Der Orden des geheimen Baumes - Die Königin
544 Seiten

Ead ist zu Hause angekommen, beim Orden des geheimen Baumes. Doch sie ist nach wie vor fest entschlossen, ihrer Geliebten Königin Sabran zu helfen, so sehr die anderen Mitglieder des Ordens dagegen sind. Als sie ein geheimnisvolles Juwel entdeckt, das der Schlüssel zu allem sein könnte, sucht sie die Hexe Kalyba auf, um Antworten zu erhalten - und einen Weg zu Sabran zurückzufinden.

Auch Tané, Niclays und Loth, die anderen Sichtcharaktere, müssen sich neuen Problemen stellen: Tané will ihre gefangene Drachin befreien, Niclays will einen unsterblich machenden Baum finden und Loth muss ein Bündnis mit dem Herrscher des Ostens schmieden. Zu meiner Freude bekam vor allem Tané ab etwa der Hälfte des Buches mehr Screentime, was es leichter machte, eine Verbindung zu ihr aufzubauen.

Die Welt und die Handlung bleiben weiterhin komplex, wobei mir in diesem Band vor allem die Twists gefielen. Jedoch muss ich zugeben, dass die Geschichte insgesamt zu lang ist - es gibt in beiden Bänden Stellen, die problemlos hätten gekürzt werden können, weil sie letztendlich nicht relevant für die Handlung waren.

Die Handlung selbst war weiterhin gut und das Ende zufriedenstellend, doch muss man eindeutig eine Liebe für komplexe Fantasywelten mitbringen, wenn man diese beiden Bücher lesen will. Fühlt man sich schnell bei vielen Namen und Charakteren überfordert, sollte man lieber zu einem anderen Fantasyroman greifen. Doch versinkt man gerne in eine realistische und gut ausgebaute Fantasywelt, kann ich diese Duologie sehr empfehlen!

Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin
544 Seiten

Ead ist die Beschützerin einer Königin, die auf der Gegenseite steht. Loth ist ein frisch erklärter Botschafter mit einer gefährlichen Aufgabe. Tané ist eine Drachenreiterin, die die Anwesenheit eines Schiffbrüchigen für sich behält. Und Niclays ist ein verstoßener Arzt, der ebenjenem Schiffbrüchigen gezwungenermaßen Zuflucht gewährt.

Die vier Erzähler dieses Buches stellen uns eine komplexe, durchdachte Fantasywelt vor, weshalb recht viel Zeit mit dem Setup verbracht wird und die Handlung nur allmählich ins Rollen kommt. Dafür begeisterte diese Handlung mich umso mehr - gerade Eads Storyline und ihre Beziehung zu ihrer Königin Sabran fesselte mich am meisten. Die anderen drei Erzähler bekommen leider nicht ganz so viel Screentime, sind aber sympathisch genug, um ihre Geschichte weiterverfolgen zu wollen.

Es ist schwierig, ohne Spoiler zu sagen, wie alle vier mit den Problemen in ihrem Leben umgehen, aber der eigentliche Fokus lag meines Erachtens ohnehin auf der Welt - Samantha Shannon ist eine Meisterin des Worldbuildings und es hat mir Spaß gemacht, mich schlicht in dieser Welt zu verlieren und zu beobachten, wie die Hauptcharaktere in ihr leben. Wer einen dichten Plot erwartet, wird enttäuscht werden, aber wer sich gerne in andere Welten fallen lässt, kommt voll auf seine Kosten.

Ein kleiner Kritikpunkt ist die Anzahl an Personen/Namen, die unweigerlich im Buch vorkommen. Bei jeder Storyline brauchte ich zuerst eine Weile, um mir alle wichtigen Figuren zu merken.

Insgesamt konnte das Buch definitiv durch seine Komplexität überzeugen - wer über eine gut ausgebaute Welt lesen will, ist hier an der richtigen Adresse!

