- Die Riesinnen
- Hannah Häffner
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Nach der Geburt ihrer Tochter Cora und dem unerwartet frühen Tod ihres Ehemanns übernimmt Liese dessen Metzgerei, auch wenn sie selbst nicht ganz sicher ist, worauf sie sich einlässt. In ihrem kleinen Dorf im Schwarzwald schlägt sie Wurzeln, findet eine Heimat. Ihre Tochter Cora ist da schon stürmischer, sehnt sich nach Freiheit, nach Reisen, nach Genuss. Erst, als sie selbst schwanger wird, kehrt sie zu ihrer Mutter zurück, nicht sicher, wie sie mit ihrer Tochter Eva umgehen soll. Liese unterstützt sie, hilft Cora, auch ihre Wurzeln zu finden. Und Eva, das Waldkind, weiß insgeheim schon die ganze Zeit, dass auch sie hierher gehört, auch wenn sie eine Weile braucht, um es wirklich zu begreifen. Drei Frauen, drei Generationen – doch alle mit derselben Heimat: dem Schwarzwald.
Mit einem schlichten und wunderschönen Schreibstil erzählt Hannah Häffner die Geschichte von Liese, Cora und Eva, deren Leben und deren Beziehung zueinander. Was mich dabei besonders beeindruckt hat, war die Kreativität ihrer Stilmittel verbunden mit der Schlichtheit des eigentlichen Schreibstils; das sorgte für ein sehr angenehmes Leseerlebnis, weil ich mich richtig in der Nostalgie früherer Zeiten verlieren konnte und gleichzeitig beeindruckt davon war, wie poetisch Hannah Häffner davon erzählte.
Von den drei Frauen war mir Liese am sympathischsten, weil sie sich so entschlossen für ihre Ziele einsetzte, aber das Leben aller drei Frauen war ausführlich genug erzählt, dass ich mich in sie hineinfühlen konnte. Neben Liese mochte ich auch Eva besonders gerne, nur in Cora konnte ich mich nicht ganz so gut hineinversetzen, auch wenn ich immer noch interessiert war, von ihr zu lesen.
Von den Nebengeschichten hätte ich gerne noch mehr gehabt, denn sie waren so interessant, dass ich es schade fand, wie wenig Screentime die entsprechenden Charaktere bekamen: Das Babettchen, der einsame Franz, der Koch Fischel und sogar jemand wie der Träumer David, der besonders wenige Szenen hat. Natürlich liegt der Fokus logischerweise auf Liese, Cora und Eva, aber ich hätte gerne noch mehr Charaktere gehabt, die mir ans Herz gewachsen wären.
An sich passiert nicht viel, man folgt den drei Frauen und ihrem Versuch, ihren Platz zu finden, aber der Schreibstil hat die Geschichte so besonders gemacht, dass ich trotzdem die ganze Zeit gefesselt von ihr war. Interessanterweise spielen der Schwarzwald selbst und der Fakt, dass die drei Frauen als Riesinnen bekannt sind, so gut wie keine Rolle; der Wald wird zwar regelmäßig erwähnt und trägt zur schönen Atmosphäre bei, aber dass es ausgerechnet der Schwarzwald ist, ist letztendlich nicht so wichtig. Auch die Größe der Frauen wird nur am Anfang erwähnt, weil ihre Persönlichkeit (glücklicherweise) im Zentrum steht.
Insgesamt eine ruhige, absolut wunderschöne Geschichte, die vor allem durch ihren Schreibstil überzeugt!
- Weihnachtsgeschichte
- Charles Dickens
- Lisa Aisato
- Klassiker
- Weihnachten
- Illustrierte Ausgabe
- Geister
- Nostalgie
Ich habe schon einige Adaptionen der „Weihnachtsgeschichte“ gesehen, sie aber tatsächlich noch nie gelesen. Doch weil nun eine Ausgabe mit wunderschönen Illustrationen von Lisa Aisato erschienen ist, beschloss ich, dieses Versäumnis endlich nachzuholen. Und ich muss sagen, ich bin positiv überrascht!
