– When Shadows Darken the Sun
 465 Seiten

In wenigen Monaten beginnen die Tag-und-Nacht-Spiele, in der die Prima des Taghofs, Di, und der Primus des Nachthofs, Nox, gegeneinander antreten müssen, um zu bestimmen, wer von beiden die nächsten dreißig Jahre über den Dritten Hof herrschen wird. Begleitet wird Di von ihrer Zofe Cass, die die unsichere Herrscherin unterstützt und Nox in seine Schranken weisen will. Gleichzeitig sind die beiden fasziniert voneinander, sich wohl bewusst, dass sie Feinde sind. Um Cass‘ besten Freund von einem Fluch zu retten, machen die beiden sich auf eine Reise auf, in der sie sich näher kennenlernen, während das Datum der Spiele immer näher rückt …

Dieser Fantasyroman hat einfach Spaß gemacht – vor allem wegen seinem cineastischen Schreibstil und der gut umgesetzten Romanze. Denn eigentlich sticht er davon abgesehen nicht zu stark hervor, er ist einfach eine klassische Fantasyromanze – und trotzdem ein sehr guter Genuss.

Mit „cineastisch“ meine ich hierbei einen Schreibstil, der er leicht macht, sich alle Szenen tatsächlich gut vorzustellen. Ich war positiv überrascht davon, wie viele denkwürdige Szenen es gab, die sich in mein Gedächtnis einbrannten, wobei mein liebster Teil der Handlung Cass‘ und Nox‘ Rettungsreise war. Hier gab es ein paar meiner absolut liebsten Szenen, weshalb mir dieser Handlungsabschnitt besonders positiv in Erinnerung geblieben ist.

Das liegt auch an den Protagonisten: Cass und Nox sind nicht nur sympathische Hauptcharaktere, sondern haben auch eine hervorragende Chemie miteinander. Zwar finde ich, dass ihre anfängliche Faszination etwas ZU schnell entstand und ich mir hier eine langsamere Entwicklung gewünscht hätte, aber ihre Chemie im Allgemeinen war immer noch großartig. Die Mischung aus schalkhaften Dialogen und genuinen Momenten war schlicht sehr gut dosiert und machte es leicht, mit den beiden mitzufiebern. Insgesamt eine sehr süße Romanze!

Von den anderen Charakteren mochte ich Cass‘ besten Freund Soley und ihre beste Freundin Di am meisten. Charaktere, die wie Soley die Handlung in Bewegung setzen, sind oft erstaunlich unwichtig für die Handlung selbst, aber obwohl ich mir durchaus mehr Screentime für Soley gewünscht hätte, hat er immer noch mehr Relevanz als viele andere vergleichbare Charaktere. Di währenddessen ist eine wunderbar unterstützende Freundin, obwohl sie und die anderen Charaktere zugegeben von mehr Screentime und Entwicklung profitiert hätten; sie haben genug, um mich an sie zu erinnern, aber nicht genug, um sie ins Herz zu schließen.

Die Spiele gehen erst nach dreihundert Seiten los, was mich zwar nicht störte, anderen Leser:innen aber bewusst sein sollte, falls diese sich vor allem auf die Spiele freuen.

Eine große Kritik habe ich allerdings: Die sehr vorhersehbaren Twists. Sogar schon vor dem Lesen ist es sehr leicht, sie zu erraten, sodass ich mir gewünscht hätte, sie wären sehr viel früher offenbart worden, als es der Fall ist. Tatsächlich war es ein wenig erschreckend, WIE vorhersehbar wichtige Handlungsaspekte waren!

Aber hat das meiner Lesefreude geschadet? Nein, nicht besonders. Ja, ich hätte mir eine frühere Offenbarung für die Dinge gewünscht, die mir sehr schnell klar waren, aber die Handlung war immer noch so spaßig geschrieben, dass mich das nicht störte. Wer eine Fantasyromanze lesen will, die sich leicht visualisieren lässt und es leicht macht, mit den beiden Hauptcharakteren mitzufiebern, findet hier eine, die mich sehr gut unterhalten hat!

– Die magische Villa – Eine Freundschaft voller Zauber
 268 Seiten

Als kleine Kinder haben Lucy und Maya viel Zeit in einer alten Villa verbracht, die inzwischen einer Dame namens Frau Schmitt gehört. Eines Nachts sieht Lucy, wie ebenjene Frau Schmitt inmitten von Nebel auf dem Gelände steht und wie ein unheimliches Wesen aus der Straße ausbricht und entkommt. Zusammen wollen die beiden herausfinden, was es damit auf sich hat. Hilfe bekommen sie von Tim, der ein paar seltsame Aufnahmen gemacht hat, die er untersuchen will. Schließlich finden die drei heraus, dass die Villa in Wirklichkeit ein Refugium für magische Wesen ist – und Frau Schmitt, die eigentlich Sue Rubyred heißt, braucht ihre Unterstützung, um den Wesen zu helfen …

Dieses schöne Kinderabenteuer war angenehm zu lesen, hatte eine tolle Atmosphäre und vor allem einen sehr guten Fokus auf die Freundschaft zwischen den drei Hauptcharakteren. Gerade Lucy und Maya waren großartig, weil sie sich stets unterstützen und ihre wunderbare Freundschaft dadurch hervorragend zeigen, aber auch als Charaktere allgemein mochte ich sie sehr.

Mein Lieblingscharakter war dabei Maya, die mir unglaublich sympathisch war. Sie nimmt einen sehr aktiven Teil in der Handlung ein, ist sehr hilfsbereit und mutig, und mir kam sie stellenweise sogar mehr wie ein Hauptcharakter vor als Lucy. Natürlich bekommt auch Lucy einiges zu tun, aber ich möchte positiv erwähnen, dass ihre beste Freundin nicht einfach nur ein Extra ist, sondern tatsächlich ein gleichwertiger Hauptcharakter mit sehr viel Eigeninitiative.

Die magischen Wesen gefielen mir ebenfalls, wobei ich speziell das Nixenabenteuer mochte. Leider dauert es eine Weile, bis die Charaktere offiziell in die Welt der magischen Wesen eingeführt werden, aber ihre Integrierung in unserer Welt war dafür sehr gelungen.

