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Murdoku Volume 2: Back in Time
224 Seiten

Im zweiten Murdoku besuchen wir verschiedene ikonische Zeiten: Das Mittelalter, den Wilden Westen, die goldene Zeit der Piraten, die Steinzeit und zuletzt das Antike Ägypten. Alle mit ihren eigenen Extra-Regeln, aber vor allem: Alle mit jede Menge Charme.

Denn das ist zunächst einmal die erste große Stärke dieses Rätselbuchs: Das Design. Jede Zeit hat ihr eigenes Graphic Design, einschließlich eigener Schriftart, passender Charaktersilhouetten (einschließlich der vereinfachten Figuren in der Lösung), einer Vielfalt verschiedener Orte und sogar Gegenständen, die in verschiedenen Zeiten vorkommen, aber passend zur Zeit gestaltet sind. Jede Epoche hat ihren eigenen Stil und das war absolut großartig! Die ganze Detailliebe zeigt, wie viel Mühe und Herzblut in diesem Rätselbuch steckt.

Und das ist noch nicht mal alles: Die mit Abstand beste Verbesserung waren die Notizzettel. Im ersten Band waren sie einfach eine leere Nachbildung der Räume, doch hier im zweiten Band werden alle speziellen Felder nochmal extra markiert: Felder, die nicht besetzt werden können, sind z.B. leicht dunkler; Felder mit Stühlen, Pferden, Teppichen usw. werden nochmal umrandet; und auch Extra-Felder, die es z.B. in der Steinzeit und im Antiken Ägypten gibt, bekommen ein kleines Symbol zur Differenzierung. All diese Verbesserungen waren unglaublich praktisch und haben es so viel angenehmer gemacht, die Felder auszufüllen! Am liebsten wünsche ich mir jetzt eine Neuauflage des ersten Bandes, die ebenfalls spezielle Felder im Notizzettel markiert, weil ich im Nachhinein nicht weiß, wie ich ohne diese Markierungen zurechtgekommen bin.

Aber reden wir über die Rätsel an sich!

Im Mittelalter sind die Charaktere in Adlige, Bürger und Ritterinnen eingeteilt, wobei Adlige nur in adligen Orten sein können, Bürgerinnen nicht in adligen Orten sein können und Ritter überall. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Charaktere dementsprechend in die Felder einzuordnen und ich mochte es, wie mein Gehirn die Logik hinter den Charakterplatzierungen verarbeitete. Gerade die späteren Rätsel waren hier sehr gut, wobei ich mir bei Rätsel 15 (Die Belagerung) sogar einen Lösungshinweis holen musste. (Nach dem ersten Murdoku war das Nachschauen eines Hinweises zum Glück nur selten notwendig, aber wenn doch, habe ich mich meistens dafür verflucht, nicht selbst auf die richtige Strategie gekommen zu sein – anstatt, wie beim ersten Murdoku, erleichtert darüber zu sein, weil ich eben nicht selbst darauf gekommen wäre.)

Der Wilde Westen war da schon unspektakulärer. Hier muss man neben der Mörderin auch die Gesetzlosen identifizieren, aber dadurch, dass das Opfer selbst nie ein Gesetzloser war, es nur diese eine Rolle gab und diese keinerlei Zusammenhang mit dem Mörder hatte, habe ich keinen richtigen Sinn hinter dieser Mechanik gesehen. Hier finde ich, dass die Rätsel davon profitiert hätten, eine engere Bindung zwischen den Gesetzlosen und dem Mörder und/oder Opfer einzubauen. Dafür hatte dieser Teil des Buchs mein absolutes Lieblingsrätsel: Rätsel 30 (Der Zugraub), das statt einem großen Gitter vier kleine hatte, was für ein spaßiges Umdenken der Platzierungslogik sorgte. Tatsächlich war das Lösen dieses Rätsels so spaßig, dass ich mir gerne noch mehr dieser Art gewünscht hätte!

Das goldene Zeitalter der Piraten war meine persönliche Lieblingszeit, weil hier meine liebste Rätselart verwendet wurde: Bei manchen der Rätsel muss man die Orte nämlich selbst benennen (z.B. bei Rätsel 41 (Schmugglerbucht), wo es drei verschiedene Höhlen gibt, deren Namen wir anhand der Charakterhinweise zuordnen sollen), was für mich nicht nur der größte Spaß war, sondern auch eine packende Art von neuer Logik bot. Das See/Land-Prinzip fand ich nicht allzu interessant, aber jedes Rätsel, das verlangte, die Namen der Orte zu deduzieren (plus das Geisterschiff-Rätsel, bei dem man seinen Ort selbst bestimmen muss sowie das Papagei-Rätsel, bei dem man den Hinweis, der doppelt vorkommt, finden muss) war ein Highlight für sich.

Die Steinzeit bot eine um einiges interessantere Variante des Wilden Westens: Hier gibt es verschiedene Rollen (Jägerin, Fischer, Werkzeugmacherin, Sammler, Wolfsbändigerin), die ein Teil der Charaktere erfüllen muss, wobei es bestimmte Felder für die Rollen gibt, in der Regel nur ein bis zwei Charaktere eine bestimmte Rolle haben können und das Opfer in diesem Fall dazu zählt; das machte die Rätsel noch interessanter! Obwohl es auch hier keine Verbindung zwischen Mördern, Opfer und deren Rolle gab, waren diese Rätsel allein schon wegen der verschiedenen Rollen genial. (Hier kamen auch die ersten Rätsel vor, bei denen ich ein bestimmtes Feld bereits als besetzt markierte und erst später deduzierte, welcher Charakter dorthin gehört. Das war ebenfalls eine interessante, neue Art von Logik.) Mein Lieblingsrätsel war Rätsel 58 (Flusskrokodile).

Dann haben wir das Antike Ägypten, bei dem es mir zugegeben schwer fiel, die Logik hinter den Glyphen zu begreifen, weshalb ich mir vergleichsweise oft einen Hinweis holen musste. Es gibt zwei verschiedene Gylphen: Eine, die bedeutet, dass der Charakter, der auf ihrem Feld steht, allein ist; und eine, die bedeutet, dass er nicht allein ist. Falls man feststellt, dass ein Charakter auf einem der Glyphen steht, half einem das theoretisch, die Platzierung anderer Charaktere besser einzuordnen, aber praktisch gesehen habe ich mich damit sehr schwergetan. Dafür gab es ein paar echt coole Rätsel: meine Lieblinge waren Rätsel 72 (Römischer Gesandter), das, ähnlich wie im Mittelalter, Charaktere in zwei Lager aufteilte, und Rätsel 77 (Die Pyramide), das durch seine kreative Gitterform hervorstach.

