– One Way Or Another – Zwei Wege zu dir
 400 Seiten

(Achtung! Dieses Review enthält Spoiler!)

Paige hasst es, Entscheidungen zu treffen. Bei dem Gedanken, was alles schief gehen könnte, bekommt sie Angstzustände, die nur ihr bester Freund und heimlicher Schwarm Fitz mildern kann. Als sie entscheiden muss, wo sie die Winterferien verbringen soll - entweder bei Fitz in einer Berghütte oder bei ihrer Mutter in ihrer Traumstadt New York -, werden abwechselnd schlicht beide Pfade erzählt, die, wie der Titel schon verrät, sie letztendlich zu Fitz bringen werden.

Ich würde es anderen Lesern persönlich raten, nur die Fitz-Storyline zu lesen, weil die andere, in der Paige sich in ihren Tourguide Harrison verliebt, mir die Fitz-Storyline ganz schön ruiniert hat. Einerseits, weil absolut klar ist, dass es sich bei Harrison nur um eine kurze Romanze handelt, ihre Chemie mir aber durchaus gefallen hat und ich deshalb enttäuscht war, dass es nicht einen Fitz- und einen Harrison-Handlungsstrang gab.

Andererseits, weil Paige sich fast buchstäblich in den ersten Jungen ihres Alters verliebt, sobald sie ein paar Tage von Fitz getrennt ist, was es schwer machte, daran zu glauben, dass ihre Beziehung mit Fitz tatsächlich halten wird. Wie soll ich glauben, dass Fitz und Paige für immer glücklich zusammenleben werden, wenn er selbst bereits zahllose Liebschaften hatte und sie sich so leicht und schnell in jemand Anderen verlieben kann? Die Stärke ihrer Freundschaft spürt man durchaus, aber ich habe am Ende einfach nicht geglaubt, dass ihre Beziehung mehr als ein Jahr halten wird. Hier waren andere Jugendbuchautor*innen erfolgreicher, mir die ewige Liebe ihrer Hauptcharaktere glaubhaft zu machen.

Was ich ebenfalls merkwürdig fand, war, wie positiv es letztendlich dargestellt wird, dass Paiges beste Freundin Clover beschließt, mit ihren siebzehn Jahren ihren festen Freund Jay zu heiraten. Ihre Gründe dafür waren paraphrasiert: "Wir lieben uns und glauben fest daran, den/die Eine/n gefunden zu haben" und "Es könnte zwar schief laufen, aber es könnte auch die beste Entscheidung meines Lebens sein". Da wir selbst Clovers und Jays Romanze nicht miterleben, musste ich stattdessen an die Statistiken zu junger Heirat und Scheidung denken, die für die beiden keine rosige Zukunft voraussagen. Klar, es könnte klappen. Ich habe durchaus schon fiktive Paare angefeuert, bei denen eine minderjährige Hochzeit und eine glückliche Ehe absolut glaubhaft erschienen. Aber da wir Clover und Jay nicht länger kennenlernen, hätte ich es hier bevorzugt, wenn sie zu warten beschlossen hätten, um zu schauen, ob ihre Liebe beständig bleibt.

Positiv zu erwähnen ist der Umgang mit Paiges Angststörung und der Art und Weise, wie sie mit ihr umzugehen lernt. Das war sehr realistisch beschrieben und man hat gemerkt, dass die Autorin sich stark damit auseinandergesetzt hat. Auch mochte ich durchaus das Konzept der geteilten Story, vor allem, wie die Geschehnisse der einen mit der anderen kontrastiert wurden. Aber dadurch, dass mich die Hauptromanze nicht packen konnte und ich nicht jede Botschaft gut für Teenager finde, habe ich das Buch letztendlich leider nicht so sehr genossen, wie ich es gehofft hatte.

– Nur fast am Boden zerstört
 331 Seiten

Während eines Sommerurlaubs bei Verwandten in North Carolina erlebt Ollie eine perfekte Sommerromanze mit einem Jungen namens Will, der fast schon zu perfekt ist, um wahr zu sein. Als Will sich nach diesem Sommer nicht meldet, fürchtet Ollie schon, dass alles vorbei ist, doch dann verkünden seine Eltern ihm, dass sie aufgrund seiner kranken Tante für unbestimmte Zeit nach North Carolina ziehen – wo Will auf dieselbe Schule geht wie er. Jedoch verhält er sich anders, als Ollie ihn kennengelernt hat, und Ollie zweifelt daran, dass es zwischen ihnen je wieder so werden wird, wie es war …

Sehr humorvoll erzählt Sophie Gonzales, wie Ollie sich in seiner neuen Schule einlebt, beste Freundinnen findet und Will anschwärmt. Vor allem während der ersten Hälfte musste ich auf so gut jeder Seite schmunzeln oder lachen, weil Ollies Humor einfach großartig ist und Sophie Gonzales das Teenager-Sein perfekt einfängt. Danach kommen auch ernstere Momente dazu, vor allem wegen Ollies Tante Linda, die an Krebs leidet, der definitiv nicht mehr heilbar ist. Auch andere ernste Themen werden angesprochen (z.B. Wills Verhalten, das Ollie nicht mehr länger tolerieren kann, aber auch die Probleme von Ollies besten Freundinnen), sodass der Humor seltener vorkommt, es aber immer noch schafft, einen selbst nach den traurigeren Momenten ein Schmunzeln zu entlocken. Hier mochte ich es sehr, dass die Autorin den Humor sehr gut dosieren konnte und immer wusste, wo er angebracht war.

