– Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Verrat
 667 Seiten

Harry Dresden ist ganz schön überrascht, als ihn ausgerechnet der Hüter Morgan, mit dem er bisher ein feindliches Verhältnis hatte, um Hilfe bittet. Der Rat hat scheinbar klare Beweise dafür, dass Morgan einen Mord begangen hat, während selbst Harry weiß, dass Morgan eher sterben würde, als seine überaus strengen Moralgrundsätze aufzugeben. Er muss herausfinden, wer der wahre Verräter im Rat ist, während er sich gleichzeitig mit persönlichen Problemen herumschlagen muss ...

Ich hatte es schon im ersten Band geahnt, aber dieser hier zeigte mir besonders stark, dass ich einfach nicht die Zielgruppe für diese Reihe bin.

Und das liegt nicht an der eigentlichen Story, die mit der Einführung von Skinwalkern einen tollen Schritt getan hat. Zwar war die Handlung manchmal vor sich hin tröpfelnd und ich hatte oft Schwierigkeiten, ihrer Entwicklung zu folgen, aber trotzdem gab es ein paar wirklich großartige und spannende Szenen, die mir sehr gefielen. Gerade der letzte Handlungsstrang auf der Insel war besonders gut und spannend.

Nein, es liegt an der Darstellung der weiblichen Charaktere. In den letzten Bänden schien ihre Darstellung langsam besser zu werden, doch in diesem hier kamen sie mir besonders stark sexualisiert vor, bis zu dem Punkt, an dem mir nur eine Frau einfällt, die davon ausgenommen wurde: Murphy. (Von der ich im Übrigen gerne mehr gesehen hätte.) Aber gerade in der ersten Hälfte war es geradezu bizarr, wie jede Frau eine sexualisierende Szene und davon abgesehen nur wenig Nutzen bekam. Es gibt zum Glück auch Ausnahmen (Molly war zum Beispiel immer noch großartig), aber gerade in diesem Band ist es mir stark aufgefallen und hat mich sehr gestört.

Was Harrys Beziehungen angeht, mochte ich es vor allem, wie die zu seinem Bruder Thomas gehandhabt wurde; die beiden hatten zwar nicht so viel Screentime zusammen, doch ihrer beider Entwicklung war sehr einnehmend.

Andere Charaktere stachen nicht besonders hervor und ich hätte zugegeben schon lange ein Personenverzeichnis gebraucht; es war mir geradezu peinlich, wie der Verräter entlarvt wurde und ich nur "Bitte wer?" denken konnte, weil es inzwischen zu viele Charaktere gibt, als dass ich den Überblick über alle behalten könnte.

Insgesamt werde ich die Reihe wohl mit diesem Band abbrechen, weil sie mir nicht mehr genug Spaß macht, ich die Handlung zu oft zu verwirrend finde und die Darstellung der weiblichen Charaktere sehr störend. Leider glaube ich, dass die Reihe zu sehr an ein männliches Publikum gerichtet ist, als dass ich sie vollauf genießen könnte.

– The Rainshadow Orphans
 640 Seiten

Als Toshiko bei einer Erkundungsmission für ihre Wahlgeschwister Mei und Jun eine Drachenperle stiehlt, ahnt sie nur ansatzweise, was für eine Macht sie besitzt. Entschlossen, sich und anderen Bürgern am Rande der Gesellschaft endlich ein besseres Leben aufzubauen, planen die Geschwister, die Kaiserin zu stürzen. Diese plant neue, menschenähnliche Bots, von denen Toshiko fürchtet, dass sie die Hüterskinder auf grausame Weise ersetzen werden. Zu denen gehört Theo, der besondere Kräfte besitzt und einen gefährlichen Auftrag bekommt, der ihn ganz in die Nähe der Geschwister bringt. Auch der junge Haru, Sohn der Kaiserin, muss sich fragen, für wen genau er kämpfen will …

Dieser Fantasyroman bietet eine faszinierende Welt und solide Hauptcharaktere, aber leider eine zu langsame Handlung, um gänzlich zu überzeugen.

Die drei Geschwister Toshiko, Jun und Mei waren recht gute Protagonisten und ich mochte es vor allem, dass sie alle eine tragende Rolle bei den Ereignissen des Romans spielten, die ihnen auch erlebten, ihre verschiedenen Fähigkeiten zu zeigen. Es war jedes Mal so zufriedenstellend, wie ihr Können tatsächlich unter Beweis gestellt wurde, was auch für die Sichtcharaktere Theo und Haru gilt.

Diese beiden interessierten mich letztendlich noch mehr als die Geschwister, weil es mir bei ihnen möglich war, mich auch emotional mit ihnen zu verbinden, was mir bei den Geschwistern überraschend schwer fiel. Ich war vor allem investiert in Harus Geschichte, seine Freundschaft zu den Sonnengeistern und seine langsamen Zweifel an seiner Mutter; aber auch Theo und sein Auftrag gefielen mir, weil sie eine Spannung in die Geschichte brachten, die zwar nicht gänzlich bei den anderen fehlte, bei Theo aber definitiv am stärksten ausgeprägt war. Seine beste Szene war definitiv der Endkampf, nur das Ende konnte mich nicht zufriedenstellen.

Allgemein hat die Geschichte durchaus erinnerungswürdige und spannende Momente – mir kam es schlicht nicht wie genug vor, weil es mir so schwer fiel, auf emotionaler Ebene mit den Charakteren mitzufiebern und es zwischen diesen erinnerungswürdigen Momenten leider auch eine ganze Menge gab, die quälend langgezogen waren und die ich nur mit Mühe bewältigt habe.

Die Romanze in dem Roman spielt zum Glück nur eine sehr kleine und unwichtige Rolle, was insofern gut war, weil sie mir viel zu plötzlich kam; was mir dagegen gefiel, war das Worldbuilding. Es war faszinierend, einen Fantasyroman in einer halb modernen Welt zu lesen, die sowohl Bots als auch Drachen zu bieten hat und von denen beides (und alles dazwischen) hervorragend in die Handlung eingebaut wurde.

Eine richtige Empfehlung kann ich leider nicht aussprechen, weil mir die Handlung dazu zu langsam war und mir die emotionale Komponente fehlte, aber ein Lob bekommt von mir definitiv die Kreativität der Welt!