Aus irgendeinem Grund hatte ich erwartet, dass die Geschichte sich eventuell schwerfällig lesen würde, weil es nun mal anderthalb Jahrhunderte her ist, seit sie geschrieben wurde. Und obwohl es durchaus Passagen gibt, die aufgrund ihrer ausführlichen Beschreibungen nicht ganz so einfach zu lesen sind wie der Rest, war der Schreibstil im Allgemeinen überraschend angenehm. Ich hatte keine Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden und Scrooges ereignisreiche Nacht zu verfolgen.
Überrascht war ich auch, wie akkurat die Adaptionen, die ich gesehen habe, insgesamt sind, auch wenn einige wichtige Details (speziell das Aussehen der drei Geister) in der Regel verändert wurden. Auch Lisa Aisato hat ihnen, gemäß der Beschreibung im Roman, ein eigenes Aussehen verliehen, gewürzt mit ihrem charakteristischen Zeichenstil, die der Geschichte noch mehr Leben einhaucht.
Diese Geschichte ist nicht umsonst ein wahrer Klassiker und ich kann jedem, der nur die Adaptionen kennt, wärmstens empfehlen, auch die Originalgeschichte zu lesen!
Nach einem schweren Unfall, in dem ein Hutmann und ein Mädchen mit blauen Haaren involviert sind, fängt Quinn an, seltsame Dinge wahrzunehmen – Gesichter, wo keine sein sollten; Tattoos, die sich bewegen; Wesen, die nur in der Fantasie existieren. Er beginnt schon halb, an seinem Verstand zu zweifeln, doch schnell wird klar, dass die Welt, die er kannte, ganz anders ist, als er ursprünglich annahm. Zusammen mit Matilda, der Tochter der äußerst religiösen Nachbarfamilie, beginnt er, dem Rätsel der Wesenheiten und seiner eigenen Fähigkeiten auf den Grund zu gehen …
Es hat mich selbst überrascht, festzustellen, wie viel Spaß es mir machte, diesen Jugendroman zu lesen. Die Rubinrot-Reihe von Kerstin Gier habe ich, als sie damals vor zehn Jahren erschien, zwar auch sehr genossen, aber aufgrund der Zeit, die seitdem vergangen ist, nicht erwartet, dass es mir auch mit „Vergissmeinnicht“ so gehen würde. Zu meiner Freude gelingt es Kerstin Gier jedoch problemlos, den Flair der Jugend in ihrem Buch einzufangen und gleichzeitig sowohl sympathische Hauptcharaktere als auch eine packende Handlung zu beschreiben.
Ihr Schreibstil liest sich wunderbar flüssig, sodass ich das Buch bereits in zwei Tagen durch hatte, weil es mir so eine Freude bereitete, Quinns und Matildas aufblühende Beziehung als auch ihre Nachforschungen zu den geheimnisvollen Vorkommnissen zu verfolgen. Ihre Liebe ist wie die Jugend selbst: Schnell entflammt, lange brennend und letztendlich herzerwärmend. Es ist keine Romanze, von der ich annehmen würde, dass sie zehn Jahre später noch hält (wobei ich das den Hauptcharakteren nach der Lektüre des ersten Bandes mehr als gönne), aber dafür eine Romanze, die mich daran erinnert hat, wie leicht es als Jugendliche war, intensive Gefühle für etwas zu entwickeln. Insofern ist dieser Roman nicht nur für Jugendliche, sondern auch für diejenigen, die sich nach dieser Zeit sehnen.
Ein paar kleinere Kritikpunkte gibt es durchaus – so wünsche ich mir für die nächsten Bände zum Beispiel, dass keine klare Linie zwischen „gut“ und „böse“ gezogen, sondern eine tiefere Interpretation bevorzugt wird, die klar macht, dass es ein striktes „Gut und Böse“ gar nicht gibt. Auch, was die Wesen in diesem Roman betrifft, hätte ich mir gewünscht, dass speziell bei Halbwesen nicht nur auf die Vorteile, die ihnen ihre Existenz bringt, eingegangen worden wäre, sondern auch mögliche Nachteile (die zugegeben in den meisten Fantasyromanen gerne ignoriert werden). Zudem passt der Titel des Buches meiner Meinung nach nicht allzu gut zum Inhalt.
