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Palace of Ink & Illusions, Band 2: Die Nacht des Verrats (Knisternde Romantasy von SPIEGEL-Bestsellerautorin Sabine Schoder)
437 Seiten

Der Wettbewerb der Musen geht für Liv und Flame weiter, die noch mehr als sonst darauf achten müssen, dass niemand ihre Gefühle füreinander entdeckt. Die letzten Prüfungen werden ihnen alles abverlangen, was sie haben, und noch viel mehr – denn die Vorhersage ihrer Zukunft hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert. Und dann ist da noch Erato, der seine eigenen Pläne zu haben scheint …

Der zweite Teil der Dilogie war leider ein hervorragendes Beispiel dafür, dass eine Geschichte noch so spannend und einnehmend sein kann, wenn das Ende (speziell: das Finale) mich enttäuscht. Denn bis dahin war ich ausgesprochen begeistert vom Buch – ich mochte die Chemie zwischen Liv und Flame, war SEHR investiert in Shellys und Sawyers dramatische Storyline und habe wegen ihnen sogar mehrere Tränen vergossen und mochte die letzten Prüfungen der Musen ebenfalls ausgesprochen gern. Ein paar kleinere Kritikpunkte hatte ich bis dahin zwar auch (so war ich zwar dankbar für Eratos begrenzte Screentime, fand aber, dass seine Prüfung etwas zu lange ging und hätte mir gewünscht, Vics und Violets Erlebnisse währenddessen zu erfahren), aber es waren verzeihliche Kritikpunkte, weil sowohl die Haupthandlung mit Liv und Flame als auch die Nebenhandlung mit Shelly und Sawyer so unglaublich gut umgesetzt war.

Aber dann kam das Finale, das mich leider sehr enttäuschte. Flame begeht hier einen absolut unverzeihlichen Vertrauensbruch, in dem er Liv dazu manipuliert, etwas absolut Abscheuliches zu tun (natürlich nur, um sie zu beschützen), ohne ihre eigene Meinung zu respektieren oder das Trauma, das er damit auslöst. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass mich kein Ende zufriedenstellen wird, denn diesen Vertrauensbruch konnte ich ihm nicht verzeihen und hätte an Livs Stelle vermutlich bewusst dafür gesorgt, dass er umsonst ist.

Flames Verhalten ist auch deshalb so enttäuschend, weil die Geschichte ihre feministischen Aspekte ansonsten sehr gut einbaut, bis Liv dann doch jegliches Recht, selbst zu entscheiden, entzogen wird, um sie stattdessen zu einer Aktion zu zwingen, die sie nicht begehen wollte. Dabei hätte es eine so viel bessere Lösung gegeben, in denen beide den Schlupfwinkel in den Regeln nicht erst im Epilog, sondern schon vorher realisiert hätten, um daraufhin gemeinsam zu entscheiden, ihn zu nutzen, statt zufällig festzustellen, dass er existiert. Dadurch wären beide aktiv ein Teil des Plans gewesen, was ich eindeutig bevorzugt hätte.

Die Twists im Allgemeinen, auch die gegen Ende, sind um Übrigen echt gut und es gab mehrere Stellen, bei denen ich ungläubig auf die Seiten gestarrt habe. Ich wünschte nur, ich hätte es nicht auf eine Weise tun müssen, die mir letztendlich einen beträchtlichen Teil des Lesevergnügens nahm.

Eine gute Reise, sogar eine, bei der ich Tränen vergoss, aber das Ziel hätte man meiner Meinung nach anders umsetzen müssen!

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
445 Seiten

Eigentlich meldet sich Liv nur deshalb bei einem berühmten Autorenwettbewerb an, um Werbung für ihren Webtoon zu machen. Was sie dagegen nicht erwartet hat, ist, dass der Wettbewerb von tatsächlichen Musen geleitet wird, die ihr und den anderen Teilnehmern verschiedene Prüfungen stellen – und dabei nur ein Verbot haben: Romantische Liebe. Das ist nicht nur für Livs neue Freunde Shelly und Sawyer problematisch, die seit Jahren ein Paar sind, sondern auch für Liv selbst – denn sie hat schnell eine besondere Verbindung zum Teilnehmer Flame aufgebaut, die immer stärker wird …

Etwas, das Sabine Schoder einfach gut kann, ist es, eine sehr unterhaltsame Geschichte zu schreiben und dabei eine süße Liebesgeschichte zu schreiben. Obwohl die Handlung natürlich schon zahlreiche Male von anderen Autorinnen und Autoren umgesetzt wurde, hat Sabine Schoder etwas an sich, das ihre Geschichte trotzdem besonders macht – wahrscheinlich die perfekte Mischung aus Romanze, Humor, Spannung, Magie, Drama und noch einigem mehr. Tatsächlich kenne ich nicht viele Autor:innen, deren Geschichten mir so viel Spaß machen!

