Wer, wenn nicht du
400 Seiten

Zwei Wochen ist es her, seit Lena sich von Leo getrennt und Kate gesagt hat, dass sie Zeit für sich braucht. Sie möchte herausfinden, wer sie wirklich ist und wer sie sein will. Während Siljas Workshop, bei dem Lena mehr über das Fotografieren lernt und neue Freundschaften schließt, hat sie endlich Zeit, sich ihrer Gefühle für Kate klar zu werden. Leo währenddessen ist noch nicht über Lena hinweg und möchte sie unbedingt zurückgewinnen …

Dieser Abschlussband der Dilogie ist emotional, romantisch und inspirierend, was einfach wunderschön zu lesen war. Lenas Selbstfindung, Kates wachsende Offenheit und Leos Bewältigungsstrategien waren alle gleichermaßen interessant zu lesen, wobei das Highlight natürlich immer noch Lenas Geschichte ist. Es war so leicht, sich in sie hineinzuversetzen und ich liebte es, wie der Foto-Workshop und dessen Charaktere sie so flüssig in die Geschichte einfügten. Claire, Jade und Pascal wurden schnell zu meinen liebsten Nebencharakteren, aber auch die Nebenfiguren der anderen Geschichten (speziell Kates Assistentin/Freundin April) konnten mich überzeugen. Stellenweise gab es sogar Figuren wie Thorben, die nur für kurze Zeit auftraten, aber dennoch einen starken Eindruck hinterließen.

Sehr gut fand ich es, dass alle drei Hauptcharaktere gleichermaßen sympathisch dargestellt wurden. Leo ist nicht der eifersüchtige Exfreund, sondern jemand, mit dem man Mitgefühl hat, während man gleichzeitig Lena und Kate die Daumen drückt. Ich hatte ein wenig Angst, dass speziell Leo unsympathisch werden würde, aber tatsächlich habe ich ihn mindestens genauso sehr verstanden wie Lena. Zu sehen, wie sich beide entwickeln und über sich hinauswachsen, war schlicht wunderschön.

Die Romanze zwischen Lena und Kate geht hier den nächsten Schritt, was insgesamt betrachtet sehr gut umgesetzt war. Ich hätte mir nur gewünscht, die beiden hätten sich früher getroffen; Lenas Pause nimmt mehr als die Hälfte des Romans ein, was mir zwar während des Lesens selbst nicht aufgefallen ist (weil sie viel an Kate denkt, mit ihr schreibt und allgemein viele interessante Sachen erlebt), jetzt nach dem Lesen aber dann doch wie eine zu lange Zeitspanne wirkt.

Ansonsten hat mir die Geschichte allerdings sehr gut gefallen und ich empfehle sie allen, die queere und/oder Selbstfindungsgeschichten mögen!

Forever, Interrupted
352 Seiten

Neun Tage ist Elsie mit Ben verheiratet, als er plötzlich bei einem Unfall stirbt. Sie kannten sich erst ein halbes Jahr, doch die Liebe, die sie füreinander empfanden, hat es ihnen leicht gemacht, den Schritt der Heirat schnell zu wagen. Doch nun ist Elsie allein. Susan, Bens Mutter, wusste bis dahin nicht einmal, dass sie existiert und weigert sich zunächst, irgendetwas mit ihr zu tun zu haben. Während Elsie in ihrer Trauer versinkt und an die kurze, aber wertvolle Zeit mit Ben denkt, beginnt jedoch eine Freundschaft zwischen ihr und ihrer Schwiegermutter, die ihnen beiden dabei hilft, mit ihrem Verlust umzugehen …

Als Fan von Taylor Jenkins Reids Romanen war es für mich eine Selbstverständlichkeit, auch die Neuauflage von „Forever, Interrupted“ zu lesen. Wie erwartet handelt es sich um einen leicht zu lesenden Roman, der berührend und emotional ist, doch unerwarteterweise nicht viel Neues erzählt.

Aber fangen wir am Anfang an: Bens Tod am Anfang war tatsächlich sehr plötzlich, sodass ich Elsies Trauer erst dann richtig nachvollziehen konnte, als wir ihn in den Vergangenheitskapiteln näher kennengelernt haben. Diese haben mir überraschend gut gefallen: Die Art und Weise, wie Elsies und Bens Beziehung beschrieben wurde, hatte einerseits etwas von einer Disney-Romanze, kam andererseits aber trotzdem überraschend glaubwürdig rüber, sodass ich problemlos glauben konnte, dass Bens Verlust Elsie so hart trifft, wie er es tut. Hier ist es Taylor Jenkins Reid wirklich hervorragend gelungen, ihre Romanze so besonders zu beschrieben, wie sie von den beiden wahrgenommen wird.

Auch Elsies Freundschaft mit Susan, die sich erst später in der Handlung entwickelt, fand ich gut umgesetzt. Zusammen helfen sie sich mit ihrer Trauer, was schön beschrieben war. Hier in der Gegenwart gab es auch zwei angenehme Überraschungen, was die Handlungsrichtung betrifft – denn statt sich auf die Klischees dieses Genres einzulassen, hat Taylor Jenkins Reid sie bewusst vermieden und die Geschichte dadurch bereichert.

Trotzdem haben mir die Vergangenheitskapitel mehr gefallen, weil ich trotz der guten Umsetzung von Elsies Trauer nicht das Gefühl hatte, dass mir hier etwas Neues erzählt wird – tatsächlich lief die Trauer ungefähr so ab, wie ich es erwartet hatte, ohne große Überraschungen oder Twists. Da war die Liebesgeschichte zwischen Elsie und Ben besonderer für mich, weil sie technisch gesehen zwar einfach eine Liebesgeschichte ist, praktisch es aber erfolgreich schaffte, mich mit dem Paar mitfiebern zu lassen.

