Charlotte ist überrascht, als ihr eine kleine Schachtel überreicht wird, die eigentlich für die adoptierten Töchter des Hope‘s House gedacht ist – in diesem Fall ihre Großmutter, die allerdings definitiv nicht adoptiert wurde, da deren eigene Mutter Amalie noch am Leben ist. Verwirrt versuchen Charlotte und ihre Großmutter, Antworten zu finden und erfahren so von Amalie, wie sie damals ihre große Liebe Oskar kennenlernte. Charlotte ahnt, dass ihre Geschichte kein gutes Ende haben wird, doch während sie noch dabei ist, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren, lernt auch sie jemanden kennen, in den sie sich verliebt: Harrison, der allerdings ein Geheimnis zu haben scheint …
Nach sechs Bänden war ich gespannt, wie Soraya Lane die bereits familiäre Geschichte so gestalten würde, dass sie immer noch erfrischend wirkt – und zu meiner Überraschung ist ihr das mit der Ausgangssituation sehr gut gelungen. Endlich haben wir eine Protagonistin, deren Großmutter – und sogar deren Urgroßmutter! – noch am Leben ist, sodass letztere ihre Geschichte eigenhändig erzählen kann, anstatt dass die Charaktere die Hinweise selbst entschlüsseln müssen, ohne die eigentliche Geschichte je zu erfahren. Das war eine sehr willkommene Abwechslung zu den vorigen Ausgangssituationen, bei denen es keine lebenden Vorfahren mehr gab.
Und nicht nur das: Charlottes schwierige Familienverhältnisse zu ihren Eltern, die sie im Buch tatsächlich aufarbeitet, sowie Harrisons Vergangenheit waren interessante Punkte, von denen ich froh war, dass sie nicht nur nebenbei vorkamen, sondern eine wichtige Rolle spielten. Zudem war es schön, wie Charlotte ihre Profession als Chef de Cuisine erfolgreich ausübt und damit mehrmals bewies, dass sie tatsächlich eine hervorragende Köchin ist.
Eine wichtige Kritik habe ich allerdings: Ich war nicht so investiert in die Romanzen, wie ich es gewollt hätte. Amalies Liebesbeziehung zu Oskar ist durchaus süß und realistisch genug, aber Charlottes Romanze mit Harrison ging mir zu schnell vonstatten, zumal die Charaktere am häufigsten das gute Aussehen ihres Partners hervorheben, was dem Realismus zusätzlich geschadet hat. Gleichzeitig bekamen die beiden Paare ein wenig ZU viel Zeit in der Geschichte. Beide erlebten mehrere gemütliche Momente, allerdings nicht immer welche, in denen sie sich tatsächlich kennenlernten; und selbst, wenn sie es taten, war mir dieser Teil der Handlung schlicht zu lang, was insofern ironisch ist, weil mir ihre Liebesbeziehungen zugleich nicht lang genug vorkamen. Insgesamt war ich eindeutig ein größerer Fan der dramatischeren Aspekte, die wiederum gut umgesetzt waren.
Am meisten mochte ich das Rätsel, das hinter Amalie und der seltsamen Nicht-Adoption steckt. Ich habe wirklich gerätselt, was wohl die Erklärung für die vielen Ungereimtheiten sein würde und war sehr zufrieden mit der Auflösung.
Insgesamt also eine gemütliche Familiengeschichte, die für mich zwar ein wenig ZU gemütlich war, aber immer noch ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet!
- Feine Risse
- Elisa Hoven
- Fischer
- Belletristik
- Krimi
- Fälle
- Strafverteidigung
- Täter
- Mord
- Entführung
- Lügen
- Untersuchungen
Eine Mutter, die den Mörder ihres Sohnes verteidigt. Eine Box, die Eva Herbergen aufbewahren, aber unter keinen Umständen öffnen soll. Eine Schauspielerin, der am Set eine echte Waffe gegeben wird, mit der sie eine befreundete Schauspielerin erschießt. Mehrere Frauen gleichen Alters und Aussehens, die von einem etwas zu klischeehaften Serienmörder umgebracht werden. Und eine Leiche im Keller, deren Identität Eva Herbergen während des Romans aufdecken will …
„Dunkle Momente“ hatte ein paar interessante Fälle, allerdings viele mit einem sehr ähnlichen Schema; „Feine Risse“ fängt zwar auch mit zwei Fällen an, die etwas zu offensichtlich sind, wird danach aber um einiges undurchschaubarer. Wir folgen auch in diesem Roman Eva Herbergen, die mehrere fiktive Fälle aufklärt.
„Der Unfall“ und „Der Aufstieg“ sind die ersten Fälle, wobei beim ersteren ein Kind zu Tode kommt, deren Mutter danach den Mörder vor Gericht verteidigt, und beim zweiten ein Mann, der beim Bergsteigen abstürzt, obwohl sowohl er als auch sein Bergführer wussten, dass die Strecke für ihn zu anspruchsvoll ist. Hier fand ich die Twists wirklich sehr leicht zu erraten und die Fälle entwickelten sich genau so, wie ich es anfangs vermutete, weshalb ich diese Fälle am schwächsten empfand.
Der dritte Fall, „Die Box“, war da schon interessanter. Hier wird nicht nur die Leiche im Keller eingeführt, die seit mehreren Jahrzehnten im Haus der Eltern von Peter, Evas Mann, eingemauert war, sondern allgemein über eine einnehmende Ausgangssituation erzählt: Ein Klient, der Eva bittet, eine Box für ihn aufzubewahren, allerdings ohne sie zu öffnen. Ich war wirklich neugierig, zu erfahren, was in der Box steckt und war sehr zufrieden damit, wie der Fall aufgelöst wurde.
Auch „Die Reportage“, bei dem der Artikel eines Journalisten für Aufmerksamkeit sorgt, woraufhin Eva mit seinem Mittelsmann reden soll, entwickelte sich auf überraschende Weise. Im Nachhinein hätte ich wohl erraten können, was dahinter steckt, aber beim Lesen selbst wusste ich nicht, in welche Richtung sich der Fall entwickeln würde; aber auch hier war ich zufrieden mit dem Ergebnis.
