Um seiner Familie finanziell zu helfen, hat sich Emilio einen Chip implantieren lassen, mit dem alles, was er mit seinen Augen sieht, auf eine Videoplattform übertragen wird. Mit riskanten Stunts sorgt Emilio für Zuschauer - und für Geld. Als er dann allerdings in Notwehr ein Gangmitglied vor laufender Kamera umbringt, geht alles drunter und drüber: Das Video sorgt dafür, dass Emilio zwar mehr als genug Geld für seine Familie verdient - aber auch, dass er überall in der Stadt von den anderen Mitgliedern der Gang gejagt wird ...
Sehr positiv hervorzuheben ist die Spannung des Romans, die durch die wilden Verfolgungsjagden entsteht. Sehr schnell gerät Emilio in immer größere Gefahr und das war so gut umgesetzt, dass ich in Windeseile weiterlas, um herauszufinden, wie es weitergeht - beinahe kam ich mir wie einer seiner Zuschauer vor!
Apropos: Auch die subtile Kritik bezüglich Videoplattformen und wie weit Unternehmen gehen würden, um Views/Geld zu bekommen, war imho gut eingebaut. Sie ist mitnichten der Hauptfokus des Buches, aber zwischen den Zeilen deutlich genug zu erkennen.
Die Charaktere bleiben relativ blass, sind aber sympathisch genug, dass man sich ein zufriedenstellendes Ende für sie wünscht. Nur die Romanze zwischen Emilio und Lyssa fand ich relativ unnötig, aber glücklicherweise ist sie ohnehin nur eine Nebenhandlung.
Insgesamt ein toller Jugendroman!
Ein wunderschönes Buch über einen Küchenmeister, der entschlossen ist, die Liebe seines Lebens zu finden. Jede Speise bringt ihn näher an sein Ziel - doch seine Liebste, Kamer, ist Teil eines Harems und für ihn unerreichbar ...
Das Leben des Meisterkochs hat mich unglaublich fasziniert. Die Art und Weise, wie er seine Kochkünste immer weiter verbessert, hat mir sehr gefallen, weil man einen guten Eindruck davon bekommt, wie viel selbst mit natürlichem Talent noch zu lernen ist. Auch seine Beziehung zu Kamer, obschon die beiden gar nicht mal so viel Zeit miteinander verbringen, hat mich gepackt und ihre gemeinsamen Szenen gehören definitiv zu meinen liebsten.
Die Gerichte sind alle so gut beschrieben, dass ich sie regelrecht auf der Zunge schmecken konnte - und mehr als einmal Hunger bekam. ;) Der Detailreichtum, mit dem die ganze Kunst des Kochens bereichert wurde, war hierbei ein großes Plus.
Insgesamt ein wunderschöner und empfehlenswerter Roman!
Eine Hochzeit, mehrere Gäste und eine Leiche: Julia, genannt Jules, heiratet den Schauspieler Will und beide laden mehrere Personen zu ihrer Feier ein. So schlüpfen wir in die Köpfe von Jules, der Braut, Aoife, der Hochzeitsplanerin, Hannah, der Begleitung, Johnno, dem Trauzeugen und Olivia, der Brautjungfer. Die unausgesprochenen Geheimnisse jeder einzelnen Figur haben das Lesen besonders spannend gemacht, besonders, als die Geheimnisse nach und nach ans Licht kommen.
Auch schaffte es Lucy Foley, dass ich mit jedem Sichtcharakter mitfühlen konnte, was es noch spannender machte, der eskalierenden Handlung zu folgen. Denn wie in ihrem ersten Thriller "Neuschnee", bei dem sowohl die Identität des Opfers als auch die des Täters bis zum Schluss geheim bleiben, geht es auch in diesem Thriller nicht darum, wer der Mörder ist, sondern, wer es werden wird - und wen er dabei mit in den Abgrund zieht.
Diese ungewöhnliche Herangehensweise begeisterte mich sehr, weil selbst, nachdem klar ist, welcher Charakter am meisten gehasst wird, sich nicht nur die Frage stellt, ob dieser Charakter Mörder oder Opfer sein, sondern auch, wer den gegenteiligen Part einnehmen wird.