Die anderen Nebenfiguren, wie Ollies Freundinnen, haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, vor allem Lara, die ich zunächst nicht mochte, die mir aber schließlich doch ans Herz wuchs. Nur die Charakter-Arcs der Hauptfiguren hätten meiner Meinung nach deutlicher ausgebaut werden können, weil mir gerade die Art, wie Will seine Meinung bezüglich der Entscheidung, sich nicht zu outen, änderte, etwas zu plötzlich war. Tatsächlich habe ich Ollie und Will aufgrund dessen gar nicht mal so sehr geshippt, sondern hätte mich in diesem Fall sogar damit begnügt, wenn nichts aus ihnen geworden wäre (auch wenn ich letztendlich sehr froh bin, dass das nicht das Ende war).

Insgesamt haben wir hier ein schönes Jugendbuch, das sich leicht lesen lässt und einem ein paar schöne Lesestunden beschert. :)

– Prison Healer – Die Schattenheilerin
 528 Seiten

Kiva lebt als Gefängnisheilerin in Zalindov, dem berüchtigsten Gefängnis in Wenderall, wo sie sich nach Kräften bemüht, den Insassen zu helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Ab und an bekommt sie Nachrichten von ihrer Familie, die verspricht, sie zu befreien. Doch eines Tages wird die Rebellenkönigin Tilda eingeliefert, die unter einer unbekannten Krankheit leidet und trotz dessen verurteilt wird, die Elementarprüfung abzulegen, um ihre Unschuld zu beweisen. Als ihre Familie Kiva schreibt, dass sie Tilda auf keinen Fall sterben lassen soll, bietet sie sich gezwungenermaßen als Ersatz an und muss mithilfe des Gefangenen Jaren, der Wärterin Naari und dem Gehilfen Tipp eine Möglichkeit finden, alle vier Prüfungen zu überleben ...

Vor dem Lesen stand das Buch unter keinem guten Stern, weil es mit Büchern verglichen wurde, die mir persönlich nicht gefielen. Jetzt, nach dem Lesen, bin ich unglaublich froh, dass ich dem Buch trotzdem eine Chance gegeben habe, weil es mich sehr begeistert hat!

Das fängt schon mit den unglaublich sympathischen Charakteren an. Kiva ist eine wundervolle Protagonistin, die alles daran setzt, anderen zu helfen und trotz der schlechten Bedingungen ihr Bestes zu tun. Jaren ist einer der verständnisvollsten und fürsorglichsten Love Interests, die mir bisher begegnet sind und seine wachsende Beziehung zu Kiva hat sich sehr natürlich entwickelt. Naari ist eine Wärterin, mit der sich Kiva anfreundet und die sich dafür einsetzt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Und Tipp ist trotz seines jungen Alters entschlossen, Kiva zu helfen und zusammen mit ihr herauszufinden, was es mit einer mysteriösen Krankheit auf sich hat, die sich plötzlich im Gefängnis ausbreitet.

Aufgrund des kleinen Casts an (wichtigen) Charakteren gibt uns Lynette Noni Gelegenheit, alle vier und ihre Beziehungen zueinander ausführlich kennenzulernen, was eindeutig das Highlight des Romans war. Neben Kivas Romanze mit Jaren gefiel mir ihre Freundschaft mit Naari sehr gut, aber auch allgemein die Beziehungen untereinander. Jeder, der charakterbasierte Fantasy liest, wird hier mit Freuden feststellen, dass sie hier wunderbar umgesetzt wurde.

Auch die Handlung war lobenswert, vor allem, als am Ende ein paar wichtige Geheimnisse ans Tageslicht kommen und sie in ein neues Licht rücken. Gerade die Erklärung, wie Kiva die Elementarprüfungen besteht, war hervorragend gelöst, weil es leicht gewesen wäre, sie einfach mit magischen Kräften auszustatten, der eigentliche Grund aber sehr viel besser (und herzerwärmender) ist. Manche Twists lassen sich durchaus vorausahnen, aber da sie letztendlich alle Sinn ergeben, hat mich das nicht gestört, zumal weil es auch den einen oder anderen unvorgesehenen Twist gab.

Damit haben wir ein wunderbares Fantasybuch, das vor allem durch seine Charaktere glänzt und für jeden empfehlenswert ist, der mal wieder eine richtig gute Jugendfantasy lesen möchte!

– They Both Die at the End
 384 Seiten

Ich habe das Buch bereits mehrmals auf Deutsch gelesen, war aber schlussendlich neugierig darauf, wie gut es eigentlich übersetzt worden ist. Ich muss sagen: Ich bin sehr zufrieden!

Das englische Original hat natürlich seinen eigenen Flow und seinen eigenen Schreibstil, aber ich war positiv überrascht davon, wie gut letztendlich der Text von der einen in die andere Sprache übertragen wurde. Selbstverständlich gibt es im Englischen einige Formulierungen, die im Deutschen leicht verändert wurden (speziell Fluchwörter), aber letztendlich hatte ich nicht das Gefühl, durch das Lesen dieser im Original enthaltenen Formulierungen allzu viel dazugewonnen zu haben. Einige Übersetzungen wie "Todgeweihte/r" für "Decker" fand ich sogar besser als im Original!