Obwohl der Roman traurige Themen aufgreift, ist er nicht per se traurig, sondern eher hoffnungsvoll und schön. Trotzdem sollte man wissen, worauf man sich einlässt, bevor man zu lesen anfängt – hier erwartet einen eine gute Geschichte, aber auch eine, die man so ähnlich schon mal gelesen haben könnte. Deshalb ist sie vor allem für Fans der Handlungsidee zu empfehlen, die gerne über den Umgang mit Trauer lesen, aber weniger für alle anderen. Mir selbst hat die Geschichte gut gefallen, doch Taylor Jenkins Reids andere Romane gefielen mir noch mehr.

Forging Silver into Stars
541 Seiten

Jax und Callyn sind beste Freunde, die in dem kleinen Städtchen Briarlock leben. Jax arbeitet erfolgreich als Schmied, doch wegen seines fehlendes Fußes und seines gewalttätigen Vaters fühlt er sich trotzdem nutzlos. Callyn ist eine Bäckerin, die nach dem Tod ihrer Eltern alles tun will, um ihre kleine Schwester zu beschützen. Beide haben Geldsorgen, weshalb Jax die Möglichkeit, durch das Übergeben geheimer Nachrichten genug Silber für sich und Callyn zu verdienen, sofort annimmt. Bis der Königskurier Tycho nach Briarlock kommt, der ihre Leben gehörig auf den Kopf stellt. Nicht nur fürchten sie seine Verbindung zum König und seine Magie, sondern vor allem, dass er ihr Geheimnis entdecken könnte …

Bereits vor zweieinhalb Jahren habe ich „Forging Silver into Stars“ gelesen, doch zum Erscheinen des zweiten Bandes wollte ich meine Erinnerung nochmal auffrischen – und noch einmal in Brigid Kemmerers Welt eintauchen. Ich bin immer noch sehr begeistert von dieser Fantasygeschichte, weil deren Charaktere so fantastisch umgesetzt sind.

Das fängt natürlich mit den drei Hauptfiguren an: Tycho, Jax und Callyn. Sie alle waren sowohl sehr sympathisch als auch sehr gut charakterisiert, mit eigenen Problemen und eigener Zerrissenheit. Mir haben vor allem die romantischen Beziehungen zwischen Tycho und Jax sowie Callyn und Alek gefallen, als auch die Freundschaft zwischen Jax und Callyn. Die Chemie zwischen den Charakteren hat einfach gestimmt, sodass es leicht war, sich auf die verschiedenen Beziehungen einzulassen. Besonders hat mich hier die Geschwindigkeit beeindruckt, in der sie vorankamen: Sie war langsam genug, um glaubhaft zu sein, aber nicht so langsam, dass es frustrierend gewesen wäre. Tycho und Jax sind dabei natürlich das Highlight, aber auch bei Callyn und Alek, die weniger Screentime bekamen, war ich überrascht darüber, wie glaubwürdig mir ihre Beziehung vorkam.

Wo wir von Alek sprechen: Auch die Antagonisten des Bandes waren hervorragend geschrieben. Das ist, finde ich, Brigid Kemmerers große Stärke: Bei ihr gibt es kein einfaches Gut und Böse, sondern viele Seiten mit ihrer eigenen Agenda, ihren eigenen Gründen für ihre Taten und einer komplexer Charakterisierung. Das wusste ich sehr zu schätzen, weil die Antagonisten weder komplett sympathisch noch komplett böse dargestellt werden, sondern schlicht als Menschen mit ihren Fehlern und zuweilen schlechten Entscheidungen. Das weitet sich auch auf die Charaktere auf Tychos Seite aus, speziell auf Grey, deren Freundschaft in diesem Band ordentlich getestet wird. Ich liebte es, dass es auch hier Schwierigkeiten gab, weil das die Charaktere und noch tiefgründiger gemacht hat, als sie ohnehin schon waren.

Was die Handlung betrifft, bleibt sie stets spannend, doch definitiv fokussiert auf die Charaktere an sich – obwohl es natürlich viele spannende Szenen gibt, ist es nicht zwingend die Handlung, die die Geschichte trägt, sondern die Charaktere, von denen sie erzählt. Für mich persönlich ist das ein Pluspunkt, weil ich charaktergetriebene Geschichten sehr mag.

Trotzdem hätte ich gerne noch mehr von der Welt bzw. dem Worldbuilding gesehen. Wir bekommen zwar ein wenig mit, aber nicht genug, als dass sie sich von unserer Welt abgehoben hätte. Zugegeben ist das kein großer Kritikpunkt (wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich immer die Charaktere wählen, weil mir ihre Beziehungen so ausgesprochen gut gefallen haben), aber trotzdem etwas, von dem ich hoffe, dass der zweite Band es ein wenig vertieft. Das werde ich dann bald erfahren!

Garden of the Cursed
384 Seiten

Marlow ist die beste Fluchbrecherin von Caraza, doch als ihr Ex-Schwarm Adrius sie bittet, ihm bei einem Fluch zu helfen, weigert sie sich strikt, etwas mit ihm zu tun haben. Bis sie erfährt, dass der Fluch, mit dem Adrius belegt wurde, ein Nötigungsfluch ist, der ihn zwingt, alles zu tun, was man ihm befiehlt – und dass die Person, die ihn verflucht hat, sehr wahrscheinlich auch die Person ist, die für das Verschwinden ihrer Mutter verantwortlich ist. Entschlossen, herauszufinden, wer hinter allem steckt, arbeitet sie mit Adrius zusammen – doch um keinen Verdacht zu erwecken, müssen die beiden so tun, als wären sie ein Paar, was Marlow ganz und gar nicht behagt …

Ich habe die „Age of Darkness“-Reihe von Katy Rose Pool so sehr geliebt, dass sie damals sogar meine Schreibblockade beendete, weshalb ich natürlich gespannt darauf war, wie sehr mir „Garden of the Cursed“ gefallen würde. Und obwohl ich die „Age of Darkness“-Reihe etwas mehr mochte, hat mir „Garden of the Cursed“ sehr viel Spaß gemacht – tatsächlich freue ich mich jetzt schon darauf, im Sommer den Abschlussband zu lesen!

