Finde den Mörder
400 Seiten

Harry Kennedy wurde tot aufgefunden. Der Geschäftsmann ist vom Balkon gefallen, erstochen mit einer Gartengabel und mit einer Rose im Mund. Detective Chief Inspector und Sergeant McAdam werden gerufen, um den Fall zu lösen, Verdächtige zu befragen und Beweise zu sammeln. Dabei gibt es verschiedene Pfade, die sie einschlagen können, doch nicht alle führen zur Auflösung …

Ich liebe Entscheidungsgeschichten schon seit meiner Kindheit und Jugend, weshalb ich mich immer darüber freue, wieder eine zu entdecken. Diese hier ist besonders ausführlich und hätte ebenso gut als Roman geschrieben werden können, doch bin ich froh, dass er das Entscheidungselement hatte, das ihn hervorstechen ließ. Ich selbst habe mich dabei ganz okay angestellt, habe mich allerdings von einigen falschen Fährten verführen lassen und mich bei der finalen Mörderentscheidung gleich mehrmals geirrt.

Danach habe ich die Geschichte natürlich analysiert, um herauszufinden, wie viele Pfade es letztendlich gab und war insgesamt zufrieden; natürlich liest man immer noch den Großteil der Geschichte, aber die Art und Weise, wie verschiedene Beweise für verschiedene Verdächtige gesammelt werden, hat mir sehr gefallen. (Großes Lob für das Easter Egg in Absatz 111, ich musste schmunzeln!)

Es war für mich wirklich unklar, wer denn der Schuldige sein könnte und tatsächlich hoffte ich bald, dass er von meinen gesammelten Beweisen abhängen würde. Denn nach der Mörderentscheidung wird man gefragt, welche Beweise man gesammelt hat, doch diese spielen letztendlich keine Rolle, weil es tatsächlich nur einen Mörder gibt und alle anderen Pfade zum falschen Ende führen. Hier hätte es mir sehr gefallen, hätte die Kombination aus gesammelten Beweisen und der Schuldzuschreibung zu verschiedenen möglichen Mördern geführt.

Auch ist der Rätselkrimi zu lang, um ihn für zwischendurch zu lesen. Andere Entscheidungsgeschichten las ich immer und immer wieder, doch hier bin ich mit einem Lesedurchgang und meiner Analyse recht zufrieden, auch wenn ich natürlich immer noch neugierig bin, wie viele andere Beweise ich mir hätte verschaffen können. Letztendlich ist das Lesen aber gerade für Fans von Entscheidungsgeschichten sehr empfehlenswert – aber auch für Fans klassischer Krimis!

Einatmen. Ausatmen.
256 Seiten

Marlene soll die nächste CEO ihrer Firma werden, doch davor muss sie ein Achtsamkeitsseminar hinter sich bringen, weil es ihr an empathischen Fähigkeiten mangelt. Die Achtsamkeitsanstalt wird von Alex geführt, der gerade eine schwierige Zeit in seinem Leben durchmacht, mit Marlene aber eine Gelegenheit bekommt, sein Unternehmen zu retten: Gelingt es ihm, ihr zu helfen, bekommt sein Unternehmen die Förderung, die es so dringend braucht. Marlene derweil hat keine Lust auf all diesen Unsinn, doch als sie eines Tages im Wald verloren geht und mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird, ändert sich ihre Sichtweise dramatisch …

Schon am Anfang weiß man, worauf man sich einlässt und es ist trotz ein, zwei überraschender Entwicklungen klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Wir folgen sowohl Marlene als auch Alex und wie sie mit ihrem jeweiligen Trauma umgehen, sich dabei viele psychologisch-philosophische Fragen stellen und ihren eigenen Weg zu finden versuchen. Wohin genau dieser geht, ist wie gesagt relativ klar – doch die Umsetzung und der Mangel einer Romanze hat die Geschichte trotzdem erfrischend gemacht.

Ich konnte mich überraschend gut in die kritische Marlene hineinversetzen, obwohl ich definitiv nicht mit ihren Sichtweisen übereinstimmte. Ihre Freundschaft zu Alex und vor allem die zu Mattissen, dem Hausmeister, haben mir sehr gefallen und ich fand es vor allem gut, dass hier eine vorhersehbare Romanze vermieden wurde. Allgemein ist ihre Entwicklung sehr zufriedenstellend zu verfolgen, selbst wenn man schon vorher weiß, wohin sie geht.

An Alex musste ich mich erst gewöhnen, weil ich mich nicht gut in seine anfänglichen Probleme hineinversetzen konnte (in seinem Fall eine romantische Beziehung zu einer Teilnehmerin), doch sobald die dreizehnjährige Connie die Bühne betritt, beginnt eine einnehmende Vater-/Tochter-Beziehung zwischen ihnen. Auf diese Weise wird Alex zudem mit anderen Problemen konfrontiert, derer er sich gar nicht bewusst war und die ihm dabei halfen, seine eigenen zu überwinden.

Marlene und Alex haben erstaunlich wenig Szenen miteinander, weil ihre eigenen Handlungsstränge sie stark beschäftigen, aber ich mochte ihre Chemie nichtsdestotrotz.

Am faszinierendsten war wohl, dass die Geschichte eigentlich nichts Besonderes und teils vorhersehbar ist, mich aber trotzdem gut unterhielt, weil sie schlicht schön zu lesen war. Meine einzige – durchaus wichtige – Kritik besteht daraus, dass an manchen Stellen nicht klar wird, ob die Charaktere (und, damit verbunden, der Autor) nun positiv oder negativ gegenüber LGBTQ+-Menschen eingestellt sind. Es gibt nämlich ab und an gewisse Kommentare bezüglich Minderheitsgruppen, die sich sehr kritisch lasen und einen bitteren Geschmack in meinem Mund hinterließen. Letztendlich waren es noch nicht einmal so viele Stellen, vielleicht zwei oder drei, aber sie fielen mir trotzdem negativ auf, weil die Charaktere nicht so akzeptierend wirken, wie ich es mir gewünscht hätte.

Nichtsdestotrotz ist das hier ein schönes, ruhiges Buch und gut für zwischendurch geeignet!

This Story Might Save Your Life. Ist er ihr bester Freund? Oder ihr Mörder?
448 Seiten

Joy und Benny haben einen Podcast, in dem sie auf humorvolle Weise Überlebensstrategien für verschiedene Situationen diskutieren. Als Joy und ihr Ehemann Xander spurlos verschwinden, ist Benny fest entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen ist – und stellt fest, dass Joy so einige Geheimnisse vor ihm hatte, die sie nur in ihrem Buch verschriftlichte. Benny findet heraus, dass sie sich von Xander scheiden lassen wollte – was ihr Verschwinden in ein ganz anderes Licht rückt …

Zunächst einmal: Die Tagline dieses Romans ist vollkommen falsch. So falsch sogar, dass es so wirkt, als hätte irgendjemand aus Versehen die Tagline eines anderen Romans benutzt, denn die Geschichte, die sie suggeriert, wird man hier nicht finden. Tatsächlich fühlt sich selbst die Genrebezeichnung „Thriller“ für mich nicht ganz richtig an, weil das Buch für mich eher wie ein spannender Roman mit Thrillerelementen wirkte, der auf noch viel mehr Themen eingeht.