Fingerhut-Sommer
400 Seiten

In der tiefsten Provinz verschwinden zwei Mädchen und Peter Grant bekommt die Aufgabe, bei ihrer Suchaktion mitzuhelfen, weil die Vermutung nahe liegt, dass Magie mit im Spiel war. Unterstützung bekommt er dabei von Beverley Brook, mit der er das letzte Mal im ersten Band längeren Kontakt hatte. Verzwickter wird die Situation, als Lesley sich unerwartet bei Peter meldet ...

Insgesamt ein netter Fantasykrimi, bei dem es mir Spaß gemacht hat, Peters Suche mitzuverfolgen. Die Aufteilung des Buches in zwei Teile hat mir ebenfalls gefallen - normalerweise wäre das Ende des ersten Teils das Ende eines Buches, aber hier dient es dazu, die Handlung weiter auszubauen, was ich toll fand.

Was den Humor angeht, fiel mir diesmal nicht so viel auf, was ich aber nicht zwingend als Minuspunkt sehe. Insgesamt also ein netter Band und imho auf jeden Fall besser als der letzte ;)

Der böse Ort
400 Seiten

Das Finale des Buches war fantastisch - alles davor eher nicht. Ich muss sagen, dass ich die Handlung nicht besonders ansprechend fand und ich den Humor dieses Mal entweder nicht verstanden habe oder er nicht so witzig war wie in den vorherigen Teilen. Ich hatte zudem auch Schwierigkeiten, die verschiedenen Handlungsstränge und Kriminalfälle miteinander zu verbinden, wobei das aber auch an mir liegen könnte.

Insgesamt ein schwächerer Band, dafür aber mit einem lesenswerten Ende.

Ich will dir nah sein
336 Seiten

Seit Jahren sucht Lester Sharp nach einer Frau, die ein guter Ersatz für die sein kann, die er vor langer Zeit verloren hat. Die junge Erin, eine 28-jährige Tänzerin, ist perfekt für diese Rolle. Schnell entwickelt Lester ein obsessives Interesse an ihr, das mit jedem Tag immer größer und größer wird ...

Für Lesters Charakter gibt es nicht einmal eine beschönigende Beschreibung: Der Mann ist schlicht und ergreifend krank. Er stalkt Erin, verschafft sich Zutritt zu ihrer Wohnung und interpretiert alles, was sie sagt und tut, zu seinen Gunsten. Erin, die mit eigenen Problemen zu kämpfen hat, sowie Rhys, ihr Makler, sind in diesem Sinne schon realistischer beschrieben und waren eine willkommene Abwechslung von Lesters kranken Gedanken. Obwohl es solche Männer wie Lester sicher gibt, wirkte seine Darstellung auf mich vollkommen überzogen, was den fiktionalen Status seines Charakters überdeutlich zeigte.

Der Twist des Buches verändert die Perspektive des Lesers komplett, auch wenn schwer ist, im Nachhinein zu beurteilen, wie viel Sinn er letztendlich ergibt. Viele Details finden ihren Platz im Puzzle, von anderen (vor allem, was die Reaktionen der Charaktere betrifft), würde ich das nicht unbedingt behaupten.

Insgesamt ein kurzweiliger Thriller, der zwar nicht unbedingt meinem Geschmack entspricht, jedoch bei denjenigen Anhang finden könnte, die Details gerne rekontextualisieren.

Ein Fluch so ewig und kalt
560 Seiten

Prinz Rhen von Emberfall ist verflucht. Er lebt in einer Art Zeitschlaufe und verwandelt sich an deren Ende in ein monströses Ungeheuer. Nur durch die wahre Liebe kann sein Fluch gebrochen werden. Rhens Kommandant Grey bringt ihm für seinen letzten Versuch ein Mädchen namens Harper aus Washington D.C., die ganz andere Sorgen hat, als die Märchenprinzessin zu spielen - bis sie sieht, wie schlecht es den Bewohnern Emberfalls geht. Während sie beschließt, ihnen zu helfen, muss Rhen sein Geheimnis vor ihr und allen anderen verbergen ...

