Bücherregal lädt …
Die dunklen Fälle des Harry Dresden - Weiße Nächte
606 Seiten

Mehrere Selbstmorde wecken Harry Dresdens Aufmerksamkeit, denn so offensichtlich sie zunächst scheinen, verrät ihm eine geheime Nachricht an den Tatorten, dass es sich um Morde handelt: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ Zusammen mit Murphy, die zum Sergeant degradiert wurde, und Molly, seinem sich überall einmischenden Lehrling, ist Harry entschlossen, die Morde aufzulösen, bevor noch mehr begangen werden – doch ausgerechnet Thomas, sein Bruder, wird schnell zum Hauptverdächtigen. Was genau plant er und was genau planen die Vampire? Harry ahnt, dass weitaus mehr dahinter steckt, als es zunächst den Anschein hat …

Die Harry-Dresden-Bände werden mit jedem weiteren Band immer spaßiger zu lesen und das trifft auch auf diesen hier zu. Jim Butchers Humor ist zugegeben nicht für jeden geeignet (mich persönlich störten die drei, vier Szenen, in denen auf Kosten bestimmter Personengruppen ein Witz gemacht wurde), aber ich persönlich mochte ihn insgesamt sehr, weil er Harry zu einem so sympathischen und coolen Charakter machte. Der Spaßfaktor ist schlicht sehr hoch und das macht den Band so gut zu lesen.

Aber es ist nicht nur der Humor, der überzeugt: Ich war besonders investiert in den Fall, weil er sich dramatischer und persönlicher anfühlte als die vorherigen – nicht nur aufgrund der scheinbaren Selbstmorde, die mit dem richtigen Drama erzählt werden, sondern auch aufgrund Harrys persönlichem Bezug zum Fall, bei dem ich gespannt war, inwiefern Thomas involviert ist.

Davon abgesehen bleibt der Roman stets spannend: Harrys Nachforschungen, seine Lehrer/Schüler-Beziehung zu Molly, Elaines Rückkehr, die dämonische Lasciel und die vielen falschen Fährten hielten mich ordentlich auf Trab, zumal es auch oft Action-Szenen gibt, die sehr gut beschrieben wurden. Das Finale muss ich dabei hervorheben, denn dieses war einfach episch gestaltet!

Ein wenig mehr hätte ich mir von Thomas gewünscht, aber ansonsten war ich zufrieden damit, wie die Charaktere in diesem Band balanciert wurden. Ein Charakter, der mich dabei positiv überraschte, war Ramirez, weil er bei mir bisher keinen Eindruck hinterließ, in diesem Band aber ordentlich scheinen konnte.

Was kann ich sagen, wie immer ein sehr spannender Harry-Dresden-Band, der mir sehr gut gefallen hat!

Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers
386 Seiten

Seit einiger Zeit fühlt Alex sich, als würde etwas nicht stimmen. Ihre kontrollierende Mutter versucht, ihr keine Gelegenheit zum Nachdenken zu geben, während Menschen von Drachensichtungen berichten. Erst, als der Fremde Oliphos eintrifft, erfährt Alex die Wahrheit: Sie ist ein Drache und muss lernen, ihre Kräfte zu beherrschen, wenn kein Chaos ausbrechen soll. So fängt Alex ihre Ausbildung an, doch schafft sie es einfach nicht, sich zu verwandeln. Und ihre Zeit läuft ab, denn Drak Midna, der größte und gefährlichste Drache von allen, droht, zurückzukehren …

Wow, das war mal ein Kinderbuch! Ich hatte schlicht eine unterhaltsame Lektüre erwartet (und zugegeben WAR sie auch sehr unterhaltsam), aber die pure Spannung, die aus der Handlung und den Twists entstand, war unbeschreiblich. Schon Alex‘ Ausbildung und die Freundschaften, die sie währenddessen schließt, haben mir sehr gut gefallen, weil ich gespannt war, wie sie es schaffen würde, sich trotz ihrer mangelnden Verwandlungskünste zu behaupten.

Das kommt allerdings mit einem Meta-Kritikpunkt, und zwar dem Cover. Das Cover selbst ist hervorragend, doch gleichzeitig dämpft es einen beträchtlichen Teil der Spannung, die während Alex‘ Ausbildung aufgebaut wird. Denn das ganze Buch dreht sich darum, wie Alex sich letztendlich verwandeln und wie sie wohl als Drache aussehen wird – eine Überraschung, die erst gegen Ende gelüftet, durch das Cover aber sogar schon vor dem Lesen verraten wird. Es ist ein massiver Spoiler, der damit vergleichbar ist, auf dem Cover eines Mystery-Thrillers den Täter abzubilden.

Glücklicherweise gibt es davon abgesehen noch andere Twists, die ich allesamt nicht kommen gesehen habe und die mich massiv schockierten. Sie waren für mich das beste am Roman, weil sie viele frühere Szenen in ein anderes Licht rückten und absolute „Holy Shit!“-Momente waren. Gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse auf eine Weise, die mich immer noch atemlos zurücklässt, wenn ich daran zurückdenke. Besonders cool war hier auch, dass ich am Anfang natürlich meine eigenen Ideen bezüglich möglicher Twists hatte – und sie sich allesamt als falsch erwiesen.

Was die Charaktere angeht, mochte ich vor allem Erik (Alex‘ besten Freund), Oliphos (ihren Mentor) und Puppin (den Drachenforscher). Die anderen Nebencharaktere stechen nicht ganz so stark hervor wie diese drei, aber dafür zeigten Erik, Oliphos und Puppin umso besser die wichtigsten Werte des Romans, jeder auf seine eigene Weise.

Wer Drachen liebt und eine spannende Handlung mit besonders dramatischen Twists lesen möchte, findet hier ein persönliches Highlight!

Magicalia
336 Seiten

Bitsy ist schockiert, als ihr Vater von einer Frau mit einer seltsamen Kreatur entführt wird. Bei der Kreatur handelt es sich um einen Magicore – ein Wesen, das aus einem bestimmten Gefühl heraus entsteht. Die Entführerin, Melasina Spires, verlangt von Bitsy, ihr Arkwoods Kreiselrad zu besorgen, wenn sie ihren Vater retten will. Dafür müssen Bitsy und ihr bester Freund Kosh nicht nur lernen, wie man Magicores beschwört, sondern auch eine Schnitzeljagd durch verschiedene Städte bewältigen, um Arkwoods Kreiselrad zu finden …

Am Anfang hat mich dieses Kinderbuch erst mal ganz schön überfordert, denn es gibt wirklich sehr viel Infodump bezüglich der Magicores, den ich mir nicht einmal ansatzweise komplett merken konnte. Ich hatte sofort das Gefühl, dass diese Informationen flüssiger hätten eingebaut werden können (ähnlich wie die späteren Wesen, die nach und nach erscheinen), weil die Art und Weise, wie sie präsentiert sind, ein wenig zu viel auf einmal war.