Insgesamt also ein schönes Kinderabenteuer für Fans von Freundschafts- und Fantasygeschichten!

– The House Witch 1
 559 Seiten

Finlay Ashowan ist der neue Koch des Königs – und zudem eine Hexe, was aber niemand wissen darf. Mit seiner eigensinnigen Art macht er es sich bei der Dienerschaft nicht einfach, doch seine hervorragenden Kochkünste und seine Art und Weise, die Menschen um sich herum auf subtile Art zu beschützen, bringen ihm bald das Vertrauen der Adligen und der Dienerschaft ein. Doch die vielen Herausforderungen des Alltags machen es Fin nicht einfach, sein Geheimnis zu bewahren, das Chaos im Schloss zu bewältigen, Freundschaften zu schließen und seine wachsenden Gefühle zur Adligen Annika Jenoure zu realisieren …

Dieser Fantasyroman hat mich sehr an eine gemütliche Serie erinnert, weil er genau so aufgebaut ist: Als wäre die Handlung in mehrere Episoden unterteilt, in denen Fin und die anderen sich mit verschiedenen Vorfällen befassen. Und das war sowohl ein positiver als auch ein negativer Punkt: Die einzelnen Ereignisse mochte ich nämlich sehr und sie haben mich oft zum Schmunzeln, Lächeln und Lachen gebracht. Es gab so viele Szenen, die mich begeisterten, weil sie die gemütliche Atmosphäre des Romans so wunderbar einfingen.

Allerdings hat die episodenhafte Erzählweise auch einen großen Nachteil: Durch sie fühlte sich die Geschichte an, als würde es keine übergreifende Handlung geben (obwohl sie durchaus existiert) und nur sehr wenig Spannung. Natürlich erwarte ich bei einer Cozy Fantasy nicht, dass sie mich ständig zum Weiterlesen antreibt, aber hier fiel es mir wirklich schwer, mitzufiebern, weil die Handlung sich trotz der stets wiederkehrenden Charaktere und zufriedenstellender Charakterentwicklung so abgeschnitten voneinander anfühlte.

Die einzelnen Freundschaften (vor allem die zu Fin und den Rittern, die sich zunächst nicht ausstehen können, bis sie sich langsam füreinander erwärmen) sowie die Romanze zwischen Fin und Annika waren sehr gut umgesetzt. Hier fiel es mir leicht, mit den Charakteren und den einzelnen Beziehungen mitzufiebern, weil sie sehr realistisch geschrieben waren und sich beständig weiterentwickelten.

Der Schreibstil war mir manchmal ein wenig zu nüchtern und es verwirrte mich oft, wann immer sich die Sichtweise abrupt änderte, aber trotzdem gelang es ihm, mir die schönen Szenen nahezubringen.

Insgesamt also kein absolutes Highlight, aber immer noch eine wunderbare Cozy Fantasy, die gerade für diejenigen perfekt geeignet ist, die eine episodenhafte Erzählweise mögen!

– Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers
 386 Seiten

Seit einiger Zeit fühlt Alex sich, als würde etwas nicht stimmen. Ihre kontrollierende Mutter versucht, ihr keine Gelegenheit zum Nachdenken zu geben, während Menschen von Drachensichtungen berichten. Erst, als der Fremde Oliphos eintrifft, erfährt Alex die Wahrheit: Sie ist ein Drache und muss lernen, ihre Kräfte zu beherrschen, wenn kein Chaos ausbrechen soll. So fängt Alex ihre Ausbildung an, doch schafft sie es einfach nicht, sich zu verwandeln. Und ihre Zeit läuft ab, denn Drak Midna, der größte und gefährlichste Drache von allen, droht, zurückzukehren …

Wow, das war mal ein Kinderbuch! Ich hatte schlicht eine unterhaltsame Lektüre erwartet (und zugegeben WAR sie auch sehr unterhaltsam), aber die pure Spannung, die aus der Handlung und den Twists entstand, war unbeschreiblich. Schon Alex‘ Ausbildung und die Freundschaften, die sie währenddessen schließt, haben mir sehr gut gefallen, weil ich gespannt war, wie sie es schaffen würde, sich trotz ihrer mangelnden Verwandlungskünste zu behaupten.

Das kommt allerdings mit einem Meta-Kritikpunkt, und zwar dem Cover. Das Cover selbst ist hervorragend, doch gleichzeitig dämpft es einen beträchtlichen Teil der Spannung, die während Alex‘ Ausbildung aufgebaut wird. Denn das ganze Buch dreht sich darum, wie Alex sich letztendlich verwandeln und wie sie wohl als Drache aussehen wird – eine Überraschung, die erst gegen Ende gelüftet, durch das Cover aber sogar schon vor dem Lesen verraten wird. Es ist ein massiver Spoiler, der damit vergleichbar ist, auf dem Cover eines Mystery-Thrillers den Täter abzubilden.

Glücklicherweise gibt es davon abgesehen noch andere Twists, die ich allesamt nicht kommen gesehen habe und die mich massiv schockierten. Sie waren für mich das beste am Roman, weil sie viele frühere Szenen in ein anderes Licht rückten und absolute „Holy Shit!“-Momente waren. Gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse auf eine Weise, die mich immer noch atemlos zurücklässt, wenn ich daran zurückdenke. Besonders cool war hier auch, dass ich am Anfang natürlich meine eigenen Ideen bezüglich möglicher Twists hatte – und sie sich allesamt als falsch erwiesen.

Was die Charaktere angeht, mochte ich vor allem Erik (Alex‘ besten Freund), Oliphos (ihren Mentor) und Puppin (den Drachenforscher). Die anderen Nebencharaktere stechen nicht ganz so stark hervor wie diese drei, aber dafür zeigten Erik, Oliphos und Puppin umso besser die wichtigsten Werte des Romans, jeder auf seine eigene Weise.

Wer Drachen liebt und eine spannende Handlung mit besonders dramatischen Twists lesen möchte, findet hier ein persönliches Highlight!