Gerade Joys Lebensweg, den sie in ihrem Buch beschreibt, spielt eine wichtige Rolle und ist der Teil der Handlung, der sich am ehesten wie ein dramatischer Roman und nicht wie ein Thriller liest. Bennys Story hat da schon mehr Thrillerelemente, aber trotzdem würde ich behaupten, dass das Hauptthema des Romans letztendlich die Beziehung der beiden ist. Die beiden haben wirklich eine hervorragende Chemie miteinander, ich liebte ihre Dynamik sehr und es war leicht, mit ihnen mitzufiebern. Hier war gerade die erste Hälfte der Handlung packend, weil so viele vergangene Szenen die beiden in den Fokus stellen.

Auch Xander, Joys Ehemann, spielt eine wichtige Rolle, war im Gegensatz zu Benny allerdings furchtbar und wurde im Lauf der Handlung nur unausstehlicher. Ernsthaft: Immer, wenn ich glaubte, dass er nicht mehr schlimmer werden könnte, bewies er ein weiteres Mal, dass er eine wirklich scheußliche Person ist. Aber gerade deshalb war es natürlich zufriedenstellend, zu sehen, wie all seine Lügen nach und nach ans Licht kamen.

Insgesamt würde ich diesen Roman nicht unbedingt Thrillerfans empfehlen, sondern auch Fans von Freundschaften, Romanzen, Drama, Humor, Mystery … also so ziemlich allen Genres. Mit anderen Worten: Wenn man einen großartigen Genremix lesen will, ist dieses Buch hervorragend dafür geeignet!

Die Insel meiner Schwester
304 Seiten

Schon seit Jahren hatte Mirjam mit ihrer Halbschwester Nia keinen Kontakt mehr, doch als sie überraschend zu deren vierzigsten Geburtstag eingeladen wird, nimmt sie an. Inzwischen wohnt ihre Schwester auf der Insel, auf der sie zum ersten Mal indirekt Kontakt aufnahmen – zusammen mit Konrad, ihrem missbräuchlichen Ehemann. Mirjam wollte schon immer, dass Nia sich endlich aus dieser Beziehung befreit, obwohl sie natürlich weiß, dass das nicht so einfach ist. Aber dann kommt sie auf der Insel ihrer Schwester an – und dort im Badezimmer liegt Konrad, während Nia angespannt den Besuch früherer Freunde erwartet …

Dieser Roman erzählt eine klassische Geschichte, die man sicher schon in anderen Büchern gelesen hat, weshalb es mir schwer fällt, sie akkurat zu bewerten. Denn insgesamt setzte sie viele Aspekte sehr gut um – aber dadurch, dass die Handlung selbst so klassisch war und wenig am bekannten Schema änderte, empfand ich sie nicht als Highlight.

Aber fangen wir mit den positiven Punkten an: Ich mochte die schwesterliche Beziehung zwischen Mirjam und Nia sehr gerne, sowie die Art und Weise, wie ihre Vergangenheit beschrieben wurde. Es war leicht, mit ihnen mitzufiebern, weil wir tatsächlich ihre ganze Entwicklung erleben und noch dazu auch wichtige Momente ihrer Vergangenheit. Gerade bei Nia empfand ich großes Mitgefühl, weil ich mich zwar glücklicherweise nie in ihrer Situation befunden habe, es aber trotzdem leicht war, sich in sie hineinzuversetzen. Sie war einfach so packend und einfühlsam geschrieben, sodass ich die ganzen vergangenen Momente insgesamt sogar ein wenig mehr mochte als die Gegenwart.

Natürlich hat die Gegenwart ihren eigenen Weg, Spannung aufzubauen: Dadurch, dass Mirjam und Nia sich Mühe geben müssen, sich ihren Gästen gegenüber nichts anmerken zu lassen, entstand über den Großteil des Romans hinweg eine unterschwellige Spannung, wie eine Bombe unterm Tisch, die jederzeit hochgehen kann. Die Spannung erhöhte sich zudem im Lauf der Handlung, sodass ich umso mehr mitgefiebert habe.

Das einzige Problem dabei ist leider auch das größte: Es ist recht offensichtlich, in welche Richtung sich die gegenwärtige Handlung entwickeln wird. Ja, es gibt durchaus ein, zwei Überraschungen, die zur Spannung beitragen, aber die Handlung selbst ist relativ vorhersehbar. Hier hätte ich mir noch mehr Überraschungen und Twists gewünscht, weil im Grunde von Anfang an klar ist, wie die Geschichte enden muss, um zu einem zufriedenstellenden Ende zu kommen.

Doch wem das nichts ausmacht und wer dafür die anderen Stärken des Romans zu schätzen weiß, findet hier eine wunderbare Schwesterngeschichte!

& Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
256 Seiten

Mortimer ist ein Kater, der auf einen kleinen Bücherschrank aufpasst. Eines Tages kommt der Schüler Evan vorbei und nimmt sich spontan die beiden schmalsten Bücher. Zu seiner Verwunderung stellt er fest, dass fast alle Bücher des Bücherwagens offizielle Bücher aus der damals niedergebrannten Stadtbibliothek sind, die alle am selben Tag zurückgegeben wurden. Mehrere Bücher wurden damals von Evans Vater ausgeliehen, eines sogar vom berühmten Autor H. G. Higgins, in dem ein mysteriöses Polaroid-Foto steckt. Was hat es damit auf sich? Was geschah damals in der Bibliothek? Und was hat der Kater Mortimer mit all dem zu tun? Zusammen mit seinem besten Freund Rafi macht sich Evan an die Detektivarbeit …

Dieser wunderschöne Kinderroman ist unglaublich angenehm zu lesen und erzählt eine relativ schlichte, aber dafür sehr einnehmende Geschichte. Verschiedene Sichtweisen puzzeln ein Mysterium zusammen, das mir als Erwachsene zwar teilweise klar war, aber definitiv nicht ganz: Es gab ein, zwei Überraschungen, die ich nicht kommen gesehen habe und die mir deshalb umso mehr gefielen. Tatsächlich wünschte ich mir, dass auch der Haupttwist der Handlung – Mortimers Geheimnis – etwas weniger offensichtlich gewesen wäre, denn schließlich haben die beiden Autorinnen bereits hervorragend gezeigt, dass sie gute, unvorhersehbare und gleichzeitig logische Twists schreiben können!

