Sidney ist Mitte 30 und wünschst sich nichts mehr als einen Freund. Ihre Dating-Erfahrungen sind aber leider alles andere als erfolgreich. Männer, die in ihrem Online-Profil nicht ehrlich sind, Männer, die sie mit der Rechnung im Restaurant stehenlassen, Männer, die ihre Grenzen nicht akzeptieren... Als sie Tom trifft, ist sie hin und weg. Könnte er ihr lang gesuchter Traummann sein? Er ist gutaussehend, hat gute Manieren und ist Arzt. Nur hat er offenbar Mühe, sich zu commiten. Und er verhält sich manchmal sehr verdächtig... könnte er der Mörder und Serienkiller ihrer guten Freundin sein? Von dem es hiess, dass er seine Opfer erst über längere Zeit datet, bevor er sie abschlachtet?...
Auch diese Geschichte trägt die Handschrift der Autorin. Gopf, und auch in dieser Geschichte verhielten sich die Figuren teilweise wieder sooo unnatürlich und unglaubwürdig! Aber, das muss ich McFadden lassen: Auch dieses Mal wurde ich überrascht damit, wie die Geschichte ausging. Ich dachte ja zwar schon früh, dass ich genau weiss, wer der Serienkiller ist (war ja nicht mein erster McFadden-Thriller...), aber nein, ich habe mich getäuscht. :)
Livia leidet von klein auf an einer Augenkrankheit, die sie nach und nach erblinden lässt. Für sie ist diese Diagnose verständlicherweise sehr schwierig, möchte sie doch weiterhin an ihren Sportwettkämpfen teilnehmen (sie ist eine der schnellsten Mädchen in ihrer Region), mit Freund*innen ausgehen, ein normales Leben führen und ja nicht auffallen möchte. Entsprechend handelt sie auch nicht immer vernünftig und nach den Empfehlungen ihrer Ärzten bzw ihrer Eltern.
Ein feinfühliges Buch über das Aufwachsen eines Mädchens mit einer Krankheit und über den Prozess, seine Krankheit anzunehmen und einen guten Umgang damit zu finden. Mich hat die Geschichte berührt und ich konnte Livia mit meiner starken Kurzsichtigkeit ein bisschen nachfühlen. Als Kind plagten mich manchmal auch Ängste, dass ich irgendwann erblinden werde. Bei Livia ist aber bald klar, dass es wirklich so kommen wird. Für mich eine furchtbare Vorstellung. Die Geschichte hat seine Längen und hätte durchaus etwas gestrafft werden können, ohne an Inhalt zu verlieren. Aber grundsätzlich ist die Geschichte schön und für mich authentisch erzählt.
Ein leicht zu lesendes Buch mit interessanten Persönlichkeiten, kulturgeschichtlichen und wisschaftlichen Einblicken sowie autobiografischen Erzählungen. Das war alles ziemlich interessant. Obwohl ich schon so einige Sachbücher über Schwimmen und Wasser gelesen habe, sind hier einige Aspekte versteckt, die mir neu waren. Sehr lesenswert!
Am nächsten Morgen wache ich auf und finde mich plötzlich wieder an diesem inneren Ort, an den ich nie wieder hinwollte: an dem Ort, wo ich die Nachricht eines Mannes erhoffe. Ich kenne diesen Ort gut. Es ist ein Ort, dessen Landschaft sich von heute auf morgen von einem blühenden Hügel mit idyllischen Ausblick in ein kaltes, schlammiges Tal verwandeln kann, dort geht die Sonne mit einem Arnuf auf und mit einer nicht beantworteten Nachricht unter, dort verknüpfen sich mein Wohlbefinden, mein Aussehen, mein Selbstwert untrennbar mit dem Blick eines Menschen auf mich, der nicht ich bin, dort fange ich an, mich den möglichen Erwartungen eines Mannes entgegenzubiegen. Ich weiss nicht, ob ich bereit bin, die Tür zu diesem Ort wieder aufzumachen, ich war dort schon zu oft, ich weiss nicht, ob ich da nochmal hinwill, Friedrich, ich weiss nicht. (S.46)
Ich habe oft genug erlebt, dass sie dich heute umwerfend und interessant finden, morgen anstrengend und übermorgen lästig. Dass sie oft scheisse sind, dass so viel Scheisse in ihnen steckt, für die sie oft nicht mal was können, die Scheisse wurde in sie hineinerzogen, über Jahrhunderte, und man kriegt sie einfach nicht aus ihnen heraus. Die Scheisse, die einer in sich hat, verschwindet nicht einfach, weil du so eine tolle Frau bist, du kannst diese Scheisse nicht vollständig aus einem Mann herauswischen, und sie lässt ihn scheisse mit Frauen umgehen, früher oder später passiert das. Das weiss ich jetzt. Das habe ich gelernt. Jemand hat mich mal gefragt, woher mein pessimistisches Männerbild käme. Na ja, hm, wie soll ich sagen, das kommt vom Leben als Frau. (S.95)
Die Ich-Erzählerin fühlt sich seit vielen Jahren wieder frei. Sie ist geschieden, die beiden Kinder erwachsen und ausgezogen. Sie bewohnt nebst ihrer Wohnung in Wien auch ein Häuschen auf dem Land, wo sie den Sommer geniesst. Sie pflegt gute Freundschaften und ist zufrieden, wie alles so ist. Von den Männern hat sie eigentlich genug. Doch dann trifft sie im Supermarkt auf einmal einen früheren Bekannten (Friedrich) wieder. Die grosse Frage, die sie durch dieses Wiedersehen beschäftigt: Ist sie bereit, ihr gutes Leben nochmals mit einem Mann zu teilen, Kompromisse einzugehen? Ist sie bereit für eine Beziehung?
