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The sword of Kaigen: Eine theonitische Kriegsgeschichte
624 Seiten

Der vierzehnjährige Mamoru ist der Erstgeborene der Matsuda-Familie und hat als solcher die Verantwortung, das Erbe seiner Vorfahren anzutreten. Seine Glaubenssätze sind stark – bis ein neuer Schüler an seine Schule kommt: der Nordländer Kwang Chul-hee, der bald schon anfängt, kritische Dinge von sich zu geben. Zunächst glaubt Mamoru ihm nicht – bis er mit bestürzenden Beweisen konfrontiert wird. Diese sind zumindest für Mamorus Mutter Misaki nichts Neues, denn bevor sie vor fünfzehn Jahren ihr Schwert unter den Dielen des Hauses versteckte, war sie eine Kriegerin, die auf ihre eigene Weise mit den Wahrheiten des Kaiserreichs konfrontiert wurde. Während Mamoru alles mehr und mehr in Frage zu stellen beginnt, ahnt Misaki, dass ein Sturm auf sie zukommt – und sie ihr Schwert bald wieder ziehen muss, um ihre Familie zu beschützen …

M. L. Wang schafft es, in nur einem Buch eine ganze Welt zu erschaffen und genau das ist ihr auch mit „The sword of Kaigen“ gelungen. Ich bin immer noch ganz sprachlos nach dieser Lektüre, weil sie so mit Leben und Details gefüllt war – und mit einer Welt, die sich so real und so gewaltig anfühlt, wie ich es selten erlebt habe. Hier ein wirklich großes Lob für das Worldbuilding, das mich auf noch mehr Geschichten aus dieser Welt hoffen lässt.

Denn das ist fast schon eine Kritik von mir: Ich hätte gerne noch mehr von der Welt und speziell Misakis Vergangenheit gesehen. Sie bekommt einen großen und einen kleinen Rückblick und glücklicherweise auch ein Ende, das ihre Vergangenheit und Gegenwart auf zufriedenstellende Weise zusammenführt, aber ich hätte gerne noch so viel mehr von ihr und ihrer alten Freundesgruppe gesehen, weil das Potential dafür so stark war.

Ihre Gegenwart ist zugegeben dafür sehr gut erzählt. Die Art und Weise, wie sie gezwungen ist, sich ständig zurückzustellen, bis sie schließlich ausbricht und sogar eine neue Bindung zu ihrem Ehemann Takeru aufbaut, war so zufriedenstellend und teils auch unerwartet; Takeru war nämlich für mich lange Zeit sehr unsympathisch, weil seine patriarchischen Sichten so frustrierend waren, aber tatsächlich entwickelt er sich weiter, was eindeutig Misaki zu verdanken ist.

Auch Mamorus Entwicklung war großartig: Als Erbe mit einer großen Last auf seinen Schultern, der damit konfrontiert wird, dass das, woran er glaubte, falsch ist, war er ein einnehmender Charakter mit einer Handlung, die mich von Anfang bis Ende fesselte. Allgemein ist der Aufbau der Geschichte ausgezeichnet und ließ mich besonders in der ersten Hälfte mitfiebern, aber auch die ruhigere zweite Hälfte hat mir aufgrund der gezeigten Charakterentwicklung sehr gefallen.

Von den anderen Charakteren stechen vor allem Setsuko, Misakis beste Freundin, und Dai, der Schwertmeister der Schule, hervor. Beide waren unglaublich sympathisch und haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen, wobei aber auch die anderen Charaktere sehr erinnerungswürdig waren; hinten im Buch gibt es ein Personenverzeichnis und ein Glossar und während ich letzteres ab und an nutzte, bereitete es mir kein Problem, die stark gezeichneten Charaktere der Handlung in Erinnerung zu behalten.

Insgesamt ein grandioses Fantasybuch, das speziell durch seine Welt und seine Charaktere überzeugt – und hoffentlich noch mehr Geschichten aus dieser Welt bietet!