Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Weiße Nächte
606 Seiten

Mehrere Selbstmorde wecken Harry Dresdens Aufmerksamkeit, denn so offensichtlich sie zunächst scheinen, verrät ihm eine geheime Nachricht an den Tatorten, dass es sich um Morde handelt: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ Zusammen mit Murphy, die zum Sergeant degradiert wurde, und Molly, seinem sich überall einmischenden Lehrling, ist Harry entschlossen, die Morde aufzulösen, bevor noch mehr begangen werden – doch ausgerechnet Thomas, sein Bruder, wird schnell zum Hauptverdächtigen. Was genau plant er und was genau planen die Vampire? Harry ahnt, dass weitaus mehr dahinter steckt, als es zunächst den Anschein hat …

Die Harry-Dresden-Bände werden mit jedem weiteren Band immer spaßiger zu lesen und das trifft auch auf diesen hier zu. Jim Butchers Humor ist zugegeben nicht für jeden geeignet (mich persönlich störten die drei, vier Szenen, in denen auf Kosten bestimmter Personengruppen ein Witz gemacht wurde), aber ich persönlich mochte ihn insgesamt sehr, weil er Harry zu einem so sympathischen und coolen Charakter machte. Der Spaßfaktor ist schlicht sehr hoch und das macht den Band so gut zu lesen.

Aber es ist nicht nur der Humor, der überzeugt: Ich war besonders investiert in den Fall, weil er sich dramatischer und persönlicher anfühlte als die vorherigen – nicht nur aufgrund der scheinbaren Selbstmorde, die mit dem richtigen Drama erzählt werden, sondern auch aufgrund Harrys persönlichem Bezug zum Fall, bei dem ich gespannt war, inwiefern Thomas involviert ist.

Davon abgesehen bleibt der Roman stets spannend: Harrys Nachforschungen, seine Lehrer/Schüler-Beziehung zu Molly, Elaines Rückkehr, die dämonische Lasciel und die vielen falschen Fährten hielten mich ordentlich auf Trab, zumal es auch oft Action-Szenen gibt, die sehr gut beschrieben wurden. Das Finale muss ich dabei hervorheben, denn dieses war einfach episch gestaltet!

Ein wenig mehr hätte ich mir von Thomas gewünscht, aber ansonsten war ich zufrieden damit, wie die Charaktere in diesem Band balanciert wurden. Ein Charakter, der mich dabei positiv überraschte, war Ramirez, weil er bei mir bisher keinen Eindruck hinterließ, in diesem Band aber ordentlich scheinen konnte.

Was kann ich sagen, wie immer ein sehr spannender Harry-Dresden-Band, der mir sehr gut gefallen hat!

Murdle Mystery
240 Seiten

Logico ist erfreut, das Deduction College zu besuchen, doch womit er nicht gerechnet hat, sind die vielen Mysterien, die die Schule betreffen. Wer ist der mysteriöse Boy, der auf dem Campus herumschleicht? Plant Dame Obsidian wieder einen Mord? Wer gewinnt das Schachboxturnier? Inwiefern ist die Intuitive Inquisition Teil des Komplotts? Und wie wurde das Deduction College überhaupt gegründet? Diese und viele weitere Fragen muss Logico beantworten, während er zahlreiche Mörder überführen muss …

Ich habe dieses Rätselbuch bereits auf Englisch gelöst, doch weil mir die Murdle-Reihe im Allgemeinen und dieser Band im Besonderen so viel Spaß machte, freute ich mich, ihn noch mal auf Deutsch zu machen. Vieles hatte ich auch noch in Erinnerung, aber einiges nicht mehr, weshalb es erfrischend war, die Puzzleteile wieder zusammenzufügen.

Die Rätsel selbst sind für mich inzwischen zu einfach, weshalb ich die Extra-Aufgaben wie z.B. die zu lösenden Codes umso mehr mochte. Was mich dafür sehr gut gefallen hat, waren die kleinen Mini-Storylines, in die ich erstaunlich investiert war und bei denen es Spaß machte, in den Kurzbeschreibungen der einzelnen Orte und Gegenstände nach Hinweisen zu suchen. Sie sind immer noch mein liebster Teil der Murdle-Reihe, weil sie nicht nur für großartige „Oha!“-Momente sorgen, sondern die Rätsel zu so viel mehr machen als schlichten Logikpuzzles. Neben dem ersten Band mochte ich diesen hier am meisten, einfach, weil die einzelnen Geschichten so gut waren.

Was ich jedoch erwähnen möchte, ist, dass dieser Band nicht unbedingt für Einsteiger geeignet ist, weil er zeigt, wie viele bekannte Charaktere aus den anderen Teilen sich bis zu dem Punkt entwickelten, an dem wir sie in den originalen Teilen kennenlernen. Dieser Aspekt hat das Buch auf jeden Fall bereichert, sollte deswegen aber auch erst nach mindestens einem Murdle-Teil gelöst werden, damit man die ganzen Referenzen versteht.

Davon abgesehen haben wir aber einen unterhaltsamen Rätselband, der speziell für Murdle-Fans geeignet ist!

The sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte
624 Seiten

Der vierzehnjährige Mamoru ist der Erstgeborene der Matsuda-Familie und hat als solcher die Verantwortung, das Erbe seiner Vorfahren anzutreten. Seine Glaubenssätze sind stark – bis ein neuer Schüler an seine Schule kommt: der Nordländer Kwang Chul-hee, der bald schon anfängt, kritische Dinge von sich zu geben. Zunächst glaubt Mamoru ihm nicht – bis er mit bestürzenden Beweisen konfrontiert wird. Diese sind zumindest für Mamorus Mutter Misaki nichts Neues, denn bevor sie vor fünfzehn Jahren ihr Schwert unter den Dielen des Hauses versteckte, war sie eine Kriegerin, die auf ihre eigene Weise mit den Wahrheiten des Kaiserreichs konfrontiert wurde. Während Mamoru alles mehr und mehr in Frage zu stellen beginnt, ahnt Misaki, dass ein Sturm auf sie zukommt – und sie ihr Schwert bald wieder ziehen muss, um ihre Familie zu beschützen …

M. L. Wang schafft es, in nur einem Buch eine ganze Welt zu erschaffen und genau das ist ihr auch mit „The sword of Kaigen“ gelungen. Ich bin immer noch ganz sprachlos nach dieser Lektüre, weil sie so mit Leben und Details gefüllt war – und mit einer Welt, die sich so real und so gewaltig anfühlt, wie ich es selten erlebt habe. Hier ein wirklich großes Lob für das Worldbuilding, das mich auf noch mehr Geschichten aus dieser Welt hoffen lässt.

Denn das ist fast schon eine Kritik von mir: Ich hätte gerne noch mehr von der Welt und speziell Misakis Vergangenheit gesehen. Sie bekommt einen großen und einen kleinen Rückblick und glücklicherweise auch ein Ende, das ihre Vergangenheit und Gegenwart auf zufriedenstellende Weise zusammenführt, aber ich hätte gerne noch so viel mehr von ihr und ihrer alten Freundesgruppe gesehen, weil das Potential dafür so stark war.

Ihre Gegenwart ist zugegeben dafür sehr gut erzählt. Die Art und Weise, wie sie gezwungen ist, sich ständig zurückzustellen, bis sie schließlich ausbricht und sogar eine neue Bindung zu ihrem Ehemann Takeru aufbaut, war so zufriedenstellend und teils auch unerwartet; Takeru war nämlich für mich lange Zeit sehr unsympathisch, weil seine patriarchischen Sichten so frustrierend waren, aber tatsächlich entwickelt er sich weiter, was eindeutig Misaki zu verdanken ist.

Auch Mamorus Entwicklung war großartig: Als Erbe mit einer großen Last auf seinen Schultern, der damit konfrontiert wird, dass das, woran er glaubte, falsch ist, war er ein einnehmender Charakter mit einer Handlung, die mich von Anfang bis Ende fesselte. Allgemein ist der Aufbau der Geschichte ausgezeichnet und ließ mich besonders in der ersten Hälfte mitfiebern, aber auch die ruhigere zweite Hälfte hat mir aufgrund der gezeigten Charakterentwicklung sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stechen vor allem Setsuko, Misakis beste Freundin, und Dai, der Schwertmeister der Schule, hervor. Beide waren unglaublich sympathisch und haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen, wobei aber auch die anderen Charaktere sehr erinnerungswürdig waren; hinten im Buch gibt es ein Personenverzeichnis und ein Glossar und während ich letzteres ab und an nutzte, bereitete es mir kein Problem, die stark gezeichneten Charaktere der Handlung in Erinnerung zu behalten.

Insgesamt ein grandioses Fantasybuch, das speziell durch seine Welt und seine Charaktere überzeugt – und hoffentlich noch mehr Geschichten aus dieser Welt bietet!

Sparking Fire Out of Fate
401 Seiten

Endlich sind Tycho und Jax wiedervereint und werden sogar zusammen mit anderen Soldaten auf eine Mission geschickt, doch ihre lange Trennung hat eine Distanz zwischen ihnen geschaffen, die unüberbrückbar zu sein scheint. Auch Callyn und Alek sind nach der Enthüllung von Callyns Magie voneinander getrennt, werden aber zusammengeführt, um einen Auftrag für die Königin zu erfüllen. Auf dem Weg begegnen sie einer Scraver, die sie dazu anhält, Tycho zu finden, der einem anderen Scraver helfen soll. Gleichzeitig planen die Truthbringer, jeden auszulöschen, der Magie in sich trägt …

Mit diesem Band wird die Geschichte um Tycho, Jax, Callyn und Alek abgeschlossen und das glücklicherweise sehr zufriedenstellend. Beide Paare haben erst einmal ihr eigenes Abenteuer mit eigenen Problemen, bevor sie relativ spät aufeinandertreffen, um sich auf das Finale vorzubereiten. Was ihre eigenen Handlungsstränge angeht, war ich vor allem in Callyns und Aleks Storyline investiert, weil ihre Beziehung so faszinierend und komplex war, vor allem, weil der Konflikt zwischen ihnen so gut geschrieben war. Aber auch die Handlung allgemein war bei ihnen stets spannend, sodass es mir leichtfiel, mit ihnen mitzufiebern.

Bei Tycho und Jax dauert es dafür eine ganze Weile, bis ich in ihren Handlungsstrang reinfand, weil die Distanz zwischen den beiden so traurig zu lesen war und das Eifersuchtsdrama mich ganz schön frustriert hat. Hier hätte es mir gereicht, hätte Kemmerer auf das angedeutete Liebesdreieck verzichtet und sich ganz auf Tychos und Jax‘ Beziehung fokussiert, vor allem, weil diese tatsächlich sehr einnehmend zu lesen war, sobald sich die Wogen zwischen ihnen glätteten.

