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Stadt der Sänger und Verschwörer (Stadt der Magier 2)
449 Seiten

Cor soll von der Magierin Maestra Carmen Ascendi ausgebildet werden. Ro, seine beste Freundin, begleitet ihn, obwohl sie selbst keine magischen Kräfte hat. Zunächst hat sie Schwierigkeiten, sich in der Familie einzugliedern, weil sie nicht von allen Familienmitgliedern akzeptiert wird, aber als Maestro Ascendi ihre Begabung für Gerüche entdeckt und Ro selbst die Kommunikation mit den Familienmitgliedern sucht, verbessert sich ihre Situation. Zusammen mit Cor will sie die „graue Krankheit“ untersuchen, die in der Stadt ausgebrochen ist und deren Ursprung niemand bestimmen kann. Im Geheimen helfen sie der Bevölkerung, während sie ihre Nachforschungen anstellen …

Obwohl ich es persönlich besser fände, den zweiten Band mit dem Wissen des ersten Bandes zu lesen, ist es nicht zwingend notwendig, weil Ros und Cors Abenteuer hier recht abgeschnitten von ihrem ersten ist. Leider ist es auch ein schwächeres Abenteuer, bei dem mich einige Aspekte gestört haben.

Zunächst einmal ist die Handlung zu langgezogen. Teils folgen wir Ros Ausbildung und ihrer wachsenden Bindung zu der Ascendi-Familie, teils ihren Untersuchungen mit Cor bezüglich der grauen Krankheit. Beide Aspekte an sich waren gut umgesetzt; ich mochte es, wie Ro speziell mit Livia eine langsame Freundschaft aufbaute, gerade, weil ich das nicht erwartete und es Ros Freundlichkeit hervorhob. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeit entdeckt und einsetzt, war ebenfalls hervorragend und sehr zufriedenstellend zu verfolgen, nachdem sie sich so lange danach sehnte, sich zu beweisen. Der Krimi-Aspekt war ebenfalls interessant, weil ich neugierig mitriet, wie genau die Krankheit wohl ausgebrochen ist und es liebte, Ro und Cor dabei zu verfolgen, wie sie verschiedenen Familien helfen. Doch obwohl all diese Handlungselemente einzeln betrachtet sehr gut umgesetzt waren, waren die einzelnen Handlungsstränge wie gesagt zu lang, zu langsam erzählt und mit vielen Wiederholungen, was die einzelnen Aspekte angeht. Hier finde ich, dass man einen beträchtlichen Teil der Handlung hätte kürzen können, ohne den Charakteren und ihrer Entwicklung zu schaden.

Apropos: Ro und Cor waren mir sympathisch, aber es fiel mir ein wenig schwer, mich in Ro hineinzuversetzen. Sie kam mir seltsam distanziert vor; ihre Handlungen machten sie liebenswürdig, aber ihre Gefühle kamen für mich nicht richtig rüber. (Mit einigen wichtigen Ausnahmen wie ihrem Trauma, das die Altersempfehlung aus gutem Grund für Kinder ab 12 Jahren ansetzt.) Was mich sehr überraschte, war im Übrigen ihre Beziehung zu Cor – für den Großteil des Romans wird hervorgehoben, dass sie ihn wie einen Bruder sieht, weshalb es für mich sehr plötzlich kam, als sich diese Gefühle auf einmal in romantische verwandelten. Allerdings war ihre Beziehung trotzdem sehr einnehmend und eindeutig eine Stärke des Romans.

Die anderen Charaktere machten größtenteils einen guten Eindruck, mit einer wichtigen Ausnahme: Maestra Ascendi, die leider sehr viel unsympathischer als Jonathan Fossell aus dem ersten Band war. Sie hatte zwar ihre positiven Momente, aber für mich reichte das nicht, um sie zu einem sympathischen Charakter zu machen; tatsächlich fand ich sogar, dass die Charaktere ihrem Verhalten gegenüber nicht kritisch genug waren. Denn Maestra Ascendi war nicht nur übermäßig streng, sondern sogar gewalttätig gegenüber ihren Lehrlingen, was von ihnen aber nie so negativ wahrgenommen wurde, wie ich es empfand. Das steht im starken Kontrast zu Jonathan Fossell, dessen väterliche Rolle im ersten Band mir sehr viel besser gefiel.

Insgesamt also ein zweiter Band, der zwar seine Stärken hatte, aber auch wichtige Schwächen, die leider nicht ausgeglichen wurden.