Die letzten zwei Rätsel waren ein großartiger Abschluss, den ich nicht vorwegnehmen will, deshalb möchte ich stattdessen die einzige Rätselart ansprechen, die mir etwas zu kurz kam: Die „Es gab keinen leeren Raum“-Rätsel. Es gibt durchaus ein paar (vor allem im Mittelalter) sowie Rätsel mit ähnlicher Logik (z.B. „fünf Menschen waren östlich des Flusses, fünf waren westlich davon“), aber im Vergleich zum ersten Band kamen sie recht selten vor. Da ich die Logik hinter diesen Rätseln so mochte, hätte ich sie gerne noch mehr gesehen.

Insgesamt ist dieses Rätselbuch allerdings immer noch eine starke Steigerung zum großartigen ersten Band, mit sehr viel Variation und sehr viel Charme!

Canvas (Cryptos, Band 2)
449 Seiten

Ein Jahr nach den Ereignissen des letzten Bandes erhält Jana zu ihrem Schrecken die Nachricht, dass Lauritz, der Hauptakteur hinter den damaligen Ereignissen, aus MinusNull geflohen ist. Der einzige Weg, ihn zu finden, scheint Janas neue Welt zu bieten: Canvas, eine Art Jobbörse, mit dessen Hilfe man sich als Ambient, eine Art Statist, in verschiedene Welten stationieren kann, ohne selbst erkannt zu werden. Doch schon bald merkt Jana, dass sie nicht die einzige ist, die diese praktische Welt für sich nutzt …

Ich bin sehr froh, dass ich direkt vor dem zweiten Teil den ersten noch einmal gelesen habe, denn es handelt sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung, die das Wissen des ersten Bandes voraussetzt und auf jeden Fall leichter zu lesen ist, wenn man noch alle Charaktere und ihre Rollen frisch im Kopf hat.

Dieser Band hat vor allem eine gute Mystery, was so weit ging, dass ich zwar wusste, was genau nicht stimmte, mir aber einfach nicht erklären konnte, wie das möglich sein sollte und ganz schön gestarrt habe, als das Geheimnis dahinter herauskam. Zugegeben gibt es auch sehr leichte Rätsel, die ich in dem Moment löste, in dem alle Puzzleteile mir zur Verfügung standen, doch dafür eben auch welche, bei denen ich wenig bis keine Ahnung hatte und deshalb gespannt war, wohin das Buch mich führen würde. Andere Leserinnen und Leser werden sicher ebenfalls etwas zu leichte und ein paar undurchschaubare Rätsel entdecken, aber die Mischung war zumindest für mich in Ordnung.

Die Ambientes spielen eine große Rolle und werden zu meiner Zufriedenheit sehr gut genutzt: Es machte Spaß, Jana dabei zuzuschauen, wie sie andere Rollen übernimmt und dabei versucht, nicht erwischt zu werden, aber auch, wie sie versucht, die wahren Identitäten hinter anderen Rollen zu durchschauen. Das Weltenhoppen war für mich wieder der beste Teil; wir lernen einige neue Welten kennen und auch ein paar bekannte, aber so oder so war es großartig, die vielen Facetten der virtuellen Realitäten zu sehen.

Zu meiner Überraschung mochte ich die Romanze zwischen Jana und Tivon, die ich im ersten Band nicht besonders realistisch fand, in diesem Band sehr. Die beiden verbringen tatsächlich viel Zeit miteinander, tauschen liebevolle Gesten aus und zeigen allgemein eine Chemie, die mich sehr investiert in ihre Beziehung machte. Leider sind andere Charaktere dafür schwächer vertreten; sie kommen natürlich vor, aber keiner hinterließ einen so starken Eindruck wie Jana und Tivon.

Das Ende geschah ein wenig zu plötzlich und wurde meiner Meinung nach etwas zu schnell und glatt gelöst, sodass ich erst einmal eine Weile brauchte, um überhaupt zu verstehen, warum die Ereignisse sich gerade überschlagen. Zudem sind durchaus noch Fragen offen, z.B., inwiefern die Menschen wieder in der realen Welt leben können werden; es gibt zwar Andeutungen auf eine Verbesserung, aber eine echte Lösung wurde leider noch nicht gefunden. Wer weiß also, ob wir noch einen dritten Teil bekommen.

Letztendlich ein gelungener zweiter Band, bei dem mir vor allem die verschiedenen Welten und Rätsel sehr gefielen!

Blaues Feuer
400 Seiten

Als ehemaliger Sättigungstaucher bekommt Yorick die Mission, die Naturwissenschaftlerin Kristina Sabo bei einer Arktis-Expedition auf der Suche nach leuchtenden Bakterien zu beschützen, die die Energieversorgung der Welt komplett auf den Kopf stellen könnten. Kurz zuvor hatten sie und ihr Kollege José einen Laborunfall, bei dem sie beide mit den Bakterien kontaminiert wurden – und obwohl ihnen versichert wurde, dass sie korrekt behandelt wurden und keine Gefahr droht, wird bald klar, dass dem nicht so ist …

Ich lese nicht allzu viele Wirtschaftsthriller, weil sie nicht ganz in meinem Interessengebiet sind, aber dieser hier war spaßig zu lesen und eine positive Überraschung. Zwar habe ich auch Kritikpunkte, aber insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten, weshalb es letztendlich trotzdem eine Empfehlung ist.

Wir folgen mehreren Sichtcharakteren, die zunächst voneinander abgeschnitten sind: Yorick auf der Arktis-Expedition, die sich natürlich nicht so entwickelt, wie sie es sollte; José mit den Folgen des Laborunfalls, der nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Gefahr bringt; und Skörle, die mit ihrem Ehemann eine private Schiffsart in die Arktis machen will, ohne zu ahnen, dass das Paar, das sie betreut, mehr plant, als sie ahnen. Es war spaßig, zu lesen, wie sich diese drei Geschichten entwickeln und auf welche Weise sie wohl zusammentreffen werden.

Besonders investiert war ich in Josés Geschichte, weil hier besonders viel auf dem Spiel stand; seine Krankheit und die Bedrohung von außen haben mich sehr gepackt, weil ich diese persönlichen Risiken interessanter fand als eine möglicherweise gescheiterte Expedition, bei der zwar technisch gesehen größere Dinge auf dem Spiel stehen, sich aber kleiner anfühlen als ein persönliches Schicksal.

