Eine für Haratischwili typische Generationenerzählung, die sich von der Mitte des 19. Jh. bis in die Gegenwart spannt. Die georgische Familie Jaschi im Zentrum zeigt die Autorin das Spannungsfeld Kaukasus, das Aufkommen und der Niedergang der UdSSR sowie die komplexe Situation Georgiens. Einzelnen Familiemitgliedern folgend schildert Haratischwili das Zwischenmenschliche, das Geheimnisvolle und Magische. Eine Geschichte wie ein Bad aus dem man nie mehr auftauchen möchte.
Sehr stark geschrieben und endlich spielt der Täter keine große Rolle, sondern was so ein Femizid mit den Angehörigen und Hinterbliebenen macht. Pageturner. In wenigen Tagen weg gelesen.
Sidney ist Mitte 30 und wünschst sich nichts mehr als einen Freund. Ihre Dating-Erfahrungen sind aber leider alles andere als erfolgreich. Männer, die in ihrem Online-Profil nicht ehrlich sind, Männer, die sie mit der Rechnung im Restaurant stehenlassen, Männer, die ihre Grenzen nicht akzeptieren... Als sie Tom trifft, ist sie hin und weg. Könnte er ihr lang gesuchter Traummann sein? Er ist gutaussehend, hat gute Manieren und ist Arzt. Nur hat er offenbar Mühe, sich zu commiten. Und er verhält sich manchmal sehr verdächtig... könnte er der Mörder und Serienkiller ihrer guten Freundin sein? Von dem es hiess, dass er seine Opfer erst über längere Zeit datet, bevor er sie abschlachtet?...
Auch diese Geschichte trägt die Handschrift der Autorin. Gopf, und auch in dieser Geschichte verhielten sich die Figuren teilweise wieder sooo unnatürlich und unglaubwürdig! Aber, das muss ich McFadden lassen: Auch dieses Mal wurde ich überrascht damit, wie die Geschichte ausging. Ich dachte ja zwar schon früh, dass ich genau weiss, wer der Serienkiller ist (war ja nicht mein erster McFadden-Thriller...), aber nein, ich habe mich getäuscht. :)
Livia leidet von klein auf an einer Augenkrankheit, die sie nach und nach erblinden lässt. Für sie ist diese Diagnose verständlicherweise sehr schwierig, möchte sie doch weiterhin an ihren Sportwettkämpfen teilnehmen (sie ist eine der schnellsten Mädchen in ihrer Region), mit Freund*innen ausgehen, ein normales Leben führen und ja nicht auffallen möchte. Entsprechend handelt sie auch nicht immer vernünftig und nach den Empfehlungen ihrer Ärzten bzw ihrer Eltern.
Ein feinfühliges Buch über das Aufwachsen eines Mädchens mit einer Krankheit und über den Prozess, seine Krankheit anzunehmen und einen guten Umgang damit zu finden. Mich hat die Geschichte berührt und ich konnte Livia mit meiner starken Kurzsichtigkeit ein bisschen nachfühlen. Als Kind plagten mich manchmal auch Ängste, dass ich irgendwann erblinden werde. Bei Livia ist aber bald klar, dass es wirklich so kommen wird. Für mich eine furchtbare Vorstellung. Die Geschichte hat seine Längen und hätte durchaus etwas gestrafft werden können, ohne an Inhalt zu verlieren. Aber grundsätzlich ist die Geschichte schön und für mich authentisch erzählt.
Ein leicht zu lesendes Buch mit interessanten Persönlichkeiten, kulturgeschichtlichen und wisschaftlichen Einblicken sowie autobiografischen Erzählungen. Das war alles ziemlich interessant. Obwohl ich schon so einige Sachbücher über Schwimmen und Wasser gelesen habe, sind hier einige Aspekte versteckt, die mir neu waren. Sehr lesenswert!
Am nächsten Morgen wache ich auf und finde mich plötzlich wieder an diesem inneren Ort, an den ich nie wieder hinwollte: an dem Ort, wo ich die Nachricht eines Mannes erhoffe. Ich kenne diesen Ort gut. Es ist ein Ort, dessen Landschaft sich von heute auf morgen von einem blühenden Hügel mit idyllischen Ausblick in ein kaltes, schlammiges Tal verwandeln kann, dort geht die Sonne mit einem Arnuf auf und mit einer nicht beantworteten Nachricht unter, dort verknüpfen sich mein Wohlbefinden, mein Aussehen, mein Selbstwert untrennbar mit dem Blick eines Menschen auf mich, der nicht ich bin, dort fange ich an, mich den möglichen Erwartungen eines Mannes entgegenzubiegen. Ich weiss nicht, ob ich bereit bin, die Tür zu diesem Ort wieder aufzumachen, ich war dort schon zu oft, ich weiss nicht, ob ich da nochmal hinwill, Friedrich, ich weiss nicht. (S.46)
Ich habe oft genug erlebt, dass sie dich heute umwerfend und interessant finden, morgen anstrengend und übermorgen lästig. Dass sie oft scheisse sind, dass so viel Scheisse in ihnen steckt, für die sie oft nicht mal was können, die Scheisse wurde in sie hineinerzogen, über Jahrhunderte, und man kriegt sie einfach nicht aus ihnen heraus. Die Scheisse, die einer in sich hat, verschwindet nicht einfach, weil du so eine tolle Frau bist, du kannst diese Scheisse nicht vollständig aus einem Mann herauswischen, und sie lässt ihn scheisse mit Frauen umgehen, früher oder später passiert das. Das weiss ich jetzt. Das habe ich gelernt. Jemand hat mich mal gefragt, woher mein pessimistisches Männerbild käme. Na ja, hm, wie soll ich sagen, das kommt vom Leben als Frau. (S.95)
Die Ich-Erzählerin fühlt sich seit vielen Jahren wieder frei. Sie ist geschieden, die beiden Kinder erwachsen und ausgezogen. Sie bewohnt nebst ihrer Wohnung in Wien auch ein Häuschen auf dem Land, wo sie den Sommer geniesst. Sie pflegt gute Freundschaften und ist zufrieden, wie alles so ist. Von den Männern hat sie eigentlich genug. Doch dann trifft sie im Supermarkt auf einmal einen früheren Bekannten (Friedrich) wieder. Die grosse Frage, die sie durch dieses Wiedersehen beschäftigt: Ist sie bereit, ihr gutes Leben nochmals mit einem Mann zu teilen, Kompromisse einzugehen? Ist sie bereit für eine Beziehung?
Eine sehr emanzipierte Geschichte über eine Frau Mitte der Fünzfiger, die mit Männern eigentlich abgeschlossen hatte. Doris Knecht schreibt mit viel Witz über eine selbständige Frau mit schlechten Männererfahrungen, die nicht mehr an die romantische Liebe glaubt.
Sprachlich unglaublich treffsicher und vielschichtig. Allein schon der Titel. Die letzten Kapitel haben mich mit großer Wucht getroffen.
Habe wahnsinnig viel gelernt! Für ein Sachbuch sehr unterhaltsam und leicht zu lesen. Macht einen an vielen Stellen sauer und frustriert. Das Buch geht zwar auf viele einzelne Schicksale von Frauen, deren Erfolg und Errungenschaft von Männern gestohlen wurden, ein, aber versäumt dabei nicht, dies immer im Hinblick auf den größeren gesellschaftlichen Kontext zu tun. Diese Paradebeispiele stehen stellvertretend für alle Frauen, deren Namen nie in den Geschichtsbüchern stehen werden, weil ihre Spuren verwischt wurden oder die äußeren Gegebenheiten sie immer unterdrückt hielten.