Murdle: Volume 3
384 Seiten

Nach den ersten beiden Volumes von Murdle war mein Verlangen nach mehr Logikrätseln noch lange nicht befriedigt, weshalb ich beschloss, das dritte Volume auf Englisch zu kaufen – was glücklicherweise sehr viel Spaß gemacht hat!

Das Prinzip bleibt das gleiche: Vier verschiedene Schwierigkeitsstufen mit vier verschiedenen Handlungssträngen, die grob miteinander zusammenhängen. Der erste Teil macht seine Einfachheit durch seine Handlung wett, weil hier der Twist in verschiedenen Fällen geforeshadowt wird, wodurch es Spaß machte, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Ich liebe es einfach, wenn die Details in Beschreibungen sich letztendlich als relevant herausstellen!

Im zweiten Teil, in dem Logico und Irratino um die Welt reisen und nach einem geeigneten Versteck suchen, müssen wir wieder den Lügner unter den Verdächtigen finden. Vom Schwierigkeitsgrad her hat es mir sehr gefallen, weil die Fälle weder zu einfach noch zu schwer waren. Außerdem war die Vorstellung, dass Logico und Irratino überall, wo sie hingehen, zufällig auf eine Leiche treffen, überraschend witzig!

Im dritten Teil sollen die beiden einen geeigneten Bauort für TekTopia finden, wobei hier nicht nur der Twist sehr gut war, sondern auch die Fälle an sich. So war der Schwierigkeitsgrad angenehm und ich mochte es, dass der gesuchte vierte Aspekt (neben Charakteren, Orten und Gegenständen) jedes Mal ein anderer war. Die Variation ändert zwar nicht die Art und Weise, wie das Lösen der Fälle funktioniert, ist aber trotzdem eine nette Abwechslung.

Im vierten Teil müssen Logico und Irratino die wahre Identität hinter der künstlichen Intelligenz MORIARTY enthüllen. Dieser Teil war definitiv am schwierigsten und mehr als einmal musste ich überlegen, wo der Widerspruch bei den Zeugenaussagen steckt. Als Belohnung gab es die dramatischsten Szenen der Handlung, die mich so haben mitfiebern lassen, dass ich sehr motiviert war, die einzelnen Fälle zu lösen.

Was Verbesserungsvorschläge angeht, hätte ich gerne mehr verschiedene Hinweise. Neben den Codes gibt es die Entweder/Oder-Hinweise und diejenigen, die verschiedene Charaktere verschiedenen Clubs zuordnen, um dann in einem späteren Hinweis zu spezifizieren, was genau das bedeutet. Von diesen Hinweisarten hätte ich gerne mehr gehabt, weil es spaßig war, sie zu untersuchen.

Zudem hoffe ich, dass Logicos und Irratinos Beziehung in späteren Murdle-Teilen mehr Fokus bekommt. Im ersten Volume verbrachten die beiden viele Szenen miteinander, in denen sie sich näher kamen, im zweiten Volume waren es deutlich weniger und hier im dritten Volume wieder mehr. Allerdings bleibt ihre Beziehung seltsam in der Schwebe, was ich dann doch irritierend fand, weshalb ich hoffe, dass die Hintergrundgeschichte in zukünftigen Murdles nicht nur interessante Twists, sondern auch eine Charakter- und Beziehungsentwicklung beinhalten wird.

Zusammengefasst sehr coole Logikrätsel gemixt mit einer erstaunlich packenden Handlung, die sicher auch anderen Rätselfans Spaß machen wird!

Scandor
448 Seiten

Es ist eine einmalige Chance: Fünf Millionen Euro winken demjenigen, der es schafft, im Battle Royale um Scandor, einem einmaligen Lügendetektor, am längsten die Wahrheit zu sagen. Doch jeder, der verliert, muss einen Einsatz zahlen – etwas tun, was er auf gar keinen Fall tun möchte, damit die zusätzliche Motivation, zu gewinnen, gegeben ist. Insgesamt hundert Kandidaten treten an, darunter Philipp und Tessa, die unter etwas anderen Umständen im Wettbewerb gelandet sind. Sehr bald merken beide, wie schwierig es ist, im Alltag ständig die Wahrheit zu sagen, vor allem während andere Kandidaten ihnen auf der Spur sind und Scandor den Spielern zusätzliche Aufgaben gibt. Zudem finden beide bald heraus, dass noch etwas Anderes hinter dem Wettbewerb steckt als ein simpler Lügendetektortest – nämlich das Aufdecken einer Wahrheit, die niemals ans Licht kommen sollte …

In ihrem neuesten Jugendthriller setzt Ursula Poznanski ein wahrhaft faszinierendes Konzept um: Was wäre, wenn man gezwungen wäre, für mehrere Tage die Wahrheit zu sagen – ohne Ausflüchte, ohne Versehen, ohne Schlupflöcher? Wenn man dabei seinem alltäglichen Leben nachgehen, aber sich auch vor Konkurrenten in acht nehmen muss? Dieses Konzept hat sie wirklich großartig umgesetzt, weil man durch Tessa und Philipp ein hervorragendes Gefühl dafür bekommt, wie schwer ein von Wahrheit bestimmtes Leben wirklich ist. Vor allem bei Tessa war ich sehr investiert, weil sie durch ihre Jobs in einem Lokal und in einem Callcenter in viele brenzlige Situationen gerät und das offensive Verhalten anderer Spieler sie zusätzlich in Bedrängnis bringt. Tatsächlich fieberte ich so sehr mit ihren Szenen mit, dass Philipp manchmal in den Hintergrund geriet, weil seine Szenen in der Regel nicht so spannend wie Tessas waren.

Ab und an bekommen wir einen kleinen Einblick in andere Spielerinnen und Spieler und den Moment, in dem sie die Challenge verlieren. Oft durch eine automatische, unabsichtliche Lüge, die sie in einem Moment der Unachtsamkeit ihren Platz im Wettbewerb kostet. Hier hätte ich gerne einen tieferen Einblick in ihren Einsatz bekommen. Wir bekommen zwar hier und da eine Erwähnung, aber nur selten das Gefühl, wie wichtig ihnen ihr Einsatz wirklich ist. Zwar wird dafür Philipps und Tessas Widerwillen umso mehr betont, aber wie gesagt hätte ich auch gerne mehr zu den anderen Teilnehmern erfahren.