Aber um ehrlich zu sein, ist das letztendlich eine kleine Kritik, denn die eigentliche Handlung hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir die teils offensichtlichen Zusammenhänge nichts ausmachten. Gerade der Mystery-Aspekt war unglaublich gut gelungen, denn ich habe mich durchaus gefragt, wie die verschiedenen Handlungselemente miteinander verwoben sind und auf welche Weise sie aufeinandertreffen würden. So gibt es zum Beispiel auch einen wichtigen Handlungsstrang mit tatsächlichen Geistern, der ebenfalls eine Rolle spielt und für mich lange ein Mysterium war. Allgemein gibt es viele Details, die noch für später relevant und nicht immer offensichtlich sind.

Gleichzeitig ist das Buch nicht nur eine Detektivgeschichte, sondern auch eine emotionale, die speziell das Thema der Schuld in den Vordergrund rückt. Zwar habe ich die Mystery-Elemente am meisten genossen, mochte aber auch die Szenen, in denen wir den Charakteren bei alltäglicheren Geschehnissen folgten.

Ich glaube, das einzige, was mich verwunderte, war, dass das Leben von Evans bestem Freund Rafi gar nicht richtig kommentiert wird. Seine Eltern haben unzählige Regeln für ihn, die das, was er tun darf, stark einschränken, ohne, dass die Geschichte das beurteilt (weder positiv noch negativ). Evan und Rafi machen zwar ein paar Kommentare diesbezüglich, aber alle anderen Charaktere scheinen das Verhalten der Eltern komplett normal zu finden, ohne dass ich mir erklären konnte, ob das zum Humor der Geschichte gehört (was wahrscheinlich ist) oder eine Logiklücke ist (was ich nicht für wahrscheinlich halte, mir aber so vorkam). Ist eigentlich ein verhältnismäßig unwichtiger Teil der Handlung, aber einer, der mir aufgefallen ist.

Doch zusammengefasst haben wir trotz der kleinen Kritikpunkte eine absolut wunderbare Geschichte, die sich gerade für Mystery- und Spannungsfans sehr gut eignet – und nicht nur für Kinder ist!

Das Gold der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Seit Inejs Entführung versuchen die Krähen alles, um sie aus den Klauen Van Ecks zu befreien, einschließlich Inej selbst. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem – Kaz will sich immer noch an Pekka Rollins rächen, Jesper möchte seinen Vater beschützen und Wylan seinen aufhalten, Nina muss ihre Sucht überwinden und Matthias will ihr dabei helfen, und Inej sehnt sich nach der Erfüllung ihres größten Traums. Und am Ende hängt es von ihnen allen ab, ob sie alle am Ende in Freiheit leben können …

Auch der zweite Teil der Krähen ist eine großartige Lektüre, die ihren Fokus vor allem auf die einzelnen Charakterbeziehungen legt, aber auch auf ihre individuellen Ziele, die sich seit dem ersten Band verändert und entwickelt haben. Es war so zufriedenstellend, nicht nur Kaz‘ Planung zu erleben, sondern auch, wie er und die anderen ein engeres Band zueinander knüpften. Sowohl den Romanzen als auch den Freundschaften wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die Handlung immer noch vorankommt, was eine großartige Kombination war. Obwohl ich die eigentliche Handlung als leicht schwächer empfunden habe als die des ersten Bandes, macht sie es durch die Charakterentwicklungen wieder wett!

Was mir außerdem sehr positiv aufgefallen ist, waren die kurzen Rückblicke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit verschiedener Charaktere gegeben haben. Diese Rückblicke gab es zwar schon im ersten Band, doch waren diese dort quasi eigene Nebenhandlungen, die viel Raum einnahmen, während wir hier im zweiten Band mehrere kürzere Rückblicke bekamen. Bis auf Wylan (dessen Vergangenheit locker als wichtige Nebenhandlung gelten kann) zeigen uns alle Charaktere kleinere Momente, die sie geprägt haben und diese waren überraschend effektiv. So sehr ich auch im ersten Band mit den größeren Flashbacks mitfieberte: Ich fand es unglaublich bereichernd, viele kleinere Augenblicke mitzuerleben, die die Charaktere zusätzlich vermenschlichten.

Interessanterweise hatte ich viele Dinge nicht mehr richtig in Erinnerung, zum Beispiel die Reihenfolge und den Abstand wichtiger Ereignisse, sowie viele Charakterinformationen und andere Details. Das hat es umso interessanter gemacht, sich beim Lesen wieder alles in Erinnerung zu rufen, während die bekannten Szenen noch mehr Spaß machten als zuvor. Das Finale muss ich dabei extra erwähnen; ich liebe es, wie es jedem Charakter ein passendes Ende gab und mich gleichzeitig an mehr als einer Stelle zu Tränen rührte. Leigh Bardugo hat mit dieser Dilogie wahrlich ein Meisterwerk geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich es noch einige Male lesen werde!

Das Lied der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Sechs Außenseiter auf einer scheinbar unmöglichen Mission: Kaz, der Ränkeschmied; Inej, das Phantom; Nina, die Entherzerin; Matthias, der Hexenjäger; Jesper, der Glücksspieler; und Wylan, der Demo-Experte. Alle mit ihren eigenen Zielen, ihren eigenen Plänen und ihren eigenen Geheimnissen. Denn die größte Schwierigkeit ist nicht die Heist selbst, sondern ihre komplexen Beziehungen zueinander ...

Ich hatte mal wieder Lust, einen phänomenalen Roman zu lesen und was eignet sich da besser als einer, von dem man bereits weiß, dass er einer ist? Beziehungsweise: Eine neue Edition, die nicht nur Charakterporträts beinhaltet, sondern auch die aktuelle deutsche Übersetzung, die in meiner alten Variante noch von "Grischa" spricht und die ich hier zum ersten Mal als "Grisha" lesen durfte. Ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber dennoch erfrischend! Denn so ikonisch das englische Original ist, bevorzuge ich gerade bei Fantasy eine gute deutsche Übersetzung, die wir hier geliefert bekamen.

Die Handlung und die Charaktere sind so einnehmend wie zuvor, wobei mir in diesem Reread vor allem die Dialoge positiv aufgefallen sind – sie sind pointiert, humorvoll und hauchen den Charakteren (und deren Beziehungen zueinander) Leben ein. Ich habe mich oft gefragt, was die Krähen zu so fesselnden Charakteren macht und ein Teil davon entsteht definitiv durch die Dialoge.

Bei der Handlung habe ich mich diesmal auf die kleinen Details konzentriert, die weitaus mehr Bedeutung haben, als es zunächst den Anschein hat. Leigh Bardugo setzt Foreshadowing großartig ein, was es so zufriedenstellend macht, das Buch noch mal zu lesen und dabei etwas zu entdecken, das mir bisher nicht auffiel. Davon abgesehen ist das Pacing sehr angenehm und ließ mich geradezu durch die Seiten fliegen.

Insgesamt bin ich immer noch begeistert und beeindruckt davon, wie Leigh Bardugo eine so fantastische Welt erschaffen hat! Die Krähen-Dilogie gehört immer noch zu meinen absolut liebsten Fantasybüchern und speziell diese Collector's Edition war ein wunderbarer Weg, sie wieder zu erleben!