Die Geschichte bleibt natürlich dieselbe: Zwei Jungen treffen sich an ihrem letzten Tag und beschließen beide, in diesen letzten Stunden ein ganzes Leben zu leben. Es ist eine wunderschöne, berührende Geschichte, die vor allem durch ihre Details brilliert - so viele Kleinigkeiten hängen miteinander zusammen, aber selbst die, die es nicht tun, laden zum Nachdenken ein, sodass die Geschichte noch lange nach dem Ende im Kopf herumspukt.

Ich bin froh, dass Original gelesen zu haben, werde bei zukünftigen Rereads aber wohl auf die Übersetzung zurückgreifen. Es ist immer wieder schön zu entdecken, dass der originale Text so gewürdigt wurde, wie er es verdient :)

– The Girls I've Been
 384 Seiten

Nora ist während ihres Lebens schon viele Mädchen gewesen: Rebecca. Samantha. Haley. Katie. Ashley. Ihre Mutter, eine Trickbetrügerin, hat ihr vor jedem Betrug eine neue Identität gegeben, bis Nora schließlich von ihrer Schwester Lee gerettet wurde. Lange glaubte sie, sie könne ein normales Leben führen. Aber dann wird sie mit ihrem Exfreund Wes und ihrer neuen Freundin Iris in einen Banküberfall verwickelt, und ihre Wahrheiten und Lügen drohen ein für alle Mal herauszubrechen ...

Sehr spannend beschreibt Tess Sharpe sowohl die Ereignisse des Bankraubs als auch Noras Vergangenheit, sodass es ein leichtes war, das Buch in Windeseile zu lesen - auch dank der kurzen Kapitel, die zum schnellen Weiterlesen einladen. Nora selbst ist eine hervorragende Protagonistin, deren Geschichte mich bis zum Ende bannen konnte.

Auch ihr Exfreund Wes und ihre neue Liebe Iris waren wunderbare Charaktere; Noras Beziehung zu den beiden war genauso gut ausgebaut wie die Beschreibung ihrer früheren Identitäten, weil all dies sie zu der Person gemacht hat, die sie ist.

Mein einziger Kritikpunkt liegt bei dem Mangel an sympathischen männlichen Charakteren. Was die weiblichen angeht, gibt es eine ganze Menge: Nora natürlich, ihre Freundin Iris, ihre Schwester Lee, ihre Therapeutin Margaret, die kleine Casey und ein paar andere weibliche Nebenfiguren. Doch was die männlichen angeht, ist Wes der einzige, der mir ans Herz gewachsen ist, weil alle anderen Männer in dem Buch missbräuchlich, gewalttätig und/oder unsympathisch sind. Das fand ich sehr schade, weil das Buch so den Eindruck erweckt, als wären so ziemlich alle Männer Monster, was nun mal nicht der Wahrheit entspricht. Ich lobe es sehr für seine starken Frauenfiguren, doch an den männlichen muss Tess Sharpe leider noch arbeiten.

Insgesamt also ein spannendes Jugendbuch mit tollen Hauptcharakteren, das meiner Meinung nach auch für Erwachsene gut lesbar ist, sofern diese sich nicht an der jugendlichen Protagonistin stören.

– Die sechs Kraniche 1: Die sechs Kraniche
 480 Seiten

„Die sechs Kraniche“ ist ein Fantasyroman, der selbstverständlich auf „Die sechs Schwäne“ basiert und die verschiedenen Elemente des Märchens auf eigene Weise interpretiert. Referenzen sind natürlich vorhanden, aber letztendlich verleiht Elizabeth Lim dem Märchen einen eigenen Anstrich, der mir insgesamt sehr gut gefallen hat.

Shiori war eine recht gute Protagonistin, aber am meisten hat mir eindeutig Takkan, ihr Zukünftiger, gefallen. Es ist einfach schön, einen Love Interest in einem Romantasy-Roman zu sehen, der freundlich, zuvorkommend und liebenswürdig ist, was einen schönen Kontrast zu all den „Bad Boys“ darstellt, die sonst das Genre bevölkern. Die Chemie zwischen ihnen und der Weg, wie sich ihre Beziehung entwickelt, fühlte sich ebenfalls natürlich an und gehörte zu den Highlights des Romans.

Was die anderen Charaktere angeht, gefielen mir auch Takkans Schwester Megari und Shioris Bruder Hasho, aber damit kommen wir zu einem von zwei Kritikpunkten, die meine Lesefreude ein wenig trübten: Shioris andere Brüder bekommen wenig Screentime, vor allem, sobald Shiori an Takkans Hof kommt. Das fand ich sehr, sehr schade, weil ich so nur marginal mit ihrem Wunsch, ihre Brüder zurückzuverwandeln, mitfiebern konnte. Weil das Shioris Hauptziel ist, hätte ich es besser gefunden, hätte man ihre Brüder besser kennengelernt, denn bis auf Hasho bleiben alle recht blass. Shioris Beziehung mit Takkan steht im Vordergrund, doch so gut sie auch umgesetzt war, wäre es imho besser gewesen, hätte man Shioris Beziehung zu ihren Brüdern priorisiert.