Neben den genialen Szenen, in denen Philipp und speziell Tessa sich gegen ihre Gegenspieler behaupten, gibt es auch einige unerwartete Twists, die mich positiv überrascht haben. Ich hatte nämlich so einige Ideen, was Scandor betrifft, doch zu meiner Freude steckte letztendlich etwas Anderes dahinter. Im Nachhinein zwar nichts, das ZU besonders ist, aber im Kontext der Handlung definitiv etwas, das ich nicht erwartet habe. Großes Lob also an die Autorin, ihre Twists nicht zu offensichtlich gestaltet zu haben!

Dadurch, dass das Spiel aus insgesamt hundert Kandidaten besteht, entstehen notwendigerweise ein paar kleinere Längen. Weil Ursula Poznanski ihre Charaktere regelmäßig in gefährliche Situationen bringt, habe ich mich nie gelangweilt, aber trotzdem gemerkt, dass die Anzahl der Charaktere eher kontinuierlich als rapide abnahm. Hier hätte die Anzahl sicher noch schneller abnehmen können, doch ich persönlich fand die Geschwindigkeit trotzdem angenehm.

Was mir besonders gefallen hat (neben der Offenbarung am Ende), war das Ende selbst. Es war wirklich sehr zufriedenstellend, hat offene Fäden miteinander verbunden und mir ein Lächeln entlockt. Nach all den Strapazen, die die Hauptcharaktere auf sich nehmen mussten, war es genau das Ende, das ich mir gewünscht habe.

Insgesamt also wieder ein spannender Thriller aus Ursula Poznanskis Feder, der es hervorragend schafft, die Wahrheit in all ihrer Schönheit, Grausamkeit und Undurchsichtigkeit darzustellen!

Such Charming Liars
432 Seiten

Nachdem sie jahrelang als Juwelendiebin arbeitete, will Kats Mutter Jamie ein normales Leben führen. Doch einen letzten Coup muss sie davor noch durchziehen: Einer Erbin der Familie Sutherland eine Rubinkette stehlen. Als Jamie unerwartet krank wird, beschließt Kat, an ihrer Stelle die Kette zu stehlen. Allerdings läuft so einiges gehörig schief, angefangen damit, dass sich auf dem Anwesen Liam befindet, Kats Ex-Stiefbruder, dessen Vater die zu bestehlende Erbin heiraten will. Als dann noch ein Mord geschieht, werden Kats Pläne gehörig durcheinander gewirbelt, denn sie hat einen groben Blick auf den Mörder erhaschen können – der nun hinter ihr her ist. Zusammen mit Liam und Augustus, einem Sohn der Sutherlands, versucht sie, den Mörder zu finden – ohne dabei ihre Geheimnisse zu offenbaren …

In „Such Charming Liars“ hat Karen M. McManus ihren wohl bisher komplexesten Plot geschrieben, der mich mehr als einmal in die Irre geführt hat! Es gibt viele falsche Fährten, unerwartete Twists und überraschende Zusammenhänge, die für ein spannendes Leseerlebnis gesorgt haben. Meine Kurzbeschreibung wird den Ereignissen mitnichten gerecht, weil so viel passiert und so viel davon wichtig ist. Aber das sehe ich eindeutig als positiven Punkt, weil die verschachtelte Handlung einen ordentlich auf Trab hält und die Mysterien viele Fragen aufwerfen, die mich zusätzlich antrieben. Ich habe lange gerätselt, wie die verschiedenen Puzzlestücke der Handlung zusammenhängen und war sehr zufrieden mit der Auflösung. Wer hier also eine dichten und auf positive Weise verworrenen Plot sucht, ist bestens bedient!

Aber auch die Charaktere können sich sehen lassen. Ich mochte Kat, die speziell am Anfang viele Fehler macht, aber deren Instinkt sie mehr als einmal rettet; ihr Ex-Stiefbruder Liam war im Konstrast zu ihr um einiges naiver, entwickelt sich in der Handlung jedoch weiter. Und Augustus, in den Liam sich im Lauf der Handlung verliebt, war mir ebenfalls außerordentlich sympathisch und ich hätte gerne noch mehr von der Beziehung zu seinem alkoholsüchtigen Vater gesehen. Auch andere Charaktere wie Kats Mutter Jamie und Liams Vater Luke spielen eine wichtige Rolle und hier hat es mir sehr gefallen, wie Karen M. McManus deren jeweilige Beziehung zu Kat bzw. Liam umgesetzt hat, weil es auch hier ein paar Überraschungen gibt. Insgesamt hätte ich von anderen Charakteren gerne noch mehr gesehen, aber das Haupttrio hat mir sehr gut gefallen.

Was Kritikpunkte angeht, finde ich zugegeben, dass die Handlung eine Weile braucht, um in Fahrt zu kommen. Bis zum Mord vergehen circa hundertfünfzig Seiten, was mich persönlich zwar nicht störte, für andere Leser:innen aber eventuell zu lang sein könnte. Das hat zwar seinen Grund (am Anfang werden viele Details eingeführt, die sich später als relevant weisen und deren Bedeutung man logischerweise noch nicht vorhersehen kann), aber ich wollte es trotzdem erwähnt haben, weil ich wegen der Kurzbeschreibung davon ausging, der Mord würde früher passieren.

Insgesamt also wieder ein sehr guter McManus-Thriller, der speziell durch seine komplexe Handlung und seine drei Hauptcharaktere beeindruckt!

Murdle: Volume 2
384 Seiten

Im zweiten Volume von Murdle müssen Deduktiv Logico und Inspektor Irratino das Geheimnis der Violet Isles lüften, die sieben Rätsel des Pythagoras lösen, nach ihrem Partner suchen und schließlich die Revolution in Drakonien beenden. Es gibt aber nicht nur Mordfälle aufzuklären, sondern auch die wahren Pläne, die hinter manchen von ihnen stecken …

Glücklicherweise gab es in diesem Volume keine Übersetzungsfehler, die das Lösen eines Falls unmöglich gemacht hätten, sodass ich sehr viel Spaß dabei hatte, an den hundert Fällen meine Logik zu testen.