Mein Lieblingsfall war „Der Film“, bei dem eine Schauspielerin am Set mit einer echten Waffe ihre Kollegin erschießt, weil es so einige mögliche Täter:innen und Motive gab, was diesen Fall zum wohl komplexesten von allen machte. Von allen Fällen fand ich ihn am undurchsichtigsten und gerade deshalb am besten, weil die verschiedenen Fährten die korrekte Auflösung so gut verbargen.
Bei „Die Zufallsopfer“ hatte ich zwar eine sehr starke Idee, was den Täter betrifft, doch die Umsetzung des Falls war so einnehmend, dass mich das nicht störte. Dafür fand ich den Täter in „Die Entführung“ etwas zu offensichtlich, aber ich mochte es, wie dieser Fall eine interessante moralische Frage aufwarf, für die es keine richtige Antwort gibt.
Zuletzt haben wir „Die Wahrheit“, die die Identität der Leiche, die über den ganzen Roman hinweg eine Rolle spielt, auflöst. Die Auflösung selbst fand ich zufriedenstellend, das Kapitel selbst allerdings viel zu kurz und mit zu vielen offenen Fragen. Gerade, weil die anderen Kapitel zwischen dreißig und fünfzig Seiten hatten, waren die drei Seiten, die sich der Auflösung des Hauptmysteriums widmeten, enttäuschend kurz. Hier habe ich mir definitiv noch mehr Informationen erhofft.
Ansonsten haben wir hier aber einen guten Roman, der sich durch die Aufteilung in verschiedene Fälle sehr gut lesen lässt und dabei ein paar gute Überraschungen zu bieten hat!
- The Enemy's Daughter
- Melissa Poett
- dragonfly
- Dystopie
- Romanze
- Liebe
- Verbotene Liebe
- Verbindungen
- Krieg
- Lügen
- Geheimnisse
Als Heilerin der Klans macht sich Isadora im Geheimen auf zur Front, um dort ihrem zukünftigen Verlobten Liam helfen zu können. Auf dem Weg begegnet sie Tristan, der aus Kingsland stammt und damit zu ihren Feinden gehört. Sie nimmt ihn gefangen, ist sich jedoch unsicher, was sie mit ihm tun soll. Bevor sie eine Entscheidung fällen kann, wird Tristan von seinen Leuten befreit – und Isadora mit einem Giftpfeil getroffen. Um sie zu retten, führt Tristan ein Ritual aus, das sie miteinander verheiratet und es erlaubt, ihre Wunden miteinander zu teilen. Isadora wird ins Kingsland gebracht – und lernt dort zum ersten Mal, welche Wahrheiten bislang vor ihr verborgen wurden …
Diese Fantasyromanze basiert natürlich auf „Tristan und Isolde“, das ich zwar nie gelesen habe, weshalb ich auch nicht einschätzen kann, inwiefern dieser Roman eine akkurate Adaption ist, aber gestört hat mich das nicht, zumal ich auch keine akkurate Adaption erwarte. Allerdings muss ich zugeben, dass meine Erwartungen, was eine Fantasyromanze betrifft, leider auch nicht ganz erfüllt wurden.
So fand ich, dass Isadora und Tristan sich viel zu schnell miteinander verstanden, was ihre Romanze schmälerte, weil sie dadurch schlichtweg nicht realistisch wirkte; zwar fand ich den Einsatz ihrer fast magischen Verbindung, die es ihnen erlaubt, Gefühle, Erinnerungen und Verletzungen miteinander zu teilen, sehr gut umgesetzt, aber zumindest der Anfang der Romanze geschah mir ein wenig zu plötzlich.
Die Tatsache, dass Isadoras Weltbild infrage gestellt wird, fand ich prinzipiell gut, die Umsetzung dafür zu schwarz-weiß. Statt beide Parteien des Krieges fehlerhaft und komplex darzustellen, wurde ihre Sichtweise der „Guten“ und „Bösen“ schlicht umgekehrt, was ich definitiv zu leicht gelöst fand. Zwar gibt es durchaus in beiden Parteien Menschen, die ihr helfen bzw. schaden wollen, doch ein komplexerer Konflikt, bei dem es kein Richtig oder Falsch gibt, hätte mir besser gefallen.
Andere Charaktere waren bis auf wenige Ausnahmen (speziell Liam und Enola) nicht allzu erinnerungswürdig, aber das dystopische Worldbuilding hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es war faszinierend zu sehen, wie nach dem Untergang unserer Welt Menschen einen neuen Weg finden mussten, zurechtzukommen, und dabei eine Mischung aus modernen und althergebrachten Mitteln verwendeten.
Insgesamt eine solide Romantasy, aber leider auch mit einigen Schwächen.
Wilbur steht am Ende seines Lebens, doch statt nach seinem Tod gleich in die Ewigkeit zu gelangen, muss er davor in den Mitternachtszug steigen, der sein Leben Revue an ihm vorbeiziehen lässt. Erst, wenn er rückblickend den Sinn seines Lebens versteht, kann er mit seinen Liebsten in der Ewigkeit wiedervereint werden. Schnell merkt Wilbur jedoch, dass er sein vergangenes Ich beeinflussen kann – und damit seine Vergangenheit rückblickend ändern. Entschlossen, die vielen Reuen seines Lebens rückgängig zu machen, fängt er an, seinem vergangenen Ich Ratschläge zu geben. Jedoch wird er gewarnt: Sollte er damit fortfahren, wird sich zwar die Vergangenheit seines früheren Ichs ändern, aber dafür bleibt seinem gegenwärtigen Ich die Ewigkeit verwehrt …
Dieser Roman spielt zwar in der Welt der „Mitternachtsbibliothek“, kann aber unabhängig davon gelesen werden, weil es nur eine kleine Referenz gibt, die mich zwar sehr erfreute, für das allgemeine Lesevergnügen jedoch nicht notwendig ist.
Durch die vielen kurzen Kapitel liest sich das Buch flüssig durch, obwohl die Handlung eher ruhig ist und sich eher auf nachdenkliche statt auf spannende Aspekte fokussiert. Wir folgen Wilburs Leben von Anfang bis Ende, was zunächst recht ereignislos abläuft, bis schließlich der Aspekt der Veränderung eingeführt wird – und damit die Reuen in Wilburs Leben. Zwar gab es schon am Anfang ein paar Szenen, die ich interessant fand, aber am meisten hat es mich interessiert, was genau Wilbur falsch gemacht hat und wie es dazu kam.
