– Das Damengambit
 413 Seiten

Beth Harmon ist acht Jahre alt, als sie in dem Waisenhaus, in dem sie lebt, zum ersten Mal Schach spielt. Sofort ist sie gefesselt von diesem Königsspiel und verbessert sich immer mehr. Als sie wenige Jahre später adoptiert wird, beginnt sie, Schach auch professionell zu spielen und erobert in Kürze die Schachwelt. Doch nicht nur werden die Spieler immer herausfordernder, Beth selbst muss sich ebenfalls mit ihren eigenen Problemen auseinandersetzen …

Nie hätte ich gedacht, dass ein Roman über Schach so spannend sein könnte, aber „Das Damengambit“ hat es problemlos geschafft, dieses Spiel so fesselnd und so packend zu beschreiben, dass es mich komplett für sich einnehmen konnte. Ich selbst befinde mich, wenn überhaupt, auf dem Anfängerlevel, aber das hat mich nicht davon abgehalten, mit Beth mitzufiebern, mitzuleiden und mitzuhoffen. Ihre Schachspiele hatten eine unglaubliche Sogwirkung – die Art und Weise, wie sie beschrieben wurden, war einfach phänomenal. Das waren nicht nur Schachspiele, das waren Spiele auf Leben und Tod. Oder zumindest fühlten sie sich während des Lesens so an. Ich war deshalb sehr froh, dass wir sehr viele Schachspiele verfolgten, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsszenen gehörten und ich gar nicht genug von ihnen kriegen konnte.

Tatsächlich würde ich am liebsten wieder mit Schach loslegen, weil der Roman ihn mir so schmackhaft gemacht hat! Jeder, der auch nur ansatzweise an diesem Spiel interessiert ist, wird mit „Das Damengambit“ sehr viel Spaß haben. Ich selbst wusste eigentlich nur noch, wie die verschiedenen Figuren sich bewegen, aber der Roman macht es einem zum Glück sehr leicht, sich so oder so in ihm zu verlieren. Von mir gibt es definitiv eine große Empfehlung – und das nicht nur für Schach-Fans, sondern auch die diejenigen, die mit dem Spiel nichts anfangen können, aber einen guten Eindruck davon bekommen wollen, warum es so beliebt ist. Dieses Buch sollte für beide Fraktionen ein wahrer Genuss sein!

– Das Sanatorium
 512 Seiten

„Le Sommet“ ist ein frisch renoviertes Hotel in der Schweiz, das ursprünglich als Sanatorium benutzt wurde. Hier will Erins Bruder Isaac seine Verlobung feiern und hat dazu sie und ihren Ehemann eingeladen. Erin ist jedoch nicht nur wegen der Verlobung da, sondern weil sie endlich eine Frage aus ihrer Vergangenheit klären will: Hat Isaac damals ihren jüngeren Bruder umgebracht? Doch bevor sie dieser Frage weiter nachgehen kann, verschwindet Isaacs Verlobte – und kurz danach geschieht ein grausamer Mord …

Insgesamt gefiel mir dieser Thriller recht gut, vor allem seine Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Mir gefiel es, wie die Autorin uns, was den Täter betrifft, geschickt hinters Licht führte und wie sie mit Erins Trauma umgegangen ist. Doch ein wenig muss ich sowohl am Ende als auch am Täter kritisieren. So ist das Ende des Falls an sich zwar sehr zufriedenstellend, doch dafür gibt es, was Erins Storyline betrifft, einen Cliffhanger, der mich unzufrieden zurückgelassen hat, weil ich davon ausging, einen Einzelband und keine potentielle Reihe zu lesen. Hier wäre es nett gewesen, irgendwo zu vermerken, dass es sich bei diesem Thriller technisch gesehen um einen Mehrteiler handelt, der zwar den Fall abschließt, aber nicht die persönliche Geschichte der Protagonistin.

Auch die Motive des Täters waren … zweifelhaft. Ich möchte hier natürlich nicht zu viel verraten, aber ich habe ganz schön die Stirn gerunzelt, als ich herausfand, warum genau all diese Morde verübt wurden. Die Motive kamen mir einfach viel zu … schwach vor. Sie erklären, wenn überhaupt, nur einen der Morde einigermaßen gut, können aber mitnichten als gute Begründung für die anderen herhalten.

