Adressat unbekannt
80 Seiten

Der Deutsche Martin Schulse und der Jude Max Eisenstein besitzen in Amerika eine erfolgreiche Kunstgalerie, doch nun kehrt Martin im Jahr 1932 nach Deutschland zurück. Die beiden setzen ihre Freundschaft in Briefen fort, doch bald schon stellt Max fest, dass Martins Ansichten sich drastisch verändern. Verzweifelt versucht er, seinen ehemaligen Freund vom Richtigen zu überzeugen, doch begreift er schließlich, dass es dafür zu spät ist …

Dieser kurze Briefroman ist eine überraschend eindringliche Lektüre, die ich nicht erwartet habe. Beziehungsweise habe ich schon erwartet, dass sie gut sein wird, aber die Entwicklung, die sie nimmt, habe ich nicht kommen sehen! Als ich gegen Ende begriff, was genau vor sich geht, habe ich ganz schön gestarrt, weil es ein so genialer Weg war, die Geschichte auf zufriedenstellende Weise zu beenden.

Allgemein ist der Abbau der Freundschaft sehr gut erzählt und mit jedem Brief wird deutlicher, wie sie sich immer mehr abkühlt. Nur Martins Meinungswechsel kam mir zunächst zu plötzlich; in einem Brief schreibt er noch, dass seine Familie auf Max anstößt und gleich im nächsten Brief, den er nur dreieinhalb Monate danach schreibt, gibt er seine neue, von den Nazis eingeflößte Überzeugung bekannt. Was genau in diesen dreieinhalb Monaten geschehen ist, das dazu geführt hat, dass er seine Meinung ändert, erfahren wir nicht. Mir kam es zunächst so vor, als würden mindestens zwei oder drei Briefe fehlen, die Martins Wandlung verständlicher machen, bis ich begriff: Das ist genau der Punkt. Man soll ihn nicht nachvollziehen können. Sein plötzlicher Meinungswechsel illustriert gerade wegen seiner Plötzlichkeit den Einfluss, den die Nazis damals auf ganz Deutschland hatten. Von daher ist das ein Kritikpunkt, der im Lauf des Lesens zu einem Lob wurde.

Was mir zudem sehr gut gefallen hat, ist, wie viel zwischen den Zeilen erzählt wird. Die vielen Details machen die Geschichte lebendig, aber gerade das, was nicht gesagt wird, macht die Geschichte umso kraftvoller.

Von daher ist dieser kurze Briefroman eine Lektüre, die es schafft, mit vergleichsweise wenigen Seiten eine einnehmende Geschichte zu erzählen!

Das Gold der Krähen - Collector's Edition
600 Seiten

Seit Inejs Entführung versuchen die Krähen alles, um sie aus den Klauen Van Ecks zu befreien, einschließlich Inej selbst. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem – Kaz will sich immer noch an Pekka Rollins rächen, Jesper möchte seinen Vater beschützen und Wylan seinen aufhalten, Nina muss ihre Sucht überwinden und Matthias will ihr dabei helfen, und Inej sehnt sich nach der Erfüllung ihres größten Traums. Und am Ende hängt es von ihnen allen ab, ob sie alle am Ende in Freiheit leben können …

Auch der zweite Teil der Krähen ist eine großartige Lektüre, die ihren Fokus vor allem auf die einzelnen Charakterbeziehungen legt, aber auch auf ihre individuellen Ziele, die sich seit dem ersten Band verändert und entwickelt haben. Es war so zufriedenstellend, nicht nur Kaz‘ Planung zu erleben, sondern auch, wie er und die anderen ein engeres Band zueinander knüpften. Sowohl den Romanzen als auch den Freundschaften wird viel Aufmerksamkeit geschenkt, während die Handlung immer noch vorankommt, was eine großartige Kombination war. Obwohl ich die eigentliche Handlung als leicht schwächer empfunden habe als die des ersten Bandes, macht sie es durch die Charakterentwicklungen wieder wett!

Was mir außerdem sehr positiv aufgefallen ist, waren die kurzen Rückblicke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit verschiedener Charaktere gegeben haben. Diese Rückblicke gab es zwar schon im ersten Band, doch waren diese dort quasi eigene Nebenhandlungen, die viel Raum einnahmen, während wir hier im zweiten Band mehrere kürzere Rückblicke bekamen. Bis auf Wylan (dessen Vergangenheit locker als wichtige Nebenhandlung gelten kann) zeigen uns alle Charaktere kleinere Momente, die sie geprägt haben und diese waren überraschend effektiv. So sehr ich auch im ersten Band mit den größeren Flashbacks mitfieberte: Ich fand es unglaublich bereichernd, viele kleinere Augenblicke mitzuerleben, die die Charaktere zusätzlich vermenschlichten.

Interessanterweise hatte ich viele Dinge nicht mehr richtig in Erinnerung, zum Beispiel die Reihenfolge und den Abstand wichtiger Ereignisse, sowie viele Charakterinformationen und andere Details. Das hat es umso interessanter gemacht, sich beim Lesen wieder alles in Erinnerung zu rufen, während die bekannten Szenen noch mehr Spaß machten als zuvor. Das Finale muss ich dabei extra erwähnen; ich liebe es, wie es jedem Charakter ein passendes Ende gab und mich gleichzeitig an mehr als einer Stelle zu Tränen rührte. Leigh Bardugo hat mit dieser Dilogie wahrlich ein Meisterwerk geschrieben und ich bin mir sicher, dass ich es noch einige Male lesen werde!

Wild Reverence
751 Seiten

Matilda wird als Heroldin der Götter geboren, doch bevor sie ihre Magie entdeckt, liebt sie es vor allem, die Träume anzuschauen, die ihre beste Freundin Alva ihr vorbeibringt. Vor allem ein Träumender hat es ihr angetan: Vincent, der jede Nacht vom Ertrinken träumt, und schließlich davon, dass Matilda ihn rettet. Nach ihrem ersten wichtigen Auftrag als Heroldin zwingt ein Schicksalsschlag sie dazu, unterzutauchen. Mehrere Jahre später bekommt sie einen weiteren Auftrag als Heroldin – und diesmal betrifft er den inzwischen erwachsenen Vincent, dessen Tod Matilda verhindern muss. Sie schlägt ihm vor, seine Gemahlin zu spielen, um seinen menschlichen Gegner einzuschüchtern – doch hat sie dabei nicht an die Pläne der anderen Götter gedacht …

Ich liebe Rebecca Ross‘ Schreibstil, der auch in diesem Band wunderschön ist, aber in diesem Fall leider nur einer von wenigen Stärken. Die Handlung ist in fünf Teile geteilt, wobei vor allem der erste und der letzte Teil großartig sind, der zweite und vierte Teil immer noch gut, und der mittlere leider besonders langatmig – was etwas ist, was sich letztendlich über den ganzen Roman zieht. Bis die eigentliche Handlung beginnt, die in meiner und der offiziellen Kurzbeschreibung erwähnt wird, vergehen zweihundertfünfzig Seiten, die sich zwar sehr gut lasen, aber immer noch zweihundertfünfzig Seiten waren, in denen wir nur wenig von Matilda und Vincent mitbekamen.