Auch die unbekannten Gefahren, mit denen Skörle und ihr Ehemann Eric sich auseinandersetzen müssen, waren interessant, während ich bei Yoricks Geschichte vor allem Yorick selbst mochte: Er war praktisch veranlagt, äußerst fähig und stellte sein Können auch mehrmals unter Beweis. Es war erfrischend, neben den unsicheren und unvorbereiteten Charakteren auch jemanden zu haben, der weiß, was er tut. Zugleich lernten wir ihn von allen Charakteren am besten kennen und ich mochte zum Beispiel seine Gewohnheit, an Naturgewalten Briefe zu schreiben.

Überraschenderweise war Kristina letztendlich ein Nebencharakter. Nachdem die Kurzbeschreibung andeutete, dass sie zusammen mit Yorick ein Hauptcharakter wird, hätte ich nicht erwartet, dass sie letztendlich nur eine kleine Rolle spielt, aber das ist keine Kritik von meiner Seite aus, sondern nur eine Beobachtung.

Dafür hätte ich mir gerne mehr Gefühle gewünscht. Der Großteil der Handlung fokussiert sich (verständlicherweise) auf die Expedition und die relevanten Informationen, aber die meisten Charaktere blieben mir fern, weil nur José eine Geschichte bot, bei der ich nicht nur handlungstechnisch, sondern auch emotional investiert war.

Auch vom Ende hätte ich mir mehr erhofft, weil die Geschichte überraschend glatt und schnell gelöst wurde und ich ein wenig mehr Action erwartet hatte.

Insgesamt also ein Wirtschaftsthriller, der mich gut unterhalten hat!

Crazy Family (Band 5) - Die Hackebarts rocken die Schule
171 Seiten

Direktor Schwarz braucht dringend die Hilfe der Hackebarts: Der Schulinspektor Otto Säuerlich möchte in drei Tagen die berüchtigtste Klasse der Schule, die 7 z, überprüfen. Alle Lehrer bis auf den beliebten El Zorro haben sich krank gemeldet und die einzige Hoffnung des Direktors liegt in der schlauen Lulu. Aber auch die anderen Hackebarts sind begeistert von der Vorstellung, ihre eigenen Lieblingsfächer zu unterrichten – bis sie die Klasse 7 z tatsächlich kennenlernen …

Witzig geht es auch im fünften Band weiter, und zwar mit einer tollen Idee: Die Hackebarts, die die wohl katastrophalste Klasse der Welt für einen Tag unterrichten müssen. Bis zum eigentlichen Tag dauert es zwar ein wenig, weil zunächst die Grundsteine der Handlung gelegt werden und die Hackebarts die Klasse zunächst in einem Übungstag kennenlernen, doch bereits da bedient sich Markus Orths seinem fantastischen Humor. Ich mochte vor allem seine genialen Wortwitze!

Das eigentliche Highlight bleibt natürlich immer noch der Unterrichtstag selbst. Adrijana mit Sport und Musik (zumindest theoretisch), Mönkemeier mit einer kreativen Kunststunde, Zosch mit Informatik (beziehungsweise: Zocken und Hacken), Lulu mit einer sehr erheiternden Deutschstunde, Brooklyn mit einem sehr erinnerungswürdigen Chemie-Experiment und zum Schluss Opa Hackebart mit Geschichte (und ein paar Themen mehr). Jede einzelne dieser Stunden war ein Highlight für sich und zusammengenommen bilden sie den wohl besten Teil des Buches. Ich mochte aber auch die Autofahrt mit Opa Hackebart und Walter, die zwar nur eine kleine Rolle spielt, aber ebenfalls witzig zu lesen war.

Von den neu eingeführten Charakteren hätte ich gerne noch mehr von El Zorro gesehen – er hat zwar seine Auftritte und sorgte für einen guten Abschluss, aber mir hätte es nichts ausgemacht, ihn noch öfter zu sehen, weil er schlicht ergreifend cool war!

Insgesamt ein gelungener Crazy-Family-Band, der nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken einlädt!

Geschichte zum Anfassen
573 Seiten

Wie haben die Menschen vergangener Zeiten tatsächlich gelebt? Archäologie stellt sich diese Frage in der Regel theoretisch, doch Sam Kean möchte mithilfe eigener Experimente zeigen, wie alltägliche Aufgaben in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern tatsächlich aussahen. Von der Zeit der Jäger und Sammler bis zum Untergang der Azteken beschreibt und testet er mithilfe von Experten so ziemlich alles: Das Werfen mit einer Speerschleuder, das Mumifizieren von Tieren, das Herstellen antiker Frisuren und Tätowierungen, sogar das Aufschneiden eines Gehirns. Gleichzeitig erzählt er von möglichen Erlebnissen, die ein Mensch damals gemacht haben könnte, mit all den Strapazen, die damit einhergingen …

Die Struktur dieses Sachbuchs ist das, was es besonders macht: In elf Kapiteln folgt nach einer kurzen Einleitung abwechselnd eine fiktive Erzählung, die sich auf wahre Fakten stützt, und Sam Keans Erläuterungen und Experimente, die in den jeweiligen Erzählungen beschrieben wurden. Das sorgte für eine angenehme Abwechslung, durch die ich sowohl in die Erzählung als auch in seine Experimente investiert war. Tatsächlich war ich überrascht, wie sehr ich darauf brannte, zu erfahren, wie verschiedene Geschichten und Versuche ausgehen, obwohl ich ja wusste, dass die Geschichten fiktiv und die Versuche sicher waren!

Zugegeben stellt sich Sam Kean bei den meisten Experimenten mehr schlecht als recht an, aber gerade das macht die Versuche erstaunlich charmant und demonstriert gleichzeitig, wie schwer sie wirklich sind. Allerdings braucht man stellenweise einen stabilen Magen für manche der Versuche – schon die Beschreibung des Mumifizierens war nicht leicht zu lesen, aber das Kapitel mit dem Aufschneiden des Gehirns war wirklich nichts für schwache Nerven.

