In der gemeinsamen Loft von Marc, Sarah und Henning wird überall Hennings Blut gefunden, so viel, dass er unmöglich am Leben sein kann. Von seiner Leiche allerdings keine Spur. Schnell geraten Hennings Freunde Marc und Sarah unter Mordverdacht, doch beide weigern sich trotz ihrer Unschuldsbekennungen, mit der Polizei zu kooperieren - denn beide haben etwas zu verbergen ...
Dieser Thriller konzentriert sich vor allem auf Marcs und Sarahs Innenleben, auf ihre Vergangenheit und Beziehung. Gerade darin war er auf jeden Fall erfolgreich, weil es spannend war, herauszufinden, wie sie ihre Entscheidungen stets im Bezug auf den anderen trafen, während sie gleichzeitig eine komplizierte Beziehung zueinander haben.
Die Handlung selbst hatte dafür einige Längen, weil speziell die Kapitel mit der Kommissarin Bianca und einige der Flashbacks nicht unbedingt mein Interesse weckten. Hier habe ich hauptsächlich nur wegen Marc und Sarah weitergelesen, weil die Handlung ohne sie imho nicht allzu prickelnd war.
Großes Lob muss ich dafür dem Finale und dem Twist aussprechen, die mich auf kaltem Fuß erwischt und mich begeistert zurückgelassen haben, weil Linus Geschke mich hier erfolgreich hinters Licht geführt hat. Wer also wie ich während des Lesens findet, dass einige Stellen ein wenig langatmig sind, sollte auf jeden Fall durchhalten - am Ende lohnt es sich!
Evalina und Isadore sind Schwestern und dazu bestimmt, am Tag von Evas Volljährigkeit gegeneinander bis zum Tod zu bekämpfen, damit dadurch die neue Königin des Landes bestimmt wird. Die Chancen für Evalina stehen dabei denkbar schlecht, weil sie ihre gefährliche Blut-und-Knochen-Magika weder einsetzen kann noch will. Doch nach einem Attentat bleibt Eva nichts Anderes übrig, als ihre Magika zu trainieren - so sehr sie sich auch dagegen sträubt, ihre Schwester zu töten ...
Die Grundidee klang auf jeden Fall interessant, aber letztendlich konnte das Buch meine größte Erwartung nicht erfüllen: Uns das Seelenleben beider Schwestern zu zeigen. Nachdem ich die Kurzbeschreibung las, ging ich automatisch davon aus, dass wir beide Schwestern gut kennenlernen und eventuell sogar hin- und hergerissen sein würden, was ihr Überleben anbelangt. Das geschah jedoch nicht; wir bleiben das ganze Buch hinweg in Evas Kopf und Isa bleibt die ganze Zeit über eine eindimensionale Figur.
Die Handlung besteht teils aus den Attentaten, mit denen Eva konfrontiert wird, teils aus ihren Magie-Übungsstunden bei ihrem Lehrmeister Bakkha, der mir im Verlauf des Romans sehr sympathisch wurde, zusammen mit dem Prinzen Aketo, den Eva während des Buchs ebenfalls kennenlernt. Die anderen Charaktere bleiben größtenteils alle blass, aber Eva, Bakkha und Aketo heben sich positiv hervor.
Von daher würde ich das Buch mitnichten als schlecht beschreiben - doch muss man mit den richtigen Erwartungen an es herangehen.
Georgia liebt es, romantische Fanfics zu lesen und kitschige Komödien anzuschauen, doch sie selbst war noch nie verliebt, nicht einmal ein bisschen. Nachdem sie zusammen mit ihren besten Freunden Pip und Jason auf die Universität kommt, nimmt sie sich jedoch vor, endlich die romantische Liebe zu finden, von der sie schon so oft gehört hat. Doch was, wenn es diese für sie nicht gibt?
Werke über Aromantik und Asexualität sind rar gesät, weshalb ich sehr froh war, mit dieser Geschichte auf ein Werk zu stoßen, dass diese Themen nicht nur sehr verständlich beschrieben und verschiedene Missverständnisse aus dem Weg geräumt hat, sondern im Allgemeinen sehr schön zu lesen war. Dabei sind das Highlight definitiv die sympathischen Charaktere – Georgia, die Schwierigkeiten damit hat, sich so zu akzeptieren, wie sie ist; ihre beste Freunde Pip und Jason, die sie vollauf unterstützen und die trotz schwieriger Phasen beweisen, wie wertvoll ihre Freundschaft ist; und auch ihre neuen Freunde Rooney und Sunil, die zu meinen persönlichen Lieblingscharakteren geworden sind. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese fünf Charaktere dabei zu beobachten, wie sie die Schwierigkeiten ihres Lebens und ihrer eigenen Sexualität überwinden und dabei eine Freundschaft schließen, von der man problemlos glaubt, dass sie ein ganzes Leben halten wird.
