Miss Ruby ist eine Diebin, die in Raubüberfällen spezialisiert ist – eine Fähigkeit, die sie nicht nur nutzen möchte, um sich selbst zu bereichern, sondern auch, um ihr Familienerbstück, den Rubin von Cimota, in die Finger zu bekommen. Dafür muss sie verschiedene Crews rekrutieren und verschiedene Heists komplettieren, während Logico hinter ihr her ist, die Rote Maske eine würdige Rivalin bietet und Boss Charcoal sie gerne für sich rekrutieren will …
Im neuesten Band der Murdle-Reihe folgen wir diesmal nicht Logico, sondern helfen der Diebin Miss Ruby dabei, mehrere Raubüberfälle zu planen. Das Zuordnungsprinzip ist immer noch das gleiche, außer, dass statt Gegenständen Jobs an die Charaktere verteilt werden müssen und auch das Timing bei zwei Schwierigkeitsgeraden eine Rolle spielt. Besonders letzteres gefiel mir sehr gut, weil es eine neue Art von Rätsellogik zuließ („X muss getan werden, bevor Y getan werden kann“), die meiner Meinung nach sogar noch stärker hätte genutzt werden können.
Dafür gibt es in diesem Band keine „der Täter lügt, die anderen sagen die Wahrheit“-Rätsel. Diese waren in den regulären Murdle-Bänden zugegeben mit Abstand die schwierigsten, aber gerade deshalb mochte ich sie sehr, weil sie die grauen Zellen tatsächlich anstrengten – hoffentlich kommen sie im nächsten regulären Murdle-Band wieder vor.
Besonders gut gefiel mir, dass in manchen der Lösungstexte nicht nur die Person erwähnt wurde, der der Diebstahl gelungen ist, sondern auch die Jobs der anderen Personen. Das gab den Rätseln nicht nur eine nette Prise Realismus, weil man sich den Heist so tatsächlich gut vorstellen konnte, sondern machte das Zuordnen der anderen Jobs, Orte etc. sogar relevant. Es ist der bisher einzige Band, bei dem ich das Gefühl hatte, dass nicht nur der Täter eine Rolle spielt, sondern alle involvierten Personen einen Rätsels. Deshalb hätte ich es gerne noch öfter gelesen, wie sämtliche Teile der Lösung im Lösungstext erwähnt werden! (Witzig war es übrigens auch, bei den Lösungen des ersten Schwierigkeitsgrads zu sehen, was Logico so treibt und wie seine Schlussfolgerungen auf Außenstehende wirken. ;))
Außerdem setzt das Buch auch eine Rätselart von „Merry Murdle“ ein, wo man bei den Endrätseln die Verdächtigen aufgrund der Hinweise selbst schlussfolgern muss, was ich unglaublich spaßig fand. Wer weiß, vielleicht gibt es sogar bald einen Band, bei denen auch die anderen Aspekte selbst geschlussfolgert werden müssen? Mir würde das sehr gefallen.
Was die Rätselschwierigkeit angeht, würde ich sie auf leicht bis mittel ansetzen – nur bei Rätsel 47 („The Soho Soup Swap“) brauchte ich einen Hinweis zur Lösung, alle anderen waren ohne Probleme gut lösbar. Das Ende war übrigens überraschend herzerwärmend und beantwortete zudem eine wichtige Cliffhanger-Frage von vor ein paar Murdle-Bänden, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Insgesamt also ein angenehmer Rätselband für Zwischendurch, der mir sehr viel Spaß gemacht hat!
- Die Hexen von
- Honeysuckle House
- Liz Parker
- Kiwi Space
- Fantasy
- Cozy Fantasy
- Magie
- Hexen
- Fluch
- Schwestern
- Liebe
- Romanze
- LGBTQ+
Die Familie Caldwell ist verflucht: Seit Jahrzehnten kommt alle dreizehn Jahre ein Mitglied der Familie oder eine ihrer Liebsten ums Leben, immer im Honeysuckle House. Aus diesem Grund hat Florence Caldwell sich seit dem Tod ihrer Mutter vom Haus ferngehalten und ihrer Magie abgeschworen, während ihre Schwester Evie immer noch im Haus wohnt und ihre Magie einsetzt. Doch jetzt ist es wieder so weit: Ein dreizehntes Jahr steht bevor und die Schwestern sind entschlossen, den Fluch zu brechen, zumal sie beide auch Angst um ihre Liebsten haben. Doch dafür müssen sie herausfinden, was eigentlich hinter dem Familienfluch steckt …
Dieser Roman bietet das, was er verspricht: Eine gemütliche, herbstliche Fantasy mit Liebe, Mystery und einer schönen Atmosphäre. Eigentlich war sie nichts Besonderes, aber sehr gut für Zwischendurch zu lesen.
Zu meiner Überraschung war ich vor allem in die vergangenen Ereignisse investiert, die sich um die Caldwell-Schwestern Regina und Violet bzw. um die Beziehung zwischen Violet und Tillie drehen. Ich war sehr investiert in die Liebesgeschichte der beiden, denn auch, obwohl wir schon vor Beginn der Geschichte wissen, wie sie enden wird, wollte ich unbedingt wissen, wie es dazu kommt.
Auch in der Gegenwart haben wir Liebesbeziehungen (Florence & Owen und Evie & Angela), aber sie spielen eher eine Nebenrolle, weshalb ich auch nicht ganz so sehr in sie investiert war wie in Violet und Tillie. Trotzdem waren die Paare recht süß.
Was die Handlung angeht, mochte ich die Mystery um den Fluch sehr. Einen Teil der Offenbarungen habe ich geahnt, einen anderen Teil nicht, weshalb ich über den Roman hinweg gespannt darauf war, was denn nun die Wahrheit ist. Nur eine Antwort auf die Frage, warum die Familie nicht einfach wegzieht, hat mir gefehlt.
Tarotkarten spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle und wurden meiner Meinung nach sehr gut eingebunden, sowohl bei den Kapiteltiteln als auch in der Handlung selbst, sodass ich jedes Mal, wenn sie vorkamen, gespannt war, was sie den Charakteren wohl verraten würden.
Insgesamt also eine angenehme Herbstgeschichte, die wie gesagt gut für Zwischendurch zu lesen ist!
- Die Underwoods
- Alicia Zett
- one
- Fantasy
- Gothic Fantasy
- Magie
- familie
- Romanze
- Liebe
- LGBTQ+
- Mystery
- Freundschaft
- Kleines Highlight
Seit Emmas beste Freundin Blaire gestorben ist, ist Emma entschlossen, den Mord an ihr aufzuklären, denn die Umstände ihres Todes sind zutiefst verdächtig. Obwohl sie eigentlich nicht an Übernatürliches glaubt, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an Talia Underwood, das Medium ihrer Familie, in der Hoffnung, mehr herauszufinden. So lernt sie nicht nur die Underwoods allgemein kennen, sondern findet auch Dinge über ihre beste Freundin heraus, die sie niemals ahnte – und das, während Talia und Emma sich nach und nach ineinander verlieren, was die ganze Familie der Underwoods in Gefahr bringen könnte …
Als großer Fan von Alicia Zett und von Fantasy habe ich mich sehr darüber gefreut, Alicia Zetts ersten Fantasyroman zu lesen – und bin sehr begeistert von der Umsetzung!