Was mir ebenfalls sehr gut gefiel, war die Botschaft, die hinter dem Roman steckte. Ich möchte sie natürlich nicht vorwegnehmen, doch sie überraschte mich positiv und ließ mich den Roman am Ende mit einem zufriedenen Lächeln schließen.
Was mir dafür nicht so gut gefiel, war Wilburs Romanze mit Maggie. Ich fand sie leider recht schwach, weil Maggie als Charakter so blass war und erst gegen Ende ein wenig Dreidimensionalität bekam. Allgemein war die Romanze nicht so stark im Fokus, wie ich es erwartet hätte und die schlechten Zeiten wurden mehr hervorgehoben als die guten, was es zusätzlich schwer machte, an eine ewige, alles überwindende Liebe zu glauben.
Wer eine kurzweilige, zum Nachdenken anregende Lektüre lesen möchte, ist hier bestens bedient, nur diejenige, die sich eine schöne Romanze erhofft haben, könnten etwas enttäuscht werden.
Eda und ihre Brüder sind dazu gezwungen, für Mr. Night, einen an sie gebundenen Dämon, Paktlinge zu finden, die ihm gegen die Erfüllung eines Wunsches einen Teil ihrer Lebenszeit geben. Kurz vor Ablauf der Frist fehlt nur noch ein Pakt von zehn Jahren, um sich endgültig von ihm zu befreien, doch in dem Versuch, einen willigen Paktling zu finden, wird Eda hereingelegt und ihre Brüder gefangen genommen. Um sie zu retten, erbittet Eda die Hilfe des Dämons Kit’rath, dem sie dafür einen Großteil ihrer Lebenszeit gibt. Zusammen müssen sie einen Weg finden, ihre Brüder zu retten, ihren Pakt mit Mr. Night rechtzeitig aufzulösen und dabei einen korrupten Bischof zu entblößen. Und als wäre das noch nicht genug, wird Kit Eda unfreiwillig immer sympathischer …
Diese Fantasyromanze hat mich positiv überrascht, weil ich zwar schon viele gelesen habe, diese aber durch ihren flüssigen Schreibstil, ihre spannende Handlung und vor allem durch ihre fantastische Romanze stark hervorsticht. Schon gleich am Anfang mochte ich es, wie angenehm sich der Schreibstil las, mit einem gewissen Suchtpotenzial, das zum Weiterlesen antreibt; der Text fließt gut dahin und machte es leicht, in der Geschichte zu versinken.
Auch die Handlung bzw. die verschiedenen Handlungsaspekte gefielen mir sehr, wobei die größte Stärke allerdings die Romanze ist: Eda und Kit haben eine absolut fantastische Chemie miteinander, die durch humorige Schlagabtäusche, intime Gespräche und schöne Momente perfekt demonstriert wird. Ihre wachsenden Gefühle füreinander entwickeln sich auf realistische Weise und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie sich langsam, aber sicher ineinander verlieben. Hier hilft es auch, dass beide sehr sympathische Charakter waren; auch wenn ich mir wünschte, dass Eda im Buch etwas mehr Action bekommen hätte, lässt sich nicht leugnen, dass ihr Charakter im Allgemeinen sehr einnehmend war.
Auch Robin, die Alchemistin, die Kit hilft, mochte ich sehr, hätte aber gerne noch mehr von den anderen Nebencharakteren gesehen; dadurch, dass der Fokus so stark auf Edas und Kits Romanze liegt, profitiert diese zwar enorm davon, lässt andere Charaktere und Beziehungen dafür aber schwächer aussehen, als sie es tatsächlich sind. So fand ich Ben und Lawrie, Edas Brüder, zwar sehr sympathisch, aber sie hatten nicht ganz so viel Screentime, wie ich es mir erhofft hatte. Dasselbe gilt für andere Nebencharaktere, z.B. die Kommandantin Tenelle, über die ich gerne noch mehr gelesen hätte; all diese Charaktere haben zwar genug Zeit, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber nicht genug, um sie tatsächlich lieb zu gewinnen. Gleichzeitig bin ich trotzdem froh, dass sie es dafür erlaubten, mich ganz in die Romanze fallen zu lassen, da ich mir sicher bin, dass das bei mehr Screentime für die Nebencharaktere nicht möglich gewesen wäre.
Die Geschichte bleibt stets spannend, obwohl es keine richtigen Twists gibt, sondern eher Andeutungen auf welche, die im zweiten Band offenbart werden könnten. Wobei ich sagen muss, dass sich dieser Band sehr komplett las; die Handlung, um die es geht, wird zufriedenstellend abgeschlossen und lässt sich problemlos als Einzelband lesen, weil das Ende kein Cliffhanger ist, sondern eher ein Versprechen auf ein anderes Abenteuer.
Insgesamt eine sehr gute Empfehlung für Romantasy-Fans, die mir großen Spaß gemacht hat!
- Mein Gehirn
- das Denken & Ich
- Jens Foell
- Droemer Knaur
- Sachbuch
- Gehirn
- Denken
- Handeln
- Wissen
- Intelligenz
- Denkfehler
- Optimierung
- Humor
Wie funktioniert eigentlich unser Gehirn und wie können wir es am besten nutzen, um Entscheidungen zu treffen, Fehler zu vermeiden und uns allgemein besser zu verstehen? Diese Fragen beantwortet Dr. Jens Foell in seinem neuesten Sachbuch, das nicht nur wissenswert zu lesen ist, sondern auch humorvoll geschrieben.
Foell redet dabei über so ziemlich alles: Den Aufbau des Gehirns (ich bin übrigens definitiv für die Bezeichnung „Foell-Region“), wie es sich schützt und warum es das manchmal nicht tut (Stichwort Alkohol), inwiefern es sich von Künstlicher Intelligenz unterscheidet, und noch viel, viel mehr.
Dabei geht er auch auf Dinge ein, die mir bereits bekannt waren (z.B. die fehlerhafte Darstellung des Kitty-Genovese-Falls), Dinge, bei denen ich etwas Neues dazulernte (wie der Phineas-Gage-Fall, bei dem ich nicht wusste, wie sein Charakter sich im Lauf der Zeit entwickelte) und Dinge, die mir komplett neu waren (z.B. das Experiment über Hoffnungslosigkeit). Das war eine gute Mischung, die der Autor natürlich nicht vorhersehen konnte, die aber gut aufgezeigt hat, dass es selbst, wenn man bereits einige Bücher dieser Art gelesen hat, hier auch neue Informationen auf einen warten.