Obwohl die beiden Parteien wie gesagt recht spät aufeinandertreffen, bekommen die Charaktere größtenteils trotzdem genug Zeit, sich danach miteinander zu arrangieren; hier war es sehr erfrischend, dass ihre Antipathie zueinander (vor allem zwischen Alek und Tycho & Jax) nicht einfach verschwunden ist, sondern tatsächlich aufrechterhalten wurde, während die Charaktere gleichzeitig wussten, dass sie trotzdem zusammenarbeiten müssen, um etwas zu erreichen. Nur zwischen Jax und Callyn hätte ich mir eine ausführliche Szene gewünscht, in der sie sich aneinander anvertrauen, weil sie ebenfalls lange voneinander getrennt waren und schließlich Freunde sind.

Insgesamt empfand ich diesen Abschlussband als nicht so episch wie den ersten, aber aufgrund der Charakterbeziehungen besser als den zweiten, zumal er den Charakteren ein so zufriedenstellendes Ende gab. Die ganze Reihe war letztendlich eine gute Fantasytrilogie, die vor allem für diejenigen gut geeignet ist, die einen Fokus auf Charakterbeziehungen mögen!

Stadt der Sänger und Verschwörer (Stadt der Magier 2)
449 Seiten

Cor soll von der Magierin Maestra Carmen Ascendi ausgebildet werden. Ro, seine beste Freundin, begleitet ihn, obwohl sie selbst keine magischen Kräfte hat. Zunächst hat sie Schwierigkeiten, sich in der Familie einzugliedern, weil sie nicht von allen Familienmitgliedern akzeptiert wird, aber als Maestro Ascendi ihre Begabung für Gerüche entdeckt und Ro selbst die Kommunikation mit den Familienmitgliedern sucht, verbessert sich ihre Situation. Zusammen mit Cor will sie die „graue Krankheit“ untersuchen, die in der Stadt ausgebrochen ist und deren Ursprung niemand bestimmen kann. Im Geheimen helfen sie der Bevölkerung, während sie ihre Nachforschungen anstellen …

Obwohl ich es persönlich besser fände, den zweiten Band mit dem Wissen des ersten Bandes zu lesen, ist es nicht zwingend notwendig, weil Ros und Cors Abenteuer hier recht abgeschnitten von ihrem ersten ist. Leider ist es auch ein schwächeres Abenteuer, bei dem mich einige Aspekte gestört haben.

Zunächst einmal ist die Handlung zu langgezogen. Teils folgen wir Ros Ausbildung und ihrer wachsenden Bindung zu der Ascendi-Familie, teils ihren Untersuchungen mit Cor bezüglich der grauen Krankheit. Beide Aspekte an sich waren gut umgesetzt; ich mochte es, wie Ro speziell mit Livia eine langsame Freundschaft aufbaute, gerade, weil ich das nicht erwartete und es Ros Freundlichkeit hervorhob. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeit entdeckt und einsetzt, war ebenfalls hervorragend und sehr zufriedenstellend zu verfolgen, nachdem sie sich so lange danach sehnte, sich zu beweisen. Der Krimi-Aspekt war ebenfalls interessant, weil ich neugierig mitriet, wie genau die Krankheit wohl ausgebrochen ist und es liebte, Ro und Cor dabei zu verfolgen, wie sie verschiedenen Familien helfen. Doch obwohl all diese Handlungselemente einzeln betrachtet sehr gut umgesetzt waren, waren die einzelnen Handlungsstränge wie gesagt zu lang, zu langsam erzählt und mit vielen Wiederholungen, was die einzelnen Aspekte angeht. Hier finde ich, dass man einen beträchtlichen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne den Charakteren und ihrer Entwicklung zu schaden.

Apropos: Ro und Cor waren mir sympathisch, aber es fiel mir ein wenig schwer, mich in Ro hineinzuversetzen. Sie kam mir seltsam distanziert vor; ihre Handlungen machten sie liebenswürdig, aber ihre Gefühle kamen für mich nicht richtig rüber. (Mit einigen wichtigen Ausnahmen wie ihrem Trauma, das die Altersempfehlung aus gutem Grund für Kinder ab 12 Jahren ansetzt.) Was mich sehr überraschte, war im Übrigen ihre Beziehung zu Cor – für den Großteil des Romans wird hervorgehoben, dass sie ihn wie einen Bruder sieht, weshalb es für mich sehr plötzlich kam, als sich diese Gefühle auf einmal in romantische verwandelten. Allerdings war ihre Beziehung trotzdem sehr einnehmend und eindeutig eine Stärke des Romans.

Die anderen Charaktere machten größtenteils einen guten Eindruck, mit einer wichtigen Ausnahme: Maestra Ascendi, die leider sehr viel unsympathischer als Jonathan Fossell aus dem ersten Band war. Sie hatte zwar ihre positiven Momente, aber für mich reichte das nicht, um sie zu einem sympathischen Charakter zu machen; tatsächlich fand ich sogar, dass die Charaktere ihrem Verhalten gegenüber nicht kritisch genug waren. Denn Maestra Ascendi war nicht nur übermäßig streng, sondern sogar gewalttätig gegenüber ihren Lehrlingen, was von ihnen aber nie so negativ wahrgenommen wurde, wie ich es empfand. Das steht im starken Kontrast zu Jonathan Fossell, dessen väterliche Rolle im ersten Band mir sehr viel besser gefiel.

Insgesamt also ein zweiter Band, der zwar seine Stärken hatte, aber auch wichtige Schwächen, die leider nicht ausgeglichen wurden.

Firewatch
451 Seiten

Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …

Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.

Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.

Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.

Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!