Zunächst einmal ist es nicht nur ein Fantasyroman, sondern auch eine Romanze, die durch die Chemie zwischen Emma und Talia richtig aufblüht. Nicht nur waren sie als Charaktere bereits wunderbar (ich mochte vor allem Emma sehr, die ich als Hauptcharakter der Geschichte wahrgenommen habe), sondern auch, wie sich ihre Gefühle über viele Szenen hinweg entwickelten.
Auch die Underwoods sind allesamt charmant und großartig, wobei ich Talias Geschwister Romeo, Raphael und Betty besonders mochte und mich schon darauf freue, im zweiten Band noch mehr von ihnen zu sehen. Unbedingte Erwähnung verdient auch Talias Nebelkrähe Herkules, denn die Schlagabtäusche zwischen ihnen gehörten zu meinen persönlichen Highlights. Die Familie und deren Haus haben mich auf sehr positive Weise an Encanto erinnert!
Neben Talias Familie spielt auch Emmas Mutter eine überraschend große Rolle und ich war positiv überrascht von der Entwicklung, die die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Tochter im Lauf des Romans nahm. Gerade, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass Emmas Mutter überhaupt eine Rolle spielt, die über einen lästigen Nebencharakter hinausgeht, begrüßte ich die Tiefe, die sie bekam. Sogar Blaire, Emmas verstorbene Freundin, hinterlässt einen überraschend starken Eindruck, der es leicht machte, Emmas Trauer mitzufühlen.
In der ersten Hälfte geht es hauptsächlich um Blaires Tod und wie Emma die Underwoods kennenlernt, was ich sehr herzerwärmend fand – die gemütliche Atmosphäre bei den Underwoods war einfach perfekt! Die zweite Hälfte war da schon dramatischer, aber auch das mochte ich sehr, weil es so schön war, Talias und Emmas Liebesbeziehung aktiv zu sehen.
Gegen Ende gab es einen unerwarteten Twist, den ich grandios fand, sowie ein Ende, das mich sehr neugierig auf den zweiten Band macht. Insgesamt haben wir hier eine großartige Urban Romantasy, die mir sehr gefallen hat!
Als Soldaten Leinas Eltern töten und ihre Brüder bedrohen, entwickelt sie übermenschliche Kräfte, mit denen sie sie tötet. Ryot, ein Altor-Krieger, soll sie daraufhin hinrichten – aber als er feststellt, dass sie Altor-Kräfte besitzt, als erste Frau in der Geschichte Aesgroths, bringt er sie stattdessen zu dem Sitz der Altor-Wächter, damit sie dort ihre Ausbildung anfangen kann. Leina, entschlossen, ihrer Familie zu helfen, stimmt zögernd zu, doch mit der Ausbildung beginnen erst die Schwierigkeiten, mit denen Leina sich herumschlagen muss – und zwar, als sie von einer Göttin geküsst wird …
Die Geschichte fängt gut an und entwickelt sich zunächst auch interessant, aber leider gelingt es ihr letztendlich nicht, dieses Interesse konstant zu halten. Das liegt vor allem daran, dass in der langen Mitte der Handlung nur wenig passiert. Es gibt zwar durchaus ein paar interessante Nebenhandlungen und Szenen, aber letzten Endes langweilte ich mich während dieser Durststrecke dann doch ein wenig zu sehr.
Auch, was die Charaktere angeht, konnten diese nicht vollständig überzeugen, auch wenn mir durchaus so einige gefielen. Am Anfang mochte ich Leina zum Beispiel unglaublich gerne, aber irgendwann war sie mir zu fokussiert auf ihre Wut und auch etwas zu übermächtig – nichts gegen wütende und mächtige Protagonistinnen, aber sie sollten auch andere Charakterzüge und Schwächen zeigen. Trotzdem mochte ich sie letztendlich immer noch sehr gern und wünschte, ihre Romanze mit Ryot hätte mir besser gefallen, denn ich empfand sie als sehr schwach, weil Ryot als Charakter so blass blieb und ich nicht verstand, was sie aneinander fanden.
Tatsächlich waren es die Nebencharaktere, die mich am meisten überzeugten: Die Heilerin Elowen war unglaublich sympathisch, Leif und Faelon beide sehr heitere und lebendige Charaktere, die Romanze zwischen Nyrica und Thalric für mich einnehmender als die Hauptromanze und der Älteste ein mysteriöser Charakter. Es gibt sogar noch mehr, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen, aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass ich die Nebencharaktere mehr mochte als die Hauptcharaktere, obwohl sie gar nicht mal so viel Tiefe bekamen. Dafür war ihr Eindruck stets erinnerungswürdig und ich hätte gerne noch mehr zu ihnen erfahren.
Auch die Twists gegen Ende gefielen mir sehr gut, weil sie die richtige Mischung aus überraschend und logisch waren, aber letztendlich reichten sie nicht aus, um den Gesamteindruck wesentlich zu verändern; ich fand die Geschichte mitnichten schlecht, aber leider auch nicht gut genug, um weiterlesen zu wollen.
- Murdoku
- Back in Time
- Manuel Garand
- Puzzle Wright Press
- Rätselbuch
- Logikrätsel
- Sudoku
- Logicals
- Spielspaß
- Logik
- Variation
- Mittelalter
- Wilder Westen
- Piraten
- Steinzeit
- Antikes Ägypten
- Kleines Highlight
Im zweiten Murdoku besuchen wir verschiedene ikonische Zeiten: Das Mittelalter, den Wilden Westen, die goldene Zeit der Piraten, die Steinzeit und zuletzt das Antike Ägypten. Alle mit ihren eigenen Extra-Regeln, aber vor allem: Alle mit jede Menge Charme.
Denn das ist zunächst einmal die erste große Stärke dieses Rätselbuchs: Das Design. Jede Zeit hat ihr eigenes Graphic Design, einschließlich eigener Schriftart, passender Charaktersilhouetten (einschließlich der vereinfachten Figuren in der Lösung), einer Vielfalt verschiedener Orte und sogar Gegenständen, die in verschiedenen Zeiten vorkommen, aber passend zur Zeit gestaltet sind. Jede Epoche hat ihren eigenen Stil und das war absolut großartig! Die ganze Detailliebe zeigt, wie viel Mühe und Herzblut in diesem Rätselbuch steckt.