– When Dealing With Dragons. Drachengold
 426 Seiten

Als die Drachenpflegerin Farren dem Jockey James das Leben rettet, hätte sie nicht gedacht, dass er für seine Genesung an den Hort ihrer Eltern kommt. Die Tatsache, dass sie ihn nicht leiden kann, ist dabei eine geringfügige Sorge, denn größere Angst hat sie davor, dass das Geheimnis ihrer Familie ans Licht kommen könnte. James währenddessen ist schon seit Ewigkeiten in Farren verliebt und leidet unter dem strengen Regime seines Vaters, der eine Zukunft für ihn geplant hat, der James nicht folgen will. Als er Farrens Geheimnis herausfindet, ist er entschlossen, ihr zu helfen, doch auf keinen Fall darf seine Familie davon erfahren – oder von seinen Gefühlen für sie …

Dieser Einzelband war eine sehr positive Überraschung, da ich zwar auf ein gutes Buch gehofft, aber kein so unglaublich gutes erwartet hatte! Allein schon das Worldbuilding ist Gold wert: Die Drachen in diesem Universum überziehen bei Angst ihre Schuppen mit einem bestimmten Metall (Eisen, Zinn, Kupfer, Bronze oder Silber), das auf magische Weise geschmiedet werden kann, weswegen die Drachen aber auch auf mehrere Arten ausgenutzt werden: Für die Rennen und wegen ihrer Schuppen. Das war eine sehr coole, kreative Idee, die zudem sehr gut umgesetzt wurde und natürlich auch für so einige emotionale Szenen sorgte. Deswegen ist dieser Fantasyroman eventuell auch nicht für jeden etwas, aber ich mochte die Art und Weise, wie das Worldbuilding mit der Handlung verwoben wurde.

Aber nicht nur das Worldbuilding war genial, auch die beiden Hauptcharaktere und ihre Romanze war großartig umgesetzt. Farrens Kompetenz und James‘ Entschlossenheit gefielen mir sehr, aber auch die Tatsache, dass sie Fehler machten; es war süß, wie sie sich ineinander verliebten und sich stets gegenseitig halfen. Ihre Romanze war wundervoll, Farrens Hass verwandelte sich auf realistische Weise in Liebe und allgemein gehörten so ziemlich alle Szenen mit den beiden zu meinen Lieblingen.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, aber ich mochte James‘ Freundschaft zu Farrens Vater gern sowie Farrens Freundschaft zu Jeffrey und Shelly, die meiner Meinung nach ein eigenes Buch verdient hätten. Die besten Freundschaften waren jedoch die zu den Drachen: Ich liebte es, wie Farrens und James‘ Drachen tatsächlich eine wichtige Rolle spielten und sehr viele Szenen bekamen, in denen ihre Bindung zu den beiden gezeigt wurde.

Außerdem war das Buch sehr spannend: Die Angespanntheit, die durch Farrens und James‘ Geheimnisse entstand, sorgte für mehrere fesselnde Szenen, auch wenn ich zugegeben fand, dass das Ende ein wenig zu schnell abgewickelt wurde – es war immer noch ein zufriedenstellendes Ende, aber gerade nach den vielen spannenden Szenen war ich überrascht, wie schnell die Handlungsstränge letztendlich aufgelöst wurden.

Insgesamt also ein großartiger Einzelband mit einem wundervollen Worldbuilding, einer süßen Romanze und ein paar tollen Twists!

– Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.
 448 Seiten

Prinzessin Tandy bemüht sich nach Kräften, ihre wenigen Pflichten zu aller Zufriedenheit zu erfüllen, doch als sie eines Tages eine Buchhandlung besucht, wird sie dazu verflucht, dort zu bleiben, bis sie ihren Herzenswunsch erfüllt hat. Als jemand, der Bücher über alles liebt, ist sie überglücklich über ihre neue Aufgabe, den Buchladen zu führen, doch ihre Eltern sehen das natürlich anders: In der Hoffnung, den Fluch durch den Kuss der wahren Liebe zu brechen, senden sie Tandy nach und nach die Prinzen der umliegenden Königreiche. Tandy verbringt ihre Zeit jedoch lieber mit ihrer Assistentin Sasha und dem verfluchten Piraten Bash, der ihr zwar mir seinen regelmäßigen Diebstählen auf die Nerven geht, aber außerordentlich charmant ist. Während Tandy sich ein neues Leben aufbaut und die Prinzen sie besuchen, muss sie sich der Frage stellen, was sie eigentlich will …

Diese gemütliche Fantasyromanze ist einfach herrlich zu lesen und bietet eine lustige, unterhaltsame Lektüre, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Die Romanze war dabei sogar nur ein verhältnismäßig kleiner Teil, denn obwohl Tandy und Bash eine gute Chemie miteinander haben, schien sie sich eher auf sein Äußeres als auf sein Inneres zu fokussieren (und errötete dabei wirklich, wirklich oft). Das war insofern überraschend, weil Bash über den Roman hinweg auch andere Qualitäten wie seinen Charme erfolgreich zeigt, seine Charaktereigenschaften aber nie als Grund erwähnt werden, aus dem Tandy sich in ihn verliebt. Die beiden hatten immer noch eine gute Chemie und waren einnehmende Charaktere, aber ich hätte mir definitiv mehr Szenen gewünscht, in denen Tandy seinen Charakter und nicht sein Aussehen hervorgehoben hätte.

Das wahre Highlight des Romans bestand für mich aus den sieben Prinzen, die Tandy einen Besuch abstatten. Obwohl jeder der Prinzen im Grunde nur eine wichtige Szene hat – die Szene, in der er (bzw. sie) Tandy von ihrem Fluch erlösen will –, waren sie extrem erinnerungswürdig und eine absolut herrliche Ergänzung zu der gemütlichen Geschichte. Ich fieberte jedem neuen Prinzen hinterher, weil ihre Auftritte jedes Mal wieder grandios waren und ich mir deshalb gerne noch mehr Fokus auf sie gewünscht hätte. Die einzige Kritik, die ich diesbezüglich habe, ist, dass fünf der sieben Prinzen Tandy vorher nicht um Erlaubnis fragen, ehe sie sie küssen – ein Verhalten, das meiner Meinung nach negativ hätte hervorgehoben werden sollen, anstatt dass Tandy es akzeptiert. Letzteres passt zwar gut zu ihrem Charakter, aber auch im Nachhinein wird dieses problematische Verhalten nie als solches dargestellt.

Was die anderen Charaktere angeht, hob sich Sasha, Tandys Assistentin, positiv hervor, weil sie Tandy so gut dabei half, ihren Buchladen aufzubauen. Dieser langsame Aufbau von einem Laden mit null Kunden bis zu einem Geschäft mit zahlreichen war sehr zufriedenstellend zu verfolgen und ebenfalls ein Highlight des Romans.