Mein zweiter Kritikpunkt gilt dem Grund, aus dem Shiori stumm bleiben muss: Für jeden Laut, der ihre Lippen verlässt, wird einer ihrer Brüder sterben. Das schließt auch Schreie und Lachen mit ein, und während letzteres auch Teil des Märchens war, kam es mir äußerst unrealistisch vor, dass es Shiori selbst bei plötzlichem Schmerz gelang, stumm zu bleiben. Hier hätte ich es besser gefunden, wäre nicht jeder Laut, sondern jedes Wort verboten gewesen, damit es nicht so unglaubwürdig wirkt, dass Shiori selbst Reflexlaute für sich behält. Mag nach einer kleinlichen Kritik klingen, aber dadurch, dass es der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist, finde ich, dass Elizabeth Lim das besser hätte umsetzen können.

Letztendlich würde ich den Roman Fans von Jugendliteratur empfehlen, die gerne eine gute Romantasy-Geschichte lesen wollen.

– You will be the death of me
 416 Seiten

Früher waren Ivy, Mateo und Cal beste Freunde, die sich irgendwann auseinander gelebt haben. Doch als sie sich zufällig vor der Schule begegnen, beschließen sie, eine alte Tradition aufleben zu lassen und gemeinsam blau zu machen. Auf dem Weg begegnet ihnen ihr Mitschüler Brian "Boney" Mahoney, dem sie neugierig folgen - und kurz darauf tot auffinden. Schnell flüchten sie, denn sie alle drei haben ein Geheimnis, von dem sie auf keinen Fall wollen, dass es herauskommt - während sie gleichzeitig riskieren müssen, dass es auffliegt, weil sie nur in Zusammenarbeit herausfinden können, wer Boney umgebracht hat ...

In ihrem neuesten Jugendthriller ist es Karen McManus hervorragend gelungen, mich komplett in die Irre zu führen. Relativ früh bildete ich mir eine Theorie, die ich für hieb- und stichfest hielt, weil sie nie von den Charakteren aufgestellt wurde, obwohl sie mir offensichtlich schien. Tatsächlich war ich so überzeugt davon, richtig zu liegen, dass ich schon halb enttäuscht war, weil die Autorin es uns Lesern so leicht macht ... nur, um von ihr den Boden unter den Füßen weggerissen zu bekommen, als schließlich die Wahrheit herauskommt. Absolut genial gemacht!

Immerhin hatte ich, was die einzelnen Geheimnisse der Charaktere anging, einen besseren Riecher, auch wenn sich dort ebenfalls ein, zwei Überraschungen versteckten. Die Charaktere selbst waren allesamt sympathisch, wobei ich vor allem Ivy sehr mochte, aber auch in Mateo und Cal Figuren fand, mit denen ich gern mitfieberte. Ebenfalls Respekt für die Nebenfiguren wie Ivys Freundin Emily, die zwar nie direkt auftritt, mir aber durch ihre Treue Ivy gegenüber sehr ans Herz gewachsen ist.

Natürlich gibt es auch wieder eine süße Liebesbeziehung, die ich gut umgesetzt fand, vor allem, wie die beiden Figuren mit den Fehlern und Missverständnissen ihrer Vergangenheit umgehen.

Qualitativ finde ich dieses Buch etwa so gut wie "The Cousins", was nach "One of us is lying" mein liebster Roman von Karen McManus war. Noch kann ich nicht richtig einschätzen, ob mir "The Cousins" oder "You will be the death of me" besser gefällt, aber so oder so haben wir hier einen Jugendthriller, der sich perfekt für die Altersgruppe eignet!

– The Age of Darkness – Das Ende der Welt
 560 Seiten

"The Age of Darkness - Das Ende der Welt" ist der dritte und letzte Band der Age-of-Darkness-Trilogie, den ich bereits auf Englisch las, aber natürlich wissen wollte, wie gut er übersetzt worden ist.

Was die Handlung und die Charaktere angeht, war beides sogar noch besser, als ich es in Erinnerung hatte! Die Tatsache, dass ich bereits wusste, was passieren und wie es enden würde, hat meine Freude am Lesen keinesfalls geschmälert, weil es einfach Spaß machte, die Charaktere ein weiteres Mal auf ihrer Mission, die Welt zu retten, zu verfolgen. Die Charakter-Interaktionen, die uns in den vorigen zwei Bänden größtenteils verwehrt blieben, bilden zusammen mit Antons und Judes Beziehung das Highlight.

Was die Übersetzung angeht, bestand schnell ein Anlass zur Sorge: Im Gegenteil zu Band 1 und 2 wurde der dritte Band nicht von Anja Galić übersetzt, sondern von Heide Horn und Christa Prummer-Lehmair. Diesen Wechsel hat man ziemlich deutlich gemerkt, weil vor allem in Dialogen, aber auch im Text plötzlich umgangssprachliche Formulierungen verwendet wurden, die Anja Galić bewusst mied und durch archaischere Ausdrücke ersetzte. Deshalb mochte ich ihre Übersetzung der ersten zwei Bände auch so sehr - die Charaktere drückten sich nie modern aus, sondern für ihre Zeitperiode angemessen.