Die einzige mögliche Kritik sehe ich darin, dass Georgia eventuell etwas ZU lang braucht, um ihre Sexualität herauszufinden. Zwar habe ich mich von der Handlung nie gelangweilt gefühlt, weil sie sich auch locker lesen ließ, aber ein bisschen gewundert habe ich mich doch, dass sie bzw. ihre Freunde nicht sehr viel früher darauf gekommen sind.
Insgesamt kann ich den Roman allen empfehlen, die nicht nur mehr Diversität lesen wollen, sondern auch eine Geschichte, die nicht von einer Romanze, sondern von den Charakteren und ihrer jeweiligen Freundschaft lebt. Zwar gibt es innerhalb von Georgias Freundeskreis auch ein Liebespaar, das schließlich zusammenfindet, aber der Fokus allgemein besteht definitiv auf der Freundschaft – deren Wert mehr Romane betonen sollten!
Jack Carter ist unsterblich. Was für ihn ein Problem ist, weil er nichts sehnlicher will, als endlich sterben zu dürfen. In 48 Therapie-Sitzungen werden wir mit seinem Leben, seinen Problemen und seinem Sarkasmus konfrontiert – wobei Jack es meisterhaft versteht, nicht nur seine Therapeutin, sondern auch uns zu amüsieren.
Ursprünglich wurde die Geschichte auf Wattpad hochgeladen und ich muss zugeben, dass ich bei dieser Information gehörige Zweifel daran hatte, dass sie gut sein würde – obwohl ich selbst bereits mehrere Fanfiktions las, die ich besser als so einige veröffentlichte Bücher fand. Zu meiner Erleichterung machte es mir unheimlichen Spaß, diesen Roman zu lesen und ich bin sehr froh, diese 48 Sitzungen zusammen mit Jack Carter erlebt zu haben.
Besonders sein Sarkasmus hat mir außerordentlich gut gefallen; mit Jack Carter hat Rebekka Derksen einen Charakter erschaffen, mit dem sich sicher viele identifizieren können, und der eindeutig seine Schwächen hat, dem Leser aber aber gerade deshalb ans Herz wächst.
Die Geschichte konzentriert sich einerseits auf die Gespräche zwischen Jack Carter und seiner Therapeutin, und andererseits auf die derzeitigen Ereignisse in seinem Leben, die er während der Sitzungen reflektiert. Gerade, weil er seiner Therapeutin natürlich nicht alles sagt, ergab sich ein schöner Kontrast zwischen Gedachtem und Gesagtem.
Die Geschichte ist trotz ihrer Thematik locker zu lesen, was hauptsächlich an Jacks Erzählweise liegt. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um keine hochtreibende Literatur, aber das sollte sie auch nie sein; letztendlich hielt das Buch genau das, was es versprach: Sie bot eine schöne Ablenkung vom stressigen Alltag, die mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat!
Farisio schlägt sich mehr schlecht als recht auf den Straßen des Landes Wirilat durch, nur begleitet von seinem besten Freund, dem Wind. Als er eines Tages ein kleines Mädchen in einer Mülltonne entdeckt, formt er eine schnelle Bindung zu ihr, nimmt sie auf und gibt ihr den Namen Ileija. Kurz darauf wird Ileija jedoch von der Gilde der Schatten entführt, die Farisio dazu bringen will, sich ihr anzuschließen. Gezwungenermaßen stimmt Farisio dem Angebot zu und wird immer mehr in die Angelegenheiten der Gilde hineingezogen …
Farisio ein wunderbarer Protagonist und mir hat die Welt, die die Autorin erschaffen hat, unglaublich gut gefallen – da habe ich sogar die Infodumping-Szenen sehr gerne gelesen, weil ich unbedingt mehr von der Welt erfahren wollte. Das Buch gehörte auch zu den wenigen, bei denen ich das Glossar sehr hilfreich fand. Eine Karte der Welt gibt es im Buch übrigens leider nicht, dafür kann man diese auf der Website der Autorin bewundern.
Weiterhin positiv zu erwähnen sind zwei Freunde, die Farisio in der Gilde schließt: Nari und Gralit, die ebenfalls sehr gute Charaktere sind, wobei Nari durch seine Sympathie und Gralit durch seine Charakterentwicklung glänzte. Ileija hätte ich dafür gerne näher kennengelernt – als Farisios adoptierte Schwester hat sie natürlich ein paar süße Szenen mit ihm, aber ihre Verbindung spürt man leider nicht so stark, wie ich es gerne gesehen hätte. Vor allem zu Anfang, vor Ileijas Entführung, hätte ich mich über mehr Szenen, in denen die beiden mehr Zeit miteinander verbringen, gefreut.