Am beeindruckendsten waren für mich das Worldbuildung und das damit verbundene Magiesystem. In vielen Fantasyromanen, die ich gelesen und geliebt habe, spielten die eigentlichen Details der Welt keine allzu große Rolle, doch die pure Lebendigkeit der Welt, die Katy Rose Pool erschaffen hat, zeigt, wie großartig es ist, sie mit liebevollen Details zu füllen. Ob es nun um ein berühmtes Theaterstück, ein beliebtes Kartenspiel unter den Adligen oder um den Einsatz der Magie geht: Alles fühlt sich so durchdacht und lebensecht an, dass es eine wahre Freude war, Caranza näher kennenzulernen. Das Magiesystem verdient dabei eine Extra-Erwähnug, denn die Hexkarten, durch die sie ausgelöst wird, waren nicht nur ein kreatives, sondern auch ein hervorragend umgesetztes Konzept. Ich hoffe, dass auch der zweite Teil damit fortfahren wird, die Welt und ihre Magie weiter vorzustellen.

Auch die beiden Hauptcharaktere haben mir sehr gefallen. Marlow und Adrius waren nicht nur sympathische und gleichzeitig dreidimensionale Charaktere, sondern hatten auch eine komplexe Romanze, die mich sehr eingenommen hat. Der Befehlsfluch, der dabei auf Adrius liegt, hat ihre ohnehin schon schwierige Beziehung noch interessanter gemacht, wobei der Fluch zwar überraschend selten, dafür aber immer sehr gut genutzt wurde. Besonders gut ist hier, dass ihre Romanze die Handlung bereichert, statt sie zu ersetzen – das sorgte für ein sehr angenehmes Ratio zwischen spannender Handlung und süßer Romanze.

Von den Nebencharakteren stach nur Swift, Marlows bester Freund, positiv hervor, während die anderen vergleichsweise blass blieben. Sie erfüllten zwar ihren Zweck, aber nicht viel mehr, weil der Fokus eher auf Marlow, Adrius und der spannenden Handlung lag. Diese hat mich mit ihren Geheimnissen und Twists ordentlich auf Trab gehalten, auch wenn ich letztendlich fand, dass es etwas ZU viele falsche Fährten gab. Schließlich ist es recht klar, dass die ersten paar Personen, die Marlow verdächtig erscheinen, vermutlich nicht ihre Zielperson sein werden, auch wenn sie dafür andere Geheimnisse haben.

Insgesamt also eine sehr spaßige Lektüre mit hervorragendem Worldbuilding und einer Romanze, die weder zu viel noch zu wenig Platz einnimmt. Empfehlenswert für alle, die beides schätzen!

Very Bad Widows
496 Seiten

Pam, Nancy, Shalisa und Marlene sind schon ihr halbes Leben lang befreundet, genauso wie deren Ehemänner. Als Marlenes Ehemann Dave durch einen unglücklichen Unfall stirbt, sind alle ganz schön überrascht, als sie erfahren, dass ihre Männer alle eine Lebensversicherung über eine Million Dollar abgeschlossen haben. Weil Pams, Nancys und Shalisas Ehen schon seit einigen Jahren unglücklich sind, beschließen sie kurzerhand, ihre Männer umbringen zu lassen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Trotz leiser Zweifel beauftragen sie den Friseur der Männer, der zufällig Auftragskiller ist, um sie loszuwerden. Währenddessen sind die Ehemänner Hank, Larry und Andre in Panik: Sie vermuten, dass Dave ermordet wurde, weil sie seit vier Jahren Millionen von Dollar aus einem Casino abzweigen. Nun fürchten sie, dass das Casino auch sie ermorden lassen wird. Sie bitten ihren Friseur, jeden umzubringen, der einen Auftragskiller für sie beauftragt …

Dieser Roman ist sowohl spannend als auch witzig, mit schönem bösen Humor, der mich mehrmals zum Lachen gebracht hat. Es war sehr spaßig zu lesen, wie sich die Handlung um die Frauen und Männer entwickelt, vor allem, weil wir als Leser fast immer mehr wissen als die Charaktere. Eigentlich mag ich es ein wenig lieber, wenn wir Leser überrascht werden (was im Roman durchaus passiert), aber hier hat es viel Spaß gemacht, die Zusammenhänge zu sehen, die den Charakteren verborgen blieben.

Die Charaktere selbst sind bis auf Hector (den Friseur/Auftragskiller) und Padma (die Casino-Chefin) relativ blass, aber dadurch, dass der Fokus eher auf der Handlung liegt, hat mich das nicht gestört.

Was dafür andere Leser stören könnte, sind die vielen Zufälle, Missverständnisse und Kommunikationsschwierigkeiten, auf denen die Handlung basiert. Ich mag sie allgemein betrachtet auch nicht, aber hier waren sie so humorvoll umgesetzt, dass ich sie sogar als Stärke des Romans wahrnahm. Es war wunderbar chaotisch, fast schon wie in einer Komödie, in der einfach alles schief geht, was schief gehen kann, bevor die Handlung letztendlich zu einem zufriedenstellenden Ende findet. Von daher ein weiterer Faktor, der zum großartigen Humor beigetragen hat!

Wer also einen spannenden Roman mit bösem Humor lesen will, ist hier bestens bedient. Mir persönlich hat das Lesen auf jeden Fall sehr gefallen!