Im dritten Band ist dem nicht mehr der Fall. Das war vor allem am Anfang recht abschreckend und ich stolperte immer wieder über Sätze, die sich nicht richtig anhörten. Im Lauf des Buches wurde das zum Glück besser, aber ein paar besonders grenzwertige Ausdrücke sind mir dennoch negativ aufgefallen: "Peanuts", "Inselhopping", "Torschlusspanik", "Insider-Informationen" oder auch Sätze wie "allmählich machte es Klick bei ihr", die meinen Lesefluss sehr störten, weil es solche modernen Wörter in den ersten zwei Bänden schlichtweg nicht gab und die Übersetzung selbst davon abgesehen mir stellenweise zu umgangssprachlich war.

Letzten Endes handelt es sich um verhältnismäßig wenige Stellen, aber gerade deshalb fielen sie mir umso mehr auf. Tatsächlich würde ich mir am liebsten eine zweite Übersetzung von Anja Galić wünschen, obwohl ein Großteil des Buches immer noch neutral übersetzt worden ist. Wem es missfällt, in seinen Fantasybüchern moderne Ausdrücke zu lesen, sei hier gewarnt, da diese das eigentlich wunderbare Finale der Trilogie ein wenig schmälern.

– Papyrus. Die Geschichte der Welt in Büchern. Eine Leseprobe.
 320 Seiten

In dieser umfassenden Leseprobe, die etwa die Hälfte des eigentlichen Buches ausmacht, erzählt Irene Vallejo auf wundervolle Weise die Geschichte des Buches. Verschiedene Kontinente, verschiedene Länder, verschiedene Zeiten: Sie alle werden kurz anhand der Art und Weise, wie man mit dem geschriebenen Wort umging, vorgestellt.

Irenes Vallejos Schreibstil ist hierbei sehr bildlich und das Buch flüssig geschrieben - beschrieben wird es als "Sachbuch, das sich liest wie ein Abenteuerroman" und ich kann dieser Einschätzung aus vollem Herzen zustimmen. Irene Vallejo zählt nicht nur die Fakten auf, sondern verbindet sie mit Lebensgeschichten, mit Bildern, mit Personen. Es war schlicht unglaublich, wie mühelos es ihr gelungen ist, die "Geschichte der Welt in Büchern" selbst wie eine Geschichte zu erzählen, die man gespannt verfolgt.

Zwar handelt es sich bei diesem Sachbuch wie gesagt "nur" um eine Leseprobe, war aber aufgrund der Länge umfassend genug, um mich jetzt schon auf das komplette Buch zu freuen. Wer Bücher liebt, ist hier an der richtigen Stelle!

– Libellenschwestern
 528 Seiten

Auf einer Geburtstagsparty trifft die junge Avery Stafford auf die alte May Crandall. Diese erkennt das Libellenarmband, das Avery trägt, wieder. Neugierig zu erfahren, was es mit der alten Dame auf sich hat, forscht Avery in der Vergangenheit nach - damals, als May Crandall noch Rill Foss hieß und zusammen mit ihren Geschwistern in ein Waisenhaus entführt wurde ...

Diese Geschichte ist ein unglaublich schönes, berührendes Erlebnis - eine Familiengeschichte, die in Gegenwart und Vergangenheit gespaltet ist und am Ende schließlich beides zusammenführt. Speziell Mays Kapitel haben mir sehr gefallen, weil man sehr mit ihr und ihren Geschwistern mitfiebert, darauf hoffend, dass sie es schaffen, dem Waisenhaus zu entkommen und nach Hause zurückzukehren.

Aber auch die Gegenwartskapitel mit Avery gefielen mir sehr, speziell ihre Beziehung zu Trent, die herzerwärmend beschrieben ist. Zwar wünschte ich, Avery wäre nicht so wie viele andere Protagonistinnen in einer Beziehung gewesen, die sie deshalb auflösen muss, aber letzten Endes hat dieses kleine Manko meinem Genuss keinen Abbruch getan.

Sehr gefallen hat mir auch, dass nur manche Fragen eine Antwort finden - speziell was Mays Geschwister Camellia, Lark, Fern und Gabion angeht. Nicht alle ihre Schicksale werden aufgelöst, was ich sehr realistisch fand, weil es mir zwar gefallen hätte, mit Sicherheit zu wissen, was mit ihnen geschehen ist, die Andeutungen jedoch ausreichend waren, um sich ein eigenes Bild zu bilden. Selten las ich eine Geschichte, die solche wichtigen Fragen offen lässt und trotzdem zufriedenstellend endet!

Hervorzuheben ist, wie gut reale Ereignisse mit der Fiktion verbunden wurden. Die Tennessee Children's Home Society, die May und ihre Geschwister entführt, hat wirklich existiert und zahlreiche Kinder misshandelt. Es war schockierend, zu sehen, wie schlimm dort die Verhältnisse waren, die Lisa Wingate einfühlsam beschreibt.

Zusammengefasst ist dieses Buch einfach schön. Man fiebert mit und hat Angst um die Kinder; man ist gespannt, welche Schritte Avery als nächstes unternehmen wird; und am Ende schlägt man das Buch mit einem Lächeln zu, froh darüber, dass inmitten all des Verlusts ein Hoffnungsschimmer bleibt. Sehr empfehlenswert!

– Reality Show
 464 Seiten

Zehn der einflussreichsten Persönlichkeiten Deutschlands werden in der "Reality Show" vor den Pranger geführt: Ihre Verbrechen werden aufgezeigt, sie haben die Chance, sich zu verteidigen und die Zuschauer wählen ihre Bestrafung. Doch was ist das wahre Ziel der Fernsehshow? Und ist es richtig, sie aufhalten zu wollen?