Und das ist noch nicht mal alles: Die mit Abstand beste Verbesserung waren die Notizzettel. Im ersten Band waren sie einfach eine leere Nachbildung der Räume, doch hier im zweiten Band werden alle speziellen Felder nochmal extra markiert: Felder, die nicht besetzt werden können, sind z.B. leicht dunkler; Felder mit Stühlen, Pferden, Teppichen usw. werden nochmal umrandet; und auch Extra-Felder, die es z.B. in der Steinzeit und im Antiken Ägypten gibt, bekommen ein kleines Symbol zur Differenzierung. All diese Verbesserungen waren unglaublich praktisch und haben es so viel angenehmer gemacht, die Felder auszufüllen! Am liebsten wünsche ich mir jetzt eine Neuauflage des ersten Bandes, die ebenfalls spezielle Felder im Notizzettel markiert, weil ich im Nachhinein nicht weiß, wie ich ohne diese Markierungen zurechtgekommen bin.
Aber reden wir über die Rätsel an sich!
Im Mittelalter sind die Charaktere in Adlige, Bürger und Ritterinnen eingeteilt, wobei Adlige nur in adligen Orten sein können, Bürgerinnen nicht in adligen Orten sein können und Ritter überall. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Charaktere dementsprechend in die Felder einzuordnen und ich mochte es, wie mein Gehirn die Logik hinter den Charakterplatzierungen verarbeitete. Gerade die späteren Rätsel waren hier sehr gut, wobei ich mir bei Rätsel 15 (Die Belagerung) sogar einen Lösungshinweis holen musste. (Nach dem ersten Murdoku war das Nachschauen eines Hinweises zum Glück nur selten notwendig, aber wenn doch, habe ich mich meistens dafür verflucht, nicht selbst auf die richtige Strategie gekommen zu sein – anstatt, wie beim ersten Murdoku, erleichtert darüber zu sein, weil ich eben nicht selbst darauf gekommen wäre.)
Der Wilde Westen war da schon unspektakulärer. Hier muss man neben der Mörderin auch die Gesetzlosen identifizieren, aber dadurch, dass das Opfer selbst nie ein Gesetzloser war, es nur diese eine Rolle gab und diese keinerlei Zusammenhang mit dem Mörder hatte, habe ich keinen richtigen Sinn hinter dieser Mechanik gesehen. Hier finde ich, dass die Rätsel davon profitiert hätten, eine engere Bindung zwischen den Gesetzlosen und dem Mörder und/oder Opfer einzubauen. Dafür hatte dieser Teil des Buchs mein absolutes Lieblingsrätsel: Rätsel 30 (Der Zugraub), das statt einem großen Gitter vier kleine hatte, was für ein spaßiges Umdenken der Platzierungslogik sorgte. Tatsächlich war das Lösen dieses Rätsels so spaßig, dass ich mir gerne noch mehr dieser Art gewünscht hätte!
Das goldene Zeitalter der Piraten war meine persönliche Lieblingszeit, weil hier meine liebste Rätselart verwendet wurde: Bei manchen der Rätsel muss man die Orte nämlich selbst benennen (z.B. bei Rätsel 41 (Schmugglerbucht), wo es drei verschiedene Höhlen gibt, deren Namen wir anhand der Charakterhinweise zuordnen sollen), was für mich nicht nur der größte Spaß war, sondern auch eine packende Art von neuer Logik bot. Das See/Land-Prinzip fand ich nicht allzu interessant, aber jedes Rätsel, das verlangte, die Namen der Orte zu deduzieren (plus das Geisterschiff-Rätsel, bei dem man seinen Ort selbst bestimmen muss sowie das Papagei-Rätsel, bei dem man den Hinweis, der doppelt vorkommt, finden muss) war ein Highlight für sich.
Die Steinzeit bot eine um einiges interessantere Variante des Wilden Westens: Hier gibt es verschiedene Rollen (Jägerin, Fischer, Werkzeugmacherin, Sammler, Wolfsbändigerin), die ein Teil der Charaktere erfüllen muss, wobei es bestimmte Felder für die Rollen gibt, in der Regel nur ein bis zwei Charaktere eine bestimmte Rolle haben können und das Opfer in diesem Fall dazu zählt; das machte die Rätsel noch interessanter! Obwohl es auch hier keine Verbindung zwischen Mördern, Opfer und deren Rolle gab, waren diese Rätsel allein schon wegen der verschiedenen Rollen genial. (Hier kamen auch die ersten Rätsel vor, bei denen ich ein bestimmtes Feld bereits als besetzt markierte und erst später deduzierte, welcher Charakter dorthin gehört. Das war ebenfalls eine interessante, neue Art von Logik.) Mein Lieblingsrätsel war Rätsel 58 (Flusskrokodile).
Dann haben wir das Antike Ägypten, bei dem es mir zugegeben schwer fiel, die Logik hinter den Glyphen zu begreifen, weshalb ich mir vergleichsweise oft einen Hinweis holen musste. Es gibt zwei verschiedene Gylphen: Eine, die bedeutet, dass der Charakter, der auf ihrem Feld steht, allein ist; und eine, die bedeutet, dass er nicht allein ist. Falls man feststellt, dass ein Charakter auf einem der Glyphen steht, half einem das theoretisch, die Platzierung anderer Charaktere besser einzuordnen, aber praktisch gesehen habe ich mich damit sehr schwergetan. Dafür gab es ein paar echt coole Rätsel: meine Lieblinge waren Rätsel 72 (Römischer Gesandter), das, ähnlich wie im Mittelalter, Charaktere in zwei Lager aufteilte, und Rätsel 77 (Die Pyramide), das durch seine kreative Gitterform hervorstach.
Die letzten zwei Rätsel waren ein großartiger Abschluss, den ich nicht vorwegnehmen will, deshalb möchte ich stattdessen die einzige Rätselart ansprechen, die mir etwas zu kurz kam: Die „Es gab keinen leeren Raum“-Rätsel. Es gibt durchaus ein paar (vor allem im Mittelalter) sowie Rätsel mit ähnlicher Logik (z.B. „fünf Menschen waren östlich des Flusses, fünf waren westlich davon“), aber im Vergleich zum ersten Band kamen sie recht selten vor. Da ich die Logik hinter diesen Rätseln so mochte, hätte ich sie gerne noch mehr gesehen.
Insgesamt ist dieses Rätselbuch allerdings immer noch eine starke Steigerung zum großartigen ersten Band, mit sehr viel Variation und sehr viel Charme!
- Canvas
- Ursula Poznanski
- Loewe
- Jugendbuch
- Science Fiction
- Virtuelle Welten
- Rätsel
- Mystery
- Falsche Identitäten
- Geheimnisse
Ein Jahr nach den Ereignissen des letzten Bandes erhält Jana zu ihrem Schrecken die Nachricht, dass Lauritz, der Hauptakteur hinter den damaligen Ereignissen, aus MinusNull geflohen ist. Der einzige Weg, ihn zu finden, scheint Janas neue Welt zu bieten: Canvas, eine Art Jobbörse, mit dessen Hilfe man sich als Ambient, eine Art Statist, in verschiedene Welten stationieren kann, ohne selbst erkannt zu werden. Doch schon bald merkt Jana, dass sie nicht die einzige ist, die diese praktische Welt für sich nutzt …
Ich bin sehr froh, dass ich direkt vor dem zweiten Teil den ersten noch einmal gelesen habe, denn es handelt sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung, die das Wissen des ersten Bandes voraussetzt und auf jeden Fall leichter zu lesen ist, wenn man noch alle Charaktere und ihre Rollen frisch im Kopf hat.
