Defy the Night
442 Seiten

Eine Krankheit grassiert in ganz Kandala, und nur die seltenen Mondblüten helfen dagegen. Tessa ist nur eine Apothekerin, doch nachts verkleidet sie sich und besucht zusammen mit ihrem besten Freund Weston die kranken Menschen der Stadt, um sie mit Mondblüten zu versorgen. Währenddessen jagt Prinz Corrick unter Anleitung seines Bruders König Harriston gewaltsam die Mondblüten-Schmuggler, doch beide würden am liebsten einen Weg finden, wieder Frieden in das Land zu bringen. Als Tessa sich nach einem schrecklichen Verlust in den Palast schleicht und dort auf Corrick trifft, ist sie gezwungen, ihre Sichtweise bezüglich der königlichen Brüder infrage zu stellen – und sogar mit ihnen zusammenzuarbeiten …

Bereits die Cursebreaker/Emberfall-Serie von Brigid Kemmerer hat mir unglaublich gut gefallen, weshalb ich erfreut war, dass der Start ihrer neuen Serie ebenfalls ein voller Erfolg für mich war. Was die Autorin wirklich hervorragend kann, ist es, Charaktere zu erschaffen: Gerade die beiden Hauptfiguren, Tessa und Corrick, waren wunderbar charakterisiert, waren sowohl sympathisch als auch tiefgründig; und auch die Nebenfiguren fand ich sehr gelungen, vor allem Harriston, Corricks Bruder, und Quint, Corricks bester Freund.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist, dass es in dem Roman kein „gut“ oder „böse“ gibt. Natürlich gibt es sympathische und weniger sympathische Charaktere, aber ihre Motive waren sehr verständlich und haben mich des Öfteren zum Nachdenken angeregt, weil ich mir überlegt habe, was ich anstelle der Charaktere in einer unmöglichen Situation getan hätte.

Die Handlung ist das einzige, wo ich leichte Kritik üben kann: Manchmal lief sie auf Kosten von Charakterentwicklung langsamer, als ich es gewollt hätte. Das ist natürlich nur sehr leichte Kritik, weil ich die Charakterentwicklung absolut geliebt habe, doch hatte ich das Gefühl, dass Brigid Kemmerers vorherige Bücher ein besseres Gleichgewicht zwischen Charakteren und Handlung fanden. Wobei genau das gerade den Lesern, die sich vor allem für gut ausgearbeitete Charaktere interessieren, sehr gut gefallen wird.

Sehr gut ist, dass sich dieser erste Teil der Reihe sehr abgeschlossen liest. Man fragt sich natürlich, wie es nach dem Ende wohl weitergeht, aber es gibt keinen miesen Cliffhanger, der einen ungeduldig auf den zweiten Band warten lässt. Nachdem ich so viele Mehrteiler gelesen habe, die sich auf Cliffhanger verließen, war es erfrischend, mal einen ersten Band zu lesen, den man theoretisch auch als Einzelband lesen kann!

Ich freue mich jetzt schon auf die deutsche Übersetzung, die Mitte nächsten Jahres erscheinen wird. Und bis dahin werde ich sicher auch den nächsten Teil auf Englisch lesen!

This Winter
112 Seiten

Es ist Weihnachten, was für Charlie, Tori und Oliver dieses Jahr besonders schwierig ist, weil Charlie aufgrund seiner psychischen Probleme nicht angemessen von seiner Familie behandelt wird. Kurzerhand entkommt er dem Essen und sucht bei Nick Zuflucht …

„This Winter“ ist eine kurze Novelle, die während des Ereignissen des vierten Heartstopper-Bands spielt und ein paar dort angedeutete Szenen ausführlicher beschreibt. Allzu viel passiert hier zwar nicht, aber es war interessant, die Sichtweisen aller drei Geschwister zu lesen und herauszufinden, wie sie die Ereignisse des Weihnachtsabends erlebten.

Trotzdem würde ich sagen, dass sich dieser Kurzroman nur für Heartstopper-Fans eignet, die wirklich jeden Content konsumieren wollen, weil er trotz ein paar erwähnenswerter Szenen letztendlich nicht allzu viel Neues bietet. Emotional wurde ich auch nicht allzu sehr mitgenommen, wobei das natürlich nichts Schlechtes ist.

Zusammengefasst also ein kurzer, knackiger Roman, aber wirklich nur Fans!