Was wie eine ziemlich märchenhafte Handlung ohne Überraschungen klingt, entwickelt sich schnell zu einer wunderbar realistischen Interpretation davon. Im Fokus stehen die Beziehungen zwischen Rhen, Harper und Grey, wobei Brigid Kemmerer sich erfreulicherweise nicht nur auf die (sich sehr realistisch entwickelnde) Beziehung zwischen Rhen und Harper konzentriert, sondern auch auf die Freundschaft zu Grey, die beide teilen. Weil ich überhaupt nicht erwartet habe, neben dem Hauptpaar noch andere wichtige Beziehungen zu verfolgen, freute ich mich, dass auch anderen Freundschaften genügend Platz eingeräumt wurde. Zusätzliche Pluspunkte gibt es dafür, dass alle drei unglaublich sympathische Figuren waren!

Auch die Handlung begeisterte mich, vor allem, weil sie sich ab einem bestimmten Punkt überhaupt nicht so entwickelte, wie ich es vorhersah. Viel mehr kann ich leider nicht verraten, ohne zu spoilern, aber seid euch versichert, dass es sich bei diesem Roman definitiv nicht um eine einfache Interpretation von "Die Schöne und das Biest" handelt!

Der einzige Kritikpunkt besteht für mich in der Qual, die der arme Rhen erleiden muss. Harper sagt von ihrem Bruder Jake an einer Stelle, dass er so aussieht, als hätte das Leben ihn ein paar Dutzend Mal gegen die Wand geworfen, doch auf Rhen hätte diese Beschreibung noch besser gepasst. Ihm geschehen während des Romans so viele schlimme Dinge, dass es ganz schön am Realismus des Romans kratzte. Hier hätte die Autorin meiner Meinung nach eine Grenze ziehen sollen, weil es ab einem bestimmten Punkt schwer wurde, sich mit all seinem Leid zu identifizieren.

Davon abgesehen war der Roman allerdings hervorragend und hat meine Erwartungen in jedem Punkt um ein Vielfaches übertroffen. Ich kann das Buch jedem ans Herz legen, der sich besonders für die Beziehungen zwischen verschiedenen Charakteren interessiert und mal eine etwas andere Märchenfantasy lesen möchte :)

Nocturna - Das Spiel des Fuchses
512 Seiten

Nach einer Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse befreit Prinz Alfehr, genannt Alfie, die schwarze Magie aus ihrem Gefängnis. Sie sucht sich in einem bösen Mann namens Ignacio einen Hort, dessen oberstes Ziel es ist, seine Ziehtochter Finn, eine Gesichtsdiebin, in seine Gewalt zu bekommen. Zusammen müssen Alfie und Finn zusammenarbeiten, um die schwarze Magie wieder einzusperren - was nicht leicht ist, weil die beiden unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie sie ihr Ziel erreichen sollen ...

Alfie und Finn waren fantastische Charaktere und ihre Dynamik hat mir außerordentlich gut gefallen. Obwohl der Antagonist klassisch böse ist, war die Handlung sehr spannend und ich habe mich mehr als einmal gebannt gefragt, wie Alfie und Finn gegen ihn ankommen sollen; das Finale war in diesem Sinne perfekt und hat schön gezeigt, wie die beiden sich im Verlauf der Handlung entwickelt haben.

Nur zwei kleine Kritiken gibt es: Zum einen wäre da die Kurzbeschreibung der Charaktere im Klappteil des Umschlags, die einige wichtige Dinge vorwegnimmt (und teils sogar falsch beschreibt) und auf die man getrost verzichten könnte; zum anderen wären da die spanischen Ausdrücke im Buch, wie "sí" und "entiendes". Da die Charaktere bereits Spanisch sprechen und wir ihren Dialog quasi "übersetzt" lesen, kam es mir reichlich sinnfrei vor, trotzdem regelmäßig spanische Wörter in ihre Unterhaltungen einzubauen.

Davon abgesehen ist das Buch ein toller Fantasy-Roman, der seine Magie kreativ umsetzt und über zwei wunderbare Protagonisten verfügt. Wer auf so etwas Wert legt, ist hier genau richtig!