Nach Möglichkeit habe ich stichprobenartig recherchiert, ob gewisse Fakten stimmen, weil ich bei einigen sehr überrascht war, zuvor noch nichts von ihnen gehört zu haben (Stichwort halbes Hirn). Noch wertvoller fand ich aber die Tipps, die Jens Foell bezüglich Schlaf, Alkohol und Eingreifen mit uns teilte – obwohl die ersten beiden Themen nicht für mich relevant waren, war es trotzdem so hilfreich, tatsächliche Ratschläge zu lesen, die die Gehirn- und Handlungsleistung verbessern können.
Insgesamt also ein informatives Sachbuch mit wertvollem Wissen und genau der richtigen Prise Humor!
- Wenn die
- Bienen schweigen
- Caryl Lewis
- dtv
- Jugendbuch
- Dystopie
- Arbeitscamp
- Zukunft
- Welt ohne Bienen
- Rebellion
- Hoffnung
Seit vor Jahrzehnten die Bienen ausgestorben sind, müssen Jess und andere Mädchen ihres Alters die Bäume von Hand bestäuben, bis sie schließlich alt genug sind, um verheiratet zu werden. Jess hasst dieses Leben, in dem sie nichts selbst bestimmen kann, aber erst, als ein freundlicher Wärter ihr Farben schenkt, weckt er in ihr damit den Funken der Rebellion. Sie malt mit den Pinseln aus Mädchenhaar, die eigentlich zum Bestäuben da sind, eine Tür, die den anderen Mädchen die Freiheit zeigt, die sie stattdessen haben könnten. Doch es ist nicht leicht, diesen Funken weiter anzufachen, denn das Camp hat so seine eigenen Methoden, um die Treue der Mädchen zu sichern …
Diese Dystopie zeigt eine erschreckende Zukunftsvision, die gar nicht mal so unrealistisch ist, obwohl ich mir gerne wünschen würde, dass sie es wäre. Man folgt Jess und den anderen Mädchen dabei, wie sie ihre Arbeit, Freund- und Feindschaften sowie die Versuche eine Rebellion bewältigen, wobei für sehr lange Zeit nur wenig Hoffnung herrscht. Falls doch welche aufkommt, wird sie recht schnell zerstört, was zwar betont, wie schwer es die Mädchen haben, aber auch für ein sehr hoffnungsloses Leseerlebnis sorgt. Zugegeben denke ich, dass das durchaus beabsichtigt ist, zumal am Ende dann doch noch ein Versprechen auf Hoffnung besteht, aber letztendlich hat es mich ganz schon runtergezogen, das Buch zu lesen.
Dabei ist es eigentlich recht nüchtern erzählt, die Spannung bleibt eher niedrig, während das Leben im Camp beschrieben wird; die meisten Charaktere bleiben ebenfalls blass, wobei ich jedoch Cass, Jess‘ beste Freundin, sowie Eliot, den hilfsbereiten Wärter, sehr mochte. In Cass‘ Handlungsstrang war ich zudem recht investiert.
Komplizierter sieht es bei Charmian aus, deren Handlungsstrang ebenfalls faszinierend ist, weil sie als treue Camp-Arbeiterin startet, aber nicht so bleibt. Diese Entwicklung hat mir überraschend gut gefallen, zumal mir Charmian für lange Zeit sehr unsympathisch war, doch war ich nicht zufrieden damit, wie ihre Geschichte abgeschlossen wurde. Hier hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht, weil die Implikationen dann doch unglücklich sind.
Was ich dafür wieder gut fand, war das Worldbuilding und der Rückblick auf unsere Welt. Es war unglaublich faszinierend, Jess‘ Gedanken zu unserer aktuellen Gegenwart zu lesen, nicht nur, weil sie selbst ganz anders lebt, sondern auch, weil ihre Gedanken auch mich zum Nachdenken gebracht haben.
Insgesamt würde ich das Buch immer noch empfehlen, aber nur an diejenigen, die düstere Dystopien mögen.
- Freunde fürs Leben
- Fredrik Backman
- Goldmann
- Belletristik
- Freundschaft
- Sommer
- Kunst
- Roadtrip
- Drama
- Vergangenheit
- Humor
- Highlight
- Herzensbuch
Schon immer hatte Louisa den Traum, das Gemälde „Das vom Meer“ mit eigenen Augen zu sehen – und nicht nur gelingt ihr das auch, sie begegnet sogar dem Maler und die beiden teilen einen besonderen Moment. In derselben Nacht verstirbt er – und vermacht ausgerechnet Louisa sein wertvollstes Gemälde. Komplett überfordert, bittet sie den besten Freund des Malers, Ted, ihr dabei zu helfen, das Bild weiterzuverkaufen, woraufhin die beiden sich auf eine Reise aufmachen, in der Ted Louisa die Geschichte des Gemäldes erzählt, und wie damals vier Freunde einen unvergesslichen Sommer erlebten …
Ich glaube, dieser Roman könnte mein Jahreshighlight werden, denn obwohl bis dahin noch so einige Monate und Bücher ausstehen, dürfte es schwer für einen anderen Roman sein, mich so viele Dinge auf einmal fühlen zu lassen. Ich habe gelacht, geweint, mitgefiebert und mitgefühlt – und dachte am Ende einfach nur: „Wow.“
Dabei könnte ich es eigentlich belassen, doch möchte ich dann doch versuchen, meine Gefühle für diesen Roman ausführlicher zu beschreiben. Sein Fokus liegt auf der Freundschaft zwischen dem Maler, Ted, Joar und Ali, die im Sommer, in dem sie fünfzehn werden, dem Maler dabei helfen wollen, für einen Wettbewerb ein Gemälde zu malen. Gleichzeitig hat jeder von ihnen sein eigenes Päckchen zu tragen, und die Vergangenheit von allen Charakteren spielt dabei eine genauso große Rolle wie der Sommer, den sie erleben. Jeder hat tragische Erlebnisse hinter sich, die ausführlich und emotional erzählt werden, sodass es leicht war, alle Charaktere ins Herz zu schließen und mit ihrer damaligen Gegenwart mitzufiebern. Die Freundschaft zwischen ihnen war großartig umgesetzt, sehr realistisch und gleichzeitig sehr herzerwärmend.