Aufgrund des flüssigen Schreibstils und der steigenden Spannung hat mir dieser Thriller immer noch gut gefallen, doch aufgrund der genannten Kritikpunkte kann ich ihn nicht als „sehr gut“ bezeichnen. Für Zwischendurch ist er allerdings allemal gut geeignet!

– Defy the Night
 442 Seiten

Eine Krankheit grassiert in ganz Kandala, und nur die seltenen Mondblüten helfen dagegen. Tessa ist nur eine Apothekerin, doch nachts verkleidet sie sich und besucht zusammen mit ihrem besten Freund Weston die kranken Menschen der Stadt, um sie mit Mondblüten zu versorgen. Währenddessen jagt Prinz Corrick unter Anleitung seines Bruders König Harriston gewaltsam die Mondblüten-Schmuggler, doch beide würden am liebsten einen Weg finden, wieder Frieden in das Land zu bringen. Als Tessa sich nach einem schrecklichen Verlust in den Palast schleicht und dort auf Corrick trifft, ist sie gezwungen, ihre Sichtweise bezüglich der königlichen Brüder infrage zu stellen – und sogar mit ihnen zusammenzuarbeiten …

Bereits die Cursebreaker/Emberfall-Serie von Brigid Kemmerer hat mir unglaublich gut gefallen, weshalb ich erfreut war, dass der Start ihrer neuen Serie ebenfalls ein voller Erfolg für mich war. Was die Autorin wirklich hervorragend kann, ist es, Charaktere zu erschaffen: Gerade die beiden Hauptfiguren, Tessa und Corrick, waren wunderbar charakterisiert, waren sowohl sympathisch als auch tiefgründig; und auch die Nebenfiguren fand ich sehr gelungen, vor allem Harriston, Corricks Bruder, und Quint, Corricks bester Freund.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist, dass es in dem Roman kein „gut“ oder „böse“ gibt. Natürlich gibt es sympathische und weniger sympathische Charaktere, aber ihre Motive waren sehr verständlich und haben mich des Öfteren zum Nachdenken angeregt, weil ich mir überlegt habe, was ich anstelle der Charaktere in einer unmöglichen Situation getan hätte.

Die Handlung ist das einzige, wo ich leichte Kritik üben kann: Manchmal lief sie auf Kosten von Charakterentwicklung langsamer, als ich es gewollt hätte. Das ist natürlich nur sehr leichte Kritik, weil ich die Charakterentwicklung absolut geliebt habe, doch hatte ich das Gefühl, dass Brigid Kemmerers vorherige Bücher ein besseres Gleichgewicht zwischen Charakteren und Handlung fanden. Wobei genau das gerade den Lesern, die sich vor allem für gut ausgearbeitete Charaktere interessieren, sehr gut gefallen wird.

Sehr gut ist, dass sich dieser erste Teil der Reihe sehr abgeschlossen liest. Man fragt sich natürlich, wie es nach dem Ende wohl weitergeht, aber es gibt keinen miesen Cliffhanger, der einen ungeduldig auf den zweiten Band warten lässt. Nachdem ich so viele Mehrteiler gelesen habe, die sich auf Cliffhanger verließen, war es erfrischend, mal einen ersten Band zu lesen, den man theoretisch auch als Einzelband lesen kann!

Ich freue mich jetzt schon auf die deutsche Übersetzung, die Mitte nächsten Jahres erscheinen wird. Und bis dahin werde ich sicher auch den nächsten Teil auf Englisch lesen!

– Scholomance – Die Goldenen Enklaven
 528 Seiten

El hat es geschafft: Sie ist der Scholomance entkommen. Und doch hat sie versagt, denn Orion hat sich entschlossen, zurückzubleiben. El hat keine Hoffnung, dass sie ihn noch retten kann, weshalb sie stattdessen versucht, die Probleme außerhalb der Schule zu lösen - und dabei nach und nach das dunkle Geheimnis der Enklaven aufdeckt ...

Der dritte und abschließende Band der Scholomance-Trilogie konzentriert sich vor allem auf Els neues Leben in der realen Welt, was sich um einiger schwieriger herausstellt, als sie erwartet hatte. Es hat mir sehr gefallen, zu sehen, wie sie mit ihren neuen Problemen umgeht und dabei von Land zu Land reist, doch muss ich zugeben, dass ihre Reise in der zweiten Hälfte dann doch ein wenig ermüdend wurde.