Zudem hat Lucy Foley dafür gesorgt, dass man die Twists des Buches, wenn man aufmerksam ist, tatsächlich erraten kann - mit ihrer Geschichte baut sie geschickt ein Puzzle, dessen Teile nahtlos ineinander greifen und dessen Bild für einen scharfsinnigen Leser eventuell schon vorher sichtbar wird. Das Foreshadowing ist einfach meisterhaft und bei den Twists, die ich nicht erriet, habe ich mich im Nachhinein gefragt, wie ich so blind habe sein können. Meiner Meinung nach also die perfekte Art von Twists!
Rundherum ein sehr empfehlenswerter Thriller für alle, die es lieben, wenn jedes Detail am Ende seinen Platz findet!
Nach einer Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse befreit Prinz Alfehr, genannt Alfie, die schwarze Magie aus ihrem Gefängnis. Sie sucht sich in einem bösen Mann namens Ignacio einen Hort, dessen oberstes Ziel es ist, seine Ziehtochter Finn, eine Gesichtsdiebin, in seine Gewalt zu bekommen. Zusammen müssen Alfie und Finn zusammenarbeiten, um die schwarze Magie wieder einzusperren - was nicht leicht ist, weil die beiden unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie sie ihr Ziel erreichen sollen ...
Alfie und Finn waren fantastische Charaktere und ihre Dynamik hat mir außerordentlich gut gefallen. Obwohl der Antagonist klassisch böse ist, war die Handlung sehr spannend und ich habe mich mehr als einmal gebannt gefragt, wie Alfie und Finn gegen ihn ankommen sollen; das Finale war in diesem Sinne perfekt und hat schön gezeigt, wie die beiden sich im Verlauf der Handlung entwickelt haben.
Nur zwei kleine Kritiken gibt es: Zum einen wäre da die Kurzbeschreibung der Charaktere im Klappteil des Umschlags, die einige wichtige Dinge vorwegnimmt (und teils sogar falsch beschreibt) und auf die man getrost verzichten könnte; zum anderen wären da die spanischen Ausdrücke im Buch, wie "sí" und "entiendes". Da die Charaktere bereits Spanisch sprechen und wir ihren Dialog quasi "übersetzt" lesen, kam es mir reichlich sinnfrei vor, trotzdem regelmäßig spanische Wörter in ihre Unterhaltungen einzubauen.
Davon abgesehen ist das Buch ein toller Fantasy-Roman, der seine Magie kreativ umsetzt und über zwei wunderbare Protagonisten verfügt. Wer auf so etwas Wert legt, ist hier genau richtig!
Rachel Cunnigham hat ihre Mutter erschossen, als sie elf Jahre alt war. Sie erinnert sich deutlich daran - wie sie das Gewehr in der Hand hielt, abdrückte und ihre Mutter tot zu Boden fiel. Wie ihr Vater angerannt kam, sich das Gewehr schnappte und damit sich selbst erschoss. Seitdem lebt Rachel in einer psychiatrischen Klinik, unfähig, ihre Schuldgefühle zu überwinden.
Bis fünfzehn Jahre nach dem Ereignis ein Reporter namens Trevor Lehto sie um ein Interview bittet und ihr dabei den damaligen Polizeibericht zeigt. Und dort steht es schwarz auf weiß: Der Rechtsmediziner hat ausgeschlossen, dass sie das Gewehr abgefeuert haben kann. Rachel hat ihre Mutter nicht getötet. Sie hat fünfzehn Jahre umsonst in einer Klinik verbracht. Doch - warum erinnert sie sich dann so deutlich daran? Aus diesem Grund kehrt sie nach Hause zu ihrer Schwester Diana und ihrer Tante Charlotte zurück, um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen ...
Insgesamt handelt es sich bei "Die Rabentochter" um einen spannenden Thriller, dem es hervorragend gelingt, verschiedene Details der Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden. Karen Dionne schafft es mühelos, dem Leser Puzzleteile für Puzzleteile zu präsentieren und teils ihren Kontext zu verändern, bis am Ende ein stimmiges Bild herauskommt.