Das Leben ist zu kurz für irgendwann
384 Seiten

Terrys Freundin Iris leidet an Multipler Sklerose. Aus diesem Grund entschließt sie sich, von Irland nach Zürich zu reisen, um sich dort in einer Klinik das Leben zu nehmen. Als Terry früher als beabsichtigt davon erfährt, zögert sie keine Sekunde damit, zusammen mit ihrem dementen Vater ihre Freundin zu begleiten und sie umzustimmen. So machen sich die drei auf die Reise - eine Reise, die Terry von Grund auf verändern wird.

Auch wenn das Buch spannende Elemente enthält, lebt es vor allem durch seine realistischen Charaktere, mit denen ich mich gut identifizieren konnte. Terry, Iris und Eugene, Terrys Vater, fühlten sich so real an, wie ich es selten erlebt habe. Zwar treffen sie manchmal Entscheidungen, mit denen ich nicht übereinstimmte, aber gerade das machte sie umso realistischer.

Auch der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen, sodass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen beendete. Die Themen Sterbehilfe und Demenz sind nicht für jedermann, aber Ciara Geraghty geht respektvoll mit ihnen um und man merkt, dass sie sich ausführlich mit diesen Themen beschäftigt hat.

Insgesamt kann ich den Roman aus vollstem Herzen empfehlen!

Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte
292 Seiten

Von einem Toten auf dem Mount Everest bis zum Doppelleben des Jonathan Wild bietet dieses Buch interessante Anekdoten aller Art. Nicht alle Anekdoten werden alle Leser interessieren, aber insgesamt ist garantiert, dass man so einige Dinge lernt, die man davor noch nicht wusste.

Das gelingt Giles Milton vor allem dadurch, alle Anekdoten auch für Unwissende verständlich zu beschreiben - selbst, wenn man mit einer bestimmten Person rein gar nichts anfangen kann, ist ihre Anekdote so geschrieben, dass sie auch für Laien zugänglich ist. Einige Anekdoten wird man vielleicht schon kennen, aber der überwiegende Großteil war zumindest mir unbekannt.

Schön ist auch die Einteilung in insgesamt 16 Kapitel, die je drei Anekdoten behandeln. Dadurch kann man bei Bedarf gleich zu dem Thema springen, das einen interessiert. Das einzig Negative dabei ist wohl, dass es, was die Themenauswahl betrifft, sehr oft um sexuelle und tödliche Angelegenheiten geht - andere Themen kommen zwar auch zur Sprache, aber mir persönlich sind diese beiden Themen besonders stark aufgefallen.

Insgesamt ein kurzweiliges, aber informatives Lesevergnügen!

Hinter diesen Türen
368 Seiten

Es ist zu schön, um wahr zu sein: Rowan Caine stolpert über die Stellenausschreibung einer Familie mit vier Töchtern, die dringend ein Kindermädchen brauchen und dafür eine stattliche Summe plus einige Extras anbieten. Sofort bewirbt sie sich und bekommt die Stelle auch - nur, um bald darauf festzustellen, dass sie womöglich einen Fehler gemacht hat.

Das ganze Haus ist zu einem Smart Home umfunktioniert worden, in dem alles durch eine App und Sprache gesteuert wird. Es dauert nicht lange, ehe sich seltsame Vorkommnisse ereignen: Rowan hört Schritte auf dem Dach, fühlt sich allgemein beobachtet und muss sich zusätzlich mit den Kindern herumschlagen, die ihr gegenüber feindselig eingestellt sind. Als eines der Kinder zu Tode kommt und sie unter Mordverdacht gerät, schreibt sie einen Brief an einen Anwalt, um ihre Situation zu schildern - und diesen Brief, indem sie alles von Anfang bis Ende erzählt, lesen wir.

Ich muss zugeben, dass meine willentliche Aufhebung des Unglaubens wegen dem Format der Geschichte arg überstrapaziert wurde - obwohl es durchaus Menschen gibt, die 350-Seiten-Briefe schreiben, kam es mir äußerst unrealistisch vor, so einen Brief einem Anwalt zuzumuten, den all die Millionen Details, die für uns äußerst interessant sind, nicht kümmern werden. Deshalb empfehle ich, das Buch als Roman und nicht als Brief zu behandeln; als Brief verliert die Geschichte schnell an Glaubwürdigkeit, aber als Roman ist sie hervorragend.