Das erste Viertel war natürlich am einfachsten, doch dafür war hier die Handlung, die im Hintergrund (bzw. bei den Lösungstexten) ablief, umso interessanter. Tatsächlich war ich sehr positiv überrascht darüber, wie die einzelnen Details verschiedener Fälle sich letztendlich als relevant erwiesen. Manchmal war es die Beschreibung von Charakteren, Gegenständen und Orten, manchmal die Zuordnung derselben. Als schließlich das Geheimnis der Violet Isles herauskam, war ich sehr begeistert davon, hier nicht nur einen coolen Twist zu erleben, sondern sogar einen, der durch die vielen Details in den Fällen bereits geforeshadowt wurde, ohne, dass ich es merkte.

Im zweiten Viertel gehen Logico und Irratino auf Weltreise, um dort verschiedene Fälle und nebenbei die sieben Rätsel des Pythagoras zu lösen. Diese werden auch uns Leser:innen gestellt, doch um ehrlich zu sein, fand ich sie persönlich zu schwer; da hat mir das eigentliche Lösen der Murdles mehr Spaß gemacht, weil es durch den „der Mörder lügt, die anderen sagen die Wahrheit“-Aspekt einen angenehmen Schwierigkeitsgrad hatte. Auch fand ich die eigentliche Handlung in diesem Teil nicht allzu besonders.

Das dritte Viertel ist besonders interessant, weil man hier neben den Charakteren, Orten und Gegenständen auch ein viertes Kriterium zuordnen muss, das sich von Fall zu Fall ändert. Das hat für ein wenig Abwechslung gesorgt, auch wenn die Zuordnung selbst natürlich gleich bleibt. Die eigentliche Handlung war hier ebenfalls interessant, wenn es auch keine starken, verbindenden Glieder zwischen den einzelnen Fällen gibt.

Im letzten Viertel gab es wieder ein paar coole Twists und Verbindungen zwischen vielen Fällen, sowie einige Charakterdramen, die mich sehr erfreuten. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad in diesem Teil – wo man neben der Zuordnung von Charakter, Ort, Gegenstand und Motiv auch den Lügner unter den Verdächtigen finden muss – definitiv mein bevorzugter. Tatsächlich hätte ich nichts dagegen, ein ganzes Murdle-Volume nur mit diesem Schwierigkeitsgrad zu lösen!

Insgesamt hat mir die Handlung im ersten Volume zwar besser gefallen, doch hat auch das zweite Volume so einige packende Fälle und Twists parat. Insofern empfehlenswert für alle Fans von Logikrätseln!

Murdle: Volume 1
384 Seiten

Detektiv Logico hat in Murdle, Volume 1, so einige Kriminalfälle aufzuklären: die Krimis von Dame Obsidian und die mögliche Inspiration hinter ihnen; mehrere Fälle, über die er mit dem esoterischen Inspektor Irratino, seinem Partner, stolpert; ein Rachefeldzug, um den wahren Drahtzieher eines besonderen Mordes aufzudecken; und mehrere Morde auf einem Studiogelände in Hollywood, die weitere Geheimnisse preisgeben.

Die Logikrätsel, denen Detektiv Logico sich stellt, sind außerordentlich charmant und witzig. Viele der Beschreibungen für verschiedene Verdächtige, Orte und Waffen haben mir ein Schmunzeln entlockt, während ich die Rätsel mit großer Freude löste. Diese sind in vier Schwierigkeitsgrade aufgeteilt: Einfache Logikrätsel mit deutlichen Hinweisen und nur drei Verdächtigen; mittelschwere Logikrätsel mit weniger Hinweisen und dem Deduzieren der falschen Aussage; schwierige Rätsel mit vier Verdächtigen und dem zusätzlichen Aspekt des Motivs; und schließlich sehr schwere Rätsel, wo es nicht nur vier Verdächtige, vier Orte, vier Waffen und vier Motive gibt, sondern auch die falsche Aussage gefunden werden muss. Insofern werden die Rätsel graduell schwerer, wobei ich witzigerweise den zweiten Teil fast schon schwieriger fand als den dritten; es war nicht immer einfach, die falsche Aussage zu finden, weshalb speziell diese Rätsel mir mehr Denkarbeit abverlangten als das logische Kombinieren der Hinweise.

Wichtig zu erwähnen ist die Tatsache, dass in drei der hundert Fälle ein Hinweis in der deutschen Übersetzung fehlt, der es unmöglich macht, den Fall aufzuklären. Die betroffenen Fälle sind 10, 11 und 58; sicherheitshalber habe ich mir die englische Version gekauft, um die fehlenden Hinweise zu finden. Diese sind (übersetzt): „Sie verteilten kostenlose Getränke direkt über dem noch warmen Körper des Idioten“ (Fall 10), „Der Mord wurde mit einem Metallstrohhalm begangen“ (Fall 11) und „Die Herzogin von Vermillion hatte einen Ziegelstein mitgebracht, den sie kaum tragen konnte“ (Fall 58). Glücklicherweise lassen sich alle anderen Fälle problemlos aufklären, doch trotzdem ist es schade, dass dieser Fauxpas drei Fälle betrifft. [NACHBEMERKUNG: Mit der neuesten Auflage sind diese Übersetzungsfehler behoben worden. Danke!]

Neben all den Rätseln gibt es allerdings auch eine Geschichte, die mit jedem Fall ein Stückchen weitergeht. Zuerst habe ich das gar nicht bemerkt und bei den Lösungen nur schnell nachgeschaut, ob ich mit meiner Deduktion richtig liege, statt den Text darunter zu lesen (weil ich annahm, er könne auch nachher gelesen werden und ich außerdem nicht aus Versehen die Lösungen anderer Fälle lesen wollte), doch tatsächlich ist es wichtig, nach jedem gelösten Fall auch den dazu geschriebenen Text zu lesen, weil er die verschiedenen Fälle miteinander verbindet. Zudem gibt es sowohl bei den Lösungen als auch bei den Tipps mehr Details zu den beiden Hauptcharakteren und deren Beziehung, bei der ich überraschend stark mitgefiebert habe; speziell im dritten Teil war die Hintergrund-Handlung so einnehmend, dass ich aufrichtig wissen wollte, was genau hinter gewissen Morden steckt. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, aber wie gesagt: Das Lesen der Lösungstexte gleich nach Abschluss des jeweiligen Rätsels ist absolut obligatorisch, weil man ansonsten sehr viel Wichtiges verpasst.