Wild Reverence
751 Seiten

Matilda wird als Heroldin der Götter geboren, doch bevor sie ihre Magie entdeckt, liebt sie es vor allem, die Träume anzuschauen, die ihre beste Freundin Alva ihr vorbeibringt. Vor allem ein Träumender hat es ihr angetan: Vincent, der jede Nacht vom Ertrinken träumt, und schließlich davon, dass Matilda ihn rettet. Nach ihrem ersten wichtigen Auftrag als Heroldin zwingt ein Schicksalsschlag sie dazu, unterzutauchen. Mehrere Jahre später bekommt sie einen weiteren Auftrag als Heroldin – und diesmal betrifft er den inzwischen erwachsenen Vincent, dessen Tod Matilda verhindern muss. Sie schlägt ihm vor, seine Gemahlin zu spielen, um seinen menschlichen Gegner einzuschüchtern – doch hat sie dabei nicht an die Pläne der anderen Götter gedacht …

Ich liebe Rebecca Ross‘ Schreibstil, der auch in diesem Band wunderschön ist, aber in diesem Fall leider nur einer von wenigen Stärken. Die Handlung ist in fünf Teile geteilt, wobei vor allem der erste und der letzte Teil großartig sind, der zweite und vierte Teil immer noch gut, und der mittlere leider besonders langatmig – was etwas ist, was sich letztendlich über den ganzen Roman zieht. Bis die eigentliche Handlung beginnt, die in meiner und der offiziellen Kurzbeschreibung erwähnt wird, vergehen zweihundertfünfzig Seiten, die sich zwar sehr gut lasen, aber immer noch zweihundertfünfzig Seiten waren, in denen wir nur wenig von Matilda und Vincent mitbekamen.

Zudem setzte sich das in den anderen Teilen fort. Die beiden haben zwar eine gute Chemie, verbringen aber nur wenige Szenen miteinander, was es schwer gemacht hat, mit ihrer Liebesbeziehung mitzufiebern. Matilda hat sehr viel mehr Szenen mit anderen Göttern, speziell Bade (ihrer Vaterfigur) und Warin (ihrem Feind). Bade war dabei mühelos mein Lieblingscharakter – nicht nur hat er seine eigene Nebengeschichte, sie sehr einnehmend war, auch er als Charakter war ausgesprochen sympathisch. Tatsächlich fand ich seine Beziehung zu Matilda faszinierender als deren Liebesbeziehung zu Vincent!

Auch Warin, Matildas Feind, hat eine gute Chemie mit ihr – keine romantische, aber eine sehr faszinierende, die ein anderer Roman sicher zu einer romantischen gemacht hätte (wobei ich sehr dankbar war, dass Matilda keinerlei Gefühle für ihn hegte und das auch deutlich machte). Sogar andere kleine Nebengeschichten, wie die Nathaniels, Vincents jüngerem Bruder, waren überraschend fesselnd, obwohl sie nur einen sehr kleinen Teil der Handlung einnahmen. Aber gerade, weil mir die Nebengeschichten so sehr gefielen, während die Hauptgeschichte mich nicht ganz überzeugen konnte, bin ich so hin- und hergerissen, was die Beurteilung der Handlung eingeht.

Ähnlich sieht es auch mit Matildas Aufgaben als Heroldin aus, die allesamt spannend geschrieben waren (mir gefielen vor allem die allererste mit Adria, die zentrale mit Vincent und die emotionale mit Nathaniel), von denen es aber insgesamt zu wenige gab. Ich war so fasziniert davon, auf welche Weise Matilda ihre Aufgaben durchführen würde und welche Opfer dabei von ihr verlangt würden … aber letztendlich bleibt die Anzahl ihrer Aufgaben recht übersichtlich.

Insgesamt zieht sich das Buch ein wenig zu sehr in die Länge. Es hat ein paar großartige Nebengeschichten, die mich durch den Roman trugen, aber Matildas und Vincents Liebesgeschichte war leider um einiges schwächer, als ich es mir gewünscht hätte.

Weihnachten mit Familie Winz
160 Seiten

Merkwürdige Dinge gehen in Maras Wohnung vor. Am ersten Dezember findet sie ihre Socke, die zu einem Ball zusammengeknüllt ist, und ein Kreidekreuz unter ihrem Bett, sowie fehlende Schokolade im Adventskalender. Was geht da nur vor sich? Zusammen mit ihrem Bruder Flo, ihrer Freundin Aylin und dem frisch eingezogenen Helgi versuchen die Kinder, herauszufinden, wer in der Wohnung Chaos veranstaltet. Und stellen bald fest: In ihrer Wohnung wohnt noch eine Familie, die alle so groß sind wie ein Daumen!

„Weihnachten mit Familie Winz“ war die erste Adventskalendergeschichte, die ich tatsächlich entsprechend den einzelnen Tagen gelesen habe, allerdings ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Geschichte eindeutig fürs Vorlesen geschrieben worden ist. Und das noch nicht einmal aufgrund der Handlung, die mir sehr gefallen hat, sondern aufgrund der kurzen Kapitel, die fast immer sehr abrupt enden, als wäre mitten im Kapitel ein Cut gemacht worden und nicht an der Stelle, an der er eigentlich geeignet gewesen wäre. Das ist für mich tatsächlich ein wichtiger Kritikpunkt: Obwohl es sich um eine Adventskalendergeschichte handelt, hatte ich das Gefühl, ich hätte mehr Spaß gehabt, wenn es einfach eine normale Vorlesegeschichte gewesen wäre.

Denn wie gesagt ist die eigentliche Handlung mit Mara, die zusammen mit ihren Freunden auf Lina und die anderen Winzens trifft, sehr süß aufgemacht und mir gefiel es vor allem, wie hier sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf wunderbare Weise hervorgehoben wurden, während die Kinder gleichzeitig mit Problemen konfrontiert waren, die sich nicht immer leicht lösen ließen. Letztendlich geht die Geschichte natürlich für alle gut aus, aber ich mochte es sehr, dass realistische Hindernisse und einfühlsame Gedankengänge stark hervorgehoben wurden.

Nur das Format wollte nicht so wirklich zu der Geschichte passen. Zugegeben kann ich das nicht vollkommen beurteilen, weil ich die Geschichte für mich selbst gelesen habe, aber es hat mich dennoch verwirrt, wie abrupt fast alle Kapitel endeten. Die Länge selbst war nicht störend, auch wenn sie für leicht ältere Kinder zu schnell vorbei sein könnte, aber die scheinbar willkürlich gesetzten Kapitelenden waren dann doch seltsam. Fast bin ich gewillt, die Geschichte noch mal als Ganzes zu lesen, weil ich das Gefühl habe, dass sie als solche ihre Stärken noch viel besser zeigen könnte!