Doch das, was sie beinhalten, war mit Abstand die größte Stärke des Romans: Die verschiedenen Magicores. Sie waren unglaublich kreativ, gut beschrieben, hatten coole Fähigkeiten und deren Bindung zu verschiedenen Emotionen war ebenfalls fantastisch umgesetzt. Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es eine kleine Zeichnung von einem bestimmtem Magicore (der in der Regel auf für das Kapitel relevant ist) und es hat mich sehr begeistert, sie in die Handlung eingebaut zu sehen. Das ganze System war um einiges tiefer, als ich es erwartet habe und das hat es so fantastisch gemacht.

Die Schnitzeljagd gefiel mir ebenfalls gut, auch wenn sie durchaus Szenen hatte, die sich ein wenig zogen. Es war einfach spaßig, Bitsy und Kosh dabei zuzusehen, wie sie die verschiedenen Aufgaben zusammen bewältigen – auch, wenn ich zugegeben muss, dass sie als Charaktere nicht besonders hervorstachen. Ja, ich mochte ihre Freundschaft, aber im Vergleich zu den Wesen, die sie heraufbeschwören, blieben sie relativ blass. Das trifft auch auf die anderen Charaktere zu, von denen ich gerne mehr gesehen hätte, weil die Geschichte zu stark von der Handlung lebt.

Apropos: Natürlich gab es auch zwei, drei Twists, wobei ich ironischerweise den Endtwist bereits sehr früh erahnte, den Mitteltwist allerdings nicht kommen sah. Sie waren auf jeden Fall nett und haben die Handlung bereichert.

Insgesamt also ein Buch, das vor allem durch seine Kreativität hervorsticht!

Die Jagd nach den magischen Münzen
273 Seiten

Bo hört das Flüstern der Themse, bevor sie in deren Schlamm eine silberne Münze findet, die sie an den Mond erinnert. Sie spürt sofort, dass sie etwas Besonderes ist und weigert sich, sie zu verkaufen, als der zwielichtige Muncaster ihr viel Geld dafür anbietet. Zusammen mit Billy, Muncasters Diener, findet sie heraus, dass es auch eine Sonnenmünze gibt, sowie eine Ballade, die verrät, wie man die beiden Münzen zusammenführen muss, um einen geliebten Menschen wiederzubeleben. Billy, der hofft, so seine Mutter zurückzubekommen, möchte Bo helfen, die zweite Münze zu finden, muss sich jedoch auch vor Muncaster in Acht nehmen …

Dieses Kinderbuch war überraschend emotional, auf mehr als eine Weise! Es ist eine teils historische, teils magische Geschichte, die kein klassisches Abenteuer erzählt, sondern eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und Loslassen. Aus diesem Grund habe ich die Geschichte teils als langsam empfunden, weil es nicht immer spannend war, sondern der Fokus ganz klar auf den Charakteren und deren Beziehungen lag.

Natürlich stechen vor allem Bo und Billy positiv hervor, aber auch Miss Cressant und Eddie mochte ich ganz gern, obwohl sie teils nicht viel Screentime haben. Man könnte auch sagen, dass nicht zwingend die Charaktere interessant sind, sondern die Bindungen zwischen ihnen und das, was sie voneinander lernen.

Auch der Schreibstil und die Atmosphäre, die sie einfängt, sind sehr schön, wobei ich hier auch lobend das Cover erwähnen möchte, dass das Ambiente des Buches fantastisch einfängt.

Gegen Ende gab es ein paar überraschende Twists, mit denen ich nicht gerechnet habe, obwohl sie im Nachhinein sehr logisch waren. Das emotionale Ende und das Lied der Themse, das uns danach gezeigt wird, haben mir sehr gefallen, doch gleichzeitig bin ich mir sicher, dass gerade die Zielgruppe eventuell nicht zufrieden damit sein wird. Diese Geschichte ist wie gesagt kein klassisches Fantasyabenteuer, sondern vor allem ein gefühlvoller Roman!

Dire Bound
832 Seiten

Als Meryns Schwester Saela vom Feindesland entführt wird, steht ihr Entschluss fest: Sie will an die Grenze, um ihre Schwester suchen und retten zu können. Doch wie alle neuen Rekruten muss sie die Bindungsprüfungen hinter sich bringen, die überprüfen sollen, ob sie eine Verbindung zu einem Wolf hat – und zu Meryns Entsetzen wird sie tatsächlich von einer Wölfin ausgewählt. Jetzt steckt sie nicht nur im Bezirk der Gebundenen fest, sondern muss auch mit der drohenden Gefahr leben, jederzeit ausgesiebt zu werden – eine Gefahr, die umso größer ist, da ihre Schattenwölfin Anassa sich weigert, mit ihr zu sprechen …

Dieser Roman hat mir leider gezeigt, dass ich selbst bei der besten Geschichte ein Liebesdreieck nicht ertragen kann. Zugegeben: Für etwa zwei Drittel der Handlung war es überraschend erträglich. Ich mochte es, wie es durch einen Twist eingeführt wurde, und dass es nicht ZU viel Zeit einnahm, weil der Fokus immer noch auf Meryns Ausbildung liegt, deren Umsetzung klasse war.

Aber irgendwann wurde es dann doch nervig, weil das Liebesdreieck wirklich schmerzhaft vorhersehbar war: Wir haben den einen Love Interest, der Meryn von Anfang an liebevoll behandelt, glücklich macht, alle Spice-Szenen bekommt und insgesamt sympathisch war – und den anderen Love Interest, der für lange Zeit sehr unsympathisch ist und erst gegen Ende ein wenig Wärme zeigt. Es war von Anfang an klar, dass der liebevolle Love Interest auf keinen Fall derjenige sein kann, mit dem sie zusammenkommt und dass ein Twist sein Verhalten in ein anderes Licht rücken wird. Tatsächlich wäre es für mich ein größerer Twist gewesen, hätte er sich tatsächlich als der liebevolle Love Interest dargestellt, als der er dargestellt wurde, aber leider konnte ich am Ende wirklich jeden Twist vorhersehen, weil der Aufbau des Liebesdreiecks so offensichtlich darauf hinauslief.