Aber auch Louisa und Teds Erlebnisse nach dem Sommer werden nicht ignoriert; sowohl Louisas Freundschaft mit ihrer verstorbenen Freundin Fish als auch ihre beginnende Freundschaft mit Ted spielt eine große Rolle und sorgte für viele dramatische, aber, im letzteren Fall, auch für viele witzige Szenen. Louisa hat nämlich einen sehr speziellen Charakter, mit dem sie Ted gehörig auf die Nerven geht und die Leserherzen erfreut. Ich musste bei den witzigen Dialogen zwischen den beiden und Louisas Mangel an einem Gesprächsfilter mehr als einmal herzhaft lachen, was für einen angenehmen Kontrast zu den sonst dramatischen Ereignissen sorgte. Die Balance zwischen den beiden ist hervorragend gelungen und machte den Roman nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig. Es gab viele Sätze, die ich mir am liebsten angestrichen hätte, weil sie eine so wichtige Botschaft enthielten, aber auch viele Sätze, die allein wegen ihrem Humor positiv hervorstachen. Wie gesagt: Ich musste mehrmals weinen, aber auch mehrmals lachen.
Sehr gut war das Foreshadowing umgesetzt. Es bereitet uns Leser:innen im genau richtigen Maße Sorgen, aber gleichzeitig entwickeln sich viele Handlungsstränge anders, als ich zunächst erwartet hatte. Das hat mir sehr gefallen, weil es das Leseerlebnis frisch hielt und meine Erwartungen untergrub. Das beste Beispiel dafür ist definitiv das Ende, das ich natürlich nicht vorwegnehmen will, das mich aber sehr positiv überraschte, weil es einen so zufriedenstellenden Abschluss für die Charaktere bot.
Insgesamt also ein fantastischer Roman, der mich zu Tränen rührte und alle Emotionen von Trauer bis zu Hoffnung fühlen ließ!
Malou Löwenberg bekommt einen neuen Fall, der sich diesmal als ihr schwierigster erweisen könnte: Lana Boban, die im Sterben liegt, möchte vor ihrem Tod unbedingt ihren Bruder Lucas wiedersehen, der vor sechsundzwanzig Jahren verschwunden ist. Das Problem dabei: Damals hat er zwei Mädchen getötet und fingierte danach seinen eigenen Tod. Sollte Malou ihn finden, wird sie sich der Entscheidung stellen müssen, ihn entweder mit seiner Schwester zu vereinen oder ihn festzunehmen – eine Entscheidung, die immer schwerer wird, als sie noch mehr Fälle entdeckt, die Lucas‘ Modus Operandi aufweisen …
Malous dritter Fall hat nicht nur ein faszinierendes Setup, sondern ist im Allgemeinen sehr spannend geschrieben. Mit einem lockeren Schreibstil, konstanten Cliffhangern und stellenweise anderen Sichtweisen gelang es Christine Brand hervorragend, mich am Ball zu halten, und das, obwohl recht klar ist, dass die Ausgangssituation mit Lucas als Mörder nicht so einfach sein kann, wie sie sich darstellt. Aber gerade das war großartig: Obwohl ich ahnte, dass es nicht die ganze Wahrheit sein kann, wusste ich immer noch nicht, wie viel vielleicht doch stimmt, und bin tatsächlich komplett auf die falsche Fährte hereingefallen. Hier war ich sehr dankbar, dass die Auflösung ebenfalls nicht so offensichtlich war, wie sie schien!
Aber auch die Nebenhandlungen mochte ich gern, wie Malous Suche nach ihren leiblichen Eltern und ihre Suche nach einer verschwundenen Urne. Diese Handlungsstränge sind für die Haupthandlung zwar nicht relevant, zeigen aber mehr von Malous Charakter und waren schlicht interessant zu lesen. Übrigens ist es nicht notwendig, die anderen beiden Bände zu kennen; die Referenzen auf sie beschränken sich auf ein Minimum und alles, was man wissen muss, wird anfangs erläutert, ohne die vorherigen Fälle zu spoilern.
Sehr erfrischend fand ich es, dass Malou in diesem Band kompetenter war als in den vorherigen Fällen. In diesen machte sie nämlich ein paar offensichtliche Fehler und traf ein paar zweifelhafte Entscheidungen, aber in diesem Band kam sie professioneller rüber, ihre Fehler schienen verständlicher, ihre Entscheidungen ebenfalls. Ich hoffe, dass diese Entwicklung weiter fortschreitet!
Von den anderen Charakteren fand ich Bernard und Bettina sympathisch, ansonsten gab es bis auf Lucas und Lana (die beide trotz ihrer begrenzten Screentime großartig waren) keine herausstechenden Charaktere. Hier glänzt der Roman vor allem durch seinen Fall, bei dem ich stets darauf brannte, weiterzulesen und der sicher auch für andere ein spannendes Lesevergnügen bieten wird!
Tasha und ihr Ehemann Aaron hatten seit einer Weile keine Zeit mehr für sich, weshalb Tashas Schwester Alice ihnen anbietet, für ein paar Tage Urlaub in Italien zu machen, während Alice mit ihrem Ehemann Kyle auf die Kinder aufpasst. Doch dann werden Alice und Kyle überfallen, Kyle wird getötet, Alice verletzt. Und Tasha, die sich bewusst ist, wie ähnlich sie und ihre Schwester sich sehen, befürchtet, dass sie das eigentliche Ziel war – eine Furcht, die durch eine anonyme Nachricht bestätigt wird: Das hättest du sein sollen …
Claire Douglas‘ Thriller sind in der Regel ein lockeres Vergnügen, und das trifft auch auf diesen Thriller zu. Die Grundidee faszinierte mich sofort und ich mochte das Mysterium darüber, wer es auf Tasha abgesehen haben könnte und warum. Zunächst einmal waren die Familienbande zwischen den Charakteren sehr gut umgesetzt; ich mochte die schwesterliche Beziehung zwischen Tasha und Alice, Tashas sich entwickelnde Beziehung zu ihrem Ehemann Aaron, sowie Tashas und Alices Bund zu ihrer Mutter. Die Tatsache, dass die beiden noch eine dritte Schwester hatten, die als Baby entführt wurde, faszinierte mich ebenfalls und hier gefiel mir die Umsetzung ausgesprochen gut, weil sie nicht zu vorhersehbar, aber auch nicht zu unerwartet war.