Zudem setzte sich das in den anderen Teilen fort. Die beiden haben zwar eine gute Chemie, verbringen aber nur wenige Szenen miteinander, was es schwer gemacht hat, mit ihrer Liebesbeziehung mitzufiebern. Matilda hat sehr viel mehr Szenen mit anderen Göttern, speziell Bade (ihrer Vaterfigur) und Warin (ihrem Feind). Bade war dabei mühelos mein Lieblingscharakter – nicht nur hat er seine eigene Nebengeschichte, sie sehr einnehmend war, auch er als Charakter war ausgesprochen sympathisch. Tatsächlich fand ich seine Beziehung zu Matilda faszinierender als deren Liebesbeziehung zu Vincent!

Auch Warin, Matildas Feind, hat eine gute Chemie mit ihr – keine romantische, aber eine sehr faszinierende, die ein anderer Roman sicher zu einer romantischen gemacht hätte (wobei ich sehr dankbar war, dass Matilda keinerlei Gefühle für ihn hegte und das auch deutlich machte). Sogar andere kleine Nebengeschichten, wie die Nathaniels, Vincents jüngerem Bruder, waren überraschend fesselnd, obwohl sie nur einen sehr kleinen Teil der Handlung einnahmen. Aber gerade, weil mir die Nebengeschichten so sehr gefielen, während die Hauptgeschichte mich nicht ganz überzeugen konnte, bin ich so hin- und hergerissen, was die Beurteilung der Handlung eingeht.

Ähnlich sieht es auch mit Matildas Aufgaben als Heroldin aus, die allesamt spannend geschrieben waren (mir gefielen vor allem die allererste mit Adria, die zentrale mit Vincent und die emotionale mit Nathaniel), von denen es aber insgesamt zu wenige gab. Ich war so fasziniert davon, auf welche Weise Matilda ihre Aufgaben durchführen würde und welche Opfer dabei von ihr verlangt würden … aber letztendlich bleibt die Anzahl ihrer Aufgaben recht übersichtlich.

Insgesamt zieht sich das Buch ein wenig zu sehr in die Länge. Es hat ein paar großartige Nebengeschichten, die mich durch den Roman trugen, aber Matildas und Vincents Liebesgeschichte war leider um einiges schwächer, als ich es mir gewünscht hätte.

Weihnachten mit Familie Winz
160 Seiten

Merkwürdige Dinge gehen in Maras Wohnung vor. Am ersten Dezember findet sie ihre Socke, die zu einem Ball zusammengeknüllt ist, und ein Kreidekreuz unter ihrem Bett, sowie fehlende Schokolade im Adventskalender. Was geht da nur vor sich? Zusammen mit ihrem Bruder Flo, ihrer Freundin Aylin und dem frisch eingezogenen Helgi versuchen die Kinder, herauszufinden, wer in der Wohnung Chaos veranstaltet. Und stellen bald fest: In ihrer Wohnung wohnt noch eine Familie, die alle so groß sind wie ein Daumen!

„Weihnachten mit Familie Winz“ war die erste Adventskalendergeschichte, die ich tatsächlich entsprechend den einzelnen Tagen gelesen habe, allerdings ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Geschichte eindeutig fürs Vorlesen geschrieben worden ist. Und das noch nicht einmal aufgrund der Handlung, die mir sehr gefallen hat, sondern aufgrund der kurzen Kapitel, die fast immer sehr abrupt enden, als wäre mitten im Kapitel ein Cut gemacht worden und nicht an der Stelle, an der er eigentlich geeignet gewesen wäre. Das ist für mich tatsächlich ein wichtiger Kritikpunkt: Obwohl es sich um eine Adventskalendergeschichte handelt, hatte ich das Gefühl, ich hätte mehr Spaß gehabt, wenn es einfach eine normale Vorlesegeschichte gewesen wäre.

Denn wie gesagt ist die eigentliche Handlung mit Mara, die zusammen mit ihren Freunden auf Lina und die anderen Winzens trifft, sehr süß aufgemacht und mir gefiel es vor allem, wie hier sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf wunderbare Weise hervorgehoben wurden, während die Kinder gleichzeitig mit Problemen konfrontiert waren, die sich nicht immer leicht lösen ließen. Letztendlich geht die Geschichte natürlich für alle gut aus, aber ich mochte es sehr, dass realistische Hindernisse und einfühlsame Gedankengänge stark hervorgehoben wurden.

Nur das Format wollte nicht so wirklich zu der Geschichte passen. Zugegeben kann ich das nicht vollkommen beurteilen, weil ich die Geschichte für mich selbst gelesen habe, aber es hat mich dennoch verwirrt, wie abrupt fast alle Kapitel endeten. Die Länge selbst war nicht störend, auch wenn sie für leicht ältere Kinder zu schnell vorbei sein könnte, aber die scheinbar willkürlich gesetzten Kapitelenden waren dann doch seltsam. Fast bin ich gewillt, die Geschichte noch mal als Ganzes zu lesen, weil ich das Gefühl habe, dass sie als solche ihre Stärken noch viel besser zeigen könnte!

Insgesamt also eine süße Vorlesegeschichte, die ich persönlich als Ganzes lesen würde :)

Cursebound
508 Seiten

Yeeran hat ihre Geliebte Furi in Mosima zurückgelassen, um einen potentiellen Krieg zwischen Elfen und Fae zu verhindern, auch, wenn das bedeutet, dass sie zu ihrer ehemaligen Geliebten Salawa zurückkehren muss. Lettle währenddessen möchte den Fluch der Fae brechen, indem sie Afas Grimoire findet. Dabei gerät sie nicht nur in Konflikt mit den Lichtlosen, sondern trifft auch auf den Nomaden Alder, der der Schlüssel zur Lösung sein könnte. Doch es gibt einen Verräter in ihren eigenen Reihen, der es auf Lettle abgesehen zu haben scheint …

Es ist schon eine kleine Weile her, dass ich „Faebound“ gelesen habe, aber zum Glück gibt es am Anfang eine in die Handlung eingebaute Zusammenfassung, in der Lettle die Ereignisse des ersten Bandes aus ihrer Sicht schildert. Das war nicht nur sehr geschmeidig gelöst, sondern eine sehr gute Auffrischung für den zweiten Band.