Dieser Band hat vor allem eine gute Mystery, was so weit ging, dass ich zwar wusste, was genau nicht stimmte, mir aber einfach nicht erklären konnte, wie das möglich sein sollte und ganz schön gestarrt habe, als das Geheimnis dahinter herauskam. Zugegeben gibt es auch sehr leichte Rätsel, die ich in dem Moment löste, in dem alle Puzzleteile mir zur Verfügung standen, doch dafür eben auch welche, bei denen ich wenig bis keine Ahnung hatte und deshalb gespannt war, wohin das Buch mich führen würde. Andere Leserinnen und Leser werden sicher ebenfalls etwas zu leichte und ein paar undurchschaubare Rätsel entdecken, aber die Mischung war zumindest für mich in Ordnung.
Die Ambientes spielen eine große Rolle und werden zu meiner Zufriedenheit sehr gut genutzt: Es machte Spaß, Jana dabei zuzuschauen, wie sie andere Rollen übernimmt und dabei versucht, nicht erwischt zu werden, aber auch, wie sie versucht, die wahren Identitäten hinter anderen Rollen zu durchschauen. Das Weltenhoppen war für mich wieder der beste Teil; wir lernen einige neue Welten kennen und auch ein paar bekannte, aber so oder so war es großartig, die vielen Facetten der virtuellen Realitäten zu sehen.
Zu meiner Überraschung mochte ich die Romanze zwischen Jana und Tivon, die ich im ersten Band nicht besonders realistisch fand, in diesem Band sehr. Die beiden verbringen tatsächlich viel Zeit miteinander, tauschen liebevolle Gesten aus und zeigen allgemein eine Chemie, die mich sehr investiert in ihre Beziehung machte. Leider sind andere Charaktere dafür schwächer vertreten; sie kommen natürlich vor, aber keiner hinterließ einen so starken Eindruck wie Jana und Tivon.
Das Ende geschah ein wenig zu plötzlich und wurde meiner Meinung nach etwas zu schnell und glatt gelöst, sodass ich erst einmal eine Weile brauchte, um überhaupt zu verstehen, warum die Ereignisse sich gerade überschlagen. Zudem sind durchaus noch Fragen offen, z.B., inwiefern die Menschen wieder in der realen Welt leben können werden; es gibt zwar Andeutungen auf eine Verbesserung, aber eine echte Lösung wurde leider noch nicht gefunden. Wer weiß also, ob wir noch einen dritten Teil bekommen.
Letztendlich ein gelungener zweiter Band, bei dem mir vor allem die verschiedenen Welten und Rätsel sehr gefielen!
Als ehemaliger Sättigungstaucher bekommt Yorick die Mission, die Naturwissenschaftlerin Kristina Sabo bei einer Arktis-Expedition auf der Suche nach leuchtenden Bakterien zu beschützen, die die Energieversorgung der Welt komplett auf den Kopf stellen könnten. Kurz zuvor hatten sie und ihr Kollege José einen Laborunfall, bei dem sie beide mit den Bakterien kontaminiert wurden – und obwohl ihnen versichert wurde, dass sie korrekt behandelt wurden und keine Gefahr droht, wird bald klar, dass dem nicht so ist …
Ich lese nicht allzu viele Wirtschaftsthriller, weil sie nicht ganz in meinem Interessengebiet sind, aber dieser hier war spaßig zu lesen und eine positive Überraschung. Zwar habe ich auch Kritikpunkte, aber insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten, weshalb es letztendlich trotzdem eine Empfehlung ist.
Wir folgen mehreren Sichtcharakteren, die zunächst voneinander abgeschnitten sind: Yorick auf der Arktis-Expedition, die sich natürlich nicht so entwickelt, wie sie es sollte; José mit den Folgen des Laborunfalls, der nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Gefahr bringt; und Skörle, die mit ihrem Ehemann eine private Schiffsart in die Arktis machen will, ohne zu ahnen, dass das Paar, das sie betreut, mehr plant, als sie ahnen. Es war spaßig, zu lesen, wie sich diese drei Geschichten entwickeln und auf welche Weise sie wohl zusammentreffen werden.
Besonders investiert war ich in Josés Geschichte, weil hier besonders viel auf dem Spiel stand; seine Krankheit und die Bedrohung von außen haben mich sehr gepackt, weil ich diese persönlichen Risiken interessanter fand als eine möglicherweise gescheiterte Expedition, bei der zwar technisch gesehen größere Dinge auf dem Spiel stehen, sich aber kleiner anfühlen als ein persönliches Schicksal.
Auch die unbekannten Gefahren, mit denen Skörle und ihr Ehemann Eric sich auseinandersetzen müssen, waren interessant, während ich bei Yoricks Geschichte vor allem Yorick selbst mochte: Er war praktisch veranlagt, äußerst fähig und stellte sein Können auch mehrmals unter Beweis. Es war erfrischend, neben den unsicheren und unvorbereiteten Charakteren auch jemanden zu haben, der weiß, was er tut. Zugleich lernten wir ihn von allen Charakteren am besten kennen und ich mochte zum Beispiel seine Gewohnheit, an Naturgewalten Briefe zu schreiben.
Überraschenderweise war Kristina letztendlich ein Nebencharakter. Nachdem die Kurzbeschreibung andeutete, dass sie zusammen mit Yorick ein Hauptcharakter wird, hätte ich nicht erwartet, dass sie letztendlich nur eine kleine Rolle spielt, aber das ist keine Kritik von meiner Seite aus, sondern nur eine Beobachtung.
Dafür hätte ich mir gerne mehr Gefühle gewünscht. Der Großteil der Handlung fokussiert sich (verständlicherweise) auf die Expedition und die relevanten Informationen, aber die meisten Charaktere blieben mir fern, weil nur José eine Geschichte bot, bei der ich nicht nur handlungstechnisch, sondern auch emotional investiert war.
Auch vom Ende hätte ich mir mehr erhofft, weil die Geschichte überraschend glatt und schnell gelöst wurde und ich ein wenig mehr Action erwartet hatte.
Insgesamt also ein Wirtschaftsthriller, der mich gut unterhalten hat!