Insgesamt also eine süße Vorlesegeschichte, die ich persönlich als Ganzes lesen würde :)

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
384 Seiten

Als Jugendliche hat die Hexe Sera Swan ihre Großtante wiederbelebt und dabei fast ihre gesamte Magie verloren. Jetzt, fünfzehn Jahre später, leitet sie eine Pension, in die sich nur die Gäste verirren, die sie auch wirklich brauchen. Zusammen mit ihrer Großtante Jasmine, der in einen Fuchs verwandelte Hexe Clemmie, ihrem jungen Cousin Theo, der meist vernünftigen älteren Hexe Matila, dem enthusiastischen Ritter Nicholas und einem wiederbelebten Hahnskelett bildet sie eine ungewöhnliche, aber charmante Familie. Als diese einen Weg gefunden zu haben scheint, ihre verlorene Magie wieder zurückzuholen, kommt es ihnen gerade recht, dass der Magier Luke mit seiner kleinen Schwester Posy zur Pension geführt wird, da er ihnen bei der Suche nach den ungewöhnlichen Zutaten helfen kann. Und so beginnt ein witziges Abenteuer, bei dem Sera nicht nur ihre Magie sucht, sondern auch den Wert einer Familie findet …

Ich werde immer mehr ein Fan von Cozy Fantasy, da sie mich an die klassischen Fantasyabenteuer aus meiner Kindheit und Jugend erinnert, aber auch allgemein einfach schön zu lesen ist. Besonders der Found-Family-Trope, der zu meinen Lieblingen gehört, wird in diesem Roman hervorragend umgesetzt – am Anfang kam ich noch durcheinander mit den verschiedenen Charakteren, aber nach und nach konnte ich sie nicht nur problemlos voneinander unterscheiden, sondern gewann sie auch unglaublich lieb. Die Charaktere selbst sind dabei nicht allzu komplex, aber dafür umso charmanter.

Gerade die Chemie zwischen ihnen ist einfach großartig: Clemmie, die Theo gerne zu Untaten überredet und selbst welche ausführt; Theo, der sich mit Posy anfreundet und der einzige zu sein scheint, der sie wirklich versteht; Jasmine und Matilda, deren Romanze ein wenig plötzlich startet, sich aber wunderbar entwickelt; Nicholas, der mit seiner übertriebenen Ritterlichkeit der wohl witzigste Charakter ist; und natürlich Sera und Luke, deren Romanze mich besonders fesselte, weil sie sich in genau der richtigen Geschwindigkeit entwickelte und beiden Charakteren genug Szenen miteinander gab, um Gefühle füreinander zu entwickeln.

Der locker-witzige Schreibstil fängt die vielen lustigen Szenen perfekt ein, aber nicht nur diese: Es gibt auch einige ruhige und ernste Momente, in denen wir die Atmosphäre der Pension genießen können und die zu meinen persönlichen Highlights zählten. Die Balance zwischen dem Humor, den Charaktermomenten und den nachdenklichen Szenen war sehr gut, außer, dass die Spannung dann doch ein wenig zu kurz kommt; manchmal ist es ein wenig ZU ruhig, gerade, weil ich mit der Haupthandlung sehr mitfieberte und diese so einige Pausen bekam. Dafür wurde sie sehr zufriedenstellend gelöst: Während ich mir zwar für das endgültige Ende eine andere Lösung gewünscht hätte, waren die drei Zutaten und die Art und Weise, wie Sera sie findet, perfekt in die Handlung und die Charaktere integriert.

Ich glaube, das einzige, das mich dann doch manchmal irritierte, war die Mischung aus Magie und Moderne. Die Geschichte spielt nämlich in der modernen Gegenwart, mit Handys und Autos und TV-Serien, was nicht ganz zu einer magischen Pension passte und mich mehr als einmal kurz stutzen ließ. Ich vergaß immer wieder, dass die Geschichte in der Gegenwart spielt, weil es so leicht war, es zwischendurch zu vergessen, nur, um durch einen modernen Gegenstand wieder daran erinnert zu werden.

Insgesamt bietet der Roman aber ein schönes, gemütliches Leseerlebnis, das ich sehr genossen habe!

Die verlassene Tochter
359 Seiten

Rose hat kürzlich ihre Mutter verloren und ist noch in der Trauerphase, als sie einen Brief erhält, der sie darüber unterrichtet, dass sie die alleinige Erbin der kürzlich verstorbenen Valentina Santiago ist. Valentina wuchs damals auf der Poloranch ihres Vaters auf, der sie bereits darauf vorbereitete, eines Tages seinen Posten zu übernehmen. Doch eine tragische Liebe und unerwartete Schwierigkeiten erschweren ihr das Leben, das sie sich so lange gewünscht hat – und auch Rose muss herausfinden, welches Leben sie anstreben will …

Vor dem Lesen hatte ich durchaus Bedenken, weil die letzten zwei Bände der Töchter-Reihe dann doch sehr schematisch waren, wenn auch immer noch gut zu lesen. Glücklicherweise probiert dieser Band tatsächlich etwas Neues aus und hat dabei weiterhin einen sehr angenehmen Schreibstil, der für ein schönes Leseerlebnis sorgte!

Gerade in Valentinas Geschichte war ich aus mehreren Gründen sehr investiert. In der Gegenwart erfahren wir, dass sie sehr geliebt worden ist, aber in der Vergangenheit ist es zunächst nur ihr Vater, der sich für sie einsetzt. Sie verliebt sich in den Stallburschen Felipe, doch nach dem Tod ihres Vaters muss sie sich mehreren Schwierigkeiten stellen, weil ihre Mutter eigene Pläne für sie hat. Und dieser Teil der Handlung, den ich überhaupt nicht erwartet hatte und der Valentinas Leben um einiges dramatischer gemacht hat, war so unglaublich einnehmend und gut geschrieben, dass diese Geschichte allein gereicht hätte, um mich zu fesseln.

Denn im Vergleich war Roses Geschichte durchaus schwächer: Ihre Romanze mit Benjamin las sich nicht so natürlich wie Valentinas Romanze mit Felipe, sondern eher wie ein Sommerflirt, der ganz schön schnell ganz schön ernst wurde. Hier habe ich Roses Freundschaft mit Jessica schon realistischer gefunden; diese war wirklich eine großartige Freundin und war in der Gegenwart mein Lieblingscharakter.

Valentinas Romanze mit Felipe hat schlicht den Vorteil, sich über mehrere Jahre und Hindernisse aufzubauen, sodass es leicht für mich war, mit ihnen mitzufiebern. Sie kommt jedoch mit einer Kritik, von der ich sehr überrascht war, dass sie in der Handlung selbst nicht aufgegriffen wurde: An einer wichtigen Stelle macht Felipe Valentina ein zeitlich unbegrenztes Versprechen – nur, um es weniger als ein Jahr danach zu brechen. Das hat mich stark irritiert, weil es so uncharakteristisch war und ich mir wenigstens gewünscht hätte, mehr Zeit wären zwischen dem Versprechen und dem Bruch vergangen. So, wie es geschrieben war, wirkte es wie ein künstlich erschaffenes Problem, auch wenn es zugegeben zu der einnehmenden Vergangenheit beigetragen hat.