Bleib bei mir, Sam
336 Seiten

Nachdem ihr fester Freund Sam bei einem Unfall stirbt, ist Julie vollkommen verzweifelt. Sie geht nicht zu seiner Beerdigung, löscht sämtliche Nachrichten und wirft alle Sachen weg, die sie an ihn erinnern. Als nichts hilft, ruft sie spontan seine Nummer an - und Sam hebt ab. Plötzlich bietet sich für Julie die Möglichkeit, wenigstens telefonisch Kontakt zu Sams Geist zu halten und sich am Ende richtig von ihm zu verabschieden. Doch wie soll sie das tun, wenn sie ihn am liebsten nicht gehen lassen will?

Obwohl dieser Roman altbekannte Themen aufgreift, hat es mir sehr gefallen, wie der Autor Dustin Thao mit ihnen umgegangen ist. Es ist sehr deutlich geworden, wie schwierig es ist, sich von einer geliebten Person zu verabschieden - erst recht, wenn man eine zweite Chance mit ihr bekommt. Julies Beweggründe waren hier sehr nachvollziehbar, sodass es mir leicht fiel, mit ihr mitzufühlen.

Die Beziehung zwischen Julie und Sam nimmt verständlicherweise am meisten Raum ein, doch war ich positiv überrascht, wie sehr es mich ebenfalls interessant hat, herauszufinden, wie es in Julies "realem" Leben aussieht. Ihre besten Freunde waren nämlich sehr sympathisch; tatsächlich wünschte ich, ihre Rollen wären noch etwas größer gewesen, als sie es letztendlich waren.

Die einzige, wirkliche Kritik, die ich an dem Roman sehe, ist sein Pacing. Er ist nämlich recht ruhig erzählt, es passiert nicht allzu viel und der Fokus liegt eindeutig auf den emotionalen Momenten. Aus diesem Grund könnten andere Leserinnen und Leser den Roman als langweilig empfinden; auch ich stolperte über eine Phase, in der ich mir wünschte, es würde etwas mehr passieren. Von daher ist dieses Buch für diejenigen gut geeignet, die ruhigere Romane mögen.

Insgesamt habe ich den Roman trotzdem sehr gemocht; er war eine schöne Abwechslung für zwischendurch mit einer sehr emotionalen, nachvollziehbaren Geschichte. :)

Die Bibliothek von Edinburgh
384 Seiten

Ropa ist Geistersprecherin und übermittelt als solche Nachrichten der Toten an die Lebenden - allerdings nur gegen Bezahlung. Weshalb sie auch die Bitte der Geisterfrau Nicola, ihren verschwundenen Sohn Ollie zu finden, zunächst einmal ignoriert. Doch als Ropas Großmutter sie darum bittet, Nachforschungen anzustellen, merkt Ropa schnell, dass Ollie nicht das einzige Kind ist, das verschwunden ist - und diejenigen, die wieder zurückkehren, sind um Jahrzehnte gealtert ...

Dieser locker zu lesende und humorvolle Fantasykrimi eignet sich perfekt für Fans von Ben Aaronovitch und Jonathan Stroud, aber auch für alle anderen, die gerne Fantasykrimis lesen und dabei einen lockeren Stil bevorzugen. Die eigentliche Handlung wird dabei von Ropas täglichen Geistererlebnissen und ihrem erlernten Podcastwissen gewürzt, was beides erstaunlich gut eingebaut wurde. Ropa selbst ist unglaublich sympathisch - und zwar nicht trotz, sondern wegen ihrer kessen Art. Hier hat es sehr geholfen, dass sie nachvollziehbare Gründe für ihre Kompromisslosigkeit, was das Überbringen von Geisterbotschaften betrifft, hatte. Ich habe mich auf jeden Fall sehr gut in sie hineinversetzen können!

Andere Nebencharaktere (vor allem Priya) waren ebenfalls sehr sympathisch, weshalb ich hoffe, im zweiten Band noch mehr von ihnen zu sehen. Was die Handlung betrifft, liegt meine einzige Kritik darin, dass ich es ein wenig zu leicht fand, die Identität des Drahtziehers herauszufinden. Zwar hat das meinem Lesegenuss letztendlich keinen Abbruch getan, weil das nicht der Fokus der Handlung war, aber Fans genialer Twists werden hier eher keine finden.

So oder so handelt es sich allerdings um ein sehr angenehmes Leseerlebnis, weshalb ich mich schon auf Ropas nächsten Fall freue!

Marianengraben
256 Seiten

Seit Paulas kleiner Bruder Tim verstorben ist, ist sie in eine tiefe Depression versunken. Als sie sich eines Tages dazu überwindet, sein Grab zu besuchen, wird ihr Leben allerdings ordentlich auf den Kopf gestellt - denn auf dem Friedhof trifft sie auf Helmut, einen älteren Herrn, der die Asche seiner Frau in ihr Heimatdorf bringen will. Durch einige Umstände kommt es dazu, dass Paula ihn dabei begleitet - und so nicht nur Helmuts Geschichte kennenlernt, sondern auch einen Weg findet, mit ihrer eigenen Trauer umzugehen ...