Zuletzt fand ich es großartig, wie Tandys Fluch gebrochen und Bash‘ Grund für seinen Fluch aufgelöst wurde. Ich hatte bezüglich beiden natürlich meine Theorien, die sich zu meiner Freude als falsch herausstellten; Amy Coombie gibt den beiden eine sehr viel bessere Auflösung, als ich es mir selbst überlegt hatte.

Insgesamt eine wunderbare cozy Romantasy, die zwar ihre Schwächen hat, aber letztendlich durch ihre Handlung brilliert!

– Shadow Reaper
 497 Seiten

Viri ist eine Jägerin, die sogenannte Reaper jagt – Menschen, die Kinder töten, um an deren mächtige Magie zu kommen. Als sie auf Dutzende vermisste Kinder aufmerksam wird, fürchtet sie, dass der Reaper-Priester etwas Großes plant, das über deren Tötung hinausgeht – und nur Reeve, ihr ehemaliger Kindheitsfreund, kann ihr Antworten darauf geben. Damals verließ er sie, um die rechte Hand des Reaper-Priesters zu werden, was Viri ihm nie verziehen hat – doch nun braucht sie seine Hilfe, um den Reaper-Priester endlich zu finden und seine Pläne zu stoppen. Und schon bald stellt sich heraus, das vieles, was Viri für selbstverständlich hielt, ganz anders ist, als sie ursprünglich annahm …

Als großer Fan der „Prison Healer“-Trilogie habe ich mich schon sehr auf Lynette Nonis neue Dilogie gefreut und bin froh, dass die Lektüre tatsächlich sehr spaßig und sehr spannend war!

Zunächst einmal ist die Welt, in der die Geschichte spielt, absolut faszinierend. Nonis Worldbuilding um die Obelisken, denen Magie gegeben wird, die Berge, in denen die Menschen leben und den Schwarznebel, der die gesamte Insel einhüllt, war großartig und ich war froh, dass all diese Aspekte tatsächlich eine wichtige Rolle spielten. Zusätzlich gibt es zwischen der Hauptgeschichte Tagebucheinträge des Magiers Kadmus Castro, der damals auf die Insel kam, was das Worldbuilding zusätzlich bereichert hat, vor allem, sobald klar wurde, wie die Tagebucheinträge mit der Hauptgeschichte zusammenhängen.

Dann haben wir natürlich noch die Romanze, die sehr einnehmend und einfach herrlich geschrieben war – Viris und Reeves Schlagabtäusche, aber auch ihre tiefen Gefühle füreinander machten sie zu einem sowohl unterhaltsamen als auch sehr süßen Paar. Ich war positiv überrascht davon, wie sich ihre Romanze entwickelte, denn gerade, weil Viri Reeve für einen kaltblütigen Mörder hält (wobei uns Leser:innen natürlich schnell klar ist, dass das unmöglich so einfach sein kann), war ich nicht sicher, wie realistisch ihre Romanze letztendlich sein würde – aber glücklicherweise ist das Lynette Noni ganz fantastisch gelungen!

Andere Charaktere gefielen mir ebenfalls sehr, vor allem Viris beste Freundin Wynter (die mein Lieblingscharakter war) und Jonas, einer aus Reeves Freundesgruppe. Allerdings muss ich zugeben, dass mir von anderen Charakteren etwas mehr Screentime gefehlt hat – speziell von Soren (Viris bestem Freund) und von Reeves anderen Freunden Sage und Ardin. Sie kamen zwar oft genug vor, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber nicht oft genug, um sie tatsächlich lieb zu gewinnen. Hier finde ich, dass sie Viri und Reeve länger hätten begleiten sollen, um genau wie Wynter und Jonas genug Zeit zu bekommen, unser Herz zu gewinnen.

In diesem Roman gibt es auch sehr viele Twists, wobei speziell der erste und der letzte (bzw. die letzten zwei) mich sehr schockierten, weil ich sie überhaupt nicht kommen sah – aber die mittleren fand ich um einiges offensichtlicher, sodass die größte Spannung eher dadurch entstand, wie Viri auf die Twists reagieren würde und nicht, wie überraschend sie für uns sein würden. Zugegeben habe ich manche auch erst relativ kurz vor ihrer Offenbarung kommen sehen, aber dennoch fiel es mir insgesamt leichter, gewisse Handlungsentwicklungen korrekt vorherzusehen.

Allerdings hat das meiner Lesefreude keinen Abbruch getan, weil die Geschichte stets spannend blieb und es großen Spaß machte, speziell mit Viris und Reeves Romanze mitzufiebern. Von daher würde ich den Roman allen empfehlen, die im Allgemeinen gerne Fantasyromanzen lesen!

– Agnes Auberts zauberhafte Katzenzuflucht
 426 Seiten

Agnes hat Probleme, für ihre Katzenzuflucht ein neues Gebäude zu finden, nachdem das alte zerstört wurde. Als sie von einem verdächtig günstigen Haus hört, dessen vorige Bewohner bereits nach kurzer Zeit ausgezogen sind, würde sie am liebsten ablehnen, ist jedoch zu verzweifelt und zieht zusammen mit ihren aufgesammelten Katzen ein. Wie zu erwarten, lebt im Keller des Hauses der Hexenkönig Havelock Renard, der vor wenigen Jahren beinahe die Welt untergehen ließ. Als jedoch Havelocks Schwester Valérie auftaucht, ahnt Agnes, dass die Sache um einiges komplizierter ist, als es den Anschein hat …

Diese gemütliche Katzen-Fantasy ist genauso herrlich zu lesen, wie ich es mir erhofft hatte und weckt in mir das Verlangen, auch Heather Fawcetts andere Fantasyromane zu lesen, weil mir dieser hier so gut gefallen hat.

Obwohl an sich gar nicht so viel passiert, hat es einfach Spaß gemacht, Agnes bei ihrem Alltag mit den Katzen zuzuschauen, wobei es mir speziell gefiel, wie viele alltägliche Katzen-Begebenheiten beschrieben wurden und wie ihre Vermittlung an andere Familien ablief. Ein paar Katzen (wie Seine Majestät, Banshee und Ambulance) bekommen gute Screentime, aber die allermeisten sind eher dazu da, den chaotischen Alltag in der Katzenzuflucht darzustellen. Das hat mich jedoch nicht gestört, weil der Alltag selbst so spaßig geschrieben war.