Finde den Mörder
400 Seiten

Harry Kennedy wurde tot aufgefunden. Der Geschäftsmann ist vom Balkon gefallen, erstochen mit einer Gartengabel und mit einer Rose im Mund. Detective Chief Inspector und Sergeant McAdam werden gerufen, um den Fall zu lösen, Verdächtige zu befragen und Beweise zu sammeln. Dabei gibt es verschiedene Pfade, die sie einschlagen können, doch nicht alle führen zur Auflösung …

Ich liebe Entscheidungsgeschichten schon seit meiner Kindheit und Jugend, weshalb ich mich immer darüber freue, wieder eine zu entdecken. Diese hier ist besonders ausführlich und hätte ebenso gut als Roman geschrieben werden können, doch bin ich froh, dass er das Entscheidungselement hatte, das ihn hervorstechen ließ. Ich selbst habe mich dabei ganz okay angestellt, habe mich allerdings von einigen falschen Fährten verführen lassen und mich bei der finalen Mörderentscheidung gleich mehrmals geirrt.

Danach habe ich die Geschichte natürlich analysiert, um herauszufinden, wie viele Pfade es letztendlich gab und war insgesamt zufrieden; natürlich liest man immer noch den Großteil der Geschichte, aber die Art und Weise, wie verschiedene Beweise für verschiedene Verdächtige gesammelt werden, hat mir sehr gefallen. (Großes Lob für das Easter Egg in Absatz 111, ich musste schmunzeln!)

Es war für mich wirklich unklar, wer denn der Schuldige sein könnte und tatsächlich hoffte ich bald, dass er von meinen gesammelten Beweisen abhängen würde. Denn nach der Mörderentscheidung wird man gefragt, welche Beweise man gesammelt hat, doch diese spielen letztendlich keine Rolle, weil es tatsächlich nur einen Mörder gibt und alle anderen Pfade zum falschen Ende führen. Hier hätte es mir sehr gefallen, hätte die Kombination aus gesammelten Beweisen und der Schuldzuschreibung zu verschiedenen möglichen Mördern geführt.

Auch ist der Rätselkrimi zu lang, um ihn für zwischendurch zu lesen. Andere Entscheidungsgeschichten las ich immer und immer wieder, doch hier bin ich mit einem Lesedurchgang und meiner Analyse recht zufrieden, auch wenn ich natürlich immer noch neugierig bin, wie viele andere Beweise ich mir hätte verschaffen können. Letztendlich ist das Lesen aber gerade für Fans von Entscheidungsgeschichten sehr empfehlenswert – aber auch für Fans klassischer Krimis!

Einatmen. Ausatmen.
256 Seiten

Marlene soll die nächste CEO ihrer Firma werden, doch davor muss sie ein Achtsamkeitsseminar hinter sich bringen, weil es ihr an empathischen Fähigkeiten mangelt. Die Achtsamkeitsanstalt wird von Alex geführt, der gerade eine schwierige Zeit in seinem Leben durchmacht, mit Marlene aber eine Gelegenheit bekommt, sein Unternehmen zu retten: Gelingt es ihm, ihr zu helfen, bekommt sein Unternehmen die Förderung, die es so dringend braucht. Marlene derweil hat keine Lust auf all diesen Unsinn, doch als sie eines Tages im Wald verloren geht und mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird, ändert sich ihre Sichtweise dramatisch …

Schon am Anfang weiß man, worauf man sich einlässt und es ist trotz ein, zwei überraschender Entwicklungen klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Wir folgen sowohl Marlene als auch Alex und wie sie mit ihrem jeweiligen Trauma umgehen, sich dabei viele psychologisch-philosophische Fragen stellen und ihren eigenen Weg zu finden versuchen. Wohin genau dieser geht, ist wie gesagt relativ klar – doch die Umsetzung und der Mangel einer Romanze hat die Geschichte trotzdem erfrischend gemacht.

Ich konnte mich überraschend gut in die kritische Marlene hineinversetzen, obwohl ich definitiv nicht mit ihren Sichtweisen übereinstimmte. Ihre Freundschaft zu Alex und vor allem die zu Mattissen, dem Hausmeister, haben mir sehr gefallen und ich fand es vor allem gut, dass hier eine vorhersehbare Romanze vermieden wurde. Allgemein ist ihre Entwicklung sehr zufriedenstellend zu verfolgen, selbst wenn man schon vorher weiß, wohin sie geht.

An Alex musste ich mich erst gewöhnen, weil ich mich nicht gut in seine anfänglichen Probleme hineinversetzen konnte (in seinem Fall eine romantische Beziehung zu einer Teilnehmerin), doch sobald die dreizehnjährige Connie die Bühne betritt, beginnt eine einnehmende Vater-/Tochter-Beziehung zwischen ihnen. Auf diese Weise wird Alex zudem mit anderen Problemen konfrontiert, derer er sich gar nicht bewusst war und die ihm dabei halfen, seine eigenen zu überwinden.

Marlene und Alex haben erstaunlich wenig Szenen miteinander, weil ihre eigenen Handlungsstränge sie stark beschäftigen, aber ich mochte ihre Chemie nichtsdestotrotz.

Am faszinierendsten war wohl, dass die Geschichte eigentlich nichts Besonderes und teils vorhersehbar ist, mich aber trotzdem gut unterhielt, weil sie schlicht schön zu lesen war. Meine einzige – durchaus wichtige – Kritik besteht daraus, dass an manchen Stellen nicht klar wird, ob die Charaktere (und, damit verbunden, der Autor) nun positiv oder negativ gegenüber LGBTQ+-Menschen eingestellt sind. Es gibt nämlich ab und an gewisse Kommentare bezüglich Minderheitsgruppen, die sich sehr kritisch lasen und einen bitteren Geschmack in meinem Mund hinterließen. Letztendlich waren es noch nicht einmal so viele Stellen, vielleicht zwei oder drei, aber sie fielen mir trotzdem negativ auf, weil die Charaktere nicht so akzeptierend wirken, wie ich es mir gewünscht hätte.