Das liegt vor allem daran, dass Orion (der in den zwei vorigen Bänden eine große Rolle einnahm) hier kaum auftritt. Es war durchaus interessant, zu sehen, wie Els Beziehungen zu anderen Menschen sich hier entwickelten, aber dennoch wünschte ich, das wäre nicht auf Kosten von Orion geschehen.

Die Twists in dem Roman waren echt cool, und auch das Ende hat mir gut gefallen. Aber weil es stellenweise dann doch ein wenig langatmig war, fand ich den Roman zwar gut, aber leider nicht sehr gut.

– Everlove - Bis übers Ende dieser Welt hinaus
 511 Seiten

Als Ash auf einem Schulausflug Poppy kennenlernt, fühlt sie sich sofort zu ihr hingezogen, ist aber unsicher, ob sie nach einigen Enttäuschungen tatsächlich eine Beziehung zu ihr aufbauen soll. Zu ihrem Glück erwidert Poppy ihre Gefühle und schon bald werden die beiden ein glückliches Paar. Doch dann stirbt Ash und kehrt als Sensenmädchen zurück, wobei es ihr allerdings streng verboten ist, Kontakt zu den Menschen aufzubauen, die sie mal gekannt hat – denn sollten sie sie erkennen, würde Ash sie damit zum Tode verurteilen …

Die Geschichte von Ash und Poppy lässt sich unglaublich flüssig lesen, weil der Schreibstil so angenehm ist, dass man die Geschichte fast schon in einem Rutsch durchlesen kann. Ich habe es sehr genossen, ihre Geschichte zu verfolgen, vor allem die von Ash, die so unerwartet in eine andere Richtung schwenkt. Es war sehr faszinierend, zu erfahren, wie in dieser Geschichte das Leben nach dem Tod funktioniert!

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Nebencharaktere – vor allem Ash' Familie – im zweiten Hauptteil des Romans eine wichtigere Rolle gespielt hätten. Die Regeln für Sensenmenschen machen zwar klar, warum Ash sich ihnen nicht wieder nähern darf, aber ich hätte so gerne erfahren, wie sie mit Ash' Tod umgesprungen sind, dass ich am Ende ein wenig enttäuscht war, dass man kaum etwas zu ihnen erfahren hat. Immerhin hat man dafür mitbekommen, wie genau Poppy damit umgesprungen ist.

Verliert man sich gerne in den Geschichten von Nebencharakteren, wird man hier eher nicht zum Zug kommen, doch für alle anderen bietet dieses Jugendbuch eine schöne Geschichte, die vor allem durch ihren flüssigen Schreibstil hervorsticht!

– Café Leben
 320 Seiten

Als Henrietta ihren neuen Beruf anfängt, in dem sie die Lebensgeschichte todkranker Menschen aufzeichnen soll, rechnet sie nicht damit, dass bereits ihr erster Fall sie vor eine ungeahnte Suche stellen wird. Ihre Patientin ist Annie, die nur noch wenige Wochen zu leben hat und bis dahin ihre Geschichte erzählen will - allerdings auf ihre Weise. Als Annie nebenbei erwähnt, dass ihre Schwester vor fast fünfzig Jahren mutmaßlich ertrunken ist, ahnt Henrietta, dass da mehr dahinter steckt. Sie ist entschlossen, diesen fast fünfzig Jahre alten Fall aufzuklären. Doch stellt sich das um einiges schwieriger raus als erwartet - und ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, bis Annie stirbt ...

Diese Geschichte ist ruhig erzählt und trotzdem spannend, was zunächst wie ein Widerspruch klingt, aber meine Gefühle trotzdem wunderbar zusammenfasst. Ich war sehr investiert in Henriettas Recherchen, habe aber auch die vielen ruhigen Stellen (die vor allem während Annies Sichtweisen vorkamen) überraschend genossen. In diesem Buch geht es nicht nur darum, einen alten Kriminalfall zu lösen, sondern auch darum, das Leben zu genießen.

Sehr gefiel mir, wie realistisch Henriettas Suche beschrieben wurde. Sie hat aufgrund der Tatsache, dass der Fall so alt ist und sich die Polizei nicht ordentlich um ihn kümmerte, große Schwierigkeiten, Informationen zu finden, doch das hält sie nicht davon ab, weiter nach ihnen zu graben.

Die ruhigen Momente sorgen für ein recht langsames Pacing, das bestimmt nicht für jeden ist, das ich aber persönlich genossen habe. Es hat gut getan, mal kein actiongeladenes Buch zu lesen, sondern einfach mal ein schönes!