Auch den klassischen Anfang habe ich als Kritikpunkt wahrgenommen, wenn auch als recht kleinen, weil er von so vielen anderen Fantasyromanen geteilt wird: Eine Protagonistin, die die Handlung wegen einem Charakter in Bewegung setzt, den wir als Leser:innen kaum kennenlernen und in deren Rettung wir deshalb nicht investiert sind. Ich finde, die Handlung wäre um einiges stärker gewesen, hätte Meryn aus eigenem Wunsch an den Bindungsprüfungen teilgenommen, weil es leichter war, mit ihrer Ausbildung mitzufiebern als mit der Suche nach Saela.

Und hier kommen wir zu den positiven Punkten: Die Haupthandlung war absolut fantastisch. Ich liebte es, Meryns Entwicklung zu verfolgen, die gefährlichen Prüfungen, ihre Freundschaften mit den anderen Auszubildenden (vor allem Izabel) und vor allem ihre Bindung zu Anassa. Sie war sehr langsam und sehr realistisch aufgebaut, die beiden brauchen lange Zeit, um miteinander zurechtzukommen und es war so spannend und zufriedenstellend, den beiden dabei zuzusehen, wie sie ihre schwierige Beziehung nach und nach kitten. Von allen Beziehungen war diese mit Abstand die stärkste, weil sie glücklicherweise viel Screentime bekam und sich so realistisch entwickelt hat.

Ich mochte auch Meryn selbst und wie sie alles in Frage stellte, anstatt es einfach zu akzeptieren. Es war leicht, mich in sie hineinzuversetzen, weil ich genau dieselben Punkte in Gedanken ansprach wie sie. Sogar die grausamen Szenen, die ihre Veränderung einleiten, waren nachvollziehbar und ein wichtiger Teil ihrer Charakterentwicklung.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman gut für Fourth-Wing-Fans geeignet, allerdings nur für diejenigen, die Liebesdreiecke mögen!

Firewatch
451 Seiten

Vor einem Jahr ist Robins bester Freund Aaron spurlos verschwunden. Der einzige Verdächtige: Kian, der damals zusammen mit ihm im Nationalpark gearbeitet hat. Als die Polizei die Suche nach Aaron einstellt, fasst Robin einen Plan: Er will sich an Kian ranmachen, um ihn so in Sicherheit zu wiegen und herauszufinden, was mit Aaron passiert ist …

Ich liebe ja „Become the Mask“-Geschichten, bei denen der Hauptcharakter zunächst etwas vorspielt, ehe es Wirklichkeit wird – und diese hier gehört definitiv zu den spannendsten! Nicht nur durch eine allgemein spannende Handlung, die mich stets antrieb, sondern vor allem durch die zwei Hauptcharaktere selbst: Robin und Kian. Die unterschwellige Spannung, die durch jede ihrer Interaktionen entstand, war übermächtig, ich fieberte bei ihren Szenen so mit und hatte gleichzeitig Angst, was wohl als nächstes passieren würde. Es war unglaublich einfach, die ganze Handlung wie einen Film vor mir zu sehen, während Robins Lügen und Kians verdächtiges Verhalten, gepaart mit der Chemie, die die beiden miteinander teilen, für ein packendes Leseerlebnis sorgte.

Natürlich ist es für uns Leser:innen von Anfang an klar, dass Kian niemals der Verantwortliche sein kann, denn auch, wenn er sich durchaus suspekt verhält, wäre das eine gleichzeitig zu einfache und zu schwere Lösung gewesen; aber nichtsdestotrotz fieberte ich mit, weil ich wissen wollte, was genau er geheim hält und warum. Im ersten Teil der Handlung erleben wir zudem Aarons Zeit im Nationalpark, die die gegenwärtigen Ereignisse in einen anderen Fokus rückt und die mich durchaus an Kian zweifeln ließ. Das Endergebnis war für mich überraschend, im Nachhinein jedoch logisch, und es brachte noch ein, zwei andere Twists mit sich, die ich nicht kommen gesehen habe.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings: Zum einen finde ich, dass Robins wachsende Gefühle für Kian früher hätten hervortreten müssen, als es der Fall ist. Es schien für mich fast so, als würde er seine Meinung über Kian während einer einzigen Szene ändern statt während des ganzen Romans, obwohl es auch davor ein paar Szenen gab, in denen man ihm anmerkte, dass Kian ihm langsam sympathisch wird. Allerdings waren diese Szenen recht selten und wurden fast von denen, in denen er schlecht über ihn dachte, überschattet; hier hätte ich seine Meinungsveränderung nicht ganz so subtil gemacht, wie sie es ist, sondern hätte ihn schon um einiges früher an sich selbst und seinem Verdacht zweifeln lassen.

Zum anderen ist mir ein Mangel an sympathischen, weiblichen Figuren aufgefallen. Es gibt zwar durchaus welche (und dazu männliche Figuren, die unsympathisch sind), aber insgesamt schien mir die Waage stark in Richtung der männlichen Charaktere zu gehen. Was wohl Sinn ergibt, wenn man die Handlung allgemein bedenkt, aber erwähnt haben wollte ich es trotzdem.

Allerdings ist die Handlung trotz dieser beiden Kritikpunkte einfach phänomenal gewesen und die Romanze sehr fesselnd. Ich liebe es einfach, wie Colin Hadler es geschafft hat, die Spannung über den ganzen Roman hinweg zu halten, indem er die Charaktere selbst zum spannendsten Teil gemacht hat!