Deshalb ist das eine für mich verzeihliche Kritik: Ja, mich hat das schnell gebrochene Versprechen gestört, aber dafür hat es die Handlung bereichert. Dass Valentina viel gewinnt, aber auch so unglaublich viel verliert, hat mich emotional so eingenommen, dass ich an zwei, drei Stellen sogar ein paar Tränen verdrücken musste. Gerade, weil ich nicht mit dem unerwarteten Drama rechnete, hat es mich so gefesselt. Mehr möchte ich hier natürlich nicht verraten, aber gerade im Vergleich zu den vorigen Bänden fand ich diesen hier wegen der emotionalen Aspekte besonders stark.

Ich glaube, meine einzige „richtige“ Kritik ist die Eindimensionalität von Valentinas Mutter. Anscheinend ist es allein das Geld, das sie dazu bringt, Valentina so abscheulich zu behandeln, nicht mehr und nicht weniger. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, weil mir ihre Mutter ein wenig ZU eindimensional erschien und die Geschichte meiner Meinung nach davon profitiert hätte, eine komplexere Beziehung zwischen den beiden einzubauen.

Insgesamt jedoch war ich ungewohnt begeistert von diesem Tochter-Band, weil er sich traute, Risiken einzugehen und deshalb sowohl schön als auch emotional zu lesen war!

Die Sonnenschwester : Roman
830 Seiten

Elektra ist gerade dabei, ihr Leben zu zerstören, als ihre leibliche Großmutter Stella Jackson Kontakt mit ihr aufnimmt. Elektra ignoriert sie zunächst und fällt immer mehr dem Alkohol- und Drogenrausch zum Opfer, doch schließlich realisiert sie, dass sie Hilfe braucht. Zudem erfährt sie die Geschichte von Cecily, die Ende der dreißiger Jahre nach Afrika zog und dort ein neues Zuhause fand, bevor unerwartete Ereignisse ihr Leben auf den Kopf stellten. Elektra ist zunächst verwirrt, wie ihre beiden Geschichten miteinander zusammenhängen, aber je mehr sie ihr eigenes Leben in den Griff bekommt, desto mehr inspiriert sie Cecilys Geschichte …

Am Anfang habe ich mich schwer getan, in Elektras Geschichte zu finden, was ich zugegeben bereits erwartet hatte. Sie ist so anders als ihre anderen Schwestern, dass ich mich am Anfang nicht richtig in sie hineinversetzen konnte und ihr ganzes Leben voller Alkohol, Drogen und Fotoshootings mir viel zu fern schien. Zudem war sie mir nicht besonders sympathisch, auch wenn ich die (zum Glück berechtigte) Hoffnung hatte, dass sie es noch wird.

Auch der Anfang der Vergangenheitskapitel mit Cecily war schwer, denn sie schien zunächst komplett irrelevant für Elektras Leben zu sein, die Ereignisse zu langwierig und allgemein nicht wichtig genug, um so viel Zeit einzunehmen, wie sie es tun. Hier habe ich mich sogar wie Elektra gefühlt, die Stella ungeduldig fragt, wo genau der Zusammenhang zu ihrem eigenen Leben besteht. Selbst im Nachhinein finde ich, dass etwas ZU viel Zeit für Ereignisse verwendet wurde, die kürzer hätten beschrieben werden können, aber glücklicherweise führen all diese Ereignisse zu einer großartigen Geschichte und Verbindung zwischen den Zeitlinien.

Denn spätestens, als Stella ins Spiel kommt und die Zusammenhänge immer offensichtlicher werden, wird klar, warum genau wir so viel Zeit mit Cecilys Anfängen in New York, ihrem kurzen Besuch in London und ihrem Leben in Kenia verbrachten. Plötzlich ergibt alles Sinn und es war so zufriedenstellend, zu sehen, wie Cecily sich als Charakter weiterentwickelte und wie genau all das mit Elektra zusammenhing. Während ich mich am Anfang noch ungeduldig fragte, wann wir endlich die (scheinbar unnötigen) Ereignisse hinter uns haben, um zu den „relevanten“ zu kommen, war ich am Ende dankbar, dass wir so viel Zeit mit Cecily bekamen, die sogar zu meinem Lieblingscharakter wurde. Ja, eventuell sind die Ereignisse vor Stellas Auftauchen immer noch etwas zu ausführlich beschrieben, aber die Art und Weise, wie sie schließlich relevant wurden und Cecily zu einem absolut fantastischen Charakter machten, hat das meiner Meinung nach wettgemacht.

Auch meine Gedanken zu dem, was ich glaubte, stattdessen lesen zu wollen, hat sich während des Lesens geändert. Denn während den anfänglichen Cecily-Kapiteln habe ich mich gefragt, warum wir stattdessen nicht mehr zum Leben von Elektras Mutter erfahren, weil sie nach dem Auftauchen von Elektras Großmutter wie eine übergroße Lücke erschien. Aber sobald Stella schließlich zusammenfasste, was damals geschah, war ich sogar dankbar, dass wir nur die Zusammenfassung lasen und nicht die aktive Vergangenheit von damals erlebten. Wie gesagt, Cecily wurde definitiv zum Highlight, das ich lange Zeit nicht zu schätzen wusste.

Doch nicht nur Cecilys Geschichte wuchs mir ans Herz: Noch früher schaffte Elektra es, mich für sie zu gewinnen. Ich war unglaublich investiert darin, ihre Heilung zu verfolgen, die sehr berührend geschrieben war und mit der ich von allen Handlungssträngen am meisten mitgefiebert habe. Nachdem Elektra so lange immer tiefer und tiefer sank, kamen mir regelrecht Tränen, als sie endlich für ein gesundes Leben kämpfte und etwas fand, wofür es ihr wert war. Ich traue mich nicht, zu bewerten, wie gut Lucinda Riley mit der Geschichte der Schwarzen Bevölkerung umgegangen ist, aber Elektras Heilungsprozess war hervorragend geschrieben und hat sie zu einem unglaublich einnehmenden Charakter gemacht. Tatsächlich fand ich für lange Zeit die gegenwärtige Geschichte interessanter als die vergangene, weil ich so gefesselt von Elektras Leben war.

Insgesamt also ein Roman, bei dem der Einstieg sehr mühselig ist, der dann aber zu einem weiteren hervorragenden Roman aus der Sieben-Schwestern-Reihe wird!