Demnach ist der Roman für genau solche Leser*innen geeignet: Diejenigen, die einfach in einer Geschichte versinken wollen, die trotz einiger dramatischer Ereignisse in der Vergangenheit der Charaktere ein schönes Gefühl beim Lesen hinterlässt. :)

– Der Erste, der am Ende stirbt
 523 Seiten

Nachdem ich bereits das englische Original mit Begeisterung gelesen habe, war ich sehr gespannt auf die deutsche Übersetzung, die ich nun ebenfalls abgeschlossen habe.

Insgesamt ist sie dem englischen Original gegenüber sehr gleichwertig. Ohne zu viel zu spoilern, gab es eine wichtige Szene im Deutschen, die ich im Englischen besser fand - und umgekehrt eine andere wichtige Szene, die in der Übersetzung brilliert hat. Und in beiden Sprachen gab es auch zwei, drei kleinere Szenen, die mir in der jeweils anderen Sprache besser gefallen haben.

Insgesamt lässt sich die deutsche Übersetzung also ebenso gut lesen wie das englische Original. Besonders bemerkenswert ist, dass ich die Handlung diesmal natürlich schon kannte, aber trotzdem mitgefiebert habe (vor allem beim Finale!). In der Zukunft werde ich die Todesboten-Bücher von Adam Silvera sicher noch öfters lesen, weil sie mit ihrer Detailliebe ein wahrer Genuss für aufmerksame Leser*innen sind!

– Bleib bei mir, Sam
 336 Seiten

Nachdem ihr fester Freund Sam bei einem Unfall stirbt, ist Julie vollkommen verzweifelt. Sie geht nicht zu seiner Beerdigung, löscht sämtliche Nachrichten und wirft alle Sachen weg, die sie an ihn erinnern. Als nichts hilft, ruft sie spontan seine Nummer an - und Sam hebt ab. Plötzlich bietet sich für Julie die Möglichkeit, wenigstens telefonisch Kontakt zu Sams Geist zu halten und sich am Ende richtig von ihm zu verabschieden. Doch wie soll sie das tun, wenn sie ihn am liebsten nicht gehen lassen will?

Obwohl dieser Roman altbekannte Themen aufgreift, hat es mir sehr gefallen, wie der Autor Dustin Thao mit ihnen umgegangen ist. Es ist sehr deutlich geworden, wie schwierig es ist, sich von einer geliebten Person zu verabschieden - erst recht, wenn man eine zweite Chance mit ihr bekommt. Julies Beweggründe waren hier sehr nachvollziehbar, sodass es mir leicht fiel, mit ihr mitzufühlen.

Die Beziehung zwischen Julie und Sam nimmt verständlicherweise am meisten Raum ein, doch war ich positiv überrascht, wie sehr es mich ebenfalls interessant hat, herauszufinden, wie es in Julies "realem" Leben aussieht. Ihre besten Freunde waren nämlich sehr sympathisch; tatsächlich wünschte ich, ihre Rollen wären noch etwas größer gewesen, als sie es letztendlich waren.

Die einzige, wirkliche Kritik, die ich an dem Roman sehe, ist sein Pacing. Er ist nämlich recht ruhig erzählt, es passiert nicht allzu viel und der Fokus liegt eindeutig auf den emotionalen Momenten. Aus diesem Grund könnten andere Leserinnen und Leser den Roman als langweilig empfinden; auch ich stolperte über eine Phase, in der ich mir wünschte, es würde etwas mehr passieren. Von daher ist dieses Buch für diejenigen gut geeignet, die ruhigere Romane mögen.

Insgesamt habe ich den Roman trotzdem sehr gemocht; er war eine schöne Abwechslung für zwischendurch mit einer sehr emotionalen, nachvollziehbaren Geschichte. :)

– She Drives Me Crazy
 304 Seiten

Scottie spielt mit Leidenschaft Basketball, doch seit sie von ihrer Freundin Tally abserviert wurde, tut sie sich schwer damit, sich auf ihren Lieblingssport zu konzentrieren. Als das Team ihrer Ex sie beim ersten Spiel der Saison haushoch schlägt und Scottie dann auch noch das Auto der Cheerleaderin – und Erzfeindin – Irene rammt, scheint ihr Unglück perfekt zu sein. Vor allem, weil sie als Wiedergutmachung Irene zur Schule fahren muss. Doch dann kommt Scottie die rettende Idee, wie sie sich an Tally rächen und die Beliebtheit des weiblichen Basketball-Teams erhöhen kann: Indem sie eine Fake-Beziehung mit Irene startet. Irene geht gegen Bezahlung darauf ein, doch schon bald merken die beiden Mädchen, dass sie sich gar nicht so spinnefeind sind, wie sie ursprünglich dachten …