Blood over bright haven
480 Seiten

Sciona ist fest entschlossen, als erste Frau die Magierprüfung zu bestehen, ein Ziel, auf das sie ihr ganzes bisheriges Leben hingearbeitet hat. Doch nie hätte sie geahnt, dass mit dem Status der Hochmagierin die Probleme nur größer werden: Nicht nur wird sie immer noch nicht ernst genommen, sondern bekommt für die Aufgabe, den Schutzschild um die Stadt zu erweitern, den Hausmeister Thomil als Assistenten. Sciona, die gegenüber ihm und seinem Volk Vorurteile hat, stellt bald fest, dass mehr hinter Thomil steckt, als es zunächst den Anschein hatte. Und dann macht Sciona eine furchtbare Entdeckung, die ihr ganzes Weltbild auf den Kopf stellt und sie dazu zwingt, ihrer eigenen Ignoranz ins Gesicht zu sehen …

Dieser Fantasy-Einzelband ist eine so großartige Empfehlung, dass ich es mit jedem Kapitel mehr bereut habe, ihn nicht schon vorher gelesen zu haben. Zugegeben hatte ich bei der Kurzbeschreibung die Befürchtung, dass er wie so viele andere Fantasyromane mit Misogynie als Thema in klischeehafte Bahnen abrutschen wird, aber zu meiner Freude war Sciona tatsächlich die geniale Magierin, als die sie dargestellt wird, ohne beim Anblick des ersten gutaussehenden Mannes ihre Prinzipien zu verraten. Gleichzeitig ist sie vorurteilsbehaftet und ignorant in ihrem Optimismus, lernt aber auch aus ihren Fehlern und büßt nie die Kompetenz ein, die ihr ihre Stellung einbrachte. Ihre Stärken und Schwächen haben sie zu einem einnehmenden Charakter gemacht, mit dem ich sehr mitgefiebert habe.

Auch Thomil war wunderbar und stellte Scionas Weltbild mit seinen scharfen Argumenten infrage. Ihre Dynamik hat mir sehr gefallen, weil sie nicht nur allgemein eine gute Chemie miteinander haben, sondern so erfolgreich zeigten, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der einen herausfordert, statt in allem zuzustimmen. Wichtig ist es für Leser:innen nur zu wissen, dass die beiden zwar Anflüge einer Romanze haben, es im Roman aber um so viel mehr geht. Ihre Szenen waren stets wunderbar zu lesen, aber erfrischenderweise nicht das Zentrum des Romans.

Andere Charaktere kommen nicht ganz so stark hervor, ihre Ansichten dafür umso stärker. Nicht nur, was die Misogynie betrifft, sondern allgemein die Art und Weise, wie man sich so sehr an ein Weltbild klammern kann, dass man für logische Argumente nicht mehr offen ist – etwas, an dem wir vermutlich alle mitschuldig sind. Tatsächlich hat der Roman in einem bestimmten Aspekt mein eigenes Weltbild verändert, so erfolgreich zeigte M. L. Wang diejenigen in ihrem Roman. Besonders gut fand ich auch, dass für uns Leser:innen die Ungerechtigkeit und fehlende Logik gewisser Sichtweisen offensichtlich ist, ohne dass das extra angesprochen werden musste.

Die Welt, die Magie, die Handlung und die Charaktere haben wunderbar miteinander harmoniert. Gerade das Worldbuilding hat mir sehr gefallen, weil die Welt sich so real anfühlt, die Handlung sich realistisch entwickelt und die Magie so ausgearbeitet ist, und das alles in einem einzigen Band! Der Twist, der alles noch einmal in eine andere Perspektive rückt, war schockierend und gleichzeitig logisch, das Ende sowohl tragisch als auch hoffnungsfroh und gerade deshalb perfekt. Rundherum ein Roman, der mich mit jedem Kapitel mehr beeindruckt hat!

Meine einzige kleine Kritik betrifft die deutsche Übersetzung, denn ich fand ungewöhnliche viele kleine Rechtschreibfehler. Kleine Tippfehler an sich sind durchaus verständlich, aber die Anzahl hier war dann doch hoch genug, dass ich sie hier ansprechen wollte. Meiner Freude an der Handlung hat das glücklicherweise keinen Abbruch getan, aber bei einer Wiederauflage hoffe ich, dass diese vielen kleinen Fehler verbessert werden.

Ein eindeutiges Highlight, von dem ich wirklich wünschte, ich hätte es schon früher entdeckt!

Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen
347 Seiten

Mika ist eine Hexe, die ihre wahre Identität nur in Social Media lebt, wo sie keine Angst haben muss, dass ihr irgendjemand auf die Schliche kommt. Bis es dann doch jemand tut und ihr ein Angebot unterbreitet: Sie soll drei jungen Hexen beibringen, ihre Magie zu kontrollieren, bevor sie entdeckt und auseinandergebracht werden. Sie ist zunächst zögerlich, lässt sich dann aber überreden. Und findet dort eine Familie, wo sie sie nie erwartet hätte …

Nachdem mir „Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste“ sehr gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt auch „Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen“ lesen – und auch dieser Fantasyroman war wunderbar gemütlich und einfach wunderschön!

Teilweise fand ich es zwar ein wenig ZU ruhig, aber insgesamt gelingt es der Autorin gut, die Handlung interessant zu gestalten. Und das liegt vor allem an den Charakteren: Mika und ihr Love Interest Jamie, die Mädchen Rosetta, Terracotta und Altamira, die Großväter Ian und Ken sowie Lucie, die eine tantenähnliche Rolle einnimmt, waren mir alle sehr sympathisch und es machte Spaß, ihnen bei ihren Abenteuern zuzuschauen. Speziell die Romanze zwischen Mika und Jamie nimmt viel Platz ein, was mir einerseits gefiel, weil sie so realistischer wirkt, was ich aber andererseits schade fand, weil ich gerne noch mehr von den Kindern gesehen hätte. Gerade die erste Hälfte gibt den dreien viel Screentime; ich mochte vor allem Terracotta gern und die Art und Weise, wie ihre zunächst frostige Beziehung zu Mika sich erwärmt. Aber danach wird die Romanze immer wichtiger und die Kinder geraten ein wenig in den Hintergrund, auch wenn sie natürlich immer noch eine wichtige Rolle in der Handlung spielen.

Apropos Handlung: Die Twists gegen Ende waren wirklich hervorragend und haben so einige Zusammenhänge enthüllt, die ich nicht kommen gesehen habe. Die Vergangenheit vieler Charaktere spielt für die Haupthandlung keine Rolle (was ich nur bei Jamies Vergangenheit schade fand, weil sie ein wenig zu schnell abgearbeitet wurde), aber am Ende kommen so einige Punkte zusammen, die eine schöne Zukunft garantieren. Das war insofern erfrischend, dass wir dieses Mal Charaktere bekamen, die auf erwachsene Weise mit ihrer Vergangenheit umgehen und entschlossen sind, ihre Zukunft besser zu gestalten.

