch mehr genutzt wurde, indem man die wichtigen Charaktere im Spiel länger leben lässt. Trotzdem mochte ich die Vorbereitungsphase sehr, weil sie signifikant dazu beitrug, die Charaktere näher kennenzulernen. Es gibt sogar ein paar wiederkehrende Charaktere aus der Panem-Trilogie, die eine schöne Überraschung waren.

Das Ende fand ich sehr emotional, es hat mich sogar zu Tränen gerührt. Selbst, wenn man es kommen sieht – die Art und Weise, wie es erzählt ist, war so gut, dass ich trotzdem investiert war. Insofern kann ich den Roman jedem Haymitch-Fan problemlos empfehlen!

Immortal Longings – Ein Spiel auf Liebe und Tod
432 Seiten

Seit sie ihre Eltern ermordet hat, lebt Calla anonym in der Zwillingsstadt San-Er, auf eine Gelegenheit hoffend, König Kasa umzubringen. Diese Gelegenheit bietet sich ihr, als in San-Er die jährlichen Spiele stattfinden, die demjenigen, der sie überlebt, nicht nur viel Geld, sondern auch eine Begegnung mit dem König verspricht. Doch hat Calla im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern einen Nachteil: Sie weigert sich, ihre magische Fähigkeit, in andere Körper zu springen, einzusetzen. Um ihre Chancen auf den Sieg zu erhöhen, verbündet sie sich mit Anton, der seinen Körper regelmäßig wechselt. Bald schon entwickelt sich ihr Bündnis zu einer leidenschaftlichen Beziehung. Doch nur einer von ihnen kann die Spiele überleben …

Dieser Fantasyroman gehört zu denen, bei denen ich letztendlich hin- und hergerissen bin, weil er einige Dinge sehr gut umsetzte, andere dafür aber nicht. So finde ich zum Beispiel, dass es Chloe Gong wirklich fantastisch gelungen ist, die Atmosphäre der beengten Stadt einzufangen und die Magie des Körperspringens fließend mit ihr zu verweben. Ich war positiv überrascht davon, wie gut mir das Setting gefiel und gut es der Autorin gelungen ist, die Magie so natürlich darin einzubauen. Denn eigentlich ist so etwas wie Körpertausch ja nichts Besonderes – aber Chloe Gong hat sie auf eine Art und Weise beschrieben, die so erfrischend war, dass sie dadurch zu etwas Besonderem wurde.

Auch die beiden Hauptcharaktere haben mir sehr gefallen – sowohl Calla als auch Anton sind dreidimensionale Charaktere, die mir sehr sympathisch waren und deren Handlungen ich gerne verfolgte. Doch mit ihnen ist auch eine große Kritik verbunden: Ihre Romanze fand ich leider nicht besonders glaubwürdig. Es gibt ein paar gute Schlagabtäusche zwischen ihnen, aber ich habe überhaupt nicht verstanden, warum sie sich zueinander hingezogen fühlten. Dadurch war ihre Romanze leider keine, mit der ich mitfiebern konnte.

Die eigentlichen Spiele standen leider auch nicht so sehr im Fokus, wie ich es mir gewünscht hätte. Wir lernen fast keinen der anderen Teilnehmer kennen, sodass ihre Tode mir bis auf eine Ausnahme egal waren. Zudem fehlte währenddessen leider auch die Spannung; ich bin mir nicht ganz sicher, ob es am Schreibstil oder an den kompetenten Hauptcharakteren lag, aber letztendlich fand ich die Spiele nicht allzu spannend beschrieben. Auch das hat es schwer gemacht, mit der Geschichte mitzufiebern.

Letztendlich hat mir also das Setting und die Magie außerordentlich gut gefallen, aber sowohl die Romanze als auch die Spiele fand ich dafür nicht so gut umgesetzt. Ich hoffe, dass das anderen Leser:innen hilft, zu entscheiden, ob sie diesen Fantasyroman lesen wollen.