Aber nicht nur Katzen spielen eine Rolle: Auch die Beziehung zwischen Agnes und Havelock nimmt viel Raum ein und war hervorragend umgesetzt, weil sie genau die richtige Prise Humor und Chemie hatte. Die Romanze zwischen ihnen ist zwar eher zweitrangig (wenn nicht sogar drittrangig), aber die Charaktere selbst waren wundervoll. Speziell bei Havelock gefiel es mir sehr, dass er ein wenig komplexer war, als ich es erwartete – als grauen Charakter würde ich ihn zwar nicht beschrieben, weil er dafür dann doch zu sympathisch ist, aber die Gerüchte über ihn sind definitiv nicht alle übertrieben.

Mit seiner Hilfe will Agnes die Katzenzuflucht beliebter machen, muss jedoch gleichzeitig aufpassen, dass die Polizei nicht auf die Magie aufmerksam wird. Gleichzeitig sucht sie nach einem magischen Buch, auf das es Havelocks Schwester Valérie abgesehen hat. Dieser ganze Handlungsstrang hat mir sehr gut gefallen, weil er der Geschichte die richtige Prise Spannung gab, während gleichzeitig der Cozy-Anteil der Cozy Fantasy ebenfalls sehr gut umgesetzt wurde. Die Geschichte findet hier eine sehr gute Balance!

Gegen Ende gab es dann noch eine kleine Überraschung, die sich perfekt in die Geschichte einfügte, wobei ich mir vom eigentlichen Ende allerdings mehr von der Romanze erhofft hätte – ich fand es gut, dass sie nicht überbordend vorkam, aber gerade am Ende hätte ich mir dann doch etwas mehr gewünscht.

Insgesamt perfekt geeignet für Cozy-Fantasy-Leser:innen und Katzenfans!

– Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Kleine Gefallen
 619 Seiten

Mab, die Feenkönigin, bittet Harry Dresden um einen Gefallen und er weiß sofort, dass er in Schwierigkeiten ist. Sie möchte, dass er den entführten Mafiaboss Marcone rettet. Zudem haben es auch die Böcke Brausewind auf ihn abgesehen und Harry muss all seine Freunde um sich scharen, wenn er gegen die Vielzahl seiner Feinde eine Chance haben und aufdecken will, was sie eigentlich vorhaben …

In diesem Harry-Dresden-Band geht so einiges vor sich – und meiner Meinung nach etwas zu viel. Die einzelnen Handlungsstränge und Charakter- und Action-Szenen mochte ich sehr, hatte jedoch Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Ich habe immer noch nicht ganz begriffen, wie gewisse Handlungsaspekte ineinander greifen, z.B. die Art und Weise, wie Harrys Quest, Marcone zu retten, zu einer Quest wird, Ivy zu retten, wonach ersteres keine Rolle mehr zu spielen scheint. Die Wandlung an sich war sehr gut, weil ich sehr viel mehr in Ivy investiert war als in Marcone, aber insgesamt betrachtet hatte ich das Gefühl, dass man einen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne etwas Substanzielles dabei zu verlieren.

Das trifft auch auf die Anzahl der Charaktere zu: Wir sind längst bei einem Band gelangt, bei dem ich mir nur die Hauptcharaktere merken kann und Schwierigkeiten habe, mich an alle anderen zu erinnern, was dadurch erschwert wird, dass in diesem Band erstaunlich viele Charaktere auftauchen und es keinen Fokus auf eine bestimmte Beziehung gibt. Auch das hat etwas Gutes, denn so bekommt jeder Charakter Szenen mit Harry, die mir sehr gefielen (hervorzuheben sind Murphys Szenen im Allgemeinen, aber auch die Art und Weise, wie Michaels Freundschaft zu Harry zum ersten Mal getestet wird), aber es war etwas zu viel für mich.

Das Finale und das Ende waren dafür wie immer gut gelungen. Allgemein sind die Action-Szenen sehr gut geschrieben, was doppelt auf das spannende Finale zutrifft, bei dem ich sehr mit den Charakteren mitfieberte und das glücklicherweise ein zufriedenstellendes Ende findet. Zudem macht es mich gespannt, wie es im nächsten Band mit gewissen Charakteren weitergeht, weil das Ende Möglichkeiten für spannende Handlungslinien offen lässt.

Insgesamt ein sehr solider Harry-Dresden-Band, der mir zwar etwas zu überfüllt vorkam, aber ansonsten wie immer ein gutes Abenteuer bietet!

– Zerstöre den Tag
 640 Seiten

Nach Corricks scheinbarem Tod trauert Tessa schwer um ihn und möchte unbedingt nach Hause zurückkehren, was sich allerdings als nicht so einfach herausstellt. Zusammen mit Erik, dem Leibwächter, ist sie zunächst gezwungen, auf einer Insel in Ostria zu bleiben. Corrick wurde ausgerechnet zusammen mit seinem Erzfeind Lochlan gefangen genommen, und noch dazu von Oren Krane. Nur, wenn sie zusammenarbeiten und so tun, als würden sie Oren helfen, bleibt ihnen eine Chance, mit ihren Liebsten wiedervereint zu werden. Und dann ist da noch Harristan, der zusammen mit dem Palastmeister Quint und einigen Wächtern wegen Verrat gesucht wird, weil Konsuln scheinbar Beweise dafür haben, dass Harristan sein Volk vergiftet hätte. Nun muss Harristan das Vertrauen seines Volkes wiedergewinnen, während er nicht weiß, wem er vertrauen soll …

Ich habe das Buch bereits auf Englisch gelesen, weil die deutsche Übersetzung leider ein wenig auf sich warten ließ, doch jetzt, wo sie endlich erschien, war ich unglaublich froh, dieses phänomenale Finale der Mondflor-Trilogie auch auf Deutsch zu lesen!

Tessas, Corricks und Harristans Handlungsstränge und persönliche Beziehungen sind in diesem Band besonders einnehmend beschrieben und es fiel mir so leicht, mich in alle drei Charaktere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern. Die Struktur des Romans ist zugegeben immer noch gewöhnungsbedürftig: Nachdem alle drei Charaktere ein Einstiegskapitel bekommen, folgen wir mehreren Kapiteln zunächst Corrick, dann Tessa, und dann Harristan, bis die Sichtweisen danach wieder durchgemischt werden. Ein Beispiel: Zwischen der ersten und der langen, zweiten Corrick-Sichtweise vergehen nur etwa vierzig Seiten, doch zwischen der zweiten und dritten vergehen über zweihundert, weil die zweiten Sichtweisen der drei Charaktere ordentlich Raum einnehmen. So konnte ich den Handlungssträngen der einzelnen Charaktere zwar besonders gut folgen, wünschte aber zugleich, die Sichtweisen wären schon von Anfang an gut durchgemischt gewesen.