Dieser war genauso wie der erste sehr angenehm zu lesen, hatte einen flüssigen, qualitativen Schreibstil und vor allem sehr einnehmende Charaktere. Besonders Lettle und Alder sind mir sehr ans Herz gewachsen; Lettle hatte die wohl wichtigste Rolle in der Handlung, weil sie sie aktiv vorantrieb, öfters in Gefahr schwebte, sich für die Lichtlosen einsetzte und zudem ihr Geheimnis vor Rayan hatte. Das alles hat ihre Geschichte besonders einnehmend gemacht, während ihre Schwester Yeeran im Vergleich dazu fast schon wie ein Nebencharakter wirkte. Ironischerweise fand ich deren Parts mit Salawa interessanter als ihre Parts mit Furi, wobei ich allerdings froh bin, dass hier unnötiges Drama vermieden wurde – kein Liebesdreieck, kein Betrügen, sondern schlicht die komplexe Wirklichkeit von zwei Menschen, die sich einmal liebten.

Mit dem Neuzugang Alder konnte ich zunächst nicht viel anfangen, weil mir seine Verbindung zum Rest der Handlung nicht klar war, aber er wuchs sehr schnell zu meinem Liebling! Nicht nur war er allgemein ein sympathischer Charakter, auch seine Chemie mit Golan hat mir sehr gefallen. Zugegeben ist ihre Romanze recht klassisch, mit vielen kleinen Momenten, die sie einander näher bringen und ohne zu viel Drama, aber gerade deshalb war es so süß, die beiden zusammen zu sehen. Tatsächlich kamen sie mir stellenweise wie das Hauptpaar vor, weil die Entwicklung ihrer Romanze einen Kontrast zu den bereits etablierten bildet und sie zudem sehr viel Zeit miteinander verbringen, während die anderen Paare (vor allem Yeeran und Furi) oft getrennt voneinander sind.

Was die eigentliche Handlung angeht, fand ich es gut, dass die Lichtlosen hier eine größere Rolle spielten, weil es sehr leicht ist, sich in sie hineinzuversetzen. Nur die Suche nach dem Verräter erschien mir zu leicht, denn dadurch, dass die Auswahl sehr begrenzt ist, war es nicht schwer, zu erraten, wer es sein würde. Dafür gibt es aber andere Twists, die mich angenehm überraschten und teils schockierten – vor allem der Twist am Ende, der den gesamten Kontext beider bisherigen Bände komplett ändert und mich sehr gespannt auf den finalen Band der Trilogie macht.

Insgesamt haben wir hier eine gute Fortsetzung, die den Fokus vor allem auf die Charakterbeziehungen und persönlichen Probleme legt. Natürlich gibt es auch spannende Szenen, aber am wichtigsten sind definitiv die Charaktere selbst. Das hat mir allerdings gut gefallen, weil ich dadurch leicht mit ihnen mitfiebern konnte, selbst wenn es nicht immer auf „klassische“ Weise spannend war. Von daher spreche ich eine Empfehlung für all diejenigen aus, die bereits „Faebound“ mochten!

Rewitched
430 Seiten

An ihrem dreißigsten Geburtstag soll Belle sich der ÄquiHexen-Anhörung stellen, um zu überprüfen, ob sie ihre magischen Kräfte gut genutzt hat. Sie befürchtet sofort, dass sie durchfallen wird, weil sie ihre Magie bereits seit einige Jahren unterdrückte – und tatsächlich stellt das Gericht nach einem vielversprechenden Anfang fest, dass Belle ihrer Kräfte nicht mehr würdig ist. Doch bekommt sie eine letzte Chance, um sich zu beweisen: Wenn sie innerhalb von dreißig Tagen sechs bestimmte Hexenprüfungen besteht, darf sie ihre Magie behalten. Doch das ist um einiges schwieriger, als Belle erwartet hat …

Die definitiv größte Kritik an diesem Roman ist, dass die „eigentliche“ Handlung buchstäblich erst ab der Hälfte startet. Aufgrund der Kurzbeschreibung und speziell dem Untertitel erwartete ich, dass das Üben der Hexenkräfte um einiges früher beginnen würde, aber bis dahin vergeht wie gesagt die Hälfte der Geschichte. Zugegeben: Während dieser ersten Hälfte passieren immer noch wichtige Dinge – Belle bekommt die Einladung, geht zur Anhörung, wird evaluiert, fällt durch, sucht und findet einen anderen Weg, entscheidet sich dann für einen Mentor und lernt ihn schließlich auch kennen, und währenddessen verbringt sie zudem Zeit mit den anderen Charakteren. Doch dadurch, dass ich die ganze Zeit darauf wartete, über die Übungstage zu lesen, kam es mir so vor, als würde in der ersten Hälfte so gut wie nichts passieren.

Die zweite Hälfte fand ich um einiges besser, weil ich dort endlich investiert in die Handlung wurde. Ich mochte Belle und die Magieübungen, ihre Zweifel und Wünsche bezüglich ihrer Buchhandlung, ihre Beziehungen zu meinen Lieblingscharakteren (ihren Mentor, den ich auf keinen Fall vorwegnehmen möchte, sowie ihren Love Interest Rune und ihre beste Freundin Ariadne) und die Handlung im Allgemeinen. Es war zwar nicht perfekt, weil viele Nebencharaktere leider nicht genug Zeit bekamen, um einen starken Eindruck zu hinterlassen (die Ausnahme ist Belles Mentor, der mühelos mein Lieblingscharakter war), aber ich fand die zweite Hälfte um einiges interessanter als die erste Hälfte.

Die größte Stärke war wohl Belle selbst, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Die Art und Weise, wie sie sich entwickelt, war sehr zufriedenstellend, sodass selbst Phasen, die nicht spannend waren, mich nicht allzu störten. Zugegeben hätte ich mir trotzdem gewünscht, es hätte mehr Risiken und allgemein mehr Spannung gegeben, aber da es sich um eine Cozy Fantasy handelt, habe ich das auch nicht erwartet.

Allerdings gibt es trotzdem ein Finale, das nach zwei wichtigen Offenbarungen stattfindet, von denen mir eine sehr gut gefallen hat und eine leider nicht. Sie tappt nämlich in die Falle, die Persönlichkeit eines Charakters um 180 Grad zu drehen, ohne Hinweise auf den wahren Charakter zu hinterlassen, sodass dieser Twist zu plötzlich und unrealistisch erschien. Der andere Twist war dafür sehr gut – und zwar, weil es keinen Twist im traditionellen Sinne gab. Mehr möchte ich hier nicht verraten, doch bin ich froh, dass meine größte Befürchtung sich nicht bewahrheitete.