Hier muss ich auch ein großes Lob an den letzten Brief aussprechen, dem es gelungen ist, innerhalb von zwei Seiten alle Fragen zu lüften, die bis dahin unbeantwortet blieben. Bis dahin habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wer denn nun hinter allem steckt - ich hatte einen starken Verdacht, aber immer noch viele Fragen - und war positiv überrascht, als der letzte Brief alles erklärte.

Insgesamt handelt es sich um einen weiteren spannenden Thriller von Ruth Ware, dessen einzige Schwäche in seinem Format besteht, das ich unrealistisch fand. Davon abgesehen kommt man in den Genuss einer tollen Geschichte mit tollen Twists und einer absolut atemberaubenden Auflösung!

Hush – Verbotene Worte
416 Seiten

Nachdem ihre Mutter umgebracht wird, gibt es für Shae nur ein Ziel: Sie will herausfinden, wer der Mörder ist und warum er es getan hat. Zu diesem Zweck reist sie zum Hohen Haus, wo die Barden das schriftliche Wort bewachen. Einer von ihnen ist der Mörder. Nebenbei stellt sich heraus, dass Shae selbst eine Bardin ist ...

Das Buch hat einen sehr angenehmen, flüssigen Schreibstil und setzt die eben erwähnte Haupthandlung gut um, aber leider zieht die unnötige "Romanze" zum unnahbaren Ravod das Buch ganz schön runter. Am Anfang streiten sie sich nur, Ravod blockt Shae stets ab und wettet sogar, dass sie höchstens eine Woche in ihrer Barden-Ausbildung durchhalten wird - aber natürlich fühlt sich Shae trotzdem zu ihm hingezogen, weil er so gut aussieht. Erst ab dem Punkt, als Ravod ihr Ausbilder und etwas sanfter wird, werden ihre Gefühle einigermaßen glaubhaft.

Shaes Beziehung zu ihrem Kindheitsfreund Mads, die am Anfang behandelt wird, gefiel mir dabei um einiges mehr; er ist für Shae da, als es kein anderer ist und riskiert sogar, dass seine Familie ihren Status verliert, als er Shae einen Antrag macht. Die beiden hatten trotz der Tatsache, dass Shae ihn nicht liebt, meiner Meinung nach mehr Chemie als Shae und Ravod.

Bei Shaes Ausbildung fand ich es im Übrigen ein wenig merkwürdig, dass ihre Gabe, gestickte Dinge in der Wirklichkeit erscheinen zu lassen, nie Anwendung fand. Stattdessen beschwört sie mit Worten und das Sticken nimmt eher eine Nebenrolle ein. Das ist hierbei jedoch kein Kritikpunkt, sondern nur etwas, das mir seltsam vorkam.

Zuletzt ist mir die Darstellung von Illusionen positiv ins Auge gefallen - mehrmals zweifelt Shae, ob sie gerade wahnsinnig wird und diese Momente waren außerordentlich gut beschrieben.

Insgesamt handelt es sich um einen recht gewöhnlichen Romantasy-Roman; wer so etwas gerne liest, ist hier also bestens bedient, alle anderen sollten lieber mit etwas anderem Vorlieb nehmen.

The Music of What Happens
448 Seiten

Nachdem seine Mutter massive Schulden gemacht hat, die sie innerhalb einer Deadline bezahlen muss, liegt es an Jordan, sie abzubezahlen, indem er an einem Food Truck arbeitet. Hilfe bekommt er dabei von Max, einem Jungen in seinem Alter, der gerade eine schlimme Erfahrung durchgemacht hat. Nach und nach verlieben sie sich ineinander, müssen sich aber immer noch mit ihren eigenen Problemen konfrontieren ...

Ich will ehrlich sein: Allzu sehr hat mir das Buch nicht gefallen. Die Prämisse gefiel mir sehr gut und ich freute mich auf einen weiteren LGBT-Roman, hatte letztendlich aber mehr schlechte als gute Zeiten während des Lesens.