Ein gehöriger Anteil bildet der Humor, der genau meinem Geschmack entspricht und Liv zu einer sehr sympathischen Protagonistin gemacht hat. Sie war schlagfertig, freundlich, allgemein witzig und ist mir schnell ans Herz gewachsen. Wie jeder der Teilnehmer bekommt sie am Anfang ein sprechendes Buch, das ihr dabei helfen soll, die Prüfungen zu bestehen – und in ihrem Fall ist das ein Erotikmanga, der für noch mehr witzige Szenen gesorgt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Charakter so gut gefällt, aber er war einfach herrlich!

Mein Lieblingscharakter war er aber nicht, denn diese Ehre gebührt gleich drei Charakteren: Flame, in den ich mich zusammen mit Liv verliebte, sowie die beiden Teilnehmer Shelly und Sawyer. Zunächst einmal war die Chemie zwischen Liv und Flame großartig; nicht nur ist ihre Dynamik sehr spaßig zu lesen, sie verbringen auch viele wichtige und ernste Momente miteinander, die sie einander näherbringen. Es war der perfekte Mix, der ihre schnelle Romanze überraschend realistisch gemacht hat – ein wenig wie eine Disney-Romanze, die trotz ihrer kurzen Zeitspanne genau die richtige Chemie zwischen den Charakteren vermittelt, um an ihre Liebe zu glauben. Auch Sabine Schoder ist das gelungen, mit nur einem zugegeben wichtigen Kritikpunkt: Ich fand, dass ihre Romanze zu weit ging. Denn tatsächlich gibt es auch ein paar spicy Szenen, die mir sehr unnötig und unrealistisch vorkamen, weil sie die ursprünglich süße, unschuldige Romanze zu einer kurzen Affäre machten. Hier wünschte ich, die beiden hätten sich schon länger gekannt, bevor sie so schnell zum nächsten Schritt springen.

Neben den beiden gibt es aber noch ein Beta-Paar, nämlich Shelly und Sawyer, in die ich unglaublich investiert war. Ihre Liebesbeziehung war ungewöhnlich dramatisch und gerade deshalb umso spannender zu lesen, weil so viel für sie auf dem Spiel stand. Ihre Gefühle füreinander kommen fantastisch rüber und ich hätte gerne sogar noch mehr von ihnen gelesen, aber so oder so gehörten sie mühelos zu meinen Lieblingscharakteren.

Die anderen Charaktere spielen zwar auch wichtige Rollen (vor allem die Muse der Liebe, Erato), aber diese vier stachen am meisten heraus. Übrigens gibt es entgegen der Andeutung in der Kurzbeschreibung kein Liebesdreieck im Buch, was mich sehr erleichterte, weil das das einzige war, das mich bei Sabine Schoders vorheriger Reihe störte. Tatsächlich shippt Erato Liv und Flame sogar, und kann als Muse der Liebe ohnehin keine genuine Liebesbeziehung mit einem von ihnen eingehen, weshalb ich hoffe, dass auch der zweite Band sich auf das Hauptpaar konzentrieren wird.

Wie zu erwarten, reagieren die Charaktere zwar zunächst schockiert auf die Existenz der Musen, nehmen sie aber sehr schnell an. Da ich nicht erwartet habe, dass die Charaktere tatsächlich realistisch auf die Existenz von Magie reagieren, machte mir das nichts aus, aber es könnte für andere Leser:innen störend sein.

Ein richtiges Highlight waren die Prüfungen, die überraschend kreativ waren und sehr gut umgesetzt wurden, mit einer guten Mischung aus der nötigen Spannung und auch ein wenig Liebe und Humor. Die Twists, die mit den Prüfungen zusammenhängen, sieht man wahrscheinlich kommen, aber die Twists, die die Charaktere betreffen, haben mich dafür umso mehr überrascht. So war Flames Vergangenheit um einiges dramatischer, als ich es erwartet habe, und die der anderen Charaktere auch. Gute Arbeit hier!

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, waren die Themen, die Sabine Schoder ansprach. Von Sexismus bis zu den Quellen von Inspiration spricht sie so einige Dinge an, die man in unserer Welt hinterfragen sollte, sowie andere, die gut zeigen, wie leicht und gleichzeitig schwer es sein kann, eine Geschichte zu schreiben. Dadurch, dass ihr Schreibstil so locker ist, liest sich ihre gesellschaftliche Kritik allerdings nicht fingerzeigend, sondern schlicht wie ein Teil der Geschichte.

Das Ende war nicht so gemein, wie ich es erwartet habe, aber ich freue mich trotzdem sehr auf den zweiten Band, der hoffentlich mit dem ersten mithalten kann!