Ich freue mich auf jeden Fall auf Murdle, Volume 2, weil dieser erste Teil so spaßig, spannend und allgemein super war!

Das Geheimnis des blauen Skarabäus
432 Seiten

Als Kind bekommt Cleo von ihrem Vater, einem Archäologen, einen Armreif mit einem blauen Skarabäus geschenkt, der schon bald zu ihrem liebsten Besitz wird – denn von ihrem Vater hört sie daraufhin jahrelang nichts und fürchtet, er könne umgekommen sein. Als junge Erwachsene reist sie zusammen mit den Tredennick-Geschwistern Miranda und Angwin sowie ihrem Zweck-Ehemann Victor nach Ägypten, um endlich eine Antwort auf ihre offenen Fragen zu bekommen – und das Geheimnis ihres Armreifs aufzuklären, das der Schlüssel für das Grab Tutanchamuns sein könnte …

Dieser Roman fängt die Atmosphäre Ägyptens wirklich fantastisch ein. Auch, wenn die Charaktere nur einen (zugegeben beträchtlichen) Teil der Handlung in Luxor sind und einen deutlich kleineren Teil draußen in der Wüste, hat die Autorin das Flair Ägyptens wirklich wunderbar vermittelt und das Land vor meinem geistigen Auge heraufbeschworen.

Dazu kommt, dass im Zentrum der Geschichte viele großartige Charaktere sind. Nicht nur ist Cleo eine hervorragende Protagonistin, sondern wird von fehlerbehafteten und vielleicht gerade deshalb einnehmenden Charakteren begleitet: Miranda, ihre beste Freundin, die allerdings nicht immer gut mit Cleo umgeht; Angwin, Mirandas Bruder, der Cleo früher nicht mochte und sie jetzt lieb gewinnt; Victor, ihrem Zweck-Ehemann, der ihr auf diese Weise half, nach Ägypten zu kommen; und Jason, dem Fremdenführer, der ein außerordentlich barsches Verhalten zeigt, aber ein gutes Herz hat. Das Verhalten dieser Charaktere war manchmal wirklich problematisch und dennoch konnte ich mich nicht dazu durchringen, sie deshalb weniger zu mögen, weil es sie nur realer erscheinen ließ. Ein großes Lob an die Autorin für diese tiefgründigen Charaktere!

Was die Romanze angeht, hat mich Rebecca Michéle gleich mehrmals überrascht. Immer, wenn ich glaubte, zu wissen, in welche Richtung sich die Handlung diesbezüglich entwickelt, kam ein neuer Twist, der meine Erwartungen perfekt untergrub. Das hat mir wirklich sehr gefallen, weil die Autorin geschickt mit den Erwartungen der Leserinnen und Leser spielt, um am Schluss aber immer noch ein zufriedenstellendes Ende zu finden.

Was das eigentliche Ende angeht, hielt dieses so einige schockierende Twists bereit, die mich kalt erwischt haben. Zwar wünschte ich, dass der Epilog ein wenig mehr ausgebaut worden (bzw. ein größerer Teil der Handlung geworden) wäre, aber das spannende Finale war dafür umso besser. Allgemein gibt es in diesem Roman viele angenehme Überraschungen, sodass selbst diejenigen, die viel in diese Richtung gelesen haben, Dinge finden werden, die sie nicht kommen sahen.

Neben all dem Lob habe ich jedoch auch eine Kritik, nämlich dass die Handlung sich während des ersten Ägypten-Aufenthalts bis zum Anfang des zweiten ganz schön in die Länge zog. Speziell die Zeit in Cornwall fühlte sich sehr lang an, obwohl sie nicht einmal so viele Seiten einnahm; aber auch davor fand ich, dass der erste Aufenthalt ein wenig ZU lang war. Vielleicht auch, weil Cleo so oft geraten wurde, aufgrund verschiedener Ereignisse nach Cornwall zurückzukehren, was letztendlich zwar geschah, aber eventuell früher hätte passieren sollen, um sowohl dem ersten als auch dem zweiten Aufenthalt genug Zeit zum Atmen zu geben. So nahm der erste Besuch sehr viel Zeit in Anspruch, während der zweite deutlich kürzer war.

Trotz dieser Kritik hat mir der Roman jedoch sehr gut gefallen und ich liebte es, hier so viele erfrischende Twists zu lesen. Insofern werden hier nicht nur Ägypten-Fans auf ihre Kosten kommen, sondern auch alle, die gerne von der Handlungsentwicklung überrascht werden!

Die unendliche Reise der Aubry Tourvel
464 Seiten

Seit sie neun Jahre alt ist, leidet Aubry Tourvel an einer Krankheit, die es ihr unmöglich macht, mehr als vier Tage an ein und demselben Ort zu bleiben. Zunächst mit ihrer Mutter, dann allein und ab und zu mit anderen Gefährten macht sie sich auf eine lebenslange Reise, um einen Weg zu finden, ihre Krankheit zu heilen. Während den Jahren und Jahrzehnten, in denen sie die Erde bereist, sieht und erlebt sie einzigartige Dinge, knüpft fragile Verbindungen und lernt, wie magisch die Welt wirklich ist …

„Die unendliche Reise der Aubry Tourvel“ ist ein Abenteuerroman mit einer Prise Magie, der mich ein wenig an „Die unendliche Geschichte“ erinnert hat. In mehreren Abschnitten erleben wir Aubrys Reiseleben mit einem Fokus auf die Menschen, die sie trifft und die Abenteuer, die sie erlebt. Besonders erwähnenswert sind Lionel Kyengi (den sie in der Transsibirischen Eisenbahn trifft), Uzair Ibn-Kadder (ihre erste Liebe, der sie vergeblich zu heilen versucht), Prinz Surasiva (dem sie von ihrer Zeit im tibetischen Hochland erzählt) und Marta Arbaroa (die Aubrys Reise jahrelang verfolgte, ehe sie auf sie traf). Speziell diese und noch ein paar mehr Menschen formen Aubrys Leben und jeder von ihnen bekommt einen Teil davon zu Gesicht.