Die Schwestern von Krakau
576 Seiten

Tatjana König, eine Psychologin mittleren Alters, ist ganz schön überrascht, als eine Édith mit ihr Kontakt aufnimmt. Kürzlich ist Édiths Vater Simon gestorben, hat aber kurz davor herausgefunden, dass er adoptiert worden ist – und seine eigentliche Familie ist die Tatjanas. Tatjana selbst ist überrascht darüber – ihre Großmutter Lilo betrauerte immer, dass Simon als Kind gestorben wäre und redete sonst nicht von ihrer Krakauer Vergangenheit, ganz zu schweigen von Helene, ihrer Schwester und Simons Mutter. Tatjana ist fest entschlossen, herauszufinden, was damals geschah und damit die letzten Geheimnisse ihrer Familie zu lüften …

Ich brauchte eine Weile, um in diesen schönen Roman reinzukommen, weil mich die schiere Menge an Charakteren und Beziehungen am Anfang etwas überfordert hat. Zwar gibt es am Anfang eine Liste der wichtigsten Charaktere, aber ich habe mir vorsichtshalber selbst einen kleinen Stammbaum erstellt, um auch die Beziehungen zwischen ihnen im Blick zu behalten. Das hat tatsächlich sehr geholfen, betont aber auch, dass es nicht ganz leicht ist, seinen Weg in den Roman zu finden.

Hat man es dann allerdings geschafft, erwartet einen eine schöne, berührende Geschichte über Tatjana, die in Krakau die Geschichte ihrer Großmutter Lilo untersucht und sich dabei verliebt, und über Lilo selbst, die damals beim Apotheker Pankiewicz angestellt war und auf ihre Weise versucht hat, einen Beitrag zu leisten. Besonders letztere Geschichte hat mich sehr bewegt, weil sie so spannend, emotional und allgemein interessant zu lesen war. Die Tatsache, dass Pankiewicz und Gusta, mit denen die fiktive Figur Lilo sich anfreundet, tatsächliche Widerstandskämpfer waren, hat die Handlung noch mehr aufgewertet. Allgemein ist die Mischung zwischen fiktiver und realer Handlung sehr gelungen.

Das einzige, was mich überraschte, war, was für eine kleine Rolle Édith und ihr Vater Simon letztendlich einnahmen. Dadurch, dass Simons Verbindung zu Tatjanas Familie der eigentliche Aufhänger der Geschichte war, hatte ich erwartet, noch mehr von ihm und Édith zu lesen, doch letztendlich liegt der Fokus hauptsächlich auf Tatjana und Lilo. Zwar erfahren wir natürlich, was es genau mit Simons Adoption auf sich hat (was ein großartig gelüftetes Geheimnis war!), aber ich hätte nichts dagegen gehabt, hätte seine Handlung noch mehr Fokus erhalten.

Insgesamt also ein spannender, schön geschriebener Roman, der am Anfang zwar etwas vertrackt, aber letztendlich ein angenehmes Leseerlebnis war.

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
384 Seiten

Mit fünf Jahren hat Minnas Mutter ihren Tod im Bücherlabyrinth gefunden. Elf Jahre später will Minna herausfinden, was wirklich mit ihr geschah. Sie fängt eine Ausbildung zur Büchersucherin bei dem grimmigen Raban Krull an, in der Hoffnung, mehr Informationen zu sammeln. So erfährt sie, dass ihre Mutter noch am Leben ist - hinter den Spiegeln, hinter denen sie von Anonymus, dem Bösewicht, verbannt wurde. Doch jetzt droht Anonymus zurückzukehren und Minna ist entschlossen, das Buch der Verlorenen zu finden, um ihre Mutter zurückzuholen. Zusammen mit Rabans anderen Lehrlingen, dem tollpatschigen Gulliver und dem intelligenten Jascha, macht sie sich auf eine Suche, die sie nur zusammen bewältigen können ...

Dieses charmante Kinderbuch war so eine Freude zu lesen, dass ich gar nicht weiß, wo ich mit meinem Lob anfangen soll! Zunächst einmal erzählt es ein kreatives, spannendes Fantasyabenteuer, das nicht nur für Kinder ab elf Jahren, sondern durchaus auch für Erwachsene geeignet ist. Tatsächlich haben diese den Vorteil, die vielen Referenzen an die Literatur und alles, was damit zu tun hat, besser zu verstehen. Immer, wenn ich eine las, musste ich schmunzeln, weil die Geschichte so einen Mehrwert bekam, der mir zusätzlichen Spaß bereitet hat. Einfach großartig!

Zugegeben sah ich als Erwachsene zumindest einige der Handlungsentwicklungen kommen, aber das hat meiner Freude keinen Abbruch getan. Dafür war die Schnitzel- und Rätseljagd und das Entdecken der Büchergeschöpfe viel zu spaßig. Ich liebe es einfach, wie viel Liebe und Kreativität in dieses Buch geflossen ist!

Aber das beste waren die Charaktere. Speziell die drei Lehrlinge (Minna, Gulliver und Jascha) waren alle großartig und ich mochte es, wie ihre Hintergrundgeschichten ihnen Tiefe verliehen. (Jascha war dabei natürlich mein Liebling.) Aber auch Charaktere wie Litotes und Parzival, die unregelmäßiger vorkommen, haben die Geschichte bereichert und waren meine beiden Lieblings-Nebencharaktere. Hier fand ich es auch erfrischend, Charaktertypen zu sehen, die speziell in Kinderbüchern immer noch zu selten vorkommen.

Nur Raban, den Ausbilder der drei Hauptcharaktere, mochte ich nicht. (Was zugegeben auch beabsichtigt ist.) Tatsächlich mochte ich ihn noch weniger als den Antagonisten, weil ich sein Verhalten speziell Gulliver gegenüber schlicht unentschuldbar fand. Ich hoffe, dass der zweite Band die komplexe Beziehung zwischen Vater und Sohn weiter vertiefen wird, denn zumindest im ersten Band wirkte Raban auf mich zu unsympathisch, um seine guten Seiten wertschätzen zu können. Aber auch über mehr positive Frauenfiguren würde ich mich sehr freuen – Minna und Litotes waren hier großartige Beispiele für eine sympathische Heldin bzw. Nebenfigur, aber ich hätte nichts gegen noch mehr!