Die Reise der verlorenen Worte
298 Seiten

Janne arbeitet in einer Postabteilung, die Briefe, die nicht zugestellt werden konnten, bearbeitet und mit ein wenig Detektivarbeit den Empfänger sucht. Sie liebt ihren Beruf, der es ihr erlaubt, Einblick in die Leben anderer Menschen zu erhalten und diese wieder miteinander zu verbinden. Bis ein Brief sie besonders erschüttert, weil er sie an ihre eigene Lebenssituation erinnert: Ein Großvater, der es bedauert, den Kontakt mit seinem Enkel abgebrochen zu haben. Genau wie Janne, die den Kontakt mit ihrem eigenen Großvater stoppte und es seitdem bereut. Fest entschlossen, den beiden dabei zu helfen, sich wieder zu versöhnen und vielleicht auch ihre eigene Geschichte abzuschließen, macht sich Janne auf die Suche …

So interessant die Grundidee der Geschichte auch klang, war ich mit der Umsetzung leider nicht zufrieden. Tatsächlich fängt es sogar mit der Grundidee an: Obwohl Jannes Job in der Zentralen Briefermittlung tatsächlich existiert (was ich tatsächlich sehr schockierend fand, weil ich annahm, er wäre dafür zu überflüssig und übergreifend), war Jannes Umgang mit ihm mehr als problematisch. Allein, dass sie so investiert in die fremden Leben war, fand ich ein wenig verstörend, aber dass sie ihre Kompetenzen WEIT überschritt, ohne dafür negative Konsequenzen zu bekommen, fand ich unentschuldbar. Es ist das eine, innerhalb ihres Berufs Briefe zu lesen und mit einer Google-Suche die Identität und Adresse des Empfängers zu bestimmen, aber etwas ganz Anderes, sich eigenhändig auf die Suche danach zu machen.

Auch Jannes Umgang mit ihrem Großvater hat mir nicht sonderlich gefallen. Dabei waren die Szenen zwischen den beiden in der Regel sehr einnehmend und gehörten zu meinen Lieblingen, aber dass sie den Kontakt mit ihm für fünfzehn Jahre (!) abgebrochen hat wegen einer Sache, in der die beiden nicht genug miteinander kommunizierten, warf kein gutes Licht auf sie, auch wenn sie und ihr Großvater August das glücklicherweise ebenfalls realisieren. Das ist ein positiver Punkt: Obwohl mir Jannes Handlungen nicht gefielen, gab es ein paar wichtige Szenen, in denen ihr Charakter und ihr Wunsch, sich zu bessern, gut hervorgehoben wurden.

Neben Jannes kritischem Verhalten hätte ich gerne mehr von ihrer Detektivarbeit gesehen, denn sie schien teils aus einfachen Google-Suchen und teils aus unglaublich viel Glück zu bestehen, und weniger aus erfolgreichen Ermittlungen. Auch die Logik wurde teils überstrapaziert: So gibt es zum Beispiel eine Stelle, bei der sie ein Gästebuch von vor zwei Jahren durchsuchen muss, sich aber aus irgendeinem Grund entschließt, alle Gästebücher der letzten fünfundzwanzig Jahre anzuschauen. Und kurz danach erkennt sie eine Person auf einem Foto, die sie seit fünfzehn, zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat, was ein sehr unrealistischer Zufall war. Das sind natürlich beides Kleinigkeiten, die mir aber umso deutlicher auffielen.

Zudem schien sie sich nie sicher zu sein, wie dringend sie ihren Großvater wiedersehen will. Mal brannte sie darauf, ihn wiederzusehen und sich mit ihm zu versöhnen, zumal ihr bewusst ist, dass ihre Zeit mit ihm bald ablaufen könnte – dann wieder macht sie bequem Urlaub, ohne viel an ihren Großvater zu denken. Das war sehr verwirrend, zumal die Nebenhandlung um den ersten wichtigen Brief gar nicht aufgelöst wird. Janne und Großvater August bekommen zwar ein sehr zufriedenstellendes Ende, aber was mit dem anderen Familienpaar passiert ist, erfahren wir leider nicht.

Also ja, Jenna hat für mich als Protagonistin nicht funktioniert, weil ihre Handlungen sehr unverständlich waren und sie mir nicht gerade sympathisch machten. Die Idee der Geschichte war gut und hatte ein paar gute Szenen, aber letztendlich konnte sie mich leider nicht überzeugen.

Die Manufaktur der magischen Worte
512 Seiten

Als Monicas Großmutter Yun beiläufig ihre Cousine Meng erwähnt, die sie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, ist Monica entschlossen, wieder Kontakt zwischen den beiden zu knüpfen. Sie nimmt Verbindung zu einer Bekannten Mengs auf, der Studentin Louise. Diese übergibt ihr eine Nachricht von Meng an Yun: Ein einzelner Bleistift. Monica ist zunächst enttäuscht, bis sie schließlich ihr Familiengeheimnis herausfindet: Damals besaßen Yuns und Mengs Mütter die Phoenix Pencil Company in Shanghai, mit ganz besonderen Bleistiften, aus denen sie das Geschriebene wieder hervorlocken konnten. Bisher schwieg Yun über diese düstere Vergangenheit, denn damals war sie wie auch ihre Mutter dazu gezwungen, mit ihren Kräften unzählige Landsleute zu verraten …

Diese Geschichte ist recht gemächlich, erzählt aber eine einnehmende Familiengeschichte. Dabei ist der magische Realismus zwar ein wichtige Teil davon, aber auf eine Art und Weise geschrieben, die auch für Nicht-Fantasyleser:innen gut zu lesen sein sollte.

Zum einen geht es um Yun und Meng, die als Jugendliche in das Familiengeschäft der Bleistifte eingeführt werden, sich aber auch bemühen müssen, miteinander zurechtzukommen. Und dann geht es um Monica, die sich um ihre Großmutter Yun und ihren Großvater Torou kümmert, aber auch durch ihre wachsenden Gefühle zu Louise verunsichert wird.

Gerade diese Familienbindungen waren großartig umgesetzt: Ich liebte die langsame Romanze zwischen Monica und Louise, die viel Zeit miteinander verbringen und eine absolut großartige Chemie miteinander haben. Monicas Großeltern waren beide sehr sympathisch und auch ihre Liebe zu ihnen hat man deutlich gespürt. Die Bindung zwischen Yun und Meng war da schon komplexer, denn obwohl sie sich definitiv mögen, spielen auch viele Neid- und Schuldgefühle mit hinein.

Kommunikation spielt eine wichtige Rolle: Während Monica ein Programm benutzt, um ihren Teil der Geschichte aufzuschreiben, tut Yun es mit einem Bleistift. Mir machte es vor allem Spaß, die Magie der Bleistifte zu lesen und Monicas Nachrichten mit Louise zu lesen, denn beide Aspekte waren kreativ umgesetzt und bereicherten die Geschichte.

Was ich jedoch als Kritik empfunden habe, war die fehlende Spannung. Obwohl durchaus etwas passiert und Personen in Gefahr geraten, bekommen wir so wenig von letzterem mit und fokussieren und so sehr auf die persönlichen Beziehungen, dass die Handlung stellenweise auf der Strecke bleibt. Ich hatte das Gefühl, es würde nur wenig passieren und habe hauptsächlich wegen den Charakteren weitergelesen und nicht wegen der Handlung, in der sie sich befinden.

Aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte quasi in Tagebucheinträgen erzählt ist, die Charaktere also rückblickend auf die Geschehnisse zurückblicken, fehlten ab und an tiefe emotionale Momente, aber dafür kamen umso mehr die vielen kleinen Szenen hervor, in denen sowohl die Familienbindungen als auch die Romanze glänzen konnte.

Letztendlich würde ich den Roman denjenigen empfehlen, die charakterfokussierte Geschichten mögen und nichts gegen eine langsame Handlung haben – denn so sehr mit die Charakterinteraktionen gefielen, hat mir ein Funken Spannung durchaus gefehlt!

The Blackgate Invitation
498 Seiten

Die Schwestern Ruby und Wren brauchen dringend Geld, weswegen sie das Angebot von Marsyas Blackgate, sich für einen Abend als deren Enkelinnen auszugeben, annehmen. Womit sie allerdings nicht gerechnet hatten, ist, dass die Matriarchin der vier anwesenden Familien, Ursula Hegemony, am selben Abend ermordet wird, Marsyas Blackgate spurlos verschwindet – und sich sämtliche Familienmitglieder als Hexen erweisen. Jetzt sind Ruby und Wren für drei Tage mit ihnen zusammen eingesperrt und müssen die vier Familienrelikte finden, um wieder zu entkommen. Gleichzeitig dürfen sie sich nicht anmerken lassen, dass sie Betrügerinnen sind …

Das Konzept der Geschichte klang sehr interessant und war stellenweise auch gut umgesetzt – aber leider nur stellenweise. Das liegt vor allem daran, dass die Schlagwörter den Eindruck einer anderen Geschichte erweckten, die letztendlich nicht erzählt wurde. Es gibt zwar mehrere Mordfälle, aber der Fokus lag eher auf der Suche nach den Relikten und dem Lösen der entsprechenden Rätsel. Das machte die Handlung stellenweise etwas langsam, und ich wünschte wirklich, der Haupt-Mordfall wäre tatsächlich das Mysterium gewesen, als dass er beworben wurde.

Denn das ist wohl die größte Kritik, die ich habe: Der eigentliche Mordfall ist überhaupt kein Mysterium, denn die Charaktere finden sehr schnell heraus, wer der Täter ist. Es gibt zwar Twists, aber keine, die etwas an der Identität des Mörders ändern, sodass die ganze Geschichte gar keine Locked-Room-Mystery ist, sondern eine Rätselsuche, die sich fast über den ganzen Roman zieht. Diese Rätsel waren durchaus gut umgesetzt und auch, wenn die Suche selbst manchmal ein wenig zu langsam verläuft, mochte ich es, zusammen mit den Charakteren Vermutungen über die zu suchenden Orte anzustellen. Aber ich fand auch, dass sie vom Mordfall ablenkten und die Geschichte sehr davon profitiert hätte, nicht nur allgemeine, sondern mit dem Mordfall verbundene Twists einzubauen. Zugegeben: Ein offensichtlicher Täter ist mir immer noch lieber als einer, der zunächst sympathisch wirkt und nach der Offenbarung zu einem Psychopathen wird, aber schade fand ich es trotzdem, weil ich die unvorhersehbaren Twists, die ich erwartet hatte, nicht bekam.

Also ja, die Handlung war definitiv eine Schwäche für mich. Aber Stärken hat die Geschichte durchaus auch: Zum einen mochte ich es, dass sie sofort losging und die Autorin keine Zeit verschwendete, uns in die Handlung einzuführen. Zum anderen mochte ich die Hauptcharaktere wirklich sehr! Damit meine ich Ruby, Auden und Wren, die zwar kein Sichtcharakter ist, aber glücklicherweise trotzdem einen wichtigen Teil der Handlung einnimmt und zu meinen Lieblingscharakteren gehörte. Auch Ruby und Auden waren mir sehr sympathisch, auch wenn ich ihre Romanze leider nicht fühlte – für mich hatten sie nur sehr wenig Chemie und nicht genug Szenen miteinander, um tatsächlich mit ihrer Romanze mitzufiebern. Doch die Charaktere an sich mochte ich sehr und die Familienbande, die sie mit ihren Verwandten hatten.

Diese spielt tatsächlich eine sehr viel größere Rolle als die Romanze: Sowohl die Schwesternschaft zwischen Ruby und Wren als auch Audens Beziehung zu seinem Cousin Evander und seiner Cousine Winter waren äußerst einnehmend beschrieben. Auch Infinity, who zur Familie gehört, fand ich sympathisch. Andere Charaktere machen keinen allzu starken Eindruck, aber da die Hauptcharaktere so stark waren, machte mir das nichts aus.

Was ich da schon störender fand, waren zwei (verhältnismäßige) Kleinigkeiten: Zum einen, dass Auden immer überrascht schien, wenn Ruby, die sich als Lavinia Blackgate ausgibt, sich anders verhielt als bei seiner letzten Begegnung mit der echten Lavinia – die sage und schreibe zehn Jahre her ist und bei dem sie beide noch Kinder waren. Dass zwischen dem siebten und dem siebzehnten Jahr genug passiert, um sich dazwischen vollkommen zu ändern, schien gar keine Möglichkeit für ihn gewesen zu sein – und die Handlung gibt ihm zudem recht, indem sie tatsächlich keinerlei Veränderung beschreibt.

Zum anderen störte es mich ein wenig, dass Ruby während eines wichtigen Moments, bei dem sie und Wren in Tatverdacht geraten und sie nur ihre wahre Identität enthüllen müsste, um sie zu retten, dies nicht sofort tat, sondern eine andere Methode versuchte, die sie nur noch schlimmer dastehen ließ, bevor sie dann doch die Wahrheit sagte. Warum sie das nicht gleich tat, war mir schleierhaft, denn sowohl sie als auch Wren hätten leicht zum Tode verurteilt werden können, hätten die anderen Charaktere ihr nicht die Gelegenheit gelassen, sich noch mehr zu erklären.

Diese beiden Kritikpunkte sind wie gesagt verhältnismäßig klein, aber erwähnenswert, weshalb ich zum Schluss wieder etwas Positives ansprechen möchte: Ich mochte das Konzept der verschiedenen Hexenfamilien und ihrer Magie, sowie die Art und Weise, wie Ruby und Wren es schafften, sich ebenfalls für Hexen auszugeben. Das war wirklich gut umgesetzt und bietet durchaus das Material für mehr, auch wenn die Geschichte selbst ein Einzelband ist.

Insgesamt kann ich leider keine starke Empfehlung aussprechen, würde aber auch nicht direkt davon abraten, die Geschichte zu lesen. Hier kommt es ganz drauf an, wie wichtig meine oben genannten Punkte den Leser:innen sind. Je nachdem darf jeder und jede gerne selbst entscheiden, ob er oder sie dieses Buch lesen möchte.