Hier muss ich gleich zugeben, dass mich nicht alle Teile gleichermaßen interessierten. Speziell der letzte Teil mit Marta, der Fokus auf eine magische Bibliothek legt, die Aubry während verschiedener Lebensabschnitt findet, zog sich meiner Meinung nach viel zu sehr in die Länge und litt zudem darunter, dass ich der Handlung nur schwer folgen konnte. Auch hatte bis dahin der Aufhänger der Geschichte seinen Reiz verloren und die neuen Orte interessierten mich nicht mehr so sehr wie die, die davor beschrieben wurden. Es war immer noch interessant, wie in der magischen Bibliothek die verschiedenen Handlungsstränge vereint wurden, aber insgesamt mochte ich die anderen Teile der Geschichte deutlich mehr.

Die Atmosphäre und die Ereignisse waren dort nämlich besonders ansprechend und es hat mir sehr gefallen, all die Menschen und Orte kennenzulernen, auf die Aubry während ihrer Reise trifft. Mein Favorit war definitiv Lionel, der zudem ein schönes Beispiel dafür war, wie erinnerungswürdig kurze Begegnungen sein können. Allgemein enthält der Roman viele Momente, die einfach magisch sind und Aubrys Reise hervorragend visualisieren, bis eben auf den letzten Teil, durch den man sich ein wenig durchbeißen muss.

Wer gerne über magische Reisen, die Vergänglichkeit des Lebens und stille Momente liest, wird diesen Roman sicher sehr genießen, doch sollte man speziell langsames Pacing gerne mögen, weil der letzte Teil der Geschichte sonst zu langatmig sein könnte.

Die Reisenden der Nacht
415 Seiten

Ally ist eine aufstrebende Schriftstellerin in der Nazizeit, die alles in ihrer Macht Stehende tut, um ihre kleine Tochter Lilith zu schützen. Für die Nazis ist diese nur ein Mischlingskind, das gegen die Rassenideologie verstößt. Schließlich bleibt Ally keine Wahl und sie ist gezwungen, Lilith wegzugeben. Diese wächst wohlbehalten in Kuba auf, verliebt sich und bekommt eine Tochter, Nadine. Doch während der kubanischen Revolution sieht sie sich ebenfalls gezwungen, ihre Tochter wegzugeben, woraufhin diese in New York aufwächst und später in Deutschland versucht, ihre Adoptivmutter vor dem Gefängnis zu retten. Erst Nadines Tochter Luna ermöglicht es der Familie, die offenen Fäden der Familiengeschichte wieder zusammenzuführen …

Dieser Roman erzählt die Geschichte vierer Frauen, die während schwerer Zeiten Entscheidungen fällen müssen, die noch Jahre und Jahrzehnte danach in ihrer Familie widerhallen. Besonderer Fokus wird dabei auf die ersten drei Generationen gelegt, die jeweils ungefähr ein Drittel der Handlung gewidmet bekommen. Hier haben mir speziell Allys und Liliths Geschichten sehr gefallen, weil deren Leben besonders ausführlich beschrieben wurden. Wir folgen Ally über zehn Jahre hinweg, in denen auch Lilith eine zentrale Rolle spielt, und Lilith über zwanzig Jahre. Im Vergleich zu den vierzig Jahren, in denen Nadine und Luna die Hauptfiguren sind, hatte ich das Gefühl, Ally und Lilith besser kennenzulernen als deren Kindeskinder, weil weniger Zeit in mehr Seiten gesteckt wird, wodurch die Ereignisse einen härter treffen, als sie es bei großen Zeitsprüngen tun.

Das ist nicht zwingend etwas Schlechtes, weil jeder der drei Teile etwas Wichtiges zu bieten hat, aber es ist trotzdem erwähnenswert, dass ich mit Ally und Lilith mehr mitfiebern konnte als mit Nadine und Luna, weil deren Geschichte kompakter erzählt war. Das trifft auch auf die Handlung an sich zu; die Ereignisse in den ersten zwei Dritteln fesselten mich etwas mehr, weil ihnen mehr Zeit gegeben wurde, sich zu entfalten. Erwähnenswert ist hier natürlich auch, dass all diese Ereignisse auf realen beruhen, aber mithilfe fiktiver Charaktere erzählt wurden.

Der dritte Teil der Handlung sticht vor allem durch seine Plot Twists hervor, die die verschiedenen Teile der Geschichte sehr schön zusammenführen und den Kontext früherer Szenen auf positive Weise verändern. Ich hatte mir bis dahin nämlich ernsthafte Sorgen darüber gemacht, wie die gegenwärtigen Charaktere es schaffen würden, ihre Vergangenheit aufzudecken und war sehr erleichtert, als das auf eine zufriedenstellende Weise geschah.

Wer Familiengeschichten gerne mag, wird hier eine finden, die sowohl herzzerreißend als auch herzerwärmend ist!

The Parents – Dein Kind ist weg. Dein schlimmster Albtraum beginnt.
512 Seiten

Ein ungutes Gefühl lässt Andy mitten in der Nacht aufwachen. Voller Panik schaut er nach, ob sein Sohn Connor schon heimgekommen ist. Erleichtert legt er sich wieder schlafen, als er ihn in seinem Bett liegen sieht. Doch er irrt sich. In Wirklichkeit hat Connors Cousin Zac dessen Platz eingenommen und als Connor endlich wieder auftaucht, weigern sich die beiden, zu sagen, wo sie gewesen sind. Doch es dauert nicht lange, bis Andy herausfindet, dass Connor zusammen mit vier anderen Schülern für mehrere Stunden im Wald verschwunden ist – und eine Schülerin namens Emily nicht daraus zurückgekehrt ist …

Dieser spannende Thriller ist leicht zu lesen, zieht einen hervorragend mit der Handlung mit und findet zu einem äußerst zufriedenstellenden Ende, das mich positiv überrascht hat. Ich bin mir zwar trotzdem nicht sicher, ob das Buch auch für Eltern geeignet ist, weil die Angst vor dem Verschwinden bzw. Tod der Kinder stark thematisiert wird, aber andererseits schafft T. M. Logan es hervorragend, diese Angst nicht bis ins Extreme zu ziehen.

So hat speziell Andy so einige Paranoia, was Connors Verhalten betrifft, doch ist es für uns Leserinnen und Leser recht schnell klar, dass dahinter kein mörderischer, sondern ein anderer Grund steckt. Dieses Geheimnis aufzuklären hat zusammen mit der verzweifelten Suche nach Emily für einen Thriller gesorgt, den man sehr schnell wegliest.