Insgesamt also ein durchwachsener Roman, der etwas zu lange braucht, um zu starten, sich aber danach in eine schöne Fantasygeschichte verwandelt.

Miss Swans zauberhafte Pension für magische Gäste
384 Seiten

Als Jugendliche hat die Hexe Sera Swan ihre Großtante wiederbelebt und dabei fast ihre gesamte Magie verloren. Jetzt, fünfzehn Jahre später, leitet sie eine Pension, in die sich nur die Gäste verirren, die sie auch wirklich brauchen. Zusammen mit ihrer Großtante Jasmine, der in einen Fuchs verwandelte Hexe Clemmie, ihrem jungen Cousin Theo, der meist vernünftigen älteren Hexe Matila, dem enthusiastischen Ritter Nicholas und einem wiederbelebten Hahnskelett bildet sie eine ungewöhnliche, aber charmante Familie. Als diese einen Weg gefunden zu haben scheint, ihre verlorene Magie wieder zurückzuholen, kommt es ihnen gerade recht, dass der Magier Luke mit seiner kleinen Schwester Posy zur Pension geführt wird, da er ihnen bei der Suche nach den ungewöhnlichen Zutaten helfen kann. Und so beginnt ein witziges Abenteuer, bei dem Sera nicht nur ihre Magie sucht, sondern auch den Wert einer Familie findet …

Ich werde immer mehr ein Fan von Cozy Fantasy, da sie mich an die klassischen Fantasyabenteuer aus meiner Kindheit und Jugend erinnert, aber auch allgemein einfach schön zu lesen ist. Besonders der Found-Family-Trope, der zu meinen Lieblingen gehört, wird in diesem Roman hervorragend umgesetzt – am Anfang kam ich noch durcheinander mit den verschiedenen Charakteren, aber nach und nach konnte ich sie nicht nur problemlos voneinander unterscheiden, sondern gewann sie auch unglaublich lieb. Die Charaktere selbst sind dabei nicht allzu komplex, aber dafür umso charmanter.

Gerade die Chemie zwischen ihnen ist einfach großartig: Clemmie, die Theo gerne zu Untaten überredet und selbst welche ausführt; Theo, der sich mit Posy anfreundet und der einzige zu sein scheint, der sie wirklich versteht; Jasmine und Matilda, deren Romanze ein wenig plötzlich startet, sich aber wunderbar entwickelt; Nicholas, der mit seiner übertriebenen Ritterlichkeit der wohl witzigste Charakter ist; und natürlich Sera und Luke, deren Romanze mich besonders fesselte, weil sie sich in genau der richtigen Geschwindigkeit entwickelte und beiden Charakteren genug Szenen miteinander gab, um Gefühle füreinander zu entwickeln.

Der locker-witzige Schreibstil fängt die vielen lustigen Szenen perfekt ein, aber nicht nur diese: Es gibt auch einige ruhige und ernste Momente, in denen wir die Atmosphäre der Pension genießen können und die zu meinen persönlichen Highlights zählten. Die Balance zwischen dem Humor, den Charaktermomenten und den nachdenklichen Szenen war sehr gut, außer, dass die Spannung dann doch ein wenig zu kurz kommt; manchmal ist es ein wenig ZU ruhig, gerade, weil ich mit der Haupthandlung sehr mitfieberte und diese so einige Pausen bekam. Dafür wurde sie sehr zufriedenstellend gelöst: Während ich mir zwar für das endgültige Ende eine andere Lösung gewünscht hätte, waren die drei Zutaten und die Art und Weise, wie Sera sie findet, perfekt in die Handlung und die Charaktere integriert.

Ich glaube, das einzige, das mich dann doch manchmal irritierte, war die Mischung aus Magie und Moderne. Die Geschichte spielt nämlich in der modernen Gegenwart, mit Handys und Autos und TV-Serien, was nicht ganz zu einer magischen Pension passte und mich mehr als einmal kurz stutzen ließ. Ich vergaß immer wieder, dass die Geschichte in der Gegenwart spielt, weil es so leicht war, es zwischendurch zu vergessen, nur, um durch einen modernen Gegenstand wieder daran erinnert zu werden.

Insgesamt bietet der Roman aber ein schönes, gemütliches Leseerlebnis, das ich sehr genossen habe!

Die verlassene Tochter
359 Seiten

Rose hat kürzlich ihre Mutter verloren und ist noch in der Trauerphase, als sie einen Brief erhält, der sie darüber unterrichtet, dass sie die alleinige Erbin der kürzlich verstorbenen Valentina Santiago ist. Valentina wuchs damals auf der Poloranch ihres Vaters auf, der sie bereits darauf vorbereitete, eines Tages seinen Posten zu übernehmen. Doch eine tragische Liebe und unerwartete Schwierigkeiten erschweren ihr das Leben, das sie sich so lange gewünscht hat – und auch Rose muss herausfinden, welches Leben sie anstreben will …

Vor dem Lesen hatte ich durchaus Bedenken, weil die letzten zwei Bände der Töchter-Reihe dann doch sehr schematisch waren, wenn auch immer noch gut zu lesen. Glücklicherweise probiert dieser Band tatsächlich etwas Neues aus und hat dabei weiterhin einen sehr angenehmen Schreibstil, der für ein schönes Leseerlebnis sorgte!

Gerade in Valentinas Geschichte war ich aus mehreren Gründen sehr investiert. In der Gegenwart erfahren wir, dass sie sehr geliebt worden ist, aber in der Vergangenheit ist es zunächst nur ihr Vater, der sich für sie einsetzt. Sie verliebt sich in den Stallburschen Felipe, doch nach dem Tod ihres Vaters muss sie sich mehreren Schwierigkeiten stellen, weil ihre Mutter eigene Pläne für sie hat. Und dieser Teil der Handlung, den ich überhaupt nicht erwartet hatte und der Valentinas Leben um einiges dramatischer gemacht hat, war so unglaublich einnehmend und gut geschrieben, dass diese Geschichte allein gereicht hätte, um mich zu fesseln.

Denn im Vergleich war Roses Geschichte durchaus schwächer: Ihre Romanze mit Benjamin las sich nicht so natürlich wie Valentinas Romanze mit Felipe, sondern eher wie ein Sommerflirt, der ganz schön schnell ganz schön ernst wurde. Hier habe ich Roses Freundschaft mit Jessica schon realistischer gefunden; diese war wirklich eine großartige Freundin und war in der Gegenwart mein Lieblingscharakter.