Weil ich die halb-fiktiven Erzählungen so mochte, möchte ich ihnen allen einen kurzen Satz widmen:

  • Kayate im prähistorischen Afrika investierte mich gleich von Anfang an, weil mit jedem Scheitern immer mehr für ihn auf den Spiel stand;
  • die Jägerin Asana in Südamerika konnte mich ebenfalls fesseln, weil das Mysterium um eine Fremde zusammen mit einer gefährlichen Jagd für eine spannende Mischung sorgte;
  • Darga in der Türkei hat sich mir nicht allzu eingebrannt, aber dafür war die Szenerie der Stadt Çatalhöyük mit Abstand die erinnerungswürdigste Ortschaft;
  • Amon im antiken Ägypten hatte den Vorteil, dass ich das antike Ägypten allgemein mag, weshalb mir auch seine Geschichte sehr gut gefiel;
  • Loa, Navigatorin in Polynesien, hatte einen besonders coolen Charakter, aber handlungstechnisch passierte leider nicht allzu viel;
  • die Sklavin Zyrmina in Rom war wohl meine liebste Geschichte, weil ihr Charakter, die Handlung und die Ortschaft gleichermaßen großartig waren;
  • bei Nadu in Kalifornien erinnere ich mich zugegeben nur noch an das überraschend zufriedenstellende Ende;
  • auch von Ciaran bei den Wikingern habe ich nicht mehr viel in Erinnerung, weil das das Kapitel war, indem Sam Kean sich dem Aufschneiden eines Gehirns widmete;
  • dafür konnte mich Amaruq in Nordalaska wieder fesseln, weil ihre Situation so drängend und risikoreich war;
  • der Eunuch Jiaolong im alten China konnte durch eine einnehmende Liebesgeschichte überzeugen;
  • und schließlich haben wir Huehmac in Mexiko, bei dem ich mich eher an Sam Keans Ullamaliztli-Spiel erinnere als an die erzählte Geschichte.

Insgesamt also eine Sammlung an vielen guten Geschichten, die, wie Sam Kean betont, zwar fiktiv sind, aber so oder so ähnlich durchaus hätten passiert sein können, weil sie sich auf überlieferte Fakten stützen, die auch während den Geschichten selbst eingestreut werden. Sollte ich das Buch noch einmal lesen, kann ich mir gut vorstellen, mich ganz auf die Erzählungen zu fokussieren!

Ein letztes kleines Lob, das nichts mit dem Inhalt selbst zu tun hat, ich aber unbedingt erwähnen möchte: die Erzählungen und Keans Erläuterungen werden durch verschiedene Symbole voneinander abgegrenzt, die nicht nur zur Geschichte passen, sondern stets unterschiedlich sind: So haben wir bei Zyrmina in Rom zum Beispiel vier Erzählungs- und drei Erklärungsabschnitte, die durch sechs verschiedene Symbole voneinander abgetrennt werden: Pflanzen, Tempel, Frisuren, Nadel und Faden, Vulkane und Halsbänder. Die Tatsache, dass nicht einfach dasselbe Symbol für jede Abgrenzung benutzt wird und die Symbole zudem immer zum jeweiligen Abschnitt passen, war bei jeder Geschichte ein kleines, aber unglaublich charmantes Detail. Großes Lob an die Person, die dafür verantwortlich ist, denn obwohl es nur ein visueller Aspekt war, trug er so einiges zur Lesefreude bei!

Insgesamt also ein Sachbuch, das vor allem durch seine Erzählkunst überzeugt und allein deshalb empfehlenswert ist, aber auch wegen der sehr anschaulichen Experimente, bei denen der Autor an seine Grenzen geht!

All die Farben, all das Licht
320 Seiten

Juna und Martha sind Schwestern, haben aber kein besonders enges Verhältnis zueinander. Juna, die Künstlerin ist und unter dem Usher-2-Syndrom leidet, muss sich mit der Diagnose, sehr bald vollständig zu erblinden, auseinandersetzen. Unbedingt möchte sie davor ihr Lieblingsbild der Künstlerin Lotte Laserstein sehen, das in Malmö ausgestellt ist. Martha, die Junas Ausweis gestohlen hat, um im Sommer in einem Kino arbeiten zu können, hat sich immer wie die vernachlässigte, schlechtere Schwester gefühlt und sucht ihre Freiheit da, wo Juna nicht ist. Erst eine spontane Reise nach Schweden zeigt den beiden Schwestern, dass sie füreinander da sein müssen …

Dieser wunderschöne Roman erzählt nicht nur die Geschichte von zwei Schwestern, sondern geht auch stark auf die persönlichen Probleme der beiden ein, die sich nicht immer lösen lassen, ihnen aber aufzeigen, welchen Weg sie gehen können.

Vor allem in Junas Sichtweise war ich sehr investiert, da sie als Künstlerin, die bald ihr Augenlicht verliert, bereits eine einnehmende Ausgangssituation hatte, aber auch, weil ich mich sehr gut in ihren Charakter hineinversetzen konnte. Bei Martha fiel es mir schon schwerer, das zu tun, da ich ihre Sichtweise zwar komplett verstehen konnte, wir aber schlicht zu verschiedene Persönlichkeiten haben. Dafür mochte ich die Nebencharaktere in ihrer Geschichte am meisten, speziell ihren besten Freund Alex und ihren Crush Sophie.

Zu meiner Überraschung spielte das Band der Schwestern zwar durchaus eine Rolle, aber keine so große wie ihre persönliche Weiterentwicklung. Tatsächlich hätte ich mir deshalb gerne noch mehr Szenen zwischen Juna und Martha gewünscht, weil ihre wachsende Bindung dadurch noch stärker gewesen wäre, aber ich mochte es zugegeben auch sehr, die beiden an sich selbst wachsen zu sehen.

Einen Charakter, den ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist Arvid. Obwohl er nur wenig Screentime hat, hatte er einen bleibenden Effekt auf Juna, die er auf großartige Weise inspirierte. Junas und Marthas Vater bekommt im Lauf der Handlung auch eine immer wichtigere Rolle, doch hier hätte ich mir gewünscht, dass öfter gezeigt worden wäre, wie er aus seinem Verhalten gegenüber Juna und Martha lernt.

Die Einbindung der Künstlerin Lotte Laserstein, die es wirklich gab, gefiel mir außerordentlich gut, sodass ich sogar eigene Recherchen anstellte, um mehr über sie herauszufinden und ihre Bilder zu sehen.

Ich glaube, das einzige, was ich mir sonst gewünscht hätte, wäre, noch mehr von Junas und Marthas späteren Wochen, Monaten und Jahren zu zeigen. Als ich zu Beginn den Abschnitt „Davor“ las, nahm ich an, dass der „Danach“-Abschnitt sich um Junas Blindheit drehen würde, doch das war zu meiner Überraschung nicht der Fall. Was wohl auch auch der Sinn dahinter ist (der Fokus liegt bewusst auf etwas Anderem), aber ich hätte trotzdem gerne erlebt, wie ihr Leben sich daraufhin ändert.

Insgesamt ein sehr schönes Buch, bei dem mir vor allem die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren besonders gut gefiel!