Glücklicherweise sind die Handlungsstränge dafür alle drei hervorragend, sodass mir diese ungewöhnliche Struktur letztendlich nicht SO viel ausmachte. Ich war unglaublich investiert in Corricks und Lochlans schwierige Beziehung, die sich nach und nach in Freundschaft verwandelte, und liebte Corricks zufriedenstellende Charakterentwicklung; ich fand es großartig, wie auch zwischen Tessa und dem Leibwächter Erik eine Freundschaft entstand und wie sie sich entschloss, den Bewohnern der Insel zu helfen, während sie gleichzeitig darum kämpfte, eine Passage nach Hause zu bekommen; und zuletzt habe ich auch mit Harristan mitgefiebert, der an jeder Ecke Verrat fürchten muss, sich aber für sein Volk einsetzt und zudem eine süße Liebesgeschichte mit Quint erlebt. All diese Handlungsstränge waren so emotional und gipfelten in einem großartigen Ende, das mich selbst beim zweiten Lesen zu Tränen rührte, weil es einfach so wunderschön war.

Interessanterweise vergeht gehörige Zeit, bis Corrick und Tessa wieder zueinander finden. In meiner Erinnerung trafen sie sich nach zwei Dritteln der Handlung, aber tatsächlich vergehen ganze fünfhundert Seiten, ehe das geschieht. Etwas, das in anderen Romanen definitiv ein großer Kritikpunkt wäre, sind sie schließlich das Hauptpaar der Reihe; doch obwohl ich mir durchaus gewünscht hätte, sie wären früher wiedervereint worden, kann ich es einfach nicht als Kritik wahrnehmen, weil ihre einzelnen Handlungsstränge mich umso mehr fesselten. Es war so erfrischend, in diesem Band keinen Fokus auf Romanzen, sondern auf Freundschaften zu haben, zumal sie alle wunderbar umgesetzt waren. Erwähnen wollte ich es trotzdem für diejenigen, die lieber den Romanzen-Aspekt bevorzugen, aber mich selbst störte die lange Trennung nicht.

Insgesamt ein großartiger Abschluss der Trilogie, der vor allem durch seine Charakterbeziehungen brilliert!

– Palace of Ink & Illusions, Band 2: Die Nacht des Verrats (Knisternde Romantasy von SPIEGEL-Bestsellerautorin Sabine Schoder)
 437 Seiten

Der Wettbewerb der Musen geht für Liv und Flame weiter, die noch mehr als sonst darauf achten müssen, dass niemand ihre Gefühle füreinander entdeckt. Die letzten Prüfungen werden ihnen alles abverlangen, was sie haben, und noch viel mehr – denn die Vorhersage ihrer Zukunft hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert. Und dann ist da noch Erato, der seine eigenen Pläne zu haben scheint …

Der zweite Teil der Dilogie war leider ein hervorragendes Beispiel dafür, dass eine Geschichte noch so spannend und einnehmend sein kann, wenn das Ende (speziell: das Finale) mich enttäuscht. Denn bis dahin war ich ausgesprochen begeistert vom Buch – ich mochte die Chemie zwischen Liv und Flame, war SEHR investiert in Shellys und Sawyers dramatische Storyline und habe wegen ihnen sogar mehrere Tränen vergossen und mochte die letzten Prüfungen der Musen ebenfalls ausgesprochen gern. Ein paar kleinere Kritikpunkte hatte ich bis dahin zwar auch (so war ich zwar dankbar für Eratos begrenzte Screentime, fand aber, dass seine Prüfung etwas zu lange ging und hätte mir gewünscht, Vics und Violets Erlebnisse währenddessen zu erfahren), aber es waren verzeihliche Kritikpunkte, weil sowohl die Haupthandlung mit Liv und Flame als auch die Nebenhandlung mit Shelly und Sawyer so unglaublich gut umgesetzt war.

Aber dann kam das Finale, das mich leider sehr enttäuschte. Flame begeht hier einen absolut unverzeihlichen Vertrauensbruch, in dem er Liv dazu manipuliert, etwas absolut Abscheuliches zu tun (natürlich nur, um sie zu beschützen), ohne ihre eigene Meinung zu respektieren oder das Trauma, das er damit auslöst. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass mich kein Ende zufriedenstellen wird, denn diesen Vertrauensbruch konnte ich ihm nicht verzeihen und hätte an Livs Stelle vermutlich bewusst dafür gesorgt, dass er umsonst ist.

Flames Verhalten ist auch deshalb so enttäuschend, weil die Geschichte ihre feministischen Aspekte ansonsten sehr gut einbaut, bis Liv dann doch jegliches Recht, selbst zu entscheiden, entzogen wird, um sie stattdessen zu einer Aktion zu zwingen, die sie nicht begehen wollte. Dabei hätte es eine so viel bessere Lösung gegeben, in denen beide den Schlupfwinkel in den Regeln nicht erst im Epilog, sondern schon vorher realisiert hätten, um daraufhin gemeinsam zu entscheiden, ihn zu nutzen, statt zufällig festzustellen, dass er existiert. Dadurch wären beide aktiv ein Teil des Plans gewesen, was ich eindeutig bevorzugt hätte.

Die Twists im Allgemeinen, auch die gegen Ende, sind um Übrigen echt gut und es gab mehrere Stellen, bei denen ich ungläubig auf die Seiten gestarrt habe. Ich wünschte nur, ich hätte es nicht auf eine Weise tun müssen, die mir letztendlich einen beträchtlichen Teil des Lesevergnügens nahm.

Eine gute Reise, sogar eine, bei der ich Tränen vergoss, aber das Ziel hätte man meiner Meinung nach anders umsetzen müssen!

– Mehl, Magie und Machenschaften
 332 Seiten

Mona ist vierzehn Jahre alt und hilft bei der Bäckerei ihrer Tante aus. Mit ihrer Magie kann sie Brot verzaubern, allerdings nicht viel mehr, weshalb sie sich auch nicht für eine besonders starke oder wichtige Magikerin hält. Doch dann findet sie in der Bäckerei die Leiche eines Mädchens und wird vor dem Frühlingsgrünen Mann gewarnt, der es auf die Magiker der Stadt abgesehen hat. Und es liegt an Mona, die bald die einzige übrig gebliebene Magikerin ist, die Herzogin zu warnen und einen Krieg zu verhindern – und zwar nur mit ihrer Backkunst …

Ich habe das Buch letztes Jahr bereits auf Englisch gelesen und fand es gut, doch jetzt auf Deutsch sogar noch besser! Das liegt möglicherweise daran, dass es mir immer noch leichter fällt, auf Deutsch als auf Englisch zu lesen, aber so oder so habe ich das Lesen sehr genossen und es machte mir Spaß, Mona und ihren kreativen Ideen zuzuschauen. Diese Geschichte hatte Szenen und magische Anwendungen, die ich bisher noch nirgendwo gelesen habe und die ich vermutlich auch nie wieder lesen werde; so kreativ, spaßig und dramatisch war die Art und Weise, wie Mona ihre magische Kraft anwandte!