Direktor Schwarz braucht dringend die Hilfe der Hackebarts: Der Schulinspektor Otto Säuerlich möchte in drei Tagen die berüchtigtste Klasse der Schule, die 7 z, überprüfen. Alle Lehrer bis auf den beliebten El Zorro haben sich krank gemeldet und die einzige Hoffnung des Direktors liegt in der schlauen Lulu. Aber auch die anderen Hackebarts sind begeistert von der Vorstellung, ihre eigenen Lieblingsfächer zu unterrichten – bis sie die Klasse 7 z tatsächlich kennenlernen …
Witzig geht es auch im fünften Band weiter, und zwar mit einer tollen Idee: Die Hackebarts, die die wohl katastrophalste Klasse der Welt für einen Tag unterrichten müssen. Bis zum eigentlichen Tag dauert es zwar ein wenig, weil zunächst die Grundsteine der Handlung gelegt werden und die Hackebarts die Klasse zunächst in einem Übungstag kennenlernen, doch bereits da bedient sich Markus Orths seinem fantastischen Humor. Ich mochte vor allem seine genialen Wortwitze!
Das eigentliche Highlight bleibt natürlich immer noch der Unterrichtstag selbst. Adrijana mit Sport und Musik (zumindest theoretisch), Mönkemeier mit einer kreativen Kunststunde, Zosch mit Informatik (beziehungsweise: Zocken und Hacken), Lulu mit einer sehr erheiternden Deutschstunde, Brooklyn mit einem sehr erinnerungswürdigen Chemie-Experiment und zum Schluss Opa Hackebart mit Geschichte (und ein paar Themen mehr). Jede einzelne dieser Stunden war ein Highlight für sich und zusammengenommen bilden sie den wohl besten Teil des Buches. Ich mochte aber auch die Autofahrt mit Opa Hackebart und Walter, die zwar nur eine kleine Rolle spielt, aber ebenfalls witzig zu lesen war.
Von den neu eingeführten Charakteren hätte ich gerne noch mehr von El Zorro gesehen – er hat zwar seine Auftritte und sorgte für einen guten Abschluss, aber mir hätte es nichts ausgemacht, ihn noch öfter zu sehen, weil er schlicht ergreifend cool war!
Insgesamt ein gelungener Crazy-Family-Band, der nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken einlädt!
- Geschichte
- zum Anfassen
- Sam Kean
- Penguin
- Archäologie
- Experimente
- Erzählungen
- Historie
- Antike
- Mittelalter
- Praxis
- Sachbuch
Wie haben die Menschen vergangener Zeiten tatsächlich gelebt? Archäologie stellt sich diese Frage in der Regel theoretisch, doch Sam Kean möchte mithilfe eigener Experimente zeigen, wie alltägliche Aufgaben in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern tatsächlich aussahen. Von der Zeit der Jäger und Sammler bis zum Untergang der Azteken beschreibt und testet er mithilfe von Experten so ziemlich alles: Das Werfen mit einer Speerschleuder, das Mumifizieren von Tieren, das Herstellen antiker Frisuren und Tätowierungen, sogar das Aufschneiden eines Gehirns. Gleichzeitig erzählt er von möglichen Erlebnissen, die ein Mensch damals gemacht haben könnte, mit all den Strapazen, die damit einhergingen …
Die Struktur dieses Sachbuchs ist das, was es besonders macht: In elf Kapiteln folgt nach einer kurzen Einleitung abwechselnd eine fiktive Erzählung, die sich auf wahre Fakten stützt, und Sam Keans Erläuterungen und Experimente, die in den jeweiligen Erzählungen beschrieben wurden. Das sorgte für eine angenehme Abwechslung, durch die ich sowohl in die Erzählung als auch in seine Experimente investiert war. Tatsächlich war ich überrascht, wie sehr ich darauf brannte, zu erfahren, wie verschiedene Geschichten und Versuche ausgehen, obwohl ich ja wusste, dass die Geschichten fiktiv und die Versuche sicher waren!
Zugegeben stellt sich Sam Kean bei den meisten Experimenten mehr schlecht als recht an, aber gerade das macht die Versuche erstaunlich charmant und demonstriert gleichzeitig, wie schwer sie wirklich sind. Allerdings braucht man stellenweise einen stabilen Magen für manche der Versuche – schon die Beschreibung des Mumifizierens war nicht leicht zu lesen, aber das Kapitel mit dem Aufschneiden des Gehirns war wirklich nichts für schwache Nerven.
Weil ich die halb-fiktiven Erzählungen so mochte, möchte ich ihnen allen einen kurzen Satz widmen:
- Kayate im prähistorischen Afrika investierte mich gleich von Anfang an, weil mit jedem Scheitern immer mehr für ihn auf den Spiel stand;
- die Jägerin Asana in Südamerika konnte mich ebenfalls fesseln, weil das Mysterium um eine Fremde zusammen mit einer gefährlichen Jagd für eine spannende Mischung sorgte;
- Darga in der Türkei hat sich mir nicht allzu eingebrannt, aber dafür war die Szenerie der Stadt Çatalhöyük mit Abstand die erinnerungswürdigste Ortschaft;
- Amon im antiken Ägypten hatte den Vorteil, dass ich das antike Ägypten allgemein mag, weshalb mir auch seine Geschichte sehr gut gefiel;
- Loa, Navigatorin in Polynesien, hatte einen besonders coolen Charakter, aber handlungstechnisch passierte leider nicht allzu viel;
- die Sklavin Zyrmina in Rom war wohl meine liebste Geschichte, weil ihr Charakter, die Handlung und die Ortschaft gleichermaßen großartig waren;
- bei Nadu in Kalifornien erinnere ich mich zugegeben nur noch an das überraschend zufriedenstellende Ende;
- auch von Ciaran bei den Wikingern habe ich nicht mehr viel in Erinnerung, weil das das Kapitel war, indem Sam Kean sich dem Aufschneiden eines Gehirns widmete;
- dafür konnte mich Amaruq in Nordalaska wieder fesseln, weil ihre Situation so drängend und risikoreich war;
- der Eunuch Jiaolong im alten China konnte durch eine einnehmende Liebesgeschichte überzeugen;
- und schließlich haben wir Huehmac in Mexiko, bei dem ich mich eher an Sam Keans Ullamaliztli-Spiel erinnere als an die erzählte Geschichte.
Insgesamt also eine Sammlung an vielen guten Geschichten, die, wie Sam Kean betont, zwar fiktiv sind, aber so oder so ähnlich durchaus hätten passiert sein können, weil sie sich auf überlieferte Fakten stützen, die auch während den Geschichten selbst eingestreut werden. Sollte ich das Buch noch einmal lesen, kann ich mir gut vorstellen, mich ganz auf die Erzählungen zu fokussieren!
Ein letztes kleines Lob, das nichts mit dem Inhalt selbst zu tun hat, ich aber unbedingt erwähnen möchte: die Erzählungen und Keans Erläuterungen werden durch verschiedene Symbole voneinander abgegrenzt, die nicht nur zur Geschichte passen, sondern stets unterschiedlich sind: So haben wir bei Zyrmina in Rom zum Beispiel vier Erzählungs- und drei Erklärungsabschnitte, die durch sechs verschiedene Symbole voneinander abgetrennt werden: Pflanzen, Tempel, Frisuren, Nadel und Faden, Vulkane und Halsbänder. Die Tatsache, dass nicht einfach dasselbe Symbol für jede Abgrenzung benutzt wird und die Symbole zudem immer zum jeweiligen Abschnitt passen, war bei jeder Geschichte ein kleines, aber unglaublich charmantes Detail. Großes Lob an die Person, die dafür verantwortlich ist, denn obwohl es nur ein visueller Aspekt war, trug er so einiges zur Lesefreude bei!