Die Gilde im Allgemeinen machte auf mich einen äußert negativen Eindruck, sodass ich mich ernsthaft fragte, warum Farisio nicht schon längst mit Ileija verschwunden ist. Ständig muss Farisio Dinge tun, die er auf keinen Fall tun will und/oder von denen er sich hoffnungsvoll überfordert fühlt, während Lehrer ihn sowohl körperlich als auch geistig belästigen. Besonders erwähnenswert ist Aphrodisiakum, der seine Schüler sexuell belästigt, und Keine Sperenzchen, die nichts als harsche Kritik für Farisio übrig hat. Die anderen Lehrer tun absolut nichts gegen diese Behandlung, was ich sehr schockierend fand.
Die Unterrichtsstunden selbst waren dabei sehr interessant, weil sie zum großartigen Worldbuilding beitrugen, während wir auch gleichzeitig einen guten Eindruck von Farisios Leben in der Gilde bekommen. Dadurch, dass so viel Fokus auf dem Unterricht liegt, eignet sich der Roman nicht für Leser, die eine dichte Handlung bevorzugen.
Das Ende lässt definitiv Raum für mehr, weil Farisio nach dem coolen Finale (bei dem ich stolz darauf bin, den Übeltäter dank Nicole Gozdeks Hinweisen bereits vorher überführt zu haben) zwar ein zufriedenstellendes Ende bekommt, das Schicksal der anderen Charaktere allerdings offen gelassen wird, was durchaus frustrierend ist, sollte es keinen zweiten Teil geben.
Wer also einen Fantasyroman mit einer wunderbaren Welt lesen will und sich nicht an der manchmal langsamen Handlung stört, wird hier ein paar schöne Lesestunden verbringen.
- Prison Healer
- Die Schattenheilerin
- Lynette Noni
- Loewe
- Fantasy
- Jugendbuch
- Romanze
- Charaktere
- Beziehungen
- Gefängnis
- Krankheiten
- Prüfung
- Highlight
Kiva lebt als Gefängnisheilerin in Zalindov, dem berüchtigsten Gefängnis in Wenderall, wo sie sich nach Kräften bemüht, den Insassen zu helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Ab und an bekommt sie Nachrichten von ihrer Familie, die verspricht, sie zu befreien. Doch eines Tages wird die Rebellenkönigin Tilda eingeliefert, die unter einer unbekannten Krankheit leidet und trotz dessen verurteilt wird, die Elementarprüfung abzulegen, um ihre Unschuld zu beweisen. Als ihre Familie Kiva schreibt, dass sie Tilda auf keinen Fall sterben lassen soll, bietet sie sich gezwungenermaßen als Ersatz an und muss mithilfe des Gefangenen Jaren, der Wärterin Naari und dem Gehilfen Tipp eine Möglichkeit finden, alle vier Prüfungen zu überleben ...
Vor dem Lesen stand das Buch unter keinem guten Stern, weil es mit Büchern verglichen wurde, die mir persönlich nicht gefielen. Jetzt, nach dem Lesen, bin ich unglaublich froh, dass ich dem Buch trotzdem eine Chance gegeben habe, weil es mich sehr begeistert hat!
Das fängt schon mit den unglaublich sympathischen Charakteren an. Kiva ist eine wundervolle Protagonistin, die alles daran setzt, anderen zu helfen und trotz der schlechten Bedingungen ihr Bestes zu tun. Jaren ist einer der verständnisvollsten und fürsorglichsten Love Interests, die mir bisher begegnet sind und seine wachsende Beziehung zu Kiva hat sich sehr natürlich entwickelt. Naari ist eine Wärterin, mit der sich Kiva anfreundet und die sich dafür einsetzt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Und Tipp ist trotz seines jungen Alters entschlossen, Kiva zu helfen und zusammen mit ihr herauszufinden, was es mit einer mysteriösen Krankheit auf sich hat, die sich plötzlich im Gefängnis ausbreitet.
Aufgrund des kleinen Casts an (wichtigen) Charakteren gibt uns Lynette Noni Gelegenheit, alle vier und ihre Beziehungen zueinander ausführlich kennenzulernen, was eindeutig das Highlight des Romans war. Neben Kivas Romanze mit Jaren gefiel mir ihre Freundschaft mit Naari sehr gut, aber auch allgemein die Beziehungen untereinander. Jeder, der charakterbasierte Fantasy liest, wird hier mit Freuden feststellen, dass sie hier wunderbar umgesetzt wurde.