Nichtsdestotrotz ist das hier ein schönes, ruhiges Buch und gut für zwischendurch geeignet!

This Story Might Save Your Life. Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?
448 Seiten

Joy und Benny haben einen Podcast, in dem sie auf humorvolle Weise Überlebensstrategien für verschiedene Situationen diskutieren. Als Joy und ihr Ehemann Xander spurlos verschwinden, ist Benny fest entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen ist – und stellt fest, dass Joy so einige Geheimnisse vor ihm hatte, die sie nur in ihrem Buch verschriftlichte. Benny findet heraus, dass sie sich von Xander scheiden lassen wollte – was ihr Verschwinden in ein ganz anderes Licht rückt …

Zunächst einmal: Die Tagline dieses Romans ist vollkommen falsch. So falsch sogar, dass es so wirkt, als hätte irgendjemand aus Versehen die Tagline eines anderen Romans benutzt, denn die Geschichte, die sie suggeriert, wird man hier nicht finden. Tatsächlich fühlt sich selbst die Genrebezeichnung „Thriller“ für mich nicht ganz richtig an, weil das Buch für mich eher wie ein spannender Roman mit Thrillerelementen wirkte, der auf noch viel mehr Themen eingeht.

Gerade Joys Lebensweg, den sie in ihrem Buch beschreibt, spielt eine wichtige Rolle und ist der Teil der Handlung, der sich am ehesten wie ein dramatischer Roman und nicht wie ein Thriller liest. Bennys Story hat da schon mehr Thrillerelemente, aber trotzdem würde ich behaupten, dass das Hauptthema des Romans letztendlich die Beziehung der beiden ist. Die beiden haben wirklich eine hervorragende Chemie miteinander, ich liebte ihre Dynamik sehr und es war leicht, mit ihnen mitzufiebern. Hier war gerade die erste Hälfte der Handlung packend, weil so viele vergangene Szenen die beiden in den Fokus stellen.

Auch Xander, Joys Ehemann, spielt eine wichtige Rolle, war im Gegensatz zu Benny allerdings furchtbar und wurde im Lauf der Handlung nur unausstehlicher. Ernsthaft: Immer, wenn ich glaubte, dass er nicht mehr schlimmer werden könnte, bewies er ein weiteres Mal, dass er eine wirklich scheußliche Person ist. Aber gerade deshalb war es natürlich zufriedenstellend, zu sehen, wie all seine Lügen nach und nach ans Licht kamen.

Insgesamt würde ich diesen Roman nicht unbedingt Thrillerfans empfehlen, sondern auch Fans von Freundschaften, Romanzen, Drama, Humor, Mystery … also so ziemlich allen Genres. Mit anderen Worten: Wenn man einen großartigen Genremix lesen will, ist dieses Buch hervorragend dafür geeignet!

Die Insel meiner Schwester
304 Seiten

Schon seit Jahren hatte Mirjam mit ihrer Halbschwester Nia keinen Kontakt mehr, doch als sie überraschend zu deren vierzigsten Geburtstag eingeladen wird, nimmt sie an. Inzwischen wohnt ihre Schwester auf der Insel, auf der sie zum ersten Mal indirekt Kontakt aufnahmen – zusammen mit Konrad, ihrem missbräuchlichen Ehemann. Mirjam wollte schon immer, dass Nia sich endlich aus dieser Beziehung befreit, obwohl sie natürlich weiß, dass das nicht so einfach ist. Aber dann kommt sie auf der Insel ihrer Schwester an – und dort im Badezimmer liegt Konrad, während Nia angespannt den Besuch früherer Freunde erwartet …

Dieser Roman erzählt eine klassische Geschichte, die man sicher schon in anderen Büchern gelesen hat, weshalb es mir schwer fällt, sie akkurat zu bewerten. Denn insgesamt setzte sie viele Aspekte sehr gut um – aber dadurch, dass die Handlung selbst so klassisch war und wenig am bekannten Schema änderte, empfand ich sie nicht als Highlight.

Aber fangen wir mit den positiven Punkten an: Ich mochte die schwesterliche Beziehung zwischen Mirjam und Nia sehr gerne, sowie die Art und Weise, wie ihre Vergangenheit beschrieben wurde. Es war leicht, mit ihnen mitzufiebern, weil wir tatsächlich ihre ganze Entwicklung erleben und noch dazu auch wichtige Momente ihrer Vergangenheit. Gerade bei Nia empfand ich großes Mitgefühl, weil ich mich zwar glücklicherweise nie in ihrer Situation befunden habe, es aber trotzdem leicht war, sich in sie hineinzuversetzen. Sie war einfach so packend und einfühlsam geschrieben, sodass ich die ganzen vergangenen Momente insgesamt sogar ein wenig mehr mochte als die Gegenwart.

Natürlich hat die Gegenwart ihren eigenen Weg, Spannung aufzubauen: Dadurch, dass Mirjam und Nia sich Mühe geben müssen, sich ihren Gästen gegenüber nichts anmerken zu lassen, entstand über den Großteil des Romans hinweg eine unterschwellige Spannung, wie eine Bombe unterm Tisch, die jederzeit hochgehen kann. Die Spannung erhöhte sich zudem im Lauf der Handlung, sodass ich umso mehr mitgefiebert habe.