Valentinas Romanze mit Felipe hat schlicht den Vorteil, sich über mehrere Jahre und Hindernisse aufzubauen, sodass es leicht für mich war, mit ihnen mitzufiebern. Sie kommt jedoch mit einer Kritik, von der ich sehr überrascht war, dass sie in der Handlung selbst nicht aufgegriffen wurde: An einer wichtigen Stelle macht Felipe Valentina ein zeitlich unbegrenztes Versprechen – nur, um es weniger als ein Jahr danach zu brechen. Das hat mich stark irritiert, weil es so uncharakteristisch war und ich mir wenigstens gewünscht hätte, mehr Zeit wären zwischen dem Versprechen und dem Bruch vergangen. So, wie es geschrieben war, wirkte es wie ein künstlich erschaffenes Problem, auch wenn es zugegeben zu der einnehmenden Vergangenheit beigetragen hat.

Deshalb ist das eine für mich verzeihliche Kritik: Ja, mich hat das schnell gebrochene Versprechen gestört, aber dafür hat es die Handlung bereichert. Dass Valentina viel gewinnt, aber auch so unglaublich viel verliert, hat mich emotional so eingenommen, dass ich an zwei, drei Stellen sogar ein paar Tränen verdrücken musste. Gerade, weil ich nicht mit dem unerwarteten Drama rechnete, hat es mich so gefesselt. Mehr möchte ich hier natürlich nicht verraten, aber gerade im Vergleich zu den vorigen Bänden fand ich diesen hier wegen der emotionalen Aspekte besonders stark.

Ich glaube, meine einzige „richtige“ Kritik ist die Eindimensionalität von Valentinas Mutter. Anscheinend ist es allein das Geld, das sie dazu bringt, Valentina so abscheulich zu behandeln, nicht mehr und nicht weniger. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, weil mir ihre Mutter ein wenig ZU eindimensional erschien und die Geschichte meiner Meinung nach davon profitiert hätte, eine komplexere Beziehung zwischen den beiden einzubauen.

Insgesamt jedoch war ich ungewohnt begeistert von diesem Tochter-Band, weil er sich traute, Risiken einzugehen und deshalb sowohl schön als auch emotional zu lesen war!

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
445 Seiten

Eigentlich meldet sich Liv nur deshalb bei einem berühmten Autorenwettbewerb an, um Werbung für ihren Webtoon zu machen. Was sie dagegen nicht erwartet hat, ist, dass der Wettbewerb von tatsächlichen Musen geleitet wird, die ihr und den anderen Teilnehmern verschiedene Prüfungen stellen – und dabei nur ein Verbot haben: Romantische Liebe. Das ist nicht nur für Livs neue Freunde Shelly und Sawyer problematisch, die seit Jahren ein Paar sind, sondern auch für Liv selbst – denn sie hat schnell eine besondere Verbindung zum Teilnehmer Flame aufgebaut, die immer stärker wird …

Etwas, das Sabine Schoder einfach gut kann, ist es, eine sehr unterhaltsame Geschichte zu schreiben und dabei eine süße Liebesgeschichte zu schreiben. Obwohl die Handlung natürlich schon zahlreiche Male von anderen Autorinnen und Autoren umgesetzt wurde, hat Sabine Schoder etwas an sich, das ihre Geschichte trotzdem besonders macht – wahrscheinlich die perfekte Mischung aus Romanze, Humor, Spannung, Magie, Drama und noch einigem mehr. Tatsächlich kenne ich nicht viele Autor:innen, deren Geschichten mir so viel Spaß machen!

Ein gehöriger Anteil bildet der Humor, der genau meinem Geschmack entspricht und Liv zu einer sehr sympathischen Protagonistin gemacht hat. Sie war schlagfertig, freundlich, allgemein witzig und ist mir schnell ans Herz gewachsen. Wie jeder der Teilnehmer bekommt sie am Anfang ein sprechendes Buch, das ihr dabei helfen soll, die Prüfungen zu bestehen – und in ihrem Fall ist das ein Erotikmanga, der für noch mehr witzige Szenen gesorgt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Charakter so gut gefällt, aber er war einfach herrlich!

Mein Lieblingscharakter war er aber nicht, denn diese Ehre gebührt gleich drei Charakteren: Flame, in den ich mich zusammen mit Liv verliebte, sowie die beiden Teilnehmer Shelly und Sawyer. Zunächst einmal war die Chemie zwischen Liv und Flame großartig; nicht nur ist ihre Dynamik sehr spaßig zu lesen, sie verbringen auch viele wichtige und ernste Momente miteinander, die sie einander näherbringen. Es war der perfekte Mix, der ihre schnelle Romanze überraschend realistisch gemacht hat – ein wenig wie eine Disney-Romanze, die trotz ihrer kurzen Zeitspanne genau die richtige Chemie zwischen den Charakteren vermittelt, um an ihre Liebe zu glauben. Auch Sabine Schoder ist das gelungen, mit nur einem zugegeben wichtigen Kritikpunkt: Ich fand, dass ihre Romanze zu weit ging. Denn tatsächlich gibt es auch ein paar spicy Szenen, die mir sehr unnötig und unrealistisch vorkamen, weil sie die ursprünglich süße, unschuldige Romanze zu einer kurzen Affäre machten. Hier wünschte ich, die beiden hätten sich schon länger gekannt, bevor sie so schnell zum nächsten Schritt springen.

Neben den beiden gibt es aber noch ein Beta-Paar, nämlich Shelly und Sawyer, in die ich unglaublich investiert war. Ihre Liebesbeziehung war ungewöhnlich dramatisch und gerade deshalb umso spannender zu lesen, weil so viel für sie auf dem Spiel stand. Ihre Gefühle füreinander kommen fantastisch rüber und ich hätte gerne sogar noch mehr von ihnen gelesen, aber so oder so gehörten sie mühelos zu meinen Lieblingscharakteren.

Die anderen Charaktere spielen zwar auch wichtige Rollen (vor allem die Muse der Liebe, Erato), aber diese vier stachen am meisten heraus. Übrigens gibt es entgegen der Andeutung in der Kurzbeschreibung kein Liebesdreieck im Buch, was mich sehr erleichterte, weil das das einzige war, das mich bei Sabine Schoders vorheriger Reihe störte. Tatsächlich shippt Erato Liv und Flame sogar, und kann als Muse der Liebe ohnehin keine genuine Liebesbeziehung mit einem von ihnen eingehen, weshalb ich hoffe, dass auch der zweite Band sich auf das Hauptpaar konzentrieren wird.