The Rainshadow Orphans
640 Seiten

Als Toshiko bei einer Erkundungsmission für ihre Wahlgeschwister Mei und Jun eine Drachenperle stiehlt, ahnt sie nur ansatzweise, was für eine Macht sie besitzt. Entschlossen, sich und anderen Bürgern am Rande der Gesellschaft endlich ein besseres Leben aufzubauen, planen die Geschwister, die Kaiserin zu stürzen. Diese plant neue, menschenähnliche Bots, von denen Toshiko fürchtet, dass sie die Hüterskinder auf grausame Weise ersetzen werden. Zu denen gehört Theo, der besondere Kräfte besitzt und einen gefährlichen Auftrag bekommt, der ihn ganz in die Nähe der Geschwister bringt. Auch der junge Haru, Sohn der Kaiserin, muss sich fragen, für wen genau er kämpfen will …

Dieser Fantasyroman bietet eine faszinierende Welt und solide Hauptcharaktere, aber leider eine zu langsame Handlung, um gänzlich zu überzeugen.

Die drei Geschwister Toshiko, Jun und Mei waren recht gute Protagonisten und ich mochte es vor allem, dass sie alle eine tragende Rolle bei den Ereignissen des Romans spielten, die ihnen auch erlebten, ihre verschiedenen Fähigkeiten zu zeigen. Es war jedes Mal so zufriedenstellend, wie ihr Können tatsächlich unter Beweis gestellt wurde, was auch für die Sichtcharaktere Theo und Haru gilt.

Diese beiden interessierten mich letztendlich noch mehr als die Geschwister, weil es mir bei ihnen möglich war, mich auch emotional mit ihnen zu verbinden, was mir bei den Geschwistern überraschend schwer fiel. Ich war vor allem investiert in Harus Geschichte, seine Freundschaft zu den Sonnengeistern und seine langsamen Zweifel an seiner Mutter; aber auch Theo und sein Auftrag gefielen mir, weil sie eine Spannung in die Geschichte brachten, die zwar nicht gänzlich bei den anderen fehlte, bei Theo aber definitiv am stärksten ausgeprägt war. Seine beste Szene war definitiv der Endkampf, nur das Ende konnte mich nicht zufriedenstellen.

Allgemein hat die Geschichte durchaus erinnerungswürdige und spannende Momente – mir kam es schlicht nicht wie genug vor, weil es mir so schwer fiel, auf emotionaler Ebene mit den Charakteren mitzufiebern und es zwischen diesen erinnerungswürdigen Momenten leider auch eine ganze Menge gab, die quälend langgezogen waren und die ich nur mit Mühe bewältigt habe.

Die Romanze in dem Roman spielt zum Glück nur eine sehr kleine und unwichtige Rolle, was insofern gut war, weil sie mir viel zu plötzlich kam; was mir dagegen gefiel, war das Worldbuilding. Es war faszinierend, einen Fantasyroman in einer halb modernen Welt zu lesen, die sowohl Bots als auch Drachen zu bieten hat und von denen beides (und alles dazwischen) hervorragend in die Handlung eingebaut wurde.

Eine richtige Empfehlung kann ich leider nicht aussprechen, weil mir die Handlung dazu zu langsam war und mir die emotionale Komponente fehlte, aber ein Lob bekommt von mir definitiv die Kreativität der Welt!

Vatertage
431 Seiten

In „Die Postkarte“ hat Anne Berest die Familie ihrer Mutter beleuchtet, in „Vatertage“ geht es nun um die Familie ihres Vaters. Vom Urgroßvater Eugène, zum Großvater desselben Namens, bis zu ihrem Vater Pierre: Drei Generationen, die Teil ihrer eigenen Revolutionen waren, sich für ihre Rechte einsetzten und doch nicht immer wussten, was sie vom Leben wollten. Anne Berest möchte gerne mehr zu ihrer aller Leben erfahren, doch als ihr Vater krank wird, wird ihr bewusst, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Geschichte ihrer väterlichen Familie aufzuschreiben …

„Vatertage“ ist definitiv anders geschrieben als „Die Postkarte“, denn während letzteres eine mehr oder weniger lange, lineare Geschichte erzählte, besteht dieser Roman aus vielen sehr kurzen Kapiteln, die eher Momentaufnahmen festhalten: Teile einer größeren Geschichte, die man letztendlich nicht vollständig liest, aber sehr gut erspüren kann. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie mir dieser Erzählstil gefällt; einerseits liebte ich es, wie schnell der Roman sich auf diese Weise las, wie gut man von Kapitel zu Kapitel sprang und wie viele der Momente geschrieben waren. Andererseits war es sehr kurzweilig, ich habe mehr Momente vergessen, als ich im Kopf behielt und ich war nie emotional investiert, weil nie genug Zeit blieb, um tiefgreifende Gefühle zu entwickeln.

Es war trotzdem interessant, die Geschichte von Großvater Eugène und noch interessanter, die Geschichte von Vater Pierre zu erfahren, weil beide so einiges erlebten und ich mir nur gewünscht hätte, ihre Erlebnisse wären ausführlicher erzählt worden; so gut es mir gefiel, das Buch aufgrund der kurzen Kapitel so schnell lesen zu können, hätte es meiner Meinung nach mehr davon profitiert, sich auf die wichtigsten Erlebnisse zu konzentrieren. Statt die volle Geschichte der drei Generationen in so vielen kurzen Kapiteln zu erzählen, wäre es, finde ich, besser gewesen, lieber detailliert auf einige wenige Momente einzugehen, um sich wirklich in diese fallen lassen zu können.

Diejenigen, die einen Roman aus Momentaufnahmen und kurze Kapitel lieben, werden „Vatertage“ sicher mögen, doch für mich bot die Geschichte leider nicht genug, um in sie investiert zu werden.

Die vergessene Tochter
369 Seiten

Charlotte ist überrascht, als ihr eine kleine Schachtel überreicht wird, die eigentlich für die adoptierten Töchter des Hope‘s House gedacht ist – in diesem Fall ihre Großmutter, die allerdings definitiv nicht adoptiert wurde, da deren eigene Mutter Amalie noch am Leben ist. Verwirrt versuchen Charlotte und ihre Großmutter, Antworten zu finden und erfahren so von Amalie, wie sie damals ihre große Liebe Oskar kennenlernte. Charlotte ahnt, dass ihre Geschichte kein gutes Ende haben wird, doch während sie noch dabei ist, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren, lernt auch sie jemanden kennen, in den sie sich verliebt: Harrison, der allerdings ein Geheimnis zu haben scheint …

Nach sechs Bänden war ich gespannt, wie Soraya Lane die bereits familiäre Geschichte so gestalten würde, dass sie immer noch erfrischend wirkt – und zu meiner Überraschung ist ihr das mit der Ausgangssituation sehr gut gelungen. Endlich haben wir eine Protagonistin, deren Großmutter – und sogar deren Urgroßmutter! – noch am Leben ist, sodass letztere ihre Geschichte eigenhändig erzählen kann, anstatt dass die Charaktere die Hinweise selbst entschlüsseln müssen, ohne die eigentliche Geschichte je zu erfahren. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zu den vorigen Ausgangssituationen, bei denen es keine lebenden Vorfahren mehr gab.