Auch die Handlung war lobenswert, vor allem, als am Ende ein paar wichtige Geheimnisse ans Tageslicht kommen und sie in ein neues Licht rücken. Gerade die Erklärung, wie Kiva die Elementarprüfungen besteht, war hervorragend gelöst, weil es leicht gewesen wäre, sie einfach mit magischen Kräften auszustatten, der eigentliche Grund aber sehr viel besser (und herzerwärmender) ist. Manche Twists lassen sich durchaus vorausahnen, aber da sie letztendlich alle Sinn ergeben, hat mich das nicht gestört, zumal weil es auch den einen oder anderen unvorgesehenen Twist gab.
Damit haben wir ein wunderbares Fantasybuch, das vor allem durch seine Charaktere glänzt und für jeden empfehlenswert ist, der mal wieder eine richtig gute Jugendfantasy lesen möchte!
- Fürsorgliche Mr Cave
- Matt Haig
- Droemer Knaur
- Belletristik
- Tod
- Kontrolle
- Vater
- Tochter
- Halluzinationen
- Stalking
Nachdem Antiquitätenhändler Terence Cave bereits seine Mutter und seine Ehefrau verloren hat, stirbt sein Sohn Reuben bei einem Unfall, woraufhin er fürchtet, auch noch seine Tochter Bryony zu verlieren. Entschlossen, das nicht geschehen zu lassen, stellt er immer mehr und mehr Regeln auf, um sie vor der Welt zu beschützen. Was er nicht begreift: Mit seinem Verhalten macht er alles nur noch schlimmer …
Das Buch ist geschrieben wie ein Brief, den Terence an seine Tochter Bryony schreibt, um ihr nicht nur zu gestehen, was er alles getan hat, sondern auch, um zu erklären, warum er es für notwendig hielt. Dadurch, dass er selbst Schwierigkeiten damit hat, einzusehen, dass er zu weit geht, war das sehr faszinierend, weil Matt Haig einen dadurch ermuntert, selbst über Terences Verhalten zu entscheiden.
Zumindest am Anfang habe ich versucht, ihn zu verstehen – der Verlust eines Kindes ist schließlich alles andere als leicht zu verarbeiten –, aber sehr schnell war klar, dass Reubens Tod keine Entschuldigung für all das ist, was er im Lauf des Romans tut. Was hier besonders verstörend – und herzzerbrechend – war, waren die Halluzinationen von Reuben, die Terence regelmäßig bekommt und in denen er sich einbildet, Reubens Geist würde in ihn fahren und ihn zu seinen Taten zwingen.
Tatsächlich habe ich mir gerade deshalb ein Ende für ihn gewünscht, in dem ihm geholfen wird, seine Probleme zu überwinden, während ich gleichzeitig längst wusste, dass sie viel zu groß und extrem waren, um überwunden zu werden. Während des Lesens erlebte ich mehrere Schockmomente, entsetzt davon, wie weit Terence zu gehen bereit war, um Bryony zu „beschützen“. Es war, als würde man einer Zündschnur beim Abbrennen zusehen, bis die Bombe schließlich explodiert.
Insgesamt handelte es sich um ein sehr intensives Leseerlebnis, das mich zum Nachdenken angeregt hat – auch wenn die Thematik definitiv nicht für jeden geeignet ist.
Ich habe das Buch bereits mehrmals auf Deutsch gelesen, war aber schlussendlich neugierig darauf, wie gut es eigentlich übersetzt worden ist. Ich muss sagen: Ich bin sehr zufrieden!
Das englische Original hat natürlich seinen eigenen Flow und seinen eigenen Schreibstil, aber ich war positiv überrascht davon, wie gut letztendlich der Text von der einen in die andere Sprache übertragen wurde. Selbstverständlich gibt es im Englischen einige Formulierungen, die im Deutschen leicht verändert wurden (speziell Fluchwörter), aber letztendlich hatte ich nicht das Gefühl, durch das Lesen dieser im Original enthaltenen Formulierungen allzu viel dazugewonnen zu haben. Einige Übersetzungen wie "Todgeweihte/r" für "Decker" fand ich sogar besser als im Original!
Die Geschichte bleibt natürlich dieselbe: Zwei Jungen treffen sich an ihrem letzten Tag und beschließen beide, in diesen letzten Stunden ein ganzes Leben zu leben. Es ist eine wunderschöne, berührende Geschichte, die vor allem durch ihre Details brilliert - so viele Kleinigkeiten hängen miteinander zusammen, aber selbst die, die es nicht tun, laden zum Nachdenken ein, sodass die Geschichte noch lange nach dem Ende im Kopf herumspukt.