Insgesamt also ein gemütlicher Fantasyroman für Zwischendurch!

Metal Slinger – Dunkle Verheißung
512 Seiten

Zusammen mit ihren Mitkämpfern lebt Brynn auf einem Schiff, doch endlich darf sie mit den anderen zum ersten Mal aufs Festland. Dort begegnet sie auf dem Markt einem geheimnisvollen jungen Mann, der sie sogleich in Schwierigkeiten bringt, bis zu dem Punkt, an dem sogar Krieg droht. Während ihre Kameraden überlegen, was nun mit Brynn geschehen soll, sucht der junge Mann, Acker, sie auf und behauptet, sie wäre in Wirklichkeit die verlorene Prinzessin Jovie. Brynn begreift, dass er die Wahrheit sagt und begleitet ihn in ihr eigentliches Zuhause, wo sie unbedingt herausfinden will, wer sie wirklich ist – während sie sich nach und nach in Acker verliebt …

Der Roman hat wirklich vielversprechend angefangen, aber leider nutzte er sein anfängliches Potential nicht. Ich mochte gleich zu Beginn das Setting und die Freundschaft zwischen Brynn, Kai und Messer, die als Trio gerne mal das Meer und das Land unsicher machen und mir sofort sympathisch waren. Dass sie alle ihr Leben auf einem Schiff lebten, fand ich ungemein faszinierend, und auch der erste Landbesuch – sowie die Konsequenzen, die daraus entstehen – war sehr gut und sehr spannend geschrieben.

Auch der Teil, als Brynn sich Acker anschließt und sie sich auf den Weg zu seinem Zuhause machen, hat mir sehr gefallen, weil die beiden eine gute Chemie zeigten, es hier aber mitten in der Handlung auch einen großartigen Twist gab, den ich wirklich sehr mochte … nur, um festzustellen, dass er sehr bald darauf zur Seite geschoben wird und Brynn noch nicht einmal mehr an ihn denkt. Dass ihre besten Freunde nach ihrem Weggang keine große Rolle mehr spielen, fand ich zwar schade, konnte es aber akzeptieren, aber dass diese Gelegenheit, die der Twist bot, nicht genutzt wurde, war sehr enttäuschend.

Auch am Ende gibt es einen Twist, aber obwohl er mir auf dem Papier ausgesprochen gut gefallen hat, gab es auf ihn keinerlei Foreshadowing, sodass er sehr unlogisch wirkte – als wäre er nur ein Twist um eines Twists willen. Hier hätte der Roman schon vorher Hinweise auf ihn einbauen sollen, damit er nicht ganz so sinnbefreit wirkt.

Und dann wäre da noch die Romanze, die stark anfing, mit langsam wachsenden Gefühlen, aber auch der Frage, ob die Bindung, die zwischen Brynn und Acker besteht, ihr überhaupt eine Wahl lässt. Nur wurde dieser wichtige Punkt irgendwann nicht mehr angesprochen und sobald die Romanze richtig losging, verwandelte sich Acker vom geduldigen, gewitzten Love Interest in einen, der mir sehr unsympathisch wurde, weil er Brynn keinerlei Respekt und Entscheidungsfreiheit entgegenbrachte und den Eindruck machte, er hätte ein Anrecht auf sie, ohne dass sie diesbezüglich Mitspracherecht hätte. Das wird ihm zwar durchaus negativ angekreidet, wofür ich dankbar war, aber irgendwann dann nicht mehr erwähnt, obwohl sein Verhalten eher schlimmer als besser wurde.

Insgesamt finde ich, dass dieser Roman sehr davon profitiert hätte, mehr Worldbuilding einzubauen, den Nebencharakteren mehr Screentime zu geben, die Twists besser anzudeuten und die Romanze liebevoller zu gestalten. Denn all diese Aspekte sind gerade in der ersten Hälfte des Romans sehr stark und trieben mich begeistert zum Weiterlesen an, aber die zweite Hälfte hat all das Potential der ersten Hälfte leider nicht genutzt. Von daher kann ich leider keine Empfehlung aussprechen, weil die positiven Punkte nach und nach ins Gegenteil verkehrt wurden.

Secrets of Black Manor (1). Die Gabe der Träumer
352 Seiten

Luca ist erstaunt, als an seinem dreizehnten Geburtstag ein seltsames Zeichen auf seinem Handgelenk und ein noch seltsameres Wesen auf seinem Bett auftaucht. Zunächst hält er es für einen Streich von seinem Zwillingsbruder Jannis, bis der zwielichtige William Gray mit ihm Kontakt aufnimmt und ihn darüber unterrichtet, dass Luca in seinen Träumen magische Wesen erschaffen kann. Doch erst, als Luca tatsächlich eins erschafft, begreift er, dass er Wills Hilfe braucht, wenn er herausfinden will, was mit ihm los ist. Doch kann er Will wirklich vertrauen? Und was ist mit Blake, Wills Zwillingsbruder, der seine eigenen Pläne mit Luca zu haben scheint? Luca ist bereit, es herauszufinden …

Dieses Kinderbuch liefert ein spannendes und kreatives Abenteuer, das mich gleich auf mehrere Weisen positiv überrascht hat! Vor allem, was die Handlung angeht, gab es viele unerwartete und klischeefreie Entwicklungen, die ich nicht kommen gesehen habe. Allein schon beim grundsätzlichen Charakteraufbau (dass sowohl der Protagonist als auch sein Mentor Zwillingsbrüder haben) hatte ich sofort ein paar Vermutungen, was die Handlung betrifft, aber zu meiner Erleichterung vermied Marisa Hart hier sämtliche Klischees. Selbst bei dem offensichtlichen Twist bezüglich eines Nebencharakters (bei dem ich mir durchaus gewünscht hätte, dass er ein wenig früher offenbart worden wäre) fand die Autorin einen Weg, ihn erfrischend zu machen, was ich ebenfalls nicht erwartet habe. Hier ein wirklich großes Lob dafür, dass die Handlung so kreativ war!