Diese Geschichte ist unglaublich berührend, unglaublich witzig und unglaublich lehrreich - alles gleichzeitig. Der Erzählstil war schlicht und unglaublich packend, weil die Art und Weise, wie Petra aus der Ich-Perspektive von ihrer Trauer und ihren Erinnerungen an Tim erzählt, mir sehr nahe gegangen ist. Ihre Dynamik mit Helmut hat mir ebenfalls sehr gefallen, weil sie sowohl humorvoll als auch herzerwärmend war; ich liebe es einfach, wie die beiden miteinander agierten und sich letztendlich gegenseitig halfen :)

Auch kann ich mir gut vorstellen, dass der Roman bei eigener Trauerbewältigung sehr hilft; als jemand, der sie noch nicht braucht, habe ich die Lektüre trotzdem als wertvoll empfunden. Sie bringt einen zum Weinen und zum Lachen, zum Nachdenken und zum Dankbarsein. Es war einfach unglaublich, wie gut dieser Roman es geschafft hat, nicht nur eine fesselnde Geschichte mit einem flüssigen Schreibstil zu erzählen, sondern gleichzeitig so viel Tiefe in seine Sätze bauen konnte.

Ein absolutes Highlight!

Happy New Year
464 Seiten

Es ist Silvester und es wird ordentlich gefeiert. So auch bei den befreundeten Ehepaaren Fredrik & Nina und Max & Lollo, die ihre befreundeten Töchter Smilla und Jennifer zum ersten Mal alleine feiern lassen. Doch am nächsten Tag wird Lollos schlimmster Albtraum war: Ihre Tochter Jennifer ist von der Party verschwunden und nirgendwo aufzufinden. Auch Fredrik und Nina werden in die Situation hineingezogen und befragt. Was Lollo und Nina dabei nicht ahnen: Fredrik weiß ganz genau, was mit Jennifer geschehen ist. Und er hat unglaubliche Angst davor, dass jemand erfährt, dass er der Täter ist, den sie suchen …

Dieser unglaublich packende Thriller aus Schweden hat zugegeben etwa fünfzig Seiten gebraucht, bis ich mich in ihn hineingelesen hatte; am Anfang war ich verwirrt von der (eigentlich überschaubaren) Menge an Charakteren, die eingeführt wurden. Glücklicherweise hat es letztendlich nicht lange gedauert, bis ich den Überblick gewonnen hatte und ich war sehr schnell gefangen zwischen den Seiten. Es war absolut genial, drei verschiedene Sichtweisen mit unterschiedlichem Wissen präsentiert zu bekommen: Nina, die gar nichts weiß und sich wegen Fredriks Verhalten sorgt; Fredrik, der alles weiß und auf keinen Fall will, dass es jemand herausfindet; und Lollo, die zuerst nichts weiß, dann aber Nachforschungen anstellt und ein wenig mehr über ihre Tochter erfährt, als sie jemals wissen wollte. Diese Kombination war sehr gelungen und hat dafür gesorgt, dass ich die Handlung gespannt verfolgte.

Ein paar Twists gibt es natürlich auch, die zusätzlich zur Spannung beitrugen, aber letztendlich sind es die Panik und die Ermittlungen der Charaktere, die mich am meisten fesselten. Ich habe sowohl mit Fredrik, als auch mit Lollo und Nina mitgefiebert, obwohl sie alle auf verschiedenen Seiten standen. Das fand ich unglaublich faszinierend; ich wollte nicht, dass Fredrik erwischt wird, habe mir aber gleichzeitig gewünscht, dass Lollo erfährt, was mit ihrer Tochter passiert ist und dass Nina das Verhalten ihres Mannes in Verbindung mit Jennifers Verschwinden bringt. Die Autorin hat ihre drei Sichtfiguren wirklich hervorragend charakterisiert, sodass es ein leichtes war, sich in alle drei hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen.

Dieser Thriller ist demnach für alle geeignet, die es nicht nur spannend mögen, sondern es auch lieben, zwischen verschiedenen Charakteren hin und her gerissen zu sein. Die ersten fünfzig Seiten sind eine kleine Hürde, doch sobald man die überwunden hat, wird man mit einem außerordentlich fesselnden Thriller belohnt!