Die eigentliche Handlung ist grob in drei Teile aufgeteilt: Das Finden der Leiche und die Anklage gegenüber Mona, der Frühlingsgrüne Mann und Monas Entschluss, die Herzogin zu warnen sowie der Krieg am Ende, bei dem Mona zeigen muss, was in ihr steckt. Diese Teile gehen fließend ineinander über, kamen mir aber wie separate Handlungsstränge vor – und zum Glück sehr gute! Am liebsten hat mir das spannende Ende gefallen, das Monas Möglichkeiten so gut aufzeigt, wobei mir aber auch sehr gefiel, dass über den ganzen Roman hinweg betont wurde, dass ein vierzehnjähriges Mädchen nicht gezwungen sein sollte, zur Heldin zu werden. Das mangelnde Handeln der Erwachsenen wird tatsächlich infrage gestellt, was ich wunderbar fand.

Von den Charakteren mochte ich die Herzogin, Spindle und den Lebkuchenmann am liebsten – die Herzogin, weil ich ihre vernünftige Art mochte, Spindle, weil er allgemein ein großartiger Freund war und der Lebkuchenmann, weil er von allen Kreationen Monas schlicht die beste ist. Alle drei spielen zudem eine wichtige Rolle in der Handlung, auch wenn ihre Charaktere an sich zugegeben nicht allzu komplex sind.

Insgesamt ist das eine wunderbare Cozy Fantasy, die vor allem durch ihre Kreativität besticht und ein wunderbares Abenteuer bietet!

– Three Shattered Souls
 416 Seiten

Nach dem Ende des letzten Bandes fällt es den anderen schwer, ihren ursprünglichen Plan, Yusans Herrscher zu stürzen, in die Tat umzusetzen. Mikail muss sich damit auseinandersetzen, der wahre Herrscher Gayas zu sein. Aeri, die schon mit zwei Artefakten verschmolzen ist, muss sich langsam mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Royo hat Angst um sie, weil er fürchtet, dass Aeris neue Magie sie umbringen wird. Sora trauert um ihre Schwester und hat Angst, dass auch Tiyung in Gefangenschaft gestorben ist. Tiyung währenddessen hat sich mit Hana verbündet, um Sora wiederzufinden. Und alle bereiten sich darauf vor, die Könige Yusans zu stürzen …

Mit diesem Band kommt die „Five Broken Blades“-Trilogie zu einem insgesamt zufriedenstellenden Abschluss, auch wenn ich zugegeben muss, dass mir die Trilogie insgesamt „nur“ gut gefallen hat. Denn meiner Meinung hat sie sowohl eine große Stärke als auch eine große Schwäche: Die große Stärke sind meiner Meinung nach die Charakterbeziehungen. Auch in diesem Band haben mir sowohl die Romanzen als auch die Freundschaften sehr gefallen. Royo und Aeri sind in diesem Band die Hauptromanze und ihre Chemie ist wirklich großartig, während zwischen Sora und Mikael eine überraschende Freundschaft beginnt, die ich nicht kommen gesehen habe und die sich wunderbar entwickelte. Nur zwischen Tiyung und Sora hätte ich gerne mehr gesehen, weil sie für eine lange Zeit voneinander getrennt sind, aber auch nach ihrem Zusammentreffen erstaunlich wenig Zeit miteinander verbringen; so gut ich dafür Tiyungs beginnende Freundschaft zu Hana, einem anderen Giftmädchen, fand, habe ich mehr Szenen zwischen Sora und Tiyung vermisst. Davon abgesehen haben mir die Charakterbeziehungen allerdings sehr gut gefallen und sie sind meiner Meinung nach wie gesagt eine große Stärke des Romans.

Die große Schwäche währenddessen ist für mich der Schreibstil, der sehr schlicht ist und es sehr schwer macht, die Gefühle der Charaktere zu spüren. Allgemein hat der Schreibstil sie nicht klar voneinander abgegrenzt, sodass ich des Öfteren kurz zurückblättern musste, um mich daran zu erinnern, wer gerade erzählt. Aber selbst, wenn ich es wusste, schien es immer eine gewisse Distanz zwischen mir und den Charakteren zu geben; ich fieberte sehr mit den einzelnen Beziehungen mit, aber die Charaktere selbst blieben mir erstaunlich fern. Ein größerer Fokus auf ihr Innenleben wäre mir hier sehr willkommen gewesen.

Obwohl die Handlung manchmal vor sich hinplätscherte, machte mir das nichts aus, weil die Charaktere die Handlung auch so gut trugen; und dann haben wir natürlich das Ende, das leider nicht für alle gut endet, aber für mich trotzdem ein guter Abschluss war. Tatsächlich fand ich es gerade deshalb gut, weil es kein glückliches Ende für alle Charaktere und Paare gibt, sondern ein realistisches, das gut zu den Charakteren und den Entwicklungen der Handlung passt.

Insgesamt also eine Reihe, bei der mir vor allem die Charakterbeziehungen sehr gefallen haben, die aufgrund ihres schlichten Schreibstils aber vermutlich nicht für alle Leser:innen ansprechend sein wird.

– Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Weiße Nächte
 606 Seiten

Mehrere Selbstmorde wecken Harry Dresdens Aufmerksamkeit, denn so offensichtlich sie zunächst scheinen, verrät ihm eine geheime Nachricht an den Tatorten, dass es sich um Morde handelt: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ Zusammen mit Murphy, die zum Sergeant degradiert wurde, und Molly, seinem sich überall einmischenden Lehrling, ist Harry entschlossen, die Morde aufzulösen, bevor noch mehr begangen werden – doch ausgerechnet Thomas, sein Bruder, wird schnell zum Hauptverdächtigen. Was genau plant er und was genau planen die Vampire? Harry ahnt, dass weitaus mehr dahinter steckt, als es zunächst den Anschein hat …

Die Harry-Dresden-Bände werden mit jedem weiteren Band immer spaßiger zu lesen und das trifft auch auf diesen hier zu. Jim Butchers Humor ist zugegeben nicht für jeden geeignet (mich persönlich störten die drei, vier Szenen, in denen auf Kosten bestimmter Personengruppen ein Witz gemacht wurde), aber ich persönlich mochte ihn insgesamt sehr, weil er Harry zu einem so sympathischen und coolen Charakter machte. Der Spaßfaktor ist schlicht sehr hoch und das macht den Band so gut zu lesen.