Auch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander überraschten mich positiv, sodass es mir schwer fällt, hier einen Liebling zu wählen. Lucas Beziehung zu Jannis, seinem Zwillingsbruder, Ben, seinem Klassenkameraden und Will, seinem Mentor waren allesamt großartig umgesetzt. Es war so wunderbar, dass Luca und Jannis tatsächlich über ihre Probleme geredet haben, was zu einer unglaublich zufriedenstellenden Entwicklung führte. Auch Lucas und Bens etwas-mehr-als-freundschaftliche Beziehung hat mich gefesselt und ich hoffe sehr, dass der zweite Band sie weiter vertiefen wird. Und zuletzt fand ich auch Luca und Will und die Art und Weise, wie sie beide aus ihren Fehlern lernten, sehr schön. Dadurch, dass Luca Will zunächst nicht vertraut und sich leicht von Blake beeinflussen lässt, macht er leider ein paar vermeidbare Fehler, aber sowohl er als auch Will lernen aus ihrem Verhalten und bessern sich im Lauf der Handlung.

Kritik habe ich höchstens an den Nebencharakteren, die relativ flach bleiben; die Fieslinge aus der Schule bekommen keinerlei Tiefe, sondern sind einfach gemein, und ich hätte mir auch mehr Action von den weiblichen Charakteren gewünscht, die zwar wichtige Momente bekommen, aber insgesamt nicht allzu relevant für die Handlung sind. Allerdings bin ich ziemlich optimistisch, dass Marisa Hart diesen Aspekt im zweiten Band verbessern kann, da ihre Charaktere insgesamt sehr gut gezeichnet sind.

Die verschiedenen Traumwesen haben mich sehr begeistert. Von ihren Welten hätte ich gerne noch mehr gesehen, aber die Traumwesen selbst waren sehr kreativ und wurden vor allem sehr gut in der Handlung eingesetzt. Ein wenig deus-ex-machina-mäßig waren sie teilweise schon, aber immer noch im logischen Rahmen, sodass mir das nichts ausmachte. Und wie gesagt sind die Wesen selbst einfach großartig!

Das Ende lässt einige Handlungsentwicklungen offen, sodass ich mich schon sehr auf den zweiten Band freue! Am Ende habe ich nur noch zu sagen, dass ich die Karte und die anderen Illustrationen im Buch sehr mochte, weil die Karte zu den wenigen gehört, die tatsächlich hilfreich sind und die Illustrationen es vereinfachten, mir speziell die verschiedenen Wesen besser vorzustellen.

Insgesamt also ein wunderbares Fantasyabenteuer, das sicher nicht nur Kindern gefallen wird!

& Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
256 Seiten

Mortimer ist ein Kater, der auf einen kleinen Bücherschrank aufpasst. Eines Tages kommt der Schüler Evan vorbei und nimmt sich spontan die beiden schmalsten Bücher. Zu seiner Verwunderung stellt er fest, dass fast alle Bücher des Bücherwagens offizielle Bücher aus der damals niedergebrannten Stadtbibliothek sind, die alle am selben Tag zurückgegeben wurden. Mehrere Bücher wurden damals von Evans Vater ausgeliehen, eines sogar vom berühmten Autor H. G. Higgins, in dem ein mysteriöses Polaroid-Foto steckt. Was hat es damit auf sich? Was geschah damals in der Bibliothek? Und was hat der Kater Mortimer mit all dem zu tun? Zusammen mit seinem besten Freund Rafi macht sich Evan an die Detektivarbeit …

Dieser wunderschöne Kinderroman ist unglaublich angenehm zu lesen und erzählt eine relativ schlichte, aber dafür sehr einnehmende Geschichte. Verschiedene Sichtweisen puzzeln ein Mysterium zusammen, das mir als Erwachsene zwar teilweise klar war, aber definitiv nicht ganz: Es gab ein, zwei Überraschungen, die ich nicht kommen gesehen habe und die mir deshalb umso mehr gefielen. Tatsächlich wünschte ich mir, dass auch der Haupttwist der Handlung – Mortimers Geheimnis – etwas weniger offensichtlich gewesen wäre, denn schließlich haben die beiden Autorinnen bereits hervorragend gezeigt, dass sie gute, unvorhersehbare und gleichzeitig logische Twists schreiben können!

Aber um ehrlich zu sein, ist das letztendlich eine kleine Kritik, denn die eigentliche Handlung hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir die teils offensichtlichen Zusammenhänge nichts ausmachten. Gerade der Mystery-Aspekt war unglaublich gut gelungen, denn ich habe mich durchaus gefragt, wie die verschiedenen Handlungselemente miteinander verwoben sind und auf welche Weise sie aufeinandertreffen würden. So gibt es zum Beispiel auch einen wichtigen Handlungsstrang mit tatsächlichen Geistern, der ebenfalls eine Rolle spielt und für mich lange ein Mysterium war. Allgemein gibt es viele Details, die noch für später relevant und nicht immer offensichtlich sind.

Gleichzeitig ist das Buch nicht nur eine Detektivgeschichte, sondern auch eine emotionale, die speziell das Thema der Schuld in den Vordergrund rückt. Zwar habe ich die Mystery-Elemente am meisten genossen, mochte aber auch die Szenen, in denen wir den Charakteren bei alltäglicheren Geschehnissen folgten.

Ich glaube, das einzige, was mich verwunderte, war, dass das Leben von Evans bestem Freund Rafi gar nicht richtig kommentiert wird. Seine Eltern haben unzählige Regeln für ihn, die das, was er tun darf, stark einschränken, ohne, dass die Geschichte das beurteilt (weder positiv noch negativ). Evan und Rafi machen zwar ein paar Kommentare diesbezüglich, aber alle anderen Charaktere scheinen das Verhalten der Eltern komplett normal zu finden, ohne dass ich mir erklären konnte, ob das zum Humor der Geschichte gehört (was wahrscheinlich ist) oder eine Logiklücke ist (was ich nicht für wahrscheinlich halte, mir aber so vorkam). Ist eigentlich ein verhältnismäßig unwichtiger Teil der Handlung, aber einer, der mir aufgefallen ist.

Doch zusammengefasst haben wir trotz der kleinen Kritikpunkte eine absolut wunderbare Geschichte, die sich gerade für Mystery- und Spannungsfans sehr gut eignet – und nicht nur für Kinder ist!