Anne Freytag beleuchtet in ihrem Roman nicht nur aktuelle Themen und Probleme, sondern zeigt auch hervorragend alle Seiten des Konflikts. Packend und schnell erzählt stellt sie uns viele verschiedene Figuren vor, die Teil der Reality Show sind oder auf anderweitige Weise mit ihr zu tun haben, und präsentiert unterschiedliche Sichtweisen, die man ihr bezüglich einnehmen kann. Das hat mir am meisten gefallen; es war sehr spannend, zu sehen, wie die auf zweifelhafte Weise zum Reichtum gekommenen Teilnehmer mit ihren Taten konfrontiert werden, man aber nicht nur ihre und nicht nur die Gegenseite liest, sondern das ganze Spektrum an Meinungen mitbekommt. Tatsächlich wünschte ich, das Buch wäre noch länger gewesen, um uns wirklich alle Kandidaten vorzustellen, weil es mich sehr interessiert hätte, ihre Verbrechen und die Reaktionen der verschiedenen Figuren zu lesen!

Apropos Figuren: Von denen gab es letztendlich ein wenig zu viele. Wir lernen in kurzen, prägnanten Kapiteln die zehn Teilnehmer, die drei Drahtzieher und einige der Zuschauer kennen, aber weil letztendlich mitnichten alle für die Handlung wichtig waren und es mir schwer fiel, bei all den Namen den Überblick zu behalten, hätte ich zumindest einige der Sichten weggelassen, um dafür andere ausführlicher vorzustellen. Speziell die Kandidaten hätten um die Hälfte reduziert werden können, ohne, dass es der Geschichte geschadet hätte.

Die schnelle Erzählweise hat mir sehr gefallen, weil die kurzen Kapitel es einfach machen, sofort weiterzulesen. Wie man nach und nach die Zusammenhänge zwischen einzelnen Handlungssträngen begreift, war ebenfalls sehr gut gemacht. Jedoch ist die Geschichte aus diesem Grund nichts für diejenigen, die lieber wenige Sichtfiguren verfolgen, weil die Vielzahl der Charaktere und Meinungen hier die oberste Priorität hat.

Insgesamt ein kurzweiliger, sehr spannender Roman, der sich nicht davor scheut, aktuelle Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten - und die Leser dadurch zu erleuchten!

– Scholomance – Der letzte Absolvent
 512 Seiten

El und Orion sind in ihrem Abschlussjahr, was heißt, dass sie umso schwerer trainieren müssen, um es mit den Maleficaria aufzunehmen und die Abschlussprüfung zu bestehen. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen: In der Schule lassen sich auf einmal nur wenige Maleficaria blicken und die Schule macht es El ungewöhnlich schwer, all ihre Aufgaben zu erledigen. Nichtsdestotrotz ist sie fest entschlossen, es zu schaffen - und alle anderen Schüler und Schülerinnen sicher mit rauszubringen ...

Größtenteils besteht der zweite Band aus den Trainingseinheiten, die El mit ihren Freunden und den anderen Schülern bestreitet; so kommt sowohl das Worldbuilding als auch das Magiesystem sehr gut heraus, auch wenn Els innere Monologe dazu manchmal von der eigentlichen Handlung ablenkten.

Ihre Beziehung zu Orion wurde schön beschrieben, aber ich mochte auch ihre Bindung zu Aadhya, Liu und Chloe sehr - andere Schüler und Schülerinnen wie Alfie und Luise, die ich ebenfalls sehr mochte, bekommen teilweise zwar auch wichtige Screentime, aber am liebsten mochte ich immer noch Els engste Freundschaften. Sie selbst bleibt auch im zweiten Band eine hervorragende Protagonistin, deren Taten man vielleicht nicht immer billigt, aber dafür versteht. Selten habe ich über eine Protagonistin gelesen, deren Stärken und Schwächen so wundervoll umgesetzt wurden!

Ansonsten bleibt der zweite Band spannend und endet mit einem epischen Finale und einem fiesen Cliffhanger, der einen gespannt auf den dritten und abschließenden Band macht. Da bleibt nur die Hoffnung, dass die Wartezeit nicht allzu lang sein wird!

– Shelter
 432 Seiten

Auf einer Party kommt Benny und seinen Freunden Darya, Liv, Nando und Till eine gewagte Idee: Um zu zeigen, wie leichtgläubig ein paar ihrer Kommilitonen sind (und um Liv bei ihrer Bachelorarbeit zu helfen), denken sie sich eine abstruse Verschwörungstheorie aus, in der sie behaupten, Aliens hätten sich auf der Erde niedergelassen und gewisse Menschen als „Shelter“ benutzt. Fleißig bringen sie überall in der Stadt Graffiti an, einen Doppelmond, der schnell als „OC“ im Internet kursiert. Überrascht stellen sie fest, dass es Menschen gibt, die ihnen glauben. Doch als ein User namens Octavio ihre Verschwörungstheorie kapert und auf eigene Weise weiterspinnt, geraten Benny und seine Freunde bald selbst in Gefahr …

Zugegeben: Die Grundlage dieses Romans ist tatsächlich ein bisschen unglaubwürdig. Zwar recherchieren Benny und co., was eine gute Verschwörungstheorie ausmacht, aber allein, dass sie nachts in der Stadt unterwegs sind, um ihr Symbol an öffentlichen Plätzen anzubringen, kam mir unglaubwürdig vor, weil es sehr viel Aufwand für etwas ist, das sie selbst als Spaß ansehen. Sieht man über diesen anfänglichen Stolperstein allerdings hinweg, finden wir einen weiteren tollen Poznanski-Thriller, der es hervorragend schafft, einem selbst Verfolgungswahn zu bescheren.

