Bücherregal lädt …
Murdoku
208 Seiten

Als jemand, der speziell Logicals liebt, klang das Prinzip eines Murdoku sehr faszinierend für mich, weshalb ich beschloss, mit dem ersten Band einen ersten Eindruck davon zu bekommen, ob es Logicals ähnlich genug ist, um auch für mich spaßig zu sein. Die Antwort ist: Ja, und ich fand sie überraschend herausfordernd!

Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, wie schwer die Rätsel letztendlich werden, denn die ersten zwanzig löste ich sehr schnell und ohne größere Probleme. Selbst das überaus praktische Hilfsgrid, das es ermöglicht, seine eigenen Überlegungen einzutragen und das sehr schnell absolut notwendig wird, hätte ich anfangs wohl nicht immer gebraucht. Aber nach dieser Aufwärmphase ging es richtig los und ich verbrachte eine immer längere Zeit mit jedem einzelnen Rätsel.

Das erste Problem hatte ich leider nicht aufgrund eines Denkfehlers, sondern aufgrund der deutschen Übersetzung: In meiner Auflage (5. Auflage 2026) lautet Gustavos Hinweis in Rätsel 23: „Er war in der zweiten Spalte“, obwohl es korrekt „Er war in der untersten Zeile“ lauten müsste. Die älteren Auflagen druckten den Hinweis korrekt ab, aber durch die Änderung in der neuesten Auflage ist das Lösen des Rätsels unmöglich geworden – was für mich sehr frustrierend war, weil ich buchstäblich Stunden (!) damit verbrachte und verwirrt von den Hinweisen der Lösung war, die den korrekten Hinweis referenzieren. Zu erfahren, dass all die Zeit im Grunde Zeitverschwendung war, war wirklich ärgerlich.

Da mochte ich Rätsel wie Rätsel 29 lieber, mit denen ich auch sehr viel Zeit verbrachte, weil mir die Logik, die dahintersteckte, zunächst nicht klar war. Hier wäre ich zugegeben dankbar für ein kleines Tutorial gewesen, um die verschiedenen Arten von Logik, die man anwenden muss, erst mal einzuführen, da sie zwar im Nachhinein natürlich klar sind, im Vorhinein aber natürlich nicht. Hinweise wie „Es gab keinen leeren Raum“ können z.B. nicht nur helfen, die Charaktere zu platzieren, wenn man dank den Charakterhinweisen weiß, dass manche von ihnen zusammen sind, sondern auch einschränken, in welchen Räumen nur eine begrenzte Anzahl von Charakteren gewesen sein kann, weil sonst andere Räume ausgeschlossen werden.

Auch bei den Charakterhinweisen achtete ich zunächst nicht darauf, welche Charaktere überhaupt zusammen sein müssen, obwohl genau diese Art von Logik später sehr wichtig wird: Wenn es heißt: „In Arnolds Raum waren zwei Frauen“, weiß man nicht nur, dass er in einem Raum mit mindestens drei Zeilen oder Spalten gewesen sein muss, sondern auch, dass man die Charakterhinweise der Frauen damit verknüpfen soll. Das waren so Sachen, die im Nachhinein absolut logisch waren, die ich aber zunächst nicht beachtete, weil ich zu sehr fokussiert darauf war, in welchen Bereichen die Charaktere sein können.

Aber genau das war das Spaßige: Nach und nach die Logik zu begreifen. In der großen Mitte des Rätselbuchs musste ich oft zumindest den ersten Hinweis der Lösung lesen, um zu erfahren, wie ich überhaupt anfangen soll, aber nach und nach begriff ich die verschiedenen Möglichkeiten der Raum- und Charakterlogik, sodass sogar einige spätere Rätsel für mich einfacher waren als die mittleren, weil ich bis dahin ein größeres Verständnis der Murdoku-Logik hatte.

Ein paar meiner liebsten Rätsel waren Rätsel 25 (Der Friseursalon), weil es auch auf das Aussehen der Charaktere einging („Alle in ihrem Raum trugen eine Brille“), Rätsel 42 (Mitternachtszug), weil das Format des Grids zusammen mit den Hinweisen echt toll war, Rätsel 56 (Das Museum), weil viele Gegenstände in die Hinweise eingebunden waren, Rätsel 73 (Lawine), wieder wegen dem coolen Format des Grids, das wie ein Berg aussieht, und Rätsel 75 (Der Zirkus), weil ich es so kreativ fand, hier zusätzlich die fehlenden Rollen an die richtigen Charaktere zu verteilen.

Übrigens ein Kompliment an die Übersetzerin für die kreativen O-Namen der Opfer. Alle Charaktere sind nämlich alphabetisch benannt, wobei das Opfer im Englischen natürlich Namen mit V wie Victim trägt, mir aber bei weitem nicht so viele deutsche O-Namen eingefallen wären. Ich fand es toll, welche kreativen Namen hier im Deutschen verwendet wurden!

Zusammengefasst ein wirklich spaßiges, herausforderndes Rätselbuch, perfekt für Sudoku-Fans und Fans von Logicals!