Das Gold der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Seit Inejs Entführung versuchen die Krähen alles, um sie aus den Klauen Van Ecks zu befreien, einschließlich Inej selbst. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem – Kaz will sich immer noch an Pekka Rollins rächen, Jesper möchte seinen Vater beschützen und Wylan seinen aufhalten, Nina muss ihre Sucht überwinden und Matthias will ihr dabei helfen, und Inej sehnt sich nach der Erfüllung ihres größten Traums. Und am Ende hängt es von ihnen allen ab, ob sie alle am Ende in Freiheit leben können …

Auch der zweite Teil der Krähen ist eine großartige Lektüre, die ihren Fokus vor allem auf die einzelnen Charakterbeziehungen legt, aber auch auf ihre individuellen Ziele, die sich seit dem ersten Band verändert und entwickelt haben. Es war so zufriedenstellend, nicht nur Kaz‘ Planung zu erleben, sondern auch, wie er und die anderen ein engeres Band zueinander knüpften. Sowohl den Romanzen als auch den Freundschaften wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die Handlung immer noch vorankommt, was eine großartige Kombination war. Obwohl ich die eigentliche Handlung als leicht schwächer empfunden habe als die des ersten Bandes, macht sie es durch die Charakterentwicklungen wieder wett!

Was mir außerdem sehr positiv aufgefallen ist, waren die kurzen Rückblicke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit verschiedener Charaktere gegeben haben. Diese Rückblicke gab es zwar schon im ersten Band, doch waren diese dort quasi eigene Nebenhandlungen, die viel Raum einnahmen, während wir hier im zweiten Band mehrere kürzere Rückblicke bekamen. Bis auf Wylan (dessen Vergangenheit locker als wichtige Nebenhandlung gelten kann) zeigen uns alle Charaktere kleinere Momente, die sie geprägt haben und diese waren überraschend effektiv. So sehr ich auch im ersten Band mit den größeren Flashbacks mitfieberte: Ich fand es unglaublich bereichernd, viele kleinere Augenblicke mitzuerleben, die die Charaktere zusätzlich vermenschlichten.

Interessanterweise hatte ich viele Dinge nicht mehr richtig in Erinnerung, zum Beispiel die Reihenfolge und den Abstand wichtiger Ereignisse, sowie viele Charakterinformationen und andere Details. Das hat es umso interessanter gemacht, sich beim Lesen wieder alles in Erinnerung zu rufen, während die bekannten Szenen noch mehr Spaß machten als zuvor. Das Finale muss ich dabei extra erwähnen; ich liebe es, wie es jedem Charakter ein passendes Ende gab und mich gleichzeitig an mehr als einer Stelle zu Tränen rührte. Leigh Bardugo hat mit dieser Dilogie wahrlich ein Meisterwerk geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich es noch einige Male lesen werde!

Das Lied der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Sechs Außenseiter auf einer scheinbar unmöglichen Mission: Kaz, der Ränkeschmied; Inej, das Phantom; Nina, die Entherzerin; Matthias, der Hexenjäger; Jesper, der Glücksspieler; und Wylan, der Demo-Experte. Alle mit ihren eigenen Zielen, ihren eigenen Plänen und ihren eigenen Geheimnissen. Denn die größte Schwierigkeit ist nicht die Heist selbst, sondern ihre komplexen Beziehungen zueinander ...

Ich hatte mal wieder Lust, einen phänomenalen Roman zu lesen und was eignet sich da besser als einer, von dem man bereits weiß, dass er einer ist? Beziehungsweise: Eine neue Edition, die nicht nur Charakterporträts beinhaltet, sondern auch die aktuelle deutsche Übersetzung, die in meiner alten Variante noch von "Grischa" spricht und die ich hier zum ersten Mal als "Grisha" lesen durfte. Ist natürlich nur eine Kleinigkeit, aber dennoch erfrischend! Denn so ikonisch das englische Original ist, bevorzuge ich gerade bei Fantasy eine gute deutsche Übersetzung, die wir hier geliefert bekamen.

Die Handlung und die Charaktere sind so einnehmend wie zuvor, wobei mir in diesem Reread vor allem die Dialoge positiv aufgefallen sind – sie sind pointiert, humorvoll und hauchen den Charakteren (und deren Beziehungen zueinander) Leben ein. Ich habe mich oft gefragt, was die Krähen zu so fesselnden Charakteren macht und ein Teil davon entsteht definitiv durch die Dialoge.

Bei der Handlung habe ich mich diesmal auf die kleinen Details konzentriert, die weitaus mehr Bedeutung haben, als es zunächst den Anschein hat. Leigh Bardugo setzt Foreshadowing großartig ein, was es so zufriedenstellend macht, das Buch noch mal zu lesen und dabei etwas zu entdecken, das mir bisher nicht auffiel. Davon abgesehen ist das Pacing sehr angenehm und ließ mich geradezu durch die Seiten fliegen.

Insgesamt bin ich immer noch begeistert und beeindruckt davon, wie Leigh Bardugo eine so fantastische Welt erschaffen hat! Die Krähen-Dilogie gehört immer noch zu meinen absolut liebsten Fantasybüchern und speziell diese Collector's Edition war ein wunderbarer Weg, sie wieder zu erleben!

Der Freund - Ist er dein Traumpartner oder dein Killer?
400 Seiten

Sydney erlebt ein wahrhaft furchtbares erstes Date mit einem Creep, den sie über die beliebte Cynch-App kennengelernt hat. Bevor die Situation aus dem Ruder gerät, wird sie von einem geheimnisvollen Mann gerettet, und am Tag darauf, als der Creep wiederkehrt, von ihrer Freundin Bonnie. Kurz darauf wird Bonnie jedoch tot aufgefunden. Sie hatte die App ebenfalls und lernte einen charmanten Mann kennen, über den sie sich jedoch ausschwieg. Als Sydney dem geheimnisvollen Mann wieder begegnet, fürchtet sie zunächst, es könne ein Zusammenhang bestehen, doch bald schon verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. Doch was hat es wirklich mit ihm auf sich? Sydney ist entschlossen, es herauszufinden …

Ich habe bisher jeden deutschen McFadden-Roman gelesen und vielleicht fiel es mir deshalb leicht, die Twists in diesem Thriller kommen zu sehen. Er las sich unglaublich locker – meiner Meinung nach sogar zu locker, weil der Schreibstil wirklich sehr, sehr schlicht war. Das half zwar, den Roman schnell zu lesen, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass das Schreibniveau in vorigen Bänden zumindest ein klitzekleines bisschen höher war.