Wie zu erwarten, reagieren die Charaktere zwar zunächst schockiert auf die Existenz der Musen, nehmen sie aber sehr schnell an. Da ich nicht erwartet habe, dass die Charaktere tatsächlich realistisch auf die Existenz von Magie reagieren, machte mir das nichts aus, aber es könnte für andere Leser:innen störend sein.

Ein richtiges Highlight waren die Prüfungen, die überraschend kreativ waren und sehr gut umgesetzt wurden, mit einer guten Mischung aus der nötigen Spannung und auch ein wenig Liebe und Humor. Die Twists, die mit den Prüfungen zusammenhängen, sieht man wahrscheinlich kommen, aber die Twists, die die Charaktere betreffen, haben mich dafür umso mehr überrascht. So war Flames Vergangenheit um einiges dramatischer, als ich es erwartet habe, und die der anderen Charaktere auch. Gute Arbeit hier!

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, waren die Themen, die Sabine Schoder ansprach. Von Sexismus bis zu den Quellen von Inspiration spricht sie so einige Dinge an, die man in unserer Welt hinterfragen sollte, sowie andere, die gut zeigen, wie leicht und gleichzeitig schwer es sein kann, eine Geschichte zu schreiben. Dadurch, dass ihr Schreibstil so locker ist, liest sich ihre gesellschaftliche Kritik allerdings nicht fingerzeigend, sondern schlicht wie ein Teil der Geschichte.

Das Ende war nicht so gemein, wie ich es erwartet habe, aber ich freue mich trotzdem sehr auf den zweiten Band, der hoffentlich mit dem ersten mithalten kann!

Das White Octopus Hotel
384 Seiten

Als ein älterer Mann namens Max Everly Eve einen kleinen Oktopus schenkt, hört sie auf diese Weise zum ersten Mal vom White Octopus Hotel, das damals im Jahre 1935 schloss. Dennoch hat sie das Gefühl, als Kind schon einmal dort gewesen zu sein; und gerüstet mit einem Schlüssel zum Zimmer 27, das nicht zu existieren scheint, macht sie sich auf zum Hotel, um dort in die Vergangenheit zu reisen und an einer Schnitzeljagd teilzunehmen. Der Preis: Briefpapier, mit dem man seinem vergangenen Ich schreiben kann und mit dem Eve hofft, eine vergangene Tragödie abzuwenden. Hier trifft sie auf den jungen Max Everly, der ihr bei der Schnitzeljagd hilft – und Eve bereits zu kennen scheint …

Natürlich hatte ich sofort Interesse an diesem Roman, sobald ich las, dass er Zeitreisen beinhaltet, doch leider hat mich die Umsetzung nicht ganz überzeugt. Denn so interessant die Verbindungen zwischen den verschiedenen Zeiten und Charakteren letztendlich wurden, konnten sie leider nicht davon ablenken, dass die Handlung allgemein sehr wirr, schwer zu folgen und teils recht ereignislos war.

Doch von Anfang an: Eve und Max waren recht sympathische Protagonisten und ich war sehr investiert in deren Traumata, die ausführlich thematisiert werden. Mit ihrer Romanze habe ich zwar nicht besonders mitgefiebert, aber die Charaktere selbst mochte ich sehr. Auch die Art und Weise, wie ihre jeweiligen Vorkenntnisse benutzt wurden, um ihre Beziehung interessant zu gestalten, war großartig – der Zeitreiseaspekt war hier sehr erfolgreich.

Gegen Ende wusste ich auch die anderen Verbindungen zu schätzen, die ich bis dahin natürlich nicht verstand und deshalb nicht als interessante Handlungselemente ansah. Insofern lohnt es sich zumindest in diesem Aspekt, durchzuhalten: Die Verbindungen, die gegen Ende geknüpft werden, haben die ganze Handlung positiv beeinflusst.

Aber ja, leider muss man bis dahin so einige Handlungselemente in Kauf nehmen, die bestenfalls verwirrend und schlimmstenfalls sinnlos sind. Es gab mehrere albtraumhafte Szenen, in denen ich keinen Sinn erkennen konnte und deren bloße Existenz mich so verwirrt zurückließ, dass ich gar nicht mehr wusste, was eigentlich vor sich geht. All diese Szenen waren für mich ein sehr großer Kritikpunkt, denn sie nehmen einen beträchtlichen Teil der Handlung ein und selbst im Nachhinein habe ich keine Ahnung, was genau es mit ihnen auf sich hatte. Teils wirkte der Roman sogar wie ein wirrer Traum, in dem es keine Logik und keine Erklärungen gibt.

Auch die eigentliche Handlung, die aus der Schnitzeljagd besteht, konnte mich nicht überzeugen, denn sie war nicht besonders spannend geschrieben, vor allem, weil es keinerlei Risiken gab, die die Charaktere eingehen mussten, um sie zu bestehen. Es war eine einfache Suche, nicht mehr und nicht weniger, und gerade deshalb nicht geeignet, um mich am Ball zu halten.

Insgesamt hatte die Lektüre also ein überraschend zufriedenstellendes Ende, dafür aber einen sehr mühsamen Weg, der sich leider nicht für alle Leser:innen lohnt.

The Jewel Secrets (1). Um dieses Spiel zu gewinnen, musst du dich in deinen größten Feind verlieben
404 Seiten

Darcy lebt mehr schlecht als recht als Touristenführerin, doch an einem besonders wilden Tag verliert sie nicht nur ihre wertvolle Schlüsselkette und ihre Wohnung, sondern bekommt eine Einladung zu einem Rätselspiel, um das Erbe der berühmten Künstlerin Cordelia Seymour zu gewinnen. Hierfür müssen sich zwei Erben zweier verfeindeter Familien zusammentun und sich zudem verlieben, um sowohl die Rätsel zu lösen als auch das Erbe zu erlangen. Ausgerechnet der arrogante Dorian, der Dieb ihrer Schlüsselkette, scheint ihr am ehesten beim Lösen der Rätsel helfen zu können. Darcy widerstrebt es, mit ihm zusammenzuarbeiten, bis sie ihn schließlich näher kennenlernt …

Der Aspekt des Rätselspiels klang sehr interessant, doch leider hat mir die Lektüre davon abgesehen nicht gefallen. Das liegt vor allem an den Romanzen, die ich als großen Störfaktor empfunden habe. Denn obwohl es weder in der Kurzbeschreibung noch bei den Tropes erwähnt wurde, gibt es in diesem Roman ein Liebesdreieck, dessen bloße Existenz mir bereits einen Großteil meiner Lesefreude raubte – und hätte ich vorher gewusst, dass es existiert, hätte ich das Buch gar nicht erst angefangen. Tatsächlich habe ich es nur zu Ende gelesen, damit ich eine informative Rezension dazu schreiben kann, was ich hiermit tue.