– Magic of Moon and Sea. Die Königin der Glasinsel
 305 Seiten

Auf der Suche nach ihrem Vater gerät Ista auf die Glasinsel, wo auch der Spion Tamlin lebt. Hier findet sie heraus, dass ihr Vater bei den Lustbarkeiten ist – ein endloses Fest, das die neue Königin der Sumpfspinner benutzt, um Menschen zu ködern. Nur, wenn Ista, Nat und Ruby es ebenfalls riskieren, an den Lustbarkeiten teilzunehmen und die Spiele der Königin zu bestehen, können sie Istas Vater befreien – doch Tamlin macht deutlich, dass das nicht einfach sein wird …

Den ersten Teil habe ich damals mit viel Begeisterung gelesen, weil er so viele unerwartete Twists hatte, aber der zweite Teil ist um einiges schlichter aufgebaut. Es gibt immer noch ein, zwei Überraschungen, aber die Handlung insgesamt ist recht geradlinig und braucht zudem eine Weile, um in Gang zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert, wobei das teils auch ein positiver Punkt ist: So lernen wir nämlich speziell Tamlin besser kennen und diese Zeit war sehr gut investiert.

Denn obwohl Ista, Nat und Ruby das Haupttrio sind, war Tamlin mit Abstand der faszinierendste Charakter, sehr vielschichtig und undurchschaubar, was seine Ziele betrifft. Denn wir als Leser:innen merken schnell, dass er etwas vor uns verbirgt – aber was es ist und auf welcher Seite er letztendlich steht, bleibt lange ein Geheimnis und das hat mir sehr gefallen. So habe ich selbst dann mit der Handlung mitgefiebert, als sie selbst nicht allzu spannend war: Weil Tamlin und sein undurchsichtiger Charakter sie trotzdem spannend gemacht haben.

Bei dem Rest der Handlung fehlte mir dagegen manchmal die Relevanz zur Hauptstory, speziell am Anfang, als Nat und Ruby erst einmal nach Ista suchten, während Ista andere Bewohner der Glasinsel kennenlernte. Hier finde ich, dass man die Handlung hätte kürzen können, indem Nat und Ruby von Anfang an Teil der Partie gewesen wären, auch wenn es mir gefiel, auf diese Weise mehr von Alexo Rokis zu sehen.

Der beste Teil war definitiv das Ende, als die Charaktere alle bei den Lustbarkeiten sind, wo sie in konstanter Gefahr schweben; hier fieberte ich sehr stark mit, weil ich wissen wollte, wie die Charaktere der Königin ein Schnippchen schlagen wollen. Doch insgesamt empfand ich diesen Teil als schwächer, weil ihm die Komplexität und die vielen Twists des ersten Teils fehlten. Als Geschichte selbst war er allerdings immer noch in Ordnung.

– Magicalia
 336 Seiten

Bitsy ist schockiert, als ihr Vater von einer Frau mit einer seltsamen Kreatur entführt wird. Bei der Kreatur handelt es sich um einen Magicore – ein Wesen, das aus einem bestimmten Gefühl heraus entsteht. Die Entführerin, Melasina Spires, verlangt von Bitsy, ihr Arkwoods Kreiselrad zu besorgen, wenn sie ihren Vater retten will. Dafür müssen Bitsy und ihr bester Freund Kosh nicht nur lernen, wie man Magicores beschwört, sondern auch eine Schnitzeljagd durch verschiedene Städte bewältigen, um Arkwoods Kreiselrad zu finden …

Am Anfang hat mich dieses Kinderbuch erst mal ganz schön überfordert, denn es gibt wirklich sehr viel Infodump bezüglich der Magicores, den ich mir nicht einmal ansatzweise komplett merken konnte. Ich hatte sofort das Gefühl, dass diese Informationen flüssiger hätten eingebaut werden können (ähnlich wie die späteren Wesen, die nach und nach erscheinen), weil die Art und Weise, wie sie präsentiert sind, ein wenig zu viel auf einmal war.

Doch das, was sie beinhalten, war mit Abstand die größte Stärke des Romans: Die verschiedenen Magicores. Sie waren unglaublich kreativ, gut beschrieben, hatten coole Fähigkeiten und deren Bindung zu verschiedenen Emotionen war ebenfalls fantastisch umgesetzt. Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es eine kleine Zeichnung von einem bestimmtem Magicore (der in der Regel auf für das Kapitel relevant ist) und es hat mich sehr begeistert, sie in die Handlung eingebaut zu sehen. Das ganze System war um einiges tiefer, als ich es erwartet habe und das hat es so fantastisch gemacht.

Die Schnitzeljagd gefiel mir ebenfalls gut, auch wenn sie durchaus Szenen hatte, die sich ein wenig zogen. Es war einfach spaßig, Bitsy und Kosh dabei zuzusehen, wie sie die verschiedenen Aufgaben zusammen bewältigen – auch, wenn ich zugegeben muss, dass sie als Charaktere nicht besonders hervorstachen. Ja, ich mochte ihre Freundschaft, aber im Vergleich zu den Wesen, die sie heraufbeschwören, blieben sie relativ blass. Das trifft auch auf die anderen Charaktere zu, von denen ich gerne mehr gesehen hätte, weil die Geschichte zu stark von der Handlung lebt.

Apropos: Natürlich gab es auch zwei, drei Twists, wobei ich ironischerweise den Endtwist bereits sehr früh erahnte, den Mitteltwist allerdings nicht kommen sah. Sie waren auf jeden Fall nett und haben die Handlung bereichert.

Insgesamt also ein Buch, das vor allem durch seine Kreativität hervorsticht!