Diese lockere und trotzdem emotionale Geschichte hat mir überraschend viel Spaß gemacht, was ich nach Lesen der Kurzbeschreibung erst mal nicht erwartet habe. Sie ist eine romantische Komödie und hat deshalb so manche Klischees, die man schon kennt, aber nichtsdestotrotz habe ich das Leseerlebnis sehr genossen. Scottie und Irene sind beide sehr sympathisch und ich war positiv überrascht davon, wie gut ihre Enemies-to-Lovers-Geschichte funktioniert hat. Vor allem das Finale war absolut episch, aber ich mochte es besonders, wie die beiden bereit waren, ihre eigenen Fehler einzusehen und sich daraufhin zu verbessern.

Gut umgesetzt war auch der Trennungsschmerz, den Scottie wegen Tally empfindet. Die Geschichte macht deutlich, dass es nicht immer so einfach ist, eine Trennung zu überwinden und dass man deshalb viele Fehler macht, deren Konsequenzen auch auf andere Einfluss haben. Zwar wünschte ich, Tallys Charakter noch mehr kennengelernt zu haben (da sie zwar nicht komplett böse, aber auch nicht allzu tiefgründig wirkt), aber die Art und Weise, wie Scottie mit ihren Gefühlen für sie umging, gefiel mir dafür sehr gut.

Andere Charaktere bleiben größtenteils blass (vor allem Irenes Erzfeindin Charlotte), doch Scotties Familie möchte ich trotzdem positiv erwähnen, weil sie ihr gegenüber so unterstützend war, was in solchen romantischen Komödien nicht immer selbstverständlich ist. Das war sehr schön zu sehen!

Insgesamt ein unterhaltsames Jugendbuch für alle Fans von queeren Geschichten mit Happy End!

– Banshee Blues – Der Fluch der Todesfeen
 416 Seiten

Dee ist Songwriterin und liebt es, zu singen. Doch niemand darf sie jemals dabei hören, denn Dee ist eine Todesfee, eine sogenannte Bansheeny, die mit Gesang oder auch nur einem zu lauten Ruf den Tod all jener auslöst, die sie hören. Deshalb muss sie stets auf der Hut sein, auch, weil sie ihr Geheimnis ihrem Freund Arvo niemals anvertrauen darf. Dennoch ist sie entschlossen, ihn zu beschützen, als ein Geist Dee heimsucht und es auf Arvo abzusehen zu haben scheint – bis sie lernt, dass der Geist in Wirklichkeit ihre Hilfe braucht …

Was ich an Nina Blazons Büchern sehr mag, ist, dass sie ihren ganz eigenen Touch haben: Oft erzählen sie bekannte Geschichten in neuem Gewand, was auch hier der Fall ist. Ich habe es geliebt, wie die Story um Dee, die von einem Geist heimgesucht wird, sich schließlich zu einer Art Schnitzeljagd und dann sogar einer Mördersuche entwickelt hat. Gejagt von den Autoritäten, muss Dee nicht nur während des Großteils des Romans vor ihnen fliehen, sondern auch eine bestimmte Person finden, was sich beides sehr viel schwieriger gestaltet als angenommen. Eine Mischung aus verschiedenen Plots macht dieses Jugendbuch sehr erfrischend zu lesen, vor allem, weil die Geschichte um einiges unvorhersehbarer war, als ich annahm. Für mich wirkte der Plot aufgrund der Briefe, die am Anfang eines jeden Hauptsegments stehen, viel zu offensichtlich, weshalb ich froh war, dass er sich letztendlich anders entwickelte, als ich es erwartete. Nur hätte ich mir gewünscht, dass der Dee- und der Mörder-Plot noch enger miteinander zusammenhingen, als sie es letztendlich tun.