Das einzige Problem dabei ist leider auch das größte: Es ist recht offensichtlich, in welche Richtung sich die gegenwärtige Handlung entwickeln wird. Ja, es gibt durchaus ein, zwei Überraschungen, die zur Spannung beitragen, aber die Handlung selbst ist relativ vorhersehbar. Hier hätte ich mir noch mehr Überraschungen und Twists gewünscht, weil im Grunde von Anfang an klar ist, wie die Geschichte enden muss, um zu einem zufriedenstellenden Ende zu kommen.

Doch wem das nichts ausmacht und wer dafür die anderen Stärken des Romans zu schätzen weiß, findet hier eine wunderbare Schwesterngeschichte!

& Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
256 Seiten

Mortimer ist ein Kater, der auf einen kleinen Bücherschrank aufpasst. Eines Tages kommt der Schüler Evan vorbei und nimmt sich spontan die beiden schmalsten Bücher. Zu seiner Verwunderung stellt er fest, dass fast alle Bücher des Bücherwagens offizielle Bücher aus der damals niedergebrannten Stadtbibliothek sind, die alle am selben Tag zurückgegeben wurden. Mehrere Bücher wurden damals von Evans Vater ausgeliehen, eines sogar vom berühmten Autor H. G. Higgins, in dem ein mysteriöses Polaroid-Foto steckt. Was hat es damit auf sich? Was geschah damals in der Bibliothek? Und was hat der Kater Mortimer mit all dem zu tun? Zusammen mit seinem besten Freund Rafi macht sich Evan an die Detektivarbeit …

Dieser wunderschöne Kinderroman ist unglaublich angenehm zu lesen und erzählt eine relativ schlichte, aber dafür sehr einnehmende Geschichte. Verschiedene Sichtweisen puzzeln ein Mysterium zusammen, das mir als Erwachsene zwar teilweise klar war, aber definitiv nicht ganz: Es gab ein, zwei Überraschungen, die ich nicht kommen gesehen habe und die mir deshalb umso mehr gefielen. Tatsächlich wünschte ich mir, dass auch der Haupttwist der Handlung – Mortimers Geheimnis – etwas weniger offensichtlich gewesen wäre, denn schließlich haben die beiden Autorinnen bereits hervorragend gezeigt, dass sie gute, unvorhersehbare und gleichzeitig logische Twists schreiben können!

Aber um ehrlich zu sein, ist das letztendlich eine kleine Kritik, denn die eigentliche Handlung hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir die teils offensichtlichen Zusammenhänge nichts ausmachten. Gerade der Mystery-Aspekt war unglaublich gut gelungen, denn ich habe mich durchaus gefragt, wie die verschiedenen Handlungselemente miteinander verwoben sind und auf welche Weise sie aufeinandertreffen würden. So gibt es zum Beispiel auch einen wichtigen Handlungsstrang mit tatsächlichen Geistern, der ebenfalls eine Rolle spielt und für mich lange ein Mysterium war. Allgemein gibt es viele Details, die noch für später relevant und nicht immer offensichtlich sind.

Gleichzeitig ist das Buch nicht nur eine Detektivgeschichte, sondern auch eine emotionale, die speziell das Thema der Schuld in den Vordergrund rückt. Zwar habe ich die Mystery-Elemente am meisten genossen, mochte aber auch die Szenen, in denen wir den Charakteren bei alltäglicheren Geschehnissen folgten.

Ich glaube, das einzige, was mich verwunderte, war, dass das Leben von Evans bestem Freund Rafi gar nicht richtig kommentiert wird. Seine Eltern haben unzählige Regeln für ihn, die das, was er tun darf, stark einschränken, ohne, dass die Geschichte das beurteilt (weder positiv noch negativ). Evan und Rafi machen zwar ein paar Kommentare diesbezüglich, aber alle anderen Charaktere scheinen das Verhalten der Eltern komplett normal zu finden, ohne dass ich mir erklären konnte, ob das zum Humor der Geschichte gehört (was wahrscheinlich ist) oder eine Logiklücke ist (was ich nicht für wahrscheinlich halte, mir aber so vorkam). Ist eigentlich ein verhältnismäßig unwichtiger Teil der Handlung, aber einer, der mir aufgefallen ist.

Doch zusammengefasst haben wir trotz der kleinen Kritikpunkte eine absolut wunderbare Geschichte, die sich gerade für Mystery- und Spannungsfans sehr gut eignet – und nicht nur für Kinder ist!

Das Gold der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Seit Inejs Entführung versuchen die Krähen alles, um sie aus den Klauen Van Ecks zu befreien, einschließlich Inej selbst. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem – Kaz will sich immer noch an Pekka Rollins rächen, Jesper möchte seinen Vater beschützen und Wylan seinen aufhalten, Nina muss ihre Sucht überwinden und Matthias will ihr dabei helfen, und Inej sehnt sich nach der Erfüllung ihres größten Traums. Und am Ende hängt es von ihnen allen ab, ob sie alle am Ende in Freiheit leben können …

Auch der zweite Teil der Krähen ist eine großartige Lektüre, die ihren Fokus vor allem auf die einzelnen Charakterbeziehungen legt, aber auch auf ihre individuellen Ziele, die sich seit dem ersten Band verändert und entwickelt haben. Es war so zufriedenstellend, nicht nur Kaz‘ Planung zu erleben, sondern auch, wie er und die anderen ein engeres Band zueinander knüpften. Sowohl den Romanzen als auch den Freundschaften wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die Handlung immer noch vorankommt, was eine großartige Kombination war. Obwohl ich die eigentliche Handlung als leicht schwächer empfunden habe als die des ersten Bandes, macht sie es durch die Charakterentwicklungen wieder wett!