Ich bin froh, dass Original gelesen zu haben, werde bei zukünftigen Rereads aber wohl auf die Übersetzung zurückgreifen. Es ist immer wieder schön zu entdecken, dass der originale Text so gewürdigt wurde, wie er es verdient :)
- 4 verborgene Reiche
- Caspar & Phönixträne
- Abi Elphinstone
- Carlsen
- Kinderbuch
- Fantasy
- Abenteuer
- Wetter
- Reise
- Freundschaft
- Mut
Caspar liebt es, Bücher zu lesen und To-Do-Listen zu erstellen. Von Abenteuern hält er nicht viel, auch wenn er sich Sorgen um das Wetter macht, das in letzter Zeit verrückt spielt und schon mehrere Menschenleben gefordert hat. Als eines Tages die beiden Klassenfieslinge Candida und Leopold ihn bedrängen, flüchtet er sich nach Hause und versteckt sich in einer kaputten Standuhr – nur, um plötzlich in einem anderen Land anzukommen: Wolkenstern. Dort wird das Wetter auf der Erde mit sogenannten Wetterwundern kontrolliert, doch scheint mit diesen in letzter Zeit etwas nicht in Ordnung zu sein. Zusammen mit dem ruppigen Mädchen Wilda Undank ist es an Caspar, sowohl Wolkenstern als auch seine Welt zu retten …
Dieser Abenteuerroman eignet sich perfekt für Kinder ab zehn Jahren, die gerne Bücher über eine fantastische Reise lesen, in denen die Protagonisten verschiedene Schwierigkeiten überwinden müssen und auf zahlreiche Wesenheiten treffen. Es ist eine Geschichte über Mut und Freundschaft, die für Kinder der Altersgruppe sicher für ein paar schöne Lesestunden sorgen wird.
Als Erwachsene findet man natürlich das ein oder andere, das man kritisieren kann – so fand ich Wilda in der ersten Hälfte des Romans nicht leicht zu ertragen, auch wenn man bereits dort weiß, dass ihr Verhalten einen Grund hat. In diesem Zusammenhang fand ich folgendes Zitat sehr schön: „[D]ie meisten Leute [sind] gar nicht wegen anderer Leute so biestig und gemein, sondern weil ein Sturm in ihnen tobt.“ Das war bei Wilda letztendlich sehr gut umgesetzt und ich habe sie in der zweiten Hälfte des Romans richtig ins Herz geschlossen.
Ein wenig schade in diesem Zusammenhang war, dass es trotzdem eine strikte Einteilung zwischen Gut und Böse gibt. Ich habe mich sehr gefreut, als betont wurde, dass es in den allermeisten Fällen eine Ursache für das Verhalten einer Person gibt, bei der ein Freund dann helfen kann, aber leider wird diese Botschaft nicht auf andere Charaktere übertragen – so habe ich speziell bei Candida und Leopold erwartet, dass Caspar ihrem Verhalten auf den Grund geht und herausfindet, dass auch sie mit Problemen zu kämpfen haben, aber stattdessen blieben sie eindimensionale Schulfieslinge ohne irgendwelche Tiefe.
Das ändert natürlich nichts daran, dass beide Hauptfiguren gut charakterisiert sind und man sich speziell in Caspar gut hineinversetzen kann, doch wollte ich es mal erwähnt haben. Wer selbst gerne Kinderliteratur liest bzw. für Kinder einen schönen Abenteuerroman sucht, wird in „Die vier verborgenen Reiche“ einen finden!
An verschiedenen Orten in Bayreuth brechen plötzlich Feuer aus, die die Stadt und ihre Bewohner bedrohen. Hauptkommissar Georg Vandendaele startet zwar die Ermittlungen, kommt aber nicht wirklich weiter. Dafür fallen Emma Schiller, einer Journalistin und ehemaligen Polizistin, auf, dass sich an den Tatorten Noten finden, die sie jedoch nicht entschlüsseln kann. Sie nimmt die Hilfe von Professorin Azar Alt an und entdeckt, dass die Morde in Zusammenhang mit Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ stehen …
Ich wollte mal ein neues Genre ausprobieren und las auf Empfehlung hin deshalb diesen (inzwischen vergriffenen) Kriminalroman. Insgesamt fand ich ihn ganz nett, habe aber gleichzeitig festgestellt, dass ich Krimis im visuellen Medium lieber mag als Krimis im schriftlichen Medium. Gerade die Teile mit Vandendaele, die sich mit den Ermittlungen beschäftigten, fand ich teils sehr langatmig, während mir die Szenen mit Emma Schiller und Azar Alt sehr gut gefielen, auch wenn letztendlich alle Charaktere recht blass blieben.