Banshee Blues – Der Fluch der Todesfeen
416 Seiten

Dee ist Songwriterin und liebt es, zu singen. Doch niemand darf sie jemals dabei hören, denn Dee ist eine Todesfee, eine sogenannte Bansheeny, die mit Gesang oder auch nur einem zu lauten Ruf den Tod all jener auslöst, die sie hören. Deshalb muss sie stets auf der Hut sein, auch, weil sie ihr Geheimnis ihrem Freund Arvo niemals anvertrauen darf. Dennoch ist sie entschlossen, ihn zu beschützen, als ein Geist Dee heimsucht und es auf Arvo abzusehen zu haben scheint – bis sie lernt, dass der Geist in Wirklichkeit ihre Hilfe braucht …

Was ich an Nina Blazons Büchern sehr mag, ist, dass sie ihren ganz eigenen Touch haben: Oft erzählen sie bekannte Geschichten in neuem Gewand, was auch hier der Fall ist. Ich habe es geliebt, wie die Story um Dee, die von einem Geist heimgesucht wird, sich schließlich zu einer Art Schnitzeljagd und dann sogar einer Mördersuche entwickelt hat. Gejagt von den Autoritäten, muss Dee nicht nur während des Großteils des Romans vor ihnen fliehen, sondern auch eine bestimmte Person finden, was sich beides sehr viel schwieriger gestaltet als angenommen. Eine Mischung aus verschiedenen Plots macht dieses Jugendbuch sehr erfrischend zu lesen, vor allem, weil die Geschichte um einiges unvorhersehbarer war, als ich annahm. Für mich wirkte der Plot aufgrund der Briefe, die am Anfang eines jeden Hauptsegments stehen, viel zu offensichtlich, weshalb ich froh war, dass er sich letztendlich anders entwickelte, als ich es erwartete. Nur hätte ich mir gewünscht, dass der Dee- und der Mörder-Plot noch enger miteinander zusammenhingen, als sie es letztendlich tun.

Dee selbst ist eine unglaublich sympathische Hauptfigur, die entschlossen ist, ihren Kopf durchzusetzen, aber auch einsieht, wenn sie Fehler macht. Faszinierend war es auch, den Kontrast zwischen ihrer nach außen stillen Persönlichkeit und ihrer inneren Wildheit zu lesen – weil sie eine Todesfee ist, kann sie sich nie so ausdrücken, wie sie es wirklich will, weshalb es umso wertvoller war, stets ihre wahren Gedanken zu kennen. Die Nebenfiguren gefielen mir auch sehr gut: Shay, Dee Cousine, war hierbei mein persönliches Highlight, aber ich war auch positiv überrascht davon, wie gut mir Charaktere wie Shona und May am Ende gefielen. Die Charakterisierung ist hier rundherum gelungen!

Besonders überrascht war ich über die im Roman vorhandene Romanze. Denn sie entwickelt sich so subtil wie die Zwischentöne, die Dees Lieblingsmusik sind: Es ist im Grunde sehr offensichtlich, welche zwei Charaktere am Ende zusammenkommen werden, aber weil der Fokus eher auf ihren Bund an sich als auf ihre Romanze gelegt wird, entwickelte sich letztere fast unmerklich und auf seltsame Weise realistisch. Tatsächlich würde ich den Roman deshalb nicht einmal als Romanze bezeichnen, weil so viele andere Sachen im Fokus stehen, aber es gefiel mir unglaublich, wie sie hier eingebaut war.

Insgesamt ein weiterer empfehlenswerter Roman von Nina Blazon!

Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall
384 Seiten

Colin ist nicht gerade davon begeistert, den Sommer mit seiner Mutter auf dem Anwesen Thornhill Hall zu verbringen, weil sie ihn als Kind verlassen und vor kurzem eine neue Familie gegründet hat. Wenigstens befindet sich unter den Anwesenden auch Theodore, genannt Teddy, zu dem Colin gerne eine Freundschaft - und am besten noch ein wenig mehr - aufbauen würde. Doch all seine Pläne geraten ins Stocken, als er eines Nachts von der Treppe gestoßen wird und als Geist aufwacht. Nur, wenn er innerhalb von drei Tagen das verborgene Zimmer von Thornhill Hall findet, kann er wieder lebendig werden. Dabei helfen ihm nicht nur die anderen Geister des Anwesens, sondern auch Teddy, der ihn als einziger sehen kann ...

Dieses Fantasyabenteuer sticht vor allem durch seine im Grunde schlichte Geschichte heraus, die sehr gut umgesetzt wurde. Ich war sehr fasziniert davon, wie gut eine Handlung funktioniert, die sich nur an einem Ort abspielt und im Gegensatz zu den meisten Fantasy-Romanen keiner größeren Quest folgt. Der ultimative Beweis, dass nicht jede Geschichte mehrere verzwickte Nebenhandlungen braucht, um interessant zu sein!