Das Liebesdreieck folgt dem klassischen Szenario: Dorian ist vor allem in der ersten Hälfte sehr unsympathisch (auch wenn er danach zugegeben besser wird) und Darcy verbringt ihre Zeit regelmäßig damit, über seinen Körper zu schwärmen und über seinen Charakter zu lästern (nachdem ihre Gefühle tiefer werden, lässt sie letzteres weg, ersetzt es aber auch nicht durch positive Schwärmereien über seinen Charakter). Cesper dagegen ist rundherum freundlich, sympathisch, behandelt Darcy mit Respekt – und ist deshalb natürlich NICHT derjenige, in den sie sich verliebt. Ab der zweiten Hälfte versinkt er zudem sehr im Hintergrund, um Platz für Dorians Charakterentwicklung zu machen, was Dorian zwar tatsächlich geholfen hat, aber dafür nicht der Handlung, in die ich ursprünglich investiert war. Es kam mir schlicht ergreifend so vor, als wäre Darcys Interesse an Dorian rein auf sein Äußeres bezogen, selbst nachdem er sympathischere Seiten seines Charakters zeigte. Das hat ihre Romanze nicht gerade glaubwürdig gemacht; und dadurch, dass ebenjene Romanze einen sehr großen Teil der Handlung einnimmt, litt darunter auch die Geschichte an sich.

Denn mit Ausnahme der Romanze kommen leider nicht ganz so viele Rätsel vor, wie ich mir erhofft hatte. Stellenweise hatte ich das Gefühl, dass allgemein nicht viel passiert (außer dem Liebesdrama). Andere Nebencharaktere konnten mein Interesse ebenfalls nicht fesseln; bis auf Lyri, mit der Darcy sich anfreundet, stach keiner von ihnen positiv hervor. Nur einen Aspekt gab es, der mich tatsächlich sehr begeistern konnte: Der Umgang mit Darcys Trauma. Bereits von Anfang an ist klar, dass sie in ihrer Vergangenheit einiges durchgemacht hat, das sie bis heute nicht loslässt – und das wird während der ganzen Geschichte sehr gut und sehr sensibel thematisiert. Ich war tatsächlich sehr überrascht davon, WIE gut ihr Trauma letztendlich behandelt wurde, denn es wurde mühelos das Highlight des Romans. Leider reichte das für mich natürlich nicht, um die Schwächen auszugleichen, doch trotzdem möchte ich die Autorin dafür loben, die Themen in ihrem Roman so gut umgesetzt zu haben.

Eine Leseempfehlung gibt es von mir also nicht, weil es dafür zu viele Dinge gab, die mich störten, doch diesen positiven Punkt werde ich trotzdem gerne in Erinnerung behalten.

Heute sind wir unsterblich
416 Seiten

Dylan hat nie damit gerechnet, lange zu leben. Aufgrund einer Herzerkrankung hatte er immer Angst davor, sich auf andere Menschen einzulassen, selbst nachdem er ein Spenderherz bekam. Auch Timothy hat Schwierigkeiten damit, Bindungen einzugehen, allerdings aus einem anderen Grund: Er gehört zu den Menschen, die nach ihrem eigenen Tod zu denjenigen wurden, die anderen Sterbenden beim Hinübergleiten helfen. Als er und Dylan sich kennenlernen, spüren die beiden schnell eine Bindung zueinander – doch beide haben Angst, sie zu vertiefen, weil sie ahnen, dass ihre Zeit begrenzt ist …

Bereits im ersten Teil des Death Duets durften wir Dylan und Timothy kennenlernen, die jetzt im zweiten Teil die beiden Protagonisten sind. Und was für großartige Protagonisten sie waren! Obwohl die beiden sich mit Problemen beschäftigen, die man als Leser:in höchstwahrscheinlich nicht hat, war es sehr leicht, sich in Dylan und Timothy hineinzuversetzen. Die Art und Weise, wie sie mit ihren Traumata umgehen, war sehr gut gemacht und machte es leicht, die beiden ins Herz zu schließen.

Ihre Romanze hat mir ebenfalls sehr gefallen. Sie war zart und langsam und überraschend realistisch, und auf genau die richtige Weise eine Romanze, die glaubwürdig genug ist, um an eine langfristige Zukunft zu glauben – aber auch an eine kurzfristige. Dieser Roman hat sehr gut betont, dass die Zeit selbst keine allzu große Rolle spielt, weil es auf die Liebe selbst ankommt. Das war eine erfrischende Botschaft, die mir sehr gefallen hat!

Andere Charaktere sind leider recht unwichtig. Ich mochte Großmutter Leanne, aber davon abgesehen hat kein anderer Nebencharakter einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Der Fokus auf Dylan und Timothy hat die beiden zu großartigen Charakteren gemacht, doch dafür sind die anderen ein wenig auf der Strecke geblieben. Durchaus ein Kritikpunkt, auch wenn es mir gefallen hat, die beiden Protagonisten so gut kennenzulernen.

Etwas, das andere Leser:innen ebenfalls als Kritik werten könnten, was mir selbst aber gut gefiel, war das langsame Pacing der Geschichte. Sie war nämlich nicht auf klassische Weise spannend, sondern lebte vor allem von dem Charakterdrama. Diejenigen, die gerne durch eine Geschichte getrieben werden wollen, werden die Geschichte wahrscheinlich als zu langsam empfinden, doch ich mochte die gemächliche Geschwindigkeit, die es erlaubte, die Charaktere und ihre Romanze auf wundervolle Weise zu entfalten.

Doch eine große Kritik habe ich trotzdem: Das Ende war für mich viel zu deus-ex-machina-mäßig. Ich fand es sehr unrealistisch und viel zu praktisch, bis zu dem Punkt, an dem ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte. Zwar mochte ich es, dass Dominik Gaida seine übernatürlichen Aspekte nicht übermäßig erklärt hat, aber zumindest am Ende hätte ich mir dann doch ein paar Erklärungen gewünscht, die das Ende realistischer gestaltet hätten. Die Geschichte selbst war immer noch gut und die Romanze sehr süß, aber das Ende habe ich als Schwäche empfunden.

So oder so eignet sich der Roman immer noch hervorragend für alle, die schon den ersten Teil mochten und gerne emotionale Romanzen lesen!