Zumindest fast. Ein kleines Detail gab es, das mir auch nach dem Ende nicht klar geworden ist: Früh wird etabliert, dass Rachel sich gerne mit Tieren unterhält und ihre Antworten hört. Offensichtlich handelt es sich dabei um ihre blühende Fantasie, aber gleichzeitig helfen vor allem die Raben Rachel dabei, Geheimnisse aufzudecken und Schwierigkeiten zu entkommen. Wie das möglich sein soll, wenn es sich bei den Unterhaltungen nur um Wahnvorstellungen handelt, war mir hierbei nicht klar.
Auch die Darstellung von Psychopathen fiel mir kritisch ins Auge. Als Rachels Schwester Diana als eine identifiziert wird, betont der zuständige Doktor, dass reale Psychopathen nicht so wie die sind, die man aus den Medien kennt ... nur, dass Diana sich genau so verhält, wie man es von einer Psychopathin in den Medien erwarten würde. Andererseits merkt man, dass Karen Dionne durchaus recherchiert hat - Diana entspricht nämlich auch dem Bild eines realen Psychopathen. Von daher ist dies wohl ein Punkt, der bei jedem anders ankommen wird.
Trotz der genannten Schwächen hat mir der Thriller gut gefallen, vor allem, weil die Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart ein so tolles, zusammenhängendes Bild gibt. Es war toll, die Informationen stückweise zu erfahren und selbst zusammenzusetzen.
Wer mal wieder einen schönen, spannenden Thriller lesen will und sich an den erwähnten Schwächen nicht stört, ist hier gut bedient!
An einem Tag wie jedem anderen steigt die 76-jährige Gladys in einen Zug und lässt ihre suizidale Tochter alleine zurück. Ein junger Lehrer verfolgt ihre Reiseorte, um ihre Beweggründe herauszufinden, die sich niemand erklären kann.
Auf dem Weg begegnet der junge Lehrer mehreren Persönlichkeiten, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Während er die Geschehnisse rekonstruiert, kommt er der Wahrheit immer näher - und als der Leser sie mit ihm erfährt, ändert sich seine Sichtweise komplett.
Tod spielt wie schon in "Ein Leben mehr" eine entscheidende Rolle und wurde auf herzzerreißende Weise hier umgesetzt. Ich fasziniert davon, wie hier mit diesem Thema umgegangen wurde.
Ein wenig lang kommt mir die Geschichte trotzdem vor. Manchmal plätschert sie vor sich hin, manchmal rüttelt ein Sturm sie auf. Letztendlich hätte sie wohl ohne größere Probleme gekürzt werden können ... aber dennoch genoss ein Teil von mir die Schicksale, die in den "unnötigen" Teilen beleuchtet wurden.
Insgesamt ein Roman, den ich gern gelesen habe.
Ein unglaubliches Buch über die Liebe und über den Tod.
Das Leben von drei Männern, die einsam in den Wäldern Kanadas leben, wird aufgewirbelt, als zwei Frauen ihren Weg zu ihnen finden: eine Fotografin, die die Opfer der Großen Brände in Ontario Anfang des 20. Jahrhunderts aufsucht und eine alte Dame, die ihr Leben größtenteils in der Anstalt verbracht hat und jetzt ein neues beginnen will.
Jocelyne Saucier macht die Charaktere mit wenigen Worten lebendig und verwebt sie in einer Geschichte, die einem im Gedächtnis hängen bleibt. Ich war vollkommen fasziniert von ihrer erzählerischen Kraft und der Art und Weise, wie real sie die Ereignisse im Roman beschreibt.
Leben, Liebe und Tod liegen hier nah beieinander - und alle drei Themen trägt Frau Saucier in die Herzen der Leser. Ich weiß bereits jetzt, dass das Buch mich noch einige Zeit beschäftigen wird; es war ein wahrhaft unglaubliches Leseerlebnis.