Zwei, drei überraschende (und für mich sehr schockierende) Twists gab es trotzdem, doch passten diese gut in die Handlung, die letztendlich in einem spannenden Finale gipfelte.

Die Beziehung zwischen Colin und Teddy war süß beschrieben, aber auch die anderen Charaktere hatten genug Zeit, ihre Seiten zu zeigen - auch hier wieder der Handlung zu verdanken, die genauso viel Platz einnimmt, wie sie braucht.

Ein paar offene Fragen gab es durchaus (vor allem die, warum genau Teddy Colin als Geist sehen konnte), aber um ehrlich zu sein, hat es durchaus zum Flair der Geschichte beigetragen, dass man nicht für alles eine Antwort erhalten hat.

Insgesamt eine schöne Jugendfantasy für alle Fans von Geistern und Mysterien!

The First to Die at the End
576 Seiten

Es ist der erste Tag, an dem der Todesbote eingeführt wird. Alle sind aufgeregt, unsicher, ob sie daran glauben sollen oder nicht. Trotzdem finden sich viele am Times Square, um dort live die Eröffnung des Todesboten zu verfolgen. Darunter sind auch Orion und Valentino - Orion, der aufgrund seiner Herzkrankheit geradezu erwartet, den Anruf zu erhalten und Valentino, der überhaupt nicht daran denkt, weil er in New York einem neuen Leben und einer neuen Zukunft entgegensieht. Doch dann bekommt ausgerechnet er den ersten Anruf des Todesboten ...

"They Both Die at the End"/"Am Ende sterben wir sowieso" ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, weshalb ich nicht widerstehen konnte, das Prequel bereits jetzt schon auf Englisch zu lesen. Ich hatte ein wenig Angst, dass es seinem Vorgänger nicht gerecht werden würde, doch zu meiner Freude hat es Adam Silvera geschafft, eine würdige Vorgeschichte zu seinem Bestseller zu schreiben! Alles, was ich an "They Both Die at the End" so mochte, findet sich auch hier, doch ist "The First to Die at the End" keine simple Kopie seines Vorgängers, sondern steht auf eigenen Beinen.

Wobei ich durchaus raten würde, "They Both Die at the End" zuerst zu lesen. Es gibt so viele Easter Eggs und Referenzen, dass man trotz der Tatsache, dass man den Vorgänger nicht gelesen haben muss, um diese Geschichte zu verstehen, trotzdem so einiges verpassen würde. Ich bin sicher, dass ich immer noch viele übersehen habe!

Was die Struktur der Geschichte angeht, ähnelt sie dem Vorgänger und ist doch anders. Denn es gibt nicht nur die "Orion und Valentino"-Storyline, die durch ein paar Nebencharakter-Sichten bereichert wird, sondern ganze Nebenstorys, die sich im Lauf des Romans entwickeln. In "They Both Die at the End" hingen die Nebengeschichten zwar auch mit der Hauptgeschichte und miteinander zusammen, waren aber größtenteils voneinander abgekapselt. Hier dagegen gibt es neben der Hauptgeschichte und Nebenkapiteln zwei rote Fäden, die sich durch den ganzen Roman ziehen: Die Geschichte von Joaquin Rosa, dem Gründer des Todesboten, der einen Fehler im System untersucht, und die Geschichte von Gloria Dario, die Probleme damit hat, ihrer missbräuchlichen Ehe zu entkommen. Speziell die letztere Nebengeschichte war unglaublich fesselnd und ich fand es genial, wie all diese Geschichten letztendlich mit der Haupthandlung zusammenhingen.

Damit kommen wir zu den Charakteren, die erfolgreich zeigen, wie viel Hintergrund - und Chemie - Adam Silvera ihnen mit wenigen Sätzen und Seiten verleihen kann. Orion und Valentino sind hierbei natürlich das Highlight. Obwohl ihre Romanze nicht einmal einen vollen Tag einnimmt, war sie trotzdem glaubwürdig geschrieben. Ich finde es schlichtweg beeindruckend, wie gut Adam Silvera ihre Chemie hinbekommen hat!

Insgesamt ein würdiges Prequel, auf dessen kommende deutsche Übersetzung ich mich jetzt schon freue - allein schon, weil sie mir die Entschuldigung gibt, dieses wundervolle Buch noch einmal zu lesen!