Allerdings fand ich die Überraschungen und Twists allgemein gar nicht so überraschend und schockierend, wie ich es mir erhofft hatte. Viele kann man nämlich kommen sehen und selbst jene, die ich nicht erwartete, waren letztendlich nicht allzu überraschend und auf jeden Fall keine großen, alles verändernden Twists. Das hat mir tatsächlich gefehlt; vielleicht liegt es auch nur an meiner Thriller-Erfahrung, aber ich hatte am Ende das Gefühl, zwar einen sehr soliden, aber keinen sehr guten Thriller gelesen zu haben, da mir dazu noch ein wenig mehr „Oha!“-Momente gefehlt hätten.
Nichtsdestotrotz war der Thriller immer noch ein spaßiges Lesevergnügen, hat mich gut unterhalten und eignet sich hervorragend für Zwischendurch!
- Fräulein Renée
- Kaja Grimme
- Südpol
- Krimi
- Jugendbuch
- Geschichte
- Spannung
- Stuttgart
- Abenteuer
- Untersuchungen
- Gesellschaft
- Erdkunde
- Einbrüche
- Synästhesie
- LGBTQ+
- Highlight
Der junge Caspar Schütze bewirbt sich als Chronist bei der Alleinerbin Renée Graf, hauptsächlich, weil sie keine Referenzen verlangt. Bei einem Spaziergang im Wald, bei dem Renée ihre Pläne, ein Abenteuer zu erleben, ausführt, finden die beiden im Forsthaus eine Leiche: Eine Frau, mit einer Pistole erschossen und mit zweihundert Mark in der Geldbörse, aber ohne eine Tatwaffe in der Nähe. Als die beiden kurz darauf in die Hütte zurückkehren, ist die Leiche verschwunden und damit Renées Verdacht, dass es sich um Mord handelt, bestätigt. Entschlossen, ihr geplantes Abenteuer zu erleben, macht sie sich auf, den Fall zu lösen – während Caspar ihre Erlebnisse treu aufschreibt, dabei aber auch verheimlicht, was ihn überhaupt zu Renée führte …
Dieser historische Jugendkrimi klang für mich sofort interessant, weshalb ich froh war, dass er es tatsächlich war! Wobei mich nicht der historische oder der kriminalistische Teil am meisten begeisterten, sondern die beiden Hauptcharaktere: Renée und Caspar waren beide großartige Protagonisten, die nicht nur ein wunderbares Beispiel für Repräsentation waren, sondern auch die Vielschichtigkeit ihrer Persönlichkeit gut zeigten: Ich mochte es, wie abenteuerlustig und leidenschaftlich Renée war, aber auch ihre verletzliche und herzliche Seite zeigen konnte, wann immer es um ihre große Liebe Lisbeth ging; und mir gefiel Caspars erfrischende Sicht auf die Welt, seine anfängliche Vorsicht und seine spätere Entschlossenheit, sowie die Art und Weise, wie seine Vergangenheit in die Geschichte eingebaut wurde. Ich hoffe, bei einem zweiten Teil wird das auch mit Renée geschehen, weil es in ihrer Vergangenheit so einige Geheimnisse gibt, die mich interessieren!
Die beiden waren also definitiv ein Highlight, denn andere Charaktere stachen leider nicht allzu stark hervor; ich mochte Miriam, Hector und Klara sehr gerne, fand aber, dass es insgesamt zu viele Nebencharaktere gab. Es gibt zwar ein Personenverzeichnis, aber dadurch, dass ohnehin nur wenige Charaktere tatsächlich relevant sind, hätte ich lieber die Anzahl an Charakteren gekürzt und diesen dafür mehr Screentime gegeben.
Die eigentliche Handlung ist sehr spannend: Um den Fall aufzuklären, müssen Renée und Caspar so einige Male selbst am Gesetz kratzen, in verschiedene Gebäude einbrechen und Informationen sammeln. Hier war der historische Aspekt übrigens sehr gut umgesetzt; Stuttgart spielt in dem Roman eine wichtige Rolle und es war schön, die Beschreibungen der historischen Gebäude zu erleben. Die Geographische Gesellschaft existiert zwar nicht wirklich, aber die Ortschaften, die Renée und Caspar besuchen, dafür schon.
Apropos Geographische Gesellschaft: Hier ging die Geschichte in eine andere Richtung, als ich es erwartete, weil ich aus irgendeinem Grund überzeugt davon war, es würde neben dem historischen und kriminalistischen Aspekt noch einen fantastischen geben; das ist allerdings nicht der Fall und im Nachhinein frage ich mich, warum ich so fest damit rechnete. Übrigens überwiegt der kriminalistische Aspekt meiner Meinung nach; die vielen Mysterien um die Leiche und die Geographische Gesellschaft sorgen für einen Krimi, der einem vermutlich auch dann gefallen wird, wenn man mit historischer Literatur nicht viel anfangen kann.
Insgesamt also ein spannender Krimi, der nicht nur für Jugendliche geeignet ist!
Der Wettbewerb der Musen geht für Liv und Flame weiter, die noch mehr als sonst darauf achten müssen, dass niemand ihre Gefühle füreinander entdeckt. Die letzten Prüfungen werden ihnen alles abverlangen, was sie haben, und noch viel mehr – denn die Vorhersage ihrer Zukunft hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert. Und dann ist da noch Erato, der seine eigenen Pläne zu haben scheint …
Der zweite Teil der Dilogie war leider ein hervorragendes Beispiel dafür, dass eine Geschichte noch so spannend und einnehmend sein kann, wenn das Ende (speziell: das Finale) mich enttäuscht. Denn bis dahin war ich ausgesprochen begeistert vom Buch – ich mochte die Chemie zwischen Liv und Flame, war SEHR investiert in Shellys und Sawyers dramatische Storyline und habe wegen ihnen sogar mehrere Tränen vergossen und mochte die letzten Prüfungen der Musen ebenfalls ausgesprochen gern. Ein paar kleinere Kritikpunkte hatte ich bis dahin zwar auch (so war ich zwar dankbar für Eratos begrenzte Screentime, fand aber, dass seine Prüfung etwas zu lange ging und hätte mir gewünscht, Vics und Violets Erlebnisse währenddessen zu erfahren), aber es waren verzeihliche Kritikpunkte, weil sowohl die Haupthandlung mit Liv und Flame als auch die Nebenhandlung mit Shelly und Sawyer so unglaublich gut umgesetzt war.
