Bücherregal lädt …
Little Hollywood
352 Seiten

Der letzte Sommer vor der Jahrtausendwende: Leo hat ihre letzte Prüfung geschrieben und freut sich auf ihre Freiheit, doch nichts läuft so, wie es soll. Ihr Crush lässt sie sitzen, sie streitet sich mit ihrer Mutter, ihr gewalttätiger Vater schreibt ihr einen Brief, ihr Bruder möchte nicht allein sein, und Leo will am liebsten ihre ganze Zeit in der Videothek Little Hollywood verbringen. Denn auch wenn Jo, der dort arbeitet, ihr bei jeder Ausleihe eine Wahrheit-oder-Pflicht-Frage stellt, bringen ihr die Filme den Komfort, der ihr im wahren Leben fehlt. Und sobald sie Jo besser kennenlernt, lernt sie auch sich selbst auf neue Weise kennen, und damit hoffentlich auch einen Weg, ihre Zukunft zu gestalten …

Am Anfang habe ich diese Geschichte als etwas zu langsam und ereignislos gefunden, was natürlich daran liegt, dass es tatsächlich eine gemächliche, aber auch wunderschöne Geschichte ist. Ich brauchte wohl nur ein kleines Weilchen, um mich daran zu gewöhnen, aber sobald ich es tat, konnte ich mich richtig in die Geschichte und in Leos letzten Sommer fallen lassen. Die Atmosphäre der 90er ist hervorragend gelungen, und auch der beschriebene Sommer trägt eine Nostalgie und Erwartungshaltung in sich, die zu dem letzten Sommer vor dem Erwachsenwerden passt.

Obwohl ich die 90er nur als Kind erlebt habe und ganz andere Erfahrungen gemacht habe als Leo, konnte ich mich auf gewisse Weise trotzdem in sie hineinversetzen; das hat mich überrascht, weil wir so wenige Gemeinsamkeiten haben, es aber trotzdem leicht war, ihr und ihren Gedanken zu folgen. Zugegeben finde ich, dass Menschen, die tatsächlich ein aktiver Teil der 90er waren, sich noch besser in die Geschichte einfinden können, und erst recht Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie Jo machten; doch gerade deshalb wollte ich als jemand, der mit keinem von beiden stark verbunden war, sagen, dass auch ich die Geschichte vollauf genossen habe.

Der Fokus der Geschichte liegt auf Leos süßer Romanze mit Jo, die wirklich sehr gut umgesetzt war; die beiden haben eine wunderbare Chemie miteinander und ihre gemeinsamen Szenen gehörten mühelos zu meinen liebsten. Zwar war auch der Handlungsstrang mit Leos Familie gut geschrieben und speziell Leos komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter mochte ich sehr, aber letztendlich fieberte ich am meisten mit Leos und Jos wachsender Liebe mit.

An sich passiert nicht allzu viel, es geht eben hauptsächlich um die letzten Gedanken, Zweifel und Abenteuer vor dem letzten Sommer, bevor man erwachsen wird; aber durch die wunderbare nostalgische Atmosphäre gefiel mir gerade das besonders gut: Man bekommt eine ruhigere Geschichte, die einen in früheren Zeiten schwelgen lässt, als alles noch einfacher schien, obwohl es das nicht immer war. Wer dieses Gefühl vermisst, wird es in „Little Hollywood“ finden!

Zerstöre den Tag
640 Seiten

Nach Corricks scheinbarem Tod trauert Tessa schwer um ihn und möchte unbedingt nach Hause zurückkehren, was sich allerdings als nicht so einfach herausstellt. Zusammen mit Erik, dem Leibwächter, ist sie zunächst gezwungen, auf einer Insel in Ostria zu bleiben. Corrick wurde ausgerechnet zusammen mit seinem Erzfeind Lochlan gefangen genommen, und noch dazu von Oren Krane. Nur, wenn sie zusammenarbeiten und so tun, als würden sie Oren helfen, bleibt ihnen eine Chance, mit ihren Liebsten wiedervereint zu werden. Und dann ist da noch Harristan, der zusammen mit dem Palastmeister Quint und einigen Wächtern wegen Verrat gesucht wird, weil Konsuln scheinbar Beweise dafür haben, dass Harristan sein Volk vergiftet hätte. Nun muss Harristan das Vertrauen seines Volkes wiedergewinnen, während er nicht weiß, wem er vertrauen soll …

Ich habe das Buch bereits auf Englisch gelesen, weil die deutsche Übersetzung leider ein wenig auf sich warten ließ, doch jetzt, wo sie endlich erschien, war ich unglaublich froh, dieses phänomenale Finale der Mondflor-Trilogie auch auf Deutsch zu lesen!

Tessas, Corricks und Harristans Handlungsstränge und persönliche Beziehungen sind in diesem Band besonders einnehmend beschrieben und es fiel mir so leicht, mich in alle drei Charaktere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufiebern. Die Struktur des Romans ist zugegeben immer noch gewöhnungsbedürftig: Nachdem alle drei Charaktere ein Einstiegskapitel bekommen, folgen wir mehreren Kapiteln zunächst Corrick, dann Tessa, und dann Harristan, bis die Sichtweisen danach wieder durchgemischt werden. Ein Beispiel: Zwischen der ersten und der langen, zweiten Corrick-Sichtweise vergehen nur etwa vierzig Seiten, doch zwischen der zweiten und dritten vergehen über zweihundert, weil die zweiten Sichtweisen der drei Charaktere ordentlich Raum einnehmen. So konnte ich den Handlungssträngen der einzelnen Charaktere zwar besonders gut folgen, wünschte aber zugleich, die Sichtweisen wären schon von Anfang an gut durchgemischt gewesen.