Aber es ist nicht nur der Humor, der überzeugt: Ich war besonders investiert in den Fall, weil er sich dramatischer und persönlicher anfühlte als die vorherigen – nicht nur aufgrund der scheinbaren Selbstmorde, die mit dem richtigen Drama erzählt werden, sondern auch aufgrund Harrys persönlichem Bezug zum Fall, bei dem ich gespannt war, inwiefern Thomas involviert ist.

Davon abgesehen bleibt der Roman stets spannend: Harrys Nachforschungen, seine Lehrer/Schüler-Beziehung zu Molly, Elaines Rückkehr, die dämonische Lasciel und die vielen falschen Fährten hielten mich ordentlich auf Trab, zumal es auch oft Action-Szenen gibt, die sehr gut beschrieben wurden. Das Finale muss ich dabei hervorheben, denn dieses war einfach episch gestaltet!

Ein wenig mehr hätte ich mir von Thomas gewünscht, aber ansonsten war ich zufrieden damit, wie die Charaktere in diesem Band balanciert wurden. Ein Charakter, der mich dabei positiv überraschte, war Ramirez, weil er bei mir bisher keinen Eindruck hinterließ, in diesem Band aber ordentlich scheinen konnte.

Was kann ich sagen, wie immer ein sehr spannender Harry-Dresden-Band, der mir sehr gut gefallen hat!

– The sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte
 624 Seiten

Der vierzehnjährige Mamoru ist der Erstgeborene der Matsuda-Familie und hat als solcher die Verantwortung, das Erbe seiner Vorfahren anzutreten. Seine Glaubenssätze sind stark – bis ein neuer Schüler an seine Schule kommt: der Nordländer Kwang Chul-hee, der bald schon anfängt, kritische Dinge von sich zu geben. Zunächst glaubt Mamoru ihm nicht – bis er mit bestürzenden Beweisen konfrontiert wird. Diese sind zumindest für Mamorus Mutter Misaki nichts Neues, denn bevor sie vor fünfzehn Jahren ihr Schwert unter den Dielen des Hauses versteckte, war sie eine Kriegerin, die auf ihre eigene Weise mit den Wahrheiten des Kaiserreichs konfrontiert wurde. Während Mamoru alles mehr und mehr in Frage zu stellen beginnt, ahnt Misaki, dass ein Sturm auf sie zukommt – und sie ihr Schwert bald wieder ziehen muss, um ihre Familie zu beschützen …

M. L. Wang schafft es, in nur einem Buch eine ganze Welt zu erschaffen und genau das ist ihr auch mit „The sword of Kaigen“ gelungen. Ich bin immer noch ganz sprachlos nach dieser Lektüre, weil sie so mit Leben und Details gefüllt war – und mit einer Welt, die sich so real und so gewaltig anfühlt, wie ich es selten erlebt habe. Hier ein wirklich großes Lob für das Worldbuilding, das mich auf noch mehr Geschichten aus dieser Welt hoffen lässt.

Denn das ist fast schon eine Kritik von mir: Ich hätte gerne noch mehr von der Welt und speziell Misakis Vergangenheit gesehen. Sie bekommt einen großen und einen kleinen Rückblick und glücklicherweise auch ein Ende, das ihre Vergangenheit und Gegenwart auf zufriedenstellende Weise zusammenführt, aber ich hätte gerne noch so viel mehr von ihr und ihrer alten Freundesgruppe gesehen, weil das Potential dafür so stark war.

Ihre Gegenwart ist zugegeben dafür sehr gut erzählt. Die Art und Weise, wie sie gezwungen ist, sich ständig zurückzustellen, bis sie schließlich ausbricht und sogar eine neue Bindung zu ihrem Ehemann Takeru aufbaut, war so zufriedenstellend und teils auch unerwartet; Takeru war nämlich für mich lange Zeit sehr unsympathisch, weil seine patriarchischen Sichten so frustrierend waren, aber tatsächlich entwickelt er sich weiter, was eindeutig Misaki zu verdanken ist.

Auch Mamorus Entwicklung war großartig: Als Erbe mit einer großen Last auf seinen Schultern, der damit konfrontiert wird, dass das, woran er glaubte, falsch ist, war er ein einnehmender Charakter mit einer Handlung, die mich von Anfang bis Ende fesselte. Allgemein ist der Aufbau der Geschichte ausgezeichnet und ließ mich besonders in der ersten Hälfte mitfiebern, aber auch die ruhigere zweite Hälfte hat mir aufgrund der gezeigten Charakterentwicklung sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stechen vor allem Setsuko, Misakis beste Freundin, und Dai, der Schwertmeister der Schule, hervor. Beide waren unglaublich sympathisch und haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen, wobei aber auch die anderen Charaktere sehr erinnerungswürdig waren; hinten im Buch gibt es ein Personenverzeichnis und ein Glossar und während ich letzteres ab und an nutzte, bereitete es mir kein Problem, die stark gezeichneten Charaktere der Handlung in Erinnerung zu behalten.

Insgesamt ein grandioses Fantasybuch, das speziell durch seine Welt und seine Charaktere überzeugt – und hoffentlich noch mehr Geschichten aus dieser Welt bietet!

– Sparking Fire Out of Fate
 401 Seiten

Endlich sind Tycho und Jax wiedervereint und werden sogar zusammen mit anderen Soldaten auf eine Mission geschickt, doch ihre lange Trennung hat eine Distanz zwischen ihnen geschaffen, die unüberbrückbar zu sein scheint. Auch Callyn und Alek sind nach der Enthüllung von Callyns Magie voneinander getrennt, werden aber zusammengeführt, um einen Auftrag für die Königin zu erfüllen. Auf dem Weg begegnen sie einer Scraver, die sie dazu anhält, Tycho zu finden, der einem anderen Scraver helfen soll. Gleichzeitig planen die Truthbringer, jeden auszulöschen, der Magie in sich trägt …

Mit diesem Band wird die Geschichte um Tycho, Jax, Callyn und Alek abgeschlossen und das glücklicherweise sehr zufriedenstellend. Beide Paare haben erst einmal ihr eigenes Abenteuer mit eigenen Problemen, bevor sie relativ spät aufeinandertreffen, um sich auf das Finale vorzubereiten. Was ihre eigenen Handlungsstränge angeht, war ich vor allem in Callyns und Aleks Storyline investiert, weil ihre Beziehung so faszinierend und komplex war, vor allem, weil der Konflikt zwischen ihnen so gut geschrieben war. Aber auch die Handlung allgemein war bei ihnen stets spannend, sodass es mir leichtfiel, mit ihnen mitzufiebern.