Dee selbst ist eine unglaublich sympathische Hauptfigur, die entschlossen ist, ihren Kopf durchzusetzen, aber auch einsieht, wenn sie Fehler macht. Faszinierend war es auch, den Kontrast zwischen ihrer nach außen stillen Persönlichkeit und ihrer inneren Wildheit zu lesen – weil sie eine Todesfee ist, kann sie sich nie so ausdrücken, wie sie es wirklich will, weshalb es umso wertvoller war, stets ihre wahren Gedanken zu kennen. Die Nebenfiguren gefielen mir auch sehr gut: Shay, Dee Cousine, war hierbei mein persönliches Highlight, aber ich war auch positiv überrascht davon, wie gut mir Charaktere wie Shona und May am Ende gefielen. Die Charakterisierung ist hier rundherum gelungen!

Besonders überrascht war ich über die im Roman vorhandene Romanze. Denn sie entwickelt sich so subtil wie die Zwischentöne, die Dees Lieblingsmusik sind: Es ist im Grunde sehr offensichtlich, welche zwei Charaktere am Ende zusammenkommen werden, aber weil der Fokus eher auf ihren Bund an sich als auf ihre Romanze gelegt wird, entwickelte sich letztere fast unmerklich und auf seltsame Weise realistisch. Tatsächlich würde ich den Roman deshalb nicht einmal als Romanze bezeichnen, weil so viele andere Sachen im Fokus stehen, aber es gefiel mir unglaublich, wie sie hier eingebaut war.

Insgesamt ein weiterer empfehlenswerter Roman von Nina Blazon!

– Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall
 384 Seiten

Colin ist nicht gerade davon begeistert, den Sommer mit seiner Mutter auf dem Anwesen Thornhill Hall zu verbringen, weil sie ihn als Kind verlassen und vor kurzem eine neue Familie gegründet hat. Wenigstens befindet sich unter den Anwesenden auch Theodore, genannt Teddy, zu dem Colin gerne eine Freundschaft - und am besten noch ein wenig mehr - aufbauen würde. Doch all seine Pläne geraten ins Stocken, als er eines Nachts von der Treppe gestoßen wird und als Geist aufwacht. Nur, wenn er innerhalb von drei Tagen das verborgene Zimmer von Thornhill Hall findet, kann er wieder lebendig werden. Dabei helfen ihm nicht nur die anderen Geister des Anwesens, sondern auch Teddy, der ihn als einziger sehen kann ...

Dieses Fantasyabenteuer sticht vor allem durch seine im Grunde schlichte Geschichte heraus, die sehr gut umgesetzt wurde. Ich war sehr fasziniert davon, wie gut eine Handlung funktioniert, die sich nur an einem Ort abspielt und im Gegensatz zu den meisten Fantasy-Romanen keiner größeren Quest folgt. Der ultimative Beweis, dass nicht jede Geschichte mehrere verzwickte Nebenhandlungen braucht, um interessant zu sein!

Zwei, drei überraschende (und für mich sehr schockierende) Twists gab es trotzdem, doch passten diese gut in die Handlung, die letztendlich in einem spannenden Finale gipfelte.

Die Beziehung zwischen Colin und Teddy war süß beschrieben, aber auch die anderen Charaktere hatten genug Zeit, ihre Seiten zu zeigen - auch hier wieder der Handlung zu verdanken, die genauso viel Platz einnimmt, wie sie braucht.

Ein paar offene Fragen gab es durchaus (vor allem die, warum genau Teddy Colin als Geist sehen konnte), aber um ehrlich zu sein, hat es durchaus zum Flair der Geschichte beigetragen, dass man nicht für alles eine Antwort erhalten hat.

Insgesamt eine schöne Jugendfantasy für alle Fans von Geistern und Mysterien!

– The Atlas Six
 544 Seiten

Alle zehn Jahre rekrutiert die Alexandrinische Gesellschaft, die die geheimen Schriften der Bibliothek von Alexandria verwahrt, sechs der mächtigsten Magier und Magierinnen der Welt. Dieses Mal fällt ihre Wahl auf Libby, Nico, Parisa, Callum, Tristan und Reina. Libby und Nico beherrschen beide mächtige Physiomagie, wobei ihre Fähigkeiten sich gegenseitig ergänzen. Parisa kann mit Leichtigkeit die Gedanken anderer lesen. Callum kann die Gefühle anderer beeinflussen und sie auf diese Weise manipulieren. Tristan durchschaut jede Illusion und noch ein wenig mehr. Und Reina ist eine Naturmagierin, die andere mit Magie versorgen kann. Alle nehmen das Angebot aus unterschiedlichen Gründen an, doch was sie erst nach und nach erfahren: Am Ende ihres Ausbildungsjahres wird einer von ihnen sterben …