Glücklicherweise sind die Handlungsstränge dafür alle drei hervorragend, sodass mir diese ungewöhnliche Struktur letztendlich nicht SO viel ausmachte. Ich war unglaublich investiert in Corricks und Lochlans schwierige Beziehung, die sich nach und nach in Freundschaft verwandelte, und liebte Corricks zufriedenstellende Charakterentwicklung; ich fand es großartig, wie auch zwischen Tessa und dem Leibwächter Erik eine Freundschaft entstand und wie sie sich entschloss, den Bewohnern der Insel zu helfen, während sie gleichzeitig darum kämpfte, eine Passage nach Hause zu bekommen; und zuletzt habe ich auch mit Harristan mitgefiebert, der an jeder Ecke Verrat fürchten muss, sich aber für sein Volk einsetzt und zudem eine süße Liebesgeschichte mit Quint erlebt. All diese Handlungsstränge waren so emotional und gipfelten in einem großartigen Ende, das mich selbst beim zweiten Lesen zu Tränen rührte, weil es einfach so wunderschön war.

Interessanterweise vergeht gehörige Zeit, bis Corrick und Tessa wieder zueinander finden. In meiner Erinnerung trafen sie sich nach zwei Dritteln der Handlung, aber tatsächlich vergehen ganze fünfhundert Seiten, ehe das geschieht. Etwas, das in anderen Romanen definitiv ein großer Kritikpunkt wäre, sind sie schließlich das Hauptpaar der Reihe; doch obwohl ich mir durchaus gewünscht hätte, sie wären früher wiedervereint worden, kann ich es einfach nicht als Kritik wahrnehmen, weil ihre einzelnen Handlungsstränge mich umso mehr fesselten. Es war so erfrischend, in diesem Band keinen Fokus auf Romanzen, sondern auf Freundschaften zu haben, zumal sie alle wunderbar umgesetzt waren. Erwähnen wollte ich es trotzdem für diejenigen, die lieber den Romanzen-Aspekt bevorzugen, aber mich selbst störte die lange Trennung nicht.

Insgesamt ein großartiger Abschluss der Trilogie, der vor allem durch seine Charakterbeziehungen brilliert!

Einatmen. Ausatmen.
256 Seiten

Marlene soll die nächste CEO ihrer Firma werden, doch davor muss sie ein Achtsamkeitsseminar hinter sich bringen, weil es ihr an empathischen Fähigkeiten mangelt. Die Achtsamkeitsanstalt wird von Alex geführt, der gerade eine schwierige Zeit in seinem Leben durchmacht, mit Marlene aber eine Gelegenheit bekommt, sein Unternehmen zu retten: Gelingt es ihm, ihr zu helfen, bekommt sein Unternehmen die Förderung, die es so dringend braucht. Marlene derweil hat keine Lust auf all diesen Unsinn, doch als sie eines Tages im Wald verloren geht und mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird, ändert sich ihre Sichtweise dramatisch …

Schon am Anfang weiß man, worauf man sich einlässt und es ist trotz ein, zwei überraschender Entwicklungen klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird. Wir folgen sowohl Marlene als auch Alex und wie sie mit ihrem jeweiligen Trauma umgehen, sich dabei viele psychologisch-philosophische Fragen stellen und ihren eigenen Weg zu finden versuchen. Wohin genau dieser geht, ist wie gesagt relativ klar – doch die Umsetzung und der Mangel einer Romanze hat die Geschichte trotzdem erfrischend gemacht.

Ich konnte mich überraschend gut in die kritische Marlene hineinversetzen, obwohl ich definitiv nicht mit ihren Sichtweisen übereinstimmte. Ihre Freundschaft zu Alex und vor allem die zu Mattissen, dem Hausmeister, haben mir sehr gefallen und ich fand es vor allem gut, dass hier eine vorhersehbare Romanze vermieden wurde. Allgemein ist ihre Entwicklung sehr zufriedenstellend zu verfolgen, selbst wenn man schon vorher weiß, wohin sie geht.

An Alex musste ich mich erst gewöhnen, weil ich mich nicht gut in seine anfänglichen Probleme hineinversetzen konnte (in seinem Fall eine romantische Beziehung zu einer Teilnehmerin), doch sobald die dreizehnjährige Connie die Bühne betritt, beginnt eine einnehmende Vater-/Tochter-Beziehung zwischen ihnen. Auf diese Weise wird Alex zudem mit anderen Problemen konfrontiert, derer er sich gar nicht bewusst war und die ihm dabei halfen, seine eigenen zu überwinden.

Marlene und Alex haben erstaunlich wenig Szenen miteinander, weil ihre eigenen Handlungsstränge sie stark beschäftigen, aber ich mochte ihre Chemie nichtsdestotrotz.

Am faszinierendsten war wohl, dass die Geschichte eigentlich nichts Besonderes und teils vorhersehbar ist, mich aber trotzdem gut unterhielt, weil sie schlicht schön zu lesen war. Meine einzige – durchaus wichtige – Kritik besteht daraus, dass an manchen Stellen nicht klar wird, ob die Charaktere (und, damit verbunden, der Autor) nun positiv oder negativ gegenüber LGBTQ+-Menschen eingestellt sind. Es gibt nämlich ab und an gewisse Kommentare bezüglich Minderheitsgruppen, die sich sehr kritisch lasen und einen bitteren Geschmack in meinem Mund hinterließen. Letztendlich waren es noch nicht einmal so viele Stellen, vielleicht zwei oder drei, aber sie fielen mir trotzdem negativ auf, weil die Charaktere nicht so akzeptierend wirken, wie ich es mir gewünscht hätte.

Nichtsdestotrotz ist das hier ein schönes, ruhiges Buch und gut für zwischendurch geeignet!