Today, Tonight, Tomorrow
384 Seiten

Rowan Roth und Neil McNair sind seit ihrer gesamten Highschool-Zeit Rivalen, stets darauf bedacht, den jeweils anderen zu übertrumpfen. Als Neil zum Abschlussbesten gekürt wird, sieht Rowan nur noch eine Möglichkeit, ihn zu schlagen: Die Pirsch, eine Mischung aus Schnitzeljagd und dem Mörderspiel, die am letzten Tag der Highschool stattfindet. Um zu garantieren, dass sie und Neil bis zum Schluss übrig bleiben, verbündet sie sich sogar mit ihm, doch muss sie bald feststellen, dass ihre eigenen Gefühle ihrem Sieg im Weg stehen …

Rachel Lynn Solomon etabliert sich immer mehr als eine meiner liebsten Autor:innen, was Liebesromane angeht, was auch dieser Roman bestätigt. Rowan und Neil waren nicht nur äußerst sympathische Charaktere, sondern hatten auch eine wunderbare Chemie miteinander, die es leicht gemacht hat, mit ihnen mitzufiebern. Ich habe ihre Szenen miteinander sehr genossen, auch wenn sie zugegeben auf Kosten anderer Charaktere kamen. Für mich war es das definitiv wert, weil die Romanze so gut umgesetzt war, doch für den zweiten Teil würde ich mir tatsächlich wünschen, dass er mehr Fokus auf die Freundschaft zwischen Rowan, Mara und Kirby legt.

Auch die eigentliche Schnitzeljagd steht nicht im Fokus, sondern dient eher als Rahmen für die Romanze, was einerseits durchaus schade war, weil sie so spaßig und kreativ war, andererseits aber dazu beitrug, dass wir viele herzerwärmende Momente mit Rowan und Neil erlebten. Trotzdem gelingt es der Schnitzeljagd hervorragend, uns die Stadt Seattle zu zeigen, wobei ich es persönlich witzig fand, dass ausgerechnet der einzige Hinweis, der mir etwas sagte, derjenige war, für den Rowan und Neil am längsten brauchten. Ansonsten war die Schnitzeljagd tatsächlich sehr inspirierend und hat in Verbundenheit mit dem Mörderspiel gezeigt, wie viel Lesefreude es bereiten kann, über einen nicht tödlichen Wettbewerb zwischen mehreren Personen zu schreiben!

Was ich ebenfalls sehr schön fand, war die Botschaft, die Rachel Lynn Solomon hier eingebaut hat: Dass man andere Menschen nicht für das verurteilen sollte, was sie mögen. Speziell Romanzen-Fans müssen sich oft damit herumschlagen, weshalb es mich sehr freute, dass hier ihr Wert betont wurde. :)

Ansonsten habe ich ehrlich gesagt nicht viel zu sagen, außer dass mir die Lektüre wirklich sehr gefallen hat und ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil freue!

Wie man vorhersieht, womit keiner rechnet
432 Seiten

In unserer chaotischen Welt ist es nicht leicht, Vorhersagen über die Zukunft zu treffen. Ständig fallen wir Verzerrungen zum Opfer, ohne es zu merken, ständig machen wir Fehler. Welche Denkfehler uns davon abhalten, rational zu entscheiden und wie man sie vermeiden kann, fasst Kit Yates in seinem neuesten Sachbuch zusammen.

Besonders erfrischend fand ich hier, dass er nicht nur die altbekannten Beispiele für verschiedene Fehlschlüsse beschrieb, sondern auch sehr, sehr viele unbekannte. Kit Yates benutzt sowohl Beispiele aus seinem privaten Leben als auch viele außerhalb davon. Ich hatte Spaß damit, so einige der Beispiele zu googlen, überrascht darüber, dass ich bisher noch nichts von ihnen gehört hatte. Dadurch schaffte es Kit Yates, bereits bekannte Denkfehler auf eine Art und Weise zu präsentieren, die neu und unverbraucht war. Ein großes Lob hierfür, weil ich das – ironischerweise, wenn man das Thema des Sachbuchs bedenkt – nicht erwartet habe!

Womit wir beim Thema wären. Ich würde zugegeben nicht behaupten, dass man nach dem Lesen der Lektüre tatsächlich bessere Vorhersagen machen kann – aber auf jeden Fall, dass Kit Yates uns Leserinnen und Lesern die Mittel in die Hand gibt, um es theoretisch zu tun. Sein Sachbuch macht einem anhand der hilfreichen Beispiele bewusst, welche Werkzeuge man verwenden kann, um Fehler und unwahrscheinliche Vorhersagen zu vermeiden, aber natürlich liegt es an einem selbst, diese Werkzeuge auch tatsächlich einzusetzen.

Mir hat dieses Sachbuch auf jeden Fall geholfen, indem es mir meine eigenen Fehler vor Augen führte. Gleichzeitig war es sehr gut zu lesen, durchaus auch unterhaltsam und trotzdem lehrreich. Wer glaubt, bereits alles über das Thema Denkfehler zu wissen, sollte hier auf jeden Fall reinschauen, weil Kit Yates noch so einiges zu bieten hat. Und auch für Neueinsteiger des Themas eignet sich sein Sachbuch aufgrund seines verständlichen, mit vielen Beispielen gespickten Schreibstils sehr!