"Das Geheimnis der bunten Berge" ist der vierte Teil der "Kiesel, die Elfe"-Reihe und beschäftigt sich mit Kiesels Herkunft. Kiesel möchte nämlich unbedingt herausfinden, was es mit der Sternelfe auf sich hat, die auf der Dracheninsel leben soll, weil sie vermutet, selbst eine Sternelfe zu sein. Aus diesem Grund stellen sie und ihr neuer Freund Windurinn einen gewagten Plan zusammen, um zur Dracheninsel zu kommen. Was beide nicht erwartet haben, ist, dort auf Drachenelfen zu treffen ...
Ich fand das Buch sehr süß aufgemacht, wobei mir vor allem die Sicherheitsmaßnahmen gefallen haben, die Kiesel, Windurinn und Mino durchführten, um auf ihrer Reise voranzukommen. So ziehen sie sich z.B. Schutzkleidung und Helme an, was Kindern die gute Botschaft sendet, dass man so etwas immer tragen sollte, wenn es gefährlich wird :)
Die Zeichnungen von Billy Bock haben den Text gut illustriert, doch ein wenig habe ich dabei die großen, detaillierten Zeichnungen vermisst. Die meisten Zeichnungen waren entweder klein oder hatten nicht so viele Details, was ich ein wenig schade fand.
Insgesamt eine schöne Fortsetzung! Ich freue mich schon auf Kiesels nächstes Abenteuer :)
Der Circle ist ein Unternehmen, das nahezu die ganze Welt beherrscht: Social Media, Produkte, Unternehmen, Menschen. Durch ihre beste Freundin Annie, die ein hohes Tier im Circle ist, wird Hauptfigur Mae Angestellte, zunächst im Customer Service, bei dem sie Kundenfragen beantworten soll. Doch nach und nach wird Mae immer tiefer in den Circle hineingezogen, einem Teufelskreis, dem sie nicht entkommen kann - und vielleicht auch gar nicht will ...
Sehr fesselnd stellt Dave Eggers uns eine Welt des transparenten Internets vor, mit allen Konsequenzen, die daraus entstehen. Faszinierend war hierbei, dass es im Buch zwar zwei, drei wichtige Figuren gibt, die sich gegen den Circle aussprechen, es letztendlich aber den Lesern überlassen wird, eine Entscheidung über ihn zu fällen. Wie weit darf man gehen, um Sicherheit zu gewährleisten? Wie viele Informationen sollten für alle offen einsehbar sein? Wie viel Einfluss sollten die Social Media haben?
Detailliert stellt Eggers uns diese hypothetische Zukunft vor, wobei er bei seiner Detailliebe nicht spart: Wir bekommen nicht nur die Zahlen von Maes Followern, Kommentaren und Zuschauern, sondern auch den Inhalt der zahlreichen Beiträge und Anfragen, mit denen Mae sich beschäftigt. In jedem anderen Roman wären solche Informationen nutzloser Filler gewesen, aber hier stellen sie die Besessenheit, die Mae bald entwickelt, perfekt dar. Mehrmals ertappte ich mich, Maes Umgang mit ihren Social Media mit meinem eigenen zu vergleichen, im positiven und negativen Sinne.
Je weiter der Roman fortschritt, desto unangenehmer wurde das Gefühl, das die Geschichte in mir weckte: Wie eine Clickbait-Nachricht, die man gierig aufsaugt, obwohl man sich nach ihrem Konsum nicht besser fühlt. Wie dieser endlose Drang, eigene und fremde Erwartungen zu befriedigen, obwohl man sich überfordert fühlt. Eggers hat dieses Gefühl - man sollte aufhören, kann es aber einfach nicht - perfekt eingefangen und es geschafft, auf diese Weise einen wahren Pageturner zu schreiben, den man nicht aus der Hand legen möchte. Es ist, als würde man einem Zug beim Entgleisen zusehen: Man ist schockiert über die Macht des Circle, aber gerade deshalb will man unbedingt wissen, wie weit sie wirklich geht.
Insgesamt ein weltveränderndes Leseerlebnis!