The Atlas Six
544 Seiten

Alle zehn Jahre rekrutiert die Alexandrinische Gesellschaft, die die geheimen Schriften der Bibliothek von Alexandria verwahrt, sechs der mächtigsten Magier und Magierinnen der Welt. Dieses Mal fällt ihre Wahl auf Libby, Nico, Parisa, Callum, Tristan und Reina. Libby und Nico beherrschen beide mächtige Physiomagie, wobei ihre Fähigkeiten sich gegenseitig ergänzen. Parisa kann mit Leichtigkeit die Gedanken anderer lesen. Callum kann die Gefühle anderer beeinflussen und sie auf diese Weise manipulieren. Tristan durchschaut jede Illusion und noch ein wenig mehr. Und Reina ist eine Naturmagierin, die andere mit Magie versorgen kann. Alle nehmen das Angebot aus unterschiedlichen Gründen an, doch was sie erst nach und nach erfahren: Am Ende ihres Ausbildungsjahres wird einer von ihnen sterben …

Bevor wir zum Positiven kommen, möchte ich erst mal das Negative ansprechen: Den Schreibstil. Er las sich (vielleicht wegen der Übersetzung, vielleicht auch nicht) irgendwie mühselig, fast schon anstrengend. Zwar gewöhnte ich mich im Lauf des Buches daran und er wurde irgendwann auch flüssiger, aber ich brauchte wegen des Schreibstils definitiv eine Weile, um in das Buch einzufinden.

Zum Glück hat sich die Mühe letztendlich gelohnt! Hauptsächlich wegen den obigen Charakteren. Es fällt mir tatsächlich schwer, einen Liebling auszusuchen, weil sie alle sehr gut charakterisiert waren, mit Stärken, Schwächen und vielen nachvollziehbaren Gedanken. Libby ist wohl die „normalste“, sehr unsicher bezüglich ihrer Fähigkeiten und bemüht, alles richtig zu machen. Nico ist seinem besten Freund gegenüber so aufopferungsvoll, dass er dabei sein eigenes Leben riskiert. Parisa zögert nicht, ihre Reize einzusetzen, wobei ich sehr froh war, dass die Autorin zu keinem Zeitpunkt Slutshaming betrieben hat. Callum ist mit seinen manipulativen Fähigkeiten definitiv antagonistisch veranlagt, wobei es sehr interessant war, seinen Gedankengängen zu folgen. Tristan ist aufgrund seiner Vergangenheit anderen gegenüber sehr zynisch und misstrauisch, hat aber ein gutes Herz und definitiv die coolste Fähigkeit. Und Raina lernt man zugegeben wohl am wenigsten kennen, aber dennoch bekommt man einen guten Eindruck davon, wie ausgenutzt sie sich von anderen fühlt.

Zusammengefasst waren die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander so fesselnd, dass ich trotz des manchmal schleppenden Schreibstils immer weiter und weiter las. Letztendlich war mein Lieblingsduo wohl Libby und Nico, weil ich ihre (übrigens nicht romantische) Rivalität sehr faszinierend fand, aber das Coole an den Charakteren war, das sehr viele Beziehungen gezeigt wurden. Natürlich nicht alle möglichen Kombinationen, aber doch mehr, als ich erwartet hatte, was es so fesselnd gemacht hat, ihre Dynamiken zu verfolgen.

Insgesamt also ein guter Tipp für Fans von charakterfokussierten Geschichten – die nur beachten sollten, dass der Schreibstil ein wenig Eingewöhnung braucht!

Schattenbraut
544 Seiten

Als Li Lan das Angebot bekommt, mit dem kürzlichen verstorbenen Lim Tian Ching verheiratet zu werden, weiß sie zunächst nicht, was sie davon halten soll. Bis sie seine Familie kennenlernt und schnell von Tiam Bai verzaubert ist, seinem Cousin, mit dem sie ursprünglich verheiratet werden sollte. Sie lehnt das Angebot ab, wird allerdings von Lim Tian Chings Geist heimgesucht, der behauptet, er wäre von Tiam Bai ermordet worden. Um ihn endgültig loszuwerden und das Geheimnis seines Todes zu lüften, muss Li Lan selbst die Geisterwelt betreten – nicht ahnend, dass auch ihre eigene Familie Geheimnisse hat, die nun ans Licht kommen …

Zu meiner Freude war die Geschichte nicht so vorhersehbar, wie sie anhand der Kurzbeschreibung vielleicht klingt, weil es viele Überraschungen gab, die ihr eine unerwartete Richtung verliehen. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, weil Li Lans Ich-Sicht es leicht macht, sich in sie hineinzuversetzen und ihren Abenteuern im Geisterreich zu folgen. Die anderen Charaktere stachen vor allem durch ihre Rolle im Plot heraus, wobei es schwierig ist, ohne Spoiler mehr zu verraten – hier gibt es nämlich so einige Charaktere, die später in der Handlung eine andere Rolle einnehmen, als man bei ihrem ersten Auftritt vielleicht denkt.