Von allen Charakteren war mir Andys zwölfjährige Tochter Harriet am sympathischsten, weil sie der ruhige, rationale Kontrast zu den panischen Erwachsenen war und ihre eigenen Ermittlungen angestellt hat, um hinter Connors Geheimnis zu kommen.

Was mögliche Kritik angeht, fand ich es schade, dass es keine überraschenden Twists gab und auch der Antagonist relativ leicht vorherzusehen war. Der Thriller lebt vor allem durch seinen leicht zu lesenden Schreibstil und seine konstante Spannung, und eher weniger von schockierenden Twists.

Zudem fand ich den deutschen Untertitel und die Kurzbeschreibung sehr irreführend, weil beides impliziert, dass Connor das verschwundene Kind sein wird – aber dem ist gar nicht der Fall. Er taucht recht früh wieder auf und die Handlung konzentriert sich ab da auf die verschwundene Emily und seine potenzielle Beteiligung daran.

Letztendlich hat der Thriller mir aber immer noch sehr gut gefallen, weshalb ich ihn allen Leserinnen und Lesern, denen die Thematik nichts ausmacht, empfehlen kann!

Suddenly a Murder - Mord auf Ashwood Manor
384 Seiten

Als Izzy von ihrer Freundin Kassidy auf eine einsame Insel eingeladen wird, um dort zusammen mit fünf anderen Schülerinnen und Schülern ihren Schulabschluss zu feiern, bringt sie ein Messer mit. Denn auch Blaine, Kassidys fester Freund, gehört zu den Geladenen und mit ihm haben alle noch eine Rechnung offen: Marlowe gibt ihm die Schuld am Tod seines Bruders. Chloe ist wütend, weil sie nur seine Geliebte und nicht seine feste Freundin ist. Ellison bekam seinetwegen Ärger mit der Polizei, was sein Stipendium gefährdet. Kassidy ahnt, dass Blaine sie betrügt und will ihn zur Rede stellen. Fergus ist als ehemals bester Freund von Blaine verärgert, dass er jetzt von ihm schikaniert wird. Und Izzy hat so ihre eigenen Gründe, Blaine zu hassen – und fürchtet am allermeisten, dass jemand von den anderen diese Gründe herausfindet …

Ich habe ja schon viele Krimis und Thriller für Jugendliche und Erwachsene gelesen, aber „Suddenly a Murder“ gehört denen, die mich wieder einmal sehr beeindruckt haben! Und das liegt hauptsächlich an den fantastischen Charakteren. Lauren Muñoz hat es erfolgreich geschafft, alle Charaktere so liebenswert, fehlerbehaftet und dreidimensional zu beschreiben, dass ich sie alle lieb gewann.

Damit sind nicht nur die Schüler gemeint, die durch Rückblicke viel Tiefe bekommen, sondern auch die Ermittler – speziell die Detektivin Pilar de León, die zusammen mit Detective Cates an der Auflösung des Falls arbeitet. Ich war sehr begeistert darüber, dass diese beiden Ermittler tatsächlich fähig in ihrem Beruf waren und sogar eine gewisse Relevanz für die Handlung hatten. Von den anderen Charakteren möchte ich Ellison gerne hervorheben; wie gesagt fand ich alle Charaktere sehr einnehmend, aber bei Ellison speziell fand ich nicht nur seine Beziehung zu Fergus sehr faszinierend, sondern auch die Tatsache, dass er als Sohn einer Anwältin seine eigenen Rechte sowohl gekannt als auch genutzt hat.

Aufgrund meiner Erfahrungen als Thriller-Leserin gab es tatsächlich eine wichtige Offenbarung, die ich früh geahnt habe, dafür aber auch mindestens zwei Twists, die mich kalt erwischt haben und die ich absolut genial fand. Die Art und Weise, wie der Fall und die verschiedenen Vernehmungen erzählt sind, war so oder so sehr fesselnd; es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mir zu überlegen, wie die verschiedenen Puzzleteile zusammenhängen.

Nur beim Ende hätte ich mir noch etwas mehr erhofft. Das Ende selbst ist wunderbar bittersüß, aber ich hätte mir gerne noch mehr abschließende Szenen zu den übrigen Charakteren gewünscht und was sie jetzt, nachdem der Fall abgeschlossen ist, für ihre Zukunft planen. Ansonsten war ich allerdings rundum zufrieden mit der Lektüre und hoffe, bald noch mehr von den Autorin zu lesen!

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
416 Seiten

Kurz vor der Jahrhundertwende im Jahr 1899 ist der Transsibirieren-Express sowohl ein Wunder als auch eine Gefahr. Obwohl bei der letzten Überfahrt etwas schief gelaufen zu sein scheint, wollen Menschen auch weiterhin diese besondere Fahrt durch das Ödland erleben. Darunter Maria Petrowna, die mit falschem Namen in den Zug steigt und eine Lüge aufzudecken versucht; Zhang Weiwei, die vor sechzehn Jahren im Zug geboren wurde und seine Mysterien ergründen will; und Henry Grey, ein in Ungnade gefallener Naturforscher, der im Ödland seine ganz eigenen Pläne umzusetzen gedenkt. Doch als im Zug und im Ödland immer merkwürdigere Dinge passieren, müssen die drei ihre eigentlichen Pläne beiseite schieben, wenn sie die Fahrt überleben wollen ...

Dieser Roman ist mysteriös, fantasievoll, gruselig und atmosphörisch, überzeugt dafür aber in anderen Kategorien nicht ganz so sehr. Die bildgewaltige Sprache hat ein paar einzigartige Szenen erschaffen, die mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden, aber die Handlung an sich wurde mir letztendlich nicht ganz klar.

Das heißt nicht, dass die gesamte Handlung verwirrend für mich war, aber ganz folgen konnte ich ihr auch nicht immer. Zudem scheint es durchaus absichtlich zu sein, dass man nicht immer weiß, was gerade vor sich geht, was es noch schwerer macht, die Handlung zu beurteilen. Am Ende musste ich mich fragen, was ich eigentlich gerade gelesen habe - so wundervoll und entsetzlich und unbeschreiblich waren die Ereignisse, die Sarah Brooks schildert.