Insgesamt also ein Sachbuch, das vor allem durch seine Erzählkunst überzeugt und allein deshalb empfehlenswert ist, aber auch wegen der sehr anschaulichen Experimente, bei denen der Autor an seine Grenzen geht!
- All die Farben
- All das Licht
- Cora Wucherer
- Klett-Cotta
- Belletristik
- Schwestern
- Familie
- Kunst
- Blindheit
- Roadtrip
- Sommer
- Erwachsenwerden
- Veränderung
- Kleines Highlight
Juna und Martha sind Schwestern, haben aber kein besonders enges Verhältnis zueinander. Juna, die Künstlerin ist und unter dem Usher-2-Syndrom leidet, muss sich mit der Diagnose, sehr bald vollständig zu erblinden, auseinandersetzen. Unbedingt möchte sie davor ihr Lieblingsbild der Künstlerin Lotte Laserstein sehen, das in Malmö ausgestellt ist. Martha, die Junas Ausweis gestohlen hat, um im Sommer in einem Kino arbeiten zu können, hat sich immer wie die vernachlässigte, schlechtere Schwester gefühlt und sucht ihre Freiheit da, wo Juna nicht ist. Erst eine spontane Reise nach Schweden zeigt den beiden Schwestern, dass sie füreinander da sein müssen …
Dieser wunderschöne Roman erzählt nicht nur die Geschichte von zwei Schwestern, sondern geht auch stark auf die persönlichen Probleme der beiden ein, die sich nicht immer lösen lassen, ihnen aber aufzeigen, welchen Weg sie gehen können.
Vor allem in Junas Sichtweise war ich sehr investiert, da sie als Künstlerin, die bald ihr Augenlicht verliert, bereits eine einnehmende Ausgangssituation hatte, aber auch, weil ich mich sehr gut in ihren Charakter hineinversetzen konnte. Bei Martha fiel es mir schon schwerer, das zu tun, da ich ihre Sichtweise zwar komplett verstehen konnte, wir aber schlicht zu verschiedene Persönlichkeiten haben. Dafür mochte ich die Nebencharaktere in ihrer Geschichte am meisten, speziell ihren besten Freund Alex und ihren Crush Sophie.
Zu meiner Überraschung spielte das Band der Schwestern zwar durchaus eine Rolle, aber keine so große wie ihre persönliche Weiterentwicklung. Tatsächlich hätte ich mir deshalb gerne noch mehr Szenen zwischen Juna und Martha gewünscht, weil ihre wachsende Bindung dadurch noch stärker gewesen wäre, aber ich mochte es zugegeben auch sehr, die beiden an sich selbst wachsen zu sehen.
Einen Charakter, den ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist Arvid. Obwohl er nur wenig Screentime hat, hatte er einen bleibenden Effekt auf Juna, die er auf großartige Weise inspirierte. Junas und Marthas Vater bekommt im Lauf der Handlung auch eine immer wichtigere Rolle, doch hier hätte ich mir gewünscht, dass öfter gezeigt worden wäre, wie er aus seinem Verhalten gegenüber Juna und Martha lernt.
Die Einbindung der Künstlerin Lotte Laserstein, die es wirklich gab, gefiel mir außerordentlich gut, sodass ich sogar eigene Recherchen anstellte, um mehr über sie herauszufinden und ihre Bilder zu sehen.
Ich glaube, das einzige, was ich mir sonst gewünscht hätte, wäre, noch mehr von Junas und Marthas späteren Wochen, Monaten und Jahren zu zeigen. Als ich zu Beginn den Abschnitt „Davor“ las, nahm ich an, dass der „Danach“-Abschnitt sich um Junas Blindheit drehen würde, doch das war zu meiner Überraschung nicht der Fall. Was wohl auch auch der Sinn dahinter ist (der Fokus liegt bewusst auf etwas Anderem), aber ich hätte trotzdem gerne erlebt, wie ihr Leben sich daraufhin ändert.
Insgesamt ein sehr schönes Buch, bei dem mir vor allem die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren besonders gut gefiel!
Als Toshiko bei einer Erkundungsmission für ihre Wahlgeschwister Mei und Jun eine Drachenperle stiehlt, ahnt sie nur ansatzweise, was für eine Macht sie besitzt. Entschlossen, sich und anderen Bürgern am Rande der Gesellschaft endlich ein besseres Leben aufzubauen, planen die Geschwister, die Kaiserin zu stürzen. Diese plant neue, menschenähnliche Bots, von denen Toshiko fürchtet, dass sie die Hüterskinder auf grausame Weise ersetzen werden. Zu denen gehört Theo, der besondere Kräfte besitzt und einen gefährlichen Auftrag bekommt, der ihn ganz in die Nähe der Geschwister bringt. Auch der junge Haru, Sohn der Kaiserin, muss sich fragen, für wen genau er kämpfen will …
Dieser Fantasyroman bietet eine faszinierende Welt und solide Hauptcharaktere, aber leider eine zu langsame Handlung, um gänzlich zu überzeugen.
Die drei Geschwister Toshiko, Jun und Mei waren recht gute Protagonisten und ich mochte es vor allem, dass sie alle eine tragende Rolle bei den Ereignissen des Romans spielten, die ihnen auch erlebten, ihre verschiedenen Fähigkeiten zu zeigen. Es war jedes Mal so zufriedenstellend, wie ihr Können tatsächlich unter Beweis gestellt wurde, was auch für die Sichtcharaktere Theo und Haru gilt.
Diese beiden interessierten mich letztendlich noch mehr als die Geschwister, weil es mir bei ihnen möglich war, mich auch emotional mit ihnen zu verbinden, was mir bei den Geschwistern überraschend schwer fiel. Ich war vor allem investiert in Harus Geschichte, seine Freundschaft zu den Sonnengeistern und seine langsamen Zweifel an seiner Mutter; aber auch Theo und sein Auftrag gefielen mir, weil sie eine Spannung in die Geschichte brachten, die zwar nicht gänzlich bei den anderen fehlte, bei Theo aber definitiv am stärksten ausgeprägt war. Seine beste Szene war definitiv der Endkampf, nur das Ende konnte mich nicht zufriedenstellen.
Allgemein hat die Geschichte durchaus erinnerungswürdige und spannende Momente – mir kam es schlicht nicht wie genug vor, weil es mir so schwer fiel, auf emotionaler Ebene mit den Charakteren mitzufiebern und es zwischen diesen erinnerungswürdigen Momenten leider auch eine ganze Menge gab, die quälend langgezogen waren und die ich nur mit Mühe bewältigt habe.