Sehr fasziniert war ich auch von den chinesischen Legenden, die hier eingebaut werden. Die Autorin hat sich hier an realen Vorstellungen orientiert, speziell bei der Geisterwelt und der Art und Weise, wie sie funktioniert. Aber auch so etwas wie die Geisterehe, die Li Lan am Anfang angeboten bekommt, kam damals vor. Mir hat es sehr gefallen, wie viel man hier tatsächlich lernen konnte!

Insgesamt also ein sehr angenehmes Leseerlebnis für Leser*innen, die sich gerne überraschen lassen und mal ein anderes Setting kennenlernen wollen :)

Das Gesetz der Natur
608 Seiten

Gaia Marinos ist eine Mutantin. Versteckt vom Rest der Welt lebt sie zusammen mit ihrem Lehrer und einem Jäger in der Wildnis. Als sie in Gefangenschaft gerät, offenbart sie, dass sie im Gegensatz zum Großteil der Menschen lesen kann, woraufhin man ihr im Gegenzug für die Freiheit die Aufgabe überträgt, die letzten Bücher der Welt zu finden. Doch bekommt sie keine Gelegenheit, sich sofort an diese Aufgabe zu machen, weil sie in den Konflikt der anderen Menschen hineingezogen wird und trotz ihres Sohnes droht, ihre Menschlichkeit zu verlieren …

Gaia lebt in einer dystopischen Welt und besitzt eine übernatürliche Fähigkeit, doch das Zentrum ihres Charakters ist definitiv die (persönliche) Reise, die sie während der Geschichte durchmacht. Ihre Liebe zu ihrem Sohn, ihre erlernte Kampfkraft, die Menschen und Orte, die sie besucht … das alles ist in kurzen Kapiteln und mit einem einfachen Schreibstil beschrieben, sodass ich die Geschichte schnell durchlesen konnte. Es war auch sehr leicht, sich alles Beschriebene vorzustellen, auch wenn es durchaus ein paar Stellen gab, die sich ein wenig zogen (wobei das bei sechshundert Seiten wohl unvermeidlich ist).

Die Atmosphäre des Buches war etwas ganz Besonderes. Es geht nämlich nicht nur um die Reise, sondern auch um die vielen Momente an sich, die Gaia erlebt. Es ist eine Geschichte über die Strapazen, die sie erlebt und die Lektionen, die sie gezwungenermaßen lernt. Aus diesem Grund fällt es mir tatsächlich schwer, zu bestimmen, wem genau man diese Geschichte empfehlen könnte, da sie mir persönlich zwar gefallen hat, sie aber gleichzeitig ganz anders als die Geschichten ist, die ich sonst lese. Das einzige, was ich anmerken möchte, ist, dass es im Gegensatz zur Kurzbeschreibung größtenteils nicht darum geht, die letzten Bücher zu finden, sondern eher darum, wie man in einer Welt wie dieser überlebt und was man zu tun bereit ist. Die ethischen Aspekte kommen hier definitiv auch zum Tragen.

Insgesamt ist es also schwierig für mich, das Buch akkurat zu beschreiben, weil es einfach so anders war als alle anderen, die ich kenne, aber ich glaube, dass Fans atmosphärischer Lektüre hier sehr glücklich sein werden!

Das Reich der Klingen - Realm Breaker 2
622 Seiten

Eine Spindel haben sie geschlossen, doch mindestens zwei weitere Spindeln warten auf Corayne und ihre Freunde. Während sie versuchen, Verbündete um sich zu scharen und ihre nächsten Schritte zu planen, sind Erida und Taristan bereits dabei, ganz Allwacht unter ihre Herrschaft zu bringen - koste es, was es wolle ...

Der zweite Teil der Realm-Breaker-Reihe lässt den Charakteren wenig Zeit, sich zu entspannen, weil die nächste Bedrohung nie weit entfernt ist. Dennoch muss ich sagen, dass sich einige Passagen ein wenig langatmig lasen und ich überraschenderweise am meisten Interesse an Eridas Kapiteln hatte, weil es so faszinierend war, so ausführlich aus der Perspektive der Antagonistin zu lesen. Auch die Charaktermomente zwischen Corayne und Andry bzw. zwischen Dom und Sorasa gefielen mir sehr, doch meiner Meinung nach hätte es ruhig noch mehr von ihnen geben können - ich habe das Gefühl, dass ich mit Ausnahme von Erida die Charaktere nicht so gut kennengelernt habe, wie ich möglich gewesen wäre.