Bei Tycho und Jax dauert es dafür eine ganze Weile, bis ich in ihren Handlungsstrang reinfand, weil die Distanz zwischen den beiden so traurig zu lesen war und das Eifersuchtsdrama mich ganz schön frustriert hat. Hier hätte es mir gereicht, hätte Kemmerer auf das angedeutete Liebesdreieck verzichtet und sich ganz auf Tychos und Jax‘ Beziehung fokussiert, vor allem, weil diese tatsächlich sehr einnehmend zu lesen war, sobald sich die Wogen zwischen ihnen glätteten.

Obwohl die beiden Parteien wie gesagt recht spät aufeinandertreffen, bekommen die Charaktere größtenteils trotzdem genug Zeit, sich danach miteinander zu arrangieren; hier war es sehr erfrischend, dass ihre Antipathie zueinander (vor allem zwischen Alek und Tycho & Jax) nicht einfach verschwunden ist, sondern tatsächlich aufrechterhalten wurde, während die Charaktere gleichzeitig wussten, dass sie trotzdem zusammenarbeiten müssen, um etwas zu erreichen. Nur zwischen Jax und Callyn hätte ich mir eine ausführliche Szene gewünscht, in der sie sich aneinander anvertrauen, weil sie ebenfalls lange voneinander getrennt waren und schließlich Freunde sind.

Insgesamt empfand ich diesen Abschlussband als nicht so episch wie den ersten, aber aufgrund der Charakterbeziehungen besser als den zweiten, zumal er den Charakteren ein so zufriedenstellendes Ende gab. Die ganze Reihe war letztendlich eine gute Fantasytrilogie, die vor allem für diejenigen gut geeignet ist, die einen Fokus auf Charakterbeziehungen mögen!

– Stadt der Sänger und Verschwörer (Stadt der Magier 2)
 449 Seiten

Cor soll von der Magierin Maestra Carmen Ascendi ausgebildet werden. Ro, seine beste Freundin, begleitet ihn, obwohl sie selbst keine magischen Kräfte hat. Zunächst hat sie Schwierigkeiten, sich in der Familie einzugliedern, weil sie nicht von allen Familienmitgliedern akzeptiert wird, aber als Maestro Ascendi ihre Begabung für Gerüche entdeckt und Ro selbst die Kommunikation mit den Familienmitgliedern sucht, verbessert sich ihre Situation. Zusammen mit Cor will sie die „graue Krankheit“ untersuchen, die in der Stadt ausgebrochen ist und deren Ursprung niemand bestimmen kann. Im Geheimen helfen sie der Bevölkerung, während sie ihre Nachforschungen anstellen …

Obwohl ich es persönlich besser fände, den zweiten Band mit dem Wissen des ersten Bandes zu lesen, ist es nicht zwingend notwendig, weil Ros und Cors Abenteuer hier recht abgeschnitten von ihrem ersten ist. Leider ist es auch ein schwächeres Abenteuer, bei dem mich einige Aspekte gestört haben.

Zunächst einmal ist die Handlung zu langgezogen. Teils folgen wir Ros Ausbildung und ihrer wachsenden Bindung zu der Ascendi-Familie, teils ihren Untersuchungen mit Cor bezüglich der grauen Krankheit. Beide Aspekte an sich waren gut umgesetzt; ich mochte es, wie Ro speziell mit Livia eine langsame Freundschaft aufbaute, gerade, weil ich das nicht erwartete und es Ros Freundlichkeit hervorhob. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeit entdeckt und einsetzt, war ebenfalls hervorragend und sehr zufriedenstellend zu verfolgen, nachdem sie sich so lange danach sehnte, sich zu beweisen. Der Krimi-Aspekt war ebenfalls interessant, weil ich neugierig mitriet, wie genau die Krankheit wohl ausgebrochen ist und es liebte, Ro und Cor dabei zu verfolgen, wie sie verschiedenen Familien helfen. Doch obwohl all diese Handlungselemente einzeln betrachtet sehr gut umgesetzt waren, waren die einzelnen Handlungsstränge wie gesagt zu lang, zu langsam erzählt und mit vielen Wiederholungen, was die einzelnen Aspekte angeht. Hier finde ich, dass man einen beträchtlichen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne den Charakteren und ihrer Entwicklung zu schaden.

Apropos: Ro und Cor waren mir sympathisch, aber es fiel mir ein wenig schwer, mich in Ro hineinzuversetzen. Sie kam mir seltsam distanziert vor; ihre Handlungen machten sie liebenswürdig, aber ihre Gefühle kamen für mich nicht richtig rüber. (Mit einigen wichtigen Ausnahmen wie ihrem Trauma, das die Altersempfehlung aus gutem Grund für Kinder ab 12 Jahren ansetzt.) Was mich sehr überraschte, war im Übrigen ihre Beziehung zu Cor – für den Großteil des Romans wird hervorgehoben, dass sie ihn wie einen Bruder sieht, weshalb es für mich sehr plötzlich kam, als sich diese Gefühle auf einmal in romantische verwandelten. Allerdings war ihre Beziehung trotzdem sehr einnehmend und eindeutig eine Stärke des Romans.

Die anderen Charaktere machten größtenteils einen guten Eindruck, mit einer wichtigen Ausnahme: Maestra Ascendi, die leider sehr viel unsympathischer als Jonathan Fossell aus dem ersten Band war. Sie hatte zwar ihre positiven Momente, aber für mich reichte das nicht, um sie zu einem sympathischen Charakter zu machen; tatsächlich fand ich sogar, dass die Charaktere ihrem Verhalten gegenüber nicht kritisch genug waren. Denn Maestra Ascendi war nicht nur übermäßig streng, sondern sogar gewalttätig gegenüber ihren Lehrlingen, was von ihnen aber nie so negativ wahrgenommen wurde, wie ich es empfand. Das steht im starken Kontrast zu Jonathan Fossell, dessen väterliche Rolle im ersten Band mir sehr viel besser gefiel.

Insgesamt also ein zweiter Band, der zwar seine Stärken hatte, aber auch wichtige Schwächen, die leider nicht ausgeglichen wurden.