– Die Jagd nach den magischen Münzen
 273 Seiten

Bo hört das Flüstern der Themse, bevor sie in deren Schlamm eine silberne Münze findet, die sie an den Mond erinnert. Sie spürt sofort, dass sie etwas Besonderes ist und weigert sich, sie zu verkaufen, als der zwielichtige Muncaster ihr viel Geld dafür anbietet. Zusammen mit Billy, Muncasters Diener, findet sie heraus, dass es auch eine Sonnenmünze gibt, sowie eine Ballade, die verrät, wie man die beiden Münzen zusammenführen muss, um einen geliebten Menschen wiederzubeleben. Billy, der hofft, so seine Mutter zurückzubekommen, möchte Bo helfen, die zweite Münze zu finden, muss sich jedoch auch vor Muncaster in Acht nehmen …

Dieses Kinderbuch war überraschend emotional, auf mehr als eine Weise! Es ist eine teils historische, teils magische Geschichte, die kein klassisches Abenteuer erzählt, sondern eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und Loslassen. Aus diesem Grund habe ich die Geschichte teils als langsam empfunden, weil es nicht immer spannend war, sondern der Fokus ganz klar auf den Charakteren und deren Beziehungen lag.

Natürlich stechen vor allem Bo und Billy positiv hervor, aber auch Miss Cressant und Eddie mochte ich ganz gern, obwohl sie teils nicht viel Screentime haben. Man könnte auch sagen, dass nicht zwingend die Charaktere interessant sind, sondern die Bindungen zwischen ihnen und das, was sie voneinander lernen.

Auch der Schreibstil und die Atmosphäre, die sie einfängt, sind sehr schön, wobei ich hier auch lobend das Cover erwähnen möchte, dass das Ambiente des Buches fantastisch einfängt.

Gegen Ende gab es ein paar überraschende Twists, mit denen ich nicht gerechnet habe, obwohl sie im Nachhinein sehr logisch waren. Das emotionale Ende und das Lied der Themse, das uns danach gezeigt wird, haben mir sehr gefallen, doch gleichzeitig bin ich mir sicher, dass gerade die Zielgruppe eventuell nicht zufrieden damit sein wird. Diese Geschichte ist wie gesagt kein klassisches Fantasyabenteuer, sondern vor allem ein gefühlvoller Roman!

– Dire Bound
 832 Seiten

Als Meryns Schwester Saela vom Feindesland entführt wird, steht ihr Entschluss fest: Sie will an die Grenze, um ihre Schwester suchen und retten zu können. Doch wie alle neuen Rekruten muss sie die Bindungsprüfungen hinter sich bringen, die überprüfen sollen, ob sie eine Verbindung zu einem Wolf hat – und zu Meryns Entsetzen wird sie tatsächlich von einer Wölfin ausgewählt. Jetzt steckt sie nicht nur im Bezirk der Gebundenen fest, sondern muss auch mit der drohenden Gefahr leben, jederzeit ausgesiebt zu werden – eine Gefahr, die umso größer ist, da ihre Schattenwölfin Anassa sich weigert, mit ihr zu sprechen …

Dieser Roman hat mir leider gezeigt, dass ich selbst bei der besten Geschichte ein Liebesdreieck nicht ertragen kann. Zugegeben: Für etwa zwei Drittel der Handlung war es überraschend erträglich. Ich mochte es, wie es durch einen Twist eingeführt wurde, und dass es nicht ZU viel Zeit einnahm, weil der Fokus immer noch auf Meryns Ausbildung liegt, deren Umsetzung klasse war.

Aber irgendwann wurde es dann doch nervig, weil das Liebesdreieck wirklich schmerzhaft vorhersehbar war: Wir haben den einen Love Interest, der Meryn von Anfang an liebevoll behandelt, glücklich macht, alle Spice-Szenen bekommt und insgesamt sympathisch war – und den anderen Love Interest, der für lange Zeit sehr unsympathisch ist und erst gegen Ende ein wenig Wärme zeigt. Es war von Anfang an klar, dass der liebevolle Love Interest auf keinen Fall derjenige sein kann, mit dem sie zusammenkommt und dass ein Twist sein Verhalten in ein anderes Licht rücken wird. Tatsächlich wäre es für mich ein größerer Twist gewesen, hätte er sich tatsächlich als der liebevolle Love Interest dargestellt, als der er dargestellt wurde, aber leider konnte ich am Ende wirklich jeden Twist vorhersehen, weil der Aufbau des Liebesdreiecks so offensichtlich darauf hinauslief.

Auch den klassischen Anfang habe ich als Kritikpunkt wahrgenommen, wenn auch als recht kleinen, weil er von so vielen anderen Fantasyromanen geteilt wird: Eine Protagonistin, die die Handlung wegen einem Charakter in Bewegung setzt, den wir als Leser:innen kaum kennenlernen und in deren Rettung wir deshalb nicht investiert sind. Ich finde, die Handlung wäre um einiges stärker gewesen, hätte Meryn aus eigenem Wunsch an den Bindungsprüfungen teilgenommen, weil es leichter war, mit ihrer Ausbildung mitzufiebern als mit der Suche nach Saela.

Und hier kommen wir zu den positiven Punkten: Die Haupthandlung war absolut fantastisch. Ich liebte es, Meryns Entwicklung zu verfolgen, die gefährlichen Prüfungen, ihre Freundschaften mit den anderen Auszubildenden (vor allem Izabel) und vor allem ihre Bindung zu Anassa. Sie war sehr langsam und sehr realistisch aufgebaut, die beiden brauchen lange Zeit, um miteinander zurechtzukommen und es war so spannend und zufriedenstellend, den beiden dabei zuzusehen, wie sie ihre schwierige Beziehung nach und nach kitten. Von allen Beziehungen war diese mit Abstand die stärkste, weil sie glücklicherweise viel Screentime bekam und sich so realistisch entwickelt hat.

Ich mochte auch Meryn selbst und wie sie alles in Frage stellte, anstatt es einfach zu akzeptieren. Es war leicht, mich in sie hineinzuversetzen, weil ich genau dieselben Punkte in Gedanken ansprach wie sie. Sogar die grausamen Szenen, die ihre Veränderung einleiten, waren nachvollziehbar und ein wichtiger Teil ihrer Charakterentwicklung.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman gut für Fourth-Wing-Fans geeignet, allerdings nur für diejenigen, die Liebesdreiecke mögen!