Die historischen Bezüge zu Wagner und seinem Opernzyklus waren gut umgesetzt und für mich interessant zu lesen, während die Untersuchungen in Bayreuth aufgrund der Tatsache, dass ich diesen Ort noch nie besucht habe, ihre Wirkung nicht vollständig entfalten konnten – was aber natürlich nicht die Schuld der Autorin ist.
Ich bin letztendlich froh, diesen kleinen Exkurs unternommen zu haben, bin mir aber nicht sicher, ob ich mich ein weiteres Mal auf die pure Krimi-Schiene begeben werde. Diesen Krimi würde ich ohnehin nur Menschen empfehlen, die Fan von Wagner sind und/oder einen Bezug zu Bayreuth haben; für alle anderen ist er insgesamt ganz nett zu lesen, aber definitiv kein Muss.
Faye hat nur zwei physische Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter: Einen alten Karton, und ein Bild davon, wie sie als Kind hineinstieg. Als sie den Karton eines Tages auf ihrem Dachboden entdeckt, steigt sie spontan hinein – und fällt hindurch in die Vergangenheit, als sie selbst sechs Jahre alt und ihre Mutter noch am Leben war. Plötzlich bietet sich ihr nicht nur die Möglichkeit, ihre Mutter als Mensch kennenzulernen, sondern auch, herauszufinden, wie sie damals ums Leben kam …
Helen Fisher hat einen sehr flüssigen, hübschen Stil, der es leicht macht, die Geschichte in kurzer Zeit zu lesen. Die Beziehung zwischen Faye und ihrer Mutter ist dabei natürlich ein besonderes Highlight; ihre Interaktionen sind sehr intensiv beschrieben und haben ein melancholisches Gefühl in mir geweckt, weil die Autorin es wunderbar schafft, Fayes Gefühle den Lesern nahe zu bringen. Aus diesem Grund gehörten die Kapitel, die während der Vergangenheit spielten, zu meinen liebsten.
Aber auch die Gegenwart wartet mit sympathischen Figuren auf, speziell Fayes Ehemann Eddie und ihr bester Freund Louis. Beide sind mir im Lauf der Geschichte sehr ans Herz gewachsen. Zwar gibt es noch andere Charaktere, die durch ihre Liebenswürdigkeit hervorgestochen sind, aber Eddie und Louis waren durch ihre Screentime noch mal etwas Besonderes.
Die Regeln der Zeitreise folgen hierbei interessanterweise der „Stable Time Loop“, also der Annahme, das man nichts ändern kann, sondern alles, was man in der Vergangenheit tut, längst geschehen ist. Das Ende des Romans hat die Geschichte in diesem Sinne perfekt abgeschlossen, aber dafür ihre Botschaft (Loslassen und die Vergangenheit akzeptieren) nicht so gut umgesetzt, wie ich es gehofft hatte. Ich kann hier nicht mehr verraten, ohne zu spoilern, aber ein melancholischeres Ende hätte mir persönlich besser gefallen.
Zuletzt ist es erwähnenswert, dass es auch viele Diskussionen über Gott und seine Existenz gibt, weil Eddie, Fayes Ehemann, angehender Pfarrer ist, sie selbst aber nicht an Gott glaubt. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Atheisten diese Diskussionen bewerten würden; mich persönlich haben sie nicht gestört, doch kann ich nicht beurteilen, ob das anderen Lesern genauso ginge.
Letztendlich hat mir die Geschichte trotz ein, zwei kleinerer Schwächen sehr gut gefallen; wer Zeitreisen und vor allem eine gute Mutter-Tochter-Beziehung mag, findet hier eine wunderschön geschriebene Geschichte, die davon abgesehen noch ein wenig mehr zu bieten hat. :)
Was wäre, wenn Hitler nie gelebt hätte?
Diese Frage stellt sich auch Geschichtsstudent Michael Young, als er auf den Physikprofessor Leo Zuckermann trifft und herausfindet, dass dieser eine Maschine entwickelt hat, mit der man kleine Gegenstände in die Vergangenheit schicken kann. Kurzerhand beschließen die beiden, den Brunnen, mit dem sich Hitlers Eltern versorgen, mit Sterilisationspillen zu verseuchen, sodass Hitler nie gezeugt wird. Allerdings ist die Zukunft, die daraufhin entsteht, nicht die perfekte Utopie, die Michael sich erhofft hatte …
Die Umsetzung dieser alternativen Zukunft hat mir definitiv am besten gefallen, weil es sehr faszinierend war, zu erfahren, wie sich sowohl die Welt als auch Michaels Leben verändert hat. Allerdings geschieht das erst in der zweiten Hälfte des Romans – die erste Hälfte enthält zwar ebenfalls ein paar sowohl notwendige als auch interessante Informationen, aber auch sehr viel Filler, der mich nicht besonders packen konnte. Von daher muss man, bevor man zur „eigentlichen“ Handlung kommt, einiges lesen, was leider nur teilweise genauso interessant ist (z.B. Leos Zuckermanns Vorgeschichte). Und obwohl die zweite Hälfte es meiner Meinung nach wert ist, möchte ich als kleine Warnung anmerken, dass die erste Hälfte durchaus langatmig sein kann.