Aber dann kam das Finale, das mich leider sehr enttäuschte. Flame begeht hier einen absolut unverzeihlichen Vertrauensbruch, in dem er Liv dazu manipuliert, etwas absolut Abscheuliches zu tun (natürlich nur, um sie zu beschützen), ohne ihre eigene Meinung zu respektieren oder das Trauma, das er damit auslöst. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass mich kein Ende zufriedenstellen wird, denn diesen Vertrauensbruch konnte ich ihm nicht verzeihen und hätte an Livs Stelle vermutlich bewusst dafür gesorgt, dass er umsonst ist.
Flames Verhalten ist auch deshalb so enttäuschend, weil die Geschichte ihre feministischen Aspekte ansonsten sehr gut einbaut, bis Liv dann doch jegliches Recht, selbst zu entscheiden, entzogen wird, um sie stattdessen zu einer Aktion zu zwingen, die sie nicht begehen wollte. Dabei hätte es eine so viel bessere Lösung gegeben, in denen beide den Schlupfwinkel in den Regeln nicht erst im Epilog, sondern schon vorher realisiert hätten, um daraufhin gemeinsam zu entscheiden, ihn zu nutzen, statt zufällig festzustellen, dass er existiert. Dadurch wären beide aktiv ein Teil des Plans gewesen, was ich eindeutig bevorzugt hätte.
Die Twists im Allgemeinen, auch die gegen Ende, sind um Übrigen echt gut und es gab mehrere Stellen, bei denen ich ungläubig auf die Seiten gestarrt habe. Ich wünschte nur, ich hätte es nicht auf eine Weise tun müssen, die mir letztendlich einen beträchtlichen Teil des Lesevergnügens nahm.
Eine gute Reise, sogar eine, bei der ich Tränen vergoss, aber das Ziel hätte man meiner Meinung nach anders umsetzen müssen!
- Die gestohlene Zeit
- Sam Sedgman
- Midas
- Kinderbuch
- Krimi
- Zeit
- Ermittlungen
- Hinweise
- Wissen
- Big Ben
- London
- Spannung
Isaac hilft seinem Vater, dem Uhrmacher, der für den Big Ben zuständig ist, gerade dabei, die Uhr umzustellen, als sein Vater kurz eine der kleineren Glocken kontrollieren will. Doch er kommt nicht zurück und Isaac befürchtet, er könnte entführt worden sein. Hattie, die gerne auf die Dächer der Stadt klettert, bestätigt seine Vermutung, denn zur selben Zeit hat sie einen verdächtigen Mann beim Big Ben gesehen. Hängt die Entführung vielleicht mit der Dezimalzeit zusammen, die bald in Großbritannien eingeführt werden soll? Zusammen machen die beiden sich daran, die Hinweise zu entschlüsseln, die Isaacs Vater ihm hinterlassen hat …
Dieser Krimi hat mich mit der Fülle an interessantem Wissen, das er zu bieten hat, positiv überrascht! Denn eigentlich hatte ich „nur“ ein paar spannende Ermittlungen erwartet (die wir auch bekommen), aber nicht die vielen interessanten Fakten rund um das Thema Zeit, den Big Ben im Speziellen, aber auch darüber, wie in London ein Gesetz verabschiedet wird. Natürlich hat der Autor sich bei einigen Bereichen ein paar Freiheiten genommen, die er in den Anmerkungen am Ende auch ausführt, aber größtenteils entsprechen diese Fakten tatsächlich der Wahrheit, was sie umso faszinierender machte.
Neben dem Krimi, bei dem Isaac und Hattie verschiedenen Hinweisen nachgehen, war ich zum Beispiel sehr fasziniert von der im Buch diskutierten Idee, einen Vierundzwanzig-Stunden-Tag stattdessen in zehn Stunden aufzuteilen, mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen. So gab es tatsächlich Länder wie Frankreich und China, die für eine gewisse Zeitspanne die Dezimalzeit benutzten, was mir neu war und was ich deshalb besonders interessant fand. Zwar stehe ich wie Isaac und sein Vater ganz hinter der bewährten Zeit, doch allein die Idee, sie anders zu messen, fand ich faszinierend.
All diese Informationsschnipsel fand ich sogar ein wenig interessanter als den Krimiaspekt, weil ich bei dem leider nicht so gut mitraten konnte. Das spannende Ende hat mir dafür sehr gefallen, nur der Weg dahin war für mich recht undurchsichtig.
Was die Charaktere angeht, bleiben die meisten recht eindimensional; nur die Hauptcharaktere und der Antagonist haben sich mir richtig eingebrannt, aber der Rest konnte bei mir keinen starken Eindruck hinterlassen. Insofern sind sie wohl eine Schwäche des Romans, aber zumindest eine, die mir zwar auffiel, mir aber nicht so viel ausmachte, weil die Handlung dafür gut umgesetzt war.
Was die äußerlichen Aspekte angeht, mochte ich lobend die Uhr erwähnen, die über jedem Kapitel eingezeichnet ist und mit jedem Kapitel von 11:01 bis 12:00 eine Minute vorrückt – ein cooles Konzept, das ich am liebsten in noch mehr Büchern lesen würde! Kritisch fand ich dafür die Diskrepanz zwischen dem Cover und den Illustrationen im Inneren; speziell Isaac sieht auf dem Cover überhaupt nicht so aus, wie er beschrieben und in den Illustrationen dargestellt wurde, was ich ein wenig irritierend fand.
Doch sind diese äußerlichen Aspekte letztendlich kein eigentlicher Teil der Geschichte – und diese ist speziell für wissbegierige Krimileser perfekt geeignet!