Insgesamt ein großartiges Fantasyabenteuer, das glücklicherweise nicht nur für Kinder geschrieben ist. Für mich ist es zu einem kleinen Highlight geworden. :)

Vergissmeinnicht - Was die Welt zusammenhält
528 Seiten

Quinn und Matilda sind glücklich zusammen, doch um die Welt zu retten, braucht es mehr als ihre Liebe. Als Auserwählter muss Quinn bald das Sternentor-Ritual durchführen, das über das Schicksal der Welt entscheiden wird, während Matilda sich Sorgen darüber macht, dass die Schwarzalben den Schulball nutzen werden, um anzugreifen. Als sie versucht, das Göttliche Orakel, das in die Hände der Feinde gelangt ist, zu befreien, gerät sie dabei selbst in Gefahr – und muss ihre eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen, wenn sie daraus entkommen will …

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich den ersten und zweiten Band der Vergissmeinnicht-Reihe gelesen habe, weshalb ich sehr dankbar war, dass es vorne ein „Was bisher geschah“ und hinten ein Personenverzeichnis gibt. Sicher werden das nicht alle Leser:innen brauchen, aber allein dadurch, dass beides aus Bax’ Perspektive geschrieben ist, lohnt sich das Lesen trotzdem.

Danach hatte ich zugegeben Probleme, in die Geschichte hineinzufinden, denn der Anfang ist sehr langsam und es passiert recht wenig, sodass ich nicht einmal zusammenfassen könnte, was genau geschehen ist. Erst nach ungefähr zweihundert Seiten nimmt die Geschichte Fahrt auf, als Matilda Madame Mirabelle befreien will, gefolgt vom Schulball, den spannenden Ritual-Prüfungen, einer abenteuerlichen Reise nach Südengland und einem sehr zufriedenstellenden Ende. Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Handlung war, zumindest für mich, recht eintönig – aber mehr als die restliche Hälfte war so spannend und gut geschrieben, dass ich mühelos mitfiebern konnte.

Natürlich gibt es noch ein paar andere erwähnenswerte Punkte, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne (so fand ich, dass Dev und Cassian großartige Charaktere waren, die die gesamte Geschichte aufwerteten, aber die Menge an Charakteren allgemein war mir zu hoch), aber letztendlich läuft es darauf hinaus, dass mir die (wichtigere) Hälfte sehr gut gefiel, man aber zuvor die erste Hälfte hinter sich bringen muss, um zu den großartigen Parts zu kommen. Aus diesem Grund fällt es mir schwer, diese Geschichte vernünftig zu bewerten, weil ich mir vorstellen kann, dass einige Leser:innen es nicht bis zur zweiten Hälfte schaffen, während andere sich überhaupt nicht an der ersten Hälfte stören.

Aus diesem Grund komme ich zu dem Schluss, dass ich den Abschlussband der Trilogie gut fand – aber nur die zweite Hälfte sehr gut. Doch hoffe ich, dass andere Leser:innen umso begeisterter vom dritten Band sind!

The Blood Traitor
400 Seiten

Zurück in Zalindov, hat Kiva alles verloren: Ihre Liebe, ihre Freiheit, ihre Freunde – und ihren Willen, weiterzuleben. Doch in der Hoffnung, doch noch alles wiedergutzumachen, kämpft sie weiter, auch wenn sie nicht glaubt, dass Jaren ihr jemals verzeihen wird. Trotzdem will sie ihm unbedingt seine Magie wiedergeben und ihre Schwester Zuleeka stürzen, bevor alles zu spät ist ...

Der dritte und letzte Band hält für Kiva ganz besondere Herausforderungen bereit und diese haben mir (neben ihrer unerwarteten Freundschaft zu Cresta) am besten gefallen. Ob sie nun eine Sucht loswerden, in einer Arena auf Leben und Tod kämpfen, sich ihren größten Ängsten stellen oder einen Berg bewältigen muss: Lynette Noni stellt sie erfolgreich vor Herausforderungen, die sie an ihre Grenzen bringen. Meine liebste Herausforderung war dabei die, in der Kiva mit einer ihrer Ängste konfrontiert wird, doch alle Aufgaben waren letztendlich großartig zu lesen.

Wie bereits erwähnt ist Cresta in diesem Band besonders hervorgestochen, zusammen mit Caldon, der ohnehin immer für eine großartige Szene sorgt. Tatsächlich war es Jaren selbst, der mich in diesem Band nicht ganz überzeugen konnte, weil ich seine Wandlung – zumindest aus Kivas Perspektive, der wir folgen – nicht ganz nachvollziehen konnte. Für mich kam sie zu plötzlich, auch wenn sie mir letztendlich gefiel.

Dafür gibt es wieder ein, zwei überraschende Twists, die durch das Foreshadowing, das Lynette Noni einbaut, noch erfolgreicher werden. Ich glaube, das war mein Lieblingsaspekt des ganzen Re-Reads: All die Details zu bemerken, die ich beim ersten Lesen verpasste. Zudem las sich das Buch trotz der Tatsache, dass ich es schon kannte, immer noch sehr spannend.

Noch mehr als im letzten Band gab es hier so einige Stellen, die mich emotional berührt und zu Tränen gerührt haben, denn ein Re-Read hat nichts an ihrer Wirkung verändert. Diese Reihe gehört immer noch zu meinen absoluten Lieblingen und ich kann sie sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch empfehlen!