Positiv zu erwähnen sind sämtliche Kapitel, die sowohl in unserer als auch in der alternativen Vergangenheit spielen. Am Anfang fand ich sie nicht allzu besonders, aber je mehr ich las, desto mehr gefielen sie mir. Stephen Fry hat die faktische Vergangenheit gut mit seiner Fiktion verknüpft!
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Geschichte besser wird, je mehr sie vorankommt, weshalb ich jedem, der interessiert ist, empfehlen würde, den Anfang einfach durchzuziehen. Es lohnt sich!
- The Age of Darkness
- Das Ende der Welt
- Katy Rose Pool
- cbj
- Jugendbuch
- Fantasy
- Prophezeiung
- Gottheit
- Quest
- Opfer
- Charaktere
- Übersetzung
- Modernisierung
"The Age of Darkness - Das Ende der Welt" ist der dritte und letzte Band der Age-of-Darkness-Trilogie, den ich bereits auf Englisch las, aber natürlich wissen wollte, wie gut er übersetzt worden ist.
Was die Handlung und die Charaktere angeht, war beides sogar noch besser, als ich es in Erinnerung hatte! Die Tatsache, dass ich bereits wusste, was passieren und wie es enden würde, hat meine Freude am Lesen keinesfalls geschmälert, weil es einfach Spaß machte, die Charaktere ein weiteres Mal auf ihrer Mission, die Welt zu retten, zu verfolgen. Die Charakter-Interaktionen, die uns in den vorigen zwei Bänden größtenteils verwehrt blieben, bilden zusammen mit Antons und Judes Beziehung das Highlight.
Was die Übersetzung angeht, bestand schnell ein Anlass zur Sorge: Im Gegenteil zu Band 1 und 2 wurde der dritte Band nicht von Anja Galić übersetzt, sondern von Heide Horn und Christa Prummer-Lehmair. Diesen Wechsel hat man ziemlich deutlich gemerkt, weil vor allem in Dialogen, aber auch im Text plötzlich umgangssprachliche Formulierungen verwendet wurden, die Anja Galić bewusst mied und durch archaischere Ausdrücke ersetzte. Deshalb mochte ich ihre Übersetzung der ersten zwei Bände auch so sehr - die Charaktere drückten sich nie modern aus, sondern für ihre Zeitperiode angemessen.
Im dritten Band ist dem nicht mehr der Fall. Das war vor allem am Anfang recht abschreckend und ich stolperte immer wieder über Sätze, die sich nicht richtig anhörten. Im Lauf des Buches wurde das zum Glück besser, aber ein paar besonders grenzwertige Ausdrücke sind mir dennoch negativ aufgefallen: "Peanuts", "Inselhopping", "Torschlusspanik", "Insider-Informationen" oder auch Sätze wie "allmählich machte es Klick bei ihr", die meinen Lesefluss sehr störten, weil es solche modernen Wörter in den ersten zwei Bänden schlichtweg nicht gab und die Übersetzung selbst davon abgesehen mir stellenweise zu umgangssprachlich war.
Letzten Endes handelt es sich um verhältnismäßig wenige Stellen, aber gerade deshalb fielen sie mir umso mehr auf. Tatsächlich würde ich mir am liebsten eine zweite Übersetzung von Anja Galić wünschen, obwohl ein Großteil des Buches immer noch neutral übersetzt worden ist. Wem es missfällt, in seinen Fantasybüchern moderne Ausdrücke zu lesen, sei hier gewarnt, da diese das eigentlich wunderbare Finale der Trilogie ein wenig schmälern.
- Serenade für Nadja
- Zülfü Livaneli
- btb
- Belletristik
- Türkei
- Istanbul
- Zweiter Weltkrieg
- Juden
- Schiff
- Musik
- Liebe
- Familie
Eigentlich soll Maya nur Professor Maximilian Wagner während eines Kongresses betreuen, doch schnell fällt ihr auf, dass mehr hinter dem Professor steckt, als sie ursprünglich annahm. Als er sie bittet, ans Schwarze Meer zu fahren, damit er dort Geige spielen kann, stellt Maya Nachforschungen an - und erfährt von Nadja, der Frau, die er verloren hat ...