Was mir außerdem sehr positiv aufgefallen ist, waren die kurzen Rückblicke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit verschiedener Charaktere gegeben haben. Diese Rückblicke gab es zwar schon im ersten Band, doch waren diese dort quasi eigene Nebenhandlungen, die viel Raum einnahmen, während wir hier im zweiten Band mehrere kürzere Rückblicke bekamen. Bis auf Wylan (dessen Vergangenheit locker als wichtige Nebenhandlung gelten kann) zeigen uns alle Charaktere kleinere Momente, die sie geprägt haben und diese waren überraschend effektiv. So sehr ich auch im ersten Band mit den größeren Flashbacks mitfieberte: Ich fand es unglaublich bereichernd, viele kleinere Augenblicke mitzuerleben, die die Charaktere zusätzlich vermenschlichten.

Interessanterweise hatte ich viele Dinge nicht mehr richtig in Erinnerung, zum Beispiel die Reihenfolge und den Abstand wichtiger Ereignisse, sowie viele Charakterinformationen und andere Details. Das hat es umso interessanter gemacht, sich beim Lesen wieder alles in Erinnerung zu rufen, während die bekannten Szenen noch mehr Spaß machten als zuvor. Das Finale muss ich dabei extra erwähnen; ich liebe es, wie es jedem Charakter ein passendes Ende gab und mich gleichzeitig an mehr als einer Stelle zu Tränen rührte. Leigh Bardugo hat mit dieser Dilogie wahrlich ein Meisterwerk geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich es noch einige Male lesen werde!

Das Lied der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Sechs Außenseiter auf einer scheinbar unmöglichen Mission: Kaz, der Ränkeschmied; Inej, das Phantom; Nina, die Entherzerin; Matthias, der Hexenjäger; Jesper, der Glücksspieler; und Wylan, der Demo-Experte. Alle mit ihren eigenen Zielen, ihren eigenen Plänen und ihren eigenen Geheimnissen. Denn die größte Schwierigkeit ist nicht die Heist selbst, sondern ihre komplexen Beziehungen zueinander ...

Ich hatte mal wieder Lust, einen phänomenalen Roman zu lesen und was eignet sich da besser als einer, von dem man bereits weiß, dass er einer ist? Beziehungsweise: Eine neue Edition, die nicht nur Charakterporträts beinhaltet, sondern auch die aktuelle deutsche Übersetzung, die in meiner alten Variante noch von "Grischa" spricht und die ich hier zum ersten Mal als "Grisha" lesen durfte. Ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber dennoch erfrischend! Denn so ikonisch das englische Original ist, bevorzuge ich gerade bei Fantasy eine gute deutsche Übersetzung, die wir hier geliefert bekamen.

Die Handlung und die Charaktere sind so einnehmend wie zuvor, wobei mir in diesem Reread vor allem die Dialoge positiv aufgefallen sind – sie sind pointiert, humorvoll und hauchen den Charakteren (und deren Beziehungen zueinander) Leben ein. Ich habe mich oft gefragt, was die Krähen zu so fesselnden Charakteren macht und ein Teil davon entsteht definitiv durch die Dialoge.

Bei der Handlung habe ich mich diesmal auf die kleinen Details konzentriert, die weitaus mehr Bedeutung haben, als es zunächst den Anschein hat. Leigh Bardugo setzt Foreshadowing großartig ein, was es so zufriedenstellend macht, das Buch noch mal zu lesen und dabei etwas zu entdecken, das mir bisher nicht auffiel. Davon abgesehen ist das Pacing sehr angenehm und ließ mich geradezu durch die Seiten fliegen.

Insgesamt bin ich immer noch begeistert und beeindruckt davon, wie Leigh Bardugo eine so fantastische Welt erschaffen hat! Die Krähen-Dilogie gehört immer noch zu meinen absolut liebsten Fantasybüchern und speziell diese Collector's Edition war ein wunderbarer Weg, sie wieder zu erleben!

Wild Reverence
751 Seiten

Matilda wird als Heroldin der Götter geboren, doch bevor sie ihre Magie entdeckt, liebt sie es vor allem, die Träume anzuschauen, die ihre beste Freundin Alva ihr vorbeibringt. Vor allem ein Träumender hat es ihr angetan: Vincent, der jede Nacht vom Ertrinken träumt, und schließlich davon, dass Matilda ihn rettet. Nach ihrem ersten wichtigen Auftrag als Heroldin zwingt ein Schicksalsschlag sie dazu, unterzutauchen. Mehrere Jahre später bekommt sie einen weiteren Auftrag als Heroldin – und diesmal betrifft er den inzwischen erwachsenen Vincent, dessen Tod Matilda verhindern muss. Sie schlägt ihm vor, seine Gemahlin zu spielen, um seinen menschlichen Gegner einzuschüchtern – doch hat sie dabei nicht an die Pläne der anderen Götter gedacht …

Ich liebe Rebecca Ross‘ Schreibstil, der auch in diesem Band wunderschön ist, aber in diesem Fall leider nur einer von wenigen Stärken. Die Handlung ist in fünf Teile geteilt, wobei vor allem der erste und der letzte Teil großartig sind, der zweite und vierte Teil immer noch gut, und der mittlere leider besonders langatmig – was etwas ist, was sich letztendlich über den ganzen Roman zieht. Bis die eigentliche Handlung beginnt, die in meiner und der offiziellen Kurzbeschreibung erwähnt wird, vergehen zweihundertfünfzig Seiten, die sich zwar sehr gut lasen, aber immer noch zweihundertfünfzig Seiten waren, in denen wir nur wenig von Matilda und Vincent mitbekamen.