Ich war positiv überrascht darüber, wie Ursula Poznanski die Verschwörungstheorie gehandhabt hat. Zwar gibt es so einige leichtgläubige Leute, die auf Benny und co. hereinfallen, doch ernten sie auch gehörige Kritik und Ungläubigkeit, was ich nur angemessen fand. Selbst, als die Theorie immer verbreiteter wird, merkt man, dass es letztendlich eine Minderzahl ist, die ihr Glauben schenkt. Gleichzeitig werden die potentiellen Gefahren und Konsequenzen einer solchen Theorie sehr gut beleuchtet, sodass man einen guten Eindruck davon bekommt, wie sehr alles aus dem Ruder laufen kann, wenn genug Leute hinter einer gewagten Theorie stehen.

Wie erwähnt kommt der Verfolgungswahn der Charaktere sehr gut heraus, sodass ich zusammen mit den Charakteren oft Panik (sowohl nötige als auch unnötige) geschoben habe, weil ich niemandem mehr trauen wollte. Nur andere Spannungsaspekte haben mir ein wenig gefehlt; zwar muss Benny neben seinem wachsenden Verfolgungswahn auch mit seinen verschwindenden Freunden fertig werden, doch hätte seine Angst um sie deutlicher hervorgehoben werden können.

Dafür ist Benny an sich ein wunderbarer Protagonist, den ich schnell lieb gewonnen und mit dem ich gerne mitgefiebert habe. Wie viele Protagonisten hat auch er ein Trauma hinter sich, das nach und nach aufgedeckt wird, doch wird er nicht durch sein Trauma definiert, sondern hat davon abgesehen eine sympathische Persönlichkeit. Hervorheben möchte ich seinen Job und sein Studium: Als Schauspielstudent übt Benny während des Romans mehrmals verschiedene Monologe, hat aber auch einen Job als Barista, wo es seine Spezialität ist, aus Kaffeeschaum coole Formen zu machen. Speziell, wie Bennys Schauspielerei letztendlich in die Haupthandlung eingewoben wurde, war einfach großartig, aber davon abgesehen war es so erfrischend, einen Hauptcharakter zu sehen, der neben der eigentlichen Handlung ein Leben hat. Viel zu oft stolperte ich über Protagonisten, deren Hobbys entweder nicht existent, nicht relevant oder ein bisschen zu passend für die Handlung waren (im Sinne von „Protagonist*in hat Hobby nicht, weil er oder sie es mag, sondern, weil es später nützlich wird“). Ursula Poznanski jedoch hat die perfekte Mischung gefunden und mich damit sehr begeistert!

Die Nebencharaktere treten dafür leider in den Hintergrund; sowohl Darya als auch Till verschwinden im Verlauf der Handlung für längere Zeit, während Liv und Nando zwar mehr Screentime bekommen, jedoch mitnichten so viel Charaktertiefe wie Benny haben. Tatsächlich gibt es neben Benny nur einen Charakter, der Tiefe und Dreidimensionalität zeigt: Octavio, sein Widersacher. Ich war während des Lesens fest davon überzeugt, dass es sich bei ihm um einen Charakter aus Bennys Vergangenheit handeln würde, aber die Lösung, die Ursula Poznanski letztendlich fand, war zum Glück kreativer und passte viel besser zum Thema des Romans. Auch dafür Hut ab!

Insgesamt hat mir dieser Thriller sehr gut gefallen, seine einzige Schwachstelle sehe ich im Spannungsaufbau, der mehr Aspekte stärker hätte hervorheben sollen. Davon abgesehen hat Ursula Poznanski es wieder geschafft, einen wunderbaren Jugendroman zu schreiben!

– Every
 579 Seiten

Zehn Jahre nach den Ereignissen von „Der Circle“ ist das Unternehmen in „Every“ umbenannt worden, mit Mae Holland als CEO und mit noch mehr Einfluss als damals. Fest entschlossen, die Macht des Monopols endlich zu brechen, infiltriert Delaney Wells zusammen mit ihrem Mitbewohner Wes Kavakian den Campus. Als Mitarbeiter suchen sie einen Weg, Every von innen heraus zu zerschlagen. Es dauert nicht lange, bis ihnen dazu eine Idee einfällt: Das Unternehmen mit so vielen gefährlichen Ideen füttern, bis das Volk schließlich aufbegehrt. Doch egal, was Delaney und Wells sich ausdenken, die Menschheit scheint sich nicht von Everys Kontrolle befreien zu wollen …

„Every“ ist eine solide Fortsetzung von „Der Circle“, die hervorragend beschreibt, wie mächtig das Unternehmen inzwischen geworden ist und wie sehr sich die Welt seit damals verändert hat. Delaney ist eine äußerst sympathische, da menschliche Protagonistin – sie ist kein allwissendes Genie mit einem wasserdichten Plan, sondern hat Zweifel und macht Fehler. Ihre große Stärke ist es, Ideen zu erfinden, was im Roman auch deutlich herauskommt.