Die Romanze in dem Roman spielt zum Glück nur eine sehr kleine und unwichtige Rolle, was insofern gut war, weil sie mir viel zu plötzlich kam; was mir dagegen gefiel, war das Worldbuilding. Es war faszinierend, einen Fantasyroman in einer halb modernen Welt zu lesen, die sowohl Bots als auch Drachen zu bieten hat und von denen beides (und alles dazwischen) hervorragend in die Handlung eingebaut wurde.
Eine richtige Empfehlung kann ich leider nicht aussprechen, weil mir die Handlung dazu zu langsam war und mir die emotionale Komponente fehlte, aber ein Lob bekommt von mir definitiv die Kreativität der Welt!
In „Die Postkarte“ hat Anne Berest die Familie ihrer Mutter beleuchtet, in „Vatertage“ geht es nun um die Familie ihres Vaters. Vom Urgroßvater Eugène, zum Großvater desselben Namens, bis zu ihrem Vater Pierre: Drei Generationen, die Teil ihrer eigenen Revolutionen waren, sich für ihre Rechte einsetzten und doch nicht immer wussten, was sie vom Leben wollten. Anne Berest möchte gerne mehr zu ihrer aller Leben erfahren, doch als ihr Vater krank wird, wird ihr bewusst, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Geschichte ihrer väterlichen Familie aufzuschreiben …
„Vatertage“ ist definitiv anders geschrieben als „Die Postkarte“, denn während letzteres eine mehr oder weniger lange, lineare Geschichte erzählte, besteht dieser Roman aus vielen sehr kurzen Kapiteln, die eher Momentaufnahmen festhalten: Teile einer größeren Geschichte, die man letztendlich nicht vollständig liest, aber sehr gut erspüren kann. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie mir dieser Erzählstil gefällt; einerseits liebte ich es, wie schnell der Roman sich auf diese Weise las, wie gut man von Kapitel zu Kapitel sprang und wie viele der Momente geschrieben waren. Andererseits war es sehr kurzweilig, ich habe mehr Momente vergessen, als ich im Kopf behielt und ich war nie emotional investiert, weil nie genug Zeit blieb, um tiefgreifende Gefühle zu entwickeln.
Es war trotzdem interessant, die Geschichte von Großvater Eugène und noch interessanter, die Geschichte von Vater Pierre zu erfahren, weil beide so einiges erlebten und ich mir nur gewünscht hätte, ihre Erlebnisse wären ausführlicher erzählt worden; so gut es mir gefiel, das Buch aufgrund der kurzen Kapitel so schnell lesen zu können, hätte es meiner Meinung nach mehr davon profitiert, sich auf die wichtigsten Erlebnisse zu konzentrieren. Statt die volle Geschichte der drei Generationen in so vielen kurzen Kapiteln zu erzählen, wäre es, finde ich, besser gewesen, lieber detailliert auf einige wenige Momente einzugehen, um sich wirklich in diese fallen lassen zu können.
Diejenigen, die einen Roman aus Momentaufnahmen und kurze Kapitel lieben, werden „Vatertage“ sicher mögen, doch für mich bot die Geschichte leider nicht genug, um in sie investiert zu werden.
Charlotte ist überrascht, als ihr eine kleine Schachtel überreicht wird, die eigentlich für die adoptierten Töchter des Hope‘s House gedacht ist – in diesem Fall ihre Großmutter, die allerdings definitiv nicht adoptiert wurde, da deren eigene Mutter Amalie noch am Leben ist. Verwirrt versuchen Charlotte und ihre Großmutter, Antworten zu finden und erfahren so von Amalie, wie sie damals ihre große Liebe Oskar kennenlernte. Charlotte ahnt, dass ihre Geschichte kein gutes Ende haben wird, doch während sie noch dabei ist, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren, lernt auch sie jemanden kennen, in den sie sich verliebt: Harrison, der allerdings ein Geheimnis zu haben scheint …
Nach sechs Bänden war ich gespannt, wie Soraya Lane die bereits familiäre Geschichte so gestalten würde, dass sie immer noch erfrischend wirkt – und zu meiner Überraschung ist ihr das mit der Ausgangssituation sehr gut gelungen. Endlich haben wir eine Protagonistin, deren Großmutter – und sogar deren Urgroßmutter! – noch am Leben ist, sodass letztere ihre Geschichte eigenhändig erzählen kann, anstatt dass die Charaktere die Hinweise selbst entschlüsseln müssen, ohne die eigentliche Geschichte je zu erfahren. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zu den vorigen Ausgangssituationen, bei denen es keine lebenden Vorfahren mehr gab.
Und nicht nur das: Charlottes schwierige Familienverhältnisse zu ihren Eltern, die sie im Buch tatsächlich aufarbeitet, sowie Harrisons Vergangenheit waren interessante Punkte, von denen ich froh war, dass sie nicht nur nebenbei vorkamen, sondern eine wichtige Rolle spielten. Zudem war es schön, wie Charlotte ihre Profession als Chef de Cuisine erfolgreich ausübt und damit mehrmals bewies, dass sie tatsächlich eine hervorragende Köchin ist.
Eine wichtige Kritik habe ich allerdings: Ich war nicht so investiert in die Romanzen, wie ich es gewollt hätte. Amalies Liebesbeziehung zu Oskar ist durchaus süß und realistisch genug, aber Charlottes Romanze mit Harrison ging mir zu schnell vonstatten, zumal die Charaktere am häufigsten das gute Aussehen ihres Partners hervorheben, was dem Realismus zusätzlich geschadet hat. Gleichzeitig bekamen die beiden Paare ein wenig ZU viel Zeit in der Geschichte. Beide erlebten mehrere gemütliche Momente, allerdings nicht immer welche, in denen sie sich tatsächlich kennenlernten; und selbst, wenn sie es taten, war mir dieser Teil der Handlung schlicht zu lang, was insofern ironisch ist, weil mir ihre Liebesbeziehungen zugleich nicht lang genug vorkamen. Insgesamt war ich eindeutig ein größerer Fan der dramatischeren Aspekte, die wiederum gut umgesetzt waren.
Am meisten mochte ich das Rätsel, das hinter Amalie und der seltsamen Nicht-Adoption steckt. Ich habe wirklich gerätselt, was wohl die Erklärung für die vielen Ungereimtheiten sein würde und war sehr zufrieden mit der Auflösung.
Insgesamt also eine gemütliche Familiengeschichte, die für mich zwar ein wenig ZU gemütlich war, aber immer noch ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet!
