Witches, Bitches, It-Girls: Frauenbilder, die wegen des Patriarchats schon so lange herrschen, dass es selbst als cis Frau manchmal schwierig ist, sie als misogyn zu erkennen. Überall dort, wo Frauen zentrale Stellen einnehmen, ist es für Männer besonders leicht, sie zu diskreditieren. Ob nun die „Normalität wiederhergestellt“ werden soll, in dem auf eine Vergangenheit verwiesen wird, die es so nicht gab, oder ob eine Gegenwart kreiert wird, die bestenfalls unvollständig ist – Frauen haben es überall schwer, weil ihre Aktionen von Männern negativ bewertet werden, außer, wenn sie passiv zulassen, dass Männer über sie entscheiden.
Wie genau das geschieht, führt Rebekka Endler in ihrem Sachbuch aus. Im Gegensatz zu „Das Patriarchat der Dinge“ ist diese Lektüre ernster, denn auch, wenn sie ihren lockeren Schreibstil behält, erzählt sie von Dingen, die auf erschütternde Weise zeigen, wie problematisch das Patriarchat wirklich ist. Demnach ist diese Lektüre auch nicht gerade angenehm zu lesen, weil uns Leser.innen Dinge bewusst gemacht werden, von denen ich in der Regel noch nie gehört hatte, aber gerade deshalb ich es natürlich auch eine sehr wichtige Lektüre.
Insgesamt ist dieses Sachbuch ein Weckruf – und eine schmerzliche Erinnerung daran, dass in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten zwar Fortschritte gemacht wurden, wir aber niemals aufhören dürfen, für sie zu kämpfen. Ich fand speziell das Kapitel zur Heroisierung interessant; wie problematisch es ist, Held:innenfiguren zu erschaffen, statt die Komplexität jedes Menschen zu akzeptieren, war speziell für mich eine wichtige Botschaft. Ich bin sicher, dass auch andere Leser:innen hier so einiges finden werden, dessen sie sich noch nicht bewusst waren, sich aber dringend bewusst machen sollten.
- Das Patriarchat
- der Dinge
- Rebekka Endler
- Dumont
- Sachbuch
- Männer
- Frauen
- Non-Binäre Personen
- Behinderungen
- Alltag
- Benachteiligungen
Das Patriarchat ist selbst dort, wo man – und frau – es nicht erwartet, und in der Regel immer dort, wo es nichts zu suchen hat, nämlich in den Leben von Frauen, nicht-binären Personen und allen anderen, die nicht dem „Standard“ entsprechen, der von weißen cis-Männern festgelegt wurde. Selbst im 21. Jahrhundert ist das Patriarchat so stark, dass es in der Regel akzeptiert wird, ohne es zu hinterfragen. Selbst, wenn frau es hinterfragt, hat sie nicht immer die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, weil alles, was nicht dem Kapitalismus dient, es umso schwerer hat, sich durchzusetzen.
Dabei gibt es so viele Situationen, in denen Frauen und andere Geschlechter benachteiligt werden: In der Sprache (wo sie bei generischem Maskulinum nachweislich nicht mitgedacht werden), im öffentlichen Raum (der z.B. viel mehr Toiletten für cis Männer als für cis Frauen enthält), in der Technik (wo Geräte „für Frauen“ vermarktet und gestaltet werden), auf der Arbeit (wo sämtliche Gegenstände an Männergrößen angelehnt sind), in der Kleidungswahl (dito) und natürlich in der Gesundheit (die kaum Frauen untersucht). Es gibt noch so viel mehr Beispiele, derer wir Leser:innen uns manchmal bewusst sind und manchmal nicht, wobei gerade die Beispiele, der ich mir vor dem Lesen nicht bewusst war, besonders schockierend waren. Es war wirklich traurig, sich bewusst zu werden, WIE viele Benachteiligungen existieren und sogar normalisiert wurden.
Selbst diejenigen, die zu den benachteiligten Gruppen gehören, werden wohl Dinge entdecken, über die sie zuvor nicht nachdachten, während cis Männer wahrscheinlich noch viel, viel mehr lesen werden, das sie überrascht. Leider bin ich mir nicht sicher, inwiefern sie überhaupt zur Leser:innenschaft gehören, doch sie sollten es auf jeden Fall! Aber auch diejenigen, die meinen, bereits zu wissen, auf welche Weisen Frauen es schwerer haben als Männer, werden hier wohl die Augen geöffnet bekommen, weil es einfach so viele kleine, aber wichtige Dinge gibt, die nur auf Männer ausgelegt sind.