Das fängt damit an, dass die beiden Hauptcharaktere sich zunächst nicht leiden können und ihre Anziehung auf rein äußerlichen Faktoren beruht. Später merkt man zwar, dass da mehr ist - sie helfen sich nämlich gegenseitig, über ihren Schatten zu springen -, aber gereicht hat mir das leider nicht.

Die Freunde von Jordan und Max, die eine halbwegs wichtige Rolle spielen, konnte mich auch nicht begeistern. Sie beleidigen die Jungs, machen vage rassistische/homophobe Kommentare, plappern deren Geheimnisse bereitwillig aus und tun allgemein Dinge, die die Jungs nicht wollen. So sehr Max und Jordan beteuerten, dass sie ihre Freunde lieben, ich konnte es ihnen einfach nicht abkaufen. Gegen Ende wird das eine oder andere zwar angesprochen, aber ein Gefühl von Freundschaft verspürte ich dabei nicht.

Der Schreibstil, vor allem der Dialog, ist recht modern gehalten, was zwar nicht meinem Geschmack entspricht, aber gut bei der eigentlichen Zielgruppe, Jugendlichen, ankommen könnte.

Zuletzt das, was mich dazu brachte, das Buch überhaupt zu Ende zu lesen: Die individuellen Probleme der beiden Hauptfiguren. Gerade Max' Erlebnis wurde hervorragend beschrieben und der Autor versteht es, mit solchen sensiblen Themen umzugehen. Und auch Jordans Probleme mit seiner Mutter gingen mir nahe, weil es herzzerreißend war, zu sehen, wie er gegen Windmühlen kämpft. Mein Hauptgrund, weiterzulesen, waren vor allem diese Probleme, die mit der eigentlichen Romanze nur teils zu tun haben.

Insgesamt haben die positiven Punkte leider nicht ausgereicht, um den negativen Eindruck zu dämpfen, trotz einiger schöner Szenen, die zwischen Max und Jordan stattfanden. Insofern würde ich das Buch nur jenen empfehlen, die sich für die privaten Konflikte interessieren.

The Cousins
432 Seiten

"Ihr wisst, was ihr getan habt."

Mit diesem Satz enterbte Mildred Story ihre vier Kinder vor über zwanzig Jahren, wobei alle vier behaupten, nicht zu wissen, was ihre Mutter damit gemeint hat. Als Mildred ihren Enkeln - Milly, Aubrey und Jonah - eine Einladung schickt, während des Sommers auf ihrer Insel zu arbeiten, damit sie sie kennenlernen kann, stimmen die Cousins aus unterschiedlichen Gründen diesem Angebot zu. Nur, dass ihnen schnell ein paar Ungereimtheiten auffallen: Als sie ihre Großmutter treffen, scheint diese überhaupt nicht zu wissen, dass sie kommen würden. Das Geheimnis ihrer Eltern ist ebenfalls etwas, was es aufzudecken gilt. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass einer der Cousins nicht die Person ist, die sie vorgibt zu sein ...

Mit ihrem neuesten Roman "The Cousins" beweist Karen M. McManus ein weiteres Mal ihre Erzählkunst. Ich habe Millys, Aubreys und Jonahs Sichten mit Spannung verfolgt und bei jeder neuen Offenbarung mitgefiebert und mitgerätselt, um das ganze Puzzle zusammenzusetzen. Die drei Cousins waren mir unglaublich sympathisch, wobei ich spontan gar nicht sagen könnte, wen ich am liebsten mag, weil es der Autorin hervorragend gelungen ist, sie alle dreidimensional zu beschreiben.

Dasselbe trifft auch auf die Handlung zu. Ich hing förmlich an den Zeilen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und welches neue Geheimnis an Licht kommen wird. Gerade die Offenbarung um einen der Cousins hat mich komplett aus der Bahn geworfen, aber auch die Probleme der anderen zwei fesselten mich. Insgesamt waren alle drei - in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes - relatable und neben den tollen Twists das Highlight des Buches.