Was mir dafür gut gefallen hat, war der Aufbau der Handlung, der teils aus den gegenwärtigen Ereignissen mit Sydney und teils aus den vergangenen mit Tom besteht, wobei ich vor allem in letztere investiert war. Die falschen Fährten waren für mich deutlich zu erkennen, aber gerade deshalb war ich gespannt, wie genau die Ereignisse aus beiden Zeitlinien zusammengeführt werden würden. Es gab mehrere Möglichkeiten, die mir in den Sinn kamen, jedoch muss ich zugeben, dass ich vom Ergebnis enttäuscht war. Denn leider fand ich es trotz der falschen Fährten recht offensichtlich, was der große Twist sein würde.

Zumindest den ersten Twist soll man wahrscheinlich kommen sehen, aber der Twist gegen Ende sollte definitiv eine Überraschung sein, war er für mich aber leider nicht. Wie gesagt war ich enttäuscht davon, wie leicht es für mich war, die falschen Fährten zu erkennen und den richtigen Schluss zu ziehen. Vielleicht bin ich einfach schon zu versiert, was McFadden-Romane angeht, aber so oder so hätte ich mir gerne mehr Überraschungen gewünscht.

Das, was mir wirklich gut gefiel, waren die Kapitel, die in Toms Vergangenheit spielten, weil hier viele dramatische und schwierige Situationen für ihn entstanden, bei denen ich gespannt war, wie sie aufgelöst werden würden. Aber davon abgesehen konnte mich dieser Thriller nicht ganz überzeugen.

Very Dangerous Things - Mord nach Plan
464 Seiten

Jährlich findet auf der J. Everett High ein Krimispiel statt, das die Schülerinnen und Schüler für ein Preisgeld lösen können. Dieses Mal jedoch ist die Leiche echt: Xavier Torres, das für das Spiel auserwählte Opfer, wird von seiner Exfreundin Sierra tot aufgefunden. Sofort gilt sie als Hauptverdächtige und jeder sieht den Fall als so gut wie gelöst an. Auch Dulce liegt nicht viel daran, zu ermitteln, weil Sierra sie einst in einer wichtigen Angelegenheit verraten hat. Dulces beste Freundin Emi überredet sie, sich des Falles trotzdem anzunehmen, doch das macht es nicht leichter, den Täter zu finden. Ist es der Neue Zane, der ständig mit Dulce flirtet? Ist es die unschuldig wirkende Rose, mit der Emi gerade viel Zeit verbringt? Ist es Enzo, Xaviers Bruder, der ihn nicht ausstehen konnte? Oder doch Sierra, die sie alle anlügt? Dulce macht sich daran, den Fall zu lösen …

Diesem Jugendthriller gelingen einige Dinge ganz hervorragend – und einige leider nicht. Der Kriminalfall selbst ist großartig, weil absolut alle auf ihre Art verdächtig erschienen, valide Motive für den Mord haben und verdächtiges Verhalten an den Tag legen. Aus diesem Grund war ich auch für einige Zeit unsicher, wer letztendlich der Täter oder die Täterin sein wird, obwohl ich durchaus Vermutungen hatte. Nur leider war der Täter leider sehr, sehr offensichtlich – sogar so sehr, dass ich wirklich hoffe, dass die Geschichte einen anderen Weg einschlagen wird. Leider wurde ich diesbezüglich enttäuscht, was dem ganzen Fall einen unangenehmen Nachgeschmack gegeben hat. Vielleicht bin ich inzwischen einfach zu genre-savvy, aber dieser Aspekt des Falls hat mich persönlich sehr enttäuscht.

Auch, was die Charaktere angeht, brauchte ich eine ganze Weile, um mich für sie aufzuwärmen. Am Anfang waren mir fast alle unsympathisch, weil ihr Verhalten gegenüber Dulce bestenfalls herablassend und schlimmstenfalls antagonistisch war. Das schließt auch Charaktere ein, die sympathisch wirken sollen, wie Emi und Zane. Allein dadurch, dass so viele Charaktere verletzende Geheimnisse vor Dulce hatten, brillierten sie nicht gerade durch ihre Freundlichkeit. Im Lauf der Handlung wurde das allerdings besser, Dulce und Zane entwickelten eine sehr süße Romanze, Emi zeigte ihre Qualitäten als beste Freundin und auch andere zunächst unsympathische Charaktere – wie Sierra und Enzo – bekamen Momente, in denen sie ihre Vielschichtigkeit präsentieren konnten. Mit anderen Worten: Die Charaktere waren zunächst ein Kritikpunkt, entwickelten sich dann aber zu einem positiven Aspekt der Handlung.

Jemand, der zum Glück stets sympathisch war, war Dulce selbst. Sie macht zwar auch Fehler, ist ausgesprochen stur und ein wenig zu entschlossen, gewisse Charaktere (nicht) zu beschuldigen, aber nicht nur wird ihr Verhalten sehr gut erklärt, sie entwickelt sich während der Handlung auch und sieht ein, dass sie sich nicht immer richtig verhalten hat. Zudem schafft die Geschichte es großartig, ihre Beobachtungs- und Kombinationsgabe tatsächlich zu zeigen, während sie gleichzeitig realistische Fehler macht und den Fall nicht komplett im Alleingang löst. Das alles hat sie nur noch sympathischer gemacht und sie war neben Zane mein Lieblingscharakter.

Alle Charaktere haben natürlich ein Geheimnis, von dem sie auf keinen Fall wollen, dass es herauskommt – aber wie schon beim Haupttäter selbst fand ich es stellenweise erschreckend einfach, den Großteil ihrer Geheimnisse (und damit einen Teil der Twists) zu erraten. Natürlich nicht alle, aber doch einen erwähnenswerten Teil. Es kommen teils recht vorhersehbare Handlungsstränge vor, die diejenigen, die bereits viele Krimis bzw. Thriller gelesen haben (vor allem im Jugendbereich) relativ leicht kommen sehen können. Zum Glück gibt es auch welche, die überraschender sind, aber eben nicht nur.

Letztendlich war ich hin- und hergerissen, weil der Kriminalfall an sich sehr gut gemacht ist, seine Verdächtigen fantastisch vorstellte, aber auch Handlungselemente hatte, die man sehr leicht vorhersehen kann – andere Leser:innen vielleicht sogar noch besser als ich. Gleichzeitig war der Roman aber mitnichten schlecht, weil die vielen Geheimnisse mich gut durch die Handlung trieben und ich selbst die vorhersehbaren gut eingebracht fand. Von daher würde ich diesen Jugendthriller vor allem denjenigen empfehlen, die noch nicht so viele gelesen haben.