Und nicht nur das: Charlottes schwierige Familienverhältnisse zu ihren Eltern, die sie im Buch tatsächlich aufarbeitet, sowie Harrisons Vergangenheit waren interessante Punkte, von denen ich froh war, dass sie nicht nur nebenbei vorkamen, sondern eine wichtige Rolle spielten. Zudem war es schön, wie Charlotte ihre Profession als Chef de Cuisine erfolgreich ausübt und damit mehrmals bewies, dass sie tatsächlich eine hervorragende Köchin ist.

Eine wichtige Kritik habe ich allerdings: Ich war nicht so investiert in die Romanzen, wie ich es gewollt hätte. Amalies Liebesbeziehung zu Oskar ist durchaus süß und realistisch genug, aber Charlottes Romanze mit Harrison ging mir zu schnell vonstatten, zumal die Charaktere am häufigsten das gute Aussehen ihres Partners hervorheben, was dem Realismus zusätzlich geschadet hat. Gleichzeitig bekamen die beiden Paare ein wenig ZU viel Zeit in der Geschichte. Beide erlebten mehrere gemütliche Momente, allerdings nicht immer welche, in denen sie sich tatsächlich kennenlernten; und selbst, wenn sie es taten, war mir dieser Teil der Handlung schlicht zu lang, was insofern ironisch ist, weil mir ihre Liebesbeziehungen zugleich nicht lang genug vorkamen. Insgesamt war ich eindeutig ein größerer Fan der dramatischeren Aspekte, die wiederum gut umgesetzt waren.

Am meisten mochte ich das Rätsel, das hinter Amalie und der seltsamen Nicht-Adoption steckt. Ich habe wirklich gerätselt, was wohl die Erklärung für die vielen Ungereimtheiten sein würde und war sehr zufrieden mit der Auflösung.

Insgesamt also eine gemütliche Familiengeschichte, die für mich zwar ein wenig ZU gemütlich war, aber immer noch ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet!

Die verschwundene Schwester : Roman
828 Seiten

Die sechs d‘Aplièse-Schwestern haben ihre Herkünfte entdeckt und ein neues Leben gefunden, doch ein letztes Geheimnis haben sie zu lüften: Mary McDougal, ihre verschwundene siebte Schwester, für die es endlich einen Hinweis gibt, nämlich einen sternenförmigen Smaragdring, den sie besitzen soll. Allerdings berichtet Mary, dass ihre Mutter Merry den Ring für eine Weltreise an sich genommen hat und so bald nicht wieder zurückkehren wird. Zum Glück leben die Schwestern in verschiedenen Ländern, sodass sie sie verfolgen können – doch merken sie bald, dass Merry ihnen bewusst aus dem Weg zu gehen scheint …

Dieser siebte Band der Sieben Schwestern hat definitiv eine andere Struktur als die anderen, denn nicht nur kommen hier alle Schwestern zum Einsatz, weil sie alle Kontakt mit Merry und deren Kindern suchen, auch die direkte Vergangenheit der siebten Schwester spielt dieses Mal eine große Rolle. Tatsächlich war es sogar die Vorgeschichte mit Nuala, die mir am meisten Schwierigkeiten bereitete – denn obwohl ich ihre Freundschaft mit Philip sehr schön umgesetzt fand, haben mich die ganzen politischen Zusammenhänge hinter dem irisch-britischen Konflikt nicht interessiert und ich fand es deshalb besonders schwierig, in ihre Sichtweise reinzufinden.

Bei den anderen Schwestern fiel mir das schon leichter und ich mochte es, dass nicht nur alle Sichtweisen bekamen, sondern Maia und Ally zusätzlich eine eigene kleine Nebengeschichte erhielten, die mir sehr gefiel. Aber auch die Sichtweisen von CeCe, Elektra, Star und Tiggy waren so zufriedenstellend zu lesen, weil sie ihr Happy End natürlich schon bekommen haben, es aber gerade deshalb so schön war, zu lesen, wie sie es leben.

Am faszinierendsten fand ich die Rückblicke bezüglich Merrys Kindheit und ihrer Herkunft, weil ich so eingenommen von ihrem Familienleben war, ihren Patenonkel Ambrose und dessen Freund Father O‘Brien so mochte und diese Teile der Geschichte allgemein sehr gut erzählt waren. Tatsächlich hätte ich mir sogar noch mehr Szenen aus ihrem Leben gewünscht, weil ich so interessiert daran war!

Insgesamt fand ich diesen Band zwar nicht ganz so gut wie die vorigen Bände, mochte aber das Konzept und Merrys Geschichte sehr gerne. Ich freue mich schon darauf, bald den achten und letzten Band zu lesen!

Summer of Mexican Mystery
184 Seiten

Nachdem ihr Freund Max sie sitzen gelassen hat, braucht Aurora erst mal eine Auszeit in El Caracol, in dem sie früher regelmäßig mit ihren Eltern Urlaub gemacht hat. Bei einem Spaziergang zur Wetterstation begegnet sie Rafael, der zunächst einen unsympathischen Eindruck auf sie macht, bis sie erfährt, dass vor einem Jahr seine Freundin Valentina spurlos verschwunden ist. Aurora, die als Journalistin arbeitet, ist entschlossen, eigene Recherchen anzustellen – und kommt dabei Rafael immer näher ...

Diese kurzweilige Romanze war locker-flockig und gut für Zwischendurch geeignet, aber für mich tatsächlich nicht der am besten umgesetzte Teil dieses Rätselbuches. Denn mir kam sie trotz meiner Erwartung, dass sie vermutlich nicht allzu sehr ausgebaut sein würde, dann doch etwas zu schnell vor – vor allem, weil Aurora und Rafael nicht so viel Zeit und Momente miteinander verbringen, wie ich es mir gewünscht hätte. Außerdem nimmt ihr Exfreund Max meiner Meinung nach etwas zu viel Raum ein, was ebenfalls den Realismus der Romanze schwächte.

Doch das Geheimnis um Valentinas Verschwinden und Auroras Nachforschungen haben mich dafür sehr gepackt, auch, wenn ich mir wünschte, Aurora und Rafael hätten einen aktiveren Part in der Untersuchung eingenommen. Ihr Handlungsspielraum war leider recht klein, aber trotzdem war ich am investiersten, wann immer es um den Fall ging.