Insofern würde ich sagen, dass speziell das Worldbuilding fantastisch gelungen ist und für viele unvergessliche Szenen gesorgt hat. Doch jemand, der lieber eine kohärente Handlung und einen Fokus auf Charakterbeziehungen möchte, wird sich schwer tun, sie hier zu finden. Sie existieren zwar durchaus (speziell die Freundschaft zwischen Weiwei und Elena fand ich sehr gut beschrieben), aber letztendlich lebt der Roman eher von seinen ungewöhnlichen Erlebnissen. Leserinnen und Leser, die ein etwas anderes Leseerlebnis haben wollen, können hier also definitiv damit rechnen – doch Fans "klassischer" Handlungsstränge werden wohl eher verwirrt sein.

Empfehlen würde ich den Roman letztendlich trotzdem, aber mit der Einschränkung, dass er sicher nicht für jeden etwas sein wird!

Die verheimlichte Tochter
384 Seiten

Ella ist erfolgreiche Kunsthändlerin, träumt jedoch davon, ihre eigene Kunst zu erschaffen. Die Gelegenheit bekommt sie, als ihr von einer Anwaltskanzlei eine kleine Schachtel überreicht wird, in der sich ein Notenblatt und ein Foto von einer Mutter und Tochter befinden, das auf einer griechischen Insel geschossen wurde. Mithilfe des Pianisten Gabriel, in den sie früher verliebt war – und insgeheim immer noch ist –, untersucht sie ihre Familiengeschichte, die sie nicht nur nach Griechenland, sondern in die Zukunft ihrer Träume führt ...

Zunächst möchte ich einen kleinen Fehler in der Kurzbeschreibung ansprechen, der mich beim Lesen der eigentlichen Geschichte ganz schön verwirrte: Und zwar, dass Gabriel dort irrtümlicherweise "Mathew" genannt wird. Deshalb dachte ich für eine ganze Weile, dass neben Gabriel noch ein anderer Pianist namens Mathew auftauchen würde, doch ist das nie passiert, weil hier schlicht ein falscher Name genannt wurde. Diejenigen, die die "Mathew"-Version haben, sollten vorab über diesen Fehler Bescheid wissen, um Verwirrung zu vermeiden.

Zum Glück ist die eigentliche Geschichte genau wie die vorigen Teile wunderschön zu lesen. Stellenweise war ich sogar zu Tränen gerührt, weil die neuen Twists, die Soraya Lane in ihre Handlung einbaute, mich so bewegten. Das ist übrigens ein großer positiver Punkt: Auch, wenn alle Geschichten ähnlich beginnen, gibt es in jedem Töchter-Roman neue Entwicklungen, die ihn von den anderen Romanen abheben. Besonders hier gefiel mir der Twist sehr gut und hat für ein emotionales, zufriedenstellendes Ende gesorgt.

Zudem ist die Romanze in beiden Zeitlinien sehr süß umgesetzt. Sowohl Ella und Gabriel als auch Alexandra und Bernard geben ein wunderbares Pärchen ab, was besonders bei Alexandra und Bernard beeindruckend ist, weil ihre Screentime im Vergleich zu Ella und Gabriel deutlich kleiner war. Nichtsdestotrotz spürte man ihre Liebe zueinander deutlich und ich war sehr froh, das Ende ihrer Geschichte zu erfahren.

Was mögliche Kritik angeht, habe ich diesmal ein Weilchen gebraucht, um mich in die Handlung einzufinden; Ella kommt erst nach circa einem Drittel der Handlung überhaupt nach Griechenland, während Alexandra es früh verlässt, um erst gezwungenermaßen und dann freiwillig in London zu leben. Deshalb gab es speziell in der ersten Hälfte nicht genug Griechenland für mich, dafür aber zum Glück umso mehr in der zweiten Hälfte.

Eine weitere Beobachtung meinerseits, die ich nicht unbedingt als Kritik, sondern als persönliche Meinung zählen würde: Die gegenwärtige Handlung fand ich um einiges interessanter als die vergangene. Mit Alexandras Handlungsstrang bin ich erst recht spät warm geworden, während ich keine Probleme hatte, mich in Ellas Erkundungen zu verlieren. Anderen Leser:innen mag es jedoch anders gehen, weshalb ich diesen Punkt wie gesagt nicht als Kritik betrachte.

Zum dritten Mal ist es Soraya Lane gelungen, eine entspannte, emotionale Wohlfühlgeschichte zu schreiben, die ich sehr genossen habe!

Die Schattenschwester
608 Seiten

Star hat immer im Schatten ihrer Schwester CeCe gelebt, doch nach dem Tod ihres Vaters ist die Zeit für sie gekommen, sich selbst zu finden. Einem Hinweis ihres Vaters folgend, besucht sie eine Londoner Buchhandlung, wo sie auf den exzentrischen Orlando und seinen distanzierten Bruder Maus trifft. Es ist offensichtlich, dass ihre Familiengeschichten irgendwie zusammenhängen, doch wie genau, ist nicht ganz klar. Bis sie die Tagebücher von Flora MacNichol finden, die während ihres Lebens viele Entscheidungen traf, deren Konsequenzen bis in die Gegenwart reichen …

Der erste Band war gut, der zweite Band noch besser und der dritte mein bisheriges Highlight: „Die Schattenschwester“ hat die besten Aspekte der vorigen Bände in sich vereint und gleichzeitig die wenigen Kritikpunkte, die diese hatten, vermieden. Das fängt mit Star an, mit der ich mich wunderbar identifizieren konnte. Alle Schwestern waren bisher großartig und ich konnte mich leicht in sie hineinversetzen, doch Star war als die Schwester, die sich selbst und ihr Selbstbewusstsein erst finden musste, besonders liebevoll.

Und nicht nur sie war es, die mich begeisterte: Auch die Brüder Orlando und Maus waren absolut großartig und ich habe es sehr genossen, Orlandos exzentrischen Charakter und Maus’ Charakterentwicklung zu verfolgen. (Natürlich war auch Rory, ihr kleiner Neffe, super süß.) Hier mochte ich es auch, dass meine Erwartungen bezüglich der Charaktere positiv untergraben wurden, was zusätzlich zu ihrem realistischen Bild beitrug.