The Gilded Cage
448 Seiten

Endlich ist Kiva zusammen mit Jaren, seiner Familie und ihren Freunden in Vallenia, wo sie ihre eigene Familie wiedertreffen und ihre Umsturzpläne in die Tat umsetzen kann. Nur, dass letzteres für sie immer schwieriger wird: Denn je mehr Zeit Kiva mit Jaren und seiner Familie verbringt, desto mehr gerät sie in einen Zwiespalt. Einerseits möchte sie ihre Schwester Zuleeka und ihren Bruder Torell bei ihren langjährigen Plänen, die Königsfamilie zu stürzen, unterstützen – andererseits wächst ihr genau diese Familie immer mehr ans Herz, bis sie selbst nicht mehr weiß, auf welcher Seite sie letztendlich steht. Doch bald wird sie sich entscheiden müssen – zwischen ihrer neuen und ihrer alten Familie …

„The Gilded Cage“ war schon auf Deutsch mein Lieblingsteil der Prison-Healer-Trilogie und das hat sich auf Englisch nicht geändert. Er hat einfach die perfekte Balance: Eine süße Slow-Burn-Romanze zwischen Kiva und Jaren, die viele romantische Szenen miteinander teilen; eine packende Freundschaft zwischen Kiva und Caldon, die sich auf natürliche Weise entwickelt und meine Lieblingsszene des Buches enthält; eine komfortable Atmosphäre verwoben mit dramatischen Szenen, die mich stets zum Weiterlesen antrieben; und natürlich viele Twists, bei denen es im Re-Read Spaß machte, ihr Foreshadowing zu bemerken. Es war eine Geschichte, in der ich am liebsten selbst leben wollte, so leicht fiel es mir, mich in sie hineinfallen zu lassen.

Viel mehr habe ich tatsächlich nicht zu sagen – ich habe „The Gilded Cage“ vollauf genossen und freue mich schon auf das Lesen des letzten Teils!

The Prison Healer
416 Seiten

Seit zehn Jahren lebt die siebzehnjährige Kiva im berüchtigtem Gefängnis Zalindov und ist fast so lange die Gefängnisheilerin. Seit Jahren verspricht ihre Familie ihr, sie zu befreien, doch erst, als die Rebellin Tilda Corentine gefangen genommen wird, besteht zum ersten Mal die Möglichkeit auf Freiheit. Doch nur, wenn Kiva dafür sorgt, dass sie am Leben bleibt, wozu sie deren Strafe auf sich nehmen muss: Vier Elementarprüfungen, die bisher noch niemand überlebt hat. Doch sie ist nicht allein: Jared, ein Gefangener, Naari, eine Gefängniswärterin, und Tipp, ihr junger Helfer, helfen ihr dabei, sowohl die Prüfungen als auch den Ausbruch einer neuen Krankheit zu überstehen …

Ich habe die Prison-Healer-Trilogie bereits auf Deutsch gelesen, wollte jedoch unbedingt auch das Original erleben – und bin immer noch begeistert davon! Gerade beim zweiten Lesen war es faszinierend, mit dem bereits bekannten Wissen eine neue Perspektive auf viele Szenen und Details zu bekommen, die ich beim ersten Lesen logischerweise nicht hatte. Das Foreshadowing ist einfach meisterhaft, einerseits subtil eingebaut und andererseits so logisch im Nachhinein.

Doch das ist noch nicht mal das Beste: Die Beziehungen, die Kiva zu Jaren, Naari und Tipp hat, waren mein persönliches Highlight. Alle Charaktere waren unglaublich sympathisch und ich mochte es, wie sie Kiva immer mehr und mehr ans Herz wuchsen. Ihre aufblühende Romanze mit Jaren ist süß und liebevoll, ihre Freundschaft mit Naari sogar die Beziehung, in die ich am meisten investiert war und ihre schwesterliche Beziehung zu Tipp ebenfalls sehr süß. Andere Charaktere wie Cresta, Mirryn und Caldon, die erst in späteren Teilen eine größere Rolle spielen, haben hier nur wenig Screentime, machen aber einen guten ersten Eindruck.

Ich glaube, die einzige Kritik, die bei meinem Re-Read deutlicher wurde, war die langsame Geschwindigkeit, in der sich die Handlung am Anfang bewegt; dadurch, dass der Roman sich so stark auf Charakterbeziehungen konzentriert, dauert es eine ganze Weile, bis die eigentlichen Prüfungen losgehen, was mich zwar nicht störte, aber möglicherweise für andere Leser:innen als zu langsam empfunden werden könnte.

Nichtsdestotrotz liebe ich diese Geschichte immer noch sehr und werde auch die anderen beiden Teile auf Englisch lesen!

Five Broken Blades
496 Seiten

Als Gottkönig gilt der Herrscher Joon als unsterblich, doch um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen, tun sich sechs Menschen zusammen, um ein Attentat auf ihn zu planen. Sie alle gelten von nun an als Verräter: Euyn, der verstoßene Bruder des Königs; Mikail, dessen Liebhaber und Spion für den König; Sora, eine ausgebildete Giftmörderin; Tiyung, der sie als Prinz unterstützen mochte; Aeri, eine begnadete Diebin; und Royo, ihr unfreiwilliger Leibwächter. Doch ihnen ist klar, dass sie sich gegenseitig nicht vertrauen dürfen, denn beim Erreichen ihrer persönlichen Ziele werden sie gezwungen sein, sich gegenseitig zu verraten …

Dieser Fantasyroman überzeugt vor allem durch seine Charaktere und Charakterdynamiken, die für mich definitiv das Highlight waren. Euyn und Mikail, Sora und Tiyung, Royo und Aeri: es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, ihre Interaktionen zu verfolgen, weil die Duos eine so hervorragende Chemie miteinander hatten. Besonders ist hierbei auch, dass ich tatsächlich alle drei Duos gleichermaßen ansprechend fand. Normalerweise entwickle ich schnell eine Präferenz für ein oder zwei Paare und nehme die anderen Charaktere eher als Nebenfiguren wahr, doch hier mochte ich tatsächlich alle drei Duos und alle sechs Charaktere.