Bevor wir zum Positiven kommen, möchte ich erst mal das Negative ansprechen: Den Schreibstil. Er las sich (vielleicht wegen der Übersetzung, vielleicht auch nicht) irgendwie mühselig, fast schon anstrengend. Zwar gewöhnte ich mich im Lauf des Buches daran und er wurde irgendwann auch flüssiger, aber ich brauchte wegen des Schreibstils definitiv eine Weile, um in das Buch einzufinden.

Zum Glück hat sich die Mühe letztendlich gelohnt! Hauptsächlich wegen den obigen Charakteren. Es fällt mir tatsächlich schwer, einen Liebling auszusuchen, weil sie alle sehr gut charakterisiert waren, mit Stärken, Schwächen und vielen nachvollziehbaren Gedanken. Libby ist wohl die „normalste“, sehr unsicher bezüglich ihrer Fähigkeiten und bemüht, alles richtig zu machen. Nico ist seinem besten Freund gegenüber so aufopferungsvoll, dass er dabei sein eigenes Leben riskiert. Parisa zögert nicht, ihre Reize einzusetzen, wobei ich sehr froh war, dass die Autorin zu keinem Zeitpunkt Slutshaming betrieben hat. Callum ist mit seinen manipulativen Fähigkeiten definitiv antagonistisch veranlagt, wobei es sehr interessant war, seinen Gedankengängen zu folgen. Tristan ist aufgrund seiner Vergangenheit anderen gegenüber sehr zynisch und misstrauisch, hat aber ein gutes Herz und definitiv die coolste Fähigkeit. Und Raina lernt man zugegeben wohl am wenigsten kennen, aber dennoch bekommt man einen guten Eindruck davon, wie ausgenutzt sie sich von anderen fühlt.

Zusammengefasst waren die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander so fesselnd, dass ich trotz des manchmal schleppenden Schreibstils immer weiter und weiter las. Letztendlich war mein Lieblingsduo wohl Libby und Nico, weil ich ihre (übrigens nicht romantische) Rivalität sehr faszinierend fand, aber das Coole an den Charakteren war, das sehr viele Beziehungen gezeigt wurden. Natürlich nicht alle möglichen Kombinationen, aber doch mehr, als ich erwartet hatte, was es so fesselnd gemacht hat, ihre Dynamiken zu verfolgen.

Insgesamt also ein guter Tipp für Fans von charakterfokussierten Geschichten – die nur beachten sollten, dass der Schreibstil ein wenig Eingewöhnung braucht!

– Das Gesetz der Natur
 608 Seiten

Gaia Marinos ist eine Mutantin. Versteckt vom Rest der Welt lebt sie zusammen mit ihrem Lehrer und einem Jäger in der Wildnis. Als sie in Gefangenschaft gerät, offenbart sie, dass sie im Gegensatz zum Großteil der Menschen lesen kann, woraufhin man ihr im Gegenzug für die Freiheit die Aufgabe überträgt, die letzten Bücher der Welt zu finden. Doch bekommt sie keine Gelegenheit, sich sofort an diese Aufgabe zu machen, weil sie in den Konflikt der anderen Menschen hineingezogen wird und trotz ihres Sohnes droht, ihre Menschlichkeit zu verlieren …

Gaia lebt in einer dystopischen Welt und besitzt eine übernatürliche Fähigkeit, doch das Zentrum ihres Charakters ist definitiv die (persönliche) Reise, die sie während der Geschichte durchmacht. Ihre Liebe zu ihrem Sohn, ihre erlernte Kampfkraft, die Menschen und Orte, die sie besucht … das alles ist in kurzen Kapiteln und mit einem einfachen Schreibstil beschrieben, sodass ich die Geschichte schnell durchlesen konnte. Es war auch sehr leicht, sich alles Beschriebene vorzustellen, auch wenn es durchaus ein paar Stellen gab, die sich ein wenig zogen (wobei das bei sechshundert Seiten wohl unvermeidlich ist).