Von daher habe ich diesen Teil eher durchwachsen aufgenommen - er hatte viele tolle, erinnerungswürdige Szenen, doch leider auch so einige langatmige Passagen, durch die ich mich durchquälen musste. Den dritten Teil der Reihe werde ich vermutlich noch lesen, weil mich das Schicksal der Charaktere immer noch interessiert, doch hoffe ich, dass es dann auch mehr persönlichere Gespräche zwischen den Helden und Heldinnen gibt.

Die Glasperlenmädchen
528 Seiten

Bevor sie voneinander getrennt und in die Sklaverei verkauft wurden, gab Hannies Mutter ihr drei Glasperlen, die jedes Familienmitglied als Wiedererkennungsmerkmal trägt. Jahre später ist Hannie endlich frei und kann sich auf die Suche nach ihrer Familie machen. Allerdings wird sie unerwarteterweise in die Familienangelegenheiten ihrer ehemaligen Besitzer hineingezogen, wodurch ihr sich bald ein neuer Weg erschließt, anderen nach ihren Familien suchenden Menschen zu helfen.

Gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts kommt die neue Lehrerin Benedetta "Benny" Silva in eine kleine Stadt, um dort zu unterrichten. Die Klasse zeigt sich allerdings als außerordentlich unkooperativ und hat keine Lust aufs Lernen oder Schullektüre. Schließlich beschließt Benny, dass der beste Weg, ihr Interesse zu wecken, die Recherche nach den eigenen Vorfahren ist.

Diese beiden Geschichten erzählt Lisa Wingate in ihrem neuesten Roman "Die Glasperlenmädchen", wobei erst am Ende die Verbindung zwischen den beiden Zeitlinien klar wird. Doch auch ohne, dass man das bindende Element sofort begreift, lesen sich die individuellen Geschichten sehr ergreifend und emotional - Bennys Bemühungen, die Schüler und Schülerinnen der Klasse zu motivieren und gleichzeitig Hannies Bemühungen, bei ihrer Suche nach ihrer Familie nicht selbst in Gefahr zu geraten. Wer bereits "Die Libellenschwestern" von Lisa Wingate mochte, wird "Die Glasperlenmädchen" deshalb sicherlich auch mögen.

Nach Hannies Kapiteln gibt es immer einen Ausschnitt aus einer der damaligen Zeitungen, in denen Menschen Vermisstenanzeigen nach ihren verlorenen Verwandten aufgeben konnten. Das hat einen guten Eindruck davon vermittelt, wie viele Familien damals auseinander gerissen wurden; wie Lisa Wingate in ihrem Nachwort beschreibt, beruht der Roman auf wahren Ereignissen, was umso deutlicher macht, wie verzweifelt die Menschen damals nach ihren Familien gesucht haben.

Eine emotionale Lektüre für alle, die Familiengeschichten und historische Romane mögen!

& Disney – Dangerous Secrets 4: Elsa und Anna: DER WALD DER SCHATTEN (Die Eiskönigin)
384 Seiten

Fast drei Jahre sind seit Elsas Krönung vergangen und sie hat alle Hände voll damit zu tun, die Bedürfnisse der Bewohner zu erfüllen. Anna fühlt sich ausgestoßen, weil sie ihrer Schwester unbedingt helfen will, diese sie aber nicht lässt. Als im Land eine seltsame Schlafkrankheit ausbricht und Anna einen Zauberspruch entdeckt, der Träume wahr werden lässt, zögert sie nicht, ihn zu benutzen - und erweckt dadurch ihren größten Albtraum ...

Dieser Roman spielt zwischen dem ersten und dem zweiten Teil und schickt Elsa und Anna auf ein Abenteuer, in dem sie einen Weg finden müssen, den von Anna gerufenen Albtraum zu besiegen und Arendelle zu retten. Ich war positiv überrascht, wie viel Spaß ich mit dem Buch hatte - man hätte ihn locker auch verfilmen können, weil die Charaktere sich genauso anfühlten wie im Film. Zudem schafft die Geschichte eine schöne Verbindung zwischen dem ersten und zweiten Teil. Die Handlung an sich ist nicht überaus komplex, aber immer noch sehr unterhaltsam und mit wichtigen Botschaften gespickt.

Von daher ist dieser Roman für alle "Eiskönigin"-Fans, die mehr von Anna und Elsa lesen wollen, perfekt geeignet - ich habe die Lektüre auf jeden Fall genossen!