– Blood over bright haven
 480 Seiten

Sciona ist fest entschlossen, als erste Frau die Magierprüfung zu bestehen, ein Ziel, auf das sie ihr ganzes bisheriges Leben hingearbeitet hat. Doch nie hätte sie geahnt, dass mit dem Status der Hochmagierin die Probleme nur größer werden: Nicht nur wird sie immer noch nicht ernst genommen, sondern bekommt für die Aufgabe, den Schutzschild um die Stadt zu erweitern, den Hausmeister Thomil als Assistenten. Sciona, die gegenüber ihm und seinem Volk Vorurteile hat, stellt bald fest, dass mehr hinter Thomil steckt, als es zunächst den Anschein hatte. Und dann macht Sciona eine furchtbare Entdeckung, die ihr ganzes Weltbild auf den Kopf stellt und sie dazu zwingt, ihrer eigenen Ignoranz ins Gesicht zu sehen …

Dieser Fantasy-Einzelband ist eine so großartige Empfehlung, dass ich es mit jedem Kapitel mehr bereut habe, ihn nicht schon vorher gelesen zu haben. Zugegeben hatte ich bei der Kurzbeschreibung die Befürchtung, dass er wie so viele andere Fantasyromane mit Misogynie als Thema in klischeehafte Bahnen abrutschen wird, aber zu meiner Freude war Sciona tatsächlich die geniale Magierin, als die sie dargestellt wird, ohne beim Anblick des ersten gutaussehenden Mannes ihre Prinzipien zu verraten. Gleichzeitig ist sie vorurteilsbehaftet und ignorant in ihrem Optimismus, lernt aber auch aus ihren Fehlern und büßt nie die Kompetenz ein, die ihr ihre Stellung einbrachte. Ihre Stärken und Schwächen haben sie zu einem einnehmenden Charakter gemacht, mit dem ich sehr mitgefiebert habe.

Auch Thomil war wunderbar und stellte Scionas Weltbild mit seinen scharfen Argumenten infrage. Ihre Dynamik hat mir sehr gefallen, weil sie nicht nur allgemein eine gute Chemie miteinander haben, sondern so erfolgreich zeigten, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der einen herausfordert, statt in allem zuzustimmen. Wichtig ist es für Leser:innen nur zu wissen, dass die beiden zwar Anflüge einer Romanze haben, es im Roman aber um so viel mehr geht. Ihre Szenen waren stets wunderbar zu lesen, aber erfrischenderweise nicht das Zentrum des Romans.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, ihre Ansichten dafür umso stärker. Nicht nur, was die Misogynie betrifft, sondern allgemein die Art und Weise, wie man sich so sehr an ein Weltbild klammern kann, dass man für logische Argumente nicht mehr offen ist – etwas, an dem wir vermutlich alle mitschuldig sind. Tatsächlich hat der Roman in einem bestimmten Aspekt mein eigenes Weltbild verändert, so erfolgreich zeigte M. L. Wang diejenigen in ihrem Roman. Besonders gut fand ich auch, dass für uns Leser:innen die Ungerechtigkeit und fehlende Logik gewisser Sichtweisen offensichtlich ist, ohne dass das extra angesprochen werden musste.

Die Welt, die Magie, die Handlung und die Charaktere haben wunderbar miteinander harmoniert. Gerade das Worldbuilding hat mir sehr gefallen, weil die Welt sich so real anfühlt, die Handlung sich realistisch entwickelt und die Magie so ausgearbeitet ist, und das alles in einem einzigen Band! Der Twist, der alles noch einmal in eine andere Perspektive rückt, war schockierend und gleichzeitig logisch, das Ende sowohl tragisch als auch hoffnungsfroh und gerade deshalb perfekt. Rundherum ein Roman, der mich mit jedem Kapitel mehr beeindruckt hat!

Meine einzige kleine Kritik betrifft die deutsche Übersetzung, denn ich fand ungewöhnliche viele kleine Rechtschreibfehler. Kleine Tippfehler an sich sind durchaus verständlich, aber die Anzahl hier war dann doch hoch genug, dass ich sie hier ansprechen wollte. Meiner Freude an der Handlung hat das glücklicherweise keinen Abbruch getan, aber bei einer Wiederauflage hoffe ich, dass diese vielen kleinen Fehler verbessert werden.

Ein eindeutiges Highlight, von dem ich wirklich wünschte, ich hätte es schon früher entdeckt!

– Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen
 347 Seiten

Mika ist eine Hexe, die ihre wahre Identität nur in Social Media lebt, wo sie keine Angst haben muss, dass ihr irgendjemand auf die Schliche kommt. Bis es dann doch jemand tut und ihr ein Angebot unterbreitet: Sie soll drei jungen Hexen beibringen, ihre Magie zu kontrollieren, bevor sie entdeckt und auseinandergebracht werden. Sie ist zunächst zögerlich, lässt sich dann aber überreden. Und findet dort eine Familie, wo sie sie nie erwartet hätte …

Nachdem mir „Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste“ sehr gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt auch „Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen“ lesen – und auch dieser Fantasyroman war wunderbar gemütlich und einfach wunderschön!

Teilweise fand ich es zwar ein wenig ZU ruhig, aber insgesamt gelingt es der Autorin gut, die Handlung interessant zu gestalten. Und das liegt vor allem an den Charakteren: Mika und ihr Love Interest Jamie, die Mädchen Rosetta, Terracotta und Altamira, die Großväter Ian und Ken sowie Lucie, die eine tantenähnliche Rolle einnimmt, waren mir alle sehr sympathisch und es machte Spaß, ihnen bei ihren Abenteuern zuzuschauen. Speziell die Romanze zwischen Mika und Jamie nimmt viel Platz ein, was mir einerseits gefiel, weil sie so realistischer wirkt, was ich aber andererseits schade fand, weil ich gerne noch mehr von den Kindern gesehen hätte. Gerade die erste Hälfte gibt den dreien viel Screentime; ich mochte vor allem Terracotta gern und die Art und Weise, wie ihre zunächst frostige Beziehung zu Mika sich erwärmt. Aber danach wird die Romanze immer wichtiger und die Kinder geraten ein wenig in den Hintergrund, auch wenn sie natürlich immer noch eine wichtige Rolle in der Handlung spielen.