Wer also Lust hat, einen spannenden Roman mit sympathischen Protagonisten zu lesen, ist hier bestens bedient; für mich war der Roman mindestens genauso gut wie "One of Us is Lying"!

Der durch den Spiegel kommt
272 Seiten

Als Anna auf dem Weg zum Einkaufen einem Kaninchen und einem magischen Spiegel begegnet, gerät ihre Welt schnell durcheinander. Mithilfe des zweiseitigen Spiegels kann sie zwischen ihrer Welt und dem Land-auf-der-anderen-Seite hin und her wechseln - einem Land, das von Evil dem Fürchterlichen bedroht wird und nur vom Kühnen Kämpfer - demjenigen, der durch den Spiegel kommt - besiegt werden kann.

Die ängstliche Anna stimmt zunächst nur zu, das Land zu retten, weil sie mithilfe des Spiegels jederzeit in ihre eigene Welt kann. Doch dann verliert sie ihn und muss von nun an selbst beweisen, was in ihr steckt - was besonders schwierig wird, als sie erfährt, dass ein Irrtum vorliegt und sie gar nicht die Auserwählte ist ...

Ursprünglich ist dieses Kinderbuch von Kirsten Boie im Jahr 2001 erschienen. Es nach so vielen Jahren wieder zu lesen, zeigte mir, was für eine wunderbare Autorin Kirsten Boie doch ist: Ihr Schreibstil und ihre Figuren wachsen einem sofort ans Herz und die Geschichte ist trotz klischeehafter Schwarzweißmalerei ein wunderbares Leseerlebnis. Jedem Kirsten-Boie-Fan, aber auch jedem Kinderbuch-Fan, würde ich diesen Roman deshalb wärmstens ans Herz legen!

Charlotte & Ben
224 Seiten

Charlottes Vater wird nach einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert. Bens Eltern wollen sich scheiden lassen. Eine Freundin Charlottes entfernt sich langsam von ihr. Ben möchte seinen Mitschülern beweisen, dass er etwas bewirken kann.

Charlotte und Ben lernen sich durchs Online-Scrabbeln kennen und haben auch SMS- und telefonischen Kontakt, sagen dem jeweils anderen jedoch nicht, was sie wirklich plagt. Lieber tun sie so, als wäre alles in Ordnung, weshalb sie selbst einen Weg finden müssen, mit ihren individuellen Schwierigkeiten umzugehen.

Sowohl Charlotte als auch Ben waren sympathische Charaktere, mit denen ich gerne mitfieberte, aber der Untertitel des Buches - "Ein Freund kann alles verändern" - verleitete mich irrtümlicherweise dazu, zu glauben, dass ihre Fern-Freundschaft einen wichtigen Teil des Buches ausmachen würde. Das ist jedoch nicht der Fall.

Den persönlichen Problemen der beiden wird viel Aufmerksamkeit gewidmet, doch der Kontakt, den sie miteinander pflegen, bleibt leider stets auf Oberflächenniveau. Stattdessen haben andere Personen einen wichtigen Einfluss auf sie. Zudem gestehen die beiden sich letztendlich nie, wie es ihnen wirklich zu Hause bzw. in der Schule geht - was mich persönlich sehr enttäuscht hat. Ich erwartete hauptsächlich dank des Untertitels, zu sehen, wie die beiden sich gegenseitig mit ihren Problemen helfen, aber das ist leider nie passiert. Wer also erwartet, eine Geschichte über eine Freundschaft zu lesen, die trotz zweitausend Kilometer Entfernung besteht, wird enttäuscht werden. Charlotte und Ben teilen eher eine Bekanntschaft.

Nichtsdestotrotz sind ihre invidivuellen Geschichten sehr gut aufgebaut. Ich habe Charlotte und Ben sehr gemocht und gerne verfolgt, wie sie mit ihren Problemen umgegangen sind. Die ganze Geschichte spielt sich innerhalb einer Woche ab, aber es war dennoch schön zu lesen, wie die beiden ihre eigenen Strategien entwickelt haben, um sich den Schwierigkeiten in ihren Leben zu stellen. Wer so etwas gerne liest, ist mit "Charlotte & Ben" gut bedient!