Doch im Vergleich zu den Dingen, die mir gefallen haben, sind diese Punkte Kleinigkeiten; ich bin immer noch beeindruckt davon, wie gut es Kerstin Gier gelang, eine Geschichte für Jugendliche zu schreiben, die mich auch als Erwachsene fesselte – sogar so sehr, dass ich auch die restlichen Bände dieser Trilogie lesen werde, weil ich das komfortable Gefühl, dass Kerstin Gier ihren Lesern hinterlässt, um nichts in der Welt missen möchte!
Der letzte Sommer vor der Jahrtausendwende: Leo hat ihre letzte Prüfung geschrieben und freut sich auf ihre Freiheit, doch nichts läuft so, wie es soll. Ihr Crush lässt sie sitzen, sie streitet sich mit ihrer Mutter, ihr gewalttätiger Vater schreibt ihr einen Brief, ihr Bruder möchte nicht allein sein, und Leo will am liebsten ihre ganze Zeit in der Videothek Little Hollywood verbringen. Denn auch wenn Jo, der dort arbeitet, ihr bei jeder Ausleihe eine Wahrheit-oder-Pflicht-Frage stellt, bringen ihr die Filme den Komfort, der ihr im wahren Leben fehlt. Und sobald sie Jo besser kennenlernt, lernt sie auch sich selbst auf neue Weise kennen, und damit hoffentlich auch einen Weg, ihre Zukunft zu gestalten …
Am Anfang habe ich diese Geschichte als etwas zu langsam und ereignislos gefunden, was natürlich daran liegt, dass es tatsächlich eine gemächliche, aber auch wunderschöne Geschichte ist. Ich brauchte wohl nur ein kleines Weilchen, um mich daran zu gewöhnen, aber sobald ich es tat, konnte ich mich richtig in die Geschichte und in Leos letzten Sommer fallen lassen. Die Atmosphäre der 90er ist hervorragend gelungen, und auch der beschriebene Sommer trägt eine Nostalgie und Erwartungshaltung in sich, die zu dem letzten Sommer vor dem Erwachsenwerden passt.
Obwohl ich die 90er nur als Kind erlebt habe und ganz andere Erfahrungen gemacht habe als Leo, konnte ich mich auf gewisse Weise trotzdem in sie hineinversetzen; das hat mich überrascht, weil wir so wenige Gemeinsamkeiten haben, es aber trotzdem leicht war, ihr und ihren Gedanken zu folgen. Zugegeben finde ich, dass Menschen, die tatsächlich ein aktiver Teil der 90er waren, sich noch besser in die Geschichte einfinden können, und erst recht Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie Jo machten; doch gerade deshalb wollte ich als jemand, der mit keinem von beiden stark verbunden war, sagen, dass auch ich die Geschichte vollauf genossen habe.
Der Fokus der Geschichte liegt auf Leos süßer Romanze mit Jo, die wirklich sehr gut umgesetzt war; die beiden haben eine wunderbare Chemie miteinander und ihre gemeinsamen Szenen gehörten mühelos zu meinen liebsten. Zwar war auch der Handlungsstrang mit Leos Familie gut geschrieben und speziell Leos komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter mochte ich sehr, aber letztendlich fieberte ich am meisten mit Leos und Jos wachsender Liebe mit.
An sich passiert nicht allzu viel, es geht eben hauptsächlich um die letzten Gedanken, Zweifel und Abenteuer vor dem letzten Sommer, bevor man erwachsen wird; aber durch die wunderbare nostalgische Atmosphäre gefiel mir gerade das besonders gut: Man bekommt eine ruhigere Geschichte, die einen in früheren Zeiten schwelgen lässt, als alles noch einfacher schien, obwohl es das nicht immer war. Wer dieses Gefühl vermisst, wird es in „Little Hollywood“ finden!