Am besten an den Charakteren selbst waren ihre Hintergrundgeschichten, die sehr einnehmend beschrieben waren und genau die richtige Balance zwischen Informationen und Geheimnissen hatten. Ich glaube, das einzig Negative daran war, dass es diese Informationshäppchen relativ leicht machten, den Verräter der Gruppe zu erraten – aber allzu gestört hat mich das nicht, weil es dafür andere, kleinere Twists gibt.

Natürlich kommt der große Fokus auf die Charaktere und einzelnen Duos mit Opfern einher: Die Dynamiken außerhalb der Duos kommen definitiv zu kurz, wir bekommen nur wenig von der Welt mit und eine Charakterentwicklung habe ich nur bei Royo bemerkt. Das sind Punkte, von denen ich hoffe, dass sie im zweiten Band besser balanciert werden – speziell bei Euyn, der in einem misogynen Staat aufgewachsen ist, hätte es sich angeboten, seine Ansichten gegenüber Frauen zum Positiven zu verändern.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman gut für Fans charakterbasierter Handlung geeignet, die schon Bücher wie „Das Lied der Krähen“ mochten. Allerdings möchte ich betonen, dass der Schreibstil im Gegensatz zu der Krähen-Dilogie um einiges moderner ist; schlicht, direkt und spannend, was mir durchaus gefiel, aber nicht so klassisch, wie ich es gerne gehabt hätte. Nicht unbedingt eine Kritik, sondern eher eine Anmerkung für diejenigen, die Interesse an der Geschichte haben und sich nicht sicher sind, ob ihnen der Schreibstil gefällt.

Mir jedoch hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon darauf, den zweiten Band zu lesen!

Die verborgene Tochter
368 Seiten

Eigentlich will Georgia mit der kleinen Schachtel, die ihrer verstorbenen Großmutter vererbt werden sollte, nichts zu tun haben. Zu groß ist der Schmerz darüber, dass ihre Großmutter sie nach dem Tod von Georgias Eltern komplett allein ließ. Als sie sich Monate später wieder an die Schachtel erinnert, wird sie aber doch neugierig: Was hat es mit dem rosafarbenen Saphir auf sich, der sich im Inneren befindet? Sie nimmt Kontakt zu dem Sammler Luca auf, der feststellt, dass der Saphir das seit langem fehlende Stück eines Diadems ist. Doch wie kam es dazu, dass der Saphir seinen Weg in Georgias Hände fand? Georgia sucht nach ihrer Familiengeschichte, in der Hoffnung, damit auch ihre Zukunft zu finden ...

Manchmal brauche ich einfach etwas Leichtes zum Runterlesen und Wohlfühlen, weshalb ich die "Verlorene Töchter"-Reihe so mag. Obwohl es auch hier die eine oder andere dramatische Szene gibt, besteht der Fokus auf den zwei Liebesgeschichten, die in der Vergangenheit und Gegenwart spielen: Georgia mit Luca und Delphine mit Florian. Beide Romanzen muten fast schon disneyhaft an, aber gerade das fand ich so einnehmend an ihnen: Sie waren wunderbar kitschig und kamen mir trotz der kurzen Zeit, in denen sich beide Paare kannten, überraschend glaubhaft vor.

Besonders die Gegenwart mit Georgia hat mich sehr gefesselt. Ihre Trauer um ihre vor langer Zeit verstorbenen Eltern und ihre Enttäuschung über das distanzierte Verhalten ihrer Großmutter waren über den ganzen Roman hinweg spürbar, während wir gleichzeitig einen Einblick in ihre Wahlfamilie bekommen haben, von denen speziell ihre beste Freundin/Schwesterfigur Sam hervorgestochen ist. Gleichzeitig bekommen wir die süße Romanze mit Luca, der zugegeben ein relativ flacher Love Interest ist, der seine Rolle zwar perfekt erfüllt, für mich aber nicht ganz so einnehmend war wie Georgias Beziehung zu ihrer Familie.

Tatsächlich hätte es mir sehr gefallen, wenn speziell die komplizierte Beziehung zu ihrer Großmutter in den Fokus gerückt worden wäre. Wir erfahren zwar die Gründe für ihre Distanziertheit, aber mir persönlich hätte es besser gefallen, wäre sie noch am Leben gewesen und hätte sich mit Georgia aussprechen können. Gerade, nachdem Delphines Geschichte sie nach Hope's House bringt, wäre meiner Meinung nach eine gute Gelegenheit gewesen, auch Georgias Großmutter eine aktive Stimme zu geben.

Was mir dafür aber immer noch gefällt, ist die Art und Weise, auf die Soraya Lane eine ähnliche Storystruktur nimmt und in jedem Band neue Wege findet, sie erfrischend und gleichzeitig vertraut zu gestalten. Vom Prinzip her ähnelt dieser Band natürlich den anderen, für manche Leser:innen vielleicht sogar zu sehr. Aber für mich fühlte er sich immer noch neu an – und ich hoffe, dass die Autorin in zukünftigen Bänden weitere Wege finden wird, die Handlung frisch zu halten!