Die Atmosphäre des Buches war etwas ganz Besonderes. Es geht nämlich nicht nur um die Reise, sondern auch um die vielen Momente an sich, die Gaia erlebt. Es ist eine Geschichte über die Strapazen, die sie erlebt und die Lektionen, die sie gezwungenermaßen lernt. Aus diesem Grund fällt es mir tatsächlich schwer, zu bestimmen, wem genau man diese Geschichte empfehlen könnte, da sie mir persönlich zwar gefallen hat, sie aber gleichzeitig ganz anders als die Geschichten ist, die ich sonst lese. Das einzige, was ich anmerken möchte, ist, dass es im Gegensatz zur Kurzbeschreibung größtenteils nicht darum geht, die letzten Bücher zu finden, sondern eher darum, wie man in einer Welt wie dieser überlebt und was man zu tun bereit ist. Die ethischen Aspekte kommen hier definitiv auch zum Tragen.

Insgesamt ist es also schwierig für mich, das Buch akkurat zu beschreiben, weil es einfach so anders war als alle anderen, die ich kenne, aber ich glaube, dass Fans atmosphärischer Lektüre hier sehr glücklich sein werden!

– Das Reich der Klingen - Realm Breaker 2
 622 Seiten

Eine Spindel haben sie geschlossen, doch mindestens zwei weitere Spindeln warten auf Corayne und ihre Freunde. Während sie versuchen, Verbündete um sich zu scharen und ihre nächsten Schritte zu planen, sind Erida und Taristan bereits dabei, ganz Allwacht unter ihre Herrschaft zu bringen - koste es, was es wolle ...

Der zweite Teil der Realm-Breaker-Reihe lässt den Charakteren wenig Zeit, sich zu entspannen, weil die nächste Bedrohung nie weit entfernt ist. Dennoch muss ich sagen, dass sich einige Passagen ein wenig langatmig lasen und ich überraschenderweise am meisten Interesse an Eridas Kapiteln hatte, weil es so faszinierend war, so ausführlich aus der Perspektive der Antagonistin zu lesen. Auch die Charaktermomente zwischen Corayne und Andry bzw. zwischen Dom und Sorasa gefielen mir sehr, doch meiner Meinung nach hätte es ruhig noch mehr von ihnen geben können - ich habe das Gefühl, dass ich mit Ausnahme von Erida die Charaktere nicht so gut kennengelernt habe, wie ich möglich gewesen wäre.

Von daher habe ich diesen Teil eher durchwachsen aufgenommen - er hatte viele tolle, erinnerungswürdige Szenen, doch leider auch so einige langatmige Passagen, durch die ich mich durchquälen musste. Den dritten Teil der Reihe werde ich vermutlich noch lesen, weil mich das Schicksal der Charaktere immer noch interessiert, doch hoffe ich, dass es dann auch mehr persönlichere Gespräche zwischen den Helden und Heldinnen gibt.

– Nick & Charlie
 176 Seiten

Nick und Charlie sind jetzt seit zwei Jahren glücklich zusammen, doch Charlie macht sich Sorgen, dass ihre Beziehung auseinander brechen wird, sobald Nick auf die Uni geht. Schließlich halten die wenigsten Fernbeziehungen für lange Zeit und erst recht nicht in jungen Jahren. Allerdings hat Charlie Angst, seine Sorgen Nick anzuvertrauen, weil dieser sich so sehr auf die Uni freut ...

In diesem kurzen Roman zeigt Alice Oseman, dass man eine gute Geschichte auch in weniger als zweihundert Seiten erzählen kann. Es hat mich positiv überrascht, wie gut es ihr auch in diesem Buch gelingt, mit wenigen Worten viel zu sagen. Die Ereignisse des Romans, Nicks und Charlies Gedankengänge sowie Streit und Wiederversöhnung haben genauso viel Raum eingenommen, wie sie gebraucht haben, ohne dass die Szenen zu kurz oder zu lang angemutet hätten. Ein wirklich großes Lob an ihren präzisen Schreibstil!

Das einzige, was mich erstaunt hat, war, dass der Roman bereits jetzt übersetzt wurde, obwohl er nach "Heartstopper 4", "This Winter" und "Heartstopper 5" spielt, die noch nicht erschienen sind. Dadurch werden deutsche Leser unabsichtlich gespoilert, weshalb ich denjenigen, die Nicks und Charlies Geschichte gerne chronologisch verfolgen möchten, empfehlen würde, mit dem Lesen noch zu warten.

Nichtsdestotrotz war das eine süße, kleine Liebesgeschichte, die mir sehr viel Freude bereitet hat!