Apropos Handlung: Die Twists gegen Ende waren wirklich hervorragend und haben so einige Zusammenhänge enthüllt, die ich nicht kommen gesehen habe. Die Vergangenheit vieler Charaktere spielt für die Haupthandlung keine Rolle (was ich nur bei Jamies Vergangenheit schade fand, weil sie ein wenig zu schnell abgearbeitet wurde), aber am Ende kommen so einige Punkte zusammen, die eine schöne Zukunft garantieren. Das war insofern erfrischend, dass wir dieses Mal Charaktere bekamen, die auf erwachsene Weise mit ihrer Vergangenheit umgehen und entschlossen sind, ihre Zukunft besser zu gestalten.

Insgesamt also ein gemütlicher Fantasyroman für Zwischendurch!

– Vesselless
 515 Seiten

Dagen ist ein Deathwalker, der dem Tod Seelen bringen und selbst welche verzerren muss. Doch dann bietet der Tod ihm eine Vereinbarung an: Wenn Dagen es schafft, ihm die reine Seele von Nizzara, Tochter von Dagens Mörder, zu bringen, bekommt er für hundert Jahre seine Freiheit. Das Problem dabei: Nizzara muss sie ihm freiwillig geben. Sie selbst hat jedoch andere Pläne: Sie will unbedingt beim kommenden Königsduell gewinnen, um sich auf diese Weise von einer drohenden Verlobung zu lösen. Dagen bietet ihr seine Hilfe an, doch Nizzara weigert sich. Doch dagegen, ihn näher kennenzulernen, kann sie nicht viel tun …

Die Grundidee des Romans war großartig, aber die Umsetzung konnte mich trotz positiver Elemente nicht komplett überzeugen.

Die mit Abstand größte Schwäche war für mich die Romanze: Zwar haben Nizzara und Dagen durchaus ein paar Szenen, in denen sie Chemie zueinander zeigen, aber in den ersten zwei Dritteln haben sie nur recht wenige Szenen miteinander, die mitnichten ausreichten, um ihre Romanze glaubhaft zu machen. Auch das letzte Drittel änderte daran nicht viel, was vor allem an Dagens Verhalten liegt: Denn als Deathwalker sieht er quasi automatisch die Begierden und Erinnerungen anderer Menschen – ohne deren Einverständnis, wobei unklar ist, wie sehr er etwas dagegen tun kann –, sodass es ein wenig so wirkte, als wäre Nizzara mit einem Gedankenleser zusammen, ohne jemals etwas dagegen zu haben oder auch nur darüber zu diskutieren, dass Dagen nahezu kompletten Zugriff auf ihre Begierden und Erinnerungen hat. Tatsächlich fand ich Lekk, Nizzaras Verlobten, um einiges sympathischer, obwohl er recht spät vorkommt und nur wenige Szenen mit ihr hat.

Die meisten Charaktere sind recht eindimensional, tatsächlich stach vor allem Nizzara als Protagonistin hervor. Ich mochte es, dass sie zwar ihre kämpferischen Fähigkeiten ausbaute, aber stets entschlossen war, ihre Gegner nicht umzubringen. Ihre Freundschaft mit Yisabell war sehr süß und die zu Liha zum Glück nicht so schlicht, wie es zunächst den Anschein hatte. Ich hätte mir nur gewünscht, sie hätte ihre Fähigkeiten ein wenig öfter zeigen können, denn es kam mir vor, als hätte sie fast immer Hilfe gebraucht, während sie gleichzeitig behauptete, keine zu benötigen.

Die eigentliche Handlung plätschert manchmal vor sich hin. Nizzaras Storyline mit ihrem Vater mochte ich sehr, weil sie so große Risiken für Nizzara selbst brachte, aber Dagens Handlungsstrang mit den Rebellen interessierte mich nicht besonders, vor allem, weil er ihn davon abhielt, mehr Zeit mit Nizzara zu verbringen. Ihre Romanze hätte wirklich mehr Screentime gebraucht und hätte vielleicht auch dabei geholfen, Dagen sympathischer darzustellen.

Was dafür die große Stärke des Romans war, war das Worldbuilding. Die verschiedenen Welten, Wesen und die Magie waren allesamt faszinierend und ich hätte gerne noch mehr von ihnen gesehen, weil ich immer, wenn es um die Welt selbst ging, mehr von ihr wissen wollte, so sehr fesselte sie mich. Gerade Lekks Kultur fand ich besonders interessant!

Insgesamt hatte der Roman durchaus gute Elemente, aber insgesamt leider nicht genug, um die negativen Aspekte zu überdecken.

– Metal Slinger – Dunkle Verheißung
 512 Seiten

Zusammen mit ihren Mitkämpfern lebt Brynn auf einem Schiff, doch endlich darf sie mit den anderen zum ersten Mal aufs Festland. Dort begegnet sie auf dem Markt einem geheimnisvollen jungen Mann, der sie sogleich in Schwierigkeiten bringt, bis zu dem Punkt, an dem sogar Krieg droht. Während ihre Kameraden überlegen, was nun mit Brynn geschehen soll, sucht der junge Mann, Acker, sie auf und behauptet, sie wäre in Wirklichkeit die verlorene Prinzessin Jovie. Brynn begreift, dass er die Wahrheit sagt und begleitet ihn in ihr eigentliches Zuhause, wo sie unbedingt herausfinden will, wer sie wirklich ist – während sie sich nach und nach in Acker verliebt …

Der Roman hat wirklich vielversprechend angefangen, aber leider nutzte er sein anfängliches Potential nicht. Ich mochte gleich zu Beginn das Setting und die Freundschaft zwischen Brynn, Kai und Messer, die als Trio gerne mal das Meer und das Land unsicher machen und mir sofort sympathisch waren. Dass sie alle ihr Leben auf einem Schiff lebten, fand ich ungemein faszinierend, und auch der erste Landbesuch – sowie die Konsequenzen, die daraus entstehen – war sehr gut und sehr spannend geschrieben.