Der dunkle Kuss der Sterne
528 Seiten

Als Canda am Tag vor ihrer Hochzeit erwacht, erkennt sie sich selbst nicht mehr wieder: Ihr einzigartiger Glanz, ihre Schönheit, ist verschwunden – und mit ihr Tian, ihr Verlobter. Während die Herrscher Ghans daran glauben, dass Tian sie verlassen hat, glaubt Canda fest an eine Entführung. Zusammen mit Amad, Sklave und Jäger der obersten Herrscherin, soll sie Tian finden – und, sofern er schuldig ist, töten. Und zum ersten Mal lernt Canda die Welt außerhalb ihrer glänzenden Stadt kennen und zweifelt an dem, was sie bisher zu wissen glaubte …

Vor zehn Jahren kam „Der dunkle Kuss der Sterne“ erstmalig raus und obwohl ich die Geschichte zwischen 2014 und 2024 mehr als einmal gelesen habe, ist es die exklusive Drachenmond-Schmuckausgabe, die mich nach längerer Zeit in die Welt zurückführte. Obwohl ich zugegeben muss, dass Nostalgie meine Meinung sicher stark beeinflusst, ist die Geschichte immer noch so schön wie in meiner Erinnerung.

Nicht nur ist der Schreibstil flüssig und wunderschön, auch die Charaktere und die Welt können immer noch überzeugen: Candas Charakterentwicklung ist so zufriedenstellend und ihre Romanze mit Amad sehr gut umgesetzt. Beide Charaktere sind nicht nur für sich überzeugend, sondern auch in ihren Interaktionen miteinander.

Von den anderen Charakteren sticht vor allem Juniper hervor, aber ich war positiv überrascht darüber, wie wenige Sätze Nina Blazon brauchte, um selbst unwichtige Charaktere auf eine Weise zu beschreiben, die sie real machte. Das gilt auch für die Welt an sich: Wir lernen einen vergleichsweise kleinen Teil von ihr kennen, aber die Details, mit der Nina Blazon sie füllt, machten sie mindestens so lebendig wie die Hauptcharaktere. Das war in meinem Re-Read das, was mir wohl am stärksten aufgefallen ist: Wie groß und gewaltig sich die Welt anfühlt, in der die Geschichte spielt.

Wegen den Charakteren und der Welt machte es mir nichts aus, dass der Anfang der Geschichte recht langsam ist, zumal ich langsame Anfänge ohnehin mag, aber zugegeben ist es etwas, das andere Leser:innen kritischer aufnehmen könnten. Es dauert eine Weile, bis die Reise startet und noch länger, bis der große Twist sie in eine andere Richtung führt. Natürlich passieren währenddessen viele relevante Dinge, aber ja, der Anfang bleibt trotzdem relativ langsam.

Damit wären wir beim letzten Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte: Den großartigen Twist, der alles, was davor geschah, in eine andere Perspektive rückt. In einem Re-Read ist es sehr viel leichter, das Foreshadowing zu bemerken, aber dennoch bleibt es ein Twist, der die gesamte Handlung noch viel besser macht, als sie ohnehin schon ist. Nicht nur macht es Spaß, die vielen frühen Hinweise zu entdecken, sondern auch, sich nach und nach an die kleineren Twists und Details zu erinnern, die ich fast vergessen hatte.

Insgesamt also ein großartiger Fantasyroman für alle, die Quests und Romanzen lieben!

Red Umbrella Society – Der Biss der Schlange
320 Seiten

Nach Davids Verrat schließt Skadi sich ihrem Meister Ikaris an, um etwas gegen Priscilla zu unternehmen. Dadurch lernt sie Ikaris besser kennen und begreift, dass mehr in ihm steckt, als es zunächst den Anschein hatte. Doch sie vermisst David immer noch, obwohl sie nicht weiß, ob sie ihm je wieder vertrauen könnte. Um gegen Priscilla vorzugehen, braucht Skadi jedoch die Hilfe von beiden …

Wie schon der erste Teil ist auch der Abschlussband der Red Umbrella Society locker, humorvoll und spannend geschrieben, sodass es ein leichtes war, in der Geschichte zu versinken – doch muss ich zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, wie sehr er mir letztendlich gefallen hat.

Das Beste am Band war definitiv Ikaris, der bereits im ersten Band ein faszinierender Charakter war und im zweiten zu meinem absoluten Liebling wurde. Seine Art ist sehr einnehmend, doch am fesselndsten war seine Hintergrundgeschichte, die in diesem Band ausführlich beleuchtet wird. Überhaupt liegt der Großteil des Fokus auf ihm, wobei ich übrigens nicht sagen würde, dass er tatsächlich Teil eines Liebesdreiecks ist – trotz seiner Masse an Screentime war ziemlich klar, dass er und Skadi nicht wirklich zueinander gehören. Hier hätte ich es erfrischend gefunden, wenn seine Rolle als platonischer Freund stärker betont worden wäre, aber gestört hat mich seine Rolle als potentieller Love Interest trotzdem nicht, weil er als Charakter so großartig war.

Dadurch, dass Ikaris so eine wichtige Rolle in diesem Band einnimmt, kommt David dafür leider viel zu kurz. Erst nach hundertfünfzig Seiten taucht er überhaupt zum ersten Mal auf und danach nur in vereinzelten, kurzen Szenen. Das fand ich sehr enttäuschend, zumal er und Ikaris im ersten Band sehr viel gleichberechtigter behandelt wurden, was ihre Screentime angeht. Zwar habe ich nichts dagegen, wenn der Love Interest eines Protagonisten weniger Screentime als die anderen Charaktere bekommt, aber hier war das Ungleichgewicht so stark, dass es mir negativ auffiel.

Auch K, die im ersten Band für viele witzige Szenen sorgte, habe ich hier schmerzlich vermisst. Fast scheint es, als wäre die Screentime aller übrigen Charaktere drastisch reduziert worden, um Ikaris zum zweiten Hauptcharakter zu machen, was ihm sehr gut getan hat, allen anderen Charakteren aber schadete. Eine bessere Balance wäre mir hier sehr willkommen gewesen.

Das Ende ist recht plötzlich und wird sehr schnell abgewickelt, aber insgesamt hat es mir gut gefallen. Den Band selbst würde ich aber nur den Ikaris-Fans empfehlen, weil er mit Abstand das Highlight war und andere Charaktere leider zu kurz kommen.