Dann gibt es da noch die Rätsel. Ich fand es sehr süß, wie sie sogar in die Handlung eingebaut wurden und mochte auch die Rätsel selbst. Am Anfang waren sie mir definitiv zu einfach und gegen Mitte/Ende gab es eines, das ich zu verwirrend fand, aber der gesamte Rest hatte eine sehr angenehme Schwierigkeitsstufe, die das Rätseln sehr spaßig gemacht hat. Außerdem gab es auch eine gewisse Variation, die dafür sorgte, dass mir nicht langweilig wurde.

Wer ein gutes Rätselbuch mit einer interessanten Mystery lesen will, ist hier gut bedient, nur die Romanzen-Fans werden sich vermutlich mehr wünschen.

Feine Risse
316 Seiten

Eine Mutter, die den Mörder ihres Sohnes verteidigt. Eine Box, die Eva Herbergen aufbewahren, aber unter keinen Umständen öffnen soll. Eine Schauspielerin, der am Set eine echte Waffe gegeben wird, mit der sie eine befreundete Schauspielerin erschießt. Mehrere Frauen gleichen Alters und Aussehens, die von einem etwas zu klischeehaften Serienmörder umgebracht werden. Und eine Leiche im Keller, deren Identität Eva Herbergen während des Romans aufdecken will …

„Dunkle Momente“ hatte ein paar interessante Fälle, allerdings viele mit einem sehr ähnlichen Schema; „Feine Risse“ fängt zwar auch mit zwei Fällen an, die etwas zu offensichtlich sind, wird danach aber um einiges undurchschaubarer. Wir folgen auch in diesem Roman Eva Herbergen, die mehrere fiktive Fälle aufklärt.

„Der Unfall“ und „Der Aufstieg“ sind die ersten Fälle, wobei beim ersteren ein Kind zu Tode kommt, deren Mutter danach den Mörder vor Gericht verteidigt, und beim zweiten ein Mann, der beim Bergsteigen abstürzt, obwohl sowohl er als auch sein Bergführer wussten, dass die Strecke für ihn zu anspruchsvoll ist. Hier fand ich die Twists wirklich sehr leicht zu erraten und die Fälle entwickelten sich genau so, wie ich es anfangs vermutete, weshalb ich diese Fälle am schwächsten empfand.

Der dritte Fall, „Die Box“, war da schon interessanter. Hier wird nicht nur die Leiche im Keller eingeführt, die seit mehreren Jahrzehnten im Haus der Eltern von Peter, Evas Mann, eingemauert war, sondern allgemein über eine einnehmende Ausgangssituation erzählt: Ein Klient, der Eva bittet, eine Box für ihn aufzubewahren, allerdings ohne sie zu öffnen. Ich war wirklich neugierig, zu erfahren, was in der Box steckt und war sehr zufrieden damit, wie der Fall aufgelöst wurde.

Auch „Die Reportage“, bei dem der Artikel eines Journalisten für Aufmerksamkeit sorgt, woraufhin Eva mit seinem Mittelsmann reden soll, entwickelte sich auf überraschende Weise. Im Nachhinein hätte ich wohl erraten können, was dahinter steckt, aber beim Lesen selbst wusste ich nicht, in welche Richtung sich der Fall entwickeln würde; aber auch hier war ich zufrieden mit dem Ergebnis.

Mein Lieblingsfall war „Der Film“, bei dem eine Schauspielerin am Set mit einer echten Waffe ihre Kollegin erschießt, weil es so einige mögliche Täter:innen und Motive gab, was diesen Fall zum wohl komplexesten von allen machte. Von allen Fällen fand ich ihn am undurchsichtigsten und gerade deshalb am besten, weil die verschiedenen Fährten die korrekte Auflösung so gut verbargen.

Bei „Die Zufallsopfer“ hatte ich zwar eine sehr starke Idee, was den Täter betrifft, doch die Umsetzung des Falls war so einnehmend, dass mich das nicht störte. Dafür fand ich den Täter in „Die Entführung“ etwas zu offensichtlich, aber ich mochte es, wie dieser Fall eine interessante moralische Frage aufwarf, für die es keine richtige Antwort gibt.

Zuletzt haben wir „Die Wahrheit“, die die Identität der Leiche, die über den ganzen Roman hinweg eine Rolle spielt, auflöst. Die Auflösung selbst fand ich zufriedenstellend, das Kapitel selbst allerdings viel zu kurz und mit zu vielen offenen Fragen. Gerade, weil die anderen Kapitel zwischen dreißig und fünfzig Seiten hatten, waren die drei Seiten, die sich der Auflösung des Hauptmysteriums widmeten, enttäuschend kurz. Hier habe ich mir definitiv noch mehr Informationen erhofft.

Ansonsten haben wir hier aber einen guten Roman, der sich durch die Aufteilung in verschiedene Fälle sehr gut lesen lässt und dabei ein paar gute Überraschungen zu bieten hat!

The Enemy's Daughter
384 Seiten

Als Heilerin der Klans macht sich Isadora im Geheimen auf zur Front, um dort ihrem zukünftigen Verlobten Liam helfen zu können. Auf dem Weg begegnet sie Tristan, der aus Kingsland stammt und damit zu ihren Feinden gehört. Sie nimmt ihn gefangen, ist sich jedoch unsicher, was sie mit ihm tun soll. Bevor sie eine Entscheidung fällen kann, wird Tristan von seinen Leuten befreit – und Isadora mit einem Giftpfeil getroffen. Um sie zu retten, führt Tristan ein Ritual aus, das sie miteinander verheiratet und es erlaubt, ihre Wunden miteinander zu teilen. Isadora wird ins Kingsland gebracht – und lernt dort zum ersten Mal, welche Wahrheiten bislang vor ihr verborgen wurden …

Diese Fantasyromanze basiert natürlich auf „Tristan und Isolde“, das ich zwar nie gelesen habe, weshalb ich auch nicht einschätzen kann, inwiefern dieser Roman eine akkurate Adaption ist, aber gestört hat mich das nicht, zumal ich auch keine akkurate Adaption erwarte. Allerdings muss ich zugeben, dass meine Erwartungen, was eine Fantasyromanze betrifft, leider auch nicht ganz erfüllt wurden.

So fand ich, dass Isadora und Tristan sich viel zu schnell miteinander verstanden, was ihre Romanze schmälerte, weil sie dadurch schlichtweg nicht realistisch wirkte; zwar fand ich den Einsatz ihrer fast magischen Verbindung, die es ihnen erlaubt, Gefühle, Erinnerungen und Verletzungen miteinander zu teilen, sehr gut umgesetzt, aber zumindest der Anfang der Romanze geschah mir ein wenig zu plötzlich.