Auch der Teil, als Brynn sich Acker anschließt und sie sich auf den Weg zu seinem Zuhause machen, hat mir sehr gefallen, weil die beiden eine gute Chemie zeigten, es hier aber mitten in der Handlung auch einen großartigen Twist gab, den ich wirklich sehr mochte … nur, um festzustellen, dass er sehr bald darauf zur Seite geschoben wird und Brynn noch nicht einmal mehr an ihn denkt. Dass ihre besten Freunde nach ihrem Weggang keine große Rolle mehr spielen, fand ich zwar schade, konnte es aber akzeptieren, aber dass diese Gelegenheit, die der Twist bot, nicht genutzt wurde, war sehr enttäuschend.

Auch am Ende gibt es einen Twist, aber obwohl er mir auf dem Papier ausgesprochen gut gefallen hat, gab es auf ihn keinerlei Foreshadowing, sodass er sehr unlogisch wirkte – als wäre er nur ein Twist um eines Twists willen. Hier hätte der Roman schon vorher Hinweise auf ihn einbauen sollen, damit er nicht ganz so sinnbefreit wirkt.

Und dann wäre da noch die Romanze, die stark anfing, mit langsam wachsenden Gefühlen, aber auch der Frage, ob die Bindung, die zwischen Brynn und Acker besteht, ihr überhaupt eine Wahl lässt. Nur wurde dieser wichtige Punkt irgendwann nicht mehr angesprochen und sobald die Romanze richtig losging, verwandelte sich Acker vom geduldigen, gewitzten Love Interest in einen, der mir sehr unsympathisch wurde, weil er Brynn keinerlei Respekt und Entscheidungsfreiheit entgegenbrachte und den Eindruck machte, er hätte ein Anrecht auf sie, ohne dass sie diesbezüglich Mitspracherecht hätte. Das wird ihm zwar durchaus negativ angekreidet, wofür ich dankbar war, aber irgendwann dann nicht mehr erwähnt, obwohl sein Verhalten eher schlimmer als besser wurde.

Insgesamt finde ich, dass dieser Roman sehr davon profitiert hätte, mehr Worldbuilding einzubauen, den Nebencharakteren mehr Screentime zu geben, die Twists besser anzudeuten und die Romanze liebevoller zu gestalten. Denn all diese Aspekte sind gerade in der ersten Hälfte des Romans sehr stark und trieben mich begeistert zum Weiterlesen an, aber die zweite Hälfte hat all das Potential der ersten Hälfte leider nicht genutzt. Von daher kann ich leider keine Empfehlung aussprechen, weil die positiven Punkte nach und nach ins Gegenteil verkehrt wurden.

– Secrets of Black Manor (1). Die Gabe der Träumer
 352 Seiten

Luca ist erstaunt, als an seinem dreizehnten Geburtstag ein seltsames Zeichen auf seinem Handgelenk und ein noch seltsameres Wesen auf seinem Bett auftaucht. Zunächst hält er es für einen Streich von seinem Zwillingsbruder Jannis, bis der zwielichtige William Gray mit ihm Kontakt aufnimmt und ihn darüber unterrichtet, dass Luca in seinen Träumen magische Wesen erschaffen kann. Doch erst, als Luca tatsächlich eins erschafft, begreift er, dass er Wills Hilfe braucht, wenn er herausfinden will, was mit ihm los ist. Doch kann er Will wirklich vertrauen? Und was ist mit Blake, Wills Zwillingsbruder, der seine eigenen Pläne mit Luca zu haben scheint? Luca ist bereit, es herauszufinden …

Dieses Kinderbuch liefert ein spannendes und kreatives Abenteuer, das mich gleich auf mehrere Weisen positiv überrascht hat! Vor allem, was die Handlung angeht, gab es viele unerwartete und klischeefreie Entwicklungen, die ich nicht kommen gesehen habe. Allein schon beim grundsätzlichen Charakteraufbau (dass sowohl der Protagonist als auch sein Mentor Zwillingsbrüder haben) hatte ich sofort ein paar Vermutungen, was die Handlung betrifft, aber zu meiner Erleichterung vermied Marisa Hart hier sämtliche Klischees. Selbst bei dem offensichtlichen Twist bezüglich eines Nebencharakters (bei dem ich mir durchaus gewünscht hätte, dass er ein wenig früher offenbart worden wäre) fand die Autorin einen Weg, ihn erfrischend zu machen, was ich ebenfalls nicht erwartet habe. Hier ein wirklich großes Lob dafür, dass die Handlung so kreativ war!

Auch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander überraschten mich positiv, sodass es mir schwer fällt, hier einen Liebling zu wählen. Lucas Beziehung zu Jannis, seinem Zwillingsbruder, Ben, seinem Klassenkameraden und Will, seinem Mentor waren allesamt großartig umgesetzt. Es war so wunderbar, dass Luca und Jannis tatsächlich über ihre Probleme geredet haben, was zu einer unglaublich zufriedenstellenden Entwicklung führte. Auch Lucas und Bens etwas-mehr-als-freundschaftliche Beziehung hat mich gefesselt und ich hoffe sehr, dass der zweite Band sie weiter vertiefen wird. Und zuletzt fand ich auch Luca und Will und die Art und Weise, wie sie beide aus ihren Fehlern lernten, sehr schön. Dadurch, dass Luca Will zunächst nicht vertraut und sich leicht von Blake beeinflussen lässt, macht er leider ein paar vermeidbare Fehler, aber sowohl er als auch Will lernen aus ihrem Verhalten und bessern sich im Lauf der Handlung.

Kritik habe ich höchstens an den Nebencharakteren, die relativ flach bleiben; die Fieslinge aus der Schule bekommen keinerlei Tiefe, sondern sind einfach gemein, und ich hätte mir auch mehr Action von den weiblichen Charakteren gewünscht, die zwar wichtige Momente bekommen, aber insgesamt nicht allzu relevant für die Handlung sind. Allerdings bin ich ziemlich optimistisch, dass Marisa Hart diesen Aspekt im zweiten Band verbessern kann, da ihre Charaktere insgesamt sehr gut gezeichnet sind.