Dem Roman selbst fehlt allerdings die Sogwirkung, der „Der Circle“ hatte. Das liegt größtenteils daran, dass die Social Media, in denen Mae überaus aktiv war, keine allzu große Rolle mehr spielen; im „Circle“ hat es mich fasziniert, mit welcher Detailliebe Dave Eggers ausgeführt hat, was genau Mae im Internet tut, doch mit Delaney als Protagonistin fehlte dieser wichtige Teil, der dem „Circle“ einen Pageturner-Effekt verlieh.

Es machte Spaß, die verschiedenen Abteilungen kennenzulernen, die Delaney während ihrer Rotation durchläuft, doch ab und an schien es, als würde sie darüber hinaus ihr eigentliches Ziel vergessen; der Effekt ihrer und Wes' Ideen war dafür überaus faszinierend zu verfolgen. Damit zusammenhängend möchte ich den Humor ansprechen, der in „Der Circle“ keine Rolle spielte, in „Every“ aber äußerst gut gelungen ist und mich mehrmals zum Schmunzeln gebracht hat. Es war einfach amüsant, wie schnell Every selbst die absurdesten Ideen mit voller Ernsthaftigkeit umgesetzt hat.

Insgesamt gefiel mir „Der Circle“ besser, weshalb ich „Every“ nur denjenigen empfehlen würde, die nicht erwarten, dass er den „Circle“ übertrifft. Übrigens ist es nicht unbedingt notwendig, den „Circle“ gelesen zu haben, um „Every“ zu verstehen. Es gibt natürlich mehrere Referenzen, die man ohne die Lektüre des „Circle“ nicht versteht, allerdings spielen diese eine verhältnismäßig kleine Rolle, sodass man auch ohne Vorwissen direkt zu „Every“ greifen kann. So oder so bildet dieser Roman ein Leseerlebnis, das den „Circle“ zwar nicht übertrifft, aber gut erweitert.

– Into the Dying Light
 512 Seiten

Weil ich so unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte von Anton, Jude, Hassan, Ephyra und Beru endet, beschloss ich, nicht bis zum Erscheinen der deutschen Übersetzung im Dezember zu warten, sondern bereits jetzt das englische Original zu lesen (wobei ich aber natürlich auch die Übersetzung lesen werde, sobald sie herauskommt).

Für unsere Protagonisten sieht es schlecht aus: Anton ist seit zwei Monaten verschwunden und laut Kopfgeldjägern, die Jude anheuert, um ihn zu finden, sogar tot. Hassan hat sich entschieden, sein Zuhause – und seine Freundin Khepri – hinter sich zu lassen und Jude und Hector dabei zu helfen, Beru aus den Händen Pallas' zu befreien. Sie wird gezwungen, die Gaben der Menschen auf die Zeugen zu übertragen; wehrt sie sich, wird ihre Schwester Ephyra dafür bestraft. Doch ausgerechnet in Antons Bruder Illya finden beide einen potentiellen Verbündeten, der sie befreien könnte …

Es hat mich unglaublich gefreut, über die neuen und alten Beziehungen der Charaktere zu lesen, weil viele von ihnen nur Kontakt zu einer oder zwei Personen in den vorigen zwei Bänden hatten, hier jetzt aber tatsächlich die Dynamik zwischen allen Protagonisten und Deuteragonisten beleuchtet wird. Natürlich wird auf manche Beziehungen mehr Fokus gelegt als auf andere, aber insgesamt bekommt so ziemlich jedes mögliche Paar zwischen den Charakteren mindestens eine wichtige Szene.

Die Beziehung zwischen Anton und Jude war hierbei natürlich ein Highlight, aber ich mochte es auch, wie beide eine Freundschaft mit Hector geschlossen bzw. erneuert haben, während Hector selbst eine Freundschaft mit Hassan schließt; die Chemie zwischen den beiden Charakteren hat mich positiv überrascht. Auch Ephyra und Hectors Beziehung war aufgrund ihrer Feindschaft und ihrer schwesterlichen bzw. romantischen Liebe zu Beru sehr interessant zu lesen. Zuletzt war Illyas komplizierte Beziehung zu Ephyra und Anton eine, die ich ebenfalls hervorragend umgesetzt fand.

Die Handlung bleibt durchgehend spannend und Katy Rose Pool schafft es hervorragend, den Charakteren Steine in den Weg zu legen. Kein Plan, den sie beschließen, läuft glatt, weil immer etwas Unerwartetes passiert, das sie zwingt, eine andere Lösung zu finden. Das hat sehr zur Spannung beigetragen, weil man nie sicher sein konnte, dass alles problemlos vonstatten geht. Die Enden, die die Autorin letztendlich für die fünf Sichtcharaktere findet, fand ich sehr zufriedenstellend, nur für Hector und Illya hätte ich mir gerne ein anderes Ende gewünscht.

Insgesamt gehört diese Trilogie zu den besten Jugendfantasy-Büchern, die ich je gelesen habe, weil speziell die Charaktere hervorragend umgesetzt sind. Die „Age of Darkness“-Trilogie war Katy Rose Pools Debüt und lässt mich schon jetzt auf ihr nächstes Werk freuen!