Eine sehr emanzipierte Geschichte über eine Frau Mitte der Fünzfiger, die mit Männern eigentlich abgeschlossen hatte. Doris Knecht schreibt mit viel Witz über eine selbständige Frau mit schlechten Männererfahrungen, die nicht mehr an die romantische Liebe glaubt.
Sprachlich unglaublich treffsicher und vielschichtig. Allein schon der Titel. Die letzten Kapitel haben mich mit großer Wucht getroffen.
Meinetwegen kann Cornelia Funke für jeden Feiertag ein Gespensterjägerbuch schreiben.
Als ich elf Jahr alt werde, sagt meine Mutter: Mädchen, ab jetzt bleibst du zuhause. Ein Mädchen braucht nicht gescheit zu sein. Ein gutes Mädchen muss arbeiten, einen Haushalt führen können. Kein Mann mag Mädchen, die gescheit daherreden, aber das Haus nicht sauber halten. Rechnen, lesen. Das ist kein Mädchenzeugs. Ich verstand: Träume sind auch kein Mädchenzeugs. (S.17, CH)
Alle haben so glücklich ausgesehen und mir gratuliert. Doch in mir spüre ich noch etwas anderes. Etwas Unheilvolles. Es hält mein Herz umklammert. ich lausche dem nächtlichen Zirpen der Grillen. Ein Geräusch, das mir immmer ein Gefühl der Geborgenheit gibt. Heute nicht. Da ist noch ein anderer Laut. Etwas Fremdes. Ein leises, unscheinbares Ploppen. Es sind meine Träume, meine Ideen und die Vorfreude auf mein zukünftiges Leben, die vom Rest der Welt vollkommen unbeachtet, in der Dunkelheit des Zimmers leise zerplatzen. (S.29, Kamerun)
Ich kann sie noch immer spüren, diese hoffnungsvolle Kraft und Freude, die mich damals ergriffen hatte. Doch nun weiss ich es besser. Die Freiheit einer Frau reicht nur bis zum nächsten Nein eines Mannes. (S.30, Kamerun)
Ich habe mich schon oft gefragt, wie ein Mensch geboren wird. Traurig oder glücklich? Ich denke glücklich. Traurig macht ihn erst das Leben. (S.120, Kamerun)
Melara Mvogdobo schreibt über zwei Grossmütter aus zwei verschiedenen Kontinenten. Die eine wuchs in einer armen Schweizer Bauernfamilie auf, die andere in einer wohlhabenden Familie in Kamerun. Ihr Leben könnte nicht unterschiedlicher sein und doch machen sie beide ähnliche Erfahrungen. Beide leiden unter den patriarchalen Strukturen, beide werden zu einer Hochzeit gedrängt, beide werden gedemütigt, entwürdigt, geschlagen. Beide sind wütend und beide haben irgendwann genug. Melara Mvogdobo nimmt uns mit in ihre Kindheit und bis ans Sterbebett im hohen Alter.
Wow, was für eine Kraft dieses kleine Büchlein hat! Mvogdobos Schreibstil ist sehr reduziert, aber damit umso wuchtiger. Kein Wort zuviel, jedes Wort sitzt. Die teilweise sehr kurzen Kapitel wechseln sich ab, die Kapitel aus Kamerun sind in einem Bordeauxrot geschrieben, die Kapitel aus der Schweiz in Schwarz. Die beiden Geschichten zu lesen haben in mir eine grosse Wut aufbrodeln lassen. Wut auf das Patriarchat, auf die Gewalt, die beiden Frauen widerfahren ist - und die leider keine Seltenheit ist, auch heute noch. Die Geschichten haben mich aber auch in meinen feministischen Gedanken gestärkt. Eine dünnes Buch, das es ist in sich hat und mich sehr ergriffen hat, inklusive vergossener Tränen. Sehr zu empfehlen! Das Buch war auf der Shortlist für den CH-Buchpreis 2025.
Sehr stark geschrieben und endlich spielt der Täter keine große Rolle, sondern was so ein Femizid mit den Angehörigen und Hinterbliebenen macht. Pageturner. In wenigen Tagen weggelassen.