Die verschiedenen Traumwesen haben mich sehr begeistert. Von ihren Welten hätte ich gerne noch mehr gesehen, aber die Traumwesen selbst waren sehr kreativ und wurden vor allem sehr gut in der Handlung eingesetzt. Ein wenig deus-ex-machina-mäßig waren sie teilweise schon, aber immer noch im logischen Rahmen, sodass mir das nichts ausmachte. Und wie gesagt sind die Wesen selbst einfach großartig!

Das Ende lässt einige Handlungsentwicklungen offen, sodass ich mich schon sehr auf den zweiten Band freue! Am Ende habe ich nur noch zu sagen, dass ich die Karte und die anderen Illustrationen im Buch sehr mochte, weil die Karte zu den wenigen gehört, die tatsächlich hilfreich sind und die Illustrationen es vereinfachten, mir speziell die verschiedenen Wesen besser vorzustellen.

Insgesamt also ein wunderbares Fantasyabenteuer, das sicher nicht nur Kindern gefallen wird!

– Das Gold der Krähen - Collector's Edition
 600 Seiten

Seit Inejs Entführung versuchen die Krähen alles, um sie aus den Klauen Van Ecks zu befreien, einschließlich Inej selbst. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem – Kaz will sich immer noch an Pekka Rollins rächen, Jesper möchte seinen Vater beschützen und Wylan seinen aufhalten, Nina muss ihre Sucht überwinden und Matthias will ihr dabei helfen, und Inej sehnt sich nach der Erfüllung ihres größten Traums. Und am Ende hängt es von ihnen allen ab, ob sie alle am Ende in Freiheit leben können …

Auch der zweite Teil der Krähen ist eine großartige Lektüre, die ihren Fokus vor allem auf die einzelnen Charakterbeziehungen legt, aber auch auf ihre individuellen Ziele, die sich seit dem ersten Band verändert und entwickelt haben. Es war so zufriedenstellend, nicht nur Kaz‘ Planung zu erleben, sondern auch, wie er und die anderen ein engeres Band zueinander knüpften. Sowohl den Romanzen als auch den Freundschaften wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die Handlung immer noch vorankommt, was eine großartige Kombination war. Obwohl ich die eigentliche Handlung als leicht schwächer empfunden habe als die des ersten Bandes, macht sie es durch die Charakterentwicklungen wieder wett!

Was mir außerdem sehr positiv aufgefallen ist, waren die kurzen Rückblicke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit verschiedener Charaktere gegeben haben. Diese Rückblicke gab es zwar schon im ersten Band, doch waren diese dort quasi eigene Nebenhandlungen, die viel Raum einnahmen, während wir hier im zweiten Band mehrere kürzere Rückblicke bekamen. Bis auf Wylan (dessen Vergangenheit locker als wichtige Nebenhandlung gelten kann) zeigen uns alle Charaktere kleinere Momente, die sie geprägt haben und diese waren überraschend effektiv. So sehr ich auch im ersten Band mit den größeren Flashbacks mitfieberte: Ich fand es unglaublich bereichernd, viele kleinere Augenblicke mitzuerleben, die die Charaktere zusätzlich vermenschlichten.

Interessanterweise hatte ich viele Dinge nicht mehr richtig in Erinnerung, zum Beispiel die Reihenfolge und den Abstand wichtiger Ereignisse, sowie viele Charakterinformationen und andere Details. Das hat es umso interessanter gemacht, sich beim Lesen wieder alles in Erinnerung zu rufen, während die bekannten Szenen noch mehr Spaß machten als zuvor. Das Finale muss ich dabei extra erwähnen; ich liebe es, wie es jedem Charakter ein passendes Ende gab und mich gleichzeitig an mehr als einer Stelle zu Tränen rührte. Leigh Bardugo hat mit dieser Dilogie wahrlich ein Meisterwerk geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich es noch einige Male lesen werde!

– Das Lied der Krähen - Collector's Edition
 600 Seiten

Sechs Außenseiter auf einer scheinbar unmöglichen Mission: Kaz, der Ränkeschmied; Inej, das Phantom; Nina, die Entherzerin; Matthias, der Hexenjäger; Jesper, der Glücksspieler; und Wylan, der Demo-Experte. Alle mit ihren eigenen Zielen, ihren eigenen Plänen und ihren eigenen Geheimnissen. Denn die größte Schwierigkeit ist nicht die Heist selbst, sondern ihre komplexen Beziehungen zueinander ...

Ich hatte mal wieder Lust, einen phänomenalen Roman zu lesen und was eignet sich da besser als einer, von dem man bereits weiß, dass er einer ist? Beziehungsweise: Eine neue Edition, die nicht nur Charakterporträts beinhaltet, sondern auch die aktuelle deutsche Übersetzung, die in meiner alten Variante noch von "Grischa" spricht und die ich hier zum ersten Mal als "Grisha" lesen durfte. Ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber dennoch erfrischend! Denn so ikonisch das englische Original ist, bevorzuge ich gerade bei Fantasy eine gute deutsche Übersetzung, die wir hier geliefert bekamen.

Die Handlung und die Charaktere sind so einnehmend wie zuvor, wobei mir in diesem Reread vor allem die Dialoge positiv aufgefallen sind – sie sind pointiert, humorvoll und hauchen den Charakteren (und deren Beziehungen zueinander) Leben ein. Ich habe mich oft gefragt, was die Krähen zu so fesselnden Charakteren macht und ein Teil davon entsteht definitiv durch die Dialoge.

Bei der Handlung habe ich mich diesmal auf die kleinen Details konzentriert, die weitaus mehr Bedeutung haben, als es zunächst den Anschein hat. Leigh Bardugo setzt Foreshadowing großartig ein, was es so zufriedenstellend macht, das Buch noch mal zu lesen und dabei etwas zu entdecken, das mir bisher nicht auffiel. Davon abgesehen ist das Pacing sehr angenehm und ließ mich geradezu durch die Seiten fliegen.

Insgesamt bin ich immer noch begeistert und beeindruckt davon, wie Leigh Bardugo eine so fantastische Welt erschaffen hat! Die Krähen-Dilogie gehört immer noch zu meinen absolut liebsten Fantasybüchern und speziell diese Collector's Edition war ein wunderbarer Weg, sie wieder zu erleben!