- 3 Shattered Souls
- Mai Corland
- Fischer
- Fantasy
- Charaktere
- Romanze
- Freundschaft
- Intrigen
- Abenteuer
- Verluste
- Trauer
Nach dem Ende des letzten Bandes fällt es den anderen schwer, ihren ursprünglichen Plan, Yusans Herrscher zu stürzen, in die Tat umzusetzen. Mikail muss sich damit auseinandersetzen, der wahre Herrscher Gayas zu sein. Aeri, die schon mit zwei Artefakten verschmolzen ist, muss sich langsam mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Royo hat Angst um sie, weil er fürchtet, dass Aeris neue Magie sie umbringen wird. Sora trauert um ihre Schwester und hat Angst, dass auch Tiyung in Gefangenschaft gestorben ist. Tiyung währenddessen hat sich mit Hana verbündet, um Sora wiederzufinden. Und alle bereiten sich darauf vor, die Könige Yusans zu stürzen …
Mit diesem Band kommt die „Five Broken Blades“-Trilogie zu einem insgesamt zufriedenstellenden Abschluss, auch wenn ich zugegeben muss, dass mir die Trilogie insgesamt „nur“ gut gefallen hat. Denn meiner Meinung hat sie sowohl eine große Stärke als auch eine große Schwäche: Die große Stärke sind meiner Meinung nach die Charakterbeziehungen. Auch in diesem Band haben mir sowohl die Romanzen als auch die Freundschaften sehr gefallen. Royo und Aeri sind in diesem Band die Hauptromanze und ihre Chemie ist wirklich großartig, während zwischen Sora und Mikael eine überraschende Freundschaft beginnt, die ich nicht kommen gesehen habe und die sich wunderbar entwickelte. Nur zwischen Tiyung und Sora hätte ich gerne mehr gesehen, weil sie für eine lange Zeit voneinander getrennt sind, aber auch nach ihrem Zusammentreffen erstaunlich wenig Zeit miteinander verbringen; so gut ich dafür Tiyungs beginnende Freundschaft zu Hana, einem anderen Giftmädchen, fand, habe ich mehr Szenen zwischen Sora und Tiyung vermisst. Davon abgesehen haben mir die Charakterbeziehungen allerdings sehr gut gefallen und sie sind meiner Meinung nach wie gesagt eine große Stärke des Romans.
Die große Schwäche währenddessen ist für mich der Schreibstil, der sehr schlicht ist und es sehr schwer macht, die Gefühle der Charaktere zu spüren. Allgemein hat der Schreibstil sie nicht klar voneinander abgegrenzt, sodass ich des Öfteren kurz zurückblättern musste, um mich daran zu erinnern, wer gerade erzählt. Aber selbst, wenn ich es wusste, schien es immer eine gewisse Distanz zwischen mir und den Charakteren zu geben; ich fieberte sehr mit den einzelnen Beziehungen mit, aber die Charaktere selbst blieben mir erstaunlich fern. Ein größerer Fokus auf ihr Innenleben wäre mir hier sehr willkommen gewesen.
Obwohl die Handlung manchmal vor sich hinplätscherte, machte mir das nichts aus, weil die Charaktere die Handlung auch so gut trugen; und dann haben wir natürlich das Ende, das leider nicht für alle gut endet, aber für mich trotzdem ein guter Abschluss war. Tatsächlich fand ich es gerade deshalb gut, weil es kein glückliches Ende für alle Charaktere und Paare gibt, sondern ein realistisches, das gut zu den Charakteren und den Entwicklungen der Handlung passt.
Insgesamt also eine Reihe, bei der mir vor allem die Charakterbeziehungen sehr gefallen haben, die aufgrund ihres schlichten Schreibstils aber vermutlich nicht für alle Leser:innen ansprechend sein wird.
Sadie und Julius sind erbitterte Rivalen in der Schule, die sich stets gegenseitig zu überflügeln versuchen. Sadie bemüht sich, möglichst perfekt zu sein und es allen recht zu machen, während sie ihre wahren Gedanken bezüglich den Schülerinnen, Lehrern und vor allem Julius in ihren E-Mail-Entwürfen niederschreibt. Doch dann passiert es: Sämtliche E-Mails werden an die gesamte Schule geschickt, sodass nun jeder Sadies wahres Ich kennt. Da vor allem Julius das Ziel ihrer E-Mails ist, trägt der Direktor ihnen auf, mehrere Projekte zusammen zu erledigen, um lernen, miteinander zurechtzukommen. Was zunächst wie ein Albtraum für Sadie startet, wird bald zu der Erkenntnis, dass mehr hinter Julius steckt, als sie gedacht hätte …
Dieses Jugendbuch hat mich gleich von Anfang an eingenommen, weil der Schreibstil so flüssig und süchtigmachend, aber auch, weil Sadie mir sofort sympathisch war. Glücklicherweise war der Roman tatsächlich großartig – und das auf mehr als eine Weise!
Wie gesagt ist der Schreibstil wunderbar, wobei mir am meisten die Art und Weise gefiel, wie Sadies Gefühle gezeigt wurden: Stets so bildlich, dass ich sie fast selbst fühlen konnte. Allein durch ihre körperlichen Reaktionen war stets klar, was sie fühlt, ohne, dass Liang es extra erwähnen musste, aber auch ihre Gedanken sind so präzise beschrieben, dass es ein Leichtes war, mich in Sadie hineinzuversetzen. Die Mischung aus ihrem aufopfernden Charakter und ihrem Ehrgeiz, der es ihr so schwer macht, in Julius mehr als nur einen Rivalen zu sehen, war so einnehmend zu lesen, auch wenn ich mir durchaus gewünscht hätte, sie hätte ihre sich verändernden Gefühle ein wenig früher bemerkt.
Die verschiedenen Aufgaben, die die beiden erledigen müssen (sowie Sadies eigene Pläne diesbezüglich), waren sehr spaßig zu lesen und haben es geschafft, ein paar bekannte Tropes wie Wahrheit oder Pflicht und einen Schulausflug auf sowohl erfolgreiche als auch auf amüsante Weise umzusetzen.
Allerdings hatte der Roman auch so einige dramatische und emotionale Stellen, gerade bezüglich Sadies Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen und ihrem Verhalten, das daraus entstand. Diese Szenen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, weil ich so mit ihr mitgelitten und mitgefiebert habe, was zusätzlich dazu beitrug, dass dieser Roman zu einem kleinen Highlight wurde.
Ich glaube, nur das Geheimnis hinter den abgeschickten E-Mails fand ich zu offensichtlich. Letztendlich sah ich es zwar auch nicht als großes Geheimnis an, dem wir hätten hinterherfiebern müssen, aber es war trotzdem ein wenig zu leicht, zu erraten, wer dahinter steckt.
Insgesamt haben wir hier also einen hervorragenden Jugendroman, der Spaß zu lesen macht, eine einnehmende Romanze erzählt und gleichzeitig sehr emotional ist – eine perfekte Mischung, nicht für Leser:innen von Jugendbuchliteratur!