Die Tatsache, dass Isadoras Weltbild infrage gestellt wird, fand ich prinzipiell gut, die Umsetzung dafür zu schwarz-weiß. Statt beide Parteien des Krieges fehlerhaft und komplex darzustellen, wurde ihre Sichtweise der „Guten“ und „Bösen“ schlicht umgekehrt, was ich definitiv zu leicht gelöst fand. Zwar gibt es durchaus in beiden Parteien Menschen, die ihr helfen bzw. schaden wollen, doch ein komplexerer Konflikt, bei dem es kein Richtig oder Falsch gibt, hätte mir besser gefallen.

Andere Charaktere waren bis auf wenige Ausnahmen (speziell Liam und Enola) nicht allzu erinnerungswürdig, aber das dystopische Worldbuilding hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es war faszinierend zu sehen, wie nach dem Untergang unserer Welt Menschen einen neuen Weg finden mussten, zurechtzukommen, und dabei eine Mischung aus modernen und althergebrachten Mitteln verwendeten.

Insgesamt eine solide Romantasy, aber leider auch mit einigen Schwächen.

Die Mitternachtsreise
367 Seiten

Wilbur steht am Ende seines Lebens, doch statt nach seinem Tod gleich in die Ewigkeit zu gelangen, muss er davor in den Mitternachtszug steigen, der sein Leben Revue an ihm vorbeiziehen lässt. Erst, wenn er rückblickend den Sinn seines Lebens versteht, kann er mit seinen Liebsten in der Ewigkeit wiedervereint werden. Schnell merkt Wilbur jedoch, dass er sein vergangenes Ich beeinflussen kann – und damit seine Vergangenheit rückblickend ändern. Entschlossen, die vielen Reuen seines Lebens rückgängig zu machen, fängt er an, seinem vergangenen Ich Ratschläge zu geben. Jedoch wird er gewarnt: Sollte er damit fortfahren, wird sich zwar die Vergangenheit seines früheren Ichs ändern, aber dafür bleibt seinem gegenwärtigen Ich die Ewigkeit verwehrt …

Dieser Roman spielt zwar in der Welt der „Mitternachtsbibliothek“, kann aber unabhängig davon gelesen werden, weil es nur eine kleine Referenz gibt, die mich zwar sehr erfreute, für das allgemeine Lesevergnügen jedoch nicht notwendig ist.

Durch die vielen kurzen Kapitel liest sich das Buch flüssig durch, obwohl die Handlung eher ruhig ist und sich eher auf nachdenkliche statt auf spannende Aspekte fokussiert. Wir folgen Wilburs Leben von Anfang bis Ende, was zunächst recht ereignislos abläuft, bis schließlich der Aspekt der Veränderung eingeführt wird – und damit die Reuen in Wilburs Leben. Zwar gab es schon am Anfang ein paar Szenen, die ich interessant fand, aber am meisten hat es mich interessiert, was genau Wilbur falsch gemacht hat und wie es dazu kam.

Was mir ebenfalls sehr gut gefiel, war die Botschaft, die hinter dem Roman steckte. Ich möchte sie natürlich nicht vorwegnehmen, doch sie überraschte mich positiv und ließ mich den Roman am Ende mit einem zufriedenen Lächeln schließen.

Was mir dafür nicht so gut gefiel, war Wilburs Romanze mit Maggie. Ich fand sie leider recht schwach, weil Maggie als Charakter so blass war und erst gegen Ende ein wenig Dreidimensionalität bekam. Allgemein war die Romanze nicht so stark im Fokus, wie ich es erwartet hätte und die schlechten Zeiten wurden mehr hervorgehoben als die guten, was es zusätzlich schwer machte, an eine ewige, alles überwindende Liebe zu glauben.

Wer eine kurzweilige, zum Nachdenken anregende Lektüre lesen möchte, ist hier bestens bedient, nur diejenige, die sich eine schöne Romanze erhofft haben, könnten etwas enttäuscht werden.

Smash or Pass
257 Seiten

Um zu verbergen, dass sie autistisch ist, hat Ellie sieben Regeln aufgestellt, die ihr das Leben mit ihren Mitschülern vereinfachen sollen. Doch dann macht ihr Freund Daniel mit ihr Schluss, mit der Begründung, dass sie nett, aber langweilig wäre. Entschlossen, ihm das Gegenteil zu beweisen, meldet sie sich im Sommer-Volleyball-Camp SMASH! an, um dort endlich zu lernen, wieder sie selbst zu sein. Die Einzelgängerin Sierra wird zu ihrer Volleyball-Partnerin erklärt, was zunächst einmal wie ein Fehler wirkt – bis die beiden sich näher kennenlernen und Ellie Gefühle für sie zu entwickeln beginnt …

Dieses süße Buch war eine wirklich wunderbare Lektüre für Zwischendurch, bei dem mir interessanterweise besonders die Aspekte gefallen haben, die nichts mit der Romanze zu tun hatten.

So mochte ich es sehr, wie Ellies Autismus und ihre Charakterentwicklung dargestellt wurde, denn obschon vorhersehbar, war es so zufriedenstellend zu sehen, wie sie sich selbst mehr lieben lernt. Hilfe dabei bekommt sie einerseits von ihrem Bruder Noah, andererseits von ihren neuen Freunden im Camp. Beide Beziehungen waren einfach großartig: Noah war mein persönlicher Lieblingscharakter und ich war sehr investiert darin, zu erfahren, wie die geschwisterliche Beziehung sich weiterentwickelt, während die Freunde im Camp zwar keinen ganz so starken Eindruck hinterließen, aber Ellie alle gleichermaßen halfen, sich selbst zu akzeptieren.

Im Vergleich dazu war die Romanze mit Sierra zwar in Ordnung, aber kein Highlight; zwar teilen sie durchaus einige süße Szenen miteinander, aber mir fehlte das gewisse Etwas, das die beiden miteinander verbindet. Zudem war ich kein großer Fans der Tropes, die in der Romanze zum Einsatz kamen, wie die Tatsache, dass Ellie ihre Gefühle erst realisiert, als jemand Anderes sie darauf anspricht (ich hätte es stärker gefunden, wenn sie selbst darauf gekommen wäre) sowie das sehr vermeidbare Missverständnis, das die beiden mit ein wenig Kommunikation hätten klären können. Zugegeben sorgte dieses Missverständnis dafür, dass Ellie den Mut fand, eine ungesunde Freundschaft zu beenden, doch gestört hat mich seine Existenz trotzdem.

Insofern würde ich das Buch nicht unbedingt Romanzen-Fans empfehlen, sondern vor allem denjenigen, die eine hervorragende Charakterentwicklung, eine einnehmende Geschwisterbeziehung und gleich mehrere unterstützende Freundschaften lesen möchten – denn all diese Aspekte waren wirklich großartig umgesetzt!