"Serenade für Nadja" ist keine Liebesgeschichte. Zwar fokussiert sich ein Kapitel speziell auf Maximilian und Nadja und bildet meiner Meinung nach auch das Highlight des Buches, aber viel mehr geht es um Maya und ihr Leben sowie um die historischen Hintergründe, die schließlich zu Nadjas Tod führten.
Ich muss zugeben, dass ich deswegen zunächst enttäuscht war - aufgrund der Kurzbeschreibung las ich das Buch mit der Erwartung, die Liebesgeschichte würde, ähnlich wie in anderen Büchern, regelmäßig in Rückblenden erzählt werden, weshalb ich in der ersten Hälfte der Geschichte recht ungeduldig wurde, weil das nicht geschah. Dabei ist Mayas Leben und speziell ihre Beziehung zu ihrem Sohn Kerem sehr eindringlich beschrieben worden, was ich aber erst im Nachhinein wertzuschätzen wusste. Hier wünschte ich wirklich, die Kurzbeschreibung hätte es nicht so klingen lassen, als würde Maximilians und Nadjas Liebe eine Hauptrolle spielen. (Sie ist natürlich wichtig, wird aber recht spät erzählt.)
Was die historischen Bezüge angeht, sind sie vor allem im Hinblick auf das Rückblende-Kapitel bemerkenswert: In der ersten Hälfte las ich all die Informationen mit mildem Interesse, doch als ich begriff, wie sie mit der persönlichen Geschichte von Maximilian und Nadja zusammenhingen, nahmen sie sofort eine andere Bedeutung an.
Stilistisch gibt es einen kleinen Kritikpunkt: Oft gibt es ganze Dialog-Batzen, in denen die Sprecher nicht erwähnt werden. Ich bin mehrmals durcheinander gekommen, weil ich während des anhaltenden Dialogs vergaß, wer nun mit Sprechen an der Reihe ist.
Ansonsten handelt es sich um eine schöne Geschichte, die alleinig von der Erwartungshaltung, die man ihr entgegen bringt, gemildert werden könnte. Wer sich für Geschichte interessiert und eine kleine Liebesgeschichte als bittersüßen Zusatz möchte, wird zufrieden sein; wer Fokus auf Liebesgeschichten legt und nicht viel mit historischen Ereignissen anfangen kann, sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Ich fing an, die Geschichte zu genießen, sobald mir klar wurde, worum es eigentlich ging: Maya und ihre Konfrontation mit ihrer eigenen und Maximilians Vergangenheit.
Im dritten und bisher letzten Band der Mistle-End-Chroniken sieht es nicht gut für Cedrik, Emily und Elliot aus: Sie müssen Mistle Ends Untergang unbedingt abwenden, doch brauchen sie dafür sowohl die Hilfe der Nymphen als auch der anderen Druiden, wobei immer die Gefahr herrscht, dass Crutch vor ihnen ankommt. Zudem müssen alle drei ordentlich an ihren Kräften arbeiten, weil Crutch und seine Armee um einiges mächtiger ist als sie ...
Der dritte Band gab uns einige tolle neue Charaktere und einen leicht zu lesenden Plot, sowie ein wenig Tiefe bei bekannten Charakteren, weil diese nicht ganz so vollkommen gut sind, wie Cedrik es erwartet hatte. Dafür gab es ab und an einige Längen, die mich zwar nicht allzu sehr störten, weil ich es mochte, Zeit mit den Charakteren zu verbringen, die mir jedoch auffielen.
Der einzige Charakter, den ich nicht mehr lieb gewinnen konnte, war mein ursprünglicher Lieblingscharakter Crutch, den ich in den ersten beiden Bänden vor allem deshalb mochte, weil er nicht einfach böse, sondern ein vielschichtiger Charakter war, dessen Motivation ich durchaus nachvollziehen konnte. Hier im dritten Band war er mir allerdings zu einseitig böse, was ich persönlich sehr schade fand.
Auch gibt es noch einige offene Fragen, weil Cedrik im letzten Band einen Pakt eingegangen ist, dessen Preis er bisher noch nicht bezahlen musste. Ich hoffe deshalb, in einem eventuellen vierten Band sowohl mehr vom ursprünglich vielschichtigen Crutch als auch die Auflösung einiger Plotelemente zu sehen.
Insgesamt fand ich den dritten Band ein wenig schwächer als seine Vorgänger, doch immer noch lesenswert, weil sowohl alte als auch neue Charaktere auf verschiedene Weise glänzen durften. Einen vierten Band würde ich mir definitiv holen!