Doch der wohl wichtigste Charakter der Geschichte ist Flora, deren Vergangenheit wir ausführlich kennenlernen. Sie trifft viele wichtige Entscheidungen, die ihr Leben und das anderer formen, statt wie vorige Protagonistinnen eine Geisel der Entscheidungen anderer zu sein. Zwar gibt es natürlich Ereignisse, die sie nicht kontrollieren kann, aber insgesamt lässt Flora Dinge geschehen, anstatt sie nur geschehen zu lassen. Sie hat tatsächlichen Einfluss auf ihr Leben und ihre Entscheidungen treffen auf realistische Konsequenzen und Reaktionen. Ich hoffe, auch in den anderen Bänden so großartige, starke Frauenfiguren zu sehen!

Zum Schluss ist das Mysterium um Stars Vergangenheit sehr gelungen und hatte mehrere Twists, die ich nicht kommen gesehen habe. Sowohl ihre als auch Floras Geschichte hat mich stets angetrieben, sodass ich stets gewillt war, zu erfahren, was als nächstes passiert (bzw. passierte).

Wenn ich eine Kritik nennen müsste, würde ich Floras Entscheidung bezüglich ihrer Schwester und dem Mann, den sie beide lieben, hervorheben; es war für mich von Anfang an klar, dass das zu nichts Gutem führen würde. Die Reaktion darauf ist glücklicherweise realistisch, doch trotzdem hätte das ganze Drama relativ leicht vermieden werden können. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist das wirklich nur eine kleine Kritik, die mich letztendlich nicht allzu sehr störte, sondern schlicht etwas war, das mir aufgefallen ist.

Insgesamt habe ich diesen Sieben-Schwestern-Band sehr genossen und freue mich, die Reise bald mit dem vierten Band fortzusetzen!

Love Letters to a Serial Killer
352 Seiten

Als Hannah auf eine beginnende Mordserie aufmerksam wird, ist sie sofort fasziniert. In einem Internetforum tauscht sie sich mit anderen Menschen über mögliche Theorien aus. Nach der vierten ermordeten Frau wird der Anwalt William, der mit allen vier Frauen zu tun hatte, festgenommen. Spontan schreibt Hannah ihm, lässt all ihre Gefühle und Gedanken raus, ist jedoch überrascht, als William ihr tatsächlich zurückschreibt. Immer mehr vertieft sich die Beziehung zwischen ihnen – und für Hannah ist der Reiz, in einen mutmaßlichen Serienkiller verliebt zu sein, so groß, dass sie sich immer tiefer in ihrer Obsession verliert ...

Dieser Thriller ist wirklich wahnsinnig spannend geschrieben – es fiel mir sehr leicht, ähnlich wie Hannah immer tiefer in ihm zu versinken, weil er sich so flott las und es sehr faszinierend war, Hannahs obsessives Verhalten zu beobachten. Die Autorin lässt uns ungefiltert an ihren Gedanken teilhaben und beschreibt dabei Hannahs Psychologie so gut, dass ich mich auf eine sehr verquere Weise sogar in sie hineinversetzen konnte.

Durch den locker zu lesenden Schreibstil zieht die Geschichte einen von Anfang bis Ende mit, es gibt keine langsamen Stellen und allgemein ein schnelles Pacing. Darunter leidet zwar durchaus die Romanze, aber weil ich sie kaum als solche betiteln würde, machte mir das nichts aus. Hannahs und Williams Beziehung soll schließlich gar nicht realistisch sein; im Vordergrund steht definitiv Hannahs Obsession und nicht die Romantik.

Eine große Kritik habe ich aber leider: Ich fand das Finale und Ende wirklich SEHR vorhersehbar. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich mir eine klare Vorstellung davon machte, war aber am Ende ganz schön enttäuscht, weil es genau die Twists und sonstigen Enthüllungen enthielt, die ich erwartete. Der Thriller hielt für mich keine Überraschungen bereit, sodass ich letztendlich nicht zufrieden mit seinem Ausgang war.

Wer speziell einen Psychothriller lesen will, der sich auf das mentale Leben der Hauptfigur fokussiert, wird hier eine faszinierende Lektüre finden. Doch diejenigen, die unerwartete Twists und zufriedenstellende Enden lieben, wird dieser Thriller eher nicht gefallen.

This Book Kills
443 Seiten

Als Stipendiatin eines Elite-Internats hat Jess es nicht leicht. Ihr Talent ist Kreatives Schreiben und ihre neueste Geschichte handelt von einem Mord, bei dem das Opfer mit einem Pokal im Wald erschlagen wurde und der Mörder mit Zweigen das Wort „Hilfe“ auf den Boden schrieb. Kurz darauf wird Hugh Henry Van Boren, eines der reichsten Kinder der Schule, auf genau diese Art und Weise getötet – und Jess bekommt eine anonyme Nachricht, in der der Mörder ihr für die Inspiration dankt und meint, es ohne ihre Hilfe niemals geschafft zu haben. Entschlossen, herauszufinden, wer dahintersteckt, startet Jess ihre eigenen Ermittlungen – im vollen Bewusstsein, dass sie sich dadurch in Gefahr begibt …

Dieser Jugendthriller schafft es wirklich hervorragend, sein Mysterium aufzubauen. Es gibt so viele offene Fragen, falsche Fährten und mögliche Mörder, dass ich über den ganzen Roman hinweg investiert darin war, die Antworten auf die Fragen zu finden und selbst Vermutungen anzustellen. Hier hilft es auch, dass so ziemlich jede Theorie, die ich während des Lesens hatte, in der Handlung selbst erwähnt wurde, sodass es schwer war, zu entscheiden, welche sich letztendlich als richtig herausstellen würde.

Doch hier muss ich zugegeben, dass ich die Identität des Mörders etwas zu offensichtlich fand – im Sinne von „es ist immer die Person, von der man es am wenigsten erwartet“. Ich selbst hatte zwar bis zur Enthüllung ganz andere Theorien, aber nur, weil mir die Wahrheit viel zu offensichtlich erschien. Das ist für mich also eine Kritik, weil ich mir mehr überraschende Plot-Twists erhoffte.

Das heißt nicht, dass es keine gibt – tatsächlich gibt es dank der falschen Fährten so einige Überraschungen –, aber gerade deshalb war ich ein wenig enttäuscht davon, ausgerechnet bei der Identität des Mörders keine solche Überraschung bekommen zu haben.

Weil sich der Thriller immer noch sehr gut liest und mich hervorragend unterhalten hat, würde ich ihn trotzdem weiterempfehlen, aber mit der Anmerkung, dass fleißige Leser:innen von Thrillern ihn wahrscheinlich leichter durchschauen werden.