- Die verschwundene
- Schwester
- Lucinda Riley
- Goldmann
- Belletristik
- Schwestern
- Drama
- Familie
- Suche
- Liebe
- Geheimnisse
Die sechs d‘Aplièse-Schwestern haben ihre Herkünfte entdeckt und ein neues Leben gefunden, doch ein letztes Geheimnis haben sie zu lüften: Mary McDougal, ihre verschwundene siebte Schwester, für die es endlich einen Hinweis gibt, nämlich einen sternenförmigen Smaragdring, den sie besitzen soll. Allerdings berichtet Mary, dass ihre Mutter Merry den Ring für eine Weltreise an sich genommen hat und so bald nicht wieder zurückkehren wird. Zum Glück leben die Schwestern in verschiedenen Ländern, sodass sie sie verfolgen können – doch merken sie bald, dass Merry ihnen bewusst aus dem Weg zu gehen scheint …
Dieser siebte Band der Sieben Schwestern hat definitiv eine andere Struktur als die anderen, denn nicht nur kommen hier alle Schwestern zum Einsatz, weil sie alle Kontakt mit Merry und deren Kindern suchen, auch die direkte Vergangenheit der siebten Schwester spielt dieses Mal eine große Rolle. Tatsächlich war es sogar die Vorgeschichte mit Nuala, die mir am meisten Schwierigkeiten bereitete – denn obwohl ich ihre Freundschaft mit Philip sehr schön umgesetzt fand, haben mich die ganzen politischen Zusammenhänge hinter dem irisch-britischen Konflikt nicht interessiert und ich fand es deshalb besonders schwierig, in ihre Sichtweise reinzufinden.
Bei den anderen Schwestern fiel mir das schon leichter und ich mochte es, dass nicht nur alle Sichtweisen bekamen, sondern Maia und Ally zusätzlich eine eigene kleine Nebengeschichte erhielten, die mir sehr gefiel. Aber auch die Sichtweisen von CeCe, Elektra, Star und Tiggy waren so zufriedenstellend zu lesen, weil sie ihr Happy End natürlich schon bekommen haben, es aber gerade deshalb so schön war, zu lesen, wie sie es leben.
Am faszinierendsten fand ich die Rückblicke bezüglich Merrys Kindheit und ihrer Herkunft, weil ich so eingenommen von ihrem Familienleben war, ihren Patenonkel Ambrose und dessen Freund Father O‘Brien so mochte und diese Teile der Geschichte allgemein sehr gut erzählt waren. Tatsächlich hätte ich mir sogar noch mehr Szenen aus ihrem Leben gewünscht, weil ich so interessiert daran war!
Insgesamt fand ich diesen Band zwar nicht ganz so gut wie die vorigen Bände, mochte aber das Konzept und Merrys Geschichte sehr gerne. Ich freue mich schon darauf, bald den achten und letzten Band zu lesen!
Batter, nach dem verstorbenen Hund seiner Mutter benannt, begeistert sich schon von Kind auf für Lyrik, was seine Eltern etwas verzweifeln lässt, weil sie sich gerne eine stabile Zukunft für ihn wünschen. Doch dann bekommt Batter eine Stelle bei Peck & Peck, einer weltberühmten Lyrikzeitschrift – allerdings nicht, wie er hoffte, als Lektor, sondern als Copyboy. Schon bald wird er in den Sog der beiden Zwillingsbrüder, die den Laden führten und führen, hineingezogen: Der sympathische Declonius, der wegen Unterschlagung ins Gefängnis kam und plötzlich bei ihm im Kopierraum auftaucht, obwohl er sich dem Gebäude gar nicht nähern darf; und der cholerische Salton, dem derzeitigen Chef des Unternehmens, der absolut nichts von Gedichten, aber dafür umso mehr von Kommerzialisierung versteht und das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen will. Doch letztendlich liegt es an Batter und seinen (nicht immer guten) Entscheidungen, die die Zukunft des Unternehmens beeinflussen …
Die Geschichte geht definitiv in eine andere Richtung, als man am Anfang denkt: Ich nahm automatisch an, dass Batter nach seiner Anstellung als Copyboy schon bald seine Qualitäten als Lektor zeigen und befördert werden würde, aber das ist keinesfalls der Fall – stattdessen geht es viel mehr um den Einfluss, den die beiden Peck-Brüder auf ihn haben bzw. auf den Einfluss, den er auf sie hat. Und das war das wahrlich Faszinierende: Als begeisterter Lyrikfan, der zuvor im Einzelhandel gearbeitet hat, versteht er beide Peck-Brüder sehr gut und die Szenen zwischen ihm und ihnen gefielen mir ausgesprochen gut. Dadurch, dass Batter so ein sympathischer Protagonist ist, der teils falsche, aber nachvollziehbare Entscheidungen trifft, war es leicht, mit ihm mitzufiebern und dabei zuzuschauen, wie sich das Unternehmen langsam verändert.
Gerade wegen Salton gab es sehr viele angespannte und spannende Szenen und obwohl er selbst eine sehr unsympathische Person war, war er ein erstaunlich unterhaltsamer Charakter, gerade weil er komplettes Chaos in das Unternehmen bringt. Für Declonius hätte ich mir noch etwas mehr Szenen gewünscht, aber es war leicht, ihn trotz seiner Fehler und fehlerhaften Entscheidungen zu mögen.
Aber noch andere Charaktere spielen eine Rolle: Der originale Batter, nach dem unser Protagonist benannt wurde und dessen Geschichten sehr schnell zu meinen Highlights wurden; Batters Mutter, eine Schriftgestalterin, die ihn moralisch unterstützt und deren Wissen über Schriftarten am Ende eine große Relevanz bekommt; Mr Raley, Batters ehemaliger Chef, der zusammen mit Batters Mutter zu den weisesten Charakteren im Buch gehört; Batters früherer Studienkollege Paul, der eine eigene kleine Nebengeschichte hat; und natürlich die ganzen Menschen bei Peck & Peck, die nicht immer eine große, aber dennoch eine wichtige Rolle spielen.
Außerdem hat das Buch viele Wendungen und Offenbarungen, die die Handlung stets spannend gestalten und den Kontext vieler Szenen auf so großartige Weise ändern, dass ich es am liebsten noch einmal mit dem Wissen, das ich jetzt habe, lesen würde. Gerade das Ende sticht hier besonders positiv hervor und war nur schwer aus der Hand zu legen.
Das einzige, was ich mir gerne gewünscht hätte, wären mehr (viel mehr!) Gedichte gewesen, denn es werden zwar so einige erwähnt, aber tatsächlich ausgeschrieben nur eins oder zwei. Das kam mir wie eine verpasste Gelegenheit vor, die Macht von Gedichten auch tatsächlich zu zeigen.
Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das Buch vergleichbar mit „Eine Frage der Chemie“ ist, denn da ich Lyrik sehr mag, aber mit Kochen nicht viel anfangen kann, mochte ich dieses Buch persönlich sogar mehr als „Eine Frage der Chemie“; aber ich weiß nicht, wie es auf diejenigen wirkt, die rein gar nichts mit Lyrik anfangen können. Von mir bekommt es auf jeden Fall eine Empfehlung, weil es ein großartiges, emotionales und spannendes Leseerlebnis war!