Camp Rainbow - Zwischen uns die Wolken
432 Seiten

Nachdem Lila ihre beste Freundin küsst, unterbricht diese jeglichen Kontakt zu ihr. Lila ist am Boden zerstört und es ist ausgerechnet ihre Zwillingsschwester Malin, die ihr weiterhilft: Sie schlägt vor, dass Lila sie ins Camp Rainbow begleitet. Lila stimmt zu, auch wenn sie erwartet, es zu hassen. Und tatsächlich ist der Anfang sehr schwer – bis Lila langsam aber sicher auftaut und sich nicht nur ihren Freundinnen und Freunden, sondern auch ihrer Schwester Malin anvertraut …

Wie immer liefert uns Alicia Zett eine emotionale, lebensnahe Geschichte, dieses Mal jedoch mit einer zunächst unsympathischen Protagonistin: Lila machte es gerade im ersten Drittel nicht leicht, sie zu mögen, weil ihr Verhalten so abweisend war und ich mich überhaupt nicht in sie hineinversetzen konnte. Zwar bekommen wir auch Malins Sichtweise zu lesen (die in diesem Aspekt schon sehr viel angenehmer war), doch geht es in diesem Band definitiv um Lila und die Probleme, die sie plagen. Tatsächlich hätte man vermutlich sogar auf Malins Sichtweise verzichten können, ohne allzu viel zu verlieren, doch bin ich dankbar, dass wir auch ihre Sichtweise und den Handlungsstrang mit ihrem Vater erleben durften.

Nachdem Lila im Camp angekommen ist, sich etwas eingelebt hat und neue Freundinnen und Freunde kennenlernt – darunter Emily, zwischen denen es schnell funkt –, war ihre Sichtweise um einiges entspannter zu lesen und auch ihre Probleme gingen mir viel näher. Doch es war nicht die Romanze mit Emily, die mich so packte, sondern Lilas Beziehung zu ihrer Schwester Malin. Die Romanze mit Emily spielt sogar eher eine untergeordnete Rolle, was in diesem Fall aber etwas Positives ist, weil es der Geschichte erlaubt, sich ganz auf die beiden Schwestern zu konzentrieren, sogar mit einer wunderbaren Parallele zu Frozen, die gut zeigt, wie ihre frostige Beziehung nach und nach auftaut. Für mich war sie definitiv das Highlight des Buches und ich mochte es, dass den beiden Schwestern genug Zeit gewidmet wurde, um ihre Beziehung realistisch zu reparieren.

Die Geschichte selbst entwickelt sich recht langsam und cozy, hat nicht die „klassische“ Spannung, sondern fokussiert sich vor allem auf die Charaktere und die Entdeckungen, die sie über sich selbst machen. Als jemand, der charakterfokussierte Geschichten liebt, war das ideal – und gab mir wieder einmal einen wunderbaren Roman aus Alicia Zetts Feder! Ich hoffe, dass auch andere Leserinnen und Leser sich an ihm erfreuen, denn ich habe ihn wirklich sehr genossen :)

Feenfluch – Dein Wunsch soll erfüllt werden ...
384 Seiten

Fast sieben Jahr ist es her, dass ein Fluch die Schlossbewohner in einen verzauberten Schlaf versetzt hat. Damals ist die Bedienstete Kaelith, beste Freundin der Prinzessin, dem Fluch nur deshalb entkommen, weil sie sich nicht im Schloss aufgehalten hat. Sie hat nie die Hoffnung aufgegeben, den Schlaffluch zu brechen – und tatsächlich bietet sich ihr nach all der Zeit endlich eine Möglichkeit: Zusammen mit dem Magier Thorn macht sie sich auf ins Reich der Feen, um sich den Prüfungen zu stellen, die ihr erlauben werden, den Fluch durch einen Wunsch zu brechen – doch zu welchem Preis?

Ich liebe Christian Handels Märchenadaptionen und diese hier beweist einmal mehr, wie gut sie ihm gelingen! Ich liebe seinen wunderschönen Schreibstil, der sehr angenehm zu lesen ist und die märchenhafte Atmosphäre des Buches fantastisch einfängt. Von allen Büchern, die er geschrieben hat, haben mir seine Märchenadaptionen hauptsächlich wegen ihres Schreibstils am besten gefallen.

Aber natürlich nicht nur deswegen, sondern auch wegen den Charakteren und ihrem Abenteuer. Sowohl Kaelith als auch Thorn waren unglaublich sympathisch, ich konnte mich sehr gut in Kaelith hineinversetzen und mochte ihre süße Romanze mit Thorn. Die Art und Weise, wie die Erlebnisse sie einander näherbringen, sie ihre persönlichen Wahrheiten miteinander teilen und ihre Traumata bewältigen, war einfach großartig. Gerade bei Kaelith hat es mich positiv überrascht, wie ihr Trauma ihr anfängliches Verhalten erklärt hat. Sie weigerte sich nämlich beharrlich, die einfachen Wege zum Feenreich zu gehen und bestand darauf, lieber die schwierigen Pfade zu beschreiten. Dadurch wirkte sie zunächst unnötig schwierig, doch sobald man den Grund für ihre Entscheidungen herausfand, fiel alles an seinen Platz.

Thorns Trauma hängt mit ein paar Twists zusammen, von denen man einige sicher vorausahnen kann, andere dagegen umso überraschender waren. So oder so haben sie die Handlung bereichert und mir sehr gefallen.

Die Handlung ist in zwei Teile geteilt: Zum einen Kaeliths und Thorns Reise sowie ihre ersten wichtigen Annäherungen, zum anderen die Prüfungen der Feen. Gerade die Prüfungen waren ein Highlight und sehr gut umgesetzt, aber auch die Reise zu den Feen hat mir gut gefallen, weil sie es Kaelith und Thorn erlaubte, sowohl sich selbst als auch die Welt besser kennenzulernen.

Womit wir bei einer anderen Stärke des Romans wären: Die pure Kreativität der Welt und der Wesen, die sie bewohnen. Allein die einzelnen Feen waren alle fantasievoll beschrieben, aber auch die restlichen Wesen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Jeder bekommt genug Zeit, um herauszustechen, wobei der beste Nebencharakter allerdings leicht zu nennen ist: Rufus, das Werkaninchen, das Kaelith und Thorn bei ihrer Reise und den Prüfungen hilft.

Neben diesen vielen positiven Punkten gibt es aber durchaus einen wichtigen negativen: Das Ende wurde meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt. Sowohl das Finale als auch das eigentliche Ende sind erstaunlich kurz und ich hätte mir gerne mehr Zeit gewünscht, um beides zu verdauen. Doch davon abgesehen haben wir hier eine großartige Dornröschen-Adaption mit vielen kreativen Elementen, einer süßen Romanze und spannenden Prüfungen!