Zudem setzte sich das in den anderen Teilen fort. Die beiden haben zwar eine gute Chemie, verbringen aber nur wenige Szenen miteinander, was es schwer gemacht hat, mit ihrer Liebesbeziehung mitzufiebern. Matilda hat sehr viel mehr Szenen mit anderen Göttern, speziell Bade (ihrer Vaterfigur) und Warin (ihrem Feind). Bade war dabei mühelos mein Lieblingscharakter – nicht nur hat er seine eigene Nebengeschichte, sie sehr einnehmend war, auch er als Charakter war ausgesprochen sympathisch. Tatsächlich fand ich seine Beziehung zu Matilda faszinierender als deren Liebesbeziehung zu Vincent!

Auch Warin, Matildas Feind, hat eine gute Chemie mit ihr – keine romantische, aber eine sehr faszinierende, die ein anderer Roman sicher zu einer romantischen gemacht hätte (wobei ich sehr dankbar war, dass Matilda keinerlei Gefühle für ihn hegte und das auch deutlich machte). Sogar andere kleine Nebengeschichten, wie die Nathaniels, Vincents jüngerem Bruder, waren überraschend fesselnd, obwohl sie nur einen sehr kleinen Teil der Handlung einnahmen. Aber gerade, weil mir die Nebengeschichten so sehr gefielen, während die Hauptgeschichte mich nicht ganz überzeugen konnte, bin ich so hin- und hergerissen, was die Beurteilung der Handlung eingeht.

Ähnlich sieht es auch mit Matildas Aufgaben als Heroldin aus, die allesamt spannend geschrieben waren (mir gefielen vor allem die allererste mit Adria, die zentrale mit Vincent und die emotionale mit Nathaniel), von denen es aber insgesamt zu wenige gab. Ich war so fasziniert davon, auf welche Weise Matilda ihre Aufgaben durchführen würde und welche Opfer dabei von ihr verlangt würden … aber letztendlich bleibt die Anzahl ihrer Aufgaben recht übersichtlich.

Insgesamt zieht sich das Buch ein wenig zu sehr in die Länge. Es hat ein paar großartige Nebengeschichten, die mich durch den Roman trugen, aber Matildas und Vincents Liebesgeschichte war leider um einiges schwächer, als ich es mir gewünscht hätte.

Weihnachten mit Familie Winz
160 Seiten

Merkwürdige Dinge gehen in Maras Wohnung vor. Am ersten Dezember findet sie ihre Socke, die zu einem Ball zusammengeknüllt ist, und ein Kreidekreuz unter ihrem Bett, sowie fehlende Schokolade im Adventskalender. Was geht da nur vor sich? Zusammen mit ihrem Bruder Flo, ihrer Freundin Aylin und dem frisch eingezogenen Helgi versuchen die Kinder, herauszufinden, wer in der Wohnung Chaos veranstaltet. Und stellen bald fest: In ihrer Wohnung wohnt noch eine Familie, die alle so groß sind wie ein Daumen!

„Weihnachten mit Familie Winz“ war die erste Adventskalendergeschichte, die ich tatsächlich entsprechend den einzelnen Tagen gelesen habe, allerdings ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Geschichte eindeutig fürs Vorlesen geschrieben worden ist. Und das noch nicht einmal aufgrund der Handlung, die mir sehr gefallen hat, sondern aufgrund der kurzen Kapitel, die fast immer sehr abrupt enden, als wäre mitten im Kapitel ein Cut gemacht worden und nicht an der Stelle, an der er eigentlich geeignet gewesen wäre. Das ist für mich tatsächlich ein wichtiger Kritikpunkt: Obwohl es sich um eine Adventskalendergeschichte handelt, hatte ich das Gefühl, ich hätte mehr Spaß gehabt, wenn es einfach eine normale Vorlesegeschichte gewesen wäre.

Denn wie gesagt ist die eigentliche Handlung mit Mara, die zusammen mit ihren Freunden auf Lina und die anderen Winzens trifft, sehr süß aufgemacht und mir gefiel es vor allem, wie hier sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf wunderbare Weise hervorgehoben wurden, während die Kinder gleichzeitig mit Problemen konfrontiert waren, die sich nicht immer leicht lösen ließen. Letztendlich geht die Geschichte natürlich für alle gut aus, aber ich mochte es sehr, dass realistische Hindernisse und einfühlsame Gedankengänge stark hervorgehoben wurden.

Nur das Format wollte nicht so wirklich zu der Geschichte passen. Zugegeben kann ich das nicht vollkommen beurteilen, weil ich die Geschichte für mich selbst gelesen habe, aber es hat mich dennoch verwirrt, wie abrupt fast alle Kapitel endeten. Die Länge selbst war nicht störend, auch wenn sie für leicht ältere Kinder zu schnell vorbei sein könnte, aber die scheinbar willkürlich gesetzten Kapitelenden waren dann doch seltsam. Fast bin ich gewillt, die Geschichte noch mal als Ganzes zu lesen, weil ich das Gefühl habe, dass sie als solche ihre Stärken noch viel besser zeigen könnte!

Insgesamt also eine süße Vorlesegeschichte, die ich persönlich als Ganzes lesen würde :)