Eine gute Empfehlung für alle Leser:innen!
Der vierzehnjährige Mamoru ist der Erstgeborene der Matsuda-Familie und hat als solcher die Verantwortung, das Erbe seiner Vorfahren anzutreten. Seine Glaubenssätze sind stark – bis ein neuer Schüler an seine Schule kommt: der Nordländer Kwang Chul-hee, der bald schon anfängt, kritische Dinge von sich zu geben. Zunächst glaubt Mamoru ihm nicht – bis er mit bestürzenden Beweisen konfrontiert wird. Diese sind zumindest für Mamorus Mutter Misaki nichts Neues, denn bevor sie vor fünfzehn Jahren ihr Schwert unter den Dielen des Hauses versteckte, war sie eine Kriegerin, die auf ihre eigene Weise mit den Wahrheiten des Kaiserreichs konfrontiert wurde. Während Mamoru alles mehr und mehr in Frage zu stellen beginnt, ahnt Misaki, dass ein Sturm auf sie zukommt – und sie ihr Schwert bald wieder ziehen muss, um ihre Familie zu beschützen …
M. L. Wang schafft es, in nur einem Buch eine ganze Welt zu erschaffen und genau das ist ihr auch mit „The sword of Kaigen“ gelungen. Ich bin immer noch ganz sprachlos nach dieser Lektüre, weil sie so mit Leben und Details gefüllt war – und mit einer Welt, die sich so real und so gewaltig anfühlt, wie ich es selten erlebt habe. Hier ein wirklich großes Lob für das Worldbuilding, das mich auf noch mehr Geschichten aus dieser Welt hoffen lässt.
Denn das ist fast schon eine Kritik von mir: Ich hätte gerne noch mehr von der Welt und speziell Misakis Vergangenheit gesehen. Sie bekommt einen großen und einen kleinen Rückblick und glücklicherweise auch ein Ende, das ihre Vergangenheit und Gegenwart auf zufriedenstellende Weise zusammenführt, aber ich hätte gerne noch so viel mehr von ihr und ihrer alten Freundesgruppe gesehen, weil das Potential dafür so stark war.
Ihre Gegenwart ist zugegeben dafür sehr gut erzählt. Die Art und Weise, wie sie gezwungen ist, sich ständig zurückzustellen, bis sie schließlich ausbricht und sogar eine neue Bindung zu ihrem Ehemann Takeru aufbaut, war so zufriedenstellend und teils auch unerwartet; Takeru war nämlich für mich lange Zeit sehr unsympathisch, weil seine patriarchischen Sichten so frustrierend waren, aber tatsächlich entwickelt er sich weiter, was eindeutig Misaki zu verdanken ist.
Auch Mamorus Entwicklung war großartig: Als Erbe mit einer großen Last auf seinen Schultern, der damit konfrontiert wird, dass das, woran er glaubte, falsch ist, war er ein einnehmender Charakter mit einer Handlung, die mich von Anfang bis Ende fesselte. Allgemein ist der Aufbau der Geschichte ausgezeichnet und ließ mich besonders in der ersten Hälfte mitfiebern, aber auch die ruhigere zweite Hälfte hat mir aufgrund der gezeigten Charakterentwicklung sehr gefallen.
Von den anderen Charakteren stechen vor allem Setsuko, Misakis beste Freundin, und Dai, der Schwertmeister der Schule, hervor. Beide waren unglaublich sympathisch und haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen, wobei aber auch die anderen Charaktere sehr erinnerungswürdig waren; hinten im Buch gibt es ein Personenverzeichnis und ein Glossar und während ich letzteres ab und an nutzte, bereitete es mir kein Problem, die stark gezeichneten Charaktere der Handlung in Erinnerung zu behalten.
Insgesamt ein grandioses Fantasybuch, das speziell durch seine Welt und seine Charaktere überzeugt – und hoffentlich noch mehr Geschichten aus dieser Welt bietet!